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Maerz 2021

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23. Jahrgang<br />

März <strong>2021</strong><br />

2,10 €, davon 1,- €<br />

für den Verkäufer<br />

UNABHÄNGIGE STRASSENZEITUNG FÜR FREIBURG UND DAS UMLAND<br />

ZUR UNTERSTÜTZUNG VON MENSCHEN IN SOZIALEN NOTLAGEN<br />

IM GESPRÄCH MIT...<br />

Ramona Anreich vom Freiburger Späti<br />

900 JAHRE ARMUT IN FREIBURG<br />

Armenwesen und Pflege in Freiburg (Teil 3)<br />

VON MUND ZU MUND<br />

Geschichten verbreiten sich wie Viren<br />

...darf nicht<br />

sterben!


INHALT<br />

3<br />

VORWORT<br />

23<br />

VERKÄUFERVORSTELLUNG<br />

4<br />

RECHT AUF STADT<br />

24<br />

BUCHVORSTELLUNGEN<br />

6<br />

STREETPEOPLE<br />

25<br />

KOCHEN<br />

10<br />

IM GESPRÄCH MIT...<br />

26<br />

SPORT<br />

12<br />

900 JAHRE ARMUT IN FREIBURG<br />

28<br />

KRIMI 12. FOLGE<br />

18<br />

VON MUND ZU MUND<br />

30<br />

RÄTSEL<br />

20<br />

NO BASEMENT<br />

31<br />

ÜBER UNS<br />

22<br />

EIN TURBULENTES JAHR<br />

OHNE IHRE UNTERSTÜTZUNG<br />

GEHT ES NICHT<br />

Liebe LeserInnen,<br />

um weiterhin eine<br />

interessante Straßenzeitung<br />

produzieren und Menschen<br />

durch ihren Verkauf einen<br />

Zuverdienst ermöglichen<br />

zu können, benötigen<br />

wir Ihre Hilfe.<br />

Vielen Dank!<br />

Spendenkonto:<br />

DER FREIeBÜRGER e. V.<br />

IBAN: DE80 6809 0000 0002 4773 27<br />

BIC: GENODE61FR1<br />

Denken Sie bitte daran, bei einer Überweisung Ihren Namen<br />

und Ihre Anschrift für eine Spendenbescheinigung anzugeben.<br />

2<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong>


Liebe LeserInnen,<br />

so schnell kann es gehen, gerade hatten wir noch<br />

zweistellige Minusgrade und meterhohen Schnee und<br />

jetzt halten Sie bereits die erste Frühlingsausgabe des<br />

FREIeBÜRGER in der Hand. Das ging zwar diesmal ziemlich<br />

schnell mit der Umstellung von kalt auf warm, aber<br />

der Winter war diesmal auch wirklich kalt und lang<br />

genug!<br />

Am letzten Samstag beim FREIeBÜRGER-Verkauf hatte<br />

ich dann gleich mein erstes Frühlingserlebnis: Ich stand<br />

wie immer am Kornhaus, als zwei Polizeipferde auf mich<br />

zukamen. Auf ihnen saßen zwei völlig unnahbare Polizistinnen,<br />

die wohl auf dem Markt nach dem Rechten schauen<br />

wollten. Doch dann blieb das eine Pferd direkt vor mir<br />

stehen und setzte mir zwei dicke Äpfel vor die Nase. Als<br />

die beiden weiterreiten wollten dachte ich natürlich, die<br />

hätten es nicht bemerkt. Also wies ich sie höflich darauf<br />

hin, dass sie etwas verloren hätten. Keine Reaktion! Doch<br />

als sie nach einer Weile zurückkamen dachte ich, sie würden<br />

jetzt für Ordnung sorgen. Aber nein, sie ritten wieder<br />

weiter. Nun kann ich mir natürlich nicht vorstellen, dass<br />

die in Zukunft mit Eimer und Schaufel auf Streife reiten,<br />

aber die sollten sich da schon was einfallen lassen. Auch<br />

wer auf dem hohen Ross sitzt, muss seinen Mist wegmachen!<br />

Würde ein(e) HundebesitzerIn so handeln, würde es<br />

im Stadtkässchen klingeln...<br />

Themawechsel: Ab 8. März dürfen wir wieder nach Herzenslust<br />

durch die Stadt schlendern und shoppen, bis die<br />

Läden leer sind. Wir dürfen stundenlang beim Friseur<br />

sitzen, tratschen und uns nebenbei die Haare schneiden<br />

lassen. Und vielleicht dürfen wir ja auch bald wieder im<br />

Restaurant essen... Auf jeden Fall haben wir dann ein<br />

Stück Normalität wieder. Ich hoffe nur, dass die Leute es<br />

nicht übertreiben und es nicht nur eine kurze Normalität<br />

sein wird.<br />

Als nächstes stehen am 14. März die Landtagswahlen<br />

an und ich hoffe, dass so viele Menschen wie möglich<br />

wählen gehen und dafür sorgen, dass der Landtag wieder<br />

ein politisches Gremium wird und nicht gänzlich zum<br />

Theater verkommt. Denn solange die AfD in einem Parlament<br />

sitzt, kann da wohl niemand vernünftig arbeiten.<br />

Am Politik machen sind die ja gar nicht interessiert, das<br />

sagen sie ja auch selbst – sie wollen nur die stärkste<br />

Oppositionspartei sein. Also nicht aktiv regieren, sondern<br />

aktiv alles was die Regierung macht in Frage stellen<br />

und andere PolitikerInnen beschimpfen und beleidigen.<br />

Und dazu noch lügen, bis sich die Balken biegen und die<br />

größten Unruhen anzetteln. Im bisherigen Pandemieverlauf,<br />

der sich ja nun schon ein Jahr hinzieht, habe ich von<br />

denen noch nicht einen konstruktiven Vorschlag gehört.<br />

Im Gegenteil: Sie prangern Grundrechtsverletzungen an,<br />

unterstellen der Regierung unterschwellig eine Mitschuld<br />

an der Pandemie zu haben usw. Mit ihren Lügen und<br />

Beleidigungen sind sie schnell auf den Zug der Quer- und<br />

Nichtdenker aufgesprungen und steuern den schon mit.<br />

Anders kann ich mir nicht vorstellen, warum Alice Weidel<br />

im Netz postet, dass in Überlingen (Tübingen) ein städtischer<br />

Mitarbeiter absichtlich ohne Maske beim Bäcker<br />

eingekauft hat, um später dem Bäcker ein Bußgeld von<br />

2.500 Euro aufs Auge zu drücken?! Sie hat wohl später<br />

eingeräumt, dass es falsch sei, aber es stand nun mal im<br />

Netz und ihre QuerdenkerInnen haben es schnell verbreitet.<br />

Oder Thomas Seitz, der sitzt sogar im Bundestag. Er<br />

war einer der größten Leugner der Krankheit, machte sich<br />

einen Spaß daraus, im Bundestag mit Löchermaske aufzutreten.<br />

Im Dezember hat es ihn dann selbst erwischt,<br />

er lag vier Wochen in der Klinik und war eine Weile in<br />

Lebensgefahr. Statt demütig den Ärzten zu danken gibt er<br />

Interviews, in denen er die Gefährlichkeit des Virus immer<br />

noch herunterspielt. Das Virus gebe es, aber es sei keine<br />

Pandemie und kein Grund zur Panik. Im Übrigen habe<br />

seine Partei als erstes vor Covid gewarnt...(?) Machen Sie<br />

sich Ihr Bild und gehen Sie wählen. Wir tun es!<br />

Liebe LeserInnen, vielen Dank, dass Sie den FREIeBÜRGER<br />

gekauft haben! Sie unterstützen damit unsere VerkäuferInnen<br />

und ein sehr wichtiges Projekt in Freiburg.<br />

Viel Spaß beim Lesen!<br />

Carsten<br />

BREAKING<br />

NEWS<br />

Unsere Webseite ist<br />

- ONLINE -<br />

Wir freuen uns auf<br />

Ihren Besuch!<br />

www.frei-e-buerger.de<br />

In eigener Sache<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong> 3


FREIBURG – STADT FÜR ALLE?!<br />

AUFRUF ZUM HOUSING ACTION DAY <strong>2021</strong><br />

Wie wollen wir leben?<br />

Gemeinsam für eine solidarische Stadt!<br />

Noch ist ein langer harter Winter im Zeichen der Pandemie,<br />

aber bald kommt der Frühling. Zeit für Träume und<br />

Visionen, Zeit für Protest und Widerstand. Lasst uns gemeinsam<br />

kämpfen für eine solidarische Stadt: Macht mit<br />

beim Housing Action Day <strong>2021</strong> am 27. März!<br />

HERAUS AUS DER KRISE<br />

Eine würdevolle und sichere Wohnung ist die dritte Haut<br />

jedes Menschen und ein Grundbedürfnis. Während Menschen<br />

mit einer Wohnung zuhause bleiben können, um<br />

solidarisch die Pandemie zu bekämpfen, können sich<br />

Wohnungslose auf der Straße und Geflüchtete in ihren<br />

Massenunterkünften kaum vor Corona schützen. Die<br />

häusliche Gewalt gegen Frauen nimmt zu. Während Immobilienkonzerne<br />

weiter hohe Renditen erzielen, müssen<br />

MieterInnen in Kurzarbeit oder verlieren ihre Jobs ganz.<br />

Die schon zuvor zu hohen Mieten werden unbezahlbar.<br />

Auch BetreiberInnen von Kleingewerbe kämpfen um ihr<br />

Überleben. Während der Staat große Wirtschaftsbetriebe<br />

mit milliardenschweren Rettungspaketen unterstützt,<br />

wird die Kulturszene in den Lockdown geschickt. In der<br />

Krise verschärft sich die soziale Frage und damit auch die<br />

Mieten- und Wohnungskrise. Die Kluft zwischen Privilegierten<br />

und Nicht-Privilegierten wird tiefer und breiter.<br />

Das wollen wir nicht hinnehmen.<br />

DESHALB FORDERN WIR:<br />

• Wohnungen für alle! Wohnungslose und Geflüchtete in<br />

Wohnungen oder Hotels unterbringen! Leerstand beenden!<br />

Besetzungen legalisieren! Mehr Plätze in Frauenhäusern!<br />

Zwangsräumungen, Versorgungssperren und Kündigungen<br />

verhindern!<br />

• Mietschulden erlassen! Wohnraum, Kleingewerbe, Kulturszene<br />

und soziale Zentren sichern! Keine Subventionen<br />

für hohe Mieten und FinanzinvestorInnen!<br />

• Mieten senken – Gewinne umverteilen!<br />

Höchstmieten festsetzen! Krisengewinne abschöpfen –<br />

Sonderabgabe zur Bewältigung der Corona-Krise!<br />

• Bodenspekulation beenden – Wohnungskonzerne<br />

vergesellschaften! Wohnraum und Boden dürfen keine<br />

Ware sein!<br />

RECHT-AUF-STADT-NEWSLETTER<br />

Mit unserem RaS-Newsletter<br />

informieren wir einmal im Monat<br />

über„Recht auf Stadt“-Themen.<br />

Wer Infos will, einfach E-Mail an:<br />

info@rechtaufstadt-freiburg.de<br />

Homepage: www.rechtaufstadt-freiburg.de<br />

ZUSAMMEN KÄMPFEN FÜR EINE SOLIDARISCHE STADT<br />

Die Stadt als unser Lebensumfeld soll unsere Bedürfnisse<br />

widerspiegeln. Wir brauchen eine Stadt, in der das<br />

Glück und das Leben der Vielen mehr zählt als das Streben<br />

nach Macht und der Reichtum von wenigen. Trotz<br />

der Pandemie gibt es starke Antworten. Wir kämpfen zusammen<br />

mit „Deutsche Wohnen & Co. enteignen!“ für<br />

die Vergesellschaftung von Immobilienkonzernen und<br />

unterstützen die Forderungen nach einem bundesweiten<br />

Mietenstopp/Mietendeckel. Wir begrüßen die Arbeit<br />

von MieterInnenvereinen und unterstützen den Aufbau<br />

von MieterInnen-Gewerkschaften und anderen Formen<br />

der Organisierung von unten. Wir sind an der Seite aller<br />

Gruppen, die sich für eine antirassistische, feministische,<br />

klimagerechte und barrierefreie Stadt einsetzen und rufen<br />

dazu auf, unsere Kämpfe zusammen zu führen. Vernetzen<br />

wir uns, um gemeinsam diese Stadt zu gestalten!<br />

Auch über die Miet- und Wohnungsfrage hinaus fragen<br />

wir: Wie wollen wir gemeinsam leben? In einer Stadt<br />

u. a. mit einer gerechten Verteilung der Ressourcen und<br />

der gesicherten Erfüllung unserer Grundbedürfnisse...<br />

Träumt, spinnt Visionen und baut mit an der solidarischen<br />

Stadt!<br />

Wir sehen uns beim Housing Action Day <strong>2021</strong>!<br />

Aktionsbündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn<br />

/ housing-action-day.net<br />

AKTIONEN IN FREIBURG AM 27. MÄRZ:<br />

• 14:00 Uhr Kundgebung in Freiburg-Weingarten<br />

(Fritz-Schieler-Platz)<br />

• 14:30 Uhr Mietpolitischer Stadtteilspaziergang durch<br />

Freiburg-Weingarten<br />

Bitte tragt auf der Kundgebung und dem Stadtteilspaziergang<br />

eine FFP2-Maske und haltet ausreichend Abstand<br />

zueinander!<br />

4<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong>


STADT-FÜR-ALLE-NACHRICHTEN ( RÜCKBLICK VOM 15. JANUAR BIS 15. FEBRUAR )<br />

[FR] ETWAS WENIGER ANTI-ARMEN POLIZEI<br />

Im Rahmen der Kürzungen im städtischen Haushalt<br />

scheint es im Gemeinderat eine Mehrheit dafür zu geben,<br />

die Stellenerweiterung für den Kommunalen Vollzugsdienst<br />

wieder rückgängig zu machen. Sechs der 17 Stellen<br />

sollen wieder wegfallen. Der Tätigkeitsschwerpunkt des<br />

Vollzugsdienstes ist das Vorgehen gegen Obdachlose,<br />

Menschen, die gezwungen sind zu betteln, und StraßenmusikerInnen.<br />

Die Kürzung geht in die richtige Richtung.<br />

Weiter bleibt aber die Forderung: Armut statt Arme bekämpfen,<br />

Kommunalen Vollzugsdienst abschaffen!<br />

[FR] RÄUMUNG VON UNGENUTZTEM BUNKER<br />

Im seit Jahren leerstehenden Schlossbergbunker hatten<br />

sich neun Obdachlose eingerichtet, um bei der Winterkälte<br />

ein Dach über dem Kopf zu haben. AnwohnerInnen denunzierten<br />

sie wohl und die Polizei räumte am 11. Februar<br />

den Bunker. Die Betroffenen bekamen noch nicht einmal<br />

die Zeit, ihr Hab und Gut einzupacken.<br />

[FR] REPRESSION GEGEN SPÄTI<br />

Im Juni muss der erste Freiburger Späti seine bisherigen<br />

Räumlichkeiten im Stühlinger verlassen. Nun droht das<br />

Ordnungsamt dem „Bis Späti“ auch noch mit einem<br />

Ausschankverbot ab 22 Uhr ab März. Die Stadtverwaltung<br />

scheint weiterhin nur auf die GegnerInnen eines lebendigen<br />

Stadtquartiers hören zu wollen. Im Viertel gibt es<br />

viele Stimmen, die sich für den Späti ausgesprochen haben.<br />

Innerhalb der Stadtverwaltung scheint es aber weiter<br />

wenig Toleranz für kommunikatives Nachtleben zu geben.<br />

„Bis Späti“ würde gerne im Stühlinger bleiben und sucht<br />

neue Räume.<br />

[FR] SCHUTZSCHILD FÜR MIETERINNEN<br />

Das Freiburger Mietenbündnis fordert in einem offenen<br />

Brief an Oberbürgermeister Martin Horn ein Schutzschild<br />

für Freiburger MieterInnen gegen die Folgen der<br />

Corona-Pandemie. Die Freiburger Stadtbau GmbH solle<br />

Stundungsangebote machen, Zwangsräumungen sollten<br />

unterbleiben. Laut Stadtbau ist das Praxis: „Der Anteil der<br />

Mieterinnen und Mieter, die unser Angebot der Mietstundung<br />

oder Ratenzahlungen in Anspruch nehmen,<br />

liegt unter einem Prozent.“ Wenn es keine „Mietausfälle“<br />

gibt, heißt das aber noch lange nicht, dass die MieterInnen<br />

kein Problem haben, die Miete zu zahlen. Sie sparen<br />

wahrscheinlich woanders. Das Mietenbündnis fordert,<br />

dass sich der OB auch an andere VermieterInnen wenden<br />

und dort einen Mieterhöhungsverzicht und ein soziales<br />

Stundungsangebot einfordern soll.<br />

[FR] BAUMFÄLLUNGEN IM METZGERGRÜN<br />

Im Freiburger Quartier Im Metzgergrün zieht die Stadtbau<br />

entgegen dem Willen der Mehrheit der bisherigen<br />

BewohnerInnen ihre Abriss- und Neubaupläne durch.<br />

Dabei lassen es Stadt und Stadtbau an Transparenz fehlen.<br />

Einige der geliebten Wirtschaftsgärten der BewohnerInnen<br />

wurden ohne Vorwarnung gekündigt. Bei der<br />

Bachumlegung im Zuge der Baumaßnahmen wird auf<br />

ein Planfeststellungsverfahren verzichtet. Die IG Metzgergrün<br />

kritisiert, dass auch unnötig viele Bäume gefällt<br />

werden sollen, statt den alten Baumbestand in die Pläne<br />

zu integrieren.<br />

[FR] 20 FFP2-MASKEN FÜR HARTZ IV-BEZIEHER<br />

Im Fall eines Arbeitssuchenden hat das Sozialgericht<br />

Karlsruhe in einer Eilentscheidung verfügt, dass das<br />

Jobcenter zusätzlich zum Regelsatz entweder als Sachleistung<br />

wöchentlich 20 FFP2-Masken verschicken oder<br />

als Geldleistung hierfür monatlich weitere 129 € zahlen<br />

muss. Es bestätigte damit einen unabweisbaren Hygienebedarfs<br />

an FFP2-Masken bis zum Sommeranfang.<br />

Ohne Mund-Nasen-Bedeckungen dieses Standards seien<br />

BezieherInnen von Grundsicherungsleistungen in ihrem<br />

Grundrecht auf soziale Teilhabe in unverhältnismäßiger<br />

Weise beschränkt. Nach drei Monaten Lockdown müssten<br />

Arbeitssuchende wieder am Gemeinschaftsleben in einer<br />

dem sozialen Existenzminimum entsprechenden Art und<br />

Weise teilnehmen können.<br />

[FR] KEINE DATEN FÜR DIE BUNDESWEHR!<br />

Beim Werben fürs Sterben macht die Bundeswehr auch<br />

bei Minderjährigen keinen Halt. Sie schickt JugendoffizierInnen<br />

in Schulen und schreibt jährlich Jugendliche<br />

an, die im Folgejahr 18 werden. Die dafür notwendigen<br />

Daten übermittelt die Stadt Freiburg, genau wie andere<br />

Gemeinden, an die Bundeswehr. Dieser Datenweitergabe<br />

kann widersprochen werden. Wer dem Jahrgang 2004<br />

angehört und keine Übermittlung seiner Daten wünscht,<br />

sollte dies dem Amt für Bürgerservice und Informationsmanagement<br />

bis Montag, 15. März, mitteilen.<br />

POLIZEIEINSATZ IN LEA ELLWANGEN WAR RECHTSWIDRIG<br />

Als 2018 in der Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA)<br />

Ellwangen eine Abschiebung verhindert wurde, folgte<br />

eine bundesweite Medienhetze gegen Flüchtlinge. Nur<br />

drei Tage später stürmten dann um 5:15 Uhr 500 PolizistInnen<br />

die LEA und drangen gewaltsam in die Zimmer ein.<br />

Dieser Polizeigroßeinsatz war rechtswidrig. Das stellte<br />

nun auch das Verwaltungsgericht Stuttgart fest. Allerdings<br />

stufte das Gericht den Polizeieinsatz hauptsächlich<br />

wegen der Uhrzeit als unverhältnismäßig ein. Die Zimmer<br />

in der LEA seien aber nicht durch das Grundrecht auf<br />

Unverletzlichkeit der Wohnung geschützt. Die Zimmer<br />

seien eher mit Hafträumen vergleichbar. Die LEA sei nach<br />

Polizeigesetz ein „gefährlicher Ort“. Das Gericht bestätigt<br />

und verteidigt damit die rassistische Entrechtung der<br />

Schutzsuchenden in den Flüchtlingslagern. Unsere Forderung<br />

bleibt: Wohnungen für alle! Lager schließen!<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong> 5


StreetPeople<br />

ANN LORENZ<br />

Bereichsleiterin der<br />

Freiburger StraßenSchule<br />

6<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong>


ANN LORENZ<br />

„Menschen haben jederzeit das Recht, ihr Leben frei zu gestalten.“<br />

Diesmal durfte ich mich mit Ann Lorenz und Christine<br />

Devic von der Freiburger StraßenSchule unterhalten. Wir<br />

kannten einander bereits aus vergangener Zusammenarbeit<br />

und ich habe unser Gespräch sehr genossen. Das<br />

Team dieser Institution besteht aus insgesamt sieben<br />

SozialarbeiterInnen und einer Psychologin. Ann ist Teamleiterin.<br />

Sie ist zuständig für Organisation und Koordination<br />

und somit auch die Schnittstelle aller Projekte.<br />

Christine ist für die Öffentlichkeitsarbeit, das Fundraising<br />

und die Fördermittelakquise verantwortlich. Doch was<br />

genau ist eigentlich die Freiburger StraßenSchule?<br />

Fähigkeit und Potenzial an die Oberfläche getragen werden.<br />

Die heutige WerkstattSchule unterscheidet sich nicht<br />

wesentlich von der Ursprungsidee und wurde in Kooperation<br />

mit dem Mundenhof immer wieder um Teilprojekte<br />

erweitert.<br />

Sie ist eine soziale Einrichtung für Jugendliche und junge<br />

Erwachsene zwischen 15 und 27 Jahren, die hier in<br />

Freiburg mit verschiedenen Angeboten wohnungslose<br />

Menschen und Menschen in prekären Wohnsituationen<br />

begleitet.<br />

Die Freiburger StraßenSchule ist eine seit 1997 bestehende<br />

Einrichtung des SOS-Kinderdorf Schwarzwald in<br />

Kooperation mit dem Freiburger StraßenSchule e. V. Sie ist<br />

anerkannt als gemeinnützig, mildtätig und als Träger der<br />

Freien Jugendhilfe. Das heutige Präventivprogramm, die<br />

WerkstattSchule, entspricht dem Ursprungsprojekt dieser<br />

Institution. Ihr Gründer hatte unter anderem diese Idee<br />

aus Südamerika mitgebracht. Wesentlich ging es darum,<br />

SchülerInnen mit Konzentrations- und Lernschwächen<br />

positive Erlebnisse im Schulalltag ermöglichen zu können.<br />

Im Prinzip handelt es sich dabei um ein arbeitspädagogisches<br />

Projekt, bei dem durch handwerkliches Schaffen<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong> 7


In unserem Gespräch ist mir aufgefallen, dass ich die<br />

Projekte WerkstattSchule und Kreativwerkstatt zunächst<br />

gedanklich miteinander verbunden hatte. Ann erklärte<br />

mir sodann, dass dies zwei unterschiedliche Projekte<br />

mit verschiedenen Zielgruppen seien. Das Präventivprojekt<br />

WerkstattSchule richte sich im Gegensatz zu<br />

allen anderen Angeboten speziell an SchülerInnen der<br />

Albert-Schweizer-Schule III. Es gebe dort zwei verschiedene<br />

Gruppen, bestehend aus je sechs Kindern im Alter von<br />

8 bis 12 Jahren sowie einem Lehrer, der innerhalb dieser<br />

Betreuung auch in einer anderen Rolle als der des Lehrkörpers<br />

anerkannt werde.<br />

Die korrekte Bezeichnung für die Kreativwerkstatt ist Kreativraum<br />

„Galerie UpArt“. Und das erscheint mir logisch,<br />

denn in der Tat ist dies auch ein Raum, der direkt an die<br />

Anlaufstelle für wohnungslose junge Menschen angedockt<br />

ist. Zudem ist er jederzeit zugänglich und lediglich<br />

an drei Tagen in der Woche durch einen Sozialarbeiter<br />

betreut. Was beide Projekte – das Präventivprojekt für<br />

Kinder und das Kreativprojekt für bereits wohnungslose<br />

Jugendliche – gemein haben, ist die Abkehr von einer Problemzentrierung.<br />

Es gehe um das Gestalten, das Erschaffen<br />

und um das Entdecken von Kreativität und künstlerischem<br />

Potential. Gerade in diesem Kreativraum könne<br />

man sehr schnell positive Ergebnisse erzielen. Darüber<br />

hinaus sei dies für die Jugendlichen eine wunderbare<br />

Möglichkeit Dinge aufzuarbeiten, die oftmals verbal nicht<br />

auszudrücken seien. Die „Galerie UpArt“ ist jedoch nur<br />

eines der vielen Projekte der Freiburger StraßenSchule,<br />

welches die Möglichkeit zu einer Alltagsbewältigung bietet.<br />

Ann ist in ihrem Element, wenn sie mir davon erzählt.<br />

Zwar stünde sie aufgrund ihrer Position nur noch sehr<br />

punktuell in der Praxis, jedoch sei es ihr sehr wichtig zu<br />

sehen, wie alles laufen würde. Ich verstehe, dass es ihr<br />

dabei nicht um Kontrolle geht, sondern vielmehr darum,<br />

die jungen BesucherInnen persönlich zu kennen oder besser<br />

ausgedrückt, dass man sich überhaupt gegenseitig<br />

kennt. Sie muss Entscheidungen treffen, die oftmals auch<br />

schwerwiegende Folgen haben können und das möchte<br />

sie nach bestem Wissen und Gewissen tun. Dass Ann<br />

sodann doch mehr Praxisnähe hat, als sie selbst angibt,<br />

bestätigt mir sodann Christine. Sie könne das hervorragend<br />

managen und es sei ihr äußerst wichtig, diese Nähe<br />

zu wahren. Diesen Eindruck gewinne auch ich, während<br />

ich mich mit ihr unterhalte, und ich möchte gerne mehr<br />

über die Person Ann Lorenz und ihre Motivation erfahren,<br />

mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu arbeiten.<br />

8<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong>


Seit ca. fünf Jahren ist sie nun bei der Freiburger StraßenSchule<br />

dabei. Zuvor habe sie hier in Freiburg Soziale<br />

Arbeit studiert und sei danach ins Ausland gegangen.<br />

Bereits in ihrer Schulzeit habe sie viel in der Jugendarbeit<br />

geleistet und es wäre ihr bereits sehr früh klar gewesen,<br />

dass genau das ihr berufliches Ziel sei. Nach ihrem Studium<br />

reiste sie jedoch zunächst nach Peru, um dort für die<br />

Caritas das Freiwilligenprogramm aufzubauen und zu<br />

koordinieren und eigentlich habe sie vorgehabt, danach<br />

gleich wieder nach Deutschland zurückzukehren. Manchmal<br />

jedoch scheint es so, dass sich unsere Vorhaben ab<br />

und an auf wundersame Weise anders gestalten als<br />

gedacht. Denn aus dem Plan, nach abgeschlossenem Studium<br />

lediglich kurzfristig etwas anderes zu machen, wurde<br />

ein doch längerfristiger Aufenthalt in einem fremden<br />

Land. Dies mag nicht zuletzt auch daran gelegen haben,<br />

dass Ann in Peru ihren heutigen Ehemann kennenlernen<br />

durfte.<br />

Ganze zwei Jahre später entschlossen sich sodann beide<br />

dazu, gemeinsam nach Deutschland zu kommen.<br />

Es sei ihr nicht schwer gefallen Freiburg auszuwählen,<br />

da sie sich hier immer sehr wohl gefühlt habe. Auf der<br />

Suche nach einer neuen Arbeitsstelle fand sie die Freiburger<br />

StraßenSchule. Obwohl sie am Anfang keine Ahnung<br />

gehabt habe, auf was sie sich da einlassen würde, sei das<br />

aus beruflicher Sicht die beste Wahl gewesen. Diesen Eindruck<br />

gewinne auch ich, wenn ich Ann dabei beobachte,<br />

mit welcher Begeisterung sie von ihrer Arbeit erzählt.<br />

In meinen Gesprächen interessiert mich ebenfalls, was<br />

die Menschen an ihrer Arbeit fasziniert und motiviert.<br />

So frage ich natürlich auch Ann danach. „Das Gefühl,<br />

etwas absolut Sinnvolles zu machen,“ sagt sie. Sie könne<br />

zu 100 % hinter dem stehen, was sie hier leisten würde.<br />

Jeden Tag aufs Neue könne sie sehen, was bei den Menschen<br />

hier ankommen würde, auch dann, wenn schwierige<br />

Themen und Entscheidungen anstehen und natürlich<br />

die Erfahrung dessen, was von den Menschen zurückkomme,<br />

zum Teil direkt und auch durch ihr Team.<br />

Besonders attraktiv sei für sie jedoch die Individualität<br />

dieser Arbeit. Direkt auf jeden einzelnen Menschen eingehen<br />

zu können wäre etwas, was viele Einrichtungen<br />

aufgrund ihrer Strukturierung nicht leisten könnten. Dies<br />

darf jedoch nicht damit verwechselt werden, dass jeder<br />

machen kann, wozu er gerade lustig ist. Sondern vielmehr<br />

geht es darum, dass zum einen die Menschen hier nicht<br />

betreut, sondern begleitet werden und zum anderen die<br />

Freiburger StraßenSchule nicht für die Menschen wirkt,<br />

sondern mit ihnen. Jeder Mensch habe das Recht, sein<br />

Leben frei zu gestalten. Auch wenn dies bedeute, dass<br />

man selbst lernen müsse zuzusehen und zu akzeptieren,<br />

wenn sich jemand dazu entscheidet, Hilfen abzulehnen.<br />

Auch das gehöre dazu und sei eine der wichtigsten Aspekte<br />

für die Arbeit mit jungen Menschen: selbst zu sehen,<br />

dass man dennoch die eigenen Entscheidungen trifft, mit<br />

allen dazugehörigen Konsequenzen.<br />

In der Tat kann ich diese Lebensphilosophie nur bekräftigen<br />

und der Ansatz scheint offensichtlich gut zu funktionieren.<br />

In der Freiburger StraßenSchule wird der Mensch<br />

als Experte seines Lebens verstanden und letztendlich<br />

bringen die KlientInnen logisch auch ihr eigenes erfahrenes<br />

Expertenwissen, das Überleben auf der Straße, in diesen<br />

Ansatz mit hinein. Es erscheint bemerkenswert, wie<br />

viel an Erfahrung gerade solche jungen Menschen mitbringen<br />

und diese Art des Herangehens und der Arbeit<br />

mit ihnen faktisch dazu führt, dass diese hier in der Freiburger<br />

StraßenSchule eine enorme Entwicklung erfahren.<br />

Erfahren Sie in der nächsten Ausgabe mehr über die<br />

Freiburger StraßenSchule und Christine Devic.<br />

Text: Harry Bejol<br />

Fotos: Felix Groteloh<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong> 9


Kannst Du uns in einem Satz Deine Lebenseinstellung<br />

verraten?<br />

Naja, vielleicht so: Es gibt einen Haufen von Wahrheiten<br />

und Realitäten. Das einzige, was wir tun können oder<br />

vielleicht auch sollten ist zu versuchen, uns einigen davon<br />

anzunähern und immer auch offen für die anderen zu sein.<br />

Wir sollten niemals glauben, dass wir die eine Wahrheit<br />

gefunden haben.<br />

Was waren Deine Beweggründe, im Späti-Kollektiv mitzumachen?<br />

Etwas Neues zu lernen, etwas zu schaffen, wo man Ideale<br />

oder Vorstellungen an der Realität ausprobieren kann.<br />

Auch, in einer so großen Gruppe miteinander zu arbeiten,<br />

mit allem, was es da auch zu lernen gibt. Prozesse<br />

innerhalb einer Gruppe sind ja auch immer schwierig, die<br />

ganzen Vorstellungen zusammenzubringen. Einige Dinge<br />

müssen wir, andere Sachen wollen wir – wie schaffen wir<br />

das zusammen? Wer hat welche Bedürfnisse? Genial. So<br />

eine Chance konnte ich mir gar nicht entgehen lassen!<br />

IM GESPRÄCH MIT...<br />

Ramona Anreich<br />

Foto: E. Peters<br />

Mona, wie sie genannt wird, ist seit über zehn Jahren hier<br />

in der Stadt und stammt ursprünglich aus dem Ruhrgebiet.<br />

Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern des „Bis<br />

Späti“ – dem ersten und einzigen Spätkauf in Freiburg.<br />

Wir freuen uns sehr, dass wir heute mit ihr quatschen<br />

dürfen!<br />

Mona, schön dass Du uns ein kleines Interview gibst. Was<br />

machst Du eigentlich neben der Arbeit im Späti?<br />

Hauptberuflich arbeite ich in der Altenpflege. Ich habe in<br />

Freiburg studiert, bin aber dann doch klassisch auf den<br />

Ausbildungsberuf zurückgeworfen worden.<br />

Wofür setzt Du Dich ein?<br />

Für soziale Gerechtigkeit und Solidarität in heutigen Kontexten.<br />

Ich finde es wichtig, dass man nicht einfach nach<br />

einer scheinbaren Norm handelt und redet, sondern dass<br />

man versucht, sich mit den Menschen auseinanderzusetzen.<br />

Da passt auch der Späti gut dazu.<br />

Kannst Du uns einen kurzen Überblick über Euren Weg<br />

bis heute geben?<br />

Geöffnet haben wir im Juni 2019 am Christopher Street<br />

Day. Aber angefangen hat es weit davor, als das Alkoholverbot<br />

ab 22 Uhr gekippt worden ist. Da wurde eine Idee<br />

geboren, die schon vorher schwelte. Es hat ca. 1 ½ Jahre<br />

gedauert, bis wir dann wirklich den Raum hatten und eingerichtet<br />

haben. Es war eine unglaublich aufregende Zeit,<br />

besonders nach der Eröffnung, auch weil so viele Menschen<br />

das gefeiert haben und richtig toll fanden! Gleichzeitig<br />

kamen auch recht schnell Probleme auf. Mit denen hatten<br />

wir gerechnet, da wir auch schon einige tolle Läden,<br />

kleine Sachen, die aufgemacht hatten, recht schnell sterben<br />

haben sehen. Das war also ein Bild, das man schon kannte.<br />

Dass uns das dann so schnell auch passiert ist, wirkt auf<br />

mich auf eine Weise planvoll und organisiert.<br />

Was bietet der Späti außerdem noch?<br />

Vor allem bietet er einen zwanglosen Raum, sich zu treffen.<br />

Im letzten Jahr kam uns Corona dazwischen, was natürlich<br />

ein bisschen tragisch ist für uns, weil wir dann plötzlich<br />

reduziert wurden auf diesen Verkauf von Dingen, denn das<br />

machen wir eigentlich eher, um die Miete zu zahlen. Ich<br />

MUSS im Späti kein Geld ausgeben. Ich kann Leitungswasser<br />

umsonst haben. Ich kann Tee nehmen. Ich kann Dinge<br />

auf Spendenbasis haben. Ich kann die solidarische Kasse<br />

mitbenutzen oder was weiß ich. Ich MUSS vor allem nicht.<br />

Ich DARF. Das ist mir das Wichtigste.<br />

Warum ist der Späti wichtig für Freiburg?<br />

Einen offenen, zwanglosen Raum zu haben, das ist einfach<br />

das Wichtigste und ja, tatsächlich geben wir auch nicht<br />

so leicht auf. Wir kämpfen dafür, da es uns wichtig ist.<br />

10<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong>


Kämpfen ist ein harter Begriff, aber es ist uns wichtig, dass<br />

das auch wirklich verstanden wird. Es gibt nicht nur eine<br />

Art zu leben, gerade heutzutage nicht. Man hat so viele<br />

verschiedene Jobs oder Lebenskonzepte und es kann nicht<br />

sein, dass sich nur ein, zwei Varianten versuchen durchzusetzen<br />

gegen die anderen. Am liebsten wären wir einfach<br />

akzeptiert und angenommen, es kann ja auch jeder bei uns<br />

mitmachen. Der Späti versucht, Diversität auch im Leben<br />

zuzulassen.<br />

Was ist der Späti für Dich in drei Worten?<br />

Wohlfühlort, Lebensraum... einfach ein schöner Ort.<br />

In Berlin gibt es 200 Spätis, in Freiburg einen. Passt die<br />

Späti-Kultur nicht zu Freiburg?<br />

Ich glaube schon, dass sie passt. Im Ruhrgebiet z. B. oder<br />

in Berlin, da gibt's einfach eine lange Geschichte, wie sich<br />

solche Räume entwickelt haben. Ich glaube, das gehört<br />

so ein bisschen zum Späti-Ding, was vielleicht viele Leute<br />

im Süden nicht kennen, aber einige dann doch schätzen:<br />

Du hast einen Ort, wo du Leute ansprechen kannst. Viele<br />

kaufen nicht nur, sondern wollen noch irgendetwas kurz<br />

besprechen, einen sozialen Kontakt haben. Freiburg müsste<br />

vor allen Dingen mehr in so eine Richtung geplant werden.<br />

Schon so lange fordern bzw. wünschen so viele Jahre Menschen:<br />

„Hey, wir möchten auch Räume haben!“ Doch selbst<br />

in Neubausiedlungen wird das nicht mit eingeplant. Das<br />

macht mich fast schon wahnsinnig! Da wird ein schöner<br />

Ort kreiert und drum herum wohnen Menschen und ihre<br />

Wohnungen sind so gebaut, dass es nicht schallgeschützt<br />

genug ist. Das wird immer als Argument herangezogen.<br />

Wir haben im Rahmen der Klage ganz viele Gespräche geführt<br />

und haben versucht, das auch von dem Raum hier in<br />

der Eschholzstraße loszulösen, eher als städtisches Problem<br />

zu besprechen.<br />

Wie ist die aktuelle Situation in Bezug auf Räumung und<br />

Alkoholverkaufsverbot?<br />

Neue Räumlichkeiten haben wir bis jetzt keine. Wir halten<br />

die Augen offen, strecken ein bisschen die Fühler aus. Wir<br />

wollen keinen Raum auf Biegen und Brechen. Das nicht. Es<br />

muss schon bezahlbar sein und es muss auch Spaß machen,<br />

weil – wer das noch nicht verstanden hat, es bleibt<br />

dabei – es ein soziales Projekt ist, auch unsererseits.<br />

Im November haben wir einen Brief von der Stadt bekommen,<br />

die quasi vorhat, einen Sofortvollzug vorzunehmen,<br />

ein Alkoholverkaufsverbot ab 22 Uhr. Wann genau ist<br />

unklar. Ich finde es absurd, wenn man überlegt, dass das<br />

schon seit Monaten geplant wird zwischen den Anwälten<br />

dieser einen Person, die uns verklagt hat, und der Stadt.<br />

Und wir nicht mit hinzugezogen werden. Da stelle ich mir<br />

doch die Frage: Wer denkt eigentlich uns als Menschen mit?<br />

Das ist doch einseitig! Diese eine Person schreibt seitdem<br />

jeden Tag eine Beschwerdemail, auch jetzt noch, wo gar<br />

nichts los ist, es ruhig ist. Seien wir ehrlich, da wird jedem<br />

klar, dass es zumindest nicht nur um den Lärm geht. Das ist<br />

eine mit ungleichen Mitteln entschiedene Kontroverse über<br />

die Nutzung von Lebensraum. Das macht was mit uns. Es<br />

macht auch was mit den Leuten, die den Laden toll finden.<br />

Und das sind gar nicht einmal wenige.<br />

Leider gibt es in Freiburg immer wieder Probleme mit AnwohnerInnen<br />

und Eure geplante Gegenwehr zum Alkoholverkaufsverbot<br />

hat somit eine Art Symbolwirkung – ist<br />

dies auch einer der Gründe, warum Ihr dagegen angeht?<br />

Selbstverständlich! Unser Prinzip: Hoffnung. Schon bei der<br />

ersten Klage haben wir uns gefragt: Für wen machen wir<br />

das eigentlich? Für uns? Nein. Wir haben darüber gesprochen<br />

und gemerkt, wir müssen einfach was dagegen sagen.<br />

Definitiv machen wir es aus Prinzip, weil so viele Läden<br />

sterben. Das kann doch nicht immer so weitergehen...<br />

Wie kann man Euch helfen?<br />

Kauft Postkarten bei uns im Späti und schreibt der Stadt,<br />

warum ihr den Späti behalten wollt. Die Karten sind frankiert<br />

und adressiert und kosten nur einen Euro. Oder schreibt<br />

eine Mail an das Ordnungsamt, damit es auch positive<br />

Meinungen in unsere Akte schaffen (afo@stadt.freiburg.<br />

de; polizei-und-gewerbebehoerde@stadt.freiburg.de). Im<br />

Schaufenster des Spätis sind alle wichtigen Infos nachzulesen.<br />

Wir freuen uns auch, wenn ihr uns beim Finden eines<br />

neuen Raums behilflich seid.<br />

An was fehlt es Deiner Meinung nach in Freiburg?<br />

Ich habe den Eindruck, dass der Schein so viel höher gestellt<br />

wird als das Sein. Und da fände ich es ganz gut, dass<br />

wirklich viele verschiedene Gruppen noch mehr mitgedacht<br />

werden. Auch in der Realität, nicht nur in der Theorie.<br />

Was ist für Dich der schönste Ort in Freiburg? Und welcher<br />

der hässlichste?<br />

Der schönste Platz ist für mich in Freiburg natürlich in den<br />

Herzen der Menschen, die ich liebe. Und halt einfach die<br />

Berge. Na ja, das ist wirklich unkonkret. Aber die Umgebung<br />

finde ich toll. Und der hässlichste: vermutlich die Innenstadt<br />

an einem Samstagvormittag – viel zu viele Leute<br />

in sinnloser Kaufwut. Aber da gehe ich dann einfach nicht<br />

hin!<br />

Was wünscht Du Freiburg?<br />

Ganz viel Offenheit und Solidarität im Herzen.<br />

Vielen Dank, Mona, für die offenen Worte. Wir drücken<br />

Euch die Daumen, dass es für Euch weitergehen kann<br />

und Freiburg wünschen wir Raum für die verschiedenen<br />

Menschen!<br />

Ekki & Conny<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong> 11


Abb.: Albert Anker – Die Armensuppe (1893)<br />

900 JAHRE ARMUT IN FREIBURG<br />

Armenwesen und Pflege in Freiburg (Teil 3)<br />

In der letzten Folge beschäftigte ich mich mit den sozialen<br />

Strukturen einer mittelalterlichen Stadt, wie die<br />

Menschen lebten bzw. leben mussten. Des Weiteren<br />

erklärte ich, warum und wie Armut eigentlich entstand<br />

und warum Fürsorge und Pflege notwendig wurden. In<br />

diesem Kapitel soll es um die verschiedenen Arten der<br />

Fürsorge gehen. Vorreiter in der Armenpflege waren<br />

natürlich die Christen.<br />

CHRISTLICHE NÄCHSTENLIEBE UND FÜRSORGE<br />

Im Früh- und zum Teil auch im Hochmittelalter war die<br />

Armen- und Krankenfürsorge eine rein christliche Angelegenheit.<br />

Das lag ja in der Natur der Sache, schließlich<br />

wurden die Christen von Beginn an zur Nächstenliebe<br />

erzogen. Bereits im Alten Testament im 5. Buch Mose wird<br />

gesagt: „Wenn bei dir ein Armer lebt, dann sollst du nicht<br />

hartherzig sein und die helfende Hand nicht verschließen...“<br />

So wurde da schon der Gläubige angehalten, den<br />

Armen zu helfen. Etwas weiter im Text sagt Mose noch:<br />

„Doch eigentlich sollte es gar keine Armen geben...!“ Denn<br />

es wurde ja gelehrt, dass vor Gott alle Menschen gleich<br />

sind, somit dürfte es ja weder reiche noch arme Menschen<br />

geben. Aber dieser Gleichheitsgedanke war nicht<br />

von Bestand. Denn auch wenn Jesus noch predigte, dass<br />

alle gleich sein sollten, sahen es seine Nachfolger anders.<br />

Bald schon war die Armut von Gott gegeben, das war ein<br />

Fakt und so sollte es auch bleiben. Christen hatten allerdings<br />

die Pflicht, die Not und das Elend der Armen und<br />

Kranken ein wenig zu lindern.<br />

Die Armenfürsorge war anfangs noch sehr unorganisiert.<br />

Erst mit dem Entstehen von Klöstern und deren<br />

Einzug in die Städte gab es geregelte Abläufe. Bereits im<br />

ganz frühen Mittelalter begann sich überall in christlichen<br />

Ländern das Mönchtum zu entwickeln. Zu Beginn<br />

handelte es sich dabei allerdings noch um religiöse<br />

12<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong>


EinzelgängerInnen, die allem Weltlichen entsagten, um<br />

in irgendeiner Einöde in strenger Askese zu leben. Viele<br />

von ihnen suchten sich für ihr Einsiedlerleben dann auch<br />

richtig unwirtliche Gegenden wie Wüsten, Berge oder<br />

Höhlen. Die wohl bekanntesten unter ihnen waren Benedikt<br />

von Nursia und Franz von Assisi. Beide lebten längere<br />

Zeit von der Welt abgeschieden, wendeten sich dann aber<br />

wieder der Gemeinschaft zu und gründeten mit Gleichgesinnten<br />

Ordensgemeinschaften.<br />

Franz von Assisi predigte und lebte die sogenannte selbstgewählte<br />

oder freiwillige Armut. Ohne jeglichen weltlichen<br />

Besitz und nur mit dem, was ein jeder auf dem Leib<br />

hatte, sollten die Franziskaner (auch Barfüßer oder Mindere<br />

Brüder genannt) in die Welt ziehen und Gottes Wort<br />

verkünden. Jeder Mönch sollte für seinen Unterhalt arbeiten<br />

oder betteln. Denn auch das Betteln wurde als gottgewollte<br />

Tätigkeit angesehen. Als die Franziskanerbrüder<br />

in Klöstern sesshaft wurden, entstanden verschiedene<br />

Richtungen innerhalb des Ordens. Manchen Obrigkeiten<br />

ging die selbst auferlegte Armut der Brüder zu weit,<br />

sodass einigen Einhalt geboten wurde. Denn je strikter<br />

die selbstgewählte Armut der Mönche und Klosterbrüder<br />

wurde, um so schlechter ließ sich das ausschweifende<br />

Leben des hohen Klerus erklären. Doch auch unter den<br />

verschiedenen Orden gab es bald unterschiedliche Auffassungen<br />

zum Thema Armut. So entstanden neue Orden<br />

bzw. Christengemeinschaften, die wiederum neue Regeln<br />

für sich aufstellten. Auch darunter fanden sich wieder<br />

welche, deren Treiben vor allem den Kirchenfürsten<br />

missfiel. Die meisten von denen wurden verfolgt, aus der<br />

Kirche ausgeschlossen oder wie die Katharer zu Ketzern<br />

erklärt und ermordet. Dennoch erhielten die Bettelorden<br />

weiter regen Zulauf und auch die Kirche arrangierte sich<br />

mit ihnen. Franz von Assisi (Heiliger Franziskus) ist heute<br />

einer der höchsten Heiligen in der Katholischen Kirche.<br />

Benedikt von Nursia stellte die nach ihm benannte<br />

„Benediktinerregel“ auf, die das Zusammenleben und das<br />

Wirken der Ordensbrüder regulieren sollte. Doch nicht<br />

nur der Benediktinerorden, sondern auch viele andere<br />

Orden lebten danach für mehrere Jahrhunderte nach diesen<br />

Benediktinerregeln. Im Mittelpunkt des klösterlichen<br />

Lebens stand das Credo „ora et labora“ (bete und arbeite!),<br />

das auch Benedikt von Nursia zugeschrieben wird.<br />

ALLTAG, PFLEGE UND HILFE IN KLOSTER UND KIRCHE<br />

Klöster entstanden im Früh- und Hochmittelalter überall<br />

im Deutschen Reich, meist abseits von Städten, in oder an<br />

Wäldern oder in Bergregionen. Ende des 14. Jahrhunderts<br />

gab es im Reichsgebiet bereits ein sehr dichtes Netz an<br />

Klöstern. Die einzelnen Klöster dürften kaum eine Tagesreise<br />

voneinander entfernt gewesen sein. Mit der Entstehung<br />

der Städte zogen viele Orden in deren Nähe.<br />

Abb.: Franz von Assisi (Wandgemälde von 1228)<br />

Gründe waren zum einen der Schutz bei eventuellen<br />

Überfällen, aber auch der vermehrte Reichtum in den<br />

Städten, von dem sie sich wohl mehr oder höhere Spenden<br />

oder Nachlässe erhofften. Erst später erlaubten adlige<br />

Stadtherren oder der Stadtrat selbst den Orden, sich in<br />

der Stadt niederzulassen.<br />

Da Freiburg dank der Silbervorkommen im Mittelalter<br />

eine sehr reiche Stadt war, siedelten sich auch viele<br />

Ordensgemeinschaften in und um die Stadt an. Da jeder<br />

Orden und jedes Kloster eine eigene Kapelle oder Kirche<br />

baute (auch die Freiburger Universität hatte eine), gab<br />

und gibt es heute noch viele religiöse Bauwerke in Freiburg.<br />

Man sagt, dass Freiburg in Hochzeiten um die 40<br />

Klöster und Kirchen hatte.<br />

Der erste Orden in Freiburg waren die Franziskaner, die<br />

sich 1229 vor den Mauern der Stadt niederließen. 1246<br />

bekamen sie von Graf Konrad von Freiburg Land innerhalb<br />

der Stadt, mit der Erlaubnis, darauf ein Kloster zu errichten.<br />

Im Laufe der nächsten Jahre kamen weitere hinzu.<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong> 13


Abb.: Matthäus Seutter – „Grund Riß der Stadt und Vestungen Freiburg im Breisgau am obern Rhein“ (1730)<br />

So siedelten zum Beispiel die Dominikanermönche im<br />

heutigen Unterlinden, der damaligen Predigervorstadt.<br />

Oder die Augustiner, welche das heutige nach ihnen<br />

benannte Museum an der Salzstraße erbauten. Frauenklöster<br />

gab es lange Zeit nicht in der Stadt. Sie lebten<br />

abseits wie zum Beispiel in Günterstal, in der Wiehre oder<br />

in Adelhausen. Die Adelhauser Kirche und das Kloster<br />

kann man sich noch heute ansehen. Jahre später waren<br />

dann auch innerhalb der Stadtmauern Frauenklöster<br />

gestattet. Über das genaue Klosterleben im Freiburg des<br />

Hochmittelalters ist nicht viel bekannt, da aber die meisten<br />

Klöster nach der Benediktinerregel lebten, darf man<br />

davon ausgehen, dass es in Freiburg nicht viel anders war.<br />

Klöster im Mittelalter waren meist Selbstversorger, sodass<br />

jeder Bruder seine Aufgaben hatte und ein jeder zum<br />

Arbeiten eingeteilt war (ora et labora). Die Benediktinerregel<br />

forderte von den Mönchen Frömmigkeit, Armut<br />

und Armenpflege. Gemeinhin lebten sie ausschließlich<br />

im Kloster, welches sie nur zum arbeiten, betteln oder zur<br />

Ausführung übertragener Aufgaben verlassen durften.<br />

Die Klöster waren streng hierarchisch aufgestellt. Vorsteher<br />

war in der Regel der Abt. Der hatte einen Stellvertreter<br />

und weiter gab es für jeden Lebens- und Arbeitsbereich<br />

einen Bruder, der die Aufsicht darüber hatte. Neben dem<br />

Dienst an Gott und der Verbreitung von Gottes Wort war<br />

die Fürsorge und Pflege von Bedürftigen eine zentrale<br />

Rolle in jedem Kloster. Aus ihrer Nächstenliebe heraus<br />

waren sie verpflichtet Armen, Kranken, PilgerInnen und<br />

anderen Bedürftigen Schutz und Hilfe hinter ihren Mauern<br />

zu gewähren. Als die Zahl der zu Versorgenden immer<br />

größer wurde, begann man innerhalb der Klostermauern<br />

Pflegehäuser für die Armen und Kranken zu bauen, die<br />

zum Teil bis heute existierenden Hospitäler.<br />

Der Begriff „Hospital“ stammt vom lateinischen Wort<br />

„hospitalitas“ ab, was soviel wie Gastlichkeit bedeutet.<br />

Für das Mittelalter kann man Hospital (auch Spital<br />

genannt) aber ohne weiteres mit „Haus der Fürsorge“<br />

benennen. In den Hospitälern wurden neben kranken<br />

Mitbrüdern auch fremde Kranke, PilgerInnen, BettlerInnen<br />

und andere Notleidende aufgenommen. Geleitet<br />

wurde die Einrichtung von einem Spitalverwalter, dem<br />

Hospitalar. Dieser war meist ein schon älterer Bruder,<br />

„dessen Herz von Ehrfurcht und Liebe zu Gott“ durchdrungen<br />

sein sollte. Grob gesehen war seine Aufgabe das<br />

Einsammeln und Verteilen von Spendengütern. Ganz so<br />

einfach wie auf dem Papier war das natürlich nicht und<br />

es lag auch eine große Verantwortung auf seinen Schultern.<br />

Er war verantwortlich für die Geschäftsführung im<br />

Inneren des Klosters, für die Verpflegung und Versorgung<br />

sämtlicher Insassen sowie der um Hilfe bittenden Armen<br />

und er war auch verantwortlich für die Verwaltung und<br />

Verteilung des Almosen. Aber er konnte BettlerInnen für<br />

den Empfang des Almosen auch zu kleineren Tätigkeiten<br />

heranziehen. Auch die Aufsicht über die zu pflegenden<br />

Kranken gehörte zu seinen Aufgaben. In manchen Klöstern<br />

hieß das auch, Kranke zu Hause zu besuchen und<br />

zu behandeln. Neben der Verteilung von Kleidern und<br />

Lebensmitteln übernahmen die meisten Klöster auch die<br />

Beerdigungskosten von armen Menschen, sofern sich niemand<br />

dafür fand. Der Hospitalar erledigte all diese Aufgaben<br />

mit großer Selbstständigkeit, nur dem Abt gegenüber<br />

war er rechenschaftspflichtig. Das unter den Armen<br />

verteilte Almosen (oder Almussen) stammte zum größten<br />

Teil von den BürgerInnen der Stadt, die in der Kirche beim<br />

Gottesdienst spendeten oder dem Kloster Schenkungen<br />

oder Erbschaften zukommen ließen. Auch Adlige gaben<br />

Schenkungen an die Klöster. Dies war allerdings nicht<br />

ganz uneigennützig und war an Gegenleistungen gebunden.<br />

Entweder wollten sie einen Familienangehörigen im<br />

Kloster unterbringen oder man verpflichtete die Mönche<br />

dazu, für das Seelenheil der Herrschaften zu beten.<br />

14<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong>


Frauenklöster waren wie erwähnt lange nicht innerhalb<br />

der Stadtmauern geduldet. Es gab sie natürlich trotzdem,<br />

aber meist weit vor den Stadttoren und oftmals ohne oder<br />

nur mit Gottes Schutz. Erst später wurde ihnen gestattet,<br />

auch in der Stadt ihrer Ordensaufgabe nachzugehen. Erst<br />

im 14. und 15. Jahrhundert fanden Nonnenklöster Einlass<br />

in deutsche Städte. Das Adelhauser Kloster wurde im 15.<br />

Jahrhundert von den Schwestern bezogen. In der Lehener<br />

Vorstadt gab es im Mittelalter gleich drei Frauenklöster.<br />

Die Orden der Reuerinnen, der Dominikanerinnen und<br />

der Klarissen hatten sich hier niedergelassen. Auf dem<br />

früheren Klostergelände der Klarissen befindet sich heute<br />

die Sparkasse Freiburg. In späteren Jahren siedelten sich<br />

weitere Frauenorden an.<br />

Frauenorden begannen schon sehr bald mit der Krankenpflege.<br />

Sie brachten dann auch erste Hygienevorschriften<br />

in die Krankenpflege ein, weil ihnen schnell klar wurde,<br />

dass durch Schmutz und schlecht versorgte Wunden<br />

schlimmere Entzündungen und Krankheiten entstehen<br />

konnten. Für die Schwestern im Kloster galten in etwa die<br />

gleichen Regeln wie bei den Männern, viele Schwesternorden<br />

lebten gar nach der Benediktinerregel.<br />

Eine Ausnahme bildeten da die Beginen. Die Beginen<br />

waren Frauen, die abseits vom Kloster und von der Ehe<br />

ein gemeinsames gottesfürchtiges Leben führten. Wie<br />

man sich vorstellen kann, war das nicht im Sinne der Kirche<br />

und so mancher Gottesdienst richtete sich gegen das<br />

„gottlose, lasterhafte Leben“ der Frauen. Ihre Häuser wurden<br />

als Lasterhöhlen oder gar als Bordell bezeichnet und<br />

auf der Straße wurden sie nicht selten von aufgebrachten<br />

BürgerInnen angegriffen. In der Regel lebten etwa zehn<br />

Frauen in solchen Gemeinschaften. In Freiburg gab es<br />

mehrere „Regelhäuser“ der Beginen. Eines stand in der<br />

Merianstraße und hieß „Die Schwestern zum Lämmlein“.<br />

Ein weiteres befand sich in der Franziskanerstraße. Die<br />

Beginen stellten ihr Leben in den Dienst am Menschen<br />

und waren eine Mischung aus Sozialarbeiterin und Krankenschwester.<br />

Sie übernahmen Krankenpflege und Sterbebegleitung,<br />

besuchten Kranke im Spital und zu Hause<br />

und gingen sogar in die Siechenhäuser, um dort die Kranken<br />

zu versorgen. Sie griffen häufig auf selbst erworbenes<br />

Wissen zurück und nutzten auch die Wirksamkeit selbst<br />

gesammelter Kräuter für die Heilung. Nach Kriegen oder<br />

großen Seuchen waren die Beginen und ihre Arbeit unverzichtbar<br />

und in diesen Zeiten waren sie auch anerkannt.<br />

In ruhigeren Zeiten konnte es aber auch durchaus passieren,<br />

dass diese Frauen als Ketzerinnen verfolgt wurden.<br />

Insgesamt gesehen leisteten christliche Gemeinschaften<br />

und Institutionen wichtige Arbeit in der Armenfürsorge.<br />

So musste keiner obdachlos sein, jede(r) konnte im Kloster<br />

oder Hospital unterkommen.<br />

Abb.: Der Geldnarr von J. Amman und H. Sachs (1568)<br />

Für die Grundversorgung der Menschen war gesorgt,<br />

wenngleich natürlich auch darauf geachtet wurde, dass<br />

die Armen auch arm und bedürftig blieben.<br />

Warum es im 15. Jahrhundert dann eine Abkehr von der<br />

kirchlichen zur bürgerlichen Fürsorge gab, erfahren Sie<br />

im nächsten Teil!<br />

Ich bedanke mich beim Stadtarchiv Freiburg, der Waisenhausstiftung,<br />

Gerlinde Kurzbach und Prof. Pompey.<br />

Quellen:<br />

Freiburger Armenfonds vom Mittelalter zur Gegenwart<br />

Geschichte der Stadt Freiburg<br />

Geschichte des Armenwesen<br />

Freiburg zu Fuß<br />

Wikipedia<br />

Carsten<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong> 15


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Geschichten verbreiten sich wie Viren und prägen unser<br />

Verhalten. Nun wollen ForscherInnen aus Epidemien<br />

lernen, um soziale Krisen vorauszusehen.<br />

VON MUND ZU MUND<br />

Foto: Masum / Pixabay<br />

Was war noch einmal der Grund für die Ausbreitung der<br />

Pest? Ach ja, fehlende Hygiene. Aids? Freie Liebe ohne<br />

Schutz.<br />

Was wird über die Coronakrise dereinst in unseren<br />

Geschichtsbüchern stehen? Vielleicht: „Die Pandemie<br />

war die Kehrseite der starken Globalisierung.“ Oder: „Das<br />

neue Virus beschleunigte die Digitalisierung.“ Auch als<br />

Weckruf für solidarische Werte in einer individualisierten<br />

Gesellschaft oder als Zerreißprobe für moderne Demokratien<br />

könnte COVID-19 in Zukunft gelten. Ein bisschen<br />

Wahrheit steckt vermutlich in jeder dieser Erzählungen.<br />

Dennoch werden wir uns in hundert Jahren kaum an<br />

alle erinnern. Die eine oder andere Geschichte wird sich<br />

durchsetzen, wir werden unsere Lehren daraus ziehen,<br />

woraufhin HistorikerInnen die Dinge so aussehen lassen<br />

werden, als wären sie unvermeidbar gewesen. Wir<br />

neigen dazu, Ereignisse in runde, stimmige Geschichten<br />

zu packen, die weitererzählt und damit nicht vergessen<br />

werden. Solche Narrative prägen unser Denken. Dass die<br />

Realität komplexer ist, geht vergessen.<br />

„Menschen sind ein Geschichten erzählendes Tier“, sagt<br />

der Philosoph Alasdair MacIntyre. Tatsächlich wird und<br />

wurde schon immer auf der ganzen Welt erzählt, in<br />

jeder Kultur, jedem Milieu, jedem Alter. AnthropologInnen<br />

schlagen vor, unsere Spezies von „Homo sapiens»<br />

(der weise Mensch) in „Homo narrans“ (der erzählende<br />

Mensch) umzubenennen. Und NeurowissenschaftlerInnen<br />

sehen in unserem Hang zum Geschichtenerzählen<br />

den Grund dafür, warum wir nachts träumen. Schließlich<br />

erscheinen uns im Schlaf nicht Gleichungen oder geometrische<br />

Figuren, sondern Narrative: Menschen, Orte und<br />

Ereignisse.<br />

Geschichten werden erzählt, seit es Menschen gibt. Neu<br />

ist, dass sie sich schneller und unkontrollierter verbreiten<br />

als je zuvor. Über soziale Medien gehen Storys „viral“.<br />

Das ist für Leute aus der Werbung interessant, aber<br />

18<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong>


auch für PolitikerInnen. Diese versuchen mithilfe von<br />

Narrativen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. In<br />

der Coronakrise waren das etwa Versuche, das Virus als<br />

„kleine Grippe“ kleinzureden, es als „chinesischen Virus“<br />

zu verunglimpfen oder den eigenen heroischen Kampf<br />

gegen den unsichtbaren Feind in den Vordergrund zu<br />

rücken: Tests statt Tote.<br />

Narrative prägen den öffentlichen Diskurs z. B. auch in der<br />

Schweiz. Ein Beispiel: Seit Jahren steigen die Sozialkosten.<br />

Die Gründe dafür sind vielschichtig: Bevölkerungszunahme,<br />

ein härterer Arbeitsmarkt oder steigende Wohnungsmieten<br />

gehören dazu. Diese komplexe Realität lässt sich<br />

nur schwer für den viel zitierten Stammtisch übersetzen.<br />

Besser eignet sich der Krimi von denen, die den Staat um<br />

viel Geld bringen. Solche Geschichten gibt es im Einzelfall<br />

tatsächlich, und sie lassen sich gut weitererzählen.<br />

Jedoch ist Sozialhilfebetrug selten und erklärt nicht die<br />

steigenden Sozialkosten. Trotzdem machte die Schweizerische<br />

Volkspartei (SVP Schweiz) mit dem Narrativ der<br />

SozialschmarotzerInnen lange erfolgreich Politik: Kürzungen<br />

bei Sozialhilfe und Prämienverbilligungen, Sparen bei<br />

der der Invalidenversicherung (IV), aber Finger weg vom<br />

Arbeitsmarkt.<br />

Geschichten sind ein mächtiges Instrument. Wie sehr sie<br />

unser Verhalten beeinflussen – also wie wir aufgrund<br />

von Narrativen entscheiden, wie wir abstimmen, investieren<br />

oder unseren Beruf wählen – ist noch nicht restlos<br />

untersucht. Denn Narrative existieren oft bloß im „Hörensagen“<br />

und sind nur schwer mit Zahlen und Statistiken<br />

festzumachen. Sie wurden deswegen bislang fast ausschließlich<br />

von der Geisteswissenschaft analysiert –<br />

von HistorikerInnen etwa oder von LiteraturwissenschaftlerInnen.<br />

Das ändert sich gerade. Der Ökonom und Nobelpreisträger<br />

Robert J. Shiller vergleicht in seinem neuen Buch<br />

„Narrative Economics“ die Verbreitung von Geschichten<br />

mit jener von Epidemien. Erzählungen würden sich ausbreiten<br />

wie Viren, schreibt er. Geschichten könnten immer<br />

wieder aufkommen und dabei „mutieren“, also sich verändern.<br />

Als Beispiel für ein Narrativ mit mehreren „Ansteckungswellen“<br />

nennt Shiller jenes der intelligenten Maschinen,<br />

die alles übernehmen. Diese Erzählung existiert schon<br />

seit der Antike. Unseren Vorfahren bereiteten Erfindungen<br />

Kummer, die mit Wasser, Wind, Dampf oder Pferden<br />

angetrieben wurden. Im 20. Jahrhundert herrschte<br />

Angst vor den Produktionsmaschinen der Industrie: diese<br />

könnten die ArbeiterInnen in den Fabriken überflüssig<br />

machen. Heute lebt das Narrativ im Zusammenhang mit<br />

Künstlicher Intelligenz wieder auf.<br />

Shiller glaubt, dass Finanzkrisen und generell wirschaftliche<br />

Entwicklungen besser vorhergesehen werden können,<br />

wenn man versteht, welche Geschichten gerade kursieren.<br />

Besonders nützlich könnte das Wissen um Narrative<br />

an der Börse sein. So kommt es immer wieder zu Spekulationsblasen<br />

wie jene um die Kryptowährung Bitcoin,<br />

deren Wert innerhalb weniger Jahre von 0 auf 300 Milliarden<br />

US-Dollar stieg. „Dabei hat der Bitcoin keinen Wert,<br />

außer die Menschen glauben daran, dass er Wert besitzt“,<br />

schreibt Shiller. Den Grund für den anhaltenden Erfolg<br />

von Bitcoin sieht er vor allem in den Geschichten, die darüber<br />

erzählt werden. Diese handeln von einer bevorstehenden<br />

Revolution des Finanzwesens. Menschen könnten<br />

sich dank der dezentral organisierten Digitalwährung<br />

aus der Abhängigkeit geldgieriger Banken und korrupter<br />

Regierungen befreien. „Anarchismus“ nennt Shiller dieses<br />

Narrativ.<br />

Man kann noch weitergehen: Narrative könnten auch<br />

helfen, sozialen Wandel zu verstehen. Das legen verschiedene<br />

Untersuchungen nahe. So zeigte zum Beispiel die<br />

Soziologin Francesca Poletta, dass am Anfang einer Protestwelle<br />

gegen die Unterdrückung von Schwarzen in den<br />

USA in den 60er-Jahren ein Narrativ stand, nämlich jenes<br />

der sogenannten „Sit-ins“: Weiße Studierende setzten<br />

sich solidarisch mit ihren Schwarzen KommilitonInnen<br />

in der Kantine auf den Boden, um gegen die Diskriminierung<br />

bei der Essensausgabe zu protestieren. Unweigerlich<br />

denkt man an aktuelle Beispiele: an die schulschwänzende<br />

schwedische Gymnasiastin, die Schwung in die festgefahrene<br />

Klimadebatte brachte. Oder an den Schwarzen<br />

Mann, der unter dem Knie eines weißen Polizisten starb<br />

und die „Black Lives Matter“-Proteste auslöste.<br />

Die Frage, die sich hier aufdrängt: Welche Geschichten<br />

lösen Wandel aus, welche verpuffen? Shiller ist sich sicher:<br />

„Ansteckung ist das Element, von dem alles abhängt.“<br />

Besonders empfänglich seien wir, wenn wir uns mit ProtagonistInnen<br />

der Geschichte verbunden fühlen – ob nun<br />

als Idol oder Feindbild. Diese Sucht nach spannenden,<br />

persönlichen Storys ist dann problematisch, wenn sich<br />

packende, aber erfundene Erzählungen schnell verbreiten<br />

– wie von Bill Gates, der mit dem neuen Coronavirus<br />

die Weltherrschaft anstrebt. Reale, aber abstrakte Themen<br />

hingegen haben es schwer. „Wenn die Narrative nicht in<br />

der menschlichen Konversation wiederholt werden, dann<br />

werden sie nach und nach vergessen“, schreibt Shiller.<br />

Anders gesagt: Es braucht Geschichten, damit Geschichte<br />

geschrieben wird.<br />

Freundlicherweise zur Verfügung gestellt<br />

von Surprise / INSP.ngo<br />

Andres Eberhard<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong> 19


NO BASEMENT<br />

Ein Statement der Freiburger NoLeadersCommunity<br />

Foto: Bogdan Radu / Pixabay<br />

Zwei Vertreterinnen der NoLeadersCommunity waren zu<br />

Gast beim FREIeBÜRGER und haben sich mit mir unterhalten.<br />

Es gibt ein Problem und man sucht verzweifelt<br />

nach Lösungen: Sie können ihre Räumlichkeiten – das No<br />

Basement – nicht mehr nutzen und die Stadt Freiburg<br />

scheint daran nicht ganz unbeteiligt zu sein. Allerdings<br />

ging es bei unserer Unterhaltung überhaupt nicht um<br />

Schuldzuweisungen, sondern vielmehr darum ein Statement<br />

zu geben, das gehört werden will.<br />

Das No Basement ist ein Kulturzentrum mitten in unserer<br />

Stadt, in dem KünstlerInnen und FreundInnen der Hiphop-Szene<br />

zusammenfinden. Das Anliegen der Community<br />

ist Verbindungen zu schaffen, und zwar zum einen<br />

innerhalb dieser urbanen Kultur und zum anderen geht<br />

es darum, jedem Menschen einen Zugang zu dieser Szene<br />

zu ermöglichen. Zusehen und selbst mitmachen –<br />

alles ist erlaubt und auch gewünscht. Und diese Idee ist<br />

nicht neu. Das No Basement gehört zu einer sehr großen<br />

und weitreichenden Gemeinschaft der sogenannten<br />

NoLeadersCommunity. An ihr beteiligen sich KünstlerInnen<br />

aus Offenburg, Karlsruhe, Lörrach, Köln, Friedrichshafen,<br />

Berlin, Zürich, Utrecht, Athen, Sydney und nun auch<br />

Freiburg.<br />

2018 begannen die Umbauarbeiten in einem Kellerraum<br />

beim Schwabentor, der der Community von einem<br />

Privatmann überlassen wurde, um unter anderem<br />

den Ausbau von Ideen sowie das Teilen und Bereitstellen<br />

gemeinschaftlichen Equipments zu ermöglichen.<br />

Sodann begannen die Mitglieder, die ihnen zur Verfügung<br />

gestellten Räumlichkeiten für ihre Zwecke umzugestalten.<br />

Es wurden Regale eingebaut und Wände gestrichen.<br />

Kurz gesagt, die Communitiy hat sich den Keller so<br />

gestaltet, dass sie dort Tanzproben abhalten, ihre Technik<br />

lagern, texten und rappen können. Eben das, was in<br />

einer Hiphop-Kultur üblich ist. Insgesamt investierten<br />

sie bislang weit über 600 Arbeitsstunden und wurden<br />

dabei von Maurern, Schreinern, Elektrikern und Hörakustikkern<br />

ehrenamtlich unterstützt, die das Projekt der<br />

20<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong>


NoLeadersCommunity aus Überzeugung mitgestaltet<br />

haben. So weit, so gut. Doch genau hier sitzt der Kern des<br />

Problems.<br />

Meine beiden Gesprächspartnerinnen erklären mir,<br />

dass nun das Amt für Liegenschaften und Wohnungswesen<br />

dem Mieter dieser Räumlichkeiten eine Teilkündigung<br />

zukommen lassen wolle. Der Grund hierfür sei<br />

eine unsachgemäße Nutzung der Mietanlage. Schließlich<br />

wären das Keller- und Lagerräume und daher nicht<br />

für einen längeren Aufenthalt von Menschen geeignet.<br />

Zudem würde ein nachträglich von der Community eingebauter<br />

Ofen ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen.<br />

Davon abgesehen, dass der Einbau von einem Fachmann<br />

geprüft und abgesegnet wurde, haben die Mitglieder dieses<br />

Ärgernis sofort nach Beanstandung zurückgebaut.<br />

Das eigentliche Problem liegt jedoch in den Kommunikationswegen.<br />

Über den gesamten Vorgang gibt es nur<br />

einen rudimentären Schriftwechsel. Meist handelt es sich<br />

um mündliche Absprachen mit der Stadt und Abmahnungen<br />

durch das Amt für Liegenschaften und Wohnungswesen.<br />

Keiner weiß nun eigentlich so genau wo er steht<br />

und etwaige Versuche, Klarheit zu schaffen, verlaufen im<br />

Sand. Doch wie eingangs erwähnt geht es hier nicht um<br />

Anschuldigungen oder Schuldzuweisungen, sondern um<br />

ein Statement einer Gemeinschaft der Freiburger Kulturszene.<br />

Und das Statement lautet wie folgt:<br />

Das No Basement ist ein Kulturzentrum für die Menschen<br />

der Freiburger Hiphop-Kultur. Die Mitglieder dieser<br />

Community teilen ihre privaten Ressourcen, bilden sich<br />

gegenseitig weiter, und zwar ohne jegliches kommerzielles<br />

Interesse. Das No Basment ist für jeden Menschen da,<br />

der an dieser Szene in irgendeiner Weise interessiert ist.<br />

Ob DJs, RapperInnen, TänzerInnen, MediengestalterInnen<br />

oder Graffiti-KünstlerInnen, ob ZuschauerInnen oder MitgestalterInnen.<br />

Und für die Stadt Freiburg somit als eine<br />

autonome Kultur, ohne weitere Kosten.<br />

Und das No Basement bittet um Gehör. Zunächst wäre es<br />

wichtig, dass der Community von den jeweiligen verantwortlichen<br />

Stellen klar definiert wird, wie nun eigentlich<br />

der exakte Vorwurf ihr gegenüber lautet. Nur so kann sie<br />

auch dementsprechend handeln. Darüber hinaus ist jeder<br />

Weg hin zu einer Lösungsfindung sehr willkommen.<br />

Im Moment gibt es so gesehen kein No Basement, keine<br />

Räumlichkeiten und auch keinen Ort zum Vorantreiben<br />

der Projekte und Angebote der Community. Die Mitglieder<br />

wissen nicht, wo sie stehen, oder besser gesagt, wo sie<br />

eigentlich stehen dürfen. Meiner Meinung nach kann das<br />

für eine Stadt, die sich – aus gutem Grunde – selbst als<br />

Kulturstadt bezeichnet, nicht der richtige Weg sein.<br />

Foto: William Daigneault / Unsplash<br />

Persönliche Anmerkung des Autors:<br />

Ich persönlich würde es sehr schade finden, wenn es hierfür<br />

keine geeignete Lösung geben würde. Ob nun die Kommunikation<br />

wieder aufgenommen wird, die Streitigkeiten<br />

letztendlich beiseitegelegt werden oder jemand der NoLeadersCommunity<br />

andere Räumlichkeiten zur Verfügung<br />

stellen kann – es müsste doch einen Weg geben, um diesen<br />

Raum für Kultur und Kreativität erhalten zu können.<br />

Sollten Sie eine Idee haben, können Sie sich sehr gerne<br />

auch bei uns in der Redaktion melden.<br />

Harry Bejol<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong> 21


EIN TURBULENTES JAHR...<br />

Das Ferdinand-Weiß-Haus in Zeiten von Corona<br />

Foto: Felix Groteloh<br />

Ein Jahr Corona – auch im Ferdinand-Weiß-Haus bedeutet<br />

das ein Jahr Ausnahmezustand und Dinge und Situationen,<br />

die wir uns davor so nie erdenken hätten können:<br />

Frühstücksausgabe im Außenbereich, Einlasskontrollen,<br />

Aufenthaltsdauerbeschränkungen (liest sich nicht nur so<br />

übel, ist es auch!), Plexiglas an der Theke, und und und…<br />

Wir könnten viel darüber schreiben, wie es mal wieder die<br />

eh schon ausgegrenzten, benachteiligten Menschen am<br />

härtesten trifft, wenn alles Öffentliche schließt oder ein<br />

Leben im öffentlichen Raum nicht erlaubt ist. Das wollen<br />

wir heute aber nicht, vielmehr wollen wir uns heute<br />

dafür bedanken, dass genau dieser Gedanke bei vielen<br />

Menschen und durch sie bei Vereinen, Unternehmen und<br />

Organisationen angekommen ist.<br />

Uns erreichten sehr viele Anfragen, ob und wie man uns<br />

im Alltag unterstützen kann, dazu, wie man als Einzelperson<br />

wohnungslosen Menschen helfen kann. Wir konnten<br />

sehen, dass viele Menschen in dieser schwierigen Zeit<br />

nicht nur an sich, sondern auch an unsere BesucherInnen<br />

dachten und aktiv werden wollten. Und uns erreichten so<br />

viele Spenden wie noch nie – Geld- oder Sachspenden. So<br />

konnten und können wir vielen unserer BesucherInnen in<br />

finanziellen Notlagen durch die Corona-Beschränkungen<br />

aushelfen, Decken, Masken und Thermosbecher zur Verfügung<br />

stellen, Care-Pakete ausgeben, um nur ein paar<br />

Beispiele für unkomplizierte Hilfen zu nennen.<br />

Hierfür möchten wir uns bei Ihnen und Euch bedanken!<br />

Natürlich für die materiellen Spenden, wir konnten<br />

sehen, dass sie von Herzen kommen. Genauso für das Mitdenken,<br />

Nachfragen und Unterstützung anbieten, was<br />

uns zeigte, dass unsere BesucherInnen nicht vergessen<br />

werden. Und nicht zuletzt bei unseren Ehrenamtlichen,<br />

die uns täglich im Ferdinand-Weiß-Haus unterstützen.<br />

DANKE!<br />

Euer Team des Ferdinand-Weiß-Haus<br />

Telefon: 0761-283019<br />

E-Mail: fwh@diakonie-freiburg.de<br />

22<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong>


Engagiert für<br />

wohnungslose Menschen<br />

Liebe Freunde von der Straße,<br />

für den März haben wir leider bisher keine<br />

Termine für eine Essensausgabe.<br />

Bitte achtet gegebenenfalls auf<br />

kurzfristige Ankündigungen.<br />

Trotz allem eine gute Zeit, wir hoffen,<br />

dass wir uns bald wiedersehen!<br />

Foto: E. Peters<br />

Eure Freunde von der Straße e. V.<br />

VERKÄUFERIN CHRISTINE<br />

Hallo, liebe Leute, ich heiße Christine und verkaufe den<br />

FREIeBÜRGER seit Dezember 2020.<br />

Ursprünglich komme ich aus dem Ort Ermatingen in der<br />

Schweiz, wo ich als junge Frau nach der Schule das „Bäuerliche<br />

Haushaltslehrjahr“ (Ausbildung zur Hauswirtschaftlerin)<br />

abgeschlossen habe. Zusammen mit meinem<br />

Mann lebe ich in einem Wohnwagen, geduldet neben<br />

einem Campingplatz in Freiburg.<br />

Ich verkaufe den FREIeBÜRGER vormittags von Montag<br />

bis Samstag entweder vor dem Drogeriemarkt Müller in<br />

der Kaiser-Joseph-Straße oder hinter dem Münsterplatz/<br />

Ecke Herrenstraße, immer im Wechsel mit meinem Mann<br />

Peter. Leider kam kurz vor Weihnachten der erneute<br />

Lockdown, wodurch die Innenstadt wie leergefegt war.<br />

Seit Anfang Februar sieht es etwas besser aus – daher<br />

starte ich jetzt richtig durch! In der bisherigen Zeit habe<br />

ich beim Verkauf nur positive Erfahrungen gemacht. Die<br />

Menschen sind aufgeschlossen, kommen auf einen zu<br />

und zusätzlich zum Zeitungskauf gibt es schon mal einen<br />

Kaffee oder ein süßes Teilchen. In meiner Freizeit gehe<br />

ich oft spazieren, reite sehr gerne, lese und häkle viel. Ich<br />

wünsche mir für die Zukunft einen festen Jahresstellplatz<br />

und ein Vorzelt für unseren Wohnwagen.<br />

Anzeige<br />

INTERNATIONALER FRAUEN*KAMPFTAG<br />

SALON<br />

RIOT<br />

MO, 8. MÄRZ <strong>2021</strong><br />

20:00 UHR<br />

LIVE STREAM<br />

KRAWALLBARBIE 106<br />

THE KLITTERS<br />

PA$HA + PANGOLIN<br />

NINA KLEIN –<br />

@LILLE_ILLUSTRATION<br />

So, ich bin dann mal weg, sage Danke, bleiben Sie gesund<br />

und bis ganz bald!<br />

Christine<br />

VEREIN FÜR NOTWENDIGE KULTURELLE MASSNAHMEN e.V.<br />

HASLACHER STRASSE 25 | 79115 FREIBURG<br />

WWW.SLOWCLUB-FREIBURG.DE<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong> 23


Bude, Munk, Wieland<br />

„Aufprall“<br />

Carl Hanser Verlag<br />

ISBN 978-3-446-26766-4<br />

384 Seiten | 24 €<br />

Laurent Binet<br />

„Eroberung“<br />

Rowohlt Verlag<br />

ISBN 978-3-498-00186-5<br />

384 Seiten | 24 €<br />

BUCHTIPPS VON UTASCH<br />

Der Roman Aufprall des Autorentrios Bettina Munk,<br />

Karin Wieland und Heinz Bude handelt von der Hausbesetzerszene<br />

im West-Berlin der 80er-Jahre. Die Geschichte<br />

wird von den Hauptfiguren Luise und Thomas und von<br />

einem Chor, den „Stimmen des Kollektivs“, erzählt.<br />

1981 waren in West-Berlin 162 Häuser besetzt. In einem<br />

davon lebten Luise, Thomas, Soraya, Robert und ihre<br />

MitstreiterInnen. Zum Aufprall kam es bei einem Autounfall,<br />

den Soraya nicht überlebte. Der Tod war im revolutionären<br />

Alltag nicht vorgesehen und im Häuserkampf<br />

gab es keine Pause. Hausdurchsuchungen, Räumungen<br />

und Überfälle von Neonazis mussten bewältigt werden.<br />

Im Besetzerrat wurde heftig über die Legalisierung der<br />

Wohnverhältnisse und über das Maß an Militanz im politischen<br />

Kampf diskutiert. Doch das Kollektiv zerfiel zunehmend<br />

in Einzelschicksale. Vroni endete im „Türkenpuff“<br />

und starb an Aids, ein anderer landete wegen Drogenhandels<br />

im Knast, manche zogen zurück in die westdeutsche<br />

Provinz. Im letzten Drittel des Romans verstummt der<br />

Chor des Kollektivs fast gänzlich und entlässt Luise und<br />

Thomas schließlich in die Erzählung ihrer individuellen<br />

künstlerischen und akademischen Entwicklung.<br />

„Die Bewegung der Hausbesetzer war eine Wunschmaschine,<br />

die das Militante und das Verspielte, das Harmlose und<br />

das Furiose, das Disziplinierte und das Überschüssige von<br />

uns allen enthielt.“<br />

Der Roman ist ein nüchternes Zeitzeugnis ohne verklärende<br />

Sentimentalitäten. Wer die 80er in West-Berlin erlebt<br />

hat weiß, wie sehr diese stilistische „Coolness“ zu den<br />

damaligen Verhältnissen passt. In der Bilanz des Autorentrios<br />

ist kein Platz für Nostalgie. Lesenswert!<br />

In Eroberung schreibt Laurent Binet die Geschichte der<br />

Neuzeit um. Zunächst folgen wir ein paar reisefreudigen<br />

Grönländern auf ihrer Fahrt nach Kuba und Mexiko. Dann<br />

erfahren wir alles über das Scheitern der Expedition von<br />

Christoph Columbus in der Neuen Welt. Und schließlich<br />

segelt der Inka-König Atahualpa im Jahr 1531 mit einem<br />

kleinen Gefolge nach Portugal und erobert halb Europa.<br />

Für große Verwunderung sorgen bei den Inkas die barbarischen<br />

Sitten der Anhänger des „Angenagelten Gottes“.<br />

Atahualpa schafft deshalb die Inquisition ab und führt Religionsfreiheit<br />

ein. Auch für die Forderungen revoltierender<br />

Bauern hat Atahualpa Verständnis und seine Agrarund<br />

Steuerreformen machen ihn beliebt bei Bauern und<br />

Bürgern. Bald reicht sein Ruf als „Beschützer der Armen“<br />

bis in die deutschen Fürstentümer. Mit Hilfe der Lektüre<br />

von Machiavellis Schriften ist Atahualpa gewappnet für<br />

die ortsüblichen Intrigen zwischen den Herrschenden<br />

und versteht es, seine Macht in Europa auszubauen. Er<br />

paktiert mit den Fugger in Augsburg, streitet mit Martin<br />

Luther und baut ein Handelsimperium zwischen der Alten<br />

und der Neuen Welt auf. Durch die Einflüsse der Inka und<br />

deren Sonnenreligion wird Europa zu einer anderen Welt.<br />

„Was wäre, wenn manches anders gewesen wäre?“, lautet<br />

die große Frage, die Binet in seinem Roman höchst vergnüglich<br />

beantwortet. Und wie sehr hängen Gegenwart<br />

und Zukunft von „unbedeutenden“ Zufällen ab?<br />

Das Spiel mit den Möglichkeiten des „Was wäre, wenn?“<br />

beherrscht Binet perfekt. Durch die Augen der Inka auf<br />

die damaligen Verhältnisse in Europa zu blicken, stellt<br />

nicht nur das Damalige, sondern ebenso das Jetzige und<br />

Zukünftige in Frage. Interessant!<br />

24<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong>


KARTOFFEL-ZUCCHINI-AUFLAUF MIT FETA<br />

Foto: E. Peters<br />

Herzlich willkommen auf unserer Kochseite!<br />

Also geplant war ja eigentlich eine „Pizza, einfach anders...“<br />

Und ja, der geplante vegetarische Pizza-Auflauf<br />

wurde anders – nämlich zu einem Desaster! Die Zubereitung<br />

und das Fotoshooting für die Kochseite, alles<br />

klappte wie am Schnürchen. Die Katastrophe war der<br />

Geschmack... unterirdisch und einfach nicht genießbar!<br />

Da wir Ihnen stets was Leckeres für's Auge und den Gaumen<br />

zubereiten und vorstellen wollen, wurde einfach<br />

noch mal gekocht. Ein schmackhafter Auflauf aus dem<br />

Ofen, genau das Richtige, wenn man eine Menge Zutaten<br />

zu Hause hat, jedoch keine Lust hat lange in der Küche<br />

zu stehen. Aufläufe lassen sich locker vorbereiten und der<br />

Ofen macht die restliche Arbeit. Wichtig sind frische Zutaten,<br />

die wir zum Teil auf dem Stühlinger Wochenmarkt<br />

und in einem türkischen Basarmarkt gekauft haben.<br />

Wir entschieden uns für einen mediterranen vegetarischen<br />

Auflauf mit Kartoffeln, Zucchini und Tomaten, der<br />

mit Fetakäse aus Ziegenmilch und Walnüssen abgerundet<br />

wurde. Die Sonne schien in unsere Küche und beim<br />

Zubereiten duftete es wie in einem mediterranen Kräutergarten.<br />

Dieser Auflauf bringt Ihnen garantiert das Mittelmeer-Feeling<br />

direkt nach Hause...<br />

Zutaten für 4 Personen:<br />

800 g Kartoffeln (vorw. festk.)<br />

500 g Zucchini<br />

4 große Tomaten<br />

300 g Ziegenkäse (Feta)<br />

Zubereitung:<br />

Die Kartoffeln schälen und in Scheiben schneiden. Die<br />

Zucchini ebenfalls in Scheiben schneiden, tendenziell<br />

etwas dicker als die Kartoffelscheiben. Auch die Tomaten<br />

in Scheiben schneiden.<br />

Eine Auflaufform mit dem Öl einpinseln.<br />

Zunächst jeweils die Hälfte der Kartoffelscheiben in die<br />

Auflaufform geben, darauf die Tomatenscheiben und die<br />

Zucchini verteilen. Mit Pfeffer würzen und mit Rosmarin<br />

bestreuen. Die Walnüsse darauf geben und den Ziegenkäse<br />

darüberbröseln.<br />

Die gleiche Schichtung noch einmal wiederholen, allerdings<br />

die Walnüsse und den Ziegenkäse weglassen. Dies<br />

erst nach ca. 30 Minuten Backzeit nachholen, damit der<br />

Käse nicht verbrennt.<br />

Im vorgeheizten Backofen bei 200 °C Ober-/Unterhitze<br />

ca. 45-50 Minuten backen, bis das Gemüse gar ist.<br />

Guten Appetit!<br />

50 g Walnüsse<br />

1 EL Olivenöl<br />

frischer Rosmarin<br />

Pfeffer<br />

Oliver & Ekki<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong> 25


die haben vier Medaillen geholt! Das war deutlich mehr<br />

als erwartet wurde. Ich persönlich hatte nach dem Karriereende<br />

von Neureuther, Dopfer und Rebensburg sowie<br />

der Langzeitverletzung von Thomas Dreßen eigentlich<br />

gar nicht mit irgendwelchen Erfolgen gerechnet und<br />

war somit positiv überrascht. Vor allem drei Mal Edelmetall<br />

in den Speeddisziplinen lässt für die olympische<br />

Saison hoffen. Bei den Abfahrtsrennen brach dann auch<br />

beim ARD-Experten Felix Neureuther grenzenloser Jubel<br />

aus und ich würde mich nicht wundern, wenn es den so<br />

gepackt hat, dass er in Peking wieder auf seinen Brettern<br />

steht!<br />

Hallöchen, liebe Sportfreunde,<br />

man mag es kaum glauben, aber der Frühling ist schon<br />

da. Draußen scheint die Sonne, die Temperaturen haben<br />

sich zwischen 15 und 20 °C eingepegelt und es bleibt auch<br />

weitgehend trocken. Das eröffnet natürlich jedem Sportwilligen<br />

jede Menge neue Möglichkeiten. Konnte man vor<br />

zwei Wochen noch Wintersport bei klirrendem Frost und<br />

diesmal sogar echtem Schnee ausüben, so lädt der strahlend<br />

blaue Himmel jetzt zu Triathlon und Fallschirmspringen<br />

ein! Der einzige Wermutstropfen ist natürlich, dass<br />

man alles nur allein durchziehen sollte wegen der Pandemie.<br />

Somit fällt für mich das Fallschirmspringen schon<br />

mal flach...<br />

Aber dem Wetter zum Trotz läuft die Wintersportsaison<br />

immer noch und da stehen im Moment fast überall die<br />

Saisonhöhepunkte an. <strong>2021</strong> ist bei den KältesportlerInnen<br />

das Jahr der Weltmeisterschaften. In fast jeder Disziplin<br />

dürfen sich die AthletInnen noch mal so richtig austoben,<br />

bevor im nächsten Jahr dann die Olympischen Spiele<br />

stattfinden oder stattfinden sollen. Man weiß ja nicht,<br />

was Corona dazu sagt... Immerhin sollen die Spiele ja in<br />

China steigen. Da hatte ich bei der Vergabe der Olympischen<br />

Spiele auch wieder dazugelernt. Bis dahin wusste<br />

ich weder, dass es in Peking Schnee gibt, noch wusste ich,<br />

dass es dort Wintersportanlagen gibt und die auch noch<br />

genutzt werden.<br />

Aber bleiben wir erstmal bei den Weltmeisterschaften in<br />

diesem Jahr: Als erstes waren die Mädels und Jungs im<br />

Eiskanal dran, die Schlitten- und Bobcracks. Die haben wie<br />

in jedem Jahr fast alles an Medaillen abgeräumt und das<br />

geht seit der sportlichen Wiedervereinigung so. Ich habe<br />

von dieser Art Rennsport allerdings nicht viel Ahnung,<br />

mir geht das alles viel zu schnell. Schnell sind die Alpinen<br />

Rennfahrer zwar auch, aber dafür reichen meine Augen<br />

noch aus. Deren WM ist gerade zu Ende gegangen und<br />

Auch die BiathletInnen sind fast durch mit ihrer Meisterschaft<br />

, aber haben im Gegensatz zu den gerade<br />

erwähnten Alpinen mächtig enttäuscht. Die sonst so<br />

erfolgsverwöhnten und mit Gold gekrönten Winterstars<br />

haben bisher nur zwei Silbermedaillen aufzuweisen,<br />

davon eine in der Staffel. Ich kann mich an Weltmeisterschaften<br />

erinnern, da haben die deutschen BiathletInnen<br />

das Edelmetall unter sich aufgeteilt und dem Rest der<br />

Welt mal das eine oder andere Stück übrig gelassen.<br />

Gut, meckern ist einfach, das muss man denen auch erst<br />

mal nachmachen, kilometerweit durch den Schnee zu<br />

rennen und dann noch auf winzige Scheiben zu schießen<br />

und die dann auch noch treffen. Ich könnte es nicht, das<br />

würde schon am Laufen scheitern. Aber die BiathletInnen<br />

machen nun mal das ganze Jahr nix anderes, die trainieren<br />

im Sommer und Herbst und gehen dann im Winter<br />

auf die Jagd. Also, die müssten es doch eigentlich können?!<br />

Nun gut, an diesem Wochenende sind ja noch die<br />

abschließenden Massenstartrennen, vielleicht kontern<br />

sie ja meine Kritik und laufen und schießen die Gegner in<br />

Grund und Boden?!<br />

Nun bleiben noch die Nordischen Skisportler, die beginnen<br />

in der kommenden Woche mit ihrer Weltmeisterschaft<br />

und da will Deutschland natürlich am liebsten so<br />

erfolgreich wie beim letzten Mal abschneiden. Und da<br />

waren sie sehr erfolgreich... Während beim Langlauf wohl<br />

wieder nix zu holen ist, bin ich in der Kombination sehr<br />

gespannt. Schließlich haben die deutschen Kombinierer<br />

um Frenzel, Rießle und Geiger bis vor zwei Jahren die<br />

Szene ganz nach Belieben beherrscht und von WM über<br />

Olympia bis zum Gesamtweltcup alles gewonnen, was es<br />

gab. Dann tauchte ein junger Norweger in der Weltspitze<br />

auf und macht nun das, was vorher die Deutschen machten<br />

– nur eben allein!<br />

Bei den Skispringern (die ich immer noch für wahnsinnig<br />

oder drogensüchtig halte) sieht es ähnlich aus. Die sind<br />

vor ein paar Jahren wieder in die Weltspitze reingekommen<br />

und haben seitdem immer oben mitgehalten und<br />

'ne Menge Titel geholt. In diesem Jahr sah es auch wieder<br />

26<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong>


Foto: Leon Kuegeler / REUTERS<br />

Abb.: Roses frühzeitige Bekanntgabe seines Wechsels im Sommer zu Dortmund stößt vielerorts auf scharfe Kritik.<br />

danach aus, doch auch hier tauchte mit Granerud ein junger,<br />

unbekannter Norweger auf und seitdem gewinnt der<br />

ein Springen nach dem anderen. Wahrscheinlich dürfen<br />

sich die deutschen Springer mit den Polen um die Plätze<br />

nach Granerud streiten.<br />

Genug vom Wintersport! Draußen ist wie gesagt Frühling<br />

und damit ist natürlich auch Fußballzeit. In der Champions<br />

League z. B. müssen Leipzig und Gladbach auf ihr<br />

Heimrecht im Achtelfinale verzichten, weil sie gegen englische<br />

Mannschaften spielen und die nur nach Deutschland<br />

dürfen, wenn sie in Quarantäne waren. Das ist schon<br />

ärgerlich. Doch was wird mit dem Rückspiel? Wenn die<br />

beiden Clubs dann in England spielen müssen, dürfen sie<br />

dann ohne Quarantäne wieder zurück? Und wenn nicht,<br />

was ist dann mit den Ligaspielen, die sie verpassen? Vor<br />

allem bin ich gespannt, wie das dann mit den Bayern<br />

gemacht wird. Wenn die jetzt gegen Lazio Rom weiterkommen<br />

ist die Chance groß, dass auch sie ein Englandlos<br />

ziehen. Ob sie dann auch ihr Heimspiel weggeben<br />

müssen, möchte ich bezweifeln. Dass sie wieder einmal<br />

anders behandelt werden, wurde ja beim Weltpokal bewiesen.<br />

Der fand in Dubai statt und ich habe absolut<br />

keinen Plan, wie dort die Infektionszahlen sind. Aber da<br />

spielten Mannschaften von jedem Kontinent, darunter<br />

eine mexikanische, und dort sind die Zahlen extrem hoch.<br />

Ex-Nationalspieler Müller hat sich ja auch gleich angesteckt,<br />

doch trotzdem sind die hier völlig normal aus dem<br />

Flieger geklettert und haben drei Tage später wieder in<br />

der Liga gespielt. Ich plane in diesem Jahr meinen Jahresurlaub<br />

in Dubai. Mal sehen ob ich in Quarantäne muss!<br />

Dass im Fußball nicht alles gerecht ist und es dort nur<br />

noch um Geld und Geschäft geht ist weitgehend bekannt.<br />

Im Februar wurde es ein weiteres Mal bewiesen. Gladbachs<br />

Trainer Marco Rose wechselt nach Lüdenscheid! Im<br />

Sommer nach der Saison würde das außer den Betroffenen<br />

keinen interessieren. So aber ist es ein Politikum,<br />

weil der BVB nämlich während der laufenden Spielzeit<br />

Vertragsverhandlungen mit dem Coach führte. Nun ist<br />

das nicht grundsätzlich verboten, aber es schickt sich einfach<br />

nicht und fair ist es natürlich auch nicht. Zumal die<br />

Lüdenscheider den Wechsel ein paar Stunden vor einem<br />

wichtigen Spiel der Gladbacher in die Welt posaunten.<br />

Falls Ihr was über Schalke vermisst: Ich bin stolz auf meine<br />

Knappen. Die haben eingesehen, dass der Fußball nicht<br />

das Wichtigste ist und sich mit Handel und Gastronomie<br />

solidarisch erklärt. Sie haben den Spielbetrieb eingestellt!<br />

Bis zum nächsten Mal!<br />

Carsten<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong> 27


FOLGE 12<br />

Sie saßen in Michels Einzimmerwohnung und lehnten<br />

sich erschöpft zurück. Es sah jetzt nicht mehr nach Büro<br />

aus, denn vor Michel und Wolf türmten sich Cappuccinotassen,<br />

an denen braune, eingetrocknete Milchschaumreste<br />

nach unten krochen. Leere, zusammengeknüllte<br />

Kekspackungen lagen herum. Sie waren mit ihren Überlegungen<br />

wegen der Verfolger, die anscheinend Wolfs<br />

Handy mit einer Tracking-App versehen hatten, zu keinem<br />

Ergebnis gelangt.<br />

Michel hatte sein Wildlederjackett ausgezogen und<br />

die schweren, grobstolligen Schuhe abgestreift. Wolf<br />

Hammer wischte abwesend auf seinem Smartphone<br />

herum. Es war still. Das einzige Geräusch kam von der<br />

Klimaanlage, die den kleinen Raum leise summend mit<br />

kühler, frischer Luft versorgte.<br />

Beim zufälligen Herumwischen hatte Wolf die Handynummer<br />

von Miriam aufgerufen. Irgendetwas daran<br />

erinnerte ihn an ein wichtiges Detail, aber er kam nicht<br />

drauf. „Deine Tochter ...“, begann er, als Michel ihn unterbrach:<br />

„Wir rufen sie an und wenn sie Zeit hat, bauen wir<br />

eine gesicherte Verbindung auf.“<br />

Miriam nahm das Gespräch an, hörte zu und sagte dann<br />

etwas, das Michel auf einen Notizblock kritzelte. Dann<br />

legte er auf. Wolf beugte sich vor und las, was da stand:<br />

‚Kubelbinde‘. Wolf überlegte noch, als Michel die verschlüsselte<br />

Verbindung herstellte und als Passwort ‚Bibelkunde‘<br />

eingab. Dann drehte er seinen Laptop zu Wolf<br />

herum.<br />

Wolf sah eine Silhouette, die vielleicht Miriam war oder<br />

aber auch nicht, und hörte eine verzerrte Stimme, die<br />

wie aus einem alten, defekten Handy klang. „Personen-Sprechverbindung<br />

gecheckt. An Punkt A waren nur<br />

zwei Personen, die auch an Punkt B waren, das wurde<br />

im ersten Bericht schon mitgeteilt. Jetzt wurde Punkt B<br />

genauer untersucht und es erwies sich, dass beide Personen<br />

mehrmals, und zwar gemeinsam, dort waren. Es<br />

gibt Anzeichen, dass sie auch heute und die folgenden<br />

Tage dort sein werden. An Punkt B haben wir dann genau<br />

nachgeschaut und fanden heraus, es ist ein bestimmtes<br />

Gebäude, das sie entweder umkreisen oder sich sogar<br />

darin befinden.“<br />

Der Bildschirm wurde schwarz, der Teilnehmer hatte sich<br />

ausgeloggt. Wolf wunderte sich erst, dass Miriam so geheimnisvoll<br />

gesprochen hatte, aber dann erinnerte er sich<br />

daran, dass ihr Vorgehen üblicherweise der Unterschrift<br />

eines Richters bedurft hätte. Er war sich sicher, dass<br />

Miriam mit den ‚Personen‘ die beiden Verfolger meinte,<br />

die ihn und Annabell im Café in Baden-Baden belästigt<br />

hatten. Sie waren ihm also nach Freiburg gefolgt und<br />

‚umkreisten‘ seine Wohnung.<br />

Michel zog sich bereits seine Abenteuerschuhe an und<br />

band die langen Schnürsenkel zu. „Auf gehts, ich sagte<br />

dir ja, dass wir die Aufspürer aufspüren werden, mitsamt<br />

den Hintermännern!“, jubilierte er. „Aber dazu bräuchten<br />

wir doch ihre Handys“, warf Wolf ein. „Na, aber das checken<br />

wir doch gerade!“, rief Michel und zog sein beiges<br />

Wildlederjackett an. „Lass mal dein Handy hier, sonst<br />

merken sie noch, dass wir sie verfolgen!“, sagte Michel,<br />

dann rief er ein Taxi.<br />

Sie ließen das Taxi hinten bei den Garagen halten und<br />

eilten die Treppe hinauf. Als Wolf sein Stockwerk erreicht<br />

28<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong>


hatte, wollte er schon innehalten, aber Duft-Michel zog<br />

ihn weiter. „Sie werden ein Stockwerk weiter oben warten<br />

und lauern. Dann lauern wir ihnen auf!“, flüsterte er.<br />

Aber als sich nach einer Weile keine Verfolger zeigten,<br />

wollte Michel aufgeben. „Fahren wir heim, ich habe mich<br />

geirrt“, sagte er. Wolf überlegte. „Wir könnten noch mal<br />

nach oben gehen, ins Schwimmbad.“<br />

Sie stiegen die letzten Treppenstufen hinauf, als Wolf<br />

langsamer wurde. „Siehst du sie?“, fragte Michel. „Ich<br />

überlege nur, ob wir sie von oben, vom Balkon aus sehen.<br />

Vielleicht lauern sie in einem Gebüsch. Immerhin haben<br />

wir eine gute Übersicht vom obersten Stockwerk aus“,<br />

sagte Wolf. Als sie so hoch gestiegen waren, dass sie<br />

durch die Glastüre schauen konnten, wedelte Wolf seinen<br />

Freund mit wilden Armbewegungen zurück. „Sie sind<br />

beim Baden!“, flüsterte er. „Zwei Köpfe im Wasser und vier<br />

Arme paddeln das Wasser zu Schaum.“ Michel schimpfte:<br />

„Die haben Spaß miteinander, anstatt uns aufzulauern.“<br />

Ohne ein Wort schob Wolf die Türe auf und ließ sich sofort<br />

wieder zu Boden sinken. So niedrig es ging robbten<br />

die beiden über die Fliesen. Ganz am anderen Ende befanden<br />

sich die Umkleiden. Drinnen standen sie auf und<br />

schüttelten die verrenkten Gliedmaßen. „Beim Bund war<br />

es auch nicht anders“, murmelte Wolf. „Woher wissen<br />

wir jetzt, welche Schränke die beiden benutzen?“, fragte<br />

Michel.<br />

Aber Wolf beantwortete solche dummen Fragen gar nicht<br />

erst, sondern ging leise die Reihen der Schränke entlang.<br />

Jetzt begriff Michel: Die gesuchten würden selbstverständlich<br />

abgeschlossen sein, es steckten also keine<br />

Schlüssel darin. „Treffer!“, flüsterte Wolf, als er vor den<br />

beiden gesuchten Schränken stand. „Wie kriegen wir die<br />

jetzt auf?“, fragte Michel.<br />

Wolf kramte in seinem Geldbeutel. Wo hatte er sie denn,<br />

fragte er sich, aber da fand er sie schon: zwei Büroklammern.<br />

Er bog sie wellenförmig auf und steckte eine in das<br />

erste Schloss. Nach einer kurzen Fummelei klickte es leise<br />

und das Schloss kapitulierte. „Such das Handy!“, zischte er<br />

und wandte sich dem andern Schrank zu.<br />

Michel wollte schon los, als Wolf etwas einfiel. „Wir klauen<br />

die Klamotten!“, sagte er leise. Sie nahmen sich die Kleidungsstücke<br />

und die Schuhe und verteilten sie wahllos in<br />

irgendwelche Schränke. Dann hieß es Abschied nehmen.<br />

Wolf entschloss sich, ganz offen durch das Schwimmbad<br />

zu gehen. Vielleicht wirkten sie unauffällig, wie eben<br />

Hausbewohner, die ein Bad genommen hatten und jetzt<br />

hinunter in ihre Wohnungen zum Abendessen gehen.<br />

Unauffällig hieß, sie holten beide die erbeuteten Handys<br />

raus und schauten angestrengt auf die Bildschirme.<br />

Michel drückte einen Daumen fest auf den winzigen<br />

Lautsprecher, der so durchdringend quietschen konnte,<br />

und Wolf tat es ihm nach, bis der Daumen schmerzte. Sie<br />

konnten es nicht riskieren, dass die Kerle ihren Klingelton<br />

erkannten, wenn sie jemand anrief.<br />

Diesmal nahmen sie den Aufzug, ganz bis in den Keller,<br />

und stiegen in Wolfs Auto. „Eigentlich könnte ich jetzt was<br />

zum Essen vertragen“, sagte Michel. „Verstehst du was von<br />

Handys? Nein? Dann zischen wir jetzt direkt zu Miriam.<br />

Du sagtest doch, du willst mir auch die Hintermänner wie<br />

auf einem silbernen Tablett servieren? Dann sei ruhig, wir<br />

werden unterwegs was zum Essen auftreiben.“<br />

Miriam hatte sich nach dem Fall mit dem Dreisam-<br />

Killer, als sie beinahe ihr Leben verloren hatte, aus dem<br />

Staatsdienst zurückgezogen. Nachdem sie wieder zu<br />

Kräften gekommen war, gründete sie eine Firma im<br />

Sicherheitsbereich.<br />

Die Firma war als Computer-Software-Entwicklung getarnt<br />

und nahm das gesamte obere Stockwerk in einem<br />

Wohnblock beim Seepark ein. Wolf und Michel parkten<br />

in der Tiefgarage und fuhren hinauf. Die Eingangstür bestand<br />

aus dickem Glas.<br />

- Fortsetzung folgt -<br />

Warum nimmst du nicht die eine Klammer noch mal?“,<br />

fragte Michel, einen Arm in dem Schrank, der ihm nicht<br />

gehörte. „Weil ich nicht riskieren möchte, dass sie tief<br />

drinnen abbricht“, sagte Wolf.<br />

Wieder klickte es und da lag das Handy schon, griffbereit<br />

auf der Ablage unter dem kleinen, beschlagenen Spiegel.<br />

Sie griffen sich die Beute und überlegten. Konnten sie<br />

denselben Trick nochmals anwenden? Was wäre, wenn sie<br />

entdeckt würden?<br />

NEW!<br />

Wolf Hammer Krimi<br />

als audiobook<br />

Download-Link: www.xinxii.de/h-m-schemske-104316<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong> 29


WIR WERDEN DIE NUSS SCHON KNACKEN!<br />

WORTSPIEL-RÄTSEL<br />

von Carina<br />

Fett-umrandete Kästchen stellen den jeweiligen Lösungsbuchstaben des endgültigen<br />

Lösungswortes dar und zwar von oben nach unten gelesen. Sind pro Einzel-Lösung mehrere<br />

Kästchen fett umrandet, sind diese Buchstaben identisch! Alles klar? Na dann viel Spaß!<br />

Zur Beachtung: Ä/Ö/Ü = AE/OE/UE und ß = SS<br />

Salli, liebe Gehirnakrobaten!<br />

Seit über einem Jahr beherrscht es unseren gesamten Alltag wie noch nie etwas zuvor, alles<br />

dreht sich nur noch darum. Man kann es kaum noch hören, sehen, ertragen. Es zu leugnen<br />

hilft nix, denn es betrifft uns zum ersten Mal alle gleichermaßen weltweit. Es kann Dein<br />

ganzes Leben mit einem Schlag verändern oder sogar beenden. Erstmals sitzen wir, als gesamte<br />

Menschheit, wirklich allesamt in einem Boot und unser aller Leben wird auf den Kopf<br />

gestellt. Es geht um unser wertvollstes Gut, um das sich alles dreht, auch hier im Rätsel: das<br />

Thema Gesundheit. Bleibt alle gesund und passt auf Euch und Eure Lieben auf!<br />

1. Krankheitssymptom mit einer bestimmten Farbe<br />

2. Eine Kochstelle für Masseninfektionen<br />

3. Schneidwerkzeug für hohe Körpertemperatur<br />

4. Körperflüssigkeits-Gemälde<br />

5. Zahlstelle für Ungesunde<br />

6. Tanzveranstaltung für Arzneimittel<br />

7. Grünfläche für die Blutpumpe<br />

8. Wahrnehmungs-Gewinnschein<br />

9. Ein Herr der Heilmittel<br />

10. Die Furcht zu zerbersten<br />

Lösungswort:<br />

Zu gewinnen für das korrekte Lösungswort:<br />

1.- 3. Preis je ein Gutschein unserer Wahl<br />

UND:<br />

Im Dezember <strong>2021</strong> wird von ALLEN korrekten<br />

Einsendungen ein zusätzlicher Gewinner gezogen,<br />

der eine besondere Überraschung erhält!<br />

Einsendeschluss<br />

ist der 29. März <strong>2021</strong><br />

(es gilt das Datum des Poststempels bzw. der E-Mail)<br />

E-Mails NUR mit Adressen-Angabe. Unsere Postanschrift findet Ihr<br />

im Impressum auf Seite 31. Teilnahmeberechtigt sind alle, außer die<br />

Mitglieder des Redaktionsteams. Wenn es mehr richtige Einsendungen als<br />

Gewinne gibt, entscheidet das Los. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.<br />

Lösungswort der letzten Ausgabe: SPRITPREIS<br />

bestehend aus den folgenden Einzellösungen:<br />

1. STAURAUM 2. HUPKONZERT 3. DREHZAHLMESSER<br />

4. AIRBAG 5. ELCHTEST 6. PARKKRALL<br />

7. AUTOKNACKER 8. OELWANNE<br />

9. HIRSCHKAEFER 10. HANDBREMSE<br />

Gewonnen haben (aus 53 korrekten Einsendungen):<br />

S. Schlatter, Freiburg<br />

H. Öffinger, Freiburg<br />

H. Ernst, Au<br />

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH !<br />

Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt.<br />

30<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong>


ÜBER UNS<br />

Seit Jahren geht in unserer Gesellschaft die Schere zwischen<br />

Arm und Reich weiter auseinander. Besonders durch die<br />

Agenda 2010 und die damit verbundenen Hartz IV-Gesetze<br />

wurden Sozialleistungen abgesenkt. Die Lebenshaltungskosten<br />

steigen jedoch von Jahr zu Jahr. Viele Menschen kommen<br />

mit den Sozialleistungen nicht mehr aus oder fallen schon<br />

längst durch das ziemlich löchrig gewordene soziale Netz.<br />

Und heute kann jeder von Arbeitslosigkeit bedroht sein.<br />

Vereine und private Initiativen versuchen die Not, in welche<br />

immer mehr Menschen kommen, zu lindern und die Lücken<br />

im System zu schließen. Es gibt unterschiedliche nichtstaatliche<br />

Einrichtungen wie z. B. die Tafeln, welche sich um diese<br />

ständig wachsende Bevölkerungsgruppe kümmern. Oder<br />

eben die Straßenzeitungen wie der FREIeBÜRGER.<br />

In unserer Straßenzeitung möchten wir Themen aufgreifen,<br />

welche in den meisten Presseerzeugnissen oft zu kurz oder<br />

gar nicht auftauchen. Wir wollen mit dem Finger auf Missstände<br />

zeigen, interessante Initiativen vorstellen und kritisch<br />

die Entwicklung unserer Stadt begleiten. Wir schauen aus<br />

einer Perspektive von unten auf Sachverhalte und Probleme<br />

und kommen so zu ungewöhnlichen Einblicken und<br />

Ansichten. Damit tragen wir auch zur Vielfalt in der lokalen<br />

Presselandschaft bei.<br />

Gegründet wurde der Verein im Jahr 1998 von ehemaligen<br />

Wohnungslosen und deren Umfeld, deshalb kennen die<br />

MitarbeiterInnen die Probleme und Schwierigkeiten der<br />

VerkäuferInnen aus erster Hand. Ziel des Vereins ist es, dass<br />

Menschen durch den Verkauf der Straßenzeitung sich etwas<br />

hinzuverdienen können, sie durch den Verkauf ihren Tag<br />

strukturieren und beim Verkaufen neue Kontakte finden<br />

können. Wir sind eine klassische Straßenzeitung und geben<br />

unseren VerkäuferInnen die Möglichkeit, ihre knappen finanziellen<br />

Mittel durch den Verkauf unserer Straßenzeitung<br />

aufzubessern. 1 Euro (Verkaufspreis 2,10 Euro) pro Ausgabe<br />

und das Trinkgeld dürfen unsere VerkäuferInnen behalten.<br />

Es freut uns zum Beispiel sehr, dass sich einige wohnungslose<br />

Menschen über den Verkauf der Straßenzeitung eine neue<br />

Existenz aufbauen konnten. Heute haben diese Menschen<br />

einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz und eine<br />

Wohnung. Der FREIeBÜRGER unterstützt also Menschen<br />

in sozialen Notlagen. Zu unseren VerkäuferInnen gehören<br />

(ehemalige) Obdachlose, Arbeitslose, GeringverdienerInnen,<br />

RentnerInnen mit kleiner Rente, Menschen mit gesundheitlichen<br />

Problemen, BürgerInnen mit Handicap u. a. Unser Team<br />

besteht derzeit aus fünf MitarbeiterInnen. Die Entlohnung<br />

unserer MitarbeiterInnen ist äußerst knapp bemessen und<br />

unterscheidet sich aufgrund der geleisteten Arbeitszeit und<br />

Tätigkeit. Dazu kommt die Unterstützung durch ehrenamtliche<br />

HelferInnen. Leider können wir durch unsere Einnahmen<br />

die Kosten für unseren Verein, die Straßenzeitung und Löhne<br />

unserer MitarbeiterInnen nicht stemmen. Daher sind wir<br />

auch in Zukunft auf Unterstützung angewiesen.<br />

SIE KÖNNEN UNS UNTERSTÜTZEN:<br />

• durch den Kauf einer Straßenzeitung oder<br />

die Schaltung einer Werbeanzeige<br />

• durch eine Spende oder eine Fördermitgliedschaft<br />

• durch (langfristige) Förderung eines Arbeitsplatzes<br />

• durch Schreiben eines Artikels<br />

• indem Sie die Werbetrommel für unser<br />

Sozialprojekt rühren<br />

Helfen Sie mit, unser Sozialprojekt zu erhalten und weiter<br />

auszubauen. Helfen Sie uns, damit wir auch in Zukunft<br />

anderen Menschen helfen können.<br />

Impressum<br />

Herausgeber: DER FREIeBÜRGER e. V.<br />

V.i.S.d.P: Oliver Matthes<br />

Chefredakteur: Uli Herrmann († 08.03.2013)<br />

Titelbild: Felix Groteloh<br />

Layout: Ekkehard Peters<br />

An dieser Ausgabe haben mitgearbeitet:<br />

Carsten, Carina, Conny, Ekki, Felix, Harry,<br />

H. M. Schemske, Karsten, Oliver, Recht auf Stadt,<br />

Rose Blue, utasch und Gastschreiber<br />

Druck: Freiburger Druck GmbH & Co. KG<br />

Auflage: 5.000 | Erscheinung: monatlich<br />

Vereinsregister: Amtsgericht Freiburg | VR 3146<br />

Kontakt:<br />

DER FREIeBÜRGER e. V.<br />

Engelbergerstraße 3<br />

79106 Freiburg<br />

Tel.: 0761 / 319 65 25<br />

E-Mail: info@frei-e-buerger.de<br />

Öffnungszeiten: Mo - Do: 12 - 16 Uhr<br />

Fr: 12 - 15 Uhr<br />

Mitglied im Internationalen Netzwerk<br />

der Straßenzeitungen<br />

Der Nachdruck von Text und Bild (auch nur in Auszügen)<br />

sowie die Veröffentlichung im Internet sind nur nach<br />

Rücksprache und mit der Genehmigung der Redaktion<br />

erlaubt. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben<br />

nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.<br />

Die nächste Ausgabe des FREIeBÜRGER erscheint am:<br />

1. April <strong>2021</strong><br />

Aus gegebenen Anlass finden zurzeit keine<br />

öffentlichen Redaktionssitzungen statt!<br />

FREIeBÜRGER 03 | <strong>2021</strong> 31

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