humanistisch! Das Magazin #13 - 2/2021
Lach doch mal - Wie gut vertragen sich Humanismus und Humor?
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<strong>humanistisch</strong>! <strong>#13</strong> / April <strong>2021</strong><br />
<strong>#13</strong> / April <strong>2021</strong> <strong>humanistisch</strong>!<br />
So geht<br />
Humanismus!<br />
Ein neuer Onlinekurs ergründet, was<br />
Humanismus ausmacht – und bietet<br />
Antworten.<br />
Eine der größten Stärken des Humanismus wird<br />
oft als Schwäche wahrgenommen. Denn es<br />
ist doch so: Wäre Humanismus intuitiv zu begreifen,<br />
bräuchten die Herausgeber eines 2016<br />
erschienenen Bandes keine 432 Seiten, um allein die<br />
<strong>humanistisch</strong>en Grundbegriffe zu erklären. Humanismus<br />
ist offensichtlich kein simples Glaubensbekenntnis,<br />
und schon gar nicht kennt er nur die eine, reine Lehre.<br />
Schaut man auf die Vielzahl der sich mitunter sehr<br />
streitlustig gegenüberstehenden <strong>humanistisch</strong>en Kleingruppen,<br />
Bünde und Verbände mit ihren je eigenen<br />
Zielen, wirkt der organisierte Humanismus sogar sehr<br />
zerfasert. <strong>Das</strong>s der Bayreuther Religionswissenschaftler<br />
Stefan Schröder eine Arbeit über die „strategischen<br />
Spannungen“ zwischen zwei säkularen Organisationen<br />
schrieb, verstärkt nur den Eindruck, dass sich über<br />
Humanismus zwar wenig Eindeutiges sagen, aber umso<br />
besser streiten lässt.<br />
Wenigstens in Teilen sieht das auch Stefan Lobenhofer<br />
so. „Sehr viel Divergenz und viele verschiedene<br />
Meinungen“ kenne der Humanismus, sagt der promovierte<br />
Philosoph, der einige Jahre an den Universitäten<br />
von Braunschweig und Erlangen lehrte und mittlerweile<br />
als wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Humanistische<br />
Vereinigung tätig ist. Für Außenstehende, sagt<br />
Lobenhofer, ist Humanismus deshalb oft schwer zu<br />
durchschauen – sofern er überhaupt wahrgenommen<br />
wird. Die Stärke des Humanismus – dass er nämlich aus<br />
der Diskussion heraus entsteht und viele verschiedene<br />
Überzeugungen zulässt – wird ihm in diesem Kontext<br />
oft als Schwäche ausgelegt: Er scheint diffus, schwer<br />
zugänglich und schwer greifbar zu sein. Bemühungen,<br />
dem abzuhelfen und einen allgemeinverständlichen<br />
Zugang zu <strong>humanistisch</strong>en Grundüberzeugungen<br />
Dr. Stefan Lobenhofer<br />
hat im Fach Philosophie<br />
promoviert und war an den<br />
Universitäten in Erlangen<br />
und Braunschweig tätig.<br />
Nach dem Motto<br />
„Raus aus dem Elfenbeinturm,<br />
hinein ins richtige<br />
Leben“ arbeitet er seit<br />
einigen Jahren bei der<br />
Humanistischen Vereinigung<br />
als wissenschaftlicher<br />
Mitarbeiter und ist<br />
zudem als freiberuflicher<br />
Dozent tätig. <strong>Das</strong> Nachdenken<br />
über die Welt und den<br />
Menschen ist für ihn eine<br />
wichtige Voraussetzung für<br />
ein gutes und gelingendes<br />
Leben. Unser Online-Kurs<br />
soll zu diesem Nachdenken<br />
anregen.<br />
anzubieten, sind also angezeigt, erst recht, wenn man<br />
Menschen auch außerhalb der vergleichsweise kleinen<br />
<strong>humanistisch</strong>en Blase erreichen will.<br />
Insofern klingt schon der Titel eines neuen Online-<br />
Angebots der Humanistischen Vereinigung wie ein Versprechen:<br />
„So geht Humanismus!“ <strong>Das</strong> ist der Name des<br />
sechswöchigen Selbstlern-Kurses, der Untertitel lautet:<br />
„Eine Lebenseinstellung für aufgeklärte Menschen“.<br />
Der Kurs basiert auf dem einführenden Onlinekurs der<br />
Humanists UK, der schon seit einigen Jahren erfolgreich<br />
läuft. Die Humanists UK haben der Humanistischen Vereinigung<br />
die Übertragung ins Deutsche und teilweise<br />
weitgehende Anpassungen ermöglicht.<br />
Seit einigen Wochen kann diese „deutsche Version“<br />
des Kurses belegt werden. Betreut wird er von Stefan<br />
Lobenhofer, und der sagt: „Wer sich vorher keinen<br />
Reim auf Humanismus machen konnte, wird es nach<br />
sechs Wochen können.“<br />
Um einem Missverständnis vorzubeugen: Den Kurs<br />
zu durchlaufen, heißt nicht, auf eine bestimmte Form<br />
des Humanismus eingeschworen zu werden. Natürlich<br />
will man Menschen von einer <strong>humanistisch</strong>en Lebenseinstellung<br />
überzeugen, doch geht es nicht um Indoktrination,<br />
sondern vielmehr darum, zum Nachdenken<br />
anzuregen und Stoff für viele, hoffentlich fruchtbare<br />
Diskussionen zu liefern.<br />
Als ein „So und nicht anders!“ darf man den Titel<br />
des Kurses also nicht lesen. Es geht nicht darum, eine<br />
bestimmte oder spezielle Lesart des Humanismus<br />
zu propagieren, vielmehr sollen die Grundlagen des<br />
Humanismus dargestellt werden. Denn bei aller Unterschiedlichkeit<br />
erkennt Lobenhofer doch „einen Pool an<br />
Grundüberzeugungen“, auf die sich alle Humanist*innen<br />
einigen können. <strong>Das</strong>s sich natürliche oder gesell-<br />
So geht<br />
Humanismus!<br />
Der Online-Kurs über „eine Lebenseinstellung für aufgeklärte<br />
Menschen“ kann gebucht werden unter so-geht-humanismus.de.<br />
Zur Auswahl stehen zwei verschiedene Kursmodelle, Interessierte<br />
können zunächst eine kostenlose Schnupperlektion absolvieren.<br />
Der Kurs „So geht Humanismus“ ist ein sehr<br />
wichtiger Beitrag zur Diskussion in unserer<br />
weltanschaulich immer vielschichtiger werdenden<br />
Gesellschaft. Der Erosionsprozess der religiös<br />
dogmatischen Glaubensgebäude, die Austrittsflut<br />
der Mitglieder aus den beiden Großkirchen, aber<br />
auch die Zuwanderung von Menschen aus anderen Kulturkreisen<br />
erzeugen bei vielen Menschen Gefühle<br />
der Verunsicherung, denn für stabil gehaltene<br />
und wackelig gewordene Plattformen zu verlassen,<br />
ist nicht leicht. Der Kurs liefert für bereits<br />
„bekennende Humanist*innen“ gut strukturiert,<br />
in verständlicher Sprache fundierte Argumente<br />
für den Dialog mit Menschen anderer Weltsicht.<br />
Hierbei kann aus einem Dialog selbstverständlich<br />
auch mal eine Debatte werden, wobei die Fragemethode<br />
des Sokrates ein „scharfes Schwert“ sein<br />
kann. Für Menschen, die sich auf den Weg machen<br />
wollen, den großen Fragen, der Sinnfrage nachzugehen,<br />
bietet der Kurs eine prima Orientierungshilfe.<br />
Fazit: Der Kurs „So geht Humanismus“<br />
ist in Form, Sprache und Inhalt ein Hit.<br />
Johannes Moser<br />
„Der Kurs zum Humanismus hat mir sehr gut gefallen<br />
und war an vielen Stellen äußerst anregend. Ich<br />
habe Anfang letzten Jahres meinen Bachelor der<br />
Biowissenschaften abgeschlossen und werde auch<br />
weiterhin in diesem Bereich studieren und arbeiten.<br />
Aber selbst hier, in einem Bereich, in dem der<br />
wissenschaftliche Empirismus allgegenwärtig ist,<br />
bedarf es einer gewissen Philosophie. Deswegen<br />
bedanke ich mich noch einmal für diesen erhellenden<br />
Kurs, welcher viele neue Fragen und Antworten<br />
geliefert hat.“<br />
Marian Klose<br />
schaftliche Phänomene am besten mit wissenschaftlichen<br />
Mitteln erklären lassen – und nicht etwa unter<br />
Rückgriff auf heilige Schriften –, das sei so eine <strong>humanistisch</strong>e<br />
Grundüberzeugung. Ebenfalls <strong>humanistisch</strong><br />
sei es, Verantwortung für sein eigenes Handeln zu<br />
übernehmen. Humanist*innen verweigern sich blindem<br />
Gehorsam, sie versuchen aus eigenem Antrieb<br />
heraus moralisch richtig zu handeln und zeigen sich<br />
fürsorglich gegenüber ihren Mitmenschen.<br />
Sechs Wochen oder weniger<br />
Auch um solche Grundprinzipien geht es im Onlinekurs.<br />
„Zunächst einmal wollen wir das Wissen darüber<br />
vermitteln, was Humanismus eigentlich ist“, sagt<br />
Lobenhofer. Ein „einfaches Lernziel“ nennt er das,<br />
ein weiteres sei es, Menschen über diejenigen Fragen<br />
in Diskussion zu bringen, die der Humanismus eben<br />
anspricht. Die Teilnehmer*innen erhalten eine Einführung<br />
in die Philosophie und Ideengeschichte des<br />
Humanismus. Sie diskutieren gleichermaßen über<br />
den Sinn des Lebens wie sie nach dem guten Leben<br />
fragen, sie stellen Überlegungen zu einer gerechten<br />
Gesellschaft an und zeigen schließlich, welche Rolle<br />
Humanismus – in welcher Ausprägung auch immer –<br />
in einer solchen Gesellschaft spielen könnte.<br />
Insgesamt sechs Wochen sind für den Kurs veranschlagt<br />
– je ein Themenblock steht pro Woche an, bei<br />
geschätzten drei Stunden Wochenarbeitszeit. Texte<br />
wollen währenddessen gelesen und Fragen, die am<br />
Ende einiger Lektionen gestellt werden, beantwortet<br />
werden. Diese Fragen können die Teilnehmenden in<br />
Foren, die in die Kurs-Plattform eingebunden sind,<br />
beantworten und mit anderen Teilnehmenden diskutieren.<br />
Lobenhofer steht den Teilnehmer*innen als<br />
Tutor zu Seite und hilft bei Unklarheiten. Diejenigen,<br />
die Vollversion gebucht haben, können einmal im<br />
Monat an einem „Expertengespräch“ teilnehmen,<br />
bei dem ein Beschäftigter der Humanistischen Vereinigung<br />
Rede und Antwort steht. Wer will, kann sich<br />
zum Ende des Kurses einer Abschlussprüfung stellen<br />
und erhält bei Bestehen ein Zertifikat.<br />
Die ersten Absolvent*innen gibt es bereits. Alleine<br />
in den ersten zwei Wochen nahmen weit über<br />
100 Menschen das neue Angebot in Anspruch. Zu<br />
ihnen gehört der baden-württembergische Humanist<br />
Heiner Jestrabek, der wie nebenbei unter Beweis<br />
stellt, dass man sich für den Kurs „So geht Humanismus!“<br />
keine anderthalb Monate Zeit nehmen muss,<br />
wenn man das nicht möchte: „Der gesamte Kurs<br />
wurde von mir in zwei Wochen durchgearbeitet, weil<br />
er spannend und sehr gut gestaltet ist“, berichtet er.<br />
Sprache und Darstellung, lobt er, seien trotz allem<br />
wissenschaftlichen Anspruchs „einfach fassbar und<br />
nicht verwissenschaftlicht, also pädagogisch optimal<br />
gemacht.“ Fazit: „Genau so etwas haben wir schon<br />
lange benötigt. Ich wünsche dem Kurs weite Verbreitung!“<br />
Marco Schrage<br />
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