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humanistisch! Das Magazin #13 - 2/2021

Lach doch mal - Wie gut vertragen sich Humanismus und Humor?

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<strong>humanistisch</strong>! <strong>#13</strong> / April <strong>2021</strong><br />

<strong>#13</strong> / April <strong>2021</strong> <strong>humanistisch</strong>!<br />

Humanismus auf Sächsisch<br />

Die Humanistische Vereinigung (HV) setzt<br />

ihren bundesweiten Kurs weiter fort und<br />

engagiert sich nun auch in Sachsen. Seit<br />

Jahresanfang ist Michael Brade für die HV<br />

dort als Regionalbeauftragter tätig.<br />

Michael Brade ist seit vielen Jahren<br />

als engagierter Humanist bekannt. Er war<br />

maßgeblich mitverantwortlich für diverse<br />

<strong>humanistisch</strong>e Veranstaltungen in Dresden,<br />

darunter die Benefizkonzerte „Rocken für<br />

Socken“. Er betätigt sich als Feiersprecher (Zeremoniar) und Seelsorger.<br />

Projektbezogen arbeitet die HV bereits seit mehreren Jahren<br />

mit ihm zusammen.<br />

„Wir freuen uns sehr darüber, dass mit Michael Brade ein weiterer<br />

überzeugter Humanist nun auch ganz offiziell zu uns gestoßen ist und<br />

den praktischen Humanismus in Sachsen weiter vorantreiben wird“,<br />

erklärte HV-Vorstand Michael Bauer zum Amtsantritt des neuen<br />

Regionalbeauftragten. Seine ersten Aufgaben werden die Suche nach<br />

geeigneten Räumlichkeiten für die erste <strong>humanistisch</strong>e Anlaufstelle<br />

und der Aufbau eines Regionalbüros in der sächsischen Landeshauptstadt<br />

sein.<br />

Und eure<br />

Lockdown-Strategien?<br />

Als im April 2020 das Humanistische Studienwerk<br />

seine Fördertätigkeit aufnahm, da<br />

hatte niemand damit gerechnet, dass die<br />

Corona-Pandemie alle Pläne von gemeinsamen<br />

Veranstaltungen und Treffen für so<br />

lange Zeit über den Haufen werfen würde.<br />

Am 18. Februar dieses Jahres fand nun ein<br />

digitales Treffen für Stipendiat*innen und<br />

Vertrauenspersonen des Humanistischen Studienwerks statt.<br />

Im Stile einer digitalen WG-Party wurde in verschiedenen Räumen<br />

über das Studieren in Corona-Zeiten gesprochen, über Lockdown-<br />

Strategien, Humanismus als Lebenseinstellung oder den jüngsten<br />

Abschlussarbeitsstress.<br />

Die anschließende Feedbackrunde zeigte einhellig, dass es guttat,<br />

hinter den Namen endlich auch Gesichter zu entdecken. Der Wunsch,<br />

über die Hürden der Pandemie-Beschränkungen hinweg Kontakte zu<br />

knüpfen und das Interesse am Gegenüber waren bei allen Teilnehmenden<br />

spürbar. Immerhin: Als sich alle Teilnehmenden auf einer<br />

Landkarte einpinnten wurde deutlich, wie weit das im Aufbau befindliche<br />

Netzwerk engagierter <strong>humanistisch</strong>er Akademiker*innen schon<br />

jetzt reicht. Bei so vielen offenen, interessierten jungen Menschen<br />

kann man sich nur darauf freuen, es wachsen und gedeihen zu sehen.<br />

Weitere Informationen unter <strong>humanistisch</strong>es-studienwerk.de.<br />

Julia Friedrichs<br />

Working Class: Warum wir<br />

Arbeit brauchen, von der wir<br />

leben können<br />

„Ihr werdet es einmal schlechter<br />

haben!“ – Die Generation nach den Babyboomern<br />

ist die erste nach dem Zweiten<br />

Weltkrieg, die ihre Eltern mehrheitlich<br />

nicht wirtschaftlich übertreffen wird.<br />

Obwohl die Wirtschaft ein Jahrzehnt<br />

lang wuchs, besitzt die Mehrheit in diesem Land kaum Kapital, kein<br />

Vermögen. Doch sich Wohlstand aus eigener Kraft zu erarbeiten, ist<br />

schwieriger geworden, insbesondere für die, die heute unter 45 sind.<br />

Die Hälfte von ihnen fürchtet, im Alter arm zu sein. Was sind die Ursachen<br />

für diesen großen gesellschaftlichen Umbruch, wann fing es an?<br />

Julia Friedrichs spricht mit Wissenschaftlern, Experten und Politikern.<br />

Vor allem aber begleitet sie Menschen, die dachten, dass Arbeit<br />

sie durchs Leben trägt, die reinigen, unterrichten, Tag für Tag ins Büro<br />

gehen und merken, dass es doch nicht reicht. Sie sind die ungehörte<br />

Hälfte des Landes. Dieses Buch erzählt ihre Geschichte.<br />

Piper Verlag, München <strong>2021</strong>, 320 Seiten, gebunden, 22 Euro.<br />

Raymond Geuss<br />

Who Needs a World View?<br />

Wir leben in einem einheitlichen<br />

Zehn Kitas und<br />

der Schlüssel zur Welt<br />

<strong>Das</strong> Pumuckl-Haus in der Nürnberger Bogenstraße wurde in das Bundesprogramm<br />

„Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“<br />

aufgenommen. Damit nehmen nun stolze zehn <strong>humanistisch</strong>e Kindertagesstätten<br />

am Programm teil.<br />

Der Kindergarten liegt mitten in der quirligen Nürnberger Südstadt,<br />

wo die Mehrzahl der Menschen familiäre Wurzeln im Ausland<br />

hat. Die Vielfalt des Stadtteils wird in der Einrichtung sichtbar, sie<br />

bereichert, stellt aber auch besondere Anforderungen an die Pädagog*innen.<br />

Diesen Anforderungen können Sprach-Kitas dank der Zuwendungen<br />

aus dem Bundesprogramm besser begegnen. Es wurde 2016 ins<br />

Leben gerufen, um die alltagsintegrierte sprachliche Bildung in Kitas<br />

zu stärken. Insbesondere Einrichtungen, die von vergleichsweise vielen<br />

Kindern besucht werden, deren Familiensprache nicht Deutsch ist<br />

oder die einen besonderen sprachlichen Förderbedarf haben, sollen<br />

von Bundesmitteln profitieren.<br />

<strong>Das</strong>s mit dem Pumuckl-Haus nun zehn <strong>humanistisch</strong>e Kindertagesstätten<br />

am Programm teilnehmen, erlaubt es der Humanistischen<br />

Vereinigung auch, eine übergeordnete Fachberatung für Sprache<br />

einzustellen. Diese wird die Qualität der sprachlichen Bildung in ihren<br />

Einrichtungen noch weiter verbessern. Weitere Informationen unter<br />

hv-kitas.de.<br />

Unsere Bitte:<br />

UNTERSTÜTZEN SIE UNSERE KITAS<br />

IN DER CORONA-ZEIT!<br />

Auch in der Pandemie geben die Pädagog*innen in den Humanistischen<br />

Kindertagesstätten ihr Bestes für die Kinder – mit Engagement,<br />

Witz und vielen Ideen. Natürlich achten sie dabei auf die nötige Sicherheit.<br />

So schützen sie die Kinder, ihre Familien und auch sich selbst.<br />

Dieser Einsatz kostet Kraft, aber auch Geld. Die HV investiert viel<br />

in adäquate Schutzmaßnahmen, muss gleichzeitig aber damit kämpfen,<br />

dass die bayerischen Regelungen zum sogenannten Elternbeitragsersatz<br />

– wie bei anderen freien Trägern auch – finanzielle Löcher<br />

reißen. Allein für die ersten Monate dieses Jahres rechnet die HV in<br />

Folge der staatlichen Verordnungen mit einem Fehlbetrag in hoher<br />

fünfstelliger Höhe.<br />

Deshalb möchten wir Sie bitten: Unterstützen Sie die Humanistischen<br />

Kindertagesstätten in diesen besonderen Zeiten mit Ihrer<br />

Spende. Schon kleine Beträge können helfen!<br />

Unsere Bankverbindung:<br />

Bank für Sozialwirtschaft<br />

IBAN: DE35700205000008887700<br />

BIC: BFSWDE33MUE<br />

Im Namen unserer Kitakinder und Pädagog*innen vielen Dank!<br />

Kosmos, der von einem wohlwollenden<br />

Gott erschaffen wurde und in all seinen<br />

Details gepflegt wird. Diese Idee war<br />

jahrhundertelang der Ausgangspunkt für<br />

einen Großteil des philosophischen und<br />

religiösen Denkens im Westen. Die Aufgabe<br />

bestand nur darin,diese vermeintliche<br />

Wahrheit als gegeben hinzunehmen<br />

und sich darauf zu beschränken, sich<br />

gedanklich innerhalb eines fest vorgegebenen Rahmens zu bewegen.<br />

In dieser Aufsatzsammlung untersucht der Philosoph Raymond Geuss,<br />

welche Probleme das allzu systematische Denken mit sich bringt, das<br />

wir von der Vergangenheit geerbt haben.<br />

Geuss beginnt mit einem allgemeinen Plädoyer für ein flexibles<br />

und skeptisches Denken mit Raum für Zweifel und ungelöste Komplexität.<br />

Er untersucht die Ideen von zweien seiner einflussreichsten<br />

Lehrer - der eine systematisch, der andere pragmatisch - im Licht<br />

von Nietzsches Ideen über Schein und Wirklichkeit. In den folgenden<br />

Kapiteln geht es um verwandte moralische, psychologische und<br />

philosophische Themen. Dazu gehören die Idee, dass man sein Leben<br />

zu einem Kunstwerk machen sollte, die Bedeutung von Spielen,<br />

der Begriff des Bedürfnisses und das Wesen von Manifesten. Dabei<br />

spannt Geuss einen weiten Bogen von der antiken Philosophie bis zur<br />

modernen Kunst, mit der für ihn typischen Kombination aus Klarheit,<br />

Schärfe und Witz.<br />

Who Needs a World View? will eine provokante und aufschlussreiche<br />

Demonstration dessen sein, was Philosophie erreichen kann,<br />

wenn sie ihre Ambitionen auf Vollständigkeit, Konsistenz und Einheit<br />

aufgibt.<br />

Harvard University Press, Cambridge 2020, 187 Seiten, 29,88 Euro.<br />

Meike Stoverock<br />

Female Choice: Vom Anfang<br />

und Ende der männlichen<br />

Zivilisation<br />

Female Choice ist ein Fachterminus<br />

aus der Biologie, der die Fortpflanzungsstrategie<br />

der allermeisten Lebewesen<br />

beschreibt. Hierbei müssen Männchen<br />

eine Leistung erbringen, um sich mit<br />

einem Weibchen zu paaren. Denn für das<br />

Weibchen ist Fortpflanzung viel aufwändiger.<br />

Sie ist wählerisch, er anspruchslos. Er geht auf Masse, sie auf<br />

Klasse. Er konkurriert, sie entscheidet. Doch im Laufe der Geschichte<br />

unserer Zivilisation hatten die Frauen bisher kaum eine Wahl. Mit der<br />

Landwirtschaft wurden die Menschen sesshaft und die Frauen aus der<br />

Öffentlichkeit ins private Heim gedrängt. Erst seit – evolutionsbiologisch<br />

– sehr kurzer Zeit können Frauen die Welt mitgestalten. Und<br />

nun gerät die männliche Ordnung ins Wanken. Überall formiert sich<br />

männlicher, zum Teil gewaltbereiter Widerstand. Was nun?<br />

„Meike Stoverock weiß um die Schwierigkeiten, die ihr gewähltes<br />

Terrain bietet und sie steckt es sehr souverän ab, um weder einem<br />

platten Biologismus, noch einem nicht minder platten kulturellen<br />

Strukturalismus zu verfallen. Dabei ist ihre Sprache zwar mitunter<br />

rotzig und schnell, aber nie unpräzise oder gar falsch – zumindest<br />

in biologischen Fragen. Denn da kennt sie sich als gelernte Biologin<br />

wirklich gut aus. Anders ist das mit der Religion, die sie ein paar<br />

Kapitel später mit dem groben Werkzeug bearbeitet, aber das stört<br />

den großen Bogen des Buches nicht (…). Wir sollten ihrem Fingerzeig<br />

folgen“, schreibt der Soziologe Jonas Grutzpalk über ihr Buch.<br />

Tropen Verlag, Stuttgart <strong>2021</strong>, 352 Seiten, 22 Euro.<br />

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