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Wagnerfünfmalig No.12

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Das Buchmagazin der Medici Buchhandlungen — 04.2021<br />

Wagner<br />

fünfmalı˙g<br />

#No. 12<br />

Wagner’sche<br />

Innsbruck<br />

Wagner’sche<br />

Altstadt<br />

Innsbruck<br />

Bücher Stierle<br />

Salzburg<br />

Stierle Kelten-<br />

Buchhandlung<br />

Hallein<br />

Leporello die<br />

Buchhandlung<br />

Wien


Impressum<br />

Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich:<br />

Wagner’sche Buchhandlung, Medici Buchhandels GmbH,<br />

Museumstraße 4, 6020 Innsbruck<br />

info@wagnersche.at — www.wagnersche.at<br />

Redaktion: Robert Renk<br />

Redaktionelle Mitarbeit: Gerlinde Tamerl<br />

Korrektorat: Stefan Abermann<br />

© der Textbeiträge bei den Autorinnen und Autoren<br />

Grafische Ausstattung: himmel. Studio für Design und Kommunikation<br />

Fotografie (so nicht anders angegeben): www.fotowerk-aichner.at, Christopher Spiegel,<br />

Thomas Schrott<br />

© der Abbildungen bei den jeweiligen Rechteinhabern<br />

Titelbild: Bernhard Aichner beim Signieren seines neuen Krimis Dunkelkammer<br />

im Schaufenster der Wagner’schen Buchhandlung. © Christopher Spiegel<br />

Fehler, Änderungen und Irrtümer vorbehalten.<br />

© 04.2021 – alle Rechte vorbehalten<br />

2 Wagner’sche.<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Die zwölfte Ausgabe<br />

dieses Magazins ist prall<br />

gefüllt mit wunderbaren<br />

neuen Buchempfehlungen,<br />

Autor*innen-Interviews,<br />

liebevoll konzipierten Produkten<br />

mit regionalem Flair<br />

und schönen Neuigkeiten.<br />

Vorweg möchten wir Ihnen<br />

aber wieder herzlich für Ihre<br />

zahlreichen Bestellungen<br />

während des kräftezehrenden<br />

Lockdowns danken. Sie, liebe<br />

Buchliebhaber*innen, halfen<br />

uns dabei, diese herausfordernde<br />

Zeit zu bewältigen<br />

– nicht nur wirtschaftlich,<br />

sondern auch emotional:<br />

Ihre vielen lieben Rückmeldungen,<br />

sei es per Mail,<br />

über Social Media oder telefonisch,<br />

haben uns nicht nur<br />

mit Zuversicht beschenkt,<br />

sondern uns auch darin bestärkt,<br />

unsere Philosophie<br />

weiter konsequent zu verfolgen.<br />

Deshalb gibt es ab<br />

sofort ein schönes Geschäft in<br />

der Innsbrucker Altstadt,<br />

und wir freuen uns, dass die<br />

Buchhandlung Leporello<br />

in Wien nun ebenso zur<br />

„Wagner’schen Familie“ zählt.<br />

Markus Renk (re.), Markus Hatzer<br />

Inhalt<br />

4 Zuversichtlich in den Sommer<br />

Neuigkeiten aus der Wagner’schen Buchhandlung<br />

6 Im Schatten des Stephansdoms<br />

Die Buchhandlung Leporello gehört nun zur „Wagner’schen Familie“<br />

12 Unser neuer Shop in der Altstadt<br />

Geschenke und Bücher für jeden Geschmack<br />

14 Neues aus unserem Verlag<br />

Schöne Wimmelbücher und lustige Brettspiele<br />

16 Sehnsuchtsort Café Momo<br />

Unser neues Kaffeehaus im 1. Stock<br />

24 Es wird spanisch<br />

Erich Hackl präsentiert den spanischen Autor Alfons Cervera.<br />

28 Norbert Gstrein<br />

im Interview über seinen neuen Roman<br />

30 W:ORTE feiert mit Frauenpower<br />

Das Lyrikfestival wird nun endlich sechs. In der Wagner’schen lesen<br />

Monika Rinck & Barbara Hundegger.<br />

38 Franzobel<br />

… erobert nicht nur Amerika.<br />

40 David Schalko<br />

Film wie Buch – ein Genuss.<br />

42 John Wray<br />

Der charmanteste Amerikaner mit österreichischem Akzent.<br />

44 Judith Hermann<br />

Eine Autorin mit Stil und einer Österreichpremiere.<br />

46 Sharon Dodua Otoo<br />

Die Bachmann-Preisträgerin eröffnet das Prosafestival<br />

50 Alois Hotschnig<br />

Sein neuer Roman, ein lang erwartetes Ereignis.<br />

52 Katharina Schaller<br />

im Gespräch über ihren Debütroman<br />

56 Mit den besten Empfehlungen<br />

58 3×7 Best aber Seller


© www.fotowerk-aichner.at<br />

Zuversichtlich<br />

dem Sommer entgegen<br />

Wir strahlen vor Freude: Weil wir ein neues Geschäft<br />

in der Altstadt eröffnet haben und die Buchhandlung<br />

Leporello in Wien nun zur „Wagner’schen Famlie“ gehört.<br />

Unser neues Geschäft<br />

im Trautsonhaus<br />

Regionale Produkte,<br />

die das Herz erfreuen<br />

Sehnsuchtsort<br />

Café Momo<br />

Wir wollen<br />

uns das<br />

Engagement<br />

von Buchdrucker<br />

Michael<br />

Wagner<br />

zum Vorbild<br />

nehmen.<br />

4<br />

Wagner’sche.<br />

Das Goldene Dachl ist für uns nicht einfach<br />

nur ein touristischer Magnet. Wenn<br />

die Mittagssonne die feuervergoldeten<br />

Schindeln dieses einzigartigen Gebäudes<br />

zum Funkeln bringt, dann erfreuen wir<br />

uns daran, dass die Geschichte unseres<br />

Unternehmens 1639 in der Innsbrucker<br />

Altstadt begann. Der Buchdruckergeselle<br />

Michael Wagner betrieb an diesem historisch<br />

bedeutenden Ort nicht nur eine<br />

Buchhandlung, sondern auch einen Verlag<br />

und eine Druckerei. Wie dieser ehrgeizige<br />

Buchliebhaber ausgesehen hat und ob ihn<br />

das Goldene Dachl auch so in Staunen versetzte<br />

wie uns heute, ist bislang leider nicht<br />

überliefert. 382 Jahre später, am 12. März<br />

2021, haben wir in der Herzog-Friedrich-<br />

Straße eine kleine, aber feine Buchhandlung<br />

eröffnet. Unser Geschäft unter den Lauben<br />

befindet sich in einem schmuckvollen Gebäude,<br />

nämlich dem Trautsonhaus. Dieser<br />

Standort bedeutet uns sehr viel – wir wollen<br />

uns das Engagement von Buchdrucker<br />

Michael Wagner zum Vorbild nehmen und<br />

mit unerschütterlicher Zuversicht in die<br />

Zukunft blicken.<br />

Die Buchhandlung<br />

Leporello in Wien<br />

Die Buchhandlung Leporello in Wien<br />

befindet sich in unmittelbarer Nähe des<br />

Stephansdoms und es freut uns, dass sie seit<br />

1. April zur „Wagner’schen Familie“ gehört.<br />

Buchhändler*innen-Duo Rotraut Schöberl<br />

und Erwin Riedesser werden auch in Zukunft<br />

die Geschicke dieser Buchhandlung<br />

mitgestalten – allerdings in einem geringeren<br />

Ausmaß. Damit bleibt den beiden mehr<br />

Zeit fürs Lesen sowie für Gespräche über<br />

Literatur, sei es live oder gestreamt. Für die<br />

Kundinnen und Kunden wird sich dadurch<br />

vorerst nichts ändern, denn wie sagt Frau<br />

Schöberl so schön: „Die Leporello-Formel<br />

bleibt.“<br />

Im Sommer erscheint unser lang ersehntes<br />

Tirol-Wimmelbuch, das bestimmt nicht nur<br />

Kinderherzen höherschlagen lässt, sondern<br />

auch ältere Semester zum Staunen bringt.<br />

Wir können es auch kaum erwarten, dass<br />

unsere beiden Nostalgie-Puzzles bald angeliefert<br />

werden – sie erzählen vieles über<br />

das Leben der damaligen Zeit und sind<br />

mit 1.000 Teilen gewiss auch mehr als eine<br />

abendfüllende Beschäftigung! Der Schulbeginn<br />

im September wird für uns heuer<br />

besonders aufregend: unser fröhlich-frech<br />

illustriertes Innsbruck-Spiel Kids kommt auf<br />

den Markt, für das sich unsere Lieblings-<br />

Expert*innen tolle Fragen ausgedacht<br />

haben. Und übrigens: Die dunklen Herbsttage<br />

werden in diesem Jahr gewiss lustig<br />

und hoffentlich auch geselliger, denn Ende<br />

Oktober erscheint unser Tirol-Spiel.<br />

Buchtipps aus<br />

unseren Abteilungen<br />

In dieser Ausgabe ist es uns besonders<br />

wichtig, einige unserer wunderbaren Buchhändler*innen<br />

vor den Vorhang zu holen.<br />

Auf diesen Seiten finden Sie tolle Buchtipps<br />

aus den Bereichen Literatur und Krimi,<br />

aber auch schöne Empfehlungen zu Reise-,<br />

Ratgeber- oder Fachbüchern. In der Abteilung<br />

von Clemens Bruch erwarten Sie<br />

Karten für jeden Anlass und jede Jahreszeit,<br />

aber auch andere hübsche Dinge, wie zum<br />

Beispiel schöne Spiele für Kinder. Hochwertige<br />

Brotdosen und Thermoskannen mit<br />

alpinen Motiven runden sein Sortiment ab<br />

und sollen Lust machen, sich bei der Jause<br />

am Gipfel nicht nur an der Schönheit der<br />

Berge zu erfreuen, sondern auch über die<br />

mitgebrachten Picknickutensilien.<br />

Unsere Gastrojungs, Martin Beimler<br />

und Christian Speicher, haben sich für ihr<br />

Café mächtig ins Zeug gelegt: da wurde<br />

gehämmert, getischlert und geschuftet.<br />

Nun ist der Umbau abgeschlossen und das<br />

geräumige Café strahlt in neuem Glanz.<br />

Chapeau! Die beiden haben es vor allem<br />

geschafft, in den vergangenen Monaten<br />

nicht den Mut zu verlieren. Sie nutzten die<br />

Zeit, um ihre traumhaften Rezepte auszuprobieren<br />

und zu verfeinern. Das Team<br />

der Wagner’schen Buchhandlung durfte<br />

gelegentlich vorkosten: Porridge mit Nüssen<br />

und frischem Obst, Chia-Pudding, Croissants<br />

zum Niederknien und frisches knuspriges<br />

Sauerteigbrot mit unterschiedlichen<br />

Toppings. Zum Verlieben gut! Das Café<br />

Momo serviert künftig biozertifizierten<br />

Kaffee, der Sie vitalisiert und Ihnen so gut<br />

tut, dass Sie an diesem schönen Ort weiter<br />

genüsslich Ihren Träumen nachhängen<br />

können.<br />

Schönes<br />

nicht verpassen<br />

Wir wagen es, wieder Veranstaltungen zu<br />

planen. In diesem Magazin finden sie einige<br />

Veranstaltungshinweise und Interviews mit<br />

interessanten Autor*innen. Wir sind gespannt,<br />

wie Ihnen der Debütroman von<br />

Katharina Schaller mit dem Titel Unterwasserflimmern<br />

(Haymon) gefallen wird<br />

(S. 52 und 53). Auch freut uns, dass wir<br />

hoffentlich Schriftsteller Norbert Gstrein<br />

am 6. Mai um 19.30 Uhr bei uns begrüßen<br />

dürfen. Lesen Sie das Interview über seinen<br />

aufrüttelnden neuen Roman auf Seite 28<br />

und 29. Ebenso in unserem Magazin mit<br />

Interviews vertreten sind David Schalko,<br />

Barbara Hundegger, Gertraud Klemm,<br />

Franzobel, Judith Hermann und viele<br />

mehr … Viel Vergnügen!<br />

Wir freuen uns auf Sie!<br />

Markus Renk und Gerlinde Tamerl


Leporello<br />

die Buchhandlung<br />

Wien<br />

Bibliophiles Schmuckkästchen<br />

im Schatten des Stephansdoms<br />

Die Buchhandlung Leporello in Wien gehört ab nun<br />

auch zur „Wagner’schen Familie“.<br />

Unter einem „Leporello“ versteht man<br />

ein faltbares Heft in Form eines langen<br />

Papier- oder Kartonstreifens, der ziehharmonikaartig<br />

zusammengelegt ist. Erst<br />

beim Öffnen zeigt sich seine ästhetisch<br />

reizvolle Form. Es ist kein Zufall, dass<br />

Rotraut Schöberl und Erwin Riedesser<br />

ihre Buchhandlung, die sie 1994 im Schatten<br />

des Stephansdoms eröffneten, nach<br />

einem bibliophilen Papierprodukt tauften.<br />

Die Bezeichnung geht auf Mozarts Oper<br />

Don Giovanni zurück. Darin wird der<br />

Diener Leporello genannt – er führt Buch<br />

über die Amouren seines Herren, des<br />

Frauenhelden Don Giovanni. Mit diesem<br />

Opernverweis wird auch die theateraffine<br />

Seite dieser Buchhandlung unterstrichen.<br />

Das Betreten des Geschäfts ist wie das<br />

Öffnen eines Leporellos: Es flattern einem<br />

literarische Preziosen ins Gesicht – es<br />

fühlt sich an wie ein Aufbruch in einen<br />

neuen Bücherkontinent.<br />

Auch Rotraut Schöberl liebt es zu reisen.<br />

Die Inspiration dazu holt sie sich aus der<br />

Literatur. So wollte sie etwa nach der<br />

Lektüre von Susan Sontags Roman Der<br />

Liebhaber des Vulkans das wilde Neapel<br />

erkunden, und Schriftsteller Alexander<br />

Gorkow überzeugte sie mit seinem Roman<br />

Hotel Laguna davon, nach Mallorca aufzubrechen.<br />

Wenn Frau Schöberl nicht gerade<br />

mit ihrer Lektüre beschäftigt ist, dann hilft<br />

sie auch gerne anderen Menschen: Während<br />

des Lockdowns verkaufte sie in der Buchhandlung<br />

die sizilianischen Zitrusfrüchte<br />

ihrer Freundin. Lachend sagen Riedesser<br />

und Schöberl: „Wir mussten unsere Buchhandlung<br />

nie marketingmäßig mit Emotionen<br />

aufladen. Das Herzblut war immer<br />

schon da.“<br />

Wagner’sche-Geschäftsführer Markus<br />

Renk freut sich über den Zuwachs in der<br />

„Wagner’schen Familie“ und sagt: „Erwin<br />

Riedesser und Rotraut Schöberl haben der<br />

Buchhandlung Leporello eine Seele ge-<br />

geben. Menschen, die Bücher lieben,<br />

suchen genau das. Deshalb passt Leporello<br />

auch so gut zu uns.“<br />

Rotraut Schöberl und Erwin Riedesser<br />

werden auch in Zukunft die Geschicke<br />

der Buchhandlung Leporello mitgestalten –<br />

allerdings in einem geringeren Ausmaß.<br />

Damit bleibt den beiden mehr Zeit<br />

fürs Lesen sowie für Gespräche über<br />

Literatur, sei es live oder gestreamt. Für<br />

die Kundinnen und Kunden wird sich dadurch<br />

vorerst nichts ändern, denn wie sagt<br />

Frau Schöberl so schön: „Die Leporello-<br />

Formel bleibt.“<br />

Die Leporello-<br />

Formel bleibt.<br />

© Pamela Rußmann<br />

Rotraut Schöberl und Erwin Riedesser<br />

Bücher seit 1639<br />

7


Unser Postkarten-Dschungel<br />

Einzigartige Karten, schöne Spiele, nachhaltige Geschenke<br />

Eine coole Schaufensteraktion<br />

Ungewöhnliche Signierstunde mit Bernhard Aichner<br />

© www.fotowerk-aichner.at, Wagner’sche<br />

Wer sich in unserer Postkartenabteilung<br />

bewegt, fühlt sich ein wenig wie in einem<br />

Dschungel: Die Artenvielfalt ist beeindruckend.<br />

Hier lässt sich Einzigartiges<br />

entdecken. Zwischen den Regalen huscht<br />

der Schöpfer dieses Papierbiotops umher:<br />

Clemens Bruch. Er hat dieses Sortiment<br />

behutsam ausgewählt und dabei seinen<br />

Fokus nicht nur auf Schönheit, sondern<br />

auch auf Nachhaltigkeit gelegt, denn in<br />

seinem Dschungel gibt es kein Plastik.<br />

Wer bei dieser papieraffinen Expedition<br />

ein wenig ins Schwitzen gerät, dem sei ein<br />

natürliches Deo mit dem liebevollen Namen<br />

Achselkuss ans Herz gelegt. Und wem der<br />

Abschied aus diesem Zauberwald besonders<br />

schwerfällt, der kann sich einen schönen<br />

Fleck Erde in Form einer Unterhose oder<br />

das große Wimmel-Such-Spiel Erster<br />

sein! Dschungel mit nach Hause nehmen.<br />

Darin gibt es herrliche Exoten zu entdecken:<br />

Wer findet das Goldaguti oder den<br />

Giraffenkäfer zuerst? Es wird ein herrlicher<br />

Familienspaß!<br />

Eigentlich wollten wir Sie, liebe Bernhard-<br />

Aichner-Fans, zu uns in die Buchhandlung<br />

einladen, doch leider war eine Signieraktion<br />

mit Publikum coronabedingt nicht möglich.<br />

Also haben wir uns etwas Besonderes<br />

ausgedacht: Bernhard Aichner hat sich zum<br />

Signieren einen Tag lang in unser Schaufenster<br />

gesetzt, so konnten Sie ihm zumindest<br />

zuwinken. Das war ein Spaß! Wir<br />

können Ihnen übrigens seinen neuen Krimi<br />

Dunkelkammer sehr ans Herz legen.<br />

Die persönliche und berufliche Geschichte<br />

von Aichners Hauptfigur, dem Pressefotografen<br />

David Bronski, geht wirklich<br />

unter die Haut. Bernhard Aichner hat<br />

uns übrigens verraten, welches Buch ihn<br />

zuletzt besonders fasziniert hat: Es ist<br />

der Roman von Benedict Wells Hard Land.<br />

Unten stehend finden Sie seine kurze<br />

Besprechung. Wir wünschen Ihnen<br />

schöne Lesestunden.<br />

© Bernhard Aichner<br />

Buchtipp:<br />

Buchtipp:<br />

Buchtipp:<br />

Liebkosung für die Achseln<br />

Dieses Deo wirkt auch bei der spannendsten<br />

Lektüre und dem aufregendsten Spiel:<br />

Achselkuss schützt mit hochwertigen<br />

ätherischen Ölen und natürlichen Inhaltsstoffen<br />

bis zu 24 Stunden. Die vegane<br />

Deocreme wird in Österreich hergestel<br />

lt und ist in neun Sorten erhältlich.<br />

Auf synthetische Duft- und Konservierungsstoffe,<br />

Erdölprodukte, Parabene,<br />

Silikone, Palmfett oder Aluminiumsalze<br />

wird verzichtet.<br />

Achselkuss-Deocreme € 14,90<br />

© www.achselkuss.at<br />

Entdecke die Meerestiere<br />

Hurra, ein neues Wimmel-Such-Spiel<br />

aus dem Laurence-King-Verlag ist da!<br />

300 Meerestiere verstecken sich auf dem<br />

Wimmelspielbrett: Wo ist denn bloß der<br />

Barrakuda oder der Walhai? Wer findet<br />

den Vampirtintenfisch oder das Perlboot?<br />

Dieses lustige Wimmel-Such-Spiel<br />

ist leicht zu verstehen und begeistert<br />

Erwachsene und Kinder gleichermaßen.<br />

Erster sein! Meere.<br />

Das große Wimmel-Such-Spiel.<br />

Laurence King Verlag, € 24,90<br />

© Laurence King Verlag<br />

Ein schöner Fleck Erde<br />

Diese Boxershorts heißen nicht umsonst<br />

Ein schöner Fleck Erde, denn hier wurden<br />

detailgetreue Landkarten aufgedruckt,<br />

auf denen Sie ihren liebsten Gipfel<br />

erblicken können. Der anschmiegsame<br />

Stoff wurde aus handgepflückter Biobaumwolle<br />

gefertigt, und die gesamte<br />

Produktionskette ist ökologisch und fair,<br />

sodass Sie sich in diesem Kleidungsstück<br />

uneingeschränkt wohlfühlen können.<br />

Genießen Sie ihr persönliches Gipfelglück.<br />

Damen: € 25,00, Herren: € 29,00<br />

© www.esfe.at<br />

Mountainbiken liegt voll im Trend.<br />

Trotzdem scheint der Sprung von der<br />

Feierabendrunde zur Mehrtagestour für<br />

viele Hobbybiker*innen eine Hürde. Mit<br />

dem vorliegenden Ratgeber, dem ersten<br />

seiner Art, ist diese jedoch leicht zu<br />

nehmen. Das Buch begleitet sachkundig<br />

zum und durch den ersten längeren<br />

MTB-Trip. Klar strukturiert gibt es<br />

motivierende Antworten auf oft gestellte<br />

Fragen: Wie gehe ich die Planung an?<br />

Muss ich speziell trainieren? Was nehme<br />

ich mit? Was tun, wenn eine Panne<br />

passiert?<br />

Barbara Pirringer:<br />

Abenteuer Mountainbiken<br />

Tyrolia-Verlag, 176 S., € 19,95<br />

50 Jahre nach seiner Entstehung erfreut<br />

sich der Nationalpark Hohe Tauern<br />

außerordentlicher Beliebtheit. Susanne<br />

Schaber und Herbert Raffalt folgen in<br />

ihrem Buch den Spuren der Tiere und<br />

Pflanzen, erforschen die geologischen<br />

und geografischen Besonderheiten<br />

und entdecken die Traditionen in den<br />

Tälern zwischen Gipfeln, Graten und<br />

Gletschern. Entstanden ist dabei ein<br />

vielseitiges Porträt des größten Nationalparks<br />

der Alpen und eine Einladung,<br />

diesen besonderen Platz im Herz der<br />

Alpen mit allen Sinnen zu erfahren.<br />

Susanne Schaber, mit Fotografien<br />

von Herbert Raffalt:<br />

Nationalpark Hohe Tauern<br />

Tyrolia-Verlag, 208 S., € 35,55<br />

Eine wunderbare Reise zurück in die<br />

80er-Jahre. Fein gesponnen und liebevoll<br />

erzählt. Alles dreht sich um den ersten<br />

Kuss, den ersten Rausch, die Pubertät,<br />

die an einem nagt, und um Musik, zu der<br />

wir verliebt, mit Pickeln im Gesicht, in<br />

der Disco getanzt haben. Herrlich. Auch,<br />

dass einer dieses Buch geschrieben hat,<br />

der damals gerade erst drei Jahre alt war.<br />

Benedict Wells kann schreiben. Und fesseln.<br />

Denn auch wenn man anfangs keine<br />

große Lust hat, ein Buch über Jugendliche<br />

zu lesen, man tut es trotzdem. Und hat<br />

viel Freude dabei! Bernhard Aichner<br />

Benedict Wells:<br />

Hard Land<br />

Diogenes Verlag, 352 S., € 25,30


Bücher machen das Leben vielfälti ger und schöner.<br />

Herrliche Lektüre für große und kleine Leseratten<br />

© www.fotowerk-aichner.at<br />

Erkunden Sie unbedingt auch den ersten<br />

Stock der Wagner’schen, denn hier erwarten<br />

Sie nicht nur das zauberhafte Café Momo,<br />

sondern auch Köstlichkeiten in Buchform,<br />

die Ihr Alltagsleben garantiert versüßen.<br />

Unsere vergnügte Abteilungsleiterin Maria<br />

Neumayr kennt sich hier hervorragend<br />

aus und berät auch gern die allerkleinsten<br />

Leseratten. Neben Koch- und Kinderbüchern<br />

finden Sie hier Lektüre, die Sie in<br />

allen Lebenslangen berät, oder Bücher, die<br />

Ihnen dabei helfen, Ihr Leben bunter oder<br />

nachhaltiger zu gestalten. Dominik Renk ist<br />

neu in unserem Team. Auf dem Foto stellt<br />

er gerade eine besondere Neuerscheinung<br />

ins Regal: Dancing with the Bees beschäftigt<br />

sich mit dem geheimnisvollen Leben der<br />

Bienen. Dieses wundervolle Buch aus dem<br />

Löwenzahn-Verlag möchten wir Ihnen<br />

wärmstens empfehlen.<br />

Sie begeistern sich für Geschichte, Kunst,<br />

Sprache, Medizin, EDV, Wirtschaft,<br />

Naturwissenschaft, Juridika, Biografien,<br />

Philosophie oder Theologie? Dann sind sie<br />

in unserer Fachbuchabteilung goldrichtig.<br />

Hier kann man in Ruhe schmökern und<br />

sich von unseren kompetenten Kolleg*innen<br />

beraten lassen. Abteilungsleiter Peter<br />

Walder-Gottsbacher, selbst Autor verschiedener<br />

Publikationen, hat das vielfältige<br />

Sortiment im Blick und überrascht<br />

auch Sie gerne mit anregenden Buchtipps.<br />

Interessant ist etwa das Buch über den<br />

Maler Franz Defregger, dem gerade eine<br />

sehenswerte Ausstellung im Tiroler Landesmuseum<br />

gewidmet ist. Und übrigens: Wir<br />

freuen uns, dass unsere Kollegin Helena<br />

Töchterle (rechts im Bild) demnächst ihr<br />

Philosophiestudium abschließen und auch<br />

danach unser Team weiterhin bereichern<br />

wird.<br />

© www.fotowerk-aichner.at<br />

Buchtipp:<br />

Buchtipp:<br />

Buchtipp:<br />

Buchtipp:<br />

Buchtipp:<br />

Buchtipp:<br />

Versammeln Sie Ihre Freund*innen<br />

um den Tisch und servieren Sie mit<br />

kleinem Aufwand Gerichte, die begeistern<br />

werden! In diesem Kochbuch für<br />

Gäst*innen finden Sie über 100 Rezepte<br />

mit mediterranem Flair, die sich für jede<br />

Gelegenheit eignen und sich perfekt<br />

aufeinander abstimmen lassen. Begleitet<br />

werden die schmackhaften Rezepte von<br />

Tipps für die perfekte Dekoration und<br />

Anleitungen, wie man sein Menü optimal<br />

in Szene setzt. Kochen für Gäst*innen<br />

war nie einfacher und entspannter!<br />

Skye McAlpine:<br />

Zu Tisch mit Freunden<br />

Knesebeck Verlag, 320 S., € 30,80<br />

Mit dem ersten umfassenden Weber-<br />

Gasgrillbuch sind endlich alle Grillaktivitäten<br />

abgedeckt. Neben über<br />

250 neuen und kreativen Rezepten für<br />

Gasgrillfans zeigt Grillprofi Manuel<br />

Weyer im neuen Weber-Standardwerk<br />

außerdem, wie der Grill optimal eingestellt<br />

und das Ergebnis perfekt wird!<br />

Die umfangreichen Rezepte halten dabei<br />

für jeden Gaumen etwas bereit: Fleischfans,<br />

Fischliebhaber*innen, vegan und<br />

vegetarisch lebende Gäst*innen sowie<br />

Kinder kommen voll auf Ihre Kosten.<br />

Ein Muss für die Grillsaison!<br />

Manuel Weyer:<br />

Weber‘s Gasgrillbibel<br />

Gräfe & Unzer Verlag,<br />

360 S., € 31,50<br />

Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers hat<br />

die Selbstversorgung und das Landleben<br />

für sich entdeckt! In Homefarming zeigt<br />

sie anfänger*innengerecht, wie sie in ihren<br />

ersten beiden Jahren als Selbstversorgerin<br />

schrittweise vorgegangen ist, welche<br />

Erfahrungen sie gemacht hat, dass auch<br />

Fehler dazugehören und was man daraus<br />

lernen kann. Judith Rakers will inspirieren<br />

und Mut machen, einfach anzufangen<br />

mit der Selbstversorgung. Unterhaltsam,<br />

inspirierend und sehr persönlich.<br />

Judith Rakers:<br />

Homefarming: Selbstversorgung<br />

ohne grünen Daumen<br />

Gräfe & Unzer Verlag,<br />

240 S., € 23,30<br />

Nach dem Motto „Wer zuerst lacht,<br />

lernt am besten!“ bietet das im PONS-<br />

Verlag erschienene Buch 101 Witze –<br />

Italienisch eine kurzweilige und sehr<br />

erheiternde Hilfestellung für all jene, die<br />

sich auf spielerische Art die italienische<br />

Sprache aneignen möchten. Neben<br />

Witzen, Wortspielen und Abbildungen<br />

finden sich auch lockere Übungen in drei<br />

Schwierigkeitsgraden zu Grammatik und<br />

Wortschatz in dem Buch, um den Lernfortschritt<br />

zu überprüfen. Egal ob für<br />

Anfänger*innen oder Fortgeschrittene –<br />

dieses Buch entlockt einem mit Sicherheit<br />

den ein oder anderen Lacher.<br />

101 Witze – Italienisch zum Lachen und Lernen<br />

PONS, 192 S., € 13,00<br />

Für alle, die Panik bekommen, sobald<br />

sie auf Italienisch mehr sagen müssen<br />

als „C’è una gelateria qui vicino?“ ist<br />

das Buch Parla! Nie mehr sprachlos geschrieben<br />

worden. Hier findet man echte<br />

italienische Dialoge für verschiedenste<br />

Situationen, die ganz unkompliziert,<br />

ohne Grammatik und Fachjargon erlernt<br />

werden können. Mit der angeführten<br />

Lautschrift lernt man die Aussprache<br />

außerdem kinderleicht. Ob es darum<br />

geht, jemandem Glück zu wünschen,<br />

nach der Wettervorhersage zu fragen<br />

oder sich in einer Autowerkstatt<br />

zurechtzufinden: Mit diesem Buch ist<br />

man wirklich für jeden Italienaufenthalt<br />

gewappnet.<br />

Parla! Nie mehr sprachlos<br />

PONS, 160 S., € 10,90<br />

Haben Sie fünf Minuten Zeit? Dann<br />

lesen Sie los! In diesem Buch finden sich<br />

kurzweilige 5-Minuten-Lektüren auf<br />

Englisch – kurze und einfache Geschichten,<br />

mit denen man Großbritannien und<br />

seine Gepflogenheiten kennenlernen<br />

kann. Dieses Buch, das perfekt in jede<br />

Tasche passt, ist mit liebevoll illustrierten<br />

Mindmaps ausgestattet, um sich neu<br />

erlernte Vokabeln besser merken zu können.<br />

Es ist also egal, ob man zu Hause<br />

liest oder sich die Zeit beim Warten auf<br />

den Bus verkürzen will: Die 5-Minuten-<br />

Lektüren sind genau das Richtige für<br />

alle, die ihre Sprachkompetenz nebenbei<br />

verbessern möchten.<br />

5-Minuten-Lektüren Englisch A2 – An Apple a Day<br />

PONS, 128 S., € 9,90


story.one<br />

story.one<br />

story.one<br />

Unser neues Geschäft in<br />

der Innsbrucker Altstadt<br />

Die Wagner’sche hat nun auch ein kleines Geschäft<br />

in der Innsbrucker Altstadt eröffnet<br />

und kehrt damit zu ihren Ursprüngen zurück.<br />

Die Geschichte der Wagner’schen Buchhandlung<br />

begann 1639 in der Innsbrucker<br />

Altstadt. 382 Jahre später, am 12. März<br />

2021, haben wir in der Herzog-Friedrich-<br />

Straße 22 ein kleines, aber feines Bücherund<br />

Geschenkegeschäft eröffnet. Dieser<br />

Standort bedeutet uns sehr viel, denn<br />

er erinnert uns an den Buchdruckergesellen<br />

Michael Wagner, mit dem die Geschichte<br />

unseres Unternehmens begann. Er betrieb<br />

in der Altstadt nicht nur eine Buchhandlung,<br />

sondern auch einen Verlag und eine<br />

Druckerei.<br />

Das Trautsonhaus –<br />

schmuckreiches Gebäude<br />

in der Altstadt<br />

Unser Geschäft unter den Lauben befindet<br />

sich in einem einzigartigen Gebäude,<br />

nämlich dem Trautsonhaus. Es ist eines<br />

der bedeutendsten Innsbrucker Altstadthäuser<br />

aus der Zeit des Überganges von der<br />

Gotik zur Renaissance und wurde erst vor<br />

Kurzem behutsam renoviert. Die typischen<br />

Malereien im Stil der Renaissance allerdings<br />

entdeckte man schon während des Zweiten<br />

Weltkrieges. Per-pedes-Stadtführerin<br />

Monika Frenzel verriet uns, dass man die<br />

Altstadthäuser während der Pestepidemien<br />

mit Kalk übertünchte. Offenbar vergaß man<br />

über die Jahrhunderte, den Putz wieder abzunehmen.<br />

Als während des Zweiten Weltkrieges<br />

knapp vor dem Haus eine Bombe<br />

einschlug, fiel durch die Erschütterung der<br />

Putz vom Mauerwerk und offenbarte die<br />

zierlichen Renaissance-Malereien, die noch<br />

heute die Fassade bereichern.<br />

Vielfältiges und abwechslungsreiches<br />

Sortiment<br />

In der überschaubaren Größe unseres<br />

Geschäfts liegt besonderes Gestaltungspotenzial,<br />

denn wir werden künftig in<br />

einem vierzehntätigen Rhythmus immer<br />

neue Themenschwerpunkte setzen. Das<br />

aktuelle Sortiment wurde von Markus Renk<br />

und den engagierten Mitarbeiter*innen<br />

der Wagner’schen zusammengestellt und<br />

möchte Menschen ansprechen, die schöne<br />

und nachhaltige Geschenke für Kinder<br />

suchen, im Vorbeigehen das ein oder andere<br />

aktuelle Buch kaufen möchten oder sich für<br />

Lifestyle und Mode interessieren. Selbstverständlich<br />

sind auch die Produkte aus unserem<br />

Verlag in der Altstadt erhältlich, etwa<br />

unsere Erinnerungsreihe. Es sind Bücher,<br />

die Geschichten von Innsbrucker Stadtteilen<br />

erzählen. Ebenso präsentiert werden<br />

die Innsbruck-Wimmelbücher, das Innsbruck-Spiel,<br />

unsere Puzzles sowie T-Shirts<br />

und Taschen mit dem Aufdruck „Bücher<br />

versetzen Berge“, gedruckt von Werbetextildrucker<br />

Wolfgang Eder in Buch in Tirol.<br />

Karten und besondere<br />

Spezialitäten<br />

Es gibt auch Karten für jeden Anlass<br />

und jede Jahreszeit, aber auch besondere<br />

Spezialitäten, zum Beispiel köstliche<br />

Zuckerln, die nach Jahrhundertwenderezepten<br />

hergestellt werden. Hochwertige<br />

Brotdosen und Thermoskannen mit alpinen<br />

Motiven runden unser Sortiment ab und<br />

sollen Lust machen, sich bei der Jause am<br />

Gipfel nicht nur über die Schönheit der<br />

Berge, sondern auch an den mitgebrachten<br />

Picknickutensilien zu erfreuen.<br />

Life is a Story – Das story.one Notizbuch<br />

Notizbuch<br />

Life is a Story – Das story.one Notizbuch<br />

Notizbuch<br />

Life is a Story – Das story.one Notizbuch<br />

Notizbuch<br />

Fotos: © Christopher Spiegel und www.fotowerk-aichner.at<br />

12 Wagner’sche.<br />

Wo aus Geschichten<br />

Bücher werden<br />

Wo aus Geschichten<br />

Bücher werden<br />

Wo aus Geschichten<br />

Bücher werden<br />

Notizbücher<br />

€ 9,90<br />

Innsbrucker<br />

Nostalgie-Puzzle<br />

(1.000 Teile)<br />

€ 17,95


„Bei uns wimmelt es wieder …“<br />

Hier staunen nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene<br />

Unsere neuen Brettspiele<br />

Spielend leicht lernen und dabei Spaß haben!<br />

Buchtipp:<br />

Bettina Egger, Maria Kittler:<br />

Das Tirol-Wimmelbuch<br />

Verlag der Wagner’schen<br />

Buchhandlung,<br />

16 S., € 19,95<br />

Erscheint im Sommer 2021<br />

Bettina Egger - Maria Kittler<br />

DAS Tirol-Wimmelbuch<br />

© Sweet little Moments, Martina Wagener<br />

Es macht großen Spaß, gemeinsam mit<br />

Kindern Wimmelbücher anzusehen. Das<br />

Staunen über liebevoll gemalte Bilder<br />

stärkt nicht nur die Beziehung, sondern<br />

fördert auch die sprachliche Entwicklung.<br />

Wir freuen uns sehr darüber, dass unser<br />

lang herbeigesehntes Tirol-Wimmelbuch im<br />

Sommer erscheinen wird. Maria Kittler war<br />

in den vergangenen Monaten mit Illustratorin<br />

Bettina Egger in ganz Tirol unterwegs<br />

und erzählt: „Ich bin von der Vielfalt Tirols<br />

wirklich sehr begeistert, und es ist uns gar<br />

nicht leichtgefallen, die Motive für die acht<br />

Doppelseiten auszuwählen.“ Kittler und<br />

Egger sind ein eingespieltes Team: erst<br />

2019 haben sie das erfolgreiche Innsbruck-<br />

Wimmelbuch in unserem Verlag veröffentlicht.<br />

Ihre Recherchetour für das Tirol-<br />

Wimmelbuch war aufwendig: sie haben<br />

viele Menschen in den einzelnen Bezirken<br />

getroffen, sind gewandert, haben Vögel und<br />

andere Tiere beobachtet und waren bei<br />

Stadtführungen dabei. Sie trotzten Wind,<br />

Regen und Kälte, damit dieses wunderschöne<br />

Buch erscheinen kann.<br />

Unsere Wimmelbücher werden in<br />

einem umweltfreundlichen „Cradle tor<br />

Cradle“-Verfahren hergestellt, dem derzeit<br />

höchsten Qualitätslevel für ökologischen<br />

Druck.<br />

Das Innsbruck-Spiel Kids<br />

Der Schulbeginn im September wird für uns<br />

heuer sehr aufregend: unser Innsbruck-Spiel<br />

Kids kommt auf den Markt, für das sich<br />

unsere Lieblings-Expert*innen Antworten<br />

zu Fragen ausgedacht haben, über die bestimmt<br />

viele Kinder manchmal nachdenken:<br />

Stampften vor ein paar Tausend Jahren<br />

Dinos durch Innsbruck? Welche Funktion<br />

erfüllte einst der Stadtturm? Und hoppala:<br />

Was macht denn dieser freche Wolf am<br />

Spielbrett? Radelt der gar ohne Helm?<br />

Unser neues Innsbruck-Spiel Kids, keck<br />

illustriert von Julia Kotulla und grafisch<br />

gestaltet von Ines Graus, soll nicht nur<br />

Spaß in jede Familie, sondern auch in<br />

viele Klassenzimmer bringen, denn dieses<br />

Wissensquiz folgt dem neuen Sachunterrichtslehrplan<br />

und entsteht mit fachlicher<br />

Unterstützung der Pädagogischen Hochschule<br />

Tirol. Thomas Schöpf, Rektor der<br />

PH-Tirol, freut sich über unsere Zusammenarbeit:<br />

„Ein regionales Brettspiel,<br />

das dem neuen Sachunterrichtslehrplan<br />

folgt, ist genau das, was in den Klassenzimmern<br />

gebraucht wird, um regionales<br />

Wissen pädagogisch abwechslungsreich zu<br />

vermitteln. Spielend lernen erzeugt positive<br />

Gefühle. Die Kinder können das Gelernte<br />

besser verinnerlichen.“<br />

Innsbruck-Spiel<br />

Kids<br />

€ 29,95 €<br />

Erscheint im<br />

September 2021<br />

Weitere Wimmelbücher aus unserem Verlag<br />

Wir bauen ein Haus<br />

Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer<br />

Tirol (WKO) gestalten wir das Wimmelbuch<br />

Wir bauen ein Haus, das von Illustratorin<br />

Julia Kotulla gezeichnet wurde und<br />

im Sommer erscheinen wird. Es erzählt<br />

vom Hausbau einer jungen Familie mit<br />

zwei Kindern, einer Katze und einem<br />

Hund. Dabei sehen die Kinder, was auf<br />

einer Baustelle passiert, und sie lernen die<br />

Handwerksberufe näher kennen. Auf den<br />

Seiten verstecken sich auch zwei freche<br />

Mäuse, die auch in dieses hübsche Haus<br />

einziehen und eine Familie gründen.<br />

© Julia Kotulla<br />

Wo ist Therese?<br />

MPREIS feierte erst kürzlich sein<br />

100-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass<br />

erscheint im April das Wimmelbuch<br />

Wo ist Therese?, gestaltet von Illustratorin<br />

Stella Chitzos. In diesem Buch lernen<br />

Kinder neben den Supermärkten auch<br />

die Produktionsstätten von MPREIS<br />

kennen, etwa die Bäckerei. Auf jeder<br />

Seite versteckt sich Firmengründerin<br />

Therese Mölk. Heinzelmännchen helfen<br />

Therese bei der Arbeit, und es gibt auch<br />

zwei süße Mäuse, denen man dabei<br />

zusehen kann, wie sie sich ineinander<br />

verlieben.<br />

© Stella Chitzos<br />

Das Telfs-Wimmelbuch<br />

Die Bücherei & Spielothek Telfs ist in ein<br />

neues Bibliotheksgebäude umgezogen.<br />

Zu diesem Anlass gestalten wir mit den<br />

Bibliothekar*innen das Telfs-Wimmelbuch,<br />

das von Illustratorin Stella Chitzos<br />

gezeichnet wurde und im Sommer erscheinen<br />

wird. In diesem Buch entdecken<br />

Kinder das vielfältige Leben in Telfs, den<br />

Frühling am Widumanger, den Herbst<br />

in Moritzen, den Winter in Mösern. Dazwischen<br />

ist die Bibliothek zu sehen, und<br />

die kleine Büchereieule lässt sich auch<br />

hin und wieder blicken.<br />

© Stella Chitzos<br />

Tirol-Spiel<br />

€ 45,00 €<br />

Erscheint im<br />

Oktober 2021<br />

Das neue Tirol-Spiel<br />

Haben Sie Lust, eine Reise durch Tirol zu<br />

unternehmen und vielen Fragen rund „um<br />

das Land im Gebirg“ auf den Grund zu<br />

gehen? Weswegen entwickelte sich etwa<br />

Imst zu einem Zentrum der Singvogelzucht?<br />

Welche Gletscher zählen zu den ältesten in<br />

Tirol und welcher Fluss bildet die Grenze<br />

zwischen Oberland und Unterland? Was<br />

versteht man unter dem Begriff „Brente“?<br />

Und ist es wirklich wahr, dass man um<br />

1900 im Innsbrucker Kaffeehaus Munding<br />

„Cocain-Sekt“ verkaufte? Zahlreichen<br />

Expert*innen aus den einzelnen Tiroler<br />

Regionen haben informative, aber auch<br />

kuriose Wissensfragen aus den Kategorien<br />

Sport, Geschichte, Kultur und Natur für<br />

Sie zusammengetragen, damit die dunklen<br />

Herbsttage in diesem Jahr garantiert<br />

nicht langweilig und hoffentlich geselliger<br />

werden. Wie in unserem erfolgreichen Innsbruck-Spiel<br />

gibt es wieder Aktivitätsfragen,<br />

bei denen Sie Ihre rhetorischen, kreativen<br />

und schauspielerischen Talente uneingeschränkt<br />

entfalten können.


Debütautorin Katharina Schaller<br />

im Gespräch mit Literaturkritikerin<br />

Veronika Schuchter.<br />

Sehnsuchtsort<br />

Café Momo<br />

Martin Beimler und Christian Speicher<br />

werden künftig im Café Momo ihre gesunden und<br />

selbst gemachten Köstlichkeiten servieren.<br />

Markus Renk genießt einen Kaffee,<br />

während Bestsellerautor Bernhard<br />

Aichner seinen neuen Krimi signiert.<br />

Unsere Gastrojungs haben sich für ihr<br />

Café mächtig ins Zeug gelegt: da wurde<br />

gehämmert, getischlert und geschuftet.<br />

Nun ist der Umbau abgeschlossen, und das<br />

geräumige Café strahlt in neuem Glanz.<br />

Chapeau! Martin Beimler und Christian<br />

Speicher haben es vor allem geschafft, in<br />

den vergangenen Monaten nicht den Mut<br />

zu verlieren. Sie nutzten die Zeit, um ihre<br />

traumhaften Rezepte auszuprobieren und<br />

zu verfeinern. Das Team der Wagner’schen<br />

Buchhandlung durfte gelegentlich vorkosten:<br />

Porridge mit Nüssen und frischem<br />

Obst, Chia-Pudding, Croissants zum<br />

Niederknien und frisches knuspriges Sauerteigbrot<br />

mit unterschiedlichen Toppings.<br />

Zum Verlieben gut!<br />

Grafikerin Ines Graus im herzlichen<br />

Designgespräch mit Gerlinde Tamerl.<br />

Momo schenkt<br />

uns Zeit<br />

Das neue Café trägt den Namen Momo.<br />

Erinnern Sie sich an das kleine Mädchen<br />

aus Michael Endes gleichnamigem Roman?<br />

Sie will vor allem eines: den Menschen Zeit<br />

schenken. Das wollten wir auch, deshalb<br />

haben wir einigen negativ getesteten Buchliebhaber*innen<br />

eine besondere Zeit geschenkt:<br />

ein Fotoshooting im Café Momo.<br />

Die Aktion fand natürlich unter strengen<br />

Sicherheitsauflagen statt, doch trotzdem hat<br />

Fotograf Christopher Spiegel die schöne<br />

Stimmung an diesem Sehnsuchtsort eingefangen.<br />

Martin Beimler ist der coolste<br />

Bäcker, den wir kennen.<br />

Schriftstellerin Carolina Schutti<br />

Fotos: © Christopher Spiegel<br />

Joe Fischler alias Jan Beck<br />

prostet mit Cappuccino.<br />

Biozertifizierter Kaffee<br />

Das Café Momo serviert biozertifizierten<br />

Kaffee, der Sie vitalisiert und Ihnen so<br />

gut tut, dass Sie an diesem schönen Ort<br />

weiter genüsslich Ihren Träumen nachhängen<br />

können. Serviert wird künftig ein<br />

abwechslungsreiches Frühstück für den<br />

perfekten Start in den Tag. Mittags gibt es<br />

frische, vegetarische Kleinigkeiten und am<br />

Nachmittag geht es weiter mit selbst gemachten<br />

Tartes und Kuchen.<br />

Christian Speicher und sein Porsche,<br />

der auch Kaffee machen kann.<br />

16 Wagner’sche.<br />

Übrigens: Die Kaffeebohnen können Sie<br />

künftig auch in der Wagner’schen und im<br />

Café Momo kaufen. 250g kosten 7,60€<br />

und 500 g 14,90€. Jede Packung enthält<br />

auch ein hübsches Lesezeichen!


Literatur in Tirol<br />

Neue Bücher sind da, Lesungen dazu gibt es aber kaum.<br />

Abwarten & Kaffee trinken lautet die Devise.<br />

Von Robert Renk<br />

Zum zweiten Mal wird die Leipziger Buchmesse<br />

abgesagt. Die zweitgrößte Buchmesse<br />

der Welt ist gerade für junge Autor*innen<br />

die wichtigste. Hier sind die Medien noch<br />

offener fürs Literarische und hier gibt es –<br />

normalerweise – unzählige Lesungen &<br />

Buchpräsentationen. Normalerweise! Heuer<br />

eben nicht. Nichts ist für die Branche<br />

normal, die quasi seit einem Jahr kaum eine<br />

„normale“ Lesung planen kann.<br />

Die Buchpräsentation von Eva-Maria<br />

Gintsberg (mit der Moderation von Brigitte<br />

Schwens-Harrant) haben wir vom<br />

März 2020 auf Oktober 2020 verschoben.<br />

Als wir den Oktobertermin absagen<br />

mussten, bewarben wir einen späten<br />

Febertermin für 2021. Auch aus dem<br />

wurde nichts. Wir kommen mit Verschieben<br />

gar nicht mehr nach. Die Reise, eine<br />

wunder feine und tiefsinnige Erzählung,<br />

wird wohl keine Buchpräsentation mehr<br />

bei uns erleben. Zu viel steht an, was aus<br />

dem aktuellen Jahr präsentiert werden<br />

möchte.<br />

© www.fotowerk-aichner.at<br />

Verschiebungen und<br />

Neuerscheinungen<br />

Und es gibt aus Tiroler Sicht viele Neuerscheinungen,<br />

die einer tollen Präsentation<br />

mehr als würdig sind. Einige sind<br />

bei uns geplant, wie man auf den nächsten<br />

Seiten lesen kann. Denn Neues gibt es<br />

von Norbert Gstrein, der seinen Roman<br />

Der zweite Jakob mit Stefan Gmünder<br />

bei uns vorstellen wird (S. 28), oder das<br />

Debüt von Katharina Schaller (S. 52).<br />

Oder der neue Gedichtband von Erika<br />

Wimmer Mazohl, der im Rahmen von<br />

W:ORTE – das 6. Lyrikfestival Tirol vorgestellt<br />

wird (S. 32). Dort liest auch Raoul<br />

Schrott, der soeben bei dtv einen wunderbaren<br />

Band mit Euripides-Übersetzungen<br />

vorgelegt hat.<br />

Beim 19. Prosafestival wird Stefan<br />

Abermann aus seinem aktuellen Buch lesen,<br />

wie übrigens auch Teilzeittirolerin Mieze<br />

Medusa (S 48).<br />

Robert Prosser, früherer Text-ohne-<br />

Reiter-Kollege von Stefan Abermann,<br />

legt ein neues Journal vor. Mit dem Fotografen<br />

Leonhard Pill reiste er im Sommer<br />

2019 in den Libanon mit dem Ziel, mehr<br />

vom Syrienkrieg und der Situation der Vertriebenen<br />

zu verstehen. Die zwischen Beirut<br />

und Balbeek zurückgelegten Wege rufen<br />

Erinnerungen an frühere Recherchen in<br />

Bosnien, Lesbos, Srebrenica und vor allem<br />

den Flüchtlingslagern der griechischen<br />

Inseln wach.<br />

Der Moderator des Prosafestival – Markus<br />

Köhle – war heuer besonders fleißig<br />

und bringt gleich zwei Bücher heraus: Mit<br />

Peter Clar hat er ein etwas anderes Lexikon<br />

zur Olympiade verfasst, ebenso informativ<br />

wie unterhaltsam. Changierend zwischen<br />

Kurzgeschiche und Kurzessay lesen wir<br />

etwas zu allen Sportarten, die heuer in<br />

Tokio ausgetragen werden. Und da man ja<br />

dorthin nicht reisen können wird, ist dieses<br />

Buch de facto die beste Alternative.<br />

Markus Köhle war heuer<br />

besonders fleißig<br />

Ebenfalls im Sonderzahl-Verlag erschien<br />

der grandiose Essayband Zurück in die<br />

Herkunft – Ein Nabelschaulauf zu den Textquellen.<br />

In 27 Kurztexten spürt Köhle den<br />

eigenen poetischen Idolen nach. Eine unverwechselbare<br />

Stimme der österreichischen<br />

Gegenwartsliteratur wird auf ihre vielfältigen<br />

Einflüsse hin lesbar, von Herbeck<br />

über Bernhard, Gerstl, Okopenko, Mayröcker,<br />

Jonke, Radax, Rühm und Jandl bis zu<br />

Pataki, Ujvary, Priessnitz und Kräftner.<br />

Ähnlich Fleißiges gibt es aus dem Krimilager<br />

zu berichten, denn unser Coverboy<br />

Bernhard Aichner schlägt 2021 gleich<br />

doppelt zu. Der Auftakt der neuen Krimireihe<br />

Dunkelkammer ist im März erschienen,<br />

der zweite Teil Gegenlicht kommt<br />

schon im Juli heraus. In dieser auf mehrere<br />

Teile angelegten Thrillerreihe ermittelt der<br />

Fotograf David Bronski. Wie Bernhard<br />

Aichner ist diese Hauptfigur in Tirol aufgewachsen<br />

und war Fotograf. Nun<br />

ist Bronski in Berlin gelandet, arbeitet für<br />

die Presse und widmet sich einem etwas<br />

bizarren Hobby. Um von seinem eigenen<br />

Leid abzulenken, dokumentiert er das<br />

Unglück anderer Menschen und hält es in<br />

Bildern fest. Dort, wo Menschen sterben,<br />

taucht er auf und macht Fotos. Analoge<br />

Bilder des Sterbens. Ein spektakulärer<br />

Mord, über den er berichten soll, führt<br />

ihn im ersten Teil zurück nach Tirol.<br />

Mord, Fotographie und Tirol – bei diesem<br />

Themenreigen wird Bernhard Aichner der<br />

Stoff so schnell nicht ausgehen. Ein Glück<br />

für uns Leser*innen.<br />

Auch Joe Fischler hat einen neuen<br />

Krimi geschrieben. Nach seinem Debüt<br />

als Thrillerautor unter dem Pseudonym<br />

Jan Beck erschien im März ein weiterer<br />

Arno-Bussi-Krimi bei Kiepenheuer &<br />

Witsch.<br />

Einen Toten gibt es auch im neuen<br />

Roman von Hans Platzgumer. Bogners<br />

Abgang ist zwar kein Krimi, aber: „eine<br />

meisterhafte Fingerübung in Sachen geschickter<br />

Spannungsaufbau. Denn mit<br />

jedem neuen Detail, das Platzgumer über<br />

das mitternächtliche Zusammentreffen von<br />

Kunst und Kritik enthüllt, mit jedem neuen<br />

Aspekt, den er in seine kunstvoll aus verschiedenen<br />

Perspektiven zusammengesetzte<br />

Erzählung schiebt, erscheint die Geschichte<br />

in neuem Licht“, so Joachim Leitner in der<br />

Tiroler Tageszeitung. Im Herbst werden wir<br />

hier in der Wagner’schen die – verspätete –<br />

Buchpräsentation mit Hans Platzgumer<br />

anbieten.<br />

Auch von Carolina Schutti gibt es Neues<br />

zu berichten, im Frühjahr erschien als<br />

Debüt bei Droschl ihr neuer Roman Der<br />

Himmel ist ein kleiner Kreis. Und bei der<br />

TAK dürfen wir uns auf den neuen Erzählband<br />

von Barbara Tilg freuen. In Weltachse<br />

begegnen wir einer Sprache mit einem<br />

archaischen und revolutionären Touch.<br />

Das passt sehr gut zu den Personen, die<br />

Tilg in ihren fünf Texten beschreibt:<br />

Sympatische Sturschädel, ob jung oder alt,<br />

die ihre Meinung und ihre Sprache dazu<br />

gefunden haben.<br />

Verleger und Autor<br />

Bernd Schuchter<br />

Bernd Schuchter bleibt seiner außergewöhnlichen<br />

Erzählform treu und legt<br />

erneut einen literarisch-biographischen<br />

Essayroman vor. Wir tauchen diesmal in<br />

das bewegte Leben im Paris des 19. Jahrhunderts<br />

im Allgemeinen und dem des<br />

Malers Gustave Courbet im Speziellen ein.<br />

Der Maler des Bildes L‘origine du monde<br />

hat selbst bei uns in Innsbruck als Bühnenbild<br />

einer Landestheateraufführung noch<br />

vor einem Jahrzehnt einen veritablen Skandal<br />

ausgelöst. Schuchter gelingt ein sensibles,<br />

gut recherchiertes und spannendes Portrait,<br />

in dem er auch die anarchistische Seite<br />

Courbets durchaus wohlwollend streift.<br />

So fleißig aber wie der Meisterrezensent<br />

Österreichs ist keiner: In sechs voluminösen<br />

Bänden hat der verdiente Sisyphus-Verlag<br />

schon über 5000 Rezensionen publiziert,<br />

die Helmuth Schönauer in seiner Zeit als<br />

Bibliothekar geschrieben hat. Mit untrüglichem<br />

Spürsinn für literarische Qualität<br />

und großem Enthusiasmus für das Buch<br />

und das Lesen an sich. Nun kommt schon<br />

das zweite Tagebuch eines pensionierten<br />

Bibliothekars. 130 Rezensionen aus dem<br />

Jahr 2020 sind zu lesen, und mit Sicherheit<br />

wird Helmuth Schönauer bei vielen<br />

Besprechungen wieder der Erste (und wohl<br />

manchesmal der Einzige) sein.<br />

Am meisten freue ich mich aber auf den<br />

neuen Roman von Alois Hotschnig, der<br />

im September bei Kiepenheuer & Witsch<br />

erscheinen wird. Ein neues Buch dieses<br />

grandiosen Stilisten ist immer ein Ereignis,<br />

und so wird dieses Buch gleich mit einer<br />

dreitägigen Präsentation gefeiert (S. 50)!<br />

Und wo bleibt der Roman von Martin<br />

Fritz? Er ist 2021 noch nicht in Sicht. Aber<br />

Martin Fritz tastet sich wohl heran, mit<br />

seinem im Herbst erschienenen Die Vorbereitung<br />

der Tiere bei Laurin gibt es ja ein<br />

herrliches Prosadebüt. Weiter so!<br />

Buchtipps:<br />

Eva Maria Gintsberg:<br />

Die Reise<br />

edition himmel,<br />

76 S., € 16,00<br />

Stefan Abermann:<br />

Changes<br />

edition laurin,<br />

192 S., € 20,50<br />

Markus Köhle:<br />

Zurück in die Herkunft –<br />

Ein Nabelschaulauf<br />

zu den Textquellen<br />

Sonderzahl Verlag,<br />

184 S., € 18,00<br />

Peter Clar/<br />

Markus Köhle:<br />

Schneller, höher und so<br />

weiter<br />

Sonderzahl Verlag,<br />

240 S., € 18,60<br />

Robert Prosser:<br />

Beirut im Sommer<br />

Klever Verlag,<br />

110 S., € 16,00<br />

Hans Platzgumer:<br />

Bogners Abgang<br />

Zsolnay Verlag,<br />

144 S., € 21,20<br />

Euripides:<br />

Die großen Stücke<br />

Übersetzt von:<br />

Raoul Schrott<br />

dtv Verlag,<br />

408 S., € 31,50<br />

Carolina Schutti:<br />

Der Himmel ist ein<br />

kleiner Kreis<br />

Droschl Verlag,<br />

152 S., € 19,60<br />

Barbara Tilg:<br />

Weltachse<br />

TAK Verlag, 130 S.,<br />

€ 20,00<br />

Helmuth Schönauer:<br />

Buch in Pension –<br />

Tagebuch eines pensionierten<br />

Bibliothekars 2<br />

Sisyphus Verlag,<br />

240 S., € 15,00


© XXX<br />

Bücher<br />

Stierle<br />

Salzburg<br />

Ring frei für<br />

Inspiration<br />

In Salzburg wird wieder gebattelt!<br />

© Bernhard Helminger<br />

Das Format<br />

ist in der Form<br />

einzigartig.<br />

Bernhard Helminger<br />

Bücher seit 1639<br />

Die Tage werden länger, die Nächte kürzer.<br />

Wenn der Frühling naht, heißt das eines:<br />

und zwar, das dass viele großartige Neuerscheinungen<br />

auf den Markt kommen.<br />

Wem jedoch schlichtweg die Zeit fehlt,<br />

sich durch alle vielversprechenden Titel<br />

der Frühlingsneuerscheinungen zu arbeiten,<br />

sei das Bücher-Battle empfohlen. Auch<br />

dieses Frühjahr steigen Bernhard Helminger<br />

und Autorin Mareike Fallwickl in den<br />

Ring und es wird wieder gebattelt.<br />

Die beiden Bücherwürmer mit einem stets<br />

kritischen Auge und einem guten Riecher<br />

für das gute Buch haben sich die letzten<br />

Wochen eingehend mit der Titelauswahl<br />

befasst.<br />

In einem Schlagabtausch stellen sie<br />

dem Publikum ihre Favoriten daraus vor.<br />

Von einem staatlich geprüften Notar<br />

zeitlich begrenzt, stellen sie dem Publikum<br />

die Titel vor, für die sie brennen.<br />

So ergibt sich ein guter Querschnitt aus<br />

internationaler Literatur, österreichischen<br />

Newcomer*innen, Sachbüchern und auch<br />

einer Überraschungskategorie.<br />

Die Herausforderung besteht für die<br />

beiden darin, das Publikum zu überzeugen,<br />

genau dieses Buch lesen zu wollen. Nach<br />

jeder Kategorie kann man mit Fähnchen<br />

für einen Titel abstimmen.<br />

Mit viel Witz und Situationskomik<br />

kommt es meist zu einem Kopf-an-Kopf-<br />

Rennen. Spannend bleibt es, denn hat das<br />

Publikum erst mal für die überzeugendere<br />

Vorstellung abgestimmt, bleibt für den/<br />

die Verlierer*in eine Strafaufgabe zu bewältigen.<br />

Man darf also gespannt sein, wer<br />

diese Saison das Battle für sich entscheidet.<br />

Nicht nur das Format ist in der Form<br />

einzigartig, auch die Austragungsstätten<br />

sind besonders. So hat das vergangene<br />

Bücherbattle auf einem Fußballplatz stattgefunden.<br />

2021 wird es die einzigartige<br />

Kulisse der Seebühne des Waldbads sein.<br />

Wir finden das ist eine ganz großartige<br />

Location.<br />

21<br />

Wir lesen uns<br />

in den Frühling<br />

Auch dieses Jahr findet der Indiebookday<br />

am 20. März statt. Das ist der Festtag<br />

der Indie-Verlage (also der Independent-<br />

Verlage, welche unabhängig von großen<br />

Verlagshäusern publizieren). Jährlich wird<br />

dieser Tag mit Lesungen und Musik in der<br />

Buchhandlung Stierle gefeiert. Zugegeben:<br />

Dieses Jahr kann dieser Tag leider noch<br />

nicht so wie geplant stattfinden, aber wir<br />

holen das nach – versprochen.<br />

Wer durch unsere Regale stöbert, weiß,<br />

dass wir einen große Leidenschaft für das<br />

Besondere hegen, sich dort viele Perlen<br />

ebensolcher Indie-Verlage Buchrücken an<br />

Buchrücken aufs Entdecktwerden freuen.<br />

Nach den Winterwochen ist der Frühling<br />

neben dem Längerwerden der Tage, dem<br />

Vogelzwitschern und den ersten Schneeglöckchen<br />

an den Wegrändern auch die<br />

Zeit der Buchneuerscheinungen. Fast täglich<br />

bringen die Verlage Neuheiten heraus,<br />

es herrscht also auch Frühlingserwachen<br />

in den Buchhandlungen. Wir freuen uns<br />

sehr darüber, vieles davon zu lesen, um es<br />

mit Begeisterung empfehlen zu können.<br />

Aber man kennt das, die Zeit – sie reicht<br />

nicht, alles zu lesen, was man schon aufgetürmt<br />

hat. So geht es auch uns Buchhändler*innen,<br />

immer und ständig. Doch<br />

weil eine*n in der Buchhandlung die Lust,<br />

gleich loszulesen, immer kalt erwischt, entstand<br />

die Idee, das doch einfach zu machen:<br />

Wir lesen uns in den Frühling! Am Sonntag,<br />

dem Tag nach dem Indiebookday<br />

und gleichzeitig auch Frühlingsbeginn,<br />

beleben wir unser Schaufenster. Unser<br />

Lesesonntag wird also in die Auslage<br />

der Buchhandlung verlagert. In unserem<br />

farbenfrohen Lesesessel, umringt von<br />

Blumen, mit tollen Büchern im Gepäck,<br />

begrüßen wir den Frühling. Kommen<br />

Sie uns gerne besuchen und wir tauschen<br />

uns aus und verraten mehr zu unserer<br />

Leseliste.<br />

Schönen Bücherfrühling wünscht<br />

Carmen Schwarz<br />

Buchtipp:<br />

Dieses Jahr ist im Verbrecher-<br />

Verlag das Debüt von Esther<br />

Becker erschienen. Wie die<br />

Gorillas heißt der Roman der<br />

40-jährigen, die Schauspiel<br />

studiert hat und auch schon<br />

zahlreiche Bühnenstücke geschrieben<br />

hat. In kurzen, rasant<br />

erzählten Kapiteln geht es wie<br />

so oft ums Erwachsenwerden:<br />

Drei junge Frauen, zu Beginn<br />

noch Kinder, auf einer Bergund<br />

Talfahrt durch die Pubertät<br />

bis hin zu der Frage „Wer<br />

möchte ich sein?“ Becker erzählt<br />

vom Abnehmen im Geheimen<br />

oder davon, den Rasierer auf<br />

dem Weg zum Schwimmbad zu<br />

verstecken, und das auf eine erfrischend<br />

bissige Weise, sodass<br />

einem das Lachen schon mal im<br />

Hals stecken bleibt. Klare Leseempfehlung!<br />

Esther Becker:<br />

Wie die Gorillas,<br />

Verbrecher Verlag, 160 S., € 19,60<br />

Veranstaltungstipp:<br />

Bücherbattle<br />

Mit Helminger & Fallwickl<br />

Mo., 25. Juni 2021, 20:30 Uhr<br />

Jedermannbühne Mondsee<br />

Eintritt: 12,00<br />

Um Reservierung wird<br />

gebeten – telefonisch oder per<br />

Mail unter 0662 / 840114 oder<br />

buch@buecher-stierle.at


Kelten-<br />

Buchhandlung<br />

Hallein<br />

„Hochtourig, angriffslustig und dabei<br />

ausgesprochen unterhaltsam“ – Ihr<br />

Roman „Hippocampus“ bereitet<br />

feministisches Lesevergnügen. Was<br />

lesen Sie gern? Gibt es Autor*innen,<br />

die Ihnen besonders am Herzen<br />

liegen, Bücher, die einen besonderen<br />

Stellenwert in Ihrer (Lektüre-)<br />

Biografie einnehmen?<br />

Ja – ganz konkret Anke Stelling, der Roman<br />

Schäfchen im Trockenen. Ich lese viel, aber<br />

sehr selektiv.<br />

Was brauchen Sie zum Schreiben,<br />

in welcher Umgebung, in<br />

welcher Situation schreiben<br />

Sie am liebsten? Was ist Ihre<br />

„Lieblingsarbeitssituation“?<br />

Kurz: Ruhe, und die Kinder aus dem Kopf.<br />

Die Frage ist eine sehr politische. Der Buchmarkt<br />

speist sich aus den Möglichkeiten,<br />

die den schreibenden Männern und Frauen<br />

zur Verfügung stehen. Sich die Arbeitssituation<br />

aussuchen zu können, setzt Privilegien<br />

voraus. Das Privileg, sich Zeit, Raum<br />

und Inspiration frei wählen und leisten zu<br />

können. Frauen, Mütter, Familienernährer<br />

und prekär Lebende können sich das<br />

Schreiben kaum leisten. Ihre Stimmen fehlen<br />

im Kanon. Heute genauso wie früher.<br />

Mit 2 Schulkindern ist schnell Schluss<br />

mit den Träumen vom Rückzug ins stillen<br />

Cottage in Schottland. Bei mir ist das jetzt<br />

eine kleine Schreibklause in Wien, in der ich<br />

mich auch über Nacht zurückziehen kann.<br />

Situationselastisch natürlich.<br />

Frauen lesen mehr als Männer;<br />

auch in Verlagen, Buchhandlungen,<br />

Bibliotheken etc. sind vor<br />

allem Frauen zugange. Ist die<br />

Literaturbranche also besonders<br />

frauenfreundlich? Was sind Ihre<br />

Erfahrungen als weibliche Autorin<br />

in einem Literaturbetrieb, der nach<br />

wie vor an den entscheidenden Stellen<br />

männlich dominiert ist?<br />

Der Literaturbetrieb ist ein Markt mit den<br />

Gesetzen des Marktes. Frauen dominieren<br />

auch hier nicht in den entscheidenden Posi-<br />

Sie haben Ihrem Roman<br />

Hippocampus einen Liedtext als<br />

Motto vorangestellt – spielt Musik<br />

in Ihren Texten oder bei Ihrem<br />

Schreiben eine Rolle?<br />

Oft schleicht sich beim Schreiben eine bestimmte<br />

Musik ein, eine Textzeile, oder eine<br />

Melodie, die ich dann zum Schreiben spiele.<br />

Wie bei „Pink Moon“ im Fall von „Hippocampus“.<br />

Nick Drake ist mir die ganze Zeit<br />

in den Ohren gehangen. Erst als ich zum<br />

Schluss die Bedeutung des „Pink Moon“<br />

recherchiert habe – die Verkündung von<br />

Unheil – war mir klar, dass sich das<br />

Motto schon ins Buch geschrieben hatte:<br />

Unheil oder Segen, Bedrohung und<br />

Romantik, Genie oder Dilettantismus,<br />

Erfolg oder Scheitern: alles eine Frage<br />

der Perspektive.<br />

Gertraud Klemm, 1971 in Wien geboren. Biologiestudium,<br />

Gutachterin bei der Stadt Wien, seit 2006<br />

freie Autorin. Mit ihrem Roman Aberland stand<br />

sie 2015 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.<br />

Etliche Preise und Stipendien. Sie gehört zu den<br />

wichtigsten und schärfsten Stimmen der deutschsprachigen<br />

Gegenwartsliteratur. Zuletzt erschienen:<br />

Muttergehäuse (Kremayr & Scheriau, 2016) und<br />

Erbsenzählen (Droschl, 2017).<br />

© Pamela Rußmann<br />

Das fette Ende<br />

kommt noch,<br />

wenn die Gießkannen<br />

leer<br />

sind und der<br />

Brunnen auch.<br />

Bücher seit 1639<br />

Gertraud<br />

Klemm<br />

Man kann nicht<br />

nur Bücher<br />

ausleihen, beinahe<br />

monatlich kann<br />

man auch großartige<br />

Autor*innen<br />

erleben, u.a.<br />

Gertraud Klemm.<br />

Ein Gespräch mit<br />

Michaela Hasenauer<br />

23<br />

tionen. Die so gut wie rein männliche Klassik<br />

hängt uns noch nach, und der romantische<br />

Geniekult um den großen, einsamen<br />

Denker. Für Frauen und Frauenthemen<br />

war da kein Platz: wer noch an der Misogynie<br />

zweifelt, soll mal Marcel Reich-Ranicki<br />

googeln. Mit unpolitischen Büchern haben<br />

es die Autorinnen bei der Kritik und Wahrnehmung<br />

noch am leichtesten. Je kritischer<br />

und feministischer dem Patriarchat auf die<br />

Zehen gestiegen wird, desto größer ist die<br />

Chance auf Schubladisierung. Aber genau<br />

da machen die neuen Leserinnen nicht<br />

mit. Die lesen Verrisse aufmerksamer und<br />

hinterfragen den Bewertungskanon in den<br />

sozialen Medien. Die Literaturkritik ist ein<br />

Kind ihrer Zeit, der Unterwerfungskult<br />

um die „Literaturpäpste“ ist Gott sei Dank<br />

vorbei.<br />

Welche Folgen hat die Coronakrise<br />

speziell für die Frauen?<br />

Schlimm, schlimm. Aber das fette Ende<br />

kommt noch, wenn die Gießkannen leer<br />

sind und der Brunnen auch. Erfahrungsgemäß<br />

wird denen mit der kleinsten Lobby<br />

der Hahn zuerst abgedreht. Wer wird das<br />

wohl sein?<br />

Buchtipp:<br />

Gertraud Klemm:<br />

Hippocampus<br />

Kremayr & Scheriau Verlag,<br />

384 S., € 23,50<br />

Veranstaltungstipp:<br />

Gertraud Klemm liest aus<br />

Hippocampus<br />

geplant für Mi., 30. Juni 2021,<br />

19:30 Uhr<br />

Stadtbücherei Hallein,<br />

Schöndorferplatz 6<br />

Eintritt frei!


Die Farben der Angst (span.: Aquel<br />

invierno) wurde 2005 publiziert.<br />

Wie kam es zu dieser so bedeutenden<br />

Veröffentlichung?<br />

1995 war El color del crepúsculo erschienen,<br />

der erste meiner als „Zyklus des Erinnerns“<br />

bezeichneten Romane. Drei weitere folgten:<br />

Maquis, La noche inmóvil und La sombra del<br />

cielo. Sie alle handeln nicht vom Spanischen<br />

Bürgerkrieg. Sie sprechen von der Francodiktatur<br />

und der Transición (Anm .d. Ü.: die<br />

Übergangszeit zwischen der franquistischen<br />

Repression und der Demokratie). Ich glaube,<br />

Die Farben der Angst, mein Lieblingsroman,<br />

ist ein Zeugnis der Wut. Körperlicher<br />

Schmerz heißt nicht, sich zu ergeben,<br />

er führt in den Widerstand. Das Gefühl der<br />

Niederlage ist nicht von Dauer.<br />

Der faschistische Sieg ... Ich erinnere<br />

mich daran, dass man einst von den<br />

„zwei Spanien“ sprach. Ist diese<br />

Unterteilung noch gültig,oder besser<br />

gefragt: Wie viele Spanien gibt es<br />

heute?<br />

Ja, die „zwei Spanien“ in den Versen<br />

Antonio Machados … Das Spanien der<br />

„Zweiten Republik“ wider das Spanien des<br />

faschistischen Militärputsches. Das eine<br />

meint die Niederlage, das andere führte in<br />

eine der längsten und infamsten Diktaturen<br />

unserer Zeit. Einige Geschichtswissenschaftler<br />

– u.a. der Historiker Paul Preston –<br />

sprechen von einem „Dritten Spanien“.<br />

Jene, die sich auf keiner der beiden Seiten<br />

sahen: Madriaga, Besteiro, selbst Ortega y<br />

Gasset ... Aber das hat nicht dazu geführt,<br />

dass diese Unterscheidung keine Gültigkeit<br />

mehr hätte. Es gibt diese „Zwei Spanien“<br />

nach wie vor. Die Rechte hat sich nie vom<br />

Franco-Regime losgesagt.<br />

Wie wichtig ist Ihnen das<br />

„historische Gedächtnis“?<br />

Äußerst wichtig. In Spanien war das<br />

Interesse gering, die Vergangenheit<br />

aufzuarbeiten. Weder in den Jahren der<br />

Transición noch danach, in der Zeit<br />

sozialistischer Regierungen. Zu Beginn<br />

des 21. Jhs. entstanden jedoch Initiativen,<br />

Politik des Erinnerns. Da ist diese eigentümliche<br />

Angst vor dem Vergangenen und<br />

der historischen Wahrheit …<br />

Ihr Buch ist reine Poesie. Jene<br />

Gabe in Worten, die nicht sagen und<br />

erklären, sondern das Schweigen<br />

benennen und das Verborgene in den<br />

Widersprüchlichkeiten des Menschen<br />

berühren kann. Weshalb diese dichte<br />

Form?<br />

Das Lyrische ist einer der Wesenszüge meiner<br />

Romane. Es gibt wenig Beschreibendes.<br />

Insofern könnten sie auch Langgedichte<br />

sein. Vor vielen Jahren habe ich auch Gedichtbände<br />

veröffentlicht. Irgendwann<br />

war damit Schluss. Dennoch glaube ich,<br />

dass ich etwas Wesentliches aus jener Zeit<br />

beibehalten konnte, einen besonderen<br />

Rhythmus, diese eigene Musik, die auf allen<br />

Seiten, die ich schreibe, zu vernehmen ist.<br />

Sind Sie der Lyriker, der<br />

Erzählungen schreibt, oder der<br />

Erzähler, der Lyrik schafft?<br />

Am liebsten werde ich als Romancier<br />

bezeichnet.<br />

© Bahe Books<br />

Buchtipp:<br />

Alfons Cervera:<br />

Die Farben der Angst<br />

Bahoe Books Verlag,<br />

200 S., € 20,60<br />

Das Vergessen<br />

ist grausam.<br />

Bücher seit 1639<br />

Alfons<br />

Cervera<br />

Gegen das<br />

Vergessen und<br />

für die historischen<br />

Erinnerung!<br />

Von Erich Hackl<br />

übersetzt, von<br />

José F.A. Oliver<br />

auf Spanisch befragt<br />

und ins Deutsche<br />

übertragen.<br />

25<br />

die um ein „historisches Gedächtnis“<br />

kämpften und mehr über die dunkle Vergangenheit<br />

der Diktatur und der Transición<br />

erfahren wollten. Ihr großes Anliegen ist<br />

die Exhumierung von über 100 000 Ermordeten,<br />

die in Massengräbern verscharrt<br />

sind. Ich spreche allerdings lieber von einem<br />

„demokratischen und antifaschistischen<br />

Gedächtnis“, weil die Rechte in Spanien<br />

immer faschistisch gewesen ist. Durch und<br />

durch antidemokratisch.<br />

Die „Vergessenen des Bürgerkrieges“<br />

– wer sind sie?<br />

Nach dem Krieg zwangen die Sieger den<br />

Menschen ihre Logik auf. Eine Logik, mit<br />

der sie schon 1936 geputscht hatten: die<br />

Vernichtung derjenigen, die nicht so dachten<br />

wie sie. Diese Logik wurde auch nach<br />

1939 aufs Infamste umgesetzt. Die körperliche<br />

Auslöschung und die brutale Verfolgung<br />

anderer Ideen. Alles, was mit der<br />

„Zweiten Republik“ zusammenhing, sollte<br />

aus der Geschichte und der Erinnerung<br />

getilgt werden. Das war vierzig Jahre lang<br />

ihre Logik. Das Vergessen ist grausam. Als<br />

hätte etwas niemals existiert. Leider findet<br />

man im heutigen Spanien keine wirkliche<br />

Ich habe Sie auf Deutsch<br />

gelesen – eine Gala-Übersetzung.<br />

Erzählen Sie uns ein wenig von der<br />

Zusammenarbeit mit Erich Hackl …<br />

Zwischen dem Autor und seinem Übersetzer<br />

ist eine Komplizenschaft unumgänglich.<br />

Erich Hackl hatte bisweilen Fragen zu<br />

meinem Sprachstil, aber auch zu Traditionen<br />

und dem Brauchtum der Orte, an<br />

denen die Handlung spielt. Für mich ist<br />

es ein phantastisches Geschenk, auf einen<br />

Übersetzer wie Erich Hackl zählen zu<br />

dürfen, der außerdem einer meiner besten<br />

Freunde ist …<br />

Alfons Cervera, geboren 1947 in Gestalgar (Valencia),<br />

ist Autor von mehr als 20 Werken auf Spanisch<br />

und auch auf Katalanisch. Ein wichtiger Teil seiner<br />

erzählerischen Arbeit ist mit dem historischen Gedächtnis<br />

verbunden. Mehrere seiner Bücher wurden<br />

in andere Sprachen übersetzt, vor allem ins Franzosische,<br />

wo einige von ihnen Teil des literarischen<br />

Kanons in den Schulen sind. Zuletzt erschienen: La<br />

noche en que los Beatles llegaron a Barcelona (2018).<br />

Buchpräsentation:<br />

Alfons Cervera & Erich Hackl,<br />

geplant für Fr., 16. April 2021,<br />

auf Grund der aktuellen Unplanbarkeit<br />

leider abgesagt!


© Wikipedia<br />

Das Landestheater<br />

auf dem Weg nach Portugal<br />

Eine Sprache – viele Länder, große Literatur<br />

Wir lieben<br />

niemals<br />

irgendjemanden.<br />

Wir lieben<br />

ganz allein<br />

die Vorstellung,<br />

die wir uns von<br />

jemandem<br />

machen.<br />

An die 250 Millionen Menschen sprechen<br />

Portugiesisch. Leider wird in Leipzig heuer<br />

nicht portugiesisch gesprochen, denn die<br />

Leipziger Buchmesse wird auch 2021 abgesagt.<br />

Schade für das diesjährige Gastland<br />

Portugal, denn es gibt literarisch viel zu<br />

entdecken. Trotzdem sind aus diesem Anlass<br />

viele Autor*innen ins Deutsche übertragen<br />

worden.<br />

Bis Mai 2021 werden mehr als 50 Titel<br />

in deutscher Sprache in 26 Verlagen erscheinen.<br />

Dazu zählen Übersetzungen von<br />

portugiesischen Autor*innen, aber auch<br />

aus portugiesischsprachigen Ländern wie<br />

Angola (Ondjaki), Guinea-Bissau, Kap<br />

Verde (Germano de Almeida) oder<br />

Mosambik (Mia Couto).<br />

Bekannte Namen wie Fernando Pessoa<br />

und José Saramago sowie jüngere Autor*innen<br />

wie Patrícia Portela, José Luís<br />

Peixoto und Margarida Vale de Gato, Rui<br />

Zink, Paulo Teixeira oder Valter Hugo Mãe<br />

kann man (wieder)entdecken. Mit Isabela<br />

Figueiredo oder Dulce Maria Cardoso sind<br />

auch zwei Autorinnen nun übersetzt, die<br />

sich literarisch-kritisch mit Migration<br />

und Kolonisation auseinandersetzen.<br />

Zu den jüngsten Stimmen zählt der<br />

30-jährige Afonso Reis Cabral, der bereits<br />

mit 15 Jahren seinen ersten Gedichtband<br />

veröffentlichte und 2019 mit dem José-<br />

Saramago-Literaturpreis ausgezeichnet<br />

wurde. Im März 2021 erscheint sein Roman<br />

Buchtipps:<br />

Fernando Pessoa:<br />

Mein Lissabon /Was der<br />

Reisende sehen sollte<br />

Fischer Verlag, 93 S., € 10,90<br />

Aber wir lieben dich im Hanser-Verlag.<br />

Er basiert auf der wahren Geschichte der<br />

Ermordung einer Transsexuellen.<br />

Von José Luis Peixoto, ebenfalls<br />

Saramago-Literaturpreisträger, erscheint<br />

im Septime-Verlag der dritte Roman auf<br />

Deutsch. Galveias spielt im gleichnamigen<br />

Dorf, an dessen Rande nachts ein geheimnisvoller<br />

Himmelskörper einschlägt.<br />

Auch Lyrik gehört ins Gastland-<br />

Programm: Die 1973 geborene portugiesische<br />

Dozentin Margarida Vale de Gato<br />

leiht in ihrem Gedichtband Die nicht<br />

reklamierten Reste. Lyrisches Handbuch<br />

des Übersetzens beim Hochroth-Verlag<br />

berühmten Schriftstellerinnen wie Emily<br />

Dickinson oder Romanfiguren wie Anna<br />

Karenina eine Stimme.<br />

Wenn man über portugiesische Literatur<br />

spricht, darf man auch einen großen Italiener<br />

nicht vergessen: Antonio Tabucchi hat<br />

mit seinem Roman Erklärt Pereira – der<br />

im Lissabon der frühen Salazar-Diktatur<br />

spielt – Weltliteratur geschrieben. Übrigens<br />

1995 auch ganz hervorragend von Roberto<br />

Faenza verfilmt, mit dem großartigen Marcello<br />

Mastroianni in seiner letzten großen<br />

Rolle.<br />

An diesem Abend lesen Mitglieder des<br />

Schauspielensembles des Tiroler Landestheaters<br />

ausgewählte Texte portugiesischsprachiger<br />

Autor*innen. Auch Tabucchi,<br />

der sein Lisabonner Requiem auf Portugiesisch<br />

verfasst hat, wird zu hören sein.<br />

José Saramago:<br />

Die portugiesische Reise<br />

Atlantik Verlag,<br />

575 S., € 18,10<br />

Isabela Figueiredo:<br />

Die Dicke<br />

Weidle Taschenbuch,<br />

280 S., € 24,70<br />

Antreten wird die junge Riege des TLT,<br />

und zwar: Christina Constanze Polzer,<br />

Phillip Henry Brehl und Florian Granzner.<br />

Konzept & Moderation: Christina<br />

Alexandridis & Robert Renk.<br />

Veranstaltungstipp:<br />

Landestheater liest<br />

Das TLT auf dem Weg<br />

nach Portugal<br />

Mit Texten portugiesischer<br />

Autor*innen<br />

Es lesen: Christina Constanze<br />

Polzer, Phillip Henry Brehl und<br />

Florian Granzner.<br />

Konzept & Moderation:<br />

Christina Alexandridis &<br />

Robert Renk<br />

Mo, 31. Mai 2021 um 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung,<br />

Eintritt: freiwillige Spenden<br />

Nähere Informationen zu<br />

den aktuellen Covidmaßnahmen<br />

finden sie auf:<br />

www.wagnersche.at/<br />

veranstaltungen/covid19<br />

José Luís Peixoto:<br />

Galveias<br />

Septime Verlag,<br />

312 S., € 24,60


© Oliver Wolf<br />

Ihr neuer Roman trägt den Titel<br />

Der zweite Jakob. Gibt es in Ihrem<br />

schriftstellerischen Leben auch einen<br />

anderen Jakob?<br />

Ich habe vor Kurzem erst das mögliche<br />

Gewicht des ersten Satzes meines ersten<br />

Buches Einer richtig begriffen: „Jetzt<br />

kommen sie und holen Jakob.“ Für einen<br />

„Sonderling“ in einem Dorf ist das in den<br />

falschen Zeiten ein gefährlicher Satz gewesen.<br />

Zudem könnte es der Titel meiner<br />

Biografie sein, weil man mich als Kind nach<br />

meinem ein bisschen verhaltensauffälligen<br />

Onkel den zweiten Jakob genannt hat. Das<br />

ist auch der Grund, warum die Hauptfigur<br />

in Einer so heißt.<br />

Was das Schlimmste sei, das er in<br />

seinem Leben jemals getan habe –<br />

diese Frage bekommt die Hauptfigur,<br />

Schauspieler Jakob Thurner, eines<br />

Tages von seiner Tochter Luzie<br />

gestellt. Was hat Sie daran gereizt,<br />

dieser Frage schriftstellerisch auf den<br />

Grund zu gehen?<br />

Es ist eine der drei Möglichkeiten, sich<br />

einer Biografie anzunähern, die in dem<br />

Roman vorgeführt werden. Die erste<br />

Möglichkeit ist die Methode eines Biografen,<br />

nämlich stur Daten zu erfassen.<br />

Die zweite ist eine kathartische: Ich erzähle<br />

von einer schweren Krankheitsdiagnose<br />

und der letzten Liebe dieses Schauspielers.<br />

Und bei der dritten Möglichkeit geht es<br />

darum, nach Schuld und Scham zu fragen.<br />

Jakob erinnert sich an einen Filmdreh<br />

an der mexikanisch-amerikanischen<br />

Grenze. Dort gab es Morde an<br />

Frauen. Waren Sie selbst in diesem<br />

Gebiet bzw. wie relevant ist es für<br />

eine literarische Erzählung, ob man<br />

den Ort von dem man schreibt,<br />

tatsächlich kennt?<br />

Ich bin für diesen Roman die ganze amerikanisch-mexikanische<br />

Grenze abgefahren,<br />

einmal von El Paso nach Houston, dann<br />

von El Paso nach San Diego. In El Paso<br />

spielt einer der beiden Stränge des Romans,<br />

und es war wichtig für mich, einen atmo-<br />

Was den Geburtstag betrifft, lasse ich<br />

mich in der wirklichen Welt nicht beeindrucken.<br />

Dafür ist mein Protagonist umso<br />

mehr davon beeindruckt und versucht<br />

davor davonzulaufen. Aber es gibt kein<br />

Entkommen. Denn am Ende wird er nach<br />

Tirol zurückgeholt und mit einer Statue<br />

beglückt, die allerdings asiatische Gesichtszüge<br />

trägt, weil sie in China gefertigt<br />

worden ist.<br />

Die beiden Romane Als ich jung war<br />

(2019) und ihr aktueller Roman<br />

Der zweite Jakob sind rasch hintereinander<br />

erschienen. Was steht<br />

als nächstes auf Ihrem literarischen<br />

Programm?<br />

Ich habe gerade einen merkwürdigen<br />

Charakter für einen Roman zu beobachten<br />

begonnen, wahrscheinlich nur eine Nebenfigur.<br />

Er soll Norbert heißen, ist Architekt,<br />

wohlbestallt, mit Frau, zwei Kindern und<br />

einer großen Villa, aber jeden Abend setzt<br />

er sich für Stunden in einen auf dem Gelände<br />

abgestellten Wohnwagen, um sich<br />

dort in langen Anrufen von seiner Geliebten<br />

beschimpfen zu lassen.<br />

Norbert<br />

Gstrein<br />

Norbert Gstrein, 1961 in Tirol geboren, lebt in<br />

Hamburg. Er erhielt u.a. den Alfred-Döblin-Preis,<br />

2019 den Österreichischen sowie 2021 den Düsseldorfer<br />

Literaturpreis. Bei Hanser erschienen u.a.<br />

Die kommenden Jahre (Roman, 2018), Als ich jung<br />

war (Roman, 2019) sowie zuletzt Der zweite Jakob<br />

(Roman, 2021).<br />

Es geht<br />

darum,<br />

nach Schuld<br />

und Scham<br />

zu fragen.<br />

Bücher seit 1639<br />

Norbert Gstrein<br />

im Gespräch<br />

über seinen mitreißenden<br />

Roman<br />

Der zweite Jakob<br />

Ein Interview von<br />

Gerlinde Tamerl<br />

29<br />

sphärischen Eindruck von der Leere und<br />

Verlorenheit des texanischen Grenzlandes<br />

zu bekommen, in das ich dann ohne Angst<br />

meine Figuren hineingesetzt habe.<br />

Der Literaturkritiker Christoph<br />

Schröder schreibt über Ihren Roman:<br />

„In den Texas-Passagen beschwört<br />

Gstrein eine Stimmung herauf, wie<br />

man sie aus den Filmen David Lynchs<br />

kennt.“ Wie stehen Sie zu dieser<br />

Einschätzung?<br />

Man kann an David Lynch denken,<br />

aber auch an die Coen-Brüder oder an<br />

die Romane von Cormac McCarthy.<br />

Ich glaube, die texanischen Passagen in<br />

meinem Roman bekommen nicht nur wegen<br />

der fortwährenden Sandstürme in dem<br />

Ödland etwas Halluzinatorisches, sondern<br />

auch, weil sie durch all die literarischen und<br />

filmischen Referenzen etwas Schillerndes<br />

haben.<br />

Ihre Hauptfigur Jakob Thurner ist<br />

ein berühmter Schauspieler aus Tirol.<br />

Er steht unmittelbar vor seinem<br />

60. Geburtstag. Es scheint<br />

biografische Parallelen zu geben.<br />

Buchtipp:<br />

Norbert Gstrein:<br />

Der zweite Jakob<br />

Hanser Verlag, 448 S., € 25,70<br />

Buchpräsentation:<br />

Norbert Gstrein liest aus<br />

Der zweite Jakob<br />

Moderation: Stefan Gmünder<br />

(Der Standard)<br />

Do., 6. Mai 2021, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung<br />

Eintritt: € 9,00/ 7,00 mit<br />

Wagner- oder Ö1-Card<br />

Nähere Informationen zu<br />

den aktuellen Covidmaßnahmen<br />

finden sie auf:<br />

www.wagnersche.at/<br />

veranstaltungen/covid19


das licht /der wald:<br />

ein torkelnder / träumer<br />

Das 6. Lyrikfestival W:ORTE musste von 2020 auf 2021<br />

verschoben werden. Mit dabei: Barbara Hundegger.<br />

Über ihr aktuelles Buch hat sie José F. A. Oliver befragt.<br />

© Fotowerk Aichner<br />

Buchtipp:<br />

Barbara Hundegger:<br />

[anich.atmosphären.atlas]<br />

Haymon Verlag,<br />

208 S., € 20,50<br />

Lyrik bezieht<br />

wie keine<br />

andere Gattung<br />

das Ungesagte<br />

mit ein.<br />

Bücher seit 1639<br />

Es gibt immer wieder literarische<br />

Vermessungen der Welt(en).<br />

Warum Peter Anich? Weil er<br />

ein verletztes Reh war?<br />

Im Rahmen eines Auftrags hatte ich mich<br />

erstmals seit der Schulzeit wieder mit Anich<br />

befasst – und sofort eine Nähe gespürt, und<br />

dass etwas an dieser Lebens- u. Arbeitsgeschichte<br />

mich zutiefst berührt, neben dem<br />

ungeheuren Eindruck, den Anichs Leistungen<br />

auf mich gemacht hatten. Denn diese<br />

sind unter immensen Schwierigkeiten (auch<br />

gesundheitlichen) zustande gekommen –<br />

und das geht in der in Tirol üblichen Anich-<br />

Erzählung vom kleinen Bauern, dessen sich<br />

ein Förderer erbarmt und ihn zu Höchstleistungen<br />

bringt, sowie dem Betonen von<br />

Anichs Gläubigkeit und Bescheidenheit<br />

unter. Diese Zuschreibung zählt ja zum<br />

Instrumentarium bewährter Herrschaftstechniken<br />

gegen die unteren Klassen. Aus<br />

kleinsten Verhältnissen stammend, wird<br />

Anich aufgerieben zwischen familiären<br />

Pflichten und seinen Fähigkeiten. Vor allem<br />

für diese Bruchstellen hab’ ich mich interessiert:<br />

wie äußere und innere Zerrissenheiten<br />

auch den Körper zerreißen.<br />

Du schreibst: „die quellenlage: karg“<br />

– wie gestaltete sich die Recherche zu<br />

diesem Buch?<br />

Ich habe alles Verfügbare gelesen, war<br />

mehrmals im Anich-Museum in Oberperfuss<br />

(woher Anich stammt), im Zeughaus<br />

(wo manche der Anich-Meisterstücke zu<br />

sehen sind), im Tiroler Landesarchiv, in<br />

der Bayerischen Staatsbibliothek usw.<br />

Aber rasend viel gibt es zu Anich nicht –<br />

wie eben so oft beim Leben der kleinen<br />

Leut’.<br />

31<br />

Meine Lieblingsverse: „und wie<br />

oft du dich das / fragst: wartet<br />

da draußen / deine zukunft oder<br />

deine / vergangenheit auf dich“ –<br />

Ist Anich in seiner aufbäumenden<br />

Not eine Heute-Metapher?<br />

Das ist zunächst einfach eine astronomische<br />

(Anichs Lieblingsgebiet) Metapher: was wir<br />

von den Sternen sehen ist ja quasi mehrere<br />

Zeiten zugleich. Es ist aber auch ein Bild<br />

für: Wirst du werden, was du warst oder<br />

was du sein könntest? Es wird ja immer<br />

so getan, als ob alle begeistert wären,<br />

wenn man das angestammte Soziotop<br />

überschreitet, aber niemand benennt die<br />

Verletzungen, wenn man die eigenen Leute<br />

durch Aufstieg verlässt: die haben keine<br />

Freude, wenn du gehst, Aufstieg ist auch<br />

immer ein Verrat.<br />

Es paaren sich untergegangene<br />

Wörter mit BAHU-Wort-<br />

Neuschöpfungen – hinzu<br />

geschwistert sich ein atemloses<br />

Getriebenw:erden der Textsammlung.<br />

Wann entscheidest du Form und<br />

Rhythmus deiner Gedichte?<br />

In erster Linie entscheidet das mein<br />

Gegenstand. In der Lyrik müssen ja alle<br />

Bezüglichkeiten eines Wortes berücksichtigt<br />

werden, dabei zählt es nicht, was<br />

ich meine, sondern was die Sprache meint<br />

und in ihr da ist. Und „in der Sprache ist“,<br />

wie es Inger Christensen gesagt hat, „alles<br />

schon da“. Lyrik bezieht wie keine andere<br />

Gattung das Ungesagte mit ein – aber nicht<br />

als Aufforderung, „zwischen den Zeilen<br />

zu lesen“, sondern in ihnen. Wenn in den<br />

Zeilen eines Gedichtes nichts von Belang<br />

steht, steht auch im leeren Raum um es<br />

herum nichts.<br />

Das Holz, die Lieb- und Leib-<br />

Architekturen, der Verlust, die<br />

Obrigkeitsfäulnis, die Fragen –<br />

die Verse bilden auch ein großes<br />

Tirol-Poem (ab). Wie viel „Tyrol“-<br />

Wissen ist notwendig, um dieses<br />

tragische Epos zu (be)greifen?<br />

Hoffentlich gar keines – man kennt halt<br />

die Örtlichkeiten und ihren Klang. Der<br />

übrigens so lang schon auch italienisch ist!<br />

Die verhandelten Themen sind aber quasi<br />

global. Ich mag „voraussetzungsloses“<br />

Lesen in dem Sinn, dass ich entscheiden<br />

kann, ob ich zusätzlich Infos einhole oder<br />

es mit dem bewenden lasse, was da steht −<br />

und es trotzdem verstehe. In dem, was<br />

oft vorausgesetzt wird, steckt latent die<br />

Abwertung derer, die ein gewisses Wissen<br />

nicht haben, weil sie z.B. nicht mit Klassik,<br />

sondern mit Peter-Alexander-Show und<br />

Bravo-Postern aufgewachsen sind.<br />

Der Lyrikband ist ein kämpferischer!<br />

Ist es schade, dass es Wendungen wie<br />

den „goldenen Gnadenpfennig“ als<br />

Redensart nicht mehr gibt? Und wie<br />

benennen sich soziale Almosen heute?<br />

Für mich: nicht schade. Sprache ist ein<br />

dynamisches Medium und lebt von ihrer<br />

Veränderung und der Aneignung durch die<br />

jeweilige Generation − gerade aus Frauensicht<br />

positiv. Denn der Verlust des „Fräuleins“<br />

schmerzt vor allem ältere Herren.<br />

Und auch dem „Gnadenpfennig“ wird eher<br />

nachtrauern, wer ihn vergeben, aber nicht,<br />

wer ihn empfangen hat. Soziale Almosen<br />

sollte es gar nicht geben müssen.<br />

Barbara Hundegger, Barbara Hundegger lebt als<br />

freie Schriftstellerin in Innsbruck. Mehrere Jahre<br />

Studium der Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaft<br />

in Innsbruck und Wien; langjähriges<br />

Engagement in der autonomen Frauenbewegung;<br />

Lektorin am Institut für Sprachkunst/Universität für<br />

Angewandte Kunst/Wien. Zahlreiche Veröffentlichungen,<br />

u.a. die Gedichtbände wie ein mensch der<br />

umdreht geht. dantes läuterungen reloaded. (2014).<br />

2018 ist Hundeggers Innsbrucker Poetik-Vorlesung<br />

dein wörterkopfball kämpft mit wind erschienen. 2020<br />

erhielt sie mit dem Tiroler Landespreis für Kunst die<br />

höchste Kulturauszeichnung des Landes.<br />

Veranstaltungstipp:<br />

W:ORTE – 6. Lyrikfestival:<br />

Mit Monika Rinck &<br />

Barbara Hundegger<br />

Moderation: José F.A. Oliver<br />

Fr., 21. Mai 2021, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung<br />

Eintritt: freiwillige Spenden<br />

Platzkarten an der Kassa<br />

der Wagner’schen<br />

Bitte beachten Sie die Hinweise<br />

auf der Homepage:<br />

lyrikfestival.wordpress.com


W:ORTE – 6. Lyrikfestival<br />

Ob mit Livepublikum oder ohne, das größte Lyrikfestival<br />

Westösterreichs wird stattfinden! Näheres finden sie auf<br />

unserer Website: lyrikfestival.wordpress.com<br />

Programm:<br />

Di, 11. Mai 2021 um 19:30 Uhr<br />

Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5<br />

VORW:ORTE: Erika Wimmer (A)<br />

präsentiert ihren neuen Lyrikband<br />

Di, 18. Mai 2021 um 19:30 Uhr<br />

Stadtbibliothek Innsbruck, Amraserstraße 2<br />

ERÖFFNUNGSW:ORTE:<br />

Stephen J. Fowler (GB)<br />

Robert Prosser (A)<br />

Yasmin (Yasmo) Hafedh (A)<br />

Doris (Mieze Medusa) Mitterbacher (A)<br />

Do., 20. Mai 2021 um 19:30 Uhr<br />

Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5<br />

Alexandru Bulucz (RUM/D)<br />

Eva Maria Leuenberger (CH)<br />

Undine Materni (D)<br />

Mati Shemoelof (ISR/D)<br />

Moderation: Siljarosa Schletterer /<br />

Anna Rottensteiner<br />

Fr., 21. Mai 2021 um 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung,<br />

Museumstraße 4<br />

Lange Nacht der W:ORTE<br />

Monika Rinck (D)<br />

Barbara Hundegger (A)<br />

Moderation: José F. A. Oliver<br />

Sa., 22. Mai 2021 um 19:30 Uhr<br />

Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5<br />

LIMBUS-ABEND<br />

Isabella Feimer & Manfred Poor (A)<br />

Timo Brandt (D/A)<br />

Jana Volkmann (D/A)<br />

Moderation: Siljarosa Schletterer /<br />

Anna Rottensteiner<br />

Di., 25. Mai 2021 um 19:30 Uhr<br />

Villa Schindler, Telfs<br />

Mikael Vogel (D)<br />

Raoul Schrott (A)<br />

Fransen-Musik (Hannes Sprenger /<br />

Klex Wolf)<br />

Moderation: José F.A. Oliver<br />

Mi., 26. Mai 2021 um 19:30 Uhr<br />

Raiffaisensaal, Imst<br />

Mikael Vogel (D)<br />

Raoul Schrott (A)<br />

Fransen-Musik<br />

(Hannes Sprenger / Klex Wolf)<br />

Moderation: José F.A. Oliver<br />

ABSCHLUSS Samstag,<br />

12. Juni um 20 Uhr<br />

Studio 3 – ORF<br />

klang_sprachen<br />

Anja Utler mit dem Tiroler Kammerorchester<br />

InnStrumenti unter der Leitung<br />

von Gerhard Sammer<br />

Maria Gstättner (*1977): sybille (UA)*<br />

Alexandra Karastoyanova-Hermentin<br />

(*1968): UA<br />

Chris Norz (*1987): brinnen (UA), mit<br />

Low Potion: Anna Widauer, Gesang /<br />

Chris Norz, Perkussion & Elektronik<br />

Andreas Trenkwalder (*1986):<br />

marsyas (UA)<br />

Klex Wolf (*1968): daphne (UA)<br />

Konzeption: Klex Wolf<br />

Moderation: Martin Sailer & Patrizia Jilg<br />

Genaues Programm zu sehen unter:<br />

Lyrikfestival.wordpress.com<br />

www.wagnersche.at<br />

www.literaturhaus-am-inn.at<br />

www.literaturtirol.at<br />

Dort, „wo Artikulation als<br />

physisch-expressiver Vorgang<br />

beginnt“, setzt Anja Utler in<br />

ihrem Gedichtband an. Ganz<br />

dem Augenblick verpflichtet,<br />

rühren die Texte an jenem<br />

Grund, wo das Sprechen<br />

beginnt, wo das Fühlen, das<br />

Denken sich sammelt und<br />

körperlich umschlägt. Dann<br />

wieder schreibt sie mythischen<br />

Figuren nach, Daphne z. B.,<br />

oder Sibylle. Daphne, die in<br />

einen giftigen Busch verwandelt<br />

wird, um ihrem „Stalker“ zu<br />

entgehen, meint noch: iss!<br />

Hintergründiger Humor auch<br />

noch, wie wunderbar! Robert Renk<br />

Anja Utler:<br />

münden – entzüngeln<br />

Edition Korrespondenze,<br />

96 S., € 17,40<br />

Man denke sich eine Dichterin,<br />

die Vers-Antworten an einen<br />

Künstler schreibt, der Bilder<br />

über einen Dichter zu Papier<br />

bringt. Was dabei passieren<br />

kann, sind sinnlich augengenaue<br />

Verse und eine Adhoc-<br />

Vernarrung ins lyrische Ich.<br />

Gemeinsam tastet man sich<br />

ab am höllisch Schönen, am<br />

Frausein oder den Schriftarten<br />

in Körper und Herz.<br />

Siljarosa Schletterer<br />

Erika Wimmer Mazohl:<br />

Das zweite Gesicht. Gedichte zu<br />

Dante-Miniaturen von Markus Vallazza<br />

Limbus Verlag, 120 S., € 20,60<br />

Einfach großartig, wenn<br />

Lektüre sprachlos macht und<br />

genau deshalb Worte schenkt,<br />

die trösten. Ein fulminantes Requiem<br />

wider jeglichen Gedächtnisverlust,<br />

mit poetischer Wucht<br />

vollbracht. Ich Tier, du Mensch!<br />

Ich Mensch, du Tier! Zärtlich<br />

schier. Im Tonfall radikalen Benennens.<br />

Ein Trance-Sound, um<br />

aus dem Unsäglichen W:orte zu<br />

schöpfen, die immer auch uns<br />

meinen; die wir letzten Endes<br />

immer sind – Zerstörer*innen.<br />

Ein aufrüttelndes Geschichtskompendium<br />

in Versen, die<br />

Wegmarken des<br />

Erinnerns setzen. José F.A. Oliver<br />

Mikael Vogel:<br />

Dodos auf der Flucht<br />

Verlagshaus Berlin, 252 S., € 18,40<br />

Gedichte aus allen bisher von<br />

ihr erschienenen Lyrikbänden,<br />

Essays und Kurzprosa vereint<br />

dieser starke Band, den die<br />

Autorin zusammen mit ihrer<br />

Verlegerin Daniela Seel für<br />

S. Fischer zusammengestellt<br />

hat. Erstmals findet sich auch<br />

Rincks Münster’sche Poetikvorlesung<br />

aus dem Jahre 2015<br />

abgedruckt. Über 500 Seiten<br />

breiten sich funkelnd die Texte<br />

der „Monarchin einer neuen<br />

Lyrikaristokratie“ (Zitat: Christian<br />

Metz) aus. Eine Feier der<br />

Poesie! Robert Renk<br />

Monika Rinck:<br />

Champagner für die Pferde<br />

S. Fischer Verlag, 528 S., € 25,30<br />

© Wolfgang Lackner<br />

W:ORTE, das Innsbrucker Lyrikfestival,<br />

wird SECHSEINHALB. Kaum zu glauben,<br />

wenn man bedenkt, wie schwer die Geburt<br />

war. Inzwischen hat sich das Festival zu<br />

einer der wichtigsten Adressen im deutschsprachigen<br />

Raum gemausert. Zudem ist das<br />

Innsbrucker Lyrikfestival auch das einzige<br />

mit eigenem Kammerorchester! Denn<br />

natürlich wird auch heuer die wunderbare<br />

Zusammenarbeit mit dem Tiroler Kammerorchester<br />

InnStrumenti fortgesetzt, wenn<br />

am Samstag, dem 12. Juni, die Lyrikerin<br />

Anja Utler im ORF-Studio 3 mit im<br />

Orchestergraben steht und ihre Gedichte –<br />

teils mit Kompositionsauftragswerken<br />

vertont – mit im Mittelpunkt des Abends<br />

stehen. Die diesjährige Ausgabe ist vom<br />

Pandemiejahr gezeichnet und steht im Zeichen<br />

des Digital Turns. Gerade die Pande-<br />

miesituation hat uns gezeigt, wie<br />

sehr Lesungen und Festivals feste Bestandteile<br />

und Ankerpunkte für eine Kulturlandschaft<br />

sind. Deshalb wird es W:ORTE 6<br />

in jedem Fall geben, am liebsten mit<br />

Publikum, zur Not rein virtuell. Näheres<br />

finden sie auf unserer Webseite:<br />

lyrikfestival.wordpress.com<br />

32<br />

Wagner’sche.<br />

Anne Carson, Emily Dickinson,<br />

aber auch Frau Elling<br />

und Herr Tollund, die beiden<br />

Moorleichen aus Dänemark,<br />

sind Bezugskoordinaten in<br />

Eva Maria Leuenbergers<br />

bildstarkem Debüt-Gedichtband,<br />

für den sie mit dem<br />

bedeutenden Basler Lyrikpreis<br />

ausgezeichnet wurde. Naturlyrik<br />

wird ins 20. Jahrhundert<br />

geholt und erzählt durch die<br />

poetische Verbindung und<br />

Variation von Motiven und<br />

Themen Geschichten, in denen<br />

Körperlichkeit, Sprache und<br />

die ewige Bewegung der Natur<br />

eine eigene Zeit erfinden.<br />

Anna Rottensteiner<br />

Eva Maria Leuenberger:<br />

dekarnation<br />

Droschl Verlag, 88 S., € 19,00<br />

Wenn das kein Showdown<br />

ist, was kommt dann noch?<br />

Dieser Band ist ein lyrisches<br />

Kassettentape samt Remixes.<br />

Und dabei macht er keinen<br />

Unterschied zwischen Snoopy,<br />

Rainer Maria Rilke oder<br />

Songtexten von Mary Chapin<br />

Carpenter. Hier hat alles Platz,<br />

was in Buchstaben zu fassen ist.<br />

Eloquent und stilsicher kleidet<br />

Timo Brandt jedes Gedicht im<br />

richtigen Duktus ein. Nur eines<br />

bleibt von Anfang an gleich:<br />

„Du // stehst hier drin.“<br />

Silijarosa Schletterer<br />

Timo Brandt:<br />

Das Gegenteil von Showdown<br />

Limbus Verlag, 96 S., € 15,00<br />

Eine Dichterin, ein Fotograf,<br />

ein gemeinsamer Roadtrip<br />

durch die USA, Mexiko und<br />

Kanada. Liebe zur Literatur<br />

der Beatniks und zur Kunst von<br />

Georgia O’Keefe, Frida Kahlo,<br />

Andy Warhol. Weitwinkelaufnahmen<br />

von Landschaften,<br />

Close-ups von organischem<br />

und anorganischem Leben in<br />

kongenialer Verbindung mit<br />

einer poetischen, intensiven<br />

Sprache, die sich Begegnungen,<br />

Momentaufnahmen, Ansätzen<br />

von Erzählungen über<br />

die „Festung Amerika“ öffnet:<br />

ein Gesamtkunstwerk, in dem<br />

sich Bild und Text auf äußerst<br />

kunstvolle Weise durchdringen.<br />

Anna Rottensteiner<br />

Isabel Feimer/Manfred Poor:<br />

American apocalypse<br />

Limbus Verlag, 176 S., € 18,60<br />

Gedichte, die neue Sinne zum<br />

Leuchten bringen. Ultrapoetische<br />

Fluoreszenzen. Wie<br />

in der Natur manche Tiere,<br />

Kolibris oder, erst kürzlich<br />

observiert, das Schnabeltier<br />

Ultraviolettstrahlung reflektieren<br />

– für Schönheit, deren Maß<br />

nicht Menschenaugen sind.<br />

Eine Poetik des Risses, Rands.<br />

Des Verlusts. Wissend, dass<br />

sein Maß nicht wir Zurückbleibenden<br />

sind. Und der Buchtitel<br />

eine Wortneuschöpfung,<br />

ohne die jeder Sprach-Notvorrat<br />

unvollständig bleibt. Für<br />

kommende W:ortlosigkeiten.<br />

Für die jetzigen. Mikael Vogel<br />

José F. A. Oliver:<br />

wundgewähr<br />

Matthes & Seitz Verlag,<br />

234 S., € 25,30


© Lillian Birnbaum<br />

Sie haben in Los Angeles Film am<br />

American Film Institute studiert,<br />

Dokumentarfilme gedreht, auf Ihrer<br />

Website steht aber schlicht: Peter<br />

Stephan Jungk, Schriftsteller.<br />

Das Filmstudium hat mir vor Augen geführt,<br />

dass Literatur, Film und Theater im<br />

Grunde Elemente einer Großfamilie sind,<br />

so unterschiedlich die Bereiche auch sein<br />

mögen. Insofern bewege ich mich also auch<br />

als Filmender auf literarischem, schriftstellerischem<br />

Terrain.<br />

2015 ist Ihr Buch über Ihre<br />

Großtante erschienen:<br />

Die Dunkelkammern der Edith<br />

Tudor-Hart. Im Jahr darauf<br />

der Dokumentarfilm Auf Ediths<br />

Spuren. Sind Buch und Film<br />

parallel entstanden?<br />

Zuerst war es allein das Buch, das für mich<br />

zählte: diese erstaunliche und bis dahin<br />

unbekannte Lebensgeschichte zu rekonstruieren.<br />

Für meine Recherchen musste ich<br />

größere Reisen und Aufenthalte finanzieren.<br />

Der Verlag, bei dem das Buch ursprünglich<br />

erscheinen sollte, unterstützte mich<br />

in keiner Weise. Meine Frau, die Filmproduzentin<br />

Lillian Birnbaum, die auch<br />

Fotografin ist, meinte, man müsste auch<br />

Ediths wunderbare Arbeiten kennenlernen<br />

und schlug mir vor, einen Dokumentarfilm<br />

über meine Großtante zu realisieren. Ich<br />

suchte beim zuständigen Ministerium um<br />

eine Projektentwicklung an, die bewilligt<br />

wurde. Während der Arbeit am Buch schob<br />

ich die damit verbundene Verpflichtung<br />

jedoch noch weit von mir. Erst nachdem<br />

das Buch abgeschlossen war, begann ich mit<br />

dem Script. Die ersten Dreharbeiten fanden<br />

in derselben Woche statt, in der das Buch<br />

schließlich bei S. Fischer – und nicht bei<br />

Zsolnay – erschien.<br />

Gibt es Dinge, die Sie im Buch<br />

nicht erzählen konnten, aber im<br />

Film zeigen?<br />

Ohne den Film wäre es nicht möglich,<br />

Ediths grandiose Fotografie so unmittelbar<br />

zu erleben. Und man könnte ihrem 100-jäh-<br />

ein Zugehörigkeitsgefühl entwickelt, wie ich<br />

es früher nicht kannte. Es sollte bereits 2020<br />

erscheinen, der Krise wegen verschob es<br />

der Verlag ins Frühjahr 2021. Und Warum<br />

ich beschloss, Peter Pakesch zu mögen (müry<br />

salzmann) geht dem bemerkenswerten<br />

Lebens- und Berufsweg eines langjährigen<br />

Freundes nach.<br />

Peter Stephan Jungk, geboren in Santa Monica,<br />

Kalifornien, ist Schriftsteller, Drehbuchautor,<br />

Dokumentarfilmer und Übersetzer. Er lebt mit<br />

seiner Frau, der Fotografin und Produzentin Lillian<br />

Birnbaum, in Paris.<br />

Peter Stephan<br />

Jungk<br />

Ich stelle mir<br />

die Bilder vor<br />

und schreibe sie<br />

anschließend<br />

nieder.<br />

Bücher seit 1639<br />

Über Literatur,<br />

Film, Edith<br />

Tudor-Hart und<br />

ein neues Zugehörigkeitsgefühl.<br />

Ein Gespräch<br />

mit Joe Rabl<br />

35<br />

rigen Bruder nicht bei seinen Ausweichmanövern<br />

zusehen – bis ans Ende seines<br />

Lebens leugnete er, seine Schwester habe<br />

auch nur das Geringste mit sowjetischer<br />

Geheimdienstarbeit zu tun gehabt. Der<br />

Film ist eine entscheidende Ergänzung zum<br />

Buch, beide gehören eng zusammen …<br />

Hat Ihre filmische Arbeit<br />

Einfluss auf Ihr Schreiben?<br />

Ich denke, in meinen bisherigen Büchern,<br />

nunmehr ist es ein rundes Dutzend, sieht<br />

man das Geschehen bildlich vor sich ablaufen,<br />

als sei es ein Film. Ich stelle mir die<br />

Bilder vor und schreibe sie anschließend<br />

nieder. Das gilt sowohl für die Romane als<br />

auch für die Biografien.<br />

Sie kommen Ende Mai mit<br />

gleich zwei druckfrischen Büchern<br />

nach Innsbruck …<br />

Marktgeflüster. Eine verborgene Heimat<br />

in Paris (S. Fischer) ist eine Art Autofiktion,<br />

die von meiner langjährigen Suche nach<br />

Zugehörigkeit erzählt. In den USA geboren,<br />

in Österreich aufgewachsen, später<br />

in verschiedenen Ländern beheimatet,<br />

habe ich erst auf dem Marché d’Aligre<br />

Buchtipp:<br />

Peter Stephan Jungk:<br />

Marktgeflüster /Eine verborgene<br />

Heimat in Paris<br />

S. Fischer Verlag,<br />

224 S., € 24,70<br />

Veranstaltungstipp:<br />

Peter Stephan Jungk<br />

moderiert die 43. Innsbrucker<br />

Wochenendgespräche<br />

vom 27. bis 29. Mai 2021.


43. Innsbrucker Wochenendgespräche:<br />

27. bis 29. Mai 2021<br />

www.himmel.co.at<br />

Das längstdienende Literaturfestival Tirols setzt seit seinem<br />

Beginn vor über 40 Jahren auf literarischeWerkstattgespräche!<br />

Auch<br />

Websites,<br />

Social Media<br />

und so.<br />

Do., 27. Mai, 20:15 Uhr<br />

Lesung: Peter Stephan Jungk, Thomas Ballhausen,<br />

Julya Rabinowich, Dimitré Dinev, Kurt Palm;<br />

Moderation: Birgit Holzner<br />

Fr., 28. Mai, ab 10 Uhr<br />

Gespräche im Haus der Musik, 5. Stock, Vorlesungssaal 05.07.11<br />

10.00 –12.00 Uhr: Clemens Aufderklamm,<br />

Händl Klaus, Kathrin Resetarits<br />

15.00 –17.00 Uhr: Thomas Ballhausen,<br />

Lorenz Langenegger, Herbert J. Wimmer<br />

Moderation: Peter Stephan Jungk<br />

Sa., 29. Mai, ab 10 Uhr<br />

Gespräche im Haus der Musik, 5. Stock, Vorlesungssaal 05.07.11<br />

10.00 –12.00 Uhr: Dimitré Dinev, Kurt Palm, Julya Rabinowich<br />

15.00 –17.00 Uhr: Gespräch mit allen Autorinnen und Autoren<br />

Moderation: Peter Stephan Jungk<br />

20.15 Uhr: ORF-Tirol-Studio 3, Rennweg 14<br />

Lesung: Clemens Aufderklamm, Händl Klaus, Kathrin Resetarits,<br />

Herbert J. Wimmer, Lorenz Langenegger; Moderation: Joe Rabl<br />

Mehr Infos unter:<br />

www.wochenendgespraeche.at<br />

Literatur und Film<br />

zwei Medien, die mit unterschiedlichen<br />

Mitteln dasselbe wollen: Geschichten<br />

erzählen. Geschichten, die unser Denken<br />

verändern, unseren Blick auf uns selbst<br />

und auf andere hinterfragen und erweitern.<br />

Aber was sind die formalen Mittel und Strategien<br />

von Film und/oder Literatur? Was<br />

ist ihnen gemeinsam und was unterscheidet<br />

sie? Wie beeinflussen sie sich gegenseitig?<br />

Und wie lassen sich Stilmittel des jeweils<br />

anderen Mediums für die eigene Arbeit<br />

nutzbar machen?<br />

Über diese und andere Wechselwirkungen<br />

von Literatur und Film diskutieren<br />

unter der Leitung des Autors<br />

und Regisseurs Peter Stephan Jungk:<br />

Clemens Aufderklamm, Thomas Ballhausen,<br />

Dimitré Dinev, Händl Klaus,<br />

Lorenz Langenegger, Kurt Palm, Julya<br />

Rabinowich, Kathrin Resetarits und<br />

Herbert J. Wimmer.<br />

© Alois Feldner<br />

Bücher seit 1639<br />

37


© Julia Haimburger<br />

Die Eroberung Amerikas ist ein weiterer<br />

unbändiger, großartiger Roman, vom<br />

Scheitern auf tiefstem menschlichen, aber<br />

auf höchstem sprachlichen Niveau. Witzigböse,<br />

wie man es kennt, geht es um einen<br />

Conquistador, der – nach seinen „erfolgreichen“<br />

Beutezügen durch Südamerika, in<br />

denen er den spanischen Eroberer Pizarro<br />

begleitet und Inkakönig Atahualpa das<br />

Schachspielen beibringt – nun den erfolglosesten<br />

Eroberungsfeldzug der Geschichte<br />

anführt. Hernando De Soto findet dann<br />

auch – konsequenterweise – einen recht unspektakulären<br />

Tod am Ufer des Mississippi,<br />

den er entdeckt hat.<br />

Was weckt Dein Interesse<br />

am Scheitern?<br />

Es sind nicht die Erfolge, die uns prägen,<br />

sondern die Niederlagen, Verletzungen und<br />

Demütigungen. Mich haben Loser immer<br />

mehr interessiert als Sieger, für Gescheiterte<br />

empfinde ich eine unbändige Zärtlichkeit,<br />

für Verlierer Sympathie. Letztlich scheitern<br />

die meisten Menschen an ihren Zielen und<br />

Ansprüchen, aber darin steckt auch viel<br />

Lust und manchmal sogar Komik.<br />

Wie kamst Du auf diese grandiose<br />

Rahmenhandlung, in der der Anwalt<br />

Trutz Finkelstein eine Sammelklage<br />

gegen die USA vertritt, die eine<br />

Rückgabe des gesamten US-Gebietes<br />

an die Indigenen fordert?<br />

Ich dachte, es kann nicht damit getan sein,<br />

den Indigenen ein paar Tomahawks und<br />

Marterpfahle zurückzugeben. Um erlittenes<br />

Unrecht wiedergutzumachen, müssten sie<br />

das ganze Land erhalten. Alles! Natürlich<br />

eine völlig utopische Vorstellung, aber die<br />

unerwartete Lösung gegen Ende des Buches<br />

sollte dann für alle sehr zufriedenstellend<br />

sein.<br />

Wie war das Recherchieren in<br />

Zeiten von Corona? Ein Besuch des<br />

Mississippi war wohl eher nicht drin?<br />

Doch! Ich bin im März letzten Jahres von<br />

Brasilien zurückgekommen, meiner letzten<br />

Recherchereise. Davor war ich in Spanien,<br />

Dinge sind spannend und manchmal etwas<br />

crazy: Ein Indianerstamm mit lauter Kopfdeformierten,<br />

andere haben das Barbecue<br />

erfunden, dann gab es ein von Frauen<br />

regiertes Dorf, eine Spanierin hat sich in<br />

Männerkleidern unter die Expeditionsteilnehmer<br />

geschwindelt und vieles mehr.<br />

Du warst im letzten Jahr<br />

Stadtschreiber von Dresden, wie<br />

waren deine Eindrücke? Und was<br />

dürfen wir als nächstes erwarten?<br />

Dresden hat mich positiv überrascht. Ich<br />

hatte mit Plattenbauten und Erbsenwurstmenschen<br />

gerechnet, aber die Stadt ist toll<br />

und Leute habe ich trotz Corona auch ein<br />

paar wunderbare kennengelernt. Eigentlich<br />

war geplant, einen Roman über den<br />

wilden Osten zu schreiben, da ich dafür<br />

aber mehrere Reisen machen müsste, was<br />

in Pandemiezeiten schwierig ist, habe ich<br />

umdisponiert und schreibe jetzt eine basale<br />

Geschichte über Religion und neuere Physik,<br />

die mich schon immer fasziniert hat,<br />

obwohl ich nichts davon verstehe.<br />

Franzobel<br />

Franzobel, startete 1995 mit einem Dosenbier in der<br />

Hand zum Ingeborg-Bachmann-Preis. Zuvor war<br />

er als bildender Künstler und sprachexperimenteller<br />

Autor bekannt. Mit seinen Theaterstücken und<br />

barock-brachialen Romanen wurde er zu einem<br />

der wichtigsten Autoren Österreichs. Bei Zsolnay<br />

erschienen zuletzt die Krimis Wiener Wunder (2014),<br />

Groschens Grab (2015) und Rechtswalzer (2019) sowie<br />

2017 der Roman Das Floß der Medusa, für den er auf<br />

der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand und<br />

mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet wurde.<br />

Mich haben<br />

Loser immer<br />

mehr interessiert<br />

als Sieger.<br />

Bücher seit 1639<br />

Nach Das Floß<br />

der Medusa hat<br />

Franzobel mit<br />

seiner unvergleichlichen<br />

Sprachpratze<br />

ein weiteres<br />

Mal tief in die Kiste<br />

der historisch belegten<br />

Geschichten<br />

gegriffen.<br />

Ein Interview<br />

mit Robert Renk<br />

39<br />

Algerien, auf Kuba, in Kolumbien, Panama<br />

und in den Südstaaten der USA, also auch<br />

am Mississippi. Ich bin dem Desoto-Eroberungszug<br />

fünfhundert Jahre später Station<br />

für Station hinterhergereist und habe dabei<br />

nur wenig ausgelassen. Viele von meinen<br />

Erlebnissen sind dann auch in den Roman<br />

eingeflossen: ein Hahnenkampf in Bogota,<br />

eine tagelange Wanderung mit Indigenen<br />

in Kolumbien, die Wüste Algeriens, die<br />

Sümpfe in Florida.<br />

Hast Du zufälligerweise den Roman<br />

Eroberung von Laurent Binet<br />

gelesen? Dort spielt der Inkakönig<br />

Atahualpa die Hauptrolle, der –<br />

auf Grund einer Reihe historisch<br />

wohlüberlegter Zufälle – das Europa<br />

von Karl V. erobert. Schlachtenmäßig<br />

könnt ihr Euch durchaus die Hand<br />

reichen, humormäßig steht es sicher<br />

1:0 für Dich.<br />

Nein, das habe ich nicht gelesen, aber eine<br />

großartige Idee und eine enorme Leistung,<br />

so etwas konsequent durchzuhalten. Binet<br />

hat die Geschichte auf den Kopf gestellt.<br />

Bei mir liegen die dichterischen Freiheiten<br />

im Detail: Meine Eroberer veranstalten<br />

das erste Footballspiel, erfinden Cola und<br />

Popcorn und stoßen auf ein Wikingerdorf,<br />

das sich als eine Art frühneuzeitlicher Ikea<br />

entpuppt. Aber auch die historisch belegten<br />

Buchtipp:<br />

Franzobel:<br />

Die Eroberung Amerikas<br />

Zsolnay Verlag,<br />

544 S., € 27,40<br />

Buchpräsentation:<br />

Die Eroberung Amerikas<br />

Mit Franzobel<br />

Moderation: Robert Renk<br />

Mo., 10. Mai 2021, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung<br />

Eintritt: € 9,00 / 7,00 mit<br />

Wagner- oder Ö1-Card<br />

Nähere Informationen zu<br />

den aktuellen Covidmaßnahmen<br />

finden sie auf:<br />

www.wagnersche.at/<br />

veranstaltungen/covid19


Mitten in den Alpen liegt der ehemalige<br />

Tourismusort Bad Regina. Stückweise wurde<br />

dieser vom chinesischen Immobilienhai Chen<br />

aufgekauft. Anhand der verbliebenen Dorfgesellschaft<br />

zeichnet David Schalko eine<br />

Bandbreite an Charakteren, wie sie unterschiedlicher<br />

nicht sein könnten. Zusammengehalten<br />

werden sie vom Kampf für ihren<br />

Lebensraum und – typisch Österreichisch –<br />

vom Alkohol.<br />

Ihre Figuren bedienen Klischees, die<br />

im Bezug auf das (österreichische)<br />

Landleben immer wieder aufgegriffen<br />

werden: Nazi-Vergangenheit, starker<br />

Alkoholkonsum, grobe Sprache,<br />

Korruption. Wieso dieser Hang<br />

zu Anti-Held*innen?<br />

Ich unterscheide gar nicht so zwischen<br />

Antihelden und Helden. Sondern ich lerne<br />

Charaktere kennen, die Teil der Geschichte<br />

sind, und sehe ihnen dabei zu, wohin sie<br />

sich währenddessen entwickeln. Im Leben<br />

gibt es auch keine Helden und Antihelden.<br />

Beides steckt immer in jedem.<br />

In der Verlagsankündigung heißt<br />

es u. a.: „Eine bitterböse und<br />

urkomische literarische Fantasie<br />

über den Untergang Europas“.<br />

Wie würden Sie das Schicksal von<br />

Bad Regina auf Europa umlegen?<br />

Ich glaube, dass Europa derzeit ein Kontinent<br />

ist, der sein Selbstverständnis sehr<br />

aus dem 20. Jahrhundert gewinnt. In erster<br />

Linie definieren wir uns über ein kulturelles<br />

Pseudo-Überlegenheitsgefühl, mit dem<br />

wir auf den Rest der Welt schauen. Das ist<br />

auch ein sehr rassistisches Weltbild, weil wir<br />

herablassend auf Kontinente wie Afrika<br />

sehen. Wir sind da noch immer in alten<br />

kolonialistischen Mustern verhaftet, die<br />

sich jetzt im 21. Jahrhundert beginnen aufzulösen.<br />

Die stattfindenden Kulturkämpfe<br />

in Europa machen das deutlich sichtbar,<br />

denke ich.<br />

Die Beziehungsgeflechte sind<br />

irrsinnig verstrickt. Das Verhältnis<br />

zwischen Petzi und dem Polizisten<br />

Schleining würde vermutlich allein<br />

beanspruchen. Aus Angst, dass einem die<br />

eigene Kultur genommen wird. Europa ist<br />

ein reiner Kulturkontinent geworden.<br />

Das Ende ist ein regelrechter<br />

Showdown. Mehr ist mehr?<br />

Am Ende überschlagen sich die Ereignisse<br />

und gleichzeitig spannt es einen Bogen<br />

zwischen Holocaust und der afrikanischen<br />

Migrationswelle, der wir derzeit begegnen.<br />

Das 20. Jahrhundert wird hier mit dem 21.<br />

zusammengeführt.<br />

Vieles im Roman wird über<br />

Gespräche, häufig Dialoge erzählt –<br />

war der Gedanke an ein Drehbuch<br />

im Hinterkopf – oder erzählen Sie<br />

manches einfach lieber über ein<br />

Gesprächsformat?<br />

Der Vorgänger, Schwere Knochen, war<br />

ein Roman, der ausschließlich in indirekter<br />

Rede erzählt wurde. Ich hatte das Bedürfnis,<br />

jetzt einen Text zu schreiben, in<br />

dem ich die Figuren direkt sprechen höre.<br />

Besonders, weil es sich um Charaktere handelt,<br />

die aufgrund ihrer Geisterhaftigkeit<br />

schwer zu greifen sind.<br />

Buchtipp:<br />

David Schalko:<br />

Bad Regina<br />

Kiepenheuer & Witsch Verlag,<br />

420 S., € 24,70<br />

David<br />

Schalko<br />

Was lesen Sie gerade?<br />

Ich habe gerade das neue Buch von Christian<br />

Kracht gelesen. Ein außerordentliches<br />

Buch.<br />

David Schalko, geb. 1973 in Wien, ist Regisseur,<br />

Autor von Romanen, Lyrik und Fernsehsendungen,<br />

u. a. Braunschlag oder Altes Geld. Sein vielfältiges<br />

Schaffen wurde mehrfach ausgezeichnet. Der Roman<br />

Bad Regina ist 2021 bei Kiepenheuer & Witsch<br />

erschienen.<br />

© Ingo Pertramer<br />

Europa<br />

ist ein<br />

reiner Kulturkontinent<br />

geworden.<br />

Bücher seit 1639<br />

Auf den ersten<br />

Blick scheint Bad<br />

Regina verlassen.<br />

Aber wer länger<br />

schaut, entdeckt,<br />

dass in diesem Ort<br />

noch einige widerständische<br />

Seelen<br />

hausen. Ein Gespräch<br />

mit Katharina<br />

J. Ferner<br />

41<br />

bereits als Handlung für einen<br />

Roman ausreichen. Genießen Sie es,<br />

die Leser*innen herauszufordern?<br />

Die Bewohner dieses Ortes fungieren<br />

selbst als Ruinen. Sie alle befinden sich an<br />

einem Punkt, an dem eigentlich schon alles<br />

passiert ist und wo es vor allem darum geht,<br />

den weiteren Verfall zu verhindern. Oder<br />

eben auch nicht. Trotz aller Dichte hat man<br />

das Gefühl, eine Art Geistergeschichte<br />

zu lesen. Weil die handelnden Personen<br />

irgendwie gar nicht mehr wirklich im Leben<br />

stehend wirken.<br />

Die Handlung zwingt die<br />

Bevölkerung an einem gewissen<br />

Punkt zu einer selbstverordneten<br />

Ausgangssperre. War das immer so<br />

geplant oder hat das vergangene Jahr<br />

Einfluss auf die Szene genommen?<br />

Der Roman war mehr oder weniger schon<br />

vor Corona fertig. Es ist reiner Zufall, dass<br />

sich das atmosphärisch deckt. Es ist auch<br />

kein Buch, das sich als Kommentar auf<br />

das Virus versteht. Es geht eher um einen<br />

Kontinent, der trotz geringer Geburtenzahlen<br />

noch immer auf sein Anrecht<br />

pocht, dieses Gebiet für weiße Europäer zu<br />

Buchpräsentation:<br />

Bad Regina<br />

Mit David Schalko<br />

Moderation: Stefan Wancura<br />

Di., 1. Juni 2021, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung<br />

Eintritt: € 9,00 / 7,00 mit<br />

Wagner- oder Ö1-Card<br />

Nähere Informationen zu<br />

den aktuellen Covidmaßnahmen<br />

finden sie auf:<br />

www.wagnersche.at/<br />

veranstaltungen/covid19


© Jan Schoelzel<br />

Madrigal, eine Sammlung von<br />

Erzählungen, ist das erste Buch,<br />

das Sie in Ihrer Mutter-Sprache<br />

Deutsch verfassen. Haben Sie den<br />

Schreibprozess anders erlebt, als<br />

wenn Sie auf Englisch schreiben?<br />

Es war ein fast vollkommen anderes<br />

Erlebnis. Ich bin zwar mit Deutsch aufgewachsen,<br />

aber nur als Umgangssprache,<br />

hauptsächlich, um mit meiner Kärtner<br />

Großmutter zu sprechen. Bevor ich diesen<br />

Erählband begann, habe ich nie etwas<br />

Längeres oder Komplizierteres als eine<br />

Weihnachtskarte geschrieben. Zu meiner<br />

großen Überraschung ist mir das Schreiben<br />

der Storys nicht schwerergefallen – nur<br />

habe ich für jede Zeile, jedes Wort wesentlich<br />

länger gebraucht. Ich bin als deutscher<br />

Autor deutlich weniger selbstsicher, was oft<br />

zu unerwarteten Entscheidungen führt.<br />

Fad war’s jedenfalls nicht!<br />

Während die Erzählung<br />

als literarische Form im<br />

deutschsprachigen Raum<br />

unterschätzt wird, erfuhr sie in<br />

den USA als „Short Story“ im<br />

20. Jahrhundert mit Autoren wie<br />

Hemingway oder Raymond Carver<br />

durchaus Wertschätzung. Haben<br />

Sie Vorbilder, was das Schreiben<br />

von Erzählungen betrifft?<br />

Ich habe sehr wohl Vorbilder – ich glaube,<br />

man braucht sie ganz besonders dringend,<br />

wenn man einen Sprung ins Ungewisse<br />

versucht – aber interessanterweise sind sie<br />

keine Amerikaner. Die Kurzgeschichten<br />

von Isak Dinesen schätze ich sehr sowie<br />

die vom großen chilenischen Erzähler<br />

der Gegenwart, Alejandro Zambra. Und<br />

die frühen Texte von Jorge Luis Borges.<br />

Ach, und Donald Barthelme. Am Ende<br />

ist mir doch ein Ami eingefallen!<br />

Die über Sprache geschaffene<br />

Atmosphäre ist in ihrem Werk ebenso<br />

wichtig wie der Plot. Zudem führen<br />

Ihre Romane oft in Randzonen, zu<br />

Kipp-Punkten und zu den Leerstellen<br />

des Lebens oder der Phantasie.<br />

Die titelgebende Erzählung Madrigal<br />

haben Sie 2017 beim Bachmannpreis<br />

gelesen und großen Eindruck<br />

hinterlassen. Es gibt einen zentralen<br />

Satz darin: „Kein Scheitern,<br />

keine Geschichte“. Ist in diesem<br />

Sinne Schreiben immer auch ein<br />

Überwinden des Scheiterns?<br />

Weniger ein Überwinden des Scheiterns,<br />

würde ich sagen, als dessen Hinnahme.<br />

Niemand ist unfehlbar, auch Schriftsteller<br />

nicht – Schriftsteller vielleicht besonders<br />

nicht. Das Scheitern gehört zu<br />

dem Alltag des Autors. Und so soll es<br />

auch sein.<br />

John Wray, geboren 1971 in Washington D.C., wuchs<br />

als Sohn eines Amerikaners und einer Österreicherin<br />

in Buffalo auf. Ein Biologiestudium, seine Eltern<br />

sind Onkologen, brach er ab. Er schlug sich mit<br />

Gelegenheitsjobs durch, spielte in einer Rockband –<br />

und schrieb. Mit Romanen wie Die rechte Hand des<br />

Schlafes (2002) und Retter der Welt (2009) schaffte<br />

er den Durchbruch. Er lebt in Brooklyn, New York,<br />

manchmal auch bei Verwandten in Kärnten.<br />

John<br />

Wray<br />

Kein<br />

Scheitern,<br />

keine<br />

Geschichte!<br />

42<br />

Wagner’sche.<br />

In den USA gehört<br />

er zu den bekanntesten<br />

Autoren<br />

seiner Generation.<br />

Nun legt der Sohn<br />

eines Amerikaners<br />

und einer Österreicherin<br />

sein erstes<br />

auf Deutsch geschriebenes<br />

Buch<br />

vor. Ein Interview<br />

mit Stefan Gmünder<br />

Was erwartet uns, ohne zu viel<br />

zu verraten, in ihren Erzählungen?<br />

Ich finde, dass das, was Sie von meinen<br />

Romanen behaupten, vielleicht noch viel<br />

eher meine Erzählungen beschreibt. Man<br />

verfügt ja bei kürzeren Texten über viel<br />

mehr Freiheit: Ein Roman muss den Leser<br />

doch irgendwie über Hunderte von Seiten<br />

festhalten, und deswegen wirkt der durchschnittliche<br />

Roman eher konventionell. Bei<br />

Storys kann sich der Autor ganz schön viel<br />

erlauben! Genau deswegen hat mich die<br />

Form schon lange fasziniert.<br />

Ihre Prosa ist leichtfüßig und<br />

gleichzeitig von größter Genauigkeit.<br />

Letztere kostet Zeit. Schreiben Sie<br />

immer noch auf einer elektrischen<br />

Schreibmaschine, was ja das<br />

Schreiben verlangsamt?<br />

Sie haben ein gutes Gedächtnis! Ja, ich<br />

schreibe noch immer auf einer lauten,<br />

hässlichen elektrischen Schreibmaschine<br />

aus den 80er Jahren. Wie schon oben<br />

erwähnt, ist mein Schreibprozess von<br />

vornherein verehrend langsam. Da kann<br />

auch meine Brother SX-4000 nicht mehr<br />

viel Schaden anrichten.<br />

Buchtipp:<br />

John Wray:<br />

Madrigal<br />

Rowohlt Verlag,<br />

144 S., € 23,30<br />

Buchpräsentation:<br />

John Wray liest aus<br />

Madrigal<br />

Moderation: Martin Fritz<br />

Di., 8. Juni 2021, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung<br />

Eintritt: € 9,00/ 7,00 mit<br />

Wagner- oder Ö1-Card<br />

Nähere Informationen zu<br />

den aktuellen Covidmaßnahmen<br />

finden sie auf:<br />

www.wagnersche.at/<br />

veranstaltungen/covid19


© Michael Witte<br />

Auf dem Lande, in einer<br />

Zurückgezogenheit, treffen<br />

verschiedene Lebensgeschichten<br />

aufeinander, die du mit Liebe<br />

und Akzeptanz beschreibst.<br />

Das einfache Leben mit diesen<br />

wortkargen Menschen war für<br />

mich beeindruckend. Du konntest<br />

den Stimmungen und Schwankungen<br />

deiner Figuren eine Stimme geben.<br />

Waren diese Personen so von<br />

Anfang an geplant?<br />

Ja, sie waren alle von Anfang an da – die<br />

Erzählerin, ihr Bruder, Mimi, Arild, Nike<br />

und Otis. Sie waren alle gleich wichtig,<br />

aber am wichtigsten war Mimi. Sie ist das<br />

Zentrum der Geschichte, für die Figur der<br />

Mimi wollte ich dieses Buch schreiben.<br />

Wenn ich die Figuren nicht kenne, kann ich<br />

den Anfang der Geschichte nicht finden.<br />

Aber wenn die Geschichte gut ist – wenn sie<br />

für mich stimmt – dann verselbstständigen<br />

sich die Figuren im Laufe des Schreibens<br />

und bekommen Eigenschaften, von denen<br />

Judith<br />

Hermann<br />

ich am Anfang nichts wusste, sie tun Dinge,<br />

von denen ich nichts geahnt habe.<br />

Das Personal in deinem neuen<br />

Roman, das sind Menschen, deren<br />

begonnener Lebensplan mehr oder<br />

weniger gescheitert ist. Dennoch<br />

geht ihr Leben weiter, meist in einem<br />

komplett anderen Umfeld. Ist es<br />

das ungewollte Verschieben ihrer<br />

Lebensperspektiven, das diese Ruhe<br />

und Besinnlichkeit bewirkt?<br />

Ehrlich gesagt ist es wohl vor allem ihr<br />

Alter, das diese Besinnlichkeit bewirkt.<br />

Die Figuren sind über die Mitte des Lebens<br />

hinaus – sie sind über bestimmte Erwartungen<br />

und Wünsche schlicht hinweg.<br />

Etliches hat sich schon erledigt, viele Dinge<br />

sind abgeschlossen und vorbei, es wird<br />

nicht mehr allzu viel passieren – das bringt<br />

eine gewisse Ruhe mit sich, ja, eine Beruhigung.<br />

Und in dieser Beruhigung sind<br />

die Dinge, die sich dann doch noch ergeben,<br />

umso wirkungsvoller.<br />

Ich warte jeweils lange auf ein neues<br />

Buch von dir. Sind es die Ideen, die<br />

Zeit brauchen oder bist du so genau<br />

und streng mit dir selber?<br />

Die Ideen brauchen Zeit und ich brauche<br />

Zeit, und ich bin ziemlich streng mit dem<br />

Text und mir selber – während des Schreibens<br />

zumindest. Ich schreibe viel Text,<br />

den ich wieder verwerfe, das Schreiben ist<br />

Grabungsarbeit, es dauert, bis ich an den<br />

eigentlichen Text herankomme. Bis ich ihn<br />

finde. Ich habe Skrupel! Das Schreiben ist<br />

heikel, es fällt mir nie leicht, und je länger<br />

ich schreibe, desto schwerer wird es –<br />

und desto länger dauert es. Angemessen,<br />

findest du nicht?<br />

Judith Hermann wurde 1970 in Berlin geboren.<br />

Ihrem Debüt Sommerhaus, später (1998) wurde eine<br />

außerordentliche Resonanz zuteil. 2003 folgte der<br />

Erzählungsband Nichts als Gespenster. Einzelne<br />

dieser Geschichten wurden 2007 für das Kino<br />

verfilmt. 2009 erschien Alice, fünf Erzählungen, die<br />

international gefeiert wurden. 2014 veröffentlichte<br />

Judith Hermann ihren ersten Roman: Aller Liebe<br />

Anfang. 2016 folgten die Erzählungen Lettipark, die<br />

mit dem dänischen Blixen-Preis für Kurzgeschichten<br />

ausgezeichnet wurden. Für ihr Werk wurde Judith<br />

Hermann mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter<br />

dem Kleist-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis.<br />

Die Autorin lebt und schreibt in Berlin.<br />

Das<br />

Schreiben ist<br />

Grabungsarbeit.<br />

Bücher seit 1639<br />

Sie gehört zu den<br />

aufregendsten<br />

Stimmen der<br />

deutschsprachigen<br />

Literatur. Jetzt<br />

kommt ihr<br />

neuer Roman.<br />

Ein Gespräch<br />

mit Hans Ruprecht<br />

45<br />

Du schreibst in diesem Buch von<br />

dir aus, auktorial. Hast du diese<br />

Erzählform bewusst gewählt?<br />

Warum?<br />

Weil die Erzählerin weit von mir weg<br />

und mir trotzdem nah ist. Je näher ich<br />

einer Figur im autobiografischen Sinne<br />

bin, desto größer muss die Distanz beim<br />

Schreiben sein. Diese Ich-Erzählerin ist<br />

mir vertraut – aber sie ist nicht „Ich“.<br />

Umso einfacher und auch unterhaltsamer<br />

war es, sie auktorial zu schreiben.<br />

Du hast dich in dieser Corona-Zeit<br />

meist aufs Land, an die Nordsee<br />

zurückgezogen. Hat dies dein<br />

Schreiben beeinflusst?<br />

Das Buch ist vor Corona entstanden – ich<br />

habe es beendet, kurz bevor die Lage ernst<br />

geworden ist. Corona hätte mein Schreiben<br />

sicher beeinflußt – ich bin glücklich, dass<br />

ich dieses Buch vor Beginn einer Pandemie<br />

schreiben durfte.<br />

Buchtipp:<br />

Judith Hermann:<br />

Daheim<br />

S. Fischer Verlag,<br />

192 S., € 22,20<br />

Buchpräsentation:<br />

Daheim<br />

Mit Judith Hermann<br />

Moderation: Katja Gasser<br />

(angefragt)<br />

Fr., 18. Juni 2021, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung<br />

Eintritt: € 9,00 / 7,00 mit<br />

Wagner- oder Ö1-Card


© Ralf Steinberger<br />

Buchtipp:<br />

Sharon Dodua Otoo:<br />

Adas Raum<br />

S. Fischer Verlag,<br />

320 S., € 23,30<br />

Ich<br />

fühle<br />

mich<br />

momentan<br />

in Deutschland<br />

verortet.<br />

Bücher seit 1639<br />

2016 hast du den Bachmannpreis<br />

gewonnen. Nun – fast fünf Jahre<br />

später – kommt dein lang erwarteter<br />

Debütroman heraus. Wieso mussten<br />

wir so lange warten?<br />

Es gibt viele Antworten auf diese Frage.<br />

Zusammenfassend kann ich sagen, es hat<br />

einfach seine Zeit gebraucht. Hätte ich<br />

den Roman schneller geschrieben, wäre er<br />

ganz anders geworden. Viel didaktischer<br />

vielleicht. Es gab immer wieder Phasen, in<br />

denen ich nicht geschrieben, aber viel über<br />

die Geschichte, die Handlung, die Figuren<br />

reflektiert habe.<br />

Du verknüpfst das Leben von vier<br />

Frauen, zwischen Afrika und Europa,<br />

zwischen dem 15. Jh. und heute.<br />

Und du verknüpfst auch die jeweiligen<br />

Erzähltraditionen. In erster Linie<br />

erfahren wir die Schicksale der<br />

Frauen von beseelten Dingen, sei<br />

es einem Besen, einem Türknauf,<br />

Zimmerwänden oder einem Reisepass,<br />

was ich hauptsächlich von<br />

2019 hat Sie mit<br />

einer funkelnden<br />

Rede den Bachmannpreis<br />

eröffnet,<br />

im September<br />

eröffnet Sie das<br />

19. Prosafestival.<br />

Ein Interview<br />

mit Robert Renk<br />

afrikanischen Erzähler*innen kenne.<br />

Ist es Dir wichtig, eine Stimme beider<br />

Kontinente zu sein?<br />

Ganz ehrlich, ich kenne mich lange nicht so<br />

gut mit westafrikanischer Literatur aus wie<br />

ich mich mit deutschsprachiger Literatur<br />

auskenne. Was auch nicht viel heißt, weil<br />

ich so furchtbar langsam lese. Also nein, es<br />

ist keine Absicht von mir, die Stimme eines<br />

Kontinents oder zweier Kontinente zu sein<br />

(who, me?!). Ich fühle mich momentan in<br />

Deutschland verortet, und ich orientiere<br />

mich an den hiesigen Diskursen und Debatten.<br />

Mein Schreiben wird sicherlich von<br />

einzelnen Schreibenden beeinflusst – zum<br />

Beispiel Toni Morrison, Zadie Smith, Ben<br />

Okri und May Ayim – aber das sind Kunstschaffende<br />

der afrikanischen Diaspora, also<br />

einem Ort ohne Grenzen.<br />

In deiner viel beachteten Rede<br />

Dürfen Schwarze Blumen malen<br />

(Klagenfurt, 2020) hast du schon<br />

die Schicksale und Verbrechen im<br />

Holocaust und die des Kolonialismus<br />

Sharon<br />

Dodua Otoo<br />

47<br />

in ein gemeinsames, sehr weißes, sehr<br />

europäisches Licht gerückt. Kann<br />

man die Ada aus Westafrika aus dem<br />

Jahr 1459 und die Ada, die 1945 im<br />

KZ Mittelbau-Dora ermordet wird,<br />

dafür als exemplarisch lesen?<br />

Hmm. Ich glaube, mir ging es in meiner<br />

Rede darum, mein Bedauern zum Ausdruck<br />

zu bringen, dass es in der sogenannten<br />

„Causa Mbembe“ so viel Trennendes gab.<br />

Dass in meiner Wahrnehmung die Kämpfe<br />

gegen Rassismus und die Kämpfe gegen<br />

Antisemitismus gegeneinander ausgespielt<br />

wurden. Ich habe mich gefragt, wer von<br />

diesem Streit profitiert hat? Sicherlich nicht<br />

die Personen, die Antisemitismus erleben<br />

oder Anti-Schwarzen-Rassismus – oder<br />

sogar beides. Mit den verschiedenen Adas<br />

habe ich versucht, eine Geschichte zu<br />

erzählen, die auch Identitäten thematisiert.<br />

Nicht die starren, biologisch begründeten<br />

Kategorien, sondern die Zuschreibungen<br />

– es wird erzählt, wie eine Person zur Frau<br />

gemacht wird oder zur Schwarzen. Ada<br />

erlebt zwar immer wieder grausame Sachen,<br />

doch sie wehrt sich immer wieder. Die<br />

diversen Widerstandsmomente in „einer“<br />

Figur zu vereinen, könnte auch als Solidaritätszeichen<br />

wahrgenommen werden.<br />

Dein Roman ist vieles: Er ist Anklage<br />

und Wehklage. Es ist ein Buch der<br />

Schuld und Schuldigen, ein Buch<br />

des Leidens und des Todes, aber<br />

auch ein Buch z.B. der Mutter- und<br />

Schwesterliebe. Es ist ein Buch von<br />

starken Frauen, die dennoch (oder<br />

vielleicht auch deshalb) zu ihrer<br />

Zeit keine Chance hatten. Nur die<br />

letzte der vier Adas, die in Berlin<br />

2019 als Schwarze 1 Schwangere<br />

auf Wohnungssuche ist, überlebt.<br />

Schimmert da ein Stück Hoffnung<br />

durch?<br />

Selbstverständlich! Am Anfang stirbt ein<br />

Kind, am Ende wird ein Kind geboren.<br />

Am Anfang will Ada nicht so ahnungslos<br />

wirken, am Ende weiß sie genau, wer<br />

sie ist. Am Anfang wird die Frage gestellt:<br />

Warum gehen die Männer immer weg? Am<br />

Ende kommt der Mann wieder. Es ist kein<br />

zuckersüßes Happy End – dafür gibt es weiterhin<br />

viel zu viel Leid in der Welt – aber ich<br />

finde die Geschichte schon hoffnungsvoll.<br />

Auf was dürfen wir uns als<br />

Nächstes freuen?<br />

Ich bin noch im Rausch von Adas Raum.<br />

Es ist so erfreulich, wie viel Interesse es<br />

an der Geschichte gibt, wie viele positive<br />

Rückmeldungen ich bekomme. Das wird<br />

noch ein kleines bisschen dauern, bis ich<br />

mein Kopf frei genug bekomme, um von<br />

einem neuen Projekt zu träumen.<br />

Sharon Dodua Otoo wurde 1972 in London geboren<br />

und lebt in Berlin. Sie ist Schwarze Britin, Mutter,<br />

Aktivistin und Autorin. Sie schreibt auf Englisch<br />

und Deutsch und gewann 2016 überraschend und zu<br />

Recht den Ingeborg-Bachmann-Preis mit dem Text<br />

Herr Gröttrup setzt sich hin. Eine hochliterarische,<br />

gut beobachtete und gewitzte Persiflage auf den<br />

deutschen Pünktlichkeitswahn, wie sie seit Heiner<br />

Goebbels 5 Minuten vor der Zeit nicht mehr an unser<br />

Ohr gedrungen ist.<br />

Publikationen: 2012: the things i am thinking while<br />

smiling politely, auf Deutsch erschienen 2013: die<br />

dinge, die ich denke, während ich höflich lächle (Übersetzung:<br />

Mirjam Nuenning). 2014: Synchronicity<br />

(Übersetzung: Mirjam Nuenning). Beide: edition<br />

assemblage. 2017 erschienen als TB bei S. Fischer.<br />

1<br />

„Schwarz“ wird als politischer Begriff verstanden<br />

und daher mit großem S geschrieben.<br />

Veranstaltungstipp:<br />

19. Prosafestival (16. –18. Sept.)<br />

U.a. mit Sharon Dodua Otoo<br />

siehe nächste Seite


19. Innsbrucker Prosafestival<br />

Auch dieses Jahr wieder im September entführt uns das<br />

beliebte Festival in die verschiedenste Ecken, vom tiefsten<br />

Westafrika in die Wiener Vorstadt und retour ...<br />

Von Markus Köhle & Robert Renk<br />

Do., 16. September, 20 Uhr<br />

Stadtbücherei<br />

1 Sharon Dodua Otoo (GB/D)<br />

2 Lena Johanna Hödl (A)<br />

3 Raphaela Edelbauer (A)<br />

4 Stefan Kutzenberger (A)<br />

© 8ung Kultur<br />

© 8ung Kultur © 8ung Kultur<br />

© 8ung Kultur<br />

Fr., 17. September, 20 Uhr<br />

Wagner’sche<br />

1 Kristof Magnusson (D/ISL)<br />

2 Nadja Bucher (A)<br />

3 Dana Grigorcea (CH)<br />

4 Birgit Pölzl (A)<br />

Wäre das Innsbrucker Prosa-Festival (IPF)<br />

verheiratet, es feierte heuer die Perlmutthochzeit.<br />

Das trifft sich gut, denn im Perlmutt<br />

steckt der Mut. Perlmutt ist widerstandsfähig<br />

und farbenfroh und wird gerne<br />

als Schmuckstein verwendet. Perlmutt ist in<br />

Muschelschalen oder Schneckengehäusen<br />

zu finden. Ja, Perlmutt ist die Literatur<br />

unter den Steinen. Es braucht viele<br />

Jahre, um seine Härte auszubilden, doch<br />

dann widerstehen die perlmuttgestärkten<br />

Muscheln und Schnecken (respektive<br />

die literaturgestärkten Menschen) damit<br />

äußeren Gefahren. Gegen Literatur kommt<br />

Corona nicht an. Perlmutt ist schillernd<br />

wie das Leben und die Literatur, und wer<br />

glaubt, dass eine Ehe nach 19 Jahren reizlos<br />

geworden sein könnte, die oder der war<br />

noch nicht 19 Jahre verheiratet. In schwierigen<br />

Zeiten gilt es erst recht ordentliche<br />

Literaturfeste auszurichten. Der Verein<br />

8ungKultur macht das erneut möglich.<br />

Gegen Literatur<br />

kommt Corona nicht an<br />

Sa., 18. September, 20 Uhr<br />

Sillwerk<br />

1 Anais Meier (CH)<br />

2 Martina Clavadetscher (CH)<br />

3 Mieze Medusa (A)<br />

4 Stefan Abermann (A)<br />

Das heißt: Auch diese Jahr dürfen wir<br />

Ihnen 12 Autorinnen und Autoren aus<br />

dem gesamten deutschen Sprachraum (und<br />

darüber hinaus) präsentieren, die aus den<br />

unterschiedlichsten Gründen in der gegenwärtigen<br />

Literaturlandschaft herausragend<br />

sind. Drei Tage, drei Orte, drei Moderatoren,<br />

12 Autorinnen und Autoren. Das reimt sich<br />

noch immer und ist wie immer gut, wird aber<br />

noch besser durch Sie, durch Ihr Dabeisein.<br />

Der Auftakt findet am Donnerstag, den<br />

16. September in der neuen Stadtbibliothek<br />

(Amraserstraße 2) statt. Am Freitag, den<br />

17. September ist die Wagner’sche Buchhandlung<br />

(Museumstraße 4) Gastgeber und<br />

am Samstag, den 18. September 2021 besiegeln<br />

wir die Perlmutt-Literatur-Hochzeit<br />

im Sillwerk (Amraserstraße 3).<br />

3 Orte –<br />

12 Autor*innen<br />

Robert Renk, Markus Köhle und Martin<br />

Fritz moderieren, führen einleitende Gespräche<br />

mit den Autorinnen und Autoren,<br />

beschenken diese textmotiviert und haben<br />

wie immer einen perlmuttschillernden<br />

Querschnitt der aktuell schreibenden Zunft<br />

eingeladen. Carmen Sulzenbacher sorgt für<br />

die Organisation und Betreuung aller.Eintritt:<br />

freiwillige Spenden nähere Infos (auch<br />

zu kurzfristigen und/oder coronabedingten<br />

Änderungen bzw. Auflagen) unter:<br />

prosafestival.wordpress.com<br />

48<br />

Wagner’sche.<br />

„Blutsauger“ steht in der<br />

Heimat von Vlad dem Pfähler,<br />

gemeinhin als Dracula bekannt,<br />

nicht nur für den Obervampir,<br />

sondern auch für den das Volk<br />

aussaugenden Diktator Nicolae<br />

Ceausescu. Wie beide Figuren<br />

im postkommunistischen<br />

Rumänien noch recht lebendig<br />

sind, lernen wir, wenn wir einer<br />

jungen Bukarester Malerin aus<br />

Paris in ihr ehemaliges Feriendomizil<br />

nach Transsilvanien<br />

folgen. Dort wird alsbald eine<br />

gepfählte Leiche auf dem<br />

Grab von Vlad III. Drăculea<br />

gefunden und unsere Malerin<br />

stellt plötzlich Veränderungen<br />

an sich fest … Robert Renk<br />

Dana Grigorcea:<br />

Die nicht sterben<br />

Penguin Verlag, 272 S., € 23,30<br />

Anaïs Meier bringt in 13 Kurzgeschichten<br />

gerne Verschwiegenes<br />

unverblümt zur Sprache.<br />

Sie macht aber auch das Gegenteil<br />

davon. Sie schreibt über die<br />

größten Schweiz-Klischees und<br />

weidet diese genussvoll aus, ist<br />

dabei aber immer sprachlich<br />

eigenwillig anders und erfreulich<br />

komisch. Das ist Satire,<br />

die manchmal im Kleid einer<br />

Reportage, mal in Form eines<br />

analytischen Kommentars,<br />

dann wieder als Persiflage einer<br />

literaturwissenschaftlichen<br />

Arbeit daherkommt und immer<br />

überrascht und unterhält.<br />

Markus Köhle<br />

Anaïs Meier:<br />

Über Berge, Menschen und<br />

insbesondere Bergschnecken<br />

mikrotext Verlag, 96 S., € 16,00<br />

Im Roman DAVE lernen wir<br />

den Programmierer Syz dabei<br />

kennen, wie er beim Konstruieren<br />

einer künstlichen Intelligenz<br />

namens DAVE immer<br />

tiefer in den Widerspruch gerät,<br />

DAVE nicht einfach nur durch<br />

Programmbefehle Selbstständigkeit<br />

befehlen zu können.<br />

Vor lauter Spannung und Spaß<br />

merken wir beim Lesen von<br />

DAVE gar nicht, was da alles an<br />

Reflexionen über Erinnerung,<br />

Erzählung, Sprache und Bewusstsein<br />

drinsteckt. Alle, die<br />

Computer, Menschen und/oder<br />

beide lieben, werden von DAVE<br />

begeistert sein. Martin Fritz<br />

Raphaela Edelbauer:<br />

DAVE<br />

Klett-Cotta Verlag, 432 S., € 25,70<br />

Nadja Bucher hat sich für ihren<br />

dritten Roman etwas ganz<br />

Besonderes einfallen lassen:<br />

Der Großschriftsteller Heimito<br />

von Doderer wird im Körper<br />

eines Mädchens 1976 in Wien<br />

wiedergeboren, und zwar in der<br />

Doderer-Gasse in der Großfeldsiedlung.<br />

Es entwickelt<br />

sich ein rasanter Retro-Retro-<br />

Roman über die 1970er- und<br />

80er-Jahre in der Sprache der<br />

1950er- und 60er-Jahre. Das ist<br />

konsequent durchgeführt und<br />

hat großartige Momente, denn<br />

Doderer darf nach Herzenslust<br />

seine Häme über alle und alles<br />

stülpen. Markus Köhle<br />

Nadja Bucher:<br />

Die Doderer-Gasse oder<br />

Heimitos Menschwerdung<br />

Milena Verlag, 280 S., € 23,00<br />

In Von Wegen wird Spoken-<br />

Word-Duktus in Prosa eingewoben,<br />

dass es eine Freude<br />

ist. Das hat Kraft, flowt und<br />

geht tief rein. Das ist motiviertes<br />

und geglücktes Sprachexperiment:<br />

Hoher literarischer<br />

Ton trifft Alltagssprache und<br />

geht fröhlich eine frucht- und<br />

erkenntnisbringende Symbiose<br />

ein. Das ist eigenständig, thematisch<br />

und sprachlich packend<br />

und will was verhandeln:<br />

das gute Leben für alle. Das<br />

ist Literatur mit Haltung,<br />

Anspruch, Mut zum Experiment<br />

und zur Unterhaltung.<br />

So muss Literatur! Markus Köhle<br />

Birgit Pölzl:<br />

Von Wegen<br />

Leykam Verlag, 256 S., € 21,00<br />

Changes enthält 9 Kurzgeschichten<br />

unterschiedlicher<br />

Machart, die das titelgebende<br />

Motiv und die souveräne<br />

Machart eint. Storys mit<br />

Symbolcharakter, die gern als<br />

Gleichnisse gelesen werden<br />

können und sehr sinnlich daherkommen.<br />

Neues und Fremdes<br />

sowie Altbekanntes (aber fröhlich<br />

Verfremdetes) sind Programm.<br />

Die Palette reicht von<br />

der abenteuerlustigen Kind-<br />

Innensicht bis zur brachialkomischen<br />

Schnitzelwirt-<br />

Groteske, von der Grausamkeit<br />

der Kinder bis zur Schönheit<br />

von Schmetterlingswolken. Toll!<br />

Markus Köhle<br />

Stefan Abermann:<br />

Changes<br />

edition laurin, 192 S., € 20,50<br />

Unterschiedlicher könnten<br />

die drei Hauptfiguren von<br />

Mieze Medusas neuem Roman<br />

kaum sein: Agnesa, die junge<br />

Wienerin, die aus der Enge<br />

ihrer griechischen Herkunftsfamilie<br />

und dem miesen Job in<br />

deren Restaurant entkommen<br />

möchte, Eduard, der zynische<br />

IT-Sicherheitsspezialist, der mit<br />

Computern besser kann als mit<br />

Menschen, und Felicitas, die alt<br />

gewordene Revoluzzerin, die es<br />

auf’s Land verschlagen hat. Was<br />

sie dennoch verbindet, erzählt<br />

Medusa mit ihrem gewohnt<br />

feinen Gepür für Spache und<br />

Sound. Martin Fritz<br />

Mieze Medusa:<br />

Du bist dran<br />

Residenz Verlag, 256 S., € 22,00<br />

In einem Sommer treffen in<br />

seiner Burg am Rhein der international<br />

gefeierte Künstler und<br />

die Menschen eines Museumsfördervereins<br />

aufeinander.<br />

Ein turbulentes Wochenende<br />

mit vielen unterhaltsamen, oft<br />

sehr witzigen Begegnungen<br />

und Dialogen nimmt seinen<br />

Lauf. Der berühmte Maler lebt<br />

nämlich schon lange zurückgezogen,<br />

die eingeladenen<br />

Kunstfreund*innen fühlen sich<br />

dadurch sehr geehrt. Zwei Welten<br />

prallen aufeinander, und wir<br />

bekommen dabei einen amüsanten<br />

Einblick in die Welt des<br />

Kulturbetriebs. Nadja Fenneberg<br />

Kristof Magnusson:<br />

Ein Mann der Kunst<br />

Kunstmann Verlag, 240 S., € 22,70


© Rupert Larl<br />

Buchtipp:<br />

Alois Hotschnig:<br />

Der Silberfuchs meiner Mutter<br />

Kiepenheuer & Witsch Verlag,<br />

224 S., € 22,00<br />

Lieber Alois, in deinem einzigartigen,<br />

imposanten und vielleicht deswegen<br />

zwingend konzentrierten Werk<br />

hast du deine Fühler gerne in die<br />

Vergangenheit gestreckt und den<br />

Blick auf Gegenwärtiges gerichtet.<br />

Dabei waren die Figuren aber<br />

durchwegs fiktiv. Nun hast du dich mit<br />

einer sehr lebendigen Figur getroffen,<br />

nicht nur im, sondern auch für deinen<br />

neuen Roman. Wie kam es dazu?<br />

Vor etwa vier Jahren habe ich im österreichischen<br />

Fernsehen durch Zufall einen<br />

Bericht über einen Menschen gesehen, der<br />

es mir angetan hat, sowohl vom Thema her,<br />

über das er gesprochen hat, noch mehr aber<br />

durch die Art, in der er, vor seinem Haus<br />

sitzend und umgeben von einer kleinen<br />

Schar ruhig vor sich hin pickender Hühner,<br />

aus seinem Leben erzählte. Keine zwei, drei<br />

Minuten dauerte die Sequenz, denn es war<br />

das Ende der Sendung, aber sie genügte, um<br />

mir nicht mehr aus dem Kopf zu gehen, so<br />

eindrücklich, dass ich mich auf die Suche<br />

nach diesem Mann gemacht, ihm einen kurzen<br />

Brief geschrieben und ihn darin gefragt<br />

habe, ob er sich vorstellen könnte, mich zu<br />

treffen und sich auf ein Gespräch einzulassen,<br />

auf einen Austausch, der – vielleicht –<br />

zum Ausgangspunkt für einen Roman<br />

werden könnte. Zwei Tage später hatte ich<br />

Antwort.<br />

Was möchtest du uns jetzt schon<br />

über deine Hauptfigur verraten?<br />

Erzählt wird von einem Mann, der als sogenanntes<br />

Lebensborn-Kind einer norwegischen<br />

Mutter und eines Vorarlberger<br />

Wehrmachtssoldaten noch im Bauch seiner<br />

Mutter von Kirkenes nach Hohenems<br />

gekommen ist, in den Wirren des Krieges,<br />

und der heute noch, 80 Jahre danach, auf<br />

der Suche ist, die sein ganzes Leben ausgemacht<br />

und bestimmt hat, auf der Suche<br />

danach, wie es gewesen sein könnte, wie es<br />

auch gewesen sein könnte.<br />

Ein Schauspieler, der sich auch über<br />

seine Rollen ins Leben erfindet, und<br />

auf diese Weise versucht, mit dem, was<br />

geschehen ist, umzugehen.<br />

Einige meiner Figuren begleiten mich von<br />

einem Buch ins andere, zusammen mit den<br />

Themen, für die sie stehen, von einer Erzählung<br />

zur nächsten, und vielleicht über alle<br />

meine Bücher und über mein ganzes Erzählen<br />

hinweg. Sie haben sich mich ausgesucht,<br />

damit ich von ihnen erzähle. Jemandes<br />

Stimme sein, der oder die ohne Stimme ist<br />

oder nicht gehört wird, aus welchen Gründen<br />

auch immer, und wenn es geht, über<br />

dieses einzelne Leben hinaus, darum ging es<br />

mir auch in diesem Roman. Nachdem ich<br />

von ihnen erzählt habe, begleiten sie mich,<br />

und gar nicht so selten begegnen sie mir<br />

als die Menschen, die sich in ihnen wiedererkennen.<br />

Aber es gibt auch Figuren, die<br />

schreiben sich aus mir heraus, um ein Leben<br />

zu haben ‒ unabhängig von mir.<br />

Und was dauert in deiner<br />

Arbeit länger: das Erfinden &<br />

Niederschreiben oder doch das<br />

Wegfinden bzw. Verdichten?<br />

Ein Unterschied ist hier für mich nicht zu<br />

machen. Es ist immer beides in einem. Und<br />

dauert im Grunde ein Leben lang.<br />

Alois<br />

Hotschnig<br />

Alois Hotschnig lebt als freier Autor in Innsbruck.<br />

1989 erschien die Erzählung Aus,1990 folgte Eine<br />

Art Glück. 1992 wurde Hotschnig beim Ingeborg-<br />

Bachmann-Preis mit dem Preis des Landes Kärnten<br />

ausgezeichnet, im selben Jahr erschien sein Roman<br />

Leonardos Hände, für den er den Anna-Seghers-Preis<br />

erhielt. 1994 wurde das Theaterstück Absolution<br />

in Wien uraufgeführt. 1999 erhielt er das Robert-<br />

Musil-Stipendium. 2000 erschien sein zweiter Roman<br />

Ludwigs Zimmer. 2002 wurde ihm der Italo-Svevo-<br />

Preis für sein Gesamtwerk verliehen. 2007 erhielt<br />

er den Tiroler Landespreis für Kunst und 2008 den<br />

Erich-Fried-Preis. Zuletzt: Im Sitzen läuft es sich<br />

besser davon (2009).<br />

Jemandes<br />

Stimme sein,<br />

der oder<br />

die ohne<br />

Stimme ist …<br />

Bücher seit 1639<br />

Sein neuer<br />

Roman feiert<br />

Weltpremiere in<br />

der Wagner’schen.<br />

Moderation von<br />

Ilija Trojanow,<br />

ein paar Fragen<br />

von Robert Renk.<br />

51<br />

Bei vielen deiner Texte, vor allem<br />

in den Erzählungen, hat man das<br />

Gefühl, man kennt Figuren aus seiner<br />

eigenen, unmittelbaren Biografie,<br />

man kennt ihn oder sie, ja man kennt<br />

sogar deren Bruder oder Mutter,<br />

obwohl es von ihnen im Text nichts<br />

zu lesen gibt. Ich weiß von deiner<br />

Art zu Schreiben, dass es diese<br />

Figuren im Urtext wohl gab und du<br />

sie herausdestilliert hast. Kann es<br />

sein, dass durch deine konsequente<br />

Verdichtung solche Figuren sich im<br />

Text behaupten, zwischen den Zeilen,<br />

mitgedacht, obwohl du sie eigentlich<br />

gestrichen hast?<br />

Vielleicht ist es ein Hinweis darauf, dass<br />

hinter einer erzählten Geschichte noch<br />

eine andere verborgen ist, eine, die von<br />

uns erzählt, und die spürbar ist, durch die<br />

Geschichte hindurch, die wir eigentlich zu<br />

lesen meinen.<br />

Gibt es Figuren, die Dich auch<br />

nach abgeschlossenen Projekten<br />

noch besuchen?<br />

Veranstaltungstipps:<br />

Hotschnig-Schwerpunkt<br />

Di., 7. September 2021<br />

um 19:00 Uhr<br />

Hotschnig: Werk & Wirken<br />

Anna Rottensteiner im<br />

Gespräch mit Alois Hotschnig<br />

und einem Gast<br />

Literaturhaus am Inn<br />

Mi., 8. September 2021<br />

um 19:30 Uhr:<br />

Buchpräsentation<br />

Der Silberfuchs meiner Mutter<br />

Mit Alois Hotschnig<br />

Moderation & Gespräch:<br />

Ilija Trojanow<br />

Wagner’sche Buchhandlung<br />

Do., 9. September 2021 um<br />

19:30 Uhr<br />

Hotschnig dramatisch<br />

Martin Sailer im Gespräch<br />

mit Alois Hotschnig,<br />

Maria Hofstätter & Julia<br />

Gschnitzer inkl. Kurzlesungen<br />

aus dramatischen Werken<br />

ORF-Studio 3


Buchtipp:<br />

Katharina Schaller:<br />

Unterwasserflimmern<br />

Haymon Verlag,<br />

240 S., € 23,50<br />

Der Roman hat einen sehr poetischen<br />

Titel: Unterwasserflimmern.<br />

Was ist damit gemeint?<br />

Unterwasserflimmern evoziert ein bestimmtes<br />

Gefühl, es macht schnell Emotionen<br />

auf. Es stecken der Wunsch und die<br />

Sehnsucht nach Freiheit darin, was im Buch<br />

auch über das Motiv des Wassers immer<br />

wieder auftaucht, aber eben auch das Verschwommene,<br />

das die Unsicherheit betont,<br />

wo man überhaupt hinwill, was hinter<br />

einem liegt. Es liegt also was Schwieriges,<br />

Brüchiges in diesem Wort, aber auch etwas<br />

sehr Schönes.<br />

Katharina<br />

Schaller<br />

Es geht in dem Buch um eine junge<br />

Frau, deren Freund ein Haus bauen,<br />

ein Kind bekommen und eine Familie<br />

gründen will – sie selber sehnt sich<br />

nach Freiheit, ist aber gleichzeitig<br />

auch gefangen in Konventionen. Ist<br />

das die Geschichte eines Ausbruchs?<br />

Ich glaube, dass sich viele Frauen in diesem<br />

Alter damit identifizieren können, weil<br />

sie spüren, welche gesellschaftlichen Ansprüche<br />

an sie gestellt werden. Diese Thematik<br />

bricht regelrecht über einen herein.<br />

Es wird vorausgesetzt, dass Frauen Kinder<br />

wollen und auch bekommen werden. Die<br />

Vorstellung vom Lebensweg von Frauen ist<br />

immer noch stark vorgezeichnet. Gleichzeitig<br />

hat man den Eindruck, dass unserer<br />

Generation alle Möglichkeiten zur Verfügung<br />

stehen, wir alles machen können,<br />

was wir wollen und deswegen glücklich<br />

sein sollten. Aber gerade daran kann man<br />

zerbrechen, weil man sich ständig fragt,<br />

wie man sich selbst verwirklicht, das eigene<br />

Glücklichsein dauernd reflektiert. Insofern<br />

kann man schon von einem Ausbruch<br />

sprechen, aus dem, was man selbst um<br />

sich herum aufbaut, aber auch daraus, was<br />

einem vom Umfeld an Erwartungen auferlegt<br />

wird.<br />

Im Roman gibt es einige sehr<br />

explizite Sexszenen. Glaubst du,<br />

dass es da immer noch ein Tabu<br />

für Autorinnen gibt, über Sex so offen<br />

Welche Rolle spielt Sexualität<br />

für deine Hauptfigur? Ich habe<br />

das Gefühl, sie benützt das zum<br />

Teil als Sprache, aber auch zur<br />

Selbstvergewisserung.<br />

Ich habe versucht, Sex als Kommunikationsebene<br />

zu beschreiben. Die Figur hat<br />

eine sehr eigene Wahrnehmung, reagiert<br />

stark auf Gerüche, Gesten, Bewegungen.<br />

Sex als Kommunikation kann ganz unterschiedlich<br />

sein: Mal ist Sex wie schlechter<br />

Smalltalk, bei dem man nur zum Ziel<br />

kommen will, mal ist er wie ein intensives<br />

Gespräch. Sex ist sicher eine Form von<br />

Selbstvergewisserung und zeigt auch, wie<br />

die Protagonistin zu einer Person steht.<br />

Du bist ja selbst ein Profi in der<br />

Buch- und Verlagsbranche. Hilft das<br />

beim Schreiben, oder ist das vielleicht<br />

zum Teil sogar eher hinderlich?<br />

So genau kann ich das gar nicht sagen.<br />

Ich habe mich beim Schreiben aber nicht<br />

be einflussen lassen von meinen Erfahrungen<br />

in der Branche und mir dann<br />

überlegt, wie ich das Buch konstruier’.<br />

Das war eher ein Ausgleich zu meiner<br />

Verlagsarbeit. Aber bei allem, was danach<br />

kommt – die Veröffentlichung, die Reaktionen,<br />

die Presse – da hilft einem die<br />

professionelle Erfahrung schon, das einzuordnen<br />

und damit umzugehen.<br />

Katharina Schaller ist eine Unruhestifterin im besten<br />

Sinne: Was sie zu sagen hat, bewegt. Ihre Sprache<br />

öffnet Poren, verwandelt Lesen in Spüren. Sie wurde<br />

1989 in Innsbruck geboren und studierte Sprachwissenschaften.<br />

Heute arbeitet sie als Literaturscout<br />

und Text- und Konzeptentwicklerin für die Verlagsgeschwister<br />

Löwenzahn und Haymon.<br />

© Emanuel Aeneas Photography<br />

Wenn Frauen<br />

über Sex schreiben,<br />

soll das lieb<br />

und nett und<br />

blumig sein.<br />

Bücher seit 1639<br />

Schriftstellerin<br />

Katharina<br />

Schaller legt<br />

mit Unterwasserflimmern<br />

ihren<br />

ersten Roman vor.<br />

Veronika Schuchter<br />

hat mit ihr über diesen<br />

schonungslosen<br />

Text gesprochen.<br />

53<br />

und vor allem nicht beschönigend<br />

zu schreiben?<br />

Ich glaube schon, dass das immer noch ein<br />

Tabu ist, gerade im deutschen Sprachraum.<br />

Bei französischen Autorinnen scheint mir<br />

das anders zu sein. Doch bei uns gehen da<br />

die Meinungen stark auseinander. Viele<br />

nehmen diesen offenen Umgang sehr gut<br />

auf, aber es gibt auch viele, die sich davon<br />

schon fast angegriffen fühlen. Außerdem<br />

ist Sex als Thema, wenn es nicht gerade<br />

Blümchensex ist, bei männlichen Autoren<br />

akzeptiert, bei Frauen aber nicht. Wenn<br />

Frauen über Sex schreiben, soll das lieb<br />

und nett und blumig sein.<br />

Ein anderes gesellschaftlich<br />

tabuisiertes und oft totgeschwiegenes<br />

Thema im Roman ist Abtreibung.<br />

Ich habe versucht, genau diese Thematik<br />

der Ansprüche an Frauen darin zu spiegeln.<br />

Natürlich stimmt es, dass Frauen, zumindest<br />

bei uns, prinzipiell die Möglichkeit haben,<br />

selber zu entscheiden. Aber so einfach ist es<br />

eben nicht. Zum einen fehlen die Angebote<br />

und Aufklärung darüber und auch der<br />

Druck ist immens, sodass Frauen sich selbst<br />

fragen, ob es falsch ist, was sie machen.<br />

Diesen Konflikt wollte ich aufzeigen.<br />

Buchpräsentation:<br />

Katharina Schaller liest aus<br />

Unterwasserflimmern<br />

Do., 24. Juni 2021, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung<br />

Eintritt frei!<br />

Nähere Informationen zu<br />

den aktuellen Covidmaßnahmen<br />

finden sie auf:<br />

www.wagnersche.at/<br />

veranstaltungen/covid19


Penguin JUNIOR – Was Eltern<br />

wollen und Kinder lieben<br />

Ein neuer Kinderbuch-Verlag stellt sich unter dem<br />

Motto „Kinder stark machen“ vor<br />

Bücher begleiten unser Leben von Anfang<br />

an. Deshalb erscheinen bei Penguin<br />

JUNIOR Bücher, die Kindern von klein<br />

auf helfen, mit Spaß und Neugier die<br />

Welt zu entdecken und dabei ihre eigene<br />

Stimme zu finden. Egal ob als Pappbilderbuch,<br />

Bilderbuch, Sachbuch oder Vorlesebuch<br />

– die Bücher laden ein zu staunen<br />

undspielerisch zu lernen und sprechen<br />

die Fantasie an. Das garantiert Spaß für<br />

die ganze Familie mit gemeinsamen Momenten<br />

voller Liebe und Geborgenheit.<br />

Penguin-JUNIOR-Bücher tragen auch dazu<br />

bei, dass Kinder zu selbstbewussten Persönlichkeiten<br />

heranwachsen. Sie unterstützen<br />

dabei, unsere Welt zu verstehen und liefern<br />

Orientierung in der Lebenswirklichkeit des<br />

Kindes.<br />

Diese innovativen<br />

Bücher machen der<br />

ganzen Familie Spaß!<br />

© Stocksy<br />

Bücher von Penguin JUNIOR basieren auf<br />

innovativen und abwechslungsreichen Konzepten:<br />

die Geschichten und Illustrationen<br />

sind kreativ, überraschend und humorvoll.<br />

Sie führen spielerisch, fantasievoll und<br />

zugleich inhaltsstark in die vielfältigen<br />

Lebenswelten und Themen ein, die für<br />

Kinder in den Altersstufen von 0 bis 7 Jahre<br />

relevant sind. Durch innovative Spieleffekte<br />

laden Penguin-JUNIOR-Bücher die kleinen<br />

Leser*innen zudem zu Interaktion ein.<br />

Außerdem legt der Verlag viel Wert auf eine<br />

hochwertige und liebevolle Ausstattung.<br />

Alle Penguin-JUNIOR-Bücher werden<br />

von erfahrenen Expert*innen entwickelt<br />

und von Kindern erprobt, was sie zu echten<br />

Qualitätsprodukten macht. Die Bücher von<br />

Penguin JUNIOR machen Eltern und Familien<br />

sowie Wegbegleiter*innen von Kleinkindern<br />

das Angebot, die frühkindliche<br />

Entwicklung innovativ und zeitgemäß zu<br />

begleiten und zu fördern, um ihre Liebsten<br />

zu starken Persönlichkeiten zu machen.<br />

Von Anfang an für die<br />

Zukunft mit klimaneutraler<br />

Produktion<br />

Zudem liegt es Penguin JUNIOR schon ab<br />

dem ersten Programm am Herzen, dass alle<br />

Bücher klimaneutral produziert werden.<br />

Deswegen wird mit allen Produkten von<br />

Beginn an das Klimaschutzprojekt der<br />

Penguin-Random-House-Verlagsgruppe zur<br />

Aufforstung des Regenwaldes am Campo<br />

Grande in Brasilien unterstützt.<br />

Pappbilderbuch<br />

Die Pappbilderbücher von Penguin<br />

JUNIOR werden von den Kleinsten ab<br />

dem ersten Tag geliebt, gelesen, bespielt<br />

und mit allen Sinnen erkundet. Sie begeistern<br />

durch kreative Konzepte und<br />

originelle Ausstattungen – und sind so beim<br />

Größerwerden und Weltentdecken immer<br />

dabei!<br />

Bilderbuch<br />

Bilderbücher von Penguin JUNIOR wecken/vertiefen<br />

die Bücherliebe! Wunderbare<br />

Illustrationen und fantasievolle Geschichten<br />

entführen die Kinder in viele unterschiedliche<br />

Welten und bestärken sie, mit<br />

Spaß Neues zu wagen und selbstbewusst zu<br />

handeln.<br />

Sachbücher<br />

Ideal für kleine Forscher*innen und Entdecker*innen:<br />

Die Sachbücher von Penguin<br />

JUNIOR erklären spielerisch und altersgemäß<br />

spannende Themen. Sie machen<br />

neugierig, selbst nachzufragen und mit<br />

offenen Augen die Welt um sich herum zu<br />

erkunden.<br />

Vorlesebücher<br />

Beim Vorlesen können alle die gemeinsam<br />

verbrachte Zeit genießen und sich mit<br />

viel Spaß und Fantasie in die schönsten,<br />

spannendsten und lustigsten Geschichten<br />

hineinträumen.<br />

Und ganz klar, dass das Vorlesen der<br />

erste Schritt zum Selberlesen ist: Denn bald<br />

schon wollen die Kinder selbst bestimmen,<br />

wann sie endlich wieder in ihre Lieblingsgeschichten<br />

von Penguin JUNIOR eintauchen<br />

können!<br />

Interview mit der<br />

Autorin und Pädagogin<br />

Sandra Grimm<br />

Wie erziehen Eltern ihre Kinder<br />

aus Ihrer Sicht am besten?<br />

Unsere Welt ist groß und herausfordernd.<br />

Alle Eltern möchten ihre Kinder so gut wie<br />

möglich darauf vorbereiten, selbstbewusst<br />

darin leben zu können. Ich finde es wichtig,<br />

Kindern Zuversicht und Hoffnung zu<br />

geben, damit sie einen positiven Blick auf<br />

die Welt entwickeln. Kinder sind lebendig,<br />

neugierig und wunderbar. Wir sollten ihnen<br />

viel Liebe und Geduld schenken und sie<br />

vertrauensvoll, ermutigend und gewaltfrei<br />

erziehen.<br />

Wie schafft man es als Eltern,<br />

das Selbstbewusstsein der Kinder<br />

zu stärken?<br />

Selbstbewusste Kinder dürfen neugierig<br />

sein, nachfragen und Nein sagen. Sie brauchen<br />

Menschen, die ihnen Mut machen<br />

und ihnen erlauben, selbstständig Herausforderungen<br />

zu meistern. Wer ihre Fragen<br />

beantwortet, ihnen neue Dinge zeigt und<br />

sie bestärkt, hilft ihnen, selbstsicher und<br />

eigenständig zu werden.<br />

Wie kann man Kinder durch<br />

Bücher dabei unterstützen, den<br />

Herausforderungen des Alltags<br />

selbstbewusst zu begegnen?<br />

Bücher führen Kinder in aufregende neue<br />

Welten und zeigen ihnen spannende Vorbilder.<br />

Sie erklären die Welt, erweitern<br />

den Horizont und wecken neue Ideen und<br />

Gedanken. Das macht selbstbewusst und<br />

mutig. Schon kleine Kinder betrachten gern<br />

allein Bücher und nehmen Bilder und Geschichten<br />

in sich auf. Und kleine und große<br />

Kinder lieben es, vorgelesen zu bekommen.<br />

Sandra Grimm ist Autorin der beiden Bücher aus der<br />

„Mein Starkmacher“-Reihe, die im ersten Programm<br />

von Penguin JUNIOR erscheinen: Du bist so wundervoll,<br />

mein Schatz! und Du schaffst das schon, mein<br />

Schatz! Die Bücher sind in liebevollen und lustigen<br />

Reimen verfasst, die Kinder versichern, dass sie geliebt<br />

und unterstützt werden. Jeweils Pappbilderbuch<br />

ab 2 Jahren.<br />

Das erste Kinderbuch<br />

der Bestsellerautorin<br />

Lucinda Riley<br />

Ein Gespräch zwischen Lucina Riley<br />

und ihrem Sohn Harry Witthaker, die<br />

gemeinsam die „Deine Schutzengel“-<br />

Reihe entwickelt und geschrieben haben.<br />

Harry Whittaker: Also, Mom,<br />

erzähl doch mal, wie die Idee<br />

der Kinderbuchreihe „Deine<br />

Schutzengel“ entstanden ist.<br />

Lucinda Riley: Wenn ich mich recht erinnere,<br />

ist es ziemlich genau ein Jahr her.<br />

Wir saßen in der Sonne und haben zu Mittag<br />

gegessen. Es war gerade Examenszeit.<br />

Dazu muss man wissen, dass mich meine<br />

Kinder vor einem wichtigen Ereignis immer<br />

bitten, ihnen einen Engel zu schicken. Ich<br />

mache das schon, seit sie noch ganz klein<br />

waren, weil es mir ein gutes Gefühl gibt,<br />

wenn sie in einer Prüfung oder bei einem<br />

Vorstellungsgespräch einen Schutzengel<br />

dabeihaben.<br />

Harry Whittaker: Und da hast du<br />

gesagt, dass das doch eine tolle<br />

Geschichte für ein Kinderbuch wäre.<br />

Lucinda Riley: Stimmt, das habe ich gesagt,<br />

Harry. Und du weißt bestimmt auch noch,<br />

wie schön ich die Vorstellung fand, andere<br />

Kinder an diesen Engeln teilhaben zu<br />

lassen.<br />

Buchtipps:<br />

Dan Green:<br />

Sei dabei! –<br />

Auf der Baustelle<br />

Ab 2 Jahren, € 9,30<br />

Dan Green:<br />

Sei dabei! –<br />

Bei der Tierärztin<br />

Ab 2 Jahren, € 9,30<br />

Silvia Schröer,<br />

Silke Schwarz:<br />

Zehn, neun, acht – der<br />

Fuchs sagt gute Nacht<br />

Ab 3 Jahren, € 14,40<br />

Isabel Kreitz:<br />

Matz & Miep – Müde?<br />

Ab 18 Monaten<br />

€ 9,30<br />

Max Fiedler:<br />

Alles rollt! Mein Buch<br />

der Fahrzeuge<br />

Ab 2 Jahren, € 10,30<br />

Lucinda Riley,<br />

Harry Whittaker:<br />

Deine Schutzengel –<br />

Hab keine Angst,<br />

wenn’s dunkel ist<br />

Ab 4 Jahren, € 15,50<br />

Nicola Edwards:<br />

Deine-meine-unsere Welt<br />

– Mein Abc der Natur<br />

Ab 3 Jahren, € 12,40<br />

Nicola Edwards:<br />

Deine, meine, unsere<br />

Welt – Wir zählen und<br />

vergleichen von 1 bis 10<br />

Ab 3 Jahren, € 13,40<br />

Sandra Grimm:<br />

Mein Starkmacher-Buch!<br />

– Du bist so wundervoll,<br />

mein Schatz!<br />

Ab 2 Jahren, € 8,30<br />

Jim Field:<br />

Mister Oscar<br />

macht Ferien<br />

Ab 4 Jahren, € 15,50


Jung,<br />

aber<br />

oho!<br />

Bücher<br />

für<br />

Kinder<br />

und<br />

Jugend:<br />

Lias ist alles andere als begeistert<br />

vom Umzug ins Haus<br />

seiner Großtante Hermine.<br />

Doch schon vom ersten Moment<br />

im Haus an wird ihm klar,<br />

dass dies ein besonderer Ort ist.<br />

Türen öffnen und schließen sich<br />

wie von Geisterhand und bald<br />

scheint es Lias so, als versuche<br />

das Haus, mit ihm zu kommunizieren.<br />

Beim Versuch, das Rätsel<br />

des Hauses zu lösen, gerät er<br />

in ein fantastisches Abenteuer<br />

voller verborgener Welten. Ein<br />

packender Fantasyschmöker<br />

ab 11 Jahren von Erfolgsautor<br />

Akram El-Bahay!<br />

Akram El-Bahay:<br />

Lias und der Herr der Wellen<br />

Ueberreuter Verlag, 352 S., € 17,50<br />

Auf einem Segeltörn fischen<br />

Oscar und seine Eltern zwei<br />

vollkommen erschöpfte Kinder,<br />

die von einem Flüchtlingsboot<br />

gefallen sind, in einem<br />

Rettungsring aus dem Meer.<br />

Nun beginnt eine Odyssee von<br />

Land zu Land: Nirgends dürfen<br />

Nala und ihr Bruder Moh von<br />

Bord. Und je länger die Reise<br />

dauert, desto weniger kann sich<br />

Oskar vorstellen, die beiden<br />

einfach in einem Flüchtlingslager<br />

abzusetzen ... Eine zu<br />

Herzen gehende Freundschaftsgeschichte<br />

ab 10, ganz aus<br />

Kindersicht erzählt.<br />

Cornelia Franz:<br />

Calypsos Irrfahrt<br />

Carlsen Verlag, 144 S., € 12,40<br />

Ruby ist überglücklich, als sie<br />

auf der Ocean-Ranch vorreiten<br />

darf. Doch weil ihre<br />

Art zu reiten bei den Pferdeflüsterer*innen<br />

gar nicht gut<br />

ankommt, wechselt sie bald zu<br />

einem anderen Hof. Dort wird<br />

sie zunächst als Nachwuchsstar<br />

gefeiert, aber als ihr Lieblingspferd<br />

Fantasy wegen Versagen<br />

beim Turnier verschachert<br />

werden soll, beginnt Ruby an<br />

ihrer Wahl zu zweifeln. Kann sie<br />

Fantasy retten? Der erste Band<br />

einer neuen Pferdeflüsterer-<br />

Reihe für Pferdefreund*innen<br />

ab 8 (Band 2 erscheint zeitgleich).<br />

Gina Mayer:<br />

Pferdeflüsterer-Mädchen:<br />

Rubys Entscheidung<br />

Ravensburger Verlag, 160 S., € 9,90<br />

Der 13-Jährige Kendrick zieht<br />

zurück in die Heimat seiner<br />

verstorbenen Mutter, wo ihn<br />

das Abenteuer seines Lebens<br />

erwartet. In Avelston gehen<br />

sonderbare Dinge vor sich.<br />

Kendricks Mitschüler*innen<br />

verschwinden nachts heimlich<br />

und seine Albträume werden<br />

immer häufiger. Die Antworten<br />

auf seine Fragen führen ihn<br />

ausgerechnet in seine eigene<br />

Vergangenheit ... Ein spannender<br />

Fantasyroman ab 10 Jahren<br />

über gefährliche Geheimnisse<br />

und echte Freund*innen, der<br />

Fans von Woodwalkers oder<br />

Animox begeistern wird.<br />

Heiko Wolz:<br />

Falcon Peak: Wächter der Lüfte<br />

ars edition Verlag, 272 S., € 15,50<br />

Das lange Warten hat ein Ende,<br />

Rupert Jefferson ist endlich wieder<br />

da! Taucht zusammen mit<br />

Rupert und seinen Freund*innen<br />

ein in die gruseligen Welten<br />

der von ihm erzählten Schauergeschichten.<br />

Zombies, Vampire,<br />

Geister und andere düstere<br />

Gestalten werden euch garantiert<br />

wohlige Schauer über den<br />

Rücken jagen, während Rupert<br />

euch gleichzeitig zum Lachen<br />

bringt! Eine Sammlung witziger<br />

Gruselgeschichten, spannend<br />

erzählt und immer wieder zum<br />

Schieflachen, für Rupert-Fans<br />

ab 10 Jahren.<br />

Jeff Kinney:<br />

Rupert präsentiert: Echt unheimliche<br />

Gruselgeschichten<br />

Baumhaus Verlag, 224 S., € 15,50<br />

Menschen gibt es auf der Erde<br />

seit über 30 Jahren nicht mehr<br />

und der Roboter XR_935 findet<br />

das gut so. Seit die Menschen<br />

ausgestorben sind, leben die<br />

Roboter friedlich zusammen<br />

und alles läuft reibungslos und<br />

effizient. Doch dann entdeckt<br />

XR etwas Unmögliches: Ein<br />

Menschenmädchen, das seine<br />

Hilfe braucht ... und das irgendwie<br />

gar nicht so ist, wie er sich<br />

die Menschen vorgestellt hat.<br />

Eine mitreißende Geschichte<br />

zum hochbrisanten Thema<br />

künstliche Intelligenz für Jungs<br />

und Mädchen ab 10 Jahren.<br />

Lee Bacon:<br />

Roboter träumen nicht<br />

Loewe Verlag, 336 S., € 16,00<br />

56<br />

Wagner’sche.<br />

Der Qualle (der eigentlich<br />

Max Kallinger heißt), hat in<br />

der Küche viele Fragen. Wieso<br />

hilft eine Taucherbrille beim<br />

Zwiebelschneiden? Wohin geht<br />

echter Pizza-Teig? Was macht<br />

man mit Palatschinken, die<br />

nicht rund sind? Antworten<br />

findet er, als sein Onkel Dachs<br />

in den Herbstferien auf Besuch<br />

kommt und ihm das beibringt,<br />

was der Dachs selbst so sehr<br />

liebt: kochen. Ein Übers-<br />

Kochen-Buch ab 4 Jahren,<br />

gewürzt mit Schwung, garniert<br />

mit Humor und verfeinert<br />

mit ganz viel Charme.<br />

Lena Raubaum:<br />

Qualle in der Küche<br />

Obelisk Verlag, 96 S., € 12,60<br />

Ein romantisches Wochenende<br />

– wozu braucht man denn so<br />

was? Tiffany und Max finden<br />

das komisch, ihre große Schwester<br />

Luisa dagegen gar nicht.<br />

Und darum will Papa ein<br />

heikles Gespräch führen.<br />

Weshalb dann doch eher Mama<br />

darüber redet, wie das mit<br />

Oma und Opa in den 60ern<br />

war und warum der Nachbar<br />

nie wieder ohne Lachanfall<br />

einen Stecker in eine Steckdose<br />

stecken kann – davon erzählt<br />

dieses witzige, aufklärende Vorlesebuch<br />

für Kinder ab 5 Jahren.<br />

Marc-Uwe Kling:<br />

Der Tag, an dem der Papa ein<br />

heikles Gespräch führen wollte<br />

Carlsen Verlag, 72 S., € 12,40<br />

Emil ist schon richtig groß –<br />

so groß, dass er aus seinem<br />

Kinderbett herausgewachsen<br />

ist. Zum Glück steht auf dem<br />

Dachboden noch das alte Bett<br />

von Ur-Ur-Oma Amanda! Das<br />

ist nicht nur groß genug für<br />

Emil, sondern es soll auch ein<br />

Zauberbett sein, das jedem, der<br />

sich zum ersten Mal draufsetzt,<br />

einen Wunsch erfüllt. Während<br />

Emil im Bad noch überlegt,<br />

was er sich wünschen soll, geht<br />

allerdings der Wunsch seines<br />

Katers Kolumbus in Erfüllung<br />

und eine zauberhafte Fantasiereise<br />

ab 4 Jahren beginnt.<br />

Matze Döbele:<br />

Das Zauberbett<br />

Obelisk Verlag, 48 S., € 14,00<br />

Gwendolyn, die quirlige Maus,<br />

bringt gerne neuen Schwung in<br />

jeden Tag! Wenn sie Lust hat,<br />

ein zweites Mal Geburtstag zu<br />

feiern, ist eben spontan Feier-<br />

Freuden-Jubel-Tag. Stets begleitet<br />

von ihren Freund*innen<br />

zieht die kleine Maus ihr Ding<br />

durch und lebt ihr Leben ganz<br />

genau so, wie es ihr gefällt. In<br />

zehn mausvergnügten Vorlesegeschichten<br />

begeistert Gwendolyn<br />

mit ihrer Spontaneität<br />

und Kreativität abenteuerlustige<br />

Kinder ab 5 Jahren, die die Welt<br />

gerne um die Ecke betrachten.<br />

Melanie Laibl:<br />

Gwendolyn macht’s andersrum –<br />

Mausvergnügte Vorlesegeschichten<br />

G&G Verlag, 64 S., € 16,95<br />

Paul wünscht sich schon lange<br />

einen Hund. Doch als ihm<br />

Juli zuläuft, ist er alles andere<br />

als erfreut. Denn ein Pferd ist<br />

wirklich nicht das einfachste<br />

Haustier! Riesengroß steht<br />

Juli plötzlich im Garten und<br />

begeistert Pauls Eltern so sehr,<br />

dass sie sie doch tatsächlich<br />

behalten! Paul ist bei Weitem<br />

nicht so enthusiastisch, denn<br />

so ein Pferd im Garten macht<br />

schließlich nur Ärger … Ein<br />

unglaublich witziges Kinderbuch<br />

ab 8 Jahren, das auf einer<br />

wahren Begebenheit basiert.<br />

Petra Eimer:<br />

Und dann kam Juli<br />

Baumhaus Verlag, 176 S., € 13,00<br />

Cara bekommt die Chance,<br />

Mitglied einer elitären Studen-tenverbindung<br />

zu werden,<br />

was ihre finanzielle Situation<br />

erheblich erleichtern würde. Es<br />

gibt nur eine Bedingung: Für<br />

die kostenlose Unterkunft im<br />

Verbindungshaus muss sie an<br />

drei exklusiven Verbindungspartys<br />

teilnehmen und dort mit<br />

einem Fremden geheimnisvolle<br />

Wettkämpfe bestehen. Sie<br />

ahnt noch nicht, dass sie dabei<br />

mehr verlieren wird als nur ihr<br />

Herz ... Band 1 einer neuen<br />

Romantic-Suspense-Dilogie<br />

(Band 2 erscheint zeitgleich).<br />

Stefanie Hasse:<br />

Matching Night: Küsst du den Feind?<br />

Ravensburger Verlag, 352 S., € 17,50


Wien,<br />

Wien,<br />

nur Du allein:<br />

7 × Wienklassiker, empfohlen<br />

von Rotraut Schöberl<br />

Eins, zwo,<br />

drei; eins …<br />

Alles Walzer:<br />

7 × Wienromane aus<br />

österreichischer Feder<br />

An der<br />

schönen<br />

blauen Donau<br />

7 × Tatort Wien<br />

die besten Hauptstadtkrimis<br />

3×7<br />

Best<br />

aber<br />

Seller:<br />

1<br />

2<br />

Die<br />

Lotti, die Uhrmacherin<br />

Marie von Ebner-Eschenbach<br />

Residenz Verlag, € 16,60<br />

Strudlhofstiege<br />

Heimito von Doderer<br />

C.H.Beck Verlag, € 29,40<br />

1<br />

2<br />

Vienna<br />

Der Kalte<br />

Robert Schindel<br />

Suhrkamp Verlag, € 12,00<br />

Eva Menasse<br />

btb Verlag, € 12,00<br />

1<br />

2<br />

Lockvogel<br />

Der zweite Reiter<br />

Alex Beer<br />

Blanvalet Verlag, € 10,30<br />

Theresa Prammer<br />

Haymon Verlag, € 25,50<br />

3<br />

Die<br />

gelbe Strasse<br />

Veza Canetti<br />

Fischer Tb Verlag, € 13,40<br />

3<br />

Es<br />

geht uns gut<br />

Arno Geiger<br />

dtv Verlag, € 12,90<br />

3<br />

Der<br />

Fall des Lemming<br />

Stefan Slupetzky<br />

rororo Verlag, € 10,90<br />

4<br />

Radetzkymarsch<br />

Josef Roth<br />

Manesse Verlag, € 24,20<br />

4<br />

Rückwärtswalzer<br />

Vea Kaiser<br />

Kiwi Verlag, € 13,00<br />

4<br />

Altenteil<br />

Rainer Nikowitz<br />

rororo Verlag, € 15,50<br />

5<br />

Mann<br />

ohne Eigenschaften<br />

Robert Musil<br />

Rowohlt Verlag, € 16,10<br />

5<br />

Superheldinnen<br />

Barbi Markovic<br />

btb Verlag, € 10,90<br />

5<br />

Vanitas<br />

– Schwarz wie Erde<br />

Ursula Poznanski<br />

Knaur Verlag, € 11,30<br />

6<br />

Der<br />

dritte Mann<br />

Graham Green<br />

Zsolnay Verlag, € 20,10<br />

6<br />

Der<br />

Trafikant<br />

Robert Seethaler<br />

Kein & Aber Verlag, € 12,40<br />

6<br />

Wie<br />

die Tiere<br />

Wolf Haas<br />

rororo Verlag, € 10,30<br />

58<br />

Wagner’sche.<br />

7<br />

Morgen<br />

ist alles besser<br />

Annemarie Selinko<br />

Milena Verlag, € 24,00<br />

7<br />

Schwere<br />

Knochen<br />

David Schalko<br />

Kiwi Verlag, € 12,40<br />

7<br />

Der<br />

Metzger<br />

Thomas Raab<br />

Droemer Verlag, € 10,30


Mit<br />

den<br />

besten<br />

Empfehlungen:<br />

Kellers Romandebüt, fiktionalisiert<br />

und doch hervorragend<br />

recherchiert, begibt sich auf die<br />

Spur der bedeutendsten Philosophin<br />

des 20. Jahrhunderts,<br />

Hannah Arendt, und ihres<br />

Lebens, Denkens und Schreibens.<br />

Dabei vermischen sich<br />

Hoffnung, Liebe, Angst und der<br />

ganze Wahnsinn des Naziterrors<br />

mit kristallinem Denken, einer<br />

bezaubernden Zuneigung zum<br />

Tessin und der immer wieder<br />

kampfbereiten Hauptfigur.<br />

Ein eigener, zum Teil sehr<br />

subjektiver Blick auf Arendts<br />

Werk, Wirkung und Leben.<br />

Florian Josef Rinderer<br />

Hildegard E. Keller:<br />

Was wir scheinen<br />

Eichborn Verlag, 576 S., € 25,30<br />

Basierend auf den Erinnerungen<br />

des Journalisten<br />

Noah Klieger erzählt der Autor<br />

die Geschichte eines jüdischen<br />

Jungen, der Boxer wurde und<br />

dadurch am Leben blieb. Schon<br />

als Dreizehnjähriger half der<br />

Protagonist anderen Jüd*innen,<br />

über die Grenze zu kommen.<br />

Nach vier Jahren wurde er aber<br />

von der Gestapo gefasst und<br />

nach Auschwitz gebracht. Obwohl<br />

Noah noch nie gekämpft<br />

hatte, meldete er sich dort für<br />

die Boxmannschaft. Er gewann<br />

keinen seiner Kämpfe, überlebte<br />

aber wegen der zusätzlichen<br />

Suppenrationen. Nadja Fenneberg<br />

Takis Würger:<br />

Noah<br />

Penguin Verlag, 188 S., € 21,20<br />

Was für ein grandioser Wurf,<br />

der wohl in der Zukunft spielt,<br />

sich aber wunderbar archaisch<br />

liest. Ransmayr tippt sprachgenau<br />

in gesellschaftliche<br />

Wunden: Stichwort regionale<br />

Grenzen! Und er schildert eine<br />

private Tragödie, in der der<br />

Ich-Erzähler der Frage nachgeht,<br />

ob sein Vater ein Mörder<br />

ist. Es ist auch ein Roman über<br />

das Element Wasser, denn der<br />

Vater ist Schleusenwärter, der<br />

Sohn Hydrotechniker und<br />

bei einem schlimmen Schiffsunglück<br />

an der Schleuse ist<br />

wohl nicht alles mit rechten<br />

Dingen zugegangen …<br />

Robert Renk<br />

Christoph Ransmayr:<br />

Der Fallmeister<br />

S. Fischer Verlag, 224 S., € 23,30<br />

Das nächtliche Gespräch der<br />

Insassin einer Nervenklinik<br />

gerät zur Lebensbeichte. Der<br />

Roman war eigentlich als Therapie<br />

für die Autorin gedacht<br />

und hat deswegen auch etwas<br />

einzigartig Unmittelbares und<br />

Ehrliches. Auch wenn er en gros<br />

fiktiv ist (Mord an der jüngeren<br />

Schwester), ist er en detail von<br />

eigenen Erfahrungen geprägt<br />

(Arbeit in einer Schneiderei,<br />

längere Aufenthalte in der<br />

Klinik). Mit Die Beichte einer<br />

Nacht macht der Diogenes-Verlag<br />

einen vergessenen Klassiker<br />

der niederländischen Literatur<br />

zugänglich. Robert Renk<br />

Marianne Philips:<br />

Die Beichte einer Nacht<br />

Diogenes Verlag, 288 S., € 24,30<br />

In der grandiosen und überaus<br />

schön editierten Reihe Kampa<br />

Salon werden nur Gespräche<br />

publiziert. Nach Bänden mit<br />

Interviews, u.a. mit Susan<br />

Sontag, David Bowie oder Margret<br />

Atwood, dürfen wir uns<br />

nun auf einen Band mit dem<br />

musikalischen Nobelpreisträger<br />

Bob Dylan freuen. Interviews,<br />

die von Witz, Poesie, Ironie und<br />

Weisheit zeugen. Und wenn er<br />

meint, „es gibt genug Songs für<br />

immer und ewig, es muss nichts<br />

mehr komponiert werden“, sagt<br />

man sich: Ja, stimmt, aber bitte<br />

halte dich nicht daran. Robert Renk<br />

Bob Dylan:<br />

Ich bin nur ich selbst,<br />

wer immer das ist<br />

Kampa Salon Verlag, 208 S., € 23,20<br />

Idealistischer Realist, großbürgerlicher<br />

Vielschreiber,<br />

Literaturnobelpreis-Träger:<br />

Heute kräht kein Hahn mehr<br />

nach dem meistgelesenen<br />

deutschen Autor des 19. Jahrhunderts.<br />

Hans Pleschinski<br />

lässt – um im Bild zu bleiben –<br />

drei wilde Kultur-Hühner<br />

durch München spazieren und<br />

aufgeregt über die Einrichtung<br />

eines Paul-Heyse-Zentrums<br />

gackern. „Kunst und Literatur<br />

…, das ist vorbei, Schluss,<br />

braucht keiner“, sagt ein<br />

Passant. „Es gibt die Feinen<br />

und Wissbegierigen“, schnabeln<br />

die Hühner: höchst amüsant!<br />

Bernhard Sandbichler<br />

Hans Pleschinski:<br />

Am Götterbaum<br />

C.H. Beck Verlag, 275 S., € 23,70<br />

60<br />

Wagner’sche.<br />

Teresa Präauer ist eine der<br />

luzidesten Denkerinnen in der<br />

österreichischen Szene, die stets<br />

kluge Gedanken mit Humor<br />

zu verbinden weiß. Nun legt<br />

sie einen wunderschön gestalteten<br />

Band mit Erzählungen,<br />

Essays und Glossen vor. In<br />

82 Geschichten gibt sie Einblicke<br />

in ihr Schreibarchiv.<br />

Diese Geschichten entwerfen<br />

ein Panorama der Gegenwart,<br />

umkreisen reale Museumsbesuche<br />

ebenso wie fiktive<br />

Erinnerungen, z.B. die vom<br />

Snowboard-Unterricht mit<br />

Phil Collins in den Salzburger<br />

Bergen. Famos! Robert Renk<br />

Teresa Präauer:<br />

Das Glück ist eine Bohne<br />

Wallstein Verlag, 312 S., € 25,30<br />

Mit vierzig stellt Victor Jarno<br />

das Leben noch einmal auf<br />

die Probe. Sein sozialdemokratischer<br />

Hintergrund und sein<br />

Hang zum Geschichtenerzählen<br />

bringen ihn Familien- und beziehungstechnisch<br />

nicht gerade<br />

weiter. Einen Wendepunkt markiert<br />

der Tod seiner Urlioma.<br />

Das damit verbundene Erbe –<br />

ein Haus in Hollabrunn – sowie<br />

die Rückkehr seiner großen<br />

Liebe, die blöderweise auch<br />

seine Cousine ist, stellen Victor<br />

vor neue Herausforderungen.<br />

Ein humorvoller wie kluger<br />

Roman. Frisch und spannend<br />

erzählt. Katharina J. Ferner<br />

Daniel Wisser:<br />

Wir bleiben noch<br />

Luchterhand Verlag, 480 S., € 23,30<br />

Es ist kein kleines Kunststück:<br />

ein Leben nachzuerzählen und<br />

dadurch Geschichte zu vermitteln,<br />

und die Geschichten,<br />

die in der Historie stecken,<br />

greifbar zu machen. Das<br />

bewegte Paris des 19. Jahrhunderts<br />

bildet den Rahmen<br />

für diese Erzählung vom Maler<br />

Gustave Courbet. Unkonventionell<br />

und kompromisslos,<br />

einzig der Kunst gehorchend,<br />

war Courbet an der Entstehung<br />

des Realismus maßgeblich beteiligt.<br />

Schuchter gelingt es, eine<br />

umtriebige, schillernde Existenz<br />

in eleganter Verdichtung einzufangen.<br />

Robert Prosser<br />

Bernd Schuchter:<br />

Gustave Courbet und der Blick<br />

der Verzweifelten<br />

Braumüller Verlag, 126 S., € 18,60<br />

Dieser Band hat etwas zu<br />

sagen: Zwischen Prekariat und<br />

Magie erzählt Daniela Chana<br />

neun Frauenschicksale. Jede<br />

Geschichten hat dabei keine<br />

Geringere als eine der neun<br />

Musen zur Patin. Dabei lässt sie<br />

weder das Alltägliche noch das<br />

Surreale aus. Selten ist so ein<br />

Sprachwitz in Verbindung mit<br />

Sprachbewusstsein zu erleben<br />

wie in den Werkes Chanas.<br />

Doch Achtung: Diese Sprache<br />

hat Suchtcharakter schon nach<br />

dem ersten Satz und eine lange<br />

Nachwirkzeit! Siljarosa Schletterer<br />

Daniela Chana:<br />

Neun seltsame Frauen<br />

Limbus Verlag, 224 S., € 18,60<br />

Manchester, 1867. Die Polizei<br />

lässt öffentlich irische Rebellen<br />

hängen. Ob der Vorgesetzte von<br />

Constable James O’Connor<br />

hier nicht zu weit geht? Er, der<br />

gerade aus Dublin nach Manchester<br />

versetzt wurde, sieht<br />

sich zwischen zwei Stühlen.<br />

Dann heftet sich auch noch der<br />

Kriegsveteran Stephen Doyle,<br />

amerikanischer Ire und vom<br />

Kämpfen besessen, an seine<br />

Fersen. Ein Kampf beginnt,<br />

der O’Connor tief hineinzieht<br />

in einen Strudel aus Verrat,<br />

Schuld und Gewalt. Spannendes<br />

Sittenbild mit Thrillerelementen.<br />

Robert Renk<br />

Ian McGuire:<br />

Der Abstinent<br />

dtv Verlag, 336 S., € 23,70<br />

Sylvia Madsack lebt in Zürich<br />

und Salzburg. Und diese zwei<br />

Städte rückt sie auch in den<br />

Mittelpunkt ihres spannenden<br />

Romans, in dem es um den Tod<br />

einer argentinischen Autorin,<br />

ein Testament, Familiengeheimnisse<br />

und 15 Millionen Schweizer<br />

Franken geht. Und um die<br />

junge Schauspielerin Jana und<br />

den konservativer Arzt Emilio.<br />

Überraschend kommen sich die<br />

zwei näher, dann taucht Armando<br />

da Silva auf, der leiblicher<br />

Sohn der Verstorbenen – ein<br />

ungeliebtes Kind mit einer zwielichtigen<br />

Biografie … Robert Renk<br />

Sylvia Madsack:<br />

Enriettas Vermächtnis<br />

Pendragon Verlag, 304 S., € 19,00


Kein Wunder, dass diese<br />

Autorin die Bachmann-Jury<br />

2020 überzeugte: Ihre Text sind<br />

zum Weinen, weil so schön!<br />

Sie ist „ein Kriegskind, ein<br />

Flüchtlingskind, ein Kind der<br />

deutschen Teilung“, traurig und<br />

ratlos zuweilen ob der Zeitläufe;<br />

im Lesen aber aufgerichtet:<br />

ein Satz, eine Gedichtzeile,<br />

ein Liedanfang. Wider alle<br />

Diktatur. Helga Schubert,<br />

1940 in Berlin geboren, ist ein<br />

Sonntagskind, wie die Mutter<br />

sie sechs Tage vor ihrem Tod<br />

nannte. Nochmals: ein wunderschönes<br />

Buch! Bernhard Sandbichler<br />

Helga Schubert:<br />

Vom Aufstehen.<br />

Ein Leben in Geschichten<br />

dtv Verlag, 224 S., € 22,70<br />

Gute Romane sind vielschichtig<br />

lesbar – und Juli Zehs Über<br />

Menschen ist ein warmes, witziges<br />

Buch über Freundschaft,<br />

Liebe und Menschlichkeit, eine<br />

sanfte Satire auf die Werbebranche<br />

und gutsituierte Linksintellektuelle,<br />

für die Pfandflaschen<br />

im Restmüll Revolte<br />

bedeuten, ja: auch ein Coronaroman;<br />

Stadt und Land prallen<br />

aufeinander, während Klischees<br />

und Vorurteile zerplatzen.<br />

Leichthändig eingestreut sind<br />

überraschende, harte Sätze, zu<br />

denen man „Ja, genau!“ rufen<br />

möchte … Leseempfehlung?<br />

Unbedingt! Merle Rüdisser<br />

Juli Zeh:<br />

Über Menschen<br />

Luchterhand Verlag, 416 S., € 22,70<br />

„Was hatte ihm das Schicksal<br />

in den letzten vierundzwanzig<br />

Stunden in die Hände gelegt,<br />

dachte Dostojewskij … Vom<br />

Größten der Musikzunft zu<br />

einer Zusammenarbeit eingeladen“.<br />

Die angedachte Casanova-Oper<br />

hat es nie gegeben,<br />

aber möglich wär’s schon: Hier<br />

trifft der große Schwermütige<br />

jedenfalls auf den großen<br />

Lebenslustigen, Rossini, und die<br />

lichtdurchflutete Serenissima,<br />

Venedig. Sie werden für ihn<br />

Lebensquell und Jungbrunnen.<br />

Historischer Roman und<br />

Künstlerbiographie in einem:<br />

grandios! Bernhard Sandbichler<br />

Michael Dangl:<br />

Orangen für Dostojewskij<br />

Braumüller Verlag, 480 S., € 24,70<br />

Mit 14 beginnt sie zu schreiben,<br />

Mitte Februar 2021 ist<br />

Tamara Glück 17 und hat ihren<br />

ersten Roman publiziert – wow!<br />

Goldmond ist Sciencefiction<br />

und Lovestory. Im Post-Klimawandel-Zeitalter<br />

leben blaublütige<br />

Adelige auf der finanztechnokratischen<br />

Butterseite<br />

des Planeten ihr unsterbliches<br />

Leben, während die als „Redbloods“<br />

gebrandmarkte Masse<br />

ihrem Tod entgegenschuftet.<br />

Das schreit nach Revolution.<br />

Aber es ist die Liebe, jenes private<br />

Weltereignis, das diese Welt<br />

verändert. Für Romantiker*innen<br />

ab 13. Bernhard Sandbichler<br />

Tamara Glück:<br />

Goldmond<br />

Edition A Verlag, 352 S., € 18,50<br />

Ein Unfall in der Innsbrucker<br />

Leopoldstraße, ein verletzter<br />

Fußgänger und eine Fahrerflucht:<br />

Hans Platzgumer setzt<br />

in seinen Romanen gern<br />

existenzielle Fragen in Szene.<br />

In Bogners Abgang dreht sich,<br />

ausgehend von dem nächtlichen<br />

Zusammenstoß, alles um Begriffe<br />

wie Schuld und Einstehen<br />

für persönliches Versagen. Wird<br />

Bogner, Typ „gescheiterter, sich<br />

unverstanden fühlender Künstler“,<br />

die Verantwortung für sein<br />

Tun übernehmen? Platzgumer<br />

fordert seine Leser*innen zum<br />

Mit- und Nachdenken auf.<br />

Joe Rabl<br />

Hans Platzgumer:<br />

Bogners Abgang<br />

Zsolnay Verlag, 141 S., € 20,60<br />

Wer definiert Normalität? Der<br />

Vater, um den die mit viel Witz<br />

und Charme verfassten Anekdoten<br />

dieses Buches kreisen,<br />

erfindet seine eigene jeden Tag<br />

neu und führt sein Leben so,<br />

wie er es für richtig hält. Nicht<br />

alle können mit seinem Abweichen<br />

vom vermeintlichen<br />

Normalzustand umgehen. Und<br />

doch ist ein Mensch mit einer<br />

solchen Freude am Spiel und<br />

der Fähigkeit, jeder Alltäglichkeit<br />

eine lustvolle Note zu verleihen,<br />

schlichtweg zu beneiden.<br />

Ein Plädoyer für Unsinn und<br />

Seltsamkeit. Sarah Caliciotti<br />

Christian Futscher:<br />

Mein Vater, der Vogel<br />

Czernin Verlag, 160 S., € 20,60<br />

Eine Kindheit in Linz in den<br />

Sechzigerjahren, zwischen der<br />

Voest und dem Traum vom Aufstieg<br />

ins Bildungsbürgertum.<br />

Eine Siedlung am Stadtrand<br />

und viele Probleme, zwischen<br />

Doktorspielen der Kinder und<br />

Gerüchten um Skandale in der<br />

Nachbarschaft. Über allem die<br />

Gefühls- und Emotionslosigkeit<br />

der Erwachsenen und der<br />

Drang, mit Literatur eine Welt<br />

zu öffnen. Schreiner schreibt<br />

unprätentiös und ironisch über<br />

eine Kindheit des Mangels,<br />

nicht ohne zu diesem Schluss zu<br />

kommen: „Es war eine schöne<br />

Zeit.“ Bernd Schuchter<br />

Margit Schreiner:<br />

Vater. Mutter. Kind.<br />

Kriegserklärungen<br />

Schöffling Verlag, 222 S., € 22,70<br />

Ein Ding ohne Namen, das<br />

seinen Weg durch das Weltall<br />

nimmt und schließlich nahe<br />

einer kleinen portugiesischen<br />

Ortschaft einschlägt, um das<br />

Leben der Bewohner*innen<br />

für immer zu verändern. Ein<br />

Blick auf Leidenschaften, Nöte,<br />

Liebschaften und seltsame<br />

Machtstrukturen. Peixotos<br />

Roman ist eine Parabel auf die<br />

menschliche Existenz, nüchtern<br />

und ohne Pathos, aber dennoch<br />

getrieben von einer großen<br />

Freundlichkeit den Kreaturen<br />

gegenüber, die er mit all ihren<br />

Schwächen und Eitelkeiten so<br />

treffend beschreibt. Bernd Schuchter<br />

José Luís Peixoto:<br />

Galveias<br />

Septime Verlag, 309 S., € 24,60<br />

Violet ist ein Wunschkind, und<br />

Blythe möchte die liebevolle<br />

Mutter sein. Doch als man ihr<br />

das Neugeborene in den Arm<br />

legt, fühlt sich alles falsch an.<br />

Da ist nur Ablehnung, und je<br />

älter das Mädchen wird, desto<br />

mehr wächst die Angst vor Violet.<br />

Alles nur Einbildung? Oder<br />

ist das Mädchen tatsächlich<br />

absichtsvoll böse? Fox, der seine<br />

Tochter von ganzem Herzen<br />

liebt, beobachtet seine Frau<br />

mit wachsendem Misstrauen.<br />

Bis eines Tages das größtmögliche<br />

Unglück über die Familie<br />

hereinbricht. Lena Kripahle<br />

Ashley Audrain:<br />

Der Verdacht<br />

Penguin Verlag, 320 S., € 23,30<br />

Die Harpyie als eine mythologische<br />

Vogelgestalt strahlt<br />

mit ihrem Frauenkopf etwas<br />

beunruhigend Menschliches<br />

aus. Ebenso beunruhigend animalisch<br />

tobt es in der Protagonistin,<br />

als sie vom Betrug ihres<br />

Mannes erfährt. Das Männliche<br />

seit jeher als zerstörerisch erlebt<br />

habend, sinnt sie auf Rache<br />

und bestraft ihn, wie auch die<br />

Harpyien sich einst an ungehorsamen<br />

Menschen rächten.<br />

Zwischen dem Bemühen um<br />

Normalität und zunehmend<br />

brutaler Gewaltausübung<br />

scheint sie sich zu verlieren –<br />

und kommt zugleich endlich zu<br />

sich. Sarah Caliciotti<br />

Megan Hunter:<br />

Die Harpyie<br />

C.H.Beck Verlag, 229 S., € 23,30<br />

Ein Panoptikum des vorigen<br />

Jahrhunderts, das sich in einem<br />

einzigen Leben widerspiegelt –<br />

Michaela Lindingers Porträt<br />

von Elisabeth Petznek, der<br />

Tochter von Kronprinz Rudolf<br />

aus dem Hause Habsburg, die<br />

selbst Kaiserin hätte werden<br />

können, aber stattdessen später<br />

überzeugte Sozialdemokratin<br />

wurde, mutet wie ein modernes<br />

Märchen an. Reich illustriert<br />

und gut recherchiert vermittelt<br />

das Buch eine Ahnung davon,<br />

dass selbst ein Leben, das mit<br />

dem goldenen Löffel im Mund<br />

beginnt, tragisch enden kann.<br />

Bernd Schuchter<br />

Michaela Lindinger:<br />

Elisabeth Petznek – Rote Erzherzogin.<br />

Spiritistin. Skandalprinzessin<br />

Molden Verlag, 303 S., € 28,60<br />

Zwei junge Mädchen verschwinden<br />

spurlos. Die Spurensuche<br />

führt durch vielfältige<br />

Leben von Frauen innerhalb<br />

eines Patriachats, das sich<br />

konstant und doch verschleiert<br />

durch bekannte Sätze und<br />

Taten zeigt. Sensibel und mit<br />

äußerster Spannung streift Julia<br />

Phillips durch die Landschaft<br />

Kamtschatkas und zeigt den<br />

Leser*innen eine durch Rassismus<br />

gespaltene und männerdominierte<br />

Gesellschaft. Das<br />

komplexe Thema wird in diesem<br />

Buch mit Bedacht und abseits<br />

von simplen Urteilen kraftvoll<br />

beschrieben. Leonie Schiessendoppler<br />

Julia Phillips:<br />

Das Verschwinden der Erde<br />

dtv Verlag, 376 S., € 23,30<br />

Die titelgebenden Schwestern<br />

sind grundverschieden: Die<br />

Pastorenfrau Iulia arbeitet als<br />

Bankangestellte, weil sie die<br />

saubere Ordnung der Zahlen<br />

schätzt. Alles, was sie über<br />

Menschen wissen muss, hat in<br />

den Zahlenreihen von deren<br />

Konten Platz. Ihre Schwester<br />

Lone arbeitet als Hebamme.<br />

Als Lone nach einem Unfall im<br />

Koma liegt, kommt Iulia zufällig<br />

mit Lones Klientinnen in<br />

Kontakt und tauscht die sterile,<br />

gleichmäßig temperierte Bankfilialen-Welt<br />

mit einer voller<br />

Blut, Hormonen und Milchpumpen.<br />

Martin Fritz<br />

Mareike Krügel:<br />

Schwester<br />

Piper Verlag, 336 S., € 22,70<br />

Die Bibliothekarin Lizzie<br />

nimmt einen Nebenjob als<br />

Assistentin von Sylvia an. Die<br />

verdient ihr Geld mit einem<br />

Podcast und Vorträgen zur Klimakatastrophe.<br />

Neben diesen<br />

beiden Jobs unterstützt Lizzie<br />

ihren ehemals drogenkranken<br />

Bruder, ist die Telefonseelsorge<br />

ihrer Mutter und sorgt für<br />

ihren Sohn. Offill hat mit lauter<br />

kleinen Momentaufnahmen<br />

die perfekte Form gefunden für<br />

Lizzies Taumeln zwischen banalen<br />

Alltagssorgen und der nahen<br />

Katastrophe, die das Leben aller<br />

Menschen grundlegend verändern<br />

wird. Martin Fritz<br />

Jenny Offill:<br />

Wetter<br />

Piper Verlag, 224 S., € 20,60<br />

Dass ein wahrer Kenner dieses<br />

Buch verfasst hat, daran besteht<br />

kein Zweifel. Kurzke legt Lesenden<br />

am Anfang ein literarisches,<br />

fünfteiliges Besteck in<br />

die Hand. An dieses Schema,<br />

an Texte heranzugehen, hält er<br />

sich strikt. Das macht die Texte<br />

sehr gut vergleichbar, bzw.<br />

einordenbar. Denn auch auf<br />

die historischen Bezüge vergisst<br />

Kurzke nicht. Es ist auch schön<br />

zu lesen, dass er nicht auf die<br />

Lyrik vergisst. Und dass seine<br />

Literatur bis Dmitry Glukhovsky<br />

(Metro 2033) reicht, ist ja<br />

auch nicht schlecht!Robert Renk<br />

Hermann Kurzke:<br />

Handbuch für den Leser<br />

Beck Verlag, 312 S., € 25,30<br />

Spannung entsteht zwischen<br />

zwei Polen – etwa zwischen Ilja,<br />

der das Wetter mit einem Glasröhrchen<br />

vorhersagt, und Pjotr,<br />

der den Fluss und seine Geister<br />

konsultiert. Oder zwischen<br />

einem märchenhaften Dorf mit<br />

Wald und leschij einerseits und<br />

der Realität um 1920 andererseits,<br />

in der konkrete Kriege mit<br />

Versehrten ohne Nase hässlich<br />

knirschen. Oder zwischen<br />

zarter, lyrischer Sprache, wo es<br />

zauberhaft ist, und trockenen<br />

Aufzählungen, die manchmal<br />

bitter nötig sind. Ein zartes<br />

Debüt mit Mut und Macht.<br />

Merle Rüdisser<br />

Yulia Marfutova:<br />

Der Himmel vor hundert Jahren<br />

Rowohlt Verlag, 192 S., € 23,30


Mit 80 Jahren hat Ilse Helbich<br />

ihren ersten Roman Schwalbenschrift<br />

geschrieben. Das kann<br />

man getrost gelassen nennen.<br />

Nun – inzw. 98 Jahre alt –<br />

schreibt sie darüber. Ein poetisches<br />

kleines Buch über<br />

die Gelassenheit. Ihr großer<br />

Erfahrungsschatz wird in<br />

Anekdoten ausgebreitet,<br />

Beispiele und Gegenbeispiele<br />

bildstark verhandelt, wie zB.<br />

das Septembergefühl der Gelassenheit:<br />

„Dann versinkt das<br />

erregte Vielerlei der Stunden<br />

in der grenzenlosen Stille eines<br />

Ozeans. Tag um Tag, und noch<br />

ein Tag.“ Weise & schön!<br />

Robert Renk<br />

Ilse Helbich:<br />

Gedankenspiele über die Gelassenheit<br />

Droschl Verlag, 48 S., € 10,00<br />

Daniela Strigl ein „im Grunde<br />

fauler Mensch“? Schon ihre<br />

Freund*innen hegen Zweifel.<br />

Egal, wir danken ihrer Inkonsequenz.<br />

Ihr gedanklicher<br />

Streifzug durch das Themengebiet<br />

Faulheit ist so anregend,<br />

man wird nicht müde, weiterzulesen.<br />

Mit literarischen Bonmots<br />

gespickt, lesen wir u.a<br />

bei Marlen Haushofer: Kaum<br />

jemand sei so fleißig ist wie der<br />

„von Natur aus“ faule Mensch,<br />

„vielleicht von der Hoffnung<br />

erfüllt, endlich einmal alle anfallenden<br />

Pflichten hinter sich<br />

zu bringen und mit gutem<br />

Gewissen faul sein zu dürfen“.<br />

Robert Renk<br />

Daniela Strigl:<br />

Gedankenspiele über die Faulheit<br />

Droschl Verlag, 56 S., € 10,60<br />

Man weiß nicht genau, wer<br />

Annabel Lee ist. Wirklich nur<br />

eine Porzellanfigur oder doch<br />

die Geliebte der Erzählerin?<br />

Eins steht fest: Was sie sagt,<br />

wird auf die Waagschale gelegt.<br />

Mary Maclanes Roman<br />

erschien 1903. Den Staub der<br />

Ära wird er nicht wirklich los,<br />

trotzdem beinhaltet er einen<br />

spannenden Dialog zweier<br />

Frauen voller philosophischer<br />

Fragestellungen und wunderbare<br />

Beschreibungen Bostons<br />

und der Provinz. Langsam,<br />

bedacht und mit vielen Wortblumen<br />

bestickt: Ein Buch aus<br />

einer anderen Zeit.<br />

Ágnes Czingulzki<br />

Mary MacLane:<br />

Meine Freundin Annabel Lee<br />

Reclam Verlag, 153 S., € 18,00<br />

Die Romane Der Hundertjährige,<br />

der aus dem Fenster stieg<br />

und verschwand und Tschick<br />

haben wohl als Grundlage<br />

für dieses Buch gedient,denn<br />

Brisby steckt eine alte Frau,<br />

die trotz ihrer optimistischen<br />

Lebenshaltung sterben will, und<br />

einen vor Liebeskummer depressiven<br />

jungen Mann in einen<br />

Renault Twingo und schickt<br />

sie von Paris nach Brüssel. Da<br />

die alte Dame vom Seniorenheim<br />

ausgebüxt ist, wird sie<br />

von der Polizei gesucht. Das<br />

Abenteuer beginnt. Ein Buch<br />

voller Lebensweisheiten und<br />

Situationskomik.<br />

Ágnes Czingulzki<br />

Zoe Brisby:<br />

Reise mit zwei Unbekannten<br />

Eichborn Verlag, 416 S., € 19,10<br />

Wenn eine Frau aus Neuseeland<br />

auf eine kleine Insel in<br />

der Nordsee kommt, nur mit<br />

einem Foto in ihrer Tasche und<br />

sonst keinem Plan, ist klar: Hier<br />

passiert etwas Ungeheuerliches.<br />

Eine Familiengeschichte von<br />

vier Generationen und Frauenschicksalen<br />

voller Geheimnisse<br />

und Unterdrückung. Die<br />

teils dunklen Gegebenheiten<br />

versteht Prettin mit einem<br />

präzisen, einfachen Schreibstil<br />

zu beleuchten. Gleichzeitig ist<br />

der Roman eine Reise an die<br />

deutsche Meeresküste. Leichte<br />

Lesekost mit fesselndem<br />

Handlungsstrang.<br />

Ágnes Czingulzki<br />

Anne Prettin:<br />

Die vier Gezeiten<br />

Lübbe Verlag, 480 S., € 23,30<br />

Was für eine Autorin! Mit<br />

Frankenstein (1818) hat sie nicht<br />

nur den Horrorroman mitbegründet<br />

und genial die Dualität<br />

des technischen Fortschritts<br />

behandelt, nun lernen wir, dass<br />

sie auch für die erste Dystopie<br />

der Weltliteratur verantwortlich<br />

ist! Noch dazu ein Pandemieroman,<br />

denn im 21. Jahrhundert<br />

breitet sich über Griechenland<br />

eine neue Pest aus – mit<br />

verheerenden Auswirkungen<br />

auf Menschheit, Politik und<br />

Wirtschaft. Mehr up to date<br />

kann man wirklich nicht sein,<br />

wenn man 1797 geboren wurde.<br />

Großartig! Robert Renk<br />

Mary Shelly:<br />

Der letzte Mensch<br />

Reclam Verlag, 587 S., € 26,00<br />

Durch die neue Netflix-Serie<br />

ist die Schach spielende Beth<br />

Harmon jetzt weltweit bekannt.<br />

Der Autor, der sie erfunden<br />

hat, erlebt eine kleine Renaissance.<br />

Und das ist gut so.<br />

Nicht nur, dass er Autor von<br />

sechs Romanen ist, von denen<br />

mehrere hochkarätig verfilmt<br />

wurden (Die Haie der Großstadt<br />

mit Paul Newman, Die Farbe<br />

des Geldes mit Tom Cruise, Der<br />

Mann, der vom Himmel fiel mit<br />

David Bowie), er kann auch<br />

über Schachpartien so schreiben,<br />

dass sie selbst für Nicht-<br />

Schachspieler*innen enorm<br />

spannend zu lesen sind.<br />

Robert Renk<br />

Walter Tevis:<br />

Das Damengambit<br />

Diogenes Verlag, 496 S., € 25,30<br />

Wie viele Bücher lesen sie im<br />

Monat? Eines? Fünf? Da gehören<br />

sie quasi schon zu den<br />

Profileser*innen! Helmuth<br />

Schönauer hat im letzten Jahr<br />

130 Bücher gelesen. Und er hat<br />

sie rezensiert. Schönauer ist<br />

eine Bibliothek auf zwei Füßen.<br />

Schönauer ist das kompletteste<br />

literarische Jahresprogramm;<br />

kompletter als jede (abgesagte)<br />

Buchmesse. So stimmt man<br />

Gerhard Ruiss gerne zu: „es<br />

gibt selten etwas zu lesen, das<br />

von einem ebenso hohen literarischen<br />

wie dokumentarischen<br />

Wert ist wie Helmuth Schönauers<br />

Buch in Pension.“ Robert Renk<br />

Helmuth Schönauer:<br />

Buch in Pension 2<br />

Sisyphus Verlag, 240 S., € 15,00<br />

Der neue Roman des Nobelpreisträgers<br />

wird aus der<br />

Perspektive einer künstliche<br />

Intelligenz erzählt. Klara ist<br />

diese künstliche Intelligenz, sie<br />

soll Kinder auf dem Weg zum<br />

Erwachsenwerden begleiten.<br />

Die Erwartungen, die an sie<br />

gestellt werden, sind nicht zu<br />

erfüllen, denn sie sind menschlich,<br />

und also nicht rational.<br />

Gefühle nach Sinnhaftigkeit<br />

abzuklopfen, ist ebenso sinnlos<br />

wie wunderbar zu lesen, und<br />

Ishiguro macht daraus einen<br />

grandiosen, spannenden und<br />

nachdenklich stimmenden<br />

Roman. Berührend & entlarvend!<br />

Robert Renk<br />

Kazuo Ishiguro:<br />

Klara und die Sonne<br />

Blessing Verlag, 352 S., € 24,70<br />

Arnautovic erzählt die Geschichte<br />

ihres Vaters. Eines<br />

Lebens, das von politischen<br />

Verfolgungen und der Suche<br />

nach Liebe und den Wurzeln<br />

geprägt ist. Der Vater ist ein<br />

Kind, das trotz allem überlebt<br />

und dabei wie vergessenes Brot<br />

verhärtet. Nüchtern skizziert<br />

Arnautovic Krieg, Folter, Gulag<br />

und Verschleppung mit Hilfe<br />

von Briefen und Verhören, um<br />

eine Seite weiter mit poetischen<br />

Beschreibungen des Nachkriegs-Wiens<br />

und der russischen<br />

Stadt Kursk zwischen 1900 und<br />

1960 sich in Hirn und Herz zu<br />

brennen. Ágnes Czingulszki<br />

Ljuba Arnautovic:<br />

Junischnee<br />

Zsolnay Verlag, 188 S., € 22,70<br />

Der Reclam-Verlag hat nicht<br />

nur seine gelben Hefte, er ist<br />

auch für äußerst schöne und<br />

sinnvolle Prestigeprojekte zu<br />

haben. Diesmal hat sich der<br />

Verlag auf Dante Alighieri<br />

gestürzt. Im krisenreichen<br />

Übergang vom Mittelalter zur<br />

Neuzeit, schrieb Dante seine<br />

Commedia, eine gewagte künstlerische<br />

Reise in die Jenseitsreiche<br />

Inferno, Purgatorio und<br />

Paradiso. In der preisgekrönte<br />

Übersetzung von Hartmut<br />

Köhler liegt sie hier neu,<br />

zweisprachig, in drei schönen<br />

Bänden vor. Ein verlegerisches<br />

Meisterwerk. Robert Renk<br />

Dante Alighieri:<br />

La Commedia / Die Göttliche Komödie,<br />

3 Bde. im Schuber<br />

Reclam Verlag, 2082 S., € 60,00<br />

Für mich war er einer der<br />

wichtigsten Schriftsteller überhaupt,<br />

der wunderbare, leider<br />

2013 verstorbene Autor Jörg<br />

Steiner. Über allen Texten steht<br />

stets eine große Wärme und<br />

Zuneigung (und so war er auch<br />

als Mensch). Trotzdem hat er<br />

seinen Finger tief in die Stellen<br />

gesellschaftlicher Probleme<br />

gedrückt. Oft war seine Druckstelle<br />

die erste und immer war<br />

sie wohl formuliert. Diese<br />

schöne, vierbändige Ausgabe<br />

versammelt Steiners Romane,<br />

die wichtigsten Erzählungen<br />

und ausgewählte Essays.<br />

Robert Renk<br />

Jörg Steiner:<br />

Gesammelte Werke<br />

Suhrkamp Verlag, 1788 S., € 75,00<br />

Alisha Rai verbindet auf spannende<br />

und durchaus erotische<br />

Weise Westside-Story und Colin<br />

Hoover. Einmal im Jahr treffen<br />

sich Nicholas und Olivia irgendwo<br />

auf der Welt für eine einzige<br />

leidenschaftliche Nacht – aber<br />

nicht für mehr. So lautet ihr<br />

unausgesprochenes Arrangement,<br />

denn nach einem schrecklichen<br />

Unfall sind die Familien<br />

Chandler und Kane verfeindet.<br />

Bis Olivia eines Tages nicht auftaucht<br />

und Nicholas sich fragen<br />

muss, ob seine Gefühle für sie<br />

nicht doch viel größer sind, als<br />

er dachte … Robert Renk<br />

Alisha Rai:<br />

Wenn dein Blick mich trifft –<br />

Forbidden Hearts<br />

Lübbe Verlag, 384 S., € 12,90<br />

Für Jim Morrison scheint<br />

alles zu Ende, bevor es richtig<br />

losgegangen ist. Zwar hat<br />

der gescheiterte Filmstudent<br />

seine eigene Band, The Doors,<br />

gegründet, aber ihre Karriere<br />

droht in schäbigen Vorstadtspelunken<br />

zu versanden. Eines<br />

Abends sitzt ein Typ im Publikum,<br />

der dort nicht hinpasst.<br />

Seine bloße Anwesenheit stört –<br />

und Jim verliert die Nerven.<br />

Von da an wird alles anders.<br />

Jim Morrison soll im Sommer<br />

1971 in Paris gestorben sein.<br />

Angeblich in einer Badewanne<br />

ertrunken. Markus Renk<br />

Jürgen Kaizik:<br />

Ich und der Andere<br />

braumüller Verlag, 255 S., € 22,00<br />

Die Wissenschaftsjournalistin<br />

Dr. Mai Thi Nguyen-Kim<br />

untersucht mit analytischem<br />

Scharfsinn und unbestechlicher<br />

Logik brennende Streitfragen<br />

unserer Gesellschaft. Bestechend<br />

klarsichtig, wunderbar<br />

unaufgeregt und herrlich<br />

kurzweilig ermittelt sie anhand<br />

wissenschaftlicher Erkenntnisse<br />

das, was faktisch niemand in<br />

Abrede stellen kann, wenn es<br />

beispielsweise um Gender-Pay-<br />

Gap, Klimawandel oder Corona<br />

geht – und zeigt, wo wir uns<br />

mangels Beweisen noch zurecht<br />

munter streiten dürfen.<br />

Lena Kripahle-Wiek<br />

Mai Thi Nguyen-Kim:<br />

Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit<br />

Droemer/Knaur Verlag,<br />

368 S., € 21,20<br />

Warum treffen wir, je nach Umständen,<br />

völlig unterschiedliche<br />

Entscheidungen auf ein und<br />

derselben Faktengrundlage?<br />

In seinem neuen Buch klärt<br />

Nobelpreisträger Daniel Kahneman<br />

über die Vielzahl von oft<br />

zufälligen Faktoren auf, die<br />

unsere Entscheidungsfindung<br />

stören und häufig negativ beeinflussen<br />

– sie sind im Begriff<br />

Noise zusammengefasst. Wir<br />

müssen lernen, diese Störgeräusche<br />

zu verstehen, nur dann<br />

können wir auf Dauer bessere<br />

Entscheidungen treffen.<br />

Maria Neumayr<br />

Daniel Kahneman (et al.):<br />

Noise: Was unsere Entscheidungen verzerrt<br />

– und wie wir sie verbessern können<br />

Siedler Verlag, 480 S., € 31,50


5 Fragen an die story.one-<br />

Autorin Tamara Stocker<br />

Von Gerlinde Tamerl<br />

Gelingt es uns noch, als Staunende<br />

auf die Welt zu blicken<br />

und den Tag zu pflücken? Diese<br />

grundlegende Frage stellen<br />

Michaela Merten und Pierre<br />

Franckh Autor*innen, die die<br />

Antwort darauf kennen sollten,<br />

und bitten sie, ihre persönlichen<br />

Glücksgeheimnisse zu<br />

verraten: Bestsellerautor*innen<br />

wie Robert Betz, Stefanie<br />

Stahl, Laura Malina Seiler und<br />

Thomas Brezina verraten in<br />

diesem Buch ihre einzigartigen<br />

Glücksformeln und zeigen in<br />

insgesamt 12 Beiträgen, wie wir<br />

den Weg zurück zum Glück<br />

finden können.<br />

Michaela Merten und Pierre Franckh:<br />

Die 12 Glücksbringer<br />

Gräfe & Unzer Verlag,<br />

192 S., € 18,10<br />

Die Neurowissenschafterin<br />

Dr. Manuela Macedonia zeigt,<br />

wie das Gehirn von wertvoller<br />

Nahrung profitiert, aber auch,<br />

welchen Schaden ungesunde<br />

Kost anrichtet. Einfach und allgemein<br />

verständlich erklärt sie,<br />

woher unsere Vorliebe für Süßes<br />

kommt und warum Schokolade<br />

glücklich macht. Sie belegt,<br />

warum die mediterrane Küche<br />

besser abschneidet als die westliche<br />

Diät und weshalb Fasten<br />

dem Gehirn guttut. Ein sehr<br />

persönliches und humorvolles<br />

Sachbuch mit wissenschaftlich<br />

fundierten Ernährungstipps!<br />

Manuela Macedonia:<br />

Iss dich klug!<br />

Ecowin Verlag, 208 S., € 24,60<br />

Ist die Seele verletzt und das<br />

Ego beleidigt, ist der Wunsch<br />

nach Rache nicht weit. Der<br />

Psychotherapeut und Bestsellerautor<br />

Reinhard Haller kennt<br />

die kleine, fiese, quälende innere<br />

Stimme, die nach Revanche<br />

schreit, die das vermeintliche<br />

oder tatsächliche Unrecht<br />

sühnen will. Er kennt aber auch<br />

die großen Kriminalfälle, in<br />

die er als forensischer Psychiater<br />

Einblick hatte. Er zeigt, in<br />

welche Abgründe die Rachsucht<br />

führt und dass auch die<br />

süßeste Rache einen bitteren<br />

Beigeschmack hat.<br />

Reinhard Haller:<br />

Rache: Gefangen zwischen Macht<br />

und Ohnmacht<br />

Ecowin Verlag, 240 S., € 24,60<br />

Kneipps Fünf-Säulen-Philosophie<br />

für einen gesunden<br />

Lebensstil ist heute so modern<br />

wie vor 200 Jahren. Gesunde<br />

Ernährung, ausreichend Bewegung,<br />

Ausgewogenheit im<br />

Alltag sowie die heilende Kraft<br />

von Kräutern und Wasser sind<br />

nach wie vor unbestritten. Vor<br />

allem kommt es aber auf das<br />

individuell angepasste Zusammenspiel<br />

dieser Säulen an.<br />

Das große Kneipp-Buch bringt<br />

Pfarrer Kneipps Ansatz auf<br />

den neuesten Stand und zeigt,<br />

wie sich die traditionsreichen<br />

Prinzipien auch heute noch anwenden<br />

lassen.<br />

Hans Gasperl:<br />

Das große Kneipp-Buch<br />

Servus Verlag, 200 S., € 30,00<br />

Du bist TT-Onlineredakteurin, und<br />

beim Lesen deiner Kolumnen, etwa<br />

über den „Bachelor“, bleibt kein<br />

Auge trocken. Woher kommt deine<br />

Begeisterung für Trash-TV?<br />

Man kann sich so herrlich darüber aufregen.<br />

Und wenn du glaubst, du hast schon<br />

alles gesehen, kommt der nächste Knaller<br />

um die Ecke. Trash-TV macht genau das,<br />

was es soll: unterhalten. Bei all dem Mist,<br />

der auf der Welt abgeht, tut es gut, wenn<br />

man den Kopf hin und wieder durchlüften<br />

kann.<br />

Wenn Du nicht journalistisch<br />

arbeitest, dann trifft man Dich auf<br />

Poetry-Slam-Bühnen. Wie ist es<br />

dazu gekommen?<br />

Ich war 2018 beim Tagebuch-Slam im<br />

Treibhaus zuschauen. Das hat mein Leben<br />

sehr bereichert. Zwei Monate später saß<br />

ich selbst dort auf der Bühne und habe aus<br />

meinem alten Tagebuch vorgelesen. 2019<br />

hatte ich dann nach langem Hadern meinen<br />

ersten Poetry-Slam-Auftritt. Seither ist<br />

dieses Format für mich ein kreatives Ventil,<br />

irrwitzige Gedanken loszuwerden, die im<br />

Berufsalltag keinen Platz haben.<br />

Christine Sonvilla und Marc<br />

Graf gehen in diesem eindrucksvollen<br />

Bildband auf<br />

fotografische Spurensuche nach<br />

dem Wildnispotenzial Europas.<br />

Gemeinsam mit zahlreichen<br />

Expert*innen beleuchten sie<br />

das Spannungsfeld zwischen<br />

Naturschutz und wirtschaftlichen<br />

Interessen und zeigen<br />

Wege des Miteinanders auf.<br />

Eine fotografische Reportage<br />

mit aktueller und brisanter<br />

Thematik sowie faszinierenden<br />

Fotografien von urwüchsigen<br />

Wäldern, wilden Flüssen, rauen<br />

Bergen und den drei großen<br />

Raubtieren.<br />

Marc Graf und Christine Sonvilla:<br />

Das wilde Herz Europas: Die Rückkehr<br />

von Luchs, Wolf und Bär<br />

Knesebeck Verlag, 160 S., € 36,00<br />

Europas bester vegetarischer<br />

Koch verdeutlicht mit diesem<br />

Kochbuch erneut seine Wertschätzung<br />

gegenüber Natur,<br />

Menschen, Tieren und Lebensmitteln<br />

– und natürlich seine<br />

Leidenschaft für gutes Essen!<br />

Restlos glücklich hält, was der<br />

Titel verspricht: Auch scheinbare<br />

Nebendarsteller wie<br />

Wurzel, Blatt, Schale und Kern<br />

werden in diesem Kochbuch<br />

gefeiert und beweisen, dass<br />

nachhaltiger Genuss keinesfalls<br />

Verzicht bedeutet. Ein Kochbuch,<br />

das das volle Potenzial<br />

der Gemüseküche ausschöpft!<br />

Paul Ivić:<br />

Restlos glücklich<br />

Brandstätter Verlag,<br />

192 S., € 30,60<br />

Die Schülerin und Klimaaktivistin<br />

Lea Elci demonstriert,<br />

wie wir alle unseren Teil dazu<br />

beitragen können, die Welt<br />

zu verbessern: durch gutes,<br />

unkompliziertes und dabei<br />

klimaschonendes Essen! Unterstützt<br />

von Kochbuchstars wie<br />

Sarah Wiener und Stevan Paul<br />

zeigt Lea Elci, dass der Weg<br />

zu weniger Treibhausgasen,<br />

Wasserverbrauch, Tierleid und<br />

zur Erhaltung der Regenwälder<br />

über unsere Teller führt. Ein<br />

nachhaltiges, vegetarisches<br />

Kochbuch, das wirklich aus der<br />

Masse heraussticht!<br />

Lea Elci:<br />

Umessen: Das Kochbuch für<br />

eine bessere Welt<br />

Brandstätter Verlag, 168 S., € 20,00<br />

Nach dem Zweiten Weltkrieg<br />

sucht der kleine Rest von<br />

Jüd*innen, der den Holocaust<br />

überlebt hat, nach einer neuen<br />

Heimat. Viele von ihnen begeben<br />

sich auf eine gefahrvolle<br />

Reise nach Palästina. Diese<br />

Rekonstruktion einer einzigartigen<br />

Fluchtbewegung<br />

schildert die Geschehnisse<br />

anhand von 45 chronologisch<br />

angeordneten Episoden. Sie<br />

informiert über die Lager<br />

der Nachkriegszeit, das<br />

geheime Netzwerk der Fluchthelfer*innen<br />

und die Routen<br />

über Alpenpässe zu Schiffen<br />

nach Palästina.<br />

Hans-Joachim Löwer:<br />

Flucht über die Alpen<br />

Tyrolia-Verlag, 336 S., € 28,00<br />

In deinem neuen Buch ist dein Ton<br />

viel ernster.<br />

Wie es im Leben auch oft ist: Im einen<br />

Moment lachst du, im nächsten bist du<br />

schrecklich nachdenklich. Manche Gedanken<br />

niederzuschreiben und öffentlich<br />

zu machen, hat mich aber schon sehr viel<br />

Überwindung gekostet. Gleichzeitig hat<br />

es gut getan, sich so intensiv damit zu beschäftigen.<br />

Diese Texte sind wie innere<br />

Monologe angelegt. Sie handeln<br />

etwa von Frauenfeindlichkeit<br />

und davon, wie unrealistische<br />

Schönheitsideale die weibliche<br />

Psyche beeinflussen.<br />

Ja, das sind Themen, die mich aufregen<br />

und belasten. Ich habe oft geglaubt, mit<br />

diesem Druck und diesen Gedanken alleine<br />

zu sein. Das ist aber nicht so. Es gibt immer<br />

Gleichgesinnte. Wenn wir Frauen öfters den<br />

Mut hätten, darüber miteinander zu reden,<br />

würde uns das sehr viel stärker machen.<br />

© privat<br />

Was begeistert dich am Schreiben?<br />

Alles. Gefühlt konnte ich schon früher<br />

schreiben als sprechen. Schreiben bedeutet<br />

für mich, etwas zu (er)schaffen – und zu<br />

hinterlassen. Wenn ich schreibe, treffen<br />

sich mein Herz und meine Gedanken in<br />

meinen Fingern, und sie feiern zusammen.<br />

Manchmal kommt die Party schnell in<br />

Gang, manchmal dauert es wieder ein bisserl<br />

länger. Am Ende geht‘s mir aber immer<br />

gut.<br />

Tamara Stocker wurde 1992 in Innsbruck geboren<br />

und lebt in Inzing. Die story.one-Autorin ist als<br />

Onlineredakteurin bei der Tiroler Tageszeitung<br />

tätig. Seit 2019 tritt sie regelmäßig bei Poetry-Slams<br />

auf. Die Liebe zum Schreiben ist die beständigste<br />

Beziehung ihres Lebens. Vom eigenen Roman träumt<br />

sie noch.<br />

Buchtipp:<br />

Tamara Stocker:<br />

Haftnotizen – Gefangen im<br />

Wahnsinn des Lebens<br />

story one<br />

64 S., € 14,00<br />

Exklusiv erhältlich in der<br />

Wagner’schen Buchhandlung


Mit<br />

tödlichen<br />

Grüßen:<br />

Die Queen ist „not amused“,<br />

als sie eines Morgens über die<br />

Leiche eines ihrer Lakaien<br />

stolpert. Da das Opfer Robin<br />

Tukes als depressiv bekannt<br />

war, geht man von einem Suizid<br />

aus und es werden keine weiteren<br />

Ermittlungen angestellt.<br />

Doch weder die Queen noch<br />

das Hausmädchen Jane Bee,<br />

eine gute Freundin von Robin,<br />

glauben an diese Theorie. Sie<br />

vermuten: Mord! Und für die<br />

Queen ist sofort klar, dass die<br />

beiden gemeinsam den Täter<br />

zur Strecke bringen werden.<br />

Band 1 der Reihe: Ihre Majestät<br />

ermittelt.<br />

C. C. Benison:<br />

Tod im Buckingham-Palast<br />

Bastei Lübbe Verlag, 336 S., € 10,90<br />

Es ist Winter in Innsbruck.<br />

Ein Obdachloser rettet sich in<br />

eine seit Langem leer stehende<br />

Wohnung am Waldrand. Im<br />

Schlafzimmer findet er eine<br />

Leiche, die dort seit zwanzig<br />

Jahren unentdeckt geblieben<br />

war. Ein gefundenes Fressen<br />

für Pressefotograf David<br />

Bronski. Er hält das Unheil<br />

fest, ist fasziniert von der Stille<br />

des Todes. Dafür zieht er sich<br />

zurück in seine Dunkelkammer.<br />

Porträts von toten Menschen.<br />

Es ist sein Versuch, wieder Sinn<br />

zu finden nach einem schweren<br />

Schicksalsschlag.<br />

Bernhard Aichner:<br />

Dunkelkammer<br />

btb Verlag, 352 S., € 18,10<br />

Als eine Frau namens Trish<br />

Klein in aufgewühltem Zustand<br />

in New Iberia auftaucht, stellt<br />

Dave Robicheaux fest, dass es<br />

sich dabei um die Tochter von<br />

Dallas Klein handelt – seinem<br />

Freund aus dem Vietnamkrieg.<br />

Kaum angekommen, schließt<br />

Trish zweifelhafte Deals in<br />

Casinos ab. Der Verdacht<br />

kommt auf, dass sie einen viel<br />

größeren Coup plant. Kann es<br />

sein, dass Trish den Mord an<br />

ihrem Vater rächen will? Um<br />

den Fall aufzuklären, muss<br />

Robicheaux sich endlich seinen<br />

Schuldgefühlen stellen.<br />

James Lee Burke:<br />

Dunkle Tage im Iberia Parish<br />

Pendragon Verlag, 480 S., € 25,30<br />

Still liegt der Bodensee vor der<br />

idyllischen Bergkulisse. Am<br />

Ufer wird die Leiche einer jungen<br />

Frau gefunden. Ihr Tattoo<br />

führt die ermittelnden Kommissare<br />

Bosse und Grimm zu einer<br />

kleinen, aber militanten Gruppe<br />

von Tierschützer*innen. Das<br />

Opfer wird als Nele Gruber,<br />

Anführerin der freedog, identifiziert.<br />

In der Landbevölkerung<br />

gibt es so einige, die kein Verständnis<br />

für die teilweise radikalen<br />

Aktionen der freedog<br />

aufbringen. Und auch die<br />

Aktivist*innen selbst waren<br />

sich bei Weitem nicht in allen<br />

Belangen grün.<br />

Thomas J. Fraunhoffer:<br />

Die Toten von Lindau<br />

Bastei Lübbe Verlag,<br />

368 S., € 12,00<br />

Das Festnetz-Telefon klingelt,<br />

als sie am Fenster steht<br />

und ihren Enkelkindern zum<br />

Abschied winkt. Agneta hebt<br />

den Hörer ab: „Geiger“, sagt<br />

jemand und legt auf. Agneta<br />

weiß, was das bedeutet. Sie geht<br />

zu dem Versteck, entnimmt<br />

eine Waffe mit Schalldämpfer<br />

und tritt an ihren Mann heran,<br />

der im Wohnzimmer sitzt und<br />

Musik hört. Sie setzt den Lauf<br />

an seine Schläfe – und drückt<br />

ab. Als Kommissarin Sara<br />

Nowak von diesem kaltblütigen<br />

Mord hört, ist sie alarmiert.<br />

Sie kennt die Familie seit ihrer<br />

Kindheit …<br />

Gustaf Skördeman:<br />

Geiger<br />

Lübbe Verlag, 496 S., € 17,10<br />

Keine schreibt so rotzfrech und<br />

so authentisch wie sie. Und<br />

ohne Staatsanwältin Chastity<br />

Riley wäre nicht nur Hamburg,<br />

sondern sicher die gesamte<br />

deutschsprachige Krimiliteratur<br />

beträchtlich ärmer. In ihrem<br />

nun 10. Band muss sich unsere<br />

trinkfeste Lieblingsermittlerin<br />

ihren eigenen Familiengeheimnissen<br />

stellen. Deshalb haut sie<br />

ab nach Glasgow, während in<br />

Hamburg ganze Straßenzüge<br />

brennen und sich ein paar Immobilienmakler<br />

gegenseitig die<br />

Gesichter wegpusten.<br />

Simone Buchholz:<br />

River Clyde<br />

Suhrkamp Verlag, 230 S., € 17,10<br />

68<br />

Wagner’sche.<br />

Seit Jahren verschwinden junge<br />

Frauen indigener Herkunft.<br />

Für die Polizei scheinen diese<br />

Verbrechen keine Priorität<br />

zu haben. Die 15-jährige<br />

Jeanette wird in Montreal tot<br />

aufgefunden und die Medien<br />

berichten darüber, Le Roux<br />

und Garner werden auf den<br />

Fall angesetzt. Ihre erste Anlaufstelle<br />

ist ein Cree-Reservat<br />

im hohen Norden Quebecs.<br />

Dort stoßen die Polizisten auf<br />

Ablehnung. Die Ermittler kommen<br />

immer mehr in Bedrängnis,<br />

denn es werden weitere Opfer<br />

befürchtet, und auch der Täter<br />

wird zur Zielscheibe.<br />

Frauke Buchholz:<br />

Frostmond<br />

Pendragon Verlag, 288 S., € 19,10<br />

Man denkt, eine luxuriöse<br />

Seniorenresidenz in der idyllischen<br />

Grafschaft Kent sei ein<br />

friedlicher Ort. Das dachte auch<br />

Joyce, als sie in Coopers Chase<br />

einzog. Bis sie Elizabeth, Ron<br />

und Ibrahim kennenlernt. Sie<br />

wird Teil ihres Clubs, der sich<br />

immer donnerstags trifft, um<br />

ungelöste Kriminalfälle aufzuklären.<br />

Als dann direkt vor<br />

ihrer Haustür ein Mord verübt<br />

wird, ist der Ermittlungseifer<br />

der vier Senior*innen geweckt,<br />

und selbst der Chefinspektor<br />

der lokalen Polizeidienststelle<br />

kommt ins Staunen.<br />

Richard Osman:<br />

Der Donnerstagsmordclub<br />

List Verlag, 464 S., € 17,10<br />

(Erscheint am 03.05.2021)<br />

Bei einem Besuch in Athen<br />

nimmt die griechische Polizei<br />

den Ex-Präsidenten der USA<br />

im Auftrag des Internationalen<br />

Strafgerichtshofs fest. Sofort<br />

bricht diplomatische Hektik<br />

aus. Das Weiße Haus stößt<br />

Drohungen gegen den Internationalen<br />

Gerichtshof und<br />

alle Staaten der Europäischen<br />

Union aus. Für Dana Marin<br />

beginnt ein Kampf gegen übermächtige<br />

Gegner. Währenddessen<br />

bereitet ein Einsatzteam<br />

die gewaltsame Befreiung<br />

des Ex-Präsidenten vor, um<br />

dessen Überstellung nach Den<br />

Haag mit allen Mitteln zu<br />

verhindern …<br />

Marc Elsberg:<br />

Der Fall des Präsidenten<br />

Blanvalet Verlag, 608 S., € 25,30<br />

Die kleine Insel Bargsand inmitten<br />

der Unterelbe: Aus dem<br />

Sand ragt der Schädel eines<br />

Skeletts. Paulsen und Haverkorn<br />

von der Mordkommission<br />

Itzehoe stehen vor einem Rätsel.<br />

Wer war dieser Mann, der vor<br />

dreißig Jahren mit gefesselten<br />

Händen dort im Schlick vergraben<br />

wurde? Kurz darauf<br />

wird ein Hamburger Bauunternehmer<br />

tot aufgefunden, wie<br />

das Opfer von Bargsand. Die<br />

Spur führt das Ermittlerduo in<br />

die damalige DDR. Der vierte<br />

Band mit Frieda Paulsen und<br />

Bjarne Haverkorn.<br />

Romy Fölck:<br />

Mordsand<br />

Lübbe Verlag, 432 S., € 21,20<br />

Frank Bosman bekämpft mit<br />

seinem Team Arslan Aziz,<br />

den Kopf einer libanesischen<br />

Großfamilie. Als die albanische<br />

Mafia auf den Markt drängt<br />

und Arslans Bruder Tarik<br />

einen Konkurrenten ermordet,<br />

sieht Bosman die Chance, den<br />

ganzen Clan zur Strecke zu<br />

bringen. Doch die Festnahme<br />

endet blutig, und Bosman<br />

kommt schwer unter die Räder.<br />

Es stellt sich heraus, dass sein<br />

Schwager Harry in den Fall<br />

verwickelt ist. Er schuldet Aziz<br />

eine Menge Geld. Der Libanese<br />

ist Band 1 rund um Ermittler<br />

Frank Bosman.<br />

Clemens Murath:<br />

Der Libanese<br />

Heyne Verlag, 480 S., € 17,10<br />

Um der Midlifecrisis zu entgehen,<br />

begibt sich Björn Diemel<br />

auf Pilgerreise. Schnell stellt<br />

sich auf dem Jakobsweg heraus,<br />

dass Björns Leben die Mitte<br />

bereits längst überschritten<br />

haben könnte: Ein unbekannter<br />

Mitpilger versucht, ihn zu<br />

töten. Während bei den scheiternden<br />

Anschlägen auf ihn ein<br />

Pilger nach dem anderen seinen<br />

Lebensweg verlässt, versucht<br />

Björn ganz achtsam, sich seiner<br />

Haut zu wehren. Seine Pilgerfragen<br />

nach Leben, Tod und<br />

Erfüllung bekommen plötzlich<br />

eine sehr praxisnahe Relevanz.<br />

Karsten Dusse:<br />

Achtsam morden am Rande der Welt<br />

Heyne Verlag, 384 S., € 21,20


Die Bibliothek<br />

der wartenden Bücher<br />

Autor*innen<br />

dieser Ausgabe<br />

In Telfs bekommt die Leidenschaft für Bücher mehr Raum<br />

Im Laufe des Frühjahres öffnet die neu<br />

übersiedelte Telfer Bücherei ihre Pforten<br />

am Wallnöferplatz, wo die über 800 aktiven<br />

Leser*innen in Zukunft das vielfältige<br />

Angebot nutzen können.<br />

Zuallererst sieht sich die Bücherei als<br />

Informationsquelle für alle und jede*n,<br />

unabhängig von Alter, sozialer Stellung,<br />

Herkunft, Geschlecht oder Bildungshintergrund.<br />

Lesen soll aber nicht nur<br />

Wissen vermitteln, sondern vor allem Spaß<br />

machen. Darum gibt es zum Beispiel für<br />

Kindergartenkinder und Schüler*innen<br />

neben (vorgelesenen) Geschichten auch<br />

Buchstabensuppe und Kekse. Das Credo<br />

lautet: Jede*r ist willkommen, egal ob Fachbuchleserin,<br />

Lyrikenthusiast, Krimifan oder<br />

Bilderbuchausleiher! Dabei geht es nicht<br />

nur um das Dealen mit Lesestoff, sondern<br />

70<br />

auch um Begegnung, Gespräch, Bleiben<br />

und Wiederkommen. Dem Dioskurenpaar<br />

Mensch und Buch gilt die ganze Liebe.<br />

Dazu gibt es ein großes Angebot an Spielen,<br />

CDs, DVDs und digitalen Medien.<br />

Daneben versteht sich die Bücherei<br />

auch als Ort der Literaturvermittlung, wo<br />

Leser*innen in Kontakt mit Autor*innen<br />

kommen können, um zu erfahren, wer<br />

hinter den Romanen, Gedichten und Erzählungen<br />

steht. Dank der guten Vernetzung<br />

mit der heimischen Literaturszene waren<br />

zahlreiche Tiroler Autor*innen wie Bernhard<br />

Aichner, U. Elisabeth Sarcletti und<br />

Joe Fischler zu Besuch, doch auch internationale<br />

Größen wie Alex Beer, Håkan<br />

Nesser oder José F. A. Oliver waren schon<br />

in Telfs zu Gast.<br />

All das wäre nicht möglich, wenn es<br />

nicht eine Vielzahl von Menschen gäbe,<br />

in deren Herzen eine große Leidenschaft für<br />

die Bücherei brennt: Sie stellen ihre Freizeit,<br />

ihren Ideenreichtum, ihren Tatendrang, ihre<br />

Interessen und Kenntnisse zur Verfügung,<br />

um aus der Bücherei ein Abenteuer zu<br />

machen!<br />

Die Geister und Seelen der übersiedelten<br />

Bücher warten schon sehnsüchtig darauf,<br />

ausgeliehen und gelesen zu werden.<br />

© Bücherei Telfs<br />

71<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Stefan Abermann, geboren 1983, lebt in Innsbruck. Gehört<br />

zu den erfolgreichsten Poetryslammern Österreichs und gewann<br />

2008 den Ö-Slam, die österreichischen Slam-Meisterschaften.<br />

Seither liest er vor, tritt auf und schreibt Kurztexte,<br />

(Kinder-)Theaterstücke und Romane. Zuletzt erschien im<br />

Feber 21 sein Kurzgeschichtenband Changes in der edition<br />

laurin. www.stefanabermann.org<br />

Bernhard Aichner, lebt als Schriftsteller und Fotograf in<br />

Innsbruck. Er schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke.<br />

Für seine Arbeit wurde er mit mehreren Literaturpreisen<br />

und Stipendien ausgezeichnet, zuletzt mit dem<br />

Burgdorfer Krimipreis 2014, dem Crime-Colgne-Award<br />

2015 und dem Friedrich-Glauser-Preis 2017. Seine Thriller<br />

wurden in 16 Sprachen übersetzt und stehen regelmäßig an<br />

der Spitze der Bestsellerlisten. Mehrere Verfilmungen sind<br />

in Vorbereitung. Unter anderem wird Totenfrau 2021 von<br />

Netflix als Serie verfilmt. Im März erschien Dunkelkammer,<br />

der Auftakt zu einer neuen Reihe rund um den Fotografen<br />

David Bronski. Im Juni erscheint der zweite Teil Gegenlicht<br />

(beide: btb). www.bernhard-aichner.at<br />

Christina Alexandridis, geboren und aufgewachsen in Heidelberg,<br />

absolvierte das Studium der Theaterwissenschaft und<br />

Romanistik an den Universitäten in Erlangen und Berlin.<br />

Mit Johannes Reitmeier wechselte sie als Chefdramaturgin<br />

an das Pfalztheater Kaiserslautern. Seit der Spielzeit 2012/13<br />

ist sie in gleicher Position am Tiroler Landestheater tätig.<br />

Mit Beginn der Spielzeit 2020/21 übernimmt sie außerdem<br />

die Direktion der Schauspielabteilung.<br />

Sarah Caliciotti, *1991, ist gelernte Buchhändlerin und Komparatistin.<br />

Neben ihrem Studium arbeitete sie als dramaturgische<br />

Assistentin, Regieassistentin und Abendspielleiterin<br />

bei verschiedenen Theaterproduktionen mit – unter<br />

anderem im Theater Praesent, im Tiroler Landestheater,<br />

im Innsbrucker Kellertheater sowie bei der Volkskantine.<br />

Zudem wirkte sie bei Filmfestivals wie dem International<br />

Nature-Festival mit und arbeitete als Ausstellungsassistentin<br />

im Tiroler Landesmuseum. Sie ist Redakteurin beim<br />

komplex-Kulturmagazin und seit der aktuellen Spielzeit als<br />

Regieassistentin im Tiroler Landestheater tätig.<br />

Ágnes Czingulszki, 1987 geboren in Baja (Südungarn), lebt –<br />

nach einigen Stationen in Europa – nun als Journalistin und<br />

Autorin in Innsbruck. U.a. ich dachte an siracusa (ed. Exil).<br />

Nadja Fenneberg, geboren 1972, lebt und liest leidenschaftlich<br />

gerne in Telfs; arbeitet dort seit vielen Jahren als<br />

Bibliotheksleiterin und versucht, Kinder und Erwachsene<br />

gleichermaßen für Literatur zu begeistern; Gemeinsam<br />

mit dem Team der Bücherei & Spielothek organisiert sie<br />

unterschiedlichste Veranstaltungen rund um das Buch – u.a.<br />

auch das neue Literaturfestival fabula rasa. Ihr Ziel ist es, interessierten<br />

Menschen auch außerhalb der Landeshauptstadt<br />

den Zugang zu hochwertigen, unterhaltsamen, erlesenen und<br />

feinen Begegnungen mit den Autorinnen und Autoren zu<br />

ermöglichen.<br />

Katharina J. Ferner, geb. 1991, lebt als Poetin und Performerin<br />

in Salzburg. Redaktionsmitglied der Literaturzeitschriften<br />

&Radieschen, Morgenschtean und Mosaik. Jüngste<br />

Veröffentlichungen nur einmal fliegenpilz zum frühstück<br />

(Limbus, 2019) und Der Anbeginn (Limbus, 2020).<br />

Martin Fritz, *1982, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft<br />

und Deutsche Philologie in Innsbruck, hört sich in<br />

seiner Freizeit gerne DJ Patex’ Coverversion des Songs I Wish<br />

I Was Him an. War Teil der 1. Innsbrucker Lesebühne „Text<br />

ohne Reiter“, ist Teil der Innsbrucker Lesebühne „FHK5K“.<br />

Stefan Gmünder, ist Schweizer Literaturkritiker und Autor.<br />

Gmünder lebt seit 1997 in Wien. Seit 1998 ist er als Literaturredakteur<br />

der österreichischen Tageszeitung Der Standard<br />

tätig. Von 2015 bis 2019 war er Mitglied der Jury des Klagenfurter<br />

Ingeborg-Bachmann-Preises. Mehrere Publikationen.<br />

Zuletzt präsentierte er, zusammen mit Klaus Zeyringer, den<br />

Band Das wunde Leder: Wie Kommerz und Korruption den<br />

Fußball kaputt machen (suhrkamp, 2018) in der Wagner’schen.<br />

Michaela Hasenauer, Studium der Slawistik und Germanistik,<br />

Leiterin der Stadtbücherei Hallein. Dort gibt es vieles,<br />

was fürs Leben auch noch wichtig ist: Bücher, Filme und<br />

Hörbücher für alle – spannend, inspirierend, informativ,<br />

herzzerreißend. Und, sobald es wieder möglich ist: viele<br />

wunderbare Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene!<br />

Markus Köhle (*1975, Nassereith) ist Sprachinstallateur,<br />

Literaturzeitschriftenaktivist und Papa Slam Österreichs.<br />

Er studierte in Innsbruck und Rom Germanistik und Romanistik,<br />

war 2004–2006 Forschungsprojektassistent an der<br />

Universität Innsbruck. Seit 2001 ist er literarisch, literaturkritisch,<br />

literaturwissenschaftlich und auch als Literaturveranstalter<br />

aktiv. Seit 2002 veranstaltet er Poetry-Slams.<br />

Er macht Lesungen, Vorträge und Workshops in Schulen,<br />

Universitäten und diversen Kulturveranstaltungsorten<br />

im In- und Ausland (z.B. Österreich-Bibliothek Jerewan,<br />

Goethe-Institut Alexandria, Taschkent, Österreich-Institut<br />

Kairo, Ljubljana, Sommerakademie Zakynthos, Universität<br />

Maribor, Skopje, Tetovo, Prag, Stellenbosch, Grahamstown,<br />

…). Er schreibt, um gehört zu werden, ist aber auch da und<br />

dort zu lesen. Aktuell: Zurück in die Herkunft – Ein Nabelschaulauf<br />

zu den Textquellen und Schneller, höher und so<br />

weiter (gem. mit Peter Clar), beide: Sonderzahl, 2021;<br />

www.autohr.at<br />

Lena Kripahle-Wiek, Buchhändlerin in der Wagner’schen seit<br />

2015 und begeisterte Krimi- und mittlerweile auch Kinderbuchleserin.<br />

Aber eigentlich begeistert von jeglicher Form<br />

von Druckerschwärze. Zu finden in der Literaturabteilung,<br />

wo sie den Krimis neue Spannung verleiht.<br />

Maria Neumayr, geboren 1994, studierte Germanistik und<br />

Anglistik in Innsbruck. Liebt Bücher, so lange sie sich<br />

zurückerinnern kann, und ist, wenn sie nicht gerade liest, als<br />

Abteilungsleiterin in der Kinderbuch- und Ratgeberabteilung<br />

der Wagner‘schen zu finden.<br />

José F.A. Oliver, geb. 1961 in Hausach (Schwarzwald).<br />

Ausgezeichnet u.a. mit dem Basler Lyrikpreis (2015). Er ist<br />

Kurator des von ihm initiierten Literaturfestivals Hausacher<br />

LeseLenz. Zuletzt erschien, gemeinsam mit Mikael Vogel,<br />

der Gedichtband zum Bleiben, wie zum Wandern – Hölderlin,<br />

theurer Freund / 20 Gedichte und ein verzweifeltes Lied. Schiler<br />

& Mücke Verlag, 2020<br />

Robert Prosser, geboren 1983 in Alpbach/Tirol, lebt dort<br />

und in Wien. Studium der Komparatistik und Kultur- und<br />

Sozialanthropologie. Aufenthalte in Asien, in der arabischen<br />

Welt, am Balkan und in England. Früher Mitglied der ersten<br />

Tiroler Lesebühne Text ohne Reiter. Zuletzt erschien Gemma<br />

Habibi (Ullstein, 2019) und Beirut im Sommer (Klever, 2021).<br />

www.robertprosser.at.<br />

Joe Rabl, Lektor, Moderator und – gemeinsam mit Birgit<br />

Holzner – Organisator der Innsbrucker Wochenendgespräche.<br />

Markus Renk, seit 36 Jahren in der Buchbranche. Fachgruppen-Obmann<br />

der Buch- und Medienwirtschaft Tirol<br />

und seit Oktober 2015 neuer Chef der Wagner’schen.<br />

Robert Renk, Buchhändler, Rezensent, Kulturveranstalter<br />

und Festivalleiter. Gastdozent an der Uni Innsbruck. Sortimentsleiter<br />

in der Wagner’schen. Gibt das Wagner-Magazin<br />

heraus.<br />

Florian Josef Rinderer, geboren in einem seitentalverzweigtem<br />

Seitental, hat Berge gegen Berge getauscht, um<br />

in Innsbruck zu leben. Schreibt nur seriöseste Kürzestbiographien.<br />

Anna Rottensteiner, Autorin und Leiterin des Literaturhauses<br />

am Inn. Publikationen: Lithops. Lebende Steine (2013),<br />

Nur ein Wimpernschlag (2016), beide: ed. laurin.<br />

Merle Rüdisser, geboren 1981, hat Literaturwissenschaft<br />

und Philosophie studiert, Korrekturleserin und Lektorin,<br />

maximal sprach-, wort-, text-, typografie- und buchaffin.<br />

Hans (Housi) Ruprecht, arbeitet seit vielen Jahren als Organisator<br />

und Vermittler im kulturellen Bereich und leitet seit<br />

2005 das Internationale Literaturfestival Leukerbad. 2008<br />

wurde er mit dem Kulturvermittlungspreis des Kantons Bern<br />

ausgezeichnet. Seit 2015 verantwortet er auch ein Literaturfestival<br />

in Odessa. Hans Ruprecht lebt und arbeitet in Bern<br />

und Berlin. Weitere Informationen auf: www.sprachform.ch.<br />

Bernhard Sandbichler, geboren 1965, studierte Germanistik<br />

und Romanistik in Innsbruck und Besançon. Literaturvermittler<br />

und Sprach-Therapeut.<br />

Leonie Schiessendoppler, geboren 1993 in Innsbruck, studierte<br />

Philosophie und Soziologie, liebt Bücher, Musik und<br />

Irland. Möchte eigentlich nur Bücher lesen und hat deswegen<br />

eine Ausbildung zur Lektorin beim Passagen-Verlag gemacht.<br />

Arbeitet in der Wagner’schen Buchhandlung.<br />

Siljarosa Schletterer, studiert u.a. Musikwissenschaft<br />

(partiell Literaturwissenschaft); schreibt Rezensionen und<br />

Kritiken in verschiedenen Magazinen; feiert den Widerstand,<br />

die Kunst und die Poesie: u.a. Moderation der Lyriksendung<br />

wortflair auf freirad. Erhielt vor Kurzem das Große Tiroler<br />

Landesstipendium für ihre Lyrik.<br />

Rotraud Schöberl, ist selbstständige Buchmedienexpertin<br />

aus Leidenschaft und war lange Zeit Buchhändlerin aus<br />

Passion. Buchherausgeberin, im Puls4-Frühstücksfernsehen<br />

Buchappetitmacherin, mit entstehendem Buchblog, unterhaltsamen<br />

Streams mit Kulturmenschen, zuletzt Shakespeare<br />

und so mit Michael Niavarani, für alles zu haben, was Buch<br />

und Spaß macht.<br />

Bernd Schuchter, geboren 1977, studierte unter anderem<br />

Geschichte und Philosophie an der Universität Innsbruck.<br />

Seit 2006 Verleger des Limbus-Verlags (www.limbusverlag.<br />

at). Rezensent und Autor. Zuletzt erschienen: Aufwachsen<br />

in Innsbruck (Wagner’sche), Rikolas letzter Auftritt (Braumüller)<br />

und Gustave Courbet und der Blick der Verzweifelten<br />

(Braumüller). www.berndschuchter.at<br />

Veronika Schuchter, geb. 1984, ist Literaturwissenschaftlerin<br />

an der Universität Innsbruck und freie Literaturkritikerin.<br />

Sie rezensiert u. a. für die Wochenzeitung Die Furche und<br />

den Deutschlandfunk. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen<br />

im Bereich der Gegenwartsliteratur, Rezeption und Gender-<br />

Studies.<br />

Carmen Schwarz, geboren und aufgewachsen in Salzburg.<br />

Hat schon von klein auf eine große Liebe zum geschriebenen<br />

Wort und zu packenden Geschichten. Sie liebt den Austausch<br />

der Branche und das Sich-immer-neu-Erfinden. Seit 2017<br />

Jahren bei Bücher Stierle, wo jeder Lesetipp handverlesen<br />

ist und die Begeisterung erlebbar wird.<br />

Gerlinde Tamerl, geboren 1978, ist stellvertretende<br />

Geschäfts führerin der Wagner’schen Buchhandlung.<br />

Die promovierte Kunsthistorikerin ist u. a. Gastdozentin<br />

an der Universität Innsbruck, Jurorin der ORF-Bestenliste<br />

und als freie Literaturkritikerin tätig.<br />

Mikael Vogel, zahlreiche Lyrik- und Prosaveröffentlichungen<br />

in Zeitschriften (u.a. manuskripte, wespennest, Triëdere –<br />

Periodikum für Theorie und Kunst, wortwerk, um[laut], Das<br />

Gedicht, Das Plateau) und Anthologien. Mehrere Preise<br />

und Stipendien, u.a.: Hermann-Lenz-Stipendium (2002),<br />

yakiuta-Stipendium (Reisestipendium nach Hokkaido, Japan<br />

2015), 2016 Medienpreis RAI Südtirol beim Lyrikpreis<br />

Meran (2016), Leselenz-Stipendium (2019). Sorgt mit seinem<br />

Gedichtband Dodos auf der Flucht (Verlagshaus Berlin 2019)<br />

für einen unserer absoluten Lyrikbestseller!


Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Museumstraße 4<br />

6020 Innsbruck<br />

T. +43 512 59505 0<br />

office@wagnersche.at<br />

www.wagnersche.at<br />

Wagner’sche Altstadt<br />

Herzog-Friedrich-Straße 22, A-6020 Innsbruck, +43 512 59505 90<br />

Bücher Stierle Salzburg<br />

Kaigasse 1 / Mozartplatz, 5020 Salzburg, +43 662 840114<br />

office@buecher-stierle.at, www.buecher-stierle.at<br />

Stierle Kelten-Buchhandlung<br />

Sigmund-Thun-Straße 9, 5400 Hallein +43 6245 82761<br />

office@keltenbuchhandlung.at, www.keltenbuchhandlung.at<br />

Leporello die Buchhandlung<br />

Singerstraße 7, A-1010 Wien, +43 1 9611500<br />

service@leporello.at

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