Magazin ZEITENWENDE Ausgabe 91

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ZEITENWENDE - das Magazin für gesundes Leben und neues Denken. Ausgabe 91: Sonderthema "Bewusst sein, bewusst handeln". Was ist Bewusstsein? Was ist "richtiges" Handeln? Weitere Themen: "Optimismus" und "Es ist kein Übel so groß wie die Angst davor". Das ZEITENWENDE Branchenbuch 2021. Viele Buchvorstellungen. Podcast Anne Abendstern.

SONDERTHEMA Bewusst sein, bewusst handeln

Der

beglückende

Tanz von

„aufwachen“

und „aufwachsen“

übereinandergeschichteten, ineinandergreifenden,

aufsteigenden Stufen besser veranschaulichen)

Bewusstseinsebenen nennen, sind nicht direkt

über Meditation erfahrbar. Wollen wir etwas über

unsere eigenen Strukturen/Ebenen herausfinden,

braucht es einen wachen Blick von außerhalb.

Den wir einnehmen können, wenn wir ein wenig

zur Seite treten und uns selbst, unsere Gedanken,

Gefühle, Vorstellungen, Muster, Handlungen unvoreingenommen

betrachten und untersuchen.

Eine gute Übung. Doch

da wir uns selbst gegenüber

niemals völlig

objektiv sein können,

kommen wir nicht aus

„Sei einfach

bewusst. Das ist

alles, was du zu tun

hast.“ Krishnamurti

ohne Beobachtungen

und Hinweise von anderen,

ohne systematische Analysen (vieler Probanden)

– ein Fachgebiet von Psychologie und

wissenschaftlicher Forschung.

Was haben die Fachleute festgestellt? Während

wir wachsen und reifen, verändern sich die

Muster unseres Denkens, unserer kognitiven (und

anderer) Fähigkeiten, mithilfe derer wir uns selbst

und unsere Umwelt bewusst wahrnehmen. Muster,

Strukturen, die unsere Realtität, unsere Weltsicht,

unsere Selbsteinschätzung prägen und unsere

Handlungen bestimmen. Wilber benennt neben

der kognitiven viele weitere Fähigkeiten (Talente,

Intelligenzen), kurz (Entwicklungs-)Linien genannt,

die diese Veränderung durchlaufen. Kognitive Fähigkeiten

sind wichtig und zielführend für bewusste

Wahrnehmung. Dennoch erschließt sich Erkenntnis

nicht nur über den Geist, sondern auch über

Gefühle (emotionale Linie), Begegnung (zwischenmenschliche

Linie), Einordnung von Verhalten

(moralische Linie) u. a. m. Alle Linien entwickeln

sich zu/über Bewusstseinsebenen, die unterschiedlich

reife Ausformungen erlangen können. Wilber

drückt es folgendermaßen aus: „Je größer also in

einer Linie der Grad an Bewusstsein ist, desto ‚höher‘

können wir eine Ebene nennen“.

Während (nicht konstante) Bewusstseinszustände

sofort und immer verfügbar sind, müssen

Bewusstseinsebenen Stufe für Stufe erklommen

werden. Von egozentrisch zu ethnozentrisch zu

weltzentrisch zu integriert (es gibt auch andere

und differenziertere Abstufungen). Das dauert.

Und bedeutet ab einem bestimmten Zeitpunkt –

dem Erreichen einer im Laufe der menschlichen

Entwicklungsgeschichte auf breiter Basis gefestigten

Ebene – (Bewustseins-)Arbeit, wollen wir

höhere Ebenen erreichen.

Jede Bewusstseinsebene geht mit ganz eigenen

Denkmustern, Vorstellungen, Überzeugungen

und daraus abgeleiteten Verhaltensweisen einher,

die als richtig und wahr eingestuft werden, aber

nur relativ richtig und wahr sind, weil (durch die

jeweilige Höhe) begrenzt und unvollständig. Ein

Grund für jede Menge Streitigkeiten (zwischen unterschiedlichen

Bewusstseinsebenen) in der Welt.

Eine gute Kombination

Kommen wir zum von Ken Wilber und Allan

Combs entdeckten Zusammenhang zwischen

Bewusstseinszuständen und Bewusstseinsebenen.

Auf jeder Bewusstseinsebene können Bewusstseins-

und Erleuchtungszustände erfahren werden.

Ein Mensch auf der ethnozentrischen Ebene kann

das, ein Mensch auf der weltzentrischen oder integrativen

Ebene kann das. Trotzdem handelt jeder

Mensch auf Basis seiner, durch die Höhe der erreichten

Bewusstseinsebene begrenzten Weltsicht,

die zudem von Konditionierungen und Schatten

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