Oktober 2012 - Der Monat

dermonat.li

Oktober 2012 - Der Monat

oktober 12

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politik: Noch keine Fusionen unserer Gemeinden

Geschichte: Der «Kossuthli» – Ein Unterländer Rebell

kultur: «Matheliebe» – Eine lebendige Wissenschaft


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Liechtenstein is not

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inhalt | editorial

Brauchen auch wir

Piraten in der Politik?

panoraMa 4

titeltheMa

Noch keine Fusionen unserer Gemeinden 6

esskultur

Früherer Speisezettel – essen und

trinken um 1700 10

jahr der enerGie

Intelligente Antworten auf energieknappheit 12

porträt

barbara Wülser – Netzwerk für die Alpen 14

Geschichte

Der «kossuthli» – ein Unterländer rebell 16

kultur

«Matheliebe» – eine lebendige Wissenschaft 18

vor 50 jahren

23. oktober 1962 –

Abschied vom Goldenen Wagen 20

ratGeber

Herzensangelegenheiten 21

Wohnkultur

Das edle kissen von Hand gemacht

und mit eigensinn 22

briefMarken

Die Schönheiten der kosel-Serie von 1930 24

oriGinale

Vom Hasa-toni und vom Fideli 26

rätsel 28

schlusspunkt 30

Nur noch vier Monate trennen Liechtenstein von den

Wahlen 2013, die nach dem Verzicht von Regierungschef

und Regierungschef-Stellvertreter auf eine

erneute Kandidatur eine neue

Regierungsspitze hervorbringen

wird. Diese aktuelle Situation hat

es bislang in unserer politischen

Geschichte noch nicht gegeben. Eine weitere Unbekannte

der Wahlen ist die Kandidatur einer Wählergruppe

um den früheren VU-

Abgeordneten Harry Quaderer,

der aus der VU ausgetreten ist, die

Legislaturperiode als unabhängiger

Abgeordneter im Landtag verbringt

– und Ambitionen hegt,

auch dem nächsten Landtag als

Abgeordneter anzugehören, ohne

eine Partei im Rücken zu haben.

Wir haben Harry Quaderer gebeten,

seine Überlegungen in unse-

Günther Meier

rem Schlusspunkt zu formulieren. Chefredaktor «Der Monat»

Herausgekommen ist ein origineller

Kommentar, der sicher zur Frage anregen wird:

«Brauchen auch wir Piraten in der Politik?»

ein Mandat im landtag,

ohne eine partei im rücken zu haben

iMpressuM: 6. Jahrgang, Nr. 70, September 2012, 18 750 exemplare

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redaktion: Günther Meier, tel. +423 380 09 30, redaktion@dermonat.li

verlaGsleitunG: Max Meinherz, tel. +423 239 50 20, m.meinherz@gutenberg.li

sekretariat: eva rubin, tel. +423 239 50 30, office@gutenberg.li

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online: «Der Monat» im Internet: www.dermonat.li

titelbild: Gemeindefusionen sind in Liechtenstein noch

Zukunftsmusik. (Foto: Information und kommunikation

der regierung/Close Up, triesen)

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oktober 2012

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5

panoraMa

Liechtensteiner Druck

für Schweizer Post

Zur Ehrung des «Braunen Langohrs», eine

Fledermaus und Tier des Jahres 2012, gab die

Schweizerische Post am 6. September eine spezielle

Sondermarke heraus. Die Briefmarke ist perforiert

und hat die Form einer Fledermaus. Die Doppelprägung

sorgt für eine dreidimensionale Wirkung,

womit sich die Fledermaus vom

Hintergrund abhebt. Der spezielle

Sonderblock, der nur an

ausgesuchten Verkaufsstellen in

der Schweiz erhältlich ist, wurde

bei der Druckerei Gutenberg AG

in Schaan gedruckt. Damit lieferte

die Gutenberg AG erneut einen

Beweis, dass sie zu den weltbesten

Druckereien für Briefmarken-Druck gehört, der in

Fachkreisen zur «Königsdisziplin» erkoren wurde.

Den Einstieg in den Briefmarken-Druck schaffte

die Gutenberg AG im Jahre 2009 mit der ersten

Selbstklebe-Briefmarke mit echter Perforation, die

sich leicht vom Bogen lösen lassen, selbst kleben

und von den Philatelisten genau gleich behandelt

werden können wie die herkömmlichen nassklebenden

Briefmarken. Für die Gutenberg AG ist

der Druck des «Braunen Langohrs» für die Schweizer

Post eine besondere Auszeichnung, weil in der

100-jährigen Briefmarkengeschichte des Fürstentums

Liechtenstein die liechtensteinischen Briefmarken

zumeist in der Schweiz gedruckt wurden.

Foto: Post Schweiz

transportgrossmacht liechtenstein

Liechtenstein rangiert in der Spitzengruppe in europa, wenn die

transportleistungen in relation zur einwohnerzahl gesetzt werden.

Die Gütertransportstatistik 2011 weist 38 Unternehmen aus, die im

internationalen transport tätig sind. Durchschnittlich fuhren 270

Fahrzeuge unter liechtensteinischer Flagge, womit sich der Fuhrpark

im Vergleich zu 2010 nochmals erhöht hat. Die in Liechtenstein

zugelassenen Lastwagen und Sattelschlepper transportierten 2011

insgesamt 600’460 tonnen Güter, was im Vergleich zum Vorjahr einer

Zunahme von 3,8 Prozent entspricht. ohne die transporte zwischen

Liechtenstein und der Schweiz.

Foto: Presse- und Informationsamt

Besserer Schutz

für kulturgüter

Das aus dem Jahre 1977 stammende Denkmalschutzgesetz

soll neu gefasst werden. Die Regierung

hat bereits eine Vorlage in die Vernehmlassung

gegeben, welche die drei Sachbereiche Denkmalpflege,

Archäologie und Kulturgüterschutz zusammenfasst.

Das geltende Gesetz befasst sich ausschliesslich

mit Denkmälern, während die archäologischen

Aufgaben nicht definiert und archäologische

Stätten nur im Begriff des Denkmals integriert

sind. Neu sollen neben der Denkmalpflege auch die

Aufgaben der Archäologie geregelt und der Kulturgüterschutz

nach den Regeln des internationalen

Haager Abkommens aufgenommen werden. Das

neue Gesetz sieht auch eine neue Sprachregelung

vor: Anstelle des Begriffs «Denkmal» wird künftig

«Kulturgut» verwendet, wie das heute international

üblich ist. Die Pflege und der Schutz der Kulturgüter

soll weiterhin in der Verantwortung der

Eigentümer liegen, während der Staat sich auf

Förderungs- und Unterstützungsmassnahmen beschränkt.

Alphorntreffen

auf der Sonnenterrasse

Alphörner gehören nicht zu den traditionellen

Musikinstrumenten des Brauchtums in Liechtenstein,

aber die einzigartigen Blasinstrumente

aus der Schweiz und Österreich erobern stetig auch

die liechtensteinische Bergwelt. Am 21. Oktober

2012 organisiert der Verein «Walserecho» das

2. Liechtensteiner Alphorntreffen in Triesenberg.

Auf der liechtensteinischen Sonnenterrasse können

die Alphorn-Liebhaber vor der alpinen Kulisse den

Klängen der Bergwelt lauschen.

oktober 2012


Brüssel mahnt

Liechtenstein ändert

Die EFTA-Überwachungsbehörde hat ein Mahnschreiben nach

Vaduz geschickt und bemängelt, dass in Liechtenstein bei Treuhänderschaften

mindestens eine im Inland wohnhafte Person vorgeschrieben

sei. Darin sieht die EFTA-Überwachungsbehörde eine Verletzung

der Dienstleistungsrichtlinie und ungerechtfertigte Beschränkung der

Niederlassungsfreiheit. Die Regierung hat reagiert und schlägt für die

Zukunft vor, dass zumindest ein Treuhänder zu bestellen ist, der über

eine Bewilligung nach dem liechtensteinischen Gesetz über die Treuhänder

verfügt. Mit diesem Vorschlag soll die EWR-Rechtskonformität

hergestellt und dafür gesorgt werden, dass weiterhin ein Anknüpfungspunkt

an die liechtensteinische Rechtsordnung gegeben ist.

Liechtenstein

gestalten mit Jubel.li

Die Internationale Vereinigung von Kuratoren zeitgenössischer

Kunst (IKT) hielt ihren Kongress 2012 in Tel Aviv und Jerusalem ab.

Interessant ist, dass die IKT derzeit unter liechtensteinischer Präsidentschaft

steht. Präsident der einzigen internationalen Berufsvereinigung

für freie und institutionelle Ausstellungsmacher ist nämlich seit der

Generalversammlung 2011 Friedemann Malsch, der Direktor des

Kunstmuseums Liechtenstein. Der Vereinigung gehören rund 500

Kuratoren aus Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Australien

an. Den Kuratoren ist auch der Wirkungsort ihres derzeitigen Präsidenten

bekannt, denn der Kongress 2007 fand in Liechtenstein statt.

Das Alpenrheintal

ist klima-Pilotregion

Wie können die Alpen bis 2050 klimaneutral

werden? Laut einer Mitteilung der CIPRA wollen 13

Partner-Regionen aus dem Alpenraum im Rahmen

des Projekts «Alpstar» gemeinsam Wege aufzeigen,

wie der Kohlendioxid-Ausstoss im Alpenraum

effektiv reduziert werden kann. Eine dieser Pilotregionen

ist das Alpenrheintal. Liechtenstein, Vorarlberg

und der Kanton St. Gallen

möchten Pendler zum Umsteigen

auf den öffentlichen Verkehr

und den Radverkehr bewegen.

Als Partner für das Projekt konnten

die Auspendler-Gemeinden

Buchs und Feldkirch gewonnen

werden. Mit dabei ist auch die

Firma Hilti.

Foto: Marco Nescher

Foto: Günther Meier

Neues Sportgesetz

Härtere Dopingbekämpfung

Das Sportgesetz, das im Jahre 2000 in

Kraft getreten ist, soll an die eingetretenen Veränderungen

angepasst werden. Die Regierung

hat einen Entwurf in die Vernehmlassung

geschickt, der einerseits die umfassende Bedeutung

des Sports für Staat und Gesellschaft ausdrücklich

betont und andererseits härtere Massnahmen

bei Doping vorsieht. Nach diesem

geltenden Recht können Personen bestraft werden,

die Mittel zu Dopingzwecken herstellen,

einführen, ausführen, vermitteln, vertreiben,

verschreiben oder abgeben. Strafbar macht sich

auch, wer Methoden zu Dopingzwecken an

anderen Personen anwendet. Im Unterschied

dazu bleiben Sportlerinnen und Sportler von

einer strafrechtlichen Verfolgung verschont,

wenn sie Dopingmittel konsumieren oder

Doping methoden anwenden. Dass also nur

Ärzte, Betreuer oder Trainer bestraft werden,

Sportler hingegen ungeschoren bleiben, soll

auch in Zukunft beibehalten werden. Um dem

Kampf gegen Doping entsprechend Nachdruck

zu verleihen, wird der Strafrahmen für das Umfeld

der Sportler erhöht: Bisher konnte ein Vergehen

mit zwei Jahren geahndet werden, künftig

werden drei Jahre angedroht. Die Regierung

stellte auch Überlegungen an, ob nicht die Sportler

bei Doping strafrechtlich zur Rechenschaft

gezogen werden sollten. Schliesslich wurde Abstand

davon genommen, weil in der Schweiz

ähnliche Überlegungen nicht zur Aufnahme

eines Straftatbestandes in das Sportgesetz führten.

Belangt werden können Sportler von den

Vereinen und Verbänden. Ausserdem können

bei Dopingvergehen die vorher ausgerichteten

Förderungsmittel zurückgefordert werden.


6

7

Von Günther Meier

titeltheMa

Noch keine Fusionen

unserer Gemeinden

Liechtenstein zählt seit der Gemeindeordnung

von 1842 unverändert 11 Gemeinden,

die seit der Verfassung von 1921 schon im ersten

Verfassungsartikel aufgeführt sind: «Das Fürstentum

Liechtenstein ist ein Staatsverband von zwei

Landschaften mit elf Gemeinden. Das Fürstentum

Liechtenstein soll den innerhalb seiner Grenzen

lebenden Menschen dazu dienen,

bevor wir konkret über fusi- in Freiheit und Frieden miteinanonen

nachdenken, müssen wir

der leben zu können. Die Landschaft

Vaduz (Oberland) besteht

vermehrt kooperationen aus den Gemeinden Vaduz, Balzers,

Planken, Schaan, Triesen

in sachbereichen suchen

und Triesenberg, die Landschaft

Schellenberg (Unterland) aus den Gemeinden

Eschen, Gamprin, Mauren, Ruggell und Schellenberg.»

Im Jahre 1860 hatte die Schweiz 3146 Gemeinden,

derzeit sind es noch 2495. Allein 2011 sind

eigen ständige 56 Gemeinden von der Karte verschwunden,

weil sie Fusionen mit anderen Gemeinden

eingegangen sind, weitere Fusionen sind in

verschiedenen Kantonen für anfangs 2013 bereits beschlossen.

Die Zahl zeigt auf, dass in der Schweiz

über viele Jahrzehnte hinweg kaum Gemeinden fusionierten,

in jüngster Zeit jedoch überall Zusammenschlüsse

kleinerer Gemeinden zu grösseren Einheiten

zu beobachten sind. Gesamthaft bewegt sich

der Verlust an Gemeinden in der Schweiz auf etwa 20

Prozent, während die Zahl der Gemeinden in

Deutschland im 20. Jahrhundert um fast 60 Prozent

und in Österreich um gut 40 Prozent zurückging.

knappere finanzen und probleme bei der rekrutierung von fähigen leuten für

die Gemeindepolitik lassen die frage nach Gemeindefusionen aufkommen. in

der schweiz schliessen sich immer wieder Gemeinden zusammen, in unserem

land sind fusionen noch kein thema.

Einsparungen und mehr Spiel-

raum für grössere Projekte

An die österreichischen und

deutschen Verhältnisse annähern könnte sich auch

die Schweiz, wenn in den nächsten Jahren alle

Fusionspläne von Gemeinden realisiert werden.

Gemeinsam sind diesen Zusammenlegungsplänen,

dass die Befürworter finanzielle Einsparungen und

mehr Spielraum für grössere Projekte versprechen,

weil die kleinen Gemeinden nicht in der Lage seien,

ihre Aufgaben zu erfüllen. Hin und wieder spielt

auch die Politik eine Rolle, wenn argumentiert

wird, in einem grösseren Gemeinwesen liessen sich

eher Leute finden, die sich als Politiker zur Verfügung

stellten. Für Zusammenschlüsse mehrerer

Gemeinden sprechen nach Überzeugung von

Befürwortern auch wirtschaftliche Vorteile, insbesondere

ist von Standortvorteilen die Rede, wenn

es gilt, neue Unternehmen anzusiedeln und neue

Arbeitsplätze zu schaffen. Allerdings gibt es auch

Gegner von Gemeindefusionen, die einen Verlust

der bisherigen Verwurzelung der Einwohner befürchten

und überzeugt sind, dass sich kleine staatliche

Einheiten einfacher und bürgernaher regieren

lassen. «Je grösser ein Gebilde, desto grösser die

Begehrlichkeiten und die Summe, die man ausgibt»,

wehrt sich Arthur Messmer aus der Rheintaler

Gemeinde Au gegen Gemeindefusionen im

Interview mit dem «Rheintaler». Es sind gerade

fünf Jahr her, seit in einer Grundsatzabstimmung

aus den Gemeinden Au, Widnau, Berneck, Balgach

und Diepoldsau das Projekt «Stadt Heerbrugg»

hervorgehen sollte. Die Stimmberechtigten versagten

dem Projekt die Zustimmung. Die Nein-Stimmenden

hätten Angst gehabt vor einem Identitätsverlust

in einer zunehmend anonymisierten Welt,

meinte der Befürworter Reini Frei im Rückblick

auf die Abstimmung. Für Frei hätte es genügend

Gründe für eine Zustimmung gegeben, denn die

fünf Rheintaler Gemeinden verfügten über eine


gemeinsame Herkunft, über gemeinsame Verkehrsprobleme,

über einen gemeinsamen Wirtschaftsraum

und über eine gemeinsame Kultur. In

zehn bis fünfzehn Jahren, prognostiziert Frei, würden

sich die mittelrheintalischen Gemeinden zusammenschliessen

und einige Jahre später als

«Stadt Rheintal» der «erfolgreichste Wohn-, Wirtschafts-

und Kulturraum» des Kantons St. Gallen

sein.

Anstelle von Fusionen über

Kooperationen nachdenken

Während in unmittelbarer Nachbarschaft

über die Fusion der Gemeinden Buchs

und Sevelen sowie über eine Vereinigung der drei

Gemeinden Sargans, Mels und Vilters-Wangs diskutiert

wird, sind Gemeindefusionen in Liechtenstein

kein Thema. Unsere Umfrage bei verschiedenen

Vorstehern erbrachte das Ergebnis, dass nirgendwo

konkret über die Zusammenlegung von

zwei oder mehreren Gemeinden gesprochen wurde.

«Nein, wir haben uns nicht mit dieser Frage befasst

und hatten bisher auch keinen Grund dazu», antwortete

der Plankner Vorsteher Rainer Beck. Auch

Arthur Brunhart, Vorsteher von Balzers, sieht in

Gemeindefusionen derzeit kein Thema und lenkt

auf ein anderes Feld: «Bevor wir konkret über Fusionen

nachdenken, müssen wir vermehrt Kooperationen

in Sachbereichen suchen.»

Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen

hinweg gibt es schon in verschiede-

nen Varianten. Der Abwasser- Gemeindefusionen sind derzeit

zweckverband ist ein Beispiel für in den Gemeinden kein Thema,

den Zusammenschluss aller die Rathäuser bleiben vorerst

Gemeinden, eine Kooperation

besteht ferner in der Alters- und

Krankenhilfe, in Planung befindet sich die Zusammenarbeit

in einer gemeinsamen «Familienhilfe

Liechtenstein», wie Daniel Hilti, Vorsteher von

Schaan ausführt. Eschen und Mauren haben schon

vor längerer Zeit den Sportpark realisiert, zudem

wird im Unterland die Wasserversorgung gemeinsam

von allen Gemeinden organisiert. Schaan und

Planken gingen eine Zusammenarbeit bei der

Waldbewirtschaftung ein, Planken kann die Schaaner

Deponie «Forst» und die Altstoffsammelstelle

beim Werkhof in Schaan benützen. Vaduz und

Schaan betreiben gemeinsam das Schwimmbad

Mühleholz und die Jugendherberge. Die beiden

südlichsten Gemeinden, Triesen und Balzers,

arbeiten im Bereich der Gemeindepolizei zusammen.

Vaduz, Triesen und Schaan betreiben

gemeinsam die Jugendarbeit. Diese Auflistung ist

nicht vollständig, zeigt aber dennoch auf, wie bereits

zahlreiche Kooperationen bestehen.

in Betrieb.

Gemeinde Ober- und Unterland

– derzeit undenkbar

Aus Wirtschaftskreisen, wo Fusi-

onen zur Tagesordnung gehören, ist die Anregung

zu vernehmen, Liechtenstein könnte nur aus zwei

Gemeinden bestehen, einer Gemeinde Oberland

oktober 2012

Foto: Information und kommunikation der regierung/Close Up


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titeltheMa

und einer Gemeinde Unterland, um Kosten und

Personal zu sparen und gleichzeitig Synergien zu

nutzen. Die von uns angefragten Vorsteher schliessen

einen derartigen massiven Schnitt in der Gemeindeordnung

nicht aus, halten das Thema aber

vorerst für nicht durchführbar. «Die Gemeindeautonomie

ist politisch noch tief verankert und ein

Umdenken nicht erkennbar», gibt der Schaaner

Vorsteher Daniel Hilti zu bedenken. Für Rainer

Beck, Vorsteher von Planken, drängt sich eine Zusammenlegung

der Gemeinden nicht auf, solange

Wie die Gemeinden entstanden

die Gemeinden gut funktionieren, sich genügend

Personen zur Wahl für politische Ämter stellen und

ausreichend finanzielle Ressourcen vorhanden

sind. «Ohne den Druck einer anhaltenden finanziellen

Notlage in Land und Gemeinden sowie

einer breit abgestützten Akzeptanz in der Bevölkerung

zu einem damit verbundenen Abbau von

Eigenständigkeit», meint der Vaduzer Bürgermeister

Ewald Ospelt, «werden solche Fusionen nicht

machbar sein.» Ausserdem bräuchte es «viel, sehr

viel Überzeugungsarbeit!» |

Dieses Jahr feiert Liechtenstein das Jubiläum «300 Jahre oberland» zum Gedenken an 1712, als das Fürstenhaus Liechten-

stein die Grafschaft Vaduz kaufte. Zu jenem Zeitpunkt bestand das oberland im heutigen Verständnis noch nicht, auch gab

es damals noch nicht die sechs Gemeinden, die heute den Wahlkreis oberland bilden.

bis in das 19. Jahrhundert hinein bestimmten Siedlungsgemeinschaften oder Markgenossenschaften die Abgrenzungen, die

später durch die Gemeindegrenzen gezogen wurden. entstanden waren diese Verwaltungseinheiten aus den früheren

Siedlungen, die sich wiederum aus den Sippen herausgebildet hatten. Aus den Markgenossenschaften gingen die Nach-

barschaften hervor, die zuerst nur ein paar Hofsiedlungen umfassten und als bäuerliche Wirtschaftsgemeinschaften die für

alle bewohner notwendigen Aufgaben genossenschaftlich erledigten. Allmenden, Alpen und Wälder bildeten gemeinsamen

besitz, für dessen bewirtschaftung alle zuständig waren.

Mit den reformen von Fürst Johann Josef I. (1805 – 1836), die in der sogenannten Dienstinstruktion von 1808 festgelegt

wurden, erfolgte die Aufhebung der alten Strukturen. Die Geburtsstunde der heutigen Gemeinden schlug am 1. Januar 1809,

als deren territoriale Abgrenzung erfolgte. Allerdings dauerte es ein paar Jahre, bis die entflechtung überall umgesetzt war.

Die früheren Nachbarschaften Vaduz, Schaan und Planken waren bis zur endgültigen Güteraufteilung im Jahre 1811 noch

miteinander verbunden. triesen besass bis 1810 gemeinsames eigentum mit der oberhalb liegenden Gemeinde triesenberg

und bis ins Jahr 1835 mit balzers. Der Aufteilungsprozess, der schon vor der Dienstinstruktion eingesetzt hatte, zog sich auch

bei den Unterländer Gemeinden teilweise Jahre über die Dienstinstruktion hinaus, mit der auch die Aufgaben und organe der

Gemeinden festgelegt wurden.

Das Gemeindegesetz von 1842 war die erste, alle Gemeinden umfassende ordnung des Gemeindewesens. Mit dem Gemeindegesetz

wurden die rechte und Pflichten der Gemeinden und der Gemeindeorgane festgelegt. enthalten waren darin auch

bestimmungen über das Gemeindebürgerrecht sowie über die rechte der bürger und der Hintersassen: So wurden jene

einwohner bezeichnet, die zwar in der Gemeinde wohnten, aber bürger einer anderen Gemeinde waren. Nach einem rückfall

in die absolutistische Zeit nach dem Scheitern der revolution von 1848, mit dem vorher zugestandene rechte aufgehoben

wurden, erhielten die Gemeinden mit der Verfassung von 1862 neue Zuständigkeiten: Die freie Wahl der ortsvorsteher, die

selbständige Verwaltung des Vermögens, die ordnung des Armenwesens und die organisation des Schulwesens wurden im

neuen Gemeindegesetz von 1864 festgeschrieben.


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Mag. Thomas Hosp, LL.M., Wirtschaftstreuhänder/

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Dipl. Kfm. Matthias Langer, LL.M.,

Steuerberater (D), Schaan

Rechtsanwalt Dr. Heinz Frommelt, Sele Frommelt

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«Einfluss ausländischer steuerlicher Rahmenbedingun

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schaften und Finanzintermediäre»

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Von Günther Meier

esskultur

Früherer Abenteuerspielplatz

Speisezettel

essen rund um und den trinken Walensee um 1700

Das Oberland, vor 300 Jahren

vom Fürsten von Liechtenstein gekauft, ist in seinen

Grenzen – abgesehen von der neuen Grenzlinie

beim Ellhorn – hinweg über die drei Jahrhunderte

gleich geblieben. Ansonsten hat sich viel verändert,

nicht zuletzt auch die Ernährung der Menschen.

Der Speisezettel war 1712

nicht so reich bestückt wie heu-

damit die leute nicht zu viel

te, viele Nahrungsmittel, die

tranken, war den Wirten heute zum täglichen Brot gehören,

waren damals in unserer

aufgetragen, auf das laster

Gegend noch unbekannt. Dem

der trunksucht aufmerk- vom Liechtensteinischen Landesmuseum

herausgegebenen Buch

sam zu machen

zum Jubiläum «1712 – 2012: Das

Werden eines Landes» ist es zu

verdanken, dass wir erfahren, wie unsere Vorfahren

zu jenem Zeitpunkt lebten und wie sie sich

ernährten. Die Autorin Gerda Leipold hat aus

verschiedenen Quellen «Essen und Trinken in

Liechtenstein um 1700» zusammengetragen.

Um 1700 lieferten Getreide wie

Dinkel, Gerste, Hafer, Weizen und Roggen den

Grundstoff für die Nahrung. In Liechtenstein

waren nahezu alle Haushalte, wie in ländlichen

Gegenden üblich, Selbstversorger. Eine Abwechslung

auf den Speiseplan bringt der regionale Austausch.

Gekauft wird praktisch nur Salz, das zum

Würzen und Konservieren der Lebensmittel verwendet

wurde. Weil damals das Haltbar machen

der Nahrungsmittel eine Herausfor derung war,

verlegte die Kirche aus pragmatischen Gründen

das Fasten in die Winterzeit, in den Advent und in

die Zeit vor Ostern, weil dann auch keine schweren

körperlichen Arbeiten für die Bauern anstanden.

das jubiläum «300 jahre oberland» wird vor allem als politischer akt gefei-

ert. doch wie haben die Menschen damals gelebt, wie haben sie sich ernährt?

ein buch gibt auskunft über essen und trinken in liechtenstein um 1700.

Unterschiede zwischen ein-

fachen Leuten und Oberschicht

Die einfachen Leute mussten

sich mit einem einfachen Speiseplan zufrieden

geben: Brot war eines der wichtigsten Nahrungsmittel,

das aber um 1700 nicht mehr nur zu Hause

selbst gebacken, sondern schon von Bäckern hergestellt

wurde. Dass es zu jener Zeit schon Bäcker

gab, ergibt sich aus einem Verbot: Den Brotträgern

und Bäckern war es verboten, Brot während der

Messe in der Kirche anzubieten. Zu den pfändbaren

Gütern gehörten Dinkel, Salz, Schmalz,

Käse und Wein. Einen weiteren Hinweis, was konsumiert

wurde, gibt eine Vorräteliste der Statthalterei

Bender um 1694: Wein, Dinkel, Gerste, Hafer,

Erbsen, Bohnen, Birnenschnitze, Apfelschnitze,

Fleisch, Schmalz, Käse. Werden diese Nahrungsmittel

mit den Festtafeln der Grafen von Hohenems

verglichen, wird ersichtlich, wie schmal und

einfach die Bauern in unserer Gegend leben mussten:

Die Grafen ernährten sich von Wild, Rind-

und Schweinefleisch, hatten Fisch und Käse aus

Italien und Holland, garnierten die Tafel mit einheimischen

Früchten, aber auch mit Pfirsichen,

Orangen, Feigen und Oliven.

Eine Zusammenfassung der Autorin

Gerda Leipold lässt erahnen, was etwa auf

den Tisch kam: «In einfachen Häusern isst man

nur selten Fleisch und Speck, meist nur an Sonntagen,

eventuell auch noch an einem einzigen

Wochentag. Im Winter finden allerdings die bekannten

Schlachtfeste (Metzgeten) mit viel Fleischkonsum

in Form von Würsten, Rauch-, Sied- und

Bratfleisch statt.» In Gerichtsprotokollen werden

Kühe, Kälber, Rinder, Pferde, Schweine, Schafe,

Lämmer und Gänse genannt. Hühnerfleisch und


Eier sowie Wein und Brot wurden als wertvoll und

stärkend betrachtet und den Frauen ins Kindbett

als Geschenk gebracht. An Fasttagen labten sich

unsere Vorfahren an Fischen.

Die Oberschicht verwendet

Becher aus Zinn oder Glas

Kaffee, Tee und Schokolade waren

damals in unserer Gegend noch nicht bekannt.

Getrunken wird vor allem Milch und Wasser, wobei

das Wasser zur Abtötung von Krankheitskeimen

mit Alkohol versetzt werden musste. Weit

verbreitet waren mit Wasser verdünnter Wein und

gewässerter Branntwein, wie Gerda Leipold bei

ihren Nachforschungen herausgefunden hat: «Um

1700 ist in Liechtenstein das Angebot an Branntwein

schon so breit, dass man im Landtsbrauch

der «riebel» wird nationalspeise

einschränkende Verbote erliess.» Weinlese und Weinkelterung

Zum Trinken benutzten die ein- zu früheren Zeiten. Ein Kupferstich

fachen Leute einen Holzbecher aus der Sammlung des Liechten-

oder einen henkellosen Tonsteinischen Landesmuseums.

becher, der in geselliger Runde

herumgereicht wird. Die Oberschicht dagegen

habe schon Becher aus Zinn oder Glas verwendet.

Damit die Leute in den Wirtschaften nicht zu viel

tranken, war den Wirten aufgetragen, die Zechenden

und Prostenden auf das Laster der Trunksucht

aufmerksam zu machen und von weiteren Bechern

abzuraten. Zur Zeit, als das Unterland 1699 und

das Oberland 1712 an den Fürsten von Liechtenstein

verkauft wurden, hatte die «Unsitte des Zutrinkens»

eben begonnen, weshalb die Wirte mit

den behördlich verordneten Ermahnungen wohl

meistens auf taube Ohren stiessen. |

«Als bedeutendste Neuerung unserer Landwirtschaft tauchte neben der tomate um das Jahr 1680 und

ganz allgemein im vierten und fünften Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts der Mais (türken) auf, der auch den

Speisezettel stark veränderte», schreibt Adulf P. Goop im buch «Liechtenstein – gestern und heute». Der

Mais habe Hafer und Gerste verdrängt, und sei mit der Zeit als «riebel» zur liechtensteinischen Nationalspeise

geworden. Die ersten kartoffeln habe im Jahre 1756 ein in päpstlichen Diensten stehender, schweizerischer

Söldner ins rheintal gebracht. Allerdings scheinen die kartoffeln am Anfang auf wenig Gegenliebe

gestossen zu sein, wie Adulf P. Goop berichtet: «Die kartoffel galt anfänglich noch als Schweinefutter,

unschmackhaft und ungesund, und wer sie pflanzte, wurde verachtet.» Die behörden jedoch förderten den

Anbau der kartoffel, die dann in den Hungerjahren des 18. Jahrhunderts in grossen Mengen angepflanzt

wurde.

oktober 2012

Fotos: Landesmuseum


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Von Walter Rohrer

jahr der enerGie

Intelligente Abenteuerspielplatz Antworten

auf rund energieknappheit

um den Walensee

das internationale jahr der erneuerbaren energie hat zwei seiten. nicht nur

die bereitstellung von energie aus erneuerbaren Quellen, auch Massnahmen

zur einsparung von energie. intelligente lösungen beim bau und bei sanie-

rungen.

Jeder Einzelne ist heute gefordert,

sparsam und verantwortungsbewusst mit den

nicht unendlichen Ressourcen und mit Energie

umzugehen. Die Ausrichtung der Haus- und

Gebäudetechnik auf neue, zukunftsgerechte

Standards gehört

ausrichtung der gesamten haus-

zu jenen Massnahmen, die effiund

Gebäudetechnik auf neue, zient und langfristig zu Einsparungen

führen. Eine fachge-

zukunftsgerechte standards

rechte Gebäudesanierung kann

den Energiebedarf um nahezu

zwei Drittel reduzieren. Weil die Voraussetzungen

für Einsparmöglichkeiten bei jedem Gebäude anders

gelagert sind, braucht es eine sorgfältige energetische

Analyse als Grundlage, auf deren Basis

eine wirtschaftliche, objektspezifische und zukunftsgerechte

Lösung erarbeitet werden kann.

Im Zentrum von massgeschneiderten

Lösungen stehen heute eine Analyse der

Gebäudehülle und des Heizsystems. Das beste

Heizsystem kann nicht wirtschaftlich und umweltfreundlich

arbeiten, wenn ein erheblicher Teil der

erzeugten Wärme an die Aussenwelt abgegeben

wird. Bei Heizungssanierungen steht deshalb eine

klare Auslegeordnung am Anfang. Um eine nachhaltige

Lösung zu finden, geht es darum, die spezifischen

Anforderungen des Objektes herauszukristallisieren

und aufzulisten, was man erreichen

möchte. Anhand dieser Grundlagen können die

optimalen Massnahmen für eine zukunftsgerechte

Ausrichtung der gesamten Haus- und Gebäudetechnik

abgeleitet werden. Die Grundvoraussetzung

für eine Lösung, die wirtschaftlich tragbar

sowie umweltfreundlich und ressourcenschonend

sein soll, ist die ganzheitliche Betrachtung des

Gebäudes. Die Fokussierung auf die Heizung allein

bringt nicht den erhofften Erfolg, denn es geht

um eine Investition, die sich in der Zukunft lohnen

soll.

Zu den intelligenten Antworten

auf die heutigen Herausforderungen der Energie-

und Ressourcenverknappung gehören innovative

Kombinationen von verschiedenen Systemen:

Neben der Produktion von Wärme für Warmwasser

und Heizung steht heute die parallele Erzeugung

von Strom im Mittelpunkt. Auch für Einfamilienhäuser

stehen innovative Heiztechnologien

wie Mini-Blockheizkraftwerke zur Verfügung,

die mit Abwärme Strom produzieren. Ein

kompaktes Kraft-Wärme-Kopplungssystem deckt

den Bedarf an Wärme im Haus und erzeugt gleichzeitig

Strom mit Hilfe eines Stirlingmotors. Das

kleine Blockheizkraftwerk nutzt einen Energieträger,

Heizöl, Erdgas oder Holz, um zunächst

mecha nische und daraus elektrische Energie zu

gewinnen. Die Abwärme des Stirlingmotors wird


dabei dem Heizungssystem des Gebäudes zugeführt

und der mit dem Motor erzeugte Strom im

Haushalt genutzt – oder bei Überschuss an das

Stromnetz abgegeben. Die Kraft-Wärme-Kopplung

ist eine Effizienz-Technologie mit besonders hohem

Potenzial, da bei diesem System die mit der Stromerzeugung

anfallende Wärme sinnvoll genutzt

wird. Gegenüber der herkömmlichen getrennten

Erzeugung von Strom und Wärme, bei welcher der

Strom aus dem Kraftwerk und die Wärme aus dem

Heizungskeller bezogen werden, haben die Kraft-

Wärme-Kopplungssysteme Vorteile beim Primärenergieverbrauch.

Wird das Warmwasser- und

Heizsystem mit Erdgas betrieben, kann der Energieverbrauch

bis zu einem Viertel reduziert wer -

den – und zudem werden die CO2-Emissionen um

etwa einen Drittel gesenkt. Bisher wurden die

Kraft-Wärme-Kopplungssysteme vor allem bei

grösseren Objekten mit einem ganzjährigen hohen

Bedarf an Wärme und Strom eingesetzt, wie etwa

Krankenhäuser oder Gewerbe- und Industriebetrieben.

Neu sind nun auch kleinere Systeme auf

dem Markt, die sich für Einfamilienhäuser sehr gut

zur person

Walter rohrer ist Abteilungsleiter klimaWelten der

ospelt Haustechnik AG Vaduz.

www.ospelthaustechnik.li

eignen: Aufgrund der Stromabgabe

an das Stromnetz rechnen

sich die Investitionen bereits

nach einigen Jahren.

Kombinationen von Energieversorgungssystemen

sind mit

unterschiedlichen Energieträgern möglich. Als besonders

sinnvoll erweisen sich Kombinationssysteme

mit Solarenergie. Beispielsweise eine Holzheizung

mit Speicherlösung, kombiniert mit einer

Solaranlage oder eine Wärmepumpe plus Solarstrom.

Die Kombisysteme, die sich durch eine

maximale Nutzung erneuerbarer Energieformen

auszeichnen und einen minimalen Zusatzenergiebedarf

erfordern, gehören zu den zukunftsgerechten

Heiz- und Wärmeformen. Vielversprechend ist

die Kombination von Solarkollektoren und Photovoltaik,

weil Sonnenenergie für energiepolitische

Unabhängigkeit, für Versorgungssicherheit und

Nachhaltigkeit steht. Die Photovoltaik-Anlage produziert

dabei den Strom, die Sonnenkollektoren

liefern das benötigte Warmwasser und die Wärme.

Laut «Energiestrategie 2020» der

Regierung gehört der Gebäudesektor zu den Hauptteilen

der aktuellen und künftigen Massnahmen,

um den Energieverbrauch zu senken. Die Strategie

erwähnt zur Erreichung des angestrebten Energieziels

gut wärmegedämmte Gebäudehüllen, aber

auch die Ersetzung fossiler Energieträger durch

erneuerbare Energiequellen. Eine zentrale Rolle

nimmt dabei die Solarenergie ein: Die auf Liechtenstein

jährlich einfallende Sonnenenergie sei rund

100 Mal so hoch wie der gesamte Landes-Energieverbrauch!

Die Herausforderung liege nun darin,

die geeigneten Technologien zur Gewinnung und

Nutzung der Sonnenenergie anzuwenden. |

Fotos: ospelt Haustechnik Vaduz

Im Zentrum von massgeschnei-

derten Lösungen stehen heute

eine Analyse der Gebäudehülle

und des Heizsystems.

oktober 2012


14

barbara Wülser

Kommunikationsverant-

wortliche der CIPRA

kopf porträt des Monats

Barbara Wülser

Netzwerk für die Alpen

Die Verantwortung für die Kommunikation in

einer internationalen Organisation zu übernehmen,

ist eine reizvolle Aufgabe. Barbara Wülser konnte

sich diesen Traum bei der CIPRA erfüllen, als sie bei

der Internationalen Alpenschutzkommission

mit Sitz in Schaan

die Organisationskommunikation

übernahm. Das Aufgabengebiet

erstreckt sich von der Kommunikationsstrategie

über die redaktionelle Verantwortung

der Jahresberichte bis zur Gestaltung von

Flyern und den Kontakten zu den

Medien. In diesem Jahr gab es, bedingt

durch das Jubiläum «60 Jahre

CIPRA», eine besonders reichhaltige

Palette von Medienarbeiten.

Die Kommunikationsarbeit

bei der CIPRA findet Barbara

Wülser aber insgesamt spannend,

weil ihre Tätigkeit sehr unter-

schiedliche Aufgaben umfasst

und in alle Projekte der Alpenschutzkommission

hineinreicht:

«Mir gefällt der breite Ansatz der

CIPRA, die auf verschiedenen

Ebenen und in unterschiedlichen Themenbereichen

tätig ist.» Für die vielfältige Medien- und Kommunikationsarbeit

bringt Barbara Wülser durch ihre

vorherige berufliche Tätigkeit ein breites Rüstzeug

mit, das unterschiedlicher nicht sein könnte: Vor

ihrem Germanistikstudium war sie Älplerin, nachher

war sie Mit-Inhaberin eines Weinbaubetriebs,

Redaktorin bei der Südostschweiz in Graubünden

und freie Journalistin. Wenn etwas besonders unter

den Nägeln brennt, dann greift Barbara Wülser weiterhin

ab und zu als freie Journalistin in die Tasten,

was dann Berichte für Zeitungen gibt über die Albanischen

Alpen oder autochthone Walliser Rebsorten.

Als Journalistin besonders am Herzen liegt

ihr die Betreuung des Themenmagazins «SzeneAlpen»,

das zwei Mal jährlich bei der CIPRA in vier

Sprachen erscheint. Das Jubiläumsjahr hat die internationale

Aufmerksamkeit für die Arbeit der CIPRA

oktober 2012

Foto: CIPrA International

Mir gefällt der breite ansatz der cipra, die auf verschiedenen

ebenen und in unterschiedlichen themenbereichen tätig ist

erhöht. Ein besonderes Anliegen im Jubiläumsjahr

war für die CIPRA die Pflege der Kontakte zu und

zwischen den Menschen, die sich in den vergangenen

Jahrzehnten im CIPRA-Netzwerk für den Schutz

und die nachhaltige Entwicklung der Alpen einsetzten:

«Viele dieser Menschen setzen jeden Tag aufs

Neue alles daran, dass wir der Vision eines menschlichen

Wirkens im Einklang mit der Natur ein Stück

näher kommen. Die Kraft für dieses Engagement

schöpfen wir alle aus dem Wissen, dass wir mit anderen

Menschen in den Alpen am gleichen Strang

ziehen.» Die Präsenz der CIPRA während des Jubiläumsjahrs

2012 bewertet Barbara Wülser als erfreulich,

bemerkt aber gleichzeitig, dass es nicht oberstes

Ziel gewesen sei, mit dem Jubiläum in der breiten Öffentlichkeit

grosse Aufmerksamkeit zu erlangen:

«Wenn über die CIPRA berichtet wurde, dann fundiert

und wohlwollend – das ist das Wichtigste!» Die

Einrichtung des CIPRA-Hauptsitzes in Liechtenstein

schätzt Barbara Wülser als sehr positiv für das Land

ein, das nach ihren Erfahrungen im Ausland oft auf

Banken und Treuhandfirmen reduziert wird und

nur als reiches Fürstentum gilt. Als Sitz einer internationalen

Umweltorganisation wie die CIPRA könne

sich Liechtenstein in einem anderen Licht darstellen:

«Als verantwortungsbewusster, weitsichtiger

Staat, der einen guten Nährboden bietet für die internationale

Zusammenarbeit und die Entwicklung

von grenzüberschreitenden Lösungen.» Seit Barbara

Wülser bei der CIPRA in Schaan arbeitet, hat sich

auch ihre persönliche Sicht von Liechtenstein stark

verändert. Am meisten gefällt ihr der unkomplizierte

Umgang im Land: «Alle sagen sich Du, vom Verkäufer

im Supermarkt bis zur Amtsleiterin!» |


Aufladen beim Electranten

Schon über 100 teilnehmer

enerGiestrateGie 2020

Besitzer von Elektro-Fahrrädern können an mehr als einem

Dutzend Standorten in Liechtenstein die Akkus ihres

E-Bikes aufladen. Der Electrant, der dafür zur Verfügung

steht, soll ein Service für alle E-Biker sein und gleich-

zeitig auch ein Anreiz für alle, auf ein Elektro-Fahrrad zur

Schonung der Um welt umzusteigen.

Wem dient der Electrant?

Der Electrant ist in einer ersten Phase sicher für die Besitzer von Elektrofahrrädern

in Liechtenstein gedacht. Er soll die Benutzerfreundlichkeit insofern

steigern, als das mit der Electranten-Karte in einer ersten Phase an 16 Standorten

Akkus aufgeladen werden können.

Funktioniert der Electrant für alle E-Bikes?

Der Electrant wurde im Auftrag des Ressorts Wirtschaft so konzipiert, dass

auf der einen Seite der Ladestation die Akkus der in Liechtenstein verbreiteten

Modell Flyer geladen werden können. Auf der anderen Seite der Ladestation

können die übrigen Modelle mit dem Stecker des Akkus geladen werden.

Kostet die Electranten-Karte bzw. das Aufladen des Akkus etwas?

Die LieMobil gibt die Electranten-Karte kostenlos an die Antragssteller ab.

Der Bezug des Stroms für die Akku-Ladung ist kostenlos. Wir haben uns bewusst

für wenig Bürokratie und viel Service entschieden.

Erhalten Radler von Ausserhalb auch eine Electranten-Karte und wird

die Dienstleistung weiterhin kostenlos sein?

Das ist ein Schritt für Phase 2. In Zusammenarbeit mit Liechtenstein Marketing

müssen wir dazu ein Konzept entwickeln. Aber auch hier sollte gelten,

möglichst wenig Bürokratie aufzubauen. Es ist denkbar, dass in Gemeindeverwaltungen,

Restaurants oder Hotels eine Karte mit Depot bezogen werden

kann. Das ist aber nur ein Konzeptansatz.

Können Elektro-Autos auch am Electranten kostenlos geladen werden?

In Zukunft wird es auch Electranten für diesen Zweck geben. Dazu muss aber

ein Abrechnungssystem für den Bezug von Strom und eine Schnellladung

möglich sein, da ein Auto-Akku wesentlich länger braucht, um geladen zu

werden. Es gehört aber mit zu den Zielsetzungen der Energiestrategie 2020.

Neben der Homepage gibt es auch die Electranten-App. Wozu dient

diese?

Im Wesentlichen soll der Nutzer der App nachfragen können, wo sich der

nächste Standort für die Akku-Ladung befindet. |

Ich bin der Electrant!

Der praktische

Bestromer von E-Bikes!

1

Electrant_Plakat_RZ.pdf 1 03.08.12 09:52

Du parkierst

dein Elektrovelo

in der Nähe

des Electranten.

2

Mit der Electrant-

Mitgliederkarte

öffnest du das

Akkufach.

Mich gibt‘s auch als App:

Electrant, unterwegs informiert.

Electrant

Mitgliederkarte

3

Stecke den Akku

in das vorgesehene

Fach und

schliesse ab.

4

Was immer du

jetzt tust, dein

Akku ist sicher

und wird geladen.

Nach kurzer Zeit

ist der Akku

wieder voll!

Gute Weiterfahrt!

www.electrant.li

5


16

17

Von Günther Meier

Geschichte

Der «Kossuthli»

ein Unterländer rebell

oberland und unterland bilden heute zwei Wahlkreise, ent-

standen aus der früheren Grafschaft vaduz und der herrschaft

schellenberg. dass zwei Wahlkreise gebildet wurden, daran

hatte Martin josef Öhri massgeblich anteil.

Auf den 13. Januar 1877 war der

Landtag zu einer Sitzung nach Vaduz eingeladen

worden. Landesverweser Carl von Hausen bemühte

sich, die Parlamentssitzung kurz zu halten. Der

Grund dafür war, dass er Berichte aus dem Unterland

erhalten hatte, dort würden

Martin josef Öhri spielte eine Trommeln geschlagen und die

Männer zusammengerufen, um

zentrale rolle bei der in Vaduz vor dem Landtag zu

demonstration der unterländer demonstrieren. Tatsächlich traf

um halb Elf, die Sitzung war

1877 gegen das Münzgesetz schon beendet worden, ein

Demonstrationszug mit etwa

600 Teilnehmern ein. Die Männer verlangten die

sofortige Auflösung des Landtags und die Aufhebung

des neuen Münzgesetzes. Anführer des

Demonstrationszugs war der Martin Joseph Öhri,

Lehrer und Vorsteher in seiner Heimatgemeinde

Eschen, den seine Gegner als Volkstribun bezeichneten

und ihm den Beinamen «Kossuthli»

gaben – in Anlehnung an den Namen des Führers

der Unabhängigkeitsbewegung in Ungarn in den

Jahren 1848/49, Lajos oder Ludwig Kossuth.

Revolutionäres Blut scheint in den Adern von

Martin Josef Öhri schon früh pulsiert zu haben,

eschner Geschichte

Das Informationsmaterial für diesen beitrag

wurde uns von Fürstl. rat robert Allgäuer zur

Verfügung gestellt. eine ausführliche Darstellung

über Martin Josef Öhri (1835–1905) befindet

sich im buch «125 Jahre Gesangverein kirchenchor

eschen», das 1996 im Schalun Verlag Vaduz

erschienen ist.

denn nach der Ausbildung

in Oberbayern und Vorarlberg

scheint er sich als junger Lehrer

gegen Anordnung der Obrigkeit

aufgelehnt zu haben. In einem

Bericht eines Inspektoren wurde

Öhri als «ganz und gar unzuverlässig»

bewertet, der einen unangemessenen

Lebenswandel führe: «Zuletzt schlug

er sich auch noch auf die schlüpfrige Bahn des

Wirtshäuselns, der Gesellschaften, der nächtlichen

Besuche». An Schalk mangelte es Öhri ebenfalls

nicht, wie Überlieferungen von Zeitgenossen belegen:

So soll er als Organist in der Florinskapelle in

Vaduz während einer Vesper den damaligen Gassenhauer

«Z’Lauterbach, da hab’ ich mein

Strumpfsock verlor’n!» gespielt haben. Neben der

Schulobrigkeit hatte er damit auch die Geistlichkeit

gegen sich aufgebracht.

Schreiben der Obrigkeit gar

nicht beantwortet

Lange hielt es Öhri nicht als Lehrer

aus, sondern zog sich auf den Bauernhof seiner

Eltern zurück, übernahm Fuhrdienste mit Pferdewagen,

zeichnete Baupläne und schrieb Briefe für

die Bauern. Auch hier sind Beispiele seines Humors

überliefert: Bei einem Baugesuch an die Gemeinde

Eschen zeichnete er einen Männerkopf in die Baugrube,

um zu sehen, ob das Gesuch auch damit

behandelt werde. Die Eschner Bürger hatten seine

Vielseitigkeit erkannt, wählten ihn zuerst zum

Gemeinderat und anschliessend drei Amtsperioden

zum Vorsteher. Trotz dieser Amtswürde

scheint sein rebellisches Naturell nicht gelitten zu

haben, denn die Obrigkeit drohte ihm mehrfach


Strafen wegen «Missachtung behördlicher Aufträge»

an. Briefe aus Vaduz soll Öhri nicht mehr

beantwortet, teilweise ungeöffnet in den Papierkorb

befördert haben. Schliesslich wurde Öhri von

Landesverweser Karl von In der Maur abgesetzt,

der in einem Aktenvermerk 1889 festhielt: «Es

wäre gerechtfertigt gewesen, den Öhri schon früher

zu entsetzen. Dass dies nicht geschah, hat seinen

Grund darin, dass die Fürstliche Regierung einerseits

nicht den Schein der Willkür, sondern den

Anschein der Langmut erwecken wollte, und dass

sie zuwarten wollte, bis das gefährliche Individuum

sich bei seinen eigenen Mitbürgern so

gründlich diskreditiert haben werde, dass es voraussichtlich

nicht mehr so bald zu einem Ehrenamte

gelange noch selbst ein solches aspiriere.»

Fürst lehnte eine strafrecht-

liche Verfolgung ab

Bei der Beurteilung des Landesverwesers

mag auch eingeflossen sein, dass Martin

Josef Öhri eine zentrale Rolle bei der Demonstration

der Unterländer 1877 gegen das Münzgesetz

gespielt hatte, das die Goldwährung anstelle

der Silberwährung einführte. Die Unterländer Demonstration

vor dem Regierungsgebäude verlief

zwar friedlich, doch die vom Volk gewählten Abgeordneten

legten ihr Mandat nieder, so dass der

Zeichnung aus dem Lehrmittel «brücken zur Vergangenheit»

Die Unterländer Demonstranten

stellten sich 1877 vor dem

Regierungsgebäude auf und verlangten

Neuwahlen.

Landtag aufgelöst und Neuwahlen

ausgeschrieben werden

mussten. Öhri wurde vom

Landesverweser beschuldigt, als

Aufwiegler und Rädelsführer

gegen die Obrigkeit gewirkt zu

haben. Der Landesverweser fragte

in diesem Zusammenhang

beim Landesfürsten an, ob nicht gegen den «Führer

der Massendeputation» eine strafrechtliche

Ver folgung eingeleitet werden sollte. Der Fürst

lehnte ab.

Unterländer erzwingen Einfüh-

rung zweier Wahlkreise

Die Demonstration und die

nachfolgenden Neuwahlen hatten eine Neuerung

zur Folge, mit Auswirkungen bis in unsere Zeit.

Als nämlich die Wahlmänner im April 1877 antraten,

um den neuen Landtag zu bestellen, wählten

die Oberländer Wahlmänner nur Oberländer

Kandi daten, womit im ersten Wahlgang bereits

8 Oberländer als Abgeordnete gewählt waren. Die

Unterländer fühlten sich brüskiert und traten zum

zweiten Wahlgang nicht mehr an, womit die Wahl

nicht zu Ende geführt werden konnte. Nach

monate langen Verhandlungen erklärten sich die

Unterländer bereit, die Wahl zu Ende zu führen, allerdings

unter einer Bedingung: Im Land mussten

zwei Wahlkreise geschaffen werden, der Wahlkreis

Oberland und der Wahlkreis Unterland.

Im Mai 1878 fanden die ersten Wahlen mit

zwei Wahlkreisen statt. Die Unterländer erinnerten

sich an Martin Josef Öhri und an seinen Einsatz

bei der Demonstration – und wählten ihn als

Unterländer Abgeordneten in den Landtag. |

oktober 2012


18

19

Von Rainer Vollkommer

kultur

«Matheliebe»

eine lebendige Wissenschaft

Das Liechtensteinische Landesmuseum

möchte u.a. die Geschichte, kulturelle

Vielfalt und die Natur des Landes facettenreich vor

Augen führen. Ein wichtiger Schlüssel zur Vermittlung

des kulturellen Reichtums

ohne ein gewisses Quantum und der Schönheit des Landes

sind neben der permanenten

an Matheliebe ist in Dauerausstellung sich öfters ab-

vielen bereichen keine echte wechselnde Sonderausstellungen,

die auf bestimmte Aspekte einen

innovation möglich Fokus setzen können. Die Spannweite

der Themen solcher Wechselausstellungen

reichte im Landesmuseum in den

letzten anderthalb Jahren von wichtigen historischen

Daten über kulturelle Ereignisse zu gesellschaftlichen

und naturkundlichen Themen.

Des Weiteren möchte das Landesmuseum

immer wieder aktuelle Fragen aufwerfen

und Probleme ansprechen. Eine der grossen wichtigen

Themen heutzutage in Europa wie in Nordamerika

ist die Bildungsdebatte. Denn ohne Schule

keine Zukunft für die jüngere Generation in der

globalisierten Welt. Die Ausrichtung der Bildung in

der Schule ist verbunden mit der Frage, welche Art

an Fachkräften vor allem zukünftig gebraucht wird

und wie wir sie durch eine attraktivere Ausbildung

gewinnen können.

Mathematik muss nicht nur praxisnahe rechenkunst, sondern kann auch

lebendige Wissenschaft sein. eine sonderausstellung im liechtensteinischen

landesmuseum erbringt diesen beweis. die ausstellung wird am 22. novem-

ber eröffnet.

Mathematik ist die Basis für

viele Wirtschaftsberufe

Mathematik spielte und spielt

unter den Unterrichtsfächern immer eine sehr wichtige

Rolle. Sie ist die Basis für viele Berufe in der

Wirtschaft, die wir im Industriezeitalter benötigen.

Vom Maschinenbau über Optik und IT bis zum

Finanzsektor ist Mathematik unabdingbar. Viele

von uns mag es jedoch leicht frösteln, wenn man an

den Mathematikunterricht in der Schulzeit zurückdenkt

und womöglich auch mit Angst vor Mathematik

erfüllen. Und diese Angst geben wir bewusst

oder unbewusst an unsere Kinder und Enkelkinder

weiter, die dann auch davon ergriffen werden. Zusätzlich

beeinflussen die Lehrer die Schüler noch

mehr. Schliesslich vermitteln sie jedem Schüler

während seiner Schulzeit in ca. 1500–2000 Stunden

Mathematik. Oft sind es m. E. die Lehrmethoden,

die verhindern, dass der «Mathefunke» überspringt.

Heute sollte die Schule primär die Begeisterung und

Leidenschaft des Schülers wecken, damit er später

innovativ wirken kann.

Liebe an Mathe wecken, das war

und ist auch die Intention des liechtensteinischen

Mathematiklehrers Georg Schierscher. «Leider ist

das Angebot an anschaulichem Lehrmaterial dürftig»,

erklärt der Pädagoge. Deshalb baute er für seinen

Unterricht am Liechtensteinischen Gymnasium

in Vaduz eigene Modelle, erhielt dabei oftmals

Hilfe von Lehrlingswerkstätten regionaler Gewerbe-

und Industriebetriebe oder entdeckte seine Objekte

im Alltag. Da entpuppte sich der Fussball als abgestumpfter

Ikosaeder und der Autoscheinwerfer als

Parabolspiegel. «Die Sinne sind Futter für das Denken,

deshalb sollten die Schüler Mathematik möglichst

sinnlich erfahren können. Verstehen beginnt,


wenn man beim Abstrahieren die gesamte Wirklichkeit

vor Augen hat», betont Schierscher. Und

auch die Wirtschaft und damit das ganze Land profitiert

von mathebegeisterten Absolventen. Inzwischen

in Pension, möchte Georg Schierscher seine

Sammlung deshalb für künftige Schülergenerationen

erfahrbar machen.

Sonderausstellung mit Hilfe

vieler Unterstützer

Die Intention von Georg Schierscher,

Liebe an Mathe zu wecken, möchte das Liechtensteinische

Landesmuseum in der kommenden

Ausstellung «Geopythafibotonpolyhypotesaeder!

Matheliebe» aufnehmen. Er wird diese spannende

Ausstellung auch kuratieren. Auf 400 Quadratmetern

wird das Landesmuseum ab dem 22. November

2012 Georg Schierschers eindrucksvolle Welt

der Mathematik präsentieren. Darunter sind rund

einhundert physische Modelle, Gegenstände aus

Natur und Alltag, Computergrafiken und -animationen

sowie Briefmarken und Medaillen mit

mathe matischen Motiven, die Schierscher in den

zur person

Der Archäologe, kunsthistoriker und Historiker rainer vollkommer

arbeitete nach seinem Studium in München, Paris und oxford u.a.

an Universitäten und Museen in basel, Freiburg i. br., Fribourg, Hamburg,

Leipzig und Dresden. Seit 2011 ist er Direktor des Liechtensteinischen

Landesmuseums.

Fotos: Landesmuseum

Ob Pythagoras mit Schokolade

oder einfache Holzwürfel, die

sinnliche Erfahrung spielt in der

Mathematik eine wichtige Rolle.

letzten Jahrzehnten gesammelt

hat. Eine ganz besonders grosse

Freude ist für mich, dass dieses

Interesse an Matheliebe durch

eine sehr respektable Anzahl an Liechtensteiner

Gemeinden, Firmen, Privatpersonen und Stiftungen

mitgetragen wird, ohne deren finanzielle Unterstützung

die Ausstellung nicht hätte realisiert werden

können. Über 30 Unterstützer waren innerhalb

einer relativ kurzen Zeit bereit, mitzuhelfen (ihre

Namen finden sich auf der Homepage des Liechtensteinischen

Landesmuseums). Alle unsere Liechtensteiner

Unterstützer manifestieren damit auch die

Bedeutung von Matheliebe in unserer Gesellschaft.

Die Matheliebe bei Kindern

und Jugendlichen wecken

Wir hoffen, mit dieser Ausstellung

vielleicht einen Teil zur Matheliebe beitragen

zu können. Denn ohne Herz und Liebe kann kein

Interesse und keine Neugierde erzeugt werden und

ohne ein gewisses Quantum an Matheliebe ist in

vielen Bereichen keine echte Innovation möglich.

Gerade ständige Innovationen brauchen wir aber in

unserer rasant weiterschreitenden globalisierten

Welt mit einer ständig anwachsenden Bevölkerung

und der damit drohenden weiteren Ausbeutung unserer

natürlichen Ressourcen. Eine noch höher

technologisierte Industrie wird gefordert sein, um

den schnell wachsenden Defiziten an Ressourcen

durch Erfindung neuer Möglichkeiten entgegenzuwirken.

Wir sollten also bei den Kindern und

Jugendlichen Interesse und Neugierde an Mathematik

– Matheliebe – wecken. Die Ausstellung

«Geopythafibotonpolyhypotesaeder! Matheliebe»

soll dazu beitragen. |

oktober 2012


vor 50 jahren

20 23. Oktober 1962

Abschied vom Goldenen Wagen

Der Goldene Wagen des Fürsten Vor dem Engländerbau in Vaduz,

Joseph Wenzel I. von Liechten- wo sich 1962 im Erdgeschoss das

stein, der von 1944 bis 1962 in damalige Landesverkehrsbüro

Vaduz stand.

befand, war am 23. Oktober ein

Tieflader aufgefahren. Der Goldene

Wagen, der sich als Blickfang für Touristen

im Landesverkehrsbüro befunden hatte, wurde

aufgeladen, zum Bahnhof Buchs und mit der Eisenbahn

nach Wien transportiert. Das Prunkstück

war 1944 mit anderen Kunstwerken aus den Sammlungen

des Fürsten von Liechtenstein nach Vaduz

gekommen und wurde zuerst – laut Medienberichten

– in der Remise beim Hotel «Löwen» eingelagert,

bevor es einen würdigeren Platz beim

Landes verkehrsbüro fand. Im Engländerbau war

der Goldene Wagen im Rahmen einer Ausstellung

1952 gezeigt worden und blieb dort als Attraktion

stehen. Kaum ein Reiseführer und kaum ein Reisebericht

über Liechtenstein erschienen zu jener Zeit,

die nicht den Goldenen Wagen in den Mittelpunkt

für einen Liechtenstein-Besuch stellten.

Der Goldene Wagen ist laut Darstellung des

Liechtenstein-Museums in Wien eines der qualitätvollsten

Beispiele des Pariser Wagenbaus des

18. Jahrhunderts, von dem nur wenige die Wirren

der französischen Revolution überlebten. Anlass

seiner Entstehung war die Ernennung Fürst Joseph

Wenzels von Liechtenstein zum kaiserlichen Bot-

oktober 2012

Foto: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

schafter am französischen Hof im Jahr 1737. Der

Fürst beauftragte den Innenarchitekten Nicolas

Pineau, fünf Carrosses d’Ambassadeur zu entwerfen.

Sie waren Höhepunkt der prunkvollen Ausstattung

für seinen feierlichen Einzug in Paris am

21. Dezember 1738 und zwei Tage darauf in Versailles.

Der imposante Zug bestand aus mehr als 50

Wagen, die von Pferden aus dem fürstlichen Gestüt

in Eisgrub gezogen wurden. Als sich 1760 der spätere

österreichische Kaiser Joseph II. mit der bourbonischen

Prinzessin Isabella von Parma verlobte,

kam Joseph Wenzel die ehrenvolle Aufgabe zu, die

Braut nach Wien zu begleiten. Martin von Meytens

hielt den feierlichen Einzug der Prinzessin in

einem Gemälde fest, das den Goldenen Wagen als

Höhepunkt der prunkvollen Inszenierung zeigt.

Beim Jubiläum «150 Jahre Liechtenstein», das

1956 gefeiert wurde, kam der Goldene Wagen in

Vaduz zum Einsatz. Die Prunkkarosse war vielbeachteter

Teil des Festumzugs, nicht zuletzt auch

deshalb, weil im Goldenen Wagen die Kinder von

Fürst Franz Josef II. und Fürstin Gina im Umzug

mitgeführt wurden. Im Jahre 1977 konnte der Goldene

Wagen in Schloss Schönbrunn in Wien besichtigt

werden, wo eine Ausstellung über dieses

Prunkstück des Fürsten Wenzel von Liechtenstein

stattfand. Der Wagen war vorher einer gründlichen

Renovation unterzogen worden. Schon

während dieser Ausstellung wurde angekündigt,

dass der Goldene Wagen dereinst einen zentralen

Platz in einem geplanten Kunsthaus im Zentrum

von Vaduz einnehmen sollte. Dazu ist es nicht gekommen,

weil die Kunsthaus-Affäre den Bau des

Kunsthauses verhinderte.

Für die Ausstellung «The Princely Collections»

im Metropolitian Museum in New York trat

der Goldene Wagen 1985 seine bisher längste Reise

an. Um das Prunkstück französischer Wagenkunst

gebührend zu würdigen, erhielt der Goldene

Wagen einen eigenen Raum, begleitet von Pferdgemälden

aus dem Fürstlichen Gestüt und der

künstlerischen Darstellung der Ankunft des

Wagens in Parma. |


Herzensangelegenheiten

Herzensangelegenheit ist ein auf drei Jahre angelegtes

Programm des Amtes für Gesundheit in

Liechten stein, welches in Kooperation mit verschiedenen

Partnern realisiert wird. Mit Massnahmen

der Gesundheitsförderung und Prävention begleitet

es die im selben Zeitraum stattfindende GAPP-

Studie, die Ursachen für Bluthochdruck und andere

Risikofaktoren für das Auftreten von Herzkreislauferkrankungen

untersucht.

Ziel des Programmes «herzensangelegenheiten»

ist es, dass die Bevölkerung den Einfluss des

eigenen Verhaltens auf die Gesundheit kennt und

sich in Bezug auf Bewegung, Ernährung, Entspannung

und Nichtrauchen gesundheitsförderlich verhält.

Darüber hinaus soll die Öffentlichkeit für das

Thema Bluthochdruck sensibilisiert werden.

Mitmachkarten

Zusammen macht Bewegung einfach mehr

Spass. In Form von Postkarten haben wir in Kooperation

mit dem Physiotherapeutenverband Mitmachkarten

erstellt, welche Vorschläge zu Übungen

für die körperliche Fitness bieten und dazu dienen,

Bekannte ebenfalls zu Bewegung zu ani-

mieren. Postkarten können an Freunde und Bekannte

verschickt werden, um sie zum Mitmachen

einzuladen.

Herztage

Der nächste Herztag findet beim Eschner

Jahrmarkt, am 13. Oktober, von 9.00 bis 17.00 Uhr

beim Haus St. Martin statt. Dort werden in

Zusammenarbeit mit dem liechtensteinischen

Samariterverband, der Gemeindegesundheitskommission,

dem labormedizinischen Zentrum

Dr. Risch, der Ärztekammer und dem Amt für

Gesundheit Gesundheitstests angeboten. Auf

Grundlage der Ergebnisse folgt eine kurze, gezielte

ärztliche Beratung, von 09.00 bis 13.00 Uhr durch

Dr. med. Manfred Oehry, von 13.00 bis 17.00 Uhr

durch Dr. med. Hannes Meier. Unter anderem

wird der Blutzucker, das Cholesterin und der

Bodymassindex bestimmt.

Foto: Amt für Gesundheit

ratGeber

Treppe statt Lift

Der auf Glas haftende Aufkleber, welcher

beim Amt für Gesundheit erhältlich ist, animiert

zum Treppensteigen. Dank der Unterstützung der

Gemeindegesundheitskommissionen sind die Aufkleber

schon vielerorts angebracht. Meist ist es

reine Gewohnheit, die uns in den Lift anstatt auf

die Treppen führt. Auch kleine Schritte zeigen

Wirkung, denn Treppensteigen ist erwiesenermassen

sehr gesund.

Body Band

An Turngruppen, welche bereit sind die Nutzung

der Bänder gezielt einzuüben, geben wir

Body bänder zusammen mit der Suva-Broschüre

«Dänk a Glänk, Fitness für Vielsitzer» ab.

Mit dem Body-Band und der kleinen Übungsfibel

werden auf einfache Art und Weise aus kleinen

Pausen richtige Aktivpausen. Die einfach dargestellten

Übungen sind schnell erlernt und machen

zudem Spass.

Mit einfachen persönlichen Massnahmen,

wie ausreichend Bewegung, Stressabbau, gesunde

Ernährung und Nichtrauchen, kann der Einzelne

einen grossen Beitrag an seine eigene Gesundheit

leisten.

Programmleiterin Helen Näff, Amt für Gesundheit

www.herzensangelegenheiten.li |

oktober 2012

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Von Kornelia Pfeiffer

Wohnkultur

Das edle Kissen von Hand

gemacht und mit eigensinn

Evi Hoch sieht die Welt in Mustern

– und fügt sie in eine harmonische Ordnung.

Auf der 30 Jahre alten Fusspedal-Nähmaschine in

ihrem Atelier in Triesen setzt sie Leopardenrosetten

mit Rot in Szene, mischt

Üppige Quasten, zierlich ge- Schottenkaros mit Herzen oder

schwarze Streifen mit Punkten.

stickte borten, seidige fransen

Sie spielt mit Samt und Seide,

machen jedes kissen mit Leinen, Leder oder Kunstfell.

Mit schier unendlichen Experi-

zum synonym für luxus

mentiermöglichkeiten. Bis Ende

Oktober will sie gemeinsam mit

ihrer Mitarbeiterin hundert Sofakissen für die

Winterkollektion fertig haben. Jedes ein edles Unikat

mit Charakter.

Wer einmal durch das schlüsselloch in anderer leute Wohnungen schaut,

findet kissen überall. evi hoch will mit ihrer exklusiven kissen-Winterkollek-

tion Mut machen, sich in den eigenen Wänden als individualist zu behaupten.

Traumwelten aus Designer-

stoffen für das wohnliche Heim

«Ein Kissen ist ein individuelles

Stück Wohnkultur», sagt sie und schneidet aus

einem exklusiven Vorhangstoff das Hirschmotiv

aus. Dieses Design gibt es als Bettwäsche und als

Dekostoff. Das Zierkissen dazu für den Lieblingssessel

im Landhaus ist jedoch nur im Atelier Hoch

kissen schreibt Geschichte

kissen werden nicht nur auf dem Sofa gebraucht. eine speziell origi-

nelle Art war das Siesta-kissen, das bei der Deutschen bahn zwi-

schen den beiden Weltkriegen im einsatz war. Damals fuhr die eisen-

bahn, auch zwischen Feldkirch und buchs, noch mit drei

verschiedenen klassen: In der dritten klasse standen den reisenden

nur Holzbänke zur Verfügung. Um längere bahnreisen angenehmer

zu gestalten, konnten reisende an deutschen bahnhöfen ein kissen

mieten, das den Namen Siesta-kissen oder reisekissen erhielt.

in Triesen zu haben. Evi Hoch erkennt die Qualität

eines Stoffes fast mit verbundenen Augen. Die Lust

auf schöne Materialien hat ihr Vater ihr quasi in die

Wiege gelegt. In seiner Strickerei in Altach hat sie

denn auch als Jugendliche ihre eigene Skimode

entworfen und produziert.

«Damit bin ich von Sportgeschäft

zu Sportgeschäft zwischen München und

Innsbruck marschiert», erzählt sie, «nicht nur der

Slalompulli wurde zum Renner.» In Dornbirn

besuchte sie die Textilfachschule, das Atelier für

Heimtextilien in Triesen führt sie seit 1990 und hat

für manches Haus in Liechtenstein Traum welten

aus Designerstoffen geschaffen.

Besondere Kissen für ein

besonderes Ambiente

Die Idee mit den exklusiven

Sofakissen schwirrte ihr schon eine ganze Weile im

Kopf herum, sagt sie: «Und eines Abends, als ich

so an der Nähmaschine sass und mit meiner Freundin

sinnierte, da war die Sache klar. Viele Kunden

suchten bislang vergeblich nach besonderen Kissen

für ein besonderes Ambiente.» Wer einmal durch

das Schlüsselloch in andrer Leute Wohnungen

schaut, findet Kissen überall: Sie versetzen uns

in ein Chalet im Engadin oder einen Basar im Orient.

Sie lassen uns wie in einem Cottage im Weinberg

wohnen, in der Toskana zuhause sein, im

Kolonialstil träumen oder fröhlich und bunt im

Einfamilienhaus leben. Manche häufen so viele

Kissen wie möglich auf dem Sofa an, andere stehen

auf Einzelstücke – so elegant wie ein Kostüm von

Coco Chanel. Worin der eine feminine Allüren

ortet, macht die andere mit Kissen das Wohnzimmer

zur Bühne.


Individualisten in den eigenen

Wänden

Es gibt Leute, die behaupten, erst

mit der Erfindung des Kissens habe Kunst und Kultur

begonnen, weil es damit gelang, eine weiche

Unterlage für die heiteren und geistigen Seiten des

Lebens zu schaffen. Auf Kissen schläft man, liest,

liebt – und schon die Philosophen der Antike räkelten

sich auf ihnen. Auch Albrecht Dürer liess sich

von sechs zerknautschten Kissen faszinieren und

erklärte das Kissen zum bildwürdigen Sujet der

Renaissance und zur Metapher für die Gestaltungsmöglichkeit

des Individuums.

Heute ist nur schon das Internet

voll von Kissen in unzähligen Variationen und

Stilen. Genauso wie Taschen, Parfums, Schmuck

oder Schuhe lassen sie sich online entwerfen,

genauer gesagt, aus Varianten zusammenstellen.

Evi Hoch will mehr. Sie will die Fantasie anregen

und ihren Kunden Mut machen, sich in den eigenen

Wänden als Individualisten zu behaupten. Mit

ihren aussergewöhnlichen Schmuckstücken für

Sofa, Bett und Salon will sie inspirieren, mit hochwertigen

Stoffen selber zum Designer zu werden.

Neben ihren eigenen Entwürfen vollbringt sie daher

das emotionale wie das ästhetische Kunststück,

den Geschmack jedes anderen Evi Hoch macht sie wieder,

gelten zu lassen. Auf Messen die guten Dinge – von Hand ge-

spürt sie dazu die feinsten Stoffe machte schöne Zierkissen mit

auf, ob mit edlen, mit vertrauten,

poetischem Eigensinn.

oder mit extravaganten Motiven.

Namen, wie sonst üblich, haben die edlen i-Punkte

für Wohn- und Schlafzimmer übrigens keine. Ende

Oktober ist eine Kissen-Vernissage geplant, zum

Schauen, zum Anfassen und zum Fühlen.

Kissen erfüllen die Sehnsucht

nach bleibenden Werten

Es gibt sie wieder, die guten Dinge

– von Hand gemachte schöne Zierkissen mit

poetischem Eigensinn. Ob mit Paisley, dem «Evergreen»,

oder zeitloser Schlichtheit, ob in gestreifter

Klassik, mit Blüten und Ranken, rustikal oder mit

Perlhuhnfedern verziert. Handgefertigte Posamenten

von Houlès aus Paris sind bei Evi Hoch der neueste

Hingucker. Üppige Quasten, zierlich gestickte

Borten, seidige Fransen – also eine eher alltagsempfindliche

Zierde – machen jedes Kissen zum Synonym

für Luxus. So haben denn auch einige Sofakissen,

die durch das Schaufenster im Atelier in

Triesen zu sehen sind, das Zeug, unsere Sehnsucht

nach bleibenden Werten zu erfüllen. |

oktober 2012

Foto: Günther Meier


24

briefMarken

Die Schönheiten

der kosel-Serie von 1930

Die Auf Trachtenfrau vielen Berggipfeln der Kosel-Serie wurden Wenn Durch der die Reihen Blick über der Philatelisten die Bergket-

von Gipfelkreuze 1930 zierte errichtet, auch die Son- meist ten ging unseres 1930 ein Landes Raunen. schweift, Liechtener- dermarke ein Zeichen zum des Jubiläum christlichen des Postkenntstein brachte man auf eine vielen Briefmarken- hohen Gipmuseums

Glaubens sind. im Jahre 1980. feln Serie ein heraus, Berg- die oder bei Gipfelkreuz. Sammlern

Allein und Händlern in Liechtenstein Aufsehen dürften erregte.

Nach etwa Ansicht 30 solcher von Kreuze Fachleuten stehen, handelte die Orientierungs-

es sich um die

hilfe damals und schönsten zugleich Briefmarken, Anziehungspunkte die inter sind. national Das ers- im

Umlauf te Gipfelkreuz waren. In in Fachkreisen unserem Land ist die soll 14 das verschie Kreuz dene auf

Wertstufen dem Alpspitz umfassende sein: Im Ausgabe Jahre 1944 von erklommen Freimarken ein all-

paar gemein Burschen als «Kosel-Serie» der Jungmannschaften bekannt. Die Bezeichnung von Vaduz

und stammt Nendeln vom Entwerfer auf Anregung der Brief des marken, Vaduzer dem HofkapWienerlans Hermann Martin Bamert C. Kosel, den der 1997 als m einer hohen der Alpspitz Pioniere und der

Briefmarken-Kunst stellten dort ein weitherum gilt. Kosel sichtbares hatte vor Kreuz dem Ent- auf.

Wer wurf zuerst der Briefmarken-Serie auf den Gedanken das Land gekommen mit der ist, Kame- auf

ra den durchwandert höchs ten Gipfeln und seine ein Kreuz besten aufzustellen, Schnappschüsse lässt

sich als Vorlagen heute nicht für mehr die Briefmarken feststellen. verwendet. Die

Serie Solche beginnt Kreuze mit der findet Wertstufe man 3 in Rappen den Alpenlän- mit dem

Bildnis dern seit einer dem Trachtenfrau 19. Jahrhundert, und endet doch der bei 2 Ursprung Franken

mit dürfte dem in Porträt der Geschichte des Fürsten viel paares weiter Franz zurückliegen. I. und Elsa.

Menschen Auch hatten drucktechnisch offenbar schon bildete vor die dem Kosel-Serie Christentum

eine Sensation, das Bestreben, denn die erstmals höchsten wurden Gipfel die zu Briefmarerklimmenken auf und dem dort Wege ein Zeichen des Rastertiefdrucks zu hin- hergestellt.

Zwar terlassen. war die Kreuzsymbole Kosel-Serie keine finden Weltneuheit, weil in

Paris sich auch mit dem in frühen gleichen Kulturen, Druckverfahren wo- schon vorher

Briefmarken bei man annimmt, gedruckt worden dass die waren. Aber die liech-

Kreuzformen tensteinischen mit Briefmarken vier gleich übertrafen lan- die Pariser

Vorbilder, gen Armen wie die der vier bekannte Himmels- Philatelist Bruno Rupp

richtungen in einer Abhandlung symbolisieren schrieb, sollten. an künstlerischer

Februar oktober 2012

Foto: Philatelie Liechtenstein

Quali tät, an eindrücklicher Eines der Motivwahl frühesten Kreuze und an auf farbeilicher Ausstrahlung. nem Ganz Berggipfel ohne soll technische auf dem Prob- Berg

leme lief der Druck Thorax, in der Wiener im früheren Druckerei Kleinasien, Rosenbaum

allerdings nicht erstellt ab: worden Es gab zahlreiche sein. Wie Quellen Plattenfehler

und eine Reihe berichten, unterschiedlicher nicht gerade Zähnungen für eine

der Marken – was aber nachahmenswerte letztlich all jene Sammler Aktion: und An

Händler erfreute, diesem die sich Kreuz auf Abarten starb spezialisiert im dritten

hatten. Jahrhundert vor Christus der Ge-

Reich an Raritäten lehrte ist Daphitas, die 2-Franken-Briefmarke

der den König

mit dem Porträt von Attalos Fürst Franz geschmäht I. und hatte. Fürstin Auch Elsa.

Die beiden Fotos sind die umrandet Kreuzigung mit von Lorbeerzweigen,

Jesus Chris-

die in der Mitte oben tus das fand Wappen auf einer umrahmen. Anhöhe statt. Vier

verschiedene Zähnungen Kreuzfahrer wurden errichteten von Philatelisten bei ihren

entdeckt, wobei zwei Feldzügen Varianten insnderen nur ganz selten Ursprung auftauchten,

was sich haben, im Preis lässt entsprechend sich nicht schlüssig nieder-

nachweisen. schlug. Kein Wunder, Oft dienten dass Kreuze es zahlreiche auch als Fälscher Hoheitszei- und

Fälschungsversuche chen, wie etwa bei Kolumbus, gab, die Zähnung der mit nach dem den AufstelSpelenkulationspreisen eines Kreuzes den auszurichten. Hoheitsanspruch Dass es Spaniens zu verschie- auf

das denen neu Zähnungen entdeckte kam, Gebiet hatte zum einen Ausdruck interessanten brachte.

Hintergrund: Obwohl im Alpenraum Die Druckerei das besass Aufstellen keine von Maschine, Gipfel-

mit kreuzen deren erst Hilfe im 19. ein Jahrhundert ganzer Druckbogen richtig begann, gezähnt greuwerdenze zu konnte, Ehren sondern der Dreifaltigkeit es waren zurück zwei kleinere und in Maschi- einem

nen Süd im Einsatz, die jeweils nur waagrecht oder senkrecht

tiroler zähnen Bergbuch konnten. aus Weil dem die Jahre beiden 1561 Maschinen befindet

nebeneinander sich eine Zeichnung standen mit und einem in hohem Kreuz auf Tempo einem ge-

Berggipfel. arbeitet werden Während musste, in anderen gab es offenbar Gegenden Verwechs- der Urlungen.sprung

der Gipfelkreuze unterschiedlich ist, dürfte

in unserem Die Briefmarke Land der Gedanke, zu 3 Rappen, ein christliches die wohl Sym- die

meiste bol auf Verbreitung einem Berggipfel fand, zeigt aufzustellen, eine Trachtenfrau, im Vorder- die

grund als Winzerin gestanden einen sein. Korb Eines voller dieser Trauben Kreuze wird hält, von vor

dem einem Hintergrund Spruch begleitet, von Schloss der diesen Vaduz. Ursprung Auf dieses erahnen

Sujet lässt: ist Hermann «Im schönen Kosel Tempel gekommen, der Natur als er findest im «Gast- du

hof des Löwen» grossen ein Gottes altes Spur, Foto der doch jungen willst Wirtin du ihn Lucretia noch

Rheinberger grösser sehen, entdeckte. bleibe hier Um am Kreuze das Trachtenbildnis

stehen.» Eines

dieser drapierte Kreuze Kosel wird ebenfalls von einem Trauben, Spruch die begleitet, zusammen der

mit diesen einem Ursprung Ornament erahnen einen lässtschönen prächtigen Rahmen Tempel der für

das Bildnis ergeben. Natur Auch findest bei dieser du des Briefmarke, grossen Got- die

als erste der Serie gedruckt tes Spur, noch wurde, grösser kam es sehen, zu Unterbleischieden: Die erste be Auflage hier am hat Kreuze einen helleren stehen.» Druck, «Im

die zweite Druckauflage schönen wurde Tempel dunkler der Natur gedruckt. findest

Der Grund für diesen du des Unterschied grossen Gottes war, Spur, dass doch nach

einer ersten Auflage willst die du Wiener ihn noch Drucker grösser sehen, streik -

ten – und der Druck bleibe deshalb hier unterbrochen am Kreuze stehen.» wurde. |

Foto:


publireportaGe

Für Körper und Seele

Neues Kurhaus & Medical Center

Oberwaid/St. Gallen

Erschöpft oder übergewichtig? Gesund, aber doch nicht fit – und keine Zeit für

aufwändige Vorsorge-Massnahmen bei mehreren Ärzten? All das gehört ab dem

15. November 2012 der Vergangenheit an. Denn dann empfängt der moderne

Design-Bau der «Oberwaid» in Panoramalage zwischen Bodensee und Alpsteinmassiv

am Ortsrand von St. Gallen seine ersten Gäste, die auf lustvolle Weise

Gesundheit und Erholung mit einander verbinden wollen.

In erstklassigem Ambiente, versteht sich. Eine sinnvolle Zweiturlaubs-Alternative für

modern denkende Menschen, die eigenverantwortlich Körper und Seele gleichermassen

gesund halten wollen. Aber nicht nur das macht die neue Oberwaid aus, sondern

auch der interdisziplinäre medizinische Ansatz, der mit einem grossen Ärzte-

Team unter der Leitung von Prof. Dr. Bernd Schultes fachübergreifende Möglichkeiten

für individuelle Betreuung nutzt. «Das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele

betrachten wir als Einheit», schildert Prof. Dr. Bernd Schultes sein Credo. Seit 2005 leitet

der renommierte Mediziner das Adipositas-Zentrum des Kantonsspitals St.Gallen,

das er inklusive einer Forschungseinheit aufgebaut hat. Ab November 2012 wird er in

Doppelfunktion medizinischer Oberwaid-Leiter und strebt eine enge Zusammenarbeit

beider Institutionen an, denn das Adipositas-Zentrum wird räumlich in die

Oberwaid integriert.

Weil Schultes aus Überzeugung interdisziplinär arbeitet, wird es in der Oberwaid

auch eine Kooperation mit vielen weiteren Fachärzten geben: Kardiologen, Endokrinologen,

Diabetologen werden ergänzt durch Ernährungsmediziner, aber auch durch

Orthopäden und Psychiater; unterstützend wirkt ein grosses Team aus Psychologen,

Physio therapeuten, Sport- und Ernährungswissenschaftlern. Ziel ist stets die Förderung

eines individuell optimalen Gesundheitszustands auf körperlicher wie mentaler

Ebene – die Basis für den dauerhaften Erhalt einer hohen Lebensqualität. Im Fokus

stehen dabei Menschen mit Übergewicht und Stoffwechselstörungen, aber auch mit

hohen beruflichen oder emotionalen Belastungen.

Weil ein Aufenthalt in der Oberwaid nicht zuletzt Ferien-Ambiente haben soll,

sorgt nicht nur die schöne Bodensee-Region für viele Ausflugsmöglichkeiten – auch im

Haus selbst finden sich im 1100 qm grossen Tau Spa Indoor- und Outdoorpool, Sauna

und Beauty sowie ein 130 qm grosses Hamam mit drei Dampfräumen, zwei

Rassoulräumen, einem Ölmassage- und einem Seifenmassageraum.

Infos und Buchungen: Oberwaid – Kurhaus & Medical Center, Rorschacher Strasse

311, 9016 St. Gallen, Tel. +41 71 282 00 00, info@oberwaid.ch, www.oberwaid.ch

Angebot: OberwaidMED –

Impulse Body & Soul

3-Tage-Programm. Ideal am Wochenende:

Freitag – Sonntag (Zusatznächte können

gebucht werden).

Ziel: Intensive Selbstreflektion und

entspannung

Inhalt:

2 Nächte inklusive Halbpension

im Superior Zimmer

1 Arztgespräch inklusive Untersuchung

1 Messung der körperzusammen setzung

mittels bioelektrischer Impe danzanalyse

1 Stresstest (Herzfrequenzvariabilitätsmessung)

1 Feststellung des beweglichkeits-

und Funktionsstatus

1 Achtsamkeitstraining

1 Ganzkörper-Aroma-Massage

1 Hamam ritual «von kopf bis Fuss»

Preis: ab CHF 950.00 pro Person im

Doppelzimmer. einzelzimmer gegen Preisaufschlag

buchbar


26

27

Von Markus Meier

oriGinale

Vom Abenteuerspielplatz

Hasa-Toni

und rund vom um Fideli den Walensee

Gemeinsam war den beiden Originalen,

dass sie weder einer geordneten Arbeit

nachgingen, noch, dass sie einen ordentlichen

Wohnsitz hatten sowie dass sie gelegentlich zu tief

ins Glas schauten, so sie denn eines hatten. Hasa-

Toni kam 1896 als Anton Haas, Sohn des Bonifaz

und der Balbine Haas, geb. Schreiber, im Vaduzer

Mühleholz auf die Welt. Das «Fuchsaloch» war und

blieb zeitlebens seine Heimat. Sein Leben entwickelte

sich zunächst relativ normal, er erlernte sogar

das Handwerk des Schuhmachers und soll auch

einmal verheiratet gewesen sein. Irgendwann geriet

dann seine Ordnung aber aus

fideli war ein feinfühliger,

den Fugen. Hasa-Toni verliess

umgänglicher Mensch, nach und nach die gesellschaftlichen

Bahnen. Er verdiente sei-

toni ein rauher, grossgewachnen

Lebensunterhalt mit Besen

sener und kräftiger bursche binden und trieb sich mit seinem

Kumpel Fidel Kirschbaumer

(1914–1962, Sohn des Peter und der Anna Kirschbaumer-Rusch),

der Zeinen anfertigte, durch das

Land, um den Bauern die Produkte zu verkaufen.

Gehaust haben die Beiden mal da, mal dort. Im

Sommer lebten sie mehr oder weniger in der Mühleholzrüfe,

wo sie sich eine Steinhütte gebaut hatten.

Augenzeugen berichten, im Inneren hätten sich

zwei Matratzen befunden sowie in der Mitte eine

Feuerstelle. Im Winter kamen sie etwa im Bürgerheim

von Mauren unter. Sie waren beide Bürger von

Mauren. Es wird auch berichtet, dass der Hasa-Toni

im Winter einmal am Rüfeboden angefroren sei.

Meistens war er mit seinem kumpel fideli kirschbaumer unterwegs, der hasa-

toni aus vaduz. sie waren ein beinahe unzertrennliches Gespann und leidens-

genossen der besonderen art. der fideli war «zäänamacher» und der hasa-

toni «bäsamacher».

Besen und Zeinen gegen

Speis und Trank

Vielleicht gab dieses Erlebnis den

Ausschlag, dass Toni und Fideli dann hauptsächlich

im Vaduzer Mühleholz bei «s’Badischtlis» im Heustock

oder im Stall geschlafen haben. «S’Badischtlis»

– Mina und Albert Seger – gewährten den zwei

Lebenskünstlern nicht nur Unterschlupf, sondern

versorgten sie auch mit Essbarem. Würste oder

Speck gab es auf dem Bauernhof genug. Es galt der

Tauschhandel: Besen und Zeinen gegen Fleisch.

Oder aber Toni und Fideli mussten mit anpacken,

wenn es etwas zu tun gab. Das soll dem Fideli leichter

gefallen sein als dem Toni. Der Fideli sei auch der

zuverlässigere und bessere Handwerker gewesen

sein, sagt man. Gelegentlich hätten die zwei Originale

auch bei Metzger Ospelt in Schaan Würste bekommen.

Diese waren dem Vernehmen nach meistens

schon etwas älter als es das Verbrauchsdatum

zuliess, aber das habe die beiden nicht weiter gestört.

Schnaps zur inneren und

äusseren Anwendung

Mina und Albert haben ein Bierdepot

im Mühleholz betrieben. In der Laube hinter

dem Haus trafen sich Fabrikler, Bauarbeiter und

andere Durstige oft zum Feierabendbier. Toni und

Fideli sollen jeweils auch dabei gewesen sein, denn

beide liebten den Most und den Gerstensaft ausserordentlich.

Und noch viel lieber gebrannte Wasser!

Diese kamen insbesondere auch zum Einsatz, wenn

sich der Hasa-Toni in der Rüfe die Beine aufgeschürft

hatte. «Zum Einreiben» soll er dann gesagt

haben. Mehrheitlich wurde der Schnaps jedoch

innerlich angewendet, bevor er die letzten beiden

Tropfen noch auf die Wunde strich. Eines Tages soll

der Fideli mit blutüberströmtem Gesicht zur Mina

gekommen sein mit der Klage, der Toni – sie hatten

oft Streit – habe ihm in der Hütte eine Flasche über

den Kopf gezogen. Mina habe den Verletzten ver


arztet und ihn moralisch unterstützt. Die Heilung

schritt gut voran, der «Turban» konnte innerhalb

weniger Tage entfernt werden – und der Toni und

der Fideli haben das Kriegsbeil auch wieder begraben.

Werner Seger – jüngster Sohn von Albert und

Mina Seger – erinnert sich, dass er als Bub oft mit

Toni und Fideli in der Laube gesessen hat. Aus Spass

habe er dann dem Fidel unter dem Tisch ab und zu

einen «Spartz» gegeben. Dieser habe umgehend das

Messer gezückt und dem Toni unter die Nase gehalten,

in der Meinung, er wäre das gewesen: «Du

Sauhund!»

Von Haus zu Haus mit

den Besen

Fideli war – seiner kleinen Gestalt

entsprechend – ein eher feinfühliger, umgänglicher

Mensch, der sich auch mit den Kindern gut verstand

und ihnen allerlei Brauchbares wie etwa Steinschleudern

bastelte. Obwohl er niemandem etwas

zuleide getan hat, war der Toni im Gegensatz dazu

ein rauher, grossgewachsener und kräftiger Bursche,

ein «Kolderi» wie er im Buch steht. Nicht umsonst

hatten Frauen, Kinder und insbesondere die

Hunde vor ihm Angst. Wenn er mit seinen Besen an

den Häusern vorbei zog und unermüdlich sein

typisches «Moorakopf, Moorakopf, Moorakopf…»

vor sich her murmelte, wurde er oft von Hunden

attackiert. Einmal soll ihm das zu viel geworden

sein und so habe der Hasa-Toni im Äule eine Dogge

mit dem Messer abgestochen. Der Hasa-Toni hält bei der Pfarr-

Der Fideli konnte es gut mit den kirche St. Florin in Vaduz ein

Hunden. So erinnert sich Werner Brautpaar auf und lässt es gegen

Seger, dass ihr Bless, den sie zu-

einen Fünfliber durch.

hause hatten, mit einem Abstand

von nie mehr als einem halben Meter hinter dem

Fideli mit seinen auffallend krummen Beinen hergelaufen

sei.

Geld verdienen auf ver-

schiedene Arten

Das Geld war immer knapp und

mit dem Fertigen von Besen allein konnte sich der

Hasa-Toni nicht über Wasser halten. Gelegentlich

gab es einen finanziellen Zustupf von Dr. Ludwig

Marxer: Ihn soll er beim Schlossweiher einmal vor

dem Ertrinken gerettet haben. Hochzeitspaaren

versperrte der Toni mit Vorliebe den Weg mittels

eines Seils. Und dann mussten sich die Frischvermählten

den Durchgang mit einem Fünfliber

freikaufen. Wenn es im Winter viel Schnee hatte,

habe der Toni manchmal geringfügig gegen das Gesetz

verstossen, so dass er bei freier Kost und Logie

ein paar Tage hinter den Gitterstäben im «Grossen

Haus» Einsitz nehmen durfte. Dies war dann zwar

mit etwas Arbeit verbunden, er musste Schnee

schaufeln, aber er konnte auf ein warmes Essen zählen

und eine trockene Unterkunft.

Hasa-Toni ist 1969 in Nendeln unglücklich

unter den Zug geraten und wurde dabei tödlich verletzt.

Fideli starb bereits sieben Jahre zuvor, 1962. |

oktober 2012

Foto: Markus Meier


28

rätsel-spass

kreuzworträtsel oktober 2012

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oktober 2012

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Panorama Liechtenstein

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in ungewöhnlichen Perspektiven zeigt

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Alpenland Verlag | Marco Nescher

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verborgenen Schönheiten Liechtensteins in 33 farbigen Panoramabildern.

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Bestaunen verleiten.

Herausgeber Alpenland Verlag AG, Schaan

Fotos Marco Nescher, Schaan / Text Günther Meier, Vaduz

Umfang 80 Seiten, farbig, davon 33 Panoramabilder

Format 22 ¬ 15,8 cm, Pappband

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Erhältlich in deutsch, englisch, französisch, italienisch, spanisch,

russisch, chinesisch, japanisch

Zu beziehen beim Alpenland Verlag, www.buchzentrum.li oder im

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Alpenland Verlag AG

Feldkircher Strasse 13 · FL-9494 Schaan ·Telefon +423 239 50 30

Fax +423 239 50 31 · offi ce@alpenlandverlag.li · www.buchzentrum.li

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Jetzt

erhältlich

in

8 Sprachen

Oktober 2012

Ausstellungen

Don’t Smile

Vom Humor der Kunst

21. September 2012 bis 20. Januar 2013

Führung

Donnerstag, 11. Oktober 2012, 18.00 Uhr

Donnerstag, 25. Oktober 2012, 12.30 Uhr

Veranstaltungen ( Auswahl )

Donnerstag, 4. Oktober 2012, 18.00 Uhr

Vortrag

Musik und Humor

von Marco Schädler

Im Anschluss: Witzecafé, Moderation Rita Frommelt

Samstag, 6. Oktober 2012, 18.00–01.00 Uhr

ORF Lange Nacht der Museen

mit Filmprogramm, Kurzführungen und Kinderaktivitäten

Sonntag, 7. Oktober 2012, 11.00 Uhr

Führung

Eine Stunde: Das Lächeln der Mona Lisa –

Eine Rezeptionsgeschichte

mit Christiane Meyer-Stoll

In Kooperation mit der Liechtensteinischen Kunstgesellschaft.

Donnerstag, 11. Oktober 2012, 14.00–16.00 Uhr

Kunst 60+

mit Barbara Redmann

Folgetermine: 25. Oktober und 8. November 2012,

mit Anmeldung

Mittwoch, 17. Oktober und Donnerstag,

18. Oktober 2012, 14.00–17.00 Uhr

Kinder Ferien-Atelier

für Kinder von 6–12 Jahren, mit Anmeldung

Städtle 32, 9490 Vaduz

Tel +423 235 03 00

www.kunstmuseum.li

KUNSTMUSEUM

LIECHTENSTEIN


30

schlusspunkt

Harry Quaderer

der die das und du?

…der mediale Startschuss zu den Landtagswahlen

ist genau eine Minute nach dem Staatsfeiertag gefallen. Endlich wieder

Landtagswahlen. Eine vierjährige Mandatsperiode fühlt sich manchmal

länger an, als sie ist. Eine Mandatsperiode-Verlängerung auf

5 Jahre ist geplant. Wenn ich aber

diese Mandatsperiode Revue pas- ich werde auf einer liste stehen, bestehend aus

sieren lasse, hätten eigentlich

3 Jahre genügt! 4 von 5 Regie- einer Gruppierung von unabhängigen kandidaten

rungsmitgliedern würden mir

vielleicht Recht geben. Summa summarum. Vor 4 Jahren wäre man mit

den Worten «automatischer Informationsaustausch» als Politiker

geteert und gefedert worden. Und jetzt? Alleingänge sind teuer und

gefährlich. Die Telefonie lässt grüssen!

…die Parteien Rot und Schwarz präsentieren die

Regierungsmitglieder noch bevor man weiss, wer

sie denn wählen soll. Weiss bleibt da bescheidener.

Die Namen Hasler, Frick, Zwiefelhofer, Pedrazzini,

Marxer-Amann und Rick stehen auf keiner Wahlliste.

Der neue Landtag wird sie im März 2013 wählen.

Wäre es nicht sinnvoller, liebe Schwarze und

Rote, den Wählern zuerst die Landtagskandidaten

zu präsen tieren? Ganz nach dem Motto: Ohne Teig,

keinen Kuchen. Mein zweiter Vorschlag wäre: Das

Volk soll die Regierung direkt wählen!

Harry Quaderer

…das Parteiprogramm wird ganz im Sinne des Frak-

Unabhängiger Abgeordneter tionszwangs im stillen Kämmerlein von gewählten

und nicht gewählten, bekannten und unbekannten

Personen, auf Flip-Charts und weissem Papier gekritzelt und gemalt.

Politischer Brainstorm(ing) nennt sich das! Dem Versuchskaninchen

Volk werden die Resultate mit Flyern, Hochglanz-Broschüren, Plakaten

und strahlenden Köpfen in unseren Parteiblättern vor Augen

gehalten. Das Blaue vom Himmel wird noch blauer. Die Wahlbudgets

sind gesichert. Gespart wird wieder nach den Wahlen. Bei den Anderen!

…und du? Was machst du, bei den Wahlen? Eine

Frage, die mir dieses Jahr sehr oft gestellt wurde. Du, jetzt weiss ich es.

Ich werde auf einer Liste stehen, bestehend aus einer Gruppierung von

unabhän gigen Kandidaten. Nein, keine Partei. Das überlassen wir den

Anderen. Wie viele Kandidaten hast du schon? Es fehlen noch ein paar

mutige Männer und Frauen. Im Ober- und im Unterland. Und du?

Falls du weder Bock auf Schwarz, Rot oder Weiss hast, melde dich bei

mir. Du, für Liechtenstein! |

oktober 2012

Foto: Günther Meier


chn

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en

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Deutsche Ausgabe

ISBN 978-3-905437-29-4

9 783905 437294

FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN

Fürstentum Liechtenstein

Die schönsten Bilder und Briefmarken

FÜRSTENTUM

LIECHTENSTEIN

DIE SCHÖNSTEN BILDER UND BRIEFMARKEN

In der Kombination von Bildern aus Liechtenstein und den schönsten Brief -

marken aus 100 Jahren ist ein zeitloses Werk entstanden. Dieses Buch zeigt die

Schönheiten Liechtensteins in aktuellen und faszinierenden Ansichten und verbindet

dabei Fotografie und Philatelie auf spannende Art und Weise miteinander.

Kurz gefasste Textbeiträge sowie knappe Beiträge zur Philatelie ergänzen die

reich bebilderten Kapitel mit vielfältigen Informationen über das Land und über

die grosse Briefmarkentradition.

Herausgeber LPHV Liechtensteiner Philatelisten Verband, Vaduz

Verlag Alpenland Verlag AG, Schaan

Umfang 208 Seiten

Format 23,5 x 28,5 cm

Bindeart Gebunden, Pappband

Sprache deutsch (englisch in Vorbereitung)

Preis CHF 58.00 / Euro 47.00

ISBN 978-3-905437-29-4

Erhältlich beim Alpenland Verlag AG, Schaan, Telefon +423 239 50 30,

unter www.buchzentrum.li oder im Buchhandel sowie in den Poststellen

und Philatelieshops

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Liechtenstein in Bildern und Briefmarken

Von seiner schönsten Seite präsentiert

sich das Fürstentum Liechtenstein in diesem

Bild- und Textband, der aus Anlass des

100-Jahr-Jubiläums der liechtensteinischen

Briefmarken entstanden ist.

Für seine Briefmarken ist das kleine Fürstentum

weltberühmt, aber auch seine Schönheiten

in Natur und Landschaft stehen den

postalischen Wertzeichen in nichts nach.

Das Werk aus dem Alpenland Verlag zeichnet

ein zeitgenössisches Bild Liechtensteins aus

der Sicht einheimischer Fotografen und Texter.

Kombiniert mit ausgewählten Briefmarken,

mit Wissenswertem über die traditionsreiche

Philatelie und mit einer kleinen Geschichte

des liechtensteinischen Postwesens ergibt sich

ein faszinierender Einblick in das Fürstentum,

inmitten der Alpen und im Herzen Europas.


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