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humanistisch! Das Magazin #13 - 2/2021

Lach doch mal - Wie gut vertragen sich Humanismus und Humor?

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<strong>#13</strong> / April <strong>2021</strong> <strong>humanistisch</strong>!<br />

Meet a humanist<br />

Jamie<br />

Raskin<br />

F<br />

ür Humanist*innen war<br />

Donald Trump eine dunkle<br />

Macht am Ruder der Vereinigten<br />

Staaten. Zu Recht<br />

koordinierte ein Humanist<br />

seinen Amtsenthebungsprozess. Doch er<br />

hat noch viel mehr getan: Jamie Raskin.<br />

Humanist*innen in den Vereinigten<br />

Staaten lernten Jamie Raskin erstmals<br />

2006 kennen, als er vor dem Senat<br />

des Bundesstaates Maryland über die<br />

Gesetzgebung zum Verbot der gleichgeschlechtlichen<br />

Ehe sprach. Zu dieser<br />

Zeit als Professor für Verfassungsrecht<br />

tätig, sprach er von gleichem Schutz und<br />

rechtstaatlichen Verfahren. „Was ist mit<br />

der Bibel?“, fragte ihn ein frustrierter<br />

republikanischer Senator und bezog sich<br />

dabei auf die dort zu findende Definition<br />

von Ehe als Verbindung zwischen einem<br />

Mann und einer Frau.<br />

„Senator, bei allem Respekt“, antwortete<br />

Raskin, „als Sie Ihren Amtseid ablegten,<br />

legten Sie Ihre Hand auf die Bibel<br />

und schworen, die Verfassung zu wahren.<br />

Sie haben Ihre Hand nicht auf die Verfassung<br />

gelegt und geschworen, die Bibel zu<br />

wahren.“<br />

Zwei Jahre später, nun selbst Senator<br />

des Staates Maryland, nahm Raskin den<br />

Distinguished Service Award der American<br />

Humanist Association auf dem World<br />

Humanist Congress in Washington, D.C.<br />

entgegen. In seiner Ansprache, die er mit<br />

seiner uns bekannten formidablen Redekunst<br />

und über jeden Zweifel erhabenen<br />

Menschlichkeit hielt, betonte Raskin die<br />

lebenswichtige Notwendigkeit, Kirche<br />

und Staat getrennt zu halten: „Es versteht<br />

sich von selbst, dass der eigentliche<br />

Zweck und die Auswirkungen der Injektion<br />

religiöser Dogmen in eine Regierung<br />

niemals darin bestehen, die Menschen<br />

tugendhafter oder heiliger zu machen,<br />

sondern eher darin, bestimmte politische<br />

Agenden voranzutreiben.“<br />

Raskin würdigte Held*innen des<br />

menschlichen Fortschritts, die religiös<br />

motiviert waren (z. B. Rev. Martin Luther<br />

King, Schwester Helen Prejean) und solche,<br />

die es nicht waren (z. B. Thomas Paine,<br />

Thomas Jefferson), und sprach über<br />

die Notwendigkeit, dass Menschen mit<br />

unterschiedlichen religiösen oder ideologischen<br />

Ansichten ihre Kräfte vereinen,<br />

um das Leben zu verbessern und das<br />

Gemeinwohl zu fördern. Dies erfordere<br />

eine gewisse Bescheidenheit, bemerkte er<br />

und zitierte den Richter Billings Learned<br />

Hand aus der Mitte des zwanzigsten<br />

Jahrhunderts, der sagte: „Der Geist der<br />

Freiheit ist der Geist, der sich nicht zu<br />

sicher ist, dass er Recht hat; der Geist der<br />

Freiheit ist der Geist, der versucht, die<br />

Gedanken anderer Männer und Frauen zu<br />

verstehen.“<br />

Als Senator des Bundesstaates Maryland<br />

von 2007 bis 2016 war Raskin ein<br />

progressives Kraftpaket, das vor allem<br />

den erfolgreichen Vorstoß für die Gleichstellung<br />

der Ehe und die Abschaffung der<br />

Todesstrafe anführte. Bei einer anderen<br />

<strong>humanistisch</strong>en Konferenz, diesmal im<br />

Jahr 2013, erzählte Raskin von seiner<br />

Rede, in der er seine Kandidatur für die<br />

Legislative von Maryland ankündigte.<br />

Er hatte über die Legalisierung der Ehe<br />

für schwule und lesbische Wähler*innen<br />

gesprochen und ihm wurde gesagt, dass<br />

Unermüdlicher<br />

Verteidiger der<br />

Verfassung, unermüdlicher<br />

Anwalt des<br />

Volkes, Liebhaber der<br />

Sprache, der Weisheit,<br />

des Humors und<br />

der Wahrheit.<br />

dies keine kluge Position sei, sondern<br />

ihn extrem erscheinen lasse. „In diesem<br />

Moment entschied ich, dass ich nicht in<br />

der politischen Mitte sein wollte, die sich<br />

ohnehin umherbewegt. Ich wollte in der<br />

moralischen Mitte sein, und ich würde<br />

die politische Mitte zu mir kommen lassen“,<br />

so Raskin.<br />

Seit 2016 vertritt Raskin, ein Demokrat,<br />

mit Begeisterung den achten Bezirk<br />

von Maryland im US-Repräsentantenhaus.<br />

Er hat Resolutionen zum Nationalen<br />

Tag der Vernunft und zum Darwin-Tag<br />

mitgetragen, die die Evolutionstheorie<br />

unterstützen, die Lehre von Kreationismus<br />

in öffentlichen Schulen bekämpfen<br />

und die Macht und Notwendigkeit<br />

von Wissenschaft anerkennen, um die<br />

Herausforderungen der Gesellschaft zu<br />

bewältigen. Er unterstützte die Resolution<br />

des Repräsentantenhauses (die auch<br />

im Senat angenommen wurde), die ein<br />

weltweites Ende von Blasphemiegesetzen<br />

fordert. Und im Jahr 2018 half Raskin bei<br />

der Gründung des Congressional Freethought<br />

Caucus, um Säkularität sowie<br />

Gedanken- und Gewissensfreiheit zu fördern<br />

und sich gegen die Diskriminierung<br />

von Atheist*innen, Humanist*innen und<br />

anderen nicht-religiösen Amerikaner*innen<br />

zu wenden.<br />

Stolz auf seine jüdische Herkunft<br />

heißt Raskin auch das Etikett des „Humanisten<br />

mit kleinem ‚h‘“ willkommen,<br />

als Teil seines moralischen Kerns, und<br />

er beschreibt dies als eine philosophische<br />

Identität. „Humanistische Werte<br />

und säkulare Demokratie im öffentlichen<br />

Raum zu verteidigen, hat sehr wenig mit<br />

Mut zu tun, sondern vielmehr mit Selbstachtung<br />

und dem Bauchgefühl, dass wir<br />

der Unvernunft nur auf unser eigenes<br />

Risiko und auf Gefahr für uns selbst hin<br />

erlauben, die öffentliche Entscheidungsfindung<br />

zu kontrollieren“, sagte er Humanist*innen<br />

im Jahr 2013. „Wie Voltaire es<br />

scharfsinnig formulierte: ‚Wer dich dazu<br />

bringen kann, Absurditäten zu glauben,<br />

kann dich dazu bringen, Gräueltaten zu<br />

begehen.‘“<br />

Springen wir vor zum 6. Januar <strong>2021</strong>.<br />

Nach monatelangen haltlosen Behauptungen<br />

von Präsident Donald Trump, die Präsidentschaftswahlen<br />

2020 seien gestohlen<br />

worden, forderte Trump Tausende<br />

seiner Anhänger*innen auf, zum US-Kapitol<br />

zu marschieren. In Deckung gehend<br />

vor dem gewalttätigen einbrechenden<br />

Mob, begann Raskin, der den kürzlichen,<br />

tragischen Tod seines Sohnes Tommy betrauerte<br />

und um zwei Familienmitglieder<br />

fürchtete, die sich in seinem Kongressbüro<br />

verschanzt hatten, das zu entwerfen,<br />

was der einzige Artikel der Anklage gegen<br />

Präsident Trump wegen Anstiftung zum<br />

Aufruhr werden würde. Er brachte ihn<br />

am 11. Januar ein und das Haus stimmte<br />

zwei Tage später für die Anklage. Die<br />

Sprecherin des Repräsentantenhauses<br />

und kalifornische Demokratin Nancy<br />

Pelosi bat Raskin anschließend, die Anklage<br />

gegen Trump im Senatsverfahren<br />

im folgenden Monat zu leiten. Meisterhaft<br />

vorgetragen, zitierte er die Weisheit von<br />

Abraham Lincoln und des Humanisten<br />

der Aufklärung, Thomas Paine.<br />

Unermüdlicher Verteidiger der Verfassung,<br />

unermüdlicher Anwalt des Volkes,<br />

Liebhaber der Sprache, der Weisheit, des<br />

Humors und der Wahrheit – Jamie Raskin<br />

ist ein Humanist von höchstem Format.<br />

Im Angesicht persönlicher Tragödien und<br />

nationaler Bedrohungen kämpft er weiter<br />

für das Gute und das ist gut für uns alle.<br />

Jennifer Bardi<br />

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