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Unternehmen Österreich 01/2021

Das Magazin des Sozialdemokratischen wirtschaftsverbandes

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||<br />

OSTERREICH<br />

Das Magazin des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes <strong>Österreich</strong><br />

www.wirtschaftsverband.at<br />

1 | <strong>2021</strong><br />

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€<br />

Blackbox Cofag<br />

WOHIN fließen<br />

die<br />

MILLIARDEN?<br />

WIR GEHEN AUF DIE BARRIKADEN!<br />

Bis heute gibt es keine schlüssigen Zahlen,<br />

wie viele Auszahlungen tatsächlich geleistet<br />

wurden und wer in welcher Höhe<br />

in deren Genuss kam.<br />

Skandal um Plattform<br />

„Kaufhaus <strong>Österreich</strong>“.<br />

1,26 Millionen Euro an Steuergeldern<br />

verschlang „Kaufhaus<br />

<strong>Österreich</strong>“ in der kurzen Zeit,<br />

in der die Plattform online war!<br />

NoVA–Anpassung.<br />

Kleintransporteure dürfen<br />

durch die Anschaffung eines<br />

Elektrofahrzeuges keine<br />

wirtschaftlichen Nachteile<br />

erleiden.<br />

<strong>Österreich</strong>ische Post AG / Sponsoring.Post 04Z035977<br />

„Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband <strong>Österreich</strong>, Mariahilfer Straße 32, 1070 Wien“


Arbeitsplätze<br />

schaffen.<br />

<strong>Österreich</strong>s Industrie sichert direkt und indirekt 2,4 Millionen Jobs. Ohne ehrliche<br />

und faire Strukturreformen, ohne Investitionen in Bildung, Infrastruktur sowie Forschung<br />

und Entwicklung stehen diese Arbeitsplätze auf dem Spiel. Handeln wir jetzt!<br />

Foto: dieindustrie.at/Mathias Kniepeiss<br />

www.iv-net.at


WAS WIR WOLLEN<br />

Und ewig grüßt das Murmeltier.!<br />

Ein Jahr Corona, ein Jahr Verzweiflung<br />

und keine Besserung in Sicht.<br />

Die Krise hat unser Land – und vor<br />

allem die Unternehmer und Unternehmerinnen<br />

– fest im Griff. Die<br />

Regierung beschließt öffentlichkeitswirksam<br />

ein Hilfspaket nach<br />

dem anderen, allein die Hilfe kommt<br />

leider nicht dort an, wo sie benötigt<br />

wird. In die für die Auszahlung der<br />

Unterstützungen zuständige Cofag<br />

Es reicht!<br />

KATHARINA WENINGER<br />

> 08<br />

iStock by Getty Images, Party Rent <strong>Österreich</strong><br />

fließen Milliarden an Steuergeldern.<br />

Trotzdem erreichen uns unzählige<br />

Nachrichten von EPU und KMU,<br />

dass sie keine Auszahlung erhalten<br />

haben oder ihre Anträge, aus fadenscheinigen<br />

Gründen, abgelehnt<br />

wurden. Was also passiert in der<br />

Blackbox Cofag?<br />

Der Finanzminister spricht von<br />

Einzelfällen und verspricht, sich<br />

darum zu kümmern. Auf unserer<br />

dafür installierten Plattform blackbox-cofag.at<br />

häufen sich allerdings<br />

die sogenannten „Einzelfälle“ und<br />

weiter bleibt unklar: Wohin fließen<br />

die Milliarden? Indes wird die Luft<br />

für viele <strong>Unternehmen</strong> immer dünner.<br />

Viele von ihnen – insbesondere<br />

in der Gastronomie – werden diese<br />

Krise wohl nicht überstehen. Was<br />

bedeutet das für die österreichische<br />

Wirtschaft? Wohin geht die Reise?<br />

Die Antworten auf diese Fragen<br />

sind genauso ein Rätsel wie die<br />

Abläufe in der Blackbox Cofag!<br />

> INHALT<br />

Aktuell. Skandal rund um die Plattform<br />

„Kaufhaus <strong>Österreich</strong>“ ; Unklarheiten bei<br />

Geschäftsraummieten ..........................................04<br />

NoVA-Reform. Die geplante Einführung<br />

ist nicht mehr als eine Steuererhöhung ohne<br />

Lenkungseffekt und wird als ökologische Maßnahme<br />

verkauft. Kleintransporteure dürfen<br />

dabei keine wirtschaftlichen und gewerberechtlichen<br />

Nachteile haben ...............................06<br />

Cover. Die Pandemie hält uns fest im Griff.<br />

Wie würde es unserer Wirtschaft ohne sie gehen?<br />

Haben andere EU-Länder die Krise besser<br />

gemeistert? Wir wagen den Vergleich ...............08<br />

Blackbox Cofag. Seit der SWV die Plattform<br />

blackbox-cofag.at eingerichtet hat, wird die<br />

Inkompetenz der Cofag immer sichtbarer .........14<br />

Nicht aufgeben. Im ersten Lockdown kämpfte<br />

die Halleiner Taxichefin Sema Zengin um die<br />

Existenz ihres Unter nehmens und die ihrer<br />

MitarbeiterInnen ....................................................18<br />

> 16<br />

Porträt<br />

Event-Veranstalterin Gertrude<br />

Emrich aus Wels erzählt über<br />

den Zusammenbruch der<br />

gesamten Branche und wie sie<br />

versucht, ihren KollegInnen<br />

Gehör zu verschaffen.<br />

Impressum | Herausgeber: Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband <strong>Österreich</strong>, 1070 Wien, Mariahilfer Straße 32, Gerichtsstand: Wien, ZVR-Zahl: 42108716 |<br />

Medien inhaber: echo medienhaus ges. m. b. h., FN 73819h, HG Wien, 1030 Wien, Media Quarter Marx 3.2, Maria-Jacobi-Gasse 1, www.echo.at. Eigentümerin der echo<br />

medienhaus ges. m. b. h. ist die FFPG Beteiligungs GmbH. Gesellschafter der FFPG Beteiligungs GmbH sind KR Anton Feistl (25 %), Anton Feistl jr. (25 %) und Christian Pöttler<br />

(50 %) | Geschäftsführung: Mag. Thomas Strachota, Christian Pöttler | <strong>Unternehmen</strong>sgegenstand: Herausgabe diverser Publikationen und Periodika sowie allgemeine Verlagsaktivitäten<br />

| Hersteller: echo medienhaus ges. m. b. h. | Redaktion: echo medienhaus ges. m. b. h., Dr. in Helga Häupl-Seitz (Chefredaktion), 1030 Wien, Media Quarter Marx 3.2,<br />

Maria-Jacobi-Gasse 1 | Grafik: Karim Hashem | Fotoredaktion: Mag. a Claudia Knöpfl er (Ltg.) | Lektorat: Nikolaus Horak (Ltg.), Agnes Unterbrunner, MA, Gilbert Waltl, BA | Coverfoto:<br />

iStock by Getty Images | Druckerei: Leykam Druck GmbH, Bickfordstraße 2, A-72<strong>01</strong> Neudörfl | Verlags- & Herstellungs ort: Wien | Blattlinie: Informationen des Sozialdemokratischen<br />

Wirtschaftsverbandes <strong>Österreich</strong>. Namentlich gekennzeichnete Beiträge und Gastkommentare müssen nicht mit der Meinung des Herausgebers übereinstimmen. Entgeltliche Einschaltungen<br />

werden mit „entgeltliche Einschaltung“ oder „bezahlte Anzeige“ gekennzeichnet.<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong> 03


aktuell<br />

Absetzbarkeit.<br />

Bis jetzt sind<br />

Arbeitsplätze<br />

im Wohnungsverband<br />

nur<br />

dann steuerlich<br />

begünstigt,<br />

wenn eine<br />

räumliche<br />

Abtrennung<br />

möglich ist.<br />

Steuerliche Entlastungen<br />

Verbesserungen für<br />

Selbstständige! Jetzt!<br />

weitreichende folgen. Das Coronavirus unterscheidet<br />

nicht, ob jemand selbstständig oder angestellt ist,<br />

die derzeitigen gesetzlichen Regelungen jedoch<br />

schon. Wir fordern eine bessere Absicherung für<br />

EPU und KMU.<br />

Die Bundesregierung vergisst<br />

bei ihren Maßnahmen<br />

leider viel zu oft auf die<br />

Selbstständigen. Um diese<br />

Ungleichgewichte und<br />

Missstände zu beheben, hat die SPÖ zwei<br />

Anträge eingebracht.<br />

Der erste dieser Anträge bezieht sich<br />

auf Selbstständige, die einer Covid-<br />

19-Risikogruppe angehören. Angestellte,<br />

die einer solchen Risikogruppe laut<br />

Covid-19-Risikogruppen-Verordnung<br />

angehören und ein Covid-19-Risiko-<br />

Attest vorweisen können, haben Anspruch<br />

auf Erbringung ihrer Arbeitsleistung<br />

im Homeoffice oder auf eine<br />

geeignete Gestaltung ihrer Arbeitsstätte,<br />

sodass eine Ansteckung mit Covid-19<br />

mit größtmöglicher Sicherheit ausgeschlossen<br />

werden kann. Wenn all dies<br />

nicht möglich ist, haben diese Personen<br />

Anspruch auf Dienstfreistellung gegen<br />

Entgeltfortzahlung. Angestellte bekommen<br />

ein Informationsschreiben des<br />

Dachverbandes der Sozialversicherungsträger,<br />

welches sie informiert, zu einer<br />

Covid-19-Risikogruppe zu gehören.<br />

Selbständige bekommen dieses Schreiben<br />

nicht und haben auch nicht die zuvor<br />

beschriebenen Möglichkeiten. Selbständige,<br />

die nun wegen Vorerkrankungen<br />

als Vorsichtsmaßnahme Kunden- und<br />

andere Geschäftskontakte einschränken<br />

müssen, erleiden zusätzliche Umsatzeinbußen.<br />

Der betreffende SPÖ-Antrag fordert<br />

hier Anpassungen und damit bessere<br />

Absicherungen für Selbstständige, die<br />

einer Risikogruppe angehören.<br />

Zudem hat die SPÖ noch einen zweiten<br />

Antrag eingebracht, der der Regierung<br />

ihre Versäumnisse aufzeigen soll.<br />

Dieser zweite Antrag betrifft die steuerliche<br />

Absetzbarkeit des Arbeitsplatzes<br />

im Wohnungsverband. Momentan sind<br />

solche Arbeitsplätze nur dann steuerlich<br />

begünstigt, wenn sie eine räumliche<br />

Trennung zum Wohnraum aufweisen.<br />

Für viele Selbstständige ist diese räumliche<br />

Trennung jedoch nicht möglich.<br />

Diesen Missstand hatte die Bundesregierung<br />

sogar schon erkannt und einen<br />

entsprechenden Beschluss in der Ministerratssitzung<br />

vom 26. Februar 2020 gefasst.<br />

Doch dieser Beschluss wurde leider<br />

vergessen und nie in einen Gesetzestext<br />

übersetzt. Es bleibt zu hoffen, dass die<br />

Bundesregierung den SPÖ-Antrag als<br />

Erinnerung sieht und ihr bereits bekundetes<br />

Vorhaben, Arbeitsplätze im Wohnungsverband<br />

steuerlich zu begünstigen,<br />

endlich in die Tat umsetzt. <br />

•<br />

04 <strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong>


RÄUMUNGSKLAGEN<br />

Unklarheit bei<br />

Geschäftsraummieten<br />

VERSÄUMT. Nach wie vor fehlt<br />

die Rechtssicherheit in Bezug<br />

auf Paragraph 1104 AGBG.<br />

Ob Miet- und Pachtzins für Geschäftsräumlichkeiten<br />

in Zeiten eines Lockdowns zu<br />

bezahlen sind, ist eine Frage, die immer<br />

noch nicht geklärt ist. Paragraph 1104 des<br />

ABGB besagt, dass, wenn die in Bestand genommene<br />

Sache wegen außerordentlicher Zufälle wie zum Beispiel<br />

einer Seuche nicht gebraucht oder genutzt werden<br />

kann, kein Miet- oder Pachtzins zu entrichten<br />

ist. Dies würde also die MieterInnen von ihren Zahlungsverpflichtungen<br />

befreien. Ob das jedoch wirklich<br />

so ist, wurde bisher nicht klargestellt, denn es gibt<br />

unterschiedliche Interpretationen dieses Paragraphen.<br />

Daher hat die SPÖ bereits Anfang April letzten Jahres<br />

einen Antrag auf authentische Interpretation des<br />

§ 1104 ABGB gestellt. Dadurch hätten sowohl MieterInnen<br />

als auch VermieterInnen Klarheit und Rechtssicherheit.<br />

Leider wurde dieser Antrag vertagt.<br />

Nun zeigen sich die Folgen des Versäumnisses der<br />

Bundesregierung hier für Klarstellung zu sorgen. So<br />

wurde über das traditionsreiche Café Landtmann in<br />

der Wiener Innenstadt kürzlich eine Räumungsklage<br />

verhängt. Der Eigentümer das Cafés hatte sich während<br />

des Lockdowns auf § 1104 ABGB berufen und<br />

keine Miete bezahlt. Leider ist dies kein Einzelfall.<br />

Durch die Unklarheit werden sowohl VermieterInnen<br />

als auch MieterInnen in der Luft hängen gelassen! •<br />

SKANDAL<br />

„Kaufhaus <strong>Österreich</strong>“<br />

verschlang 1,26 Mio Euro!<br />

MINISTERANKLAGE. Wirtschaftsministerium war<br />

nicht befugt, die Online-Plattform zu führen.<br />

Stefan Burghart, iStock by Getty Images<br />

Ende November letzten Jahres wurde die Plattform<br />

„Kaufhaus <strong>Österreich</strong>“ stolz von Wirtschaftsministerin<br />

Margarete Schramböck und WKO-<br />

Präsident Harald Mahrer präsentiert. Ziel der<br />

Plattform war es, heimische <strong>Unternehmen</strong> bei ihrem Online-Auftritt<br />

zu unterstützen. Funktioniert hat das „Kaufhaus<br />

<strong>Österreich</strong>“ jedoch leider nie richtig und wurde daher<br />

vor kurzem radikal umgestaltet, man könnte auch sagen,<br />

stillgelegt. Ein wesentlicher Grund hierfür war, dass das<br />

Wirtschaftsministerium unter Margarete Schramböck<br />

feststellte, dass es nicht befugt ist, eine Online-Plattform<br />

zu betreiben. Aber damit noch nicht genug: In der kurzen<br />

Zeit, in der das Kaufhaus <strong>Österreich</strong> online war, verschlang<br />

es 1,26 Millionen Euro an Steuergeldern. Auffällig<br />

ist dabei auch, dass die Accenture GmbH als Subunternehmen<br />

beauftragt worden war. Accenture fiel schon durch<br />

seine Beteiligung an anderen Projekten der Bundesregierung<br />

auf, keines dieser Projekte war jedoch von großem<br />

Erfolg gekrönt.<br />

Für die SPÖ ist klar, dass dieses Verhalten der Wirtschaftsministerin<br />

nicht einfach hingenommen werden<br />

darf. Aus juristischer Sicht hat Schramböck ihre Befugnisse<br />

überschritten. Darüber hinaus muss die Öffentlichkeit<br />

für diese Fehler mit ihren Steuergeldern aufkommen.<br />

Die SPÖ hat daher im Zuge der Nationalratssitzung vom<br />

24. 2. <strong>2021</strong> eine Ministeranklage gegen die Wirtschaftsministerin<br />

eingebracht. Diese Ministeranklage wurde dem<br />

Verfassungsausschuss zugewiesen.<br />

•<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong><br />

05


aktuell<br />

Wir fordern die Anpassung des<br />

Güterbeförderungsgesetzes<br />

VORSTOSS. Es muss sichergestellt werden,<br />

dass KleintransporteurInnen auch künftig<br />

keine wirtschaft lichen und gewerberechtlichen<br />

Nachteile in Kauf nehmen müssen.<br />

Bisher waren leichte Nutzfahrzeuge<br />

(bis 3,5 Tonnen)<br />

von der Normverbrauchsabgabe<br />

(NoVA) befreit. Ab<br />

1. 7. <strong>2021</strong> unterliegen nun<br />

auch diese Fahrzeuge aufgrund einer<br />

Reform der NoVA. Diese berechnet<br />

sich anhand der CO 2 -Emissionen pro<br />

Kilometer. „Damit ergeben sich für<br />

Kleintransporteure besondere Pro-<br />

bleme“, wahl weiß 2020 die Sparten obfrau<br />

Katarina Pokorny,<br />

Spartenobfrau Transport<br />

und Verkehr im SWV, weiß,<br />

was den FrächterInnen und<br />

KleinunternehmerInnen<br />

zunehmend zusetzt.<br />

für Transport und Verkehr im SWV<br />

Katarina Pokorny. Die Kosten für einen<br />

neuen Kleintransporter bis maximal<br />

3.500 kg erhöhen sich drastisch: Die<br />

NoVA wird schrittweise erhöht und<br />

macht beispielsweise im Falle des<br />

Fiat Ducato, eines der meistgekauften<br />

Fahrzeuge in diesem Bereich, folgende<br />

Beträge bei Anschaffungen im jeweiligen<br />

Jahr aus (siehe Tabelle). „Das ist<br />

eine Erhöhung, die sich kein<br />

Kleintransporteur<br />

für<br />

die Neuanschaffung<br />

eines<br />

Fahr zeuges<br />

leisten kann“, ist<br />

Katarina Pokorny<br />

überzeugt. Will<br />

ein Transporteur nun auf ein Elektrofahrzeug<br />

umsteigen, um keine NoVA<br />

zu zahlen, ergeben sich weitere Herausforderungen:<br />

Das Eigengewicht des<br />

Fahrzeuges erhöht sich um das Gewicht<br />

der Batterie. Eine 47-kW-Batterie<br />

wiegt beispielsweise ca. 400 kg und<br />

eine 78-kW-Batterie ca. 700 kg. Um<br />

noch als „KleintransporteurIn“ zu gelten,<br />

also ein freies Gewerbe anmelden<br />

zu können, darf das Fahrzeug jedoch<br />

nicht mehr als 3.500 kg höchstzulässiges<br />

Gesamtgewicht aufweisen. Dies ist<br />

im Güterbeförderungsgesetz geregelt.<br />

Werden diese 3.500 kg höchstzulässiges<br />

Gesamtgewicht überschritten, ist<br />

eine Konzession nötig.<br />

„Die Entlastung des Faktors<br />

Arbeit muss zügig kommen<br />

und massiv ausfallen!“<br />

Katarina Pokorný<br />

Spartenobfrau Transport und Verkehr<br />

n Saubere und umweltschonende LKW müssen neuen,<br />

fairen und wirtschaftlichen Mauttarifen unterliegen.<br />

n Wir fordern einen generellen KFZ­Vorsteuerabzug.<br />

n Zustelldienste müssen weiterhin ihre Aufgaben<br />

„Um weiter international wettbewerbsfähig<br />

zu bleiben, braucht<br />

es im Tourismus Unterstützung!“<br />

Leopold Dercsaly<br />

06<br />

Spartenobmann Tourismus und Freizeitwirtschaft<br />

erfüllen können. Dafür muss ihr Zufahrtsrecht gesichert<br />

sein.<br />

n Wir fordern einen Umweltbonus für „Green Companys“<br />

und Freihandelsabkommen, die den Menschen<br />

in den Mittelpunkt stellen sowie Umwelt­ und Klimaschutz<br />

berücksichtigen.<br />

n Die Entlastung des Faktors Arbeit muss zügig kommen<br />

und massiv ausfallen. Nur so können KMU weitere<br />

Arbeitsplätze schaffen.<br />

n Damit selbstständige Frauen ohne Probleme in Karenz<br />

gehen können, müsste die Betriebshilfe wesentlich<br />

erleichtert werden.<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong><br />

istock by Getty Images, SWV Ö, Tom<br />

n Wir brauchen Lehrlingsoffensiven und neue Ausbildungsanreize in


aktuell<br />

„Erhöht sich nun das Eigengewicht<br />

eines Transportfahrzeugs<br />

durch die schwere Batterie,<br />

verringert sich automatisch<br />

das höchstzulässige Gewicht der<br />

Ware, die damit noch transportiert<br />

werden darf. Dies führt<br />

zu einer Benachteiligung von<br />

Kleintranspor teuren, die auf ein<br />

Elektrofahrzeug<br />

umsteigen<br />

wollen“,<br />

so Katarina<br />

Pokorny. „Darüber<br />

hinaus<br />

ist auch die<br />

Auswahl an<br />

Elektrofahrzeugen<br />

als<br />

Kleintransporter<br />

sehr beschränkt.“<br />

Zusätzlich ins Gewicht fällt<br />

dabei, dass E-Fahrzeuge eine<br />

geringere Reichweite im Vergleich<br />

zu kraftstoffbetriebenen<br />

Fahrzeugen haben. Gerade deshalb<br />

sind die Ladedauer und<br />

die verfüg baren Aufladestationen<br />

von großer Bedeutung. Bis<br />

heute gibt es in <strong>Österreich</strong><br />

keine flächendeckenden öffentlichen<br />

Schnell-Aufladestationen.<br />

Im Moment gibt es deshalb<br />

keine realistischen Möglichkeiten<br />

für KleintransporteurInnen, auf<br />

gleichwertige Elektro fahrzeuge<br />

umzusteigen, sei es aufgrund<br />

„Ein Umstieg auf ein<br />

Elektrofahrzeug wird<br />

durch verschiedene<br />

Umstände erschwert.<br />

Darüber hinaus ist auch<br />

die Auswahl an Elektrofahrzeugen<br />

als Kleintransporter<br />

gering.“<br />

Katarina Pokorny<br />

der fehlenden Verfügbarkeit<br />

von Fahrzeugen oder der nicht<br />

ausreichenden Abdeckung mit<br />

Ladestationen.<br />

Daher werden viele KleintransporteurInnen<br />

auf die Anschaffung<br />

eines neuen, und in<br />

den meisten Fällen klimaschonenderen,<br />

Fahrzeuges verzichten<br />

oder müssen<br />

die NoVA<br />

bezahlen.<br />

Durch die<br />

bald anfallende<br />

NoVA<br />

werden sich<br />

Kleintransporter<br />

um ca.<br />

30 Prozent<br />

verteuern.<br />

Es ist zu befürchten, dass diese<br />

Preiserhöhungen an die KundInnen<br />

weitergegeben werden.<br />

In einem Entschließungsantrag<br />

fordert die SPÖ die Bundesministerin<br />

für Klimaschutz,<br />

Umwelt, Energie, Mobilität,<br />

Innovation und Technologie deshalb<br />

auf, „die Bestimmungen<br />

des Güterbeförderungsgesetzes<br />

in einer Weise anzupassen,<br />

dass sichergestellt wird, dass<br />

Kleintransporteure durch die<br />

Anschaffung eines Elektrofahrzeugs<br />

keine wirtschaftlichen und<br />

gewerberechtlichen<br />

hinnehmen müssen“.<br />

Nachteile<br />

swv wien:<br />

NOVA-Kampagne<br />

Schon im Dezember 2020 startete der<br />

SWV WIEN mit einer eigenen Kampagne,<br />

um auf die Probleme der neuen NoVA-<br />

Regelung aufmerksam zu machen.<br />

Die geplante Einführung ist nicht mehr<br />

als eine Steuererhöhung ohne Lenkungseffekt<br />

und wird uns als ökologische Maßnahme<br />

verkauft. Da derzeit Alternativen<br />

fehlen, wird es nur dazu kommen, dass<br />

aktuelle Fahrzeuge weit über die Abschreibungsdauer<br />

genutzt werden, um den wirtschaftlichen<br />

Fortbestand der <strong>Unternehmen</strong><br />

zu sichern. Der ökologische Effekt verpufft<br />

damit völlig.<br />

Die Fachgruppe Kleintransporteure des<br />

SWV WIEN wird deshalb nicht lockerlassen<br />

und gegen dieses<br />

undurchdachte Belastungspaket<br />

der<br />

Bundesregierung<br />

ankämpfen: „Wir<br />

stehen Seite an<br />

Seite mit tausenden<br />

Unternehmerinnen<br />

und Unternehmern,<br />

die uns tagtäglich<br />

versorgen!“<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong> 07


cover<br />

<strong>Österreich</strong>s Wirtschaft <strong>2021</strong>:<br />

Was brauchen wir?<br />

ÜBERBLICK Die Pandemie hält uns weiter fest im Griff.<br />

Wie würde es unserer Wirtschaft <strong>2021</strong> ohne sie gehen?<br />

Haben andere EU-Länder die Krise bislang besser gemeistert?<br />

Und: Wenn ja, warum? Wir wagen einen Vergleich.<br />

iStock by Getty Images<br />

08<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong>


cover<br />

Nach wie vor gibt es keine Entwarnung.<br />

Ganz im Gegenteil schlagen Virologen<br />

wieder Alarm und warnen vor einer dritten<br />

Pandemie-Welle. Alle noch so zaghaften<br />

Versuche Richtung Öffnung von<br />

Hotellerie und Gastronomie scheinen wieder in weite Ferne<br />

gerückt. Seit vielen Monaten kämpft gerade dieser Dienstleistungssektor<br />

ums nackte Überleben. Konditoreien, Cafés,<br />

Wirte und viele mehr bieten im Thekenbetrieb und online<br />

Vorbestelltes zum Abholen an. Hotels sind weitgehend<br />

geschlossen. Die Möglichkeiten, Lehrlinge in diesen Branchen<br />

auszubilden, sind mittlerweile auf fast Null gesunken.<br />

»<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong><br />

09


cover<br />

Auch EPU und KMU sind massiv betroffen – sei es in diesen<br />

Branchen, aber auch beispielsweise im Kultur – und Eventbereich,<br />

die um ihren Umsatzersatz kämpfen müssen. Überleben<br />

mit ein paar hingeworfenen Brotkrumen. Wie funktioniert<br />

das in anderen Ländern?<br />

Wie es den Ländern in der EU geht.<br />

Es ist nicht leicht, die Corona-Situation anderer EU-Länder<br />

und ihrer Wirtschaft zu überblicken. Wurde vor einem Jahr<br />

beispielsweise Schweden für seine Kühnheit bestaunt, der<br />

Pandemie ohne hartem Lockdown zu begegnen, haben sich<br />

die Prognosen – und damit die Einschränkungen innerhalb<br />

des letzten Jahres deutlich verschärft. Die gleichen „Ups and<br />

Downs“ der Corona-Wellen und ihren Gegenmaßnahmen<br />

gelten auch für andere skandinavische Länder, die in etwa<br />

die gleichen Einwohnerzahlen wie <strong>Österreich</strong> aufweisen.<br />

Übertragen auf die jeweiligen Flächengrößen der Länder<br />

stellt sich heraus, dass die meisten Einwohner in wenigen<br />

WEITERBILDUNG FÜR EPU<br />

‣ Der WAFF, der Wiener ArbeitnehmerInnen<br />

Förderungsfonds der Stadt Wien, arbeitet derzeit<br />

an einer Förderung für Ausbildung<br />

und Weiterbildung für EPU. Start<br />

des neuen Angebots soll im<br />

April <strong>2021</strong> sein. Ein-Personen-<br />

Unternehmerinnen und -Unternehmer<br />

werden dabei künftig<br />

Geld für berufliche Ausbildung<br />

oder Weiterbildung bekommen,<br />

wenn sie ihre unternehmerischen<br />

Kompetenzen weiterentwickeln.<br />

Die Förderung für Weiterbildung<br />

für EPU wird bis zu 2.000 Euro<br />

ausmachen. Die Förderung wird es für berufliche<br />

Ausbildungen oder Weiterbildungen für unter<br />

anderem kaufmännische, betriebswirtschaftliche,<br />

digitale sowie sprachliche Kompetenzen geben.<br />

Alle Infos unter: waff.at<br />

Ballungsräumen zu finden sind – weite Teile der<br />

skandinavischen Länder sind dünn besiedelt. „Skandinavische<br />

Länder lassen sich aus den verschiedensten<br />

Gründen nicht wirklich mit <strong>Österreich</strong> vergleichen.<br />

Dazu galt anfangs auch – wie etwa ebenfalls in Großbritannien<br />

und den USA – im Gegensatz zu <strong>Österreich</strong><br />

die Meinung, dass möglichst viele Ansteckungen<br />

irgendwann zu einer sogenannten Herden immunität<br />

in der Gesellschaft führen würden. Die Schwere der<br />

Verläufe bzw. die Anzahl der Todesfälle wurden in<br />

Unkenntnis der tatsächlichen Auswirkungen dabei in<br />

Kauf genommen“, so Dr. Markus Marterbauer, AK-<br />

Wirtschaftsexperte. Tatsächlich vergleichen ließe sich<br />

die Situation <strong>Österreich</strong>s aber mit der deutschen Wirtschaft,<br />

die ebenfalls von Anfang an auf Lockdowns zur<br />

Eingrenzung der Pandemie gesetzt habe.<br />

10<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong>


cover<br />

„Vor allem für die Jugend, sei<br />

es in der schulischen und in der<br />

weiterführenden Ausbildung oder<br />

ihrem Wunsch, selbstständig zu<br />

werden, müssen Zukunftschancen<br />

für ihre weiteren beruflichen<br />

Lebenswege bereitstehen.“<br />

Markus Marterbauer<br />

DRAMATISCH. EPU und KMU<br />

sind von der Pandemie massiv<br />

betroffen. Die so notwendige<br />

Lehrlingsausbildung steht derzeit<br />

ebenfalls still. Seit Herbst 2020<br />

fehlen 10.000 Ausbildungsplätze.<br />

iStock by Getty Images, Picturedesk.com<br />

<strong>Österreich</strong>s Verhängnis<br />

Die Schwerpunktsetzung <strong>Österreich</strong>s auf Tourismus<br />

und Kultur wurde hier zum Verhängnis. Ganz besonders<br />

betroffen ist der Städtetourismus. Während der<br />

Sommertourismus der Hotellerie in den Bundesländern<br />

bis zum zweiten Lockdown ein wenig weiterhalf,<br />

gab es in Wien, dessen Hotellerie und Gas tronomie von<br />

internationalen Veranstaltungen und den internationalen<br />

Gästen leben, Ein bußen von bis zu 80 Prozent.<br />

Momentan sind nur 25 Prozent der Hotelleriebetriebe<br />

geöffnet, der Rest wartet mit absolut schwachen Nächtigungszahlen<br />

auf. Laut jüngsten Prognosen brach<br />

die Wirtschaftsleistung hierzulande im Vorjahr mit<br />

6,6 Prozentpunkten um knapp zwei Prozent stärker<br />

ein als in Deutschland. Das Minus bei der Wirtschaftsleistung<br />

von 6,6 Prozent im Gesamtjahr 2020 war der<br />

markanteste Rückgang seit dem Jahr 1945. Damit ging das<br />

BIP um 2,8 Prozentpunkte kräftiger zurück als im Jahr der<br />

Wirtschafts- und Finanzkrise 2009, so Statistik Austria-<br />

Generaldirektor Tobias Thomas (Quelle: orf.at). Ein wenig<br />

milder sieht das AK-Wirtschaftsexperte Marterbauer: „Wir<br />

liegen etwa auf dem Niveau von 2<strong>01</strong>5, ein Wachstum ist aus<br />

heutiger Sicht erst ab 2022 zu erwarten.“<br />

Wirtschaft hart getroffen<br />

Dass <strong>Österreich</strong>s Wirtschaft im europäischen Vergleich<br />

recht hart getroffen wurde, liegt laut Statistik Austria-<br />

Generaldirektor Tobias Thomas insbesondere am kräftigen<br />

Rückgang der Wirtschaftsleistung gerade in den Bereichen<br />

Beherbergung und Gastronomie. „Ihr Anteil an der<br />

österreichischen Wertschöpfung wiegt mehr als dreimal<br />

schwerer als zum Beispiel in Deutschland“, so Tobias<br />

»<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong><br />

11


cover<br />

VERGLEICH. Deutschlands<br />

Wirtschaft schneidet besser ab,<br />

hat aber nicht den hohen Anteil<br />

an Tourismus und Dienstleistung<br />

wie in <strong>Österreich</strong>.<br />

Thomas (Quelle: orf.at). Am stärksten von<br />

allen Dienstleistungsbranchen in Mitleidenschaft<br />

gezogen waren in <strong>Österreich</strong><br />

voriges Jahr mit real minus 35,2 Prozent<br />

Einbußen Beherbergung und Gastronomie,<br />

gefolgt von Kultur-, Unterhaltungs-<br />

und persönlichen Dienstleistungen<br />

(minus 19,6 Prozent). Bei den Verkehrsdienstleistungen<br />

betrug das Minus 15,5 Prozent, der Handel insgesamt<br />

als gewichtigste Dienstleistungsbranche schrumpfte um<br />

5,6 Prozent (Großhandel, Einzelhandel und Kfz-Handel).<br />

Dienstleistungssektor im Notbetrieb.<br />

Da wie dort gab es einen Rückgang der Beschäftigung – in<br />

Deutschland 0,9 Prozent, in <strong>Österreich</strong> 2,1 Prozent. „Mit<br />

annähernd 500.000 Arbeitslosen sind das 100.000 mehr<br />

als im Vorjahr“, macht Markus Marterbauer die dramatische<br />

Situation deutlich. Besonders betroffen sind dabei<br />

Mitarbeite rInnen der Hotellerie und Gastronomie sowie<br />

der Kultur- und Veranstaltungsbetriebe. „Da machen sich<br />

Versäumnisse der Vergangenheit schmerzlich bemerkbar:<br />

Ganze Täler wurden nur dem Tourismus, seinen Betrieben<br />

und saisonalen Höhepunkten gewidmet, statt auf die Ansiedelung<br />

von Gewerbe und kleinen industriellen Betrieben<br />

zu schauen.“<br />

Härterer Lockdown<br />

Neben der Zusammensetzung der Wirtschaft spielt in<br />

<strong>Österreich</strong> mit, dass die Lockdowns länger und härter<br />

waren, wie ein Index der Universität Oxford verdeutlicht.<br />

Demnach gab es 2020 hierzulande 79 Tage mit sehr scharfen<br />

Corona-Maßnahmen, in Deutschland waren es 45.<br />

Dass die Infektionszahlen nach dem Sommer, anders als<br />

in Deutschland, drastisch emporschnellten, schadete der<br />

Wirtschaft weiter und nachhaltig.<br />

Trügerisch entspannter Sommer<br />

Wie kommt das? Glimpflich waren beide Länder aus der<br />

ersten Corona-Welle herausgekommen, mit den warmen<br />

Tagen sanken die Infektionszahlen. Während sich<br />

Deutschland in der Ruhe besser auf den Sturm einer<br />

drohenden zweiten Welle vorbereitet hat, traf <strong>Österreich</strong><br />

diese Welle unvorbereitet. „Zu späte und zu wenig<br />

tiefgreifende Maßnahmen haben uns in der Folge den<br />

Infektionszahlen nur mehr hinterherlaufen lassen“, so<br />

Marterbauer. Warum gerade die Deutschen den offenbar<br />

besseren Weg gefunden haben? „Sie haben – viel mehr<br />

als wir – Experten zu Corona-Maßnahmen eingeladen,<br />

die auch schlüssig erklären konnten, warum welche Maßnahmen<br />

notwendig seien“, so Marterbauer. „Die Menschen<br />

wollen begreiflicherweise verstehen, warum sie<br />

sich zu einem bestimmten Zeitpunkt einschränken müssen.<br />

Und vor allem: wie lange das für sie gilt.“<br />

Unübersichtliche Vergabe der<br />

Hilfeleistungen<br />

Dazu gehöre auch die Intransparenz der Cofag – der<br />

Covid-19-Finanzagentur des Bundes, so Marterbauer.<br />

Viel wurde versprochen, noch viel mehr in Aussicht<br />

iStock by Getty Images, Lukas Beck<br />

12<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong>


cover<br />

„Nur massive staatliche<br />

Investitionspakete können<br />

helfen, die hohe Arbeitslosigkeit<br />

und damit das erhöhte Risiko,<br />

in die Armut abzurutschen,<br />

abzufedern. Dazu zählt vor allem<br />

die Ausbildung zu Berufen im<br />

Klimaschutz- und Pflegebereich,<br />

die in Zukunft stark gebraucht<br />

werden.“ Markus Marterbauer<br />

gestellt, „aber wie viele der versprochenen Milliarden bis<br />

heute tatsächlich ausbezahlt wurden, wissen wir nicht“. Es<br />

gibt darüber keine Zahlen oder Bilanzen. Die Cofag unterliegt<br />

auch keiner parlamentarischen Kontrolle. Aber, so<br />

Marterbauer: „Transparenz ist entscheidend, um eine gerechte<br />

und effiziente Verteilung der Mittel zu garantieren und damit<br />

Vertrauen in die Politik zu gewährleisten.“ Ein weiterer<br />

Knackpunkt, der den Menschen zunehmend sauer aufstößt,<br />

sei die oft nicht verständliche Zuteilung von Geldern: „So<br />

hat beispielsweise der Waldfonds der öster reichischen Regierung,<br />

der erst 2020 gegründet wurde, rund 300 Mio. Euro<br />

für Schäden in der Pandemie erhalten.“<br />

Keine Lobby – weniger Unterstützung?<br />

Große <strong>Unternehmen</strong> verfügen über mehr Liquidität und<br />

mehr Rücklagen, sie verkraften die Krise leichter. Bei EPU<br />

und KMU steht eine Insolvenzwelle bevor. „Bei ihnen funktioniert<br />

unser Sozialstaat nicht ausreichend. Wir brauchen<br />

Quelle: Statistik Austria, Wifo<br />

Stand: Dezember 2020<br />

eine verpflichtende „Einkommensentfallversicherung“, ähnlich<br />

der Arbeitslosenversicherung der Unselbständigen“, so<br />

AK-Experte Marterbauer. Gerade bei EPU und KMU mache<br />

sich die „Almosenpolitik“ der Regierung bei den Vergaben<br />

bemerkbar.“ Aber: „Die Stärke unseres Sozialsystems besteht<br />

in einem enthaltenen Rechtsanspruch auf soziale Leistungen<br />

und Unterstützungen, die automatisch ausgezahlt werden.<br />

Wir alle zahlen Steuern und sind keine Bittsteller gegenüber<br />

dem Staat. Wir müssen nicht um Almosen betteln und dankbar<br />

für jede gewährte finanzielle Brotkrume sein“, so Markus<br />

Marterbauer.<br />

Zukunftsperspektiven<br />

Neben Hilfspaketen können seiner Überzeugung nach nur<br />

massive staatliche Investitionspakete in Zukunft helfen, die<br />

hohe Arbeitslosigkeit im Dienstleistungssektor zu senken:<br />

„Hotellerie und Gastronomie werden für die nächsten Jahre<br />

keine grundlegende Erholung erleben. Die meisten Lehrstellen<br />

in diesem Sektor werden nicht vergeben werden können.<br />

Um die Arbeitslosigkeit und damit das erhöhte Risiko, in die<br />

Armut abzurutschen, abzufedern, müssen neue Strategien entwickelt<br />

werden, so der AK-Experte. „Dazu zählt vor allem die<br />

finanzierte längerfristige Umschulung zu Berufen im Klimaund<br />

Pflegebereich, die in Zukunft stark gebraucht werden.“<br />

Ganz besonders betroffen vom Lockdown und seinen Folgen<br />

sind Kinder und Jugendliche: „Sei es Homeschooling,<br />

das vor allem SchülerInnen aus bildungsfernen Haushalten<br />

zurückwirft, oder die Jugendlichen, die eine Lehrlingsausbildung<br />

beginnen möchten: Im vergangenen Herbst fehlten<br />

10.000 Ausbildungsplätze“, so Markus Marterbauer. Das<br />

könnten auch zusätzliche überbetriebliche Angebote und<br />

erweiterte außerbetriebliche Ausbildung seitens des AMS abdecken.<br />

„Vor allem für die Jugend, sei es in der schulischen<br />

und der weiterführenden Ausbildung oder ihrem Wunsch,<br />

selbstständig zu werden, müssen die Zukunftschancen für<br />

ihre weiteren beruflichen Lebenswege bereitstehen“, ist er<br />

überzeugt. <br />

•<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong> 13


cover<br />

Blackbox Cofag: SWV will endlich Klarheit:<br />

Wohin fließen die Milliarden?<br />

WILLKÜR & CHAOS. Seitdem der SWV die Plattform blackbox-cofag.at<br />

eingerichtet hat, wird die Inkompetenz der Cofag immer sichtbarer.<br />

Sie unterliegt keiner parlamentarischen Kontrolle. Wohin fließen<br />

die versprochenen Unterstützungen?<br />

E<br />

s ist wirklich unglaublich, was uns die<br />

Unternehmerinnen und Unternehmer berichten!<br />

Gestern habe ich eine E-Mail<br />

von einem Künstler bekommen, der Anfang<br />

November den Umsatzersatz für den<br />

Monat November bewilligt und ausbezahlt bekommen<br />

hat. Den Dezember-Umsatzersatz hat er<br />

„<br />

Auf der einen Seite<br />

fließen Milliarden an Steuergeldern<br />

in die Cofag. Auf der<br />

anderen Seite bekommen<br />

wir unzählige Hilferufe von<br />

Unternehmerinnen und Unternehmern,<br />

welche die Hilfsmittel<br />

von der Cofag nicht erhalten,<br />

beziehungsweise deren Anträge aus<br />

falschen Gründen abgelehnt wurden oder im Cofag-<br />

System nicht mehr auffindbar sind. Was wirklich in<br />

der Blackbox Cofag passiert, weiß die Öffentlichkeit<br />

nicht. Wir nehmen das wiederholte Angebot<br />

von Finanzminister Gernot Blümel, sich alle Fälle<br />

anzu sehen, bei denen es Probleme mit Fixkostenzuschuss<br />

oder Umsatzersatz gibt, gerne an!“<br />

SWVÖ-Präsident Christoph Matznetter<br />

jedoch noch immer nicht erhalten und wurde Anfang Februar<br />

aufgefordert, zu bestätigen, dass er Veranstalter ist. Die Cofag<br />

will den Umsatzersatz nämlich nur an VeranstalterInnen, die<br />

über eine geschlossene Betriebsstätte verfügen, auszahlen. Was<br />

passiert, wenn die KünstlerInnen nicht bestätigen, dass sie<br />

Veranstalter sind, da sie keine Betriebsstätte haben, weiß niemand“,<br />

so Christoph Matznetter, Präsident des Sozialdemokratischen<br />

Wirtschaftsverbandes. Leider ist dies kein Einzelfall.<br />

Auf der Plattform blackbox-cofag.at finden sich viele ähnliche<br />

Schilderungen.<br />

Tausende „Einzelfälle“<br />

So wie ihnen ergeht es seit Beginn der Einrichtung des „Almosensystems“<br />

Cofag tausenden EPU und KMU. Kleine und kleinste<br />

Betriebe versuchen, die seit Monaten längst versprochene Unterstützungen<br />

zu bekommen. Für viele bisher ohne Erfolg. „Im Zuge<br />

der Nationalratssitzung vom 20. 1. <strong>2021</strong> hatte Finanz minister<br />

Gernot Blümel versprochen, jedem einzelnen Fall nachzugehen,<br />

in dem es Probleme mit dem Fixkostenzuschuss oder dem Umsatzersatz<br />

gibt. „Der Finanzminister ist nämlich der Meinung,<br />

dass es sich bei diesen Problemen nur um Einzel fälle handeln<br />

kann. Fixkostenzuschuss und Umsatzersatz werden über die<br />

Cofag, die COVID-19 Finanzierungsagentur des Bundes GmbH,<br />

abge wickelt“, so Matznetter. Aber: Die Cofag unterliegt keiner<br />

parlamentarischen Kontrolle. „Wir können nur beobachten, wie<br />

Milliarden an Steuergeldern in die Blackbox Cofag hineinfließen.<br />

Was dann mit diesen Geldern passiert, weiß die Öffentlichkeit<br />

und die Opposition nicht. Wir hören jedoch von vielen UnternehmerInnen,<br />

dass die Gelder nicht ankommen“, erklärt Matznetter.<br />

iStock by Getty Images, Kurt Prinz / SPÖ Parlamentsklub<br />

14


cover<br />

Bitte melden.<br />

In unserer blackboxcofag.at<br />

werden Ihre<br />

Erfahrungen<br />

umgehendst<br />

weitergeleitet!<br />

SWV<br />

Plattform blackbox-cofag.at eingerichtet<br />

Der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband hat daraufhin<br />

die Beschwerdeplattform blackbox-cofag.at ins Leben<br />

ge rufen. Dort können UnternehmerInnen ihre Anliegen<br />

hinterlassen und diese werden direkt an Finanzminister<br />

Blümel weitergeleitet. „Leider hat der Finanzminister nicht<br />

nur keinen Laptop, sondern auch keine eigene E-Mail-<br />

Adresse, jedenfalls keine, die der Öffentlichkeit bekannt<br />

sein soll. In seinen Kontaktdaten des Finanz ministeriums<br />

findet sich nur die E-Mail-Adresse des Bürger service. Daher<br />

haben wir die Nachrichten an diese Adresse weitergeleitet“,<br />

so Matznetter.<br />

222 Anliegen in 20 Tagen<br />

Allein zwischen dem 28. 1. <strong>2021</strong> und dem 16. 2. <strong>2021</strong> wurden<br />

222 Nachrichten weitergeleitet. Bislang ohne eine<br />

Antwort zu erhalten. „Versprechungen sind zu wenig, Herr<br />

Finanz minister. Man muss diese Versprechen auch einhalten.<br />

Haben Sie Wort gehalten und sich um die Anliegen<br />

von 222 Unternehmerinnen und Unternehmern gekümmert?“,<br />

fragt der SPÖ-Wirtschaftssprecher. „Hier geht<br />

es um Menschen, die sich jahrelang mit harter Arbeit ein<br />

<strong>Unternehmen</strong> aufgebaut haben und mit allen Mitteln versuchen,<br />

ihre MitarbeiterInnen zu halten. Diese Menschen<br />

stehen nun teilweise vor den Trümmern ihrer Existenz,<br />

weil die Anträge nicht bearbeitet beziehungsweise ausbezahlt<br />

werden oder einfach im System nicht mehr auffindbar<br />

sind. Kümmern Sie sich um diese Menschen, Herr Finanzminister!“,<br />

fordert Matznetter Blümel auf. „Das Schlimmste<br />

wäre, wenn Sie bereits ausbezahlte Gelder an VeranstalterInnen<br />

zurückfordern würden. Wenn diese Krise und deren<br />

Bewältigung Ihre Kompetenz überschreitet, müssen Sie zurücktreten,<br />

Herr Finanzminister. So kann es jedenfalls nicht<br />

weitergehen!“, stellt SWVÖ-Präsident Christoph Matznetter<br />

klar.<br />

•<br />

Zahlen, Daten und Fakten zur Cofag<br />

Cofag – COVID-19 Finanzierungsagentur des Bundes GmbH<br />

Verantwortlich für:<br />

Garantien<br />

Fixkostenzuschüsse<br />

Verlustersatz<br />

Lockdown-Umsatzersatz<br />

In Summe stehen dafür 15 Milliarden Euro im Rahmen des<br />

Corona-Hilfsfonds zur Verfügung.<br />

Quelle: cofag.at<br />

12 MitarbeiterInnen sind bei der Cofag angestellt. Das Callcenter<br />

wird über eine Agentur abgewickelt. Das bedeutet,<br />

dass 12 MitarbeiterInnen für die Vergabe von 15 Milliarden<br />

Euro zuständig sind. Jede/r MitarbeiterIn verwaltet also<br />

mehr als eine Milliarde …!<br />

Umfrage des Handelsverbandes:<br />

Der Lockdown-Umsatzersatz wurde laut Befragung erst an<br />

14 % jener <strong>Unternehmen</strong>, die diesen beantragt haben, vollständig<br />

ausbezahlt. Die Hälfte der befragten <strong>Unternehmen</strong><br />

hat noch keine oder nur einen Teil der Hilfe erhalten, 19 %<br />

erfüllen die Voraussetzungen nicht.<br />

Quelle: handelsverband.at/presse/presseaussendungen/<br />

hv-lockdown-befragung<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong> 15


porträt<br />

aufbegehren. Die Eventunternehmerin<br />

Gertrude<br />

Emrich will in dem nicht<br />

enden wollenden Lockdown<br />

endlich auch den<br />

Veranstaltungsdienstleistern<br />

zu einer Stimme<br />

verhelfen.<br />

M<br />

it viel Elan eröffnete<br />

Gertrude Emrich 2<strong>01</strong>2<br />

das eigenständige <strong>Unternehmen</strong><br />

„Party Rent<br />

Öster reich“ in Wels, das<br />

erste der europaweiten Firmengruppe<br />

in <strong>Österreich</strong>. „Mit individuellen Ausstattungskonzepten<br />

und einer darauf<br />

abgestimmten Eventlogistik erfüllen<br />

wir jeden Kundenwunsch – sei es für<br />

Privat- oder Firmenkunden“, so die<br />

Geschäftsführerin. Bis vor einem Jahr<br />

lief ihr <strong>Unternehmen</strong> so gut, dass sie<br />

und ihr Mann Edmond eine zweite<br />

Nieder lassung in Wien eröffneten.<br />

Ohne uns<br />

geht nichts!<br />

Tiefe Einschnitte<br />

„Die letzten 12 Monate waren eine<br />

wahnsinnig harte Zeit für uns“, erzählt<br />

sie. „Bei uns gab es von März bis Dezember<br />

2020 einen Einbruch von 87 Prozent.<br />

In der Veranstaltungsbranche sind<br />

es bis heute mehr als 90 Prozent. Zwar<br />

seien, so die Geschäftsführerin, die<br />

Hilfspakete im europäischen Vergleich<br />

gut. Das gelte allerdings nicht für die<br />

<strong>Unternehmen</strong>slandschaft der Veranstaltungswirtschaft.<br />

„Das aus der Industrie<br />

kommende Modell der Kurzarbeit ist<br />

gut, jedoch braucht es dringend eine<br />

flexiblere Ausgestaltung, die es ohne<br />

Kürzung der Zuschüsse ermöglicht,<br />

MitarbeiterInnen für Zukunftsprojekte<br />

ins <strong>Unternehmen</strong> zu holen und ihnen<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong>


porträt<br />

„Wir zaubern alles herbei,<br />

was sich der Kunde vorstellt<br />

und wünscht. Vom Ambiente<br />

über Mietmöbel, Tafelausrichtungen<br />

und Geschirr bis<br />

zur Event-Nachaufbereitung.<br />

Nur das Catering überlassen<br />

wir anderen.“<br />

Party Rent <strong>Österreich</strong><br />

damit wieder eine längerfristige Perspektive in<br />

unserer Branche zu geben. Auch brauchen wir<br />

im Sinne der unternehmerischen Planbarkeit eine<br />

Verlängerung bis Ende des Jahres.“<br />

Fehlende Unterstützung der<br />

Eventdienstleister<br />

Was sie so stört, ist die fehlende Unterstützung<br />

der Eventdienstleister, der Vielzahl von unterschiedlichen<br />

<strong>Unternehmen</strong> aus den Bereichen<br />

Veranstaltungstechnik, Messebau, Catering, Personalbereitstellung<br />

und vielen weiteren. „Ebenso<br />

betroffen sind unter anderem selbstständige Techniker,<br />

Logistik und Agenturen. Sie setzen sich<br />

überwiegend aus EPU und KMU zusammen.“ In<br />

Summe erwirtschaftet die Eventbranche in normalen<br />

Zeiten immerhin 8,9 Milliarden Euro an Wertschöpfung<br />

und damit 2,9 Prozent des gesamtösterreichischen<br />

Betrages. Jährlich wurden<br />

damit mehr als 140.000 Arbeitsplätze<br />

gesichert.<br />

Branchenspezifische<br />

Lösungen<br />

„Wir brauchen branchenspezifische<br />

Lösungen, die die Möglichkeit<br />

geben, Verluste saisonal<br />

zu betrachten. Und andererseits<br />

die Planungssicherheit für unsere<br />

Wirtschaftskunden. Auch hier sind<br />

der Graubereich und die Unsicherheit so groß,<br />

dass aktuell sehr wenige ein paar Monate im<br />

Voraus planen. Dabei haben wir alle unsere Covid-<br />

Hausaufgaben gemacht und individuelle Pläne<br />

in der Schublade“, so Gertrude Emrich. „Es gibt<br />

auch bislang keine spartenübergreifende geeinte<br />

Branchenvertretung in der Wirtschaftskammer.“<br />

livecom<br />

Aus diesem Grund initiierte sie im Februar 2020<br />

mit zehn anderen <strong>Unternehmen</strong> die Initiative<br />

„Ohne uns“, die mit ihrer Kampagne „Aktion<br />

Herzschlag“ in allen Landeshauptstädten präsent<br />

war. Aufgrund der großen Beteiligung wurde die<br />

Initiative Anfang diesen Jahres zur „livecom –<br />

Vereinigung der österreichischen Veranstaltungsdienstleister“.<br />

„Wir wollen in diesem für uns nicht<br />

enden wollenden Lockdown aktiv unsere Zukunft<br />

mitgestalten“, ist Gertrude Emrich überzeugt. •<br />

PARTY RENT ÖSTERREICH<br />

Emrich GmbH<br />

Kaplanstraße 10, 4632 Pichl/Wels<br />

Tel.: 07247/210 21-0<br />

E-Mail: wels@partyrent.com<br />

partyrent.com/at/wels<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong> 17


porträt<br />

Wir brauchen wieder<br />

Normalität für<br />

unsere Betriebe<br />

Nicht Aufgeben. Die junge Taxiunternehmerin übernahm 2<strong>01</strong>4 von<br />

ihrem Vater einen 20 Jahre florierenden Betrieb. Im ersten Lockdown<br />

musste sie alle Angestellten kündigen. Ein Ende der Krise ist weiter<br />

nicht in Sicht, doch sie bleibt zuversichtlich.<br />

TAXI ZENGIN<br />

Wichtlhuberstraße 8<br />

5400 Hallein<br />

Tel.:: 06245/722 22<br />

Web: taxi-zengin-gmbh.<br />

business.site<br />

18<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong>


porträt<br />

Taxi-Chefin und SWV-Taxisprecherin<br />

Sema Zengin hat<br />

das <strong>Unternehmen</strong> von ihrem<br />

Vater übernommen. Derzeit<br />

fährt sie persönlich ihre Stammkunden,<br />

um sie bei ihren Arzt- und<br />

Krankenhausbesuchen nicht<br />

im Stich zu lassen.<br />

Arne Müseler, privat<br />

Es war ein ganz gelungener Start“, erzählt Sema<br />

Zengin, 27 Jahre jung und Taxichefin im Salzburger<br />

Hallein. Mit nur 21 Jahren übernahm sie<br />

das <strong>Unternehmen</strong> ihres Vaters Tuncay Zengin.<br />

Ihr Vater ist für sie ein großes Vorbild. Obwohl<br />

sie damals eher zum <strong>Unternehmen</strong> ihrer Mutter,<br />

dem Juwelierhandel, tendierte, sagte sie sofort zu: „Familie<br />

ist für mich alles.“ 2<strong>01</strong>4 wandelte ihr Vater das <strong>Unternehmen</strong><br />

zu einer GmbH um, Sema erwarb die Konzession und<br />

machte die Taxiprüfung. „Es war toll, wie er mich dabei<br />

begleitet und unter stützt hat“, ist sie ihm heute noch dankbar.<br />

So konnte Sema Zengin auch langsam in den Betrieb<br />

hineinwachsen. „Spätestens 2<strong>01</strong>7 habe ich alles alleine<br />

erledigt“, erinnert sie sich.<br />

Perfekte Betriebsübernahme<br />

Mit vier ständigen Taxis in Hallein und der Landeshauptstadt<br />

Salzburg und acht MitarbeiterInnen, die seit Jahren<br />

dem 20-jährigen Betrieb treu verbunden waren, war eine<br />

geordnete Betriebsübernahme bestens vorbereitet und<br />

geregelt. Alles lief gut, bis vor einem<br />

Jahr der erste Lockdown verordnet<br />

wurde. „Es war wirklich schlimm – von<br />

einem Tag auf den anderen hatten wir<br />

fast keine Aufträge mehr. Es war wie<br />

ein Teppich, der einem plötzlich unter<br />

den Füßen weggezogen wurde“, sagt<br />

Sema Zengin.<br />

Harte Entscheidungen<br />

Im Zuge dessen musste sie (vorerst)<br />

alle MitarbeiterInnen entlassen, darunter<br />

auch die langjährige Stütze des<br />

Betriebs. „Kurzarbeit geht bei uns nicht, wir haben eine<br />

12-Stunden-Schicht von 6 bis 18 Uhr“, weiß Zengin. „Mir<br />

hat das Herz geblutet – ich weiß, wie das ist, 12 Stunden<br />

durchgehend zu arbeiten, oft stundenlang in der Nacht am<br />

Taxistandplatz zu stehen und in der Kälte für die nächste<br />

Fahrt zu warten. Wir sind wie eine Familie, ich hab ihnen<br />

versprochen, sie nach dieser Krise wieder einzustellen. Aber<br />

„Ohne Kultur, Events und<br />

vor allem der Öffnung der<br />

Gastronomie wird es nicht<br />

besser werden. Wir hatten<br />

früher ein extrem starkes<br />

Wochenendgeschäft. Das<br />

ist alles zusammengebrochen.<br />

Ich hoffe inständig, möglichst<br />

bald wieder zu alten Zeiten<br />

zurückkehren zu können.“<br />

ich will auch, dass es ihnen gut geht, sie gut verdienen,<br />

zufrieden und glücklich sind. Und ich ihnen ordentliche<br />

Provisionen auszahlen kann. Und das konnte ich in dieser<br />

Zeit nicht.“ Familiäre Unterstützung – besonders für die<br />

gemeinsame fünfjährige Tochter Shirin, „die Niedliche“,<br />

wie Sema Zengin liebevoll übersetzt, erhielt und erhält sie<br />

von ihrem Mann Mustafa. „Er hat von Anfang an mitgeholfen.<br />

Ohne ihn hätte ich das alles nicht geschafft.“<br />

Entspannung in Sicht<br />

Die durch ihre Steuerberatung beantragten Fixkostenzuschüsse<br />

und der Antrag über den Härtefallfonds wurden<br />

ohne Probleme ausbezahlt. Seitdem verspürt<br />

sie eine Erleichterung. „Ich hab<br />

mittlerweile schon wieder alle Mitarbeiter<br />

angemeldet und sie fahren wieder<br />

fleißig, langsam ist wieder mehr los<br />

und es tritt Normalität ein. In Hallein<br />

befördern wir nach wie vor eher die lieb<br />

gewonnenen Stammkunden, die zu Arztterminen,<br />

Dialyse und Chemotherapie<br />

nach Salzburg und retour gefahren werden<br />

müssen“, so die Taxichefin. Aber:<br />

„Ohne Kultur, Events und vor allem<br />

der Öffnung der Gastronomie wird es<br />

nicht besser werden. Wir hatten früher ein extrem starkes<br />

Wochenendgeschäft. Das ist alles zusammengebrochen.<br />

Ich hoffe inständig, möglichst bald wieder zu alten Zeiten<br />

zurückkehren zu können.“<br />

•<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong> 19


aus den bundesländern<br />

TIROL: „GRÜNES“<br />

UNTERNEHMERBASHING<br />

NÖ: Rascher<br />

Glasfaser-Ausbau<br />

Machen sich<br />

für schnellere<br />

Internetverbindungen<br />

stark: EU-<br />

Abgeordneter<br />

Günther Sidl (l.)<br />

und Wirtschaftsverband<br />

NÖ-<br />

Präsident<br />

Thomas<br />

Schaden.<br />

„Es braucht in Niederösterreich flächendeckend<br />

Top-Internetverbindungen. Deshalb<br />

müssen der Bund und das Land NÖ in den<br />

Gemeinden den öffentlichen Glasfaser-Ausbau<br />

verstärkt fördern“, verlangen der EU-Abgeordnete<br />

Günther Sidl und Wirtschaftsverband<br />

NÖ-Präsident Thomas Schaden. „Wir haben in<br />

den vergangenen Monaten gesehen, wie wichtig<br />

die Investition in eine gute digitale Infrastruktur<br />

für die Menschen ist – insbesondere<br />

für unsere <strong>Unternehmen</strong> und Schulen“, betont<br />

Sidl. Laut dem FTTH Council Europe haben<br />

nur 1,9 Prozent der heimischen Haushalte und<br />

Betriebe einen Glasfaseranschluss – trotz Breitbandmilliarde,<br />

die nahezu verbraucht ist. In<br />

Europa liegt <strong>Österreich</strong> damit auf dem letzten<br />

Platz. Für Thomas Schaden ist klar: „In ländlichen<br />

Regionen, wo viele EPU und KMU angesiedelt<br />

sind, ist die digitale Vernetzung besonders<br />

wichtig. Das wird gerade jetzt während<br />

der Corona-Krise durch verstärktes Homeoffice<br />

und den Ausbau von Onlineshops deutlich.<br />

Hier muss schnell etwas weitergehen, denn eine<br />

schlechte Verbindung beispielsweise bei Videokonferenzen<br />

kann unangenehm werden oder<br />

schlimmstenfalls zu Einbußen führen.“<br />

Ablehnung der notwendigen Umwidmungen<br />

zeigt fehlendes Gespür für Realität. „Da investieren Unternehmerinnen<br />

und Unternehmer ein Vermögen in neue Betriebsansiedelungen,<br />

sichern und schaffen damit Arbeitsplätze – nur, um sich dann<br />

über die Medien ausrichten zu lassen, sie würden ‚über die Gewerbewidmung<br />

zu einer günstigen Penthouse-Wohnung kommen‘ wollen“,<br />

ärgert sich SWV Tirol-Präsident Michael Kirchmair über die<br />

nicht nachvollziehbare Begründung der Ablehnung der Grünen<br />

im Schwazer Gemeinderat. Sehr wohl braucht es aber Erleichterungen<br />

im reinen Gewerbegebiet mit einer neuen Widmungskategorie<br />

‚Gewerbegebiet – eingeschränkt auf betriebstechnisch sinnvolle<br />

Betriebswohnungen‘ ergänzend zu der bereits bestehenden Ausnahme<br />

der betriebstechnisch notwendigen Wohnungen. Das würde vor<br />

allem für junge Start-ups hilfreich sein.<br />

OÖ: HELPLINE<br />

gegen die Krise<br />

Am 17. Februar haben wir für alle OÖ UnternehmerInnen<br />

eine kostenlose Helpline eingerichtet, um Beratungen<br />

in allen Lebenslagen, insbesondere in der weiter<br />

andauernden Krise, anzubieten. Professionell betreut wird<br />

die Helpline von Ursula Berger, Präsidiumsmitglied des<br />

SWV OÖ und selbständige <strong>Unternehmen</strong>sberaterin.<br />

Drei MitarbeiterInnen sind jeden Montag und<br />

Donnerstag, von 9–12 Uhr, unter der Telefonnummer<br />

0800 404 485 erreichbar. Außerhalb der Telefonzeiten<br />

werden Anfragen per E-Mail rund um die Uhr unter<br />

helpline@swvooe.at entgegengenommen und beantwortet.<br />

Grundsätzlich gibt es kein Thema, welches nicht<br />

behandelt wird.<br />

Montag & Donnerstag: 9:00 - 12:00 Uhr<br />

20<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong>


aus den bundesländern<br />

Vor Ort. SWV-Steiermark-Präsident<br />

Karlheinz Winkler auf Besuch bei Grazer<br />

Betrieben.<br />

STMK: KAMPF<br />

gegen die Krise<br />

Die Lockdown-Lockerungen nahm SWV Steiermark-Präsident<br />

Karlheinz Winkler zum Anlass, um Kleinunternehmen<br />

in Graz zu besuchen. Die Lage ist für viele<br />

Kleingewerbetreibende sehr herausfordernd. Tankstellen-<br />

Pächterin Irene Stockner beklagt, dass ihr Umsatz während<br />

der Covid-19-Maßnahmen um 50 Prozent eingebrochen<br />

ist. Der Chef der Grazer Funktaxi-Gruppe 28<strong>01</strong>, Fardin<br />

Tabrizi, erklärt, dass seine Taxiunternehmer Umsatzeinbußen<br />

von oft weit über 60 Prozent hinnehmen müssen.<br />

Julia Spasova und Andrea Tabrizi, die in Graz eine<br />

Immobilienvermittlung betreiben, stellen immer häufiger<br />

fest, dass <strong>Unternehmen</strong> nicht mehr in der Lage sind, ihre<br />

Mieten zu bezahlen. Herrenfriseur Aytekin Demir hat es<br />

besonders schwer. Zwar dürfen seine Kunden mit einem<br />

negativen Antigen-Test seine Dienste in Anspruch nehmen,<br />

aber vielen sei das zu mühsam. Er verzeichnet oft nur<br />

einen oder zwei Kunden pro Tag. Lediglich Elke Psenner,<br />

die eine Schneiderei und ein Vorhangatelier betreibt, ist<br />

froh, dass ihre Umsätze dank ihrer StammkundInnen fast<br />

gleichgeblieben sind.<br />

WIEN: Aktion 5 vor 12 –<br />

Wir öffnen wieder!<br />

RoRo+Zec, Peintinger, Monihart, iStock by Getty Images, SWV Wien,Tirol, OÖ<br />

Die Situation der Tourismus- und Freizeitwirtschaft wird immer<br />

erdrückender. Der monatelange Dauer-Lockdown und die versprochenen<br />

Hilfen der Bundesregierung, die zum Teil noch nicht einmal<br />

für November 2020 ausbezahlt wurden, zwingen unsere Gastronomiebetriebe<br />

in die Knie. Leider unterstützt der Wirtschaftsbund<br />

die Linie der Regierung und nicht die Interessen der Gewerbetreibenden.<br />

Genau deshalb gründete die SWV WIEN-Vizepräsidentin<br />

Alexandra Psichos die überparteiliche Plattform „5 vor 12 – Wir<br />

öffnen wieder“, um sich mit einem Hilfeschrei an die Öffentlichkeit<br />

zu wenden. Mittlerweile sind bereits mehr als 300 Betriebe allein<br />

in Wien mit dabei: An Aktionstagen sperren sie auf, ohne Gäste zu<br />

bewirten, und informieren über die ausweglose Situation.<br />

Durch die Aktion konnte der Druck auf die WKO und die Bundesregierung<br />

massiv erhöht werden und erste Erfolge stellten sich<br />

ein. „Wir dürfen jetzt auf keinen Fall nachgeben. Ich rufe weiter<br />

dazu auf, sich der Initiative „5 vor 12“ anzuschließen und bei weiteren<br />

Aktionen teilzunehmen!“, so Alexandra Psichos.<br />

Auch Wirtschaftsstadtrat<br />

Peter Hanke unterstützt<br />

die Aktion „5 vor 12“ von<br />

SWV WIEN-Vizepräsidentin<br />

Alexandra Psichos.<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong> 21


aus den bundesländern<br />

BGLD: Testregion für<br />

Gastronomie<br />

LAbg. Gerhard<br />

Hutter, SPÖ-<br />

Wirtschafts- und<br />

Tourismussprecher,<br />

Michael<br />

Wlaschits,<br />

Gastronom,<br />

DI Gerald<br />

Schwentenwein,<br />

Präsident SWV<br />

Burgenland<br />

(v. l. n. r.).<br />

Bereits Mitte Februar forderte der sozialdemokratische<br />

Wirtschaftsverband Burgenland im Zuge einer<br />

Pressekonferenz diese Testregion. Und das aus dem<br />

Grunde, da im Burgenland, im Gegensatz zu Vorarlberg,<br />

im gesamten vorigen Jahr keinerlei Cluster in<br />

Hotels und Gaststätten gegeben waren. „Seit Beginn<br />

der Corona-Epidemie hat es im Gastrobereich keine<br />

Clusterbildungen gegeben. Die Menschen stecken sich<br />

zumeist zu Hause an. Das bestätigen alle Experten.<br />

Daher fordern wir, dass das Burgenland ebenfalls Gaststätten<br />

und Hotels öffnen darf – selbstverständlich unter<br />

Einhaltung der entsprechenden Verhaltensregeln.<br />

Die Corona-Maßnahmen werden penibelst eingehalten“,<br />

so SWV-Präsident Gerald Schwentenwein. SPÖ-<br />

Wirtschafts- und Tourismussprecher Gerhard Hutter<br />

fordert zudem von der türkis-grünen Bundesregierung<br />

auch für andere Branchen eine realistische Perspektive.<br />

NÖ: STUNDUNGEN FÜR<br />

SVS-BEITRÄGE<br />

„Das Überleben der <strong>Unternehmen</strong> muss auch im<br />

Sinne der Sozialversicherung sein. Es ist nicht einzusehen,<br />

dass Betriebe Mahnschreiben von der SVS für ihre<br />

gestundeten Beiträge bekommen“, ist Thomas Schaden,<br />

der Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands<br />

NÖ, empört. „Viele UnternehmerInnen hatten bis<br />

jetzt doch wenig bis gar keine Chance, Umsätze zu machen,<br />

deswegen muss die Möglichkeit der Stundung der<br />

SVS-Beiträge bis mindestens Ende Juni verlängert werden.<br />

Ich appelliere eindringlich an SVS-Obmann Peter<br />

Lehner, die Mahnungen zu stoppen und auf die Fälligstellung<br />

der Forderungen sowie die Einbringung von<br />

Konkursanträgen zu verzichten!“, so der SWV NÖ-Präsident.<br />

„Wir stolpern seit Monaten von einem Lockdown<br />

in den nächsten und auch jetzt ist überhaupt nicht absehbar,<br />

wie es coronabedingt für die <strong>Unternehmen</strong> weitergeht<br />

und wann sie wieder ihren Betrieb aufnehmen<br />

können. Und selbst wenn sie wieder aufsperren<br />

dürfen, lässt sich nicht alles<br />

auf Knopfdruck wieder hochfahren.<br />

Deswegen verstehe ich nicht,<br />

warum die SVS nun die gestundeten<br />

Beiträge einfordert. Auch<br />

die horrenden Zinsforderungen<br />

von 3,38 % sind völlig überzogen<br />

und müssen gestoppt werden“, so<br />

Thomas Schaden.<br />

Der SWV Salzburg trauert um<br />

Komm. Rat Dr. h.c. Joe Schauer<br />

Viel zu früh hat uns ein großartiger Mensch verlassen. Joe, wie ihn seine Freunde nannten, wurde 1959 in<br />

Salzburg geboren. Er war ein Begeisterer und ein Mensch mit großem, sozialem Herz.<br />

Er war ein loyaler Freund, Ehemann und Vater von vier Kindern. Ein Unternehmer, für den Innovation und<br />

Erfolg auf derselben Ebene wie das Engagement für eine solidarische Gesellschaft stand.<br />

Nach einer Augenoptiklehre und zahlreichen Spezialisierungen, gründete er 1984 das erfolgreiche <strong>Unternehmen</strong><br />

„Augenoptik Schauer“ in der Halleiner Altstadt. Kurz darauf gründete er sein eigenes Kontaktlinseninstitut.<br />

1990 wurde Joe zum „gerichtlich beeideten Sachverständigen“ vereidigt und absolvierte<br />

danach fleißig, neugierig und bildungshungrig in den USA Postgraduate Studien in Optometrie und<br />

Wirtschaft. Von 20<strong>01</strong>–2005 war Josef Schauer Präsident des Salzburger Wirtschaftsverbands (SWV).<br />

Dabei setzte er sich insbesondere für die Interessen der Kleingewerbetreibenden ein.<br />

2005 wurde der engagierte Unternehmer zum „Kommerzialrat“ ernannt. 2<strong>01</strong>0 wurde Josef Schauer<br />

staatlich ausgezeichnet und führte seitdem das „Staatswappen“ in seinem <strong>Unternehmen</strong>.<br />

Joe Schauer hinterlässt eine große Lücke in uns allen.<br />

Ein Mensch, Vorbild und Visionär, ein Unternehmer mit Herzblut hat uns viel zu früh verlassen.<br />

Unsere Gedanken sind bei seiner Familie.<br />

SWV Burgenland, NÖ, Salzburg<br />

22<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong>


service<br />

Zukunftsperspektiven für betriebe<br />

Neue Fördermaßnahmen unterstützen <strong>Unternehmen</strong> beim Durchhalten<br />

CORONA-INFOPOINT DER WIRTSCHAFTSKAMMER<br />

Der Corona-Infopoint der Wirtschaftskammern für <strong>Unternehmen</strong><br />

bietet laufende Updates, Anleitungen für die verschiedenen<br />

Anträge und umfassende Service angebote für von<br />

Covid-19 betroffene Betriebe. Alle Infos unter: wko.at<br />

NEU: UMSATZERSATZ II<br />

Bis 20. Jänner <strong>2021</strong> konnten alle <strong>Unternehmen</strong> einen<br />

Antrag für einen Lockdown-Umsatzersatz I stellen, die<br />

direkt von den mit der Covid-19-Schutzmaßnahmenverordnung<br />

verordneten Einschränkungen betroffen waren. Mit<br />

16. Februar <strong>2021</strong> startet die Gewährung eines Lockdown-<br />

Umsatzersatzes II für indirekt betroffene <strong>Unternehmen</strong>.<br />

Indirekt betroffen sind <strong>Unternehmen</strong> dann, wenn sie<br />

mindestens 50 % ihres Umsatzes bzw. Umsatzerlöse mit<br />

<strong>Unternehmen</strong> erzielen, die zwischen November 2020 und<br />

Dezember 2020 direkt von den behördlichen Schließungen<br />

betroffen waren. Anspruch haben <strong>Unternehmen</strong>, die<br />

indirekt von den verordneten Einschränkungen der 1., 2.,<br />

oder 3. Covid- 19-Schutzmaßnahmen- bzw. der 1. oder<br />

2. Notmaßnahmenverordnung betroffen sind und in einer<br />

oder mehreren durch diese Einschränkungen direkt betroffenen<br />

Branchen operativ tätig sind und das <strong>Unternehmen</strong><br />

erlitt zwischen 1. November und 31. Dezember 2020 einen<br />

Umsatzausfall von mehr als 40 %. Die Höhe des Lockdown-Umsatzersatzes<br />

ergibt sich aus den zu ermittelnden<br />

Umsätzen und dem jeweiligen Prozentsatz, der gemäß der<br />

Branchen kategorisierung für die Branche heranzuziehen ist.<br />

Es können bis zu 80 % des ermittelten begünstigten Umsatzes<br />

(max. 800.000 Euro) ersetzt werden. Alle Informationen<br />

gibt es unter: umsatzersatz.at<br />

NEU: FIXKOSTENZUSCHUSS 800.000<br />

Es ist gelungen, dass der Fixkostenzuschuss II (800.000)<br />

bereits ab 30 %, statt bisher 40 % Umsatzausfall beantragt<br />

werden kann. Damit können möglichst viele Betriebe quer<br />

durch alle Branchen unterstützt werden. Die verbesserten<br />

Rahmen bedingungen gehen auch mit einer Erweiterung der<br />

förder baren Fixkosten einher, sodass die AfA, die fiktive AfA<br />

für bewegliche Wirtschaftsgüter sowie frustrierte Aufwendungen<br />

und Personalaufwendungen, die für den Erhalt des<br />

Mindestbetriebs notwendig sind, geltend gemacht werden<br />

können. Leasingraten werden zur Gänze übernommen. Die<br />

Fixkosten müssen im Zeitraum zwischen dem 16. September<br />

2020 und längstens bis zum 30. Juni <strong>2021</strong> entstanden<br />

sein. Zusätzlich gibt es die Option für einen pauschalen Fixkostenzuschuss<br />

von 30 % des Umsatzausfalls für <strong>Unternehmen</strong><br />

mit einem Umsatz von weniger als 120.000 Euro im<br />

letztveranlagten Jahr. Die Auszahlung erfolgt in zwei Tranchen<br />

(bisher drei), die separat beantragt werden müssen. Alle Infos<br />

unter: fixkostenzuschuss.at<br />

NEU: VERLUSTERSATZ UND AUSFALLBONUS<br />

Mit dem Fixkostenzuschuss I und dem Fixkostenzuschuss<br />

800.000 können <strong>Unternehmen</strong> je nach Umsatzeinbruch ihre<br />

Fixkosten anteilig decken. Der Verlustersatz für ungedeckte Fixkosten<br />

bis 10 Millionen Euro stellt eine Verlustabdeckung für<br />

Betriebe ab einem Umsatzminus von 30 Prozent dar. Die Verluste<br />

müssen im Zeitraum zwischen dem 16. September 2020 und<br />

längstens bis zum 30. Juni <strong>2021</strong> entstanden sein. Der Antrag<br />

muss durch einen Vertreter (Steuerberater, Wirtschaftsprüfer<br />

oder Bilanzbuchhalter) eingebracht werden. Der Ausfallsbonus<br />

ist eine Liquiditätshilfe bis zu 60.000 Euro pro Monat für jedes<br />

<strong>Unternehmen</strong>, das durch die Ausbreitung von Covid-19 mehr<br />

als 40 Prozent Umsatzausfall im Vergleich mit dem jeweiligen<br />

Monatsumsatz aus 2<strong>01</strong>9 hat – auch wenn es im Lockdown nicht<br />

geschlossen war. Die monatliche Beantragung von Kalendermonaten<br />

ist im Zeitraum November 2020 – Juni <strong>2021</strong> möglich.<br />

Alle Details gibt es unter: fixkostenzuschuss.at<br />

HÄRTEFALLFONDS PHASE 2<br />

Der Härtefallfonds ist eine Förderung der Bundesregierung für<br />

Selbstständige. Mit dem Förderinstrument sollen Unternehmerinnen<br />

und Unternehmer Unterstützung für ihre persönlichen<br />

Lebenshaltungskosten bekommen. Er ist ein Teil des umfassenden<br />

Hilfspakets, das die Bundesregierung zur Unterstützung<br />

der Wirtschaft in der Corona-Krise geschnürt hat. Weitere<br />

Unterstützungen für die betroffenen <strong>Unternehmen</strong> stehen über<br />

die Corona-Kurzarbeit, den Corona-Hilfsfonds (mit Zuschüssen<br />

und Garantien), Kreditgarantien und Haftungen, aber auch über<br />

die Möglichkeiten zu Steuerstundungen zur Verfügung. Seit<br />

16. Februar kann Unterstützung aus dem Härtefall-Fonds für das<br />

elfte „Corona-Monat“ (von 16. Jänner bis 15. Februar) beantragt<br />

werden. Die Antragstellung für die Auszahlungsphase 2 des<br />

Härtefallfonds ist bis 30. 4. <strong>2021</strong> möglich. Alle detaillierten Informationen<br />

zum Hilfspaket gibt es unter: wko.at<br />

<strong>Unternehmen</strong> <strong>Österreich</strong> 1 | <strong>2021</strong> 23


Blackbox Cofag<br />

blackbox-cofag.at<br />

Öffnen wir<br />

gemeinsam<br />

die<br />

Was passiert mit den<br />

MILLIARDEN,<br />

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