Wagnerfünfmalig No.12
- Keine Tags gefunden...
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
Das Buchmagazin der Medici Buchhandlungen — 04.2021<br />
Wagner<br />
fünfmalı˙g<br />
#No. 12<br />
Wagner’sche<br />
Innsbruck<br />
Wagner’sche<br />
Altstadt<br />
Innsbruck<br />
Bücher Stierle<br />
Salzburg<br />
Stierle Kelten-<br />
Buchhandlung<br />
Hallein<br />
Leporello die<br />
Buchhandlung<br />
Wien
Impressum<br />
Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich:<br />
Wagner’sche Buchhandlung, Medici Buchhandels GmbH,<br />
Museumstraße 4, 6020 Innsbruck<br />
info@wagnersche.at — www.wagnersche.at<br />
Redaktion: Robert Renk<br />
Redaktionelle Mitarbeit: Gerlinde Tamerl<br />
Korrektorat: Stefan Abermann<br />
© der Textbeiträge bei den Autorinnen und Autoren<br />
Grafische Ausstattung: himmel. Studio für Design und Kommunikation<br />
Fotografie (so nicht anders angegeben): www.fotowerk-aichner.at, Christopher Spiegel,<br />
Thomas Schrott<br />
© der Abbildungen bei den jeweiligen Rechteinhabern<br />
Titelbild: Bernhard Aichner beim Signieren seines neuen Krimis Dunkelkammer<br />
im Schaufenster der Wagner’schen Buchhandlung. © Christopher Spiegel<br />
Fehler, Änderungen und Irrtümer vorbehalten.<br />
© 04.2021 – alle Rechte vorbehalten<br />
2 Wagner’sche.<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Die zwölfte Ausgabe<br />
dieses Magazins ist prall<br />
gefüllt mit wunderbaren<br />
neuen Buchempfehlungen,<br />
Autor*innen-Interviews,<br />
liebevoll konzipierten Produkten<br />
mit regionalem Flair<br />
und schönen Neuigkeiten.<br />
Vorweg möchten wir Ihnen<br />
aber wieder herzlich für Ihre<br />
zahlreichen Bestellungen<br />
während des kräftezehrenden<br />
Lockdowns danken. Sie, liebe<br />
Buchliebhaber*innen, halfen<br />
uns dabei, diese herausfordernde<br />
Zeit zu bewältigen<br />
– nicht nur wirtschaftlich,<br />
sondern auch emotional:<br />
Ihre vielen lieben Rückmeldungen,<br />
sei es per Mail,<br />
über Social Media oder telefonisch,<br />
haben uns nicht nur<br />
mit Zuversicht beschenkt,<br />
sondern uns auch darin bestärkt,<br />
unsere Philosophie<br />
weiter konsequent zu verfolgen.<br />
Deshalb gibt es ab<br />
sofort ein schönes Geschäft in<br />
der Innsbrucker Altstadt,<br />
und wir freuen uns, dass die<br />
Buchhandlung Leporello<br />
in Wien nun ebenso zur<br />
„Wagner’schen Familie“ zählt.<br />
Markus Renk (re.), Markus Hatzer<br />
Inhalt<br />
4 Zuversichtlich in den Sommer<br />
Neuigkeiten aus der Wagner’schen Buchhandlung<br />
6 Im Schatten des Stephansdoms<br />
Die Buchhandlung Leporello gehört nun zur „Wagner’schen Familie“<br />
12 Unser neuer Shop in der Altstadt<br />
Geschenke und Bücher für jeden Geschmack<br />
14 Neues aus unserem Verlag<br />
Schöne Wimmelbücher und lustige Brettspiele<br />
16 Sehnsuchtsort Café Momo<br />
Unser neues Kaffeehaus im 1. Stock<br />
24 Es wird spanisch<br />
Erich Hackl präsentiert den spanischen Autor Alfons Cervera.<br />
28 Norbert Gstrein<br />
im Interview über seinen neuen Roman<br />
30 W:ORTE feiert mit Frauenpower<br />
Das Lyrikfestival wird nun endlich sechs. In der Wagner’schen lesen<br />
Monika Rinck & Barbara Hundegger.<br />
38 Franzobel<br />
… erobert nicht nur Amerika.<br />
40 David Schalko<br />
Film wie Buch – ein Genuss.<br />
42 John Wray<br />
Der charmanteste Amerikaner mit österreichischem Akzent.<br />
44 Judith Hermann<br />
Eine Autorin mit Stil und einer Österreichpremiere.<br />
46 Sharon Dodua Otoo<br />
Die Bachmann-Preisträgerin eröffnet das Prosafestival<br />
50 Alois Hotschnig<br />
Sein neuer Roman, ein lang erwartetes Ereignis.<br />
52 Katharina Schaller<br />
im Gespräch über ihren Debütroman<br />
56 Mit den besten Empfehlungen<br />
58 3×7 Best aber Seller
© www.fotowerk-aichner.at<br />
Zuversichtlich<br />
dem Sommer entgegen<br />
Wir strahlen vor Freude: Weil wir ein neues Geschäft<br />
in der Altstadt eröffnet haben und die Buchhandlung<br />
Leporello in Wien nun zur „Wagner’schen Famlie“ gehört.<br />
Unser neues Geschäft<br />
im Trautsonhaus<br />
Regionale Produkte,<br />
die das Herz erfreuen<br />
Sehnsuchtsort<br />
Café Momo<br />
Wir wollen<br />
uns das<br />
Engagement<br />
von Buchdrucker<br />
Michael<br />
Wagner<br />
zum Vorbild<br />
nehmen.<br />
4<br />
Wagner’sche.<br />
Das Goldene Dachl ist für uns nicht einfach<br />
nur ein touristischer Magnet. Wenn<br />
die Mittagssonne die feuervergoldeten<br />
Schindeln dieses einzigartigen Gebäudes<br />
zum Funkeln bringt, dann erfreuen wir<br />
uns daran, dass die Geschichte unseres<br />
Unternehmens 1639 in der Innsbrucker<br />
Altstadt begann. Der Buchdruckergeselle<br />
Michael Wagner betrieb an diesem historisch<br />
bedeutenden Ort nicht nur eine<br />
Buchhandlung, sondern auch einen Verlag<br />
und eine Druckerei. Wie dieser ehrgeizige<br />
Buchliebhaber ausgesehen hat und ob ihn<br />
das Goldene Dachl auch so in Staunen versetzte<br />
wie uns heute, ist bislang leider nicht<br />
überliefert. 382 Jahre später, am 12. März<br />
2021, haben wir in der Herzog-Friedrich-<br />
Straße eine kleine, aber feine Buchhandlung<br />
eröffnet. Unser Geschäft unter den Lauben<br />
befindet sich in einem schmuckvollen Gebäude,<br />
nämlich dem Trautsonhaus. Dieser<br />
Standort bedeutet uns sehr viel – wir wollen<br />
uns das Engagement von Buchdrucker<br />
Michael Wagner zum Vorbild nehmen und<br />
mit unerschütterlicher Zuversicht in die<br />
Zukunft blicken.<br />
Die Buchhandlung<br />
Leporello in Wien<br />
Die Buchhandlung Leporello in Wien<br />
befindet sich in unmittelbarer Nähe des<br />
Stephansdoms und es freut uns, dass sie seit<br />
1. April zur „Wagner’schen Familie“ gehört.<br />
Buchhändler*innen-Duo Rotraut Schöberl<br />
und Erwin Riedesser werden auch in Zukunft<br />
die Geschicke dieser Buchhandlung<br />
mitgestalten – allerdings in einem geringeren<br />
Ausmaß. Damit bleibt den beiden mehr<br />
Zeit fürs Lesen sowie für Gespräche über<br />
Literatur, sei es live oder gestreamt. Für die<br />
Kundinnen und Kunden wird sich dadurch<br />
vorerst nichts ändern, denn wie sagt Frau<br />
Schöberl so schön: „Die Leporello-Formel<br />
bleibt.“<br />
Im Sommer erscheint unser lang ersehntes<br />
Tirol-Wimmelbuch, das bestimmt nicht nur<br />
Kinderherzen höherschlagen lässt, sondern<br />
auch ältere Semester zum Staunen bringt.<br />
Wir können es auch kaum erwarten, dass<br />
unsere beiden Nostalgie-Puzzles bald angeliefert<br />
werden – sie erzählen vieles über<br />
das Leben der damaligen Zeit und sind<br />
mit 1.000 Teilen gewiss auch mehr als eine<br />
abendfüllende Beschäftigung! Der Schulbeginn<br />
im September wird für uns heuer<br />
besonders aufregend: unser fröhlich-frech<br />
illustriertes Innsbruck-Spiel Kids kommt auf<br />
den Markt, für das sich unsere Lieblings-<br />
Expert*innen tolle Fragen ausgedacht<br />
haben. Und übrigens: Die dunklen Herbsttage<br />
werden in diesem Jahr gewiss lustig<br />
und hoffentlich auch geselliger, denn Ende<br />
Oktober erscheint unser Tirol-Spiel.<br />
Buchtipps aus<br />
unseren Abteilungen<br />
In dieser Ausgabe ist es uns besonders<br />
wichtig, einige unserer wunderbaren Buchhändler*innen<br />
vor den Vorhang zu holen.<br />
Auf diesen Seiten finden Sie tolle Buchtipps<br />
aus den Bereichen Literatur und Krimi,<br />
aber auch schöne Empfehlungen zu Reise-,<br />
Ratgeber- oder Fachbüchern. In der Abteilung<br />
von Clemens Bruch erwarten Sie<br />
Karten für jeden Anlass und jede Jahreszeit,<br />
aber auch andere hübsche Dinge, wie zum<br />
Beispiel schöne Spiele für Kinder. Hochwertige<br />
Brotdosen und Thermoskannen mit<br />
alpinen Motiven runden sein Sortiment ab<br />
und sollen Lust machen, sich bei der Jause<br />
am Gipfel nicht nur an der Schönheit der<br />
Berge zu erfreuen, sondern auch über die<br />
mitgebrachten Picknickutensilien.<br />
Unsere Gastrojungs, Martin Beimler<br />
und Christian Speicher, haben sich für ihr<br />
Café mächtig ins Zeug gelegt: da wurde<br />
gehämmert, getischlert und geschuftet.<br />
Nun ist der Umbau abgeschlossen und das<br />
geräumige Café strahlt in neuem Glanz.<br />
Chapeau! Die beiden haben es vor allem<br />
geschafft, in den vergangenen Monaten<br />
nicht den Mut zu verlieren. Sie nutzten die<br />
Zeit, um ihre traumhaften Rezepte auszuprobieren<br />
und zu verfeinern. Das Team<br />
der Wagner’schen Buchhandlung durfte<br />
gelegentlich vorkosten: Porridge mit Nüssen<br />
und frischem Obst, Chia-Pudding, Croissants<br />
zum Niederknien und frisches knuspriges<br />
Sauerteigbrot mit unterschiedlichen<br />
Toppings. Zum Verlieben gut! Das Café<br />
Momo serviert künftig biozertifizierten<br />
Kaffee, der Sie vitalisiert und Ihnen so gut<br />
tut, dass Sie an diesem schönen Ort weiter<br />
genüsslich Ihren Träumen nachhängen<br />
können.<br />
Schönes<br />
nicht verpassen<br />
Wir wagen es, wieder Veranstaltungen zu<br />
planen. In diesem Magazin finden sie einige<br />
Veranstaltungshinweise und Interviews mit<br />
interessanten Autor*innen. Wir sind gespannt,<br />
wie Ihnen der Debütroman von<br />
Katharina Schaller mit dem Titel Unterwasserflimmern<br />
(Haymon) gefallen wird<br />
(S. 52 und 53). Auch freut uns, dass wir<br />
hoffentlich Schriftsteller Norbert Gstrein<br />
am 6. Mai um 19.30 Uhr bei uns begrüßen<br />
dürfen. Lesen Sie das Interview über seinen<br />
aufrüttelnden neuen Roman auf Seite 28<br />
und 29. Ebenso in unserem Magazin mit<br />
Interviews vertreten sind David Schalko,<br />
Barbara Hundegger, Gertraud Klemm,<br />
Franzobel, Judith Hermann und viele<br />
mehr … Viel Vergnügen!<br />
Wir freuen uns auf Sie!<br />
Markus Renk und Gerlinde Tamerl
Leporello<br />
die Buchhandlung<br />
Wien<br />
Bibliophiles Schmuckkästchen<br />
im Schatten des Stephansdoms<br />
Die Buchhandlung Leporello in Wien gehört ab nun<br />
auch zur „Wagner’schen Familie“.<br />
Unter einem „Leporello“ versteht man<br />
ein faltbares Heft in Form eines langen<br />
Papier- oder Kartonstreifens, der ziehharmonikaartig<br />
zusammengelegt ist. Erst<br />
beim Öffnen zeigt sich seine ästhetisch<br />
reizvolle Form. Es ist kein Zufall, dass<br />
Rotraut Schöberl und Erwin Riedesser<br />
ihre Buchhandlung, die sie 1994 im Schatten<br />
des Stephansdoms eröffneten, nach<br />
einem bibliophilen Papierprodukt tauften.<br />
Die Bezeichnung geht auf Mozarts Oper<br />
Don Giovanni zurück. Darin wird der<br />
Diener Leporello genannt – er führt Buch<br />
über die Amouren seines Herren, des<br />
Frauenhelden Don Giovanni. Mit diesem<br />
Opernverweis wird auch die theateraffine<br />
Seite dieser Buchhandlung unterstrichen.<br />
Das Betreten des Geschäfts ist wie das<br />
Öffnen eines Leporellos: Es flattern einem<br />
literarische Preziosen ins Gesicht – es<br />
fühlt sich an wie ein Aufbruch in einen<br />
neuen Bücherkontinent.<br />
Auch Rotraut Schöberl liebt es zu reisen.<br />
Die Inspiration dazu holt sie sich aus der<br />
Literatur. So wollte sie etwa nach der<br />
Lektüre von Susan Sontags Roman Der<br />
Liebhaber des Vulkans das wilde Neapel<br />
erkunden, und Schriftsteller Alexander<br />
Gorkow überzeugte sie mit seinem Roman<br />
Hotel Laguna davon, nach Mallorca aufzubrechen.<br />
Wenn Frau Schöberl nicht gerade<br />
mit ihrer Lektüre beschäftigt ist, dann hilft<br />
sie auch gerne anderen Menschen: Während<br />
des Lockdowns verkaufte sie in der Buchhandlung<br />
die sizilianischen Zitrusfrüchte<br />
ihrer Freundin. Lachend sagen Riedesser<br />
und Schöberl: „Wir mussten unsere Buchhandlung<br />
nie marketingmäßig mit Emotionen<br />
aufladen. Das Herzblut war immer<br />
schon da.“<br />
Wagner’sche-Geschäftsführer Markus<br />
Renk freut sich über den Zuwachs in der<br />
„Wagner’schen Familie“ und sagt: „Erwin<br />
Riedesser und Rotraut Schöberl haben der<br />
Buchhandlung Leporello eine Seele ge-<br />
geben. Menschen, die Bücher lieben,<br />
suchen genau das. Deshalb passt Leporello<br />
auch so gut zu uns.“<br />
Rotraut Schöberl und Erwin Riedesser<br />
werden auch in Zukunft die Geschicke<br />
der Buchhandlung Leporello mitgestalten –<br />
allerdings in einem geringeren Ausmaß.<br />
Damit bleibt den beiden mehr Zeit<br />
fürs Lesen sowie für Gespräche über<br />
Literatur, sei es live oder gestreamt. Für<br />
die Kundinnen und Kunden wird sich dadurch<br />
vorerst nichts ändern, denn wie sagt<br />
Frau Schöberl so schön: „Die Leporello-<br />
Formel bleibt.“<br />
Die Leporello-<br />
Formel bleibt.<br />
© Pamela Rußmann<br />
Rotraut Schöberl und Erwin Riedesser<br />
Bücher seit 1639<br />
7
Unser Postkarten-Dschungel<br />
Einzigartige Karten, schöne Spiele, nachhaltige Geschenke<br />
Eine coole Schaufensteraktion<br />
Ungewöhnliche Signierstunde mit Bernhard Aichner<br />
© www.fotowerk-aichner.at, Wagner’sche<br />
Wer sich in unserer Postkartenabteilung<br />
bewegt, fühlt sich ein wenig wie in einem<br />
Dschungel: Die Artenvielfalt ist beeindruckend.<br />
Hier lässt sich Einzigartiges<br />
entdecken. Zwischen den Regalen huscht<br />
der Schöpfer dieses Papierbiotops umher:<br />
Clemens Bruch. Er hat dieses Sortiment<br />
behutsam ausgewählt und dabei seinen<br />
Fokus nicht nur auf Schönheit, sondern<br />
auch auf Nachhaltigkeit gelegt, denn in<br />
seinem Dschungel gibt es kein Plastik.<br />
Wer bei dieser papieraffinen Expedition<br />
ein wenig ins Schwitzen gerät, dem sei ein<br />
natürliches Deo mit dem liebevollen Namen<br />
Achselkuss ans Herz gelegt. Und wem der<br />
Abschied aus diesem Zauberwald besonders<br />
schwerfällt, der kann sich einen schönen<br />
Fleck Erde in Form einer Unterhose oder<br />
das große Wimmel-Such-Spiel Erster<br />
sein! Dschungel mit nach Hause nehmen.<br />
Darin gibt es herrliche Exoten zu entdecken:<br />
Wer findet das Goldaguti oder den<br />
Giraffenkäfer zuerst? Es wird ein herrlicher<br />
Familienspaß!<br />
Eigentlich wollten wir Sie, liebe Bernhard-<br />
Aichner-Fans, zu uns in die Buchhandlung<br />
einladen, doch leider war eine Signieraktion<br />
mit Publikum coronabedingt nicht möglich.<br />
Also haben wir uns etwas Besonderes<br />
ausgedacht: Bernhard Aichner hat sich zum<br />
Signieren einen Tag lang in unser Schaufenster<br />
gesetzt, so konnten Sie ihm zumindest<br />
zuwinken. Das war ein Spaß! Wir<br />
können Ihnen übrigens seinen neuen Krimi<br />
Dunkelkammer sehr ans Herz legen.<br />
Die persönliche und berufliche Geschichte<br />
von Aichners Hauptfigur, dem Pressefotografen<br />
David Bronski, geht wirklich<br />
unter die Haut. Bernhard Aichner hat<br />
uns übrigens verraten, welches Buch ihn<br />
zuletzt besonders fasziniert hat: Es ist<br />
der Roman von Benedict Wells Hard Land.<br />
Unten stehend finden Sie seine kurze<br />
Besprechung. Wir wünschen Ihnen<br />
schöne Lesestunden.<br />
© Bernhard Aichner<br />
Buchtipp:<br />
Buchtipp:<br />
Buchtipp:<br />
Liebkosung für die Achseln<br />
Dieses Deo wirkt auch bei der spannendsten<br />
Lektüre und dem aufregendsten Spiel:<br />
Achselkuss schützt mit hochwertigen<br />
ätherischen Ölen und natürlichen Inhaltsstoffen<br />
bis zu 24 Stunden. Die vegane<br />
Deocreme wird in Österreich hergestel<br />
lt und ist in neun Sorten erhältlich.<br />
Auf synthetische Duft- und Konservierungsstoffe,<br />
Erdölprodukte, Parabene,<br />
Silikone, Palmfett oder Aluminiumsalze<br />
wird verzichtet.<br />
Achselkuss-Deocreme € 14,90<br />
© www.achselkuss.at<br />
Entdecke die Meerestiere<br />
Hurra, ein neues Wimmel-Such-Spiel<br />
aus dem Laurence-King-Verlag ist da!<br />
300 Meerestiere verstecken sich auf dem<br />
Wimmelspielbrett: Wo ist denn bloß der<br />
Barrakuda oder der Walhai? Wer findet<br />
den Vampirtintenfisch oder das Perlboot?<br />
Dieses lustige Wimmel-Such-Spiel<br />
ist leicht zu verstehen und begeistert<br />
Erwachsene und Kinder gleichermaßen.<br />
Erster sein! Meere.<br />
Das große Wimmel-Such-Spiel.<br />
Laurence King Verlag, € 24,90<br />
© Laurence King Verlag<br />
Ein schöner Fleck Erde<br />
Diese Boxershorts heißen nicht umsonst<br />
Ein schöner Fleck Erde, denn hier wurden<br />
detailgetreue Landkarten aufgedruckt,<br />
auf denen Sie ihren liebsten Gipfel<br />
erblicken können. Der anschmiegsame<br />
Stoff wurde aus handgepflückter Biobaumwolle<br />
gefertigt, und die gesamte<br />
Produktionskette ist ökologisch und fair,<br />
sodass Sie sich in diesem Kleidungsstück<br />
uneingeschränkt wohlfühlen können.<br />
Genießen Sie ihr persönliches Gipfelglück.<br />
Damen: € 25,00, Herren: € 29,00<br />
© www.esfe.at<br />
Mountainbiken liegt voll im Trend.<br />
Trotzdem scheint der Sprung von der<br />
Feierabendrunde zur Mehrtagestour für<br />
viele Hobbybiker*innen eine Hürde. Mit<br />
dem vorliegenden Ratgeber, dem ersten<br />
seiner Art, ist diese jedoch leicht zu<br />
nehmen. Das Buch begleitet sachkundig<br />
zum und durch den ersten längeren<br />
MTB-Trip. Klar strukturiert gibt es<br />
motivierende Antworten auf oft gestellte<br />
Fragen: Wie gehe ich die Planung an?<br />
Muss ich speziell trainieren? Was nehme<br />
ich mit? Was tun, wenn eine Panne<br />
passiert?<br />
Barbara Pirringer:<br />
Abenteuer Mountainbiken<br />
Tyrolia-Verlag, 176 S., € 19,95<br />
50 Jahre nach seiner Entstehung erfreut<br />
sich der Nationalpark Hohe Tauern<br />
außerordentlicher Beliebtheit. Susanne<br />
Schaber und Herbert Raffalt folgen in<br />
ihrem Buch den Spuren der Tiere und<br />
Pflanzen, erforschen die geologischen<br />
und geografischen Besonderheiten<br />
und entdecken die Traditionen in den<br />
Tälern zwischen Gipfeln, Graten und<br />
Gletschern. Entstanden ist dabei ein<br />
vielseitiges Porträt des größten Nationalparks<br />
der Alpen und eine Einladung,<br />
diesen besonderen Platz im Herz der<br />
Alpen mit allen Sinnen zu erfahren.<br />
Susanne Schaber, mit Fotografien<br />
von Herbert Raffalt:<br />
Nationalpark Hohe Tauern<br />
Tyrolia-Verlag, 208 S., € 35,55<br />
Eine wunderbare Reise zurück in die<br />
80er-Jahre. Fein gesponnen und liebevoll<br />
erzählt. Alles dreht sich um den ersten<br />
Kuss, den ersten Rausch, die Pubertät,<br />
die an einem nagt, und um Musik, zu der<br />
wir verliebt, mit Pickeln im Gesicht, in<br />
der Disco getanzt haben. Herrlich. Auch,<br />
dass einer dieses Buch geschrieben hat,<br />
der damals gerade erst drei Jahre alt war.<br />
Benedict Wells kann schreiben. Und fesseln.<br />
Denn auch wenn man anfangs keine<br />
große Lust hat, ein Buch über Jugendliche<br />
zu lesen, man tut es trotzdem. Und hat<br />
viel Freude dabei! Bernhard Aichner<br />
Benedict Wells:<br />
Hard Land<br />
Diogenes Verlag, 352 S., € 25,30
Bücher machen das Leben vielfälti ger und schöner.<br />
Herrliche Lektüre für große und kleine Leseratten<br />
© www.fotowerk-aichner.at<br />
Erkunden Sie unbedingt auch den ersten<br />
Stock der Wagner’schen, denn hier erwarten<br />
Sie nicht nur das zauberhafte Café Momo,<br />
sondern auch Köstlichkeiten in Buchform,<br />
die Ihr Alltagsleben garantiert versüßen.<br />
Unsere vergnügte Abteilungsleiterin Maria<br />
Neumayr kennt sich hier hervorragend<br />
aus und berät auch gern die allerkleinsten<br />
Leseratten. Neben Koch- und Kinderbüchern<br />
finden Sie hier Lektüre, die Sie in<br />
allen Lebenslangen berät, oder Bücher, die<br />
Ihnen dabei helfen, Ihr Leben bunter oder<br />
nachhaltiger zu gestalten. Dominik Renk ist<br />
neu in unserem Team. Auf dem Foto stellt<br />
er gerade eine besondere Neuerscheinung<br />
ins Regal: Dancing with the Bees beschäftigt<br />
sich mit dem geheimnisvollen Leben der<br />
Bienen. Dieses wundervolle Buch aus dem<br />
Löwenzahn-Verlag möchten wir Ihnen<br />
wärmstens empfehlen.<br />
Sie begeistern sich für Geschichte, Kunst,<br />
Sprache, Medizin, EDV, Wirtschaft,<br />
Naturwissenschaft, Juridika, Biografien,<br />
Philosophie oder Theologie? Dann sind sie<br />
in unserer Fachbuchabteilung goldrichtig.<br />
Hier kann man in Ruhe schmökern und<br />
sich von unseren kompetenten Kolleg*innen<br />
beraten lassen. Abteilungsleiter Peter<br />
Walder-Gottsbacher, selbst Autor verschiedener<br />
Publikationen, hat das vielfältige<br />
Sortiment im Blick und überrascht<br />
auch Sie gerne mit anregenden Buchtipps.<br />
Interessant ist etwa das Buch über den<br />
Maler Franz Defregger, dem gerade eine<br />
sehenswerte Ausstellung im Tiroler Landesmuseum<br />
gewidmet ist. Und übrigens: Wir<br />
freuen uns, dass unsere Kollegin Helena<br />
Töchterle (rechts im Bild) demnächst ihr<br />
Philosophiestudium abschließen und auch<br />
danach unser Team weiterhin bereichern<br />
wird.<br />
© www.fotowerk-aichner.at<br />
Buchtipp:<br />
Buchtipp:<br />
Buchtipp:<br />
Buchtipp:<br />
Buchtipp:<br />
Buchtipp:<br />
Versammeln Sie Ihre Freund*innen<br />
um den Tisch und servieren Sie mit<br />
kleinem Aufwand Gerichte, die begeistern<br />
werden! In diesem Kochbuch für<br />
Gäst*innen finden Sie über 100 Rezepte<br />
mit mediterranem Flair, die sich für jede<br />
Gelegenheit eignen und sich perfekt<br />
aufeinander abstimmen lassen. Begleitet<br />
werden die schmackhaften Rezepte von<br />
Tipps für die perfekte Dekoration und<br />
Anleitungen, wie man sein Menü optimal<br />
in Szene setzt. Kochen für Gäst*innen<br />
war nie einfacher und entspannter!<br />
Skye McAlpine:<br />
Zu Tisch mit Freunden<br />
Knesebeck Verlag, 320 S., € 30,80<br />
Mit dem ersten umfassenden Weber-<br />
Gasgrillbuch sind endlich alle Grillaktivitäten<br />
abgedeckt. Neben über<br />
250 neuen und kreativen Rezepten für<br />
Gasgrillfans zeigt Grillprofi Manuel<br />
Weyer im neuen Weber-Standardwerk<br />
außerdem, wie der Grill optimal eingestellt<br />
und das Ergebnis perfekt wird!<br />
Die umfangreichen Rezepte halten dabei<br />
für jeden Gaumen etwas bereit: Fleischfans,<br />
Fischliebhaber*innen, vegan und<br />
vegetarisch lebende Gäst*innen sowie<br />
Kinder kommen voll auf Ihre Kosten.<br />
Ein Muss für die Grillsaison!<br />
Manuel Weyer:<br />
Weber‘s Gasgrillbibel<br />
Gräfe & Unzer Verlag,<br />
360 S., € 31,50<br />
Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers hat<br />
die Selbstversorgung und das Landleben<br />
für sich entdeckt! In Homefarming zeigt<br />
sie anfänger*innengerecht, wie sie in ihren<br />
ersten beiden Jahren als Selbstversorgerin<br />
schrittweise vorgegangen ist, welche<br />
Erfahrungen sie gemacht hat, dass auch<br />
Fehler dazugehören und was man daraus<br />
lernen kann. Judith Rakers will inspirieren<br />
und Mut machen, einfach anzufangen<br />
mit der Selbstversorgung. Unterhaltsam,<br />
inspirierend und sehr persönlich.<br />
Judith Rakers:<br />
Homefarming: Selbstversorgung<br />
ohne grünen Daumen<br />
Gräfe & Unzer Verlag,<br />
240 S., € 23,30<br />
Nach dem Motto „Wer zuerst lacht,<br />
lernt am besten!“ bietet das im PONS-<br />
Verlag erschienene Buch 101 Witze –<br />
Italienisch eine kurzweilige und sehr<br />
erheiternde Hilfestellung für all jene, die<br />
sich auf spielerische Art die italienische<br />
Sprache aneignen möchten. Neben<br />
Witzen, Wortspielen und Abbildungen<br />
finden sich auch lockere Übungen in drei<br />
Schwierigkeitsgraden zu Grammatik und<br />
Wortschatz in dem Buch, um den Lernfortschritt<br />
zu überprüfen. Egal ob für<br />
Anfänger*innen oder Fortgeschrittene –<br />
dieses Buch entlockt einem mit Sicherheit<br />
den ein oder anderen Lacher.<br />
101 Witze – Italienisch zum Lachen und Lernen<br />
PONS, 192 S., € 13,00<br />
Für alle, die Panik bekommen, sobald<br />
sie auf Italienisch mehr sagen müssen<br />
als „C’è una gelateria qui vicino?“ ist<br />
das Buch Parla! Nie mehr sprachlos geschrieben<br />
worden. Hier findet man echte<br />
italienische Dialoge für verschiedenste<br />
Situationen, die ganz unkompliziert,<br />
ohne Grammatik und Fachjargon erlernt<br />
werden können. Mit der angeführten<br />
Lautschrift lernt man die Aussprache<br />
außerdem kinderleicht. Ob es darum<br />
geht, jemandem Glück zu wünschen,<br />
nach der Wettervorhersage zu fragen<br />
oder sich in einer Autowerkstatt<br />
zurechtzufinden: Mit diesem Buch ist<br />
man wirklich für jeden Italienaufenthalt<br />
gewappnet.<br />
Parla! Nie mehr sprachlos<br />
PONS, 160 S., € 10,90<br />
Haben Sie fünf Minuten Zeit? Dann<br />
lesen Sie los! In diesem Buch finden sich<br />
kurzweilige 5-Minuten-Lektüren auf<br />
Englisch – kurze und einfache Geschichten,<br />
mit denen man Großbritannien und<br />
seine Gepflogenheiten kennenlernen<br />
kann. Dieses Buch, das perfekt in jede<br />
Tasche passt, ist mit liebevoll illustrierten<br />
Mindmaps ausgestattet, um sich neu<br />
erlernte Vokabeln besser merken zu können.<br />
Es ist also egal, ob man zu Hause<br />
liest oder sich die Zeit beim Warten auf<br />
den Bus verkürzen will: Die 5-Minuten-<br />
Lektüren sind genau das Richtige für<br />
alle, die ihre Sprachkompetenz nebenbei<br />
verbessern möchten.<br />
5-Minuten-Lektüren Englisch A2 – An Apple a Day<br />
PONS, 128 S., € 9,90
story.one<br />
story.one<br />
story.one<br />
Unser neues Geschäft in<br />
der Innsbrucker Altstadt<br />
Die Wagner’sche hat nun auch ein kleines Geschäft<br />
in der Innsbrucker Altstadt eröffnet<br />
und kehrt damit zu ihren Ursprüngen zurück.<br />
Die Geschichte der Wagner’schen Buchhandlung<br />
begann 1639 in der Innsbrucker<br />
Altstadt. 382 Jahre später, am 12. März<br />
2021, haben wir in der Herzog-Friedrich-<br />
Straße 22 ein kleines, aber feines Bücherund<br />
Geschenkegeschäft eröffnet. Dieser<br />
Standort bedeutet uns sehr viel, denn<br />
er erinnert uns an den Buchdruckergesellen<br />
Michael Wagner, mit dem die Geschichte<br />
unseres Unternehmens begann. Er betrieb<br />
in der Altstadt nicht nur eine Buchhandlung,<br />
sondern auch einen Verlag und eine<br />
Druckerei.<br />
Das Trautsonhaus –<br />
schmuckreiches Gebäude<br />
in der Altstadt<br />
Unser Geschäft unter den Lauben befindet<br />
sich in einem einzigartigen Gebäude,<br />
nämlich dem Trautsonhaus. Es ist eines<br />
der bedeutendsten Innsbrucker Altstadthäuser<br />
aus der Zeit des Überganges von der<br />
Gotik zur Renaissance und wurde erst vor<br />
Kurzem behutsam renoviert. Die typischen<br />
Malereien im Stil der Renaissance allerdings<br />
entdeckte man schon während des Zweiten<br />
Weltkrieges. Per-pedes-Stadtführerin<br />
Monika Frenzel verriet uns, dass man die<br />
Altstadthäuser während der Pestepidemien<br />
mit Kalk übertünchte. Offenbar vergaß man<br />
über die Jahrhunderte, den Putz wieder abzunehmen.<br />
Als während des Zweiten Weltkrieges<br />
knapp vor dem Haus eine Bombe<br />
einschlug, fiel durch die Erschütterung der<br />
Putz vom Mauerwerk und offenbarte die<br />
zierlichen Renaissance-Malereien, die noch<br />
heute die Fassade bereichern.<br />
Vielfältiges und abwechslungsreiches<br />
Sortiment<br />
In der überschaubaren Größe unseres<br />
Geschäfts liegt besonderes Gestaltungspotenzial,<br />
denn wir werden künftig in<br />
einem vierzehntätigen Rhythmus immer<br />
neue Themenschwerpunkte setzen. Das<br />
aktuelle Sortiment wurde von Markus Renk<br />
und den engagierten Mitarbeiter*innen<br />
der Wagner’schen zusammengestellt und<br />
möchte Menschen ansprechen, die schöne<br />
und nachhaltige Geschenke für Kinder<br />
suchen, im Vorbeigehen das ein oder andere<br />
aktuelle Buch kaufen möchten oder sich für<br />
Lifestyle und Mode interessieren. Selbstverständlich<br />
sind auch die Produkte aus unserem<br />
Verlag in der Altstadt erhältlich, etwa<br />
unsere Erinnerungsreihe. Es sind Bücher,<br />
die Geschichten von Innsbrucker Stadtteilen<br />
erzählen. Ebenso präsentiert werden<br />
die Innsbruck-Wimmelbücher, das Innsbruck-Spiel,<br />
unsere Puzzles sowie T-Shirts<br />
und Taschen mit dem Aufdruck „Bücher<br />
versetzen Berge“, gedruckt von Werbetextildrucker<br />
Wolfgang Eder in Buch in Tirol.<br />
Karten und besondere<br />
Spezialitäten<br />
Es gibt auch Karten für jeden Anlass<br />
und jede Jahreszeit, aber auch besondere<br />
Spezialitäten, zum Beispiel köstliche<br />
Zuckerln, die nach Jahrhundertwenderezepten<br />
hergestellt werden. Hochwertige<br />
Brotdosen und Thermoskannen mit alpinen<br />
Motiven runden unser Sortiment ab und<br />
sollen Lust machen, sich bei der Jause am<br />
Gipfel nicht nur über die Schönheit der<br />
Berge, sondern auch an den mitgebrachten<br />
Picknickutensilien zu erfreuen.<br />
Life is a Story – Das story.one Notizbuch<br />
Notizbuch<br />
Life is a Story – Das story.one Notizbuch<br />
Notizbuch<br />
Life is a Story – Das story.one Notizbuch<br />
Notizbuch<br />
Fotos: © Christopher Spiegel und www.fotowerk-aichner.at<br />
12 Wagner’sche.<br />
Wo aus Geschichten<br />
Bücher werden<br />
Wo aus Geschichten<br />
Bücher werden<br />
Wo aus Geschichten<br />
Bücher werden<br />
Notizbücher<br />
€ 9,90<br />
Innsbrucker<br />
Nostalgie-Puzzle<br />
(1.000 Teile)<br />
€ 17,95
„Bei uns wimmelt es wieder …“<br />
Hier staunen nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene<br />
Unsere neuen Brettspiele<br />
Spielend leicht lernen und dabei Spaß haben!<br />
Buchtipp:<br />
Bettina Egger, Maria Kittler:<br />
Das Tirol-Wimmelbuch<br />
Verlag der Wagner’schen<br />
Buchhandlung,<br />
16 S., € 19,95<br />
Erscheint im Sommer 2021<br />
Bettina Egger - Maria Kittler<br />
DAS Tirol-Wimmelbuch<br />
© Sweet little Moments, Martina Wagener<br />
Es macht großen Spaß, gemeinsam mit<br />
Kindern Wimmelbücher anzusehen. Das<br />
Staunen über liebevoll gemalte Bilder<br />
stärkt nicht nur die Beziehung, sondern<br />
fördert auch die sprachliche Entwicklung.<br />
Wir freuen uns sehr darüber, dass unser<br />
lang herbeigesehntes Tirol-Wimmelbuch im<br />
Sommer erscheinen wird. Maria Kittler war<br />
in den vergangenen Monaten mit Illustratorin<br />
Bettina Egger in ganz Tirol unterwegs<br />
und erzählt: „Ich bin von der Vielfalt Tirols<br />
wirklich sehr begeistert, und es ist uns gar<br />
nicht leichtgefallen, die Motive für die acht<br />
Doppelseiten auszuwählen.“ Kittler und<br />
Egger sind ein eingespieltes Team: erst<br />
2019 haben sie das erfolgreiche Innsbruck-<br />
Wimmelbuch in unserem Verlag veröffentlicht.<br />
Ihre Recherchetour für das Tirol-<br />
Wimmelbuch war aufwendig: sie haben<br />
viele Menschen in den einzelnen Bezirken<br />
getroffen, sind gewandert, haben Vögel und<br />
andere Tiere beobachtet und waren bei<br />
Stadtführungen dabei. Sie trotzten Wind,<br />
Regen und Kälte, damit dieses wunderschöne<br />
Buch erscheinen kann.<br />
Unsere Wimmelbücher werden in<br />
einem umweltfreundlichen „Cradle tor<br />
Cradle“-Verfahren hergestellt, dem derzeit<br />
höchsten Qualitätslevel für ökologischen<br />
Druck.<br />
Das Innsbruck-Spiel Kids<br />
Der Schulbeginn im September wird für uns<br />
heuer sehr aufregend: unser Innsbruck-Spiel<br />
Kids kommt auf den Markt, für das sich<br />
unsere Lieblings-Expert*innen Antworten<br />
zu Fragen ausgedacht haben, über die bestimmt<br />
viele Kinder manchmal nachdenken:<br />
Stampften vor ein paar Tausend Jahren<br />
Dinos durch Innsbruck? Welche Funktion<br />
erfüllte einst der Stadtturm? Und hoppala:<br />
Was macht denn dieser freche Wolf am<br />
Spielbrett? Radelt der gar ohne Helm?<br />
Unser neues Innsbruck-Spiel Kids, keck<br />
illustriert von Julia Kotulla und grafisch<br />
gestaltet von Ines Graus, soll nicht nur<br />
Spaß in jede Familie, sondern auch in<br />
viele Klassenzimmer bringen, denn dieses<br />
Wissensquiz folgt dem neuen Sachunterrichtslehrplan<br />
und entsteht mit fachlicher<br />
Unterstützung der Pädagogischen Hochschule<br />
Tirol. Thomas Schöpf, Rektor der<br />
PH-Tirol, freut sich über unsere Zusammenarbeit:<br />
„Ein regionales Brettspiel,<br />
das dem neuen Sachunterrichtslehrplan<br />
folgt, ist genau das, was in den Klassenzimmern<br />
gebraucht wird, um regionales<br />
Wissen pädagogisch abwechslungsreich zu<br />
vermitteln. Spielend lernen erzeugt positive<br />
Gefühle. Die Kinder können das Gelernte<br />
besser verinnerlichen.“<br />
Innsbruck-Spiel<br />
Kids<br />
€ 29,95 €<br />
Erscheint im<br />
September 2021<br />
Weitere Wimmelbücher aus unserem Verlag<br />
Wir bauen ein Haus<br />
Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer<br />
Tirol (WKO) gestalten wir das Wimmelbuch<br />
Wir bauen ein Haus, das von Illustratorin<br />
Julia Kotulla gezeichnet wurde und<br />
im Sommer erscheinen wird. Es erzählt<br />
vom Hausbau einer jungen Familie mit<br />
zwei Kindern, einer Katze und einem<br />
Hund. Dabei sehen die Kinder, was auf<br />
einer Baustelle passiert, und sie lernen die<br />
Handwerksberufe näher kennen. Auf den<br />
Seiten verstecken sich auch zwei freche<br />
Mäuse, die auch in dieses hübsche Haus<br />
einziehen und eine Familie gründen.<br />
© Julia Kotulla<br />
Wo ist Therese?<br />
MPREIS feierte erst kürzlich sein<br />
100-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass<br />
erscheint im April das Wimmelbuch<br />
Wo ist Therese?, gestaltet von Illustratorin<br />
Stella Chitzos. In diesem Buch lernen<br />
Kinder neben den Supermärkten auch<br />
die Produktionsstätten von MPREIS<br />
kennen, etwa die Bäckerei. Auf jeder<br />
Seite versteckt sich Firmengründerin<br />
Therese Mölk. Heinzelmännchen helfen<br />
Therese bei der Arbeit, und es gibt auch<br />
zwei süße Mäuse, denen man dabei<br />
zusehen kann, wie sie sich ineinander<br />
verlieben.<br />
© Stella Chitzos<br />
Das Telfs-Wimmelbuch<br />
Die Bücherei & Spielothek Telfs ist in ein<br />
neues Bibliotheksgebäude umgezogen.<br />
Zu diesem Anlass gestalten wir mit den<br />
Bibliothekar*innen das Telfs-Wimmelbuch,<br />
das von Illustratorin Stella Chitzos<br />
gezeichnet wurde und im Sommer erscheinen<br />
wird. In diesem Buch entdecken<br />
Kinder das vielfältige Leben in Telfs, den<br />
Frühling am Widumanger, den Herbst<br />
in Moritzen, den Winter in Mösern. Dazwischen<br />
ist die Bibliothek zu sehen, und<br />
die kleine Büchereieule lässt sich auch<br />
hin und wieder blicken.<br />
© Stella Chitzos<br />
Tirol-Spiel<br />
€ 45,00 €<br />
Erscheint im<br />
Oktober 2021<br />
Das neue Tirol-Spiel<br />
Haben Sie Lust, eine Reise durch Tirol zu<br />
unternehmen und vielen Fragen rund „um<br />
das Land im Gebirg“ auf den Grund zu<br />
gehen? Weswegen entwickelte sich etwa<br />
Imst zu einem Zentrum der Singvogelzucht?<br />
Welche Gletscher zählen zu den ältesten in<br />
Tirol und welcher Fluss bildet die Grenze<br />
zwischen Oberland und Unterland? Was<br />
versteht man unter dem Begriff „Brente“?<br />
Und ist es wirklich wahr, dass man um<br />
1900 im Innsbrucker Kaffeehaus Munding<br />
„Cocain-Sekt“ verkaufte? Zahlreichen<br />
Expert*innen aus den einzelnen Tiroler<br />
Regionen haben informative, aber auch<br />
kuriose Wissensfragen aus den Kategorien<br />
Sport, Geschichte, Kultur und Natur für<br />
Sie zusammengetragen, damit die dunklen<br />
Herbsttage in diesem Jahr garantiert<br />
nicht langweilig und hoffentlich geselliger<br />
werden. Wie in unserem erfolgreichen Innsbruck-Spiel<br />
gibt es wieder Aktivitätsfragen,<br />
bei denen Sie Ihre rhetorischen, kreativen<br />
und schauspielerischen Talente uneingeschränkt<br />
entfalten können.
Debütautorin Katharina Schaller<br />
im Gespräch mit Literaturkritikerin<br />
Veronika Schuchter.<br />
Sehnsuchtsort<br />
Café Momo<br />
Martin Beimler und Christian Speicher<br />
werden künftig im Café Momo ihre gesunden und<br />
selbst gemachten Köstlichkeiten servieren.<br />
Markus Renk genießt einen Kaffee,<br />
während Bestsellerautor Bernhard<br />
Aichner seinen neuen Krimi signiert.<br />
Unsere Gastrojungs haben sich für ihr<br />
Café mächtig ins Zeug gelegt: da wurde<br />
gehämmert, getischlert und geschuftet.<br />
Nun ist der Umbau abgeschlossen, und das<br />
geräumige Café strahlt in neuem Glanz.<br />
Chapeau! Martin Beimler und Christian<br />
Speicher haben es vor allem geschafft, in<br />
den vergangenen Monaten nicht den Mut<br />
zu verlieren. Sie nutzten die Zeit, um ihre<br />
traumhaften Rezepte auszuprobieren und<br />
zu verfeinern. Das Team der Wagner’schen<br />
Buchhandlung durfte gelegentlich vorkosten:<br />
Porridge mit Nüssen und frischem<br />
Obst, Chia-Pudding, Croissants zum<br />
Niederknien und frisches knuspriges Sauerteigbrot<br />
mit unterschiedlichen Toppings.<br />
Zum Verlieben gut!<br />
Grafikerin Ines Graus im herzlichen<br />
Designgespräch mit Gerlinde Tamerl.<br />
Momo schenkt<br />
uns Zeit<br />
Das neue Café trägt den Namen Momo.<br />
Erinnern Sie sich an das kleine Mädchen<br />
aus Michael Endes gleichnamigem Roman?<br />
Sie will vor allem eines: den Menschen Zeit<br />
schenken. Das wollten wir auch, deshalb<br />
haben wir einigen negativ getesteten Buchliebhaber*innen<br />
eine besondere Zeit geschenkt:<br />
ein Fotoshooting im Café Momo.<br />
Die Aktion fand natürlich unter strengen<br />
Sicherheitsauflagen statt, doch trotzdem hat<br />
Fotograf Christopher Spiegel die schöne<br />
Stimmung an diesem Sehnsuchtsort eingefangen.<br />
Martin Beimler ist der coolste<br />
Bäcker, den wir kennen.<br />
Schriftstellerin Carolina Schutti<br />
Fotos: © Christopher Spiegel<br />
Joe Fischler alias Jan Beck<br />
prostet mit Cappuccino.<br />
Biozertifizierter Kaffee<br />
Das Café Momo serviert biozertifizierten<br />
Kaffee, der Sie vitalisiert und Ihnen so<br />
gut tut, dass Sie an diesem schönen Ort<br />
weiter genüsslich Ihren Träumen nachhängen<br />
können. Serviert wird künftig ein<br />
abwechslungsreiches Frühstück für den<br />
perfekten Start in den Tag. Mittags gibt es<br />
frische, vegetarische Kleinigkeiten und am<br />
Nachmittag geht es weiter mit selbst gemachten<br />
Tartes und Kuchen.<br />
Christian Speicher und sein Porsche,<br />
der auch Kaffee machen kann.<br />
16 Wagner’sche.<br />
Übrigens: Die Kaffeebohnen können Sie<br />
künftig auch in der Wagner’schen und im<br />
Café Momo kaufen. 250g kosten 7,60€<br />
und 500 g 14,90€. Jede Packung enthält<br />
auch ein hübsches Lesezeichen!
Literatur in Tirol<br />
Neue Bücher sind da, Lesungen dazu gibt es aber kaum.<br />
Abwarten & Kaffee trinken lautet die Devise.<br />
Von Robert Renk<br />
Zum zweiten Mal wird die Leipziger Buchmesse<br />
abgesagt. Die zweitgrößte Buchmesse<br />
der Welt ist gerade für junge Autor*innen<br />
die wichtigste. Hier sind die Medien noch<br />
offener fürs Literarische und hier gibt es –<br />
normalerweise – unzählige Lesungen &<br />
Buchpräsentationen. Normalerweise! Heuer<br />
eben nicht. Nichts ist für die Branche<br />
normal, die quasi seit einem Jahr kaum eine<br />
„normale“ Lesung planen kann.<br />
Die Buchpräsentation von Eva-Maria<br />
Gintsberg (mit der Moderation von Brigitte<br />
Schwens-Harrant) haben wir vom<br />
März 2020 auf Oktober 2020 verschoben.<br />
Als wir den Oktobertermin absagen<br />
mussten, bewarben wir einen späten<br />
Febertermin für 2021. Auch aus dem<br />
wurde nichts. Wir kommen mit Verschieben<br />
gar nicht mehr nach. Die Reise, eine<br />
wunder feine und tiefsinnige Erzählung,<br />
wird wohl keine Buchpräsentation mehr<br />
bei uns erleben. Zu viel steht an, was aus<br />
dem aktuellen Jahr präsentiert werden<br />
möchte.<br />
© www.fotowerk-aichner.at<br />
Verschiebungen und<br />
Neuerscheinungen<br />
Und es gibt aus Tiroler Sicht viele Neuerscheinungen,<br />
die einer tollen Präsentation<br />
mehr als würdig sind. Einige sind<br />
bei uns geplant, wie man auf den nächsten<br />
Seiten lesen kann. Denn Neues gibt es<br />
von Norbert Gstrein, der seinen Roman<br />
Der zweite Jakob mit Stefan Gmünder<br />
bei uns vorstellen wird (S. 28), oder das<br />
Debüt von Katharina Schaller (S. 52).<br />
Oder der neue Gedichtband von Erika<br />
Wimmer Mazohl, der im Rahmen von<br />
W:ORTE – das 6. Lyrikfestival Tirol vorgestellt<br />
wird (S. 32). Dort liest auch Raoul<br />
Schrott, der soeben bei dtv einen wunderbaren<br />
Band mit Euripides-Übersetzungen<br />
vorgelegt hat.<br />
Beim 19. Prosafestival wird Stefan<br />
Abermann aus seinem aktuellen Buch lesen,<br />
wie übrigens auch Teilzeittirolerin Mieze<br />
Medusa (S 48).<br />
Robert Prosser, früherer Text-ohne-<br />
Reiter-Kollege von Stefan Abermann,<br />
legt ein neues Journal vor. Mit dem Fotografen<br />
Leonhard Pill reiste er im Sommer<br />
2019 in den Libanon mit dem Ziel, mehr<br />
vom Syrienkrieg und der Situation der Vertriebenen<br />
zu verstehen. Die zwischen Beirut<br />
und Balbeek zurückgelegten Wege rufen<br />
Erinnerungen an frühere Recherchen in<br />
Bosnien, Lesbos, Srebrenica und vor allem<br />
den Flüchtlingslagern der griechischen<br />
Inseln wach.<br />
Der Moderator des Prosafestival – Markus<br />
Köhle – war heuer besonders fleißig<br />
und bringt gleich zwei Bücher heraus: Mit<br />
Peter Clar hat er ein etwas anderes Lexikon<br />
zur Olympiade verfasst, ebenso informativ<br />
wie unterhaltsam. Changierend zwischen<br />
Kurzgeschiche und Kurzessay lesen wir<br />
etwas zu allen Sportarten, die heuer in<br />
Tokio ausgetragen werden. Und da man ja<br />
dorthin nicht reisen können wird, ist dieses<br />
Buch de facto die beste Alternative.<br />
Markus Köhle war heuer<br />
besonders fleißig<br />
Ebenfalls im Sonderzahl-Verlag erschien<br />
der grandiose Essayband Zurück in die<br />
Herkunft – Ein Nabelschaulauf zu den Textquellen.<br />
In 27 Kurztexten spürt Köhle den<br />
eigenen poetischen Idolen nach. Eine unverwechselbare<br />
Stimme der österreichischen<br />
Gegenwartsliteratur wird auf ihre vielfältigen<br />
Einflüsse hin lesbar, von Herbeck<br />
über Bernhard, Gerstl, Okopenko, Mayröcker,<br />
Jonke, Radax, Rühm und Jandl bis zu<br />
Pataki, Ujvary, Priessnitz und Kräftner.<br />
Ähnlich Fleißiges gibt es aus dem Krimilager<br />
zu berichten, denn unser Coverboy<br />
Bernhard Aichner schlägt 2021 gleich<br />
doppelt zu. Der Auftakt der neuen Krimireihe<br />
Dunkelkammer ist im März erschienen,<br />
der zweite Teil Gegenlicht kommt<br />
schon im Juli heraus. In dieser auf mehrere<br />
Teile angelegten Thrillerreihe ermittelt der<br />
Fotograf David Bronski. Wie Bernhard<br />
Aichner ist diese Hauptfigur in Tirol aufgewachsen<br />
und war Fotograf. Nun<br />
ist Bronski in Berlin gelandet, arbeitet für<br />
die Presse und widmet sich einem etwas<br />
bizarren Hobby. Um von seinem eigenen<br />
Leid abzulenken, dokumentiert er das<br />
Unglück anderer Menschen und hält es in<br />
Bildern fest. Dort, wo Menschen sterben,<br />
taucht er auf und macht Fotos. Analoge<br />
Bilder des Sterbens. Ein spektakulärer<br />
Mord, über den er berichten soll, führt<br />
ihn im ersten Teil zurück nach Tirol.<br />
Mord, Fotographie und Tirol – bei diesem<br />
Themenreigen wird Bernhard Aichner der<br />
Stoff so schnell nicht ausgehen. Ein Glück<br />
für uns Leser*innen.<br />
Auch Joe Fischler hat einen neuen<br />
Krimi geschrieben. Nach seinem Debüt<br />
als Thrillerautor unter dem Pseudonym<br />
Jan Beck erschien im März ein weiterer<br />
Arno-Bussi-Krimi bei Kiepenheuer &<br />
Witsch.<br />
Einen Toten gibt es auch im neuen<br />
Roman von Hans Platzgumer. Bogners<br />
Abgang ist zwar kein Krimi, aber: „eine<br />
meisterhafte Fingerübung in Sachen geschickter<br />
Spannungsaufbau. Denn mit<br />
jedem neuen Detail, das Platzgumer über<br />
das mitternächtliche Zusammentreffen von<br />
Kunst und Kritik enthüllt, mit jedem neuen<br />
Aspekt, den er in seine kunstvoll aus verschiedenen<br />
Perspektiven zusammengesetzte<br />
Erzählung schiebt, erscheint die Geschichte<br />
in neuem Licht“, so Joachim Leitner in der<br />
Tiroler Tageszeitung. Im Herbst werden wir<br />
hier in der Wagner’schen die – verspätete –<br />
Buchpräsentation mit Hans Platzgumer<br />
anbieten.<br />
Auch von Carolina Schutti gibt es Neues<br />
zu berichten, im Frühjahr erschien als<br />
Debüt bei Droschl ihr neuer Roman Der<br />
Himmel ist ein kleiner Kreis. Und bei der<br />
TAK dürfen wir uns auf den neuen Erzählband<br />
von Barbara Tilg freuen. In Weltachse<br />
begegnen wir einer Sprache mit einem<br />
archaischen und revolutionären Touch.<br />
Das passt sehr gut zu den Personen, die<br />
Tilg in ihren fünf Texten beschreibt:<br />
Sympatische Sturschädel, ob jung oder alt,<br />
die ihre Meinung und ihre Sprache dazu<br />
gefunden haben.<br />
Verleger und Autor<br />
Bernd Schuchter<br />
Bernd Schuchter bleibt seiner außergewöhnlichen<br />
Erzählform treu und legt<br />
erneut einen literarisch-biographischen<br />
Essayroman vor. Wir tauchen diesmal in<br />
das bewegte Leben im Paris des 19. Jahrhunderts<br />
im Allgemeinen und dem des<br />
Malers Gustave Courbet im Speziellen ein.<br />
Der Maler des Bildes L‘origine du monde<br />
hat selbst bei uns in Innsbruck als Bühnenbild<br />
einer Landestheateraufführung noch<br />
vor einem Jahrzehnt einen veritablen Skandal<br />
ausgelöst. Schuchter gelingt ein sensibles,<br />
gut recherchiertes und spannendes Portrait,<br />
in dem er auch die anarchistische Seite<br />
Courbets durchaus wohlwollend streift.<br />
So fleißig aber wie der Meisterrezensent<br />
Österreichs ist keiner: In sechs voluminösen<br />
Bänden hat der verdiente Sisyphus-Verlag<br />
schon über 5000 Rezensionen publiziert,<br />
die Helmuth Schönauer in seiner Zeit als<br />
Bibliothekar geschrieben hat. Mit untrüglichem<br />
Spürsinn für literarische Qualität<br />
und großem Enthusiasmus für das Buch<br />
und das Lesen an sich. Nun kommt schon<br />
das zweite Tagebuch eines pensionierten<br />
Bibliothekars. 130 Rezensionen aus dem<br />
Jahr 2020 sind zu lesen, und mit Sicherheit<br />
wird Helmuth Schönauer bei vielen<br />
Besprechungen wieder der Erste (und wohl<br />
manchesmal der Einzige) sein.<br />
Am meisten freue ich mich aber auf den<br />
neuen Roman von Alois Hotschnig, der<br />
im September bei Kiepenheuer & Witsch<br />
erscheinen wird. Ein neues Buch dieses<br />
grandiosen Stilisten ist immer ein Ereignis,<br />
und so wird dieses Buch gleich mit einer<br />
dreitägigen Präsentation gefeiert (S. 50)!<br />
Und wo bleibt der Roman von Martin<br />
Fritz? Er ist 2021 noch nicht in Sicht. Aber<br />
Martin Fritz tastet sich wohl heran, mit<br />
seinem im Herbst erschienenen Die Vorbereitung<br />
der Tiere bei Laurin gibt es ja ein<br />
herrliches Prosadebüt. Weiter so!<br />
Buchtipps:<br />
Eva Maria Gintsberg:<br />
Die Reise<br />
edition himmel,<br />
76 S., € 16,00<br />
Stefan Abermann:<br />
Changes<br />
edition laurin,<br />
192 S., € 20,50<br />
Markus Köhle:<br />
Zurück in die Herkunft –<br />
Ein Nabelschaulauf<br />
zu den Textquellen<br />
Sonderzahl Verlag,<br />
184 S., € 18,00<br />
Peter Clar/<br />
Markus Köhle:<br />
Schneller, höher und so<br />
weiter<br />
Sonderzahl Verlag,<br />
240 S., € 18,60<br />
Robert Prosser:<br />
Beirut im Sommer<br />
Klever Verlag,<br />
110 S., € 16,00<br />
Hans Platzgumer:<br />
Bogners Abgang<br />
Zsolnay Verlag,<br />
144 S., € 21,20<br />
Euripides:<br />
Die großen Stücke<br />
Übersetzt von:<br />
Raoul Schrott<br />
dtv Verlag,<br />
408 S., € 31,50<br />
Carolina Schutti:<br />
Der Himmel ist ein<br />
kleiner Kreis<br />
Droschl Verlag,<br />
152 S., € 19,60<br />
Barbara Tilg:<br />
Weltachse<br />
TAK Verlag, 130 S.,<br />
€ 20,00<br />
Helmuth Schönauer:<br />
Buch in Pension –<br />
Tagebuch eines pensionierten<br />
Bibliothekars 2<br />
Sisyphus Verlag,<br />
240 S., € 15,00
© XXX<br />
Bücher<br />
Stierle<br />
Salzburg<br />
Ring frei für<br />
Inspiration<br />
In Salzburg wird wieder gebattelt!<br />
© Bernhard Helminger<br />
Das Format<br />
ist in der Form<br />
einzigartig.<br />
Bernhard Helminger<br />
Bücher seit 1639<br />
Die Tage werden länger, die Nächte kürzer.<br />
Wenn der Frühling naht, heißt das eines:<br />
und zwar, das dass viele großartige Neuerscheinungen<br />
auf den Markt kommen.<br />
Wem jedoch schlichtweg die Zeit fehlt,<br />
sich durch alle vielversprechenden Titel<br />
der Frühlingsneuerscheinungen zu arbeiten,<br />
sei das Bücher-Battle empfohlen. Auch<br />
dieses Frühjahr steigen Bernhard Helminger<br />
und Autorin Mareike Fallwickl in den<br />
Ring und es wird wieder gebattelt.<br />
Die beiden Bücherwürmer mit einem stets<br />
kritischen Auge und einem guten Riecher<br />
für das gute Buch haben sich die letzten<br />
Wochen eingehend mit der Titelauswahl<br />
befasst.<br />
In einem Schlagabtausch stellen sie<br />
dem Publikum ihre Favoriten daraus vor.<br />
Von einem staatlich geprüften Notar<br />
zeitlich begrenzt, stellen sie dem Publikum<br />
die Titel vor, für die sie brennen.<br />
So ergibt sich ein guter Querschnitt aus<br />
internationaler Literatur, österreichischen<br />
Newcomer*innen, Sachbüchern und auch<br />
einer Überraschungskategorie.<br />
Die Herausforderung besteht für die<br />
beiden darin, das Publikum zu überzeugen,<br />
genau dieses Buch lesen zu wollen. Nach<br />
jeder Kategorie kann man mit Fähnchen<br />
für einen Titel abstimmen.<br />
Mit viel Witz und Situationskomik<br />
kommt es meist zu einem Kopf-an-Kopf-<br />
Rennen. Spannend bleibt es, denn hat das<br />
Publikum erst mal für die überzeugendere<br />
Vorstellung abgestimmt, bleibt für den/<br />
die Verlierer*in eine Strafaufgabe zu bewältigen.<br />
Man darf also gespannt sein, wer<br />
diese Saison das Battle für sich entscheidet.<br />
Nicht nur das Format ist in der Form<br />
einzigartig, auch die Austragungsstätten<br />
sind besonders. So hat das vergangene<br />
Bücherbattle auf einem Fußballplatz stattgefunden.<br />
2021 wird es die einzigartige<br />
Kulisse der Seebühne des Waldbads sein.<br />
Wir finden das ist eine ganz großartige<br />
Location.<br />
21<br />
Wir lesen uns<br />
in den Frühling<br />
Auch dieses Jahr findet der Indiebookday<br />
am 20. März statt. Das ist der Festtag<br />
der Indie-Verlage (also der Independent-<br />
Verlage, welche unabhängig von großen<br />
Verlagshäusern publizieren). Jährlich wird<br />
dieser Tag mit Lesungen und Musik in der<br />
Buchhandlung Stierle gefeiert. Zugegeben:<br />
Dieses Jahr kann dieser Tag leider noch<br />
nicht so wie geplant stattfinden, aber wir<br />
holen das nach – versprochen.<br />
Wer durch unsere Regale stöbert, weiß,<br />
dass wir einen große Leidenschaft für das<br />
Besondere hegen, sich dort viele Perlen<br />
ebensolcher Indie-Verlage Buchrücken an<br />
Buchrücken aufs Entdecktwerden freuen.<br />
Nach den Winterwochen ist der Frühling<br />
neben dem Längerwerden der Tage, dem<br />
Vogelzwitschern und den ersten Schneeglöckchen<br />
an den Wegrändern auch die<br />
Zeit der Buchneuerscheinungen. Fast täglich<br />
bringen die Verlage Neuheiten heraus,<br />
es herrscht also auch Frühlingserwachen<br />
in den Buchhandlungen. Wir freuen uns<br />
sehr darüber, vieles davon zu lesen, um es<br />
mit Begeisterung empfehlen zu können.<br />
Aber man kennt das, die Zeit – sie reicht<br />
nicht, alles zu lesen, was man schon aufgetürmt<br />
hat. So geht es auch uns Buchhändler*innen,<br />
immer und ständig. Doch<br />
weil eine*n in der Buchhandlung die Lust,<br />
gleich loszulesen, immer kalt erwischt, entstand<br />
die Idee, das doch einfach zu machen:<br />
Wir lesen uns in den Frühling! Am Sonntag,<br />
dem Tag nach dem Indiebookday<br />
und gleichzeitig auch Frühlingsbeginn,<br />
beleben wir unser Schaufenster. Unser<br />
Lesesonntag wird also in die Auslage<br />
der Buchhandlung verlagert. In unserem<br />
farbenfrohen Lesesessel, umringt von<br />
Blumen, mit tollen Büchern im Gepäck,<br />
begrüßen wir den Frühling. Kommen<br />
Sie uns gerne besuchen und wir tauschen<br />
uns aus und verraten mehr zu unserer<br />
Leseliste.<br />
Schönen Bücherfrühling wünscht<br />
Carmen Schwarz<br />
Buchtipp:<br />
Dieses Jahr ist im Verbrecher-<br />
Verlag das Debüt von Esther<br />
Becker erschienen. Wie die<br />
Gorillas heißt der Roman der<br />
40-jährigen, die Schauspiel<br />
studiert hat und auch schon<br />
zahlreiche Bühnenstücke geschrieben<br />
hat. In kurzen, rasant<br />
erzählten Kapiteln geht es wie<br />
so oft ums Erwachsenwerden:<br />
Drei junge Frauen, zu Beginn<br />
noch Kinder, auf einer Bergund<br />
Talfahrt durch die Pubertät<br />
bis hin zu der Frage „Wer<br />
möchte ich sein?“ Becker erzählt<br />
vom Abnehmen im Geheimen<br />
oder davon, den Rasierer auf<br />
dem Weg zum Schwimmbad zu<br />
verstecken, und das auf eine erfrischend<br />
bissige Weise, sodass<br />
einem das Lachen schon mal im<br />
Hals stecken bleibt. Klare Leseempfehlung!<br />
Esther Becker:<br />
Wie die Gorillas,<br />
Verbrecher Verlag, 160 S., € 19,60<br />
Veranstaltungstipp:<br />
Bücherbattle<br />
Mit Helminger & Fallwickl<br />
Mo., 25. Juni 2021, 20:30 Uhr<br />
Jedermannbühne Mondsee<br />
Eintritt: 12,00<br />
Um Reservierung wird<br />
gebeten – telefonisch oder per<br />
Mail unter 0662 / 840114 oder<br />
buch@buecher-stierle.at
Kelten-<br />
Buchhandlung<br />
Hallein<br />
„Hochtourig, angriffslustig und dabei<br />
ausgesprochen unterhaltsam“ – Ihr<br />
Roman „Hippocampus“ bereitet<br />
feministisches Lesevergnügen. Was<br />
lesen Sie gern? Gibt es Autor*innen,<br />
die Ihnen besonders am Herzen<br />
liegen, Bücher, die einen besonderen<br />
Stellenwert in Ihrer (Lektüre-)<br />
Biografie einnehmen?<br />
Ja – ganz konkret Anke Stelling, der Roman<br />
Schäfchen im Trockenen. Ich lese viel, aber<br />
sehr selektiv.<br />
Was brauchen Sie zum Schreiben,<br />
in welcher Umgebung, in<br />
welcher Situation schreiben<br />
Sie am liebsten? Was ist Ihre<br />
„Lieblingsarbeitssituation“?<br />
Kurz: Ruhe, und die Kinder aus dem Kopf.<br />
Die Frage ist eine sehr politische. Der Buchmarkt<br />
speist sich aus den Möglichkeiten,<br />
die den schreibenden Männern und Frauen<br />
zur Verfügung stehen. Sich die Arbeitssituation<br />
aussuchen zu können, setzt Privilegien<br />
voraus. Das Privileg, sich Zeit, Raum<br />
und Inspiration frei wählen und leisten zu<br />
können. Frauen, Mütter, Familienernährer<br />
und prekär Lebende können sich das<br />
Schreiben kaum leisten. Ihre Stimmen fehlen<br />
im Kanon. Heute genauso wie früher.<br />
Mit 2 Schulkindern ist schnell Schluss<br />
mit den Träumen vom Rückzug ins stillen<br />
Cottage in Schottland. Bei mir ist das jetzt<br />
eine kleine Schreibklause in Wien, in der ich<br />
mich auch über Nacht zurückziehen kann.<br />
Situationselastisch natürlich.<br />
Frauen lesen mehr als Männer;<br />
auch in Verlagen, Buchhandlungen,<br />
Bibliotheken etc. sind vor<br />
allem Frauen zugange. Ist die<br />
Literaturbranche also besonders<br />
frauenfreundlich? Was sind Ihre<br />
Erfahrungen als weibliche Autorin<br />
in einem Literaturbetrieb, der nach<br />
wie vor an den entscheidenden Stellen<br />
männlich dominiert ist?<br />
Der Literaturbetrieb ist ein Markt mit den<br />
Gesetzen des Marktes. Frauen dominieren<br />
auch hier nicht in den entscheidenden Posi-<br />
Sie haben Ihrem Roman<br />
Hippocampus einen Liedtext als<br />
Motto vorangestellt – spielt Musik<br />
in Ihren Texten oder bei Ihrem<br />
Schreiben eine Rolle?<br />
Oft schleicht sich beim Schreiben eine bestimmte<br />
Musik ein, eine Textzeile, oder eine<br />
Melodie, die ich dann zum Schreiben spiele.<br />
Wie bei „Pink Moon“ im Fall von „Hippocampus“.<br />
Nick Drake ist mir die ganze Zeit<br />
in den Ohren gehangen. Erst als ich zum<br />
Schluss die Bedeutung des „Pink Moon“<br />
recherchiert habe – die Verkündung von<br />
Unheil – war mir klar, dass sich das<br />
Motto schon ins Buch geschrieben hatte:<br />
Unheil oder Segen, Bedrohung und<br />
Romantik, Genie oder Dilettantismus,<br />
Erfolg oder Scheitern: alles eine Frage<br />
der Perspektive.<br />
Gertraud Klemm, 1971 in Wien geboren. Biologiestudium,<br />
Gutachterin bei der Stadt Wien, seit 2006<br />
freie Autorin. Mit ihrem Roman Aberland stand<br />
sie 2015 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.<br />
Etliche Preise und Stipendien. Sie gehört zu den<br />
wichtigsten und schärfsten Stimmen der deutschsprachigen<br />
Gegenwartsliteratur. Zuletzt erschienen:<br />
Muttergehäuse (Kremayr & Scheriau, 2016) und<br />
Erbsenzählen (Droschl, 2017).<br />
© Pamela Rußmann<br />
Das fette Ende<br />
kommt noch,<br />
wenn die Gießkannen<br />
leer<br />
sind und der<br />
Brunnen auch.<br />
Bücher seit 1639<br />
Gertraud<br />
Klemm<br />
Man kann nicht<br />
nur Bücher<br />
ausleihen, beinahe<br />
monatlich kann<br />
man auch großartige<br />
Autor*innen<br />
erleben, u.a.<br />
Gertraud Klemm.<br />
Ein Gespräch mit<br />
Michaela Hasenauer<br />
23<br />
tionen. Die so gut wie rein männliche Klassik<br />
hängt uns noch nach, und der romantische<br />
Geniekult um den großen, einsamen<br />
Denker. Für Frauen und Frauenthemen<br />
war da kein Platz: wer noch an der Misogynie<br />
zweifelt, soll mal Marcel Reich-Ranicki<br />
googeln. Mit unpolitischen Büchern haben<br />
es die Autorinnen bei der Kritik und Wahrnehmung<br />
noch am leichtesten. Je kritischer<br />
und feministischer dem Patriarchat auf die<br />
Zehen gestiegen wird, desto größer ist die<br />
Chance auf Schubladisierung. Aber genau<br />
da machen die neuen Leserinnen nicht<br />
mit. Die lesen Verrisse aufmerksamer und<br />
hinterfragen den Bewertungskanon in den<br />
sozialen Medien. Die Literaturkritik ist ein<br />
Kind ihrer Zeit, der Unterwerfungskult<br />
um die „Literaturpäpste“ ist Gott sei Dank<br />
vorbei.<br />
Welche Folgen hat die Coronakrise<br />
speziell für die Frauen?<br />
Schlimm, schlimm. Aber das fette Ende<br />
kommt noch, wenn die Gießkannen leer<br />
sind und der Brunnen auch. Erfahrungsgemäß<br />
wird denen mit der kleinsten Lobby<br />
der Hahn zuerst abgedreht. Wer wird das<br />
wohl sein?<br />
Buchtipp:<br />
Gertraud Klemm:<br />
Hippocampus<br />
Kremayr & Scheriau Verlag,<br />
384 S., € 23,50<br />
Veranstaltungstipp:<br />
Gertraud Klemm liest aus<br />
Hippocampus<br />
geplant für Mi., 30. Juni 2021,<br />
19:30 Uhr<br />
Stadtbücherei Hallein,<br />
Schöndorferplatz 6<br />
Eintritt frei!
Die Farben der Angst (span.: Aquel<br />
invierno) wurde 2005 publiziert.<br />
Wie kam es zu dieser so bedeutenden<br />
Veröffentlichung?<br />
1995 war El color del crepúsculo erschienen,<br />
der erste meiner als „Zyklus des Erinnerns“<br />
bezeichneten Romane. Drei weitere folgten:<br />
Maquis, La noche inmóvil und La sombra del<br />
cielo. Sie alle handeln nicht vom Spanischen<br />
Bürgerkrieg. Sie sprechen von der Francodiktatur<br />
und der Transición (Anm .d. Ü.: die<br />
Übergangszeit zwischen der franquistischen<br />
Repression und der Demokratie). Ich glaube,<br />
Die Farben der Angst, mein Lieblingsroman,<br />
ist ein Zeugnis der Wut. Körperlicher<br />
Schmerz heißt nicht, sich zu ergeben,<br />
er führt in den Widerstand. Das Gefühl der<br />
Niederlage ist nicht von Dauer.<br />
Der faschistische Sieg ... Ich erinnere<br />
mich daran, dass man einst von den<br />
„zwei Spanien“ sprach. Ist diese<br />
Unterteilung noch gültig,oder besser<br />
gefragt: Wie viele Spanien gibt es<br />
heute?<br />
Ja, die „zwei Spanien“ in den Versen<br />
Antonio Machados … Das Spanien der<br />
„Zweiten Republik“ wider das Spanien des<br />
faschistischen Militärputsches. Das eine<br />
meint die Niederlage, das andere führte in<br />
eine der längsten und infamsten Diktaturen<br />
unserer Zeit. Einige Geschichtswissenschaftler<br />
– u.a. der Historiker Paul Preston –<br />
sprechen von einem „Dritten Spanien“.<br />
Jene, die sich auf keiner der beiden Seiten<br />
sahen: Madriaga, Besteiro, selbst Ortega y<br />
Gasset ... Aber das hat nicht dazu geführt,<br />
dass diese Unterscheidung keine Gültigkeit<br />
mehr hätte. Es gibt diese „Zwei Spanien“<br />
nach wie vor. Die Rechte hat sich nie vom<br />
Franco-Regime losgesagt.<br />
Wie wichtig ist Ihnen das<br />
„historische Gedächtnis“?<br />
Äußerst wichtig. In Spanien war das<br />
Interesse gering, die Vergangenheit<br />
aufzuarbeiten. Weder in den Jahren der<br />
Transición noch danach, in der Zeit<br />
sozialistischer Regierungen. Zu Beginn<br />
des 21. Jhs. entstanden jedoch Initiativen,<br />
Politik des Erinnerns. Da ist diese eigentümliche<br />
Angst vor dem Vergangenen und<br />
der historischen Wahrheit …<br />
Ihr Buch ist reine Poesie. Jene<br />
Gabe in Worten, die nicht sagen und<br />
erklären, sondern das Schweigen<br />
benennen und das Verborgene in den<br />
Widersprüchlichkeiten des Menschen<br />
berühren kann. Weshalb diese dichte<br />
Form?<br />
Das Lyrische ist einer der Wesenszüge meiner<br />
Romane. Es gibt wenig Beschreibendes.<br />
Insofern könnten sie auch Langgedichte<br />
sein. Vor vielen Jahren habe ich auch Gedichtbände<br />
veröffentlicht. Irgendwann<br />
war damit Schluss. Dennoch glaube ich,<br />
dass ich etwas Wesentliches aus jener Zeit<br />
beibehalten konnte, einen besonderen<br />
Rhythmus, diese eigene Musik, die auf allen<br />
Seiten, die ich schreibe, zu vernehmen ist.<br />
Sind Sie der Lyriker, der<br />
Erzählungen schreibt, oder der<br />
Erzähler, der Lyrik schafft?<br />
Am liebsten werde ich als Romancier<br />
bezeichnet.<br />
© Bahe Books<br />
Buchtipp:<br />
Alfons Cervera:<br />
Die Farben der Angst<br />
Bahoe Books Verlag,<br />
200 S., € 20,60<br />
Das Vergessen<br />
ist grausam.<br />
Bücher seit 1639<br />
Alfons<br />
Cervera<br />
Gegen das<br />
Vergessen und<br />
für die historischen<br />
Erinnerung!<br />
Von Erich Hackl<br />
übersetzt, von<br />
José F.A. Oliver<br />
auf Spanisch befragt<br />
und ins Deutsche<br />
übertragen.<br />
25<br />
die um ein „historisches Gedächtnis“<br />
kämpften und mehr über die dunkle Vergangenheit<br />
der Diktatur und der Transición<br />
erfahren wollten. Ihr großes Anliegen ist<br />
die Exhumierung von über 100 000 Ermordeten,<br />
die in Massengräbern verscharrt<br />
sind. Ich spreche allerdings lieber von einem<br />
„demokratischen und antifaschistischen<br />
Gedächtnis“, weil die Rechte in Spanien<br />
immer faschistisch gewesen ist. Durch und<br />
durch antidemokratisch.<br />
Die „Vergessenen des Bürgerkrieges“<br />
– wer sind sie?<br />
Nach dem Krieg zwangen die Sieger den<br />
Menschen ihre Logik auf. Eine Logik, mit<br />
der sie schon 1936 geputscht hatten: die<br />
Vernichtung derjenigen, die nicht so dachten<br />
wie sie. Diese Logik wurde auch nach<br />
1939 aufs Infamste umgesetzt. Die körperliche<br />
Auslöschung und die brutale Verfolgung<br />
anderer Ideen. Alles, was mit der<br />
„Zweiten Republik“ zusammenhing, sollte<br />
aus der Geschichte und der Erinnerung<br />
getilgt werden. Das war vierzig Jahre lang<br />
ihre Logik. Das Vergessen ist grausam. Als<br />
hätte etwas niemals existiert. Leider findet<br />
man im heutigen Spanien keine wirkliche<br />
Ich habe Sie auf Deutsch<br />
gelesen – eine Gala-Übersetzung.<br />
Erzählen Sie uns ein wenig von der<br />
Zusammenarbeit mit Erich Hackl …<br />
Zwischen dem Autor und seinem Übersetzer<br />
ist eine Komplizenschaft unumgänglich.<br />
Erich Hackl hatte bisweilen Fragen zu<br />
meinem Sprachstil, aber auch zu Traditionen<br />
und dem Brauchtum der Orte, an<br />
denen die Handlung spielt. Für mich ist<br />
es ein phantastisches Geschenk, auf einen<br />
Übersetzer wie Erich Hackl zählen zu<br />
dürfen, der außerdem einer meiner besten<br />
Freunde ist …<br />
Alfons Cervera, geboren 1947 in Gestalgar (Valencia),<br />
ist Autor von mehr als 20 Werken auf Spanisch<br />
und auch auf Katalanisch. Ein wichtiger Teil seiner<br />
erzählerischen Arbeit ist mit dem historischen Gedächtnis<br />
verbunden. Mehrere seiner Bücher wurden<br />
in andere Sprachen übersetzt, vor allem ins Franzosische,<br />
wo einige von ihnen Teil des literarischen<br />
Kanons in den Schulen sind. Zuletzt erschienen: La<br />
noche en que los Beatles llegaron a Barcelona (2018).<br />
Buchpräsentation:<br />
Alfons Cervera & Erich Hackl,<br />
geplant für Fr., 16. April 2021,<br />
auf Grund der aktuellen Unplanbarkeit<br />
leider abgesagt!
© Wikipedia<br />
Das Landestheater<br />
auf dem Weg nach Portugal<br />
Eine Sprache – viele Länder, große Literatur<br />
Wir lieben<br />
niemals<br />
irgendjemanden.<br />
Wir lieben<br />
ganz allein<br />
die Vorstellung,<br />
die wir uns von<br />
jemandem<br />
machen.<br />
An die 250 Millionen Menschen sprechen<br />
Portugiesisch. Leider wird in Leipzig heuer<br />
nicht portugiesisch gesprochen, denn die<br />
Leipziger Buchmesse wird auch 2021 abgesagt.<br />
Schade für das diesjährige Gastland<br />
Portugal, denn es gibt literarisch viel zu<br />
entdecken. Trotzdem sind aus diesem Anlass<br />
viele Autor*innen ins Deutsche übertragen<br />
worden.<br />
Bis Mai 2021 werden mehr als 50 Titel<br />
in deutscher Sprache in 26 Verlagen erscheinen.<br />
Dazu zählen Übersetzungen von<br />
portugiesischen Autor*innen, aber auch<br />
aus portugiesischsprachigen Ländern wie<br />
Angola (Ondjaki), Guinea-Bissau, Kap<br />
Verde (Germano de Almeida) oder<br />
Mosambik (Mia Couto).<br />
Bekannte Namen wie Fernando Pessoa<br />
und José Saramago sowie jüngere Autor*innen<br />
wie Patrícia Portela, José Luís<br />
Peixoto und Margarida Vale de Gato, Rui<br />
Zink, Paulo Teixeira oder Valter Hugo Mãe<br />
kann man (wieder)entdecken. Mit Isabela<br />
Figueiredo oder Dulce Maria Cardoso sind<br />
auch zwei Autorinnen nun übersetzt, die<br />
sich literarisch-kritisch mit Migration<br />
und Kolonisation auseinandersetzen.<br />
Zu den jüngsten Stimmen zählt der<br />
30-jährige Afonso Reis Cabral, der bereits<br />
mit 15 Jahren seinen ersten Gedichtband<br />
veröffentlichte und 2019 mit dem José-<br />
Saramago-Literaturpreis ausgezeichnet<br />
wurde. Im März 2021 erscheint sein Roman<br />
Buchtipps:<br />
Fernando Pessoa:<br />
Mein Lissabon /Was der<br />
Reisende sehen sollte<br />
Fischer Verlag, 93 S., € 10,90<br />
Aber wir lieben dich im Hanser-Verlag.<br />
Er basiert auf der wahren Geschichte der<br />
Ermordung einer Transsexuellen.<br />
Von José Luis Peixoto, ebenfalls<br />
Saramago-Literaturpreisträger, erscheint<br />
im Septime-Verlag der dritte Roman auf<br />
Deutsch. Galveias spielt im gleichnamigen<br />
Dorf, an dessen Rande nachts ein geheimnisvoller<br />
Himmelskörper einschlägt.<br />
Auch Lyrik gehört ins Gastland-<br />
Programm: Die 1973 geborene portugiesische<br />
Dozentin Margarida Vale de Gato<br />
leiht in ihrem Gedichtband Die nicht<br />
reklamierten Reste. Lyrisches Handbuch<br />
des Übersetzens beim Hochroth-Verlag<br />
berühmten Schriftstellerinnen wie Emily<br />
Dickinson oder Romanfiguren wie Anna<br />
Karenina eine Stimme.<br />
Wenn man über portugiesische Literatur<br />
spricht, darf man auch einen großen Italiener<br />
nicht vergessen: Antonio Tabucchi hat<br />
mit seinem Roman Erklärt Pereira – der<br />
im Lissabon der frühen Salazar-Diktatur<br />
spielt – Weltliteratur geschrieben. Übrigens<br />
1995 auch ganz hervorragend von Roberto<br />
Faenza verfilmt, mit dem großartigen Marcello<br />
Mastroianni in seiner letzten großen<br />
Rolle.<br />
An diesem Abend lesen Mitglieder des<br />
Schauspielensembles des Tiroler Landestheaters<br />
ausgewählte Texte portugiesischsprachiger<br />
Autor*innen. Auch Tabucchi,<br />
der sein Lisabonner Requiem auf Portugiesisch<br />
verfasst hat, wird zu hören sein.<br />
José Saramago:<br />
Die portugiesische Reise<br />
Atlantik Verlag,<br />
575 S., € 18,10<br />
Isabela Figueiredo:<br />
Die Dicke<br />
Weidle Taschenbuch,<br />
280 S., € 24,70<br />
Antreten wird die junge Riege des TLT,<br />
und zwar: Christina Constanze Polzer,<br />
Phillip Henry Brehl und Florian Granzner.<br />
Konzept & Moderation: Christina<br />
Alexandridis & Robert Renk.<br />
Veranstaltungstipp:<br />
Landestheater liest<br />
Das TLT auf dem Weg<br />
nach Portugal<br />
Mit Texten portugiesischer<br />
Autor*innen<br />
Es lesen: Christina Constanze<br />
Polzer, Phillip Henry Brehl und<br />
Florian Granzner.<br />
Konzept & Moderation:<br />
Christina Alexandridis &<br />
Robert Renk<br />
Mo, 31. Mai 2021 um 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung,<br />
Eintritt: freiwillige Spenden<br />
Nähere Informationen zu<br />
den aktuellen Covidmaßnahmen<br />
finden sie auf:<br />
www.wagnersche.at/<br />
veranstaltungen/covid19<br />
José Luís Peixoto:<br />
Galveias<br />
Septime Verlag,<br />
312 S., € 24,60
© Oliver Wolf<br />
Ihr neuer Roman trägt den Titel<br />
Der zweite Jakob. Gibt es in Ihrem<br />
schriftstellerischen Leben auch einen<br />
anderen Jakob?<br />
Ich habe vor Kurzem erst das mögliche<br />
Gewicht des ersten Satzes meines ersten<br />
Buches Einer richtig begriffen: „Jetzt<br />
kommen sie und holen Jakob.“ Für einen<br />
„Sonderling“ in einem Dorf ist das in den<br />
falschen Zeiten ein gefährlicher Satz gewesen.<br />
Zudem könnte es der Titel meiner<br />
Biografie sein, weil man mich als Kind nach<br />
meinem ein bisschen verhaltensauffälligen<br />
Onkel den zweiten Jakob genannt hat. Das<br />
ist auch der Grund, warum die Hauptfigur<br />
in Einer so heißt.<br />
Was das Schlimmste sei, das er in<br />
seinem Leben jemals getan habe –<br />
diese Frage bekommt die Hauptfigur,<br />
Schauspieler Jakob Thurner, eines<br />
Tages von seiner Tochter Luzie<br />
gestellt. Was hat Sie daran gereizt,<br />
dieser Frage schriftstellerisch auf den<br />
Grund zu gehen?<br />
Es ist eine der drei Möglichkeiten, sich<br />
einer Biografie anzunähern, die in dem<br />
Roman vorgeführt werden. Die erste<br />
Möglichkeit ist die Methode eines Biografen,<br />
nämlich stur Daten zu erfassen.<br />
Die zweite ist eine kathartische: Ich erzähle<br />
von einer schweren Krankheitsdiagnose<br />
und der letzten Liebe dieses Schauspielers.<br />
Und bei der dritten Möglichkeit geht es<br />
darum, nach Schuld und Scham zu fragen.<br />
Jakob erinnert sich an einen Filmdreh<br />
an der mexikanisch-amerikanischen<br />
Grenze. Dort gab es Morde an<br />
Frauen. Waren Sie selbst in diesem<br />
Gebiet bzw. wie relevant ist es für<br />
eine literarische Erzählung, ob man<br />
den Ort von dem man schreibt,<br />
tatsächlich kennt?<br />
Ich bin für diesen Roman die ganze amerikanisch-mexikanische<br />
Grenze abgefahren,<br />
einmal von El Paso nach Houston, dann<br />
von El Paso nach San Diego. In El Paso<br />
spielt einer der beiden Stränge des Romans,<br />
und es war wichtig für mich, einen atmo-<br />
Was den Geburtstag betrifft, lasse ich<br />
mich in der wirklichen Welt nicht beeindrucken.<br />
Dafür ist mein Protagonist umso<br />
mehr davon beeindruckt und versucht<br />
davor davonzulaufen. Aber es gibt kein<br />
Entkommen. Denn am Ende wird er nach<br />
Tirol zurückgeholt und mit einer Statue<br />
beglückt, die allerdings asiatische Gesichtszüge<br />
trägt, weil sie in China gefertigt<br />
worden ist.<br />
Die beiden Romane Als ich jung war<br />
(2019) und ihr aktueller Roman<br />
Der zweite Jakob sind rasch hintereinander<br />
erschienen. Was steht<br />
als nächstes auf Ihrem literarischen<br />
Programm?<br />
Ich habe gerade einen merkwürdigen<br />
Charakter für einen Roman zu beobachten<br />
begonnen, wahrscheinlich nur eine Nebenfigur.<br />
Er soll Norbert heißen, ist Architekt,<br />
wohlbestallt, mit Frau, zwei Kindern und<br />
einer großen Villa, aber jeden Abend setzt<br />
er sich für Stunden in einen auf dem Gelände<br />
abgestellten Wohnwagen, um sich<br />
dort in langen Anrufen von seiner Geliebten<br />
beschimpfen zu lassen.<br />
Norbert<br />
Gstrein<br />
Norbert Gstrein, 1961 in Tirol geboren, lebt in<br />
Hamburg. Er erhielt u.a. den Alfred-Döblin-Preis,<br />
2019 den Österreichischen sowie 2021 den Düsseldorfer<br />
Literaturpreis. Bei Hanser erschienen u.a.<br />
Die kommenden Jahre (Roman, 2018), Als ich jung<br />
war (Roman, 2019) sowie zuletzt Der zweite Jakob<br />
(Roman, 2021).<br />
Es geht<br />
darum,<br />
nach Schuld<br />
und Scham<br />
zu fragen.<br />
Bücher seit 1639<br />
Norbert Gstrein<br />
im Gespräch<br />
über seinen mitreißenden<br />
Roman<br />
Der zweite Jakob<br />
Ein Interview von<br />
Gerlinde Tamerl<br />
29<br />
sphärischen Eindruck von der Leere und<br />
Verlorenheit des texanischen Grenzlandes<br />
zu bekommen, in das ich dann ohne Angst<br />
meine Figuren hineingesetzt habe.<br />
Der Literaturkritiker Christoph<br />
Schröder schreibt über Ihren Roman:<br />
„In den Texas-Passagen beschwört<br />
Gstrein eine Stimmung herauf, wie<br />
man sie aus den Filmen David Lynchs<br />
kennt.“ Wie stehen Sie zu dieser<br />
Einschätzung?<br />
Man kann an David Lynch denken,<br />
aber auch an die Coen-Brüder oder an<br />
die Romane von Cormac McCarthy.<br />
Ich glaube, die texanischen Passagen in<br />
meinem Roman bekommen nicht nur wegen<br />
der fortwährenden Sandstürme in dem<br />
Ödland etwas Halluzinatorisches, sondern<br />
auch, weil sie durch all die literarischen und<br />
filmischen Referenzen etwas Schillerndes<br />
haben.<br />
Ihre Hauptfigur Jakob Thurner ist<br />
ein berühmter Schauspieler aus Tirol.<br />
Er steht unmittelbar vor seinem<br />
60. Geburtstag. Es scheint<br />
biografische Parallelen zu geben.<br />
Buchtipp:<br />
Norbert Gstrein:<br />
Der zweite Jakob<br />
Hanser Verlag, 448 S., € 25,70<br />
Buchpräsentation:<br />
Norbert Gstrein liest aus<br />
Der zweite Jakob<br />
Moderation: Stefan Gmünder<br />
(Der Standard)<br />
Do., 6. Mai 2021, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung<br />
Eintritt: € 9,00/ 7,00 mit<br />
Wagner- oder Ö1-Card<br />
Nähere Informationen zu<br />
den aktuellen Covidmaßnahmen<br />
finden sie auf:<br />
www.wagnersche.at/<br />
veranstaltungen/covid19
das licht /der wald:<br />
ein torkelnder / träumer<br />
Das 6. Lyrikfestival W:ORTE musste von 2020 auf 2021<br />
verschoben werden. Mit dabei: Barbara Hundegger.<br />
Über ihr aktuelles Buch hat sie José F. A. Oliver befragt.<br />
© Fotowerk Aichner<br />
Buchtipp:<br />
Barbara Hundegger:<br />
[anich.atmosphären.atlas]<br />
Haymon Verlag,<br />
208 S., € 20,50<br />
Lyrik bezieht<br />
wie keine<br />
andere Gattung<br />
das Ungesagte<br />
mit ein.<br />
Bücher seit 1639<br />
Es gibt immer wieder literarische<br />
Vermessungen der Welt(en).<br />
Warum Peter Anich? Weil er<br />
ein verletztes Reh war?<br />
Im Rahmen eines Auftrags hatte ich mich<br />
erstmals seit der Schulzeit wieder mit Anich<br />
befasst – und sofort eine Nähe gespürt, und<br />
dass etwas an dieser Lebens- u. Arbeitsgeschichte<br />
mich zutiefst berührt, neben dem<br />
ungeheuren Eindruck, den Anichs Leistungen<br />
auf mich gemacht hatten. Denn diese<br />
sind unter immensen Schwierigkeiten (auch<br />
gesundheitlichen) zustande gekommen –<br />
und das geht in der in Tirol üblichen Anich-<br />
Erzählung vom kleinen Bauern, dessen sich<br />
ein Förderer erbarmt und ihn zu Höchstleistungen<br />
bringt, sowie dem Betonen von<br />
Anichs Gläubigkeit und Bescheidenheit<br />
unter. Diese Zuschreibung zählt ja zum<br />
Instrumentarium bewährter Herrschaftstechniken<br />
gegen die unteren Klassen. Aus<br />
kleinsten Verhältnissen stammend, wird<br />
Anich aufgerieben zwischen familiären<br />
Pflichten und seinen Fähigkeiten. Vor allem<br />
für diese Bruchstellen hab’ ich mich interessiert:<br />
wie äußere und innere Zerrissenheiten<br />
auch den Körper zerreißen.<br />
Du schreibst: „die quellenlage: karg“<br />
– wie gestaltete sich die Recherche zu<br />
diesem Buch?<br />
Ich habe alles Verfügbare gelesen, war<br />
mehrmals im Anich-Museum in Oberperfuss<br />
(woher Anich stammt), im Zeughaus<br />
(wo manche der Anich-Meisterstücke zu<br />
sehen sind), im Tiroler Landesarchiv, in<br />
der Bayerischen Staatsbibliothek usw.<br />
Aber rasend viel gibt es zu Anich nicht –<br />
wie eben so oft beim Leben der kleinen<br />
Leut’.<br />
31<br />
Meine Lieblingsverse: „und wie<br />
oft du dich das / fragst: wartet<br />
da draußen / deine zukunft oder<br />
deine / vergangenheit auf dich“ –<br />
Ist Anich in seiner aufbäumenden<br />
Not eine Heute-Metapher?<br />
Das ist zunächst einfach eine astronomische<br />
(Anichs Lieblingsgebiet) Metapher: was wir<br />
von den Sternen sehen ist ja quasi mehrere<br />
Zeiten zugleich. Es ist aber auch ein Bild<br />
für: Wirst du werden, was du warst oder<br />
was du sein könntest? Es wird ja immer<br />
so getan, als ob alle begeistert wären,<br />
wenn man das angestammte Soziotop<br />
überschreitet, aber niemand benennt die<br />
Verletzungen, wenn man die eigenen Leute<br />
durch Aufstieg verlässt: die haben keine<br />
Freude, wenn du gehst, Aufstieg ist auch<br />
immer ein Verrat.<br />
Es paaren sich untergegangene<br />
Wörter mit BAHU-Wort-<br />
Neuschöpfungen – hinzu<br />
geschwistert sich ein atemloses<br />
Getriebenw:erden der Textsammlung.<br />
Wann entscheidest du Form und<br />
Rhythmus deiner Gedichte?<br />
In erster Linie entscheidet das mein<br />
Gegenstand. In der Lyrik müssen ja alle<br />
Bezüglichkeiten eines Wortes berücksichtigt<br />
werden, dabei zählt es nicht, was<br />
ich meine, sondern was die Sprache meint<br />
und in ihr da ist. Und „in der Sprache ist“,<br />
wie es Inger Christensen gesagt hat, „alles<br />
schon da“. Lyrik bezieht wie keine andere<br />
Gattung das Ungesagte mit ein – aber nicht<br />
als Aufforderung, „zwischen den Zeilen<br />
zu lesen“, sondern in ihnen. Wenn in den<br />
Zeilen eines Gedichtes nichts von Belang<br />
steht, steht auch im leeren Raum um es<br />
herum nichts.<br />
Das Holz, die Lieb- und Leib-<br />
Architekturen, der Verlust, die<br />
Obrigkeitsfäulnis, die Fragen –<br />
die Verse bilden auch ein großes<br />
Tirol-Poem (ab). Wie viel „Tyrol“-<br />
Wissen ist notwendig, um dieses<br />
tragische Epos zu (be)greifen?<br />
Hoffentlich gar keines – man kennt halt<br />
die Örtlichkeiten und ihren Klang. Der<br />
übrigens so lang schon auch italienisch ist!<br />
Die verhandelten Themen sind aber quasi<br />
global. Ich mag „voraussetzungsloses“<br />
Lesen in dem Sinn, dass ich entscheiden<br />
kann, ob ich zusätzlich Infos einhole oder<br />
es mit dem bewenden lasse, was da steht −<br />
und es trotzdem verstehe. In dem, was<br />
oft vorausgesetzt wird, steckt latent die<br />
Abwertung derer, die ein gewisses Wissen<br />
nicht haben, weil sie z.B. nicht mit Klassik,<br />
sondern mit Peter-Alexander-Show und<br />
Bravo-Postern aufgewachsen sind.<br />
Der Lyrikband ist ein kämpferischer!<br />
Ist es schade, dass es Wendungen wie<br />
den „goldenen Gnadenpfennig“ als<br />
Redensart nicht mehr gibt? Und wie<br />
benennen sich soziale Almosen heute?<br />
Für mich: nicht schade. Sprache ist ein<br />
dynamisches Medium und lebt von ihrer<br />
Veränderung und der Aneignung durch die<br />
jeweilige Generation − gerade aus Frauensicht<br />
positiv. Denn der Verlust des „Fräuleins“<br />
schmerzt vor allem ältere Herren.<br />
Und auch dem „Gnadenpfennig“ wird eher<br />
nachtrauern, wer ihn vergeben, aber nicht,<br />
wer ihn empfangen hat. Soziale Almosen<br />
sollte es gar nicht geben müssen.<br />
Barbara Hundegger, Barbara Hundegger lebt als<br />
freie Schriftstellerin in Innsbruck. Mehrere Jahre<br />
Studium der Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaft<br />
in Innsbruck und Wien; langjähriges<br />
Engagement in der autonomen Frauenbewegung;<br />
Lektorin am Institut für Sprachkunst/Universität für<br />
Angewandte Kunst/Wien. Zahlreiche Veröffentlichungen,<br />
u.a. die Gedichtbände wie ein mensch der<br />
umdreht geht. dantes läuterungen reloaded. (2014).<br />
2018 ist Hundeggers Innsbrucker Poetik-Vorlesung<br />
dein wörterkopfball kämpft mit wind erschienen. 2020<br />
erhielt sie mit dem Tiroler Landespreis für Kunst die<br />
höchste Kulturauszeichnung des Landes.<br />
Veranstaltungstipp:<br />
W:ORTE – 6. Lyrikfestival:<br />
Mit Monika Rinck &<br />
Barbara Hundegger<br />
Moderation: José F.A. Oliver<br />
Fr., 21. Mai 2021, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung<br />
Eintritt: freiwillige Spenden<br />
Platzkarten an der Kassa<br />
der Wagner’schen<br />
Bitte beachten Sie die Hinweise<br />
auf der Homepage:<br />
lyrikfestival.wordpress.com
W:ORTE – 6. Lyrikfestival<br />
Ob mit Livepublikum oder ohne, das größte Lyrikfestival<br />
Westösterreichs wird stattfinden! Näheres finden sie auf<br />
unserer Website: lyrikfestival.wordpress.com<br />
Programm:<br />
Di, 11. Mai 2021 um 19:30 Uhr<br />
Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5<br />
VORW:ORTE: Erika Wimmer (A)<br />
präsentiert ihren neuen Lyrikband<br />
Di, 18. Mai 2021 um 19:30 Uhr<br />
Stadtbibliothek Innsbruck, Amraserstraße 2<br />
ERÖFFNUNGSW:ORTE:<br />
Stephen J. Fowler (GB)<br />
Robert Prosser (A)<br />
Yasmin (Yasmo) Hafedh (A)<br />
Doris (Mieze Medusa) Mitterbacher (A)<br />
Do., 20. Mai 2021 um 19:30 Uhr<br />
Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5<br />
Alexandru Bulucz (RUM/D)<br />
Eva Maria Leuenberger (CH)<br />
Undine Materni (D)<br />
Mati Shemoelof (ISR/D)<br />
Moderation: Siljarosa Schletterer /<br />
Anna Rottensteiner<br />
Fr., 21. Mai 2021 um 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung,<br />
Museumstraße 4<br />
Lange Nacht der W:ORTE<br />
Monika Rinck (D)<br />
Barbara Hundegger (A)<br />
Moderation: José F. A. Oliver<br />
Sa., 22. Mai 2021 um 19:30 Uhr<br />
Literaturhaus am Inn, Josef-Hirn-Straße 5<br />
LIMBUS-ABEND<br />
Isabella Feimer & Manfred Poor (A)<br />
Timo Brandt (D/A)<br />
Jana Volkmann (D/A)<br />
Moderation: Siljarosa Schletterer /<br />
Anna Rottensteiner<br />
Di., 25. Mai 2021 um 19:30 Uhr<br />
Villa Schindler, Telfs<br />
Mikael Vogel (D)<br />
Raoul Schrott (A)<br />
Fransen-Musik (Hannes Sprenger /<br />
Klex Wolf)<br />
Moderation: José F.A. Oliver<br />
Mi., 26. Mai 2021 um 19:30 Uhr<br />
Raiffaisensaal, Imst<br />
Mikael Vogel (D)<br />
Raoul Schrott (A)<br />
Fransen-Musik<br />
(Hannes Sprenger / Klex Wolf)<br />
Moderation: José F.A. Oliver<br />
ABSCHLUSS Samstag,<br />
12. Juni um 20 Uhr<br />
Studio 3 – ORF<br />
klang_sprachen<br />
Anja Utler mit dem Tiroler Kammerorchester<br />
InnStrumenti unter der Leitung<br />
von Gerhard Sammer<br />
Maria Gstättner (*1977): sybille (UA)*<br />
Alexandra Karastoyanova-Hermentin<br />
(*1968): UA<br />
Chris Norz (*1987): brinnen (UA), mit<br />
Low Potion: Anna Widauer, Gesang /<br />
Chris Norz, Perkussion & Elektronik<br />
Andreas Trenkwalder (*1986):<br />
marsyas (UA)<br />
Klex Wolf (*1968): daphne (UA)<br />
Konzeption: Klex Wolf<br />
Moderation: Martin Sailer & Patrizia Jilg<br />
Genaues Programm zu sehen unter:<br />
Lyrikfestival.wordpress.com<br />
www.wagnersche.at<br />
www.literaturhaus-am-inn.at<br />
www.literaturtirol.at<br />
Dort, „wo Artikulation als<br />
physisch-expressiver Vorgang<br />
beginnt“, setzt Anja Utler in<br />
ihrem Gedichtband an. Ganz<br />
dem Augenblick verpflichtet,<br />
rühren die Texte an jenem<br />
Grund, wo das Sprechen<br />
beginnt, wo das Fühlen, das<br />
Denken sich sammelt und<br />
körperlich umschlägt. Dann<br />
wieder schreibt sie mythischen<br />
Figuren nach, Daphne z. B.,<br />
oder Sibylle. Daphne, die in<br />
einen giftigen Busch verwandelt<br />
wird, um ihrem „Stalker“ zu<br />
entgehen, meint noch: iss!<br />
Hintergründiger Humor auch<br />
noch, wie wunderbar! Robert Renk<br />
Anja Utler:<br />
münden – entzüngeln<br />
Edition Korrespondenze,<br />
96 S., € 17,40<br />
Man denke sich eine Dichterin,<br />
die Vers-Antworten an einen<br />
Künstler schreibt, der Bilder<br />
über einen Dichter zu Papier<br />
bringt. Was dabei passieren<br />
kann, sind sinnlich augengenaue<br />
Verse und eine Adhoc-<br />
Vernarrung ins lyrische Ich.<br />
Gemeinsam tastet man sich<br />
ab am höllisch Schönen, am<br />
Frausein oder den Schriftarten<br />
in Körper und Herz.<br />
Siljarosa Schletterer<br />
Erika Wimmer Mazohl:<br />
Das zweite Gesicht. Gedichte zu<br />
Dante-Miniaturen von Markus Vallazza<br />
Limbus Verlag, 120 S., € 20,60<br />
Einfach großartig, wenn<br />
Lektüre sprachlos macht und<br />
genau deshalb Worte schenkt,<br />
die trösten. Ein fulminantes Requiem<br />
wider jeglichen Gedächtnisverlust,<br />
mit poetischer Wucht<br />
vollbracht. Ich Tier, du Mensch!<br />
Ich Mensch, du Tier! Zärtlich<br />
schier. Im Tonfall radikalen Benennens.<br />
Ein Trance-Sound, um<br />
aus dem Unsäglichen W:orte zu<br />
schöpfen, die immer auch uns<br />
meinen; die wir letzten Endes<br />
immer sind – Zerstörer*innen.<br />
Ein aufrüttelndes Geschichtskompendium<br />
in Versen, die<br />
Wegmarken des<br />
Erinnerns setzen. José F.A. Oliver<br />
Mikael Vogel:<br />
Dodos auf der Flucht<br />
Verlagshaus Berlin, 252 S., € 18,40<br />
Gedichte aus allen bisher von<br />
ihr erschienenen Lyrikbänden,<br />
Essays und Kurzprosa vereint<br />
dieser starke Band, den die<br />
Autorin zusammen mit ihrer<br />
Verlegerin Daniela Seel für<br />
S. Fischer zusammengestellt<br />
hat. Erstmals findet sich auch<br />
Rincks Münster’sche Poetikvorlesung<br />
aus dem Jahre 2015<br />
abgedruckt. Über 500 Seiten<br />
breiten sich funkelnd die Texte<br />
der „Monarchin einer neuen<br />
Lyrikaristokratie“ (Zitat: Christian<br />
Metz) aus. Eine Feier der<br />
Poesie! Robert Renk<br />
Monika Rinck:<br />
Champagner für die Pferde<br />
S. Fischer Verlag, 528 S., € 25,30<br />
© Wolfgang Lackner<br />
W:ORTE, das Innsbrucker Lyrikfestival,<br />
wird SECHSEINHALB. Kaum zu glauben,<br />
wenn man bedenkt, wie schwer die Geburt<br />
war. Inzwischen hat sich das Festival zu<br />
einer der wichtigsten Adressen im deutschsprachigen<br />
Raum gemausert. Zudem ist das<br />
Innsbrucker Lyrikfestival auch das einzige<br />
mit eigenem Kammerorchester! Denn<br />
natürlich wird auch heuer die wunderbare<br />
Zusammenarbeit mit dem Tiroler Kammerorchester<br />
InnStrumenti fortgesetzt, wenn<br />
am Samstag, dem 12. Juni, die Lyrikerin<br />
Anja Utler im ORF-Studio 3 mit im<br />
Orchestergraben steht und ihre Gedichte –<br />
teils mit Kompositionsauftragswerken<br />
vertont – mit im Mittelpunkt des Abends<br />
stehen. Die diesjährige Ausgabe ist vom<br />
Pandemiejahr gezeichnet und steht im Zeichen<br />
des Digital Turns. Gerade die Pande-<br />
miesituation hat uns gezeigt, wie<br />
sehr Lesungen und Festivals feste Bestandteile<br />
und Ankerpunkte für eine Kulturlandschaft<br />
sind. Deshalb wird es W:ORTE 6<br />
in jedem Fall geben, am liebsten mit<br />
Publikum, zur Not rein virtuell. Näheres<br />
finden sie auf unserer Webseite:<br />
lyrikfestival.wordpress.com<br />
32<br />
Wagner’sche.<br />
Anne Carson, Emily Dickinson,<br />
aber auch Frau Elling<br />
und Herr Tollund, die beiden<br />
Moorleichen aus Dänemark,<br />
sind Bezugskoordinaten in<br />
Eva Maria Leuenbergers<br />
bildstarkem Debüt-Gedichtband,<br />
für den sie mit dem<br />
bedeutenden Basler Lyrikpreis<br />
ausgezeichnet wurde. Naturlyrik<br />
wird ins 20. Jahrhundert<br />
geholt und erzählt durch die<br />
poetische Verbindung und<br />
Variation von Motiven und<br />
Themen Geschichten, in denen<br />
Körperlichkeit, Sprache und<br />
die ewige Bewegung der Natur<br />
eine eigene Zeit erfinden.<br />
Anna Rottensteiner<br />
Eva Maria Leuenberger:<br />
dekarnation<br />
Droschl Verlag, 88 S., € 19,00<br />
Wenn das kein Showdown<br />
ist, was kommt dann noch?<br />
Dieser Band ist ein lyrisches<br />
Kassettentape samt Remixes.<br />
Und dabei macht er keinen<br />
Unterschied zwischen Snoopy,<br />
Rainer Maria Rilke oder<br />
Songtexten von Mary Chapin<br />
Carpenter. Hier hat alles Platz,<br />
was in Buchstaben zu fassen ist.<br />
Eloquent und stilsicher kleidet<br />
Timo Brandt jedes Gedicht im<br />
richtigen Duktus ein. Nur eines<br />
bleibt von Anfang an gleich:<br />
„Du // stehst hier drin.“<br />
Silijarosa Schletterer<br />
Timo Brandt:<br />
Das Gegenteil von Showdown<br />
Limbus Verlag, 96 S., € 15,00<br />
Eine Dichterin, ein Fotograf,<br />
ein gemeinsamer Roadtrip<br />
durch die USA, Mexiko und<br />
Kanada. Liebe zur Literatur<br />
der Beatniks und zur Kunst von<br />
Georgia O’Keefe, Frida Kahlo,<br />
Andy Warhol. Weitwinkelaufnahmen<br />
von Landschaften,<br />
Close-ups von organischem<br />
und anorganischem Leben in<br />
kongenialer Verbindung mit<br />
einer poetischen, intensiven<br />
Sprache, die sich Begegnungen,<br />
Momentaufnahmen, Ansätzen<br />
von Erzählungen über<br />
die „Festung Amerika“ öffnet:<br />
ein Gesamtkunstwerk, in dem<br />
sich Bild und Text auf äußerst<br />
kunstvolle Weise durchdringen.<br />
Anna Rottensteiner<br />
Isabel Feimer/Manfred Poor:<br />
American apocalypse<br />
Limbus Verlag, 176 S., € 18,60<br />
Gedichte, die neue Sinne zum<br />
Leuchten bringen. Ultrapoetische<br />
Fluoreszenzen. Wie<br />
in der Natur manche Tiere,<br />
Kolibris oder, erst kürzlich<br />
observiert, das Schnabeltier<br />
Ultraviolettstrahlung reflektieren<br />
– für Schönheit, deren Maß<br />
nicht Menschenaugen sind.<br />
Eine Poetik des Risses, Rands.<br />
Des Verlusts. Wissend, dass<br />
sein Maß nicht wir Zurückbleibenden<br />
sind. Und der Buchtitel<br />
eine Wortneuschöpfung,<br />
ohne die jeder Sprach-Notvorrat<br />
unvollständig bleibt. Für<br />
kommende W:ortlosigkeiten.<br />
Für die jetzigen. Mikael Vogel<br />
José F. A. Oliver:<br />
wundgewähr<br />
Matthes & Seitz Verlag,<br />
234 S., € 25,30
© Lillian Birnbaum<br />
Sie haben in Los Angeles Film am<br />
American Film Institute studiert,<br />
Dokumentarfilme gedreht, auf Ihrer<br />
Website steht aber schlicht: Peter<br />
Stephan Jungk, Schriftsteller.<br />
Das Filmstudium hat mir vor Augen geführt,<br />
dass Literatur, Film und Theater im<br />
Grunde Elemente einer Großfamilie sind,<br />
so unterschiedlich die Bereiche auch sein<br />
mögen. Insofern bewege ich mich also auch<br />
als Filmender auf literarischem, schriftstellerischem<br />
Terrain.<br />
2015 ist Ihr Buch über Ihre<br />
Großtante erschienen:<br />
Die Dunkelkammern der Edith<br />
Tudor-Hart. Im Jahr darauf<br />
der Dokumentarfilm Auf Ediths<br />
Spuren. Sind Buch und Film<br />
parallel entstanden?<br />
Zuerst war es allein das Buch, das für mich<br />
zählte: diese erstaunliche und bis dahin<br />
unbekannte Lebensgeschichte zu rekonstruieren.<br />
Für meine Recherchen musste ich<br />
größere Reisen und Aufenthalte finanzieren.<br />
Der Verlag, bei dem das Buch ursprünglich<br />
erscheinen sollte, unterstützte mich<br />
in keiner Weise. Meine Frau, die Filmproduzentin<br />
Lillian Birnbaum, die auch<br />
Fotografin ist, meinte, man müsste auch<br />
Ediths wunderbare Arbeiten kennenlernen<br />
und schlug mir vor, einen Dokumentarfilm<br />
über meine Großtante zu realisieren. Ich<br />
suchte beim zuständigen Ministerium um<br />
eine Projektentwicklung an, die bewilligt<br />
wurde. Während der Arbeit am Buch schob<br />
ich die damit verbundene Verpflichtung<br />
jedoch noch weit von mir. Erst nachdem<br />
das Buch abgeschlossen war, begann ich mit<br />
dem Script. Die ersten Dreharbeiten fanden<br />
in derselben Woche statt, in der das Buch<br />
schließlich bei S. Fischer – und nicht bei<br />
Zsolnay – erschien.<br />
Gibt es Dinge, die Sie im Buch<br />
nicht erzählen konnten, aber im<br />
Film zeigen?<br />
Ohne den Film wäre es nicht möglich,<br />
Ediths grandiose Fotografie so unmittelbar<br />
zu erleben. Und man könnte ihrem 100-jäh-<br />
ein Zugehörigkeitsgefühl entwickelt, wie ich<br />
es früher nicht kannte. Es sollte bereits 2020<br />
erscheinen, der Krise wegen verschob es<br />
der Verlag ins Frühjahr 2021. Und Warum<br />
ich beschloss, Peter Pakesch zu mögen (müry<br />
salzmann) geht dem bemerkenswerten<br />
Lebens- und Berufsweg eines langjährigen<br />
Freundes nach.<br />
Peter Stephan Jungk, geboren in Santa Monica,<br />
Kalifornien, ist Schriftsteller, Drehbuchautor,<br />
Dokumentarfilmer und Übersetzer. Er lebt mit<br />
seiner Frau, der Fotografin und Produzentin Lillian<br />
Birnbaum, in Paris.<br />
Peter Stephan<br />
Jungk<br />
Ich stelle mir<br />
die Bilder vor<br />
und schreibe sie<br />
anschließend<br />
nieder.<br />
Bücher seit 1639<br />
Über Literatur,<br />
Film, Edith<br />
Tudor-Hart und<br />
ein neues Zugehörigkeitsgefühl.<br />
Ein Gespräch<br />
mit Joe Rabl<br />
35<br />
rigen Bruder nicht bei seinen Ausweichmanövern<br />
zusehen – bis ans Ende seines<br />
Lebens leugnete er, seine Schwester habe<br />
auch nur das Geringste mit sowjetischer<br />
Geheimdienstarbeit zu tun gehabt. Der<br />
Film ist eine entscheidende Ergänzung zum<br />
Buch, beide gehören eng zusammen …<br />
Hat Ihre filmische Arbeit<br />
Einfluss auf Ihr Schreiben?<br />
Ich denke, in meinen bisherigen Büchern,<br />
nunmehr ist es ein rundes Dutzend, sieht<br />
man das Geschehen bildlich vor sich ablaufen,<br />
als sei es ein Film. Ich stelle mir die<br />
Bilder vor und schreibe sie anschließend<br />
nieder. Das gilt sowohl für die Romane als<br />
auch für die Biografien.<br />
Sie kommen Ende Mai mit<br />
gleich zwei druckfrischen Büchern<br />
nach Innsbruck …<br />
Marktgeflüster. Eine verborgene Heimat<br />
in Paris (S. Fischer) ist eine Art Autofiktion,<br />
die von meiner langjährigen Suche nach<br />
Zugehörigkeit erzählt. In den USA geboren,<br />
in Österreich aufgewachsen, später<br />
in verschiedenen Ländern beheimatet,<br />
habe ich erst auf dem Marché d’Aligre<br />
Buchtipp:<br />
Peter Stephan Jungk:<br />
Marktgeflüster /Eine verborgene<br />
Heimat in Paris<br />
S. Fischer Verlag,<br />
224 S., € 24,70<br />
Veranstaltungstipp:<br />
Peter Stephan Jungk<br />
moderiert die 43. Innsbrucker<br />
Wochenendgespräche<br />
vom 27. bis 29. Mai 2021.
43. Innsbrucker Wochenendgespräche:<br />
27. bis 29. Mai 2021<br />
www.himmel.co.at<br />
Das längstdienende Literaturfestival Tirols setzt seit seinem<br />
Beginn vor über 40 Jahren auf literarischeWerkstattgespräche!<br />
Auch<br />
Websites,<br />
Social Media<br />
und so.<br />
Do., 27. Mai, 20:15 Uhr<br />
Lesung: Peter Stephan Jungk, Thomas Ballhausen,<br />
Julya Rabinowich, Dimitré Dinev, Kurt Palm;<br />
Moderation: Birgit Holzner<br />
Fr., 28. Mai, ab 10 Uhr<br />
Gespräche im Haus der Musik, 5. Stock, Vorlesungssaal 05.07.11<br />
10.00 –12.00 Uhr: Clemens Aufderklamm,<br />
Händl Klaus, Kathrin Resetarits<br />
15.00 –17.00 Uhr: Thomas Ballhausen,<br />
Lorenz Langenegger, Herbert J. Wimmer<br />
Moderation: Peter Stephan Jungk<br />
Sa., 29. Mai, ab 10 Uhr<br />
Gespräche im Haus der Musik, 5. Stock, Vorlesungssaal 05.07.11<br />
10.00 –12.00 Uhr: Dimitré Dinev, Kurt Palm, Julya Rabinowich<br />
15.00 –17.00 Uhr: Gespräch mit allen Autorinnen und Autoren<br />
Moderation: Peter Stephan Jungk<br />
20.15 Uhr: ORF-Tirol-Studio 3, Rennweg 14<br />
Lesung: Clemens Aufderklamm, Händl Klaus, Kathrin Resetarits,<br />
Herbert J. Wimmer, Lorenz Langenegger; Moderation: Joe Rabl<br />
Mehr Infos unter:<br />
www.wochenendgespraeche.at<br />
Literatur und Film<br />
zwei Medien, die mit unterschiedlichen<br />
Mitteln dasselbe wollen: Geschichten<br />
erzählen. Geschichten, die unser Denken<br />
verändern, unseren Blick auf uns selbst<br />
und auf andere hinterfragen und erweitern.<br />
Aber was sind die formalen Mittel und Strategien<br />
von Film und/oder Literatur? Was<br />
ist ihnen gemeinsam und was unterscheidet<br />
sie? Wie beeinflussen sie sich gegenseitig?<br />
Und wie lassen sich Stilmittel des jeweils<br />
anderen Mediums für die eigene Arbeit<br />
nutzbar machen?<br />
Über diese und andere Wechselwirkungen<br />
von Literatur und Film diskutieren<br />
unter der Leitung des Autors<br />
und Regisseurs Peter Stephan Jungk:<br />
Clemens Aufderklamm, Thomas Ballhausen,<br />
Dimitré Dinev, Händl Klaus,<br />
Lorenz Langenegger, Kurt Palm, Julya<br />
Rabinowich, Kathrin Resetarits und<br />
Herbert J. Wimmer.<br />
© Alois Feldner<br />
Bücher seit 1639<br />
37
© Julia Haimburger<br />
Die Eroberung Amerikas ist ein weiterer<br />
unbändiger, großartiger Roman, vom<br />
Scheitern auf tiefstem menschlichen, aber<br />
auf höchstem sprachlichen Niveau. Witzigböse,<br />
wie man es kennt, geht es um einen<br />
Conquistador, der – nach seinen „erfolgreichen“<br />
Beutezügen durch Südamerika, in<br />
denen er den spanischen Eroberer Pizarro<br />
begleitet und Inkakönig Atahualpa das<br />
Schachspielen beibringt – nun den erfolglosesten<br />
Eroberungsfeldzug der Geschichte<br />
anführt. Hernando De Soto findet dann<br />
auch – konsequenterweise – einen recht unspektakulären<br />
Tod am Ufer des Mississippi,<br />
den er entdeckt hat.<br />
Was weckt Dein Interesse<br />
am Scheitern?<br />
Es sind nicht die Erfolge, die uns prägen,<br />
sondern die Niederlagen, Verletzungen und<br />
Demütigungen. Mich haben Loser immer<br />
mehr interessiert als Sieger, für Gescheiterte<br />
empfinde ich eine unbändige Zärtlichkeit,<br />
für Verlierer Sympathie. Letztlich scheitern<br />
die meisten Menschen an ihren Zielen und<br />
Ansprüchen, aber darin steckt auch viel<br />
Lust und manchmal sogar Komik.<br />
Wie kamst Du auf diese grandiose<br />
Rahmenhandlung, in der der Anwalt<br />
Trutz Finkelstein eine Sammelklage<br />
gegen die USA vertritt, die eine<br />
Rückgabe des gesamten US-Gebietes<br />
an die Indigenen fordert?<br />
Ich dachte, es kann nicht damit getan sein,<br />
den Indigenen ein paar Tomahawks und<br />
Marterpfahle zurückzugeben. Um erlittenes<br />
Unrecht wiedergutzumachen, müssten sie<br />
das ganze Land erhalten. Alles! Natürlich<br />
eine völlig utopische Vorstellung, aber die<br />
unerwartete Lösung gegen Ende des Buches<br />
sollte dann für alle sehr zufriedenstellend<br />
sein.<br />
Wie war das Recherchieren in<br />
Zeiten von Corona? Ein Besuch des<br />
Mississippi war wohl eher nicht drin?<br />
Doch! Ich bin im März letzten Jahres von<br />
Brasilien zurückgekommen, meiner letzten<br />
Recherchereise. Davor war ich in Spanien,<br />
Dinge sind spannend und manchmal etwas<br />
crazy: Ein Indianerstamm mit lauter Kopfdeformierten,<br />
andere haben das Barbecue<br />
erfunden, dann gab es ein von Frauen<br />
regiertes Dorf, eine Spanierin hat sich in<br />
Männerkleidern unter die Expeditionsteilnehmer<br />
geschwindelt und vieles mehr.<br />
Du warst im letzten Jahr<br />
Stadtschreiber von Dresden, wie<br />
waren deine Eindrücke? Und was<br />
dürfen wir als nächstes erwarten?<br />
Dresden hat mich positiv überrascht. Ich<br />
hatte mit Plattenbauten und Erbsenwurstmenschen<br />
gerechnet, aber die Stadt ist toll<br />
und Leute habe ich trotz Corona auch ein<br />
paar wunderbare kennengelernt. Eigentlich<br />
war geplant, einen Roman über den<br />
wilden Osten zu schreiben, da ich dafür<br />
aber mehrere Reisen machen müsste, was<br />
in Pandemiezeiten schwierig ist, habe ich<br />
umdisponiert und schreibe jetzt eine basale<br />
Geschichte über Religion und neuere Physik,<br />
die mich schon immer fasziniert hat,<br />
obwohl ich nichts davon verstehe.<br />
Franzobel<br />
Franzobel, startete 1995 mit einem Dosenbier in der<br />
Hand zum Ingeborg-Bachmann-Preis. Zuvor war<br />
er als bildender Künstler und sprachexperimenteller<br />
Autor bekannt. Mit seinen Theaterstücken und<br />
barock-brachialen Romanen wurde er zu einem<br />
der wichtigsten Autoren Österreichs. Bei Zsolnay<br />
erschienen zuletzt die Krimis Wiener Wunder (2014),<br />
Groschens Grab (2015) und Rechtswalzer (2019) sowie<br />
2017 der Roman Das Floß der Medusa, für den er auf<br />
der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand und<br />
mit dem Bayerischen Buchpreis ausgezeichnet wurde.<br />
Mich haben<br />
Loser immer<br />
mehr interessiert<br />
als Sieger.<br />
Bücher seit 1639<br />
Nach Das Floß<br />
der Medusa hat<br />
Franzobel mit<br />
seiner unvergleichlichen<br />
Sprachpratze<br />
ein weiteres<br />
Mal tief in die Kiste<br />
der historisch belegten<br />
Geschichten<br />
gegriffen.<br />
Ein Interview<br />
mit Robert Renk<br />
39<br />
Algerien, auf Kuba, in Kolumbien, Panama<br />
und in den Südstaaten der USA, also auch<br />
am Mississippi. Ich bin dem Desoto-Eroberungszug<br />
fünfhundert Jahre später Station<br />
für Station hinterhergereist und habe dabei<br />
nur wenig ausgelassen. Viele von meinen<br />
Erlebnissen sind dann auch in den Roman<br />
eingeflossen: ein Hahnenkampf in Bogota,<br />
eine tagelange Wanderung mit Indigenen<br />
in Kolumbien, die Wüste Algeriens, die<br />
Sümpfe in Florida.<br />
Hast Du zufälligerweise den Roman<br />
Eroberung von Laurent Binet<br />
gelesen? Dort spielt der Inkakönig<br />
Atahualpa die Hauptrolle, der –<br />
auf Grund einer Reihe historisch<br />
wohlüberlegter Zufälle – das Europa<br />
von Karl V. erobert. Schlachtenmäßig<br />
könnt ihr Euch durchaus die Hand<br />
reichen, humormäßig steht es sicher<br />
1:0 für Dich.<br />
Nein, das habe ich nicht gelesen, aber eine<br />
großartige Idee und eine enorme Leistung,<br />
so etwas konsequent durchzuhalten. Binet<br />
hat die Geschichte auf den Kopf gestellt.<br />
Bei mir liegen die dichterischen Freiheiten<br />
im Detail: Meine Eroberer veranstalten<br />
das erste Footballspiel, erfinden Cola und<br />
Popcorn und stoßen auf ein Wikingerdorf,<br />
das sich als eine Art frühneuzeitlicher Ikea<br />
entpuppt. Aber auch die historisch belegten<br />
Buchtipp:<br />
Franzobel:<br />
Die Eroberung Amerikas<br />
Zsolnay Verlag,<br />
544 S., € 27,40<br />
Buchpräsentation:<br />
Die Eroberung Amerikas<br />
Mit Franzobel<br />
Moderation: Robert Renk<br />
Mo., 10. Mai 2021, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung<br />
Eintritt: € 9,00 / 7,00 mit<br />
Wagner- oder Ö1-Card<br />
Nähere Informationen zu<br />
den aktuellen Covidmaßnahmen<br />
finden sie auf:<br />
www.wagnersche.at/<br />
veranstaltungen/covid19
Mitten in den Alpen liegt der ehemalige<br />
Tourismusort Bad Regina. Stückweise wurde<br />
dieser vom chinesischen Immobilienhai Chen<br />
aufgekauft. Anhand der verbliebenen Dorfgesellschaft<br />
zeichnet David Schalko eine<br />
Bandbreite an Charakteren, wie sie unterschiedlicher<br />
nicht sein könnten. Zusammengehalten<br />
werden sie vom Kampf für ihren<br />
Lebensraum und – typisch Österreichisch –<br />
vom Alkohol.<br />
Ihre Figuren bedienen Klischees, die<br />
im Bezug auf das (österreichische)<br />
Landleben immer wieder aufgegriffen<br />
werden: Nazi-Vergangenheit, starker<br />
Alkoholkonsum, grobe Sprache,<br />
Korruption. Wieso dieser Hang<br />
zu Anti-Held*innen?<br />
Ich unterscheide gar nicht so zwischen<br />
Antihelden und Helden. Sondern ich lerne<br />
Charaktere kennen, die Teil der Geschichte<br />
sind, und sehe ihnen dabei zu, wohin sie<br />
sich währenddessen entwickeln. Im Leben<br />
gibt es auch keine Helden und Antihelden.<br />
Beides steckt immer in jedem.<br />
In der Verlagsankündigung heißt<br />
es u. a.: „Eine bitterböse und<br />
urkomische literarische Fantasie<br />
über den Untergang Europas“.<br />
Wie würden Sie das Schicksal von<br />
Bad Regina auf Europa umlegen?<br />
Ich glaube, dass Europa derzeit ein Kontinent<br />
ist, der sein Selbstverständnis sehr<br />
aus dem 20. Jahrhundert gewinnt. In erster<br />
Linie definieren wir uns über ein kulturelles<br />
Pseudo-Überlegenheitsgefühl, mit dem<br />
wir auf den Rest der Welt schauen. Das ist<br />
auch ein sehr rassistisches Weltbild, weil wir<br />
herablassend auf Kontinente wie Afrika<br />
sehen. Wir sind da noch immer in alten<br />
kolonialistischen Mustern verhaftet, die<br />
sich jetzt im 21. Jahrhundert beginnen aufzulösen.<br />
Die stattfindenden Kulturkämpfe<br />
in Europa machen das deutlich sichtbar,<br />
denke ich.<br />
Die Beziehungsgeflechte sind<br />
irrsinnig verstrickt. Das Verhältnis<br />
zwischen Petzi und dem Polizisten<br />
Schleining würde vermutlich allein<br />
beanspruchen. Aus Angst, dass einem die<br />
eigene Kultur genommen wird. Europa ist<br />
ein reiner Kulturkontinent geworden.<br />
Das Ende ist ein regelrechter<br />
Showdown. Mehr ist mehr?<br />
Am Ende überschlagen sich die Ereignisse<br />
und gleichzeitig spannt es einen Bogen<br />
zwischen Holocaust und der afrikanischen<br />
Migrationswelle, der wir derzeit begegnen.<br />
Das 20. Jahrhundert wird hier mit dem 21.<br />
zusammengeführt.<br />
Vieles im Roman wird über<br />
Gespräche, häufig Dialoge erzählt –<br />
war der Gedanke an ein Drehbuch<br />
im Hinterkopf – oder erzählen Sie<br />
manches einfach lieber über ein<br />
Gesprächsformat?<br />
Der Vorgänger, Schwere Knochen, war<br />
ein Roman, der ausschließlich in indirekter<br />
Rede erzählt wurde. Ich hatte das Bedürfnis,<br />
jetzt einen Text zu schreiben, in<br />
dem ich die Figuren direkt sprechen höre.<br />
Besonders, weil es sich um Charaktere handelt,<br />
die aufgrund ihrer Geisterhaftigkeit<br />
schwer zu greifen sind.<br />
Buchtipp:<br />
David Schalko:<br />
Bad Regina<br />
Kiepenheuer & Witsch Verlag,<br />
420 S., € 24,70<br />
David<br />
Schalko<br />
Was lesen Sie gerade?<br />
Ich habe gerade das neue Buch von Christian<br />
Kracht gelesen. Ein außerordentliches<br />
Buch.<br />
David Schalko, geb. 1973 in Wien, ist Regisseur,<br />
Autor von Romanen, Lyrik und Fernsehsendungen,<br />
u. a. Braunschlag oder Altes Geld. Sein vielfältiges<br />
Schaffen wurde mehrfach ausgezeichnet. Der Roman<br />
Bad Regina ist 2021 bei Kiepenheuer & Witsch<br />
erschienen.<br />
© Ingo Pertramer<br />
Europa<br />
ist ein<br />
reiner Kulturkontinent<br />
geworden.<br />
Bücher seit 1639<br />
Auf den ersten<br />
Blick scheint Bad<br />
Regina verlassen.<br />
Aber wer länger<br />
schaut, entdeckt,<br />
dass in diesem Ort<br />
noch einige widerständische<br />
Seelen<br />
hausen. Ein Gespräch<br />
mit Katharina<br />
J. Ferner<br />
41<br />
bereits als Handlung für einen<br />
Roman ausreichen. Genießen Sie es,<br />
die Leser*innen herauszufordern?<br />
Die Bewohner dieses Ortes fungieren<br />
selbst als Ruinen. Sie alle befinden sich an<br />
einem Punkt, an dem eigentlich schon alles<br />
passiert ist und wo es vor allem darum geht,<br />
den weiteren Verfall zu verhindern. Oder<br />
eben auch nicht. Trotz aller Dichte hat man<br />
das Gefühl, eine Art Geistergeschichte<br />
zu lesen. Weil die handelnden Personen<br />
irgendwie gar nicht mehr wirklich im Leben<br />
stehend wirken.<br />
Die Handlung zwingt die<br />
Bevölkerung an einem gewissen<br />
Punkt zu einer selbstverordneten<br />
Ausgangssperre. War das immer so<br />
geplant oder hat das vergangene Jahr<br />
Einfluss auf die Szene genommen?<br />
Der Roman war mehr oder weniger schon<br />
vor Corona fertig. Es ist reiner Zufall, dass<br />
sich das atmosphärisch deckt. Es ist auch<br />
kein Buch, das sich als Kommentar auf<br />
das Virus versteht. Es geht eher um einen<br />
Kontinent, der trotz geringer Geburtenzahlen<br />
noch immer auf sein Anrecht<br />
pocht, dieses Gebiet für weiße Europäer zu<br />
Buchpräsentation:<br />
Bad Regina<br />
Mit David Schalko<br />
Moderation: Stefan Wancura<br />
Di., 1. Juni 2021, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung<br />
Eintritt: € 9,00 / 7,00 mit<br />
Wagner- oder Ö1-Card<br />
Nähere Informationen zu<br />
den aktuellen Covidmaßnahmen<br />
finden sie auf:<br />
www.wagnersche.at/<br />
veranstaltungen/covid19
© Jan Schoelzel<br />
Madrigal, eine Sammlung von<br />
Erzählungen, ist das erste Buch,<br />
das Sie in Ihrer Mutter-Sprache<br />
Deutsch verfassen. Haben Sie den<br />
Schreibprozess anders erlebt, als<br />
wenn Sie auf Englisch schreiben?<br />
Es war ein fast vollkommen anderes<br />
Erlebnis. Ich bin zwar mit Deutsch aufgewachsen,<br />
aber nur als Umgangssprache,<br />
hauptsächlich, um mit meiner Kärtner<br />
Großmutter zu sprechen. Bevor ich diesen<br />
Erählband begann, habe ich nie etwas<br />
Längeres oder Komplizierteres als eine<br />
Weihnachtskarte geschrieben. Zu meiner<br />
großen Überraschung ist mir das Schreiben<br />
der Storys nicht schwerergefallen – nur<br />
habe ich für jede Zeile, jedes Wort wesentlich<br />
länger gebraucht. Ich bin als deutscher<br />
Autor deutlich weniger selbstsicher, was oft<br />
zu unerwarteten Entscheidungen führt.<br />
Fad war’s jedenfalls nicht!<br />
Während die Erzählung<br />
als literarische Form im<br />
deutschsprachigen Raum<br />
unterschätzt wird, erfuhr sie in<br />
den USA als „Short Story“ im<br />
20. Jahrhundert mit Autoren wie<br />
Hemingway oder Raymond Carver<br />
durchaus Wertschätzung. Haben<br />
Sie Vorbilder, was das Schreiben<br />
von Erzählungen betrifft?<br />
Ich habe sehr wohl Vorbilder – ich glaube,<br />
man braucht sie ganz besonders dringend,<br />
wenn man einen Sprung ins Ungewisse<br />
versucht – aber interessanterweise sind sie<br />
keine Amerikaner. Die Kurzgeschichten<br />
von Isak Dinesen schätze ich sehr sowie<br />
die vom großen chilenischen Erzähler<br />
der Gegenwart, Alejandro Zambra. Und<br />
die frühen Texte von Jorge Luis Borges.<br />
Ach, und Donald Barthelme. Am Ende<br />
ist mir doch ein Ami eingefallen!<br />
Die über Sprache geschaffene<br />
Atmosphäre ist in ihrem Werk ebenso<br />
wichtig wie der Plot. Zudem führen<br />
Ihre Romane oft in Randzonen, zu<br />
Kipp-Punkten und zu den Leerstellen<br />
des Lebens oder der Phantasie.<br />
Die titelgebende Erzählung Madrigal<br />
haben Sie 2017 beim Bachmannpreis<br />
gelesen und großen Eindruck<br />
hinterlassen. Es gibt einen zentralen<br />
Satz darin: „Kein Scheitern,<br />
keine Geschichte“. Ist in diesem<br />
Sinne Schreiben immer auch ein<br />
Überwinden des Scheiterns?<br />
Weniger ein Überwinden des Scheiterns,<br />
würde ich sagen, als dessen Hinnahme.<br />
Niemand ist unfehlbar, auch Schriftsteller<br />
nicht – Schriftsteller vielleicht besonders<br />
nicht. Das Scheitern gehört zu<br />
dem Alltag des Autors. Und so soll es<br />
auch sein.<br />
John Wray, geboren 1971 in Washington D.C., wuchs<br />
als Sohn eines Amerikaners und einer Österreicherin<br />
in Buffalo auf. Ein Biologiestudium, seine Eltern<br />
sind Onkologen, brach er ab. Er schlug sich mit<br />
Gelegenheitsjobs durch, spielte in einer Rockband –<br />
und schrieb. Mit Romanen wie Die rechte Hand des<br />
Schlafes (2002) und Retter der Welt (2009) schaffte<br />
er den Durchbruch. Er lebt in Brooklyn, New York,<br />
manchmal auch bei Verwandten in Kärnten.<br />
John<br />
Wray<br />
Kein<br />
Scheitern,<br />
keine<br />
Geschichte!<br />
42<br />
Wagner’sche.<br />
In den USA gehört<br />
er zu den bekanntesten<br />
Autoren<br />
seiner Generation.<br />
Nun legt der Sohn<br />
eines Amerikaners<br />
und einer Österreicherin<br />
sein erstes<br />
auf Deutsch geschriebenes<br />
Buch<br />
vor. Ein Interview<br />
mit Stefan Gmünder<br />
Was erwartet uns, ohne zu viel<br />
zu verraten, in ihren Erzählungen?<br />
Ich finde, dass das, was Sie von meinen<br />
Romanen behaupten, vielleicht noch viel<br />
eher meine Erzählungen beschreibt. Man<br />
verfügt ja bei kürzeren Texten über viel<br />
mehr Freiheit: Ein Roman muss den Leser<br />
doch irgendwie über Hunderte von Seiten<br />
festhalten, und deswegen wirkt der durchschnittliche<br />
Roman eher konventionell. Bei<br />
Storys kann sich der Autor ganz schön viel<br />
erlauben! Genau deswegen hat mich die<br />
Form schon lange fasziniert.<br />
Ihre Prosa ist leichtfüßig und<br />
gleichzeitig von größter Genauigkeit.<br />
Letztere kostet Zeit. Schreiben Sie<br />
immer noch auf einer elektrischen<br />
Schreibmaschine, was ja das<br />
Schreiben verlangsamt?<br />
Sie haben ein gutes Gedächtnis! Ja, ich<br />
schreibe noch immer auf einer lauten,<br />
hässlichen elektrischen Schreibmaschine<br />
aus den 80er Jahren. Wie schon oben<br />
erwähnt, ist mein Schreibprozess von<br />
vornherein verehrend langsam. Da kann<br />
auch meine Brother SX-4000 nicht mehr<br />
viel Schaden anrichten.<br />
Buchtipp:<br />
John Wray:<br />
Madrigal<br />
Rowohlt Verlag,<br />
144 S., € 23,30<br />
Buchpräsentation:<br />
John Wray liest aus<br />
Madrigal<br />
Moderation: Martin Fritz<br />
Di., 8. Juni 2021, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung<br />
Eintritt: € 9,00/ 7,00 mit<br />
Wagner- oder Ö1-Card<br />
Nähere Informationen zu<br />
den aktuellen Covidmaßnahmen<br />
finden sie auf:<br />
www.wagnersche.at/<br />
veranstaltungen/covid19
© Michael Witte<br />
Auf dem Lande, in einer<br />
Zurückgezogenheit, treffen<br />
verschiedene Lebensgeschichten<br />
aufeinander, die du mit Liebe<br />
und Akzeptanz beschreibst.<br />
Das einfache Leben mit diesen<br />
wortkargen Menschen war für<br />
mich beeindruckend. Du konntest<br />
den Stimmungen und Schwankungen<br />
deiner Figuren eine Stimme geben.<br />
Waren diese Personen so von<br />
Anfang an geplant?<br />
Ja, sie waren alle von Anfang an da – die<br />
Erzählerin, ihr Bruder, Mimi, Arild, Nike<br />
und Otis. Sie waren alle gleich wichtig,<br />
aber am wichtigsten war Mimi. Sie ist das<br />
Zentrum der Geschichte, für die Figur der<br />
Mimi wollte ich dieses Buch schreiben.<br />
Wenn ich die Figuren nicht kenne, kann ich<br />
den Anfang der Geschichte nicht finden.<br />
Aber wenn die Geschichte gut ist – wenn sie<br />
für mich stimmt – dann verselbstständigen<br />
sich die Figuren im Laufe des Schreibens<br />
und bekommen Eigenschaften, von denen<br />
Judith<br />
Hermann<br />
ich am Anfang nichts wusste, sie tun Dinge,<br />
von denen ich nichts geahnt habe.<br />
Das Personal in deinem neuen<br />
Roman, das sind Menschen, deren<br />
begonnener Lebensplan mehr oder<br />
weniger gescheitert ist. Dennoch<br />
geht ihr Leben weiter, meist in einem<br />
komplett anderen Umfeld. Ist es<br />
das ungewollte Verschieben ihrer<br />
Lebensperspektiven, das diese Ruhe<br />
und Besinnlichkeit bewirkt?<br />
Ehrlich gesagt ist es wohl vor allem ihr<br />
Alter, das diese Besinnlichkeit bewirkt.<br />
Die Figuren sind über die Mitte des Lebens<br />
hinaus – sie sind über bestimmte Erwartungen<br />
und Wünsche schlicht hinweg.<br />
Etliches hat sich schon erledigt, viele Dinge<br />
sind abgeschlossen und vorbei, es wird<br />
nicht mehr allzu viel passieren – das bringt<br />
eine gewisse Ruhe mit sich, ja, eine Beruhigung.<br />
Und in dieser Beruhigung sind<br />
die Dinge, die sich dann doch noch ergeben,<br />
umso wirkungsvoller.<br />
Ich warte jeweils lange auf ein neues<br />
Buch von dir. Sind es die Ideen, die<br />
Zeit brauchen oder bist du so genau<br />
und streng mit dir selber?<br />
Die Ideen brauchen Zeit und ich brauche<br />
Zeit, und ich bin ziemlich streng mit dem<br />
Text und mir selber – während des Schreibens<br />
zumindest. Ich schreibe viel Text,<br />
den ich wieder verwerfe, das Schreiben ist<br />
Grabungsarbeit, es dauert, bis ich an den<br />
eigentlichen Text herankomme. Bis ich ihn<br />
finde. Ich habe Skrupel! Das Schreiben ist<br />
heikel, es fällt mir nie leicht, und je länger<br />
ich schreibe, desto schwerer wird es –<br />
und desto länger dauert es. Angemessen,<br />
findest du nicht?<br />
Judith Hermann wurde 1970 in Berlin geboren.<br />
Ihrem Debüt Sommerhaus, später (1998) wurde eine<br />
außerordentliche Resonanz zuteil. 2003 folgte der<br />
Erzählungsband Nichts als Gespenster. Einzelne<br />
dieser Geschichten wurden 2007 für das Kino<br />
verfilmt. 2009 erschien Alice, fünf Erzählungen, die<br />
international gefeiert wurden. 2014 veröffentlichte<br />
Judith Hermann ihren ersten Roman: Aller Liebe<br />
Anfang. 2016 folgten die Erzählungen Lettipark, die<br />
mit dem dänischen Blixen-Preis für Kurzgeschichten<br />
ausgezeichnet wurden. Für ihr Werk wurde Judith<br />
Hermann mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter<br />
dem Kleist-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis.<br />
Die Autorin lebt und schreibt in Berlin.<br />
Das<br />
Schreiben ist<br />
Grabungsarbeit.<br />
Bücher seit 1639<br />
Sie gehört zu den<br />
aufregendsten<br />
Stimmen der<br />
deutschsprachigen<br />
Literatur. Jetzt<br />
kommt ihr<br />
neuer Roman.<br />
Ein Gespräch<br />
mit Hans Ruprecht<br />
45<br />
Du schreibst in diesem Buch von<br />
dir aus, auktorial. Hast du diese<br />
Erzählform bewusst gewählt?<br />
Warum?<br />
Weil die Erzählerin weit von mir weg<br />
und mir trotzdem nah ist. Je näher ich<br />
einer Figur im autobiografischen Sinne<br />
bin, desto größer muss die Distanz beim<br />
Schreiben sein. Diese Ich-Erzählerin ist<br />
mir vertraut – aber sie ist nicht „Ich“.<br />
Umso einfacher und auch unterhaltsamer<br />
war es, sie auktorial zu schreiben.<br />
Du hast dich in dieser Corona-Zeit<br />
meist aufs Land, an die Nordsee<br />
zurückgezogen. Hat dies dein<br />
Schreiben beeinflusst?<br />
Das Buch ist vor Corona entstanden – ich<br />
habe es beendet, kurz bevor die Lage ernst<br />
geworden ist. Corona hätte mein Schreiben<br />
sicher beeinflußt – ich bin glücklich, dass<br />
ich dieses Buch vor Beginn einer Pandemie<br />
schreiben durfte.<br />
Buchtipp:<br />
Judith Hermann:<br />
Daheim<br />
S. Fischer Verlag,<br />
192 S., € 22,20<br />
Buchpräsentation:<br />
Daheim<br />
Mit Judith Hermann<br />
Moderation: Katja Gasser<br />
(angefragt)<br />
Fr., 18. Juni 2021, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung<br />
Eintritt: € 9,00 / 7,00 mit<br />
Wagner- oder Ö1-Card
© Ralf Steinberger<br />
Buchtipp:<br />
Sharon Dodua Otoo:<br />
Adas Raum<br />
S. Fischer Verlag,<br />
320 S., € 23,30<br />
Ich<br />
fühle<br />
mich<br />
momentan<br />
in Deutschland<br />
verortet.<br />
Bücher seit 1639<br />
2016 hast du den Bachmannpreis<br />
gewonnen. Nun – fast fünf Jahre<br />
später – kommt dein lang erwarteter<br />
Debütroman heraus. Wieso mussten<br />
wir so lange warten?<br />
Es gibt viele Antworten auf diese Frage.<br />
Zusammenfassend kann ich sagen, es hat<br />
einfach seine Zeit gebraucht. Hätte ich<br />
den Roman schneller geschrieben, wäre er<br />
ganz anders geworden. Viel didaktischer<br />
vielleicht. Es gab immer wieder Phasen, in<br />
denen ich nicht geschrieben, aber viel über<br />
die Geschichte, die Handlung, die Figuren<br />
reflektiert habe.<br />
Du verknüpfst das Leben von vier<br />
Frauen, zwischen Afrika und Europa,<br />
zwischen dem 15. Jh. und heute.<br />
Und du verknüpfst auch die jeweiligen<br />
Erzähltraditionen. In erster Linie<br />
erfahren wir die Schicksale der<br />
Frauen von beseelten Dingen, sei<br />
es einem Besen, einem Türknauf,<br />
Zimmerwänden oder einem Reisepass,<br />
was ich hauptsächlich von<br />
2019 hat Sie mit<br />
einer funkelnden<br />
Rede den Bachmannpreis<br />
eröffnet,<br />
im September<br />
eröffnet Sie das<br />
19. Prosafestival.<br />
Ein Interview<br />
mit Robert Renk<br />
afrikanischen Erzähler*innen kenne.<br />
Ist es Dir wichtig, eine Stimme beider<br />
Kontinente zu sein?<br />
Ganz ehrlich, ich kenne mich lange nicht so<br />
gut mit westafrikanischer Literatur aus wie<br />
ich mich mit deutschsprachiger Literatur<br />
auskenne. Was auch nicht viel heißt, weil<br />
ich so furchtbar langsam lese. Also nein, es<br />
ist keine Absicht von mir, die Stimme eines<br />
Kontinents oder zweier Kontinente zu sein<br />
(who, me?!). Ich fühle mich momentan in<br />
Deutschland verortet, und ich orientiere<br />
mich an den hiesigen Diskursen und Debatten.<br />
Mein Schreiben wird sicherlich von<br />
einzelnen Schreibenden beeinflusst – zum<br />
Beispiel Toni Morrison, Zadie Smith, Ben<br />
Okri und May Ayim – aber das sind Kunstschaffende<br />
der afrikanischen Diaspora, also<br />
einem Ort ohne Grenzen.<br />
In deiner viel beachteten Rede<br />
Dürfen Schwarze Blumen malen<br />
(Klagenfurt, 2020) hast du schon<br />
die Schicksale und Verbrechen im<br />
Holocaust und die des Kolonialismus<br />
Sharon<br />
Dodua Otoo<br />
47<br />
in ein gemeinsames, sehr weißes, sehr<br />
europäisches Licht gerückt. Kann<br />
man die Ada aus Westafrika aus dem<br />
Jahr 1459 und die Ada, die 1945 im<br />
KZ Mittelbau-Dora ermordet wird,<br />
dafür als exemplarisch lesen?<br />
Hmm. Ich glaube, mir ging es in meiner<br />
Rede darum, mein Bedauern zum Ausdruck<br />
zu bringen, dass es in der sogenannten<br />
„Causa Mbembe“ so viel Trennendes gab.<br />
Dass in meiner Wahrnehmung die Kämpfe<br />
gegen Rassismus und die Kämpfe gegen<br />
Antisemitismus gegeneinander ausgespielt<br />
wurden. Ich habe mich gefragt, wer von<br />
diesem Streit profitiert hat? Sicherlich nicht<br />
die Personen, die Antisemitismus erleben<br />
oder Anti-Schwarzen-Rassismus – oder<br />
sogar beides. Mit den verschiedenen Adas<br />
habe ich versucht, eine Geschichte zu<br />
erzählen, die auch Identitäten thematisiert.<br />
Nicht die starren, biologisch begründeten<br />
Kategorien, sondern die Zuschreibungen<br />
– es wird erzählt, wie eine Person zur Frau<br />
gemacht wird oder zur Schwarzen. Ada<br />
erlebt zwar immer wieder grausame Sachen,<br />
doch sie wehrt sich immer wieder. Die<br />
diversen Widerstandsmomente in „einer“<br />
Figur zu vereinen, könnte auch als Solidaritätszeichen<br />
wahrgenommen werden.<br />
Dein Roman ist vieles: Er ist Anklage<br />
und Wehklage. Es ist ein Buch der<br />
Schuld und Schuldigen, ein Buch<br />
des Leidens und des Todes, aber<br />
auch ein Buch z.B. der Mutter- und<br />
Schwesterliebe. Es ist ein Buch von<br />
starken Frauen, die dennoch (oder<br />
vielleicht auch deshalb) zu ihrer<br />
Zeit keine Chance hatten. Nur die<br />
letzte der vier Adas, die in Berlin<br />
2019 als Schwarze 1 Schwangere<br />
auf Wohnungssuche ist, überlebt.<br />
Schimmert da ein Stück Hoffnung<br />
durch?<br />
Selbstverständlich! Am Anfang stirbt ein<br />
Kind, am Ende wird ein Kind geboren.<br />
Am Anfang will Ada nicht so ahnungslos<br />
wirken, am Ende weiß sie genau, wer<br />
sie ist. Am Anfang wird die Frage gestellt:<br />
Warum gehen die Männer immer weg? Am<br />
Ende kommt der Mann wieder. Es ist kein<br />
zuckersüßes Happy End – dafür gibt es weiterhin<br />
viel zu viel Leid in der Welt – aber ich<br />
finde die Geschichte schon hoffnungsvoll.<br />
Auf was dürfen wir uns als<br />
Nächstes freuen?<br />
Ich bin noch im Rausch von Adas Raum.<br />
Es ist so erfreulich, wie viel Interesse es<br />
an der Geschichte gibt, wie viele positive<br />
Rückmeldungen ich bekomme. Das wird<br />
noch ein kleines bisschen dauern, bis ich<br />
mein Kopf frei genug bekomme, um von<br />
einem neuen Projekt zu träumen.<br />
Sharon Dodua Otoo wurde 1972 in London geboren<br />
und lebt in Berlin. Sie ist Schwarze Britin, Mutter,<br />
Aktivistin und Autorin. Sie schreibt auf Englisch<br />
und Deutsch und gewann 2016 überraschend und zu<br />
Recht den Ingeborg-Bachmann-Preis mit dem Text<br />
Herr Gröttrup setzt sich hin. Eine hochliterarische,<br />
gut beobachtete und gewitzte Persiflage auf den<br />
deutschen Pünktlichkeitswahn, wie sie seit Heiner<br />
Goebbels 5 Minuten vor der Zeit nicht mehr an unser<br />
Ohr gedrungen ist.<br />
Publikationen: 2012: the things i am thinking while<br />
smiling politely, auf Deutsch erschienen 2013: die<br />
dinge, die ich denke, während ich höflich lächle (Übersetzung:<br />
Mirjam Nuenning). 2014: Synchronicity<br />
(Übersetzung: Mirjam Nuenning). Beide: edition<br />
assemblage. 2017 erschienen als TB bei S. Fischer.<br />
1<br />
„Schwarz“ wird als politischer Begriff verstanden<br />
und daher mit großem S geschrieben.<br />
Veranstaltungstipp:<br />
19. Prosafestival (16. –18. Sept.)<br />
U.a. mit Sharon Dodua Otoo<br />
siehe nächste Seite
19. Innsbrucker Prosafestival<br />
Auch dieses Jahr wieder im September entführt uns das<br />
beliebte Festival in die verschiedenste Ecken, vom tiefsten<br />
Westafrika in die Wiener Vorstadt und retour ...<br />
Von Markus Köhle & Robert Renk<br />
Do., 16. September, 20 Uhr<br />
Stadtbücherei<br />
1 Sharon Dodua Otoo (GB/D)<br />
2 Lena Johanna Hödl (A)<br />
3 Raphaela Edelbauer (A)<br />
4 Stefan Kutzenberger (A)<br />
© 8ung Kultur<br />
© 8ung Kultur © 8ung Kultur<br />
© 8ung Kultur<br />
Fr., 17. September, 20 Uhr<br />
Wagner’sche<br />
1 Kristof Magnusson (D/ISL)<br />
2 Nadja Bucher (A)<br />
3 Dana Grigorcea (CH)<br />
4 Birgit Pölzl (A)<br />
Wäre das Innsbrucker Prosa-Festival (IPF)<br />
verheiratet, es feierte heuer die Perlmutthochzeit.<br />
Das trifft sich gut, denn im Perlmutt<br />
steckt der Mut. Perlmutt ist widerstandsfähig<br />
und farbenfroh und wird gerne<br />
als Schmuckstein verwendet. Perlmutt ist in<br />
Muschelschalen oder Schneckengehäusen<br />
zu finden. Ja, Perlmutt ist die Literatur<br />
unter den Steinen. Es braucht viele<br />
Jahre, um seine Härte auszubilden, doch<br />
dann widerstehen die perlmuttgestärkten<br />
Muscheln und Schnecken (respektive<br />
die literaturgestärkten Menschen) damit<br />
äußeren Gefahren. Gegen Literatur kommt<br />
Corona nicht an. Perlmutt ist schillernd<br />
wie das Leben und die Literatur, und wer<br />
glaubt, dass eine Ehe nach 19 Jahren reizlos<br />
geworden sein könnte, die oder der war<br />
noch nicht 19 Jahre verheiratet. In schwierigen<br />
Zeiten gilt es erst recht ordentliche<br />
Literaturfeste auszurichten. Der Verein<br />
8ungKultur macht das erneut möglich.<br />
Gegen Literatur<br />
kommt Corona nicht an<br />
Sa., 18. September, 20 Uhr<br />
Sillwerk<br />
1 Anais Meier (CH)<br />
2 Martina Clavadetscher (CH)<br />
3 Mieze Medusa (A)<br />
4 Stefan Abermann (A)<br />
Das heißt: Auch diese Jahr dürfen wir<br />
Ihnen 12 Autorinnen und Autoren aus<br />
dem gesamten deutschen Sprachraum (und<br />
darüber hinaus) präsentieren, die aus den<br />
unterschiedlichsten Gründen in der gegenwärtigen<br />
Literaturlandschaft herausragend<br />
sind. Drei Tage, drei Orte, drei Moderatoren,<br />
12 Autorinnen und Autoren. Das reimt sich<br />
noch immer und ist wie immer gut, wird aber<br />
noch besser durch Sie, durch Ihr Dabeisein.<br />
Der Auftakt findet am Donnerstag, den<br />
16. September in der neuen Stadtbibliothek<br />
(Amraserstraße 2) statt. Am Freitag, den<br />
17. September ist die Wagner’sche Buchhandlung<br />
(Museumstraße 4) Gastgeber und<br />
am Samstag, den 18. September 2021 besiegeln<br />
wir die Perlmutt-Literatur-Hochzeit<br />
im Sillwerk (Amraserstraße 3).<br />
3 Orte –<br />
12 Autor*innen<br />
Robert Renk, Markus Köhle und Martin<br />
Fritz moderieren, führen einleitende Gespräche<br />
mit den Autorinnen und Autoren,<br />
beschenken diese textmotiviert und haben<br />
wie immer einen perlmuttschillernden<br />
Querschnitt der aktuell schreibenden Zunft<br />
eingeladen. Carmen Sulzenbacher sorgt für<br />
die Organisation und Betreuung aller.Eintritt:<br />
freiwillige Spenden nähere Infos (auch<br />
zu kurzfristigen und/oder coronabedingten<br />
Änderungen bzw. Auflagen) unter:<br />
prosafestival.wordpress.com<br />
48<br />
Wagner’sche.<br />
„Blutsauger“ steht in der<br />
Heimat von Vlad dem Pfähler,<br />
gemeinhin als Dracula bekannt,<br />
nicht nur für den Obervampir,<br />
sondern auch für den das Volk<br />
aussaugenden Diktator Nicolae<br />
Ceausescu. Wie beide Figuren<br />
im postkommunistischen<br />
Rumänien noch recht lebendig<br />
sind, lernen wir, wenn wir einer<br />
jungen Bukarester Malerin aus<br />
Paris in ihr ehemaliges Feriendomizil<br />
nach Transsilvanien<br />
folgen. Dort wird alsbald eine<br />
gepfählte Leiche auf dem<br />
Grab von Vlad III. Drăculea<br />
gefunden und unsere Malerin<br />
stellt plötzlich Veränderungen<br />
an sich fest … Robert Renk<br />
Dana Grigorcea:<br />
Die nicht sterben<br />
Penguin Verlag, 272 S., € 23,30<br />
Anaïs Meier bringt in 13 Kurzgeschichten<br />
gerne Verschwiegenes<br />
unverblümt zur Sprache.<br />
Sie macht aber auch das Gegenteil<br />
davon. Sie schreibt über die<br />
größten Schweiz-Klischees und<br />
weidet diese genussvoll aus, ist<br />
dabei aber immer sprachlich<br />
eigenwillig anders und erfreulich<br />
komisch. Das ist Satire,<br />
die manchmal im Kleid einer<br />
Reportage, mal in Form eines<br />
analytischen Kommentars,<br />
dann wieder als Persiflage einer<br />
literaturwissenschaftlichen<br />
Arbeit daherkommt und immer<br />
überrascht und unterhält.<br />
Markus Köhle<br />
Anaïs Meier:<br />
Über Berge, Menschen und<br />
insbesondere Bergschnecken<br />
mikrotext Verlag, 96 S., € 16,00<br />
Im Roman DAVE lernen wir<br />
den Programmierer Syz dabei<br />
kennen, wie er beim Konstruieren<br />
einer künstlichen Intelligenz<br />
namens DAVE immer<br />
tiefer in den Widerspruch gerät,<br />
DAVE nicht einfach nur durch<br />
Programmbefehle Selbstständigkeit<br />
befehlen zu können.<br />
Vor lauter Spannung und Spaß<br />
merken wir beim Lesen von<br />
DAVE gar nicht, was da alles an<br />
Reflexionen über Erinnerung,<br />
Erzählung, Sprache und Bewusstsein<br />
drinsteckt. Alle, die<br />
Computer, Menschen und/oder<br />
beide lieben, werden von DAVE<br />
begeistert sein. Martin Fritz<br />
Raphaela Edelbauer:<br />
DAVE<br />
Klett-Cotta Verlag, 432 S., € 25,70<br />
Nadja Bucher hat sich für ihren<br />
dritten Roman etwas ganz<br />
Besonderes einfallen lassen:<br />
Der Großschriftsteller Heimito<br />
von Doderer wird im Körper<br />
eines Mädchens 1976 in Wien<br />
wiedergeboren, und zwar in der<br />
Doderer-Gasse in der Großfeldsiedlung.<br />
Es entwickelt<br />
sich ein rasanter Retro-Retro-<br />
Roman über die 1970er- und<br />
80er-Jahre in der Sprache der<br />
1950er- und 60er-Jahre. Das ist<br />
konsequent durchgeführt und<br />
hat großartige Momente, denn<br />
Doderer darf nach Herzenslust<br />
seine Häme über alle und alles<br />
stülpen. Markus Köhle<br />
Nadja Bucher:<br />
Die Doderer-Gasse oder<br />
Heimitos Menschwerdung<br />
Milena Verlag, 280 S., € 23,00<br />
In Von Wegen wird Spoken-<br />
Word-Duktus in Prosa eingewoben,<br />
dass es eine Freude<br />
ist. Das hat Kraft, flowt und<br />
geht tief rein. Das ist motiviertes<br />
und geglücktes Sprachexperiment:<br />
Hoher literarischer<br />
Ton trifft Alltagssprache und<br />
geht fröhlich eine frucht- und<br />
erkenntnisbringende Symbiose<br />
ein. Das ist eigenständig, thematisch<br />
und sprachlich packend<br />
und will was verhandeln:<br />
das gute Leben für alle. Das<br />
ist Literatur mit Haltung,<br />
Anspruch, Mut zum Experiment<br />
und zur Unterhaltung.<br />
So muss Literatur! Markus Köhle<br />
Birgit Pölzl:<br />
Von Wegen<br />
Leykam Verlag, 256 S., € 21,00<br />
Changes enthält 9 Kurzgeschichten<br />
unterschiedlicher<br />
Machart, die das titelgebende<br />
Motiv und die souveräne<br />
Machart eint. Storys mit<br />
Symbolcharakter, die gern als<br />
Gleichnisse gelesen werden<br />
können und sehr sinnlich daherkommen.<br />
Neues und Fremdes<br />
sowie Altbekanntes (aber fröhlich<br />
Verfremdetes) sind Programm.<br />
Die Palette reicht von<br />
der abenteuerlustigen Kind-<br />
Innensicht bis zur brachialkomischen<br />
Schnitzelwirt-<br />
Groteske, von der Grausamkeit<br />
der Kinder bis zur Schönheit<br />
von Schmetterlingswolken. Toll!<br />
Markus Köhle<br />
Stefan Abermann:<br />
Changes<br />
edition laurin, 192 S., € 20,50<br />
Unterschiedlicher könnten<br />
die drei Hauptfiguren von<br />
Mieze Medusas neuem Roman<br />
kaum sein: Agnesa, die junge<br />
Wienerin, die aus der Enge<br />
ihrer griechischen Herkunftsfamilie<br />
und dem miesen Job in<br />
deren Restaurant entkommen<br />
möchte, Eduard, der zynische<br />
IT-Sicherheitsspezialist, der mit<br />
Computern besser kann als mit<br />
Menschen, und Felicitas, die alt<br />
gewordene Revoluzzerin, die es<br />
auf’s Land verschlagen hat. Was<br />
sie dennoch verbindet, erzählt<br />
Medusa mit ihrem gewohnt<br />
feinen Gepür für Spache und<br />
Sound. Martin Fritz<br />
Mieze Medusa:<br />
Du bist dran<br />
Residenz Verlag, 256 S., € 22,00<br />
In einem Sommer treffen in<br />
seiner Burg am Rhein der international<br />
gefeierte Künstler und<br />
die Menschen eines Museumsfördervereins<br />
aufeinander.<br />
Ein turbulentes Wochenende<br />
mit vielen unterhaltsamen, oft<br />
sehr witzigen Begegnungen<br />
und Dialogen nimmt seinen<br />
Lauf. Der berühmte Maler lebt<br />
nämlich schon lange zurückgezogen,<br />
die eingeladenen<br />
Kunstfreund*innen fühlen sich<br />
dadurch sehr geehrt. Zwei Welten<br />
prallen aufeinander, und wir<br />
bekommen dabei einen amüsanten<br />
Einblick in die Welt des<br />
Kulturbetriebs. Nadja Fenneberg<br />
Kristof Magnusson:<br />
Ein Mann der Kunst<br />
Kunstmann Verlag, 240 S., € 22,70
© Rupert Larl<br />
Buchtipp:<br />
Alois Hotschnig:<br />
Der Silberfuchs meiner Mutter<br />
Kiepenheuer & Witsch Verlag,<br />
224 S., € 22,00<br />
Lieber Alois, in deinem einzigartigen,<br />
imposanten und vielleicht deswegen<br />
zwingend konzentrierten Werk<br />
hast du deine Fühler gerne in die<br />
Vergangenheit gestreckt und den<br />
Blick auf Gegenwärtiges gerichtet.<br />
Dabei waren die Figuren aber<br />
durchwegs fiktiv. Nun hast du dich mit<br />
einer sehr lebendigen Figur getroffen,<br />
nicht nur im, sondern auch für deinen<br />
neuen Roman. Wie kam es dazu?<br />
Vor etwa vier Jahren habe ich im österreichischen<br />
Fernsehen durch Zufall einen<br />
Bericht über einen Menschen gesehen, der<br />
es mir angetan hat, sowohl vom Thema her,<br />
über das er gesprochen hat, noch mehr aber<br />
durch die Art, in der er, vor seinem Haus<br />
sitzend und umgeben von einer kleinen<br />
Schar ruhig vor sich hin pickender Hühner,<br />
aus seinem Leben erzählte. Keine zwei, drei<br />
Minuten dauerte die Sequenz, denn es war<br />
das Ende der Sendung, aber sie genügte, um<br />
mir nicht mehr aus dem Kopf zu gehen, so<br />
eindrücklich, dass ich mich auf die Suche<br />
nach diesem Mann gemacht, ihm einen kurzen<br />
Brief geschrieben und ihn darin gefragt<br />
habe, ob er sich vorstellen könnte, mich zu<br />
treffen und sich auf ein Gespräch einzulassen,<br />
auf einen Austausch, der – vielleicht –<br />
zum Ausgangspunkt für einen Roman<br />
werden könnte. Zwei Tage später hatte ich<br />
Antwort.<br />
Was möchtest du uns jetzt schon<br />
über deine Hauptfigur verraten?<br />
Erzählt wird von einem Mann, der als sogenanntes<br />
Lebensborn-Kind einer norwegischen<br />
Mutter und eines Vorarlberger<br />
Wehrmachtssoldaten noch im Bauch seiner<br />
Mutter von Kirkenes nach Hohenems<br />
gekommen ist, in den Wirren des Krieges,<br />
und der heute noch, 80 Jahre danach, auf<br />
der Suche ist, die sein ganzes Leben ausgemacht<br />
und bestimmt hat, auf der Suche<br />
danach, wie es gewesen sein könnte, wie es<br />
auch gewesen sein könnte.<br />
Ein Schauspieler, der sich auch über<br />
seine Rollen ins Leben erfindet, und<br />
auf diese Weise versucht, mit dem, was<br />
geschehen ist, umzugehen.<br />
Einige meiner Figuren begleiten mich von<br />
einem Buch ins andere, zusammen mit den<br />
Themen, für die sie stehen, von einer Erzählung<br />
zur nächsten, und vielleicht über alle<br />
meine Bücher und über mein ganzes Erzählen<br />
hinweg. Sie haben sich mich ausgesucht,<br />
damit ich von ihnen erzähle. Jemandes<br />
Stimme sein, der oder die ohne Stimme ist<br />
oder nicht gehört wird, aus welchen Gründen<br />
auch immer, und wenn es geht, über<br />
dieses einzelne Leben hinaus, darum ging es<br />
mir auch in diesem Roman. Nachdem ich<br />
von ihnen erzählt habe, begleiten sie mich,<br />
und gar nicht so selten begegnen sie mir<br />
als die Menschen, die sich in ihnen wiedererkennen.<br />
Aber es gibt auch Figuren, die<br />
schreiben sich aus mir heraus, um ein Leben<br />
zu haben ‒ unabhängig von mir.<br />
Und was dauert in deiner<br />
Arbeit länger: das Erfinden &<br />
Niederschreiben oder doch das<br />
Wegfinden bzw. Verdichten?<br />
Ein Unterschied ist hier für mich nicht zu<br />
machen. Es ist immer beides in einem. Und<br />
dauert im Grunde ein Leben lang.<br />
Alois<br />
Hotschnig<br />
Alois Hotschnig lebt als freier Autor in Innsbruck.<br />
1989 erschien die Erzählung Aus,1990 folgte Eine<br />
Art Glück. 1992 wurde Hotschnig beim Ingeborg-<br />
Bachmann-Preis mit dem Preis des Landes Kärnten<br />
ausgezeichnet, im selben Jahr erschien sein Roman<br />
Leonardos Hände, für den er den Anna-Seghers-Preis<br />
erhielt. 1994 wurde das Theaterstück Absolution<br />
in Wien uraufgeführt. 1999 erhielt er das Robert-<br />
Musil-Stipendium. 2000 erschien sein zweiter Roman<br />
Ludwigs Zimmer. 2002 wurde ihm der Italo-Svevo-<br />
Preis für sein Gesamtwerk verliehen. 2007 erhielt<br />
er den Tiroler Landespreis für Kunst und 2008 den<br />
Erich-Fried-Preis. Zuletzt: Im Sitzen läuft es sich<br />
besser davon (2009).<br />
Jemandes<br />
Stimme sein,<br />
der oder<br />
die ohne<br />
Stimme ist …<br />
Bücher seit 1639<br />
Sein neuer<br />
Roman feiert<br />
Weltpremiere in<br />
der Wagner’schen.<br />
Moderation von<br />
Ilija Trojanow,<br />
ein paar Fragen<br />
von Robert Renk.<br />
51<br />
Bei vielen deiner Texte, vor allem<br />
in den Erzählungen, hat man das<br />
Gefühl, man kennt Figuren aus seiner<br />
eigenen, unmittelbaren Biografie,<br />
man kennt ihn oder sie, ja man kennt<br />
sogar deren Bruder oder Mutter,<br />
obwohl es von ihnen im Text nichts<br />
zu lesen gibt. Ich weiß von deiner<br />
Art zu Schreiben, dass es diese<br />
Figuren im Urtext wohl gab und du<br />
sie herausdestilliert hast. Kann es<br />
sein, dass durch deine konsequente<br />
Verdichtung solche Figuren sich im<br />
Text behaupten, zwischen den Zeilen,<br />
mitgedacht, obwohl du sie eigentlich<br />
gestrichen hast?<br />
Vielleicht ist es ein Hinweis darauf, dass<br />
hinter einer erzählten Geschichte noch<br />
eine andere verborgen ist, eine, die von<br />
uns erzählt, und die spürbar ist, durch die<br />
Geschichte hindurch, die wir eigentlich zu<br />
lesen meinen.<br />
Gibt es Figuren, die Dich auch<br />
nach abgeschlossenen Projekten<br />
noch besuchen?<br />
Veranstaltungstipps:<br />
Hotschnig-Schwerpunkt<br />
Di., 7. September 2021<br />
um 19:00 Uhr<br />
Hotschnig: Werk & Wirken<br />
Anna Rottensteiner im<br />
Gespräch mit Alois Hotschnig<br />
und einem Gast<br />
Literaturhaus am Inn<br />
Mi., 8. September 2021<br />
um 19:30 Uhr:<br />
Buchpräsentation<br />
Der Silberfuchs meiner Mutter<br />
Mit Alois Hotschnig<br />
Moderation & Gespräch:<br />
Ilija Trojanow<br />
Wagner’sche Buchhandlung<br />
Do., 9. September 2021 um<br />
19:30 Uhr<br />
Hotschnig dramatisch<br />
Martin Sailer im Gespräch<br />
mit Alois Hotschnig,<br />
Maria Hofstätter & Julia<br />
Gschnitzer inkl. Kurzlesungen<br />
aus dramatischen Werken<br />
ORF-Studio 3
Buchtipp:<br />
Katharina Schaller:<br />
Unterwasserflimmern<br />
Haymon Verlag,<br />
240 S., € 23,50<br />
Der Roman hat einen sehr poetischen<br />
Titel: Unterwasserflimmern.<br />
Was ist damit gemeint?<br />
Unterwasserflimmern evoziert ein bestimmtes<br />
Gefühl, es macht schnell Emotionen<br />
auf. Es stecken der Wunsch und die<br />
Sehnsucht nach Freiheit darin, was im Buch<br />
auch über das Motiv des Wassers immer<br />
wieder auftaucht, aber eben auch das Verschwommene,<br />
das die Unsicherheit betont,<br />
wo man überhaupt hinwill, was hinter<br />
einem liegt. Es liegt also was Schwieriges,<br />
Brüchiges in diesem Wort, aber auch etwas<br />
sehr Schönes.<br />
Katharina<br />
Schaller<br />
Es geht in dem Buch um eine junge<br />
Frau, deren Freund ein Haus bauen,<br />
ein Kind bekommen und eine Familie<br />
gründen will – sie selber sehnt sich<br />
nach Freiheit, ist aber gleichzeitig<br />
auch gefangen in Konventionen. Ist<br />
das die Geschichte eines Ausbruchs?<br />
Ich glaube, dass sich viele Frauen in diesem<br />
Alter damit identifizieren können, weil<br />
sie spüren, welche gesellschaftlichen Ansprüche<br />
an sie gestellt werden. Diese Thematik<br />
bricht regelrecht über einen herein.<br />
Es wird vorausgesetzt, dass Frauen Kinder<br />
wollen und auch bekommen werden. Die<br />
Vorstellung vom Lebensweg von Frauen ist<br />
immer noch stark vorgezeichnet. Gleichzeitig<br />
hat man den Eindruck, dass unserer<br />
Generation alle Möglichkeiten zur Verfügung<br />
stehen, wir alles machen können,<br />
was wir wollen und deswegen glücklich<br />
sein sollten. Aber gerade daran kann man<br />
zerbrechen, weil man sich ständig fragt,<br />
wie man sich selbst verwirklicht, das eigene<br />
Glücklichsein dauernd reflektiert. Insofern<br />
kann man schon von einem Ausbruch<br />
sprechen, aus dem, was man selbst um<br />
sich herum aufbaut, aber auch daraus, was<br />
einem vom Umfeld an Erwartungen auferlegt<br />
wird.<br />
Im Roman gibt es einige sehr<br />
explizite Sexszenen. Glaubst du,<br />
dass es da immer noch ein Tabu<br />
für Autorinnen gibt, über Sex so offen<br />
Welche Rolle spielt Sexualität<br />
für deine Hauptfigur? Ich habe<br />
das Gefühl, sie benützt das zum<br />
Teil als Sprache, aber auch zur<br />
Selbstvergewisserung.<br />
Ich habe versucht, Sex als Kommunikationsebene<br />
zu beschreiben. Die Figur hat<br />
eine sehr eigene Wahrnehmung, reagiert<br />
stark auf Gerüche, Gesten, Bewegungen.<br />
Sex als Kommunikation kann ganz unterschiedlich<br />
sein: Mal ist Sex wie schlechter<br />
Smalltalk, bei dem man nur zum Ziel<br />
kommen will, mal ist er wie ein intensives<br />
Gespräch. Sex ist sicher eine Form von<br />
Selbstvergewisserung und zeigt auch, wie<br />
die Protagonistin zu einer Person steht.<br />
Du bist ja selbst ein Profi in der<br />
Buch- und Verlagsbranche. Hilft das<br />
beim Schreiben, oder ist das vielleicht<br />
zum Teil sogar eher hinderlich?<br />
So genau kann ich das gar nicht sagen.<br />
Ich habe mich beim Schreiben aber nicht<br />
be einflussen lassen von meinen Erfahrungen<br />
in der Branche und mir dann<br />
überlegt, wie ich das Buch konstruier’.<br />
Das war eher ein Ausgleich zu meiner<br />
Verlagsarbeit. Aber bei allem, was danach<br />
kommt – die Veröffentlichung, die Reaktionen,<br />
die Presse – da hilft einem die<br />
professionelle Erfahrung schon, das einzuordnen<br />
und damit umzugehen.<br />
Katharina Schaller ist eine Unruhestifterin im besten<br />
Sinne: Was sie zu sagen hat, bewegt. Ihre Sprache<br />
öffnet Poren, verwandelt Lesen in Spüren. Sie wurde<br />
1989 in Innsbruck geboren und studierte Sprachwissenschaften.<br />
Heute arbeitet sie als Literaturscout<br />
und Text- und Konzeptentwicklerin für die Verlagsgeschwister<br />
Löwenzahn und Haymon.<br />
© Emanuel Aeneas Photography<br />
Wenn Frauen<br />
über Sex schreiben,<br />
soll das lieb<br />
und nett und<br />
blumig sein.<br />
Bücher seit 1639<br />
Schriftstellerin<br />
Katharina<br />
Schaller legt<br />
mit Unterwasserflimmern<br />
ihren<br />
ersten Roman vor.<br />
Veronika Schuchter<br />
hat mit ihr über diesen<br />
schonungslosen<br />
Text gesprochen.<br />
53<br />
und vor allem nicht beschönigend<br />
zu schreiben?<br />
Ich glaube schon, dass das immer noch ein<br />
Tabu ist, gerade im deutschen Sprachraum.<br />
Bei französischen Autorinnen scheint mir<br />
das anders zu sein. Doch bei uns gehen da<br />
die Meinungen stark auseinander. Viele<br />
nehmen diesen offenen Umgang sehr gut<br />
auf, aber es gibt auch viele, die sich davon<br />
schon fast angegriffen fühlen. Außerdem<br />
ist Sex als Thema, wenn es nicht gerade<br />
Blümchensex ist, bei männlichen Autoren<br />
akzeptiert, bei Frauen aber nicht. Wenn<br />
Frauen über Sex schreiben, soll das lieb<br />
und nett und blumig sein.<br />
Ein anderes gesellschaftlich<br />
tabuisiertes und oft totgeschwiegenes<br />
Thema im Roman ist Abtreibung.<br />
Ich habe versucht, genau diese Thematik<br />
der Ansprüche an Frauen darin zu spiegeln.<br />
Natürlich stimmt es, dass Frauen, zumindest<br />
bei uns, prinzipiell die Möglichkeit haben,<br />
selber zu entscheiden. Aber so einfach ist es<br />
eben nicht. Zum einen fehlen die Angebote<br />
und Aufklärung darüber und auch der<br />
Druck ist immens, sodass Frauen sich selbst<br />
fragen, ob es falsch ist, was sie machen.<br />
Diesen Konflikt wollte ich aufzeigen.<br />
Buchpräsentation:<br />
Katharina Schaller liest aus<br />
Unterwasserflimmern<br />
Do., 24. Juni 2021, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung<br />
Eintritt frei!<br />
Nähere Informationen zu<br />
den aktuellen Covidmaßnahmen<br />
finden sie auf:<br />
www.wagnersche.at/<br />
veranstaltungen/covid19
Penguin JUNIOR – Was Eltern<br />
wollen und Kinder lieben<br />
Ein neuer Kinderbuch-Verlag stellt sich unter dem<br />
Motto „Kinder stark machen“ vor<br />
Bücher begleiten unser Leben von Anfang<br />
an. Deshalb erscheinen bei Penguin<br />
JUNIOR Bücher, die Kindern von klein<br />
auf helfen, mit Spaß und Neugier die<br />
Welt zu entdecken und dabei ihre eigene<br />
Stimme zu finden. Egal ob als Pappbilderbuch,<br />
Bilderbuch, Sachbuch oder Vorlesebuch<br />
– die Bücher laden ein zu staunen<br />
undspielerisch zu lernen und sprechen<br />
die Fantasie an. Das garantiert Spaß für<br />
die ganze Familie mit gemeinsamen Momenten<br />
voller Liebe und Geborgenheit.<br />
Penguin-JUNIOR-Bücher tragen auch dazu<br />
bei, dass Kinder zu selbstbewussten Persönlichkeiten<br />
heranwachsen. Sie unterstützen<br />
dabei, unsere Welt zu verstehen und liefern<br />
Orientierung in der Lebenswirklichkeit des<br />
Kindes.<br />
Diese innovativen<br />
Bücher machen der<br />
ganzen Familie Spaß!<br />
© Stocksy<br />
Bücher von Penguin JUNIOR basieren auf<br />
innovativen und abwechslungsreichen Konzepten:<br />
die Geschichten und Illustrationen<br />
sind kreativ, überraschend und humorvoll.<br />
Sie führen spielerisch, fantasievoll und<br />
zugleich inhaltsstark in die vielfältigen<br />
Lebenswelten und Themen ein, die für<br />
Kinder in den Altersstufen von 0 bis 7 Jahre<br />
relevant sind. Durch innovative Spieleffekte<br />
laden Penguin-JUNIOR-Bücher die kleinen<br />
Leser*innen zudem zu Interaktion ein.<br />
Außerdem legt der Verlag viel Wert auf eine<br />
hochwertige und liebevolle Ausstattung.<br />
Alle Penguin-JUNIOR-Bücher werden<br />
von erfahrenen Expert*innen entwickelt<br />
und von Kindern erprobt, was sie zu echten<br />
Qualitätsprodukten macht. Die Bücher von<br />
Penguin JUNIOR machen Eltern und Familien<br />
sowie Wegbegleiter*innen von Kleinkindern<br />
das Angebot, die frühkindliche<br />
Entwicklung innovativ und zeitgemäß zu<br />
begleiten und zu fördern, um ihre Liebsten<br />
zu starken Persönlichkeiten zu machen.<br />
Von Anfang an für die<br />
Zukunft mit klimaneutraler<br />
Produktion<br />
Zudem liegt es Penguin JUNIOR schon ab<br />
dem ersten Programm am Herzen, dass alle<br />
Bücher klimaneutral produziert werden.<br />
Deswegen wird mit allen Produkten von<br />
Beginn an das Klimaschutzprojekt der<br />
Penguin-Random-House-Verlagsgruppe zur<br />
Aufforstung des Regenwaldes am Campo<br />
Grande in Brasilien unterstützt.<br />
Pappbilderbuch<br />
Die Pappbilderbücher von Penguin<br />
JUNIOR werden von den Kleinsten ab<br />
dem ersten Tag geliebt, gelesen, bespielt<br />
und mit allen Sinnen erkundet. Sie begeistern<br />
durch kreative Konzepte und<br />
originelle Ausstattungen – und sind so beim<br />
Größerwerden und Weltentdecken immer<br />
dabei!<br />
Bilderbuch<br />
Bilderbücher von Penguin JUNIOR wecken/vertiefen<br />
die Bücherliebe! Wunderbare<br />
Illustrationen und fantasievolle Geschichten<br />
entführen die Kinder in viele unterschiedliche<br />
Welten und bestärken sie, mit<br />
Spaß Neues zu wagen und selbstbewusst zu<br />
handeln.<br />
Sachbücher<br />
Ideal für kleine Forscher*innen und Entdecker*innen:<br />
Die Sachbücher von Penguin<br />
JUNIOR erklären spielerisch und altersgemäß<br />
spannende Themen. Sie machen<br />
neugierig, selbst nachzufragen und mit<br />
offenen Augen die Welt um sich herum zu<br />
erkunden.<br />
Vorlesebücher<br />
Beim Vorlesen können alle die gemeinsam<br />
verbrachte Zeit genießen und sich mit<br />
viel Spaß und Fantasie in die schönsten,<br />
spannendsten und lustigsten Geschichten<br />
hineinträumen.<br />
Und ganz klar, dass das Vorlesen der<br />
erste Schritt zum Selberlesen ist: Denn bald<br />
schon wollen die Kinder selbst bestimmen,<br />
wann sie endlich wieder in ihre Lieblingsgeschichten<br />
von Penguin JUNIOR eintauchen<br />
können!<br />
Interview mit der<br />
Autorin und Pädagogin<br />
Sandra Grimm<br />
Wie erziehen Eltern ihre Kinder<br />
aus Ihrer Sicht am besten?<br />
Unsere Welt ist groß und herausfordernd.<br />
Alle Eltern möchten ihre Kinder so gut wie<br />
möglich darauf vorbereiten, selbstbewusst<br />
darin leben zu können. Ich finde es wichtig,<br />
Kindern Zuversicht und Hoffnung zu<br />
geben, damit sie einen positiven Blick auf<br />
die Welt entwickeln. Kinder sind lebendig,<br />
neugierig und wunderbar. Wir sollten ihnen<br />
viel Liebe und Geduld schenken und sie<br />
vertrauensvoll, ermutigend und gewaltfrei<br />
erziehen.<br />
Wie schafft man es als Eltern,<br />
das Selbstbewusstsein der Kinder<br />
zu stärken?<br />
Selbstbewusste Kinder dürfen neugierig<br />
sein, nachfragen und Nein sagen. Sie brauchen<br />
Menschen, die ihnen Mut machen<br />
und ihnen erlauben, selbstständig Herausforderungen<br />
zu meistern. Wer ihre Fragen<br />
beantwortet, ihnen neue Dinge zeigt und<br />
sie bestärkt, hilft ihnen, selbstsicher und<br />
eigenständig zu werden.<br />
Wie kann man Kinder durch<br />
Bücher dabei unterstützen, den<br />
Herausforderungen des Alltags<br />
selbstbewusst zu begegnen?<br />
Bücher führen Kinder in aufregende neue<br />
Welten und zeigen ihnen spannende Vorbilder.<br />
Sie erklären die Welt, erweitern<br />
den Horizont und wecken neue Ideen und<br />
Gedanken. Das macht selbstbewusst und<br />
mutig. Schon kleine Kinder betrachten gern<br />
allein Bücher und nehmen Bilder und Geschichten<br />
in sich auf. Und kleine und große<br />
Kinder lieben es, vorgelesen zu bekommen.<br />
Sandra Grimm ist Autorin der beiden Bücher aus der<br />
„Mein Starkmacher“-Reihe, die im ersten Programm<br />
von Penguin JUNIOR erscheinen: Du bist so wundervoll,<br />
mein Schatz! und Du schaffst das schon, mein<br />
Schatz! Die Bücher sind in liebevollen und lustigen<br />
Reimen verfasst, die Kinder versichern, dass sie geliebt<br />
und unterstützt werden. Jeweils Pappbilderbuch<br />
ab 2 Jahren.<br />
Das erste Kinderbuch<br />
der Bestsellerautorin<br />
Lucinda Riley<br />
Ein Gespräch zwischen Lucina Riley<br />
und ihrem Sohn Harry Witthaker, die<br />
gemeinsam die „Deine Schutzengel“-<br />
Reihe entwickelt und geschrieben haben.<br />
Harry Whittaker: Also, Mom,<br />
erzähl doch mal, wie die Idee<br />
der Kinderbuchreihe „Deine<br />
Schutzengel“ entstanden ist.<br />
Lucinda Riley: Wenn ich mich recht erinnere,<br />
ist es ziemlich genau ein Jahr her.<br />
Wir saßen in der Sonne und haben zu Mittag<br />
gegessen. Es war gerade Examenszeit.<br />
Dazu muss man wissen, dass mich meine<br />
Kinder vor einem wichtigen Ereignis immer<br />
bitten, ihnen einen Engel zu schicken. Ich<br />
mache das schon, seit sie noch ganz klein<br />
waren, weil es mir ein gutes Gefühl gibt,<br />
wenn sie in einer Prüfung oder bei einem<br />
Vorstellungsgespräch einen Schutzengel<br />
dabeihaben.<br />
Harry Whittaker: Und da hast du<br />
gesagt, dass das doch eine tolle<br />
Geschichte für ein Kinderbuch wäre.<br />
Lucinda Riley: Stimmt, das habe ich gesagt,<br />
Harry. Und du weißt bestimmt auch noch,<br />
wie schön ich die Vorstellung fand, andere<br />
Kinder an diesen Engeln teilhaben zu<br />
lassen.<br />
Buchtipps:<br />
Dan Green:<br />
Sei dabei! –<br />
Auf der Baustelle<br />
Ab 2 Jahren, € 9,30<br />
Dan Green:<br />
Sei dabei! –<br />
Bei der Tierärztin<br />
Ab 2 Jahren, € 9,30<br />
Silvia Schröer,<br />
Silke Schwarz:<br />
Zehn, neun, acht – der<br />
Fuchs sagt gute Nacht<br />
Ab 3 Jahren, € 14,40<br />
Isabel Kreitz:<br />
Matz & Miep – Müde?<br />
Ab 18 Monaten<br />
€ 9,30<br />
Max Fiedler:<br />
Alles rollt! Mein Buch<br />
der Fahrzeuge<br />
Ab 2 Jahren, € 10,30<br />
Lucinda Riley,<br />
Harry Whittaker:<br />
Deine Schutzengel –<br />
Hab keine Angst,<br />
wenn’s dunkel ist<br />
Ab 4 Jahren, € 15,50<br />
Nicola Edwards:<br />
Deine-meine-unsere Welt<br />
– Mein Abc der Natur<br />
Ab 3 Jahren, € 12,40<br />
Nicola Edwards:<br />
Deine, meine, unsere<br />
Welt – Wir zählen und<br />
vergleichen von 1 bis 10<br />
Ab 3 Jahren, € 13,40<br />
Sandra Grimm:<br />
Mein Starkmacher-Buch!<br />
– Du bist so wundervoll,<br />
mein Schatz!<br />
Ab 2 Jahren, € 8,30<br />
Jim Field:<br />
Mister Oscar<br />
macht Ferien<br />
Ab 4 Jahren, € 15,50
Jung,<br />
aber<br />
oho!<br />
Bücher<br />
für<br />
Kinder<br />
und<br />
Jugend:<br />
Lias ist alles andere als begeistert<br />
vom Umzug ins Haus<br />
seiner Großtante Hermine.<br />
Doch schon vom ersten Moment<br />
im Haus an wird ihm klar,<br />
dass dies ein besonderer Ort ist.<br />
Türen öffnen und schließen sich<br />
wie von Geisterhand und bald<br />
scheint es Lias so, als versuche<br />
das Haus, mit ihm zu kommunizieren.<br />
Beim Versuch, das Rätsel<br />
des Hauses zu lösen, gerät er<br />
in ein fantastisches Abenteuer<br />
voller verborgener Welten. Ein<br />
packender Fantasyschmöker<br />
ab 11 Jahren von Erfolgsautor<br />
Akram El-Bahay!<br />
Akram El-Bahay:<br />
Lias und der Herr der Wellen<br />
Ueberreuter Verlag, 352 S., € 17,50<br />
Auf einem Segeltörn fischen<br />
Oscar und seine Eltern zwei<br />
vollkommen erschöpfte Kinder,<br />
die von einem Flüchtlingsboot<br />
gefallen sind, in einem<br />
Rettungsring aus dem Meer.<br />
Nun beginnt eine Odyssee von<br />
Land zu Land: Nirgends dürfen<br />
Nala und ihr Bruder Moh von<br />
Bord. Und je länger die Reise<br />
dauert, desto weniger kann sich<br />
Oskar vorstellen, die beiden<br />
einfach in einem Flüchtlingslager<br />
abzusetzen ... Eine zu<br />
Herzen gehende Freundschaftsgeschichte<br />
ab 10, ganz aus<br />
Kindersicht erzählt.<br />
Cornelia Franz:<br />
Calypsos Irrfahrt<br />
Carlsen Verlag, 144 S., € 12,40<br />
Ruby ist überglücklich, als sie<br />
auf der Ocean-Ranch vorreiten<br />
darf. Doch weil ihre<br />
Art zu reiten bei den Pferdeflüsterer*innen<br />
gar nicht gut<br />
ankommt, wechselt sie bald zu<br />
einem anderen Hof. Dort wird<br />
sie zunächst als Nachwuchsstar<br />
gefeiert, aber als ihr Lieblingspferd<br />
Fantasy wegen Versagen<br />
beim Turnier verschachert<br />
werden soll, beginnt Ruby an<br />
ihrer Wahl zu zweifeln. Kann sie<br />
Fantasy retten? Der erste Band<br />
einer neuen Pferdeflüsterer-<br />
Reihe für Pferdefreund*innen<br />
ab 8 (Band 2 erscheint zeitgleich).<br />
Gina Mayer:<br />
Pferdeflüsterer-Mädchen:<br />
Rubys Entscheidung<br />
Ravensburger Verlag, 160 S., € 9,90<br />
Der 13-Jährige Kendrick zieht<br />
zurück in die Heimat seiner<br />
verstorbenen Mutter, wo ihn<br />
das Abenteuer seines Lebens<br />
erwartet. In Avelston gehen<br />
sonderbare Dinge vor sich.<br />
Kendricks Mitschüler*innen<br />
verschwinden nachts heimlich<br />
und seine Albträume werden<br />
immer häufiger. Die Antworten<br />
auf seine Fragen führen ihn<br />
ausgerechnet in seine eigene<br />
Vergangenheit ... Ein spannender<br />
Fantasyroman ab 10 Jahren<br />
über gefährliche Geheimnisse<br />
und echte Freund*innen, der<br />
Fans von Woodwalkers oder<br />
Animox begeistern wird.<br />
Heiko Wolz:<br />
Falcon Peak: Wächter der Lüfte<br />
ars edition Verlag, 272 S., € 15,50<br />
Das lange Warten hat ein Ende,<br />
Rupert Jefferson ist endlich wieder<br />
da! Taucht zusammen mit<br />
Rupert und seinen Freund*innen<br />
ein in die gruseligen Welten<br />
der von ihm erzählten Schauergeschichten.<br />
Zombies, Vampire,<br />
Geister und andere düstere<br />
Gestalten werden euch garantiert<br />
wohlige Schauer über den<br />
Rücken jagen, während Rupert<br />
euch gleichzeitig zum Lachen<br />
bringt! Eine Sammlung witziger<br />
Gruselgeschichten, spannend<br />
erzählt und immer wieder zum<br />
Schieflachen, für Rupert-Fans<br />
ab 10 Jahren.<br />
Jeff Kinney:<br />
Rupert präsentiert: Echt unheimliche<br />
Gruselgeschichten<br />
Baumhaus Verlag, 224 S., € 15,50<br />
Menschen gibt es auf der Erde<br />
seit über 30 Jahren nicht mehr<br />
und der Roboter XR_935 findet<br />
das gut so. Seit die Menschen<br />
ausgestorben sind, leben die<br />
Roboter friedlich zusammen<br />
und alles läuft reibungslos und<br />
effizient. Doch dann entdeckt<br />
XR etwas Unmögliches: Ein<br />
Menschenmädchen, das seine<br />
Hilfe braucht ... und das irgendwie<br />
gar nicht so ist, wie er sich<br />
die Menschen vorgestellt hat.<br />
Eine mitreißende Geschichte<br />
zum hochbrisanten Thema<br />
künstliche Intelligenz für Jungs<br />
und Mädchen ab 10 Jahren.<br />
Lee Bacon:<br />
Roboter träumen nicht<br />
Loewe Verlag, 336 S., € 16,00<br />
56<br />
Wagner’sche.<br />
Der Qualle (der eigentlich<br />
Max Kallinger heißt), hat in<br />
der Küche viele Fragen. Wieso<br />
hilft eine Taucherbrille beim<br />
Zwiebelschneiden? Wohin geht<br />
echter Pizza-Teig? Was macht<br />
man mit Palatschinken, die<br />
nicht rund sind? Antworten<br />
findet er, als sein Onkel Dachs<br />
in den Herbstferien auf Besuch<br />
kommt und ihm das beibringt,<br />
was der Dachs selbst so sehr<br />
liebt: kochen. Ein Übers-<br />
Kochen-Buch ab 4 Jahren,<br />
gewürzt mit Schwung, garniert<br />
mit Humor und verfeinert<br />
mit ganz viel Charme.<br />
Lena Raubaum:<br />
Qualle in der Küche<br />
Obelisk Verlag, 96 S., € 12,60<br />
Ein romantisches Wochenende<br />
– wozu braucht man denn so<br />
was? Tiffany und Max finden<br />
das komisch, ihre große Schwester<br />
Luisa dagegen gar nicht.<br />
Und darum will Papa ein<br />
heikles Gespräch führen.<br />
Weshalb dann doch eher Mama<br />
darüber redet, wie das mit<br />
Oma und Opa in den 60ern<br />
war und warum der Nachbar<br />
nie wieder ohne Lachanfall<br />
einen Stecker in eine Steckdose<br />
stecken kann – davon erzählt<br />
dieses witzige, aufklärende Vorlesebuch<br />
für Kinder ab 5 Jahren.<br />
Marc-Uwe Kling:<br />
Der Tag, an dem der Papa ein<br />
heikles Gespräch führen wollte<br />
Carlsen Verlag, 72 S., € 12,40<br />
Emil ist schon richtig groß –<br />
so groß, dass er aus seinem<br />
Kinderbett herausgewachsen<br />
ist. Zum Glück steht auf dem<br />
Dachboden noch das alte Bett<br />
von Ur-Ur-Oma Amanda! Das<br />
ist nicht nur groß genug für<br />
Emil, sondern es soll auch ein<br />
Zauberbett sein, das jedem, der<br />
sich zum ersten Mal draufsetzt,<br />
einen Wunsch erfüllt. Während<br />
Emil im Bad noch überlegt,<br />
was er sich wünschen soll, geht<br />
allerdings der Wunsch seines<br />
Katers Kolumbus in Erfüllung<br />
und eine zauberhafte Fantasiereise<br />
ab 4 Jahren beginnt.<br />
Matze Döbele:<br />
Das Zauberbett<br />
Obelisk Verlag, 48 S., € 14,00<br />
Gwendolyn, die quirlige Maus,<br />
bringt gerne neuen Schwung in<br />
jeden Tag! Wenn sie Lust hat,<br />
ein zweites Mal Geburtstag zu<br />
feiern, ist eben spontan Feier-<br />
Freuden-Jubel-Tag. Stets begleitet<br />
von ihren Freund*innen<br />
zieht die kleine Maus ihr Ding<br />
durch und lebt ihr Leben ganz<br />
genau so, wie es ihr gefällt. In<br />
zehn mausvergnügten Vorlesegeschichten<br />
begeistert Gwendolyn<br />
mit ihrer Spontaneität<br />
und Kreativität abenteuerlustige<br />
Kinder ab 5 Jahren, die die Welt<br />
gerne um die Ecke betrachten.<br />
Melanie Laibl:<br />
Gwendolyn macht’s andersrum –<br />
Mausvergnügte Vorlesegeschichten<br />
G&G Verlag, 64 S., € 16,95<br />
Paul wünscht sich schon lange<br />
einen Hund. Doch als ihm<br />
Juli zuläuft, ist er alles andere<br />
als erfreut. Denn ein Pferd ist<br />
wirklich nicht das einfachste<br />
Haustier! Riesengroß steht<br />
Juli plötzlich im Garten und<br />
begeistert Pauls Eltern so sehr,<br />
dass sie sie doch tatsächlich<br />
behalten! Paul ist bei Weitem<br />
nicht so enthusiastisch, denn<br />
so ein Pferd im Garten macht<br />
schließlich nur Ärger … Ein<br />
unglaublich witziges Kinderbuch<br />
ab 8 Jahren, das auf einer<br />
wahren Begebenheit basiert.<br />
Petra Eimer:<br />
Und dann kam Juli<br />
Baumhaus Verlag, 176 S., € 13,00<br />
Cara bekommt die Chance,<br />
Mitglied einer elitären Studen-tenverbindung<br />
zu werden,<br />
was ihre finanzielle Situation<br />
erheblich erleichtern würde. Es<br />
gibt nur eine Bedingung: Für<br />
die kostenlose Unterkunft im<br />
Verbindungshaus muss sie an<br />
drei exklusiven Verbindungspartys<br />
teilnehmen und dort mit<br />
einem Fremden geheimnisvolle<br />
Wettkämpfe bestehen. Sie<br />
ahnt noch nicht, dass sie dabei<br />
mehr verlieren wird als nur ihr<br />
Herz ... Band 1 einer neuen<br />
Romantic-Suspense-Dilogie<br />
(Band 2 erscheint zeitgleich).<br />
Stefanie Hasse:<br />
Matching Night: Küsst du den Feind?<br />
Ravensburger Verlag, 352 S., € 17,50
Wien,<br />
Wien,<br />
nur Du allein:<br />
7 × Wienklassiker, empfohlen<br />
von Rotraut Schöberl<br />
Eins, zwo,<br />
drei; eins …<br />
Alles Walzer:<br />
7 × Wienromane aus<br />
österreichischer Feder<br />
An der<br />
schönen<br />
blauen Donau<br />
7 × Tatort Wien<br />
die besten Hauptstadtkrimis<br />
3×7<br />
Best<br />
aber<br />
Seller:<br />
1<br />
2<br />
Die<br />
Lotti, die Uhrmacherin<br />
Marie von Ebner-Eschenbach<br />
Residenz Verlag, € 16,60<br />
Strudlhofstiege<br />
Heimito von Doderer<br />
C.H.Beck Verlag, € 29,40<br />
1<br />
2<br />
Vienna<br />
Der Kalte<br />
Robert Schindel<br />
Suhrkamp Verlag, € 12,00<br />
Eva Menasse<br />
btb Verlag, € 12,00<br />
1<br />
2<br />
Lockvogel<br />
Der zweite Reiter<br />
Alex Beer<br />
Blanvalet Verlag, € 10,30<br />
Theresa Prammer<br />
Haymon Verlag, € 25,50<br />
3<br />
Die<br />
gelbe Strasse<br />
Veza Canetti<br />
Fischer Tb Verlag, € 13,40<br />
3<br />
Es<br />
geht uns gut<br />
Arno Geiger<br />
dtv Verlag, € 12,90<br />
3<br />
Der<br />
Fall des Lemming<br />
Stefan Slupetzky<br />
rororo Verlag, € 10,90<br />
4<br />
Radetzkymarsch<br />
Josef Roth<br />
Manesse Verlag, € 24,20<br />
4<br />
Rückwärtswalzer<br />
Vea Kaiser<br />
Kiwi Verlag, € 13,00<br />
4<br />
Altenteil<br />
Rainer Nikowitz<br />
rororo Verlag, € 15,50<br />
5<br />
Mann<br />
ohne Eigenschaften<br />
Robert Musil<br />
Rowohlt Verlag, € 16,10<br />
5<br />
Superheldinnen<br />
Barbi Markovic<br />
btb Verlag, € 10,90<br />
5<br />
Vanitas<br />
– Schwarz wie Erde<br />
Ursula Poznanski<br />
Knaur Verlag, € 11,30<br />
6<br />
Der<br />
dritte Mann<br />
Graham Green<br />
Zsolnay Verlag, € 20,10<br />
6<br />
Der<br />
Trafikant<br />
Robert Seethaler<br />
Kein & Aber Verlag, € 12,40<br />
6<br />
Wie<br />
die Tiere<br />
Wolf Haas<br />
rororo Verlag, € 10,30<br />
58<br />
Wagner’sche.<br />
7<br />
Morgen<br />
ist alles besser<br />
Annemarie Selinko<br />
Milena Verlag, € 24,00<br />
7<br />
Schwere<br />
Knochen<br />
David Schalko<br />
Kiwi Verlag, € 12,40<br />
7<br />
Der<br />
Metzger<br />
Thomas Raab<br />
Droemer Verlag, € 10,30
Mit<br />
den<br />
besten<br />
Empfehlungen:<br />
Kellers Romandebüt, fiktionalisiert<br />
und doch hervorragend<br />
recherchiert, begibt sich auf die<br />
Spur der bedeutendsten Philosophin<br />
des 20. Jahrhunderts,<br />
Hannah Arendt, und ihres<br />
Lebens, Denkens und Schreibens.<br />
Dabei vermischen sich<br />
Hoffnung, Liebe, Angst und der<br />
ganze Wahnsinn des Naziterrors<br />
mit kristallinem Denken, einer<br />
bezaubernden Zuneigung zum<br />
Tessin und der immer wieder<br />
kampfbereiten Hauptfigur.<br />
Ein eigener, zum Teil sehr<br />
subjektiver Blick auf Arendts<br />
Werk, Wirkung und Leben.<br />
Florian Josef Rinderer<br />
Hildegard E. Keller:<br />
Was wir scheinen<br />
Eichborn Verlag, 576 S., € 25,30<br />
Basierend auf den Erinnerungen<br />
des Journalisten<br />
Noah Klieger erzählt der Autor<br />
die Geschichte eines jüdischen<br />
Jungen, der Boxer wurde und<br />
dadurch am Leben blieb. Schon<br />
als Dreizehnjähriger half der<br />
Protagonist anderen Jüd*innen,<br />
über die Grenze zu kommen.<br />
Nach vier Jahren wurde er aber<br />
von der Gestapo gefasst und<br />
nach Auschwitz gebracht. Obwohl<br />
Noah noch nie gekämpft<br />
hatte, meldete er sich dort für<br />
die Boxmannschaft. Er gewann<br />
keinen seiner Kämpfe, überlebte<br />
aber wegen der zusätzlichen<br />
Suppenrationen. Nadja Fenneberg<br />
Takis Würger:<br />
Noah<br />
Penguin Verlag, 188 S., € 21,20<br />
Was für ein grandioser Wurf,<br />
der wohl in der Zukunft spielt,<br />
sich aber wunderbar archaisch<br />
liest. Ransmayr tippt sprachgenau<br />
in gesellschaftliche<br />
Wunden: Stichwort regionale<br />
Grenzen! Und er schildert eine<br />
private Tragödie, in der der<br />
Ich-Erzähler der Frage nachgeht,<br />
ob sein Vater ein Mörder<br />
ist. Es ist auch ein Roman über<br />
das Element Wasser, denn der<br />
Vater ist Schleusenwärter, der<br />
Sohn Hydrotechniker und<br />
bei einem schlimmen Schiffsunglück<br />
an der Schleuse ist<br />
wohl nicht alles mit rechten<br />
Dingen zugegangen …<br />
Robert Renk<br />
Christoph Ransmayr:<br />
Der Fallmeister<br />
S. Fischer Verlag, 224 S., € 23,30<br />
Das nächtliche Gespräch der<br />
Insassin einer Nervenklinik<br />
gerät zur Lebensbeichte. Der<br />
Roman war eigentlich als Therapie<br />
für die Autorin gedacht<br />
und hat deswegen auch etwas<br />
einzigartig Unmittelbares und<br />
Ehrliches. Auch wenn er en gros<br />
fiktiv ist (Mord an der jüngeren<br />
Schwester), ist er en detail von<br />
eigenen Erfahrungen geprägt<br />
(Arbeit in einer Schneiderei,<br />
längere Aufenthalte in der<br />
Klinik). Mit Die Beichte einer<br />
Nacht macht der Diogenes-Verlag<br />
einen vergessenen Klassiker<br />
der niederländischen Literatur<br />
zugänglich. Robert Renk<br />
Marianne Philips:<br />
Die Beichte einer Nacht<br />
Diogenes Verlag, 288 S., € 24,30<br />
In der grandiosen und überaus<br />
schön editierten Reihe Kampa<br />
Salon werden nur Gespräche<br />
publiziert. Nach Bänden mit<br />
Interviews, u.a. mit Susan<br />
Sontag, David Bowie oder Margret<br />
Atwood, dürfen wir uns<br />
nun auf einen Band mit dem<br />
musikalischen Nobelpreisträger<br />
Bob Dylan freuen. Interviews,<br />
die von Witz, Poesie, Ironie und<br />
Weisheit zeugen. Und wenn er<br />
meint, „es gibt genug Songs für<br />
immer und ewig, es muss nichts<br />
mehr komponiert werden“, sagt<br />
man sich: Ja, stimmt, aber bitte<br />
halte dich nicht daran. Robert Renk<br />
Bob Dylan:<br />
Ich bin nur ich selbst,<br />
wer immer das ist<br />
Kampa Salon Verlag, 208 S., € 23,20<br />
Idealistischer Realist, großbürgerlicher<br />
Vielschreiber,<br />
Literaturnobelpreis-Träger:<br />
Heute kräht kein Hahn mehr<br />
nach dem meistgelesenen<br />
deutschen Autor des 19. Jahrhunderts.<br />
Hans Pleschinski<br />
lässt – um im Bild zu bleiben –<br />
drei wilde Kultur-Hühner<br />
durch München spazieren und<br />
aufgeregt über die Einrichtung<br />
eines Paul-Heyse-Zentrums<br />
gackern. „Kunst und Literatur<br />
…, das ist vorbei, Schluss,<br />
braucht keiner“, sagt ein<br />
Passant. „Es gibt die Feinen<br />
und Wissbegierigen“, schnabeln<br />
die Hühner: höchst amüsant!<br />
Bernhard Sandbichler<br />
Hans Pleschinski:<br />
Am Götterbaum<br />
C.H. Beck Verlag, 275 S., € 23,70<br />
60<br />
Wagner’sche.<br />
Teresa Präauer ist eine der<br />
luzidesten Denkerinnen in der<br />
österreichischen Szene, die stets<br />
kluge Gedanken mit Humor<br />
zu verbinden weiß. Nun legt<br />
sie einen wunderschön gestalteten<br />
Band mit Erzählungen,<br />
Essays und Glossen vor. In<br />
82 Geschichten gibt sie Einblicke<br />
in ihr Schreibarchiv.<br />
Diese Geschichten entwerfen<br />
ein Panorama der Gegenwart,<br />
umkreisen reale Museumsbesuche<br />
ebenso wie fiktive<br />
Erinnerungen, z.B. die vom<br />
Snowboard-Unterricht mit<br />
Phil Collins in den Salzburger<br />
Bergen. Famos! Robert Renk<br />
Teresa Präauer:<br />
Das Glück ist eine Bohne<br />
Wallstein Verlag, 312 S., € 25,30<br />
Mit vierzig stellt Victor Jarno<br />
das Leben noch einmal auf<br />
die Probe. Sein sozialdemokratischer<br />
Hintergrund und sein<br />
Hang zum Geschichtenerzählen<br />
bringen ihn Familien- und beziehungstechnisch<br />
nicht gerade<br />
weiter. Einen Wendepunkt markiert<br />
der Tod seiner Urlioma.<br />
Das damit verbundene Erbe –<br />
ein Haus in Hollabrunn – sowie<br />
die Rückkehr seiner großen<br />
Liebe, die blöderweise auch<br />
seine Cousine ist, stellen Victor<br />
vor neue Herausforderungen.<br />
Ein humorvoller wie kluger<br />
Roman. Frisch und spannend<br />
erzählt. Katharina J. Ferner<br />
Daniel Wisser:<br />
Wir bleiben noch<br />
Luchterhand Verlag, 480 S., € 23,30<br />
Es ist kein kleines Kunststück:<br />
ein Leben nachzuerzählen und<br />
dadurch Geschichte zu vermitteln,<br />
und die Geschichten,<br />
die in der Historie stecken,<br />
greifbar zu machen. Das<br />
bewegte Paris des 19. Jahrhunderts<br />
bildet den Rahmen<br />
für diese Erzählung vom Maler<br />
Gustave Courbet. Unkonventionell<br />
und kompromisslos,<br />
einzig der Kunst gehorchend,<br />
war Courbet an der Entstehung<br />
des Realismus maßgeblich beteiligt.<br />
Schuchter gelingt es, eine<br />
umtriebige, schillernde Existenz<br />
in eleganter Verdichtung einzufangen.<br />
Robert Prosser<br />
Bernd Schuchter:<br />
Gustave Courbet und der Blick<br />
der Verzweifelten<br />
Braumüller Verlag, 126 S., € 18,60<br />
Dieser Band hat etwas zu<br />
sagen: Zwischen Prekariat und<br />
Magie erzählt Daniela Chana<br />
neun Frauenschicksale. Jede<br />
Geschichten hat dabei keine<br />
Geringere als eine der neun<br />
Musen zur Patin. Dabei lässt sie<br />
weder das Alltägliche noch das<br />
Surreale aus. Selten ist so ein<br />
Sprachwitz in Verbindung mit<br />
Sprachbewusstsein zu erleben<br />
wie in den Werkes Chanas.<br />
Doch Achtung: Diese Sprache<br />
hat Suchtcharakter schon nach<br />
dem ersten Satz und eine lange<br />
Nachwirkzeit! Siljarosa Schletterer<br />
Daniela Chana:<br />
Neun seltsame Frauen<br />
Limbus Verlag, 224 S., € 18,60<br />
Manchester, 1867. Die Polizei<br />
lässt öffentlich irische Rebellen<br />
hängen. Ob der Vorgesetzte von<br />
Constable James O’Connor<br />
hier nicht zu weit geht? Er, der<br />
gerade aus Dublin nach Manchester<br />
versetzt wurde, sieht<br />
sich zwischen zwei Stühlen.<br />
Dann heftet sich auch noch der<br />
Kriegsveteran Stephen Doyle,<br />
amerikanischer Ire und vom<br />
Kämpfen besessen, an seine<br />
Fersen. Ein Kampf beginnt,<br />
der O’Connor tief hineinzieht<br />
in einen Strudel aus Verrat,<br />
Schuld und Gewalt. Spannendes<br />
Sittenbild mit Thrillerelementen.<br />
Robert Renk<br />
Ian McGuire:<br />
Der Abstinent<br />
dtv Verlag, 336 S., € 23,70<br />
Sylvia Madsack lebt in Zürich<br />
und Salzburg. Und diese zwei<br />
Städte rückt sie auch in den<br />
Mittelpunkt ihres spannenden<br />
Romans, in dem es um den Tod<br />
einer argentinischen Autorin,<br />
ein Testament, Familiengeheimnisse<br />
und 15 Millionen Schweizer<br />
Franken geht. Und um die<br />
junge Schauspielerin Jana und<br />
den konservativer Arzt Emilio.<br />
Überraschend kommen sich die<br />
zwei näher, dann taucht Armando<br />
da Silva auf, der leiblicher<br />
Sohn der Verstorbenen – ein<br />
ungeliebtes Kind mit einer zwielichtigen<br />
Biografie … Robert Renk<br />
Sylvia Madsack:<br />
Enriettas Vermächtnis<br />
Pendragon Verlag, 304 S., € 19,00
Kein Wunder, dass diese<br />
Autorin die Bachmann-Jury<br />
2020 überzeugte: Ihre Text sind<br />
zum Weinen, weil so schön!<br />
Sie ist „ein Kriegskind, ein<br />
Flüchtlingskind, ein Kind der<br />
deutschen Teilung“, traurig und<br />
ratlos zuweilen ob der Zeitläufe;<br />
im Lesen aber aufgerichtet:<br />
ein Satz, eine Gedichtzeile,<br />
ein Liedanfang. Wider alle<br />
Diktatur. Helga Schubert,<br />
1940 in Berlin geboren, ist ein<br />
Sonntagskind, wie die Mutter<br />
sie sechs Tage vor ihrem Tod<br />
nannte. Nochmals: ein wunderschönes<br />
Buch! Bernhard Sandbichler<br />
Helga Schubert:<br />
Vom Aufstehen.<br />
Ein Leben in Geschichten<br />
dtv Verlag, 224 S., € 22,70<br />
Gute Romane sind vielschichtig<br />
lesbar – und Juli Zehs Über<br />
Menschen ist ein warmes, witziges<br />
Buch über Freundschaft,<br />
Liebe und Menschlichkeit, eine<br />
sanfte Satire auf die Werbebranche<br />
und gutsituierte Linksintellektuelle,<br />
für die Pfandflaschen<br />
im Restmüll Revolte<br />
bedeuten, ja: auch ein Coronaroman;<br />
Stadt und Land prallen<br />
aufeinander, während Klischees<br />
und Vorurteile zerplatzen.<br />
Leichthändig eingestreut sind<br />
überraschende, harte Sätze, zu<br />
denen man „Ja, genau!“ rufen<br />
möchte … Leseempfehlung?<br />
Unbedingt! Merle Rüdisser<br />
Juli Zeh:<br />
Über Menschen<br />
Luchterhand Verlag, 416 S., € 22,70<br />
„Was hatte ihm das Schicksal<br />
in den letzten vierundzwanzig<br />
Stunden in die Hände gelegt,<br />
dachte Dostojewskij … Vom<br />
Größten der Musikzunft zu<br />
einer Zusammenarbeit eingeladen“.<br />
Die angedachte Casanova-Oper<br />
hat es nie gegeben,<br />
aber möglich wär’s schon: Hier<br />
trifft der große Schwermütige<br />
jedenfalls auf den großen<br />
Lebenslustigen, Rossini, und die<br />
lichtdurchflutete Serenissima,<br />
Venedig. Sie werden für ihn<br />
Lebensquell und Jungbrunnen.<br />
Historischer Roman und<br />
Künstlerbiographie in einem:<br />
grandios! Bernhard Sandbichler<br />
Michael Dangl:<br />
Orangen für Dostojewskij<br />
Braumüller Verlag, 480 S., € 24,70<br />
Mit 14 beginnt sie zu schreiben,<br />
Mitte Februar 2021 ist<br />
Tamara Glück 17 und hat ihren<br />
ersten Roman publiziert – wow!<br />
Goldmond ist Sciencefiction<br />
und Lovestory. Im Post-Klimawandel-Zeitalter<br />
leben blaublütige<br />
Adelige auf der finanztechnokratischen<br />
Butterseite<br />
des Planeten ihr unsterbliches<br />
Leben, während die als „Redbloods“<br />
gebrandmarkte Masse<br />
ihrem Tod entgegenschuftet.<br />
Das schreit nach Revolution.<br />
Aber es ist die Liebe, jenes private<br />
Weltereignis, das diese Welt<br />
verändert. Für Romantiker*innen<br />
ab 13. Bernhard Sandbichler<br />
Tamara Glück:<br />
Goldmond<br />
Edition A Verlag, 352 S., € 18,50<br />
Ein Unfall in der Innsbrucker<br />
Leopoldstraße, ein verletzter<br />
Fußgänger und eine Fahrerflucht:<br />
Hans Platzgumer setzt<br />
in seinen Romanen gern<br />
existenzielle Fragen in Szene.<br />
In Bogners Abgang dreht sich,<br />
ausgehend von dem nächtlichen<br />
Zusammenstoß, alles um Begriffe<br />
wie Schuld und Einstehen<br />
für persönliches Versagen. Wird<br />
Bogner, Typ „gescheiterter, sich<br />
unverstanden fühlender Künstler“,<br />
die Verantwortung für sein<br />
Tun übernehmen? Platzgumer<br />
fordert seine Leser*innen zum<br />
Mit- und Nachdenken auf.<br />
Joe Rabl<br />
Hans Platzgumer:<br />
Bogners Abgang<br />
Zsolnay Verlag, 141 S., € 20,60<br />
Wer definiert Normalität? Der<br />
Vater, um den die mit viel Witz<br />
und Charme verfassten Anekdoten<br />
dieses Buches kreisen,<br />
erfindet seine eigene jeden Tag<br />
neu und führt sein Leben so,<br />
wie er es für richtig hält. Nicht<br />
alle können mit seinem Abweichen<br />
vom vermeintlichen<br />
Normalzustand umgehen. Und<br />
doch ist ein Mensch mit einer<br />
solchen Freude am Spiel und<br />
der Fähigkeit, jeder Alltäglichkeit<br />
eine lustvolle Note zu verleihen,<br />
schlichtweg zu beneiden.<br />
Ein Plädoyer für Unsinn und<br />
Seltsamkeit. Sarah Caliciotti<br />
Christian Futscher:<br />
Mein Vater, der Vogel<br />
Czernin Verlag, 160 S., € 20,60<br />
Eine Kindheit in Linz in den<br />
Sechzigerjahren, zwischen der<br />
Voest und dem Traum vom Aufstieg<br />
ins Bildungsbürgertum.<br />
Eine Siedlung am Stadtrand<br />
und viele Probleme, zwischen<br />
Doktorspielen der Kinder und<br />
Gerüchten um Skandale in der<br />
Nachbarschaft. Über allem die<br />
Gefühls- und Emotionslosigkeit<br />
der Erwachsenen und der<br />
Drang, mit Literatur eine Welt<br />
zu öffnen. Schreiner schreibt<br />
unprätentiös und ironisch über<br />
eine Kindheit des Mangels,<br />
nicht ohne zu diesem Schluss zu<br />
kommen: „Es war eine schöne<br />
Zeit.“ Bernd Schuchter<br />
Margit Schreiner:<br />
Vater. Mutter. Kind.<br />
Kriegserklärungen<br />
Schöffling Verlag, 222 S., € 22,70<br />
Ein Ding ohne Namen, das<br />
seinen Weg durch das Weltall<br />
nimmt und schließlich nahe<br />
einer kleinen portugiesischen<br />
Ortschaft einschlägt, um das<br />
Leben der Bewohner*innen<br />
für immer zu verändern. Ein<br />
Blick auf Leidenschaften, Nöte,<br />
Liebschaften und seltsame<br />
Machtstrukturen. Peixotos<br />
Roman ist eine Parabel auf die<br />
menschliche Existenz, nüchtern<br />
und ohne Pathos, aber dennoch<br />
getrieben von einer großen<br />
Freundlichkeit den Kreaturen<br />
gegenüber, die er mit all ihren<br />
Schwächen und Eitelkeiten so<br />
treffend beschreibt. Bernd Schuchter<br />
José Luís Peixoto:<br />
Galveias<br />
Septime Verlag, 309 S., € 24,60<br />
Violet ist ein Wunschkind, und<br />
Blythe möchte die liebevolle<br />
Mutter sein. Doch als man ihr<br />
das Neugeborene in den Arm<br />
legt, fühlt sich alles falsch an.<br />
Da ist nur Ablehnung, und je<br />
älter das Mädchen wird, desto<br />
mehr wächst die Angst vor Violet.<br />
Alles nur Einbildung? Oder<br />
ist das Mädchen tatsächlich<br />
absichtsvoll böse? Fox, der seine<br />
Tochter von ganzem Herzen<br />
liebt, beobachtet seine Frau<br />
mit wachsendem Misstrauen.<br />
Bis eines Tages das größtmögliche<br />
Unglück über die Familie<br />
hereinbricht. Lena Kripahle<br />
Ashley Audrain:<br />
Der Verdacht<br />
Penguin Verlag, 320 S., € 23,30<br />
Die Harpyie als eine mythologische<br />
Vogelgestalt strahlt<br />
mit ihrem Frauenkopf etwas<br />
beunruhigend Menschliches<br />
aus. Ebenso beunruhigend animalisch<br />
tobt es in der Protagonistin,<br />
als sie vom Betrug ihres<br />
Mannes erfährt. Das Männliche<br />
seit jeher als zerstörerisch erlebt<br />
habend, sinnt sie auf Rache<br />
und bestraft ihn, wie auch die<br />
Harpyien sich einst an ungehorsamen<br />
Menschen rächten.<br />
Zwischen dem Bemühen um<br />
Normalität und zunehmend<br />
brutaler Gewaltausübung<br />
scheint sie sich zu verlieren –<br />
und kommt zugleich endlich zu<br />
sich. Sarah Caliciotti<br />
Megan Hunter:<br />
Die Harpyie<br />
C.H.Beck Verlag, 229 S., € 23,30<br />
Ein Panoptikum des vorigen<br />
Jahrhunderts, das sich in einem<br />
einzigen Leben widerspiegelt –<br />
Michaela Lindingers Porträt<br />
von Elisabeth Petznek, der<br />
Tochter von Kronprinz Rudolf<br />
aus dem Hause Habsburg, die<br />
selbst Kaiserin hätte werden<br />
können, aber stattdessen später<br />
überzeugte Sozialdemokratin<br />
wurde, mutet wie ein modernes<br />
Märchen an. Reich illustriert<br />
und gut recherchiert vermittelt<br />
das Buch eine Ahnung davon,<br />
dass selbst ein Leben, das mit<br />
dem goldenen Löffel im Mund<br />
beginnt, tragisch enden kann.<br />
Bernd Schuchter<br />
Michaela Lindinger:<br />
Elisabeth Petznek – Rote Erzherzogin.<br />
Spiritistin. Skandalprinzessin<br />
Molden Verlag, 303 S., € 28,60<br />
Zwei junge Mädchen verschwinden<br />
spurlos. Die Spurensuche<br />
führt durch vielfältige<br />
Leben von Frauen innerhalb<br />
eines Patriachats, das sich<br />
konstant und doch verschleiert<br />
durch bekannte Sätze und<br />
Taten zeigt. Sensibel und mit<br />
äußerster Spannung streift Julia<br />
Phillips durch die Landschaft<br />
Kamtschatkas und zeigt den<br />
Leser*innen eine durch Rassismus<br />
gespaltene und männerdominierte<br />
Gesellschaft. Das<br />
komplexe Thema wird in diesem<br />
Buch mit Bedacht und abseits<br />
von simplen Urteilen kraftvoll<br />
beschrieben. Leonie Schiessendoppler<br />
Julia Phillips:<br />
Das Verschwinden der Erde<br />
dtv Verlag, 376 S., € 23,30<br />
Die titelgebenden Schwestern<br />
sind grundverschieden: Die<br />
Pastorenfrau Iulia arbeitet als<br />
Bankangestellte, weil sie die<br />
saubere Ordnung der Zahlen<br />
schätzt. Alles, was sie über<br />
Menschen wissen muss, hat in<br />
den Zahlenreihen von deren<br />
Konten Platz. Ihre Schwester<br />
Lone arbeitet als Hebamme.<br />
Als Lone nach einem Unfall im<br />
Koma liegt, kommt Iulia zufällig<br />
mit Lones Klientinnen in<br />
Kontakt und tauscht die sterile,<br />
gleichmäßig temperierte Bankfilialen-Welt<br />
mit einer voller<br />
Blut, Hormonen und Milchpumpen.<br />
Martin Fritz<br />
Mareike Krügel:<br />
Schwester<br />
Piper Verlag, 336 S., € 22,70<br />
Die Bibliothekarin Lizzie<br />
nimmt einen Nebenjob als<br />
Assistentin von Sylvia an. Die<br />
verdient ihr Geld mit einem<br />
Podcast und Vorträgen zur Klimakatastrophe.<br />
Neben diesen<br />
beiden Jobs unterstützt Lizzie<br />
ihren ehemals drogenkranken<br />
Bruder, ist die Telefonseelsorge<br />
ihrer Mutter und sorgt für<br />
ihren Sohn. Offill hat mit lauter<br />
kleinen Momentaufnahmen<br />
die perfekte Form gefunden für<br />
Lizzies Taumeln zwischen banalen<br />
Alltagssorgen und der nahen<br />
Katastrophe, die das Leben aller<br />
Menschen grundlegend verändern<br />
wird. Martin Fritz<br />
Jenny Offill:<br />
Wetter<br />
Piper Verlag, 224 S., € 20,60<br />
Dass ein wahrer Kenner dieses<br />
Buch verfasst hat, daran besteht<br />
kein Zweifel. Kurzke legt Lesenden<br />
am Anfang ein literarisches,<br />
fünfteiliges Besteck in<br />
die Hand. An dieses Schema,<br />
an Texte heranzugehen, hält er<br />
sich strikt. Das macht die Texte<br />
sehr gut vergleichbar, bzw.<br />
einordenbar. Denn auch auf<br />
die historischen Bezüge vergisst<br />
Kurzke nicht. Es ist auch schön<br />
zu lesen, dass er nicht auf die<br />
Lyrik vergisst. Und dass seine<br />
Literatur bis Dmitry Glukhovsky<br />
(Metro 2033) reicht, ist ja<br />
auch nicht schlecht!Robert Renk<br />
Hermann Kurzke:<br />
Handbuch für den Leser<br />
Beck Verlag, 312 S., € 25,30<br />
Spannung entsteht zwischen<br />
zwei Polen – etwa zwischen Ilja,<br />
der das Wetter mit einem Glasröhrchen<br />
vorhersagt, und Pjotr,<br />
der den Fluss und seine Geister<br />
konsultiert. Oder zwischen<br />
einem märchenhaften Dorf mit<br />
Wald und leschij einerseits und<br />
der Realität um 1920 andererseits,<br />
in der konkrete Kriege mit<br />
Versehrten ohne Nase hässlich<br />
knirschen. Oder zwischen<br />
zarter, lyrischer Sprache, wo es<br />
zauberhaft ist, und trockenen<br />
Aufzählungen, die manchmal<br />
bitter nötig sind. Ein zartes<br />
Debüt mit Mut und Macht.<br />
Merle Rüdisser<br />
Yulia Marfutova:<br />
Der Himmel vor hundert Jahren<br />
Rowohlt Verlag, 192 S., € 23,30
Mit 80 Jahren hat Ilse Helbich<br />
ihren ersten Roman Schwalbenschrift<br />
geschrieben. Das kann<br />
man getrost gelassen nennen.<br />
Nun – inzw. 98 Jahre alt –<br />
schreibt sie darüber. Ein poetisches<br />
kleines Buch über<br />
die Gelassenheit. Ihr großer<br />
Erfahrungsschatz wird in<br />
Anekdoten ausgebreitet,<br />
Beispiele und Gegenbeispiele<br />
bildstark verhandelt, wie zB.<br />
das Septembergefühl der Gelassenheit:<br />
„Dann versinkt das<br />
erregte Vielerlei der Stunden<br />
in der grenzenlosen Stille eines<br />
Ozeans. Tag um Tag, und noch<br />
ein Tag.“ Weise & schön!<br />
Robert Renk<br />
Ilse Helbich:<br />
Gedankenspiele über die Gelassenheit<br />
Droschl Verlag, 48 S., € 10,00<br />
Daniela Strigl ein „im Grunde<br />
fauler Mensch“? Schon ihre<br />
Freund*innen hegen Zweifel.<br />
Egal, wir danken ihrer Inkonsequenz.<br />
Ihr gedanklicher<br />
Streifzug durch das Themengebiet<br />
Faulheit ist so anregend,<br />
man wird nicht müde, weiterzulesen.<br />
Mit literarischen Bonmots<br />
gespickt, lesen wir u.a<br />
bei Marlen Haushofer: Kaum<br />
jemand sei so fleißig ist wie der<br />
„von Natur aus“ faule Mensch,<br />
„vielleicht von der Hoffnung<br />
erfüllt, endlich einmal alle anfallenden<br />
Pflichten hinter sich<br />
zu bringen und mit gutem<br />
Gewissen faul sein zu dürfen“.<br />
Robert Renk<br />
Daniela Strigl:<br />
Gedankenspiele über die Faulheit<br />
Droschl Verlag, 56 S., € 10,60<br />
Man weiß nicht genau, wer<br />
Annabel Lee ist. Wirklich nur<br />
eine Porzellanfigur oder doch<br />
die Geliebte der Erzählerin?<br />
Eins steht fest: Was sie sagt,<br />
wird auf die Waagschale gelegt.<br />
Mary Maclanes Roman<br />
erschien 1903. Den Staub der<br />
Ära wird er nicht wirklich los,<br />
trotzdem beinhaltet er einen<br />
spannenden Dialog zweier<br />
Frauen voller philosophischer<br />
Fragestellungen und wunderbare<br />
Beschreibungen Bostons<br />
und der Provinz. Langsam,<br />
bedacht und mit vielen Wortblumen<br />
bestickt: Ein Buch aus<br />
einer anderen Zeit.<br />
Ágnes Czingulzki<br />
Mary MacLane:<br />
Meine Freundin Annabel Lee<br />
Reclam Verlag, 153 S., € 18,00<br />
Die Romane Der Hundertjährige,<br />
der aus dem Fenster stieg<br />
und verschwand und Tschick<br />
haben wohl als Grundlage<br />
für dieses Buch gedient,denn<br />
Brisby steckt eine alte Frau,<br />
die trotz ihrer optimistischen<br />
Lebenshaltung sterben will, und<br />
einen vor Liebeskummer depressiven<br />
jungen Mann in einen<br />
Renault Twingo und schickt<br />
sie von Paris nach Brüssel. Da<br />
die alte Dame vom Seniorenheim<br />
ausgebüxt ist, wird sie<br />
von der Polizei gesucht. Das<br />
Abenteuer beginnt. Ein Buch<br />
voller Lebensweisheiten und<br />
Situationskomik.<br />
Ágnes Czingulzki<br />
Zoe Brisby:<br />
Reise mit zwei Unbekannten<br />
Eichborn Verlag, 416 S., € 19,10<br />
Wenn eine Frau aus Neuseeland<br />
auf eine kleine Insel in<br />
der Nordsee kommt, nur mit<br />
einem Foto in ihrer Tasche und<br />
sonst keinem Plan, ist klar: Hier<br />
passiert etwas Ungeheuerliches.<br />
Eine Familiengeschichte von<br />
vier Generationen und Frauenschicksalen<br />
voller Geheimnisse<br />
und Unterdrückung. Die<br />
teils dunklen Gegebenheiten<br />
versteht Prettin mit einem<br />
präzisen, einfachen Schreibstil<br />
zu beleuchten. Gleichzeitig ist<br />
der Roman eine Reise an die<br />
deutsche Meeresküste. Leichte<br />
Lesekost mit fesselndem<br />
Handlungsstrang.<br />
Ágnes Czingulzki<br />
Anne Prettin:<br />
Die vier Gezeiten<br />
Lübbe Verlag, 480 S., € 23,30<br />
Was für eine Autorin! Mit<br />
Frankenstein (1818) hat sie nicht<br />
nur den Horrorroman mitbegründet<br />
und genial die Dualität<br />
des technischen Fortschritts<br />
behandelt, nun lernen wir, dass<br />
sie auch für die erste Dystopie<br />
der Weltliteratur verantwortlich<br />
ist! Noch dazu ein Pandemieroman,<br />
denn im 21. Jahrhundert<br />
breitet sich über Griechenland<br />
eine neue Pest aus – mit<br />
verheerenden Auswirkungen<br />
auf Menschheit, Politik und<br />
Wirtschaft. Mehr up to date<br />
kann man wirklich nicht sein,<br />
wenn man 1797 geboren wurde.<br />
Großartig! Robert Renk<br />
Mary Shelly:<br />
Der letzte Mensch<br />
Reclam Verlag, 587 S., € 26,00<br />
Durch die neue Netflix-Serie<br />
ist die Schach spielende Beth<br />
Harmon jetzt weltweit bekannt.<br />
Der Autor, der sie erfunden<br />
hat, erlebt eine kleine Renaissance.<br />
Und das ist gut so.<br />
Nicht nur, dass er Autor von<br />
sechs Romanen ist, von denen<br />
mehrere hochkarätig verfilmt<br />
wurden (Die Haie der Großstadt<br />
mit Paul Newman, Die Farbe<br />
des Geldes mit Tom Cruise, Der<br />
Mann, der vom Himmel fiel mit<br />
David Bowie), er kann auch<br />
über Schachpartien so schreiben,<br />
dass sie selbst für Nicht-<br />
Schachspieler*innen enorm<br />
spannend zu lesen sind.<br />
Robert Renk<br />
Walter Tevis:<br />
Das Damengambit<br />
Diogenes Verlag, 496 S., € 25,30<br />
Wie viele Bücher lesen sie im<br />
Monat? Eines? Fünf? Da gehören<br />
sie quasi schon zu den<br />
Profileser*innen! Helmuth<br />
Schönauer hat im letzten Jahr<br />
130 Bücher gelesen. Und er hat<br />
sie rezensiert. Schönauer ist<br />
eine Bibliothek auf zwei Füßen.<br />
Schönauer ist das kompletteste<br />
literarische Jahresprogramm;<br />
kompletter als jede (abgesagte)<br />
Buchmesse. So stimmt man<br />
Gerhard Ruiss gerne zu: „es<br />
gibt selten etwas zu lesen, das<br />
von einem ebenso hohen literarischen<br />
wie dokumentarischen<br />
Wert ist wie Helmuth Schönauers<br />
Buch in Pension.“ Robert Renk<br />
Helmuth Schönauer:<br />
Buch in Pension 2<br />
Sisyphus Verlag, 240 S., € 15,00<br />
Der neue Roman des Nobelpreisträgers<br />
wird aus der<br />
Perspektive einer künstliche<br />
Intelligenz erzählt. Klara ist<br />
diese künstliche Intelligenz, sie<br />
soll Kinder auf dem Weg zum<br />
Erwachsenwerden begleiten.<br />
Die Erwartungen, die an sie<br />
gestellt werden, sind nicht zu<br />
erfüllen, denn sie sind menschlich,<br />
und also nicht rational.<br />
Gefühle nach Sinnhaftigkeit<br />
abzuklopfen, ist ebenso sinnlos<br />
wie wunderbar zu lesen, und<br />
Ishiguro macht daraus einen<br />
grandiosen, spannenden und<br />
nachdenklich stimmenden<br />
Roman. Berührend & entlarvend!<br />
Robert Renk<br />
Kazuo Ishiguro:<br />
Klara und die Sonne<br />
Blessing Verlag, 352 S., € 24,70<br />
Arnautovic erzählt die Geschichte<br />
ihres Vaters. Eines<br />
Lebens, das von politischen<br />
Verfolgungen und der Suche<br />
nach Liebe und den Wurzeln<br />
geprägt ist. Der Vater ist ein<br />
Kind, das trotz allem überlebt<br />
und dabei wie vergessenes Brot<br />
verhärtet. Nüchtern skizziert<br />
Arnautovic Krieg, Folter, Gulag<br />
und Verschleppung mit Hilfe<br />
von Briefen und Verhören, um<br />
eine Seite weiter mit poetischen<br />
Beschreibungen des Nachkriegs-Wiens<br />
und der russischen<br />
Stadt Kursk zwischen 1900 und<br />
1960 sich in Hirn und Herz zu<br />
brennen. Ágnes Czingulszki<br />
Ljuba Arnautovic:<br />
Junischnee<br />
Zsolnay Verlag, 188 S., € 22,70<br />
Der Reclam-Verlag hat nicht<br />
nur seine gelben Hefte, er ist<br />
auch für äußerst schöne und<br />
sinnvolle Prestigeprojekte zu<br />
haben. Diesmal hat sich der<br />
Verlag auf Dante Alighieri<br />
gestürzt. Im krisenreichen<br />
Übergang vom Mittelalter zur<br />
Neuzeit, schrieb Dante seine<br />
Commedia, eine gewagte künstlerische<br />
Reise in die Jenseitsreiche<br />
Inferno, Purgatorio und<br />
Paradiso. In der preisgekrönte<br />
Übersetzung von Hartmut<br />
Köhler liegt sie hier neu,<br />
zweisprachig, in drei schönen<br />
Bänden vor. Ein verlegerisches<br />
Meisterwerk. Robert Renk<br />
Dante Alighieri:<br />
La Commedia / Die Göttliche Komödie,<br />
3 Bde. im Schuber<br />
Reclam Verlag, 2082 S., € 60,00<br />
Für mich war er einer der<br />
wichtigsten Schriftsteller überhaupt,<br />
der wunderbare, leider<br />
2013 verstorbene Autor Jörg<br />
Steiner. Über allen Texten steht<br />
stets eine große Wärme und<br />
Zuneigung (und so war er auch<br />
als Mensch). Trotzdem hat er<br />
seinen Finger tief in die Stellen<br />
gesellschaftlicher Probleme<br />
gedrückt. Oft war seine Druckstelle<br />
die erste und immer war<br />
sie wohl formuliert. Diese<br />
schöne, vierbändige Ausgabe<br />
versammelt Steiners Romane,<br />
die wichtigsten Erzählungen<br />
und ausgewählte Essays.<br />
Robert Renk<br />
Jörg Steiner:<br />
Gesammelte Werke<br />
Suhrkamp Verlag, 1788 S., € 75,00<br />
Alisha Rai verbindet auf spannende<br />
und durchaus erotische<br />
Weise Westside-Story und Colin<br />
Hoover. Einmal im Jahr treffen<br />
sich Nicholas und Olivia irgendwo<br />
auf der Welt für eine einzige<br />
leidenschaftliche Nacht – aber<br />
nicht für mehr. So lautet ihr<br />
unausgesprochenes Arrangement,<br />
denn nach einem schrecklichen<br />
Unfall sind die Familien<br />
Chandler und Kane verfeindet.<br />
Bis Olivia eines Tages nicht auftaucht<br />
und Nicholas sich fragen<br />
muss, ob seine Gefühle für sie<br />
nicht doch viel größer sind, als<br />
er dachte … Robert Renk<br />
Alisha Rai:<br />
Wenn dein Blick mich trifft –<br />
Forbidden Hearts<br />
Lübbe Verlag, 384 S., € 12,90<br />
Für Jim Morrison scheint<br />
alles zu Ende, bevor es richtig<br />
losgegangen ist. Zwar hat<br />
der gescheiterte Filmstudent<br />
seine eigene Band, The Doors,<br />
gegründet, aber ihre Karriere<br />
droht in schäbigen Vorstadtspelunken<br />
zu versanden. Eines<br />
Abends sitzt ein Typ im Publikum,<br />
der dort nicht hinpasst.<br />
Seine bloße Anwesenheit stört –<br />
und Jim verliert die Nerven.<br />
Von da an wird alles anders.<br />
Jim Morrison soll im Sommer<br />
1971 in Paris gestorben sein.<br />
Angeblich in einer Badewanne<br />
ertrunken. Markus Renk<br />
Jürgen Kaizik:<br />
Ich und der Andere<br />
braumüller Verlag, 255 S., € 22,00<br />
Die Wissenschaftsjournalistin<br />
Dr. Mai Thi Nguyen-Kim<br />
untersucht mit analytischem<br />
Scharfsinn und unbestechlicher<br />
Logik brennende Streitfragen<br />
unserer Gesellschaft. Bestechend<br />
klarsichtig, wunderbar<br />
unaufgeregt und herrlich<br />
kurzweilig ermittelt sie anhand<br />
wissenschaftlicher Erkenntnisse<br />
das, was faktisch niemand in<br />
Abrede stellen kann, wenn es<br />
beispielsweise um Gender-Pay-<br />
Gap, Klimawandel oder Corona<br />
geht – und zeigt, wo wir uns<br />
mangels Beweisen noch zurecht<br />
munter streiten dürfen.<br />
Lena Kripahle-Wiek<br />
Mai Thi Nguyen-Kim:<br />
Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit<br />
Droemer/Knaur Verlag,<br />
368 S., € 21,20<br />
Warum treffen wir, je nach Umständen,<br />
völlig unterschiedliche<br />
Entscheidungen auf ein und<br />
derselben Faktengrundlage?<br />
In seinem neuen Buch klärt<br />
Nobelpreisträger Daniel Kahneman<br />
über die Vielzahl von oft<br />
zufälligen Faktoren auf, die<br />
unsere Entscheidungsfindung<br />
stören und häufig negativ beeinflussen<br />
– sie sind im Begriff<br />
Noise zusammengefasst. Wir<br />
müssen lernen, diese Störgeräusche<br />
zu verstehen, nur dann<br />
können wir auf Dauer bessere<br />
Entscheidungen treffen.<br />
Maria Neumayr<br />
Daniel Kahneman (et al.):<br />
Noise: Was unsere Entscheidungen verzerrt<br />
– und wie wir sie verbessern können<br />
Siedler Verlag, 480 S., € 31,50
5 Fragen an die story.one-<br />
Autorin Tamara Stocker<br />
Von Gerlinde Tamerl<br />
Gelingt es uns noch, als Staunende<br />
auf die Welt zu blicken<br />
und den Tag zu pflücken? Diese<br />
grundlegende Frage stellen<br />
Michaela Merten und Pierre<br />
Franckh Autor*innen, die die<br />
Antwort darauf kennen sollten,<br />
und bitten sie, ihre persönlichen<br />
Glücksgeheimnisse zu<br />
verraten: Bestsellerautor*innen<br />
wie Robert Betz, Stefanie<br />
Stahl, Laura Malina Seiler und<br />
Thomas Brezina verraten in<br />
diesem Buch ihre einzigartigen<br />
Glücksformeln und zeigen in<br />
insgesamt 12 Beiträgen, wie wir<br />
den Weg zurück zum Glück<br />
finden können.<br />
Michaela Merten und Pierre Franckh:<br />
Die 12 Glücksbringer<br />
Gräfe & Unzer Verlag,<br />
192 S., € 18,10<br />
Die Neurowissenschafterin<br />
Dr. Manuela Macedonia zeigt,<br />
wie das Gehirn von wertvoller<br />
Nahrung profitiert, aber auch,<br />
welchen Schaden ungesunde<br />
Kost anrichtet. Einfach und allgemein<br />
verständlich erklärt sie,<br />
woher unsere Vorliebe für Süßes<br />
kommt und warum Schokolade<br />
glücklich macht. Sie belegt,<br />
warum die mediterrane Küche<br />
besser abschneidet als die westliche<br />
Diät und weshalb Fasten<br />
dem Gehirn guttut. Ein sehr<br />
persönliches und humorvolles<br />
Sachbuch mit wissenschaftlich<br />
fundierten Ernährungstipps!<br />
Manuela Macedonia:<br />
Iss dich klug!<br />
Ecowin Verlag, 208 S., € 24,60<br />
Ist die Seele verletzt und das<br />
Ego beleidigt, ist der Wunsch<br />
nach Rache nicht weit. Der<br />
Psychotherapeut und Bestsellerautor<br />
Reinhard Haller kennt<br />
die kleine, fiese, quälende innere<br />
Stimme, die nach Revanche<br />
schreit, die das vermeintliche<br />
oder tatsächliche Unrecht<br />
sühnen will. Er kennt aber auch<br />
die großen Kriminalfälle, in<br />
die er als forensischer Psychiater<br />
Einblick hatte. Er zeigt, in<br />
welche Abgründe die Rachsucht<br />
führt und dass auch die<br />
süßeste Rache einen bitteren<br />
Beigeschmack hat.<br />
Reinhard Haller:<br />
Rache: Gefangen zwischen Macht<br />
und Ohnmacht<br />
Ecowin Verlag, 240 S., € 24,60<br />
Kneipps Fünf-Säulen-Philosophie<br />
für einen gesunden<br />
Lebensstil ist heute so modern<br />
wie vor 200 Jahren. Gesunde<br />
Ernährung, ausreichend Bewegung,<br />
Ausgewogenheit im<br />
Alltag sowie die heilende Kraft<br />
von Kräutern und Wasser sind<br />
nach wie vor unbestritten. Vor<br />
allem kommt es aber auf das<br />
individuell angepasste Zusammenspiel<br />
dieser Säulen an.<br />
Das große Kneipp-Buch bringt<br />
Pfarrer Kneipps Ansatz auf<br />
den neuesten Stand und zeigt,<br />
wie sich die traditionsreichen<br />
Prinzipien auch heute noch anwenden<br />
lassen.<br />
Hans Gasperl:<br />
Das große Kneipp-Buch<br />
Servus Verlag, 200 S., € 30,00<br />
Du bist TT-Onlineredakteurin, und<br />
beim Lesen deiner Kolumnen, etwa<br />
über den „Bachelor“, bleibt kein<br />
Auge trocken. Woher kommt deine<br />
Begeisterung für Trash-TV?<br />
Man kann sich so herrlich darüber aufregen.<br />
Und wenn du glaubst, du hast schon<br />
alles gesehen, kommt der nächste Knaller<br />
um die Ecke. Trash-TV macht genau das,<br />
was es soll: unterhalten. Bei all dem Mist,<br />
der auf der Welt abgeht, tut es gut, wenn<br />
man den Kopf hin und wieder durchlüften<br />
kann.<br />
Wenn Du nicht journalistisch<br />
arbeitest, dann trifft man Dich auf<br />
Poetry-Slam-Bühnen. Wie ist es<br />
dazu gekommen?<br />
Ich war 2018 beim Tagebuch-Slam im<br />
Treibhaus zuschauen. Das hat mein Leben<br />
sehr bereichert. Zwei Monate später saß<br />
ich selbst dort auf der Bühne und habe aus<br />
meinem alten Tagebuch vorgelesen. 2019<br />
hatte ich dann nach langem Hadern meinen<br />
ersten Poetry-Slam-Auftritt. Seither ist<br />
dieses Format für mich ein kreatives Ventil,<br />
irrwitzige Gedanken loszuwerden, die im<br />
Berufsalltag keinen Platz haben.<br />
Christine Sonvilla und Marc<br />
Graf gehen in diesem eindrucksvollen<br />
Bildband auf<br />
fotografische Spurensuche nach<br />
dem Wildnispotenzial Europas.<br />
Gemeinsam mit zahlreichen<br />
Expert*innen beleuchten sie<br />
das Spannungsfeld zwischen<br />
Naturschutz und wirtschaftlichen<br />
Interessen und zeigen<br />
Wege des Miteinanders auf.<br />
Eine fotografische Reportage<br />
mit aktueller und brisanter<br />
Thematik sowie faszinierenden<br />
Fotografien von urwüchsigen<br />
Wäldern, wilden Flüssen, rauen<br />
Bergen und den drei großen<br />
Raubtieren.<br />
Marc Graf und Christine Sonvilla:<br />
Das wilde Herz Europas: Die Rückkehr<br />
von Luchs, Wolf und Bär<br />
Knesebeck Verlag, 160 S., € 36,00<br />
Europas bester vegetarischer<br />
Koch verdeutlicht mit diesem<br />
Kochbuch erneut seine Wertschätzung<br />
gegenüber Natur,<br />
Menschen, Tieren und Lebensmitteln<br />
– und natürlich seine<br />
Leidenschaft für gutes Essen!<br />
Restlos glücklich hält, was der<br />
Titel verspricht: Auch scheinbare<br />
Nebendarsteller wie<br />
Wurzel, Blatt, Schale und Kern<br />
werden in diesem Kochbuch<br />
gefeiert und beweisen, dass<br />
nachhaltiger Genuss keinesfalls<br />
Verzicht bedeutet. Ein Kochbuch,<br />
das das volle Potenzial<br />
der Gemüseküche ausschöpft!<br />
Paul Ivić:<br />
Restlos glücklich<br />
Brandstätter Verlag,<br />
192 S., € 30,60<br />
Die Schülerin und Klimaaktivistin<br />
Lea Elci demonstriert,<br />
wie wir alle unseren Teil dazu<br />
beitragen können, die Welt<br />
zu verbessern: durch gutes,<br />
unkompliziertes und dabei<br />
klimaschonendes Essen! Unterstützt<br />
von Kochbuchstars wie<br />
Sarah Wiener und Stevan Paul<br />
zeigt Lea Elci, dass der Weg<br />
zu weniger Treibhausgasen,<br />
Wasserverbrauch, Tierleid und<br />
zur Erhaltung der Regenwälder<br />
über unsere Teller führt. Ein<br />
nachhaltiges, vegetarisches<br />
Kochbuch, das wirklich aus der<br />
Masse heraussticht!<br />
Lea Elci:<br />
Umessen: Das Kochbuch für<br />
eine bessere Welt<br />
Brandstätter Verlag, 168 S., € 20,00<br />
Nach dem Zweiten Weltkrieg<br />
sucht der kleine Rest von<br />
Jüd*innen, der den Holocaust<br />
überlebt hat, nach einer neuen<br />
Heimat. Viele von ihnen begeben<br />
sich auf eine gefahrvolle<br />
Reise nach Palästina. Diese<br />
Rekonstruktion einer einzigartigen<br />
Fluchtbewegung<br />
schildert die Geschehnisse<br />
anhand von 45 chronologisch<br />
angeordneten Episoden. Sie<br />
informiert über die Lager<br />
der Nachkriegszeit, das<br />
geheime Netzwerk der Fluchthelfer*innen<br />
und die Routen<br />
über Alpenpässe zu Schiffen<br />
nach Palästina.<br />
Hans-Joachim Löwer:<br />
Flucht über die Alpen<br />
Tyrolia-Verlag, 336 S., € 28,00<br />
In deinem neuen Buch ist dein Ton<br />
viel ernster.<br />
Wie es im Leben auch oft ist: Im einen<br />
Moment lachst du, im nächsten bist du<br />
schrecklich nachdenklich. Manche Gedanken<br />
niederzuschreiben und öffentlich<br />
zu machen, hat mich aber schon sehr viel<br />
Überwindung gekostet. Gleichzeitig hat<br />
es gut getan, sich so intensiv damit zu beschäftigen.<br />
Diese Texte sind wie innere<br />
Monologe angelegt. Sie handeln<br />
etwa von Frauenfeindlichkeit<br />
und davon, wie unrealistische<br />
Schönheitsideale die weibliche<br />
Psyche beeinflussen.<br />
Ja, das sind Themen, die mich aufregen<br />
und belasten. Ich habe oft geglaubt, mit<br />
diesem Druck und diesen Gedanken alleine<br />
zu sein. Das ist aber nicht so. Es gibt immer<br />
Gleichgesinnte. Wenn wir Frauen öfters den<br />
Mut hätten, darüber miteinander zu reden,<br />
würde uns das sehr viel stärker machen.<br />
© privat<br />
Was begeistert dich am Schreiben?<br />
Alles. Gefühlt konnte ich schon früher<br />
schreiben als sprechen. Schreiben bedeutet<br />
für mich, etwas zu (er)schaffen – und zu<br />
hinterlassen. Wenn ich schreibe, treffen<br />
sich mein Herz und meine Gedanken in<br />
meinen Fingern, und sie feiern zusammen.<br />
Manchmal kommt die Party schnell in<br />
Gang, manchmal dauert es wieder ein bisserl<br />
länger. Am Ende geht‘s mir aber immer<br />
gut.<br />
Tamara Stocker wurde 1992 in Innsbruck geboren<br />
und lebt in Inzing. Die story.one-Autorin ist als<br />
Onlineredakteurin bei der Tiroler Tageszeitung<br />
tätig. Seit 2019 tritt sie regelmäßig bei Poetry-Slams<br />
auf. Die Liebe zum Schreiben ist die beständigste<br />
Beziehung ihres Lebens. Vom eigenen Roman träumt<br />
sie noch.<br />
Buchtipp:<br />
Tamara Stocker:<br />
Haftnotizen – Gefangen im<br />
Wahnsinn des Lebens<br />
story one<br />
64 S., € 14,00<br />
Exklusiv erhältlich in der<br />
Wagner’schen Buchhandlung
Mit<br />
tödlichen<br />
Grüßen:<br />
Die Queen ist „not amused“,<br />
als sie eines Morgens über die<br />
Leiche eines ihrer Lakaien<br />
stolpert. Da das Opfer Robin<br />
Tukes als depressiv bekannt<br />
war, geht man von einem Suizid<br />
aus und es werden keine weiteren<br />
Ermittlungen angestellt.<br />
Doch weder die Queen noch<br />
das Hausmädchen Jane Bee,<br />
eine gute Freundin von Robin,<br />
glauben an diese Theorie. Sie<br />
vermuten: Mord! Und für die<br />
Queen ist sofort klar, dass die<br />
beiden gemeinsam den Täter<br />
zur Strecke bringen werden.<br />
Band 1 der Reihe: Ihre Majestät<br />
ermittelt.<br />
C. C. Benison:<br />
Tod im Buckingham-Palast<br />
Bastei Lübbe Verlag, 336 S., € 10,90<br />
Es ist Winter in Innsbruck.<br />
Ein Obdachloser rettet sich in<br />
eine seit Langem leer stehende<br />
Wohnung am Waldrand. Im<br />
Schlafzimmer findet er eine<br />
Leiche, die dort seit zwanzig<br />
Jahren unentdeckt geblieben<br />
war. Ein gefundenes Fressen<br />
für Pressefotograf David<br />
Bronski. Er hält das Unheil<br />
fest, ist fasziniert von der Stille<br />
des Todes. Dafür zieht er sich<br />
zurück in seine Dunkelkammer.<br />
Porträts von toten Menschen.<br />
Es ist sein Versuch, wieder Sinn<br />
zu finden nach einem schweren<br />
Schicksalsschlag.<br />
Bernhard Aichner:<br />
Dunkelkammer<br />
btb Verlag, 352 S., € 18,10<br />
Als eine Frau namens Trish<br />
Klein in aufgewühltem Zustand<br />
in New Iberia auftaucht, stellt<br />
Dave Robicheaux fest, dass es<br />
sich dabei um die Tochter von<br />
Dallas Klein handelt – seinem<br />
Freund aus dem Vietnamkrieg.<br />
Kaum angekommen, schließt<br />
Trish zweifelhafte Deals in<br />
Casinos ab. Der Verdacht<br />
kommt auf, dass sie einen viel<br />
größeren Coup plant. Kann es<br />
sein, dass Trish den Mord an<br />
ihrem Vater rächen will? Um<br />
den Fall aufzuklären, muss<br />
Robicheaux sich endlich seinen<br />
Schuldgefühlen stellen.<br />
James Lee Burke:<br />
Dunkle Tage im Iberia Parish<br />
Pendragon Verlag, 480 S., € 25,30<br />
Still liegt der Bodensee vor der<br />
idyllischen Bergkulisse. Am<br />
Ufer wird die Leiche einer jungen<br />
Frau gefunden. Ihr Tattoo<br />
führt die ermittelnden Kommissare<br />
Bosse und Grimm zu einer<br />
kleinen, aber militanten Gruppe<br />
von Tierschützer*innen. Das<br />
Opfer wird als Nele Gruber,<br />
Anführerin der freedog, identifiziert.<br />
In der Landbevölkerung<br />
gibt es so einige, die kein Verständnis<br />
für die teilweise radikalen<br />
Aktionen der freedog<br />
aufbringen. Und auch die<br />
Aktivist*innen selbst waren<br />
sich bei Weitem nicht in allen<br />
Belangen grün.<br />
Thomas J. Fraunhoffer:<br />
Die Toten von Lindau<br />
Bastei Lübbe Verlag,<br />
368 S., € 12,00<br />
Das Festnetz-Telefon klingelt,<br />
als sie am Fenster steht<br />
und ihren Enkelkindern zum<br />
Abschied winkt. Agneta hebt<br />
den Hörer ab: „Geiger“, sagt<br />
jemand und legt auf. Agneta<br />
weiß, was das bedeutet. Sie geht<br />
zu dem Versteck, entnimmt<br />
eine Waffe mit Schalldämpfer<br />
und tritt an ihren Mann heran,<br />
der im Wohnzimmer sitzt und<br />
Musik hört. Sie setzt den Lauf<br />
an seine Schläfe – und drückt<br />
ab. Als Kommissarin Sara<br />
Nowak von diesem kaltblütigen<br />
Mord hört, ist sie alarmiert.<br />
Sie kennt die Familie seit ihrer<br />
Kindheit …<br />
Gustaf Skördeman:<br />
Geiger<br />
Lübbe Verlag, 496 S., € 17,10<br />
Keine schreibt so rotzfrech und<br />
so authentisch wie sie. Und<br />
ohne Staatsanwältin Chastity<br />
Riley wäre nicht nur Hamburg,<br />
sondern sicher die gesamte<br />
deutschsprachige Krimiliteratur<br />
beträchtlich ärmer. In ihrem<br />
nun 10. Band muss sich unsere<br />
trinkfeste Lieblingsermittlerin<br />
ihren eigenen Familiengeheimnissen<br />
stellen. Deshalb haut sie<br />
ab nach Glasgow, während in<br />
Hamburg ganze Straßenzüge<br />
brennen und sich ein paar Immobilienmakler<br />
gegenseitig die<br />
Gesichter wegpusten.<br />
Simone Buchholz:<br />
River Clyde<br />
Suhrkamp Verlag, 230 S., € 17,10<br />
68<br />
Wagner’sche.<br />
Seit Jahren verschwinden junge<br />
Frauen indigener Herkunft.<br />
Für die Polizei scheinen diese<br />
Verbrechen keine Priorität<br />
zu haben. Die 15-jährige<br />
Jeanette wird in Montreal tot<br />
aufgefunden und die Medien<br />
berichten darüber, Le Roux<br />
und Garner werden auf den<br />
Fall angesetzt. Ihre erste Anlaufstelle<br />
ist ein Cree-Reservat<br />
im hohen Norden Quebecs.<br />
Dort stoßen die Polizisten auf<br />
Ablehnung. Die Ermittler kommen<br />
immer mehr in Bedrängnis,<br />
denn es werden weitere Opfer<br />
befürchtet, und auch der Täter<br />
wird zur Zielscheibe.<br />
Frauke Buchholz:<br />
Frostmond<br />
Pendragon Verlag, 288 S., € 19,10<br />
Man denkt, eine luxuriöse<br />
Seniorenresidenz in der idyllischen<br />
Grafschaft Kent sei ein<br />
friedlicher Ort. Das dachte auch<br />
Joyce, als sie in Coopers Chase<br />
einzog. Bis sie Elizabeth, Ron<br />
und Ibrahim kennenlernt. Sie<br />
wird Teil ihres Clubs, der sich<br />
immer donnerstags trifft, um<br />
ungelöste Kriminalfälle aufzuklären.<br />
Als dann direkt vor<br />
ihrer Haustür ein Mord verübt<br />
wird, ist der Ermittlungseifer<br />
der vier Senior*innen geweckt,<br />
und selbst der Chefinspektor<br />
der lokalen Polizeidienststelle<br />
kommt ins Staunen.<br />
Richard Osman:<br />
Der Donnerstagsmordclub<br />
List Verlag, 464 S., € 17,10<br />
(Erscheint am 03.05.2021)<br />
Bei einem Besuch in Athen<br />
nimmt die griechische Polizei<br />
den Ex-Präsidenten der USA<br />
im Auftrag des Internationalen<br />
Strafgerichtshofs fest. Sofort<br />
bricht diplomatische Hektik<br />
aus. Das Weiße Haus stößt<br />
Drohungen gegen den Internationalen<br />
Gerichtshof und<br />
alle Staaten der Europäischen<br />
Union aus. Für Dana Marin<br />
beginnt ein Kampf gegen übermächtige<br />
Gegner. Währenddessen<br />
bereitet ein Einsatzteam<br />
die gewaltsame Befreiung<br />
des Ex-Präsidenten vor, um<br />
dessen Überstellung nach Den<br />
Haag mit allen Mitteln zu<br />
verhindern …<br />
Marc Elsberg:<br />
Der Fall des Präsidenten<br />
Blanvalet Verlag, 608 S., € 25,30<br />
Die kleine Insel Bargsand inmitten<br />
der Unterelbe: Aus dem<br />
Sand ragt der Schädel eines<br />
Skeletts. Paulsen und Haverkorn<br />
von der Mordkommission<br />
Itzehoe stehen vor einem Rätsel.<br />
Wer war dieser Mann, der vor<br />
dreißig Jahren mit gefesselten<br />
Händen dort im Schlick vergraben<br />
wurde? Kurz darauf<br />
wird ein Hamburger Bauunternehmer<br />
tot aufgefunden, wie<br />
das Opfer von Bargsand. Die<br />
Spur führt das Ermittlerduo in<br />
die damalige DDR. Der vierte<br />
Band mit Frieda Paulsen und<br />
Bjarne Haverkorn.<br />
Romy Fölck:<br />
Mordsand<br />
Lübbe Verlag, 432 S., € 21,20<br />
Frank Bosman bekämpft mit<br />
seinem Team Arslan Aziz,<br />
den Kopf einer libanesischen<br />
Großfamilie. Als die albanische<br />
Mafia auf den Markt drängt<br />
und Arslans Bruder Tarik<br />
einen Konkurrenten ermordet,<br />
sieht Bosman die Chance, den<br />
ganzen Clan zur Strecke zu<br />
bringen. Doch die Festnahme<br />
endet blutig, und Bosman<br />
kommt schwer unter die Räder.<br />
Es stellt sich heraus, dass sein<br />
Schwager Harry in den Fall<br />
verwickelt ist. Er schuldet Aziz<br />
eine Menge Geld. Der Libanese<br />
ist Band 1 rund um Ermittler<br />
Frank Bosman.<br />
Clemens Murath:<br />
Der Libanese<br />
Heyne Verlag, 480 S., € 17,10<br />
Um der Midlifecrisis zu entgehen,<br />
begibt sich Björn Diemel<br />
auf Pilgerreise. Schnell stellt<br />
sich auf dem Jakobsweg heraus,<br />
dass Björns Leben die Mitte<br />
bereits längst überschritten<br />
haben könnte: Ein unbekannter<br />
Mitpilger versucht, ihn zu<br />
töten. Während bei den scheiternden<br />
Anschlägen auf ihn ein<br />
Pilger nach dem anderen seinen<br />
Lebensweg verlässt, versucht<br />
Björn ganz achtsam, sich seiner<br />
Haut zu wehren. Seine Pilgerfragen<br />
nach Leben, Tod und<br />
Erfüllung bekommen plötzlich<br />
eine sehr praxisnahe Relevanz.<br />
Karsten Dusse:<br />
Achtsam morden am Rande der Welt<br />
Heyne Verlag, 384 S., € 21,20
Die Bibliothek<br />
der wartenden Bücher<br />
Autor*innen<br />
dieser Ausgabe<br />
In Telfs bekommt die Leidenschaft für Bücher mehr Raum<br />
Im Laufe des Frühjahres öffnet die neu<br />
übersiedelte Telfer Bücherei ihre Pforten<br />
am Wallnöferplatz, wo die über 800 aktiven<br />
Leser*innen in Zukunft das vielfältige<br />
Angebot nutzen können.<br />
Zuallererst sieht sich die Bücherei als<br />
Informationsquelle für alle und jede*n,<br />
unabhängig von Alter, sozialer Stellung,<br />
Herkunft, Geschlecht oder Bildungshintergrund.<br />
Lesen soll aber nicht nur<br />
Wissen vermitteln, sondern vor allem Spaß<br />
machen. Darum gibt es zum Beispiel für<br />
Kindergartenkinder und Schüler*innen<br />
neben (vorgelesenen) Geschichten auch<br />
Buchstabensuppe und Kekse. Das Credo<br />
lautet: Jede*r ist willkommen, egal ob Fachbuchleserin,<br />
Lyrikenthusiast, Krimifan oder<br />
Bilderbuchausleiher! Dabei geht es nicht<br />
nur um das Dealen mit Lesestoff, sondern<br />
70<br />
auch um Begegnung, Gespräch, Bleiben<br />
und Wiederkommen. Dem Dioskurenpaar<br />
Mensch und Buch gilt die ganze Liebe.<br />
Dazu gibt es ein großes Angebot an Spielen,<br />
CDs, DVDs und digitalen Medien.<br />
Daneben versteht sich die Bücherei<br />
auch als Ort der Literaturvermittlung, wo<br />
Leser*innen in Kontakt mit Autor*innen<br />
kommen können, um zu erfahren, wer<br />
hinter den Romanen, Gedichten und Erzählungen<br />
steht. Dank der guten Vernetzung<br />
mit der heimischen Literaturszene waren<br />
zahlreiche Tiroler Autor*innen wie Bernhard<br />
Aichner, U. Elisabeth Sarcletti und<br />
Joe Fischler zu Besuch, doch auch internationale<br />
Größen wie Alex Beer, Håkan<br />
Nesser oder José F. A. Oliver waren schon<br />
in Telfs zu Gast.<br />
All das wäre nicht möglich, wenn es<br />
nicht eine Vielzahl von Menschen gäbe,<br />
in deren Herzen eine große Leidenschaft für<br />
die Bücherei brennt: Sie stellen ihre Freizeit,<br />
ihren Ideenreichtum, ihren Tatendrang, ihre<br />
Interessen und Kenntnisse zur Verfügung,<br />
um aus der Bücherei ein Abenteuer zu<br />
machen!<br />
Die Geister und Seelen der übersiedelten<br />
Bücher warten schon sehnsüchtig darauf,<br />
ausgeliehen und gelesen zu werden.<br />
© Bücherei Telfs<br />
71<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Stefan Abermann, geboren 1983, lebt in Innsbruck. Gehört<br />
zu den erfolgreichsten Poetryslammern Österreichs und gewann<br />
2008 den Ö-Slam, die österreichischen Slam-Meisterschaften.<br />
Seither liest er vor, tritt auf und schreibt Kurztexte,<br />
(Kinder-)Theaterstücke und Romane. Zuletzt erschien im<br />
Feber 21 sein Kurzgeschichtenband Changes in der edition<br />
laurin. www.stefanabermann.org<br />
Bernhard Aichner, lebt als Schriftsteller und Fotograf in<br />
Innsbruck. Er schreibt Romane, Hörspiele und Theaterstücke.<br />
Für seine Arbeit wurde er mit mehreren Literaturpreisen<br />
und Stipendien ausgezeichnet, zuletzt mit dem<br />
Burgdorfer Krimipreis 2014, dem Crime-Colgne-Award<br />
2015 und dem Friedrich-Glauser-Preis 2017. Seine Thriller<br />
wurden in 16 Sprachen übersetzt und stehen regelmäßig an<br />
der Spitze der Bestsellerlisten. Mehrere Verfilmungen sind<br />
in Vorbereitung. Unter anderem wird Totenfrau 2021 von<br />
Netflix als Serie verfilmt. Im März erschien Dunkelkammer,<br />
der Auftakt zu einer neuen Reihe rund um den Fotografen<br />
David Bronski. Im Juni erscheint der zweite Teil Gegenlicht<br />
(beide: btb). www.bernhard-aichner.at<br />
Christina Alexandridis, geboren und aufgewachsen in Heidelberg,<br />
absolvierte das Studium der Theaterwissenschaft und<br />
Romanistik an den Universitäten in Erlangen und Berlin.<br />
Mit Johannes Reitmeier wechselte sie als Chefdramaturgin<br />
an das Pfalztheater Kaiserslautern. Seit der Spielzeit 2012/13<br />
ist sie in gleicher Position am Tiroler Landestheater tätig.<br />
Mit Beginn der Spielzeit 2020/21 übernimmt sie außerdem<br />
die Direktion der Schauspielabteilung.<br />
Sarah Caliciotti, *1991, ist gelernte Buchhändlerin und Komparatistin.<br />
Neben ihrem Studium arbeitete sie als dramaturgische<br />
Assistentin, Regieassistentin und Abendspielleiterin<br />
bei verschiedenen Theaterproduktionen mit – unter<br />
anderem im Theater Praesent, im Tiroler Landestheater,<br />
im Innsbrucker Kellertheater sowie bei der Volkskantine.<br />
Zudem wirkte sie bei Filmfestivals wie dem International<br />
Nature-Festival mit und arbeitete als Ausstellungsassistentin<br />
im Tiroler Landesmuseum. Sie ist Redakteurin beim<br />
komplex-Kulturmagazin und seit der aktuellen Spielzeit als<br />
Regieassistentin im Tiroler Landestheater tätig.<br />
Ágnes Czingulszki, 1987 geboren in Baja (Südungarn), lebt –<br />
nach einigen Stationen in Europa – nun als Journalistin und<br />
Autorin in Innsbruck. U.a. ich dachte an siracusa (ed. Exil).<br />
Nadja Fenneberg, geboren 1972, lebt und liest leidenschaftlich<br />
gerne in Telfs; arbeitet dort seit vielen Jahren als<br />
Bibliotheksleiterin und versucht, Kinder und Erwachsene<br />
gleichermaßen für Literatur zu begeistern; Gemeinsam<br />
mit dem Team der Bücherei & Spielothek organisiert sie<br />
unterschiedlichste Veranstaltungen rund um das Buch – u.a.<br />
auch das neue Literaturfestival fabula rasa. Ihr Ziel ist es, interessierten<br />
Menschen auch außerhalb der Landeshauptstadt<br />
den Zugang zu hochwertigen, unterhaltsamen, erlesenen und<br />
feinen Begegnungen mit den Autorinnen und Autoren zu<br />
ermöglichen.<br />
Katharina J. Ferner, geb. 1991, lebt als Poetin und Performerin<br />
in Salzburg. Redaktionsmitglied der Literaturzeitschriften<br />
&Radieschen, Morgenschtean und Mosaik. Jüngste<br />
Veröffentlichungen nur einmal fliegenpilz zum frühstück<br />
(Limbus, 2019) und Der Anbeginn (Limbus, 2020).<br />
Martin Fritz, *1982, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft<br />
und Deutsche Philologie in Innsbruck, hört sich in<br />
seiner Freizeit gerne DJ Patex’ Coverversion des Songs I Wish<br />
I Was Him an. War Teil der 1. Innsbrucker Lesebühne „Text<br />
ohne Reiter“, ist Teil der Innsbrucker Lesebühne „FHK5K“.<br />
Stefan Gmünder, ist Schweizer Literaturkritiker und Autor.<br />
Gmünder lebt seit 1997 in Wien. Seit 1998 ist er als Literaturredakteur<br />
der österreichischen Tageszeitung Der Standard<br />
tätig. Von 2015 bis 2019 war er Mitglied der Jury des Klagenfurter<br />
Ingeborg-Bachmann-Preises. Mehrere Publikationen.<br />
Zuletzt präsentierte er, zusammen mit Klaus Zeyringer, den<br />
Band Das wunde Leder: Wie Kommerz und Korruption den<br />
Fußball kaputt machen (suhrkamp, 2018) in der Wagner’schen.<br />
Michaela Hasenauer, Studium der Slawistik und Germanistik,<br />
Leiterin der Stadtbücherei Hallein. Dort gibt es vieles,<br />
was fürs Leben auch noch wichtig ist: Bücher, Filme und<br />
Hörbücher für alle – spannend, inspirierend, informativ,<br />
herzzerreißend. Und, sobald es wieder möglich ist: viele<br />
wunderbare Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene!<br />
Markus Köhle (*1975, Nassereith) ist Sprachinstallateur,<br />
Literaturzeitschriftenaktivist und Papa Slam Österreichs.<br />
Er studierte in Innsbruck und Rom Germanistik und Romanistik,<br />
war 2004–2006 Forschungsprojektassistent an der<br />
Universität Innsbruck. Seit 2001 ist er literarisch, literaturkritisch,<br />
literaturwissenschaftlich und auch als Literaturveranstalter<br />
aktiv. Seit 2002 veranstaltet er Poetry-Slams.<br />
Er macht Lesungen, Vorträge und Workshops in Schulen,<br />
Universitäten und diversen Kulturveranstaltungsorten<br />
im In- und Ausland (z.B. Österreich-Bibliothek Jerewan,<br />
Goethe-Institut Alexandria, Taschkent, Österreich-Institut<br />
Kairo, Ljubljana, Sommerakademie Zakynthos, Universität<br />
Maribor, Skopje, Tetovo, Prag, Stellenbosch, Grahamstown,<br />
…). Er schreibt, um gehört zu werden, ist aber auch da und<br />
dort zu lesen. Aktuell: Zurück in die Herkunft – Ein Nabelschaulauf<br />
zu den Textquellen und Schneller, höher und so<br />
weiter (gem. mit Peter Clar), beide: Sonderzahl, 2021;<br />
www.autohr.at<br />
Lena Kripahle-Wiek, Buchhändlerin in der Wagner’schen seit<br />
2015 und begeisterte Krimi- und mittlerweile auch Kinderbuchleserin.<br />
Aber eigentlich begeistert von jeglicher Form<br />
von Druckerschwärze. Zu finden in der Literaturabteilung,<br />
wo sie den Krimis neue Spannung verleiht.<br />
Maria Neumayr, geboren 1994, studierte Germanistik und<br />
Anglistik in Innsbruck. Liebt Bücher, so lange sie sich<br />
zurückerinnern kann, und ist, wenn sie nicht gerade liest, als<br />
Abteilungsleiterin in der Kinderbuch- und Ratgeberabteilung<br />
der Wagner‘schen zu finden.<br />
José F.A. Oliver, geb. 1961 in Hausach (Schwarzwald).<br />
Ausgezeichnet u.a. mit dem Basler Lyrikpreis (2015). Er ist<br />
Kurator des von ihm initiierten Literaturfestivals Hausacher<br />
LeseLenz. Zuletzt erschien, gemeinsam mit Mikael Vogel,<br />
der Gedichtband zum Bleiben, wie zum Wandern – Hölderlin,<br />
theurer Freund / 20 Gedichte und ein verzweifeltes Lied. Schiler<br />
& Mücke Verlag, 2020<br />
Robert Prosser, geboren 1983 in Alpbach/Tirol, lebt dort<br />
und in Wien. Studium der Komparatistik und Kultur- und<br />
Sozialanthropologie. Aufenthalte in Asien, in der arabischen<br />
Welt, am Balkan und in England. Früher Mitglied der ersten<br />
Tiroler Lesebühne Text ohne Reiter. Zuletzt erschien Gemma<br />
Habibi (Ullstein, 2019) und Beirut im Sommer (Klever, 2021).<br />
www.robertprosser.at.<br />
Joe Rabl, Lektor, Moderator und – gemeinsam mit Birgit<br />
Holzner – Organisator der Innsbrucker Wochenendgespräche.<br />
Markus Renk, seit 36 Jahren in der Buchbranche. Fachgruppen-Obmann<br />
der Buch- und Medienwirtschaft Tirol<br />
und seit Oktober 2015 neuer Chef der Wagner’schen.<br />
Robert Renk, Buchhändler, Rezensent, Kulturveranstalter<br />
und Festivalleiter. Gastdozent an der Uni Innsbruck. Sortimentsleiter<br />
in der Wagner’schen. Gibt das Wagner-Magazin<br />
heraus.<br />
Florian Josef Rinderer, geboren in einem seitentalverzweigtem<br />
Seitental, hat Berge gegen Berge getauscht, um<br />
in Innsbruck zu leben. Schreibt nur seriöseste Kürzestbiographien.<br />
Anna Rottensteiner, Autorin und Leiterin des Literaturhauses<br />
am Inn. Publikationen: Lithops. Lebende Steine (2013),<br />
Nur ein Wimpernschlag (2016), beide: ed. laurin.<br />
Merle Rüdisser, geboren 1981, hat Literaturwissenschaft<br />
und Philosophie studiert, Korrekturleserin und Lektorin,<br />
maximal sprach-, wort-, text-, typografie- und buchaffin.<br />
Hans (Housi) Ruprecht, arbeitet seit vielen Jahren als Organisator<br />
und Vermittler im kulturellen Bereich und leitet seit<br />
2005 das Internationale Literaturfestival Leukerbad. 2008<br />
wurde er mit dem Kulturvermittlungspreis des Kantons Bern<br />
ausgezeichnet. Seit 2015 verantwortet er auch ein Literaturfestival<br />
in Odessa. Hans Ruprecht lebt und arbeitet in Bern<br />
und Berlin. Weitere Informationen auf: www.sprachform.ch.<br />
Bernhard Sandbichler, geboren 1965, studierte Germanistik<br />
und Romanistik in Innsbruck und Besançon. Literaturvermittler<br />
und Sprach-Therapeut.<br />
Leonie Schiessendoppler, geboren 1993 in Innsbruck, studierte<br />
Philosophie und Soziologie, liebt Bücher, Musik und<br />
Irland. Möchte eigentlich nur Bücher lesen und hat deswegen<br />
eine Ausbildung zur Lektorin beim Passagen-Verlag gemacht.<br />
Arbeitet in der Wagner’schen Buchhandlung.<br />
Siljarosa Schletterer, studiert u.a. Musikwissenschaft<br />
(partiell Literaturwissenschaft); schreibt Rezensionen und<br />
Kritiken in verschiedenen Magazinen; feiert den Widerstand,<br />
die Kunst und die Poesie: u.a. Moderation der Lyriksendung<br />
wortflair auf freirad. Erhielt vor Kurzem das Große Tiroler<br />
Landesstipendium für ihre Lyrik.<br />
Rotraud Schöberl, ist selbstständige Buchmedienexpertin<br />
aus Leidenschaft und war lange Zeit Buchhändlerin aus<br />
Passion. Buchherausgeberin, im Puls4-Frühstücksfernsehen<br />
Buchappetitmacherin, mit entstehendem Buchblog, unterhaltsamen<br />
Streams mit Kulturmenschen, zuletzt Shakespeare<br />
und so mit Michael Niavarani, für alles zu haben, was Buch<br />
und Spaß macht.<br />
Bernd Schuchter, geboren 1977, studierte unter anderem<br />
Geschichte und Philosophie an der Universität Innsbruck.<br />
Seit 2006 Verleger des Limbus-Verlags (www.limbusverlag.<br />
at). Rezensent und Autor. Zuletzt erschienen: Aufwachsen<br />
in Innsbruck (Wagner’sche), Rikolas letzter Auftritt (Braumüller)<br />
und Gustave Courbet und der Blick der Verzweifelten<br />
(Braumüller). www.berndschuchter.at<br />
Veronika Schuchter, geb. 1984, ist Literaturwissenschaftlerin<br />
an der Universität Innsbruck und freie Literaturkritikerin.<br />
Sie rezensiert u. a. für die Wochenzeitung Die Furche und<br />
den Deutschlandfunk. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen<br />
im Bereich der Gegenwartsliteratur, Rezeption und Gender-<br />
Studies.<br />
Carmen Schwarz, geboren und aufgewachsen in Salzburg.<br />
Hat schon von klein auf eine große Liebe zum geschriebenen<br />
Wort und zu packenden Geschichten. Sie liebt den Austausch<br />
der Branche und das Sich-immer-neu-Erfinden. Seit 2017<br />
Jahren bei Bücher Stierle, wo jeder Lesetipp handverlesen<br />
ist und die Begeisterung erlebbar wird.<br />
Gerlinde Tamerl, geboren 1978, ist stellvertretende<br />
Geschäfts führerin der Wagner’schen Buchhandlung.<br />
Die promovierte Kunsthistorikerin ist u. a. Gastdozentin<br />
an der Universität Innsbruck, Jurorin der ORF-Bestenliste<br />
und als freie Literaturkritikerin tätig.<br />
Mikael Vogel, zahlreiche Lyrik- und Prosaveröffentlichungen<br />
in Zeitschriften (u.a. manuskripte, wespennest, Triëdere –<br />
Periodikum für Theorie und Kunst, wortwerk, um[laut], Das<br />
Gedicht, Das Plateau) und Anthologien. Mehrere Preise<br />
und Stipendien, u.a.: Hermann-Lenz-Stipendium (2002),<br />
yakiuta-Stipendium (Reisestipendium nach Hokkaido, Japan<br />
2015), 2016 Medienpreis RAI Südtirol beim Lyrikpreis<br />
Meran (2016), Leselenz-Stipendium (2019). Sorgt mit seinem<br />
Gedichtband Dodos auf der Flucht (Verlagshaus Berlin 2019)<br />
für einen unserer absoluten Lyrikbestseller!
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Museumstraße 4<br />
6020 Innsbruck<br />
T. +43 512 59505 0<br />
office@wagnersche.at<br />
www.wagnersche.at<br />
Wagner’sche Altstadt<br />
Herzog-Friedrich-Straße 22, A-6020 Innsbruck, +43 512 59505 90<br />
Bücher Stierle Salzburg<br />
Kaigasse 1 / Mozartplatz, 5020 Salzburg, +43 662 840114<br />
office@buecher-stierle.at, www.buecher-stierle.at<br />
Stierle Kelten-Buchhandlung<br />
Sigmund-Thun-Straße 9, 5400 Hallein +43 6245 82761<br />
office@keltenbuchhandlung.at, www.keltenbuchhandlung.at<br />
Leporello die Buchhandlung<br />
Singerstraße 7, A-1010 Wien, +43 1 9611500<br />
service@leporello.at