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humanistisch! Das Magazin #13 - 2/2021

Lach doch mal - Wie gut vertragen sich Humanismus und Humor?

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<strong>humanistisch</strong>! <strong>#13</strong> / April <strong>2021</strong><br />

<strong>#13</strong> / April <strong>2021</strong> <strong>humanistisch</strong>!<br />

Erneutes Plus für nordische<br />

Humanist*innen<br />

Nach einem zweiten Rekordzuwachs in<br />

Folge hatte die norwegische Vereinigung<br />

Human-Etisk Forbund (HEF) 2020 erstmals<br />

mehr als 100.000 Mitglieder. Die vor<br />

65 Jahren gegründete Organisation bleibt<br />

so die mit Abstand mitgliederstärkste<br />

<strong>humanistisch</strong>e Vereinigung weltweit.<br />

Und es ist anzunehmen, dies auch in<br />

Zukunft so bleibt: Zum einen ergab eine<br />

Umfrage im letzten Jahr, dass sich bis<br />

zu zehn Prozent der rund 5,4 Millionen<br />

Norweger*innen mit der HEF identifizieren.<br />

Der norwegische Staat erleichtert<br />

zudem die Mitgliedergewinnung, da alle<br />

steuerpflichtigen Bürger*innen jährlich<br />

gefragt werden, welche Organisation sie<br />

mit ihrem Kultursteuerbeitrag unterstützen<br />

wollen. Neben der norwegischen<br />

Volkskirche und weiteren Religionsgemeinschaften<br />

kann hier auch die HEF<br />

ausgewählt werden.<br />

Weiter aufwärts ging es auch bei<br />

der isländischen Schwesterorganisation<br />

Sidmennt. Hier wurde Anfang Dezember<br />

das 4000. Mitglied willkommen geheißen.<br />

Sidmennt erlebt seit etwa 2013 ein starkes<br />

Wachstum. Eine Ursache dafür ist,<br />

dass die Kultursteuererhebung in Island<br />

nach norwegischem Beispiel funktioniert<br />

und Sidmennt 2013 vom Staat als Weltanschauungsgemeinschaft<br />

anerkannt<br />

wurde. Sie ist derzeit die sechstgrößte anerkannte<br />

weltanschauliche Gemeinschaft<br />

Islands.<br />

Norwegen und Island fördern <strong>humanistisch</strong>e<br />

Weltanschauungsgemeinschaften<br />

finanziell ebenso wie die Kirchen und<br />

andere anerkannte religiöse Gruppen.<br />

Wechsel an US-Spitze<br />

Roy Speckhardt<br />

Der geschäftsführende Direktor der<br />

American Humanist Association (AHA)<br />

Roy Speckhardt räumt nach 15 Jahren<br />

seinen Posten. Der Grund: Die US-amerikanischen<br />

Humanist*innen wollen mehr<br />

People of Color (PoC) und Menschen migrantischen<br />

Communities für sich gewinnen.<br />

Speckhardt, der sich viele Verdienste<br />

für den Humanismus in den Vereinigten<br />

Staaten erworben hat, stellte sich ausdrücklich<br />

hinter dieses Ziel.<br />

Er sagte, er wünsche sich, dass sein<br />

Platz mit einer*m Humanist*in besetzt<br />

wird, in der sich auch PoC und Personen<br />

mit Migrationshintergrund in der<br />

Foto: © ballisticduck.co.uk<br />

jüngeren Geschichte wiederfinden, „weil<br />

unsere Bewegung zu lange ohne eine<br />

solche Vielfalt an der Spitze geblieben ist,<br />

und dies der AHA die Tür öffnen würde,<br />

um ihr Potenzial als <strong>humanistisch</strong>e und<br />

antirassistische Institution wirklich<br />

auszuschöpfen“, sagte er. In einer immer<br />

noch von weißer CIS-Männlichkeit dominierten<br />

Welt könnten so mehr Frauen,<br />

LGBTI und Menschen mit nicht-weißer<br />

Hautfarbe als bisher für die Organisation<br />

gewonnen werden, so die Hoffnung.<br />

Speckhardt wird im Amt bleiben bis<br />

ein*e Nachfolger*in gefunden wurde.<br />

Über seine Zukunftspläne verriet er noch<br />

nichts. Im April wird sein nächstes Buch<br />

erscheinen. Er wird zudem einem neuen<br />

„Vorstandskomitee für Fortschritt“ der<br />

AHA angehören.<br />

Tauziehen<br />

Trotz eines Zwischenerfolgs geht das<br />

Bangen weiter: Ende Dezember hatte ein<br />

Hohes Gericht in der Hauptstadt Abuja<br />

die unverzügliche Freilassung Mubarak<br />

Balas, des Präsidenten der Humanistischen<br />

Vereinigung in Nigeria angeordnet.<br />

Im Beschluss hieß es, dass Balas<br />

seit April 2020 anhaltende Inhaftierung<br />

gesetzeswidrig ist. <strong>Das</strong> Gericht sprach<br />

ihm außerdem eine Entschädigung von<br />

umgerechnet 500 US-Dollar zu.<br />

Mubarak Bala<br />

Ungeachtet dieses Beschlusses wurde<br />

Bala bis Redaktionsschluss Mitte Februar<br />

festgehalten. Ende Januar reichte<br />

sein Anwaltsteam eine Petition für Balas<br />

Verlegung nach Abuja ein, um einen fairen<br />

Prozess zu gewährleisten. „Über acht<br />

Monate nach seiner Verhaftung befindet<br />

sich Bala weiterhin in Haft, ohne dass<br />

eine formale Anklage oder ein Gerichtsverfahren<br />

vorliegt. Muslimische Staatsbeamte<br />

in Kano haben sich verschworen,<br />

ihn zu inhaftieren, unter Missachtung<br />

der Verfassung und der Menschenrechte“,<br />

kommentierte der Repräsentant der<br />

Humanists Interntional, Religionswissenschaftler<br />

und Menschenrechtsaktivist<br />

im Süden Nigerias, Leo Igwe. Mehr zum<br />

Fall Mubarak Bala lesen Sie hier: <strong>humanistisch</strong>.net/40461<br />

Spitzentreffen mit<br />

HF-Vertreter*innen<br />

Am 5. Februar nahmen EHF-Präsident<br />

und HV-Vorstand Michael Bauer und Vizepräsidentin<br />

Lone Ree Milkaer an einem<br />

hochrangigen Treffen im Dialog mit Vertreter*innen<br />

der Europäischen Union teil.<br />

<strong>Das</strong> Treffen wurde von Kommissionsvizepräsident<br />

Margaritis Schinas und Parlamentsvizepräsidentin<br />

Roberta Metsola<br />

im Rahmen der regelmäßigen Konsultationen<br />

nach Artikel 17 des EU-Vertrags<br />

ausgerichtet.<br />

Die Themen der zweistündigen Diskussion<br />

waren Migration, Covid-19 und<br />

die europäische Lebensweise. Die beiden<br />

EHF-Vertreter*innen betonten die Bedeutung<br />

von Säkularität, Menschenwürde,<br />

Bildung und Wissenschaft für die Entwicklung<br />

Europas. Außerdem wiesen sie<br />

auf die besondere Situation von atheistischen<br />

und LGBTI-Flüchtlingen hin und<br />

forderten eine stärkere Berücksichtigung<br />

ihrer Situation im Asylverfahren. Weitere<br />

Themen in der Diskussion waren die<br />

Rechtsstaatlichkeit, die Verschlechterung<br />

der Frauenrechte sowie die Gesundheitsund<br />

Bildungsbedürfnisse von Kindern<br />

und Jugendlichen im Zuge der Pandemie.<br />

Sippenhaft für<br />

Mohammed Ismail<br />

Wollen sich die pakistanischen Regierungsbehörden<br />

an der Menschenrechtsaktivistin<br />

und <strong>humanistisch</strong>en Regimekritikerin<br />

Gulalai Ismail rächen? Wie<br />

die New York Times unter Berufung auf<br />

Gulalai Ismail und ihren Vater Mohammed<br />

Ismail berichtet, wurde dieser<br />

Anfang Februar erneut inhaftiert. Ihm<br />

werden Aufwiegelung und Terrorismusfinanzierung<br />

vorgeworfen – völlig haltlos,<br />

wie seine Tochter und andere Stellen<br />

erklären. Auch die „Menschenrechtskommission<br />

von Pakistan“, eine vom Staat unabhängige<br />

NGO, sagte zur Inhaftierung,<br />

das Verfahren sei eine „endlose Abfolge<br />

Mohammed Ismail<br />

von lächerlichen Anklagen, Verhaftungen<br />

und Gerichtsterminen, d. h. nichts weiter<br />

als eine plumpe Taktik, die auf seine<br />

Tochter abzielt.“<br />

Mohammed Ismail und seine Frau<br />

befanden sich gerade auf dem Weg der<br />

Genesung von einer Covid-19-Erkrankung.<br />

Gulalai Ismails Vater saß in den<br />

vergangenen 20 Jahren mindestens fünf<br />

Mal im Gefängnis, nachdem er begonnen<br />

hatte, sich gegen die islamistische Regierung<br />

und die Taliban auszusprechen. Im<br />

Oktober 2019 verbrachte er mehr als 30<br />

Tage hinter Gittern, weil er die Regierung<br />

verleumdet haben soll. Im Juli 2020<br />

weigerte sich ein Gericht jedoch, Anklage<br />

gegen ihn zu erheben, da für die Vorwürfe<br />

keine Beweise vorhanden gewesen seien.<br />

Anschließend wurden von den Behörden<br />

neue Anschuldigungen erhoben.<br />

Britische Humanist*innen<br />

wollen Impfung<br />

Eine Umfrage unter Mitgliedern und<br />

Unterstützer*innen der Humanists UK<br />

hat eine hohe Bereitschaft zur Impfung<br />

gegen Sars-CoV2/Covid19 ergeben. Auf<br />

die Frage „Wie wahrscheinlich ist es,<br />

dass Sie sich gegen das Coronavirus<br />

impfen lassen, wenn es angeboten wird“<br />

Hallo<br />

aus<br />

England!<br />

Drei Fragen an Alice Roberts,<br />

Evolutionsbiologin und Präsidentin<br />

der Humanists UK, und Andrew Copson,<br />

Direktor der Humanists UK, zu ihrem<br />

erfolgreichen „Little Book of Humanism“.<br />

Was war die Motivation, dieses<br />

Buch zusammenzustellen?<br />

AR, AC Es gibt großartige Bücher<br />

über den Humanismus als Philosophie,<br />

die von Philosoph*innen<br />

geschrieben wurden, aber wir waren<br />

beide der Meinung, dass es ein Buch<br />

braucht, das kurz und zugänglich ist<br />

und mehr vom Humanismus als aktivem<br />

Ansatz zum Leben handelt. Wir<br />

wollten ein Buch, das positiv ist, das<br />

von den positiven Überzeugungen und<br />

Werten und Meinungen ausgeht, die<br />

Humanist*innen haben. Und wir wollten<br />

ein Buch, das illustrativ ist, das<br />

also nicht nur unsere eigenen Worte,<br />

sondern die Vielfalt <strong>humanistisch</strong>en<br />

Denkens zu verschiedenen Themen<br />

zeigt.<br />

Wie würden Sie Humanismus<br />

definieren?<br />

AR, AC Ziemlich genau so, wie er<br />

schon immer definiert wurde! Der <strong>humanistisch</strong>e<br />

Ansatz zum Leben ist ein<br />

nicht-religiöser, der das Universum<br />

(einschließlich dieses Planeten und<br />

uns selbst) als natürliches Phänomen<br />

akzeptiert, die Wichtigkeit dieses<br />

erklärten 92 Prozent der Mitglieder, sich<br />

sehr wahrscheinlich impfen zu lassen.<br />

Weitere drei Prozent gaben an, sich ziemlich<br />

wahrscheinlich impfen zu lassen.<br />

Nur vier Prozent antworten, dass sie<br />

(ziemlich) wahrscheinlich keine Impfung<br />

wollen. Ein Prozent gab an, unentschieden<br />

zu sein. Zu den Gründen befragt,<br />

erklärten ein Prozent der Teilnehmenden,<br />

aus medizinischen Gründen wie z. B. frühere<br />

schwere allergische Reaktionen, auf<br />

eine Impfung verzichten zu wollen.<br />

einen Lebens, das wir haben, betont<br />

und sich verpflichtet, das Wohlergehen<br />

von Menschen und anderen<br />

empfindungsfähigen Tieren in den<br />

Mittelpunkt unserer moralischen Entscheidungsfindung<br />

zu stellen.<br />

Sie zitieren aus der UN-Menschenrechtserklärung.<br />

Warum?<br />

AR, AC Für uns ist sie eine der<br />

ultimativen Aussagen des Humanismus.<br />

<strong>Das</strong> liegt nicht nur daran, dass<br />

Humanist*innen an ihrer Abfassung<br />

beteiligt waren, obwohl das natürlich<br />

viele waren und sie zu den Hauptakteur*innen<br />

bei der Schaffung der<br />

Menschenrechte als Rechtskonzept<br />

gehörten. Es liegt vor allem daran,<br />

dass sich die Erklärung auf Werte<br />

stützt, die unabhängig von „Stamm“,<br />

Ethnie, Glauben oder Kultur geteilt<br />

werden können. Sie beruhen auf Beobachtungen<br />

menschlicher Bedürfnisse,<br />

die universell sind, und das ist eine<br />

sehr <strong>humanistisch</strong>e Idee.<br />

<strong>Das</strong> komplette Interview können Sie hier<br />

lesen: <strong>humanistisch</strong>.net/40468<br />

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