Magazin ZEITENWENDE Ausgabe 91

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ZEITENWENDE - das Magazin für gesundes Leben und neues Denken. Ausgabe 91: Sonderthema "Bewusst sein, bewusst handeln". Was ist Bewusstsein? Was ist "richtiges" Handeln? Weitere Themen: "Optimismus" und "Es ist kein Übel so groß wie die Angst davor". Das ZEITENWENDE Branchenbuch 2021. Viele Buchvorstellungen. Podcast Anne Abendstern.

SONDERTHEMA Bewusst sein, bewusst handeln

Der

beglückende

Tanz von

„aufwachen“

und „aufwachsen“

Verliert jemand das Bewusstsein, ist

er handlungsunfähig. Bewusstsein ist also eine

wichtige Voraussetzung für die Ausführung einer

Handlung. Aber, wie oft handeln wir tatsächlich

bewusst? Weniger als gedacht. Man nimmt an,

dass wir 90 % und mehr im Autopilot unterwegs

sind. Das Unterbewusstsein ordnet im Höchsttempo

Wahrgenommenes ein, beeinflusst unser

Denken und Fühlen, regelt Funktionen des Organismus

und Tätigkeiten, die gewohnheitsmäßig

ausgeführt werden. Würden wir jeden Schritt, jede

Kleinigkeit immer wieder aufs Neue überdenken,

wären wir völlig überfordert, nicht mehr aufnahmefähig

und schon gar nicht in der Lage, offen für

bewusste Entscheidungen zu sein.

Wie sieht es nun mit den restlichen Prozenten

aus? Ist bewusstes Handeln immer „richtig“?

Nein, denn wir wissen, dass es Menschen gibt,

die bewusst „falsch“ handeln. Und sogar, wer

sich absolut sicher ist, eine gute Entscheidung zu

treffen, erkennt mitunter im Nachhinein, dass er

einen Fehler begangen hat. Doch nach welchen

Kriterien unterscheiden wir, was falsch und was

richtig ist? Und machen wir es uns mit einer derart

simplen Unterscheidung nicht zu leicht? Was

sich nach Haarspalterei und Schwarz-Weiß-Denken

anhört, ist durchaus wichtig. Gehen wir der

Sache auf den Grund.

Das Mysterium

Zuallererst gilt es zu klären, was im Allgemeinen

unter dem Begriff Bewusstsein verstanden wird.

Und schon beginnen die Probleme. Denn Bewusstsein

lässt sich nur schwer (be)greifen. Philosophen,

Psychologen, Weisheitslehrer, Geistliche

und Naturwissenschaftler versuchten und versuchen

auf unterschiedlichen Wegen das Mysterium

Bewusstsein zu entschlüsseln und kommen zu zum

Teil abweichenden Definitionen, vertreten konträre

oder unbefriedigende, weil unvollständige

Meinungen. Bereits die Ausgangsfrage gibt eine

bestimmte, eingeschränkte Richtung der Erforschung

vor: Ist Bewusstsein schon immer da oder

wird es vom Gehirn erzeugt? Ist Bewusstsein dem

Menschen vorbehalten,

ein Synonym für Geist

und Seele oder gar eine

Illusion? Wird künstliche

Intelligenz bald Bewusstsein

entwickeln? Viel

Diskussionsstoff. Bleibt

die Erkenntnis: Nur mit

„Bewusstsein selbst

ist kein Phänomen,

sondern der Raum,

in dem Phänomene

auftauchen.“ Ken Wilber

vielfältigen Sichtweisen kann es gelingen, dem

Bewusstsein auf die Schliche zu kommen. Dazu

benötigt es Klarheit, Wachheit, Wissen und Bewusstsein.

Bewusstsein, das Bewusstsein erforscht.

Also sich selbst.

Ein relativ neuer theoretischer Rahmen, der

die Erkenntnisse diverser Disziplinen und Weltanschauungen

umfassend miteinander vereint,

ist der Integrale Ansatz, der u. a. vom interdisziplinären

Denker Ken Wilber vertreten wird. Der

Integrale Ansatz soll uns als Instrument dienen,

die vielfältigen Sichtweisen von Bewusstsein unter

einen Hut zu bringen. Wir werden dabei den Fokus

auf die spirituelle Entwicklung des Menschen

richten und das große Ganze im Auge behalten.

„Bewusstsein selbst ist nicht etwas, sondern

der Grad an Offenheit oder Leerheit, die Lichtung

...“, erklärt Wilber. Der Psychologe und Bewusstseins-Theoretiker

Allan Combs spricht von einem

dimensionslosen Feld, „einem scheinbar unendlichen

Urgrund, der hinter aller Erfahrung hervorlauert

und sie durchdringt.“ Und führt weiter aus,

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