blu März / April 2021

blumediengruppe

blu ist das queere Lifestyle-Magazin für Berlin

03.2021 І MÄRZ APRIL І HEFT 134

BERLIN

FERNWEH

Wir zeigen dir

im Reise-Special,

wo es schön ist

COMEBACK

Rag'n'Bone

FRÜHLINGSGEFÜHLE

Angesagte Mode

auf unseren

Style-Seiten

Man

im exklusiven Gespräch

03

4 193289 301909

1,90€

INTERVIEWS: BONNIE TYLER, DAVID ZIMMERSCHIED, BIRDY, LONDON GRAMMAR,

CASSANDRA STEEN, MADISON BEER, BRIX SCHAUMBURG


INTRO 3

Inhalt

STADTGESPRÄCH

Ein Vierteljahrhundert voller

Testosteron. Der erste CAZZO-Film

war 1996 „Berlin Techno Dreams“

und wurde aufgrund der kernigen

Darsteller, der rasanten Schnitte

und des Technobooms sogleich ein

großer kommerzieller und medialer

Erfolg.

Kostenlos

epaper.männer.media

Alle Magazine online!

KLUBWELT

Der Shutdown dauert an, der Lockdown

macht Angst. Schwierige Zeiten,

besonders für die Kreativen des

Nachtlebens. Wir erreichten einen

der Geschäftsführer des SchwuZ im

Homeoffice.

STYLE

Fürwahr sind die trendigen Teile

von Designer Pablo Kalafaker nicht

für Menschen, die lieber unauffällig

durchs Leben schlendern. In den

Entwürfen des 2011 in Argentinien

an den Start gegangenen Modelabels

steht man schon irgendwie im

Mittelpunkt.

KULTUR

Durch Hits wie „Darum leben wir“,

„Tanz“ und „Stadt“ oder auch ihre

Klassiker mit der Band Glashaus

(„Haltet die Welt an“, „Wenn das Liebe

ist“ ...) wurde Cassandra Steen zu

einer der erfolgreichsten deutschsprachigen

Sängerinnen, höchste

Zeit, mit ihr zu sprechen

Liebe Queers,

von Herzen wünschen wir uns,

dass dies die letzte Lockdown-

Ausgabe ist, die unser Team für euch

produziert. Nach fast einem Jahr

ständiger Einschränkungen wird es

Zeit für unbeschwerte Begegnungen

an den Orten unserer Community.

Bitte denkt daran, wenn ihr ausgeht,

dass diese Cafés, Bars, Restaurants

und Geschäfte eure Unterstützung

brauchen, um die schwierige Phase

hinter sich zu lassen. Wir können es

kaum erwarten, euch wieder über

neue Kunst- und Kulturangebote zu

informieren, und werden natürlich

auf unseren Social-Media-Kanälen

auch regelmäßig über den neusten

Stand von Klubs und Cruising-

Locations berichten. Auf in den

Frühling!

Viel Spaß beim Lesen,

deine blu Redaktion

www.männer.media

www.facebook.com/blumag


4 STADT

Community

GEDENKEN

NEUE TOURDATEN!

Die für Mai und Juni 2021

geplante Pet-Shop-Boys-

Tour „DREAMWORLD – THE

GREATEST HITS LIVE“

muss leider um ein Jahr

verschoben werden. Hier

sind die neuen Daten.

4.5.2022, München: Olympiahalle,

2.6.2022 Frankfurt:

Jahrhunderthalle, 4.6.2022,

Oberhausen: König-Pilsner-

Arena, 5.6.2022, Hamburg:

Barclaycard Arena, 7.6.2022,

Leipzig: Arena, 10.6.2022,

Stuttgart: Porsche-Arena

und am 11.6.2022.

150 Jahre Unrechtsparagraf

175 Strafgesetzbuch

2022 jährt sich die Einführung des Paragrafen 175 im gesamten Deutschen Reich zum 150.

Mal. Dieser Paragraf – von den Nazis verschärft und dann bis 1969 in der Bundesrepublik unverändert

weiter gültig –, war für das Leid zigtausender Männer und Frauen verantwortlich.

Erst 1994 wurde er endgültig gestrichen, erst 2017 wurden die bundesdeutschen Opfer des §

175 rehabilitiert, erst 2018 bat Bundespräsident Frank Walter Steinmeier sie um Vergebung.

FOTO: H. DJENAT

CHARLES PASI EST DE

RETOUR

Sage und schreibe fast

sechs Jahre ist es her,

dass wir über Charles Pasi

geschrieben haben. Daher

freuen wir uns umso mehr,

es nun wieder tun zu

können. Gerade erschien

das neue Album „Zebra“

des gefeierten Jazz- und

Blues-Sängers, der in

den dort versammelten

zehn Liedern auch mit

Pop experimentiert. Aber

keine Angst, es bleibt ein

Jazz- und Blues-Album mit

sexy #FrenchTouch. Unsere

Anspieltipps sind „Happy

Single“, „Elio“ sowie „Back to

Casablanca“, „Silence“ und

„Mike and Richie“. *rä

Diese Ausgabe der blu will nichts anderes

als aufklären, Folgen benennen und endlich

eine Reaktion des Bundestagspräsidiums

hervorrufen, um ein würdevolles und angemessenes

Gedenken im für die Verfolgung

verantwortlichen deutschen Parlament zu

erreichen.

GEDENKEN UND DER LANGE

ATEM DES § 175

Seit 1997 ist der 27. Januar als „Tag des

Etwa 350 Menschen gedachten

Ende 2020 in Dresden dem Opfer

des mutmaßlich ersten tödlichen

islamistisch-homophoben Hassverbrechens

in Deutschland. „Mutmaßlich“

auch deshalb, weil auf dem queerphoben

Auge nach wie vor Blindheit herrscht auf

der Regierungsbank.

Homo- und Transphobie sind für Innenminister

Horst Seehofer (CSU) und seine Vorgänger

kein Thema. Selbstverständlich war auch in

Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“

ein gesetzlich verankerter,

bundesweiter Gedenktag. 2005 erklärten

die Vereinten Nationen den 27. Januar

zusätzlich zum „Internationalen Tag des

Gedenkens an die Opfer des Holocaust“.

Seit 22 Jahren sind dort Angehörige und

Opfer des Nationalsozialismus zu Wort

gekommen, dreimal wurde thematisch an

einzelne Opfergruppen erinnert: 2011 an

Roma und Sinti, 2016 an Zwangsarbeiter

POLITIK

Ein Schlag in die Fresse von Horst

Dresden kein Vertreter der Bundesregierung

dabei. Es gab kein Wort von Merkel oder Seehofer

nun auch von der Staatsanwaltschaft

zur Last gelegten, homophobem Motiv. 2013

hatte die SPD einen nationalen Aktionsplan

in den Koalitionsvertrag hineinverhandelt.

Passiert ist: Nichts. Auch 2020 nicht. Der

LSVD dazu vor einem Jahr:

„Noch nie hat Bundesinnenminister

Seehofer eine homophobe oder transfeindliche

Gewalttat explizit öffentlich


sowie 2017 an Behinderte und Euthanasieopfer.

Der homosexuellen Opfer des §

175 ist bisher nicht gesondert gedacht

worden, kein Redner erzählte von seiner

schwulen Verfolgungsgeschichte.

Das verwundert nicht und erschreckt

dennoch: Die staatliche Verfolgung

Homosexueller unter dem von den Nationalsozialisten

verschärften § 175, ging in

der Bundesrepublik bis 1969 unverändert

weiter. Bis 2017 waren Bürger, die bis

1994 nach $175 des Strafgesetzbuches,

also wegen homosexueller Handlungen,

angeklagt und verurteilt wurden, vorbestraft,

und eventuell geoutet, ihren Job

und die Karriere los. Der Rosa Winkel sah

in der BRD nur nicht mehr wie einer aus.

Homosexuelle Opfer der NS-Ideologie

wären im Zweifel, so sie das KZ überlebt

haben sollten, gleich wieder in den

Knast gegangen, wenn

sie nur Zärtlichkeit

ausgetauscht hätten.

Erst am 10. März 1994

wurde Homosexualität

endgültig aus dem

Strafgesetzbuch

gestrichen. Und bis die

Opfer für das an ihnen,

in direkter Tradition des

Unrechtsstaates der

Nazis, von der Justiz

und Gesetzgebung

der Bundesrepublik

begangene Unrecht

freigesprochen und

entschädigt wurden,

dauerte es noch einmal bis zum 22. Juli

2017. An diesem Tag trat das „Gesetz zur

strafrechtlichen Rehabilitierung der nach

dem 8. Mai 1945 wegen einvernehmlicher

homosexueller Handlungen verurteilten

Personen (StrRehaHomG)“ in Kraft.

VERGEBLICHE VERSUCHE

Vielleicht ist diese jahrzehntelange

Geschichte staatlicher Ächtung

Homosexueller und das ihr folgende,

verinnerlichte, gesellschaftlich ausgrenzende

Klima mit ausschlaggebend für

die auffällig ausweichende Haltung von

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble,

der sich nun bereits im dritten Jahr

weigert, die homosexuelle Opfergruppe in

den Fokus zu rücken.

Dr. Lutz van Dijk ist deutschniederländischer

Schriftsteller, Historiker

und Pädagoge, geboren in Berlin. Er

hatte im Jahr 2018 eine diesbezügliche

Initiative ins Rollen gebracht, die unter

anderem von Holocaustüberlebenden,

dem Internationalen Auschwitz-Komitee,

dem Lesben- und Schwulenverband

Deutschland sowie Historiker*innen aus

dem In- und Ausland und von vier der

fünf Bundestagsvizepräsidenten (die

Vertreter von SPD, Grünen, FDP und DIE

LINKE) unterstützt wird.

Hieß es aus dem Bundestagspräsidium

2018 noch, die von der Initiative

angedachte Umsetzung 2019 sei nicht

realisierbar, weil die Planungen schon

fortgeschritten seien, ist zum neuen

Vorschlag, 2021 tätig zu werden, von

Wolfgang Schäuble Folgendes an die

FOTO: A. MELDE / DEUTSCHER BUNDESTAG

STADT 5

Initiative von van Dijk übermittelt worden:

Er sehe zum gegenwärtigen Zeitpunkt

„keine Veranlassung“, sich bereits jetzt

mit den Planungen der Gedenkfeier für

das Jahr 2021 zu befassen. Lutz van Dijk

versprach, nicht lockerzulassen.

175ER – AUCH 2021

TOTGESCHWIEGEN!

Es war ein weiterer Tiefschlag. In nur drei

Zeilen und zugestellt nicht mal persönlich,

sondern durch den Protokollchef des

Bundestages, ließ man die Petition von

Historiker Lutz von Dijk und inzwischen

170 prominenten Unterzeichner*innen

für ein Erinnern an die homosexuellen

NS-Opfer im Bundestag ein weiteres Mal

abblitzen.

Entsprechend enttäuscht die Reaktion

des Petitionsteams:

„Gleichwohl bedauern wir sehr, dass

Sie sich (wie Herr Dr. Brissa formuliert)

als ‚Präsidium des Deutschen Bundestages

nach reiflicher Abwägung‘ dafür

entschieden haben ‚ein Jubiläumsjahr...

ins Licht zu stellen‘, das das ganze Jahr

Aufmerksamkeit erhalten sollte – und

damit gegen die anerkennende Wahrnehmung

einer Verfolgtengruppe, die

immer wieder Diskriminierungen auch

bei uns in Europa ausgesetzt ist und

in den meisten Teilen der Welt selbst

Folter, Haft und Todesstrafe erleiden

müssen. Wie mutig wäre ein Zeichen

von Ihnen hier gewesen! Wir werden

nicht aufgeben, so u. a. auch gemeinsam

mit unseren polnischen Nachbarn,

wo erst vor kurzem ein Drittel des

Landes zu LGBT-freien Zonen erklärt

wurde, so selbst auch im Staatlichen

Museum Auschwitz, unser Bemühen um

aufrichtige Erinnerung fortzusetzen.“

Den gesamten Artikel findest du auf

männer.media

verurteilt. Es gibt keinerlei

Maßnahmenprogramm. Dabei

geschehen homophobe und transfeindliche

Gewalttaten tagtäglich

in Deutschland. Seit Jahren weigert

sich die Große Koalition, bei der

von ihr eingeführten Bestimmung

zur Hasskriminalität im deutschen

Strafrecht homophobe und

transfeindliche Motive im Gesetz

ausdrücklich zu benennen.“

Und 2021? Aktuell sind es wieder

Grüne, Linke und FDP, die mit

Nachfragen und Gesetzesinitiativen

Druck auf Merkels Minister*innen

FOTO: M. RÄDEL

ausüben. Tenor: Es muss endlich

Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes

um das Merkmal sexuelle Orientierung

erweitern. Es muss endlich einen

nationalen Aktionsplan zur Prävention

von Homo- und Transphobie geben.

Es muss endlich eine bundeseinheitliche

Regelung der Innenminister zur

Erfassung und Ahndung von queerfeindlichen

Hassverbrechen gefunden

werden. Sonst bleibt queerphobe

Gewalt ein Hassverbrechen 2. Klasse.

Und die Untätigkeit der Zuständigen

wirkt auf die Opfer wie ein zweiter

Schlag in die Fresse. Schämen Sie

sich, Sie Horst! *ck


6 STADTGESPRÄCH

BILD: RALF KÖNIG

ZUSAMMENHALT

EISENHERZ UND RALF KÖNIG

Auf Social Media verrät der

Kölner Buchkünstler: „Volk!!!

KONRAD UND PAUL-Signieraktion!

Beim Comiczeichnen auf Papier fallen

jede Menge Schnipsel an: Skizzen,

Verworfenes, Danebengegangenes.

Zur Unterstützung der darbenden

schwulen Buchläden Eisenherz (Berlin),

Erlkönig (Stuttgart) und Löwenherz

(Wien) verziere ich damit vorbestellte

Exemplare, solange der Vorrat reicht!“

Sein neues Buch „Vervirte Zeiten“, das bei

Rowohlt erschienen ist, beschäftigt sich

mit der immer noch andauernden Corona-

Pandemie. Das aber nicht bedrückend und

beängstigend, sondern mit viel Humor, einer

guten Portion kerliger Erotik, sympathischfrech

und äußerst unterhaltend! Entstanden

ist „Vervirte Zeiten“ als Corona-Tagebuch

in Comicstripform auf Social Media. Im

Zentrum der täglichen Szenen standen

sein kultiges Männerpaar Konrad und Paul

und deren nur noch virtuell und mit dem

Telefon zu erreichendes Umfeld. Lockdown

als tragikomische Misere, die lachen lässt.

Der sofortige Erfolg des Internet-Corona-

Tagebuchs ebnete den Weg für diesen neuen

Comic. Und nun tut der König auch noch

Gutes damit und macht vorbestellte Comicbände

zu einzigartigen Kunstwerken samt

originalen Skizzen. Das ist Zusammenhalt

und Sichtbarkeit, wie wir sie brauchen. Danke,

Ralf, nein, Ehre und Dank dem König! *rä

VERLOSUNG

Marzipan aus Neukölln

Schon 1737 hatte Friedrich Wilhelm I.

Protestanten aus Böhmen nach Rixdorf

** bei Berlin eingeladen zu siedeln und zu

arbeiten. Damals begann die Marzipan-

Tradition Berlins. Und auch heute noch

werden dort Marzipanpralinen hergestellt,

von OHDE.

„OHDE steht für Luxus für den Gaumen.

Und nicht nur das, sondern auch sehr

edel und hochwertig. Also Marzipan für

die Sinne. Und OHDE steht für ‚made in

Berlin‘, genauer ‚made in Neukölln‘“. Und

nun, nach vier Jahren, ist unsere kleine

Manufaktur auch recht erfolgreich“,

so das Team im Chat mit uns. „Mit der

in Gründung befindlichen Stiftung

fördern wir Bildungseinrichtungen und

-projekte für Jugendliche und leisten

damit unseren Beitrag zur weiteren

Entwicklung unseres Kiezes – unsere

Ode an Neukölln. 30 Cent pro Rixdorfer

Glückswürfel *** werden für diese

Förderprojekte eingesetzt“, wird auf der

Homepage verraten. Purer Genuss aus

Rosenblüten, Pistazien, Kirsche und Safran.

Lecker! Wer sich selbst oder seine

liebsten Bezugspersonen verwöhnen

will, der sollte hier zugreifen. Genießen

und Gutes tun kann so einfach sein.

Zudem ist die Manufaktur ein Berliner

Unternehmen, man unterstützt also

auch das „dicke B“. *rä

männer.media/gewinne,

www.ohde.berlin

** Rixdorf ist heute ein Teil des Berliner

Ortsteils Neukölln

*** Marzipanpralinen, ummantelt mit

Vollmilchschokolade


GESELLSCHAFT

Ein Hörbuch von der

Breakout

Ta-daaah! Seit der Jahrtausendwende mischt diese HIV-

Aktivistin und Buchautorin als DJane und Stargast die

Szene gehörig auf, vor Kurzem erschien ihr Hörbuch.

„Für mich als Hörbuchkind ist ein Audiobook der Inbegriff

von Gemütlichkeit, ich bin mit Erich Kästner, Momo

und den ‚drei ???‘ auf den Ohren aufgewachsen, jetzt

mein eigenes Hörbuch einzusprechen, war wunderbar.“

Ihr Buch „tragisch, aber geil 2.0“ erschien vor wenigen

Monaten, ein äußerst lesenswerter, wahrer und packender,

manchmal aufwühlender, autobiografischer Lesestoff. Das

Hörbuch – über sechs Stunden lang – enttäuscht ebenfalls

nicht. „Ich hatte eine sehr aufregende Kindheit, habe die

ersten Jahre meines Lebens als Transgender-Kind gelebt,

dann kam die Pubertät mit all den Drogen und all der

Gewalt und schließlich Berlin und meine Karriere hier mit

all den Exzessen und dem ganzen Wahn.“ Vor allem im TV

(„Shopping Queen“, ...), dem Nachtleben und bei großen

Events wie etwa „Werq the World“ sorgt(e) sie für Glamour.

Die 1978 geborene Freundin von Melli Magic und Joko

Koma ist aber auch eine oft ziemlich politische Bloggerin

und HIV-Aktivistin. *rä

Marienfelder Allee 212,

12279 Berlin

STADTGESPRÄCH 7

Termine auf doctolib.de

Öffnungszeiten

Mo. 9 - 14 Uhr

Di. 9 - 12 & 14 -18 Uhr

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Do. 9 - 12 & 14-18 Uhr

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Telefon: 030 / 7231896

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FOTO: SELFIE


8 STADTGESPRÄCH

INTERVIEW

SIMON MARTINELLI

im Lockdown-Interview

Seine Kunst und Ästhetik

begegnen dir häufiger, als du

denkst, nicht nur bei den Printund

Online-Angeboten der blu

Mediengruppe wie männer* oder hinnerk

und blu. Simon Martinelli ist auch in der

Werbeindustrie und als Porträtfotograf

auf dem freien Markt erfolgreich tätig.

Für uns hatte der Fotograf Zeit für ein

Corona-Interview.

Wie trifft dich bisher die Pandemie

als Geschäftsmann?

Mich als Soloselbständigen trifft die

Pandemie natürlich sehr, da einige

meiner Kunden stark unter den Folgen

der Pandemie zu leiden haben. Deshalb

sind viele Projekte abgesagt worden. Ich

denke jedoch, dass es mit Sicherheit

einige meiner Kollegen noch härter trifft,

insbesondere die Hochzeits-, Event- und

Konzertfotografen. Derzeit arbeite ich

nicht mit einer Agentur zusammen, anders

als viele andere Fotografen. Das möchte

ich ändern. Durch die Pandemie wurde

es schwieriger für mich, neue Kunden zu

akquirieren. Ich arbeite derzeit daran, eine

Agentur zu finden, mit der ich in Zukunft

zusammenarbeiten kann.

Und wie sind die Auswirkungen auf

dein Privatleben?

Ich bin froh, einen unglaublich starken

und liebevollen Partner an meiner Seite

zu haben. Er musste die letzten Monate

schon einiges an Motivationsarbeit

leisten, damit ich am Ball bleibe. Jens

baut mich immer wieder auf und sorgt

dafür, dass ich meine Leidenschaft nicht

aufgebe. Was mir wirklich sehr fehlt, ist

Savignyplatz 07-08 | 10623 Berlin

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Während des Lockdowns sind wir telefonisch

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STADTGESPRÄCH

9

meine Familie in Würzburg zu sehen,

meine Neffen und Nichten in den Arm zu

nehmen, ausgelassene Abende mit guten

Freunden und natürlich das Nachtleben!

Ist deine Partnerschaft dir eine

Stütze? Oder nervt man sich jetzt

auch mal mehr an?

Mein Partner Jens ist mir, neben meiner

Familie, in jeder Hinsicht eine sehr große

Stütze. Er arbeitet derzeit pandemiebedingt

auch viel im Homeoffice. Zwischen

uns passiert es eher selten, dass wir

uns auf die Nerven gehen, und wenn,

ist es eigentlich auch nie der Rede wert.

Außerdem arbeiten wir in zwei unterschiedlichen

Zimmern, so kann sich jeder

auf seine Arbeit fokussieren. Trotzdem ist

es schön, ihn bei mir zu Hause zu wissen

und mit ihm die Kaffeepausen zusammen

zu genießen.

Wie begegnest du

Corona-Leugnern?

Das ist ein schwieriges Thema, das mich

sehr aufwühlt! Ich ertappe mich immer

wieder dabei, wie ich mich von Mitmenschen

distanziere, die die Maßnahmen der

Regierung einfach nicht verstehen wollen.

Eine solche Distanzierung ist natürlich

nicht der richtige Weg! Man darf sich vor

solchen Auseinandersetzungen eigentlich

nicht drücken, sondern muss die Diskussionen

suchen, damit diese Mitmenschen

nicht noch weiter in ihrer „Welt voller

Unwahrheiten und Verschwörungen“

verloren gehen. Es ist nun einmal Fakt,

dass diese Pandemie existiert und dass

sie gefährlich ist. Deshalb ist es wichtig,

mit diesen Menschen zu reden, reden,

reden! Noch schlimmer finde ich im

Vergleich zu Leugnern diejenigen, die die

Pandemie nicht leugnen, also die Gefahr

sehen, aber trotzdem machen, was sie

wollen. Nach dem Motto: Es wird schon

nichts passieren. Ich erlebe immer wieder,

auch bei Freunden, dass Maßnahmen

einerseits für richtig befunden werden, sie

diese aber in der Realität nicht umsetzen.

Für mich ist ein solches Verhalten grob

fahrlässig!

Hilft dir deine Kunst, durch die

Pandemie zu kommen?

Ich bin ehrlich, meine Kunst ist momentan

brotlos, aber sie hilft mir mental ungemein!

Ich merke, dass sich mein Leben „entschleunigt“

hat und ich anfange, wieder

wesentliche Dinge fernab von Social

Media und aktuellen Trends zu sehen.

Schnelllebigkeit ist ein Killer für den freien

Geist und die Kreativität. Das habe ich

in den letzten Monaten besonders stark

gemerkt!

An welchen Projekten arbeitest du

gerade?

Mein letztes Projekt war die Porträtserie

die auch hier, zu einem kleinen Teil, veröffentlicht

wird. Für die Zukunft möchte ich

gerne weitere Serien in Angriff nehmen.

Spannend finde ich dabei die Bereiche Akt,

FOTOS: WWW.MARTINELLIPHOTO.COM

Fetisch und extravagant. In der Beauty-

Fotografie ist mein Ziel, mehr Männer

in mein Portfolio aufzunehmen. Ich bin

permanent auf der Suche nach anderen

kreativen Leuten wie Make-up Artists,

Stylisten oder Designern, mit denen man

neue Projekte realisieren kann. Meldet

euch gerne bei mir.

Was erhoffst du dir vom Frühling

2021?

Wieder mehr Zeit mit Freunden erleben

zu dürfen. Ich hoffe, dass wieder eine

gewisse Art von Normalität herrschen wird

und Corona nicht mehr allzu sehr unser

Leben bestimmt. Ein paar neue Kunden

und Projekte, um mir meine Leidenschaft

und meine Selbstständigkeit als Fotograf

sichern zu können. Das wäre toll.

*Interview: Michael Rädel

www.martinelliphoto.com

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10 STADTGESPRÄCH

INTERVIEW

LUKAS

SAUER:

„Gesundheit ist das

Allerwichtigste“

2021 startet mit Einschränkungen

und Leid. Wir chatteten mit dem

Schauspieler aber auch über Erfreuliches. *rä

Vorab: Wie geht es dir?

Mir geht es sehr gut. Dank Corona kann ich

momentan ausschlafen, aber ich hätte jetzt

genug Energie, langsam wieder loszulegen.

Wenn der Kopf sorgenschwer ist,

welches Morgenritual lockt dich aus

dem Bett?

Was wirklich hilft, ist eine Regelmäßigkeit

zu haben. Unter der Woche klingelt mein

Wecker täglich um 7:25 Uhr. Egal ob ich

einen Termin habe oder nicht. Aber so habe

ich immer Zeit für ein schnelles Frühstück

und kann danach direkt Sport machen.

Für alle, denen das schwerfällt, empfehle

ich zehn Minuten „Morning

Yoga“ – da gibt es online ganz

tolle Videos und die helfen

wirklich beim Wachwerden und

Sorgenvergessen.

Wie hältst du dich im Lockdown fit?

Ohne Fitnessstudio fällt es mir wirklich

schwer, mich fit zu halten. Dennoch

versuche ich, jeden Tag laufen zu gehen

und so oft wie möglich zu Hause oder im

Outdoor-Gym im Park ein paar Übungen

zu machen.

Was machst du beruflich in der

aktuellen Corona-Zeit?

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich

großes Glück hatte im letzten Jahr. Trotz

Corona konnte ich an tollen Produktionen

mitwirken. Als allerdings zum Ende des

Jahres ein erneuter Lockdown anstand,

habe ich kurzerhand mit ein paar

Freunden beschlossen, einen Kulturverein

zu gründen. Die Kultur kommt vor allem

in Zeiten von Corona viel zu kurz. Theater

und Kulturstätten waren die Ersten,

die zumachen mussten, und werden

wahrscheinlich auch die Letzten sein,

die wieder aufmachen dürfen. Man muss

dringend etwas tun, da ansonsten nicht

mehr viel davon übrig sein wird, sobald das

normale Leben wieder beginnt. Mit dem

Kulturverein wollen wir speziell in Kleinund

Mittelstädten Kulturprojekte fördern

und der Kultur wieder auf die Beine helfen.

Und du hast bereits eine prominente

Kollegin als Unterstützerin

gewonnen.

Genau! Ich kenne Ulrike Frank, bekannt aus

„Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, schon seit

längerer Zeit und als sie von der Vereinsgründung

hörte, hat sie sich kurzerhand dazu

entschlossen, den Verein zu unterstützen.

Darüber habe ich mich riesig gefreut!

FOTO: M. HALL, HOSE UND HEMD: CROSS JEANS, SHIRT: C&A, SCHUHE: SKECHERS


Du bist momentan in der erfolgreichen

TVNOW-Serienproduktion

„SUNNY – wer bist du wirklich?“ zu

sehen. Erzähl uns mehr!

„SUNNY“ ist eine TVNOW-Eventserie. Darin

geht Sunny, gespielt von Valentina Pahde,

nach München und nimmt an einer Foto-

Masterclass teil. Ich bandel darin mit Frieda

an, die ebenfalls die Masterclass absolviert,

und verstricke mich so in dem Geflecht

rund um Sunny, die Masterclass und einen

geheimnisvollen Mord. Ich möchte nicht

zu viel vorwegnehmen. Es ist ein wirklich

spannendes, vielseitiges und, wie ich finde,

auch sehr gelungenes Projekt geworden.

Was war für dich das Spannendste

an der Produktion?

Für mich war das Spannendste an der

Produktion, wie diese tatsächlich in der

Corona-Zeit umgesetzt werden konnte.

Vieles ging natürlich mit Quarantäne,

Testungen und Hygienemaßnahmen,

aber es war wirklich faszinierend zu

sehen, wie eine Produktion es schafft,

so viele Darsteller, Komparsen und

Crew-Mitglieder in einer solchen Zeit

zusammenzubringen und das Projekt

trotz der Pandemie umgesetzt zu

bekommen. Davor ziehe ich meinen Hut.

Gibt es einen bestimmten

Moment bei der Produktion,

an den du dich ganz besonders

erinnerst?

Ja, ich hatte meine erste Nacktszene

bei „SUNNY“. Man hat mich vollständig

entblößt von hinten gesehen und da hat

sich endlich mal bezahlt gemacht, dass

ich so oft ins Fitnessstudio gehe. (lacht)

Nein, Spaß beiseite. Ich hatte eine tolle

Schauspielpartnerin, mit der ich die Szene

zusammen gespielt habe, und das Team hat

sich großartig gekümmert, sodass wir uns

trotz Nacktheit sehr wohlgefühlt haben und

uns auf die Szene konzentrieren konnten.

So haben wir einen ganz besonderen

Moment geschaffen, der hoffentlich auch

die Zuschauer mitreißt.

Du bist mittlerweile nicht nur in

Deutschland bekannt, sondern hast

dir auch durch viele internationale

Jobs eine Fanbase auf der ganzen

Welt aufgebaut. Du bist aber eher

durch einen Zufall in die beruflichen

Zweige rein geschlittert, in denen du

jetzt arbeitest: Wie kam es dazu?

Während meines Studiums habe ich

gemodelt und hatte das Glück, von einem

Mitarbeiter einer Agentur aus Berlin angeschrieben

zu werden, der mir mitteilte, dass

er sich vorstellen könne, mit mir zusammenzuarbeiten.

Daraufhin bin ich nach Berlin

gefahren und habe mich mit dem Chef der

Agentur getroffen, der überhaupt keine Lust

auf mich hatte. (lacht) Er war aber offen,

dass wir mal ein wenig ausprobieren und

schauen, wo die Reise hingeht. Und dadurch

kam ich zunächst zum Schauspiel und

später dann zur Moderation. Ich habe vorher

nie den Wunsch gehabt, diesen Berufen

nachzugehen. Er fand aber, dass dies gut

zu mir passen könnte – also habe ich es

ausprobiert und festgestellt, dass es genau

das ist, was ich machen will. Es wird also

schon irgendwo in mir geschlummert haben.

So habe ich während meines Studiums mit

Schauspielunterricht und Moderationscoaching

begonnen, habe kurzerhand eine Rolle

bei „Unter uns“ (RTL) bekommen und diesen

Weg dann vollständig verfolgt. Und nun sitze

ich hier.

Was steht als Nächstes an? Auf

welches kommende Projekt freust du

dich am meisten?

Zusammen mit Ulrike Frank und Sascha

Rotermund gehe ich ab Herbst auf

Theatertournee, und darauf freue ich mich

riesig! „Ein gemeiner Trick“ ist eine Kriminalkomödie,

die von Marion Kracht inszeniert

wird, und ich fühle mich sehr geehrt, unter

der Regie einer so großartigen Künstlerin

und an der Seite von zwei so wundervollen

Schauspielkolleginnen und -kollegen auf

der Bühne stehen zu dürfen. Wir hatten

bereits unsere erste Textprobe und die

Arbeit mit den dreien hat mich unglaublich

begeistert. Wir waren vom ersten Moment

an wie eine kleine Familie.

Erzähl uns mehr zum Stück.

Ulrike Frank spielt darin eine reiche New

Yorker Schmuckdesignerin, die immer wieder

ihrem Faible für junge Kellner nachgeht.

Und jetzt ratet mal, wen ich spielen werde.

(lacht) Nach einer Nacht mit mir will sie

mich loswerden, doch ich lasse mich nicht

dazu bewegen. Und schon bald erpresse

STADTGESPRÄCH 11

ich sie mit einer Aufzeichnung unserer

nächtlichen Aktivitäten. Was dann passiert,

solltet ihr euch im Theater angucken. Die

Premiere findet am 1. Oktober im Lessingtheater

Wolfenbüttel statt.

Man sieht dich auf sämtlichen roten

Teppichen dieser Welt. Von der Berlin

Fashion Week angefangen über Weltpremieren

bis hin zu den wichtigsten

Oscar-Veranstaltungen in Los Angeles.

Was ist der Unterschied zwischen

den Veranstaltungen in Deutschland

und denen im Ausland – vor allem im

großen Hollywood?

Das Lustige ist: Die Menschen sind viel

offener im Ausland, als sie es in

Deutschland sind. Man kommt

schneller in Kontakt. In Deutschland

habe ich manchmal das Gefühl, dass

die Leute viel zu sehr auf sich selbst

konzentriert sind, als dass sie Interesse

daran haben, sich mit anderen auszutauschen.

Es macht tatsächlich mehr

Spaß und die Abende werden dann

auch umso exzessiver. (lacht)

FOTO: M. HALL, HOSE: CROSS JEANS, HEMD: C&A

Was war für dich die bislang

schönste Veranstaltung?

2018 war ich auf der Feier zum

25-jährigen Jubiläum der Elton John

Aids Foundation in London. Die Veranstaltung

fand in Windsor im Garten

von Elton Johns Anwesen statt. Es war

wunderschön dekoriert, Ed Sheeran

hat performt, das Essen war sensationell,

das Wetter war fantastisch. Es war

einfach nur schön. Und es kamen noch

dazu über vier Millionen britische Pfund

für den guten Zweck zusammen.

Besser geht es einfach nicht.

Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Ich wünsche mir, dass ich in fünf Jahren

noch immer das machen kann, was ich jetzt

mache. Und solange meine Familie, Freunde

und ich gesund sind, bin ich sowieso glücklich,

denn Gesundheit ist das Allerwichtigste.

Wie gehst du mit Corona-Leugnern

und Rassist*innen um?

Zum Glück habe ich wenige Leugner und

keine Rassisten in meinem Umfeld. Wenn

sich jemand mit mir vernünftig und fundiert

über Corona unterhalten will, können wir

das gerne machen. Bei Verstößen – wie zum

Beispiel, wenn ich in der Bahn unterwegs

bin und jemand keine Maske trägt – sage

ich auch direkt etwas, denn es geht am

Ende auch um meine Gesundheit. Beim

Thema Rassismus gibt es keine Diskussion!

Rassistische Äußerungen in meinen sozialen

Netzwerken werden auch umgehend von

mir gemeldet und blockiert.

Mehr Features dieser Art auf

instagram.com/blumediengruppe


12 STADTGESPRÄCH

JUBILÄUM

CAZZO

WIRD 25

Vadim Romanov:

„Mein tiefster Respekt

für CAZZOs enormen

Beitrag zur Pornoindustrie

und mein Wunsch, eine

unerschöpfliche Quelle

sexueller Energie

und Fantasie zu

bleiben.“

Amanda Cox:

„Wow, 25 Jahre!

Eine Legende, die

verdammt weit und oft

GEKOMMEN ist.“

Ein Vierteljahrhundert voller Testosteron.

Seit 1996 steht das in Berlin

an den Start gegangene Pornolabel

für schwulen Spaß und auch schwule

Emanzipation. Seit 2016 leitet Felix Kamp das

Studio, 2021 wird das Jubiläum begangen.

1995, als Jörg Andreas per Zufall Jürgen Brüning

begegnete, ging alles los. Der erste Film war 1996

„Berlin Techno Dreams“ und wurde aufgrund der

kernigen Darsteller, der rasanten Schnitte und

des Technobooms sogleich ein großer kommerzieller

und medialer Erfolg. Es folgten weltweit

vertriebene DVDs und seit einiger Zeit natürlich

auch digitale Angebote mit Stars wie Thom Barron

und Fred Faurtin. 2021 ist CAZZO – italienisch

für „Schwanz“ – international ein angesehener

Name in der Pornobranche, auch weil man

sich weiterhin nicht festlegen lässt: Skinheads,

„Normalos“, Punks, ungewöhnliche Drehorte oder

extremere Fetisch-Sexpraktiken – alles und fast

jeder ist dabei, 2009 zum Beispiel Tim Kruger.

Gut zu wissen: Das erste Cover unseres Magazins

für Berlin, sergej (heute blu), zierten 1997 zwei

knutschende CAZZO-Kerls. *rä

NACHGEFRAGT

Henning von Berg über seine Zeit

bei CAZZO

Der weltweit bekannte Fotograf

verriet uns, was ihn mit dem Label

verbindet.

„CAZZO-Film? Ein inspirierendes

und aufregend-erregendes Medium

mit echtem Berliner Lokalkolorit,

welches das Image (Berlin = sexy)

ganz entscheidend mitgeprägt

hat. Sogar weltweit! Pur, rau und

authentisch; dabei stets unterlegt

mit hartem Techno-Sound“, so der

Fotograf, der fast ins Schwärmen

gerät. „Spannende Pornoerzählungen

visualisierten das außergewöhnliche

Flair der Nachwendezeit in

der frisch wiedervereinigten Stadt.

Ein kerliger Look, der prompt Heerscharen

von erwartungsfreudigen

Gay-Touristen in die Metropole

lockte.“ Die von vielen bemängelte

Prüderie der heutigen Zeit war noch

weit weg. „CAZZO gehörte damals

zur schwulen Szene Berlins wie

heute die Schwaben zum Prenzlauer

Berg. Dabei war den meisten Fans

sicherlich noch nicht mal die italienische

Bedeutung des Firmennamens

geläufig.“ Und wie ging es eigentlich

los? „1996 hatte ich den beiden

Geschäftsführern eine geräumige

Altbauwohnung nahe Mehringdamm

als allererste Büroadresse vermittelt.

Bald stand ich Zweimeter-Mann

sogar selbst vor der Kameralinse

als gestrenger Partisanen-Offizier.

Später als Häftlingskomparse und

als Aktfotograf. Nur logisch, dass

ich 1997 den Beruf wechselte und

tatsächlich Fotograf wurde. Eine

verrückte Zeit mit tollen Erlebnissen,

die ich nicht missen möchte.“

Wer hätte das gedacht? Künstler

durch Porno. Wobei: Irgendwie waren

die ersten CAZZO-Filme mehr als

nur Pornografie, da war jede Menge

Zeitgeist und Kunst mit im Spiel. Ein

Stück queere Geschichte! *rä

FOTO: J. SCHOMMER


KOSMETIK

Das Geheimnis Amandas

prächtiger Lippen

STADTGESPRÄCH 13

FOTO: JOSEF JASSO

Wir werden hier nicht behaupten, dass Amanda Lepore nur

durch viel Wasser, Schlaf und Sport zu ihrem ikonischen

Aussehen gekommen ist. Aber wir können dir verraten, womit die

US-Diva ihre Lippen so prachtvoll inszeniert.

Mit ihrem eigenen Make-up!

Besonders stolz ist die prominente

Queen auf ihren Lippenstift

„Classic Hollywood“, es sei

der „einzige Lippenstift, den man

braucht“, um sich so in Szene zu

setzen wie einst die legendären

Film-Ikonen aus der großen Zeit

des Kinos des 20. Jahrhunderts.

Etwas über 30 Euro kostet der

Lippenstift, ein Schnäppchen für

Amanda-Verhältnisse. Das edle

– überschaubare – Sortiment gibt

es auf ihrer Homepage im Shop:

amandalepore.com.

„Glamour war für mich immer

eine Flucht. Als ich ein Kind

war, wurde meine Mutter ins

Krankenhaus eingeliefert, sie war

schizophren. Wenn sie krank war,

machte sie weder Haare noch

Make-up, und sie sah einfach

schrecklich aus. Aber wenn

sie Medikamente bekam und

glücklich war, ging sie in den

Schönheitssalon und trug

Make-up.“

Amanda Lepore ist die

weltweit wohl bekannteste

Transsexuelle.

Und zugleich ein

lebendes Kunstobjekt!

Die am 5. Dezember 1967

in New Jersey Geborene

arbeitete schon mit bekannten

Künstlern wie David LaChapelle,

Cazwell, FJ Baur und Pierre

et Gilles zusammen, singt,

moderiert und kreiert neuerdings

Lippenstifte. Chapeau! *rä

PLASTISCHE CHIRURGIE

IM KIEZ

Unverbindliche und individuelle Beratung

vom Facharzt für Plastische und Ästhetische

Chirurgie direkt am Nollendorfplatz.

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14 KULTUR

INTERVIEW

FOTO: SVEN SERKIS

BRIX SCHAUMBURG,

Schauspieler und trans*

Sichtbarkeit muss sein, sonst

vergisst einen die heterosexuelle

Mehrheit. Diskriminierung

kann nur durch Wissen abgebaut

werden. Und ja, auch Serien können

helfen, progressive queere Gedanken

und Beispiele „anderer“

Lebensformen in die deutschen

Haushalte zu bringen. Es ist wichtig,

Anderssein zu thematisieren, nur

so können Menschen im Selbstfindungsprozess

entdecken, dass sie

nicht alleine sind.

Brix Schaumburg aus der Serie „SUNNY

– Wer bist du wirklich?“ über sein Leben

als Transmann, die Geburt seines Kindes.

Seit Ende 2020 hat er auch einen Podcast

am Start: https://audionow.de/podcast/

herzfarben. *rä

Sunny ist „revolutionär“, „eine

Eventserie, die es so in Deutschland

noch nie gab“ – was ist denn das

Besondere, Einzigartige an eurer

Produktion?

Die Storyline und auch die Bilder sind sehr

auf den Punkt, ehrlich und viel aussagend.

Ich bin gespannt, wie die Zuschauer damit

umgehen werden. Es ist definitiv revolutionär

und neu.

Wen spielst du und was macht deine

Rolle aus?

Ich verkörpere „Nik“, einen tollen, lieben

und sehr aufmerksamen Charakter. Er ist

ein lieber Kerl und für seine Mitmenschen

da. Natürlich lässt auch er sich von der

Clique in gewisse Situationen reinziehen,

aber er weiß auch immer, wie er für sich

wieder zurückfindet.

Was unterscheidet dich von deiner

Rolle?


Nik ist mir zu ruhig und lässt sich immer

noch zu viel gefallen, vor allem, wie in

seinem Beisein über seine Freunde geredet

wird. Des Weiteren ist diese Trans-Thematik

nicht in diesem Ausmaß Teil meines

Lebens.

Was habt ihr gemeinsam?

Einen flotten Sinn für Stil und ein aufmerksames

Auge für die Dinge, die um einen

geschehen.

Wie sehr ähneln sich Niks und deine

Biografie?

Nicht wirklich sehr stark, aber viele

Kostüme würde ich privat tragen, oder sind

manche sogar vielleicht von mir? Tja ...

Was ist dein Geheimnis?

Ich weiß, wie es ist, als Frau durch die Welt

zu laufen, wie man Frauen erobern kann

und wie sie wirklich denken. Männer, wollt

ihr einen Lehrgang buchen?

Wie wichtig ist es dir, dass das Thema

Transgender eine Plattform bekommt

durch Nik in „SUNNY“?

Sehr wichtig, da ich mich als Botschafter

sehe. Für mich persönlich spielt das ganze

Thema kaum noch eine Rolle, denn ich bin

sehr glücklich mit meinem Leben. Aber

es gibt genug Menschen, die eben nicht

auf dem Regenbogen fliegen. Es muss

sich noch einiges in unserer Gesellschaft

tun, damit sich einfach alle akzeptiert

fühlen und auch akzeptiert werden. Dies

beinhaltet in meinen Augen aber viele

Themen wie z. B. Bodyshaming, Sexualität,

Herkunft, Menschsein … Da ist noch so viel

Luft nach oben!

Vielleicht dadurch auch eine größere

„Normalität“ in der öffentlichen

Wahrnehmung?

Akzeptanz und Respekt, das ist mir ein

großes Anliegen – miteinander für eine

bessere Welt. Jeder kann immer nur sein

eigenes Handeln maximieren und damit

andere inspirieren.

KULTUR 15

Du sagtest mal, das sei eine Herzensangelegenheit

für dich – was erhoffst

du dir durch diese Rolle?

Ich erhoffe mir durch meine Rolle mehr

Akzeptanz und Miteinander. Ich möchte

denjenigen Mut machen, die dies brauchen,

und laut werden für diejenigen, die dies

nicht alleine können. Zusammen sind wir

stärker.

Du bist in der Zeit, als ihr für SUNNY

in der Quarantäne gewesen seid und

gedreht habt, Vater geworden. Wie

hat sich das für dich angefühlt?

WOW, einfach nur WOW. Wir haben Leben

geschaffen, und was für eine kleine süße

Maus. Ich bin so unfassbar stolz auf meine

Frau und sehr dankbar, dass ich nun den

Titel „PAPA“ tragen darf.

Wie ist es jetzt als Vater?

Es ist wundervoll und sehr, sehr schön! Jetzt

gerade grooven wir uns ein und arbeiten

und lernen uns kennen.

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16 KULTUR

PSYCHOLOGIE

FOTO: M. RÄDEL

Wie du bewirkst,

dass dir Gutes geschieht

Menschen, die lautstark gegen Stoffmasken

demonstrieren, das Leid der

Corona-Pandemie, homophobe Übergriffe

auf offener Straße, eine zunehmende Radikalisierung

der unterschiedlichen Gruppen

auf Social Media ... Es gibt vieles, das einem

Kopfzerbrechen bereiten kann.

geht aber gerade nicht, also sitzt man da in

dieser lauten Zeit und dreht sich an manchen

Tagen im Kreis. Wie gut, dass es die

Kunst gibt! Musik hilft erwiesenermaßen

abzuschalten, und vieles scheint begleitet

von einem Funk-Groove oder trancigen

Chill-out-Sphären durchaus machbarer als

ohne. Wer jetzt Musik streamt oder kauft,

tut zudem noch etwas Gutes, denn davon

leben die Künstler. Ohne Musikkunst wird

es still. Und traurig. Wie sanfte Sonnenstrahlen

auf einem verdunkelten Gemüt

wirkt da zum Beispiel die aktuelle EP von

Firas Tarhini „Whispers“. Erschienen ist sie

bei dem Schwarzwälder Musiklabel SINE

MUSIC (www.sine-music.com). Unsere

Anspieltipps sind „Joy“ und „Funk“.

Schmerz begrenzen, Angst reduzieren

und für Ausgeglichenheit sorgen

können. Statt Reizdarm, Schlaflosigkeit,

Herzrasen, Reizbarkeit und Depressionen

kann dieses Buch, die dort vorgestellten

Übungen, helfen, sein Leben spürbar zu

verbessern. Ganz zu Recht ein weltweiter

Bestseller. *rä

Und nicht nur Kopfzerbrechen, mitunter

hat man einfach keine Lust mehr. Keine

Lust auf Corona-Leugner, auf Radikale,

auf Besserwisser, auf Gewalttäter, auf all

die Einschränkungen. Einfach weg! Das

Einen, nein, eine ganze Menge Ansätze

zum Glücklich(er)werden hat auch das

Buch „Wie du bewirkst, dass dir Gutes

geschieht. Verstehe dein Gehirn, steuere

deine Gefühle und verbessere dein Leben“

von Psychiaterin Dr. Marian Rojas Estapé,

das gerade beim Yes Verlag erschienen ist.

Die Medizinerin ist überzeugt davon, dass

man sein Gehirn zum Glücklich sein trainieren

kann. Dass Übungen emotionalen


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IST?

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18

KULTUR

BILDBAND

Über 200 Jahre

Tattoo-Geschichte

Tätowierungen – jener kernige und dauerhafte Körperschmuck

– waren schon in, bevor die Hipster sie ab den

2000ern zelebrierten.

Einst – und oft immer noch –

Ausdruck bestimmter Erlebnisse,

Clan- und Gangzugehörigkeiten,

vor allem aber Körperschmuck

mit langer Geschichte und

weltweiter Tradition. Das Buch

„TATTOO. 1730s – 1970s. Henk

Schiffmacher’s Private Collection.“

vom TASCHEN Verlag

nimmt in einer nummerierten

Erstauflage von 10.000 Exemplaren

mit auf eine Reise durch

die Zeit. Es ist ein Einblick in die

Passion von Tätowierkünstler,

Philosoph und Historiker Henk

Schiffmacher, die Bilder sind

von ihm ausgewählt und

kommentiert. *rä

Foto: Tommy Stephens, 1940er, die Tätowierungen sind von Bert Grimm,

Courtesy of the Schiffmacher Tattoo Heritage

Henk Schiffmacher, Noel Daniel: „TATTOO. 1730s

– 1970s. Henk Schiffmacher's Private Collection.“,

Hardcover, 29 x 38,8 cm, 5,56 kg, 440 Seiten,

125 Euro, www.taschen.com

KINDERBUCH

Wann ist der

richtige Zeitpunkt?

Das „Problem“ für viele Eltern ist, dass

sie einfach nicht wissen, wann der

richtige Zeitpunkt denn nun ist, mit den

lieben Kleinen über Trans*- und Homosexualität

zu sprechen. Wer Glück hat,

der hat ein homosexuelles oder trans*

Familienmitglied und kann anhand von

Beispielen und ohne das Thema Sex

anzutasten, über andere Lebensformen

sprechen.

Wer diesen Segen nicht erfahren hat,

dem kann dieses Buch helfen, den Kindern

zu zeigen, dass es nicht nur Mann

und Frau gibt. Yannick-Maria Reimers

Buch „Das Geheimnis hinter dem Regenbogen“

sei ein „buntes Mutmach-Buch

für alle Regenbogen-Menschen“. Sprich:

Ein Buch, das nicht mit Sex erschreckt,

sondern aufzeigt, dass Vielfalt zur Welt

und Gesellschaft gehört, dass nichts

besser oder schlechter ist.

Erzählt wird von Maxie und anderen

elfenähnlichen Wesen, die hinter dem

Regenbogen leben – in verschiedenen

Farben und Formen, sie denken und

fühlen unterschiedlich. Doch Maxie fühlt

sich in keiner der Farben dort wohl. Also

entschließt Maxie (bisher blau), einfach

mal eine andere Farbe zu wählen: Gelb.

Doch als die Farben sich vermischen wird

Maxie grün. Das war so nicht gewollt.

Und jetzt soll noch das eigene Verhalten

geändert werden! Maxi wird traurig, denn

es gibt nichts, wo Maxie dazugehört. Gut,

dass die weise Farbe Orange einen Rat

hat (im Buch optisch an eine liebenswerte

Oma erinnernd gemalt).

Farbenfroh umgesetzt, kluge Gedanken

schnell verständlich verarbeitet. Ein

Buch, das man verschenken kann (und

fast sollte). Ein Buch, das helfen wird. *rä

www.alibri.de


KULTUR 19

FOTO: M. POURSANIDOU

INTERVIEW

CASSANDRA STEEN

über Lockdowns und Familie

Durch Hits wie „Darum leben

wir“, „Tanz“ und „Stadt“

oder auch ihre Klassiker mit der

Band Glashaus („Haltet die Welt

an“, „Wenn das Liebe ist“ ...) wurde

Cassandra Steen zu einer der

erfolgreichsten deutschsprachigen

Sängerinnen, höchste Zeit, mit ihr

zu sprechen.

Wie gehst du als Künstlerin und Privatperson

denn mit Lockdowns um?

Künstlerin und Privatperson ist bei mir eins.

Nun, es ist sehr zäh, es ist nicht einfach! Für

viele Selbstständige ... Nicht nur in der Musik

hat man wenig oder keine Überbrückungsmöglichkeiten.

Man hat das Gefühl, dass

das Wertgefühl noch weniger wird als schon

vor Corona. Die Zeiten sind gerade sehr nervenzehrend.

Viele Themen werden gerade

diskutiert, wobei ich mir gerade wünschen

würde, dass man sich nicht nur beschwert,

sondern versucht, Lösungen zu finden.

Hilft dir deine Religion im Alltag?

Meine Großmutter ist religiös, daher

beschäftigte ich mich viel mit Religion.

Mein Opa ist eher philosophisch ... Ich

glaube daran, dass Glaube Berge versetzen

kann, ich denke, dass es sehr viel

ausmacht, dass Menschen sich an etwas

halten können. Und solange dieser Glaube

nicht missbraucht wird, ist dagegen nichts

einzuwenden. Ich kann nicht sagen, dass

es einen Gott gibt, aber auch nicht, dass

es keinen gibt.

Was tust du, wenn du merkst, ohne

Namen zu nennen, dass Künstler,

mit denen du schon zusammengearbeitet

hast, Dinge auf Social

Media posten, die womöglich sehr

weit weg sind von dem, was du

denkst?

Es kommt immer darauf an, wie eng

man mit demjenigen ist. Wir haben auch

innerhalb der Familie schon mitunter

Diskussionen gehabt über etwa die Wahl

in den USA. Wenn Äußerungen kommen,

die ich absolut nicht teile, wird ein Stück

weit mental der Versuch gemacht,

sich von der Aussage, nicht von der

Person, zu distanzieren. Ich versuche, das

einzuordnen und nicht nur zu verurteilen.

Ich hake da lieber ein, als dass ich mich

von der Person abwende. Ich glaube, wenn

man sich von Menschen abwendet, wird

es nur schlimmer. Ich versuche, mit ihnen

zu reden. Manch einer war schon immer

für mich da, da versuche ich abzuwarten,

solange Menschen nicht zu Schaden

kommen. Ich bleibe aber nicht neutral bei

manchen Postings, doch ich versuche, die

Person noch zu erreichen.

Worauf freust du dich in diesen

Tagen?

Ich vermisse Spontantreffen mit Freunden

zum Essen, auf die freue ich mich

wieder. Ich koche gerne viel und lade dann

ein, das geht ja gerade leider nicht.

*Interview: Michael Rädel


20

STYLE

INTERVIEW

FOTO: R. KATER

KILIAN KERNER:

„Ich verstehe den Egoismus nicht“

2021 hat der Berliner Modedesigner

allen Grund zu feiern:

Auf der Mercedes-Benz Fashion

Week präsentierte Kilian Kerner

seine 20. Modenschau in Berlin. Und

die VOGUE übertrug live. Wir sprachen

mit dem viel Beschäftigten.

Wofür steht der Kollektionsname

Traumwelt für dich?

Isoliert und single zu sein, ist wirklich

belastend während Corona. Ich brauchte

einen Ort, an den ich flüchten konnte,

meine Traumwelt. Die Kollektion ist „sehr

hübsch“, sehr fließend, einfach schön

anzusehen, es gibt aber natürlich auch

Brüche. Es ist eine Realitätsflucht.

Seit einem Jahr ist die Realität alles andere

als eine Traumwelt. Wie hat dich die

Pandemie als Geschäftsmann getroffen?

Komplett. Es hat mit dem, was vor einem

Jahr war, nichts mehr zu tun. 2020 fing

eigentlich extrem erfolgreich an, es gab

eine Kooperationsanfrage nach der nächsten.

Innerhalb von zehn Tagen wurde dann

alles abgesagt. Zuerst dachte ich noch: „Bis

zum Sommer ist das vorbei“, und habe an

meiner Kollektion weitergearbeitet. Alles

wurde auf Online-Meetings umgestellt.

Insgesamt war ich zehn Wochen alleine in

meiner Wohnung und habe nur zwei Leute

für jeweils eine Stunde getroffen. Irgendwann

bin ich dann fast durchgedreht und

bin für vier Wochen zu meiner Mutter

gefahren. Ich wusste nicht, wie es weitergeht.

Nach einem kurzen Berlinaufenthalt

war ich dann erneut sechs Wochen bei

meiner Mutter.

Wie ging es weiter?

Dann veränderte sich plötzlich alles, eine

Anfrage führte ein großes Glück herbei.

Ich bin Teil von zwei Fernsehprojekten und

einer YouTube-Talkshow, die über

mehrere Monate geht. 2022 soll

auch eine Kollektion für TUI

herauskommen. Ich kann wieder

arbeiten, aber komplett

anders. Ich habe ein neues

Büro und fahre dahin nur

mit dem Taxi. Ich darf

nicht krank werden und

lebe weiterhin extrem

isoliert. Wenn ich

krank werde, kippt

alles.

Wie ist es nun bei

den Vorbereitungen

zur kommenden

Schau?

Es wurde alles neu

strukturiert, weil es jetzt

so sein muss. Ich bin da

sehr pedantisch. Es gibt z.

B. kein Casting, Hunderte

neue Vorschriften, wir werden

regelmäßig getestet, wir

arbeiten alle mit großem

Abstand zueinander.

Und privat?

Einige Freundschaften wurden viel intensiver,

auch wenn man sich nicht gesehen

hat. Mit meinem langjährigen Stylisten Ingo

etwa telefoniere ich jetzt fast täglich und

immer sehr lange, das wurde sehr viel enger.

Es gab auch Freundschaften, die durch die

Pandemie in die Brüche gingen, weil ich

merkte, wie egoistisch diese Leute eigentlich

sind. Weiter Party machen, etwa auf

der Spree, Leute treffen, die Regeln nicht

beachten. Ich halte mich von Anfang an

an alles, weil ich an andere denke und auch

wieder arbeiten will. Manche benahmen

sich wie egoistische Flachw*chser, das

verstehe ich einfach nicht. Manch

einer hat sich eine eigene Wahrheit

zurechtgebogen. Diesen Aufstand

um Weihnachten und Silvester

habe ich auch nicht verstanden.

Es ging um ein Weihnachten

und ein Silvester. Ich verstehe

den Egoismus nicht. Wieso

muss man überhaupt

dieses Zeug in die Luft

jagen? Das habe ich noch

nie verstanden. Einer hat

sich den Kopf weggesprengt

... Dann noch die

Umweltverschmutzung.

Kann man nicht für

immer aufs Böllern

verzichten? Weg mit dem

Dreck!

FOTO: GETTY IMAGES

*Interview: Michael Rädel


SCHMUCK

Geschmückt und schmuck

STYLE 21

Wer sagt denn (leider immer noch), dass

Männer, die sich mit edlen und glänzenden

Gegenständen, nein, Accessoires

verschönern, prollig, billig oder „zu schrill“

wirken?

Jede_r sollte sich so in der Welt bewegen,

wie sie/er es mag. Express yourself!

Die 2008 in London gegründete Marke

Missoma von Marisa Hordern ist dabei ein

ganz gutes und schmuckes Vehikel,

bringt sie dir doch Gold

Vermeil oder Sterlingsilber

zum Aufpeppen deiner

Optik.

„Männer tragen unseren

Schmuck schon seit

Jahren, da unsere Designs so universell

sind. Dadurch haben wir bereits ein sehr

treues Publikum. In letzter Zeit haben wir

einen starken Anstieg der Nachfrage nach

Ketten und Armbändern festgestellt“, so

Marisa Hordern. „Dies war der perfekte

Zeitpunkt, unsere erste Capsule Edition

für Männer herauszubringen, und es ist

erst der Anfang der Missoma-Männerkollektionen“,

freut sich die Gründerin und

Kreativdirektorin von Missoma.

Prominente Markenbotschafter

sind gerade der Sänger und

Pianist Isaac Waddington

und der Schauspieler

Yannick Konan, den man aus der hochgelobten

Netflix-Serie „Agent“ kennen

kann.

Wer auf der Suche nach Geschenken

ist, der kann jetzt hier zuschlagen. Oder

sich selbst etwas von dem stylishen und

unaufdringlichen Bling-Bling gönnen. *rä

www.missoma.com


22 STYLE

SCHOKOLADE

Handarbeit, natürliche Rohstoffe und Einhörner

Das 1932 gegründete Unternehmen

versorgt uns mit Naschwerk, das

man (in Maßen) ohne schlechtes Gewissen

genießen kann.

Zeit für Geschenke ist immer! Und seine

Freund*innen kann man gerade ohnehin

nicht so treffen, wie man will. Wie wäre es

da mit kleinen Köstlichkeiten, die auch per

Post Nähe und Genuss erzeugen können?

Zum Beispiel Pralinen und Schokolade von

Walter Cordes.

Eine Firma mit Geschichte: „Das erste

Ladengeschäft, welches Walter Cordes

gemeinsam mit seiner Frau Louise Cordes

eröffnete, befand sich in der Münchner

Maximilianstraße und konnte dort

insgesamt 63 Jahre bestehen“, wird auf der

Homepage verraten. „Bis Walter Cordes es

1985 schließlich an seine Tochter Ingeborg

Ruchner (geb. Cordes) übergab. Zu diesem

Zeitpunkt wurde die Produktion von

München nach Berg an den Starnberger

See verlagert, wo Ingeborg Ruchner

schon seit vielen Jahren mit ihrer Familie

lebte. Bis heute hat Frau Ruchner die

Firmenleitung inne und ist auch weiterhin

mit ihren inzwischen fast 84 Jahren in der

Produktion tätig. Ihr zur Seite steht ihre

Tochter Doris Büntig (die seit 1979 im

Betrieb tätig ist und noch von ihrem Großvater

persönlich in die Geheimnisse der

Pralinenherstellung eingeweiht wurde).“

Yey, wie schön sich das liest. Und wie gut

das alles schmeckt! Unser Tipp für alle,

die Leckeres verschenken oder sich selbst

etwas Gutes tun wollen. *rä

waltercordes.de

HAUT

Der Dreck muss weg!

FOTO: ISTOCKPHOTO.COM/WERNERIMAGES

Einmal im Monat hat sich deine Haut

erneuert, das geht nach und nach vor

sich und führt zu einer Menge alter

Hautschuppen auf deiner Hautoberfläche.

Mit den richtigen Peelings kannst du deinem

größten Organ helfen, gesund zu bleiben

und rosig zu schimmern. Eine ganze Fülle

an Herstellern bietet passende Produkte für

verschiedene Hauttypen an, manche duften,

andere riechen nach nix, einige arbeiten sogar

mit Säure, um dem alten Ungebrauchten

an den Kragen zu gehen. Das klingt jetzt

gefährlicher, als es eigentlich ist, wenn man

alles beachtet, was beachtet werden muss.

Beim „Charlotte Meentzen DERMA CONTROL

Fruchtsäurepeeling 10 %“ handelt es sich um

ein relativ sanftes Peelinggel, das ohne Neutralisator

auskommt, anders als beim Hautarzt,

der ein ungleich stärkeres Mittel verwenden

kann, das dann aber neutralisiert werden muss.

Extrem günstig ist „Balea Brown Sugar & Chia

Sugar Scrub“, das man bei dm bekommt. Das

Peeling arbeitet mit braunem Zucker und Chia,

seine ölbasierte Formel entfernt sehr sanft

überschüssige Hautschüppchen, es ist vegan

und ohne Mineralöle.

Eher hochpreisig (ca. 40 Euro) ist hingegen

die „AHAVA DUNALIELLA ALGEA REFRESH

& SMOOTH PEEL-OFF MASK“, die aber auch

feine Linien mildern will und als Wirkstoff die

Mikroalge Dunaliella salina aus dem Toten

Meer benutzt. Eine erfrischende Peel-off-

Maske, die zudem dank schwarzer Bambus-

Aktivkohle deine Mitesser wegrubbelt.

Gülden schimmernd ist das Körperpeeling

„DR. GRANDEL Soft Sugar Scrub“, das deine

Haut geschmeidig und aufnahmebereit für

die anschließende Pflege machen soll. Es wird

auf die trockene Haut aufgetragen und mit

sanften kreisenden Bewegungen über den

Körper massiert, dann kommt Wasser dazu

und die Zuckerkristalle lösen sich auf – dann

noch gründlich abduschen, das war es.

Wer sich und seiner Haut etwas Gutes tun will,

der hat scheinbar die Qual der Wahl. Diese vier

Produkte werden dir aber auf jeden Fall ein

gutes Hautgefühl geben. *rä


DESIGN

Kiekste!

Warum sollte man

sich eigentlich immer

nur Bilder, Poster und

womöglich Wandteppiche

sowie Flyer

und Postkarten an die

Zimmerwände hängen?

Wie wäre es mit Augen?!

Genau, Augen, aber aus

Keramik. Der Kölner Designer

Rodrigo Vairinhos stellte uns

unlängst seine Kunst für zum

Beispiel Bad und Küche vor: EYE von neo

design studios. Diese schmucken Rundkörper wiegen nur etwas über ein

halbes Kilogramm und sind extremst außergewöhnlich! *rä

neo design studios, Wiener Platz 2 // 1. OG, 51065 Köln,

info@neo-studios.de

FOTO: M. RÄDEL

KOSMETIK

DER KANN WAS

Wer schon einmal einen starken

Hanfkeks zu Weihnachten geschenkt

bekommen und diesen leider sofort

ganz gegessen hat, dann während

der „Helene Fischer Show“ (noch)

stärkere Übelkeit verspürte, die Nacht

vorm Gästeklo verbrachte und zwei

Tage unter Kopfweh litt, der ist beim

Thema Hanf womöglich misstrauisch.

Diese Pflanze kann aber mehr, als

einen versteckt im Keks zu überfallen.

Zum Beispiel können ihre Wirkstoffe

bei Krankheiten Symptome mildern,

beruhigend wirken und auch pflegen.

Zum Beispiel deine Haut. Die gerade

mit dem „Bestes Bio 2021 Award“ ausgezeichnete

Hanfhandcreme von STYX

aus Österreich ist so ein Hanfprodukt,

das dir nicht schaden, sondern guttun

wird. Für Wolfgang Stix, Geschäftsführer

der STYX Naturcosmetic GmbH,

ist die Hanfhandcreme mit Hanf- und

Ringelblumenöl sowie Zirbelkiefernöl

ständiger Begleiter: „Ich liebe sie. Sie

pflegt wirklich hervorragend die vom

Desinfizieren gestresste Haut! Wir

erzeugen seit über 60 Jahren Naturkosmetik.

Und es macht mich unglaublich

stolz, heuer diese Auszeichnung zu

erhalten“, so der Bio-Unternehmer. Wir

sind Fan! *rä

www.styx.at


24 STYLE

FOTOS: KALAFAKER.COM, MODEL: IÑAKI SOLANO

UNDERGROUND

TRENDIG: KALAFAKER

Ungewöhnliche Mode für

Menschen, die auf Street-Art,

Tätowierungen und auch das

Unangepasste stehen. So zumindest

mein Eindruck.

Fürwahr sind die trendigen Teile von Designer

Pablo Kalafaker nicht für Menschen, die

lieber unauffällig durchs Leben schlendern.

In den Entwürfen des 2011 in Argentinien

an den Start gegangenen Modelabels steht

man schon irgendwie im Mittelpunkt.

„Kalafaker ist inspiriert von der vielseitigen

Welt des Designers und immer handgemacht.

Es gibt Stücke, die von Grund auf

neu hergestellt wurden, und Vintage-

Kleidungsstücke, die speziell überarbeitet

wurden“, so der Modedesigner. „Kalafaker

richtet sich an innovative Menschen, die

auffallen wollen, die 100 % Handwerk und

Kunstwerke als lebendige Teile schätzen.“

Zudem seien die Stücke asexuell und

zeitlos. Klingt gut, schaut super aus und

ist definitiv mal etwas ganz anderes als

Weekday, Levi’s und H&M. *rä

kalafaker.com

Mehr Features dieser Art auf

instagram.com/blumediengruppe


SCHOKOLADE

Genießen darf man noch

Zugegeben, die Schokoladenkreationen

von Sawade schmecken verboten

lecker und werden sicherlich nicht dazu

beitragen, dass dein Körper fitter wird.

ABER sie können helfen, dass du dich

ein wenig glücklicher fühlst.

Nougat, Marzipan, Trüffel oder auch

süße Pasteten, es gibt kaum etwas,

FOTO: M. RÄDEL

das die seit der Kaiserzeit existierende

Pralinenmanufaktur mit naturbelassenen

Zutaten, Handarbeit und Liebe

nicht anbietet. Die hier vorgestellte

Filiale befindet sich in Berlin-Mitte in

den Hackeschen Höfen gegenüber dem

nach Hans Christoph Friedrich Graf

von Hacke (1699 – 1754, preußischer

General und Berliner Stadtkommandant,

er entwickelte das Viertel für Friedrich

II.) benannten Markt. 1906 wurden die

vom Jugendstil beeinflussten Höfe

eröffnet, seit 1977 stehen sie unter

Denkmalschutz. Und genau hier kann

man – auch jetzt – Süßes und Edles

einkaufen, um sich selbst zu verwöhnen

oder seine (Wahl-)Familie etwa zu

Ostern zu beglücken. *rä

Sawade Berlin, Hackesche Höfe,

Rosenthaler Str. 40 – 41 Hof 2, S Hackescher

Markt, U Weinmeisterstraße,

030 97005363, www.sawade.berlin

VERLOSUNG

Frische Luft, Grüntee, Zitrone und Orange

Jetzt, bei frühlingshaftem Wetter, trockener Innenluft und zur Bekämpfung der

Corona-Pandemie notwendigen Beschränkungen, denkt man häufiger darüber

nach, was für ein Glück es eigentlich ist, gesund spazieren zu gehen. Und wenn man

alle Abstandsregeln beachtet, ist das ja auch nicht verboten.

Bevor man in seiner Stadtwohnung einen

Corona-Lagerkoller bekommt, ist es sogar

ratsam, sich mal nach draußen zu wagen

und sich unter freiem Winterhimmel zu

bewegen. Auch der Weg zum Lebensmittelladen,

zur Apotheke oder zur Arbeit

kann und sollte genutzt werden, um tief

Frischluft einzuatmen (natürlich nicht in

der S-Bahn zum Wannsee ...).

Danach braucht man dann etwas

zum Genießen. Oder morgens, bevor

es rausgeht zum Wachwerden... Für

Tee liebende Morgenmuffel oder

Frühaufsteher gibt es da auch zwei

leckere Tees (bio!) von Kusmi Tea:

„Lovely Morning Bio“ (Grüntee, Mate und

Guarana, verfeinert mit Pampelmuse,

Zitrone und Orange) und „Lovely Night

Bio“ (Rooibos und Honeybush mit

einer Zimt- und Lakritznote und einem

Hauch Birne), beide für ca. 15 Euro

pro 100-Gramm-Dose. Lass sie dir

schmecken! *rä

www.kusmitea.com,

www.maenner.media/gewinne

Alle 11 Minuten

1)

verliebt sich ein

Single über

FOTO: ISTOCKPHOTO.COM/SEVENTYFOUR

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1) Hochrechnung aus Nutzerbefragung 2016, Deutschland


26 WELLNESS

INTERVIEW

Nachgefragt in der Naturheilpraxis

ALEXANDER WURSTER

Die notwendigen Maßnahmen zur

Bekämpfung der Corona-Pandemie

sorgen bei dem einen für Unmut, bei

anderen lassen all die Sorgen und Ängste

Krankheitsbilder entstehen. Wir sprachen

darüber mit dem Heilpraktiker und Therapeuten

Alexander Wurster.

Wie hat sich dein Patientenstamm

verändert, weswegen kommt man

zu dir?

Tatsächlich hat sich die Struktur der

Menschen, die kommen, verändert. Fast

komplett weggefallen ist die Begleittherapie

bei Chemotherapien wie Gespräche und

Akupunktur. Trotzdem habe ich mehr zu

tun als vor der

Pandemie,

denn die Angstprozesse schlagen sich

im Körper nieder. Der Schulter- und

Nackenbereich ist verspannt, viele haben

Magen-Darm-Symptome entwickelt,

Reizdarm etwa ist ein großes Thema.

Wie entsteht dieser Stress? Eigentlich

kann man doch mehr zu Hause

bleiben.

Für viele ist der notwendige Puffer in der

Freizeit weggefallen, manch einer ging

dreimal die Woche zum Sport oder singen,

das ist jetzt nicht mehr möglich, auch kann

man sich nicht mehr im Freundeskreis

oder mit der Familie treffen. Konflikte, die

vorher geschwelt haben, brechen nun auf

und erzeugen Stress. Schmerztherapie und

Coachings sind gerade meine Haupttätigkeit.

Hat sich dein Leben denn stark

verändert?

Nein, kaum. Ich lebe hier mit meinem

Mann, umgeben von Wald, in der Nähe vor

Saarbrücken. Wir gehen täglich mit unserem

Hund raus und sind viel an der frischen Luft

und im Wald. Mein Freiraum ist mir nicht

genommen. Natürlich erreicht es mich

auf anderen Ebenen, man kann sich nicht

einfach treffen, auch ist Corona mal Thema

im Austausch mit Freunden.

Wie ist es, wenn du merkst, dass

jemand in Sachen Corona komplett

andere Ansichten hat als du? Diskutiert

man dann?

Privat ist es so, dass es dort glücklicherweise

wenig Extremmeinungen gibt. Es gibt schon

Ansichten, die sehr von meiner abweichen,

das wird aber nicht dauernd thematisiert.

Beruflich bin ich behandlerneutral, ich

diskutiere nicht mit meinen Patienten.

Gehst du mit den Maßnahmen zur

Bekämpfung der Corona-Pandemie als

Fachmann entspannter um?

Ich bin auch nur ein Mensch, allerdings achte

ich auf mich und meine Gefühle.

Welchen Rat kannst du uns geben?

Raus in die Natur. Ein Spaziergang und

Bewegung tun gut und sind besser, als sich

unter der Decke zu verkriechen, wenn einen

die Sorgen übermannen.

*Interview: Michael Rädel

www.alexanderwurster.de


KOSMETIK

Luft, Cremes, Sanddorn

und Grapefruit

WELLNESS 27

Jeden Tag neue Hiobsbotschaften, neue Ängste. Manchmal

fällt es einem schwer aufzustehen und sich zu motivieren,

etwas zu tun. Trotzdem sollte man sich aufraffen und für

einen strukturierten Tag sorgen, um nicht (noch mehr) in

depressive Verstimmungen zu geraten.

Alle Coaches, Ärzte und Heilpraktiker, mit denen wir bisher

sprachen, rieten dazu, mindestens einmal täglich an der

frischen Luft spazieren zu gehen. Dafür muss man nicht

lange fahren, es genügt auch der Spaziergang in nicht so

belebten Straßen, im Park oder um den Block in Zeiten, wenn

nicht so viel los ist.

Morgen- und auch Abendrituale können ebenso helfen, gut

und froh(er) durch den Tag zu kommen. Der gute Tee am

Abend, der duftende Kaffee am Morgen, das Telefonat mit

den Freunden und der Familie – und die richtige Hautpflege.

Sich anzufassen tut gut, und die richtige Pflege für die Haut

tut auch gut. alverde NATURKOSMETIK präsentiert gerade

die neue Q10-Serie, die vor Hautalterung schützen und deine

Haut pflegen soll. Verwendet wurden die regenerierenden

Eigenschaften des Coenzyms Q10, das deine Hautzellen mit

Energie versorgen soll. Getestet haben wir die Tages- und

die Nachtcreme, das Q10-Augengel Bio-Sanddorn Bio-

Grapefruit und das dazugehörige Q10-Serum. Uns taten sie

gut! *rä

www.instagram.com/dm_alverde,

www.facebook.com/dm.alverde

FOTO: M. RÄDEL


28 KLUBWELT

NACHGEFRAGT

FLORIAN WINKLER-OHM:

„Mut macht mir der Zusammenhalt in der Community“

FOTO: T. SCHWARZ

Der Shutdown dauert an, der

Lockdown macht Angst. Schwierige

Zeiten, besonders für die Kreativen des

Nachtlebens. Wir erreichten einen der Geschäftsführer

des SchwuZ im Homeoffice.

Wie geht es dem SchwuZ?

Nun, die Lage ist dramatisch, vor allem für

unsere Minijobber, die ja keine Möglichkeit

haben, Kurzarbeiter*innengeld zu beantragen.

Viele sind seit März 2020 ohne Arbeit.

Ich möchte aber auch anmerken, dass es

schön ist, dass wir zumindest überhaupt

als Klub Hilfen bekommen haben, wenn

diese auch recht spät kamen. Und ich

durfte wenigstens ab und an im Klub oder

im Büro sein ... Wir haben rund 100 Menschen

im Klub beschäftigt, wir versuchen,

alle Mitarbeiter*innen ein- oder zweimal im

Monat via E-Mail zu erreichen und auf den

neusten Stand zu bringen. Zusätzlich gibt

es Team-Meetings über Zoom. Schön waren

die gemeinsamen Open-Air-Aktionen

wie der Getränkeabverkauf, bei dem man

sich – mit Abstand – wiedersehen konnte.

Ist der andere Geschäftsführer,

Marcel Weber, denn noch dabei?

Ja, er hatte nur drei Monate ein Sabbatical.

Und dafür war die Zeit gerade perfekt.

Aber seit Mitte Januar ist er wieder dabei.

Brauchst du denn ein Sabbatical?

Nein, gerade nicht. Aber wenn das Jahr so

weitergeht wie 2020, wer weiß ...

Übermannen dich manchmal die

Sorgen?

Bisher nicht. Wir haben schon letztes

Jahr relativ realistisch geplant und uns

keine allzu großen Hoffnungen gemacht,

im Januar wieder starten zu können. Wir

wussten, dass wir nicht nur die Ersten

sein würden, die geschlossen worden sind,

sondern auch die, die am letzten wieder

öffnen dürfen. Wir haben stark auf das

zweite Quartal 2021 gesetzt, das sehe ich

allerdings gerade ziemlich dahinschwimmen.

Ich hoffe, dass wir im Herbst oder

Winter wieder eröffnen können, ich setze

meine Hoffnung stark auf die angelaufenen

Impfungen.

Was macht dir denn Mut?

Der Zusammenhalt der Community, dass

die Streamings so gut laufen und auch die

Open-Air-Aktionen so gut angenommen

wurden. Und auch unser Kalenderverkauf.

Dass für viele Menschen das SchwuZ so

ein wichtiger Ort ist, das macht mir Hoffnung

– auch auf unsere Wiedereröffnung.

*Interview: Michael Rädel

www.schwuz.de

TECHNOHOUSE

Sehnsucht nach dem Nachtleben

FOTO: N. FREIDEL

Klubs, Partys, Feste, Raves und ungezwungenes

Zusammensein. Manche Paare trifft es

besonders hart, dann ist einer in Quarantäne,

der andere nicht. Und manche müssen Sterbefälle

beklagen.

Der Hamburger DJ und Producer Solomun

veröffentlichte gerade sein neues aVideo

„Home“, ein Vorbote zum für 2021 geplanten

gleichnamigen Album. Im Video sehen wir

leere Klubs, leere Orte, verwaiste Theater – und

Menschen, die sich nicht unterkriegen lassen

und trotzdem tanzen. Aber alleine, das muss

jetzt eben sein. „Musik kann an jedem Ort

ein Zuhause finden. Aber um Musik wirklich

zu erleben, muss man tatsächlich in Räume

gehen, die speziell dafür entworfen wurden. In

diesen heiligen Räumen kann Musik tatsächlich

Menschen erreichen. Und der Wunsch danach

war noch nie so groß. Der Wunsch, es zu

fühlen, zu erleben, zu hören, mit Menschen zu

teilen. Home erinnert uns an diese Momente.

Von den Dingen, die wir vermissen.“

Ein klasse Track, der gefeiert werden will – und

auch sofort mitwippen (am Arbeitsplatz) oder

sogar tanzen lässt (klarer Homeoffice-Vorteil).

„Home“ ist vertonte Sehnsucht nach dem

Nachtleben. *rä


KLUBWELT 29

DEBÜT

Weckt Erinnerungen: Joplyns „Pappelallee“

Erinnert ihr euch noch an die Zeit,

als der Prenzlauer Berg in Berlin

ein Partybezirk war? Also lange bevor

die Gentrifizierung und später dann

Corona alles queere Klubleben ausmerzten?

Als man donnerstags am Senefelderplatz

bei „Chantals House of Shame“ tanzen

konnte, im Prater in der Kastanienallee

mit Bürger Pe bei der „Bürgerparty“

quirlige Dragshows und House de luxe

genießen konnte? Als es mehr Bars als

Fressbuden gab? Ist lange her (na ja, ca.

10 bis 20 Jahre), aber nicht vergessen.

Und so passt es ganz wunderbar, dass

Joplyn ihr Debütalbum dann auch

„Pappelallee“ genannt hat. Ein housiges

Werk, das an eine Straße erinnert, die

einst mitten im Partybezirk lag und

einiges erlebt hat ... Die Künstlerin

nimmt das Beste aus ihren deutschen,

vietnamesischen und kanadischen

Einflüssen, um Vocal House mit einem

dicken Schuss Retro zu schaffen – alles

ab dem 22. Januar hörbar auf „Pappelallee“.

Untermalt und begleitet von dicken

Beats singt Jopyln dabei über „Identität,

Vergänglichkeit, Neu-Anfänge und

Kraft-Schöpfen durch Loslassen“. Und

wir haben musikalisch dazu noch eine

wunderbare Zeitreise in wilde Klubzeiten.

Hoffentlich werden die Tracks bald in

den Klubs laufen können. Aber erst

mal müssen wir noch abwarten und zu

Hause tanzen. Unsere Anspieltipps sind

„Recognize Me“, „Slowly Start Again“ und

„Never“. Funfact: Booka Shade sind Fan

und Remixer von Joplyn. *rä

FOTO: A. KANAAN


30 SZENE

TERMINE

ALLE TERMINE UND ÜBER 20.000

WEITERE LOCATIONS WELTWEIT.

KOSTENLOS IN DER SPARTACUS APP!

DO 4.3.

SA 20.3.

MO 29.3.

SO 11.4.

19:00 AHA, QUEE-

Ronaut_* online,

Queere, offene

Aktivitäten- und

Freizeitgruppe. Über

die Plattform Zoom.

us, Einwahldaten:

virtuell@aha-berlin.

de, Monumentenstraße

13

SO 7.3.

20:15 Ufa-Fabrik, Magdalena

Ganter -

Livestream, Record-

Release Konzert.

https://www.ufafabrik.de/de/19604/

magdalena-ganterlivestream.html,

Viktoriastr.

10/18/2016

MO 8.3.

19:30 Mann-O-Meter,

Literatunten Online:

#allabendlichqueer,

Autorin*enlesungen

queerer Texte:

https://ogy.de/lhxd,

Bülowstr. 106

11:00 Village, Online:

The Lung Meridian

An Exploration in

Self Love, für GBTQ

Männer*. Bis 12:00

Uhr. Anmeldung:

https://widget.

fitogram.pro/villageberlin,

Kurfürstenstr.

31-32

MO 22.3.

18:00 Mann-O-Meter,

Die Montagsspieler

(entfällt bei

Verlängerung der

Lockdownmaßnahmen),

Spielegruppe,

Bülowstr. 106

18:00 Mann-O-Meter,

Die Montagsspieler

(entfällt bei

Verlängerung der

Lockdownmaßnahmen),

Spielegruppe,

Bülowstr. 106

DI 30.3.

20:00 Tipi, Siegfried &

Joy: Lass Vegas! -

Die Zaubershow,

Große Querallee

11:00 Deutsche Oper,

Workshop TanzTanz,

mit Tänzerinnen

und Tänzern des

Staatsballetts Berlin

(Bühneneingang),

Bismarckstr. 35

DI 13.4.

20:00 Schlosspark Theater,

Rent a Friend,

Schlossstr. 48

MI 14.4.

20:00 BKA Theater,

Simon & Jan: Alles

wird gut, Mehringdamm

34

SA 17.4.

23:59 BKA Theater,

Jurassica Parka:

Paillette geht immer,

Mehringdamm 34

SO 18.4.

20:00 Komische Oper,

El hombre de la

esquina rosada,

Astor Piazzolla,

Jorge Luis Borges,

Behrenstr. 55-57

Wöchentlich

MONTAG

18:00 Village, Online: Yoga

for strength and

flexibility, für GBTQ

Männer*. Bis 19:30

Uhr. Anmeldung:

https://widget.

fitogram.pro/villageberlin,

Kurfürstenstr.

31-32

DIENSTAG

18:00 Mann-O-Meter,

Tests auf HIV und

andere STIs, bis

21:30 Uhr, anonym

und ohne Voranmeldung,

Bülowstr. 106

SA 27.3.

11:00 Village, Embodied

Consent, für GBTQ

Männer*. Bis 13:00

Uhr. Anmeldung:

https://widget.

fitogram.pro/villageberlin

Bei Verlängerung

der Corona-

Maßnahmen, findet

diese Veranstaltung

Online statt!, Kurfürstenstr.

31-32

DI 6.4.

19:30 Komische Oper, Die

Rache der Fledermaus,

von Johann

Strauss. Mit den Die

Geschwister Pfister,

Behrenstr. 55-57

SA 10.4.

20:00 Ufa-Fabrik, Sissi

Perlinger: ICH BLEIB

DANN MAL JUNG,

Viktoriastr. 10-18

MO 19.4.

20:00 BKA Theater,

Chaos Royal: Impro

à la carte, Mehringdamm

34

DI 20.4.

20:00 BKA Theater,

Unerhörte Musik,

Zeitgenössische

Musik, Mehringdamm

34

20:00 Schlosspark Theater,

Rent a Friend,

Schlossstr. 48

DONNERSTAG

17:00 Mann-O-Meter,

Tests auf HIV und

andere STIs, anonym

& ohne Voranmeldung,

bis 20:30 Uhr,

Bülowstr. 106

TRAVESTIE

The Golden Gmilfs

FOTO: TOUCHSTONE TELEVISION

Jurassica Parka und ihre Golden Gmilfs planen im Sommer die

queere Szene zu unterhalten. Mit ihrer „Vollplayback-Musical-

Show mit Schulterpolstern“ (Zitat).

„Die neue Episode meiner Gmilfs musste durch diese Pandemie ein

wenig warten, dafür wird die Show fulminant! Wir spielen 3 Wochen im

Juli und freuen uns schon sehr!“, postete die Parka im Februar auf Social

Media, das lässt Fanherzen schneller pochen! Angekündigt wurden in

dem Facebook-Posting unter anderem Dragqueens wie die famose Miss

Pan Am Drag Airlines und die bezaubernde Destiny Drescher.

Was die „Golden Gmilfs“ sind? Eine queere Bühnen-Weiterentwicklung

der 1980er-TV-Kultserie „The Golden Girls“. Zwischen 1985 und 1992

war diese Serie über ein Frauenquartett in Miami ein weltweiter Quotenhit

und sorgte nicht nur für Lacher, sie klärte auch auf. Die sarkastische

Dorothy, ihre zynische Mutter Sophia, die naive Rose (Betty White)

und die liebestolle Blanche brachten auch ernste und heiß diskutierte

Themen wie Homosexualität, Sex im Alter und AIDS in die Wohnzimmer.

Aufklärung mit Humor und Käsekuchen, danke dafür! *rä

Im Juli: The Golden Gmilfs, BKA Theater, www.bka-theater.de


SZENE

31

UNDERGROUND

Romain Frequency: Beste Beats aus dem Underground

Der 1980 in Paris geborene Künstler ist in der

deutschen Klub- und Musikwelt kein Unbekannter,

ist er doch als Electrosexual fester Teil

der Elektro-Avantgarde und arbeitete schon

mit Peaches und Billie Ray Martin zusammen,

komponierte für die Schaubühne, das Deutsche

Theater und das Berghain.

FOTO: K. TARASSIDIS

Gerade hat er zusammen mit „Watch Me Lakshmi“

feat. KARMA SHE ein sehr tranciges Stück am

Start, das in der Remixversion („Version de Nuit“)

alle aufkommenden Sorgen und Ängste für etwas

über fünf Minuten wegballern wird. Stilistisch ein

bisschen an Tracks von Sven Väth oder Jam & Spoon

erinnernd, ist das Lied mit den wenigen, aber sehr

packenden Vocals ein klares Muss in diesen fiesen

Zeiten. Die Originalversion erfreut mit Breakbeats und

mehr Textpassagen. „Bei ‚Watch Me Lakshmi‘ geht es

darum, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

abzubilden, anzuerkennen und eine utopische

Zukunft zu rekonstruieren und neu zu erfinden. Es

ist eine persönliche Cyberpunk-Welt unserer Träume.

Es verwendet Collagen und Assemblagen aus der

alten Welt unter Verwendung traditioneller Themen:

das Weltei, leuchtende Blumen, ein radioaktives Nest

und magische Eulen, um Empowerment, Weisheit,

Kontinuität und Sieg auszudrücken.“ *rä

DVD

VERLEIH

2

3

1 4

5

STADTPLAN

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1

www.thejaxx.de

2

3

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www.mutschmann.de

4

5


32 SZENE

NACHGEFRAGT

FOTO: J. RICKERS

WOLFGANG MÜLLER:

„Die erste Anfrage der documenta hatte ich noch abgelehnt ...“

Künstler, Kurator, Punker – ein

Kreativer, der, nachdem er seine

Heimatstadt Wolfsburg verlassen hatte

(nicht ohne zuvor dort für queeres Leben

und Projekte zu sorgen), international in

der Kunstwelt punktete.

Als wir mit Wolfgang Müller telefonierten,

war er gerade dabei, einen Teil seiner

Kunst, seines Archivs nach Bremen zu

bringen. Warum? Weil er dort eine „wunderbare“

Galerie hat, die ihn vertritt. Und

dort kann er im Schauraum der Galerie K

seine Kunst einlagern.

„Ohne dass es Geld kostet, diese Galerie

ist ja nicht DHL“, verrät er lächelnd. Es

steht aber kein Umzug nach Bremen an.

Wolfgang Müller, der 1979 nach Berlin kam,

bleibt der deutschen Hauptstadt treu.

Zudem vertritt ihn noch eine ebenfalls

„wunderbare“ Galerie in Hamburg, auch

dort ist seine Kunst zu finden. Erschafft

er also so viel, dass er es überall verteilen

muss? Nein. „Ich halte nichts davon,

möglichst viel zu produzieren, bei vielen

Künstlern denke ich mir, dass ja nur wenig

wirklich gut ist, das von ihnen in Umlauf

ist. Ich habe mich schon seit letztem Jahr

mehr darauf konzentriert, mein Werk zu

katalogisieren und zu archivieren. Was

nicht heißt, dass ich jetzt nichts Neues

mehr mache!“

Die Zeit der Corona-Pandemie hat für ihn,

bei aller Tragik, auch ihre guten Seiten:

„Ich habe das Glück, dass ich keine Gelder

beantragen muss und auch so über die

Runden komme“, so der legendäre Künstler

und Schwulenaktivist, der auch schon bei

der weltweit bedeutendsten Reihe von

Ausstellungen für zeitgenössische Kunst,

der documenta, dabei war. Seine Projekt Die

Tödliche Doris war bei der achten Ausgabe

dabei – und eine der ersten und einzigen

Punk-Avantgarde-Features der documenta,

die auch im offiziellen Katalog dazu auftauchen.

„Die erste Anfrage der documenta

hatte ich noch abgelehnt“, verrät Wolfgang

kichernd. „Die wollten, dass ich alles selber

zahle. Fünf Jahre später, bei der documenta

8, 1987, waren sie dann bereit, mir meine

Kosten und etwas mehr zu bezahlen“ –

Kunst verdient auch, ihre Wertschätzung

auch durch Geld zu bekommen.

Zum Thema Geld gibt er kritisch zu

bedenken: „Bei manchen meiner Kunstkollegen

verstehe ich nicht ganz, warum sie

jetzt diese 9.000 Euro Corona-Staatshilfen

beantragt haben, obwohl sie reich sind ...

Sie nehmen das Geld ja ärmeren Künstlern

weg. Mir war und ist mein Ruf immer

wichtig gewesen, wer das Geld beantragt,

sollte es auch wirklich brauchen. Ich tu es

nicht ...“, so der punkige Freigeist, der auch

immer wieder auf Island lebt. *rä

wolfgangmuellerrr.de


ADVERTORIAL 33

TIPP

HEISS

AUF EIS

Schon seit 2006 ist EIS Vorreiter, was Toys und anderes

Praktisches und Hilfreiches beim Sex betrifft. Das

Motto „Entdecke Deine Sinnlichkeit“ ist Leitgedanke

und wird schon durch die schiere Vielfalt von über

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Erlebnis, zusätzlich ist EIS auch in Sachen Kundenservice

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sowie ein 365-Tage-Geld-Zurück-Versprechen – und das auch

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Ja. Richtig gelesen. Eine App für den Spaß mit dem besten

Stück. Die kostenlose App Satisfyer Connect ist kompatibel

mit jedem Android oder iOS-Gerät und wird monatlich

mit neuen Funktionen und Updates versorgt. Sie dient

nicht nur als Fernbedienung für dein Lieblings-Toy von

Satisfyer, sondern auch – und wenn so abgemacht – für die

deines/r Mitspielers im gleichen Bett oder den Betten auf

der ganzen Welt per Videochat. Haben wir schon erwähnt,

dass sie sogar Umgebungsgeräusche wie Stöhnen oder

Atmen und sogar deine Lieblingssexsongs in Vibrationen

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Eine Anrechnung auf die Versandkosten ist nicht möglich. Der Gutscheincode ist nicht kombinierbar mit anderen Rabattcodes. Restguthaben verfällt. Der Gutschein kann nur vor

Abschluss des Bestellvorgangs eingelöst werden. Eine nachträgliche Verrechnung ist nicht möglich. Der Gutschein wird nicht erstattet, wenn der Kunde die mit dem Gutschein

ganz oder teilweise bezahlte Ware im Rahmen seines gesetzlichen Widerrufsrechts zurückgibt. Gültigkeit vom 1.2.2021 bis 15.4.2021.


34 SZENE

TIPP

FOTOS: HYPERNATURAL RECORDINGS

Dickey Doo &

Jamecia Bennett:

HOUSE macht froh

Der Berliner DJ Dickey Doo versorgt uns mit „Do What

You Want“ mit einer äußerst treibenden, lebensbejahenden

und herrlich oldschooligen Vocal-House-

Hymne, wie geschaffen, um die Corona-Pandemie

zu Hause weg zu tanzen. Wer auf Klopfer wie von M

People, Martha Wash, Black Box oder Jocelyn Brown

steht, der wird diesen brandneuen Track lieben. Schade,

dass die Klubs gerade (noch) geschlossen bleiben müssen,

diese Nummer würde abgehen ... Gut zu wissen:

Jamecia Bennett sang schon mit Prince, Aretha Franklin

und Janet Jackson, Dickey Doo remixte schon Größen

wie R.E.M. und Peaches. *rä

IMPRESSUM

Herausgeber:

Christian Fischer (cf) & Michael Rädel (rä)

Chefredakteur: Michael Rädel (rä) (V.i.S.d.P.)

Stellv. Chefredakteur: Christian Knuth (ck)

BESUCHERADRESSE:

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München: T: 089 5529716-11,

redaktion@leo-magazin.de

MITARBEITER:

Thomas Wassermann, Jonathan Fink,

Leander Milbrecht (lm), Felix Just (fj),

Christian Knuth (ck)

Lektorat (ausgewählte Texte):

Tomas M. Mielke, www.sprachdesign.de

Grafik: Extern

Cover: Foto: Columbia Records/Sony Music

ANZEIGEN:

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meine

gay

cruise

Gran Canaria - Madeira -

Lanzarote - La Palma - Gomera -

Gran Canaria FEBRUAR 2022

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REISE

FOTO: ISTOCKPHOTO.COM/VLADORLOV

COMMUNITY

Schwuler Reisen

Bereits seit zwanzig Jahren ist

die LGBTIQ*-Bettenbörse Enjoy

Bed and Breakfast (ebab) in der

Community aktiv und hat sich

als beliebte Alternative zu Hotels

bzw. Vermittlungsplattformen von

Privatunterkünften etabliert. Dank

des umfangreichen Netzwerks

konnten über die Jahre zahlreiche

Besucher an Gastgeber in über

siebzig Ländern vermittelt werden.

Das Angebot von ebab ist insbesondere

für jüngere Menschen

interessant. Bei Preisen ab bereits

25 Euro pro Nacht stellt ebab eine

seriöse und sichere Alternative

zum Couchsurfing dar. So kann die

junge LGBTIQ*-Generation Städte

und Länder entdecken, neue

Freunde finden und Abenteuer

erleben, ohne dabei das Budget

zu sprengen. Aktuelle Infos zu

Buchungs- und Stornobedingungen

finden sich auf der Website.

www.enjoybnb.eu

KEY WEST

Neuer LGBTIQ*-Guide

Sommer, Sonne, schwule Szene

– die Florida Keys mit Key West

gelten als einer der bekanntesten

LGBTIQ*-Urlaubsorte der

USA. Mit einem neuen Guide

macht die Inselkette im Süden

Floridas Lust auf einen Nach-

Corona-Besuch. Vier Jahre

Twitter-Tiraden, Missachtung

demokratischer Normen und

Beschneidung von LGBTIQ*-

Rechten waren genug. Mit

der Wahl von Joe Biden zum

46. Präsidenten der Vereinigten

Staaten von Amerika halten

der Stolz auf Diversität und

der Respekt voreinander

wieder Einzug in die US-Politik.

Der von der Corona-Krise

gebeutelten Tourismusindustrie

kann das nur guttun. LGBTIQ*-

Urlaubshochburgen wie die

Florida Keys stehen jedenfalls

schon in den Startlöchern,

um Besucher aus aller Welt

zu begrüßen. Ein neuer Guide,

FOTO: MONROE COUNTY TOURISM DEVELOPMENT COUNCIL

den es auf der deutschen

Website des Tourismusbüros

der Florida Keys & Key West als

Download gibt, macht Lust auf

einen Besuch der tropischen

Inselkette, informiert über die

verschiedenen Regionen der

Florida Keys und gibt zahlreiche

Tipps für Natur-, Kultur- und

Szeneerlebnisse. Key West hält

vom erstklassigen Restaurant

über Livemusik und Szenebars

bis hin zum weißen Sandstrand

für jeden etwas bereit. Die

Resorts für Schwule und

Lesben wie etwa das Island

House sind legendär. Dragshows,

schwule Bootstouren,

nächtliche Partys, Strände,

FKK-Resorts und die einzigartige

LGBTIQ*-Trolley-Tour

machen Key West zu einem der

schönsten Urlaubsziele für die

Community. *dax

www.fla-keys.de

Rainbow Sommercamp

Trotz der aktuellen Corona-Situation und mit Hoffnung

auf eine Besserung ab Frühjahr haben die Veranstalter

des „Rainbow Camping Weekend“ ihren Termin geplant.

Vom 4. bis 6. Juni soll das vierte LGBTIQ*-Sommercamp

auf dem FKK-Campingplatz am Rätzsee stattfinden. Im

letzten Jahr waren rund achtzig Camper und Camperinnen

aus ganz Deutschland dabei, in diesem Jahr rechnen

die Organisatoren und Campingplatz-Inhaber Fabian

und Martin mit noch mehr Teilnehmenden. Unter dem

Motto „Von der Community für die Community“ verbindet

der Event Mensch und Natur: Die Leidenschaft fürs

Camping, gemeinsame Erlebnisse und die Natur stehen

im Vordergrund des Wochenendes. Der FKK-Campingplatz

am Rätzsee liegt idyllisch in der Mecklenburgischen

Seenplatte und ist von Hamburg in gut zwei Stunden

und von Berlin in weniger als zwei Stunden erreichbar.

Es gibt Stellplätze fürs Zelt, den Bulli, das Wohnmobil

oder den Caravan sowie vier vollausgestattete Miet-

Wohnwagen und eine Ferienwohnung. Die Region lädt

ein zu ausgedehnten Wanderungen und Paddeltouren in

unberührter Natur. Der See selbst ist motorbootfrei und

ideal zum Schwimmen oder Stand-up-Paddeln, eine

Sauna am See lässt zum Relaxen ein – beste Voraussetzungen

also für ein entspanntes und erlebnisreiches

Wochenende. *dax

www.raetzsee.de/rainbow

DEUTSCHLAND

FOTO: NORBERT SANDER


REISE

FOTO: TOBIAS JØRGENSEN

KOPENHAGEN

Die Welt feiert

FOTO: DAX

Dänemarks Hauptstadt bereitet sich auf

den größten LGBTIQ*-Event des Jahres

vor. Komme, was wolle – so versprechen

es zumindest die Veranstalter. In welcher

Form und mit welchen Beschränkungen,

wird sich in den Wochen vor dem

Sommer zeigen.

Royale Unterstützung

Im Idealfall sollen bis zu 750.000 Besucher

zwischen dem 12. und 22. August nach

Kopenhagen und in die auf der schwedischen

Seite des Öresund gelegene Stadt

Malmö kommen, um dort unter dem Titel

„Copenhagen 2021“ sowohl den WorldPride

als auch die EuroGames zu feiern. Neben

den Schwerpunkten Sport, Feiern und

Kultur wird es zusätzlich eine hochkarätig

besetzte Menschenrechtskonferenz zum

Thema LGBTIQ* geben. Dank des Einsatzes

der dänischen Kronprinzessin Mary als

Schirmherrin ist bereits schon jetzt internationale

Aufmerksamkeit garantiert. Der

Platz vor Kopenhagens Rathaus wird dabei

als zentrale Anlaufstelle fungieren. Neben

einem Pride Village steht hier auch die

große Bühne für diverse Liveacts, und auch

die Eröffnungs- und Abschluss-Zeremonie

werden auf dem Rathausplatz stattfinden.

Malmö bietet ebenfalls ein vielfältiges

Angebot, etwa mit einer Eurovision Night

und einem Pride Park.

Spielplatz der Kreativszene

Wer nebenbei noch Zeit findet oder gleich

ein anderes Reisedatum wählt, sollte

einen Abstecher zu Kopenhagens neuster

Trend-Location machen. Etwa zwanzig

Minuten mit dem Stadtbus braucht es,

bis man den auf einer Halbinsel gelegenen

Stadtteil Refshaleøen erreicht. Alternativ

gibt es auch öffentliche Fähren, die vom

Hafen aus verkehren. Der Bezirk gilt aktuell

als Kopenhagens Spielplatz der Kreativszene.

Hier, in einer 7.000 Quadratmeter

großen Industriehalle, befindet sich das

Kunstmuseum Copenhagen Contemporary,

das vor allem raumgreifende Installationen,

Videokunst und großformatige Werke in

Wechselausstellungen zeigt. Nebenan ist

das Areal des Reffen Street Food Market

bei schönem Wetter einen Besuch wert.

Dort reihen sich zahlreiche Imbissstände

aneinander, die Spezialitäten aus aller Welt

anbieten – von der vegetarischen Falafel

über mexikanische Tacos und japanische

Sushi bis zu frisch gegrilltem Fisch. Dazu

gibt es einen tollen Blick auf die Stadt, den

man am besten von einem der im aufgeschütteten

Sand stehenden Liegestühle

aus genießt. Wird es einem zu heiß, kann

man sich nur wenige Meter vom Markt

Baden bei Urban Rigger

FOTO: DAX

entfernt mit einem Sprung ins kühle Nass

Abhilfe verschaffen. Gleich beim Studenten-

Wohnprojekt Urban Rigger, das Schiffscontainer

in stylishe Apartments verwandelt

hat, gibt es dank einer Badeplattform und

abgegrenzten Bahnen die Gelegenheit, in

einem ehemaligen Hafenbecken seine Runden

zu drehen. Sowieso ist das Schwimmen

in Kopenhagens Kanälen und Wasserstraßen

Trend – teils in kostenpflichtigen Bädern

wie dem Hafenbad Islands Brygge, teils an

Stegen und Ufern, die frei zugänglich sind.

Generell ist das Baden in den Stadtgewässern

an allen Stellen erlaubt – dazu gehört

sogar das Nacktbaden, solange man sich im

Wasser aufhält.

Nackte Tatsachen

Jeder Menge nackter Tatsachen begegnet

man auch in Kopenhagens renommierter

Ny Carlsberg Glyptotek, die Skulpturen von

der Antike bis zur Moderne zeigt und in

direkter Nachbarschaft zum Tivoli liegt. Der

dank seiner Innenstadtlage einzigartige Vergnügungspark

gehört zu den ältesten der

Welt und bietet seinen Besuchern eine ganz

spezielle Atmosphäre. Zum einen kommen

hier die Fans rasanter Fahrgeschäfte voll

auf ihre Kosten, zum anderen kann man

im Park eine Reihe verschiedener Konzerte

oder gutes Essen genießen. Natürlich wird

auch der Tivoli während der Copenhagen-

2021-Feierlichkeiten eine Rolle spielen:

Neben einem Empfang der internationalen

Pride Organisation InterPride ist auch ein

Konzert für die LGBTIQ*-Community

geplant. *dax

www.copenhagen2021.com

www.visitcopenhagen.com


REISE

Inka-Ruine Machu Picchu

PERU

FOTO: LLAMATRIP.COM

Im Land des Regenbogens

Ob auf den Spuren der Inkas, in den

Szeneklubs von Lima oder während

eines Spaziergangs durch die koloniale

Altstadt von Cusco – im Andenstaat

Peru gibt es jede Menge zu entdecken.

Regenbogenflaggen, wohin man schaut.

Wer sich in Peru in die einstige Inka-

Hauptstadt Cusco begibt, wundert sich im

ersten Moment über das überall sichtbare

Symbol der LGBTIQ*-Bewegung. Erst bei

genauerem Hinsehen fällt auf, dass sich

die vor vielen öffentlichen Gebäuden und

an Häusern wie Geschäften wehende

Fahne durch einen zusätzlichen, hellblauen

Streifen von der „Gay Pride“-Version

unterscheidet. 1978 machte

Cusco diese Version zur offiziellen

Stadtflagge, die die kulturelle Vielfalt

und den Stolz der indigenen

Bevölkerung symbolisiert und sich

auf das einstige Inkareich beruft.

Eine erstmalige Verwendung

fand die Flagge wohl Ende des

18. Jahrhunderts während eines

Aufstandes peruanischer Andenbewohner

gegen die spanische

Kolonialmacht.

Barock in den Anden

Die europäischen Eroberer unter Francisco

Pizarro nahmen Cusco 1533 ein, ließen die

Stadt aber weitgehend unberührt. Erst ein

kurz darauf folgender Aufstand sowie ein

großes Erdbeben im Jahr 1650 zerstörten

einen Großteil der Gebäude, nicht aber die

alten Grundmauern der einstigen Tempel

und Paläste aus der Inkazeit. Auf diesen

errichteten die spanischen Kolonialherren

prächtige Kirchen und Klöster wie die

barocke Kathedrale oder das Kloster

Santo Domingo, in dessen Inneren sich

das Inka-Sonnenheiligtum Coricancha

befindet. Wer sich auf einen Spaziergang

durch die zum UNESCO-Weltkulturerbe

Altstadt von Cusco

gehörende Altstadt begibt, sollte sich Zeit

nehmen. Der Grundriss der Stadt hat sich

seit der Inkazeit kaum verändert, neben

den imposanten Kolonialbauten stößt man

an vielen Ecken auf die aus großen Steinblöcken

fugenlos gebauten Mauern – etwa

in der „Gasse der sieben Schlangen“ oder

an der Calle Hatunrumiyoc, an der man auf

Mauerreste des Palastes des Herrschers

Inca Roca stößt. Zudem sollte man seinem

Körper genügen Zeit geben, sich an die

über 3.400 Höhenmeter zu gewöhnen, auf

denen sich Cusco befindet. Kopfschmerzen

und Atembeschwerden sind bei

Touristen keine Seltenheit. Vor allem das

Trinken von aus Koka-Blättern gebrautem

Tee soll gegen das Aufkommen von

Beschwerden helfen, Apotheken vor

Ort bieten zudem entsprechende

Pillen zur Vorbeugung gegen Symptome

der Höhenkrankheit an. Etwas

oberhalb von Cusco befinden sich

zudem die beeindruckenden Ruinen

der Inka-Stätte Sacsayhuamán mit

ihren gewaltigen Mauern und einem

Kultplatz, auf dem jeweils am 24.

Juni auch heute noch das Sonnenfest

Inti Raymi gefeiert wird.


REISE

Dragshow im La Cueva

Schokoladenverkäufer in Lima

FOTOS: DAX

Inka-Regenbogenflagge

Valle Sagrado

Mystisches Machu Picchu

Cusco dient Perutouristen zudem als

Ausgangspunkt für eine Reise zu der wohl

bekanntesten Inkastätte des Landes. Die

sagenumwobene Ruinenstadt Machu

Picchu erreicht man ab Cusco entweder

mit dem Zug oder zu Fuß im Rahmen einer

geführten, viertägigen Wanderung über

den Inka-Pfad, den täglich maximal 500

Personen begehen können. „Eine weniger

überlaufene Route ist der Salkantay

Trek, eine siebentägige Wanderung mit

Übernachtungen in Lodges, auf der

man 15 unterschiedliche Ökosysteme

kennenlernt.“ Der schwule Peruaner Marco

Arellano kennt sich aus. 2011 gründete er

den ersten LGBTIQ*-Reiseveranstalter des

Landes. Unter dem Namen LlamaTrip organisiert

er verschiedene Touren durch Peru

und Südamerika, etwa in den Regenwald,

die Anden und die Hauptstadt Lima. Dabei

arbeitet er mit Luxusmarken wie Belmond

oder Inkaterra ebenso zusammen wie mit

preiswerteren Budgetunterkünften. Für

Machu Picchu empfiehlt der 43-jährige

Reiseprofi einen Aufenthalt von zwei

Tagen. Einen, um die mystische Ruinenanlage

mit einem Führer zu besichtigen, und

einen zweiten, um das weitläufige Areal

auf eigene Faust zu erkunden oder einen

der benachbarten Berge wie den Huayna

Picchu zu besteigen.

Auf dem Rückweg nach Cusco sollte

man zudem einen Stopp im Tal des

Urubamba-Flusses einplanen. Das Valle

Sagrado („Heiliges Tal“) diente einst als

Kornkammer der Inka. Auch hier finden

sich beeindruckende Ruinen – etwa die

der Festungen Ollantaytambo und

Pisac oder die Terrassen von

Moray und Chinchero. „Das

etwas tiefer gelegene Valle

Sagrado ist auch eine

gute Alternative, um sich

vor einem Besuch von

Cusco zu akklimatisieren

und erst nach dem

Besuch von Machu

Picchu die Kolonialstadt ins

Programm zu nehmen“, so der

Tipp von Marco.

Lima bei Tag und Nacht

Im Gegensatz zur Andenregion hat man

in Lima kein Problem mit Kopfschmerzen

aufgrund von Höhe. Die bekommt man

dafür, wenn man in einer der zahlreichen

Szeneklubs zu lange feiert. Wie in

Lateinamerika üblich, beginnt das Nachtleben

erst weit nach Mitternacht. Einen

ersten Drink kann man beispielsweise im

LGBTIQ*-freundlichen Bazar nehmen, eine

trendige Bar, die in Limas Stadtteil Miraflores

liegt. Hier wohnen zahlreiche Schwule

und Lesben, und auch viele Hotels sind

in der Gegend zu finden, die direkt an die

Museo Larco

Pazifikküste grenzt. Marcos Lieblingsklub

befindet sich im Stadtteil San Borja. Im

La Cueva treffen sich am Wochenende

Schwule und Lesben jenseits der 30, die

hier mit Dragshows und Go-go-Tänzern bis

in den frühen Morgen abfeiern.

Zu viel Zeit im Bett sollte man in

Lima allerdings nicht verbringen,

denn auch tagsüber gibt

es in Perus Hauptstadt jede

Menge zu erleben. Neben

der imposanten Kathedrale

inmitten der Altstadt

und dem benachbarten

Präsidentenpalast lohnt

ein Besuch des aus dem 17.

Jahrhundert stammenden Franziskanerklosters,

in dessen Katakomben

die aufgeschichteten Gebeine tausender

Verstorbener ausgestellt sind. Kunstwerke

aus der Prä-Inka-Zeit findet man im Museo

Larco, einem Privatmuseum, das neben

Keramiken und Goldschmuck vor allem

mit homosexuellen Darstellungen auf

Trinkgefäßen überrascht und beweist, dass

Sex unter Männern im alten Peru offenbar

kein Problem war. Die Politik im modernen

Peru tut sich da offensichtlich schwerer –

bis heute gibt es hier weder die Ehe für alle

noch die Möglichkeit einer eingetragenen

Lebenspartnerschaft. *dax

www.llamatrip.com


REISE

KROATIEN

Auf See mit Prince Charming

FOTOS: DAX, TARAS KORNEV

Nein, mit dem gleichnamigen TV-Format hat die im letzten Jahr

gegründete Prince Charming Gay Cruise nichts zu tun, auch wenn

bei der Premiere im Sommer 2020 ein ehemaliger Teilnehmer

der schwulen Kuppel-Show mit an Bord war. Das Konzept der

Kreuzfahrt entlang der Dalmatinischen Küste ist aber dennoch

äußerst charmant. Mit einem kleinen Boutiqueschiff für maximal

38 Passagiere führt die Route zwischen Split und Dubrovnik zu

traumhaften Buchten, einsamen Stränden und romantischen

Städtchen wie dem auf der gleichnamigen Insel gelegenen

Korčula. Ein Besuch des für seine Wälder und Seen bekannten

Nationalparks Mljet steht ebenso auf dem Programm wie ein

Stopp am wohl schönsten Strand Kroatiens, dem Goldenen Horn

auf der Insel Brač. Die Insel Hvar dagegen lockt mit trendigen

Beach Clubs und dem bekanntesten schwulen Strand Kroatiens

auf der vorgelagerten Insel Jerolim. Natürlich kommen Spaß

und Unterhaltung auf der einwöchigen Tour nicht zu

kurz. Neben täglichen Badestopps und Ausflügen stehen

gemeinsame Abendessen, Dragshows, Yogastunden und

Partys auf dem Programm. Insgesamt drei Termine gibt es

im Juli zur Auswahl, vom 17. bis 24. Juli sogar als „Double

Week“ mit zwei Schiffen gleichzeitig. Die Schiffe selbst

verfügen über moderne Kabinen, einen Whirlpool

sowie Sonnendecks mit FKK-Bereich. Im Preis

ab 1.490 Euro inbegriffen sind Halbpension, zwei

Abendessen und das Unterhaltungsprogramm an Bord.

Für alle Reisen gelten aufgrund der aktuellen Situation

großzügige Stornoregelungen, sollte sich Kroatien zu diesem

Zeitpunkt noch in einem Lockdown befinden oder für das Land

eine RKI-Reisewarnung mit Quarantänepflicht gelten. *dax

www.princecharming.eu

SCHWEIZ

Rund ums

Matterhorn

Das autofreie Bergdorf Zermatt zählt

sicher zu den bekanntesten Urlaubsorten

in der Schweiz. Vor allem als noble

Wintersportregion bekannt, locken ab

Frühjahr auch etliche Wander- und

Mountainbike-Wege zahlreiche Naturliebhaber

und Alpinisten in das nur mit der

Bahn zu erreichende Bergdorf. Der knapp

4.500 Meter hohe Gipfel des Matterhorns

bildet dabei stets eine spektakuläre

Kulisse. Wanderungen ab der Bergstation

Schwarzer See führen etwa hinauf zur

Hörnlihütte, dem „Base Camp“ für die

Matterhornbesteigung. Eine ganz andere

Perspektive bietet sich von dem in über

3.000 Meter gelegenen Gornergrat, den

man in knapp vierzig Minuten von Zermatt

aus mit einer Zahnradbahn erreicht. Neben

dem Matterhorn fasziniert auf einem

360-Grad-Loop ein Panorama aus 29

Viertausendern, darunter das Monte-Rosa-

Massiv sowie die Dufourspitze, der mit

4.634 Metern höchste Berg der Schweiz.

FOTO: PASCAL GERTSCHEN

Nicht weniger atemberaubend ist die

Fahrt hinauf zum Matterhorn Glacier

Paradise. Mit 3.883 Metern ist sie die

höchstgelegene Bergstation Europas,

umgeben von einer überwältigender

Kulisse aus 38 Viertausendern und 14

Gletschern. Ein weiteres Highlight ist der

15 Meter unter der Oberfläche gelegene

Gletscherpalast im Eisfeld zwischen dem

Klein Matterhorn und dem Breithorn,

in dem sich kunstvolle Eisskulpturen

befinden. Ein sicher einmaliges Erlebnis

ist die Umrundung des Matterhorns in

einem Helikopter: Mit Air Zermatt geht es

vom Dorf aus mit 170 km/h hinauf in die

Berg- und Gletscherwelt der Walliser Alpen

mit Blick auf den Theodulgetscher, den

Gornergrat, das Monte-Rosa-Massiv sowie

den Mont Blanc. *dax

www.zermatt.ch

www.myswitzerland.com


REISE

ÖSTERREICH

FOTOS: EDERTOM.COM

Hip am Hochkönig

Hüttenwirte Tom (l.) und Mario

Die Region um den knapp 3.000 Meter

hohen Hochkönig im Salzburger Land

gehört sicher zu einem der schönsten

Wander- und Skigebiete Österreichs.

Dank eines hippen Boutiquehotels und

der wohl einzigen von einem schwulen

Paar geführten Almhütte Österreichs

ist das Dorf Maria Alm eine echte Alternative

zum traditionell eher urigen

Urlaub in den Bergen.

Schafgarbe, Baldrian und Mädesüß – wer

mit Mario über blühende Almwiesen

wandert, kommt der Natur der Alpen ganz

nah. Als „Kräuterbua“ bietet der 34-jährige

Österreicher Kräuterwanderungen auf

dem Natrun an. Der Berg erhebt sich gut

1.200 Meter über dem im Salzburger Land

gelegenen Dorf Maria Alm und lässt sich

entweder zu Fuß oder mit einer Gondelbahn

erreichen. „Die Berge und die Natur

sind ein idealer Stressausgleich“, so Mario.

Der gelernte Friseurmeister war neun Jahre

lang mit einem eigenen Salon selbstständig,

bevor er der Liebe wegen seinen Job aufgab

und auf den Natrun zog. Seine Verbundenheit

mit der Natur sowie das Interesse an

Kräutern und deren Wirkung machte er zu

seinem neuen Beruf. Mit einer Ausbildung

für Traditionelle Europäische Heilkunde im

Rücken gibt er sein Wissen an interessierte

Urlauber weiter. Eine Kräuterwanderung mit

Mario dauert etwa zwei bis drei Stunden,

während der er viel erklärt, Pflanzen

sammelt und im Anschluss verarbeitet.

„Für jedes Wehwehchen ist ein Kraut

gewachsen“, weiß Mario und ist froh, dieses

Wissen auch vermitteln zu können. Was er

auf den Almwiesen nicht findet, aber für

seine Tinkturen, Salben und Tees braucht,

zieht er in seinem eigenen Kräutergarten

gleich neben der Tom Almhütte groß.

Heimatverbunden

Die 2018 eröffnete Hütte ist der eigentliche

Grund, warum es Mario nach Maria Alm

verschlagen hat, denn Marios Verlobter

Tom wurde in dem gut 2.000 Einwohner

zählenden Dorf geboren. Wer mit Tom

ins Gespräch kommt, merkt schnell, dass

man es hier nicht mit einem typischen

Hüttenwirt zu tun hat. Der 35-Jährige,

dessen Namen die Hütte trägt, stammt

aus einer in Maria Alm etablierten

Hoteliersfamilie und kam während seiner

Ausbildung zum Hotelfachmann und in der

Zeit danach viel herum. „Dennoch bin ich

ein sehr heimat- und familienverbundener

Mensch geblieben, und als sich mir die

Chance bot, in meinem Heimatdorf auch

unternehmerisch Fuß zu fassen, hab ich die

Gelegenheit genutzt.“ Der kreative Kopf hat

die Entscheidung nicht bereut. „Mir war klar,

dass, wenn ich in Maria Alm bleibe, ich so

leben will, wie ich bin.“ Seit seinem Comingout

mit 19 gehe das Dorf entspannt mit

seinem Schwulsein um.

Hundehütte

Wer die Tom Almhütte sieht, dem wird

schnell klar, dass die Hütte nicht dem

alpenidyllischen Klischee einer Skihütte

entspricht. Schon vor dem Eingang

werden die Gäste von einer überlebensgroßen

Holzfigur eines Mopses begrüßt.

Choupette heißt das bei Tom und Mario

lebende Tier, das zugleich als Maskottchen

der Hütte fungiert. Die Hütte selbst

verbindet modernes Design wie das riesige

Glasdach, das sich bei schönem Wetter

zur Seite fahren lässt, mit natürlichen

Elementen wie Holz und Stein. Die

Küche setzt auf frische regionale Speisen

und Produkte. „Die Kühe auf der Wiese

unterhalb der Hütte sehen quasi schon, wo

sie einmal enden“, scherzt Tom.

Gipfelstürmer

„Mit der Eröffnung des Boutiquehotels

Sepp unten im Dorf und unserer Hütte hat

sich das Publikum in Maria Alm spürbar

verändert“, so Tom. „Die Gäste sind jünger

und hipper geworden.“ Dabei ist die

Region rund um den Hochkönig ohnehin

ein attraktives Urlaubsziel für Wanderer,

Mountainbiker und Wintersportler. Von

leichten Wanderungen bis zu anspruchsvollen

Hochgebirgstouren gibt es für jedes

Fitnesslevel die passende Möglichkeit, das

grandiose Bergpanorama des Steinernen

Meeres zu genießen. *dax

www.hochkoenig.at

www.edertom.com


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#friendlyitaly - Ciao Italia!

FOTO: LUKAS WERLICH

Alle warten darauf, endlich wieder verreisen zu können und auch wenn vieles anders ist als vor

der Pandemie lohnt es sich, die Koffer zu packen und über die Alpen Richtung Süden zu fahren.

FOTO: ISTOCKPHOTO/SIGNATURE COLLECTION/SERTS

FOTO: ENIT/TERME EUGANEE

FOTO: ISTOCKPHOTO/ESSENTIALS COLLECTION/XANTANA

Italien lockt schon ab Ostern mit mildem

Klima und hat sich gut auf die Saison 2021

vorbereitet: Abstands – und Hygieneregeln

in öffentlichen Einrichtungen, in Hotels und

Restaurants sorgen genauso wie eine hohe

Impfrate für sicheres Urlauben. Auch wenn es

aktuell noch keine Prides und Events geben

wird, das Angebot für abwechslungsreiche

Urlaubstage ist groß und vielversprechend:

kleine und große Kunststädte bieten nicht nur

beeindruckende Kultur, sondern auch viel Flair

für entspannte Stadtbummel durch verkehrsberuhigte

historische Zentren. Ob Shopping

in angesagten Boutiquen oder auf bunten

Märkten, müßige Stunden im Café oder beim

Sehen-und-Gesehen-Werden auf dem Corso,

der Italian Way of Life macht Spaß und ist im

besten Sinne ansteckend. Städte wie Rom und

Mailand haben eine lebendige LGBTQ*-Szene,

aber auch Küstenorte wie Torre del Lago in

der Toskana oder Gallipoli in Apulien sind

beliebte Ziele der Community. Hier kann

man neben Beachlife auch gut feiern, soweit

es die Lage erlaubt. Des Weiteren lohnen

zahlreiche malerische Orte an der Küste oder

im Hinterland entdeckt zu werden: hier erlebt

man das ursprüngliche Italien und man kann

die authentische Küche am besten genießen.

Ein besonderes Erlebnis sind im Sommer die

Open-Air-Konzerte, von klassisch bis Rock,

die oft an herrlichen Settings stattfinden und

eine ganz besondere Atmosphäre besitzen.

Oldtimer-Fans sollten einmal bei der Mille

Miglia oder der Targa Florio dabei gewesen

sein, entweder mit dem eigenen Wagen oder

als Zuschauer entlang der Strecke. Wer mehr

Adventure sucht, kann sich in den Bergen

der Alpen oder des Apennins beim Climbing,

Rafting oder Skifahren verausgaben. Auch

entlang der rund 8.000 Kilometer langen Küste

bieten sich vielseitige Gelegenheiten vom

Segeln, Surfen bis zum Tauchen. Spezialisierte

Anbieter organisieren zudem Bootsausflüge zu

vorgelagerten Inseln, wie z.B.den Tremiti-Inseln

vor Apulien oder mit Stopps an entlegenen

Buchten wie in Sardinien. Wer sich gerne mit

Wellnessanwendungen verwöhnen lässt, findet

von Nord- bis Süditalien ein breites Angebot an

Einrichtungen wie Wellness-Hotels, Thermalanlagen

mit heißen Quellen und mediterranen

Gärten oder Bäder in Natursteinbecken und

im Vulkanschlamm wie auf der Insel Vulcano.

Liebhaber von Kunst, Design und Kultur sind

in Italien seit jeher am richtigen Platz: mit 55

UNESCO-Welterbestätten führt das Land die

Liste an und das immense Kulturerbe – von

den antiken Zeugnissen der Römer und

Etrusker, über die Araber und Normannen

bis zu den Werken der Renaissance - lässt

auch Kunstmuffel staunen. Wer es lieber

modern und zeitgenössisch mag, findet in

den Sammlungen wie im MART- oder im

MACRO-Museum Werke von italienischen und

internationalen Künstlern und in lebendigen

Vierteln wie Brera in Mailand oder San

Lorenzo in Rom gibt es

Gallerien und Streetart.

www.enit.de

www.italia.it


GESUNDHEIT

SCHLAU ZU HIV

FOTO: CAMILO JIMENEZ / UNSPLASH / CC0

THERAPIEVERSAGEN –

der Herzinfarkt in der HIV-Behandlung

Ziel jeder medikamentösen

HIV-Therapie ist die dauerhafte

Unterdrückung der Virusvermehrung im

Körper. Da sich das Virus aber im Zeitverlauf

verändert und Mutationen entstehen,

kann es sein, dass Arzneimittel gegen das

HI-Virus ihre Wirksamkeit verlieren. Das Virus

hat dann Resistenzen ausgebildet und

kann sich – weil unempfindlich gegen die

laufende Therapie – wieder vermehren. Wie

Resistenzen entstehen, wie hoch unter modernen

Regimen das Risiko eines Therapieversagens

ist und warum es so wichtig ist,

Resistenzbildungen zu vermeiden, erklärt

Professor Dr. Jürgen Rockstroh, Leiter der

Ambulanz für Infektiologie & Immunologie

am UK Bonn.

Beginnt man heute mit einer

HIV-Therapie, wird das HI-Virus vor

der Auswahl des Therapieregimes

auf Resistenzen untersucht. Dabei

hat die Person doch noch gar keine

Arzneimittel gegen die Infektion

genommen. Warum wird das

gemacht?

Es wird nach den Leitlinien für die HIV-

Therapie ein genotypischer Resistenztest

durchgeführt, um festzustellen, ob eine

Ansteckung mit HIV-Varianten vorliegt, die

möglicherweise Medikamentenresistenzen

beherbergen. Statistisch sind diese

Untersuchungen kosteneffektiv, wenn bei

ca. fünf Prozent der Patienten Resistenzen

auftreten. Tatsächlich werden solche

Mutationen bei ca. neun bis zehn Prozent

gefunden. Es gibt allerdings zu diesen

Resistenztests auch kritische Stimmen,

weil die Ersttherapie heute im Wesentlichen

auf Integrasehemmern aufbaut und

zu diesen so gut wie keine resistenten

Mutationen gefunden werden. Dennoch

ist es aber prinzipiell gut zu wissen, welche

Mutationen vorliegen, um zum Beispiel bei

einem Therapiewechsel vorbereitet zu sein.

Unter erfolgreicher antiretroviraler Therapie

ist es heutzutage sehr schwer, genug Viren

für eine genotypische Resistenztestung im

Blut zu finden.

Wie häufig treten heute Resistenzen

auf, was sind die

Gründe dafür und gibt

es Unterschiede bei

den verschiedenen

Wirkstoffen?

Wenn es im Verlauf

der Therapie bei den

Routinechecks zu

einem Anstieg der

Virenlast käme, würde

ebenfalls ein genotypischer

Resistenztest

gemacht, um festzustellen,

ob eventuell eine Mutation stattgefunden

hat, die die Wirksamkeit eines Wirkstoffs

der Therapie vermindert. Das passiert heute

aber sehr viel seltener als früher. Dennoch:

Wie eben erwähnt sind bei ca. zehn

Prozent der Patienten therapierelevante

Mutationen festzustellen. Das bedeutet

aber nicht, dass jede Mutation dazu führt,

dass keine wirksame Kombinationstherapie

zusammengestellt werden kann. Die schon

angesprochenen Integrasehemmer besitzen

heute so eine hohe genetische Barriere,

dass es selbst bei einem Therapieversagen

äußerst selten, sogar fast nie zu einer Mutation

kommt. Die modernen Therapien sind

so potent, dass wir insgesamt einen starken

Rückgang der Resistenzen verzeichnen.

Worauf ist zu achten, wenn man als

Mensch mit HIV das Risiko für eine

Resistenzentwicklung so gering wie

möglich halten will, und was können

Behandler tun, wenn es doch zum

Therapieversagen kommt?

Der wirksamste Schutz gegen Resistenzentwicklungen

ist eine wirksame

Therapie. Sie verhindert ja die

Vermehrung des HI-Virus und

Mutationen treten eben

bei der Vermehrung von

Viren auf. Unsere heutigen

Therapien sind so robust,

dass sie eigentlich ein

Leben lang wirksam bleiben

– wenn sie regelmäßig

eingenommen werden. Es gibt

aber auch Patienten, die Varianten

des Virus haben, die gegen sehr viele

der geläufigsten Wirkstoffe resistent sind.

Zum Beispiel Langzeitpositive, die mit

den ersten Monotherapien behandelt

wurden. Aber auch da gab es 2020/2021

einen Durchbruch, weil neue Wirkstoffe

zugelassen werden, gegen die es noch

keinerlei Resistenzen geben kann. Also

kann jetzt auch bei den sehr wenigen

Fällen des breiten virologischen Versagens

(Mehrklassenresistenz) eine wirksame

Kombination zusammengestellt werden.

*Interview: Christian Knuth

FOTO: UK BONN


DE-HIV-2020-09-0034 | Agenturfoto. Mit Model gestellt.


FILM

INTERVIEW

ANA ORTIZ:

„Love,

Victor“

Mit schwulen Jungs kennt Ana Ortiz sich aus. In

„Alles Betty“ (im Original: „Ugly Betty“) war sie vor

15 Jahren nicht nur die Schwester der Titelheldin, sondern

auch die leidenschaftlich liebende Mutter des unverkennbar

queeren Grundschülers Justin. Nun zeigt die 50-jährige

New Yorkerin in „Love, Victor“ als gläubige Katholikin, dass

die Mutterliebe manchmal auch ein bisschen Zeit braucht,

wenn der Sohn (gespielt von Michael Cimino) sich outet. Ab

dem 23. Februar ist die erste Staffel des Serien-Ablegers

der erfolgreichen Highschool-Komödie „Love, Simon“

in Deutschland bei Disney+ STAR zu sehen (genauso

übrigens wie alle Staffeln „Alles Betty“). Die Dreharbeiten

zur zweiten laufen bereits. Wir sprachen mit Ortiz dazu im

Videotelefonat.

Ana, nach „Alles Betty“ spielen Sie in „Love,

Victor“ nun schon zum zweiten Mal die Mutter

eines queeren Kindes. Damit übernehmen Sie in

gewisser Weise auch eine Art Vorbildfunktion,

nicht wahr?

Die Mütter dieser beiden wunderbaren schwulen Söhne

zu spielen gehört zu den größten Freuden meines Lebens.

Gerade auch, weil diese beiden Frauen ja verschiedene

Seiten des Spektrums zeigen und sehr unterschiedlich

mit der Identität ihrer Jungs umgehen. Hilda erlaubte

niemanden, Justin auch nur schräg anzusehen. Sie

verteidigte ihn und sein Recht, er selbst zu sein, mit

Leib und Seele. Isabel in „Love, Victor“ ist längst nicht so

akzeptierend. Sie glaubt anfangs wirklich, ihr Sohn könnte

in die Hölle kommen. Sie liebt ihn aus ganzem Herzen, hat

aber fürchterliche Angst, was das Leben für ihn bereithält.

Bekommen Sie viele Reaktionen von Müttern, die

sich in diesen Figuren wiedererkennen?

Oh ja, natürlich. Gerade auf Hilda sprechen mich die

Leute immer noch an. Jeder liebte Hilda. Aber ich habe

auch schon von Müttern gehört, die sich mit Isabel

identifizierten und mir mein Beileid zum schwulen Sohn

ausgesprochen haben. Die fanden, dass Isabel ihren

katholischen Werten treu bleiben und Victor in Gottes

Schoß zurückholen soll. Die werden enttäuscht sein,

dass das natürlich nicht die Richtung ist, die unsere Serie

einschlägt. Denn die zweite Staffel „Love, Victor“ wird

noch deutlich schwuler, um es mal so auszudrücken, und

Isabels Liebe zu ihrem Sohn zum Glück nicht kleiner.

Und ich hoffe natürlich, dass auch diese Entwicklung die

eine oder andere Mutter inspirieren und ihre Einstellung

verändern kann.


FILM

In dieser Hinsicht ist eine Serie

wie „Love, Victor“ auch im Jahr

2021 mehr als bloß eine nette

Highschool-Geschichte?

Auf jeden Fall. Denn auch wenn es wie ein

Klischee klingt: Repräsentation ist wichtig.

Sich selbst bzw. Menschen, die sind wie

man selbst, auf dem Bildschirm zu sehen,

ist unglaublich wichtig. Und „Love, Victor“

ist da tatsächlich ziemlich einzigartig, weil

es gleich in zweifacher Hinsicht Lebenserfahrungen

zeigt, die man sonst nicht alle

Tage in Serien zu sehen bekommt. Junge

Menschen, die herausfinden, wer sie sind

und was sie wollen, ist das eine. Für die ist

es, wenn ich nach den Reaktionen vieler

queerer Kids auf die Serie gehe, enorm

hilfreich, jemanden zu sehen, der das

gleiche durchmacht und auch nicht weiß,

wie er mit seinen Eltern darüber sprechen

soll. Aber zum anderen ist auch der Alltag

einer puerto-ricanischen Familie im Fernsehen

wirklich eine Seltenheit. Ich freue

mich wirklich sehr, dass unsere Serie auf

Diversität, Inklusion und Repräsentation in

mehr als nur einer Hinsicht setzt.

Hat sich in dieser Hinsicht viel getan

in den mehr als 20 Jahren.

Oh ja, einiges. Die Vielfalt an Geschichten

und Gesichtern ist heute eine ganz andere

als damals, das kann man null vergleichen.

Aber wir können uns auf diesen Fortschritten

nicht ausruhen, denn es ist nicht so,

dass es ausreichende und umfassende

Repräsentation in alle Richtungen gäbe.

Und das sage ich als Latinx-Schauspielerin

nicht nur mit Blick auf Diversität in Sachen

Hautfarbe und Herkunft.

Sondern?

Auch diesbezüglich ist natürlich nach

wie vor Luft nach oben. „Love, Victor“ ist

beispielsweise, wie gesagt, eine von nicht

einmal einer Handvoll Serien, deren zentrale

Figuren Latinx sind. Aber zum Beispiel

ist unsere Branche und das, wovon wir in

Serien erzählen, auch immer noch ziemlich

altersdiskriminierend. Geschichten mit

Frauen über fünfzig Jahren im Zentrum sind

beispielsweise auch eine Seltenheit. Auch in

Sachen sozialer Herkunft wird diskriminiert:

Wir lieben Shows über gut situierte bis

reiche Familien, aber die Arbeiterklasse wird

eher selten gezeigt. An allen diesen Fronten

können und müssen wir noch arbeiten.

Eine letzte Frage noch zu Brian Tanen,

dem schwulen Drehbuchautor und Produzenten,

der einer der Showrunner bei

„Love, Victor“ ist. Sie beide verbindet

eine enge Beziehung, richtig?

Oh ja, nach „Alles Betty“ und „Devious

Maids“ ist „Love, Victor“ schon unsere dritte

gemeinsame Serie. Ich liebe diesen Mann

und würde mit ihm durchs Feuer gehen.

Wenn er an einem Writers’ Room beteiligt

ist, weiß man als Schauspieler*in, dass

man in guten Händen ist. Bei „Love, Victor“

gilt das mehr denn je, denn da werden wir

von den Autor*innen enorm eingebunden.

Das ist ein sehr bunt gemischter Haufen

von Menschen, mit sehr verschiedenen

Erfahrungshorizonten und Hintergründen,

und wir können jederzeit Fragen stellen und

Ideen einbringen. Im Zweifelsfall schicke ich

auch mal nachts eine Textnachricht, wenn

mir etwas auf dem Herzen liegt. Und Brian

ist auch nie empfindlich, wenn man mal bei

einem Dialog sagt: „Sorry, irgendwie klingt

das so nicht authentisch.“ Im Gegenteil

freuen er und die anderen sich immer über

Input, schließlich wollen alle die Geschichte

so wahrhaftig wie möglich erzählen.

*Interview: Patrick Heidmann

Mehr Features dieser Art auf

instagram.com/blumediengruppe


FILM

Ist es denn einfacher, mit Unternehmen

wie Sky zu arbeiten?

„Das Boot“ wird in über achtzig Länder

verkauft, von englischen Autor*innen

geschrieben, ist international besetzt. Da

wird auf jeden Fall größer gedacht. Und

etwas mehr Geld zu haben, macht das

Arbeiten auf jeden Fall einfacher.

Wie hat sich denn das Arbeiten durch

die Pandemie verändert?

Bei „Ein Schwarzwaldkrimi“ wurden wir

durchgetestet, das war im Sommer 2020.

Für mich als Schauspieler hat sich da wenig

verändert, außer, dass man eben getestet

wurde. „Das Boot“ wird in Prag gedreht,

da musste ich dann immer 5 Tage vorher

anreisen, im Hotelzimmer in Quarantäne

sitzen und dann erst zum Set ... Aber

in Relation zu dem, was andere gerade

durchmachen, ist das ein Luxusproblem.

Für die Produktionen ist es eben scheiße,

weil es so viel teurer ist. Am Anfang fand

ich es sogar toll, weil ich so viel mehr Zeit

hatte, mich auf die Rollen vorzubereiten.

DAVID

ZIMMERSCHIED:

„Ich bin sehr gut und gerne alleine“

In „Ein Schwarzwaldkrimi“ spielst du

einen Nerd. Wie nah ist diese Rolle an

dir dran?

Es gibt natürlich Elemente, die mir geläufig

sind. In einer fremden Umgebung fühle ich

mich manchmal nicht wohl, so wie sich dieser

Archivar wahrscheinlich mit Menschen

nie so richtig wohlfühlt. Er sitzt da in seinem

Archiv und wirkt etwas soziopathisch. Die

Parallele ist vielleicht, dass er gerne und gut

alleine sein kann.

War die Brille denn deine Idee?

Das war eine Idee vom Regisseur, glaube

ich. (lacht) Über die kann man natürlich diskutieren,

ich habe sie bei der Vorbereitung

zur Rolle zwei Monate lang auch zu Hause

umgehabt, um mich daran zu gewöhnen.

INTERVIEW

Gerade sah man ihn im erfolgreichen ZDF-Zweiteiler „Waldgericht – Ein

Schwarzwaldkrimi“, kennen wirst du ihn aber auch aus „Elser – Er hätte die

Welt verändert“ und durch die Sky-Serie „Das Boot“ an der Seite von Clemens

Schick. Für uns hatte der Schauspieler etwas Zeit.

Ich denke, sie macht Sinn, denn ohne sie

wäre es womöglich nur der David, der eben

in einem Archiv sitzt ... Es ist natürlich ein

Klischee, aber wenn man Klischees aufgrund

einer inneren Haltung benutzt, nicht

um ihrer selbst willen, dann ist das okay.

Was macht für dich einen guten Film,

eine gute Serie aus?

Da landet man in Deutschland immer

beim Wort Mut. Ich glaube, es werden viele

unmutige Entscheidungen getroffen von

Leuten, die ihren Posten nicht verlieren

wollen und die immer wieder über das

unsägliche Wort Einschaltquoten reden.

Der Zuschauer wird unterschätzt. Oft

entscheiden Bürokraten Dinge, wo man

kreativ sein sollte.

Bayern hat recht strikte Corona-

Beschränkungen, beeinflusst das

deinen Alltag sehr?

Ich war tatsächlich schon vor der Pandemie

ab 20 Uhr eher selten aus. Ich habe das

Glück, dass ich genug Geld habe, mir meine

Wohnung und Essen leisten zu können,

auch mit dem Alleinsein komme ich sehr

gut aus. Weihnachten und Silvester habe

ich komplett ausfallen lassen und auch

nicht meine Eltern in Niederbayern besucht.

Was auch daran liegt, dass ich ab Februar an

einem Kinofilm drehe und auf der sicheren

Seite sein will. Ich bin sehr gut und gerne

alleine, für mich ist es kein Problem.

Wie stehst du zum Thema Impfung?

Ich habe großen Respekt vor Corona,

weil alles weiterhin so undurchsichtig ist,

seien es die Infektionswege oder auch

die Folgeschäden. Aber ich vertraue der

Wissenschaft und ich werde mich impfen

lassen, wenn es verlangt wird. Ich habe

aber nicht so richtig Vertrauen in die

Pharmaindustrie.

*Interview: Michael Rädel

ÜBER DAVID ZIMMERSCHIED

Für „Der Pass“ gab es 2020 den Grimme-

Preis, für „Unsere Mütter, unsere Väter“

2014 die Goldene Kamera. Er ist dank „Das

Boot“, „Kill Me Today, Tomorrow I’m Sick!“

und Serien wie „München Mord“ sowie

„SOKO Leipzig“ einer der erfolgreichsten

Kino- und Theaterschauspieler Deutschlands.

Geboren wurde David Zimmerschied

am 15. November 1983 in Bayern, er lebt in

München.

www.instagram.com/zimmerschied_official


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Foto: istockphoto.com/vladorlov

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FILM

DVD

VENTO SECO

FOTO: WWW.GMFILMS.DE

Ein erotischer Sturm der Liebe: „VENTO

SECO“ aus dem Hause GMfilms.

Erzählt wird in dem Spielfilm, der 2020 seine

Uraufführung auf der Berlinale feiern konnte,

von den (Irr-)Wegen eines Männerpaares.

Sandro und Ricardo führen eine eigentlich

rein sexuelle Beziehung in der tiefsten

Provinz Brasiliens. Wirklich nur sexuell, so

denken die beiden von der Machokultur

geprägten Kerle zumindest. Denn als der

scheinbar einem Tom-of-Finland-Bild entsprungene

Maicon auftaucht und eine Affäre

mit Ricardo beginnt, merkt Sandro, dass da

doch mehr im Spiel ist als nur Lust. Tatsächlich

Liebe? Seine aufkommende Eifersucht

zeigt ihm, dass er Ricardo für mehr haben

will als bloß für Sex. Regisseur Daniel Nolasco

gelingt es meisterhaft, den Zuschauer über

100 Minuten lang zu unterhalten, nicht nur

mit bloßer Erotik. Die Emotionen schwappen

so schnell über, wie die Körperhaare der

Schauspieler sich beim Sex und Arbeiten in

der Hitze wiegen. Gelungen! *rä

www.gmfilms.de

VOD / DVD

Loyalität und sexuelle

Unterordnung

Kein Streifen für Freunde leichter Unterhaltung, aber ein gar nicht so

unrealistischer Blick auf schwules Leben und derbe Machokultur in

Südamerika.

FOTOS: SALZGEBER

Die Gefängnisse Chiles gelten als

lebensgefährlich, dreckig, brutal

und verstörend. Ausgerechnet,

nein, genau hier lässt Regisseur

Sebastián Muñoz eine schwule

Beziehung aufkeimen.

Erzählt wird in seinem Film „Der

Prinz“ die tragische Geschichte

vom 20-jährigen Jaime, der

seinen – in aller Heimlichkeit von

ihm begehrten – besten Freund

ersticht. Jaime landet im Gefängnis

und trifft dort auf Potro, den Boss

der Gruppenzelle, in der Jaime

seine Strafe absitzen muss. Potro,

genannt der Hengst, erwählt Jaime

zu seinem Prinzen und beschützt

ihn, erwartet aber im Gegenzug

sexuelle Unterordnung und

Loyalität von seinem Schützling.

Jaime, auf der Suche nach Wärme

und Zärtlichkeit, geht auf Potros

unmissverständliches „Werben“ ein.

Doch ein Gefängnis ist alles andere

als eine sichere Welt für schwule

Beziehungen.

Ein packender und brutaler schwuler

Film, der bei den Filmfestspielen

in Venedig mit dem „Queeren

Löwen“ ausgezeichnet wurde und

nun dank Salzgeber als Video on

Demand und DVD zu sehen ist. *rä

www.salzgeber.de


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MUSIK

COMEBACK

RAG'N'BONE MAN:

Kaum Raum für Selbstmitleid

Wer an Rag 'n' Bone Man denkt, der hat sofort

„Human“ im Ohr. Diesen phänomenalen Monsterhit

aus dem Herbst 2016, mit dem der Engländer –

wie auch mit dem Debütalbum gleichen Namens

– auf der ganzen Welt unbeschreiblich

abräumte und zu einem Weltstar wurde.

Wenn auch zu einem, der dem Rummel

skeptisch gegenübersteht. „Ich bin

ein normaler Typ, der gerne singt

und ein ruhiges Leben hatte“, sagt

er. „Ich liebe die Bühne, aber es

gibt selbstbewusstere Künstler

als mich.“ Nach einigen

Jahren der privaten Zurückgezogenheit

heißt es jetzt

allerdings: Willkommen

zurück im Rampenlicht.


Eine Sache möchte Rory Graham, wie

der Rag 'n' Bone Man bürgerlich heißt,

gleich klarstellen: „Für mich ist ‚Life by

Misadventure‘ nicht wirklich ein Trennungsalbum.

Ich habe mich sehr darum

bemüht, den Anteil an Herzschmerz in

Grenzen zu halten. Okay, vielleicht gibt

es den einen oder anderen Song, an dem

der Liebeskummer so ein wenig emporkriecht,

aber insgesamt sind die Stücke

nicht sehr weinerlich.“ Was auch damit

zusammenhängt, dass der Rag 'n' Bone

Man den überwiegenden Anteil der neuen

Lieder schon geschrieben hatte, als sich

der Liebesmist in seinem Leben Bahn

brach. „Die meisten Songs sind entstanden,

als es mir richtig, richtig gut ging. Ich

war angekommen im Leben, Vater geworden,

frisch verheiratet. Alles war gut.“ Rory

und seine langjährige Partnerin begrüßten

im September 2017 ihren Sohnemann

Reuben, sie zogen in ein stattliches

Anwesen in seiner Heimatstadt Brighton,

heirateten im Mai 2019 – und trennten

sich am Ende desselben Jahres. „Ich

fühlte mich verdammt traurig und allein“,

so der Sänger mit der beeindruckenden

Statur und der noch beeindruckenderen

Stimme. „Zu allem Überfluss ging es dann

auch noch mit der Pandemie los. Ich war

und bin der festen Überzeugung, dass

die Welt gerade nichts weniger dringend

braucht als weitere deprimierende Lieder

über eine kaputtgegangene Liebe. Ich

finde, die Menschen müssen gerade nicht

noch weiter runtergezogen, sondern aufgerichtet

werden.“ Freilich badet der im

Januar 36 Jahre alt gewordene Graham

im Album auch schon mal im Selbstmitleid,

im intensiv-traurigen „Talking to

Myself“ zum Beispiel. Einmal mussten

diese Gefühle einfach raus. „Oh yeah, was

für ein selbstsüchtiger Song. Was für ein

‚Ich-armer-Kerl‘-Song. Wenn ich den jetzt

höre, denke ich ‚Was für ein pathetisches

Geheule‘. Aber der Song ist gut. Und

er ist wahr. Ein Schnappschuss meines

Lebens.“ Er habe kein selbstmitleidiges,

sondern ein geradezu schmerzhaft ehrliches

Album machen wollen, sagt Rory.

Sehr freundlich und aufgeräumt guckt

Rory Graham beim Gespräch in die

Computerkamera. Es ist

Montagvormittag,

Sohn Reuben hat er gerade im Kindergarten

abgeliefert („Er geht da drei

Mal die Woche hin. Es ist gut für ihn,

eine Struktur zu haben“). Jetzt noch

ein paar Zoom-Interviews und „danach

werde ich zu einem kleinen Spaziergang

antreten.“ Das Leben hat sich wieder

beruhigt in Brighton. Nach einer ersten

fehlgeschlagenen Romanze, die Rory im

Lied „Fall in Love Again“ thematisiert,

ist er seit mehreren Monaten wieder

liiert, und zwar mit einer Mitarbeiterin

jenes Cafés um die Ecke, in dem er

morgens gerne seinen Latte trinkt. Die

Erleichterung und Freude, dass „Life by

Misadventure“ endlich das Licht der Welt

erblickt, steht dem Sänger, der einst in

der Kneipenszene von Brighton seine

ersten scheuen und zaghaften, vom

jovial-kommunikativen Vater sowie ein

paar Pints Lager forcierten, gesanglichen

Gehversuche machte,

ins Gesicht geschrieben.

Intensiv genug daran

gearbeitet hat er.

Aufgenommen

hat Rory das

Album

MUSIK

in Nashville, im Studio des Top-

Produzenten Mike Elizondo (Eminem,

Alanis Morissette). Dabei zeichnete

sich mehr und mehr ab, „dass wir die

Kurve in Richtung eines Gitarrenalbums

nehmen“. Der auf dem Debüt „Human“

noch prägende Blues-Anteil fällt jetzt

deutlich geringer aus. Dafür gesellen sich

Funk, ein wenig Gospel („Somewhere

Along the Way“) und eine gute Ladung

Pop (wie im hinreißenden Piano-Song

„Anywhere Away from Here“) stilistisch

hinzu. „Mit den extrem großartigen Musikern

in Nashville haben wir das Album

schließlich komplett live eingespielt“,

erzählt der Rag'n'Bone Man stolz. „Ich

wollte, dass es so roh und so ehrlich,

notfalls auch so unbequem ist wie nur

möglich.“ Roter Faden der Songs, so Rory,

seien seine „Sorgen und Zukunftsängste,

insbesondere jetzt als Vater“. Dass „Life

by Misadventure“ trotzdem insgesamt

fröhlicher und heiterer klingt als das

„Human“-Album, hat sogar schon

Grahams Mum festgestellt. „Sie hat mich

gelobt und gesagt, dass sie beim neuen

Album weniger geweint hat als beim

ersten.“

*Steffen Rüth

FOTOS: COLUMBIA RECORDS/SONY MUSIC


MUSIK

FOTO: EARMUSIC/TINA KORHONEN

COMEBACK

BONNIE TYLER:

Definitiv Bonnie

Die Waliserin mit der rauchigen

Mordsröhre, die jetzt ihr starkes

neues Album „The Best Is Yet to Come“

veröffentlicht, hat auch kurz vor ihrem

70. Geburtstag so rein gar nichts von ihrer

Lebensfreude eingebüßt. Im Gegenteil.

Dass sie nicht auf TikTok tanzen oder sich

auf Instagram im Bikini räkeln musste, um

ihre Popkarriere in den späten Siebzigern

anzuschieben, bereut Bonnie Tyler

nicht im Geringsten. „Wäre ich heute 19

und nicht 69, dann würde ich das Spiel

wahrscheinlich mitspielen, aber ich bin

froh, dass es bei mir damals noch auf die

althergebrachte Art funktionierte.“ Tyler,

die aus einer Kleinstadt in Wales stammt

und nach der Schule zunächst Make-up

und Klamotten verkaufte, bewarb sich

ganz klassisch und erfolgreich auf eine

Zeitungsannonce, in der eine junge Frau

als Harmoniesängerin gesucht wurde. An

sechs Abenden pro Woche sang sie, „oft

in Klubs für hart arbeitende Männer in

den Bingo-Pausen oder neben der Dartscheibe“,

so ziemlich alles – von Blues über

Rock bis zu Tanzmusik. Lange blieb ihre

Stimme nicht im „Verborgenen“, mit „Lost

in France“ gelang Bonnie in den späten

Siebzigern ihr erster Hit, der vor allem in

Deutschland zündete („Auf deutschen

Bühnen habe ich den letzten Rest meiner

Schüchternheit eingebüßt“). Was folgte,

war eine Weltkarriere mit unvergessenen

Hits wie „Total Eclipse of the Heart“ oder

„Holding Out for a Hero“. Bonnie Tyler war

im Grunde nie weg, dennoch erlebt die

kesse Britin in den letzten Jahren eine Art

Renaissance. Das Album „Between the

Earth and the Stars“ überzeugte 2019

unter anderem mit Duett-Partnern wie

Rod Stewart und Cliff Richard, auf ihrem

neuen Werk „The Best Is Yet to Come“

begeistert Bonnies kraftvolle Stimme ganz

im Alleingang. „Als ich den Titelsong hörte“,

so Tyler, „wusste ich sofort: ‚Das bin ich‘.

Überhaupt ist dieses gesamte Album total

und definitiv Bonnie. Ich habe es ganz kurz

vor Corona mit dem Produzenten David

Mackay aufgenommen. Der gute alte David.

Wir hatten schon 1978 ‚It’s a Heartache‘

zusammen gemacht. Und ich dachte die

ganze Zeit so: ‚Wahnsinn, ich fühle mich

wieder wie damals, wie mit 26‘. So frisch

und voller Enthusiasmus.“

Bonnies Lebenslust ist in den neuen Songs

nicht zu überhören und auch ihre Texte

kommen mitunter jugendlich ungestüm,

geradezu frivol daher. „Nicht wahr? Es geht

ganz schön zur Sache, in ‚Call Me Thunder‘

zum Beispiel. Ich hatte erst Bedenken,

ob die Nummer für eine fast 70-Jährige

nicht etwas zu wild und explizit sei. Mein

Produzent David meinte nur: ‚Quatsch, du

kannst das machen‘. Also singe ich über

das, was mein Mann und ich einst so am

Strand getrieben haben … und vielleicht

immer noch treiben (lacht). Wir sind noch

sehr lebendig, Darling.“ Das glaubt man

gern, zumal das Paar – Bonnie Tyler und

der Immobilienentwickler Robert Sullivan

sind seit 1973 verheiratet – immer noch

gerne Neues ausprobiert. „Im goldenen

Alter von 69 Jahren hat mein Mann mir

im vergangenen Sommer tatsächlich das

Schwimmen beigebracht“, prustet Bonnie.

Die beiden halten sich seit März 2020 ohne

Unterbrechung in ihrer Villa an der Algarve

auf, gehen viel spazieren oder kochen

gemeinsam, was man halt so macht in

Pandemiezeiten. „Aber irgendwann kam

der Punkt, an dem ich entschied: Ich will

das jetzt endlich lernen.“ Ins tiefe Wasser

traue sie sich noch nicht, gibt Bonnie zu,

und auch ins Meer wage sie sich nur so

weit vor, solange sie noch stehen kann:

„Es ist noch Luft nach oben. Ich habe jetzt

richtig Blut geleckt.“ *Steffen Rüth


MUSIK

POP

100 % Sia

Was für ein Cover! Sängerin

Sia veröffentlichte gerade ihr

achtes Studioalbum „Music

– Songs from and Inspired

by the Motion Picture“. Die

Albumankündigung der

neunfach Grammy-nominierten Multiplatin-Künstlerin wird

begleitet von der neuen Single „Hey Boy“, die Sia gemeinsam

mit Jesse Shatkin und KAMILLE schrieb und von Jesse

Shatkin produzieren ließ. Das Album umfasst insgesamt 14

Songs, die sowohl speziell für ihren kommenden Film als

auch inspiriert von dem Projekt geschrieben wurden.

CALIFORNIAN

SOIL

SOUL

Celeste „Not Your Muse“

Sie ist DIE Newcomerin

und ein Liebling der Kritiker,

Celeste. UK-Soul der

allerhöchsten Güteklasse!

Unsere Anspieltipps auf

dem grandiosen Album

„Not Your Muse“ sind „Ideal

Woman“ und „Some Goodbyes

Come with Hellos“. *rä

DAS NEUE ALBUM | AB 9. APRIL 2021

ALS CD, VINYL ODER DELUXE-SET

IM HARDCOVER-BOOK

POP

Wieder da: Zara Larsson

„Poster Girl“ lautet der

Name des neuen Albums

der stimmstarken Schwedin,

die auch schon unser Cover

zierte und zusammen mit

der queeren Band Clean

Bandit einen Welthit landete:

„Symphony“. Jetzt meldet

sie sich endlich zurück

und begeistert mit großer

Stimme und eingängigen Melodien. Ein grooviger Beweis,

dass Schweden Popmusik im Blut haben. Unser Anspieltipp

ist „Talk About Love“. *rä

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exquisite gay matchmaking

TIPP

SG Lewis und Nile Rodgers

Der Künstler hinter Klassikern

wie „Good Times“, „Like

a Virgin“ und „Get Lucky“,

Nile Rodgers, räumt gerade

mit einem eigenen Klassiker

als Remix in den Charts ab

(„Everybody Dance“ mit

Cedric Gervais x Franklin),

hatte aber auch Lust auf

NEUES. Also tat er sich

mit Newcomer SG LEWIS zusammen. „One More“ ist eine

gelungene Zusammenarbeit mit dem Ausnahmetalent,

dessen Album „times“ gerade erschienen ist. Das Werk, auf

dem auch Robyn zu hören ist, wurde mit einem Streaming-

Event präsentiert. *rä

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MUSIK

NACHGEFRAGT

BIRDY: BITTERSÜSS

Die Engländerin mit den

schönen Piano-Popsongs wie

„People Help The People“ ist nach

fünf Jahren und einer kleinen Lebensund

Liebeskrise zurück – mit dem

an Melancholie wie Melodie reichen

vierten Album „Young Heart“.

Jasmine Lucilla Elizabeth Jennifer van den

Bogaerde, kurz Birdy, bibbert. Am Vortag

erst ist die Pop-Singer/Songwriterin von

einem ausgedehnten Aufenthalt in ihrem

Elternhaus im südenglischen New Forest

bei Southampton in ihre Wohnung im

Stadtteil Notting Hill zurückgekehrt, und

schon gibt es Ärger: In London flockt

ausnahmsweise ein wenig Schnee und in

Birdys Butze ist die Heizung ausgefallen:

„Eigentlich sollte der Techniker schon vor

einer Stunde gekommen sein. Ich muss

wohl noch mal dort anrufen“, echauffiert

sich die 24-Jährige, angesichts der

Umstände durchaus noch recht mild.

„Dann gehe ich so lange einkaufen, denn

der Kühlschrank funktioniert zwar, ist aber

leer.“ Birdy hat die Pandemie weitgehend

bei der Familie ausgesessen, mitten in der

Natur und nicht weit entfernt vom Meer.

Das neue Album „Young Heart“ ist schon

seit geraumer Zeit fertig und so widmete

sich die Künstlerin zuletzt vorwiegend der

Malerei und dem Müßiggang. Die Kontemplation

hat sich die überwiegend am Piano

komponierende Künstlerin auch verdient:

Im zarten Alter von 14 Jahren gelang Birdy

mit einer sehr hübschen Version von Bon

Ivers „Skinny Love“ der internationale

Erfolgsdurchbruch – „und in all den Jahren

danach hatte ich kaum je eine wirkliche

Pause vom Musikgeschäft“. Auch gab

es da vor einigen Jahren diese nicht so

schöne Trennung,

die Birdy nicht nur

ziemlich mitgenommen,

sondern ihr auch

den Stoff für „Young

Heart“ geliefert hat:

„Wenn ich in sehr

starken emotionalen

Turbulenzen stecke,

dann kann ich

mich nicht sofort

hinsetzen und darüber

schreiben. Ich brauche

immer einen gewissen

Abstand, um alles zu verarbeiten und

mich dann ans Piano zu setzen und die

Schleusen zu öffnen.“

Das Ende der bisher größten Liebe ihres

noch jungen Lebens verarbeitete Birdy in

aller Intensität. In der aktuellen, melodisch

mitreißenden Single „Surrender“ versucht

sie zu verstehen, was schiefgelaufen ist,

und im Titelsong, Birdys Lieblingsstück

der Platte, räumt sie ein, ihren Ex-Freund

trotzdem noch zu lieben. „Der Song ist

sehr bittersüß. Eigentlich ist das ganze

Album sehr bittersüß. Man kann den

anderen bewusst zurücklassen und ihn

dennoch furchtbar vermissen. Nicht jeder

Konflikt lässt sich einfach so auflösen.“

Zum Schreiben der neuen Lieder, die im

Vergleich zu den Songs ihres letzten, recht

knallig und plakativ-poppigen Albums

„Beautiful Lies“ deutlich zurückhaltender,

roher und intimer klingen (und in ihrer

melancholischen

Verletzlichkeit ein wenig

an die zwei jüngsten

Taylor-Swift-Alben

erinnern), begab sich

Birdy mehrmals nach

Los Angeles. In ihrem

Quartier – einem alten

Haus in der etwas abgelegenen,

aber doch nur

zwanzig Autominuten

vom Meer entfernten

Hippie-Enklave Topanga

Canyon – hörte Birdy

sehr viel Joni Mitchell, was auf „Young

Heart“ einen ebenso unüberhörbaren wie

angenehmen Einfluss ausgeübt hat.

Dass mit „Loneliness“ und „Deepest

Lonely“ auf dem neuen Album gleich zwei

Songs über die Einsamkeit zu finden sind,

könnte Anlass zur Sorge um dieses junge

Herz geben, muss es aber nicht: „Das sind

eher Liebeslieder an die Einsamkeit. Ich bin

gerne allein und genieße es, in fremden,

exotischen Städten umher zu driften

und manchmal ein bisschen verloren zu

gehen.“ *Steffen Rüth


HOUSE/DISCO

Horse Meat Disco & Dua Lipa

Vor einigen Wochen erschien

„Future Nostalgia / Club

Future Nostalgia“ von Dua

Lipa. Darauf findet sich auch

ein Remix der queeren Disco-

Größen von „Horse Meat

Disco“ und natürlich der Hit

mit Madonna.

Lohnt es sich denn? Ja! Denn

die 2CD-Version des Albums

„Future Nostalgia / Club Future

Nostalgia“ / das Vinyl-Remix-

Album „Club Future Nostalgia“

bringt dir alle aktuellen Hits

(„Hallucinate“ ...) der Sängerin

und zudem ausgefallene und

genreübergreifende Remixe

angesagter DJs und Producer.

Unsere Anspieltipps sind

„Love Again (Horse Meat Disco

Remix)“, „Boys Will Be Boys

(Zach Witness Remix“, „Levitating

(The Blessed Madonna

Remix) [feat. Madonna & Missy

Elliott]“ sowie „Physical (Mark

Ronson Remix) [feat. Gwen

Stefani]“. Ein klasse DJ-Mix,

der dein Zuhause zum Studio

54 macht. Hui!

ÜBER HORSE MEAT DISCO

Seit 2009 bereicherte die

Disco- und High-Energy-Party

Horse Meat Disco das Partyleben

Berlins. Ursprünglich

gestartet ist die queere Party

mit dem Fokus auf Klubmusik

der 1970er- und 1980er-

Jahre (also eher kein ABBA,

dafür Patrick Cowley) im Jahr

2003 in London. Während der

noch andauernden Corona-

Pandemie erschien unlängst

auch eine eigene Platte („Love

And Dancing“) der queeren

Bartjungs. *rä

AB DEM 26. FEBRUAR

ERHÄLTLICH ALS CD JEWELCASE UND DIGITAL

MUSIK

CHILL-OUT

„Let’s get happy and let’s be gay“

Endlich kann man mal den Refrain

dieser Eurovision-Song-Contest-

Perle aus dem Jahr 2003 verbraten.

Und so platt er auch ist, dieser Pop-

Schlager von Lou und Ralph Siegel

trägt eine kleine Weisheit in sich.

Sei glücklich.

Immerzu darüber nachzudenken, dass man auf Kurzarbeit

ist, dass die Kosten steigen, dass Freunde um ihre Existenzen

bangen, dass man seine Liebsten nicht sehen kann, das

macht Angst. Und Angst lähmt. Stattdessen sollte man es

zulassen, sich bewusst dazu motivieren, das Schöne im kleinen

Normalen zu sehen. Das kleine Glück im Alltag eben. Das kann

ein Spaziergang im Park sein (Enten dabei bitte nicht füttern,

Brot ist nicht gut für sie und die angelockten Ratten fressen die

Reste am Ufer und vermehren sich ...), ein gutes Buch, Yoga, ein

Treffen unter freiem Himmel mit einem lieben Menschen oder

auch eine Pizza mit dem/der Liebsten.

Und Musik. Ganz egal ob Pop, Dancefloor, Rock oder auch Chillout,

Hauptsache du schaltest mal ab vom Stress. Wer entspannt

ist, hat weniger Angst, sieht die Perspektiven im Dickicht der

Anforderungen und Erwartungen, entdeckt das versteckte

Gute im Dschungel der Corona-Pandemie-Regeln. Der Musiker

Liam Thomas veröffentlichte unlängst sein aktuelles Stück

„Goodbye“ beim Schwarzwälder Label SINE MUSIC. Ein sehr, sehr

gechilltes Musikstück mit entspannten Pianoklängen und einem

unaufdringlichen Dance-Beat. Weniger hämmernd als damals bei

Robert Miles, aber nicht weniger antreibend. Und ein bisschen

Antrieb in der Corona-Angststarre tut doch gut, oder? *rä

www.sine-music.com


MUSIK

FOTO: ALEX WAESPI

NACHGEFRAGT

LONDON GRAMMAR:

„Ich lege nicht allein den künstlerischen Kurs fest“

Die Sängerin Hannah Reid ist

erfreulich unprätentiös. Für das

Video-Interview hat sie sich

nicht großartig gestylt. Sie sitzt

ganz lässig in Jeans und Sweatshirt bei

sich zu Hause in London und redet völlig

unaufgeregt über das neue Album ihrer

Band London Grammar, das „Californian

Soil“ heißt.

Alle Songs seien bereits vor der Pandemie

entstanden, erklärt sie. Somit greifen sie

keine Themen wie Isolation in Zeiten von

Corona auf, sondern rücken Feminismus

in den Mittelpunkt. Das kommt nicht von

ungefähr – Hannah Reid will als Frau im

Musikgeschäft endlich ernst genommen

werden. Deswegen hat sie sich zur

Bandleaderin erklärt. Wie haben der Gitarrist

Dan Rothmann und der Keyboarder Dominic

„Dot“ Major darauf reagiert? „Sie verstanden

sofort, worum es mir geht“, sagt die Britin.

„Ich möchte mehr Respekt von außen

bekommen.“ Das habe an den internen

Strukturen allerdings nichts geändert: „Ich

lege nicht allein den künstlerischen Kurs

fest. Als Gruppe setzen wir nach wie vor auf

Demokratie.“

Das zeigt sich zum Beispiel an dem Stück

„Talking“, das ursprünglich für die letzte

Platte „Truth Is a Beautiful Thing“ vorgesehen

war. Es machte damals nicht das

Rennen, weil es zu wenig Single-Potenzial

hatte. Damit konnte sich Hannah Reid aber

nicht abfinden. Sie kramte die Demoversion

wieder hervor und entschied einvernehmlich

mit ihren beiden Mitstreitern, diese Nummer

zu vollenden. „Den Klavierpart hat Dot

tatsächlich binnen weniger Sekunden

komponiert“, schwärmt

Hannah Reid. „Er ist wirklich

ein unglaublicher Pianist.“

Das Ergebnis kann sich

durchaus hören lassen:

„Talking“ verzaubert als

hinreißende Ballade. „Als

ich den Text schrieb“, führt

Hannah Reid aus, „war ich

irgendwie paranoid. Ich

brauchte nach zahlreichen

Auftritten jemanden, der mich erdete.“

So entstand ein Liebeslied, in dem die

31-Jährige ihre Bedürfnisse auf den Punkt

bringt. Bei ihr kommt Feminismus eben eher

auf Samtpfoten daher. Mal offenbart sie

ihre Sehnsüchte, mal sagt sie emotionalem

Missbrauch in einer Beziehung den Kampf

an, der Titelsong „Californian Soil“ wiederum

handelt davon, die Kontrolle über das eigene

Leben zu gewinnen. Wenn sich Hannah

Reids glasklarer Gesang bei diesem Lied

über sphärischen Trip-Hop legt, klingt das

traumhaft schön.

So pendeln London Grammar immer wieder

zwischen handgemachter Musik und elektronischen

Passagen. Bei „Missing“ vereinigen

sich pluckernde Beats mit Streichern.

Inhaltlich tanzt diese Nummer jedoch ein

bisschen aus der Reihe. Sie erzählt davon,

wie sich einige Musiker*innen im Sumpf aus

Drogen und Alkohol verlieren. „Als ich mir

Dokumentationen über Amy Winehouse,

Whitney Houston oder Avicii

ansah, habe ich geweint“,

offenbart Hannah Reid. „Ihre

Schicksale sind absolute

Tragödien.“ Sie selbst

scheint zum Glück nicht

Gefahr zu laufen, aus der

Spur zu geraten: „Während

einer Tournee würde ich

mich niemals betrinken.

Ich hätte Angst davor, dass

ich verkatert gar nicht meine volle Leistung

abrufen könnte.“

Apropos touren: Vermisst Hannah Reid

im Moment das Unterwegssein? Jein –

einerseits hat sie sich daheim ziemlich gut

eingerichtet, andererseits fehlen ihr die Fans:

„Ich sehne mich danach, mich emotional

mit Menschen zu verbinden, denen unsere

Musik wichtig ist.“ Dabei leidet sie vor

einem Konzert stets unter furchtbarem

Lampenfieber: „Ich habe zumindest die

leise Hoffnung, dass es mir vor zukünftigen

Gigs etwas besser gehen wird. Einfach weil

ich mit unserem neuen Album so glücklich

bin, dass das mein Selbstvertrauen stärkt.“

*Dagmar Leischow


NACHGEFRAGT

MUSIK

CHRISTOPHER Lund Nissen –

„die Welt zu einem besseren Ort machen“

Es dürfte schwerfallen,

Christopher Lund Nissen,

der sich als Sänger einfach Christopher

nennt, nicht zu mögen.

Souverän eröffnet er beim Video-

Interview das Gespräch, während

er sein Auto einparkt. Der Däne

ist wegen seines Umzugs gerade

ziemlich im Stress, zudem erwartet

seine Frau, das Model Cecilie

Haugaard, in wenigen Wochen ihr

erstes gemeinsames Kind.

Doch der 29-Jährige verliert trotzdem

nicht die Fassung, das ist wohl seiner

skandinavischen Gelassenheit geschuldet.

Hochkonzentriert redet er über sein

neues Album „My Blood“, dessen Namen

er mit Bedacht gewählt hat. Nach den

beiden Vorgänger-Alben „Closer“ und

„Under the Surface“ machte es für ihn

einfach Sinn, seine Fans noch näher an

sich heranzulassen: „Meine Stücke sind

jetzt persönlicher als jemals zuvor.“ Den

Titelsong hat er zum Beispiel seinem

Bruder gewidmet, um ihm zu zeigen, dass

Wasser dicker ist als Blut: „Was auch passiert,

ich werde immer für meinen Bruder

da sein“, verspricht Christopher. „Für ihn

bin ich überall lediglich einen Telefonanruf

entfernt.“

Solche Aussagen verpackt Christopher

in extrem eingängigen Pop mit elektronischen

Akzenten. Die Medien haben ihm

längst den Stempel „dänischer Justin

Biber“ aufgedrückt, ebenso suggeriert

seine äußere Erscheinung – blond,

schlank, gutaussehend – eine Verwandtschaft

mit dem US-Teenie-Star. Wie

Biber hat auch Christopher überwiegend

weibliche Fans, zumindest in Dänemark:

„In meiner Heimat kommen zu 80 Prozent

Mädchen zu meinen Auftritten.“ In

Peking dagegen vergöttert ihn die Gay-

Community: „Als ich dort ein Konzert gab,

war die Hälfte des Publikums männlich.

Meine chinesische Promoterin erklärte

mir daraufhin, ich sei bei Schwulen halt

beliebt.“ Solche Momente genießt der

gebürtige Kopenhagener, klar. Trotzdem

hat er nie den Bezug zur Realität verloren.

Er beobachtet kritisch, was um ihn herum

passiert. Mit der Ballade „Aiming“, die

er teilweise im Falsett singt, plädiert er

dafür, sich höhere Ziele zu stecken. Es

nervt ihn, wenn sich die Menschen vom

scheinbar perfekten Leben anderer auf

Instagram blenden lassen. „Es stimmt

nicht, dass das Gras auf der anderen Seite

immer grüner ist“, ereifert er sich. „Gras

grünt dort, wo man es wässert.“ Was er

damit meint: „Jeder sollte sich selbst im

Spiegel anschauen und sich fragen, wie er

die Welt zu einem besseren Ort machen

kann.“ Als Botschafter für die World Child

Cancer Foundation geht Christopher mit

gutem Beispiel voran. Mit dem Roten

Kreuz reiste er nach Syrien, um sich ein

Bild von der Situation vor Ort zu machen.

„Abgesehen davon versuche ich, ein guter

Sohn, Freund und Ehemann zu sein. Ich

will positive Energie ausstrahlen.“ Auch

der Klimawandel liegt ihm sehr am Herzen:

„Bereits in der neunten Klasse habe

ich eine längere Hausarbeit über die

globale Erwärmung geschrieben.“

Doch der

Klimaschutz

sollte nicht sein einziges Steckenpferd

bleiben. Als Christopfer zwölf war,

schenkte ihm seine Großmutter eine

Gitarre. Wie ein Besessener spielte er von

da an das Instrument bei sich zu Hause

in einem Kopenhagener Vorort, wo er sich

vor Kurzem ein eigenes Haus gekauft hat.

Den Talentwettbewerb in seiner Schule

gewann er gleich dreimal in Folge. Mit 15

begann er, eigene Songs zu schreiben. Mit

17 bekam er seinen ersten Plattenvertrag:

„Das war für mich ein Paradigmenwechsel.

Zum ersten Mal glaubte ich ernsthaft

daran, mit meiner großen Leidenschaft

Musik wirklich Geld verdienen zu können.“

*Dagmar Leischow


MUSIK

TIPP

FOTOS: JULIAN BURGUENO

MADISON BEER:

Autoaggression und Kunst

Die sozialen Medien sind für

Madison Beer wohl gleichermaßen

Fluch und Segen. Einerseits

entdeckte Justin Bieber ihre Version

von Etta James‘ „At Last“ bei You-

Tube und teilte sie auf Twitter. Das

bracht der Amerikanerin nicht nur

ungeheure Aufmerksamkeit, mit

Biebers Hilfe ergatterte sie gleich

ihren ersten Plattenvertrag.

Andererseits wird die Sängerin bei

Instagram oder TikTok – das Videoportal

hat sie inzwischen von ihrem Mobiltelefon

gelöscht, aus Selbstschutz – immer

wieder gemobbt. Sie sei zu schön, heißt

es zum Beispiel. Da habe sie wohl ein

bisschen nachgeholfen... Dabei sollte

man die volle Aufmerksamkeit lieber

auf ihre Musik richten, die 22-Jährige ist

nämlich ausgesprochen talentiert. Den

Beweis dafür liefert ihr Debütalbum.

Nicht ohne Grund nannte sie es „Life

Support“: Die kreative Arbeit am Album

war quasi der Rettungsanker, als Madison

Beer durch eine ziemlich dunkle Zeit ging.

Ihre Beziehung zerbrach, bei ihr wurde

eine Borderline-Persönlichkeitsstörung

inklusive Stimmungsschwankungen und

Autoaggressionen diagnostiziert, zeitweilig

hatte sie sogar Selbstmordgedanken, wie

sie in einem Interview mit dem Magazin

„The Face“ offenbarte.

Um dieses Tief zu überwinden, entschied

sich die auf Long Island geborene

Musikerin, die heute in Los Angeles lebt,

für eine Psychoanalyse. Dreimal pro

Woche ging sie zur Therapie und setzte

sich mit ihren tiefsten Empfindungen

auseinander, das half ihr, sich selbst besser

zu verstehen. Davon profitierte sie nicht

nur als Mensch, sondern auch

als Künstlerin. Madison Beer

begann, gnadenlos ehrliche

Lieder zu schreiben. In

der melancholischen

Ballade „Selfish“

bereut sie, sich auf

ihren egoistischen Ex

eingelassen zu haben.

„I bet you thought you

gave me real love“, singt

sie. „But we spent it all in

nightclubs.“ Im sphärischen

„Stained Glass“ offenbart sie ihre

Dünnhäutigkeit, der Satz „My skin is

made of glass“ spricht Bände. „Effortless“

pirscht sich ebenfalls auf Samtpfoten an.

In diesem Titel zieht Madison Beer die

Option in Betracht, den fiesen Schmerz

mit Tabletten zu betäuben. Wen diese

Stücke nicht berühren, der muss aus Stein

gemeißelt sein.

Offenheit ist das Charakteristikum, das

Madison Beer so unverwechselbar macht.

Sie setzt sich mit ihrem (Welt-)Schmerz

von der Konkurrenz im Mainstream-

Pop ab, hat aber ganz offensichtlich

auch nichts gegen ein bisschen Spaß

einzuwenden. „Baby“ – eine Harfe liefert

das Intro, kein Witz! – lockt mit groovigen

R'n'B-Beats auf den Dancefloor. „I look too

good to be in this bedroom without someone

to touch me like you do“, flötet die

Sängerin, die in diesem Song ausnahmsweise

die laszive Verführerin gibt.

Sie fühlt sich attraktiv und

selbstbewusst, das hört

man.

Das basslastige

„Follow the White

Rabbit“ wirkt

dagegen dunkel

und beängstigend,

fast schon

gespenstisch. So

nimmt Madison Beer

ihre Hörerschaft mit

auf eine Achterbahnfahrt

der Gefühle. Düsternis statt

Party. Längst hat sie weit mehr zu

bieten als ihr 13-jähriges Alter Ego, das

Coversongs bei YouTube einstellte. Wer

weltweit mehr als drei Milliarden Streams

verzeichnen kann – ein Drittel davon für

die EP „As She Pleases“ (2018) –, der

ist auf dem Weg nach ganz oben. 2019

übernahm Madison Beer die komplette

Kontrolle über ihr kreatives Umfeld.

Sie schreibt und produziert ihre Lieder

selbst. Mit diesem Konzept dürfte diese

unglaublich talentierte Künstlerin künftig

für Furore sorgen. *Dagmar Leischow


COMEBACK

Amanda Lear „More“

Amanda Lear kündigt für den

Frühling ein neues Album an:

„More“. Es ist das erste Studioalbum der

queeren Sängerin seit „Let Me Entertain

You“ 2016.

In ihrer seit Jahrzehnten andauernden

Karriere hat Amanda Lear musikalisch

schon so ziemlich alles ausprobiert:

Disco, Eurodance, Balladen, Pop-Rock

und auch House. Und nicht nur in der

Musikwelt war die ewige Schönheit

vielseitig interessiert.

Amandas Karriere startete in den

1960ern als Model (sie lief während

ihrer aktiven Zeit unter anderem für Karl

Lagerfeld und Jean Paul Gaultier), etwa

in der selben Zeit traf Amanda Lear auf

den Maler Salvador Dalí und wurde seine

Muse. Bis heute malt sie hoch gehandelte

Werke. Ihren großen Durchbruch

hatte Amanda dann als Sängerin von Hits

wie „Queen of China-Town“ (Platz 2 in

Deutschland), „Tomorrow“ (Platz 1 in ihrer

Wahlheimat Italien), „Love Your Body“

(Top 30 Belgien) und natürlich „Follow

Me“ (ein europaweiter Top-10-Hit). Seit

den 1980ern konzentrierte sie sich vor

allem auf ihre TV-Karriere, veröffentlichte

aber sporadisch Musik, die auch immer

irgendwo auf der Welt chartete. Wir

sind gespannt, wie das neue Album

klingen wird, vorab zu hören gab es bei

Redaktionsschluss noch nichts. *rä

www.amandalear.com

ROCK

Die Könige sind zurück

Lange mussten wir auf ein neues Album der

Kings of Leon warten, im März ist es soweit:

„When You See Yourself“ erblickt das Licht der

Welt. Einmal mehr beweist das Quartett dabei,

dass es sich weder scheut, Genres zu mischen,

noch große Melodien mit harten Texten zu paaren.

Unsere Anspieltipps sind „100,000 People“

und „The Bandit“. *rä

POP

„Anders als geplant“ von

Marcella Rockefeller

Deutschlands musikalischste Dragqueen,

veröffentlicht im März ihr erstes

Album „Anders als geplant“.

Für Marcella waren Peter Plate und Ulf

Sommers Kompositionen (Rosenstolz)

der Soundtrack ihrer Jugend und für

Peter Plate war Marcellas Stimme und

ihre zutiefst menschliche Haltung so

bewegend, dass aus einem geplanten

Abenteuer für ein Lied nun ein ganzes

Album entstand.

Aufgenommen zwischen wiederkehrendem

Lockdown in Köln, Hannover

und Berlin, eingespielt von fantastischen

Musikern voller Spielfreude, entstand

ein Klang zwischen Rio Reiser,

Carole King und dem Augenzwinkern

einer Lady Gaga. Marcella singt nicht

nur – sie bettelt, fleht, seufzt, schreit

und immer geht es um alles.


KUNST

NACHGEFRAGT

Marcus Günthers „Muster“

Im Frühling stellt der Düsseldorfer

Künstler seine Linolschnitte in der

Ausstellung „Muster“ aus. Wie der Name

der Ausstellung schon verrät, setzt sich

der 1967 Geborene darin mit „der Begrifflichkeit

des Musters im weitesten Sinne“

auseinander. Wir fragten nach.

Was schätzt du am Linolschnitt?

Ich schätze die expressive Intensität, die

durch unterschiedliche Bearbeitungsmethoden

in der Linolplatte entstehen kann.

Durch die scharf kontrastierenden Flächen

kann ich mithilfe des Linolschnitts einen

comichaften gesteigerten scheinbaren

Realismus schaffen, der meine Bild-

Behauptung unterstreicht, und das macht

den Linolschnitt für mich als Ausdrucksform

attraktiv.

Ist er dir gerade als Ausdrucksform

sogar lieber als die Malerei?

Der Linolschnitt ist nur einer meiner

künstlerischen Formulierungen; es ist eben

nur eine andere, aber beide Ausdrucksformen

beeinflussen sich immer auch

gegenseitig.

Du machst auch mitunter recht

explizite Kunst, geht das immer

problemlos?

Das geht nicht immer problemlos, aber

meine Aufgabe als Künstler ist es eben,

den Betrachter mit meinen Darstellungen

zu konfrontieren, Fragen aufzuwerfen und

zum Nachdenken anzuregen.

Wie betrifft dich als Künstler die

Pandemie gerade?

Außer einer geplatzten Ausstellung infolge

des Lockdowns und den damit weggebrochenen

Verkaufseinnahmen betrifft mich

diese Pandemie nicht – ich arbeite weiter

wie bisher. Ich mache mir aber ernsthafte

Sorgen um die Vielfalt von Kunst und Kultur.

Mitzuerleben, wie ein systemrelevanter

Bereich von der Politik vernachlässigt wird,

ist in unserer sogenannten Kulturnation

beschämend.

*Interview: Michael Rädel

5. – 20.3., Marcus Günther „Muster“,

Atelier MG, Prinz-Georgen-Str. 40,

Düsseldorf


BILDBAND

WOLFGANG TILLMANS –

30 Jahre in einem Band

„Das erste Buch entstand aus einer

wissenden Unschuld heraus. Ich betrachtete

das Leben um mich herum mit der

Leidenschaft, unabhängig zu sein.“

Die Zeit der Jahrtausendwende ist uns

immer noch sehr präsent, etwa durch

weiterhin im Radio laufende, inzwischen

zu Evergreens gewordene Elektro-Pop-

Nummern, durch beständig populäre

Serien wie „Sex and the City“ oder damals

extremst populäre Stars wie Britney

Spears. Und in der TV-Landschaft gehört

nun das fest dazu, was damals Neuland

war: Trash-TV mit leidlich bekannten

Menschen. Eine spannende Zeit, die auch

von der Kunstwelt begleitet wurde. Bei

Wolfgang Tillmans war es die Kamera, die

ihm half, diese Phase als Kunst festzuhalten,

aber auch zu inszenieren, denn nicht

immer, wenn ein Bild aussieht wie ein

Schnappschuss, ist es einer.

Beim TASCHEN Verlag erschien anlässlich

des 40. Geburtstags des Verlags gerade

der Band „Wolfgang Tillmans. four

books – 40th Anniversary Edition“, der

seine bisherigen Bücher im ursprünglichen

Layout, aber ergänzt zusammenfasst.

„Mein Anspruch ist es, Bücher zu

machen, die von den unterschiedlichsten

Menschen in verschiedenen Ländern

mit ihren eigenen Augen gelesen und

aufgenommen werden und die es ihnen

ermöglichen, Bezüge zu ihrem eigenen

Leben herzustellen. Diese Bezüge finden

sich vielleicht nicht in jedem einzelnen

Bild, aber wenn ein Betrachter nachvollziehen

kann, wie etwas riecht, oder eine

Vorstellung davon bekommt, wie sich

etwas anfühlt, dann bin ich glücklich. Das

ist es, was letztlich Kunst ausmacht: unter

den Menschen ein Gefühl von Solidarität

zu erzeugen“, so der Künstler in einem

schriftlichen Interview mit dem Verlag.

Warum eine Art Remix seiner Bücher?

„An manchen Stellen habe ich Bilder

von damals eingefügt, und manchmal

konfrontiere ich ein neues Foto mit einem

20 Jahre alten, wie das Porträt von Neneh

Cherry aus dem Jahr 2018, deren Musik

ich wiederum 1993 viel gehört habe. Auch

die letzten Jahre bis 2020 sind vertreten,

sodass das Buch auch einen klaren Bezug

zur Gegenwart aufweist“, erklärt Tillmans.

Eine fotografische Zeitreise von den

1990ern bis in die Corona-Twenties.

Porträts von Freunden und Stars,

Alltagssituationen und Momente, die jetzt

vor allem mit ihrem Retro-Touch berühren,

einfach wunderbar. *rä

„Wolfgang Tillmans. four books –

40th Anniversary Edition“,

www.taschen.com


BUCH

RATGEBER

Freude trotz Sorgen

und Homeoffice

Die queeren Safe Spaces, die Klubs, die Bars, die Fitnessstudios

sind geschlossen, das Community-Leben ist runtergefahren,

jetzt zählen private Kontakte, Freundschaften und auch die Familie,

um nicht den Lebensmut zu verlieren.

FOTO: M. RÄDEL

Auch die Arbeitswelt

hat sich verändert: Statt

früherer relativer Sicherheit

geht nun die Angst um, den

Job zu verlieren. Und auch

wer eine sichere Arbeit hat,

muss im Homeoffice oder in der

Quarantäne auf lieb gewonnene

Bekannt- und Freundschaften im

Büroalltag verzichten. Man tippt und

telefoniert zu Hause vor sich hin, statt

zwischendurch mal einen kleinen Schwatz

mit dem Kollegen als Hirnentspannung

genießen zu können. Zumindest kann

man dann aber hoffen, dass es bald wieder

ein „neues Normal“ geben wird, dass man

wieder zusammen arbeiten und auch Spaß

und Austausch haben kann. Live, nicht nur

digital oder mit Abstand.

Was aber, wenn der Vorruhestand in greifbare

Nähe gerückt ist? Oder wenn man

das Arbeitsleben beendet hat? Wer keine

Haustiere hat, die neben all den kommenden

Arztbesuchen für einen geregelten

Tagesablauf sorgen, der hat vor allem

eines: Zeit. Viel Zeit. Keine Verpflichtungen,

aber auch weniger bis keine Kontakte.

Und immer ausschlafen ist auch keine

Lösung! Genau dieser Thematik nahm sich

Prof. Axel Beyer, Jahrgang 1950, in seinem

neuen Buch „Immer ausschlafen ist auch

keine Lösung“ an. Es sei ein „herzlich

gelassener Ratgeber über das Leben im

Ruhestand“, so der veröffentlichende

Verlag. Der Autor verrät augenzwinkernd:

„Seien Sie heiter, haben Sie Freude. Und

lassen Sie sich nicht ärgern, sondern ärgern

Sie zurück.“ In 28 Betrachtungen bereitet

uns der Autor auf den unausweichlichen

letzten Lebensabschnitt vor. Mit einer

Prise Witz, viel Wissen und viel Erfahrung.

„Der Kindergarten bereitet uns auf die

Schule vor, die Schule auf die Ausbildung,

die Ausbildung auf den Beruf. Und wer

bereitet uns auf die dritte Lebenshälfte

vor, auf den Ruhestand?“

Axel Beyer begann als Schauspieler und

Regisseur, 1983 wechselte er zum Fernsehen

und blieb diesem Medium in leitenden

Positionen beim SFB, dem WDR und dem

ZDF bis 2009 treu. Als Programmdirektor

der Endemol Deutschland Holding

und als Chefproducer bei Kirch Media

Entertainment prägte er auch den privaten

Fernsehsektor. Der Buchautor ist Leiter

der Media School Köln an der Hochschule

Fresenius. Sein Buch „Immer ausschlafen

ist auch keine Lösung – Aufheiterungen

für die dritte Lebenshälfte von A bis Z“ von

Prof. Axel Beyer ist über 130 Seiten stark

und beim Verlag tredition erschienen. *rä

BILDBAND

Das Buch zum Tom

Der bekannte Fotograf Henning von Berg

ist einer der Männer, die an dem neuen

Buch über DEN „Leder-Fetisch-Zeichner“

überhaupt beteiligt sind.

Das Buch „Made in Germany – Tom of

Finland“ konzentriert sich auf die besondere

Beziehung von Tom of Finlands beispielloser

Karriere in einer damals noch extrem

homophoben Welt und Deutschland.

Zudem ist es eine Art Richtigstellung, wie

Henning von Berg verrät: „Frühere Bücher

hatten einfach immer falsche Informationen

aus früheren Veröffentlichungen kopiert

und eingefügt. Aber falsche Behauptungen

und falsche Schlussfolgerungen werden

durch wiederholte Wiederholungen nicht

wahrer“, so der Künstler. „Für diesen

brandneuen Band forschten die Kuratoren

Juerg Judin und Pay Matthis Karstens und

ihr hoch motiviertes Team in verschiedenen

Städten. In Privatsammlungen fanden sie

verschiedene Kunstwerke, von denen angenommen

wurde, dass sie verloren gingen.

Bisher unbekannte Fakten über Toms frühe

Werke und seine allererste Ausstellung im

Revolt Shop wurden korrigiert. Gerüchte und

Wahrheiten über das, was 1976 in Hamburg

geschah, können nun endlich plausibel

erklärt werden.“ Ein wichtiges Buch, ein

erotisches Kunstbuch und zudem ein ganz

wunderbares Geschenk. *rä

Das Buch „Tom of Finland – Made in

Germany“ ist 200 Seiten stark und

25 x 30 x 26 cm groß.

www.galeriejudin.com


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BUCH

BILDBAND

Glieder, Schwänze, Dödel. Kunst!

Rund 100 erigierte Glieder sind in dem außergewöhnlichen

Bildband „Human Behind the

Penis“ äußerst kunstvoll und nicht pornografisch

versammelt.

Jonas Norén nährte sich dem „besten Stück“

des Mannes mit Raffinesse und ohne falsche

Scham, herausgekommen ist ein Buch, für das

man sich nicht schämen muss. „Indem das

Buch eine Vielfalt von Penissen zusammen mit

ihrer eigenen, sehr persönlichen Geschichte

zeigt, schafft es ein sehr intimes Gefühl und

trägt dazu bei, das Selbstwertgefühl bei denen

zu stärken, die sich in Bezug auf ihre eigenen

Penisse unsicher fühlen“, verrät der Künstler

über den Band. „Human Behind the Penis“ sei

„ein wunderschönes und verschwenderisches

Fotobuch, das als Vorbild für diejenigen

dienen soll, die in Körperkunstfotografien

im Allgemeinen nicht dargestellt werden“.

Denn außerhalb der Welt der Vollerotik ist der

steife Schwanz selten zu sehen. Meist soft,

im Schatten oder verdeckt – das männliche

Geschlechtsteil ist nicht gerade im Fokus der

Kunstwelt, ganz anders als die weibliche Brust,

ganz anders, als es etwa in der Antike üblich

war. „Mit dem Buch wollte ich viele verschiedene

Arten von erigierten Penissen zeigen, die

alle auf ihre Weise schön sind“, so Jonas Norén.

Es geht aber nicht nur um das Glied!

Der Schwede arbeitete seit 2015 an dem

Buch, reiste nach Spanien, Dänemark,

Deutschland und auch in die USA. Sein Buch

erzählt Geschichten von Männern, die auch

Schweres erlebt haben. Sie bleiben aber

anonym. Fast. *rä

www.humanbehindthepenis.com

ROMAN

Paolo, der Empath

Ein packendes und auch sexuell aufgeladenes

Buch, das sich nur an Erwachsene

richtet. Science-Fiction-Krimi mit starker

Erotik, die durch Worte, nicht durch Bilder

erzeugt wird.

„Meine Geschichten enthalten Elemente aus

(Hard) Science Fiction, Krimi, Thriller, Wissenschaft

und klassischem Liebesroman“, so

Mike Gorden über seine Kunst und sein Buch

„EMPATH“. Erzählt wird von Paolo Costa (19),

der einst von Martin aus einer psychiatrischen

Klinik befreit wurde und seitdem für seinen

Befreier als Escort arbeitet. Was Paolo besonders

macht, ist seine Fähigkeit, die Gefühle

anderer zu spüren, ohne mit ihnen zu sprechen.

Und von Kommissar Torsten Jäger, der

nach Vermissten sucht und auf Paolo stößt.

„Die Geschehnisse in dieser Geschichte sind

fiktiv; die handelnden Personen sind frei

erfunden. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen

Geschehnissen oder Personen wäre rein

zufällig. Die Geheimgruppen ‚Moíra‘ und das

‚Konsortium‘ existieren ebenfalls nicht, auch

wenn da einige Verschwörungstheoretiker

insbesondere beim Konsortium anderer

Meinung sein mögen“, so der Bremer Autor.

„Meine Protagonisten Mark und Stefan,

Andreas, Torsten und vor allem Paolo habe

ich so liebgewonnen, dass ich mir wünsche,

sie würden wirklich existieren und ich könnte

gelegentlich etwas Zeit mit ihnen verbringen.

Mit den Jungs um die Häuser ziehen oder mit

Paolo ... nein, das führt jetzt zu weit.“ *rä

www.mikegorden.de

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ROMAN

Schwudenten, Coming-out und Big Jim

FOTO: LAURA WESTERMANN PHOTOGRAPHY

Der neue Roman von Rainer Vollath hat das

Zeug dazu, den Leser gut zu unterhalten und

bestens durch den Frühling zu bringen.

Wenn der Alltag zu belastend wird, dann hilft

Lesen. Und besonders Romane, die so ungewöhnlich

und queer sind wie dieser aktuelle

des Autors aus Bayern. In der autobiografischen

(!) Coming-of-Age-Geschichte „Erinnerung an

eine Unsichtbare“ erzählt der auch malende

Autor von Matthias, der sein Coming-out auf

dem Land hat, später in München und auch in

Paris lebt. An seiner Seite: die magersüchtige

Sandrine, die ihm wichtig ist, die er aber, im

Gegensatz zu der Puppe Big Jim, unsexy findet.

Er ist ja auch schwul – und zudem steckt

Matthias durchweg in verkorksten Beziehungen

und politischen Debatten, immerhin

ist er in der schwulen Hochschulgruppe „Die

Schwudenten“.

Das 400 Seiten starke Taschenbuch

„Erinnerung an eine Unsichtbare“ ist eine

queere Zeitreise von den 1970ern bis zur

Jahrtausendwende. Besonders interessant wird

es, wenn man den autobiografischen Aspekt im

Hinterkopf hat. Ein schönes Geschenk! *rä


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