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humanistisch! Das Magazin #13 - 2/2021

Lach doch mal - Wie gut vertragen sich Humanismus und Humor?

Lach doch mal - Wie gut vertragen sich Humanismus und Humor?

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Gibt es einen <strong>humanistisch</strong>en Witz?<br />

Marco Schrage macht sich auf die Suche, stößt<br />

auf humoristische Abgründe und schöpft Mut<br />

in bunten Fantasywelten.<br />

Lach doch mal<br />

Illustrationen: © Martin Rollmann<br />

<strong>#13</strong> / April <strong>2021</strong> <strong>humanistisch</strong>!<br />

M<br />

an sagt sozialen Netzwerken gerne nach,<br />

dass Menschen dort im Grunde nichts<br />

Neues lernten. Wer sich eine Weile dort<br />

bewegt, heißt es, wer sich zu diesen Themen äußert<br />

und jene Werbung anklickt, bekommt vor allem das<br />

angezeigt, was einem ohnehin schon gefällt. Echokammer-Effekt<br />

nennt man das dann. Feeds auf<br />

Social Media sind demzufolge vor allem der Widerhall<br />

des eigenen Selbst. Zufallsbegegnungen und<br />

überraschende Erkenntnisse, für all das mag es<br />

den jeweils passenden Ort geben, nur auf Facebook<br />

und Co. findet man den eben nicht.<br />

Sie, liebe*r Leser*in, dürfen deshalb also ruhig<br />

über meine persönlichen Vorlieben spekulieren,<br />

wenn ich Ihnen jetzt erzähle, dass in meinen Facebook-Feed<br />

kürzlich das recht kuriose Video eines<br />

fast 100-jährigen US-Amerikaners gespült wurde.<br />

Dieser Mann, etwas füllig und leicht lispelnd,<br />

erzählte einen Witz. Der allein wäre – es ist eine<br />

anzügliche kleine Geschichte über einen jüdischen<br />

Varieté-Künstler in Kansas City, der mit einem<br />

bestimmten und ungewöhnlich großen Körperteil<br />

Walnüsse zertrümmert – nun nicht weiter der Rede<br />

wert, würde er nicht von einem interessanten Kommentar<br />

begleitet: „Für mich verkörpert er [der Witz,<br />

Anm. d. A.] alles, was man von einem ‚jüdischen‘<br />

Witz erwartet“, stand da. Und weiter: „Er schafft<br />

es, das Gefühl der Besonderheit, des Andersseins<br />

mit dem Elan eines übergroßen und ungewöhnlichen<br />

Talents zu kombinieren, und untergräbt das<br />

Ganze noch durch eine unerwartete Schwäche.“<br />

Auf der Suche<br />

Es waren nur diese zwei Sätze, die mich, als ob sie<br />

alles eingangs Erwähnte Lügen strafen wollten,<br />

tatsächlich auf neue Ideen brachten. In dieser<br />

Kürze sehr prägnant und klar definierten sie nämlich,<br />

was „jüdischen“ Witz ausmachen könnte. Vor<br />

allem aber, und da wurde es für mich interessant,<br />

weil ich mich für diese Ausgabe unserer Zeitschrift<br />

schon mit <strong>humanistisch</strong>em Humor zu beschäftigen<br />

begann, warfen sie die Frage auf, ob sich Ähnliches<br />

auch über <strong>humanistisch</strong>en Witz sagen, ob auch er<br />

sich in dieser Kürze typisieren und beschreiben<br />

ließe. Und wenn: Wie sähe ein <strong>humanistisch</strong>er Witz<br />

dann aus? Ich begann zu suchen.<br />

Um das Ergebnis meiner Suche vorwegzunehmen:<br />

Fündig geworden bin ich nicht so richtig.<br />

Weder wurden über <strong>humanistisch</strong>en Humor Bücher<br />

geschrieben – über jüdischen oder jiddischen<br />

Witz hingegen sind es mehr als ich zählen kann –,<br />

noch gibt es in sozialen Netzwerken, wo Menschen<br />

einander sogar „deutsche Witze“ erzählen (sie sind<br />

nicht lustig und drehen sich oft um Autos), Seiten<br />

oder Gruppen, die sich einem wie auch immer<br />

gearteten <strong>humanistisch</strong>en Witz widmen würden.<br />

Humor und Humanismus, so mag es scheinen,<br />

gehören einfach nicht zusammen. Sie tun es in gewisser<br />

Weise natürlich sehr wohl, nur in einer viel<br />

weniger augenfälligen Art und Weise.<br />

Witz und Aggression<br />

Vielleicht liegt es daran, dass <strong>humanistisch</strong>e Themen<br />

so schwer sind und in Deutschland in aller Regel<br />

ebenso wenig über solche Themen gelacht wird<br />

wie wissenschaftliche Arbeiten in einer allgemeinverständlichen<br />

Sprache geschrieben sein dürfen<br />

– das wichtige Anliegen wäre diskreditiert und die<br />

Abhandlung unwissenschaftlich. Wo man sonst<br />

sich von göttlichen Autoritäten verabschiedet hat,<br />

hält man doch den heiligen Ernst in Ehren. Selbstironie<br />

oder Albernheiten verbieten sich geradezu.<br />

Oft ist im organisierten Humanismus hierzulande<br />

von hohen Werten die Rede, von Menschenwürde,<br />

Gleichberechtigung, Toleranz und Vernunft zum<br />

Beispiel. Sie alle sind wichtig, keine Frage, doch<br />

von Humor spricht fast niemand.<br />

Es ist jetzt fast drei Jahre her, ich war gerade<br />

am zweiten Abend des HumanistenTag 2018 in<br />

Nürnberg im Einsatz, da kündete ich, die Begleitung<br />

von Events auf sozialen Medien gehört<br />

mittlerweile ja zum guten Ton der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,<br />

den Auftritt des Kabarettisten<br />

Vince Ebert mit einem Tweet an. „Vince Ebert eröffnet<br />

den Humoristentag 2018“, behauptete ich da,<br />

in aller gebotenen Kürze, schon müde von einem<br />

langen Tag und sicher nicht mathematisch präzise.<br />

Zugegeben, ich habe schon bessere Witze in meinem<br />

Leben gemacht als in dieser spezifischen Situation<br />

(es waren nicht viele, aber immerhin), und<br />

doch schien mir die Antwort, die ich wenig später<br />

auf meinen Wortwitzversuch erhielt, so unangemessen<br />

wie bezeichnend: „Vince Ebert hat den Humanistentag<br />

nicht eröffnet, das war gestern Abend<br />

Prof. Heiner Bielefeldt. Ebert hat den heutigen Tag<br />

mit seiner Kabarett-Vorstellung ausklingen lassen.<br />

Seid Ihr eigentlich bei Eurer eigenen Veranstaltung<br />

dabei??“<br />

Klar, der User, der mir nach etwa drei Stunden<br />

antwortete, hatte ja recht. Vince Ebert hatte den<br />

Humanistentag nicht eröffnet. Nun wurde das in<br />

dem Tweet auch gar nicht behauptet, doch sollen<br />

derlei Textdiskussionen das Thema hier nicht<br />

sein. Bezeichnend scheint mir eher der belehrende<br />

bis zurechtweisende Ton der Antwort, der in der<br />

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