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Die Malteser-Zeitung 1/2021

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Orden und seine Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Orden und seine Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

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Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 1/2021

Ein Recht auf den Tod?

Klinische Ethikberatung

Wie die Väter, so die Söhne


INHALT

MALTESERORDEN

04 Zeit der Veränderung

IMFOKUS

07 Wie hast du’s mit dem Leben

und dem Tod?

RELIGIONAKTUELL

15 Der Selige Carlo Acutis

16 Not lehrt beten

04

18

15

24

VORBILDER

18 Ein Vorbild im Einsatz und in der Führung

LEBENSWERT

20 Klinische Ethikberatung, für ein

würdevolles Leben bis zuletzt

MALTESERÖSTERREICH

24 Berichte aus den Bereichen:

Vielfältige Initiativen und Dienste

MALTESERWELTWEIT

50 „Frei wie ein Vogel“

51 Kroatien: Erdbeben-Nothilfe

52 Syrien: Jegliche Belastungsgrenze ist weit

überschritten

54 Südafrika: Durch AIDS und Corona doppelt gefordert

55 Neuer Generalsekretär bei Malteser International

MEDIZINAKTUELL

56 Drei Impfstoffe im Vergleich

50 56

TAGEBUCH

58 Wie die Väter, so die Söhne

61 MALTESER Jobnetzwerk

62 Ingeborg Gurker – Eine Freundin für

Generationen

GELESENEMPFOHLEN

63 Interessante Neuerscheinungen

RUNDSCHAU

67 Auszeichnungen

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STEUERLICH

ABSETZBAR

2

DIE MALTESER 1/2021


EDITORIAL

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Leserinnen und Leser,

für die Malteser hat das Jahr 2021 mit zwei erfreulichen

Neuigkeiten begonnen: Wir durften Fra’ Marco Luzzago als

neuen Statthalter des Großmeisters des Souveränen Malteser-

Ritter-Ordens willkommen heißen. Erzbischof Silvano Tomasi

durften wir zur Ernennung zum Kardinal und zum Sonderbeauftragten

des Heiligen Stuhls für den Orden herzlich

gratulieren.

Auf beide kommen große Herausforderungen zu. Die Zeiten,

in denen wir weltweit durch die Covid-19-Pandemie zu

physischem „Distancing“ gezwungen sind, halten an. So gut es

geht, soweit wir es vermögen, versuchen wir dennoch all jenen,

die einsam, krank und bedürftig sind, nahe zu sein. Gerade sie

brauchen jetzt all unsere Kraft und die Geborgenheit, die sich

nur in einer von Nächstenliebe und sozialem Zusammenhalt

getragenen Gemeinschaft finden lässt.

Darum wird es 2021 mehr denn je gehen: um sozialen Zusammenhalt,

um ein achtsames Füreinander-Da-Sein. Dafür

werden wir uns weiterhin kreative Wege einfallen lassen,

damit wir einander – unter Einhaltung aller Corona-Schutzmaßnahmen

– persönlich begegnen können, einander ein

Lächeln unter dem Mund-Nasen-Schutz schenken, Geduld mit

der gesamten Situation haben, die uns allen viel abverlangt.

Ob Eltern, Lehrende, Schüler, Studierende, Kranke, Gesunde,

Ärzte, Pflegekräfte, Kindergartenpädagogen, Handelsangestellte,

Einsatzkräfte oder Unternehmer: Sie alle leisten

Unvergleichliches. Viele von ihnen geben noch mehr.

Junge Malteser-Freiwillige springen zum Beispiel kurzerhand

ein, wenn im Altenwohnheim Haus Malta der Aufzug ausfällt

und mehrere Wochen lang ein „Frühstücksservice über die

Treppe“ eingerichtet werden muss. Malteser beteiligen sich an

der Essensausgabe für Obdachlose, sie kümmern sich mit ungebrochenem

Engagement um die Pflege und Begleitung von

alten, kranken und einsamen Menschen. Sie gehen über ihre

Grenzen, wenn es um die Betreuung von Kindern mit lebensverkürzender

Diagnose geht. Und: Sie nehmen rege an der

aktuell geführten Debatte um die vom Verfassungsgerichtshof

nun zugelassene „Sterbehilfe“ teil. Vielleicht sollte es ja viel

mehr um eine würdevolle, schmerzfreie „Begleitung zum Ende

des Lebens“ gehen als um eine juristisch korrekte „Begleitung

zum Sterben“? Dazu gibt es etwa im Palliativdienst der

Malteser viel Expertise und gute Erfahrungen.

Definitiv muss das Leben lebenswert bleiben. Die Malteser

tragen das ihre dazu bei. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen

alles Gute für die nächste Zeit. Behalten Sie bitte Ihre Kraft,

bleiben Sie bitte gesund!

Norbert Salburg-Falkenstein

Prokurator

IMPRESSUM

Medieninhaber: Souveräner Malteser-Ritter-Orden (Malteserorden),

Großpriorat Österreich, 1010 Wien, Johannesg. 2, T: 01/512 72 44,

E: presse@malteser.at

Chefredaktion: Katharina Stögner Mitarbeiter bzw. Autoren dieser

Ausgabe: Astrid Aufschnaiter, Bernhard Bachna, Theresa Backhausen,

Matthias Beck, Elena Becker, Barbara Bernegger-Kittinger, Quelle:

Kurier online vom 8. Jänner 2021 Autorinnen Theresa Bittermann,

Henriette Blanckenstein, Marie Czernin, Quelle: www.erzdioezesewien.at/site/glaubenfeiern/spirituelles/grossechristen/article/86768.

html, Thomas Fisher, Aglaë Hagg-Thun, Franz Harnoncourt-Unverzagt,

Petra Hellmich, Edith Holzer, Christian Höllinger, Fra‘ Gottfried

Kühnelt-Leddihn, Stephanie Merckens, Johannes Mlczoch, Sandor

Norman, Eva Perl, Christoph von Ritter, Norbert Salburg-Falkenstein,

Benedikt Spiegelfeld, Beatrix Spannbauer, Maria-Sophia Stadler,

Richard Steeb, Ingrid Teufl, Udo Thianich-Schwamberger, Angela

Thierry, Andreas Trentini, Jürgen Wallner, Gabriele Walterskirchen,

Susanne Wick, Richard Wittek-Saltzberg, Tobias Zöhrer.

Text und Lektorat: Edith Holzer, Thomas Fisher.

Fotos: Blue Planet Studio/Shutterstock/1216683727, Albrecht Fietz/

Pixabay, Karolina Grabowska/Pexels, Gerald Gugerel, Gerhard Hammler,

Hand in Hand for Aid and Development Media, imago images/photonews.at,

Institut für Ehe und Familie (IEF), Ernst Kainerstorfer,

Gunhard Keil, Chris Lendl, Malteser International, Thomas Meyer

Photography, Nanographics GmbH, Arthur Ogleznev/Pexels, Order of

Malta, Sasirin Pamai/Shutterstock/1730251996, Prof. Christoph von

Ritter MD PhD AGAF, DoroT Schenk/Pixabay, Stephan Schönlaub/

EDW, Stadtmarketing Amstetten, Land Steiermark/Jesse Streibl,

Daniel Trippolt/HBF, Andy WenzelBKA.

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige

Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei

Geschlecht.

Gestaltung: Karin Mayer-Fischer, werbeproduktion.at

Druck: Druckerei Robitschek, Schlossgasse 10–12, 1050 Wien.

Offenlegung gemäß §25 Mediengesetz: Berichterstattung

über nationale und internationale Tätigkeiten des SMRO und

seiner Werke, sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht der Meinung der

Redaktion entsprechen. Redaktionsschluss: Februar 2021

DIE MALTESER 1/2021 3


XXXXX MALTESERORDEN

4

DIE MALTESER 1/2021


MALTESERORDEN XXXX

NEUES AUS DEM ORDEN

ZEIT DER VERÄNDERUNG

In der letzten Ausgabe unseres Magazins für das Jahr 2020 hatten wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, versprochen,

Ihnen im aktuellen Heft zwei besondere Persönlichkeiten näher vorzustellen. Wir halten unser Versprechen! Nachstehend

finden Sie die Porträts von Fra’ Marco Luzzago, dem neuen Großmeister-Statthalter des Malteserordens, und von

Kardinal Silvano Tomasi, dem neuen Sondergesandten des Heiligen Stuhl beim SMRO. Es sind beeindruckende Karrieren,

die hier nachgezeichnet werden.

DER VERWANDTE VON PAPST PAUL VI.

Am 8. November 2020 trat Fra‘ Marco Luzzago die Nachfolge des im April verstorbenen Großmeisters Fra’ Giacomo Dalla Torre

del Tempio di Sanguinetto an. Seither ist für den gebürtigen Brescianer vieles anders, aber nur wenig neu. Ein Porträt.

Fra’ Marco Luzzago wurde 1950 geboren. Er stammt

aus einer Adelsfamilie, deren Wurzeln sich bis in das

14. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Außerdem besteht

eine verwandschaftliche Verbindung zu einem der

berühmten Maltesermitglieder der Geschichte – dem

Heiligen Papst Paul VI.

Nach seinem wissenschaftlichen Abitur bei den Franziskanerbrüdern

studierte Fra’ Marco mehrere Jahre Medizin

an den Universitäten von Padua und Parma, bevor er

zur Leitung diverser Familienunternehmen in der Konsumgüterindustrie

berufen wurde. 1975 wurde der für

sein Verhandlungsgeschick bekannte Norditaliener in

den Malteserorden aufgenommen und gehörte damals

dem Großpriorat Lombardei und Venedig an. 2003 legte

er seine feierlichen Gelübde zum Professritter ab.

Von Brescia in die Marken

Fra’ Marco nahm regelmäßig an den internationalen Pilgerfahrten

des Ordens nach Lourdes und an den nationalen

italienischen Pilgerfahrten nach Assisi und Loreto teil.

2010 übersiedelte er in die italienischen Marken, eine Region

in Mittelitalien zwischen Adria und Apennin, um sich

dort um eine Kommende des Ordens zu kümmern.

Seit 2011 gehört Fra’ Marco dem Großpriorat von Rom

an, wo er die Position des Delegaten der Delegation Marken-Nord

sowie die Leitung der Bibliothek innehatte.

Seit 2017 war er auch Ratsmitglied der italienischen

Assoziation des Malteserordens.

DIE MALTESER 1/2021 5


MALTESERORDEN

Einsatz mit größtem Engagement

Am 8. November 2020 wurde er vom Großen Staatsrat

des Ordens in Rom zum Statthalter des Großmeisters

des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens mit überwiegender

Mehrheit gewählt. Gemäß der Verfassung des

Malteserordens bleibt der Statthalter des Großmeisters

ein Jahr lang mit den gleichen Befugnissen wie ein

Großmeister im Amt. Der Statthalter des Großmeisters

muss den Großen Staatsrat vor Ablauf seiner Amtszeit

erneut einberufen. Als Statthalter wird er den Orden,

der sich seit 2018 in einem größeren Reformprozess befindet,

zunächst bis Herbst 2021 leiten.

„Der Heilige Geist hat seinen Blick gnädig zu mir gewandt.

Ich danke jedem Einzelnen von Ihnen, dass Sie mir Ihr Vertrauen

geschenkt und durch Ihre Anwesenheit heute hier

eine große Liebe und eine große Hingabe an unseren Orden

gezeigt haben“, sagte Luzzago anlässlich seiner Wahl.

„Ich kann Ihnen nur versichern, dass ich mich mit größtem

Engagement für die Herausforderungen einsetzen werde,

die in den kommenden Monaten vor uns liegen.“

Wir wünschen Fra’ Marco Luzzago alles erdenklich Gute

und Gottes Segen in seiner neuen, überaus verantwortungsvollen

Funktion!

EINE BEEINDRUCKENDE KARRIERE

Kardinal Silvano Maria Tomasi: So lautet der Name des

neuen Sondergesandten, den Papst Franziskus für alle Fragen

zu den Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und

dem Malteserorden ernannt hat.

Es ist eine herausfordernde Aufgabe, die der Kardinal

übernommen hat. Er wird auf Bitte des Papstes bis zum

Abschluss des bei den Maltesern laufenden Reformprozesses

im Amt bleiben. „Auf jeden Fall so lange, wie es hilfreich

erscheint“, meinte der Heilige Vater. Dieser Bitte wird

Silvano Tomasi sehr gerne nachkommen. Er blickt auf eine

wechselvolle und anspruchsvolle Karriere zurück.

Der Ordensmann wurde 1940 in Casoni/Venetien geboren.

Er trat zunächst als Seminarist in die Gemeinschaft

der Scalabrini-Missionare ein und wurde 1965 durch den

New Yorker Weihbischof Joseph Pernicone zum Priester

geweiht. 1989 folgte die Ernennung zum Sekretär des

Päpstlichen Rates der Seelsorge für Migranten und Menschen

unterwegs, 1996 die Weihe zum Kurienerzbischof.

Von Dschibuti über Genf nach Rom

Nur vier Jahre später ging es steil bergauf in der Karriere

des Kirchenmannes. Er wurde durch Papst Johannes

Paul II. zum Apostolischen Nuntius in Dschibuti ernannt.

2003 wechselte Silvano Tomasi in den päpstlichen diplomatischen

Dienst bei den Vereinten Nationen und wurde

dort zum ständigen Beobachter des Heiligen Stuhles beim

UN-Büro in Genf und der Welthandelsorganisation bestellt.

2016 folgte die Ernennung zum Mitglied des Päpstlichen

Rates für Gerechtigkeit und Frieden. Ein Jahr danach betraute

ihn Papst Franziskus mit der Funktion des delegierten

Sekretärs des neu errichteten Dikasteriums für die

ganzheitliche Entwicklung des Menschen. Am 1. November

2020 avancierte Tomasi zum Sonderbeauftragten für den

Souveränen Malteser-Ritter-Orden beim Heiligen Stuhl.

Den vorläufig krönenden Abschluss seiner Kirchenlaufbahn

bildete am 28. November 2020 die Ernennung zum Kardinal.

„Mit der Kardinalswürde fühle ich mich noch stärker in

die Pflicht genommen, weiter für Solidarität und Dialog einzustehen“,

bekräftigte Tomasi in seiner Dankesrede.

www.orderofmalta.int

6

DIE MALTESER 1/2021


MALTESERÖSTERREICH

IMFOKUS

WIE HAST DU’S MIT DEM

LEBEN UND DEM TOD?

Diese Frage steht seit der jüngsten Entscheidung des österreichischen Verfassungsgerichtshofes zur Sterbehilfe

mehr denn je im Zentrum der öffentlichen Debatte. Hier eine facettenreiche Darlegung von Fachleuten verschiedenster

Disziplinen, die zu differenziertem Nachdenken einlädt.

RESPEKT VOR DEM LEBEN

UND DEM GESETZ

Von Fra’ Gottfried Kühnelt-Leddihn

Nein, es ist nicht einfach. Nein, es gibt keine eindeutige

Antwort. Zu welchem Ergebnis soll ein

gläubiger Mensch kommen, zu welchem einer ohne

religiöse Bindung?

Als ich diese Zeilen zu schreiben begonnen habe, stand

die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes (VfGH)

unmittelbar bevor, ob das verfassungsgemäß gewährleistete

Recht auf Leben 1 nach der Österreichischen Verfassung

und den verfassungsrechtlichen Nebengesetzen

auch das Recht einschließt, sich der Hilfe anderer Menschen

zur Selbsttötung zu bedienen. Bisher, so scheint es

mir, wird das Recht auf ein menschenwürdiges Leben als

höchster Wert unserer Rechtsordnung betrachtet. Die

Todesstrafe wurde 1950 auch in Österreich abgeschafft,

im Militärstrafrecht erst 1968.

Eigentlich hatte sich der VfGH nicht mit einer Frage,

sondern mit einer ganzen Fülle von verknüpften ethischen

und religiösen Fragen, die ich wohl kaum vollstän-

1

Vgl. zweiter Artikel der Europäischen Menschenrechtskonvention vom 4.11.1950: Das Recht jedes Menschen auf das Leben wird gesetzlich geschützt.

Abgesehen von der Vollstreckung eines Todesurteils, das von einem Gericht im Falle eines durch Gesetz mit der Todesstrafe bedrohten Verbrechens ausgesprochen

worden ist, darf eine absichtliche Tötung nicht vorgenommen werden.

DIE MALTESER 1/2021 7


IMFOKUS

dig aufzählen kann, zu befassen. Es klingt wohl wie eine

rein rechtliche Frage: „Beinhaltet das Recht auf Leben

auch das Recht auf Beendigung desselben mit Hilfe von

Dritten?“ Der VfGH hat mittlerweile eine rechtliche Antwort

gegeben. Menschen ohne religiöse Bindung werden

auch nur daran interessiert sein.

Das Dilemma des freien Willens

Nun will ich, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, hier

einige dieser Fragen aufwerfen. Für mich persönlich

habe ich die Fragen aufgrund zahlreicher Begegnungen

mit unheilbar kranken oder schwerstbehinderten Menschen,

von denen ich einige auch jahrelang begleitet

habe, beantwortet. Ich kann nicht sagen, wie weit die allgemeine

Zustimmung zu meinen Denkanstößen reicht.

Da ist zuerst einmal der für eine derart schwerwiegende

Entscheidung aus juristischer Sicht erforderliche freie

Wille. Es wird wohl auf jeden Fall unzulässig sein, dass

Dritte, die irgendein wie auch immer geartetes Interesse

am Tod eines Menschen haben könnten, auf seinen

Entschluss einwirken oder an der Umsetzung mitwirken

dürfen. Hier tut sich ein gewaltiges Dilemma auf: Handelt

jemand, der sich bei der Selbsttötung durch einen

Dritten helfen lässt, bei klarem Verstand und ohne jeglichen

Druck von anderer Seite, oder ist er entweder von

sich aus durch schweres Leid oder durch „Überredung“ in

seiner Entscheidung beeinträchtigt?

In meinen Schulzeiten wurde im Religionsunterricht

noch gelehrt, dass Suizidenten sich bewusst aus der Gemeinschaft

mit Gott gelöst hätten, ihnen wurde daher

auch ein kirchliches Begräbnis verweigert. Sie wurden in

einem abgelegenen Winkel des Friedhofes in nicht geweihter

Erde bestattet. Diese Haltung hat sich im Laufe

der Jahre dahin geändert, dass angenommen wurde,

dass Suizidenten immer in einem nicht selbst verschuldeten

Zustand der Unzurechnungsfähigkeit gehandelt

haben und daher auch ein kirchliches Begräbnis erhalten

können.

Verantwortung für die Tragweite des Handelns

Hier muss eine klare Trennlinie gezogen werden zwischen

der Verantwortung des die Selbsttötung begehrenden

Menschen vor Gott und der Verantwortung des Helfers

vor Gott und vor dem

Staat. Kann ich das Vorliegen

des klaren Verstandes

und des freien Willens

juristisch bejahen und

gleichzeitig theologisch

verneinen? Und wie ist –

in diesem Zusammenhang

– mit dem Willen nicht

entscheidungsfähiger Personen umzugehen – darf oder

soll hier der gesetzliche oder gewillkürte Vertreter diese

folgenschwere Entscheidung treffen?

Mein Rechtsempfinden (ich habe mehr als drei Jahrzehnte

als Beamter staatliches Recht vollzogen) sagt mir

klar und deutlich, dass aus strafrechtlicher Sicht sowohl

derjenige, der seinem Leben ein Ende bereiten will, als

auch derjenige, der ihm dabei assistiert, sich der vollen

Tragweite des Handelns bewusst sein muss, damit der

„Gehilfe“ allenfalls den (noch nicht formulierten) Ausnahmetatbestand

erfüllt und somit straffrei handelt.

Wenn in irgendeiner Weise hier Druck ausgeübt wird,

dann muss dies weiterhin strafbar sein, zumindest für

denjenigen, der hier willentlich die Entscheidung eines

Menschen zum Suizid hinlenkt oder diesen dazu drängt.

Druck durch die kostentragende Allgemeinheit

Hinsichtlich des möglichen Drängens aus dem eigenen

Umfeld des Betroffenen lasse ich Ihrer Fantasie freien

Lauf. Ich kann mir leider aber auch einen mehr oder minder

sanften Druck vonseiten der kostentragenden Allgemeinheit

vorstellen. Die vom Sozialversicherungsträger

übermittelte Aufstellung der in einem Kalenderjahr angefallenen

Heilkosten kann im besten Fall wertneutral

„ankommen“, aber auch ein schlechtes Gewissen oder

gar Zorn verursachen – vor allem, wenn diese Kosten das

Familieneinkommen im gleichen Zeitraum bei Weitem

übersteigen. Ist es nur eine Frage der Zeit, bis Leistungen

der Sozialversicherungen ab einem Alter, ab einem

bestimmten oder prognostizierten Krankheitsverlauf eingeschränkt

oder gar eingestellt werden? Oder werden die

Kosten des Suizids, die bei vielen chronisch Kranken niedriger

sein können als die der Therapie, von der Gesundheitskasse

übernommen? Hier tut sich ein Abgrund auf.

8

DIE MALTESER 1/2021


IMFOKUS

Ärzte (diese allein können die Art der Behandlung vorschlagen)

werden wohl immer wieder mit dem Problem

konfrontiert sein, mit ihrem Therapievorschlag das Leben

(oder das Sterben) eines Patienten zu verlängern

oder seinen natürlichen Tod zu ermöglichen. Etwas Anderes

ist jedoch das aktive Herbeiführen des Todes. Aus

christlicher Sicht ist der Zeitpunkt des Todes ausschließlich

dem Spender des Lebens, also Gott, überlassen.

Einer Entscheidung hierüber durch Menschen, egal in

welcher Funktion, ist vom Gesetzgeber massiv entgegenzutreten,

da Menschen in ihrer Entscheidung zu leicht

beeinflussbar sind und auch irren können.

Dem Schöpfer in SEIN ureigenstes Handwerk zu pfuschen,

erweist sich immer wieder als fatal. Breche ich aus dem Bollwerk

einen oder mehrere Steine heraus, beginnt das Ganze

zu bröckeln, und irgendwann fällt der Schutzwall. Erst vor

75 Jahren ging eine solche unheilvolle Zeit zu Ende.

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“

Aber wie erkläre ich das alles einem Menschen, der nicht

an einen Gott als Schöpfer allen Lebens glaubt? Kann

man das mittels durchdachter Gesetze regulieren? Seit

es menschliche Gesetze gibt, wird immer wieder versucht,

diese zu umgehen, auszutricksen oder nach Parteiinteressen

zu ändern. Seit Menschengedenken unverändert

sind aber die zwei wichtigsten Gebote: „Du sollst

den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit

ganzer Seele und mit all deinen Gedanken.“ Das ist das

wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite:

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ An

diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den

Propheten. (Mt 22, 37–40)

Es wird an uns allen liegen, Mitmenschen, die ihr Leben

selbst als Last empfinden oder sich als Belastung für andere

fühlen, durch gelebte Zuneigung und Zuwendung zu

vermitteln, dass sie geliebt, anerkannt und in ihrer unantastbaren

Menschenwürde respektiert sind. Geborgenheit

in der Familie und im Freundeskreis trägt sicher wesentlich

dazu bei. Die heutige Heilkunst, insbesondere die Palliativmedizin,

beachtet selbstverständlich hier auch den

Willen des Kranken, der allein entscheiden kann und darf,

ob eine Behandlung fortgesetzt oder beendet wird.

„Nicht nur den Körper berücksichtigen“

Papst Johannes Paul II. erklärte am 24. März 2002, drei

Jahre vor seinem Tod, vor Medizinern und Gesundheitsfachleuten

aus aller Welt: „Die Komplexität des

Menschen fordert bei der Verabreichung der notwendigen

Heilmethoden, dass man nicht nur seinen Körper

berücksichtigt, sondern auch seinen Geist. Es wäre anmaßend,

allein auf die Technik zu setzen. Und in dieser

Sicht würde sich eine Intensivmedizin um jeden Preis bis

zum Letzten schließlich nicht nur als unnütz erweisen.

Sie würde auch nicht völlig den Kranken respektieren,

der nun an sein Ende gelangt ist.“

Es liegt nunmehr beim Gesetzgeber (dem Nationalrat,

der von uns allen gewählt wird) zu prüfen, wie die aufgehobene

Bestimmung des § 78 Strafgesetzbuch (StGB)

unter Wahrung der Menschenrechte und der Menschenwürde

ersetzt werden soll oder ob hier ein neues lukratives

Geschäftsfeld entstehen kann. Mit einer Beibehaltung

im Rang einer Verfassungsbestimmung ist wohl

kaum zu rechnen.

Auf jeden Fall wird es an uns allen (nicht nur an uns Maltesern)

liegen, ob sich Menschen mit einer begrenzten

Lebenserwartung oder schweren Behinderungen als Belastung

für sich und ihre Mitmenschen empfinden oder sich

durch Zuwendung geliebt, geborgen und wertvoll fühlen.

DIE MALTESER 1/2021 9


IMFOKUS

MORBIDE JUDIKATUR UNTER DEM

DECKMANTEL DER FREIHEIT

Von Stephanie Merckens

Was bedeutet das Urteil des österreichischen Verfassungsgerichtshofs

(VfGH) in Sachen Sterbehilfe aus juristischer Sicht? Eine Erläuterung und

Schlussfolgerung.

Mit 11. Dezember 2020 hob der VfGH das Verbot der

Beihilfe zum Selbstmord als verfassungswidrig auf. Was

bedeutet das? Für das Jahr 2021 noch nicht viel, denn die

Entscheidung wirkt erst ab 1. Jänner 2022. Aber: Sollte

der Gesetzgeber bis dahin keine Ersatzregelung getroffen

haben, dann ist ab dem 1. Jänner 2022 jeglicher Beitrag

zur Selbsttötung eines Menschen erlaubt. Wirklich

jeder Beitrag? Immer? Egal aus welchem Grund?

Brutal gesagt ja – die einzigen Voraussetzungen, die laut

VfGH für die Straflosigkeit erfüllt sein müssen, sind der

nachhaltige freie Willensentschluss des Suizidwilligen

und die Bereitschaft des Beitragenden. Zu diesem Ergebnis

kommt der VfGH vor allem aufgrund folgender

Entscheidungsgründe:

1. Nicht der „Schutz des Lebens“ ist die primäre Aufgabe des

Staates, sondern die Wahrung des „Rechts auf Leben“.

2. Dieses „Recht auf Leben“ umfasst auch das „Recht auf

freie Selbstbestimmung“.

3. Das „Recht auf freie Selbstbestimmung“ wiederum

umfasst auch das Recht, seinem Leben ein Ende setzen

zu wollen – und zwar auf die vom Sterbewilligen

als „würdig“ empfundene Art und Weise.

4. Braucht man dazu die Hilfe eines Anderen, und ist

dieser Andere dazu bereit, so hat man auch das Recht

darauf, dass dieser „helfen“ darf.

5. Es dürfe nicht bewertet werden, warum sich jemand

das Leben nehmen will.

6. Es müsse allerdings geprüft werden, ob dieser Entschluss

frei und nachhaltig getroffen wurde.

7. Und es müsse sichergestellt werden, dass der Beitragende

aus freien Stücken handelt.

8. Allerdings stört den VfGH vor allem, dass ausnahmslos

jede Hilfe verboten ist – es scheint also möglich,

die Art und Weise zu beschränken, mit der „geholfen“

werden darf.

Der VfGH unterscheidet nicht zwischen dem Sterbenden,

der eine tödliche Überdosis Morphium verabreicht bekommt,

oder dem Verwitweten, der ohne Fallschirm aus

dem Flugzeug springen möchte. Egal, ob aus Liebeskummer,

Privatkonkurs oder aus sonstigen Gründen, egal ob

mit Pistole, Seil oder Brückensprung: Wenn bis Ende des

Jahres – dieses Jahres 2021 – keine Änderung erfolgt,

darf bei all diesen Gründen und auf welche Art und Weise

auch immer „geholfen“ werden, wenn sich jemand das

Leben nehmen will.

Der Missbrauch liegt in der Zulassung selbst

Der Ball liegt also abermals beim Gesetzgeber. Dieser

muss in einem ersten Schritt prüfen, welche Gestaltungsmöglichkeiten

ihm überhaupt zu Verfügung stehen.

Innerhalb des vom VfGH gesetzten Rahmens kann

er nur mit einfacher Mehrheit agieren. Trifft er Entscheidungen,

die über die Wertung des VfGH hinweg halten

sollen, benötigt er eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

Wesentlich scheinen vor allem folgende Punkte: Suizidprävention

sollte zum Staatsziel erhoben werden. Beihilfe

zur Selbsttötung sollte weder Aufgabe der Ärzte noch

sonst eines Pflegeberufes sein. Die Gewissensfreiheit

sollte nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für organisatorische

Einheiten wie Krankenhausträger gelten.

Niemandem sollte aus der Beihilfe ein Vorteil erwachsen,

der über eine Abgeltung der geleisteten „Dienstleistung“

hinausgeht. Aufklärungs-, Beratungs- und Kontrollmechanismen

müssen möglichst sicherstellen, dass der Suizidwunsch

„nachhaltig“ und „selbstbestimmt“ ist.

Aber eines muss uns klar sein: Um Missbrauchsvermeidung

geht es eigentlich nicht mehr, denn der Missbrauch

liegt in der Zulassung selbst. Eine Judikatur,

die die Tötungshilfe über die Lebenshilfe stellt, hat in

10

DIE MALTESER 1/2021


IMFOKUS

meinen Augen den Dienst an der Freiheit missbraucht.

Es geht also nicht mehr um Missbrauchsvermeidung, es

geht nur noch um dessen Begrenzung.

EIN RECHT AUF DEN TOD?

Von Christoph von Ritter

Moderne Gesellschaften haben zunehmend ein

Problem mit dem Sterben. Gerichte fordern ein

„selbstbestimmtes Recht auf den Tod“. Zynisch

wird übersehen, dass der Selbstmörder in seiner

Verzweiflung nicht nach dem Tod, sondern nach einem

besseren Leben, nach Zuwendung und Nächstenliebe

ruft.

Die Frage, wie wir sterben wollen, ist so alt wie die

Menschheit und gleichzeitig hochaktuell. „Sterben

macht mir nichts aus, ich möchte nur nicht dabei sein!“,

verkündet der Regisseur und Autor Woody Allen und

trifft damit ziemlich präzise den Zeitgeist. Anders der

verstorbene Gründer von Apple, Steve Jobs: „Mir ins

Gedächtnis zu rufen, dass ich bald sterbe, ist mein wichtigstes

Hilfsmittel, um weitreichende Entscheidungen

zu treffen. Der Tod ist wohl die mit Abstand beste Erfindung

des Lebens.“ Ganz ähnlich galt im Mittelalter das

„Memento mortis“: Sei dir deiner Sterblichkeit bewusst!

Plato schildert im berühmten „Dialog des Phaidon“, wie

die Schüler des Sokrates nach dessen Tod die Frage nach

dem rechten Sterben diskutieren. Nach Platos fester

Überzeugung ist hierzu die Anerkennung der „Vanitas“,

der Vergänglichkeit, entscheidend. Nur so könne heiteres

und unbeschwertes Sterben gelingen.

Die Aufklärung und das

„Recht auf den Tod“

Seit dem 18. Jahrhundert,

dem Jahrhundert

der Aufklärung, steht die

Überwindung der Vanitas

im Zentrum der bürgerlichen

Hochkultur.

Der „Triumph über das

Scheitern“ führt zu einem

großartigen Aufschwung

der Menschheit in Naturwissenschaften, Technik und

Medizin. Der Mensch wird vom Geschöpf zum Schöpfer.

Uneingeschränkte Selbstbestimmung muss aber unweigerlich

angesichts des Todes scheitern. Als Ausweg aus

diesem Dilemma schlägt der österreichische Psychologe

Adolf Jost im Jahr 1895 „Das Recht auf den Tod“ vor. Die

„Jost’schen Sätze“ hat am 26. Februar 2020 das deutsche

Bundesverfassungsgericht ins Gesetz geschrieben: „Das

allgemeine Persönlichkeitsrecht umfasst eben auch ein

Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Der Bürger hat die

Freiheit, sich das Leben zu nehmen und hierbei auf die

freiwillige Hilfe Dritter zurückzugreifen. Seine Entscheidung

ist, als Akt autonomer Selbstbestimmung, zu respektieren.“

Entpflichtung der Gesellschaft

Einseitige Verpflichtung auf die Selbstbestimmung des

Einzelnen führt zu einer Entpflichtung der Gesellschaft.

Respekt vor Selbstbestimmung ersetzt Solidarität und

Mitgefühl. Der Selbstmörder am Brückengeländer wird

nicht mehr mit allen Mitteln am Sprung gehindert. Nein:

Respekt vor „autonomer Persönlichkeitsentfaltung“ fordert

ein „Spring doch, wenn du willst!“

Selbstmörder ziehen selten kühl Bilanz. Sie wollen nicht

den Tod, sondern rufen verzweifelt nach einem besseren

Leben. Es ist zynisch, diese Verzweiflung in „autonome

Persönlichkeitsentfaltung“ umzudeuten. Nicht der

Selbstmörder, die moderne Gesellschaft zieht Bilanz.

„Human dignity is the public worth of men“ formulierte

schon im 17. Jahrhundert Thomas Hobbes: „Der Mensch

ist nicht an sich wertvoll, er ist nur so viel wert, wie er für

die Gesellschaft leistet, wie viel Mehrwert er zu liefern

vermag.“ Diese Bilanz fällt zwangsläufig für den Menschen

im Alter zunehmend negativ aus. „Die Gesellschaft

verliert die Geduld mit den Alten“ titelte einmal treffend

die deutsche „Bild“-Zeitung. Für den schnellen Tod wird

dem ängstlichen, alten Menschen der Selbstmord als modern,

praktisch, schnell und kostengünstig angedient.

„Unwertes Leben“ im Alter

Apokalyptische Zukunftsvisionen werden bemüht, um

alten Menschen den Weg zum Suizid zu ebnen. Dabei

fallen die immer wieder bemühten Horrorvorstellungen

DIE MALTESER 1/2021 11


IMFOKUS

von unerträglichen Schmerzen und Atemnot am Ende

unseres Lebens angesichts moderner Palliativmedizin

eindeutig in die Kategorie des ärztlichen Kunstfehlers.

Moderne Medizin kann heute den sanften Tod garantieren.

Aber die von Alter und Krankheit bedrohten Menschen

machen sich das gesellschaftliche Klima zunehmend

zu eigen. Sie wollen eher aus dem Leben scheiden

als „lästig zu fallen“. Wie oft wurde ich von Patienten mit

der Bitte konfrontiert: „Doktor, ich will sterben, um meinen

Angehörigen nicht länger zur Last zu fallen!“

Die deutschen Verfassungsrichter interpretieren das

selbstbestimmte Verlangen eines Menschen, sein Leben

vorzeitig zu beenden, als Verpflichtung für den Arzt, zu

töten. Ärzte sollen töten wollen! Damit wird der Arzt für

den Schwachen, den alten Menschen zur Gefahr. Unmerklich

kann er sich vom bedingungslosen Helfer zum

staatlich animierten und legitimierten Vollstrecker des

Todes wandeln.

„Samaritanus bonus“, das vatikanische Schreiben über

die „Sorge an Personen in kritischen Phasen und in

der Endphase des Lebens“, setzt diesem gesellschaftlichen

Klima eine christliche Perspektive entgegen: „…

innere(n) Perspektive eines therapeutischen Bundes

zwischen Arzt und Patient, … (ist) die Anerkennung

vom transzendenten Wert des Lebens und vom mystischen

Sinn des Leidens. Dieser Bund ist das Licht, um zu

verstehen, was gutes medizinisches Handeln ist.“ Und

weiter: „Die pastorale Begleitung (am Lebensende) zieht

die Ausübung der menschlichen und christlichen Tugenden

hinzu: der Empathie (en-pathos), des Mitleids

(cum-passio), der Annahme des Leidens des Kranken

durch das Teilen dieses Leidens und des Trostes (cumsolacium),

des Eintretens in die Einsamkeit des anderen,

damit er sich geliebt, angenommen, begleitet und

getragen fühlt.“

Christliche Institutionen können und sollen zum „sicheren

Hafen“ für Patienten, Pflegekräfte und Ärzte werden.

In den USA versuchen Krankenhäuser in katholischer

Trägerschaft Sicherheit zu vermitteln: „We don’t kill you,

even if you ask us; we don’t kill your parents, even if you

ask us and we don’t kill your child, even if you ask us to

do so!”

Wie kann gutes Sterben gelingen? Nach dem Schweizer

Arzt, Alchemisten, Naturphilosophen und Theologen

Theophrastus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus,

führe nur die demütige Anerkennung unserer

Vergänglichkeit, der Vanitas, zu einer „Harmonie der

Seele“. Diese ist die Grundlage für ein gutes, ja – nur im

scheinbarem Widerspruch – für ein gesundes Sterben.

Weiterführende Informationen:

www.christoph-von-ritter.com

ASSISTIERTER SUIZID?

Von Marie Czernin

Wie hört sich die Debatte um die Sterbehilfe aus

der Perspektive einer Patientin an? Was geht in

einem Menschen vor, der auf dem schmalen Grat

zwischen Leben und Tod wandert? Eine berührende,

sehr offen formulierte Selbsterfahrung.

Dass die jüngste Erkenntnis des VfGH über die ab 2022

erlaubte Beihilfe zum Suizid genau in diese Zeit der

Coronakrise fällt, scheint mir wirklich grotesk! Einerseits

ist unser Staat bemüht, Gelder in Milliardenhöhe

für die Beschaffung von Impfstoffen auszugeben, um

Menschenleben zu retten, andererseits soll es nun den

Menschen leichter gemacht werden, sich von diesem

Leben „selbstbestimmt“ zu verabschieden. Wozu sol-

12

DIE MALTESER 1/2021


IMFOKUS

len sich alte Menschen jetzt impfen lassen, wenn ihnen

morgen das Gefühl vermittelt wird, dass sie der Familie

oder auch der Gesellschaft zur Last fallen und sie

doch bitte von der Lebensbühne abtreten sollen?

Ja! Krise als Chance!

So sehr sich die Ereignisse in der Welt zuspitzen, etwas

Gutes hat die große Krise, die wir zurzeit erleben, vielleicht

doch: Jede Krise birgt auch eine Chance in sich.

Einerseits steigt die Frustration. Wir fühlen uns machtund

hilflos und stoßen oft auch an unsere psychischen

Grenzen. Andererseits fällt nun viel äußere Ablenkung

weg. Wir können uns wieder auf wesentliche Dinge besinnen

und in einem Prozess der Selbsttranszendenz

unsere äußere und innere Begrenztheit überschreiten.

Manche wenden sich auch wieder neu Gott zu.

Was haben wir aus der Krise gelernt? Wenn wir nicht

mitfühlender werden für die Nöte der anderen, dann

werden am Schluss wirklich nur noch die Stärkeren überleben

in einer egoistischen Gesellschaft, in der das Leben

nur etwas wert ist, solange der Mensch etwas leistet. Wir

werden alte und kranke Menschen als Belastung empfinden

und wie ein altes Kleidungsstück entsorgen. Um uns

wird es kälter werden.

Wenn der innere Radius sich weitet

Auch eine schwere Erkrankung birgt eine große Chance,

wenn es gelingt, die Krankheit anzunehmen und darin

einen tieferen Sinn zu erkennen. Vor Kurzem schrieb mir

ein Freund, der an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt

ist: „Mein Karzinom ist leider sowohl in der Lunge als

auch am Pankreas aktiv geworden. Seitdem hat es mir etwas

die Füße weggezogen, kalt ist mir jetzt zu Hause. Ich

bin draufgekommen: Jetzt hätte ich am liebsten Kontakt

zu Leuten, die Betroffene UND auch gläubig sind. Ja, das

ist wohl die Peregrinus-Gruppe.“ Martin meinte damit

unsere Selbsthilfegruppe für Krebskranke, die sowohl

von Psychotherapeuten als auch von einem katholischen

Priester begleitet wird.

Seitdem ich selbst im Jahr 2018 die Diagnose Brustkrebs

im fortgeschrittenen Stadium erhielt, hat sich in meinem

Leben vieles verändert. Auch ich durfte die Krankheit

als eine neue Chance erleben. Mein behandelnder

Arzt meinte, ich hätte Glück, denn man könne heutzutage

mit metastasiertem Brustkrebs so gut wie mit einer

chronischen Erkrankung leben. Wie lange? Das wagte ich

nicht, ihn zu fragen. Aber trotzdem wurde mir bewusst,

dass mein Leben begrenzt ist und bald enden kann. Die

Zeit der Reisen in ferne Länder war auf einmal vorbei.

Mein äußerer Radius beschränkte sich auf ein Pendeln

zwischen Wien und Kärnten. Dafür durfte ich im Gebet

und in der Stille erfahren, wie sich mein innerer Radius

wieder weitete und neue Kreise zog.

Zwischen Eigenverantwortung und liebevoller

Unterstützung

Ich hatte das große Glück, während der Zeit der Therapie

viele liebe Menschen um mich zu haben, die mich auf

diesem Weg begleiteten. Ich fühlte mich getragen von

den Gebeten so vieler Freunde und geborgen in meiner

großen Familie, die mir auch weiterhin unterstützend

zur Seite steht.

Ganz anders erging es da leider einer Bekannten aus Kanada,

die nach ihrer Brustkrebs-Erkrankung von ihren Eltern

hören musste, dass sie nun selbst schauen müsse, wie sie da

durchkomme, weil sie ihnen finanziell zur Last fallen würde.

Geborgen fühlte ich mich auch bei den liebevollen Krankenschwestern,

die immer freundlich waren und mich

verwöhnten, wenn ich zur Chemotherapie und danach

zur Operation in die Klinik kam. Ich bewunderte sie, wie

sie trotz der täglichen Belastung im Krankenhaus immer

fröhlich sein konnten und gute Stimmung verbreiteten.

Ich wusste ja, dass dies nicht mehr selbstverständlich ist

und viele Menschen sich in Spitälern vor dem Krankenhauspersonal

fürchten.

DIE MALTESER 1/2021 13


IMFOKUS

Auf Gott vertrauen

Ich habe weiterhin großes Glück mit meinen Ärzten, die

nicht nur fachlich exzellent, sondern vor allem auch wunderbare

Menschen sind. Mein Onkologe nimmt sich immer

sehr viel Zeit für das Gespräch und gibt mir das Gefühl,

dass ich ihm wichtig bin. Bevor er sich einen Befund

ansieht, fragt er zuerst, wie es mir geht und meint dann:

„Befunde können Fehler beinhalten, Maschinen können

sich irren. Viel wichtiger ist es, wie Sie sich fühlen.“ Allein

dieser Satz hilft mir schon, mich nicht durch einen schlechten

Befund total verunsichern zu lassen und mehr meinem

eigenen „Bauchgefühl“ zu vertrauen. Wie anders muss es

hingegen für Krebspatienten sein, die aufgrund einer

schlechten Erfahrung mit ihrem Arzt total verunsichert

sind, weshalb sie dann von einem Arzt zum anderen laufen

und dabei wichtige Therapien einfach abbrechen?

Mir ist während meiner Krebstherapie bewusst geworden,

wie wichtig es ist, einem Arzt vertrauen zu können,

schließlich begebe ich mich ganz in seine Hände. Oft

kam es mir vor, als ob ich mich auf eine hohe Bergwanderung

begeben hätte. Rechts und links von mir ging es

steil bergab. Wie ein guter Bergführer warf mir mein Arzt

das rettende Seil zu, und ich musste ganz langsam einen

Schritt vor den anderen setzen, ohne hinunterzuschauen.

Beim Anblick des tiefen Abgrunds wäre mir sonst total

schwindelig geworden. Gleichzeitig durfte ich erfahren,

dass auch Gott mir dieses rettende Seil zuwirft und ich

es vertrauensvoll ergreifen darf. Er kennt mich doch am

allerbesten und weiß auch, was für mich gut ist.

„Ich will sterben!“

Wer könnte dies einem

Schwerkranken, der vor

sich nur die unlösbaren

Probleme sieht, verdenken?

Aber will er wirklich? Ja

und nein. Er sucht nach Hilfe,

um mit diesem Problem

nicht allein zu sein. Dies

ist ein wesentlicher Punkt.

Aber wie kann ich als Gesunder einem schwer Erkrankten

helfen? Durch Empathie, und indem ich ihm zeige,

dass ich bei ihm bin.

„Sagen Sie mir die Wahrheit!“

Der Kranke erwartet sich eine Prognose, meist, um nur

zu hören, dass es noch nicht zu Ende geht. Oft können

wir anhand der Statistik abschätzen, wie lebensbedrohlich

eine Krankheit ist, wir wissen aber nicht, wie eine

Therapie den individuellen Krankheitsverlauf verändert

und sich damit die statistische Prognose verändern

kann. Die Wahrheit ist, es in Wahrheit nicht zu wissen.

„Ich kann oder will die Schmerzen nicht ertragen!“

Hier hat sich in den vergangenen Jahren eine deutliche

Veränderung ergeben. Die Möglichkeiten der medizinischen

Schmerzbekämpfung sind heute wesentlich umfangreicher

geworden und werden auch von den Ärzten

besser angenommen, von Morphium bis Cannabis, und

das nicht nur erst auf der Palliativstation.

BEGLEITUNG ZUM ENDE

DES LEBENS STATT BE-

GLEITUNG ZUM STERBEN

Von Traude und Johannes Mlczoch

Kardinal König meinte einst: „Du sollst nicht

durch die Hand, sondern an der Hand der Mitmenschen

in den leider unvermeidlichen Tod gehen.“

Eine achtsame Palliativbetreuung als Alternative

zur Sterbehilfe?

Wichtig dabei ist zu bedenken:

Schmerz ist nicht nur körperlicher Schmerz, wie die Pionierin

des Palliativgedankens, Cicely Saunders, bereits

vor Jahren das Konzept des totalen Schmerzes entwickelt

hat. Dieser umfasst den physischen, mentalen, sozialen

und spirituellen Schmerz. Diese Formen müssen

ebenfalls wahrgenommen werden und in einer professionellen

Palliativbegleitung Berücksichtigung finden.

Die Palliativstation ist damit nicht mehr der Endpunkt

der Behandlung. Vielmehr soll sie Geborgenheit und

Ruhe bringen, auf den vielfältigen Schmerz eingehen

und das letzte Stück des Weges friedvoll erleichtern.

14

DIE MALTESER 1/2021


MALTESERÖSTERREICH

IMFOKUS

RELIGIONAKTUELL

KOMMUNION UND KEYBOARD

DER SELIGE CARLO ACUTIS

„Carlo liebte Videospiele, liebte Fußball, so wie ich, aber trotzdem hat er es geschafft, immer Gott an die erste Stelle zu setzen.

Denn genau das ist der Weg zur Freiheit“, so Dejan Ljubicic, Kapitän des SK Rapid über Carlo Acutis, den jungen „Internetapostel“.

Am 10. Oktober 2020 wurde in Assisi der erste Millennial

seliggesprochen. Er war ein Informatikgenie und sozial

engagiert: Carlo Acutis. Dem Charisma des 2006 15-jährig

verstorbenen „Cyberapostels“ können sich auch junge

Fußballer des SK Rapid nicht entziehen, er ist der erste

Selige in Jeans, Sneakers und Sweater.

Ein Seliger im Alltag zu Hause

David Budimir, U16-Stürmer, ebenfalls bei SK Rapid,

fasziniert die „unglaubliche Ausstrahlung“ des jungen

Italieners. „Er war nicht nur ein ‚stiller Beter‘, sondern

hat seinen Glauben gelebt. Mit seiner Nächstenliebe hat

er andere angesteckt.“

Acutis, am 3. Mai 1991 in London geboren und in Mailand

aufgewachsen, fiel früh durch eine außergewöhnliche

Frömmigkeit auf. Eucharistiefeier, Rosenkranz

und Beichte waren Grundpfeiler seines religiösen

Lebens. Dies verband er mit einem besonderen Talent:

Acutis besaß schon als Kind hervorragende Programmierfertigkeiten

auf dem Niveau von fortgeschrittenen

Informatikstudenten. Er schrieb Algorithmen,

gestaltete Webseiten und Layouts für Internetzeitungen.

Die Liebe zur Eucharistie motivierte ihn, im Alter

von elf Jahren ein Onlineverzeichnis eucharistischer

Wunder anzulegen. Zweieinhalb Jahre arbeitete er an

der Datenbank. Heute ist diese Onlineaufstellung weltweit

bekannt.

Vorbild im Alltag und Krankheit

Durch sein gewinnendes Wesen und seine besonderen Fähigkeiten

hatte er großen Einfluss auf seine Altersgenossen.

„Er spielte Playstation, liebte seine Katzen und seinen

Hund, schaute Actionfilme, spielte mit seinen Freunden

Fußball und saß natürlich am Computer“, so seine Mutter.

Gleichzeitig engagierte sich Carlo innerhalb seiner Pfarre

für Flüchtlinge und Obdachlose. Anfang Oktober 2006

wurde bei ihm eine aggressive Form von Leukämie diagnostiziert.

Acutis nahm die Diagnose mit einer bemerkenswert

gläubigen Haltung an. Er verstarb innerhalb von knapp

vierzehn Tagen am 12. Oktober 2006. Seine Ausstrahlung

hielt weit über seinen Tod hinaus nicht nur an, sondern

wuchs und mündete in seiner Seligsprechung in Assisi.

Sein wiederhergestellter Leichnam, der schon im Vorfeld

der Seligsprechung zur öffentlichen Verehrung ausgestellt

wurde, zeigt wohl den ersten Seligen der Geschichte

in Jeans, Sneakers und Sweater. Schon jetzt gilt er für

viele als prädestinierter „Patron des Internets“.

Dejan Ljubicic über den neuen Seligen: „Mich fasziniert,

dass er mit seinen 15 Jahren genau wusste, wo sein Weg

lag, und trotz dieser teils düsteren Welt seine Beziehung

zu Jesus nie aufgeben wollte.“

Quelle: www.erzdioezese-wien.at/site/glaubenfeiern/spirituelles/grossechristen/article/86768.html

DIE MALTESER 1/2021 15


RELIGIONAKTUELL

NOT LEHRT BETEN

Wird die Coronakrise die Menschen, die Kirche, die Gläubigen verändern? Wenn es um

Fragen geht, die schwer zu beantworten sind, ist es gut, sich zunächst auf das zu konzentrieren,

was offensichtlich ist.

Von Matthias Beck

pexels.com

Das Zentrale ist: Die Pandemie betrifft nahezu alle Menschen

auf der ganzen Welt. Das ist einzigartig. Sehr viele

sind gestorben, viele sind schwer krank, viele haben geliebte

Menschen sowie ihr Hab und Gut verloren, ihren

Arbeitsplatz, ihr Geschäft, ihren Betrieb. Die notwendigen

staatlichen Maßnahmen haben darüber hinaus auch

soziale und psychische Folgen für die Menschen. Die Not

ist sehr groß.

„Not lehrt beten“, sagt der Volksmund. Sicher haben viele

Menschen gebetet in dieser Zeit. Aber die Pandemie

ist nicht verschwunden, und das Virus wird auch nicht so

schnell – wenn überhaupt – aus der Welt verschwinden.

Man kann ihm nur die Nahrung entziehen, dass es nicht

mehr weiterexistieren kann. Und diese Nahrung sind wir

Menschen. Daher müssen wir dem Virus die Möglichkeit

nehmen, von einem Menschen auf den nächsten überzuspringen.

Das gilt wahrscheinlich weiterhin auch für

Geimpfte, da man nicht weiß, ob man nicht trotz einer

Impfung noch infektiös bleibt. Es ist also ein Gebot der

Vernunft, Abstand zu halten, Mund-Nasen-Schutz zu

tragen, Hände zu waschen, Räume zu lüften.

Worum sollen wir beten?

Die Gnade setzt die Natur voraus und vollendet sie“,

ist ein wichtiger theologischer Grundsatz. Der Mensch

muss seine Vernunftnatur gebrauchen, um mit der Pandemie

fertigzuwerden. Der Geist Gottes ersetzt nicht

den Geist des Menschen, aber er kann ihm helfen. Was

aber soll dann noch das Gebet? Worum sollen wir beten?

Dass die Pandemie bald aufhört, dass sie erst dann aufhört,

wenn die Menschen sich „bekehrt“ haben und erkennen,

dass wir unser Leben ändern müssen? Oder dass

wir erkennen, dass die Dinge, die wir für selbstverständlich

gehalten haben, gar nicht selbstverständlich sind?

Nicht einmal das Christentum ist selbstverständlich. Es

war die freie Entscheidung Gottes, in diese Welt einzutauchen.

Gebet als eine Form der Hinwendung zu Gott

und der Reflexion? Re-flectere heißt „sich nach innen

beugen“. Das gilt für das Gebet und für das Nachdenken.

Mit dem Mangel, dass zum Beispiel immer wieder keine

öffentlichen Gottesdienste stattfinden, könnte einem

der Wert des Christentums, der Messe, der Kirche in

ganz neuer Weise aufgehen. Das vermeintlich Selbstverständliche,

das einem entzogen wird, kann neu zu leuchten

beginnen. Gesundheit schätzt man oft erst in der

Krankheit. Sonst nimmt man sie unbemerkt einfach hin.

Der Mangel kann auf den Wert des Positiven hinweisen.

Diese Erkenntnis wiederum kann dankbar machen für

das, was einem geschenkt worden ist.

„Dein Wille geschehe“

Also nochmal: Worum sollen wir beten? Paulus sagt:

„Denn wir wissen nicht, was wir in rechter Weise beten

sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit

unaussprechlichen Seufzern. Der die Herzen erforscht,

weiß, was die Absicht des Geistes ist.“ (Röm 8,26–27).

Natürlich gibt es die Klagegebete der Psalmen und der

Propheten, das Klagegebet Jesu und den Schrei des Menschen

nach Gott in seiner Not. All das ist gut, verständlich,

menschlich, aber Gott allein weiß, was für den Menschen

„gut“ ist, auch wenn wir es nicht immer verstehen.

Wir beten es im Vater Unser, dem einzigen Gebet, das

uns überliefert ist: „Dein Wille geschehe“. Nun darf man

das nicht falsch verstehen. Man könnte ja fragen, ob es

Gottes Wille ist, dass es dieses Virus gibt. Dahinter steht

die ganz grundsätzliche Frage: Warum gibt es überhaupt

Krankheit, Leid und Not?

Christentum als heilende Religion

Zumindest aus dem Neuen Testament geht hervor, dass

16

DIE MALTESER 1/2021


RELIGIONAKTUELL

Gott Krankheiten heilen und Not lindern will. Jesus heilt

viele Kranke, er ist der Heiland. Christentum ist eine heilende

Religion. Das Unheil beginnt mit der Abkoppelung

des Menschen von Gott in der Paradiesgeschichte. Nicht

Gott ist der Urheber des Unheils. So seltsam es klingt:

Manche Krankheit kann ein Weg zu einer tieferen Heilung

sein. Heilung ist dabei auf das Ganze des Lebens

bezogen, dass der Mensch nicht an seinem Leben vorbeilebt.

So könnte auch diese Pandemie – so tragisch sie für

viele Menschen ist – aufs Ganze gesehen eine Art Heilung

sein, wenn Menschen mehr nachdenken über ihr

eigenes Leben oder über das Leben an sich. Man könnte

versuchen, die Zeichen der Zeit zu verstehen.

Worauf es wirklich ankommt

Haben wir uns nicht zu weit abgekoppelt von dem, worauf

es wirklich ankommt? Haben wir nicht zu tief in die

Natur eingegriffen und sie ausgebeutet? Ist es sinnvoll,

mit Genmanipulationen eine innerweltliche Unsterblichkeit

zu erreichen? Trifft es den Kern des Menschen,

wenn wir ihn im Kontext des Transhumanismus durch

Chipeinpflanzungen verbessern oder den Menschen im

Posthumanismus sogar ganz durch Maschinen ersetzen

wollen? Ist die Abkoppelung vom Urgrund nicht schon

zu weit fortgeschritten?

Friedrich Nietzsche hat es so ausgedrückt: „Was thaten

(sic!) wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten?

Wohin bewegt sie sich nun? Wohin bewegen wir uns?

Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend?

Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten?

Giebt (sic!) es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir

nicht durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht

der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt

nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht? Müssen

nicht Laternen am Vormittage angezündet werden?“

Neu erkennen, wie das Leben gemeint ist

Vielleicht zeichnet Nietzsche ein zu düsteres Bild der

Welt, aber ist seine Ahnung vor fast einhundertfünfzig

Jahren nicht geradezu prophetisch? Umgekehrt gefragt:

Kann eine derartige Pandemie den Menschen wieder zur

„Vernunft“, zum rechten Maß, zu Gott bringen? Denn eines

scheint immer klarer zu werden: Auch dieses Virus

hat mit der Lebensweise der Menschen und den Klimaveränderungen

zu tun. Das Virus folgt den Gesetzen der

Natur und des menschlichen Handelns. Gott hat es nicht

in die Welt geworfen, um den Menschen zu züchtigen.

Die Menschen leben so, dass es entstehen kann.

Entscheidend ist jetzt, wie jeder einzelne Mensch damit

umgeht. Zunächst müssen die praktischen Probleme

gelöst werden, soweit das möglich ist. Dann aber sollte

tiefer über die Bedeutung dieser Pandemie für die Menschen,

die Welt und jeden Einzelnen nachgedacht werden.

Christlicher Glaube hat zutiefst mit Erkenntnis zu

tun. „Credo ut intelligam“, sagt Anselm von Canterbury,

„Ich glaube, damit ich einsehe und verstehe“. Es gilt heute

neu zu erkennen, wie das Leben gemeint ist und wozu

wir hier auf dieser Welt herumlaufen. Darin bestünde die

tiefere Heilung. Diesen Weg kann jeder einzeln für sich

gehen, aber auch in Gemeinschaft.

Umkehr in der Fastenzeit

Von dieser inneren Umkehr wird es abhängen, wie wir

aus dieser Krise wieder herauskommen. Einem Prozess

des Umdenkens könnte die kommende Fastenzeit dienen.

Es gilt, sich neu festzumachen im letzten Grund

des Seins. Denn das heißt Glauben: sich festmachen in

Gott, um von dort her die Dinge genauer zu erkennen

und zu verstehen.

Ao. Univ.-Prof. Dr. Dr. Matthias Beck ist Pharmazeut,

Mediziner und Universitätsprofessor für Moraltheologie

mit Schwerpunkt Medizinethik an der Universität

Wien sowie Mitglied der Päpstlichen Akademie für

das Leben (Pontificia Academia Pro Vita).

DIE MALTESER 1/2021 17


VORBILDER

EIN VORBILD IM EINSATZ UND IN DER

FÜHRUNG

Im Oktober 2020 mussten wir uns von Ingo Radtke verabschieden, der seine Funktion als Generalsekretär von Malteser

International an Clemens Graf von Mirbach-Harff übergab. Was bleibt, sind eine wunderbare Freundschaft und große

Dankbarkeit für das, was wir von ihm lernen durften.

Von Richard Steeb

Das hartnäckige Covid-19-Virus ließ es nicht zu, dass die

vielen Mitarbeiter und Freunde, die sich von Ingo Radtke

so gerne persönlich verabschiedet hätten, die Gelegenheit

bekamen, einander zu treffen. So wurde der „Marschallstab“

des Generalsekretärs von Malteser International

am 30. Oktober 2020 nach einer Heiligen Messe,

in einer schlichten Zeremonie, im Beisein vom Großkanzler

Albrecht Freiherr von Boeselager an Clemens

Graf von Mirbach-Harff übergeben.

Viele Freunde und Mitarbeiter aus der ganzen Welt nahmen

online teil und konnten sich zumindest per Video

bei Ingo bedanken. Bedanken für mehr als 22 Jahre, in

denen Ingo Radtke verantwortungsvoll die Geschicke

von Malteser International geleitet und unter zwei Präsidenten

so erfolgreich gedient hatte.

Vom Offizier zu Malteser International

Geboren in Köln absolvierte Ingo Radtke nach dem Abitur

die Reserveoffiziersausbildung und studierte Pädagogik,

Psychologie und Katholische Theologie an der

Universität der Bundeswehr in Hamburg. Nach seinem

Abschluss als Diplom-Pädagoge war er Lehroffizier und

Kompaniechef in einem Panzergrenadierbataillon und

absolvierte die Generalstabsausbildung an der Führungsakademie

in Hamburg sowie an der Ecole Militaire

in Paris.

1991 schied er als Oberst d. G. freiwillig aus der Bundeswehr

aus und wurde selbständiger Unternehmensberater.

Von 1994 bis 1998 war er Abteilungsleiter für

Kinder- und Jugendpastoral im Bischöflichen Generalvikariat

in Trier, bevor er 1999 die Leitung des Auslandsdienstes

des Deutschen Malteser Hilfsdienstes in Köln

übernahm und Generalsekretär von ECOM (Emergency

Corps of the Order of Malta) wurde. Diese beiden Organisationen

verschmolzen 2005 zu Malteser International,

der internationalen Katastrophenhilfe-Organisation

des Malteser-Ritter-Ordens weltweit.

Strategisches Talent und Weitblick

Als Generalstabsoffizier war Ingo Radtke es gewohnt,

auf strategischer und operativer Ebene zu denken und

zu führen. Seine Analysen und Empfehlungen zu den oft

heiklen Entscheidungen, wie und auf welche Weise am

besten Hilfe zu leisten war, waren immer fundiert und

wurden gerne angenommen. Der Präsident und auch ich

als Vizepräsident waren immer bestens eingebunden in

die Erwägungen und Möglichkeiten sowie den gefassten

Entschluss und die gesetzten Maßnahmen und konnten

getrost die mühsame Tagesarbeit dem Generalsekretär

und seinem hervorragenden Führungsteam überlassen.

Ingo Radtke leitete in seiner Zeit unter anderem die Nothilfemaßnahmen

von Malteser International nach dem

18

DIE MALTESER 1/2021


VORBILDER

Kosovo-Konflikt, dem Tsunami in Asien 2004, dem Erdbeben

in Haiti 2010 sowie jene während der Flüchtlingskrise

im Nahen Osten und in Europa seit 2015.

Mit ruhiger Hand auch in stürmischen Zeiten

Dabei blieb Ingo Radtke seiner Berufung als Christ immer

treu, trotz manchem Gegenwind, der das eine oder

andere Mal, mehr als unerwartet und auch nicht fair,

„das Schiff“ Malteser International traf. Er hat trotzdem

unerschrocken und klar seinem christlichen Auftrag getreu

seine zahlreichen Mitarbeiter sicher geführt, das

Steuer fest in der Hand und die Richtung beibehaltend.

In der Monarchie hätte man ihm in Österreich wohl die

höchste militärische Auszeichnung, den Militär-Maria-

Theresien-Orden, zukommen lassen. Dieser wurde „für

aus eigener Initiative unternommene, erfolgreiche und

einen Feldzug wesentlich beeinflussende Waffentaten,

die ein Offizier von Ehre hätte ohne Tadel auch unterlassen

können“ verliehen.

Im Kampf gegen Corona

Ingo Radtke, der so lange Tag und Nacht im Einsatz für

das achtspitzige Kreuz stand, der Malteser International

zu dem weltweiten Hilfswerk des Souveränen Malteser-

Ritter-Ordens für humanitäre Hilfe führte, das nun in

28 Ländern jährlich über 125 Projekte durchführt und

mehr als drei Millionen Menschen erreicht, konnte natürlich

auch nicht einfach in Pension gehen.

Der Herrgott hatte sofort neue Aufgaben für ihn. Kaum

verabschiedet erging der Ruf an ihn, den krisenerfahrenen

Experten, den Aufbau und die Leitung eines der

sechs Berliner Covid-19-Impfzentren im Auftrag des

Berliner Gesundheitssenats in Berlin-Charlottenburg zu

übernehmen. Und wie gewohnt stand Ingo bereit und

übernahm diese herausfordernde Aufgabe.

Er organisierte in Absprache mit dem übergeordneten

Impfstab unter Federführung des Deutschen Roten Kreuzes

die Prozesse und Abläufe im Impfzentrum selbst,

setzte einen gut funktionierenden Stab zusammen und

leitete die Trainings- und Testläufe. Und da er auch diesmal

alles mit Bravour erledigt hat, wird sein Einsatz voraussichtlich

erst Ende April 2021 zu Ende gehen. Bei

Vollauslastung können sich problemlos täglich bis zu

3.800 Menschen von den 210 Mitarbeitern in der Messehalle

21 unter dem Berliner Funkturm impfen lassen.

Würdiger Nachfolger – Clemens Graf von

Mirbach-Harff

Gut unterrichtete Kreise berichten, wie entspannt und

mit welcher großen Freude Ingo Radtke, auch wenn seine

geliebte Familie und sein Enkelkind noch etwas warten

müssen, wieder bei der Sache ist. Nicht zuletzt auch,

weil er „sein“ Generalsekretariat in den besten Händen

weiß und sein Nachfolger Clemens Graf von Mirbach-

Harff Garant dafür ist, dass weiter weltweit durch Malteser

International versucht wird, die Not erträglicher zu

machen und den Menschen wieder Hoffnung zu geben,

oder wie Papst Franziskus es wohl sagen würde: „Wunden

zu heilen und Herzen zu wärmen“.

Sollte also, wider Erwarten, auch Ingo Radtke einmal in

den Ruhestand treten, so hoffe ich, dass er nach Wien

kommen kann, damit auch die österreichischen Malteser

ihm, bei einem guten Essen und einem Tröpfchen Wein,

persönlich für seine hervorragende Aufbauarbeit, sein

unermüdliches Wirken und seine Freundschaft „Vergelt’s

Gott“ sagen können.

DIE MALTESER 1/2021 19


LEBENSWERT

KLINISCHE ETHIK-

BERATUNG FÜR

WÜRDEVOLLES

LEBEN BIS ZULETZT

Im Krankenhaus sind Behandlungsteams laufend mit ethischen

Fragen konfrontiert: vom Umgang mit lebenserhaltenden

Maßnahmen bis hin zu allgemeinen Sorgen um

Über- oder Unterversorgung von Patienten. In solchen Fällen

hilft professionelle Ethikberatung, wie sie seit zehn Jahren

bei den Barmherzigen Brüdern Österreich praktiziert wird.

Von Katharina Stögner

Herr Dr. Wallner, wozu braucht es Ethikberatung

in der Medizin?

Menschen haben im Alltagsstress oft nicht die Zeit

zum Hinterfragen. Im Krankenhaus sind sie hauptsächlich

damit beschäftigt, zu therapieren und zu behandeln.

An diesem Punkt kann Ethikberatung wirksam

ansetzen. Sie versucht, die medizinische Routine

zu durchbrechen und Raum für ein klärendes Gespräch

zu schaffen. Ein Beispiel: Ein seit vielen Jahren therapierter

Krebspatient verliert immer wieder Blut, aber

die Blutungsquelle kann nicht festgestellt werden. Der

Pionier in Sachen Ethikberatung

Die Barmherzigen Brüder Österreich zählen zu den Ersten,

die im deutschsprachigen Raum ihren Mitarbeitenden

im Jahr 1994 eine ethische Orientierungshilfe in

Form eines Ethik-Kodex zur Verfügung gestellt haben.

Der mittlerweile in einer vollständig überarbeiteten

Form auch für die Öffentlichkeit publizierte Kodex bietet

eine Einführung in die grundlegenden Prinzipien der

Ethik und in ihre Konkretisierung in der Gesundheitsversorgung

(zum Beispiel Intensivtherapie, Gerontologie,

Chirurgie). Nähere Informationen: https://barmherzigebrueder.at/ethik/codex

Patient erhält täglich Blutkonserven, doch die Situation

verändert sich nicht, er verliert weiterhin laufend

Blut. Möglicherweise ist der Patient am Ende seines

Lebens angekommen, doch man wagt nicht, das anzusprechen,

oder hat in der medizinischen Routine und

unter dem ständigen Zeitdruck nicht die Zeit, darüber

nachzudenken. Hier sollte und darf vom Patienten,

den Ärzten oder der Pflege die Frage gestellt werden,

wie sinnvoll die weitere Verabreichung von Blutkonserven

ist, zumal der Patient keine Schmerzen hat,

wenn kein Blut mehr zugeführt wird. Er wird lediglich

immer müder und „schläft schließlich für immer“ ein.

Womöglich entspricht genau das dem Patientenwillen.

Das muss einfühlsam und sorgfältig besprochen und

geklärt werden – idealerweise im Rahmen der Ethikberatung,

gemeinsam mit dem Patienten.

Was ist das Ziel von Ethikberatung?

Es geht darum, ein gemeinsames Verständnis des anstehenden

Problems zu entwickeln, dieses zu strukturieren,

denselben Informationsstand aller Beteiligten

zu erlangen, mögliche Handlungsoptionen aufzuzeigen

und miteinander zu beurteilen. Ziel ist eine gemeinsame

Entscheidungsfindung – etwa dann, wenn eine

Operation zwar technisch möglich, aber hinsichtlich

© Shutterstock/1730251996/sasirin pamai

20

DIE MALTESER 1/2021


LELEBENSWERT

ihrer Belastungen nicht vertretbar ist, wenn im Behandlungsteam,

beim Patienten oder bei seinen Angehörigen

Fragen auftauchen, wie und warum bestimmte

Therapieentscheidungen getroffen werden sollen, oder

wenn Klarheit über den Patientenwillen geschaffen

werden soll. Eine Ethikberatung trägt sehr dazu bei,

jene Person zu stärken, die eine Entscheidung letztlich

autorisieren muss. Dazu dient auch die Dokumentation

der Entscheidungsfindung, sodass sie für alle Betroffenen

nachvollziehbar ist.

Nach welchen Kriterien lässt sich eine Entscheidung

ethisch beurteilen?

Die ethische Fallberatung hat zum einen die Aufgabe,

dass bestimmte ethische Prinzipien berücksichtigt

werden. Dazu zählen: Belastungen, Risiken, Schäden

für den Patienten zu vermeiden, seinen Nutzen zu fördern,

seine Selbstbestimmung zu respektieren und fair

zu handeln. Die Abwägung zwischen Wohl und Schaden

ist eine komplexe Herausforderung, weil sie nur

zum Teil auf wissenschaftlicher Evidenz basiert. Sie

braucht auch die kluge Einschätzung der konkreten

Situation. Dabei hilft es, verschiedene Stimmen – aus

dem Behandlungsteam, vom Patienten selbst oder seinen

Angehörigen – zu hören, um ein kompletteres Bild

zu bekommen. Die ethische Fallberatung hat zudem

die Aufgabe, an bestimmte Rahmenbedingungen für

die Entscheidungsfindung zu erinnern. Dazu zählen

in erster Linie rechtliche Normen, aber auch fachliche

Leitlinien und Policies des Spitals. Die Dokumentation,

die der Ethikberater für die Krankengeschichte

dazu verfasst, macht die Entscheidungsfindung für

alle Betroffenen nachvollziehbar und trägt damit zu

einer abgestimmten Vorgehensweise bei.

Wie läuft eine Ethikberatung im Krankenhaus

ab?

Sie ist im Rahmen eines Ethikkonsils organisiert und

funktioniert folgendermaßen: Eine Person des Behandlungsteams

fordert das Ethikkonsil an. Es wird

ein zeitnaher Termin ausgemacht, zu dem sich alle auf

der Station treffen: Mitglieder des Behandlungsteams,

der Patient oder die Patientin oder der gesetzliche Vertreter

beziehungsweise Angehörige und eine Person

des Ethikberatungsdienstes. Letztere leitet das Gespräch

fachlich fundiert, rechtlich korrekt und sozial

empathisch entlang zentraler Fragen. Manchmal stellt

der Ethikberatungsdienst bewusst Fragen zu scheinbar

„ohnehin selbstverständlichen“ Dingen oder spricht

scheinbar „irrelevante“ Szenarien an. Die Erfahrung

zeigt, dass diese Aspekte sowohl die Patienten und

Angehörigen als auch die Ärzte und das behandelnde

Personal sehr wohl beschäftigen, selbst wenn sie diese

Fragen von sich aus nicht erwähnen wollen.

Wer kann den Ethikberatungsdienst anfragen?

Jede Person, die in einer Patientenbehandlung involviert

ist, kann ein Ethikkonsil anfordern. Es ist absolut

empfehlenswert und sehr klug, sich mit den Kollegen

auszutauschen. Idealerweise sitzen alle Entscheidungsträger

der Gesundheitsberufe an einem Tisch: Das sind

jedenfalls Behandelnde aus dem ärztlichen und pflegerischen

Dienst, fallbezogen der Physio-, Ergo- und

Logotherapie, der Sozialarbeit oder der Seelsorge.

Wie sinnvoll ist es, die betroffenen Patienten

und deren Angehörige in die Beratung einzubeziehen?

Die ethische Beratung soll über die Ärzteschaft hinausgehen.

Es müssen sowohl die Zielvorstellungen der Ärzte

als auch die Wünsche der Patienten klar vorliegen, um

eine gute Entscheidung treffen zu können. Sonst bleibt es

Priv.-Doz. Dr. Jürgen

Wallner, MBA, HEC-C

leitet das Ethikprogramm

der Barmherzigen Brüder

Österreich und ist Dozent

für Rechtsethik an der

Rechtswissenschaftlichen

Fakultät der Universität

Wien.

© Andy WenzelBKA

DIE MALTESER 1/2021 21


LEBENSWERT

bei Mutmaßungen im Ärztezimmer, was der Patient wollen

und welche Gründe er wofür haben könnte. Der Patient sollte

jedenfalls miteinbezogen werden – sofern er das möchte

und sofern er aufgrund seines Zustands dazu in der Lage ist.

Es zeigt viel von der Kultur eines Krankenhauses, wie und

ob die Patienten eingebunden werden. Bei den Barmherzigen

Brüdern streben wir danach, weil es Ausdruck der Hospitalität

ist, Patienten ernst zu nehmen.

Shutterstock/1216683727/Blue Planet Studio

KLINISCHE ETHIK – MEHR ALS MEDIZINSCHE MORAL

Die klinische Ethik hat drei zentrale Funktionen: Fallarbeit,

Bildungsarbeit und Policy-Arbeit. Damit geht sie

tiefer als die moralischen Ansprüche der klinischen Medizin,

indem sie diese kritisch reflektiert.

Die erste und für viele unmittelbar wichtigste Funktion

der klinischen Ethik besteht darin, den Betroffenen

– also dem Behandlungsteam, den Patienten und deren

Vertretern sowie Angehörigen – bei ethischen Fragen,

Problemen und Konflikten im Zusammenhang mit konkreten

Behandlungsfällen weiterzuhelfen. Typische Themen

sind Beurteilungsprobleme hinsichtlich des Therapieziels

und der damit verbundenen Indikationsstellung

einer Intervention, Verständnisprobleme bezüglich des

Patientenwillens oder moralische Konflikte im Zusammenhang

mit bestimmten Behandlungsschritten – etwa

das Abschalten eines Respirators.

Die zweite Funktion der klinischen Ethik umfasst Aktivitäten

der Aus-, Fort- und Weiterbildung für zwei Zielgruppen:

Erstens geht es um die Stärkung der ethischen

Kompetenz aller Mitarbeitenden. Dazu wird in der ärztlichen

und pflegerischen Ausbildung sowie in der Führungskräfteentwicklung

ein Basiswissen vermittelt.

Zusätzlich werden für die verschiedenen Gesundheitsberufe

und Fachrichtungen Fortbildungen angeboten,

in denen aktuelle ethisch relevante Themen behandelt

werden (beispielsweise der Umgang mit den Anforderungen

des Erwachsenenschutzrechts in der klinischen

Entscheidungsfindung). Zweitens zielt die Bildung auf

jene ab, die sich in der klinischen Ethikberatung engagieren.

Hierfür gibt es mittlerweile Mindeststandards,

formuliert von Fachgesellschaften wie der Akademie

für Ethik in der Medizin und der American Society for

Bioethics and Humanities. Solche Standards sind erforderlich,

um im hochprofessionalisierten klinischen Umfeld

nicht bloß ein „ethisches Bauchgefühl“ oder einen

„moralischen Zeigefinger“ beizusteuern, sondern einen

substanziellen Beitrag leisten zu können.

Die dritte Funktion der klinischen Ethik betrifft die

Entwicklung und Implementierung von schriftlichen

Orientierungshilfen und Behelfen (Policies) für konkrete

Themenbereiche. Typische Beispiele für ethisch

relevante Policies im Krankenhaus betreffen den

V erzicht auf Reanimationsversuche, die Unterstützung

von Patienten mit fraglicher Entscheidungsfähigkeit,

den Umgang mit Patientenverfügungen oder das

Vorgehen bei der Beendigung lebenserhaltender Maßnahmen.

22

DIE MALTESER 1/2021


LEBENSWERT

Was sind bisher die Erfahrungen in der Ethikberatung

bei den Barmherzigen Brüdern?

Die Fälle, in denen Ethikberatung angefordert wird,

haben sich in den letzten zehn Jahren verändert. Einst

war die Frage vorwiegend: „Wie kann ich einen Therapierückzug

und eine gute palliative Betreuung in den

letzten Tagen gut begründen?“ Mittlerweile stehen

viele Patienten vor der Entscheidung: „Ich bin krank

und werde über die nächsten Jahre stufenweise daran

sterben. Es wird langsam und schrittweise bergab gehen.

Wie kann ich die verbleibende Zeit bestmöglich

erleben? Bis wohin möchte ich eine Therapie beziehungsweise

Behandlung, und was will ich auf keinen

Fall?“ Das sind viel komplexere Fälle, in denen die

Grauschattierungen eines Krankheitsverlaufs schon

viel früher erkennbar sind. Das führt zu einem schwierigen

Ringen mit der Situation, die durch Ethikberatung

geklärt oder zumindest erleichtert werden kann.

Wie wird die Wirksamkeit der klinischen Ethikberatung

im professionellen Umfeld gesehen?

Profis bemerken, dass Ethikberatung nicht ihre fachliche

Autorität in Frage stellt, sondern vielmehr Ausdruck

ihrer eigenen Professionalität ist. Sie wissen,

wann es klug ist, sich Unterstützung zu holen, auch

wenn sie es vielleicht allein schaffen würden. Patienten

und Angehörige haben vielfach rückgemeldet, dass

sie positiv überrascht waren, wie bei uns mit ethisch

schwierigen Entscheidungen umgegangen wird. In

dieser Hinsicht ist Ethikberatung Ausdruck der Gastfreundlichkeit

(des Charismas der Barmherzigen Brüder).

Das hilft, existenziell schwierige Lebenssituationen

zu bewältigen.

Sollte die Möglichkeit der Ethikberatung auch

aktiv angeboten werden?

Damit laufen Sie bei mir offene Türen ein! Die Barmherzigen

Brüder sind dabei, genau ein solches Angebot

für ihre Patienten und deren Angehörige aufzubauen.

Welche Ausbildung benötigt ein Ethikberater?

Die Mindestanforderungen an die Qualifizierung für

Ethikberatung ergeben sich aus den Kompetenzstufen

der Akademie für Ethik in der Medizin (AEM). Die

Kompetenzstufe 1 „Ethikberater*in im Gesundheitswesen“

wird im Rahmen einer offenen Ausbildung von

den Barmherzigen Brüdern Österreich in Kooperation

mit der Medizinischen Akademie für Oberösterreich

angeboten. Die darauf aufbauende Fachausbildung auf

der Kompetenzstufe 2 „Koordinator*in für Ethikberatung

im Gesundheitswesen“ findet im gleichen Setting

mit zusätzlicher Beteiligung der Johannes Kepler Universität

Linz statt.

Ist spezielles Vorwissen Bedingung?

Formal ist keine Vorbildung erforderlich, aber Vorerfahrungen

aus einem Gesundheits- oder Sozialberuf

sind sehr hilfreich. Vor allem Personen, die aus der

Pflege, aus einem medizinischen Beruf mit Patientenkontakt

oder aus dem Palliativdienst kommen, haben

ein wertvolles Basiswissen, das sie hier sehr gut einbringen

können. In jedem Fall werden Vorgespräche

geführt, in denen diese Aspekte geprüft werden.

Nützliche Links zur Ethikberater-Ausbildung

www.barmherzige-brueder.at/ethik/

beratungsausbildung/

www.barmherzige-brueder.at/ethik/fachausbildung

www.aem-online.de

https://asbh.org

IN WÜRDE BIS ZULETZT

Das ehrenamtliche Malteser Palliativteam ist im

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, im Wilhelminenspital

(Klinik Ottakring) und im Haus Malta tätig.

Voraussetzung für die Mitarbeit ist der Abschluss

eines speziellen Ausbildungskurses (zum Beispiel im

Kardinal König Haus) mit anschließendem Praktikum

auf einer Palliativ-Abteilung.

Nähere Informationen:

www.malteser.at/was-wir-tun/sozialdienste/

palliativbetreuung/ oder auch bei Prof. Dr. Johannes

Mlczoch persönlich unter T: +43 664 411 88 69 oder

E: johannes.mlczoch@hotmail.com

DIE MALTESER 1/2021 23


XXXXX MALTESERÖSTERREICH

BILDUNG FÜRS

LEBEN

Wer für die MALTESER tätig ist, erhält nicht nur eine fundierte Ausbildung als Sanitäter und wird im Umgang mit Menschen

mit Behinderung geschult, sondern erfährt auch die Gemeinschaft, Spiritualität und Unterstützung der MALTESER

in der persönlichen Entwicklung. Zum Beispiel durch Fortbildungskurse zum Thema Kommunikation.

Von Bernhard Bachna

Gunhard Keil ist langjähriges Mitglied des Malteser

Hospitaldienstes und Ordensmitglied. Im Hauptberuf

ist er als Kommunikationsexperte und -coach tätig und

wird gerne als Keynote-Speaker gebucht. Für die Malteser

hat er gemeinsam mit Johannes Wagner vom Bereich

Wien einen Onlineworkshop zusammengestellt.

90 Teilnehmende zwischen 17 und 70 Jahren erhielten

hier spannende Einblicke und hilfreiche Tipps zur

Kommunikation. In insgesamt fünf Onlineabenden

ging es um die Themen „Kommunikation auf Augenhöhe“,

„Auf den Punkt kommen“, „Wer fragt, der führt“,

„Mit Fragen Lösungen finden“ und „Feedback geben“.

In Liebe begegnen

Warum Professionalität in der Kommunikation gerade

für eine Organisation wie die Malteser wichtig ist,

lässt sich gut anhand unseres Ordensgebets zeigen, wo

es heißt: „Dem Nächsten will ich in Liebe begegnen,

besonders den Armen und unseren Herren Kranken.“

Dieser Satz beschreibt nicht nur, was wir tun, sondern

vor allem, wie wir unsere Aufgabe erfüllen. Das bedeutet,

in unserer Haltung auf Augenhöhe zu achten, in

liebevoller, respektvoller Klarheit zu kommunizieren

und damit sicherzustellen, dass ein Dialog entsteht.

Beruflich wie privat nützlich

Gerade in Zeiten rasch wechselnder, begrenzter Kontakte

und neuer Aufgabenstellungen, die uns immer mehr

fordern, bekommt Kommunikation einen hohen Stellenwert.

Das betrifft nicht nur unser freiwilliges Engagement

bei den Maltesern. Auch privat und beruflich,

in unternehmerischen Führungsfunktionen und selbst-

verständlich in der Beziehungskommunikation in der

Familie, aber auch mit unseren Betreuten, können professionelle,

zielorientierte und gleichzeitig einfühlsame

Methoden der Kommunikation sehr hilfreich sein. Deshalb

werden wir Gunhard Keil gerne noch öfter bitten,

uns in Sachen Kommunikationstraining zu begleiten.

Nähere Infos: www.gunhardkeil.com

KOCHDIENST

FÜR BEDÜRFTIGE

Gerade in der kalten Jahreszeit ist es für Obdachlose besonders

schwer, an eine warme Mahlzeit zu gelangen. Die

MALTESER helfen gemeinsam mit dem Orden der Mutter-

Teresa-Schwestern.

Von Beatrix Spannbauer

Seit Oktober 2020 sind sie jeden Samstag zwischen

neun und zwölf Uhr im Haus der Mutter-Teresa-

Schwestern am Mariahilfer Gürtel in Wien anzutreffen:

Bis zu sechs freiwillige Malteser kochen hier gemeinsam

mit den Missionarinnen der Nächstenliebe

für bis zu 300 Obdachlose und Bedürftige.

Warmes Essen zum Mitnehmen

Die Zutaten stellen die Schwestern bereit, die Zubereitung

der Speisen übernehmen die Malteser. Geschält,

geschnitten, gekocht, gedünstet, gebraten und geba-

24

DIE MALTESER 1/2021


MALTESERÖSTERREICH

WARUM UNS PILGERFAHRTEN SO WICHTIG SIND

Wie sehr uns das Gemeinschaftsbildende über alle Grenzen fehlt, spüren wir schmerzlich seit dem besonderen Jahr

2020: Unser alljährlicher Lourdes-Zug fand coronabedingt nur virtuell statt, und die geplante Romreise musste

hoffnungsfroh und vorausblickend auf 2021 verschoben werden.

Von Richard Wittek-Saltzberg

Pilgern, also auf dem Weg sein – mit und zu

Christus, unserem Herrn – und Diener sein

unserer Herren Kranken, ist der Urgrund der

Malteser, begründet im elften Jahrhundert,

doch bestimmt älter im Zusammenhang mit

der Kreuzauffindung zu Zeiten der Kaiserinmutter

Helena, der Erbauung der Grabeskirche

mit einem Xenodochium, also einer Fremden-

oder Pilgerherberge als Vorläuferin des

mittelalterlichen Hospizes, in Jerusalem und

der kirchlichen Zeitenwende unter Konstantin

dem Großen. In einer großen katholischen Erneuerungsbewegung

und Aufbruchstimmung

wird nach dem Zweiten Weltkrieg Lourdes das

Zentrum für das Sich-auf-den-Weg-Machen.

cken wird, was gerade auf dem Speiseplan

der Ordensschwestern steht. Die

fertigen Mahlzeiten werden portioniert

und in kleinen Essensboxen und Säckchen

zum Mitnehmen abgepackt. Wegen

Corona ist derzeit ein Vorortverzehr leider

nicht möglich.

Danke, Georg! Danke, Elisa!

Mit Georg Male, brillant mit sprühendem Geist, und Elisa Stadlinger,

mit viel Empathie und Verstand, kamen als österreichische Lourdes-

Pilgerzug-Organisatoren in den 2010er-Jahren zwei bewährte und

beseelte Vizekommandanten Zug um Zug in die oberste Führungsverantwortung

im Malteser Hospitaldienst. Ihre Namenspatrone stehen

wie Zeichen für unser Ordens-Charisma: der heilige Georg im Kampf

mit dem Drachen gegen das Böse in der Verteidigung des Glaubens (tuitio

fidei) und die heilige Elisabeth sowie unser vor 900 Jahren verstorbener

Ordensgründer, der selige Gerhard, ikonographisch dargestellt

mit dem Brot für die Bedürftigen (obsequium pauperum).

Georg Male und Elisa Stadlinger

haben nach intensivem Einsatz,

die richtigen Entscheidungen

für den Malteser Hospitaldienst

auf den Weg zu bringen, Ende

November 2020 aus beruflichen

Gründen ihre Mitverantwortung

im Kommando zurückgelegt. Aber einmal Malteser, immer Malteser!

Da bin ich mir von Herzen sicher und sehr dankbar.

Regelmäßiger Malteser-Dienst

Die Zusammenarbeit mit den Mutter-

Teresa-Schwestern ist nicht neu. Früher

von der Johannesgemeinschaft durchgeführt,

haben die Malteser schon in der

Vergangenheit immer wieder ausgeholfen.

Nun ist ein regelmäßiger Dienst

des Bereichs Wien der Malteser daraus

geworden. Dank ihres Einsatzes kann

besonders Bedürftigen geholfen werden,

die im Haus der Schwestern neben Essen

auch warme Kleidung und Zuwendung

erhalten.

Herzlich willkommen, Niklas und Sylvia!

Genauso ist es mit der großen Freude über die Zusage von Niklas

Salm-Reifferscheidt-Raitz, langjähriger Bereichsleiter in Oberösterreich

mit weiterhin aufrechter Sanitäterberechtigung, und Sylvia

Tuczka, bis jüngst mit viel Umsicht und großer Übersicht Bundesleiterin

Finanzen, als Vizekommandanten in die vorderste Linie aufzurücken.

Wir haben nicht nur eine große Tradition, sondern auch eine

gute Zukunft, ganz nach den Worten des ersten Großmeisters Fra’

Gerhard: Gemeinschaft, unvergänglich, so Gott es will.

DIE MALTESER 1/2021 25


MALTESERÖSTERREICH

„STRECK DEM ARMEN DEINE HAND ENTGEGEN“

Unter diesem Motto wurde am 15. November 2020 der von Papst Franziskus eingeführte Welttag der Armen begangen – mit Unterstützung

der MALTESER, die gemeinsam mit Freiwilligen der Franziskaner zur Messe und Essensausgabe in Wien eingeladen hatten.

Das Titelzitat stammt aus dem Buch Jesus Sirach im Alten

Testament. Es weckt sogleich Assoziationen mit „obsequium

pauperum – Hilfe den Bedürftigen“, also dem

Leitsatz des Malteserordens. Diesem Prinzip getreu beteiligten

sich die Malteser an der Organisation des am

Welttag der Armen traditionell durchgeführten Segensgottesdienstes

mit Kardinal Schönborn und anschließender

Essensausgabe für 120 Armutsbetroffene.

Gemeinsam feiern und gestalten

Schon vor Beginn der Messe sorgten die Malteser, die mit

insgesamt 20 Personen im Einsatz waren, beim Eingang

der Franziskanerkirche mit der Durchführung von Hygienemaßnahmen

und Fiebermessen für die größtmögliche

Sicherheit aller Teilnehmenden. Der Gottesdienst wurde

von Armutsbetroffenen selbst gestaltet, die als Ministranten,

Lektoren und Musiker in Erscheinung traten.

Von Tobias Zöhrer

Während des Einzelsegens und beim Auszug aus der Kirche

mit gleichzeitiger Essensausgabe, die coronabedingt

leider nicht wie geplant in festlichem Rahmen im Refektorium

des Franziskanerklosters und im Curhaus St. Stephan

stattfinden konnte, kümmerten sich die Malteser

gemeinsam mit Freiwilligen der Franziskaner als Ordner

um einen geregelten Ablauf. Das Essen selbst bestand aus

einem dreigängigen Festmahl, das ein Küchenteam der

Malteser frisch zubereitet hatte.

Die Barriere der Einsamkeit durchdringen

Im persönlichen Gespräch bedankte sich Kardinal Schönborn

im Namen von Papst Franziskus für unseren Dienst.

Besonders in Erinnerung bleiben außerdem die Zusammenarbeit

und die persönlichen Begegnungen mit armutsbetroffenen

Freiwilligen und Messgästen. In einer

Zeit der weltweiten Krise war dieser Nachmittag ein

Einladung zur Reflexion

„Streck dem Armen deine Hand entgegen“ (vgl. Sir 7,32).

Die altehrwürdige Weisheit hat diese Worte gleichsam als

einen heiligen Verhaltenskodex für das Leben aufgestellt.

Sie erklingen heute mit ihrer ganzen Bedeutungsschwere,

um auch uns zu helfen, den Blick auf das Wesentliche

zu konzentrieren und die Schranken der Gleichgültigkeit

zu überwinden. Die Armut tritt immer in verschiedenen

Formen auf, die für jede besondere Situation Aufmerksamkeit

verlangen: In jeder von ihnen können wir dem

Herrn Jesus begegnen, der offenbart hat, in seinen geringsten

Brüdern anwesend zu sein (vgl. Mt 25,40).

26

DIE MALTESER 1/2021


MALTESERÖSTERREICH

„WARUM KOMMST DU NICHT AUCH ZU MIR?“

Wie wertvoll und sogar lebensrettend die Arbeit des MALTESER Betreuungsdienstes für viele Menschen im Alter oder mit

einer körperlichen Einschränkung sein kann, zeigt das herzerwärmende Beispiel von Monika aus Wien.

Von Barbara Bernegger-Kittinger

Wir haben uns vor mehr als 20 Jahren bei einer Weihnachtsfeier

der Malteser kennengelernt. Als Mitglied des Malteser Betreuungsdienstes

besuchte ich damals mit Walter, meinem ersten Betreuten,

eben jene Feier. Monika saß an einem der Nebentische und sagte

plötzlich: „Warum kommst Du nicht auch zu mir?“

Monika ist bis 12. Jänner 2021 einen langen,

steinigen Weg gegangen und nun heimgekehrt

– möge sie in Frieden ruhen. Monika,

ich werde dich vermissen. Deine Barbara

sicht- und fühlbarer Beweis dafür, dass

trotz Einhaltung der Abstandsregeln

durch ein nettes Wort, ein freundliches

Lächeln oder sogar herzhaftes Lachen

die Barriere der Einsamkeit durchdrungen

werden und ein Gefühl des Miteinanders

entstehen kann.

Der Welttag der Armen findet einmal im

Jahr statt, um auf das Thema aufmerksam

zu machen und die Gesellschaft für

die Not und die Bedürfnisse von Armen

zu sensibilisieren. Er wird jeweils am

zweiten Sonntag vor dem Advent begangen.

Wir alle sind jedoch dazu aufgerufen,

an jedem Tag im Jahr Bedürftigen

die Hand zu reichen und aktiv an

einer Welt zu bauen, in der Armut keinen

Platz mehr hat.

So fing es an. Ich besuchte Monika daraufhin regelmäßig. Die ältere

Dame saß zwar im Rollstuhl, war aber dennoch unternehmungslustig

und aufgeschlossen. Für ihr Leben gern ging Monika in Restaurants

zum Essen. „Um unter Leuten zu sein, sie zu beobachten“, wie

sie sagte. Bei einem dieser Treffen schüttete Monika mir das Herz

aus. Sie hatte eine ungemein bewegte Vergangenheit hinter sich –

von der äußerst schwierigen Kindheit angefangen über wechselhafte

Liebesbeziehungen bis hin zu komplizierten Geschichten mit ihren

eigenen Kindern. „Bist du jetzt geschockt?“, fragte sie mich, als

sie geendet hatte. Doch ich nahm Monika einfach ohne Zögern nur

in die Arme und drückte sie mitfühlend.

Fürsorgliche Hilfe und Sicherheit

Eines Tages, wir waren in Monikas Wohnung verabredet, wurde die

Tür wider Erwarten trotz mehrmaligem Läuten nicht geöffnet. Beunruhigt

rief ich sofort die Feuerwehr, um die Wohnung öffnen zu

lassen – zum Glück und keine Minute zu früh! Monika lag ohnmächtig

mit einer blutenden Wunde am Boden, und in der Küche war eine

Herdplatte an.

Nach dem folgenden Spitalsaufenthalt war klar, dass Monika nicht

mehr allein leben konnte. Also übersiedelte sie in ein Heim, wo

sie bestens betreut wurde. Dank regelmäßiger Bewegungstherapie

lernte Monika sogar wieder, selbstständig zu gehen. Der Rollstuhl

konnte gegen einen Rollator getauscht werden. Für mich, die Monika

jetzt natürlich weiterhin besuchen kam und kleine Dienste und

Botengänge für sie übernahm, war es jedes Mal eine Freude, wenn

mir Monika bei ihren Besuchen schon am Gang entgegenkam. So

schön kann „Dienst am Nächsten“ sein!

DIE MALTESER 1/2021 27


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER KINDERHILFE

GROSSARTIGE HILFE FÜR

DAS HILDE UMDASCH HAUS

Weihnachten ist Spendenzeit – nicht nur, aber ganz besonders! Vom traditionellen Kekserlmarkt im Hilde Umdasch

Haus, der kurzerhand zum „Weihnachts-Take-away-Markt“ umfunktioniert wurde, über Zuwendungen von Unternehmen

und Privaten bis hin zu bemerkenswerten Aktionen von Stadtgemeinden: Die MALTESER Kinderhilfe ist

immer ein Grund, die Geldbörse zu zücken und sich in den Dienst der guten Sache zu stellen. Sämtliche Spenden

kommen unmittelbar den betreuten Kindern und Jugendlichen im Hilde Umdasch Haus zugute. Vergelt’s Gott!

Von Petra Hellmich

Nicht ohne unsere Kekse!

Undenkbar, dass der traditionelle und liebgewonnene weihnachtliche Kekserlmarkt im Hilde Umdasch Haus ausfällt!

Das geht nicht! Auch nicht in Zeiten von Corona! Also haben sich die Mitarbeitenden etwas Spezielles für die Vorweihnachtszeit

einfallen lassen: Sie haben ihre köstlichen, handgemachten und wunderschön anzusehenden Bäckereien einfach

als „Take-away“ angeboten. Nach telefonischer oder elektronischer Vorbestellung per E-Mail waren die Leckereien

im Handumdrehen zur Selbstabholung bereitgestellt – und im Nu ausverkauft! Danke an die vielen fleißigen Kekserlesser

und Spender!

„Jedes Ende ist ein Anfang“

In diesem sehr tröstlichen Sinne vollzog die Familie Engelscharmüller

Ende November den letzten Willen ihres verstorbenen

Vaters Hans Engelscharmüller. Sohn Walter überreichte

dem Hilde Umdasch Haus eine Spende von 765 Euro: „Wir

wollten von Kränzen absehen und lieber im Andenken an unseren

Vater eine Kranzspende machen. Er hat viele Jahr für

die Firma Umdasch gearbeitet. Die Kinder und Jugendlichen

im Hilde Umdasch Haus sind ihm immer sehr am Herzen gelegen.“

Ein großes Danke an die Familie Engelscharmüller für

diese großzügige, wunderschöne Geste!

28

DIE MALTESER 1/2021


MALTESERÖSTERREICH

Der Nikolaus von Amstetten

Weil sich auch der Hl. Nikolaus an die Corona-Schutzmaßnahmen

halten musste, fiel der traditionelle Besuch

in Amstetten am 6. Dezember 2020 anders aus

als üblich. So durfte der große Mann im roten Mantel

mit dem weißen Rauschebart und dem Sack voller Geschenke

nicht einfach in die Häuser und Wohnungen

der Kinder kommen. Vor der Eingangstür – mit entsprechend

Abstand – war Schluss. Mit besonders viel

Herz und Einsatz hat daher Patrick „Nikolaus“ Breiteneder

von der Autobörse Breiteneder Amstetten „seine“

Kinder besucht. Die Freude war so groß, dass viele

Familien dem Nikolaus als Dankeschön eine Spende

überreicht haben. Diese wurde vom Autohaus großzügig

aufgerundet und dem Hilde Umdasch Haus übergeben.

Bei der Scheckübergabe zeigte sich Patrick Breiteneder

sehr beeindruckt, wie wohnlich und positiv das

Ambiente und die Stimmung im Haus sind: „Viele Menschen

erwarten, dass das schwere Schicksal, das diese

Kinder tragen, sicht- und spürbar ist. Aber im Hilde

Umdasch Haus, wo man rund um die Uhr bemüht ist,

den Kindern ein Stück Normalität, Alltag und Glück zu

ermöglichen, spürt man eine sehr freudige Stimmung.“

Danke für das schöne Kompliment, Herr Breiteneder,

und ein herzliches Vergelt’s Gott für Ihre Spende!

Wo Träume schaukeln dürfen

Kindern im Rollstuhl die sinnliche Erfahrung des

Schaukelns ermöglichen – dieses Ziel steht hinter dem

Projekt „Traumschaukel“. Auf Initiative von Kulturstadtrat

Stefan Jandl, Patrick Losbichler von der Loft

Kreativ- und Werbeagentur sowie Georg Trimmel vom

Stadtmarketing Amstetten wurde eine breite Spendenkampagne

zur Finanzierung einer Rollstuhlschaukel

für das Hilde Umdasch Haus gestartet. Getragen wird

die Aktion vom Verein „Amstetten Hilft“ und zahlreichen

motivierten Menschen aus der Amstettener

Kunstszene und Kreativwirtschaft. Mit dieser Traumschaukel

wird für viele Kinder im Hilde Umdasch Haus

ein Traum wahr. Ein großes Danke dafür!

DIE MALTESER 1/2021 29


MALTESERÖSTERREICH

„Weil es uns so gut geht“

„Wir haben drei gesunde Kinder, wofür wir sehr dankbar

sind. Das ist nicht selbstverständlich, und eben weil es

uns so gut geht, haben wir uns dazu entschlossen, einen

Teil der Einnahmen aus meinem Geschäft dem Hilde

Umdasch Haus der Malteser Kinderhilfe zu spenden“,

erklärte kürzlich Daniela Kirchweger, Geschäftsführerin

von „Wolkenlos Kosmetik“ aus Aschbach. Vor vier

Jahren hatte sie begonnen, Naturkosmetik herzustellen.

„Das Unternehmen ist immer weiter gewachsen.

Heuer wollten wir eine etwas andere ‚Black-Friday-Aktion‘

starten, indem wir in der Zeit von Ende November

bis Weihnachten zehn Prozent der Umsätze dem

Hilde Umdasch Haus spenden“, so Daniela Kirchweger.

Schließlich überreichte die empathische Geschäftsfrau

gemeinsam mit ihrem Ehemann Josef und ihrer Tochter

Sarah die stolze Spendensumme von 1.500 Euro. Wir

können sie sehr gut für die Anschaffung wichtiger Therapiebehelfe

für unsere Betreuten gebrauchen. Daher

vielen herzlichen Dank für diese großartige Unterstützung,

liebe Familie Kirchweger!

Und dann war endlich Weihnachten!

Am 24. Dezember kam das Friedenslicht, wie alle Jahre, durch den Reitverein Geiger angeritten. Sehnsüchtig hatten

die kleinen und großen Bewohner des Hilde Umdasch Hauses schon darauf gewartet. Sie wurden nicht enttäuscht.

Zusätzlich erhielten alle Kinder einen süßen Stoffteddybären von Tempora. Einige der Mitarbeitenden sorgten mit

Musikinstrumenten für eine feierliche Stimmung. Danke für den wunderschönen Beitrag zu unserem Fest!

Mehr über die MALTESER Kinderhilfe unter: www.malteser-kinderhilfe.at

30

DIE MALTESER 1/2021


MALTESER CARE

„WERDE ZU HAUSE VON TINA GEHEGT

UND GEPFLEGT“

Wie wichtig qualitätvolle mobile Pflege und Betreuung ist, wird in Krisenzeiten besonders deutlich. Wie sehr sie auch

wertgeschätzt wird, zeigen nachfolgende, teils sehr berührende Auszüge aus aktuellen Schreiben an MALTESER Care.

Von Susanne Wick

Am 23. Dezember 2020 erreichte uns ein ganz spezieller

Brief. Er kam aus dem Büro des Bundesministers

für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz

und trug die eigenhändige Unterschrift von

Rudolf Anschober. In dem Brief heißt es:

Die Covid-19-Pandemie stellt uns als Gesellschaft vor

neue Herausforderungen. Eine besondere Verantwortung

besteht gegenüber der Risikogruppe älterer bzw. betreuungs-

und pflegebedürftiger Menschen. Dabei bin ich mir

der bedeutenden Rolle der 24-Stunden-Betreuungskräfte

sowie der Vermittlungsagenturen bei der Betreuung der

vulnerablen Personengruppe bewusst, weswegen ich Ihnen

an dieser Stelle meinen größten Dank für Ihren Einsatz

und für die Fürsorge für die Ihnen anvertrauten betreuungsbedürftigen

Personen aussprechen möchte.“

Dieser Dank von hoher Stelle freut uns sehr und bestätigt

unsere Mitarbeitenden in ihrem tagtäglichen, außergewöhnlichen

Engagement. Ebenso freuen uns die

herzlichen Rückmeldungen, die wir von Betreuten und

deren Angehörigen erhalten. Sie motivieren unsere diplomierten

Pflegefachkräfte, die durch Covid-19 noch

mehr gefordert sind als sonst, in ihrem Bemühen nicht

nachzulassen. Das weiß etwa die Tochter eines unserer

Klienten sehr zu schätzen. Sie schreibt:

„Für die ausgezeichnete und zuverlässige Betreuung im

abgelaufenen Jahr möchte ich mich herzlich bedanken, vor

allem für die gute Unterstützung in Coronazeiten! Herr

Heindl hat sich stets engagiert, hat uns informiert und

war den Betreuerinnen bei den vorgeschriebenen Tests

behilflich. Die Abwicklung war sicher nicht immer leicht.

Auch die Betreuerinnen meines Vaters leisten großartige

Arbeit und unterstützen ihn in bester Weise. Es ist uns

eine große Beruhigung, dass im Notfall eine Ersatzpflegerin

eingesetzt wird, falls wir das Pech haben, dass eine unserer

bewährten Betreuerinnen doch erkranken sollte. Wir

hoffen natürlich sehr, dass sie gesund bleiben!“

Immer wieder begleiten die Fachkräfte von Malteser

Care schwerkranke Menschen in ihrer letzten

Lebensphase und sind eine besonders wichtige Stütze

für die Angehörigen. So ließ uns der Sohn einer Betreuten

wissen:

„Hiermit darf ich mich im Namen meiner Schwester als

auch in meinem Namen vielmals für die gute und umsichtige

Betreuung meiner Mutter in den letzten Jahren bedanken.

Meine Mutter ist im vergangenen Monat friedlich

zu Hause entschlafen. Insbesondere möchten wir in unserem

Dankesschreiben Frau Claudia Vujic hervorheben, die

verlässlich und liebenswürdig jederzeit für uns erreichbar

DIE MALTESER 1/2021 31


MALTESERÖSTERREICH

war und uns in all den Jahren und insbesondere in den

letzten Monaten auch menschlich sehr unterstützt hat.“

Aus Anlass des Ablebens seiner Mutter, die schon

mehrere Jahre von Malteser Care betreut worden war,

schickte uns deren Sohn folgende Zeilen:

„... darf ich Ihnen mein großes Lob aussprechen. Die Pflege

meiner leider schon schwer kranken Mutter wurde in

vorbildlicher Art und Weise durchgeführt. Ebenso wurde

meine Mutter regelmäßig von Frau Gruber-Polak aufgesucht

und der aktuelle Gesundheitszustand und Pflegebedarf

erhoben. Fallweise aufgetretene Probleme wurden

rasch und unkompliziert behoben. Ein besonderer Dank

gebührt Frau S.-F., die viele Monate hindurch ohne Unterbrechung

meine Mutter versorgt und betreut hat und

sie bis zu ihrer letzten Lebensstunde sehr fürsorglich begleitet

hat.“

Sehr berührt haben uns auch die Zeilen einer Tochter,

die ihren Vater kürzlich verloren hat. Trotz der traurigen

Situation nahm sie sich die Zeit, uns Folgendes

zu schreiben:

„Leider ist mein Vater vorgestern friedlich verstorben und

konnte sich nicht allzu lange über die superkompetente

Betreuung durch Ihre Organisation freuen. Ich möchte

mit diesem Schreiben meine große Dankbarkeit ausdrücken,

bei meiner dringenden Suche nach einer 24-Stunden-Betreuung

in diesen schwierigen Zeiten auf Herrn

Robert gestoßen zu sein, der uns innerhalb kürzester Zeit

Tina zur Seite stellen konnte und auch zwischendurch IM-

MER für uns mit Rat und Tat zur Seite stand. Unser aller

Dank gilt natürlich insbesondere Tina, die in den wenigen

verbliebenen Tagen einen wesentlichen Beitrag geleistet

hat, meinem Vater den Wunsch zu erfüllen, seine letzten

Tage zu Hause zu verbringen. Kurz vor seinem Tod hat

er noch folgende Meldung geschickt: ‚Werde zu Hause von

Tina gehegt und gepflegt. Sie ist eine Perle.‘“

Danke an dieser Stelle von ganzem Herzen an all

jene, die täglich in unermüdlichem Einsatz für das

Wohlergehen pflegebedürftiger Menschen in Österreich

tätig sind!

MALTESER CARE

GESCHICHTE EINER

LEIDENSCHAFT

Adina Gagauta kam von Rumänien nach Österreich zu

MALTESER Care und hat hier ihren Traumberuf gefunden.

Die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin betreut

ihre Klienten mit viel Hingabe und einem ausgeprägt

guten Gefühl für Menschen.

Von Susanne Wick

Eigentlich hatte Adina in Rumänien ihren Abschluss am

naturwissenschaftlichen Gymnasium mit Schwerpunkt

Physik und Chemie gemacht und ein Diplom der Rechtswissenschaften

in der Tasche. Dennoch entschied sie sich

umzusatteln. Ihr neuer Lernweg führte sie über soziale

Fachausbildungen zur Kinderbetreuerin und schließlich

zur Altenpflegerin. Eine vielfältige Karriere mit unterschiedlichsten

Stationen im Eilzugtempo.

Von der Telekom-Mitarbeiterin …

Für unsere Geschichte hier aber alles in Ruhe und der Reihe

nach: Die heute 40-jährige Adina begann ihre Laufbahn

in ihrem Heimatort Vaslui in Rumänien, nahe der Grenze

zur Republik Moldau. Zunächst war die mathematisch begabte

junge Frau zwei Jahre lang als Telefonberaterin für

den Telekom-Konzern Orange Rumänien tätig. Nach der

Geburt ihrer ersten Tochter gründete sie ihre eigene Babybekleidungsfirma

– einfach deshalb, weil es in ihrem Ort

für Babys keine entsprechende Ausstattung gab. Die folgenden

Jahre führte die junge Mutter das Unternehmen

als Eigentümerin und war ihre eigene, wichtigste Mitarbeiterin.

… über Unternehmerin und diplomierte Pflegerin …

Kam in Adinas Umgebung ein Baby zur Welt, war es jedes

Mal aufs Neue wie ein Wunder für sie. Voll Freude und mit

einem entsprechenden Willkommenspaket machte sie sich

auf, den Neuankömmling persönlich zu begrüßen. Diese

besondere Verbundenheit zu Babys ließ Adina– noch während

ihrer Tätigkeit als Unternehmerin – eine Ausbildung

32

DIE MALTESER 1/2021


MALTESERÖSTERREICH

als diplomierte Kinderbetreuerin bei der Caritas in Vaslui

absolvieren. Damit nicht genug, folgte noch das Diplom

zur Altenpflegerin. Gleichzeitig reifte der Wunsch nach einer

örtlichen Veränderung. Das Ziel sollte Österreich sein.

… nach Österreich zur Altenbetreuerin …

Deutsch zu lernen, erinnert sich Adina, war für sie eine

ziemliche Hürde. Doch wenn sie sich etwas in den Kopf

setzt, so erzählt Adina lachend weiter, zieht sie es auch

durch. Also hat sie alle Gegenstände in ihrer Wohnung

mit Post-its beklebt, auf denen die deutschen Bezeichnungen

für den Gegenstand geschrieben standen. Die

Methode hat hervorragend funktioniert. Heute gibt es

keine Sprachbarriere mehr für Adina.

Während der ersten Jahre ihrer Tätigkeit pendelte die

tüchtige Pflegerin im Zwei-Wochen-Rhythmus zwischen

ihren Klienten in Wien und ihrer Familie in Rumänien.

Ihr Mann, unterstützt von Eltern und Schwiegereltern,

kümmerte sich um die gemeinsamen Töchter. Inzwischen

war ein weiteres Mädchen dazugekommen. Diese Situation

war für alle Beteiligten eine große Herausforderung

und verlangte der Familie eine Menge ab. Nach rund vier

Jahren konnte Adina schließlich ihren Mann und ihre

Kinder überzeugen, zu ihr nach Österreich zu übersiedeln

und hier einen Neuanfang zu wagen – mit Erfolg!

Adina lebt nun mit ihrem Mann, mit dem sie bereits seit

17 Jahren verheiratet ist, und ihren zwei Töchtern Alesia

Alexandra (14 Jahre) und Sophia Anastasia (acht Jahre)

glücklich in Wien.

… und mobilen Hauskrankenpflegerin bei

Malteser Care

Zu diesem Glück beitragen konnte Malteser Care. Seit

2014 ist Adina für Malteser Care tätig. Zunächst noch als

selbstständige Personenbetreuerin, ergab sich 2019 die

Möglichkeit, im Rahmen des Familienentlastungsdienstes

als Betreuerin im Anstellungsverhältnis tätig zu werden.

Zwischen 2014 und 2019 absolvierte Adina neben ihrer

Arbeit die dreijährige Fachausbildung zur diplomierten Gesundheits-

und Krankenpflegerin. Seit 2021 ist sie nun für

Malteser Care in der mobilen Hauskrankenpflege tätig. Danke,

dass wir dich zu unserem Team zählen dürfen, Adina!

www.malteser.care

INDIVIDUELLE PFLEGE UND

BETREUUNG IM EIGENEN

ZUHAUSE

MALTESER Care ist seit vielen Jahren als kompetenter

Partner für Familien in ganz Österreich tätig. Wir bieten

bestmögliche Pflege- und Betreuungsleistungen

zu Hause an. Unsere diplomierten Gesundheits- und

Krankenpflegepersonen beraten Sie gerne.

Details zu unseren Leistungen unter

www.malteser.care

+43 1 361 97 88 • office@malteser.care

DIE MALTESER 1/2021 33


XXXXX

Wien – Teststraßen: Malteser unterstützen zahlreiche Teststraßen, Testungen in Unternehmen und Impfaktionen.

COVID-19

Steiermark – Teststraße: Die WKO Steiermark bietet exklusiv für ihre Mitglieder sowie deren Mitarbeiter

in einer Kooperation mit den Maltesern eine Antigen-Schnelltestmöglichkeit bei der Messe

Graz (Parkplatz Fröhlichgasse gegenüber Messe) an. Diese Schnelltests ermöglichen ein rasches Erkennen

von hochinfektiösen Personen innerhalb von 15 Minuten.

Linz/Oberösterreich – Massentests: Im Kampf gegen Corona waren die Malteser gemeinsam mit

dem Roten Kreuz bei den oberösterreichischen Massentests im Einsatz.

Salzburg – Schnelltests: In Salzburg wurden im Messezentrum und in Eugendorf mittels Nasenabstrich

kostenlose Schnelltests gemeinsam mit dem Roten Kreuz durchgeführt.

34

DIE MALTESER 1/2021


MALTESERÖSTERREICH

„Ich habe mich für die Impfung angemeldet und freue

mich auf die Rückkehr in ein normales Leben mit

sozialen Kontakten.“

Andreas Trentini, Bereich Tirol

„Ich lasse mich impfen, weil ich Ärztin und Malteserin bin. Bei

meiner Arbeit auf einer Covid-Station habe ich jeden Tag Menschen

an diesem Virus sterben sehen. Die Impfung ist ein Segen!“

Eva Perl, Bereich Salzburg

„Ich bin Malteserin und lasse mich impfen, weil ich damit

auch andere Menschen schütze.“

Maria-Sophia Stadler, Bereich Salzburg

„Ich lasse mich impfen, weil ich Malteser bin und ich es als

wesentlichen Beitrag zur Beendigung der Pandemie erachte.“

Christian Höllinger, Bereich Salzburg

Ich lasse mich gegen Covid-19 impfen, weil die Impfung mich,

meine Familie, meine Freunde, die ganze Gesellschaft schützt.

Therese Backhausen, Bereich Burgenland

„Selbstverständlich lasse ich mich impfen. Ich habe die Folgen

von Polio und FSME an anderen Menschen gesehen. Ich möchte

nicht die Folgen von Covid-19 am eigenen Leib ausprobieren.“

Fra’ Gottfried Kühnelt-Leddihn, Bereich Tirol/Vorarlberg

„Ich muss mich dringend einer Zahn-OP unterziehen.

Darum möchte ich mich so rasch wie möglich impfen lassen,

um auf der sicheren Seite zu sein.“

Angela Thierry, Bereich Burgenland

„Geimpft zu sein bedeutet, als aktiver Malteser wieder seinen

Betreuten nahekommen zu dürfen. Je früher, desto besser!“

Bernhard Bachna, Bereich Burgenland

„Ich arbeite als Krankenschwester in einem Akutnachbehandlungskrankenhaus

in Tirol. Ich muss zugeben, dass ich eine

unglaubliche Erleichterung empfinde, seit ich vor drei Tagen

geimpft wurde, und freue mich auf den zweiten Termin.“

Gabriele Walterskirchen, Bereich Tirol/Vorarlberg

DIE MALTESER 1/2021 35


XXXXX

BURGENLAND

AUFNAHMEN 2020

Aufgrund von Covid-19 konnte 2020 erstmals keine gemeinsame Aufnahmefeier für alle österreichischen Malteser

stattfinden, dennoch ein herzliches Willkommen allen neuen Mitgliedern, die im kleinen Rahmen aufgenommen wurden

und es noch werden.

36

DIE MALTESER 1/2021

WIEN


XXXX

STEIERMARK

WIEN

DIE MALTESER 1/2021 37


MALTESERÖSTERREICH

Schneetreiben: Es schneit und schneit ohne Unterlass. Darum wurde für die nächsten Dienste Schneeketten

Anlegen und Abnehmen geübt.

NEUES AUS DEM BEREICH

SALZBURG

Medizinische Hilfe auf vier Rädern für Bedürftige: Im November 2020 durfte der Virgilbus nach acht Monaten

unfreiwilliger Coronapause wieder fahren. Der Dienst findet im Raum der Katholischen Hochschülerschaft an der

Rückseite der Kollegienkirche statt. Gemeinsam mit dem Roten Kreuz, dem Samariterbund, der Caritas und der

Diakonie Österreich haben sich die Malteser in Salzburg mit Landtagspräsident Sebastian Huber über die Maßnahmen

und Gesundheitsvorkehrungen beraten.

Einkaufsdienst: Ganz nach dem Motto „WIR bleiben

für EUCH hier … bitte bleibt IHR für UNS daheim“ boten

die Malteser auch im zweiten Lockdown einen Einkaufsdienst

in der Stadt Salzburg an. Der Dienst konnte

von Menschen, die einer Risikogruppe angehören,

kostenlos in Anspruch genommen werden.

38 DIE MALTESER 4/2020


Bereichswallfahrt „light“: Traditionell findet im Rosenkranzmonat Oktober die Wallfahrt nach Mariatrost statt.

Nach einem Impuls wurde die Heilige Messe gefeiert und wundertätige Medaillen der St. Catherine Laboure gesegnet.

NEUES AUS DEM BEREICH

STEIERMARK

MALTESER helfen bei den Testungen: Endlich wieder

Schule, die Kinder sind überglücklich.

Der MALTESER Valentinstags-Express hat den in

der Steiermark betreuten Personen Blümchen zugestellt,

als kleine Geste und Überraschung.

Graz – Traditionelle Flaggenparade vor dem Nationalfeiertag:

Heuer fand die Flaggenparade erstmals im

Hof der Grazer Burg statt. Landeshauptmann Hermann

Schützenhöfer und Landeshauptmann-Stv. Anton Lang

bedankten sich bei den Tausenden Freiwilligen für ihren

täglichen, unverzichtbaren Einsatz zum Erhalt der

Gesellschaft.

DIE MALTESER 4/2020

39


MALTESERÖSTERREICH

NEUES AUS DEM BEREICH

OBERÖSTERREICH

Monatsmesse: Nach einer verlängerten Sommerpause aufgrund von Corona war es im Oktober wieder möglich,

die monatliche Messe im Linzer Mariendom zu feiern. Weil unsere Betreuten auf den gemeinsamen Ausklang

verzichten mussten, wurde eine kleine Jause für zu Hause verteilt. Trotz Abstand und gebotener Vorsicht war die

Freude sehr groß.

NEUES AUS DEM BEREICH

TIROL/VORARLBERG

MALTESER Frühlingsgrüße werden zu den von uns Betreuten geliefert, insgesamt 100 Blumenstöcke, gespendet

von zwei Tiroler Gärtnereien.

fietzfotos / pixabay

MALTESER Herzenswusch – Zwei Engel auf Rädern:

Frau Adam benötigt beim Transport Sauerstoff und einen

Rollstuhl, was es unmöglich macht, dass sie das Grab ihres

Mannes alleine besucht. Die Malteser erfüllten ihren

Herzenswunsch. Auf der Rückfahrt sagte Frau Adam dann

immer wieder, dass sie auf dieser Fahrt von zwei „Engeln

auf Rädern“ begleitet wurde. Ehrenamt: Man schenkt Zeit

und bekommt so unglaublich viel Glück zurück.

40

DIE MALTESER 1/2021


Der Schutzengeldienst 2020 bietet unseren Betreuten einige abwechslungsreiche, kreative und lustige Stunden in

gemeinschaftlicher Stimmung. Die Malteser unternehmen Ausflüge wie Messbesuche und Spaziergänge. Natürlich

nur unter Einhaltung der vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen.

NEUES AUS DEM BEREICH

TIROL/VORARLBERG

Rettungssanitäterprüfung: Zwei neue Rettungssanitäterinnen

für den Bereich Tirol. Gratulation, kommissionelle

Rettungssanitäterprüfung erfolgreich bestanden!

Faschingspost von den MALTESERN: Die Malteser lassen

die Faschingstradition trotz Pandemie in Form von

Postkarten aufleben. Faschingsbilder aus aller Welt erinnern

unsere Betreuten an die jahrhundertelange Tradition

des närrischen Treibens und zaubern ein Schmunzeln auf

ihre Lippen.

Ehrenamtlich Schnee schaufeln: Ein etwas

anderer Dienst am Nächsten, aber für

die Betroffenen eine wichtige Hilfe.

DIE MALTESER 1/2021 41


MALTESERÖSTERREICH

Erfolgreiche Reanimation: Im Advent haben Malteser-

RTW-Teams gleich zwei Mal erfolgreich reanimiert! Gemeinsam

mit der Berufsrettung Wien und der Johanniter

Unfallhilfe konnten die Patienten von den Maltesern notfallmedizinisch

versorgt und ins Krankenhaus gebracht werden!

NEUES AUS DEM BEREICH

WIEN

60. Geburtstag: Der von uns betreute und langjährige

Freund Kurt G. feierte seinen 60. Geburtstag.

Wir haben ihn besucht und mit ihm gefeiert.

Da gemeinsame Aktivitäten mit unseren Betreuten

derzeit leider nur sehr eingeschränkt möglich sind,

liegt der Fokus auf regelmäßigen Kontakten durch

Anrufe, Briefwechsel, Zoom-Meetings und anderen

Überraschungen wie Kuchen zum Geburtstag.

Faschingsdienstag: Ein Malteser Rettungswagen

als „MaltiCorne“ unterwegs, das perfekte

„Kostüm“, da das Malteser Rettungsauto unter

den Rettungsorganisationen den Spitznamen

„Einhorn“ hat.

Ausflug: Die Malteser aus dem Bereich Wien

haben einen Ausflug in den „Essbaren Tiergarten“

der Zotter Schokoladenfabrik gemacht.

An dem sonnigen Oktobertag wurde den Wienern

eine Vielzahl an Köstlichkeiten geboten.

42

DIE MALTESER 1/2021


Kochdienste

NEUES AUS DEM BEREICH

WIEN

Besuchsdienste

Kreativ gegen die

Einsamkeit

DIE MALTESER 1/2021 43


MALTESERÖSTERREICH

Silvesterdienst: Ins neue Jahr mit viel Licht und Freude

auf die vielen schönen Dinge, die da kommen werden.

Weihnachtsputz in der steirischen Bereichszentrale

WEIHNACHTEN 2020

Steiermark – „Christkindlwerkstatt“: „Weihnachtsengerl“ gestalteten,

verpackten und beschrifteten Geschenke, damit diese pünktlich an

die von den Maltesern in der Steiermark Betreuten ausgeliefert und unter

den Christbaum gelegt werden konnten.

Neujahrsputz: Auch das zählt zu den Pflichten der freiwilligen Sanitäter.

Tirol – Aktion 15 Minuten Advent

im Sackerl: Fleißig wurden Kekse gebacken,

diese in Sackerln aufgeteilt,

eine Weihnachtsgeschichte auf eine

schöne Karte geschrieben und von Maltesern

vor den Wohnungstüren (Corona)

aller von uns betreuten Menschen

abgestellt.

44

DIE MALTESER 1/2021


Weihnachten im Bereich Wien: Es wurde viel telefoniert, es wurden Packerl verschickt – es war anders, aber dennoch

gemeinschaftlich, und die Adventstimmung war trotz allem spürbar. Danke allen, die das möglich gemacht haben.

WEIHNACHTEN 2020

Nikolo on Wheels: Nikolosackerl gab es natürlich trotz Covid-19. Der Nikolo wurde mit dem Malteser-Auto durch

Wien gefahren, damit er schnell und sicher zu unseren Betreuten kommt. Leuchtende Augen kann man zum Glück

auch mit Maske erkennen, und so war das Fest des Hl. Nikolaus für alle eine große Freude.

Bereich Burgenland: Geschenke für die Bewohner des Hauses Malta wurden aufwendig verpackt und persönlich zugestellt.

DIE MALTESER 1/2021 45


MALTESERÖSTERREICH

Bereich Salzburg – Weihnachtssammlung: Trotz eisiger Temperaturen und

Schneeregen standen die Malteser nach den Weihnachtsmetten und den Vormittagsmessen

am Christtag vor den Kirchen in Salzburg und sammelten für ihre Arbeit mit

Menschen mit einer Behinderung. Danke für Ihre Spende. Weihnachtspost, kleine

Geschenke und regelmäßige Telefonate vermittelten den Betreuten auch in der

Coronazeit das Gefühl der Gemeinschaft.

WEIHNACHTEN 2020

Oberösterreich: Da es nicht möglich war, die Bewohner im Haus Rudigier wie gewohnt zu besuchen, wurden Nikolaus-

Sackerl gefüllt und vor die Tür gestellt. Auch alle in Oberösterreich von den Maltesern betreuten Personen durften sich

über ein süßes Nikolaus-Sackerl freuen. Anschließend ging es gleich weiter mit der Zusammenstellung und dem Versand

der Weihnachtspackerl. So bleiben wir unseren Freunden neben telefonischem Kontakt trotzdem ein bisschen nahe.

Tirol: Adventkranzbinden für unsere lieben Betreuten, die dann sogar, etwas anders als sonst, gesegnet und persönlich

überreicht wurden.

46

DIE MALTESER 1/2021


MALTESERÖSTERREICH

HAUS MALTA

WILLKOMMEN, ERASMUS PACHTA!

DANKE, ULRICH GLAUNACH!

Nach zwölf Jahren Tätigkeit als Präsident des Vereins Haus Malta übergab Ulrich Glaunach das Zepter an Erasmus

Pachta. Damit sind nun die Weichen für eine gute Zukunft von Haus Malta gestellt.

Von Katharina Stögner

Es sind vor allem „die vorbildliche Würde und der Humor,

mit denen so viele unserer Bewohner die oft unangenehmen

Begleiterscheinungen des Älterwerdens meistern“,

und natürlich auch „die Dankbarkeit von Bewohnern und

Angehörigen“, an die sich Ulrich Glaunach im Rückblick

besonders gerne an seine Zeit im Haus Malta erinnert. „Ich

denke mit Anerkennung und Bewunderung an alle Mitarbeiter

in der Pflege, die diesen schweren Dienst fürsorglich

und mit Hingabe erfüllen. Ich denke mit Freude und Stolz

an das vielfältige Aktivitätenprogramm, das wir dank zahlreicher

ehrenamtlicher Damen und Herren unseren Bewohnern

zur Verfügung stellen können, an die konstruktive

Zusammenarbeit mit dem Fonds Soziales Wien und

unseren Aufsichtsbehörden“, meint der langjährige Präsident

von Haus Malta in seinem Abschiedsbrief anlässlich

der Amtsübergabe an seinen Nachfolger, Erasmus Pachta.

Für ein weiteres freudvolles Miteinander

Mit Erasmus Pachta hat nun eine neue Ära im Haus

Malta begonnen. Der Vater von fünf Kindern und Geschäftsführer

der Softwareentwicklungs-Tochter eines

österreichischen Kartonkonzerns hat seine Aufgabe mit

großer Freude angenommen, denn „gerade in der aktuellen,

sehr turbulenten und sich ständig verändernden

Zeit ist die Institution des Hauses Malta eine besonders

wichtige“, wie er in seinem Begrüßungsbrief schreibt.

Erasmus Pachta wird unter anderem die Eingliederung

des Hauses Malta in das neue Ordenshaus im Herbst

2021 begleiten und gemeinsam mit Thomas Kissich und

dem gesamten Team des Hauses Malta für ein weiteres

respektvolles und freudvolles Miteinander sorgen.

Apropos neues Ordenshaus: Am neuen Standort werden

sich die Bewohner des Hauses Malta über eine funkelnagelneue

Infrastruktur, insbesondere einen neuen Aufzug,

freuen können! Der Aufzug in der Bürgerspitalgasse hatte

zuletzt immer mehr ein „Eigenleben“ entwickelt und

schließlich völlig seinen Dienst versagt. Was das im vergangenen

Oktober und November ausgelöst hat – nämlich

eine großartige Welle spontaner Hilfsbereitschaft

durch junge Malteser – lesen Sie auf der folgenden Seite.

DIE MALTESER 1/2021 47


XXXXX

WENN DER AUFZUG IM HAUS MALTA

… dann ist Hilfe schnell bereit! Danke an alle freiwilligen Helfer der Ausbildungsgruppen Wien und Burgenland, die

vorübergehend bei der Essensverteilung unterstützt haben!

Von Henriette Blanckenstein

Es war am Nationalfeiertag 2020, kurz nach dem Mittagessen.

Ein letztes Ruckeln, und dann ging gar nichts mehr.

Der Aufzug im Haus Malta, der schon viele Jahre seinen

Dienst versehen hatte, stellte seine Arbeit endgültig ein.

Was unter anderen Umständen kein Problem

ist – „so geht man halt zu Fuß“ – wird

im Haus Malta mit seinen vier Stockwerken

zu einer existenziellen Herausforderung.

Wie sollten die betagten Bewohner, deren

Mobilität zum Teil erheblich eingeschränkt

ist, nun versorgt werden? Wie

sollten sie pünktlich jeden Morgen um

7:30 Uhr ihr Frühstück im Zimmer bekommen?

Wie sollten sie zum gemeinsamen

Mittagessen in den Speisesaal gelangen oder zu den

Freizeitprogrammen in den Gartensalon?

Anruf genügt!

Die Lösung war rasch gefunden: ein kurzer Anruf von

Henriette Blanckenstein, Mitglied des Bereichs Burgenland

der Malteser und Vizepräsidentin des Hauses Malta,

mit der Bitte um Unterstützung, und schon fand sich

innerhalb nur weniger Stunden das erste Team von Freiwilligen

zusammen. Via Telefon, E-Mail, Facebook und

WhatsApp gelang es rasch, auch den Dienst für die folgende

Zeit mit täglich zwei bis drei Helfern zu besetzen.

So war die Aktion „Frühstücksservice“ geboren!

„Ein herzliches und ganz persönliches Dankeschön an die Ausbildungsgruppen

der Bereiche Wien und Burgenland, die uns

und unseren Bewohnern und Bewohnerinnen in dieser schweren

Zeit, trotz Covid-19 und den damit verbunden

Erschwernissen, beigestanden sind! Das Tragen einer

FFP2-Maske und von Einweghandschuhen bei der Verteilung

von 35 Frühstückstabletts über vier Stockwerke gleicht einer

sportlichen Höchstleistung!“

Thomas Kissich, Geschäftsführung und Hausleitung Haus Malta

Selbstverständliche Hilfe

Da der Besuchsdienst im Bereich Burgenland etabliert ist

und wir die Bewohner des Hauses Malta regelmäßig treffen

und Ausflüge mit ihnen machen, war es naheliegend,

dass wir „Burgenländer“ gerne aushelfen.

Auch da der Kontakt Covid-19-bedingt nur eingeschränkt

möglich war, war es ein besonderes Vergnügen, alle von

uns betreuten Bewohner wieder einmal persönlich sehen

zu können.

48

DIE MALTESER 1/2021


XXXX

STREIKT …

Dass eine Besucherliste geführt und beim Betreten Fieber

gemessen wurde, dass wir unsere Hände vorschriftsmäßig

gewaschen und desinfiziert haben, genügend Abstand

hielten und Einweghandschuhe sowie eine vom

Haus Malta zur Verfügung gestellte FFP2-

Maske trugen, um die Bewohner nicht zu

gefährden, war für uns selbstverständlich.

Eine Menschenkette fürs Frühstück

Im Haus Malta wurden wir herzlich willkommen

geheißen. Auch die „Zivis“ (die

Zivildiener) freuten sich über zusätzliche

Hilfe. Jeder Bewohner im Haus Malta

bekam täglich ein Frühstück nach seinen individuellen

Vorlieben zubereitet, das unser Team – beladen mit Tabletts

und den Informationen zu Namen, Zimmern und

Stockwerken – zustellte. Die größeren Teams bildeten

von Etage zu Etage eine „Menschenkette“, die hervorragend

funktionierte.

Während die Bewohner ihr Frühstück genossen, stärkten

wir uns mit Kaffee und leisteten den Bewohnern auf

Wunsch beim Frühstück Gesellschaft. Gegen halb zehn

Uhr begannen wir, die Tabletts wieder abzuservieren.

Überwältigende Energie

Bei der Freude, die sowohl das Frühstücksteam als auch

die Bewohner von Haus Malta ausstrahlten, wurde uns

nicht nur warm ums Herz, sondern wir gerieten regelrecht

ins Schwitzen: Bei 87 Stufen und 35 Tabletts pro Tag – das

sind insgesamt 36.500 Stufen sowie 665 Frühstückstabletts

– kam der Morgensport für uns nicht zu kurz.

„Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, gemeinsam mit anderen aus

unserer Ausbildungsgruppe (Bereich Burgenland und Bereich

Wien) und den Zivildienern in Haus Malta zusammenzuarbeiten!

Die Energie, die die rund 30 „Helping Hands“ trotz der doch

frühen Uhrzeit bei insgesamt 208 geleisteten Dienststunden verströmten,

war überwältigend.“

Freiwillige Helferin des Malteser „Frühstücksservice“

Positives Feedback

Da es derzeit leider keine Besuchsdienste gibt, hat es die

Bewohner besonders gefreut, durch das Frühstücksservice

doch Personen von außen sehen zu können.

Nicht nur das Feedback von Direktor Kissich und seinen

Mitarbeitern, vor allem das der Bewohner war unglaublich

positiv. Danke an alle für alles!

www.ordenshaus.at

www.hausmalta.at

DIE MALTESER 1/2021 49


MALTESERWELTWEIT

„FREI WIE EIN VOGEL“

Jean-Marie Musy (sprich „Müsi“) ist ein MALTESER der ganz seltenen Sorte. Der Botschafter des Malteserordens,

derzeit in Madrid, lebt seit Jahrzehnten, wozu das Christuswort einlädt. Ein Porträt eines besonderen Menschen.

Bei Jean-Marie Musy zeichnete sich eine starke Bindung an

die Bibel und die Kirche bereits ab, als wir einander im April

1975 zum Erste-Hilfe-Dienst am Petersplatz in Rom trafen.

Der damalige Kommandant Berthold Waldstein hatte

mich als „alten Hasen“ (20-jährig) gebeten, das blutjunge

Schweizer Malteser-Hilfsdienst-Mitglied bei seinem ersten

Auslandseinsatz zu begleiten.

Das Feuer des Jungmaltesers

brannte in Jean-Marie Musy

wie in uns allen. Aber er las

in der Bibel und freute sich über die tägliche Heilige Messe

im Petersdom an einem der viele Seitenaltäre. Diese

Gelegenheit nahmen die meisten anderen in der Gruppe

weniger wahr. Hingegen sah die Bar auf der Piazza del

Sant’Ufficio diese Mitglieder viel öfter. Ich selbst war eine

Wanderin zwischen diesen beiden Malteserwelten und

bin es wohl bis heute geblieben.

Mission Tschad

Unverheiratet und materiell abgesichert war der Schweizer

Ordensritter Musy in den Augen von Großmeister Fra’

Andrew Bertie prädestiniert, 1991 die damals schwierigste

Mission des Ordens zu übernehmen: die Eröffnung der

diplomatischen Vertretung im Tschad mitsamt dem Aufbau

eines humanitären Hilfsprogramms.

Gerade weil er noch kein „kanonisches Alter“ hatte, gerade

weil er davon träumte, sich viel mehr als bisher für den

Orden und seine Ideale einzusetzen, konnte der Großmeister

seinen Freund Musy sofort einsetzen. Der Krieg,

die Trockenheit, die endemische Armut schrien nach einem

Kämpfer des achtspitzigen Kreuzes.

Von Aglaë Hagg

Gefährlich, hart, spannend

Die Vasallen Christi“, 1988 von Berthold Waldstein als

„Kulturgeschichte des Johanniterordens im Mittelalter“

veröffentlicht, war Musy bereits zum Lebensprogramm

geworden. Vielen Ordensmitgliedern weltweit hat das

Buch bis heute ebenso als Wegweiser gedient. Ganz in

die Vorsehung ließ sich

Musy fallen, eben wie der

biblische „Vogel des Himmels“,

der sich als wertvolles

Kind des Vaters im

Himmel weiß – jeden Tag, jahrein, jahraus. Nach zwölf

Jahren stand schließlich die ständige medizinische Versorgung

von 100.000 Menschen im Wüstenstaat, aufgebaut

vom Malteserorden.

„Seht euch die Vögel des Himmels an:

Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine

Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt

sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?“ (Mt 6, 26)

Der Abenteurer Musy fand sich während dieser zwölf

Jahre im Tschad ganz in seinem Element. „Es war sehr

gefährlich, sehr hart, aber sehr spannend“, sagt er heute

und zeigt auf die Bilder seines Jeeps in der Wüste, der

zehn Zentimeter neben einer Mine vorbeifuhr, bis er

dann irgendwann im Sand steckenblieb.

„Wie man wirklich helfen kann“

Jahre zuvor, in den Sterbehäusern von Mutter Teresa in

Kalkutta ebenso wie in den Favelas Brasiliens, so dachte

Musy, habe er das Schlimmste an Armut bereits gesehen.

Weit gefehlt: Der Kriegsschauplatz Tschad produzierte

nichts, hatte absolut nichts: keine Lazarette, keine Sanitätsausrüstungen.

Beim Verlassen des einzigen Hauptspitals

in N’Djamena wurden Teilnehmer einer internationalen

Delegation unter dem Eindruck der unfassbaren Bilder,

des Geruchs und der Verzweiflung vor dem Tor ohnmäch-

50

DIE MALTESER 1/2021


MALTESERWELTWEIT

tig. Die Cholera-Lager besuchte Musy trotzdem,

alleine. „Ein Alptraum!“, schrieb er an

seine Ordensbrüder.

„Glaubt mir, Freunde“, so Musy zu Weihnachten

in einem Brief nach Hause in die

Schweiz, „ich sehe hier, wie sehr man wirklich

helfen kann! Das Gerede, man könne

nichts tun für die Armen in diesen schlecht

regierten Ländern, die Hilfe käme ja doch

nicht an in der Dritten Welt, oder man sei

eben doch ohnmächtig, ist falsch! Ich sehe

und kenne sie hier im Tschad: jene Wahnsinnigen,

die ohne Finanzmittel, ohne Bezahlung,

ohne Ahnung, wann und ob Hilfsgüter

ankommen werden, dennoch weiterhelfen.

Ich kenne diese Verrückten, die Krieg und

Hitze, Hunger und Entbehrungen in ihrem

unermüdlichen Beistand bei den Ärmsten

der Armen nicht bremsen können. Davon

sollt ihr in euren Salons und Bars erzählen!

Dass es tatsächlich viele Leute gibt, die sich

total und mit allem verschenken, um uns, die

wir sie mit Spenden unterstützen, zu beweisen,

wie gut dieses Geld eingesetzt wird. Ja,

ich gebe es zu: Sie sind schräg, ein bisschen

altmodisch … aber glücklich!“

Eine Nummer für sich

2021 darf ich hier weiter über Botschafter

Musys Einsätze berichten. Exklusiv, denn

von all seinen Werken für den Orden findet

man im Internet praktisch nichts. Publicity

ist nicht Musys Sache. Erlaubt mir daher, in

den kommenden Ausgaben unseres Magazins

weiter von diesem erstaunlichen Botschafter

des Malteserordens zu erzählen,

denn wie er sind wohl viele Malteser, ganz

besonders in Österreich, so „eine Nummer

für sich“. Nicht wahr?

Vergangenen Dezember und

Jänner war es in der Region um

die kroatische Stadt Petrinja

zu schweren Erdbeben gekommen.

Sieben Menschen kamen

dabei ums Leben.

KROATIEN

ERDBEBEN-NOTHILFE

Im vergangenen Dezember und Jänner wurde die Region rund um die

kroatische Stadt Petrinja, südöstlich der Hauptstadt Zagreb, von mehreren

starken Erdbeben erschüttert. Sieben Menschen kamen dabei

ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt.

Von Elena Becker

Tausende Familien, hilfsbedürftige und ältere Menschen verloren

ihr Zuhause. Viele von ihnen waren im eisigen Winter und inmitten

der anhaltenden Coronapandemie gezwungen, in Schulen, Kasernen,

Garagen, Holzschuppen und Zelten Schutz zu suchen.

Gemeinsam mit den deutschen und österreichischen Assoziationen

des Malteserordens, der Caritas in Kroatien und lokalen Partnern

unterstützt Malteser International die Menschen in der betroffenen

Region. Mit den Partnern vor Ort bauen die Malteser winterfeste

Unterkünfte, insbesondere Holz- und Wohncontainer. „Wir

konnten 20.000 Euro Soforthilfe zur Verfügung stellen. Unser starkes

Netzwerk hat wieder einmal eine schnelle Hilfe für Menschen

in Not ermöglicht. Dafür möchte ich den Maltesern in Österreich

und unseren lokalen Partnern in Kroatien herzlich danken“, sagt

Clemens Graf von Mirbach-Harff, Generalsekretär von Malteser

International. 15.000 Euro an Spendengeldern sind bereits über

die Malteser International Austria eingegangen und werden dem

gemeinsamen Wiederaufbauprojekt zugutekommen.

Das Großpriorat Österreich hatte zusätzlich zur Hilfe von Malteser

International bereits im Januar 20.000 Euro für die Erdbebenhilfe

bereitgestellt und an die Udruga Malteser Hrvatska (den Verein der

kroatischen Ordensmitglieder) überwiesen.

DIE MALTESER 1/2021 51


MALTESERWELTWEIT

JEGLICHE BELASTUNGSGRENZE IST

WEIT ÜBERSCHRITTEN

Malteser International hilft, die dringend benötigte Gesundheitsversorgung in Syrien aufrechtzuerhalten.

Eine Zwillingsgeburt inmitten eines Bürgerkriegs und

der Coronapandemie: Abeer, die Mutter der beiden kleinen

Jungen Ahmed und Areej, ist erleichtert, dass alles

gut verlaufen ist. Im siebenden Monat ihrer Schwangerschaft

kam die 23-Jährige mit starken Wehen in das

Krankenhaus der Stadt Kafr Takharim im Norden der

Region Idlib. Dort brachte sie im vergangenen Juli ihre

Söhne zur Welt.

Muhammad Hamash, Kinderarzt des Krankenhauses,

berichtet: „Die Zwillinge wogen lediglich 1,5 und 1,3 Kilogramm,

als sie zur Welt kamen. Sie wurden gleich nach

der Geburt in die Inkubatoreinheit des Krankenhauses

verlegt und erhielten intensivmedizinische Betreuung.

Von Elena Becker

Nachdem sich ihre Lungenfunktion verbessert hatte

und sie stark genug waren, konnten sie nach 16 Tagen

entlassen werden.” Die beiden Buben entwickelten sich

gut, im Alter von anderthalb Monaten wogen sie bereits

3,4 und 2,8 Kilogramm.

Seit nunmehr zehn schrecklichen Jahren tobt der Bürgerkrieg

in Syrien. Die Menschen in den umkämpften

Gebieten leiden unter der anhaltenden Gewalt und

ihren Folgen: Vertreibung, Hunger und Krankheiten.

Mehr als eine halbe Million Menschen verloren in dem

Konflikt ihr Leben, eine ganze Generation Kinder kennt

kein Leben in Frieden. Rund 13 Millionen Menschen

sind aus ihrer Heimat vertrieben worden und leben als

Die Zwillinge Ahmed und Areej kamen im Juli 2020 im von Malteser International unterstützen Krankenhaus der Stadt Kafr

Takharim zur Welt.

Bilderquelle: Hand in Hand for Aid and Development Media

Nun sind die Zwillinge ein halbes Jahr alt und haben sich gut entwickelt.

52

DIE MALTESER 1/2021


MALTESERWELTWEIT

Die Menschen in der Region Idlib im Nordwesten Syriens leiden unter den Folgen des Bürgerkriegs, der Coronapandemie und

der Witterung.

Flüchtlinge vorrangig in den Nachbarländern oder als

intern Vertriebene im eigenen Land.

Lebensgefährliche Arbeit für Helfende

„Ohne eine funktionierende intensivmedizinische Betreuung

hätten Kinder wie Areej und Ahmed kaum

Überlebenschancen. Wir setzen uns schon seit dem

Jahr 2012 gemeinsam mit unseren lokalen Partnerorganisationen

vor Ort unter anderem dafür ein, die

medizinische Versorgung für die Bevölkerung in den

besonders betroffenen Regionen Syriens weiter aufrechtzuerhalten“,

sagt Stefanie Heil, Länderreferentin

für Syrien bei Malteser International.

Nach zehn Jahren Krieg ist das Gesundheitssystem des

Landes erodiert. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnerorganisationen

unterstützen die Malteser zahlreiche

Krankenhäuser, Basisgesundheitsstationen und

mobile Teams in Syrien und den von der Syrienkrise

betroffenen Nachbarländern. Darüber hinaus kümmern

sich die Malteser um die Trinkwasserversorgung

und bessere Hygienezustände in Camps für Binnenvertriebene

und stellen Hilfsgüter für die Geflüchteten

bereit (mehr zur konkreten Hilfe unter http://mint.

ngo/syrien-hilfe).

Oftmals ist die Arbeit für die Helfer selbst lebensgefährlich:

Krankenhäuser und Gesundheitsstationen

sind immer wieder konkrete Ziele für Bombenangriffe.

Allein im vergangenen Jahr hat es nach Angaben der

WHO 28 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen in

Syrien gegeben, im Jahr davor waren es 85.

Und nun auch noch Corona

Der Ausbruch von Covid-19 in der Region Idlib im Nordwesten

Syriens verschlechtert zusätzlich die humanitäre

Situation der vom Krieg gezeichneten Menschen. Zwei

Drittel der Bevölkerung lebten in überfüllten Camps

oder informellen Siedlungen mit unzureichendem Zugang

zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen.

Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, wie Abstände

einhalten, Händewaschen und Quarantäne, sind

unter diesen Umständen nahezu unmöglich umzusetzen.

Mit gerade einmal 179 Intensivbetten für über drei

Millionen Menschen in der gesamten Region Idlib sind

die Behandlungskapazitäten völlig unzureichend.

Mit Mitteln des deutschen Auswärtigen Amtes konnte

Malteser International im Dezember weitere persönliche

Schutz ausrüstung für das Gesundheitspersonal sowie

Sauerstoffgeräte und Monitore für die Überwachung der

medizinischen Daten von Covid-19-Patienten bereitstellen.

Hilfe, die dringend benötigt wird, so Heil: „In allen

Gesundheitseinrichtungen wurden Maßnahmen zum

Umgang mit Covid-19 eingeführt, wie beispielsweise

Triage-Bereiche eingerichtet. Die überwiegend durch

Hilfsorganisationen geführten medizinischen Einrichtungen

waren bereits vor der Pandemie mit den enormen

humanitären Bedürfnissen überfordert, inzwischen ist

jegliche Belastungsgrenze weit überschritten.“

Informationen: www.malteser-international.org

Spendenkonto: Malteser International Austria

IBAN: AT65 2011 1800 8087 0800

Verwendungszweck: Syrienhilfe

DIE MALTESER 1/2021 53


MALTESERWELTWEIT

BROTHERHOOD OF BLESSED GÉRARD SÜDAFRIKA

DURCH AIDS UND CORONA

DOPPELT GEFORDERT

Ein beeindruckendes Hilfswerk ist in den letzten Jahren in Südafrika gewachsen: Die Brotherhood of Blessed Gérard zum

Kampf gegen AIDS. Gerade jetzt, in Zeiten von Corona, benötigt sie jedoch zusätzliche Unterstützung. Bitte helfen Sie!

1992 vom bayerischen Missionsbenediktiner und Herzblut-Malteser

Pater Gerhard Lagleder OSB gegründet,

entwickelte sich mit der Brotherhood of Blessed Gérard

in der Welthochburg von AIDS ein beeindruckendes

Hilfswerk. Herzstück der Initiative sind ein Kinderheim

für bis zu 70 Kinder und Jugendliche, ein Hospiz mit

40 Betten und ein AIDS-Behandlungszentrum, in dem

fast 700 Menschen lebenslang kostenlos AIDS-Medikamente

erhalten. Daneben geben ambulante Angebote

den Menschen rund um das Care Centre in Mandeni

Hilfe in den unterschiedlichsten Notlagen.

Überzeugte Malteser

Über 1.500 ehrenamtliche und 80 hauptamtliche Mitarbeitende

– alle einheimische Südafrikaner – stellen die

umfangreichen Dienste sicher. Sie arbeiten professionell,

auf hohem fachlichem Standard und sind überzeugte

Malteser. Das gesamte Werk finanziert sich aus Spenden,

denn eine Kranken- oder Pflegeversicherung können sich

die meisten Hilfsbedürftigen nicht leisten, und öffentliche

Kostenträger gibt es nicht. So müssen 1,7 Millionen

Euro Jahr für Jahr gesammelt werden.

Hilfe für die Helfenden

Mit Corona ist nun zusätzlicher Unterstützungsbedarf

gegeben: Zum einen ist der Dienstbetrieb durch die Pandemie

aufwendiger und teurer geworden. Zum anderen

Von Katharina Stögner

sinken die Spendeneinnahmen, weil persönliche Spendenreisen

nach Deutschland und Europa nicht möglich sind.

Helfen Sie daher bitte mit, die Brotherhood of Blessed

Gérard in Südafrika weiter zu finanzieren! Schon kleine

Beträge können Großes bewirken. Zum Beispiel kann

mit zwei Euro bereits für 24 Vorschulkinder ein Sandwich-Mittagessen

zur Verfügung gestellt werden. Mit

drei Euro kann ein Baby eine Woche lang mit nahrhaftem

Baby-Müsli gefüttert werden. Ab vier Euro können

für ein Kleinkind im Kindergarten Schreibwaren für ein

ganzes Jahr beschafft werden. Beträge ab 50 Euro ermöglichen

es, regelmäßig Medikamente, Hygienematerial

und Kraftstoff für Versorgungsfahrten zu finanzieren.

Ab 500 Euro können Krankenhauskleidung und saubere

Bettwäsche besorgt und ab 1.000 Euro das Monatsgehalt

einer Krankenschwester bezahlt werden.

Spendenkonto: Brotherhood of Blessed Gérard

IBAN: DE08 7509 0300 0001 1320 67

BIC: GENODEF1M05 oder

Konto: Abtei der Missionsbenediktiner von St. Georgenberg-Fiecht,

„Spendenkonto P. Gerhard Lagleder OSB“

IBAN: AT74 3600 0000 0065 6975

BIC: RZTIAT22

Im Namen der Brotherhood of Blessed Gérard ein

herzliches „Vergelt’s Gott“ für Ihre Spende!

54

DIE MALTESER 1/2021


NEUER GENERALSEKRETÄR

BEI MALTESER INTERNATIONAL

Gemeinsam mit seinem Team steht er vor enormen Herausforderungen:

Die Welt verändert sich rasant. In

vielen unserer Projektregionen sehen wir uns mit multiplen

Krisen konfrontiert, die insbesondere die ohnehin

schon schwachen Bevölkerungsgruppen besonders hart

treffen. Die Coronapandemie hat die Situation für Menschen

in Not in allen unseren Einsatzländern nochmals

verschlimmert.“

MALTESERWELTWEIT

Seit November 2020 leitet Clemens Graf von Mirbach-Harff als neuer Generalsekretär das internationale humanitäre

Hilfswerk des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens. Als Nachfolger von Ingo Radtke (siehe S. 18) verantwortet er mehr

als 120 Projekte in 30 Einsatzländern weltweit.

Von Elena Stein

Menschen in Not helfen

Um möglichst vielen Menschen in Not zu helfen, bedürfe

es globaler Lösungen und starker Partner. „Ich glaube

fest daran, dass wir mit Malteser International ein wertvolles

Werkzeug für Gottes Reich auf Erden darstellen.

Allen, die unsere Arbeit unterstützen, möchte ich herzlich

danken und sie auch weiter um ihre Mithilfe bitten.“

Generalsekretär mit starkem Bezug zu Österreich

Clemens Graf von Mirbach-Harff übernahm im Jahr

2017 die Aufgabe des Länderkoordinators von Malteser

International im Libanon. Er ist seit 2004 Ritter des Malteserordens

und war seit 2015 Vizepräsident der Deutschen

Assoziation des Malteserordens. Dieses Amt legte

er zum Antritt der neuen Position nieder, in der Tradition,

dass Hauptamt vom Ehrenamt geführt wird.

Mit dem Orden und seinen Werken in Österreich verbinden

ihn viele gemeinsame Projekte und Erinnerungen.

„Besonders gerne erinnere ich mich an die Gründung der

Johannesgemeinschaft. Ich habe eine große Liebe zu Österreich

und den Menschen, die ich dort kennenlernen

durfte. Die Malteser in Österreich waren immer starke

und mutige Partner für mich, und ich freue mich sehr auf

die weitere Zusammenarbeit.“

Vita: Clemens Graf von Mirbach-Harff, 40, wurde in Köln

geboren. Nach dem Wehrdienst studierte er Betriebswirtschaftslehre

in Oxford, Madrid, Paris und Berlin. Vor seiner

Tätigkeit bei Malteser International arbeitete er als Strategieberater

in einer Unternehmensberatung und leitete sieben

Jahre lang einen land- und forstwirtschaftlichen Familienbetrieb.

Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

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MEDIZINAKTUELL

DIE DREI IMPFSTOFFE IM VERGLEICH:

UNTERSCHIEDE UND ÄHNLICHKEITEN

Drei Impfstoffe sind mit Februar 2021 in der EU zugelassen: Sie alle sollen ähnlich funktionieren, haben aber auch

Unterschiede – und viele Details sind noch offen. Ein Vergleich.

Von Theresa Bittermann, Ingrid Teufl

Diese Impfstoffe sollen das Immunsystem anregen,

selbst Abwehrstoffe gegen das Sars-CoV-2-Virus zu

bilden. Trotz dieses gemeinsamen Ziels ist Impfstoff

nicht gleich Impfstoff. In den bisherigen Studien

wurde vor allem Wert auf Wirksamkeit und

Verträglichkeit gelegt. Weitere Studien wie etwa zu

Schwangeren, Kindern, Autoimmunerkrankungen

oder hoher Allergieempfindlichkeit sind noch nötig.

DIE IMPFSTOFFE IM ÜBERBLICK

BIONTECH/PFIZER-IMPFSTOFF

Wirkweise: BioNTech/Pfizer entwickelten einen mRNA-

Impfstoff („m“ steht für messenger, engl. für „Bote“;

„RNA“ für ribonucleic acid, also Ribonukleinsäure). Mit

der mRNA enthalten die Impfstoffe die Bauanleitung für

einen wesentlichen Teil des Covid-19-Erregers. Auf dieser

Grundlage stellen Zellen das Oberflächenprotein des Virus

her. Gegen dieses entwickelt der Körper seine Immunantwort.

Die mRNA wird dabei nicht in das Erbgut des

Menschen eingebaut.

Schutzrate: Laut Studienergebnissen liegt sie bei

95 Prozent. Ob sich Geimpfte nach wie vor mit dem Virus

anstecken und es weitergeben können, ist noch unklar.

„Eine Wirksamkeit über 90 Prozent ist aber ein Zeichen,

dass man vor einer Infektion gut geschützt ist“, sagt der

unabhängige Impfexperte Otfried Kistner.

Logistik: Der BioNTech/Pfizer Impfstoff muss bei minus

70 Grad Celsius gelagert werden und kann sechs Monate

lang aufbewahrt werden. Ist er einmal aufgetaut, muss er

innerhalb von fünf Tagen verimpft werden.

MODERNA-IMPFSTOFF

Wirkweise: Der Impfstoff des US-Unternehmens basiert

ebenfalls auf mRNA-Technologie und funktioniert ähnlich

wie jener von BioNTech/Pfizer. Impfexperte Kistner

erklärt den Vorteil so: „Nachdem die mRNA-Boten ihren

Job gemacht haben, werden sie im Körper abgebaut.“

Auch wenn vor diesen beiden

noch keine mRNA-Impfstoffe

für Menschen

zugelassen wor-

56

DIE MALTESER 1/2021


MEDIZINAKTUELL

den waren, wird die Technik schon seit Jahren in Studien

erforscht, etwa für neue Ansätze in der Krebstherapie.

Schutzrate: Studienergebnisse weisen für den Moderna-Impfstoff

eine Wirksamkeit von 94,1 Prozent nach.

Seine Wirksamkeit ist also beinahe ident mit jener der

BioNTech/Pfizer-Impfung.

Logistik: In diesem Punkt hat der nach demselben Prinzip

funktionierende Moderna-Impfstoff einen Vorteil zu

jenem von BioNTech/Pfizer. Mit minus 20 Grad Lagertemperatur

muss es nicht ganz so kalt sein. Der Impfstoff

ist 30 Tage bei Kühlschranktemperatur und zwölf

Stunden bei Raumtemperatur stabil. Der Impfstoff muss

– ebenso wie jener von BioNTech/Pfizer – nach Erstnutzung

innerhalb von sechs Stunden verbraucht werden.

ASTRAZENECA-IMPFSTOFF

Wirkweise: Beim britisch-schwedischen Produkt handelt

es sich um einen Vektor-Impfstoff. Die Technik ist

von anderen Impfungen bereits bekannt. Dabei nutzt

man ein für Menschen harmloses Trägervirus („Vektor“).

Es wird genetisch so verändert, dass es dem krankmachenden

Virus oberflächlich gleicht. Das Immunsystem

bildet dennoch erfolgreich Antikörper. „Der Nachteil

dabei ist, dass der Körper auch Abwehrstoffe

gegenüber dem Vektor

bildet – wodurch weniger

Impfstoff in die

Zellen gelangt. Erhält man zwei Mal die volle Dosis, könnte

die zweite bereits weniger wirksam sein“, sagt Kistner.

Schutzrate: Für den AstraZeneca-Impfstoff liegen mehrere

Wirksamkeitswerte vor, sie rangieren zwischen 62

und 90 Prozent. Das liegt daran, dass unterschiedliche

Impfstrategien (beispielsweise zwei volle Dosen, eine erste

geringere (halbe) Dosis etc.) innerhalb der Studien angewandt

wurden. Durchschnittlich liegt die Wirksamkeit

bei 70 Prozent. Laut WHO wird aber ein ausreichender

Schutz erzielt.

Logistik: Gegenüber den mRNA-Impfstoffen gibt es laut

Experten einen klaren Vorteil. Vektorimpfstoffe haben

bereits erprobte Ablaufpläne und können bei normalen

Kühlschranktemperaturen gelagert werden.

NEBENWIRKUNGEN IM ÜBERBLICK

Einen Impfstoff ohne Nebenwirkungen gibt es nicht – das

schickt Experte Otfried Kistner in diesem Punkt voraus.

Lokale Nebenwirkungen an der Einstichstelle könnten

durch das Spritzen selbst je nach Empfindsamkeit immer

auftreten. Auch mit kurzem Fieber oder Kopfschmerzen

sei zu rechnen – das Immunsystem reagiert. Unerwünschte

Nebenwirkungen, die darüber hinausgehen,

hätte man dem Experten nach bei den Covid-Impfstoffen

in den untersuchten Gruppen noch keine festgestellt.

Erste 3D-Aufnahmen des Coronavirus

Internationale Wissenschafter unter anderem von der TU

Wien, KAUST und Scripps Research haben in Zusammenarbeit

mit der Firma Nanographics an einem Projekt zur

Erstellung einer wahrheitsgetreuen Abbildung des Coronavirus

gearbeitet.

Mehr Informationen zu den Forschungsarbeiten:

https://nanographics.at/

Quelle: Nanographics (2021, 21, 01). Real SARS-CoV-2 virion in 3D.

https://nanographics.at/projects/coronavirus-3d/

Quelle: Kurier online vom 8. Jänner 2021

DIE MALTESER 1/2021 57


TAGEBUCH

WIE DIE VÄTER,

SO DIE SÖHNE

Die Familie Spörk und die Wald- und Forstbetriebe des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens im Großpriorat

Österreich verbindet eine mehr als 100-jährige Geschichte. Anfang November feierte die „Seele“ der Betriebe, Josef

Spörk, den 80. Geburtstag. Wir dürfen herzlich gratulieren und ein bisschen in der Erinnerungskiste kramen.

Von Franz Harnoncourt-Unverzagt

Naturnahe, nachhaltige Waldwirtschaft in Verbindung mit

dem Namen Spörk ist heute ein Markenzeichen für verantwortungsbewusste

und naturverbundene Waldwirtschaft.

Schon der Urgroßvater und der Großvater von Professor

Spörk waren im Fürstenfelder Commendewald für den

Orden tätig. Sein Vater schloss eigeninitiativ eine hervorragende

forstwirtschaftliche Ausbildung – teilweise sogar,

wie man heute sagen würde, als Werkstudent – ab.

Schon in seinen Ausbildungsjahren war naturnahes

Waldwirtschaften für ihn von großer Bedeutung. Zuerst

führte er den Forstbetrieb des Commendewalds

in Fürstenfeld. Später wurde er auch mit der Führung

gesamten Forstbetrieb Fürstenfeld und Ligist betraut.

Das tat er mit großer Begeisterung und Hingabe. In

diesem Biotop wuchs auch unser Jubilar auf, umgeben

von vielen Geschwistern, jedoch mit dem einzigen Ziel,

sich auch um Natur, Wald und Forst zu kümmern.

Weichenstellung im Jahr 1964

Josef Spörk konnte eine profunde Ausbildung absolvieren,

zuerst an der Hochschule für Bodenkultur in Wien,

anschließend – dank eines Stipendiums – ein Jahr an der

ETH Zürich am Institut für Orts-, Regional- und Landesplanung

sowie am Waldbau-Institut. 1964 trat der Naturliebhaber

als Forstassistent in den Malteser Forstbetrieb

Ligist ein.

Im gleichen Jahr heiratete er Christiane Welzig aus Bad

Aussee. Sie wurden Eltern von vier Kindern, darunter

der nächste „Wald- und Forstwirtschafts-Spörk“ namens

Clemens. (Der Namenspatron ist übrigens auch der

Patron der Waldarbeiter – wie voraussichtig!)

Vier Jahre später erfolgten die Staatsprüfung für den

höheren Forstdienst und die Promotion zum Doktor

der Bodenkultur. Das Dissertationsthema war bereits

die Zukunftsvision für die Malteser Betriebe: „Lage und

Entwicklungsmöglichkeiten der Forst- und Holzwirtschaft

und des Fremdenverkehrs im Bezirk Voitsberg

– eine forstliche Regionalplanungsstudie“. Bestens vorbereitet

übernahm Spörk 1970 die Leitung der Malteser

Wald- und Forstbetriebe.

Wirtschaftliche Nutzung im Einklang mit der Natur

Josef Spörk geht es nicht nur um Bäume, sondern im

gleichen Maß um die Menschen. Die uns von Gott anvertraute

Natur soll rücksichtsvoll und nachhaltig zum

Wohle aller Mitarbeitenden genutzt werden und den Erholung

und Ruhe suchenden Menschen dienen. Keinesfalls

soll sie ausgebeutet und vernichtet werden.

Das kann und darf auch wirtschaftlichen Nutzen bringen,

so die Überlegungen Spörks. Fremdenverkehr

wurde angedacht und ab 1971 der Tourismusbetrieb

Hebalm aufgebaut – zuerst einmal für den Wintersport.

Skilifte und eine der ersten Flutlichtanlagen Österreichs

wurden errichtet. So konnten die Skibegeisterten

selbst nach der Arbeit noch einige Stunden ihren

Sport genießen.

58

DIE MALTESER 1/2021


Besonderer Höhepunkt waren FIS-Damen-Nachwuchsrennen.

Elisabeth Görgl etwa erkämpfte sich hier als Jugendliche

ihren ersten FIS-Pokal. Natürlich wurden auch eine

großartige Langlaufloipe angelegt und in weiterer Folge

der Sommertourismus gefördert. Ein großer Campingplatz

und eine Reihe kleiner, aber feiner Holzhäuser sollten

den Gästen die Natur und das Holz der Umgebung in

seiner Vielfalt und Nutzbarkeit nahebringen.

Vorausschauend und innovativ

Es ergab sich dann fast von selbst, dass Josef Spörk in

der Gemeinde Ligist auch in öffentlichen Funktionen gebraucht

wurde – zuerst als Kulturreferent im Gemeinderat

(die Familienmusik Spörk war landesweit bekannt) und

später fünf Jahre als Vizebürgermeister.

Voraus- und Weitsicht waren und sind eine bedeutende

Fähigkeit unseres besonderen Geburtstagskindes. Josef

Spörk entwickelte die naturnahe Waldwirtschaft in den

Malteser Forstbetrieben konsequent weiter. Zu seines Vaters

Zeiten gab es immer weniger große Kahlschläge, es

wurden vorwiegend Absäumungen vorgenommen, erst

ab Josef Spörk wurde auf Kahlschläge gänzlich verzichtet.

Einzelstammnutzung ist die neue Methode, und so war es

von großer Bedeutung, dass das Wegesystem, die Forststraßen

und Rückewege gepflegt und ausgebaut wurden. Diese

vorausschauende Bewirtschaftung bewährt sich bis heute

hervorragend.

Lehrzeit im Wald

Mich selbst verbindet eine ganz besondere Geschichte

mit Josef Spörk. Als ich 1984 von Prokurator Gudenus

zum Rezeptor des Malteserordens bestellt wurde, begann

für mich die enge Zusammenarbeit mit dem „Forstmann“

und vor allem eine höchst interessante Lehrzeit,

was das Leben und Wirtschaften im Wald betrifft.

Von meinem Taufpaten und Onkel Franz Meran und

seinen Förstern in Stainz hatte ich nur von Waldwirtschaft

in Monokultur, Altersklassen, Kahlschlagsystem

und Aufforstung gehört. Nun eröffnete sich für mich

durch natürliche Waldwirtschaft mit Naturverjüngung

und Einzelstammnutzung eine neue Welt der Waldfamilie,

bunt gemischt über und unter der Erde – Menschen,

Pflanzen und Tiere als gemeinsames Ganzes in großer

Vielfalt von Gott uns Menschen zur Nutzung anvertraut.

Viel Ansehen und hohe Auszeichnungen

Nachhaltige, sinnvolle und naturnahe Nutzung

ist das Wirtschaftskonzept von drei Generationen

Spörk in der Betriebsleitung. Es ist

bis heute erfolgreich und brachte den Ordensbetrieben

über die Grenzen des Landes hinaus hohes

Ansehen. Unzählige Exkursionen und Informationsveranstaltungen

fanden und finden immer noch statt.

1990 wurde dem Malteser Waldbetrieb Ligist der Staatspreis

für beispielhafte Waldwirtschaft verliehen. 1998

mussten wir Josef Spörk schließlich schweren Herzens

ziehen lassen. Er war von der Universität für Bodenkultur

als Ordinarius für Waldbau berufen worden. Einerseits

für den Betrieb ein großer Verlust, andererseits

DIE MALTESER 1/2021 59


Wir suchen ...

Das neue MALTESER Ordenshaus im

Zentrum von Wien (ehem. Haus Malta) wird

Ende des Jahres eröffnet. Deshalb gilt es zur

Verstärkung unseres professionellen und

hochmotivierten Teams folgende Positionen

zu besetzen (Haustechnik und Stationsleitung

nur Vollzeit, alle anderen Jobs sind Vollzeit und

Teilzeit möglich):

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aber für den Orden eine große Befriedigung, dass nun

die in unseren Revieren entwickelten Methoden weiteren

Generationen vermittelt werden.

Im Namen des Vaters

Josef Spörk hat seinem Sohn Clemens Natur und Wald

ans Herz gelegt. So hat es zeitlich gut gepasst, dass dieser

schließlich in die Fußstapfen seines Vaters treten

konnte, um die Spörk’sche Tradition der Malteser Betriebe

erfolgreich weiterzuführen.

An dieser Stelle noch einmal herzlichen Glückwunsch

zum Geburtstag, lieber Josef, und danke für die jahrzehntelange

gute Zusammenarbeit. Gesundheit und

Gottes Segen!

HÜTER DES WALDES

Unter diesem Titel findet sich in der „Kleinen Zeitung

vom 3. November 2020 in der Rubrik „Steirer des Tages“

ein Porträt unseres Jubilars Prof. Dr. Spörk. Hier sind

überaus sympathische Anekdoten zu lesen – wie diese hier:

Als Josef Spörk als Jugendlicher für die Ausbildung ins

Internat nach Graz kam, hatte er eine Schmetterlingslarve

mitgenommen und ihr beim Wachsen zugesehen, um

auch in der Stadt immer ein Stück Wald zu haben. Und sein

Lieblingsplatzerl befindet sich immer noch direkt vor der

Haustür. Es ist ein zwei Hektar großes Waldstück in Ligist,

das seit 1976 von Menschenhand unberührt geblieben

und zum Naturwald-Reservat gemacht worden ist. „Ich

war schon in vielen Wäldern“, sagt der Jubilar. „Aber hier

finde ich immer wieder etwas zum Staunen.“

Danke an Heike Krusch von der „Kleinen Zeitung“, dass

wir diese wertvollen Erinnerungsstücke hier zitieren dürfen!

60

DIE MALTESER 1/2021


TAGEBUCH

NEUES LEBEN

George stammt aus Syrien. Er konnte kein Wort Deutsch und hatte keinen Job, als er vor vier Jahren in Österreich

ankam. Dank der Hilfe des MALTESER Jobnetzwerks hat er nun eine qualifizierte Arbeit und neue Freunde gefunden.

Der 38-jährige Chemiker, der seine Heimat Aleppo vor

vier Jahren fluchtartig verlassen musste, hat mehr als

900 Bewerbungen geschrieben. Das ist eine außerordentliche

Leistung und – nebenbei bemerkt – ein trauriges

Spiegelbild des österreichischen Arbeitsmarktes.

Hätte er nicht über Freunde den Weg in die Wiener

Burggasse zum Malteser Sprachkurs gefunden, stünde

er womöglich immer noch ohne Job da, denn die meisten

seiner 900 Bewerbungen wurden nicht einmal beantwortet.

Abgeschlossenes Studium und mehrjährige

Praxis erfahrung

Hilfreich auf diesem Weg war auch das Malteser

Jobnetzwerk, in dem nicht nur Deutsch gelernt wird,

sondern auch nach strategischen Gesichtspunkten Kontakte

zu potenziellen Arbeitgebern gesucht und gefunden

werden. Aber auch durch die besondere Hilfe seiner

damaligen Freundin und jetzigen Frau hat sich George

mehr und mehr in den verdeckten Arbeitsmarkt hineingewagt.

George hat an der Universität in Aleppo angewandte

Chemie studiert und als Bachelor abgeschlossen. Dieses

Studium wurde ihm anerkannt. George legte zudem

eine Lehrabschlussprüfung zum Labortechniker ab. Zu

seiner Qualifikation zählen einige Jahre bei verschiedenen

Pharma- und Chemieunternehmen in Syrien, wo er

wertvolle Praxiserfahrung sammeln konnte.

Deutschkurse und Bewerbungscoaching

Aber wie das alles in gutem Deutsch seinen Gesprächs-

Von Sandor Norman

partnern klar machen? Wie überhaupt Menschen finden,

die ihm zuhörten und an seiner Vergangenheit

interessiert waren? Nur durch intensives Lernen – coronabedingt

auch via Online-Coaching – und die Hilfe

seiner Freunde, zu denen wir uns nach einigen Monaten

zählen durften, vermochte er sein Sprachniveau auf

B2 anzuheben. Eine neue Bewerbungsstrategie, verbesserte

Bewerbungsgespräche und ein auf seine Branche

zugeschnittenes „Language Coaching“ halfen ihm letztlich

zum ersehnten und hart erarbeiteten Erfolg – zur

Einstellung in einem Wiener Chemielabor.

Wieder selbstsicher dank neuem Job

George hat sich in dieser Zeit von einem verunsicherten

Jobsuchenden zu einem selbstbewussten und sicher

auftretenden Ehemann und Mitarbeiter entwickelt, den

wir über diese schwierige Phase der Integration begleiten

durften. Unser „Learning“ war dabei, wie wichtig es

ist, auch auf die Gestaltung der Rahmenbedingungen

Einfluss zu nehmen und im Umfeld aktiv zu sein, mit

den Freunden zu kommunizieren und die Motivation

trotz vieler Absagen hoch zu halten.

George hat nun wieder Boden unter seinen Füßen

gewonnen. Durch die neue Arbeit hat er seine Würde

und Selbstsicherheit wiedergefunden, die er auch ausstrahlen

kann. Was für ein schöner Lohn für die Hilfe

des Malteser Jobnetzwerks! Georges Beispiel stellt

einen unwiderlegbaren Beweis für die Sinnhaftigkeit

und Notwendigkeit unserer Arbeit dar. Das macht

uns glücklich und dankbar und motiviert uns weiterzumachen!

DIE MALTESER 1/2021 61


TAGEBUCH

INGEBORG GURKER

EINE FREUNDIN FÜR GENERATIONEN

„Gurke“, wie sich Ingeborg Gurker (1947–2020) mit ihrem selbstgewählten Spitznamen nannte, war Spastikerin,

ihre Sprache schwer verständlich. Sie benötigte Rundum-Assistenz. Dennoch verlor sie bis zuletzt nicht ihren

Lebensmut. Wir werden sie sehr vermissen!

Von Astrid Aufschnaiter und Benedikt Spiegelfeld

Wir lernten „Gurke“ 1970 beim Sonnenzug,

einer der bis heute sehr beliebten Ausflugsreisen

der Malteser mit ihren Betreuten,

kennen. Als 20-Jährige nahm die Grazerin

damals in Begleitung der steirischen Malteser

teil. Schon nach wenigen Tagen hatten wir sie

besonders ins Herz geschlossen. Und nicht

nur wir: Innerhalb kürzester Zeit war

Ingeborg bei allen Maltesern bestens bekannt,

denn mit ihr gab es immer etwas zu lachen.

Ihr Humor war unbeschreiblich. So war

Ingeborg als fixe Teilnehmerin bei Lourdes-

Wallfahrten, Romzügen und allen wichtigen

Malteser-Veranstaltungen dabei. Jedes Mal

war die allgemeine Wiedersehensfreude groß.

Ingeborg 1970 im Sonnenzug. Ingeborg liebte Freundschaftskontakte, hier

mit Familie Hemma und Franz Pacher-Theinburg.

Ingeborgs Eltern waren um ihre Tochter sehr bemüht.

Sie unternahmen mit ihr viele Reisen, speziell zu ihren

Malteser-Freunden, so zu Gitti und Andreas Lutterotti

nach Kaltern, zu Astrid nach Eppan, zu Hemma und Franz

Pacher-Theinburg nach München und ins steirische Sausal.

Ingeborgs Ein und Alles: Die MALTESER

Wir konnten Ingeborg seelisch gut aufrüsten, aber wichtig

war in Graz die Assistenz von „Ruppi“ Elfriede Tummler,

sowie von „Geri“ Gerald Koller, die sich jahrelang um sie

gekümmert hatten.

Aber um ein Leben in Heimen ist auch Ingeborg nicht

herumgekommen. In dieser Zeit war für sie der Kontakt

zu den Maltesern noch bedeutsamer geworden. Der Malteserorden

unterstützte sie großzügig und sorgte für ihr

finanziell halbwegs unbeschwertes Leben.

Rückblickend erfüllt uns die Tatsache, mit welcher Tapferkeit,

Liebe zu ihren Freunden, Zuversicht und Freude

sie ihr Leben meisterte, mit Hochachtung. Bei ihr hat sich

unsere Malteser-Hingabe verselbständigt. Sie wurde eine

Freundin für Generationen.

Danke, Ingeborg!

Hinweis:

Seelenmesse am 15. Mai 2021, um 18 Uhr, in der Pfarre

Johann Nepomuk, Praterstraße/Nepomukgasse 1,

Pfarrer Konstantin Spiegelfeld

Seelenmesse am 31. Juli 2021, um 14 Uhr, in der

Theresienkapelle von Pacher-Theinburg, 8443 Sausal 72,

Pfarrer Mons. Leo Maasburg

62

DIE MALTESER 1/2021


GELESENEMPFOHLEN

„WAGE ZU TRÄUMEN!

MIT ZUVERSICHT AUS DER KRISE“ VON PAPST

FRANZISKUS

Für Papst Franziskus ist eines klar: „Es gibt kein Zurück zur Normalität von vor der

Coronapandemie“. Der Heilige Vater skizziert seine Gedanken für eine gesellschaftliche

Neuausrichtung. Diese ist geprägt von zwei Zieldefinitionen: Mehr Sicherheit und mehr

Gerechtigkeit in der Welt.

Von Udo Thianich-Schwamberger

Papst Franziskus nutzt den Lockdown, um gesellschaftliche

Entwicklungen samt ihren Fehlern und Schwächen

aufzuzeigen. Mehr noch, er benennt diese deutlich. Es

ist vor allem eine Entwicklung, die die Gesellschaft im

Lauf der Zeit einfach akzeptiert und angenommen hat.

Für ihn ist jetzt die Stunde gekommen, ein Umdenken

zu wagen, dem ein mutiges Gestalten folgt. Denn wer

sagt, dass wir in den Zustand vor der Krise zurückmüssen?

Politische Systeme und Ideologien

Papst Franziskus analysiert in seinem Buch die politischen

Systeme und Ideologien unserer Zeit. Er versucht

in einfacher und zugleich kraftvoller Sprache Wegweiser

für einen Aufbruch aufzuzeigen. Auch gewährt er einen

intimen Einblick in sein eigenes Leben, anhand von persönlich

erlebten und bewältigten Krisen. Was braucht es

aber für uns selbst gegenwärtig dafür – Papst Franziskus

antwortet präzise: „Nur Mut“!

Unser direktes Umfeld

Der Heilige Vater ruft uns dazu auf, unser Umfeld in den

Fokus zu nehmen und mit Mut bessere Wege als bisher

zu gehen. Bessere Wege deshalb, um die Welt für alle

Menschen zu einer besseren zu machen. Die Coronapandemie,

mit all ihren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen

Auswirkungen, hat viele Probleme unserer Zeit wie

durch eine Lupe vergrößert und sichtbar gemacht. Es

geht um die tatsächliche Existenzfrage, die durch wirtschaftliche

Ungleichheit befeuert wird, aber auch um

Sorgen, Ängste und Trostlosigkeiten im Alltag. Alle diese

sind vielen Menschen inzwischen ständiger Wegbegleiter

geworden.

Nur Mut

Bereits der erste Blick in das Inhaltsverzeichnis des Buches

lässt einen ehemaligen Jesuitenschüler schmunzeln: Die

klare Struktur der Drei-Punkte-Gliederung mit ihren Titeln

gibt uns Einblick in die reflektierte Herangehensweise des

Papstes. Diese Struktur spiegelt eine Idee des Hl. Ignatius

von Loyola wieder: Die Unterscheidung, die Entscheidung

und folglich die Entschiedenheit. Es ist letztendlich das,

wozu uns Papst Franziskus mit einem freudigen Lächeln ermutigen

möchte, Mut zur Entschiedenheit: „Nur Mut“!

Papst Franziskus: WAGE ZU TRÄUMEN! Mit Zuversicht aus der Krise,

192 Seiten, Kösel-Verlag, ISBN: 97834663727204, 19,62 Euro

Heiraten im Schlosshotel Mailberg

DIE MALTESER 1/2021 63


GELESENEMPFOHLEN

DIE HEILIGE MIT DEM BIERKRUG

Kurzweilig und locker lesen sich die 365 Porträts von Heiligen, die unter dem Titel „Von Bischofsstab

bis Besenstiel“ versammelt sind. Damit bietet die Autorin Bernadette Spitzer für jeden Tag

des Jahres eine besondere Begleitung an.

Von Katharina Stögner

Heiligenbücher und -lexika gibt es viele, aber dieses hier

ist anders. Die Autorin, eine Theologin, die seit vielen

Jahren für radio klassik Stephansdom täglich Heiligenporträts

verfasst, hat ihre Radiogeschichten zum Nachlesen

in ein Buch verpackt. Pro Tag erzählt sie auf einer

Seite eine Lebensgeschichte. Dabei verzichtet sie auf salbungsvolle

Worte, sondern schreibt mit leichter Hand

und Augenzwinkern sowie großem Respekt von vielen

Menschen, die ihr Leben in den Dienst Gottes gestellt

haben.

Patronin des Fernsehens

Es finden sich Biographien vieler bekannter Heiliger, aber

auch vieler unbekannter, und jede ist mit interessanten

Details gespickt. So erfährt man, warum Wilhelm von

Dijon eine Bruderschaft für Jongleure gegründet hat,

und warum preußische Soldaten katholischen Nonnen

salutierten, dass Virgil von Salzburg Österreichs erster

Physiker und Engelbert von Admont der erste Musikwissenschafter

des Landes war. Und welche Heilige die Patronin

des Fernsehens ist. Auch der Erfinder des Computers,

der im 13. (!) Jahrhundert lebte, ist ein Seliger. Man

lernt den Namenspatron aller Ildefonsos kennen und die

Patronin des Umweltschutzes, eine Mohawk, über die

Leonard Cohen einen Roman geschrieben hat. Und der

heilige Kevin erfährt eine Ehrenrettung.

Das Evangelium in der Wüste

Heilige mit Österreichbezug sind ebenso enthalten wie

Missionare und Missionarinnen, die unter Lebensgefahr

erst Tausende Kilometer übers Meer fuhren und sich

dann durch den Dschungel oder die Wüste schlugen, um

das Evangelium zu verkünden. Der Franziskaner Juniperus

Serra gründete im heutigen Kalifornien Missionsstationen

und benannte sie nach den Heiligen der Seitenal-

täre seiner Heimatkirche auf Mallorca: San Francisco und

San Diego. In Kanada hingegen ist eine Österreicherin

vertreten, die nie dort war: In einem Kirchenfenster ist

Restituta Kafka mit einem überaus originellen Attribut

dargestellt – einem Bierkrug, denn sie liebte Bier.

Hommage an die MALTESER

Etliche Selige und Heilige treten aus dem Schatten mächtiger

Vorbilder, etwa Adolph Kolping, der am 4. Dezember

Gedenktag hat und zu Unrecht neben der populären

Barbara verblasst. Übrigens sind auch einige Heilige mit

Bezug zum Malteserorden porträtiert: Johannes XXIII.,

Hedwig von Schlesien und Kaiser Karl I. Als „Heilige des

Jahres“ fand schließlich auch Corona Aufnahme – sie ist

Patronin der Seuchen.

Bernadette Spitzer: Von Bischofsstab bis Besenstiel – Mit 365

Heiligen durchs Jahr, 400 Seiten, Wiener Dom-Verlag, ISBN: 978-

3-85351-294-4, 29,50 Euro

GRATIS,

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DIE MALTESER 1/2021


Die

GELESENEMPFOHLEN

DER DENATURIERTE

MENSCH UND SEINE

RECHTE

Die neognostische Sicht des Menschen scheint immer mehr

in den Vordergrund zu rücken. Wird sie zur Abschaffung des

Menschen führen?

Von Fra‘ Gottfried Kühnelt-Leddihn

Mit dieser heiklen Frage beschäftigt sich Grégor Puppincks

Buch unter Bezugnahme auf aktuelle Entwicklungen

und die öffentliche Diskussion um Abtreibung, Euthanasie,

Pränataldiagnostik, Leihmutterschaft und

gleichgeschlechtliche Ehe. Hier werde, so die Feststellung

des Autors, ein neuartiger Moralkodex mit

universellem Geltungsanspruch postuliert und mit

bürokratischen Methoden durchgesetzt. Dass er dem

sittlichen Empfinden der meisten Menschen nicht

entspricht, scheint fast nebensächlich, dürften doch

Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für

Menschenrechte, Dokumente von UN-Ausschüssen

oder Stellungnahmen aus akademischen Zirkeln

Rechtfertigung genug sein.

Puppinck versucht, in seinem Buch die tieferen Gründe

dieser verstörenden Entwicklung herauszuarbeiten.

Einen, vielleicht den wesentlichsten, Grund verortet

er in zwei unterschiedlichen Menschenbildern, die einander

polarisierend gegenüberstehen: Hier der christlich

inspirierte Personalismus, dort der neognostische

Humanismus. Aus diesen einander widersprechenden

Menschenbildern folgen grundlegend unterschiedliche

Auffassungen über die Menschenwürde und die aus ihr

abzuleitenden Menschenrechte. Prädikat: Lesenswert!

Grégor Patrick Puppinck, Der denaturierte Mensch und seine Rechte,

Be+Be-Verlag 2021, 274 Seiten, ISBN: 978-3-903602-07-6,

21,90 Euro

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 4/2020

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 3/2020

© Nicusor Floroaica

ROM

Special

Edition

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 2/2020

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Malta Tours Unlimited: Pilgertradition seit 1964

Gesucht. Eltern auf unbestimmte Zeit

900. Todestag des seligen Gerhard, Ordensgründer

Ordenshaus. Auf in die Zukunft

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In Memoriam: Fra’ Giacomo Dalla Torre

Weil Nähe zählt: #gemeinsamschaffenwirdas

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DIE MALTESER 1/2021 65


RUNDSCHAU

WIR TRAUERN UM


+ 12.11.2020

Trude Mair

Betreute MHDA Bereich Tirol

+ 20.12.2020

Ingeborg Gurker

Betreute MHDA Bereich Steiermark

+ 19.11.2020

Dipl. Ing. Johann v. Scheuer

Mitglied MHDA Bereich Steiermark

+ 22.12.2020

Eberhard Graf von Kuenburg

Ehren- und Devotions-Ritter

+ 26.11.2020

Johannes Fürst von Khevenhüller-

Metsch und Aichelberg

Ehren- und Devotions-Ritter

+ 02.12.2020

Georg-Christoph Graf Podstatzky-

Lichtenstein, Freiherr von Prusinowit

Ehren- und Devotions-Ritter

+ 05.12.2020

Teresa Maria Freifrau von Geusau

Betreute MHDA Bereich Salzburg

+ 18.12.2020

Birgit Freifrau von Weckbecker-Erggelet

Mitglied MHDA Bereich Wien

+ 19.12. 2020

Reinhold Walter

Betreuter MHDA Bereich Tirol

+ 24.12.2020

Manuela Jaros

Betreute MHDA Bereich Wien

+ 24.12.2020

Paul Neuner

Betreuter MHDA Bereich Tirol

+ 29.12.2020

Georg Adam

Betreuter MHDA Bereich Steiermark

+ 12.01.2021

Monika Gföhler

Betreute MBD

+ 09.02.2021

Geistlicher Rat Pfarrer

Msgr. Rupert Rechberger MC

Magistralkaplan, Pfarrer in Ligist und Träger

der Goldenen Verdienstauszeichnung

R.I.P.

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DIE MALTESER 1/2021


RUNDSCHAU

AUSZEICHNUNGEN

Seine Exzellenz der Großmeister-Statthalter des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens hat im Zusammenwirken mit dem

Souveränen Rat folgende Herren ausgezeichnet:

S. Exz. den ao. u. bev. Botschafter

unseres Ordens in Österreich,

Sebastian Prinz Schoenaich-

Carolath mit dem Großkreuz der

Verdienstauszeichnung „pro

Merito Melitensi“

Prinz Schoenaich-Carolath, seit

1989 Mitglied im Orden, war lange Jahre im Aufsichtsrat

der Deutschen Malteser und Bundesfinanzkurator

des Malteser Hilfsdienstes Deutschland (MHD) bevor

er, nach einer höchst erfolgreichen Berufskarriere in der

Wirtschaft, 2018 Botschafter des Ordens in Österreich

wurde.

Peter Penn seit 1988 Mitglied, ehemaliger Bereichsleiter

der Malteser im Bereich Tirol und nun Sprecher

der Altmitglieder, sowie seit 2003 im Orden und im

Delegationsrat aktiv, mit dem Offizierskreuz der Verdienstauszeichnung

„pro Merito Melitensi“

RANGERHÖHUNG

Im Zuge einer Heiligen Messe in der Kapelle der

Elisabethinen in Graz konnte der Delegat von Steiermark,

KR Martin Auer-Arland, im Namen des Prokurators Obermedizinalrat

Dr. Winfried Muhri für seine Verdienste

um die Werke und den Orden in der Steiermark mit dem

ihm verliehen Magistral-Großkreuz bedenken. Wir

gratulieren zur wohlverdienten Rangerhöhung.

DDr. Lukas Zeinler für seine langjährigen

Verdienste um den Orden

und das Altenwohnheim Haus

Malta mit dem Kommandeurskreuz

der Verdienstauszeichnung

„pro Merito Melitensi“

KONTAKT

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Großpriorat von Österreich

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteserorden.at

MALTESER Austria

Bundeszentrale

Mag. Manuel Weinberger

T: +43 1 512 53 95

E: zentrale@malteser.at

I: www.malteser.at

Malteser International

Dipl.-Ing. Richard Steeb

T: +43 1 512 72 44

E: smom@malteser.at

I: www.malteser-international.org

MALTESER Care

Helmut Lutz

T: +43 1 361 97 88 Fax 50

Kostenlose Pflegehotline: 0800 201 800

(Mo–So 8.00–20.00 Uhr)

E: office@malteser.care

I: www.malteser.care

MALTESER Kinderhilfe

Olivier Loudon, Mag. Petra Hellmich, MA

T: +43 7472 98201

E: office@malteser-kinderhilfe.at

I: www.malteser-kinderhilfe.at

Haus Malta

Dir. Mag. (FH) Thomas Kissich

T: +43 1 597 59 91

E: hausmalta@malteser.at

I: www.hausmalta.at

MALTESER Johannesgemeinschaft

Priv.-Doz. Dr. Johannes Holfeld

T: +43 1 512 72 44

E: mjg@malteser.at

I: www.malteserorden.at/mjg

DIE MALTESER 1/2021 67


ERÖFFNUNG

ENDE 2021

www.ordenshaus.at

MALTESER ORDENSHAUS

Das neue MALTESER Ordenshaus wird als Senioren- und Pflegewohnheim in 1030 Wien

ab Ende 2021 die Aufgaben des derzeitigen Hauses Malta übernehmen.

Danke für Ihre Spende, mit der Sie das MALTESER Ordenshaus unterstützen.

IBAN: AT11 2011 1310 0530 1320, BIC: GIBAATWW

Verwendungszweck „Ordenshaus“. Ihre Spende an den Verein Haus Malta ist steuerlich absetzbar!

www.ordenshaus.at

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

MALTESER Austria

Inserat Ordenshaus ok.indd 1 03.03.21 18:53

Großpriorat von Österreich

Bundeszentrale

Johannesgasse 2, 1010 Wien

Johannesgasse 2, 1010 Wien

Katharina Stögner

Mag. Manuel Weinberger

T: +43 1 512 72 44, F: +43 1 513 92 90

T: +43 1 512 53 95, F: +43 1 512 84 78

presse@malteser.at

zentrale@malteser.at

www.malteserorden.at

www.malteser.at

Österreichische Post AG

MZ 11Z038858M

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Johannesgasse 2, 1010 Wien

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