Magazin ZEITENWENDE Ausgabe 91

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ZEITENWENDE - das Magazin für gesundes Leben und neues Denken. Ausgabe 91: Sonderthema "Bewusst sein, bewusst handeln". Was ist Bewusstsein? Was ist "richtiges" Handeln? Weitere Themen: "Optimismus" und "Es ist kein Übel so groß wie die Angst davor". Das ZEITENWENDE Branchenbuch 2021. Viele Buchvorstellungen. Podcast Anne Abendstern.

(unterdrückte Anteile der Persönlichkeit) und jeder

Menge eigenem und kollektivem Kram gefärbt ist.

Kommen noch über 90 % Unbewusstheit hinzu

wird klar, dass Handeln in spirituellen Bewusstseinszuständen

nicht automatisch „richtig“ ist und

das Erleuchtungs-Konzept der großen Weisheitstraditionen

einer Reform bedarf.

Erleuchtung im integralen Sinn heißt eins

werden mit allen (Bewusstseins-)Zuständen und

allen (Bewusstseins-)Ebenen. Das Motto lautet:

„aufwachen“ und „aufwachsen“. Das bedeutet:

durch Techniken wie Meditation, Kontemplation,

Yoga etc. Zustände bis hin zur Einheitserfahrung

schulen. Und gleichzeitig möglichst hohe Ebenen

von Bewusstsein erklimmen. Hierbei hilft der Integrale

Ansatz hervorragend. Bewusstsein als Leere,

als Freiheit, als ewiger, zeitloser Urgrund und

Bewusstsein als Fülle, in der Manifestation, der

evolvierenden Materie, vereinen sich auf diese

Weise zu einem umfassenden

Bewusstsein.

Wir können dann (zeitweise)

mühelos durch

das Leben gleiten, dieses

bezeugen und uns

vollständig eins mit

allem fühlen. Gleichzeitig

bewusst handeln, im

Wissen um unsere Strukturen,

Muster und unbewussten

Impulse. Je

mehr wir uns auf höhere

„Doch was die

Lösung des Problems

des Bewusstseins

so unwiderstehlich

macht, ist an sich ein

ganz persönlicher

Aspekt: Es verleiht

jedem Einzelnen von

uns Bedeutung.“

Dr. Jenny Wade

Bewusstseinsebenen schwingen, umso komplexer

wird unser Verständnis von Innen- und Außenwelt,

unser Weltbild insgesamt. Und umso offener und

größer unser Mitgefühl, unsere Liebe für alle Wesen,

das gesamte Universum. Um jedem Streben

nach Erleuchtung ein wenig den Stress zu nehmen,

sei kurz bemerkt: In einer Welt, die sich untentwegt

weiterentwickelt, gibt es logischerweise

keine vollkommene, abgeschlossene Erleuchtung.

Theorie und Praxis

Bewusstseinszustände und Bewusstseinsebenen

gleichzeitig zu „bewohnen“, fühlt sich anfänglich

paradox an. Ist es auch. Aber es funktioniert.

„Lebe dein eigenes Selbst und ruhe in der Unendlichkeit“,

empfiehlt Wilber, und es steigt die „tiefste

Freude auf, die überhaupt vorstellbar ist ...“

Durch Meditation, Beobachtung und Achtsamkeitspraxis

kann das Hineinwachsen in höhere

Bewusstseinsebenen beschleunigt werden.

Und die (integrale) Beschäftigung mit Bewusstseinsebenen

deckt blinde Flecken auf, die Zustandserfahrungen

verborgen bleiben, und gibt

Begriffen wie Gewissheit, Verantwortung, freier

Wille und Handlungsfreiheit eine neue, greifbare

Bedeutung.

Womit sich jetzt auch die Sache bzgl. „richtig“

und „falsch“ klären lässt. Ja, wir reden hier

von einer Bewertung, einer Beurteilung – und die

ist, wie wir bereits wissen, in Weisheitstraditionen

verpönt. Um Bewusstseinsebenen zu verstehen,

brauchen wir aber eine vergleichende Einordnung

von Phänomenen. Damit dies nicht als Machthierarchie

missverstanden wird, spricht der Integrale

Ansatz von Holarchie, einer Wertehierarchie, die

die Qualitäten jeder Bewusstseinsebene wertschätzt

(und schon gar nicht auf Unterdrückung

abzielt). Da die Ebenen Stufe für Stufe erklommen

werden müssen, ist jede Ebene wichtig. Integral

bedeutet, alles einzubeziehen. Ohne die Basis,

ohne das Fundament der unteren stehen höhere

Ebenen auf wackligen Füßen. Und erst auf der integrativen

bzw. integralen Bewusstseinsebene ist

diese Einordnung und Wertschätzung wirklich und

umfassend möglich.

Die Einschätzung von richtig und falsch,

dessen was ich tun soll, wird von der Entwicklungshöhe

der erreichten Ebene der moralischen

Entwicklunglinie bestimmt. Da die Begriffe „richtig“

und „falsch“ häufig mit Schuldgefühlen einhergehen,

reden wir lieber von konstruktiv und

destruktiv oder altruistisch und egoistisch.

Das gesamte Spektrum

Unser Handeln – im Hier und Jetzt – als konstruktiv

oder desktruktiv zu erkennen und wenn nötig und

möglich willentlich und verantwortungsbewusst zu

ändern, ist in der aktuellen Situation der Menschheit,

der gesamten Schöpfung auf unserem Planeten

Erde überlebenswichtig. Die „bereitwillige

Annahme all dessen, was das Leben bringen

mag“ (Balsekar) reicht nicht aus. Aber über zuinnerste

Bewusstseinzustände treten wir spürbar in

Kontakt mit dem „Tiefsten, das im eigenen Herzen

Galaxien gebiert“ (Wilber). Wer sich all-eins fühlt,

handelt nicht wider die (eigene) Natur.

Seien wir nicht mit der halben Wahrheit zufrieden.

Nehmen wir Herz und Verstand in beide

Hände, Zustände und Ebenen mit ins Boot.

Werden wir aus der grenzenlosen Stille heraus,

im Bewusstsein des gesamten Spektrums unserer

begrenzten irdischen Möglichkeiten, sich weiterentwickelnde,

liebevolle, mitfühlende Gestalter

unseres Lebens, im Innern und im Außen.

Zeitenwende 13

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