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wir.einander e.V. • Presseartikel BUSMAGAZIN

Ein sehr schöner Bericht über die Arbeit unseres Vereines erschien im April 2016 in der touristischen Fachzeitschrift BUSMAGAZIN. Über diese tolle Berichterstattung freuen wir uns ganz besonders! Herzlichen Dank an Dirk Sanne!

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Management<br />

Unternehmen<br />

w i r. e i n a n d e r e . V.<br />

Spende statt Trinkgeld<br />

Dem Großteil der Menschen in Deutschland geht es gut, doch die Zahl<br />

derer, die vom kulturellen Leben der Gesellschaft ausgeschlossen sind,<br />

wächst. Vor diesem Hintergrund hat Michael Schwinge, Geschäftsführer<br />

der Kultour&Natour Touristik GmbH in Dormagen, zusammen mit Gleich -<br />

gesinnten den Verein <strong>wir</strong>.<strong>einander</strong> gegründet.<br />

Wenn der Geschäfts -<br />

führer eines kleinen<br />

Reiseveranstalters bisweilen<br />

während der Touren des<br />

Unternehmens auch als Reise -<br />

leiter fungiert, dann entsteht<br />

unter den Gästen oftmals<br />

eine Diskussion um die<br />

Frage, ob denn der Chef zum<br />

Abschluss auch ein Trinkgeld<br />

erhalten soll. So zumindest<br />

die langjährige Erfahrung<br />

von Michael Schwinge, Ge -<br />

schäftsführer der Kultour&<br />

Natour Touristik (K&N),<br />

einem Spezialanbieter für<br />

Themen-, Gruppen- und<br />

Nordland-Reisen mit starkem<br />

Fokus auf kulturelle Erlebnisse:<br />

„Als Reiseleiter be -<br />

kommt man diese Dis kus -<br />

sio nen, die ich immer als<br />

unangenehm empfunden<br />

habe, natürlich mit. Irgendwann<br />

kam ich auf die Idee,<br />

diese Thematik zu vermeiden,<br />

indem man potenzielle Trinkgelder<br />

von vorneherein für<br />

einen guten Zweck bestimmt.“<br />

Kontakt Der Verein<br />

Den ersten Versuch startete<br />

er 2001. Ziel war es, eine<br />

500 Jahre alte Christopherus-<br />

Figur aus dem Museum<br />

Schnütgen restaurieren zu<br />

lassen – dem Museum fehlte<br />

dafür das Geld. Die dafür<br />

benötigten 6 000 DM<br />

kamen innerhalb von nur<br />

zwei Monaten zusammen.<br />

Motiviert durch diesen Erfolg<br />

Wer mehr über die Arbeit und die Projekte des Vereins <strong>wir</strong>.<br />

<strong>einander</strong> erfahren möchte, findet unter www.<strong>wir</strong><strong>einander</strong>.de<br />

sowie auf der Facebook-Seite von <strong>wir</strong>.<strong>einander</strong> e.V. zahl -<br />

reiche Infos – und natürlich auch eine Bankverbindung<br />

wurden im Lauf der Jahre<br />

weitere Spendenprojekte<br />

gestartet. Mal ging es darum,<br />

Kindern mit Migrations -<br />

hintergrund Zugang zu Bildung<br />

und Bildungserlebnissen<br />

zu verschaffen, indem<br />

gemeinsam eine Kathedrale<br />

besucht oder eine Kulturreise<br />

unternommen wurde. Mal<br />

um die Unterstützung einer<br />

Familie mit vier Kindern, die<br />

plötzlich ihren Vater verloren<br />

hatten. Andere Spendenzwecke<br />

waren wiederum private<br />

Projekte, bei denen es um die<br />

Erhaltung von Kulturgütern<br />

ging.<br />

„Unsere Kunden spendeten<br />

für all diese Zwecke so<br />

enorm großzügig, dass ich<br />

schon Angst hatte, irgendwann<br />

käme der Verdacht auf,<br />

ich könnte das Geld in die<br />

eigene Tasche stecken“, erinnert<br />

sich Schwinge. „Aus<br />

diesem Grund habe ich 2009<br />

gemeinsam mit langjährigen<br />

Kunden bzw. Freunden einen<br />

Verein gegründet, der dem<br />

Ganzen eine Form und auch<br />

ein Kontrollgremium gibt.“<br />

22 <strong>BUSMAGAZIN</strong> 5/2016


Unternehmen<br />

Management<br />

t In Amiens ist Michael Schwinge als Reiseleiter<br />

für Kinder in seinem Element Foto: <strong>wir</strong>.<strong>einander</strong> e.V.<br />

Dabei hat sich der <strong>wir</strong>.<strong>einander</strong><br />

zwei Dinge auf die Fahne<br />

geschrieben: Zum einen, kulturelles<br />

und historisches Erbe<br />

zu bewahren, und zum anderen,<br />

dasselbe zu vermitteln.<br />

Und zwar kulturpädagogisch<br />

sozusagen als „kulturelle<br />

Tafel“.<br />

Das Portfolio der bislang<br />

erfolgreich umgesetzten<br />

Aktionen erstreckt sich dabei<br />

quer durch Kulturen und<br />

Nationalitäten. Über kulturelle<br />

Erlebnisse durften sich<br />

vom Elbtal-Hochwasser<br />

betroffene Kinder ebenso<br />

freuen wie von Altersarmut<br />

betroffene Senioren und seit<br />

Oktober 2015<br />

auch Flüchtlinge.<br />

„Wir<br />

sind mit<br />

Flüchtlings -<br />

familien aus<br />

Dormagen nach Kommern<br />

ins Freilichtmuseum gefahren.<br />

Mit 35 jungen Männern<br />

ging es zum Weihnachtsmarkt<br />

nach Bonn und an -<br />

schließend ins Haus der<br />

Geschichte “, erzählt<br />

Schwinge. „Einen zweiten<br />

Ausflug gab es zur Zeche<br />

Zollverein. Es geht einfach<br />

darum, dass die Asyl -<br />

suchenden einmal etwas<br />

anderes zu sehen bekommen<br />

als nur ihre Flüchtlingsunterkunft.<br />

Eine afghanische Frau<br />

sagte mir z. B. nach einem<br />

Die Spendenaktionen<br />

reichen von<br />

Bildungsprojekten bis<br />

zur Nothilfe<br />

solchen Ausflug, es sei mit<br />

Abstand der schönste Tag<br />

ihres Lebens gewesen, seit<br />

sie ihr Land vor drei Jahren<br />

verlassen habe.“<br />

Einen wichtigen Aspekt der<br />

Vereinsarbeit stellt aber auch<br />

die Unterstützung von kul -<br />

turellen Projekten dar. Beispielsweise<br />

hat <strong>wir</strong>.<strong>einander</strong><br />

in den vergangenen Jahren<br />

bereits die Mittel zur Verfügung<br />

gestellt, um fünf mittelalterliche<br />

Handschriften aus<br />

dem eingestürzten Kölner<br />

Stadtarchiv restaurieren zu<br />

lassen. Und auch die Hälfte<br />

der Fresken im koptischen<br />

Kloster Brenkhausen an der<br />

Weser wurde<br />

vom Verein<br />

gestiftet.<br />

„Unsere<br />

kultur -<br />

begeisterten<br />

Reisegäste sind immer wieder<br />

gerne bereit, solche<br />

Aktionen zu unterstützen“,<br />

berichtet Schwinge aus der<br />

Erfahrung der vergangenen<br />

Jahre. „Indem <strong>wir</strong> diese Art<br />

von Projekten meist in Verbindung<br />

mit Zielen durchführen,<br />

die <strong>wir</strong> im Rahmen<br />

unserer Reisen auch besuchen,<br />

ist das eine schöne<br />

runde Sache.“<br />

Dabei gestaltet sich mittlerweile<br />

auch das Einsammeln<br />

der Spenden denkbar einfach:<br />

Mit jeder Reiseunterlage<br />

p Aktuelles Projekt von <strong>wir</strong>.<strong>einander</strong> ist die finanzielle Unterstützung<br />

der Wiederherstellung des einsturzgefährdeten „Monument Allemand“<br />

(Sedan). Hierbei handelt es sich um das einzige in Frankreich erhaltene<br />

deutsche Großdenkmal aus der Zeit des 1. Weltkriegs Foto: Sanne<br />

schickt<br />

die K&N den<br />

Kunden einen<br />

Umschlag mit, auf dem es die<br />

Möglichkeit gibt, den Zweck<br />

für das dort hinein gelegte<br />

Geld zu bestimmen – ob nun<br />

für den Busfahrer, den Reiseleiter<br />

oder den Verein. „Das<br />

Ganze ist natürlich anonym,<br />

so dass sich niemand verpflichtet<br />

fühlen muss“,<br />

betont Schwinge. „Aber ich<br />

muss sagen: Sowohl für<br />

unsere Kunden als auch für<br />

mich persönlich ist es zutiefst<br />

befriedigend, solche Dinge zu<br />

ermöglichen.“<br />

Sein nächstes Ziel: Mit dem<br />

deutsch-französischen Projekt<br />

„Sedan – Versöhnung<br />

über den Gräbern“ möchte<br />

der Verein mindestens 10 000 €<br />

sammeln, um die Franzosen<br />

bei der Restaurierung des<br />

deutschen Soldatendenkmals<br />

in Sedan zu<br />

unterstützen.<br />

Dabei handelt<br />

es sich um ein<br />

Monument mit dorischen<br />

Säulen, das 1915 von deutschen<br />

Truppen auf dem Friedhof<br />

Saint-Charles errichtet<br />

wurde.<br />

Sedan diente damals als<br />

Lazarettstadt hinter der<br />

Front. Zwischen den beiden<br />

Weltkriegen wurden zwar<br />

die sterblichen Überreste der<br />

Soldaten auf den deutschen<br />

Soldatenfriedhof im nahen<br />

Noyers-Pont-Maugis umgebettet,<br />

das Bauwerk auf dem<br />

Friedhof aber blieb bestehen<br />

– und wurde dem Verfall<br />

überlassen. Und da der<br />

Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge<br />

aufgrund der<br />

Umbettung der Soldaten<br />

satzungsbedingt hier nicht<br />

helfen darf, ist es für Michael<br />

Auch im Kleinen lässt<br />

sich etwas be<strong>wir</strong>ken<br />

p Eine von fünf mittelalterlichen<br />

Handschriften aus dem eingestürzten<br />

Kölner Stadtarchiv,<br />

die durch Mittel des Vereins<br />

restauriert werden konnten<br />

Schwinge umso wichtiger,<br />

privates Engagement zu zeigen<br />

und die Restaurierung<br />

nicht allein zu Lasten der<br />

Franzosen gehen zu lassen.<br />

Schließlich ist es eines der<br />

letzten, auf französischem<br />

Boden verbliebenen deutschen<br />

Denkmale.<br />

„Mit meinem französischen<br />

Partner, mit dem ich die Reisen<br />

dort vor Ort organisiere,<br />

haben <strong>wir</strong> jetzt schon 5 000 €<br />

zusammen – aus dem Verein,<br />

der Partnerfirma und unserem<br />

Unternehmen“, ist<br />

Schwinge optimistisch. Im<br />

Rahmen der<br />

ITB 2016<br />

ist es ihm<br />

zudem<br />

gelungen, weitere französische<br />

Partner für das Projekt<br />

zu gewinnen, darunter<br />

Akteure aus den Regionen<br />

Nord-Pas-de-Calais und<br />

Champagne-Ardenne sowie<br />

der Hotelgruppe Accor.<br />

„Mein Ziel ist es, in diesem<br />

Jahr mit 30 Gästen nach Sedan<br />

zu fahren und dem Bürgermeister<br />

den Scheck über<br />

10 000 € persönlich vor diesem<br />

Monument zu übergeben.“<br />

Claudia Rothkamp<br />

Foto: <strong>wir</strong>.<strong>einander</strong> e.V.<br />

<strong>BUSMAGAZIN</strong> 5/2016 23

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