Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim

awo.schwaben.PSBMindelheim

Jahresbericht 2020

der Psychosozialen Beratungsstelle Mindelheim


Inhalt

Allgemeine Angaben zur Beratungsstelle ............................................................................ 1

Träger und Finanzierung ..................................................................................................... 1

Standort und Öffnungszeiten ............................................................................................. 1

Terminvergabe ...................................................................................................................... 2

Team ....................................................................................................................................... 3

Die PSB Mindelheim und Corona ....................................................................................... 5

Happy Birthday PSB Mindelheim! ..................................................................................... 8

Überblick über alle im Erhebungsjahr 2020 erfassten KlientInnen .............................. 10

Alters- und Geschlechtsverteilung .................................................................................. 10

Betroffene/Angehörige ...................................................................................................... 11

Hauptsubstanzen/-verhaltensweisen ............................................................................ 12

Erwerbssituation ................................................................................................................ 13

Vermittelnde Institutionen ............................................................................................... 14

Spezifische Angebote der Beratungsstelle ......................................................................... 15

Beratung, Vermittlung ....................................................................................................... 15

Orientierungsgruppe .......................................................................................................... 15

Nachsorge ............................................................................................................................ 16

MPU-Vorbereitungskurs .................................................................................................... 16

Außensprechtag in Babenhausen ................................................................................... 16

Angehörigengruppe ........................................................................................................... 18

Konsiliarische Suchtberatung in der Kreisklinik Mindelheim ..................................... 19

Fachlicher Input ..................................................................................................................... 19

Hypersexualität .................................................................................................................. 19

„Modedrogen“: Ketamin, Tilidin, Benzodiazepine ...................................................... 20

Vernetzungs- und Gremienarbeit ....................................................................................... 22

Öffentlichkeitsarbeit .............................................................................................................. 22

Perspektive: Außensprechtag Bad Wörishofen ................................................................. 23

Anhang: Berichterstattung in den Medien ........................................................................ 24

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim


Vorwort

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch in diesem Jahr wollen wir Sie mit dem vorliegenden Bericht über unsere Arbeit

in der Psychosozialen Beratungsstelle Mindelheim informieren.

Das Jahr 2020 war für uns ein besonderes Jahr, denn wir haben den ersten

Geburtstag gefeiert! Das bedeutet, wir sind jetzt schon über ein Jahr eine

selbstständige Beratungsstelle, haben viele Herausforderungen gemeistert, konnten

Neues entwickeln und Bewährtes optimieren.

Wir sind als Beratungsstelle gewachsen und haben uns in der regionalen

Suchthilfelandschaft weiter etabliert. Mehr Informationen zur Entwicklung der

Beratungsstelle im letzten Jahr können Sie in den folgenden Seiten lesen.

Auch das Corona-Virus hat unsere Arbeit im letzten Jahr geprägt. Wir mussten unser

Angebot anpassen und flexibel auf die veränderten Umstände reagieren. Wichtig

war uns vor allem, dass wir weiterhin geöffnet haben, vor Ort ansprechbar sind

und unsere Klientinnen und Klienten auch in Zeiten der Pandemie unterstützen

und beraten können. Welche Umstrukturierungen nötig waren, welchen Bedarf es

abzudecken galt und was sich durch Corona im Alltag der Beratungsstelle verändert

hat, haben wir für Sie auf den folgenden Seiten zusammengefasst.

Danke, dass Sie uns auch in Zukunft bei unserer Arbeit unterstützen! Und vor allem:

Bleiben Sie gesund!

Sonja Schwarz, Leitung

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim


Allgemeine Angaben zur Beratungsstelle

Bereits seit 1985 wird in Mindelheim Suchtberatung angeboten, zuerst als

Außensprechtag, danach als Außenstelle der Psychosozialen Beratungsstelle (PSB)

Memmingen und seit Juli 2019 als eigenständige Beratungsstelle.

Die Beratungsstelle hilft bei Problemen mit Alkohol, Drogen, Medikamenten,

Essstörungen, Glückspiel/Onlinespiel, Kaufen und Hypersexualität. Das Angebot

richtet sich an Suchtgefährdete, Suchtkranke und ihre Angehörigen.

Träger und Finanzierung

Finanziert wird die PSB Mindelheim durch den Bezirk Schwaben im Rahmen der

Hilfe bei psychischer/seelischer Krankheit und Behinderung. In regelmäßigen

Zielvereinbarungsgesprächen werden zentrale Arbeitsgebiete und Aufgaben

festgelegt.

https://www.bezirk-schwaben.de/

Träger der Beratungsstelle ist die Arbeiterwohlfahrt Schwaben e.V. Die

Arbeiterwohlfahrt (AWO) tritt für Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität und

Toleranz ein und hilft Menschen in unterschiedlichen Notlagen. 2019 feierte sie ihr

100-jähriges Wirken. Die „schwäbische AWO“ ist ein seit 1927 bestehender

Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege und widmet sich im Besonderen

älteren Menschen, sowie Kindern, Jugendlichen und Menschen, die auf Grund

persönlicher Notlagen Hilfe benötigen.

https://www.awo-schwaben.de/

Standort und Öffnungszeiten

Die Beratungsstelle befindet sich im Zentrum von Mindelheim in der

Maximilianstraße 2 im Gebäude der Sparkasse. Die Räumlichkeiten sind modern

und großzügig, der Zugang ist über den Haupteingang der Sparkasse möglich, was

der Anonymität der KlientInnen zuträglich ist. Es gibt einen rollstuhlgerechten

Eingang sowie einen Aufzug.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 1


Die Öffnungszeiten sind wie folgt:

Montag: 12:00 - 17:00 Uhr

Dienstag: 09:00 - 12:00 Uhr

Mittwoch: 09:00 - 12:00 Uhr und 13:00 - 17:00 Uhr

Donnerstag: 09:00 - 12:00 Uhr und 13:00 - 17:00 Uhr

Freitag: 09:00 - 12:00 Uhr

Offene Sprechstunde (ohne Anmeldung): Donnerstag: 16:00 - 17:00 Uhr

Auch außerhalb dieser Zeiten sind Gesprächstermine flexibel vereinbar.

Außensprechtag Babenhausen

Jeden Dienstag wird in Babenhausen von 12:00-16:00 Uhr ein Außensprechtag

angeboten. Die Gespräche finden in der Schrannenstraße 8 in Räumen im

Obergeschoss des Gasthofs „Rössle“ statt. Termine für Babenhausen können über

die PSB Mindelheim vereinbart werden.

Terminvergabe

Termine werden auf telefonische oder persönliche Anfrage so zeitnah wie möglich

vergeben. Auch Terminanfragen über Mail, Whatsapp oder die Facebookseite sind

möglich (es wird jeweils darauf verwiesen, dass aus Datenschutzgründen über diese

Medien kein inhaltlicher Austausch stattfinden kann).

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 2


Team

Leitung:

Sonja Schwarz

Sozialarbeiterin B.A.

Suchttherapeutin cand. M.Sc.

Neben den Beratungsgesprächen

ist sie zuständig für

die Nachsorgegruppe.

Frau Schwarz arbeitet in

Vollzeit.

Stellvertretende Leitung:

Marianne Briegel

Diplom-Psychologin

Frau Briegel ist neben der

Beratungstätigkeit für die MPU-

Vorbereitungsgruppe zuständig.

Sie bietet auch Beratungen auf

Spanisch an. Frau Briegel

arbeitet in Teilzeit.

Ursula Hiller

Dipl.-Sozialarbeiterin (FH)

Frau Hiller erweitert ihre

beratende Kompetenz derzeit

durch eine Weiterbildung zur

Suchttherapeutin. Sie leitet die

Orientierungsgruppe.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 3


Armin Krieger

Dipl.-Sozialpädagoge (FH)

Herr Krieger betreut neben

seiner beraterischen Tätigkeit

den Außensprechtag in

Babenhausen. Herr Krieger

arbeitet in Teilzeit.

Viktoria Guggemos,

Verwaltung, Anmeldung

Frau Guggemos ist unsere

"gute Fee" bei der

Terminvergabe, am Empfang

und in der Verwaltung. Frau

Guggemos arbeitet in Teilzeit.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 4


Die PSB Mindelheim und Corona

Die Corona-Pandemie verändert das berufliche, soziale und alltägliche Leben

enorm. Menschen mit psychischen Erkrankungen sind dadurch besonders belastet.

Wir in der Psychosozialen Beratungsstelle Mindelheim erleben, wie unser Klientel

mit den Folgen von Kurzarbeit, Einschränkung von sozialen Kontakten und des

öffentlichen Lebens und auch Beschränkungen des Hilfesystems zu kämpfen hat.

Durch Corona fällt oftmals ein großer Teil des sozialen Netzes (oder sogar alle

Kontakte) weg. Die Menschen vereinsamen und haben niemanden mehr, mit dem

sie ihre Sorgen oder ihren Alltag teilen können. Das fördert zusätzlich

Zukunftsängste oder eine negative Gedankenspirale. Auch gibt es Personen, die

durch die Doppelbelastung von Homeoffice und Kinderbetreuung besonders hohem

Stress ausgesetzt sind oder durch Kurzarbeit in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Das alles kann zu „Craving“, einer Steigerung des Konsums oder einem erhöhten

Rückfallrisiko führen.

Besonders im Lockdown werden die professionellen Anlaufstellen (stationäre Hilfen,

ambulante Stellen, Psychotherapeutische Praxen etc.) beschränkt, nicht selten sind

auch nur telefonische Kontakte möglich. Speziell therapeutische Praxen erleben in

unserer Region einen „Run“, die Wartezeit beträgt aktuell nicht selten mehrere

Monate bis zu einem Jahr.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 5


Auch Ressourcen, welche suchtabhängige oder suchtgefährdete Menschen bisher

stabil gehalten haben, können wegfallen, wie zum Beispiel im Fitnessstudio Sport

zu treiben oder besondere positive Erlebnisse wie Konzerte.

Zusätzlich erleben wir, wie Corona und die damit verbundenen Einschränkungen

Konflikte in den Familien massiv verschärft, Kinder von suchtbelasteten Eltern

weniger Anlaufstellen zur Unterstützung zur Verfügung stehen, der Konsum von

Alkohol zunimmt und im illegalen Bereich manche Menschen einem

lebensgefährlichen „kalten Entzug“ ausgesetzt sind, wenn sich die Verfügbarkeit an

diversen Substanzen verzögert.

Das Hilfesystem ist in diesen Zeiten massiv gefordert. Auch die PSB Mindelheim

musste flexibel auf die vielfältigen großen und kleinen Probleme und

Herausforderungen reagieren.

Für uns war von Anfang an klar, dass wir weiterhin vor Ort tätig sein würden. Die

Versorgung von Suchtpatienten und deren Angehörige muss trotz Pandemie

weiterhin gesichert sein. Dazu entwickelten wir ein Hygienekonzept, haben uns mit

unserem Träger und dem Gesundheitsamt immer wieder abgestimmt. Wir haben

Masken organisiert, einen Desinfektionsspender gekauft und uns in das Thema

Videochat eingearbeitet.

In beiden Lockdowns haben wir schwerpunktmäßig auf Telefon- und

Onlinekontakte verlagern müssen. Gruppen konnten nicht stattfinden. Später

haben wir unseren Gruppenraum abgemessen, damit 2 Meter Abstand

gewährleistet werden können. Nach dem ersten Lockdown konnten dann wieder

Kleingruppen und vermehrt persönliche Kontakte stattfinden.

Wir haben die Beratungszeiten bzw. die Taktung der Gespräche entzerrt, was oft zu

längeren Arbeitstagen geführt hat.

Schade war auch, dass unsere Beratungsstelle nicht mehr als Treffpunkt für

Klientinnen und Klienten fungieren konnte. Vor der Pandemie haben sich die

Menschen in unserer kleinen Küche (die für alle offen zugänglich ist) einen Tee

gemacht und sich ausgetauscht. Dann kam Corona und mit dem Virus kam der

Abstand.

Auch Treffen mit Kooperationspartnern zur Vernetzungsarbeit sowie

Veranstaltungen mussten ausfallen, bzw. auf „Nach-Pandemie-Zeiten“ verschoben

werden. In Planung war, dass die PSB Mindelheim die Kollegen vom ZAS (Zentrum

für Aidsarbeit Schwaben) für einen Testtag zu Gast hat. Hier hätten anonyme

Testungen auf HIV und andere Erkrankungen angeboten werden können.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 6


Leider mussten wir auch hier wieder wegen Corona absagen, würden uns aber

freuen, wenn wir dieses Projekt nächstes Jahr wiederbeleben könnten.

Doch für uns in der Suchthilfe ist Corona auch eine Chance. Die Pandemie zeigt auf,

wie wichtig wir für eine funktionierende Gesellschaft sind. Besonders jetzt wird

deutlich, wie systemrelevant unserer Arbeit ist und schon immer war.

Wir unterstützen Menschen in Notsituationen, sind aktuell oft einziger

Ansprechpartner für Abhängigkeitserkrankte und deren Angehörige, sind

Koordinator und wichtiges Hilfsangebot für viele, die psychisch instabil sind.

Suchtberatungsstellen retten Leben – das zeigt die Pandemie mehr denn je.

Für das Team der PSB Mindelheim heißt Suchtberatung in Zeiten der Pandemie auch

Mehrbelastung und längere Arbeitstage.

Wir möchten in diesem Rahmen auch erwähnen, dass wir uns am „Aktionstag der

Suchtberatungsstellen“ am 04.11.2020 online beteiligt haben. Dieser fordert von

der Politik verbesserte personelle und finanzielle Bedingungen für

Suchtberatungsstellen bundesweit. Auch nach der Pandemie halten wir dies für

sehr wichtig.

Quelle: https://www.dhs.de/unsere-arbeit/kampagnen/aktionstagsuchtberatung?fbclid=IwAR2EcZJ6hhiA1keEDNbDqwh0P72a5ueCnYz_9whh3cx6RD9Cs

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Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 7


Happy Birthday PSB Mindelheim!

Die PSB Mindelheim feierte am 01.07.2020 ihren ersten Geburtstag!

Zu diesem Anlass haben wir in unserem Archiv einen Artikel der Mindelheimer

Zeitung vom 06.12.1985 entdeckt, welchen wir Ihnen nicht vorenthalten möchten!

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 8


Im Dezember 1985 hat die Beratungsstelle, damals noch in der Steinstraße als

Außensprechtag der Psychosozialen Beratungsstelle Memmingen, ihre Arbeit in

Mindelheim aufgenommen. Das Angebot beschränkte sich zunächst auf vier

Stunden pro Woche und bot erstmalig die Möglichkeit, in Mindelheim

Beratungsgespräche wahrnehmen zu können. Die damaligen Kollegen leisteten

außerdem wichtige „Pionierarbeit“, denn das Thema Abhängigkeit im ländlichen

Raum mehr in die Öffentlichkeit zu bringen, war zu früheren Zeiten eine besondere

Herausforderung.

Wie die Kollegen etwa im Jahresbericht 1989 schrieben, sei der Außensprechtag

damit zu vergleichen, einen Fuß in der Türe zu haben, was aber noch nicht

bedeutet, bereits im Zimmer zu stehen. Deshalb wurde im Februar 1990 der

Außensprechtag zur Außenstelle ausgebaut. Das bedeutete, dass an mehr Tagen in

der Woche Beratung angeboten und auch mehr Öffentlichkeitsarbeit geleistet

werden konnte. Dafür wurde damals erstmalig für Mindelheim eine halbe

SozialpädagogInnenstelle genehmigt. Somit konnte eine bessere Versorgung des

Einzugsgebietes gewährleistet werden.

Im Laufe der Jahre wurde das Angebot ausgebaut und am 01.07.2020 schließlich

an den Bedarf angepasst. So wurde aus dem ursprünglichen Außensprechtag eine

eigene und selbstständige Beratungsstelle: die Psychosoziale Beratungsstelle

Mindelheim.

Besonders spannend ist der Zahlenvergleich:

1986 fanden insgesamt 100 Beratungsgespräche mit 41 Klienten und Klientinnen

statt. Im Jahr 2020 (also fast 25 Jahre später) fanden insgesamt 2492 Beratungen

und 92 Gruppen statt, welche sich auf 419 Klientinnen und Klienten aufteilen.

Dies zeigt deutlich, dass sich die letzten Jahre einiges verändert hat. Die Sensibilität

der Menschen bezüglich Abhängigkeitserkrankungen nimmt zu und die PSB

Mindelheim kann durch ihr vergrößertes Angebot den Bedarf im Versorgungsraum

immer besser abdecken. Dennoch belegen Forschungen, dass viele Suchtpatienten

nicht im Hilfesystem ankommen, die Dunkelziffer ist hoch.

Ein vielfältiges und fachliches Angebot durch die PSB Mindelheim und gute

Öffentlichkeits- und Vernetzungsarbeit bleibt deshalb wichtig – wie auch schon im

Jahr 1985.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 9


ALTER

Überblick über alle im Erhebungsjahr 2020 erfassten KlientInnen

Von Januar bis Dezember 2020 fanden insgesamt 2492 persönliche

Beratungsgespräche mit insgesamt 419 KlientInnen statt.

Alters- und Geschlechtsverteilung

Frauen

Männer

6 0 J A H R E U N D Ä L T E R

13

24

50 - 5 9 J A H R E

27

36

40 - 4 9 J A H R E

30

22

30 - 3 9 J A H R E

19

58

20 - 2 9 J A H R E

18

55

15 - 1 9 J A H R E

12

37

ANZAHL KLIENTINNEN

KlientInnen aller Altersstufen nahmen unsere Beratung in Anspruch. Die größten

Altersgruppen sind die 30-39-Jährigen, sowie die 20-29-Jährigen und 50-59-

Jährigen. In allen Altersgruppen außer bei den 40 – 49-Jährigen überwiegen die

männlichen Klienten.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 10


Betroffene/Angehörige

B E Z U G S P E R S O N E N

54

14

E I G E N E P R O B L E M A T I K

119

232

Frauen

Männer

Von den insgesamt 419 KlientInnen waren 351 Betroffene und 68 Angehörige.

Bei den Betroffenen überwiegt der Anteil der Männer mit 232 gegenüber den

Frauen mit 119. Dies könnte darin begründet sein, dass Frauen teilweise

„unauffällig“ konsumieren (zuhause, abends, weniger harte Substanzen, bzw.

Medikamente), während Männer häufiger in Verbindung mit dem Konsum auffällig

werden (z.B. Straftaten, Verlust des Führerscheins etc.).

Bei den Angehörigen waren es deutlich mehr Frauen (54 Personen) als Männer (14

Personen). Die Angehörigen kommen hauptsächlich als (Ehe-)Partner, Kinder, Eltern

und Geschwister der Betroffenen.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 11


Anzahl KlientInnen

Hauptsubstanzen/-verhaltensweisen

160

140

138

120

100

80

67

60

40

20

0

3 1 2

3 5

12

1 2

5

8

21

2

6 7

Bei den substanzgebundenen Störungen steht Alkohol als Hauptsubstanz

(weiterhin) an erster Stelle, gefolgt von Cannabis. Aber auch Probleme mit

Amphetaminen („Speed“) sind ein immer häufigerer Grund für den Wunsch nach

Beratung. Zu beachten ist, dass in dieser Grafik jeweils nur die aktuelle

Hauptsubstanz dargestellt wird, häufig wurden/werden neben dieser aber noch

weitere konsumiert.

Bei den nicht-substanzgebundenen Störungen stehen Essstörungen (Anorexie,

Bulimie, etc.) an der Spitze. Menschen mit Problemen durch Hypersexualität

(„Sexsucht“) fanden im letzten Jahr verstärkt den Weg in unsere Beratungsstelle.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 12


ANZAHL KLIENTINNEN

31

131

8

1

4

33

29

10

5

16

2

19

130

Erwerbssituation

Deutlich zu erkennen ist, dass Menschen aus unterschiedlichen Lebenslagen den

Weg zu uns finden. Die größte Gruppe derjenigen, zu denen Angaben vorliegen, ist

die der Arbeiter, Angestellten oder auch Beamten. Mit Abstand folgt die Gruppe der

ALGI-Empfänger und Auszubildende.

Dass zu einer Gruppe von KlientInnen keine Angaben vorliegen, ist darauf

zurückzuführen, dass es sich hierbei um Erst-/Einmalkontakte handelt, zu denen

nur die nötigsten Daten erhoben werden. Die Erfassung weiterer Daten (wie

beispielsweise zur Erwerbssituation) erfolgt erst im Verlauf des Beratungsprozesses.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 13


ANZAHL KLIENTINNEN

176

12

2

1

11

2

1

3

3

1

59

1

6

141

Vermittelnde Institutionen

Die meisten KlientInnen haben sich selbst informiert und kommen aus eigenem

Antrieb zu uns in die Beratungsstelle.

Die größte vermittelnde Institution ist die Justiz, welche Auflagen zu Gesprächen

und Gruppensitzungen verhängen kann.

Die drittgrößte Gruppe der „Vermittler“ sind Angehörige, welche uns beispielsweise

ihre Eltern, den Partner/die Partnerin oder die Kinder „schicken“, dicht gefolgt von

ärztlichen Praxen.

Auch hier gibt es wieder die Gruppe „keine Angaben“, bei der es sich um Erst- oder

Einmalkontakte handelt und diese Daten deshalb (noch) nicht erfasst wurden.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 14


Spezifische Angebote der Beratungsstelle

Beratung, Vermittlung

Die PSB Mindelheim berät in Form von Einzel-, Paar-, Familien- und

Angehörigengesprächen. In der Beratung verschafft die Beraterin/der Berater sich

einen Überblick über den Ist-Stand der KlientInnen, ihrer Gründe, Beratung

aufzusuchen, den „Auftrag“ und vorhandene Ressourcen.

Je nach Verlauf werden verschiedene Hilfsangebote vorgestellt (z.B. weitere

Begleitung durch Einzelgespräche in von den KlientInnen gewünschten

Zeitabständen, Orientierungsgruppe (siehe unten), Selbsthilfegruppen etc.),

ambulante und stationäre Therapieangebote werden erklärt, bzw. die Maßnahmen

werden gemeinsam mit den KlientInnen beantragt.

Orientierungsgruppe

Die wöchentlich stattfindende und fachlich angeleitete Orientierungsgruppe bietet

Unterstützung bei der Einordnung des persönlichen Rauschmittelkonsums:

Risikoarm, unter Kontrolle, hochriskant oder abhängig? Es werden Informationen

zu Suchtentwicklung, Kennzeichen einer Abhängigkeit und Folgeerkrankungen

vermittelt sowie Lösungswege und Chancen erkennbar gemacht.

Die Teilnehmenden kommen entweder über den laufenden Beratungsprozess zum

Gruppenangebot oder leisten eine gerichtliche Auflage ab. Die Orientierungsgruppe

ist ein niedrigschwelliges Angebot. Eine Teilnahme kann spontan erfolgen.

Abstinente Lebensweise ist nicht erforderlich.

Aufgrund der Beschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie mussten wir im

Berichtsjahr leider für zwei Perioden die Orientierungsgruppe komplett aussetzen

(23. März – 24. Mai und ab 20. Dezember). KlientInnen, die üblicherweise die

Orientierungsgruppe besucht hätten, wurden in dieser Zeit Einzelgespräche

angeboten. Ab Mai mussten wir die Anzahl der Teilnehmenden auf vier Personen

beschränken und mit einem Anmeldesystem arbeiten.

Im vergangenen Jahr hatten wir insgesamt 109 Teilnehmende in unserer

Orientierungsgruppe.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 15


Nachsorge

Nach einer abgeschlossenen Sucht-Reha in einer entsprechenden Fachklinik

werden KlientInnen anschließend durch die PSB weiterbetreut. In der

Nachsorgegruppe gilt es, das erlernte Wissen aus den Fachklinken in den Alltag zu

integrieren. Ziele sind die Festigung der Abstinenz, bereits Erreichtes zu

stabilisieren und neue Ziele zu verwirklichen.

Die Nachsorge besteht aus wöchentlichen Gruppensitzungen und regelmäßigen

Einzelgesprächen nach Bedarf. Auch umfasst das Angebot Angehörigengespräche.

Durch Corona mussten im Jahr 2020 viele Gruppen ausfallen. Allerdings konnten

alle Klienten und Klientinnen in Einzelgesprächen ihre Nachsorge fortsetzen. Für

das neue Jahr hoffen wir darauf, dass wir wieder in das Gruppensetting wechseln

können.

MPU-Vorbereitungskurs

Unser Kurs zur MPU-Vorbereitung werden Informationen zur MPU

(Abstinenznachweise, Ablauf, Inhalt) sowie Wissen rund um Alkohol und Drogen

vermittelt, das eigene Konsumverhalten wird kritisch reflektiert, nötige

Veränderungen unterstützt und es werden Strategien zur Stabilisierung und

Rückfallprophylaxe erarbeitet. Ein Kurs beinhaltet 5 Gruppeneinheiten à 3 Stunden

und begleitende Einzelgespräche je nach Wunsch und Bedarf der TeilnehmerInnen.

Im vergangenen Jahr hatten wir drei Kursdurchgänge mit je 8 TeilnehmerInnen. Die

TeilnehmerInnen kommen entweder über laufende Beratungsprozesse zum Kurs,

über die Empfehlung durch die Führerscheinstelle oder werden über die

Öffentlichkeitsarbeit der PSB (Zeitung, Facebook, Homepage, Google-Maps) darauf

aufmerksam.

Außensprechtag in Babenhausen

Für Hilfesuchende in Babenhausen und der umliegenden Region bedeutet das

Aufsuchen der Beratungsstelle in Mindelheim oftmals ein geografisches Problem.

Gründe hierfür sind der relativ lange Anfahrtsweg und teilweise sehr schlechte

öffentliche Verkehrsanbindungen, auf die insbesondere Betroffene mit

Führerscheinverlust angewiesen wären.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 16


Um auf diese bestehende Problematik einzuwirken, bietet der Außensprechtag in

Babenhausen für Betroffene eine wesentlich bessere Erreichbarkeit des

Beratungsangebotes. Auf diesem Hintergrund bietet die AWO seit 2017 den

Außensprechtag in Babenhausen an.

Der Außensprechtag in Babenhausen wird im 2. Obergeschoss des Gasthauses „der

Grieche am Schloss“ (ehemals „Gasthaus Rössle“) immer dienstags in der

„Jochumstube“ angeboten. Zu erreichen ist die Jochumstube über den

Hintereingang des Gasthauses, der zur Treppe in das 2. Obergeschoss führt. In der

Jochumstube (auch anderweitig als VHS-Raum genutzt) finden die in der Regel

einstündigen Beratungsgespräche statt.

Ein herzlicher Dank soll an dieser Stelle wieder an den Markt Babenhausen,

insbesondere an Herrn Bürgermeister Göppel gehen, der unkompliziert und offen

die Beratungsarbeit unterstützt und hierfür die genannten Räumlichkeiten zur

Verfügung stellt.

Inhaltlich wird im Außensprechtag Babenhausen Beratung für alle Suchtbereiche

angeboten, d.h. sowohl für die stoffgebundenen als auch für die

stoffungebundenen Verhaltenssüchte. Ebenfalls richtet sich die Hilfe neben den

direkt Betroffenen auch an Angehörige, deren eigene Lebensqualität innerhalb des

destruktiven Suchtsystems des/der Betroffenen oftmals verloren geht.

Die Beratung in Babenhausen findet an jedem Dienstag von 12.00 - 16.00 Uhr

statt, wobei diese Zeiten nur den zeitlichen Kernbereich, u.a. für Erstgespräche,

darstellen. Für bereits in Beratung befindliche KlientInnen werden je nach Bedarf

auch Termine außerhalb dieser Zeitspanne vergeben, wenn dies individuell

hilfreich oder notwendig erscheint, oder eine vermehrte Nachfrage Zusatztermine

notwendig macht.

Die Anmeldung für die Beratung in Babenhausen wird nach wie vor über die PSB in

Mindelheim koordiniert, d.h. Terminvergabe und Verschiebungen werden vorab

über die Beratungsstelle in Mindelheim telefonisch abgewickelt.

In Ausnahmesituationen wie z.B. akuten Krisensituationen (zum Beispiel

Rückfälligkeit) und spontanem Beratungs- und Interventionsbedarf, kann auch

während der Öffnungszeiten vor Ort ein Termin vereinbart werden. Zu den

Öffnungszeiten kann bei dringenden Anliegen jederzeit in der Jochumstube

angeklopft werden, damit ein zeitlicher Rahmen gefunden werden kann, um direkt

auf die Situation einzugehen und Hilfemöglichkeiten aufzuzeigen.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 17


In 2020 bestand eine sehr hohe Beratungsnachfrage, so dass zusätzliche

Beratungszeiten am Montag eingeführt wurden. Die Ausweitung des

Beratungsangebotes machte es möglich, nach wie vor eine gute

Versorgungssituation aufrecht zu erhalten. Mit diesen Zusatzzeiten konnte der

bestehende Bedarf und das Hilfeangebot in der Außenstelle Babenhausen, wieder

ein ausgewogenes Verhältnis erreichen.

Ein besonderer Dank soll an dieser Stelle auch an die Kooperationspartner in

Babenhausen ausgesprochen werden, insbesondere in den Bereichen der

medizinischen Versorgung durch Arztpraxen, als auch den MitarbeiterInnen des

Dominikus-Ringeisen-Werkes.

Angehörigengruppe

Angehörige von Suchtkranken sind extremen und vielfältigen Belastungen

ausgesetzt, die sie oftmals mit anderen nicht teilen können. Gründe hierfür sind

vielfältig, wie z.B. die Scham, das fehlende Verständnis Anderer, das Ansprechen

eines „Tabu-Themas“ mit dem viele nicht umgehen können, der Angst was die

anderen denken und über einen reden könnten, oder die Vorstellung, das alleine

geregelt zu bekommen, bis hin zu Problemverschleierung und Schutz des

Betroffenen vor Negativfolgen.

Insgesamt leidet die Lebensqualität von Angehörigen Suchtkranker damit enorm,

der Bezug zu sich selbst, die körperliche Sensibilität und der Zugang zu eigenen

Gefühlen gehen oftmals verloren.

Im Bezug zum Betroffenen fehlt es oft an angemessenen Bewältigungsstrategien

und an (hilfreichen) Strategien. In ihrer Hilflosigkeit wenden sie verschiedenste

Methoden an, um das Verhalten des betroffenen Angehörigen zu beeinflussen (z.B.

kontrollieren, drohen, Versprechungen machen). Doch in den wenigsten Fällen

führen diese Versuche zum „Erfolg“.

In unserer Gruppe sollen Angehörige die Möglichkeit bekommen, sich in einem

vertrauensvollen Umfeld austauschen zu können, Informationen zu Sucht und ihren

Dynamiken zu bekommen sowie konkrete, lösungsorientierte Strategien kennen zu

lernen und üben zu können, um mit der Situation besser zurecht zu kommen oder

daran etwas verändern zu können.

Die Gruppe, die sich im Gruppenraum der PSB trifft, findet zweimal im Monat statt

und zwar jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat um 19:00 Uhr.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 18


Geplant sind ca. 90 Minuten pro Gruppentreffen. Die Teilnehmer werden

eingeladen, bei Bedarf parallel auch Einzelgespräche in der Beratungsstelle zu

nutzen, bzw. weiterzuführen.

Die Gruppe ist konzipiert für ältere Jugendliche und Erwachsene, Kinder sollen im

Regelfall nicht zur Gruppe mitgebracht werden.

Konsiliarische Suchtberatung in der Kreisklinik Mindelheim

Da im Jahr 2020 corona-bedingt unsere bisherige wöchentliche Sprechstunde in

der Kreisklinik Mindelheim größtenteils ausfallen musste, haben wir gemeinsam

mit PD Dr. med. Steinbigler und seinem Ärzteteam sowie dem Sozialdienst der

Klinik eine neue Form der Zusammenarbeit erarbeitet: wenn Ärzte den Verdacht

haben, dass Alkohol/Drogen bei einem Patienten eine Rolle spielen, können sie uns

Bescheid geben und es wird zeitnah ein Besuch am Krankenbett organisiert. Den

Patienten wird so der Zugang zur Beratungsstelle erleichtert, sie lernen uns kennen

und bekommen erste Informationen zu Möglichkeiten der Beratung/Behandlung.

Wir freuen uns sehr, dass Ärzte und Sozialdienst dieses Angebot immer wieder für

ihre Patienten nutzen. Perspektivisch wäre dieses Konzept der Zusammenarbeit

auch sehr gut für die „nach-Corona-Zeit“ denkbar.

Fachlicher Input

Im Folgenden haben wir aktuelle Themen aus unserem Beratungsalltag kurz für Sie

zusammengefasst. Wenn Sie mehr Informationen zu einem bestimmten Thema

wünschen oder Fragen haben, sprechen Sie uns gerne an!

Hypersexualität

Sexuelle Aktivität und Zufriedenheit gehört für die meisten Menschen zu einem

erfüllten und glücklichen Leben. Wir erleben Lust, Befriedigung sowie Intimität und

Nähe. Wie kann so etwas Schönes, Instinktgeleitetes, Natürliches zu einem Problem

werden?

Ähnlich wie bei anderen Stoffen (z.B. Alkohol oder Drogen) oder auch

Verhaltensweisen (z.B. Online-Spielen oder Einkaufen) wird es dann problematisch,

wenn die betroffene Person das Gefühl hat, die Kontrolle zu verlieren, also nicht

mehr selber bestimmen kann über Zeitpunkt, Dauer oder Intensität des „Konsums“.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 19


Im Bereich der Sexualität kann das bedeuten, dass sexuelle Gedanken oder

Handlungen die Person stark und über lange Zeiträume so beschäftigen, dass

andere, eigentlich geplante Aktivitäten nicht oder nur schwer möglich sind.

Es kann auch bedeuten, dass viel Geld für Online-Angebote oder in Bordellen

ausgegeben wird, was zu finanziellen Schwierigkeiten führen kann. Auch

Probleme in Partnerschaften oder mit anderen wichtigen Bezugspersonen sind

häufig die Folge.

Sexualität dient dann nicht mehr der Lust (oder Fortpflanzung), sondern wird

zwanghaft und/oder erfüllt andere Funktionen wie beispielsweise die Flucht vor

negativen Gefühlszuständen.

Obwohl die Person bereits selbst versucht hat, etwas am Verhalten zu ändern,

kommt es immer wieder zu ähnlichen Situationen – Schulgefühle, depressive

Verstimmungen, das Gefühl von Wertlosigkeit bis hin zu Suizidgedanken können

die Folge sein. Der Leidensdruck für Betroffene und auch für Angehörige kann sehr

hoch sein und obwohl es ein aktuelles Thema ist, das in der Fach- und

Ratgeberliteratur und auch im Selbsthilfebereich zunehmend präsent ist, fehlt

bislang die klare Einordnung ins Diagnosesystem. In der Internationalen

Klassifikation der Krankheiten ICD-10 gibt es lediglich die Kategorie „F52.7

gesteigertes sexuelles Verlangen“, die Beschreibung ist äußerst dürftig.

Für uns als Beratungsstelle ist jedoch nicht eine Diagnose ausschlaggebend,

sondern der Wunsch nach Unterstützung von Betroffenen. Gemeinsam werden im

Beratungsprozess sowohl die jeweilige Dynamik, als auch Funktionen und natürlich

alternative Handlungsmöglichkeiten beleuchtet und erarbeitet.

„Modedrogen“: Ketamin, Tilidin, Benzodiazepine

„Gib mir Tilidin, ja, ich könnte was gebrauchen

Wodka-E, um die Sorgen zu ersaufen

Alles, was ich weiß: Liebe kann man sich nicht kaufen

Und das Leben ist zu kurz, um nicht zu rauchen“

(Liedtext: Capital Bra & Samra: Tilidin)

Wir haben in unserer Arbeit einen Anstieg von Problemen durch

Medikamentenmissbrauch, speziell von Ketamin, Tilidin und Benzodiazepinen bei

Jugendlichen und jungen Erwachsenen festgestellt, was dem Trend der letzten

Jahre in Deutschland (und Österreich) entspricht.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 20


In Musiktexten hat der Konsum von Medikamenten seinen festen Platz (siehe

Liedtext oben), was dazu führt, dass Jugendliche und junge Erwachsene es als

immer normaler sehen, bzw. erstrebenswert finden, Medikamente zu

missbrauchen.

Dieser Trend kann jedoch schwere und langfristige Folgen haben: körperliche oder

psychische Abhängigkeit, neurologische oder körperliche Schäden (z.B. irreparable

Schäden der ableitenden Harnwege, was zu Inkontinenz führen kann). Ein weiteres

Problem ist, dass über den Schwarzmarkt bezogene Medikamente im

Wirkstoffgehalt stark schwanken können und es somit leicht zu Überdosierungen

kommen kann. Die Angaben im Folgenden sind jeweils kurze Zusammenfassungen

und keineswegs eine vollständige Beschreibung.

Ketamin ist ein Narkosemittel, das nasal, oral, intravenös oder intramuskulär

konsumiert wird und neben der starken Beruhigung auch zu Halluzinationen, dem

Gefühl der Schwerelosigkeit und Ich-Entgrenzung führen kann.

Tilidin ist ein Opioid, das über Tropfen oder Retard-Tabletten konsumiert wird und

stark schmerzstillend und beruhigend wirkt.

Benzodiazepine werden meist in Tablettenform oder auch nasal konsumiert und

wirken angstlösend und beruhigend.

Die Reduktion/Entgiftung von Medikamenten sollte ärztlich begleitet werden,

weshalb wir wann immer möglich eng mit den behandelnden Ärzten

zusammenarbeiten, bzw. an entsprechende Einrichtungen vermitteln.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 21


Vernetzungs- und Gremienarbeit

Im Austausch waren wir im vergangenen Jahr mit folgenden Stellen/Einrichtungen:

- ANAD e.V. – Netzwerk - Ärzte, Psychiater und

Essstörungen in München

- AWO – Zentrum für Aidsarbeit

Schwaben

- PD Dr. med. Peter Steinbigler,

Chefarzt Innere Medizin der

Klinik Mindelheim

Psychotherapeuten

- Führerscheinstelle Mindelheim

- Dominikus-Ringeisen-Werk

- SKM Katholischer Verein für

soziale Dienste Memmingen u.

Unterallgäu e.V.

- Gemeindepsychiatrischer

- Krankenkassen, speziell AOK

Verbund

(GPV),

Mindelheim

Interessengemeinschaft

Mindelheim (IGMN)

- Psychologische Beratungsstelle

für Ehe-, Familien- und

Lebensberatung Mindelheim

- PSB Memmingen

- Erziehungs-u.

Familienberatung der Kath.

Jugendfürsorge der Diözese

Augsburg

- Schuldnerberatung des

Caritasverbands Memmingen-

Unterallgäu e.V.

- Diakonisches Werk Memmingen

e.V., Sozialpsychiatrisches

Zentrum

- Sozialdienst im Landratsamt

- Sozialdienst im Krankenhaus

- Selbsthilfegruppen

- Verschiedene Fachkliniken

- Kompass Drogenhilfe GmbH -

Kompass Hof

- Bewährungshilfe

- Jugendgerichtshilfe Mindelheim

- Jobcenter Mindelheim

- Jugendamt Mindelheim

- BKH Kaufbeuren

Öffentlichkeitsarbeit

Auf unserer Homepage vermitteln wir einen Überblick über die Arbeit der PSB und

aktuelle Neuigkeiten und laufende Aktivitäten werden bekanntgegeben. Für die

Homepage wurde auch ein QR-Code zum einfacheren Zugriff generiert.

Mit der neuen Möglichkeit, uns nun auch über WhatsApp zu kontaktieren, wurde

die Zugangsschwelle gerade für jüngere KlientInnen noch einmal gesenkt.

Auf unserer Facebookseite gibt es die Möglichkeit, sich über unsere Arbeit zu

informieren, ersten Kontakt aufzunehmen und wir erstellen konsum- und

suchtspezifische Beiträge, bzw. teilen seriöse Beiträge anderer Seiten.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 22


Damit die Beratungsstelle leichter gefunden wird, Informationen zu Öffnungszeiten,

Angeboten der PSB etc. verwaltet werden können und auf Rezensionen reagiert

werden kann, wurde ein Google-Maps-Eintrag erstellt. Hier wird in den Beiträgen

regelmäßig über Neuigkeiten und laufende Aktivitäten berichtet und auf die

anderen Medien der PSB verwiesen.

https://www.google.com/maps/place/AWO+Psychosoziale+Beratungsstelle+(PSB)+Mi

ndelheim/@48.0470316,10.4883001,17z/data=!3m1!4b1!4m5!3m4!1s0x479c0f2

41602b335:0x39d78e8eda8d0a33!8m2!3d48.0470316!4d10.4904888

Auch in der Lokalpresse wurde mehrfach berichtet (siehe Zeitungsartikel im

Anhang).

Trotz Einschränkungen waren wir auch aktiv mit eigenen Vorträgen/Aktionen:

- Vortrag beim Rotary-Club-Mindelheim über die PSB Mindelheim

- Vortrag zum Thema Abhängigkeit, bzw. Vorstellung der PSB in der

regelmäßigen Ärztefortbildung in der Kreisklinik Mindelheim

- Zum „Aktionstag der Suchtberatungsstellen“ hat die PSB Mindelheim in die

Räume der Beratungsstelle eingeladen. Leider mussten wir den Aktionstag

wegen Corona wieder absagen. Alternativ haben wir allen Interessierten eine

Powerpoint-Präsentation zukommen lassen und haben uns online an dem

Projekt beteiligt.

Perspektive: Außensprechtag Bad Wörishofen

Um eine noch bessere Erreichbarkeit in unserem Versorgungsgebiet zu

gewährleisten, wird im Lauf des Jahres 2021 ein Außensprechtag in Bad Wörishofen

eingerichtet. An einem Tag in der Woche können KlientInnen aus Bad Wörishofen

oder näherer Umgebung wohnortnah Beratung in Anspruch nehmen.

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 23


Anhang: Berichterstattung in den Medien

WIR – Das Magazin der AWO Bayern, Januar 2020

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 24


Unterallgäuer Rundschau, 08.04.2020

Wochen KURIER Mindelheim, 08.04.2020

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 25


Mindelheimer Zeitung, 13.07.2020

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 26


Wochen KURIER Mindelheim, 16.07.2020

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 27


Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 28


Allgäuer Selbsthilfezeitung, Ausgabe 2020/2021

Jahresbericht 2020 PSB Mindelheim, Seite 29

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