279.tirol

Gemnovamagazin
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Ausgabe 3, März 2021

1

RUMS.

BUMS. FERTIG.

EH KLAR.

ANTI-AGING

FÜR DIE POLITIK

Die „Gemeindeschmiede“

AUSGABE 3 | MÄRZ 2021

DAS MODERNE

TRAINIEREN

Wie Blended Learning das Beste aus

allen Methoden zusammenbringt


2

3

ZUR BESSEREN ÜBERSICHT

HABEN WIR ZWEI ZENTRA-

LE SCHWERPUNKTE IN DIE-

SER AUSGABE WIE FOLGT

GEKENNZEICHNET.

DIGITALISIERUNG

Die Corona-Krise hat gezeigt, welch

hohen positiven Einfluss die Digitalisierung

in unser aller Leben haben

kann. Alle Artikel im Magazin rund um

dieses Thema sind mit diesem Icon

gekennzeichnet.

DEINE ZEIT

IST REIF.

ZUKUNFT GEMEINDE

Nur gemeinsam und in Kooperation

mit Expert*innen können die aktuellen

Herausforderungen in den Gemeinden

gelöst werden. Sie finden alle Themen

rund um die Zukunft der Gemeinden

anhand dieser Kennzeichnung.

Die GemNova bemüht sich um eine

gendersensible Sprache in all ihren

Texten. Dies umfasst die Ansprache

nicht nur des männlichen und weiblichen

Geschlechts, sondern auch

des dritten Geschlechts. Dies sind

Personen, die sich nicht in das binäre

Geschlechtssystem „männlich“ und

„weiblich“ einordnen lassen (wollen).

WIE BEI MANFRED.

Manfred Witsch ist ist 26 26 Jahre jung.

Seit fünf Jahren schmiedet er er Pläne für für die die Weiterentwicklung

seiner Heimatgemeinde Fulpmes.

ALS GEMEINDERAT.

Mit Mit dem Projekt Gemeindeschmiede möchten

wir wir dich dabei unterstützen, in in Zukunft in in deinem

Dorf mitzugestalten.

MANFREDS

STORY

www.gemeindeschmiede.at

Regionalität und Umweltverträglichkeit

sind uns ein Anliegen.


INHALT

tirol.digital

GemNova.inside

tirol.ist schön

tirol.koopiert

14

DIGITAL

KOMMUNIZIEREN

IN GEMEINDEN

TEIL 1

06 Komplexität und Einfachheit

08 Rums. Bums. Fertig. Eh klar!

tirol.digital

42 Zeitzeugen des

kommunalen Lebens

64 Förderung für Co-Working

in Gemeinden

66 GEKO 2021 – zum Vorbild

für andere werden

Kommunikation ist ein

Schlüsselfaktor für den Erfolg

von Gemeinden

14 Digital kommunizieren in

Gemeinden, Teil 1

18 Vorausschauende

Gemeindepolitik

20 Eine Datenzentrale

namens Georg

24 Digitale Barrierefreiheit –

verpflichtend für alle

Gemeinden

tirol.blickt über die Grenzen

26 Das digitale Bürgerservice

der Gemeinde Saas-Fee

tirol.wissen

46 Wo ist der See?

tirol.spart

48 GemNova-Kommunalfinanz:

Kompetente Dienstleistung

vor Ort

tirol.wirtschaftet

tirol.bildet

68 Das moderne Trainieren

71 Digitale Vernetzungsarbeit

unter Kindergärten

in Tirol

74 Hand in Hand

tirol.Wissen

86 Semantische Technologien –

Wissensmanagement der

Zukunft

tirol.mobil

52 Vom richtigen Zeitpunkt

tirol.sportlich und gesund

28 Auf allen Vieren

30 Nachhaltige Mobilität

tirol.investiert

54 Tiroler Gemeinden –

ein wichtiger Motor für die

heimische Bauwirtschaft

78 Rodeln mit Corona

80 200.000 Euro für den

Everest

tirol.sozial

32

tirol.modern und innovativ

68

tirol.modern und innovativ

32 Wenn Landschaft zur

Bühne für Marken und

Produkte wird

tirol.Politik

34 Europa fängt in der

Gemeinde an

36 EU-Förderungen werden

in Tirol zur Gänze

ausgeschöpft

40 Anti-Aging für die Politik

tirol.sucht Menschen

57 Zusammen geht alles

leichter

GemNova.Menschen

60 Der bunte Hund aus

Osttirol

tirol.hat Recht

62 Erste Urteile zur Frage:

„Muss ein Geschäftsraummieter

während des

Lockdowns den Mietzins

bezahlen?“

82 Selbstbestimmtes Leben

tirol.Kultur

84 Die Kleinen sollen Welt

retten

85 Zeit für gute Bücher

tirol.traditionell

90 Musik schwingt in Osttirols

luftigen Höhen

tirol.bunt und vielfältig

92 Der Duft des Orients

WENN LAND-

SCHAFT ZUR BÜHNE

FÜR MARKEN UND

PRODUKTE WIRD

92

tirol.bildet

DAS MODERNE

TRAINIEREN

tirol.bunt und vielfältig

DER DUFT DES

ORIENTS

Die Welt ist bunt, kunterbunt. Ein

kleines, winziges Abbild davon findet

sich am Innsbrucker Marktplatz, in

der Markthalle.


6 GemNova.inside

GemNova.inside 7

KOMPLEXITÄT UND

EINFACHhEIT

Auf eine komplexe Frage

eine einfache Antwort geben.

Das klingt – schnell überlegt

– gut und richtig.

Dabei übersehen viele, dass es so eigentlich

gar nicht stimmt. Natürlich sollte die

Antwort einfach formuliert werden, das ist

klar. Aber man sollte keinesfalls auf eine

komplexe Frage eine einfache Antwort

geben. Das hat sich leider vielerorts eingebürgert,

und wir sehen jeden Tag, dass

auf eine komplexe Frage sehr schnell eine

einfache Antwort gegeben wird. Wenn diese

dann mit Vehemenz und Lautstärke

vorgetragen und oft wiederholt wird, wird

sie zur vermeintlichen Wahrheit.

Dabei wird aber ein kleines Detail übersehen,

welches die Sachlage komplett

verändert. Komplexe Fragen bedürfen

meist komplexer Antworten, die dann

einfach und verständlich formuliert

werden sollten. Das ist ein wesentlicher

Unterschied mit unter Umständen sehr

negativen Folgen.

Die kommunalen Herausforderungen

sind ebenfalls sehr komplex, und es wäre

wirklich fatal, einfache Lösungen dafür

zu suchen. Gemeinden sind komplexe

Organisationen und deutlich herausfordernder

zu managen als jede Firma:

Politik, Verwaltung, Bürger*innen, Bund,

Land, rechtliche Themen u. v. m. Um richtig

zu agieren, muss man diese Komplexität

verstehen, und es muss klar sein,

dass jede Gemeinde sehr individuell zu

betrachten ist.

Wir als GemNova haben uns dieser Herausforderung

gestellt und sehen genau

hier unseren größten Nutzen für Tirols

Gemeinden:

Wir betrachten Gemeinden gesamthaft

und können mit unserem breiten

Lösungsangebot Gemeinden auch

gesamthaft begleiten. Denn wir wissen,

wenn man an einem Rädchen dreht,

drehen sich sehr viele andere mit. Das,

was wir für die Gemeinden sind, ist nicht

der Bauchladen, von dem manchmal

gesprochen wird. Wir sind jener Partner,

der auf komplexe Herausforderungen

komplexe Lösungen erarbeitet und

diese dann auf möglichst einfache Art

und Weise gemeinsam mit der Gemeinde

umsetzt.

Wir verkaufen kein einzelnes Produkt, wir

begleiten Gemeinden gesamthaft. Das ist

unsere Stärke und darauf vertrauen mittlerweile

sehr viele Tiroler Gemeinden und

auch viele andere Institutionen.

Und – wir haben eine Seele. Aber dazu

mehr im nächsten Magazin!

WIR

Gratulieren

Monika Miller, Amtsleiterin

aus Sautens (kein Foto) und

Martina Oberrauch, Finanzverwalterin

aus Kematen haben

jeweils eine Ausgabe des

Buches „Factfulness“ gewonnen,

die wir in der letzten Ausgabe

von 279.TIROL verlost haben.

BILD: Martina Oberrauch

freut sich über ihren

Gewinn.

Alois Rathgeb

Niki Kraak


8 GemNova.inside

GemNova.inside

9

Rums.

Bums. Fertig.

eh klar .

Wir schreiben das Jahr 1992. Ich bin gerade erst von

meiner Raumschiff-Enterprise-Zeit wieder zurück auf

der Erde. Kann mich nach wie vor nicht entscheiden,

ob ich lieber Captain Kirk oder Mr. Spock sein will.

Dann mein erster Job. Bank. Also keiner

von beiden. Doch nur Schalter-

Beamter (hat man damals wirklich

gesagt). Mein erstes Gehalt 13.471

Schilling. Heute genau 1.000 Euro.

Dann mein zweites Gehalt. Erstes

Mobiltelefon. Ein Nokia

1011. GSM-fähig. Preis über 15.000

Schilling. Schwer wie ein großes Bier.

4,5 Zentimeter dick. Mit Antenne

zum Rausziehen. Das musste sein.

Sonst ging nichts. 10 Minuten telefonieren

kosteten 82 Schilling. Knapp

6 Euro. Dafür konnte es SMS. Ich:

MEGA. JETZT BIN ICH

DIGITALISIERT!

ALOIS RATHGEB, 1992

Man möge mir die ein oder andere

geschichtliche Verzerrung – früher

war ja alles besser – verzeihen. Aber

im Großen und Ganzen war es so.

Wobei im obigen Text EIN eklatanter

Fehler ist. Der zeigt, dass es

oft sprachliche Kleinigkeiten sind, die

einen wesentlichen Unterschied ausmachen.

Ich habe gesagt: „Jetzt bin ich digitalisiert.“

Das stimmt natürlich gar

nicht. Ich war mit dem Mobiltelefon

ein wenig in der digitalen Welt. Aber

nie und nimmer digitalisiert. Ich als

Person sowieso nicht. Außer ich habe

was nicht mitbekommen. Das ist ein

wesentlicher Unterschied, auf den ich

eingehen werde.

Ist alles, was digitalisiert ist,

auch Digitalisierung?

Selbst die Worte „digitalisiert“ und

„Digitalisierung“ – eigentlich das gleiche

Wort, nur einmal als Adjektiv und

einmal als Nomen verwendet – haben

in unserem heutigen Verständnis

eine unterschiedliche Bedeutung. Und

um es noch etwas komplizierter zu

machen: Selbst das Wort „Digitalisierung“

muss man genau hinterfragen.

Das wird ja heute inflationär für alles

verwendet, was nicht unmittelbar ein

Hammer oder eine Säge ist. Beginnend

mit dem Nokia 1011. Aber die

Geschichte kennen Sie ja bereits …

Und heute?

Heute schreiben wir das Jahr 2021.

Es hat sich viel getan seit damals.

Ein Raumschiff-Enterprise-Fan bin

ich noch immer. Entscheiden würde

ich mich heute für Captain Kirk. Der

war irgendwie cooler. Und vor allem

lebt der noch. Die Mobiltelefone sind

dünner. Nur noch 0,5 Zentimeter und

können nicht nur SMS. Auch gibt es

mittlerweile viel mehr digital. Aber ist

das immer echte Digitalisierung? Ist

es auch immer sinnvoll, was da alles

hin und her digitalisiert wird?

Echte und sinnvolle Digitalisierung

Wir bei GemNova reden bewusst

von „echter und sinnvoller Digitalisierung“.

Und das ist auch unser

Ziel – echt und sinnvoll zu digitalisieren.

Aber wo finden sich nun

die begrifflichen Unterschiede und

wieso sind diese so wichtig?

Karl

AUS HINTERMBERG

Georg

AUS VORDERMBERG


10 GemNova.inside GemNova.inside

11

MITTWOCH. NACHMITTAG. 15.30

UHR. GEMEINDE HINTERMBERG

„Gestern habe ich eine .pdf-Rechnung

bekommen, die dann ausgedruckt, und das

.pdf in den dazugehörigen Akt verschoben

und an die Buchhaltung weitergeleitet. Die

Buchhaltung hat die Rechnung danach in

ihr Programm importiert und verbucht. Als

Nächstes haben wir die Rechnung dem Bürgermeister

zur Freigabe in sein Freigabeprogramm

verschoben, und er hat sie dann

freigegeben. Im zehnten Schritt haben wir

einen Datenträger erstellt. Dieser wurde ins

Onlinebanking importiert und alsdann fast

fristgerecht überwiesen. Danach haben wir

die Zahlung verbucht. Läppische 13 Schritte.

Wir sind voll digitalisiert“, meint Karl aus

Hintermberg.

„Karl, das

ist leider

keine

echte und

sinnvolle

Digitalisierung.“

MITTWOCH. NACHMITTAG . 15.30

UHR. GEMEINDE VORDERMBERG

„Gestern kam eine E-Rechnung, die automatisch

verbucht und dem Akt zugewiesen

wurde. Danach ging sie automatisiert

in den Freigabeprozess, und alles war mit

einem Klick erledigt. Selbstverständlich

wurde die Zahlung dann automatisiert verbucht

und im Akt als bezahlt hinterlegt.

Drei Schritte. Rums. Bums. Fertig“, sagt

Georg aus Vordermberg.

„Georg,

das ist

echte und

sinnvolle

digitalisierung.“

Sei wie Georg. Ein Dokument zu erstellen,

daraus ein .pdf zu machen und das zu versenden

ist tatsächlich Digitalisierung. Das

Dokument wurde wirklich digitalisiert. Und

eigentlich könnte man jetzt von Digitalisierung

reden. Und zufrieden sein. Aber echte

Digitalisierung schaut anders aus. Georg

aus Vordermberg weiß das natürlich.

Durchgängige Prozesse

Echte Digitalisierung in dem Fall heißt, dass

der komplette Prozess durchgängig digital

abgewickelt wird und möglichst automatisiert

ist. Kein Ausdrucken. Kein Verschieben.

Kein Zuordnen. Kein Öffnen von

unterschiedlichen Programmen. Schnittstellenfrei.

Medienbruchfrei. Fehlerfrei. Effizient

und zeitsparend.

Rums. Bums.

Fertig. rechtssicher .

eh klar .

Und genau das haben wir uns bei Gem-

Nova im Zusammenhang mit echter

und sinnvoller Digitalisierung zum Ziel

gesetzt. Gemeinsam mit und für Tirols

Gemeinden echte und sinnvolle Digitalisierung

voranzutreiben. Um das zu erreichen,

benötigt es viele Bausteine und ein

paar wesentliche Grundlagen.

Echte Digitalisierung unterstützt die

echte Welt

„Ich kauf uns mal eine Software“, wie der

Karl sagt. Das ist nicht gut, Karl. Georg

meint: „Ich schau mir meine Prozesse an.

Diese überarbeite ich dann. Erst danach

bilde ich diese mit einer Software digital,

medienbruchfrei ab.“ Digitalisierung spielt

sich also nicht rein in der digitalen Welt

ab und ist nicht einfach alles, was irgendwie

digital vorhanden ist. Digitalisierung

unterstützt und bildet die reale Welt digital

ab. Nur dann ist es echte und sinnvolle

Digitalisierung.

„So, aber jetzt digitalisiere ich mal den Kindergarten.

Von der Anmeldung über die

Verwaltung bis hin zur Abrechnung. Da

kaufe ich eine Software dafür. Dort baue

ich eine Datenbank auf, in der alle Kinder

in meiner Gemeinde zu finden sind. Die

Eltern können dann einsteigen und sich

dort mit Namen usw. registrieren und tatsächlich

dann ihre Kinder für den Kindergarten

anmelden.“ Zwischenzeitlich dürfte

schon klar sein, wer das war. Das war

Karl. Karl denkt nicht darüber nach, ob die

Daten der Kinder und Eltern nicht schon

vorhanden sind. Karl denkt nicht darüber

nach, dass es vielleicht vorher eine Kinderkrippe

und danach eine Schule gibt und

Daten eigentlich durchgängig vorhanden

sein sollten. Und Karl denkt nicht darüber

nach, dass im gesamten Prozess auch

andere Dinge wie Abrechnung, Anbindung

an das Land usw. wichtig sind.

Oder weiß es Karl einfach nicht besser?

Oder geht das mit seiner Software fach

ein-

nicht?

Alle in der Gemeinde

und auch das Land Tirol

würden sich über ein

vollintegriertes System

freuen. Die Daten kommen

automatisch aus

dem ZMR.

Die Daten kommen automatisch aus dem

ZMR. Eltern loggen sich mit Handysignatur

ein. Sehen ihre Daten und jene der Kinder.

Klicken beim Georg junior auf „Anmelden“,

und dann läuft alles vollautomatisiert weiter.

Rums. Bums. Fertig.

„Echt? Das geht?“ Na klar, Karl. Und

zwar einfach und schnell. Eben echt digitalisiert.

Wichtigster Grundsatz für echte und sinnvolle

Digitalisierung: ein Datenstamm.

Gemeinden haben dabei wunderbare

Instrumente, auf die sie zurückgreifen

können. Die Register. Dort liegt alles in

richtiger und vollkommen eindeutiger Art

und Weise. ZMR, AGWR, UR*) usw. Eine

moderne Software bindet diese Register

ein und arbeitet ausschließlich mit diesen

Registern als Datenbasis.

Registerabgleich ist nicht

Registereinbindung. Ein

Apfel ist ja auch keine Birne.

„Ja klar“, sagt Karl, „wir haben ja auch einen

Registerabgleich.“ Georg weiß es besser:

„Obwohl sich die Wörter ähneln, besteht

doch ein wesentlicher Unterschied zwischen

Registereinbindung und Registerabgleich.“

Da hat er schon wieder recht und

versteht offenbar den Unterschied zwischen

Digitalisierung und echter Digitalisierung.

Sei wie Georg!

Georg: „Der Registerabgleich ist in etwa

so: Der Karl aus Hintermberg hat eine

Datei mit seinen Bürgern. Jetzt sitzt er

gerade vor dieser Datei und erfasst den

Bürger Alois Rathgeb. Ohne „er“ am Ende.

Sonderbarer Typ mit komischem Namen,

denkt er sich. Es gibt doch keinen Rathgeb.

Ohne „er“. Es gibt doch nur Rathgeber.

Oder? Da schaut der Karl mal ins Telefonbuch,

das neben ihm liegt. Dort steht

Rathgeb ohne „er“ am Ende. Ist vermutlich

ein Fehler. Denkt Karl. Und schreibt trotzdem

Rathgeber. Aufwändig. Fehleranfällig.

Rechtsunsicher. Registerabgleich.

Bei der Registeranbindung kann der Georg

in Vordermberg auch Rathgeber eingeben.

Das System sagt ihm dann aber: „Ja, Georg.

Das ist nett. Aber in Vordermberg gibt es

keinen Rathgeber laut ZMR. Schreib ihn also

richtig. Sonst kannst du den Vorgang nicht

abschließen.“ Einfach. Fehlerfrei. Rechtssicher.

Registeranbindung.

Rums. Bums.

Fertig.

So einfach

ist das.

So. Pause. Jetzt zünden wir die intellektuell

nächste Stufe. Dreimal durchatmen.

Sacken lassen. Schnapserl trinken. Aufpassen.

Langsam lesen.

* ZMR = Zentrales Melderegister, AGWR = Adress-, Grundstücks- und Wohnungsregister, UR = Unternehmensregister


OUTtAKES

12 GemNova.inside GemNova.inside

FREITAG. SPÄTER NACHMITTAG. nen Akten ablegen und in der Liste abhaken. Dem Karl klappt das untere Gebissteil herunter.

Karl kann’s kaum glauben. Das Einzi-

17.30 UHR. GEMEINDE VORDERM- (Langsames Ausschnaufen. Großer Schluck

BERG.

Bier) Das war’s. Habe fertig.“

ge, das er in dem Moment noch rausbringt:

„Zwei Bier! Bitte!“

Karl und Georg treffen sich auf ein Bier. Im

Gasthaus. (Anm. der Redaktion: Die Szene

mit Gasthaus und Bier ist fiktiv und nicht

real. Der Rest schon.) „Ha!“, sagt Karl. „Aber

bei der Grundsteuer sind wir mega digitalisiert.

Wirst schon sehen, wie cool das bei

uns abläuft.“ Georg lehnt sich zurück. Nimmt

IMMER NOCH FREITAG. MITTeinen

Schluck. Denkt zurück an die Zeit, in

LERWEILE SPÄTER ABEND.

der das noch real möglich war. Und horcht

21.00 UHR. IMMER NOCH IM

aufmerksam zu.

GASTHAUS IN VORDERMBERG.

Karl flippt fast aus. Vor Begeisterung.

Dann legt er in einem Schwall los:

„Bei uns läuft das so die Einheitswertbescheide

kommen in die Databox von

FinanzOnline der Mitarbeiter der Gemeinde

steigt also in FinanzOnline ein falls er

seine Benutzerdaten noch weiß dann lädt

er die ZIP-Datei aus der Databox herunter

und entpackt diese die Daten der einzelnen

Bescheide werden gelesen und im System

erfasst (kurzes Atemholen) dann müssen

die Eigentümer kontrolliert werden ob diese

während des Jahres geändert wurden und

dafür steigt er in eine andere Software ein

um dann die ausgedruckten Einheitswertbescheide

mit Aktenzahl abzulegen um im

Anschluss den Bescheid zu erstellen (Punkt.

Schnauf) Dann müssen diese Bescheide

ausgedruckt werden wobei manchmal der

Toner ausgeht oder im Drucker ein Papierstau

den Ausdruck behindert egal ein RSB-

Rückschein wird für jeden Bescheid per Hand

oder Schreibmaschine ausgefüllt und die

Bescheide werden in das Rückscheinkuvert

eingegeben danach wird eine Liste geschrieben

für alle Bescheide damit diese später

nachvollzogen werden können (Schluck Bier.

Doppelschnauf) jetzt werden die Bescheide

zur Post gebracht falls die noch nicht zu hat

sonst halt am nächsten Tag danach trudeln

dann langsam die Rückscheine über Tage

verteilt ein die wir dann bei den betroffe-

„Klingt

spannend.

Ist aber

weder

sinnvoll

noch handelt

es

sich dabei

um echte

Digitalisierung“,

repliziert Georg und erzählt, wie das in

Vordermberg abläuft:

„Einheitswertbescheide kommen automatisch

und direkt aus dem FinanzOnline in den

Posteingang vom System. Dort werden diese

kurz kontrolliert und registerbasiert gegengecheckt.

Sobald das erledigt ist, werden

die Bescheide ins Versandcockpit geklickt,

und von da weg kann im Versandcockpit

der Status jeder Sendung nachverfolgt werden.

Rückscheine kommen digital zurück

und werden automatisch dem Akt zugewiesen.“

Das war’s. Genau drei Schritte.

Rums. Bums. Fertig.

Effizient. Schnell.

Automatisiert.

Fehlerfrei. Rechtssicher

. Eh klar !

Wie kann denn so was funktionieren? Vermutlich

arbeitet Karl mit einem System

aus dem letzten Jahrtausend. Auch diese

Systeme entwickeln sich. Sie bleiben aber

in ihrer Systemarchitektur einfach alt. Da

können sie noch so schön ausschauen. „Vor

zwei Jahren ist mir um meinen Automotor

herum das Auto komplett zusammengerostet.

Dann habe ich einfach ein Auto ohne

Motor gekauft und dieses um den Motor

herum gebaut. Schaut gut aus. Geht aber

nicht“, hat wer gesagt, den wir nicht kennen.

Heute programmiert man komplett

anders. Offen. Durchgängig. Eine zentrale

Datenbank. Registereingebunden. Doppik

als Ausgangsbasis. VRV2015 fit. Eine

Benutzeroberfläche für die Hauptbereiche.

Echte Anbindung von Fremdsystemen. Eben

echte und sinnvolle Digitalisierung.

„Irgendwie war Programmierung früher wie

ein geschlossener Kasten. Heute schaut das

in etwa so aus wie das Virus, das da mal

grassiert ist. Wie hieß das nochmal gleich?“,

fragt Georg. „Keine Ahnung“, sagt Karl. „Zwei

Corona! Bitte!“, brüllt Karl zur Theke. „Aber

eins musst du mir jetzt noch sagen, Georg.

Wo bekomme ich denn dazu mehr Informationen?“

Georg hat damit schon gerechnet,

denn jeder, dem er das im Detail erzählt, will

diese Lösung haben. „Hier. Lies das Magazin.

279.tirol. Da findest du alles dazu. Und

dann ruf den Rathgeb an.“ „Der heißt Rathgeber.

Den Namen Rathgeb gibt es nicht!“

...

„Georg! Bist endlich daheim? Und wie war

es mit Karl? Hast es ihm so erklärt, wie ich

es dir erklärt habe?“ Na ja. Mal ganz ehrlich.

Georg hat sein ganzes Wissen eigentlich

von seiner Frau Gisela. Eh wie im richtigen

Leben auch …

Corona-Bier fast fertig. „Du, Georgie! Wie

war das denn, als ihr auf diese Lösung

umgestellt habt? War das aufwändig?“

„Mein Freund. Karli. Das war schon einiges

an Arbeit. Weißt, das alte System hat

fehlerhafte Datensätze zugelassen. Die

richtigzustellen, das war echt hart. Aber

jetzt läufts. Wir sind wesentlich schneller.

Und vor allem fehlerfrei. Damit rechtssicher“,

meint Georg final. Fast …

FAST SCHON SAMSTAG. FINS-

TERSTE NACHT. 23.50 UHR.

UMGESTELLT AUF SELBSTBE-

DIENUNG.

Der Karl hört nicht auf zu fragen. „Du,

Schorsch. Du hast heute mal was

von VRV2015 geredet. Ich bin ja kein

Bilanzbuchhalter. Aber in meiner Eröffnungsbilanz

steht unser negatives Kontokorrentkonto

auf der Aktivseite mit

einem Minus davor. Irgendwie schon

komisch. Oder?“ „Karli Bua. Da hast

wohl recht. Weißt eh. Deine Software

kommt aus der Kameralistik und wurde

halt irgendwie zur Doppik umgebaut.

Kann schon sein, dass das einfach

technisch nicht geht. Ist natürlich

vollkommen falsch. Unsere war schon

immer doppisch. Da ist das selbstverständlich

richtig dargestellt. Es gibt ja

kein Minusvermögen. Oder doch?“

„Der weltraum.

unendliche weiten. wir

schreiben das jahr 2200.”

„Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner

400 Mann starken Besatzung fünf Jahre lang unterwegs ist,

um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen.

Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise in

Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“

AUTOR ALOIS RATHGEB

13


14

tirol.digital tirol.digital

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DIGITAL

3.

IN GEMEINDEN

KOMMUNIZIEREN

ALPENGRENZGANG

ZUM AUTOR

MAG. MARTIN WEX

Martin Wex ist seit 2019 bei der GemNova im Bereich

Digitalisierung tätig. Darüber hinaus ist er Landtagsabgeordneter

und Vizebürgermeister von Schwaz.

Kontakt: m.wex@gemnova.at

Teil 1: Information

BILD: (© TVB Silberregion Karwendel

Kommunikation ist ein

Schlüsselfaktor für den

Erfolg von Gemeinden.

Je besser die Gemeinde in der Lage ist,

Informationen intern auszutauschen

und nach außen, in Richtung Bürger,

zu kommunizieren, desto effizienter

und bürgerfreundlicher wird sie sein.

Im Zuge der Covid-19-Maßnahmen, bei

denen die Mobilität und persönlichen

Kontakte stark eingeschränkt wurden,

zeigten sich rasch die Vorteile und

Schwachstellen digitaler Kommunikation

auf lokaler Ebene. Ein Statusbericht

anhand der Silberstadt Schwaz.

Gerade in Krisenzeiten und bei außergewöhnlichen

Ereignissen gilt es die Bevölkerung

rasch und klar zu informieren. Was

überregional über Funk, Fernsehen und

Internet passiert, kann und muss auf regionaler

Ebene verstärkt und gegebenenfalls

konkretisiert werden. Eine wesentliche Rolle

dabei spielt die eigene Website. Gänzlich

im Einflussbereich der Gemeinde kann

sie selbst über deren Inhalt (Content) und

deren Verfügbarkeit entscheiden. Soziale

Medien wie Facebook verbreitern zwar

den Adressatenkreis erheblich, ob, wann,

und wo ihre Botschaften ausgespielt werden,

bestimmen Sie als Gemeinde jedoch

nur noch bedingt selbst.

Seit Beginn der Pandemie bündelt die

Silberstadt Schwaz alle ihre Covid-19-Informationen

übersichtlich und verständlich

ausformuliert unter www.schwaz.

at. Ein einfach zu bedienendes Content-

Management-System (CMS) zur Wartung

der Inhalte erleichterte den bereits

vorab definierten „Redakteuren“ aus der

Verwaltung und dem Stadtmarketing die

Aktualisierung. „Ich kann allen Gemeinden

nur empfehlen, schon in ruhigen Zeiten

zu definieren, wer, wann und wie für

die Kommunikation nach außen zuständig

ist, und das auch zu üben. Der Vorteil

neuer CMS ist ja, dass grundsätzlich

jeder, auch über sein Handy, Daten einpflegen

kann. Es braucht jedoch klare

Regeln“, so Verena Mayrhofer, Kommunikation

und Öffentlichkeitsarbeit der

Stadt Schwaz. „Neben jenen Informationen,

die wir veröffentlichen müssen,

z. B. über die digitale Amtstafel, bieten

wir auch Inhalte, die von vielen gewünscht

und nachgefragt werden. Waren es vor

Corona noch die Hochzeitsfotos, so wollten

die Schwazer im Lockdown wissen,

welche Geschäfte geöffnet haben, wer

liefert, Selbstabholung ermöglicht oder

den Silberzehner (Schwazer Gutscheinwährung)

akzeptiert. Diese Informationen

konnten wir binnen weniger Tage sammeln

und über eine Datenbank zugänglich

machen. Nunmehr sind die Betriebe

selbst für die Aktualität der Daten und

Angebote verantwortlich“, berichtet Manfred

Berkmann, Geschäftsführer der Saalund

Stadtmarketing GmbH der Stadt

Schwaz (https://www.kaufinschwaz.at/).

Für ihn ist klar, dass Informationen immer

mehr mobil abgerufen werden und die

klassische Nutzung am PC bereits überholt

hat. Ein dynamisches Design sollte

darauf Rücksicht nehmen und auch

andere Ausgabequellen wie Infotermi-

LINKS: Mag. Verena Mayrhofer kümmert sich um

alle Angelegenheit der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

in der Stadtgemeinde Schwaz.

(© Gemeinde Schwaz)

OBEN: Digitale Infosäulen im öffentlichen Bereich

versorgen die Bürger*innen mit aktuellen Informationen.

(© Martin Wex)


Die erste Adresse

für leistbares Wohnen

16 tirol.digital

Axams, Pafnitz, 37 Mietwohnungen

„Wohnen am Park“ Innsbruck, Andechsstraße,

118 Miet-, 53 Eigentumswohnungen,

sechs Gewerbeeinheiten

5-Euro-Wohnbau Haiming, Zwieselweg,

23 Miet wohnungen

Fügen, Feldweg, 18 Mietwohnungen

Natters, Wohn- und Pflegeheim Haus Maria,

40 Pflegebetten, acht Tagesbetreuungsplätze,

14 Einheiten für betreubares Wohnen, Arztpraxis

„Haus der Generationen“ Volders, 13 Mietwohnungen,

Kinderbetreuungseinrichtungen, Vereinsräumlichkeiten

Umhausen, Platzl, 24 Mietwohnungen

Wörgl, Südtiroler Siedlung, BA 1a, Josef-Steinbacher-Str.,

65 Mietwohnungen, eine Einheit für den Jugendtreff

Wörgl, Urban Gardening

Kundl, Dr. Franz-Stumpf-Straße,

14 betreubare Mietwohnungen, Arztpraxis

Wenn es um leistbaren Wohnraum für die Tirolerinnen und Tiroler geht, ist die NEUE HEIMAT TIROL der erste Ansprechpartner.

In über 100 Tiroler Gemeinden wurden bereits Projekte umgesetzt. Ein weiteres Geschäftsfeld

ist die Errichtung von kommunalen Einrichtungen wie z.B. Wohn- und Pflegeheimen, Kinderbetreuungsstätten

und betreubaren Wohnungen.

NEUE HEIMAT TIROL Gemeinnützige WohnungsGmbH . Gumppstraße 47 . 6020 Innsbruck . neueheimat.tirol

bezahlte Anzeige

Fotos: NHT/2quadrat, Pauli, Oss, Härting

nals, Monitore und TV-Geräte bedienen

können. Intelligente Eingabetools („all in

one“) unterstützen bei der koordinierten

Bespielung mehrerer Kanäle und Ausgabegeräte.

Spannend dürfte in Zukunft die Frage

sein, wie wir zu unseren Informationen

kommen. Big Data, kombiniert mit künstlicher

Intelligenz und annotierten Inhalten

(Wissensgrafen), eröffnen neue Möglichkeiten.

Sprachgesteuerte Assistenten

(Alexa etc.) und Chatbots zeigen, wohin in

diesem Bereich die Reise geht.

Ende 2017 hat die Stadt Wien einen eigenen

Sprachassistenten als App auf den

Markt gebracht. Den WienBot kann man

nach Parkgebühren und Eintrittspreisen,

Öffnungszeiten und Veranstaltungen fragen.

Man kann sich von ihm im Stadtplan

den nächsten Trinkbrunnen oder Müllsammelstellen

in der Nähe anzeigen lassen,

wann die nächste U-Bahn fährt und

wie man am schnellsten in den Wiener

Prater kommt. Das und noch viel mehr

beantwortet der WienBot kurz und prägnant

direkt in der App.

Technische, juristische und

inhaltliche Fragen sollten

im Vorfeld geklärt werden.

Zur raschen Übermittlung von Daten und

Nachrichten haben sich zu den sozialen

Plattformen wie Facebook, Twitter oder

Instagram auch Messengerdienste hinzugesellt.

Immerhin 50 Prozent der Gemeinden

greifen darauf zurück –aufgrund seiner

Verbreitung meist auf WhatsApp (6

Millionen User in Österreich) und in letzter

Zeit aus datenschutzrechtlichen Gründen

auch immer öfter auf Signal, Telegram

oder Threema. Meist kommen Messengerdienste

noch zur internen Kommunikation

in kleinen Gruppen zum Einsatz.

1. Information

2. Kommunikation

Der Einsatz dieser Dienste als Infokanal,

zu dem sich Bürger*innen aktiv anmelden,

wird erst von wenigen Gemeinden

genutzt. Dabei einfach loszulegen wäre

jedoch ein Fehler. Technische, juristische

und inhaltliche Fragen sollten im Vorfeld

geklärt werden. Nicht einmal 6 Prozent der

Gemeinden nutzen Videoportale wie Youtube.

Es ist jedoch davon auszugehen, dass

Bewegtbilder, sprich Videos, in Zukunft an

Bedeutung gewinnen werden, zumindest

wenn es um das Vermitteln von Emotionen

geht.

Kurze, knackige Videobotschaften werden,

insbesondere was die Positionierung

der Gemeinde und die laufende Berichterstattung

betrifft, Texte und zum Teil

auch Bilder ablösen. Schon jetzt werden

Wetterkameras, Erklärvideos und kurze

Seitenblicke am meisten geklickt. Mit

der steigenden Anzahl von Videocontent

ist der Weg zum eigenen Gemeinde-TV-

Kanal nicht weit.

Mit steigenden Bandbreiten und

erschwinglicher Technologie steigt das

Interesse an Liveübertragungen. Sportund

Kulturveranstaltungen sind dabei

ebenso Thema wie die Übertragung von

Gemeinderatssitzungen. Spätestens seit

dem viel zitierten Internet 2.0, dem „Mitmach-Internet“,

das für interaktive und

kollaborative Elemente im Internet steht,

geht es nicht mehr nur darum, die Bürger*innen

zu informieren, sondern ihn

aktiv einzubinden. Die Gemeinde tritt in

einen Dialog mit den Bürger*innen.

3. Transaktion

4. Personalisierung

Gleichzeitig fördert und schafft die Digitalisierung

gänzlich neue Möglichkeiten

der Zusammenarbeit von Verwaltungseinheiten

und angeschlossener Organisationen.

Was vor Corona kaum genutzt und

vorstellbar war, ist zwischenzeitlich zur

Selbstverständlichkeit geworden: Videokonferenzen,

Homeoffice, virtuelle Teams

und die Nutzung von Online-Verfahren.

Worauf es dabei ankommt und welche

Möglichkeiten Gemeinden dabei nutzen

sollten, erklären wir Ihnen in Teil 2.

„Gut gemachte Videos erregen

sehr große Aufmerksamkeit.

Das Zielpublikum kann auf einer

persönlichen Ebene direkt angesprochen

werden. Videos fördern

daher Beziehungen und schaffen

Vertrauen. Außerdem können mit

Bewegtbildern viel stärker Emotionen

geweckt werden. Man

kann einfacher Glaubwürdigkeit

aufbauen und viel Inhalt in kurzer

Form verpacken. Mit qualitativ

hochwertigen Videos gelingt es

weitaus besser, komplexe Sachverhalte

zu erklären.“

MANFRED SCHIECHTL

GEMNOVA

17


18 tirol.digital tirol.digital

19

Die Pitztaler Gemeinden bereiten

sich derzeit intensiv auf

mögliche künftige Krisen vor

und arbeiten daran, eine Notfallstruktur

bzw. Notfallpläne aufzubauen

bzw. zu erstellen.

Vorausschauende

Gemeindepolitik

PITZTALER GEMEINDEN BEREITEN

SICH AUF MÖGLICHEN BLACKOUT VOR

Im Fokus steht dabei die realistische

Gefahr eines Blackouts, also wenn die

Stromversorgung aufgrund äußerer Einflüsse

für längere Zeit zusammenbricht.

Ein längerfristiger Stromausfall hat weitreichende

Folgen für die gesamte kommunale

Infrastruktur. Deshalb ist es äußerst

wichtig, sich auf dieses Szenario rechtzeitig

vorzubereiten.

Das Pitztal wurde im Zuge des Projektes

„Interreg Alpine Space – SMART Villages“

als Pilotregion ausgewählt. Das Projekt

gliedert sich in vier Arbeitspakete:

1.) Entwicklung einer Vision und der

Digitalen Region Pitztal, 2.) Gemeindeaufgaben

im digitalen Wandel, 3.)

Erhebung des digitalen Status der

Gemeinden und 4.) Maßnahmenplan zur

Etablierung von Smart Government.

„Mit den Themen

von Smart

Government gehen

die Pitztaler

Gemeinden wieder

einen Schritt nach

vorne und erarbeiten

nachhaltige

Lösungen für die

Zukunft. An einer

vernetzten und digitalen

Infrastruktur

führt kein Weg

vorbei.“

BILD: (© TVB Pitztal / Chris Walch)

Das Ziel des Projektes ist es, den Pitztaler

Gemeinderät*innen Handlungsempfehlungen

und Maßnahmenpakete zur Diskussion

vorzulegen, um weitere Schritte

in Richtung einer nutzerfreundlichen und

effizienten Verwaltung zu initiieren.

In einem ersten Schritt wurde eine Ist-

Stand-Analyse des derzeitigen digitalen

Status der Gemeinden durchgeführt. Dazu

wurden Befragungen der Bürgermeister*innen

sowie diverser Institutionen der Region

durchgeführt. Anhand der Erkenntnisse

wurden 16 Handlungsfelder formuliert. Im

Zuge eines Workshops wurden die Themen

aufgrund ihrer Wichtigkeit von den Bürgermeister*innen

priorisiert. Drei Handlungsfelder

wurden zu Schwerpunktthemen

erklärt: digitale Infrastruktur, digitales Amt

und Bürgerservice. „Die Pitztaler Gemeinden

machen bereits sehr viel gemeinsam,

zum Vorteil des gesamten Pitztals. Mit den

Themen von Smart Government gehen die

Pitztaler Gemeinden wieder einen Schritt

nach vorne und erarbeiten nachhaltige

Lösungen für die Zukunft. An einer vernetzten

und digitalen Infrastruktur führt kein

Weg vorbei. Die GemNova, das Unternehmen

der Tiroler Gemeinden, unterstützt bei

diesem europäischen Interreg-Projekt die

Pitztaler Gemeinden bei der Umsetzung,

im Auftrag der Standortagentur Tirol und

Regionalmanagement Imst.

Großes Augenmerk wird nun bei den weiteren

Arbeiten vor allem auf den Aspekt

Notfallmaßnahmen bezüglich kommunaler

Infrastruktur gelegt, der sowohl Schwerpunktthema

eins wie Schwerpunktthema

drei sehr stark betrifft. Die ersten Handlungsempfehlungen

besagen, dass hinsichtlich

eines Blackouts den Gemeinden

empfohlen wird, sich frühzeitig mit dieser

Thematik zu beschäftigen, um auf die

Auswirkungen eines möglichen Stromund

Infrastrukturausfalls entsprechend

reagieren zu können. Erfahrungen zeigen,

dass durch die Auseinandersetzung ein

Mehrwert gewonnen werden kann und

sich dadurch Strom- und Infrastrukturausfälle

effizienter bewältigen lassen.

Beispielsweise erleichtert ein bereits

eingerichtetes Krisenmanagement und

eingespielte Abläufe in der Gemeinde den

Umgang mit möglichen Störungen. Als

Erstes wird die genaue Evaluierung des

Ist-Standes empfohlen. Es braucht eine

gemeinsame „Karte“, die einen Überblick

über die Einrichtungen und Anlagen des

gesamten Pitztals gibt.

In weiterer Folge gilt es, detaillierte Notfallpläne

für die kommunale Infrastruktur

auszuarbeiten. Bei Eintritt einer Störung

wie beispielsweise eines Blackouts soll

jeder und jede im Tal genau informiert

sein, wie vorgegangen wird, um die Folgen

abzumildern. Die vier Bürgermeister der

Gemeinden Arzl im Pitztal, Jerzens, St.

Leonhard im Pitztal und Wenns – Josef

Knabl, Karl Raich, Elmar Haid und Walter

Schöpf – sind überzeugt, mit den derzeit

durchgeführten Maßnahmen wertvolles

Bürgerservice zu schaffen. Denn: „Speziell

in der Corona-Zeit hat sich das Bewusstsein

und die Wertschätzung des Bürgers

positiv verändert. Die unsichere Zeit hat

gezeigt, wie wertvoll die Versorgung mit

Lebensmitteln, Strom, Wasser und Internet

sowie die funktionierende Abfall- und

Abwasserbeseitigung ist.“ Und dieser

Mehrwert soll nun auch auf andere Krisensituationen

übertragen werden, damit

sich die Bürger*innen auch weiterhin in

Ausnahmefällen bestens betreut fühlen.

ZUM AUTOR

MICHAEL KIRCHMAIR

Michael Kirchmair ist Experte im Bereich Informations-

und Kommunikationstechnologie und

unterstützt mit seinem Know-how eine Vielzahl

von Digitalisierungsprojekten. Er ist seit 2013

bei der GemNova und ist somit ein „alter Hase“

im kommunalen Umfeld.

Kontakt: m.kirchmair@gemnova.at


20 tirol.digital tirol.digital

21

EINE DATENZENTRALE

NAMENS GEORG

GARANT FÜR EFFIZIENTE VERWALTUNG

Effizienz ganz allgemein betrachtet bedeutet, dass der Nutzen den Aufwand

übersteigt. Dieses Prinzip ist gerade in den aktuell schwierigen Zeiten

ein wichtiges Maß, wenn es um die Einteilung der knappen Ressourcen

der Mitarbeiter*innen der Gemeindeverwaltung geht.

ZUR AUTORIN

DIPL.-KFR.

VERENA KAISER

Verena Kaiser ist Projektverantwortliche

im Team Digitalisierung

und seit 2020 bei der GemNova.

Kontakt: v.kaiser@gemnova.at

„Die Corona-Krise zeigt einmal mehr, wie

viele komplexe Aufgaben die Mitarbeiter*innen

der Gemeinden zu erledigen

haben. Gerade in solchen Zeiten wünscht

sich jeder Bürgermeister und jede Bürgermeisterin

für die Gemeinde eine effiziente

Verwaltung“, bringt es etwa der Präsident

des Tiroler Gemeindeverbandes und Bürgermeister

in Sölden, Ernst Schöpf, auf

den Punkt. Wie kann eine hohe Effizienz

in der Gemeindeverwaltung erreicht werden?

Und was darf nie der Effizienz geopfert

werden? Die Antwort klingt einfach,

eine gelungene Umsetzung ist jedoch oft

mühsam und kompliziert: Standardprozesse

müssen automatisiert werden, Dateneingaben

sollten nur einmal erfolgen und

Ablagesysteme müssen in den Arbeitsprozess

integriert sein. Denn jeder zusätzliche

Schritt kostet Effizienz und raubt

den Mitarbeiter*innen in den Gemeinden

Zeit. Und das alles unter den obersten

Prämissen im Gemeindeamt: Rechtssicherheit

und Qualität.

Genau diese Anforderungen erfüllt Georg.

Die moderne Verwaltungssoftware zeichnet

sich u. a. dadurch aus, dass sämtliche

für die Gemeinde relevanten Daten nur

in einer Datenbank verarbeitet werden.

Georg zapft dafür die Register wie das

zentrale Melderegister, das AGWR, das

Grundbuch, das Firmenregister, Finanz-

Online und weitere für die jeweiligen Prozesse

notwendige Register an. Das hilft

bei der Schaffung von Effizienz und verringert

ganz klar das Fehlerrisiko (etwa

durch falsch geschriebene Namen).

Dadurch ergeben sich für Gemeinden

eine ganze Reihe von Vorteilen:

+ Es findet echte, sinnvolle Digitalisierung

statt, denn die Daten werden in

den Registern gepflegt und müssen

nicht noch einmal in der Verwaltungssoftware

„nachgezogen“ und laufend

abgeglichen werden.

+ Jede Abteilung der Gemeinde arbeitet

nicht nur mit einheitlichen, sondern

auch mit korrekten Daten.

+ Prozesse können viel einfacher automatisiert

werden.

+ Ein sehr wesentlicher Aspekt: Die verarbeiteten

Daten sind rechtlich korrekt

verwendet und erfüllen die Anforderungen

der Bundesabgabenordnung.

Wie kann eine

hohe Effizienz in

der Gemeindeverwaltung

erreicht

werden? Und was

darf nie der

Effizienz geopfert

werden?

Was sagen die Expert*innen? Welche Prozesse

werden nun beispielsweise automatisiert?

Christian Lechner, einst selbst

Amtsleiter, kennt die Probleme nur zu gut,

die Gemeindemitarbeiter*innen oft plagen.

„AUS DER VERWENDUNG VON

NUR EINER SOFTWARE UND

EINER DATENBANK RESUL-

TIEREN GROSSE VORTEILE.

ES MÜSSEN KEINE BARCODES

ODER NUMMERN VERWENDET

WERDEN, UM DATEN, DIE

ZUSAMMENGEHÖREN,

MITEINANDER ZU VERBINDEN.

BEISPIELSWEISE EINE

BUCHUNG MIT DEM ENTSPRE-

CHENDEN BELEG.“

„Weiteres Beispiel: Wenn sowohl das

Bauamt als auch die Gemeindebuchhaltung

im selben System arbeiten, werden

Rechnungen vom Bauamt direkt in der

Buchhaltung verbucht. Das Eingreifen des

Buchhalters ist nicht mehr notwendig“,

schildert der GemNova-Experte einen der

großen Vorteile von Georg. Sein Kollege

Georg Hochfilzer legt nach: „Ein weiterer

Vorteil von Georg besteht darin, dass

Unterlagen aus finanzonline und dem

Unternehmensserviceportal direkt in den

Posteingang eingespielt und zur weiteren

Verarbeitung bereitgestellt werden. Automatisierte

Prozesse sind hier beispielsweise

bei der Grundsteuer hinterlegt,

sodass etliche ‚analoge‘ Arbeitsschritte in

der Gemeinde eingespart werden. Neue

Bescheide bzw. Eigentümerwechsel werden

den Mitarbeiter*innen in der Finanzabteilung

zur Kenntnis mitgeteilt, die langwierige

Arbeit, jeden Bescheid manuell zu pflegen,

entfällt. Somit vermindert dieser Prozess

beispielsweise zusätzlich sehr stark das

Risiko einer potenziellen Verjährung durch

ungenügend konsolidierte Daten.“

Welche Vorteile sich für die Gemeindeleitung

ergeben, darauf hat der GemNova-

Finanzexperte Christoph Carotta eine klare

Antwort: „Neben der höheren Effizienz der

Verwaltung haben der Bürgermeister, der

Amtsleiter oder auch der Abteilungsleiter

die genaue Übersicht über das Budget. Bei

jeder Rechnung, die freigegeben wird, ist

eindeutig ersichtlich, ob auf der betreffenden

Kostenstelle noch genügend Budget

vorhanden ist.“

Um mit der Automatisierung von Prozessen

überhaupt beginnen zu können, müssen

die Daten aller Register überprüft und

gegebenenfalls korrigiert werden. Nur mit

korrekten Daten können automatisierte

Prozesse einwandfrei laufen. Die AGWR-

Daten sind beispielsweise die Grundlage

für die automatisierte Berechnung von

gebäudebezogenen Gebühren (z. B. Müllgrundgebühr).

Einmal vernünftig gepflegt

und die Regeln aus der Verordnung hinterlegt,

kümmert sich Georg vollautomatisch

im „Regelbetrieb“ um die gesamte

Abwicklung. Das Team der GemNova hat

zuletzt sehr viele praktische Erfahrungen

in Sachen gepflegter Registerdaten

gesammelt. Das Team steht mit diesem

umfangreichen Wissen – wenn gewünscht

– nicht nur mit Rat, sondern auch mit Tat

zur Seite. Etwa für die Analyse von bestehenden

Registern inklusive Durchführung

von Plausibilitätsprüfungen.

GERNE STEHEN FÜR

WEITERE INFORMATIONEN

ZUR VERFÜGUNG:

Gabriele Kaplenig (g.kaplenig@

gemnova.at), Verena Kaiser

(v.kaiser@gemnova.at), Norbert

Pfleger (n.pfleger@gemnova.at)

von Open Digital oder Ihr Gemeindebetreuer

der GemNova.

AGWR

GRUND-

BUCH

UR

ZMR

DATEN-

SATZ


22 tirol.digital tirol.digital

23

WARUM

UM ALLES IN DER WELT BIN ICH EIN BLAUER KRAKE?

Kinder,

was ist das

AGWR*?

Ohhhhh Mann, Papa,

das wissen wir

schon lange! Bitte eine

schwerere Aufgabe!

2

Einmal gelernte Fähigkeiten

werden von Generation zu

Generation weitergegeben.

* Das Adressregister und das Gebäude-

und Wohnungsregister ist eines

der wichtigsten Register für die

automatisierten Prozesse in Georg.

Gestern hab ich in den Spiegel geschaut und mich gefragt,

wieso ich eigentlich so aussehe, wie ich aussehe. Was

haben sich die Tiroler dabei gedacht, aus mir ein blaues

krakenähnliches Tier zu machen?

Also hab ich mich auf die Suche nach einer Erklärung gemacht. Geschaffen

haben mich meine Patinnen und Paten von der OpenDigital. Die haben mich

von klein auf mit meinen Funktionsweisen, meinem Daseinsgrund und meinen

Besonderheiten großgezogen. Und mittlerweile bin ich, so sagen sie, nicht mehr

aus der OpenDigital-Familie wegzudenken.

Kraken haben acht Arme, die

sie unabhängig voneinander

bewegen können. Sie können

dadurch viele Aufgaben gleichzeitig

lösen.

3

4

1

Kraken sind richtig intelligente Tiere.

Das Gehirn von Kraken ist besonders leistungsfähig.

Sie bewältigen Irrgarten-Probleme

besser als die meisten Säugetiere.

Sie haben ein mehrteiliges Herz.

Fällt ein Teil aus, kann der andere

Teil einspringen. Keine Ausfälle bei

Georg und ein großes Herz bedeuten

Ausfallsicherheit und Platz für jeden.

Georgs Herz schlägt

für Tirols Gemeinden

Jetzt ist doch eigentlich alles klar! Ich führe euch

aufgrund meiner hervorragenden Intelligenz durch den

Irrgarten der Gemeindeverwaltung. Meine acht Arme

unterstützen euch bei den unglaublich vielen und unterschiedlichen

Aufgaben, die immer mehr werden. Diese

Aufgaben erledige ich auch noch im Rekordtempo, weil

ich meine Arme ja unabhängig voneinander bewegen

kann und mehrere Aufgaben auf einmal löse. Und wenn

ich erst mal alle Daten aufgesaugt und richtig verknüpft

habe, dann vergessen weder ich noch meine Nachkommen,

wie die Abläufe sind. Mein mehrteiliges Herz trägt

dazu bei, dass ich immer für euch da bin und alle von

euch in mein Herz schließen kann.


24

tirol.digital tirol.digital

„DAS NEUE

AMTSDEUTSCH“ –

EINFACH UND LEICHTE

SPRACHE IM EINSATZ

IN DEN GEMEINDEN

Neben den technischen Voraussetzungen

der digitalen Barrierefreiheit

wurde in den letzten Jahren

das Konzept der einfachen und

leichten Sprache entwickelt. Somit

ermöglicht man Menschen mit

Lese- und Verständnisschwäche,

Menschen mit Behinderungen,

ältere Menschen oder auch Menschen

mit Migrationshintergrund

das Verstehen schriftlicher Texte.

Viele Behörden, Nachrichtenseiten

und auch private Unternehmen bieten

heute bereits Informationen in

einfacher und leichter Sprache an.

Die Gemnova-Expertin Dr. Monika

Matzegger hat einen Workshop

entwickelt, der Mitarbeiter*innen in

den Gemeinden auf den Einsatz der

einfachen und leichten Sprache vorbereitet.

Es werden Begrifflichkeiten

geklärt, warum der Einsatz der einfachen

und leichten Sprache immer

mehr an Bedeutung gewinnt und

welche Zielgruppen sie hat. Nachdem

aktuelle Regelwerke erklärt und

die wichtigsten Regeln besprochen

wurden, geht es für die Teilnehmer*innen

an die Textarbeit. Texte

aus dem Alltag im Amt werden

analysiert und in zielgruppengerechte

Sprache gebracht. Nach den

Workshops sollen selbständig Texte

bearbeitet und Texte in verständlicher

Sprache verfasst werden können.

Ziel ist die Sensibilisierung für die

einfache und leichte Sprache und

einen bewussten Umgang damit.

Informationen dazu bei

c.eder-haslehner@gemnova.at

DIGITALE

BARRIEREFREIHEIT –

VERPFLICHTEND FÜR

ALLE GEMEINDEN

Laut Tiroler Antidiskriminierungsgesetz müssen bereits

seit 2005 alle Dienstleistungen und Güter öffentlicher

Einrichtungen barrierefrei zugänglich sein. Das gilt auch

für Websites. Eine EU-Richtlinie von 2018 gibt zur Umsetzung

dieses Vorhabens gezielte Maßnahmen vor. Im Land

Tirol ist die Ombudsstelle für barrierefreies Internet mit

diesem Thema betraut.

ZUR AUTORIN

DANIELA FRIEDLE, MA

Daniela Friedle ist Expertin für

digitale Barrierefreiheit und

leitet die Ombudsstelle für barrierefreies

Internet und mobile

Anwendungen im Land Tirol.

BILD: © Berger

Was bedeutet Barrierefreiheit im

Internet?

Blinde Menschen bzw. Menschen mit

beeinträchtigter Sicht verwenden Programme

(sog. Screenreader), die ihnen

Website-Texte vorlesen. Diese Texte müssen

aber so aufbereitet und eingepflegt

werden, dass die Programme Zugriff auf

die Informationen haben. Zum Beispiel

lassen sich Bilder nicht lesen – für sie

müssen daher Alternativtexte vorhanden

sein, die beschreiben, was auf einem Bild

zu sehen ist. Die richtige Verwendung von

Überschriften und Navigationselementen

ist essenziell – eine falsche Umsetzung

bedeutet für blinde Menschen, dass sie

Websites und Dokumente auf der Suche

nach Informationen von oben bis unten

durchlesen müssen und nicht schnell zwischen

den einzelnen Inhalten navigieren

können. Auch wenn Text zu klein geschrieben

ist, haben Menschen mit einer Seheinschränkung,

aber auch ältere Menschen

Probleme, um hier nur ein Beispiel

zu nennen.

Müssen Websites barrierefrei sein?

Öffentliche Stellen in allen EU-Ländern

müssen die EU-Richtlinie (EU) 2016/2102

für digitale Barrierefreiheit auf Websites

und in Mobile-Apps umsetzen. Die Richtlinie

wurde auf Landesebene durch § 14b

zum barrierefreien Zugang zu Websites

und mobilen Anwendungen im Tiroler

Antidiskriminierungsgesetz umgesetzt.

Die Richtlinie sieht außerdem ein regelmäßiges

Monitoring über den Umsetzungsstand

in den Mitgliedstaaten vor.

Personen, die sich durch Gestaltung und

Nutzungseinschränkungen benachteiligt

fühlen, stehen rechtliche Schritte zur Verfügung.

Sie können sich zunächst an den

Inhaber der Website wenden (dieser muss

aus der Barrierefreiheitserklärung hervorgehen)

– und wenn es hier keine zufriedenstellende

Ausräumung der Barriere

gibt – an die Ombudsstelle für barrierefreies

Internet und mobile Anwendungen.

Ombudsstelle für barrierefreies Internet

Die Ombudsstelle für barrierefreies Internet

und mobile Anwendungen ist bei der

Servicestelle Gleichbehandlung und Antidiskriminierung

im Land Tirol angesiedelt.

Sie ist Beschwerdestelle und Monitoringstelle.

Sie überwacht, inwieweit Websites

und mobile Anwendungen, die in den

Anwendungsbereich der Richtlinie fallen,

barrierefrei sind. Hierzu wird regelmäßig

ein Bericht erstellt, den die Europäische

Kommission von allen Mitgliedstaaten

bekommt. Zudem ist ein wichtiger Aufgabenbereich

die Aufklärung über das Thema

digitale Barrierefreiheit. Hierzu wurden u. a.

Gemeinden bereits über die Verpflichtung

zur Barrierefreiheit informiert und eine

Schulung angeboten. Für Herbst 2021 sind

weitere Schulungen geplant.

Was bedeutet das für Gemeinden?

In Zeiten fortschreitender Digitalisierung

und eingeschränkter Mobilität wird es

immer wichtiger, dass allen Bürger*innen

der Zugang zum Internet gewährleistet

wird – unabhängig von Alter, Bildung, Herkunft

oder Behinderung. Für Gemeinden ist

es daher wichtig, Folgendes zu beachten:

+ Richtlinien für barrierefreies Internet

WCAG 2.1 AA: Als barrierefrei gilt eine

Website, wenn sie den Erfolgskriterien

der Richtlinie für barrierefreie Inhalte

WCAG 2.1 in der Konformitätsstufe AA

entspricht.

Tipp: Die einzelnen Erfolgskriterien

können Sie neben der offiziellen Seite

der WCAG in der „Schweizer Accessibility-Checkliste

2.1“ unter folgendem

Link nachlesen: https://a11y.digitaleschweiz.swiss/de/criteria/.

Diese

Website befindet sich zwar noch in

der Beta-Version, dennoch werden

die Erfolgskriterien sehr gut beschrie-

ben und eine Checkliste angeboten,

anhand derer man seine Website auf

Barrierefreiheit hin überprüfen kann.

+ Barrierefreiheitserklärung: Die Barrierefreiheitserklärung

ist ein Instrument,

um (noch) nicht gelöste Probleme klar

zu kommunizieren. Dabei kann darauf

hingewiesen werden, in welchem

Zeitraum mit einer Lösung gerechnet

werden kann. Eine Beispielerklärung

wird von der Europäischen Kommission

festgelegt, und jede öffentliche

Einrichtung ist verpflichtet, sie allen

Benutzer*innen zugänglich zu machen.

„In Zeiten

fortschreitender Digitalisierung

und eingeschränkter

Mobilität wird es immer

wichtiger, dass allen

Bürger*innen der Zugang

zum Internet gewährleistet

wird – unabhängig von Alter,

Bildung, Herkunft oder

Behinderung.“

25

+ Barrierefreie Dokumente: Das Thema

„Barrierefreies Internet“ betrifft

nicht nur die Redakteur*innen, die für

die Website verantwortlich sind. Auch

die Gestaltung von Word-Dokumenten,

PDF-Dokumenten, Einladungen im

PDF-Format und allen weiteren digitalen

Kommunikationsformen muss

barrierefrei sein.

Zur Umsetzung der genannten Bereiche

wird empfohlen, die Webentwickler der

Gemeinde-Website hinzuzuziehen.

Weiterführende Informationen u. a.

zur Barrierefreiheitserklärung und zu

barrierefreien Dokumenten finden Sie

auf folgender Website: www.tirol.gv.at/

gesellschaft-soziales/gleichbehandlung-antidiskriminierung/barrierefreies-internet/oeffentliche-einrichtungen/


26

tirol.blickt über die Grenzen

DAS DIGITALE BÜRGERSERVICE

DER GEMEINDE SAAS-FEE

ZUM AUTOR

GEORG KEUSCHNIGG

Georg Keuschnigg ist seit März

2020 freier Mitarbeiter bei

GemNova. Er war Abgeordneter im

Nationalrat und Bundesrat. Nach

seinem Ausscheiden aus dem Bundesrat

wechselte er zum Institut

für Föderalismus, wo er für Politik,

Kommunikation und Projektmanagement

zuständig war.

Kontakt: g.keuschnigg@gemnova.at

Die Digitalisierung ermöglicht

im Bürgerservice und in der

Gemeindeverwaltung viele neue

Chancen. Aber können da auch

kleine und kleinste Gemeinden

mithalten?

Die 1500-Einwohner*innen-Gemeinde Saas-

Fee, die sich selbst gerne als „Perle der

Alpen“ bezeichnet, hat schon sehr früh auf

Digitalisierung gesetzt und zwischenzeitlich

ein hohes Niveau erreicht. Georg Keuschnigg

hat darüber mit Gemeindeschreiber (Amtsleiter)

Bernd Kalbermatten gesprochen.

Herr Kalbermatten, Saas-Fee hat digital

viel zu bieten. Wie haben sich die

Services entwickelt?

Saas-Fee war im Jahre 1996 eine der ersten

Kleinstgemeinden, die ihre Informationen

über eine Homepage publiziert haben.

Im Jahre 2006 wurde in Zusammenarbeit

mit einer nationalen Unternehmung die

Homepage komplett überarbeitet, und

erstmals wurden diverse Online-Dienste

angeboten. Die Gemeinde Saas-Fee ist

mit ihrem Internetauftritt mit dem „Eugen“

2008 für ausgezeichnetes Electronic-

Government ausgezeichnet worden. In

den vergangenen Jahren haben wir unser

Angebot ständig erweitert, unter anderem

entspricht unsere Homepage den behindertengerechten

Anforderungen. So können

sich Besucher*innen unserer Seite

den Inhalt auch mittels eines Speakers

vorlesen lassen. Die Inhalte der einzelnen

Websites lassen sich problemlos auf

portablen Geräten (Laptops, Handys usw.)

ohne visuelle Einschränkungen anzeigen.

Zu den einzelnen Angeboten: Was wird

über den Online-Gemeindeschalter alles

abgewickelt?

Die Gemeinde Saas-Fee bietet in ihrem

Online-Schalter eine große Vielfalt an

Möglichkeiten an, die der einzelnen Person

den Gang auf die Gemeindeverwaltung

ersparen sollen. Neuzuzügler*innen haben

die Möglichkeit, sich online anzumelden,

Wegzügler*innen können sich abmelden,

Gesuchsformulare können online ausgefüllt

und übermittelt werden.

Saas-Fee verfügt über zwei spezielle

Online-Dienste. Welchen Nutzen bringen

sie?

Über Crossiety, dem digitalen Dorfplatz

versuchen wir, dass sich unsere Einheimischen

digital austauschen, den Vereinen

eine Kommunikationsplattform

geboten wird und über den Marktplatz

Gegenstände verkauft oder ausgetauscht

werden. Mit „Notify“ erhalten unsere Einwohner*innen

im Übrigen zeitnahe mittels

Push-Meldung wichtige Informationen

zu Straßensperrungen, Anlässen und

dergleichen.

Welches digitale Angebot wird von den

Bürger*innen am meisten genützt?

Wir wissen, dass von unseren 1500 Einwohner*innen

ca. 500 bei Crossiety registriert

sind und über 750 Personen sich

bei Notify registriert haben. Unsere Bevölkerung

wünscht eine zeitnahe Information,

die sie über unsere diversen digitalen

Kanäle jederzeit erhält.

Und was bringt die Digitalisierung bei der

Optimierung der Verwaltungsabläufe?

Die Digitalisierung hat den Vorteil, dass

auf der Gemeindeverwaltung weniger Frequenzen

zu verzeichnen sind, im Gegenzug

jedoch die digitalen Anfragen zeitnahe

bearbeitet werden können.

„Die Gemeinde

Saas-Fee ist mit ihrem

Internetauftritt mit

dem „Eugen“ 2008

für ausgezeichnetes

Electronic-Government

ausgezeichnet worden.“

BERND KALBERMATTEN

GEMEINDESCHREIBER VON

SAAS FEE,

berichtet über den digitalen

Bürger*innen-Service der Gemeinde.

(© Gemeinde Saas-Fee)

tirol.blickt über die Grenzen

Mit welchen Partner*innen arbeitet

Saas-Fee zusammen?

Wir arbeiten mit bekannten Dienstanbieter*innen

zusammen: Die Homepage wird

von I-weg.ch technisch serviciert, Informationen

über „Crossiety – der digitale

Dorfplatz“ und über Notify holen Sie am

besten über die Homepages der Anbieter*innen

ein: www.crossiety.ch und www.

messengerpeople.ch.

Saas-Fee plant, sich am Projekt

„Smart Villages“ zu beteiligen. Welche

Ziele verfolgen Sie damit?

Mit dieser Projektteilnahme erfolgt einerseits

der Gedankenaustausch mit anderen

Gemeinden in ähnlicher Situation,

wie wir sie haben. Zum anderen versuchen

wir, ein digitales Projekt umzusetzen,

welches für unsere Bürger*innen

einen Vorteil mit sich bringen soll. Aus

dem Projekt heraus entstanden ist unter

anderem die Realisierung eines Coworking-Angebotes

sowie der digitale Dorfplatz,

der mittlerweile zum Bestandteil

der internen und externen Kommunikation

gehört.

Wie weit sind Sie mit dem Coworking-

Angebot?

Das Angebot wurde leider aufgrund der

aktuellen Covid-Situation immer wieder

nach hinten verschoben. Aktuell

gehen wir davon aus, dass Saas-Fee auf

den Sommer 2021 hin entsprechende

Arbeitsplätze zur Verfügung stellen kann.

Abschließend: Wie ist es gelungen,

sich im digitalen Bereich so offensiv

aufzustellen?

Die operative Leitung der Gemeinde

Saas-Fee hat den permanenten Rückhalt

der strategischen Ebene, sprich des

Gemeinderats erhalten. Der Gemeinderat

unterstützt die Digitalisierung und

erkennt den Mehrwert dieser Dienste.

BILD: (© SaastalTourismusAG, levinstudio)

27


28 tirol.mobil

tirol.mobil

29

AUF ALLEN VIEREN

Schnee, Eis und glatte Straßen, aber auch bei unwegsamem Gelände: Ein Allradantrieb

verbessert maßgeblich die Fahrstabilität, hat aber durch das höhere Gewicht zumeist

auch einen gewissen Mehrverbrauch. Mit dem Suzuki Vitara gehören die höheren Verbrauchskosten

jedoch der Vergangenheit an.

ZUM AUTOR

ROBERT BALAZINEC KOLLNIG

Robert B. Kollnig ist von Beginn an bei der

GemNova tätig. Er koordiniert den Bereich

Beschaffung und ist darüber hinaus im Fuhrparkmanagement

tätig. Im Laufe der Jahre hat

er zahlreiche Gemeinden und Feuerwehren bei

der Beschaffung von Fahrzeugen unterstützt.

Kontakt: r.kollnig@gemnova.at

„Think Hybrid – Drive Suzuki“

Alle Modelle, angefangen vom Suzuki Swift

bis hin zum Vitara, sind mittlerweile ausschließlich

mit dem Mild-Hybrid-System

ausgestattet. Die innovative Kombination

aus Benzin- und Elektromotor reduziert

den Verbrauch sowie CO2-Emissionen. Die

Aufladung erfolgt automatisch, sodass man

sich um nichts kümmern muss, was das

Thema Elektrifizierung betrifft. Darüber

hinaus meistert der 129 PS starke Motor

die steilsten Passagen und unbefestigtes

Terrain mühelos.

www.auto-sparer.at

Verbrauch „kombiniert“: 5,7-6,2 l/100 km, CO₂-Emission: 128-141 g/km*

Auto Sparer GmbH

Innsbruckerstraße 21

6380 St. Johann in Tirol

Tel: +43 5352 62385

* WLTP-geprüft. Druckfehler, Irrtümer und Änderungen vorbehalten. Symbolfoto.

Mehr Informationen auf www.auto-sparer.at oder bei uns im Autohaus.

Neuer GemNova-Partner in Sachen Allrad-

und Elektroantrieb

Mit dem Autohaus Sparer hat die GemNova

einen neuen starken Partner an ihrer

Seite. Neben der Fachexpertise im Allradbereich

bietet Sparer nicht nur innovative

Elektrofahrzeuge, sondern auch ein zertifiziert

ausgebildetes Team, welches sich

um Lösungen im Bereich Elektromobilität

kümmert. „Wir freuen uns sehr, dass wir

gemeinsam mit dem GemNova-Fuhrparkmanagement

den Tiroler Gemeinden ein

innovatives Allradfahrzeug anbieten können.

Der Suzuki Vitara bietet

neben seinem neuen

Motor optional auch

Allgrip Select, welches

einen hervorragenden

Halt und perfekte Kontrolle

auf jedem Untergrund

bietet“, so Herbert

Sparer. Mit Allgrip

Select kann aus vier

verschiedenen Fahrmodi

gewählt werden:

Auto, Sport, Snow und

Lock. Mit Letzterem ist

es ein Leichtes, sich

aus Schnee, Sand oder

Schlamm zu befreien.

Walter Steiger vom

GemNova-Fuhrparkmanagement

ergänzt:

„Mit dem Suzuki Vitara

können wir ein

Fahrzeug anbieten,

dass alle Bedürfnisse

abdeckt, Kosten reduziert

und die Umwelt

entlastet.“

OBEN: Walter Steiger (links) von der

GemNova und Herbert Sparer vom

Autohaus Sparer freuen sich über die

Zusammenarbeit. (© Autohaus Sparer)

RECHTS: Der neue Suzuki Vitara

ist über die GemNova zu günstigen

Konditionen erhältlich. (© Suzuki)

„Mit dem Suzuki

Vitara können wir

ein Fahrzeug anbieten,

das alle Bedürfnisse

abdeckt, Kosten reduziert

und die Umwelt

entlastet.“

VITARA HYBRID 1.4 DITC HYBRID 1.4 DITC HYBRID 6AT 1.4 DITC HYBRID ALLGRIP 1.4 DITC HYBRID ALLGRIP 6AT

Bauart

Wassergekühlter Vierzylinder-Benzinmotor mit Abgasturbolader, 2 obenliegende Nockenwellen, Direkteinspritzung

Hubraum

1.373 ccm

Max. Leistung

95 kW (129 PS) bei 5.500 U/min

Max. Drehmoment

235 Nm bei 2.000-3.000 U/min

Höchstgeschwindigkeit

190 km/h

Beschleunigung (0–100 km/h) 9,5 Sek. 9,5 Sek. 10,2 Sek. 10,2 Sek.

Abgasnorm

EURO 6d-ISC-FCM

FAHRWERK

Lenkung

Elektrisch unterstützte Servolenkung

ABS/ESP

ESP

Bereifung 215/60R16 od. 215/55R17

KRAFTSTOFFVERBRAUCH

Kraftstoffverbrauch

5,4 l/100 km – 5,6 l/100 km 5,7 l/100 km – 5,9 l/100 km 5,8 l/100 km – 6,1 l/100 km 6,2 l/100 km – 6,5 l/100 km

kombinierter Testzyklus 1 2

CO₂-Ausstoß kombinierter

121 g/km – 125 g/km 128 g/km – 133 g/km 131 g/km – 136 g/km 140 g/km – 146 g/km

Testzyklus 1 2

Kraftstoffart

Benzin

Tankinhalt

47 l

QUELLE: Suzuki


30

tirol.mobil

tirol.mobil

31

NACHHALTIGE

MOBILITÄT

UNTEN:

Thomas Hilber

von HilberSolar

(© HilberSolar)

Das PV Bikeport verkörpert

Innovation und Umweltbewusstsein,

ist überaus flexibel, robust

und richtig smart!

DIE AUTARKE UND MOBILE LADESTATION FÜR

E-BIKES UND E-ROLLER: AUFSTELLEN UND LOSLEGEN!

ausgezeichnet

mit dem Preis

für "Nachhaltige

alpine Technologie"

ZUM AUTOR

DIPL-BW. ANDREAS KNAPP, MBA

Andreas Knapp ist bei der GemNova im Bereich

Multimodale Mobilität tätig. Er verfügt über jahrelange

Erfahrung bei der Planung, Finanzierung und Ausschreibung

von regionalen Mobilitätskonzepten.

Kontakt: a.knapp@gemnova.at

fixfertige

Lieferung

problemloser Stellplatzwechsel,

unabhängig vom

bestehenden Untergrund

Thomas

Hilber

BILD:

Thomas Hilber

von HilberSolar

(© HilberSolar)

Zu einem funktionierenden regio-

nalen Mobilitätskonzept gehört auch die

Einbindung und Abbildung lokaler und regionaler

Bedürfnisse von Radfahrer*innen. Ins-

besondere seit dem Einzug des E-Bikes in

unseren Alltag ist das Biken nicht mehr nur

sportliches Betätigen, sondern auch in der

Alltagsmobilität angekommen.

Neben einem funktionierenden Radwegenetz ist

vor allem die Radinfrastruktur am Zielort ausschlaggebend,

ob das Rad als alltagstaugliches

Verkehrsmittel angenommen wird. Die Suche

nach funktionierenden, flexiblen und innovativen

Lösungen führte uns zur Firma HilberSolar

(www.hilbersolar.at).

Da es nicht nur Abstellmöglichkeiten bei Bahnhöfen,

Gemeindeämtern, Bergbahnen, Geschäften

usw. braucht, sondern auch bei Ausflugszielen,

Haltestellen oder Berghütten bieten die

Radabstellanlagen mit Photovoltaik-Überdachung

diesen wichtigen Vorteil direkt vor Ort,

wenn keine direkte Stromversorgung für das

Laden eines Akkus vor Ort vorhanden ist.

„Das PV Bikeport wird fixfertig geliefert und

ist die perfekte Lösung mit einfacher Montage

und Inbetriebnahme – aufstellen und loslegen!“,

so Thomas Hilber. „Mit diesem Produkt

können Unternehmen, Tourismusverbände und

Gemeinden zeigen, wie sie zur Mobilitätswende

stehen, und einen aktiven Beitrag leisten. Ob für

Mitarbeiter*innen, Kund*innen, Anwohner*innen

oder Besucher*innen – das PV Bikeport verkörpert

Innovation und Umweltbewusstsein,

ist überaus flexibel, robust und richtig smart!“

BILD: Das PV Bikeport

kann überall aufgestellt werden

und ist Teil einer aktiven Mobilitätswende.

(© HilberSolar)

So kann das mobile PV Bikeport zum Beispiel

ohne Probleme den Stellplatz wechseln, was

aufgrund der Verwendung eines Gewichtsfundaments

unabhängig vom bestehenden Untergrund

und ohne zusätzliche Befestigungsmaßnahmen

erfolgen kann. Das bedeutet auch eine

einfache modulare Erweiterung des Bikeports.

Das eigens installierte WLAN ermöglicht es

dem Betreiber oder einem Servicebeauftragten,

per Fernzugriff die Anlage zu überwachen und

Einstellungen vorzunehmen. Durch die Variante

mit integriertem Speicher wird zudem vollständige

Autarkie erreicht.

Neben den eigentlichen Funktionen einer Ladestation

und Sammelstelle für E-Bikes oder

E-Roller gibt es weitere konfigurierbare Features

wie etwa beleuchtete Werbeflächen (City-

Light-Formate) oder spezielle Fahrradständer

zur sicheren Verwahrung der wertvollen E-Bikes

mit Zahlenschloss sowie versperrbare Schränke

zum Beispiel für die Verwahrung von Gegenständen

(Rucksack, Wetterschutz, Helm).

Für das innovative PV Bikeport erhielt die Firma

Hilber im Dezember 2020 einen Preis für

„Nachhaltige alpine Technologien“ und wurde

für den Eurobike Award vorgeschlagen.


32 tirol.modern und innovativ tirol.modern und innovativ

33

ZUM AUTOR

JAN SCHÄFER

Jan Schäfer ist Experte für Marketing

und Kommunikation. Er war

maßgeblich bei der Entstehung

des neuen GemNova-Buches „Wir

alle sind Gemeinde“ beteiligt und

unterstützt seit heuer die

GemNova als Gemeindebetreuer

in Osttirol.

Kontakt: j.schaefer@gemnova.at

OBEN:

Porträtaufnahmen am

Hochstadel/Lienzer Dolomiten

(© Martin Lugger)

WENN

LANDSCHAFT

ZUR BÜHNE

FÜR MARKEN UND

PRODUKTE WIRD

Bekanntlich sagt ein Bild mehr als

tausend Worte. Im Marketing und

in der Werbung ist das ein elementarer

Aspekt beim Kommunizieren

von Botschaften und aktueller

denn je.

Angesichts der stetig wachsenden

Informationsflut kommt aussagekräftigen

Bildmotiven immer öfter eine

bedeutende Rolle zu. Der Fotograf Martin

Lugger aus Lienz setzt daher bei

seiner Arbeit auf die vielfältige Landschaft

Osttirols.

Gerade in der Kommunikation und im

Marketing ist der subtile Einfluss von Bildern

auf uns bekannt. Sie wirken automatisch

und unbewusst. Mit Bildern lassen

sich sekundenschnell Botschaften platzieren,

die für das menschliche Gehirn

nicht zu kontrollieren sind. „Schlecht fotografierte

oder falsch ausgewählte Motive

verfehlen ihre Wirkung, weil der jeweilige

Betrachter sich nicht angesprochen fühlt.

Im umgekehrten positiven Fall erfolgt

eine Identifizierung mit dem Bild – und

die Information wird verankert. Bei der

Präsentation von Marken, Produkten oder

Persönlichkeiten muss das im Hinblick

auf Zielgruppen sorgfältig berücksichtigt

werden“, erläutert Martin Lugger. Deshalb

ist der Hintergrund eines Motivs ebenso

wichtig wie die zu fotografierende Person

oder das Objekt.

Mensch, Marke und Landschaft im perfekten

Augenblick verbinden

Osttirol bietet dem Lienzer dafür eine große

Auswahl an Möglichkeiten, ob es die beeindruckenden

Hohen Tauern sind, das urige

Oberland oder die markanten Lienzer Dolomiten.

„Bei uns gibt es unzählige schöne

Plätze zum Fotografieren, die jemand von

außerhalb nicht kennt oder unterschätzt. Es

lassen sich in Osttirol tolle Projekte umsetzen

und das zu jeder Jahreszeit“, betont

Lugger. Die Landschaft versteht der Fotograf

als Bühne, auf der er ein Thema, eine

Marke und Botschaften inszeniert. Gekonnt

versteht er es, im perfekten Augenblick

Menschen mit Materie und Umgebung zu

einer Einheit zu verbinden. Auch das Spiel

mit dem natürlichen Licht ist ihm wichtig.

Je nach Stand der Sonne und Bewölkung

des Himmels verändert sich der Charakter

einer Landschaft. Ganz eigene Stimmungen

entstehen, die die Emotionalität der

Motive zusätzlich unterstreichen. So entstehen

die Geschichten, die Martin Lugger

mit seinen Aufnahmen erzählen will.

„In Osttirol kenne ich jeden

Winkel. Da weiß ich, wo ich

welchen Hintergrund für

ein Thema finde und wann

ich vor Ort sein muss.“

Zur Profifotografie kam der 1980 geborene

Osttiroler erst nach seinem Studium

der Umwelt- und Verfahrenstechnik. Die

Begeisterung für die Fotografie an sich

entdeckte er hingegen schon sehr früh.

Die Grundlagen brachte er sich autodidaktisch

bei und brachte es so schließlich zu

einem erfolgreichen Abschluss zum Fotografenmeister.

Mit diesem Zertifikat stieg

Lugger endgültig in die professionelle

Fotografie ein. Der Lienzer setzte bereits

Projekte für Red Bull oder die Spar-Gruppe

um, ferner arbeitet er für den aus Osttirol

stammenden Handschuhhersteller Zanier.

Aber auch für klein- und mittelständische

Betriebe aus der Region setzte er deren

Produkte und Dienstleistungen ausdrucksstark

in Szene.

Der passende Hintergrund erfordert

genaue Ortskenntnis

Natürlich arbeitet der Fotograf auch in

anderen Regionen Österreichs, Deutschlands

oder Italiens. Martin Lugger ist

BILD:

Zusammenarbeit mit dem Sportkletterer

Herbert Ranggetiner: Shooting für das Red-

Bull-Magazin „Bulletin“ am „Roten Turm“ in

den Lienzer Dolomiten. (© Martin Lugger)

immer dort, wo der Kunde seinen Auftrag

umgesetzt haben möchte. Doch „Dahoam

isch dahoam“. „Zur Vorbereitung eines

Shootings gehört selbstverständlich auch

die Auswahl der Location. Das fällt mir

in Osttirol auf jeden Fall leichter als auswärts.

Dort muss ich mich erst orientieren.

In Osttirol kenne ich jeden Winkel.

Da weiß ich, wo ich welchen Hintergrund

für ein Thema finde und wann ich vor Ort

sein muss“, schmunzelt Martin Lugger.

Dass er den Bezirk gut kennt, liegt nicht

nur daran, dass er in Lienz wohnt. In seiner

Freizeit zieht es ihn in die Berge zum

Sporteln. Dabei hält er immer seine Augen

offen für geeignete Plätze, die er später

für seine Arbeiten nutzen kann.

Seine Leidenschaft für den Sport unterstützt

seine Arbeit in der Bergwelt Osttirols:

Sie erleichtert die Annäherung an

sportliche Themen der Fotografie. Martin

Lugger hat nicht zuletzt dadurch ein

Gespür für das Gelände entwickelt und

dafür, welchen Einfluss die Landschaft

auf die Bewegung hat. Für die Firma

Zanier beispielsweise setzt er Handschuhe

in Szene. Schutz vor Kälte, Robustheit

oder Beweglichkeit der Finger spielen

hier eine Rolle. Und wo ließen sich diese

Eigenschaften besser vermitteln als beim

Freeriden an den schneebedeckten Hängen

der markanten Berge Osttirols? „Bei

solchen Aufnahmen muss man natürlich

wissen, wo man als Fotograf stehen kann.

Da geht es nicht nur um Hintergrund, Story,

Produkt oder Licht. Es kommt ebenso auf

das Timing an“, weiß der Osttiroler.

Gletscher, Flüsse und Fels bringen ihre

eigene Story mit

An Aufnahmen rund um den Sport hat

Martin Lugger viel Freude. Jede Sportart

ist anders und hat ihr eigenes Umfeld.

Dadurch entsteht eine eigene Dynamik,

der Rahmen für die darzustellende Story

und ihre individuelle Dramaturgie. „Es ist

jedes Mal neu. Wenn ich einen Kajakfahrer

auf der Isel fotografiere, ist das

etwas ganz anderes als jemanden beim

Eisklettern an einem Gletscher abzulichten.

Gleiches gilt beim Radfahren, Freeclimbing

oder Golfen. Und Osttirol ist so

vielfältig, dass ich hier nahezu alles in

Szene setzen kann“, sagt Lugger. Selbst

wenn sich die Motive nicht wie beim

Sport bewegen, überlegt sich der Fotograf,

welche Rolle die jeweilige Gegend

– beispielsweise bei der Darstellung von

Immobilien oder Räumlichkeiten – im

Gesamtkonzept der Aufnahmen spielen

kann. Für ihn ist die Landschaft ein

Detail, das gleichberechtigt neben allen

anderen Objekten steht. Zwar kann man

eine Landschaft nicht einfach umstellen

wie etwas, das sich bewegen lässt. Dafür

lässt sich aber die Perspektive ändern.

Und das gelingt um so besser, je genauer

man eine Gegend kennt. Und das trifft für

Martin Lugger und Osttirol zu.


34 tirol.Politik

tirol.Politik

35

EUROPA FÄNGT IN

DER GEMEINDE AN

© Julia Moll

Wir müssen über die

Gemeinde hinaus in

Regionen denken.

2020 war das Jahr des 25-jährigen

Jubiläums der österreichischen EU-

Mitgliedschaft. Was uns diese 25 Jahre

auf regionaler Ebene gebracht haben,

manifestiert sich für mich sehr gut in

der Europaregion Tirol/Südtirol/Trentino.

Es war und ist ein sehr wichtiger

Schritt in der Zusammenarbeit über

die Grenzen hinaus, ein Eckpfeiler,

der auch wesentlichen Einfluss auf

die Arbeit der heimischen Gemeinden

hat. Sei es die Wirtschaft, sei es

der Tourismus, aber auch die kulturelle

Identität der Menschen in der Region,

die gestärkt werden. Ermöglicht wurde

dies durch die Europäische Union, die

Schaffung des Schengen-Raumes und

die gemeinsame Währung Euro. Dies

förderte das wirtschaftliche Zusammenwachsen

der Region.

Auf EU-Seite ist hierbei als Wegbereiter

vor allem die Schaffung des Europäischen

Verbundes territorialer Zusammenarbeit

(EVTZ) hervorzuheben. Der

EVTZ ist ein von der EU 2011 initiierter

Zusammenschluss von Regionen, die

Basis für die Europaregion. Damit kann

die Zusammenarbeit über die Grenzen

hinaus auf eine höhere institutionelle

Ebene gehoben werden.

Ein positives Faktum der letzten Jahre

ist die immer enger werdende Kooperation

im Allgemeinen und die immer

enger werdenden Wirtschaftskooperationen

im Besonderen innerhalb unserer

Europaregion. Neben der Europaregion

ist aber auch Interreg ein Werkzeug,

das in verschiedensten Bereichen die

Zusammenarbeit in den Regionen fördert.

Die Gemeinschaftsinitiative des

Europäischen Fonds für regionale Entwicklung

(EFRE) ist ein wertvolles Instrument

der europäischen Strukturentwicklung

zur Stärkung der regionalen

Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung.

Interreg ist aus Tiroler Sicht

sowohl Richtung Deutschland (Bayern)

als auch Richtung Italien (Südtirol, Trentino)

sehr wertvoll.

Zahlreiche grenzüberschreitende Programme

und Projekte sorgen dafür,

dass auch die einzelnen Gemeinden

davon profitieren. Das ist sehr hilfreich,

wenn man bedenkt, dass die Aufgaben,

die Gemeinden lösen müssen, immer

komplexer werden. Wir müssen über die

Gemeinde hinaus in Regionen denken.

Allein deshalb würde ein bisschen mehr

Europabegeisterung in den Gemeinden

nicht schaden. Da ist sicher noch Luft

nach oben.

Bgm. Mag. Ernst Schöpf

© Land Tirol/Cammerlander

Die EU hat einen wesentlichen

Einfluss auf die

Regionalpolitik und die

Tiroler Gemeinden.

Die Europäische Union beschäftigt sich

unter anderem einerseits mit internationalen

Themen wie Migration, Grenzschutz

oder Digitalisierung. Andererseits

hat sie auch einen Einfluss auf

die Regionen und ihre Entwicklung.

Beim Land Tirol ist ein eigener Fachbereich

„EU Regionalpolitik“ eingerichtet,

mit dem Ziel, Tirol und seine Regionen

als attraktive Lebens- und erfolgreiche

Wirtschaftsräume zukunftsorientiert

weiterzuentwickeln. Gleichzeitig soll

damit auch der wirtschaftliche, soziale

und territoriale Zusammenhalt im

Land gestärkt werden. Die so genannten

EU-Strukturfondsprogramme stellen

dabei ein wesentliches Element zur

Umsetzung der EU-Regionalpolitik dar.

Gemeindereferent LR Johannes Tratter

sieht in vielen Förderungsprogrammen

einen Mehrwert für die Tiroler Gemein-

den und damit in weiterer Folge direkt

für die Bevölkerung: „Ganz klar: Wo ein

Mehrwert, dort steigt auch das Europabewusstsein.

Daher ist es mir ein

wesentliches Anliegen, die Idee Europa

als Vertreter der Landesregierung und

damit als Schnittstelle in die Gemeinden

zu transportieren. Die Europäische

Union fängt bereits im kommunalen

Bereich an. Die zahlreichen Vorteile –

beispielsweise eine einheitliche Notrufnummer,

das Studien- und Jugendaustauschprogramm

Erasmus und nicht

zuletzt die Regionsförderungen für

benachteiligte Gebiete – müssen laufend

vor den Vorhang geholt werden,

um den Menschen den europäischen

Gedanken bereits auf regionaler Ebene

näherzubringen.“

Förderprogramme für regionale

Entwicklung

Ein Aushängeschild für ein regionales

und nachhaltiges Programm, das

unter anderem von der EU gefördert

wird, stellt die so genannte LEADER-

Initiative dar. Diese ist Teil des österreichischen

Programms für ländliche

Entwicklung und ermöglicht Beteiligten

direkt aus der Region die Teilhabe an

der Planung und Ausführung von Strategien

sowie an der Herbeiführung von

Entscheidungen und an der Verteilung

von Mitteln zur Entwicklung des ländlichen

Raums in ihrer Region. Die LEA-

DER-Initiative bildet in Tirol auch die

Basis für die Tiroler Regionalmanagementvereine.

„Fachliche Begleitung der

Umsetzung von lokalen Entwicklungsstrategien,

finanzielle Unterstützung

und die enge Abstimmung mit der

Landes-, Bundes- sowie EU-Ebene sind

ausschlaggebend, um innovative Vorhaben

in den Tiroler Gemeinden umzusetzen“,

so LR Tratter abschließend.

LR Mag. Johannes Tratter

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dem intelligenten

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36 tirol.Politik tirol.Politik

37

EU-Förderungen

werden in Tirol zur

Gänze ausgeschöpft.

Bei der Europawahl 2019 kandidierte Barbara Thaler als Tiroler

ÖVP-Spitzenkandidatin. Dank der Vorzugsstimmenregelung gelang

ihr der Einzug ins EU-Parlament. Damit ist die Unternehmerin,

Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Tirol und Landesparteiobmann-Stellvertreterin

der Tiroler Volkspartei seit 2. Juli

2019 Mitglied des Europäischen Parlaments.

„Als einzige Tiroler

EU-Abgeordnete ist es

mir ein großes Anliegen,

direkt vor Ort in

den Tiroler Gemeinden

und Regionen

mit den Menschen in

Kontakt zu sein

und ihre Anliegen

zu hören.“

BARBARA THALER

BILD: Barbara Thaler ist

eine starke Verbündete

für alle Tiroler*innen

im EU-Parlament.

(© Pristach)

ZUM AUTOR

MANFRED SCHIECHTL

25 Jahre Medienerfahrung in

verschiedensten Bereichen bei

der Tiroler Tageszeitung und dem

Kurier sind die Basis für eine

umfangreiche Expertise in allen

Kommunikationsbelangen.

Kontakt: m.schiechtl@gemnova.at

Vordergründig ist die EU und ihr Agieren

hauptsächlich auf der bundesstaatlichen

Ebene sehr präsent. Welche Bedeutung

hat die Europäische Union jedoch für die

Regionen, in unserem Fall Tirol?

Kaum ein anderes Bundesland ist so von

europäischen Themen betroffen wie wir

in Tirol. Sei es beim Verkehr, beim Tourismus

oder z. B. auch beim Thema Problemwölfe.

Viele Projekte sind in den letzten 26

Jahren, seit Österreich der Europäischen

Union beigetreten ist, entstanden und mit

europäischem Geld finanziert worden.

Die EU bringt Regionen und Menschen

zusammen, fördert den Austausch und

unterstützt in der Entwicklung. Allein in

der Förderperiode 2014–2020 bekamen

die Tiroler Regionen durch den Europäischen

Fonds für regionale Entwicklung

(EFRE) einen Beitrag von rund 33,7 Millionen

Euro. Gefördert wurden zum Beispiel

die Tiroler Cluster. Das sind Netzwerke

zur Förderung von Gemeinschaftsprojekten

von Wirtschaft, Forschung und Bildung

in den Bereichen erneuerbare Energien,

Technologie, Life Sciences, Mechatronik

und Wellness.

Als einzige Tiroler EU-Abgeordnete ist es

mir ein großes Anliegen, direkt vor Ort in

den Tiroler Gemeinden und Regionen mit

den Menschen in Kontakt zu sein und ihre

Anliegen zu hören. Aufgrund der Corona-

Krise mussten viele dieser Termine im

letzten Jahr abgesagt werden. Trotzdem

ist mir auch in der momentanen Situation

der direkte Austausch durch Webinare und

Telefonkonferenzen sehr wichtig, weil Fakt

ist: Europa fängt in den Gemeinden an.

Und darüberhinausgehend die Europaregion

Tirol/Südtirol/Trentino?

Tirol zeigt in der EUREGIO, wie ein Europa

der Regionen funktioniert, und pflegt so

die historische Verbundenheit mit Südtirol

und dem Trentino. Regionsübergrei-

fende Projekte wie die der EUREGIO bringen

Menschen, Wirtschaft und vor allem

den ländlichen Raum dazu, noch stärker

zusammenzuarbeiten. Die Förderung von

gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten

sowie der Austausch von

Bildungsangeboten trägt dazu bei, die

Regionen näher zusammenzubringen. Die

EUREGIO ist besonders in der Corona-Krise

durch viele Herausforderungen wie z. B.

die Grenzschließungen gefordert. Dennoch

zeigen die drei Landesteile einen starken

Zusammenhalt in der gegenseitigen Unterstützung

und Bekämpfung der Pandemie.

Derzeit werden in Tirol eine ganze Reihe

von Projekten unter dem Dach von

EUREGIO durchgeführt. Welchen Vorteil

sehen Sie für Gemeinden, die sich

an derartigen Projekten beteiligen?

Vor allem für Tirols Gemeinden ergibt

sich durch die EUREGIO eine einzigartige

Möglichkeit, an vielfältigen Projekten

teilzunehmen. Ein Blick über den Tellerrand

bietet oft Zugang zu neuen Ideen

und anderen Herangehensweisen. Durch

dieses Netzwerk kann viel neues Potenzial

für unsere Gemeinden entstehen.

Das Projekt des EUREGIO-Tickets ist ein

gutes Beispiel für grenzübergreifende

Möglichkeiten. Im August 2020 startete

die neue Mobilitätsoffensive Euregio-

2Plus-Ticket, die in allen drei Ländern eingeführt

worden ist. So können Familien

günstig mit fast allen Verkehrsmitteln

und mit einem Tagesticket quer durch

alle Länder fahren. Für die Zukunft ist ein

EUREGIO-Jahresticket in Ausarbeitung.

Ich selbst habe vor vielen Jahren auch

an einem EU-Projekt mitgearbeitet. Den

administrativen Aufwand habe ich haut-


38 tirol.Politik tirol.Politik

39

„Dass wir diese Förderungen auch

wirklich nutzen, bringt bedeutende

Wertschöpfung für die einzelnen

Regionen. Als Tirolerin bin ich stolz, dass

hier das große Potenzial der EU-Fördermöglichkeiten

ausgeschöpft wird.“

nah mitgemacht und weiß, wie abschreckend

solche Antragsformulare sein können,

jedoch lohnt es sich jedes Mal. Wir können

hier viel Geld für die Regionen Europas

gewinnen.

Interreg fördert wiederum die Zusammenarbeit

zwischen Bayern und Österreich,

daher auch Tirol. Worin liegt der

Mehrwert der grenzüberschreitenden

Zusammenarbeit über diesen Weg?

Interreg fördert grenzübergreifende Zusammenarbeit

z. B. in der gemeinsamen Infrastruktur

oder auch in der Raumplanung.

Solche Initiativen helfen Bürger*innen in

der Europäischen Union, die in der Nähe

einer Grenze wohnen, die geografischen

und technischen Barrieren abzubauen.

Zwischen Bayern und Österreich herrscht

schon lange eine Tradition in der Zusammenarbeit.

In meinem Heimatbezirk Kufstein gibt es

einige konkrete Ansätze, die die grenzüberschreitende

Zusammenarbeit verbessern.

Durch die Euregio Inntal, wo die Bezirke

Kufstein und Kitzbühel mit den Landkreisen

Rosenheim und Traunstein zusammenarbeiten,

wurde letztes Jahr eine Verkehrsstudie

für eine öffentliche Verkehrsverbindung

der Geigelstein-Linie von Rosenheim und

Kufstein gemacht. Diese Studie kann jetzt

als eine Entscheidungsgrundlage zum

regionalen Ausbau des grenzüberschreitenden

Öffentlichen Personen-Nahverkehrs

(ÖPNV) herangezogen werden. Das große

Ziel dahinter sind verbesserte Erreichbarkeit

für Tagesgäste, attraktivere Mobilitätsangebote

für Pendler*innen und insgesamt

mehr Flexibilität in der Mobilität. Ein tolles

Beispiel für ein „Europa ohne Grenzen“.

Stichworte Europäischer Fonds für regionale

Entwicklung (EFRE), Europäischer

Sozialfonds (ESF), Europäischer Landwirtschaftsfonds

für die Entwicklung

des ländlichen Raumes (ELER): Wird die

EU-Regionalförderung in Tirol ausreichend

genutzt oder werden viele Möglichkeiten

ausgelassen?

Die EU-Förderungen werden in Tirol zur

Gänze ausgeschöpft. Teilweise werden

sogar „Reserveprojekte“ geplant und vom

Land Tirol vorfinanziert. Da andere Bundesländer

und andere Mitgliedstaaten ihre zur

Verfügung stehenden Gelder nicht komplett

abholen, können somit auch unsere „Reserveprojekte“

aus den Fördertöpfen finanziert

werden. Dass wir diese Förderungen auch

wirklich nutzen, bringt bedeutende Wertschöpfung

für die einzelnen Regionen. Als

Tirolerin bin ich stolz, dass hier das große

Potenzial der EU-Fördermöglichkeiten ausgeschöpft

wird.

Welche Möglichkeiten gibt es noch, vor

allem für die Gemeinden?

Neben den klassischen Fördertöpfen bietet

die EU immer wieder Förderprogramme

oder Initiativen an, die unter anderem auch

direkt von unseren Gemeinden abgeholt

werden können. Die Gemeinde Kauns im

Bezirk Landeck hat sich z. B. im November

2018 gemeinsam mit 13.000 Städten und

Gemeinden aus ganz Europa bei der Initiative

WIFI4EU beworben. Die 500-Einwohner-

Gemeinde war eine von 2800 Gewinnergemeinden

und hat eine tolle Summe an

Fördergeld für den Ausbau des öffentlichen

WLAN-Netzes erhalten.

Neben der neuen Förderperiode 2021–

2027 hat sich die EU für die Zeit nach der

Corona-Krise auf einen Wiederaufbauplan

für Europa geeinigt. Der Hauptteil davon

fließt in den Recovery and Resilience Fund,

wo für die kommenden Jahre Mittel in der

Höhe von 672,5 Milliarden Euro den Mitgliedstaaten

zur Verfügung gestellt werden.

Zum Wiederaufbau können hier Projekte im

Bereich der Innovation und Digitalisierung

sowie rund um den Green Deal eingereicht

werden. Außerdem stehen Mittel für Kleinund

Mittelunternehmen, Infrastruktur und

Jugend zur Verfügung. Die Mitgliedstaaten

sind jetzt an der Reihe, ihre Pläne anzumelden,

welche durch die Europäische Kommission

und das Parlament geprüft werden und

anschließend national ausgeschrieben werden.

Das Ziel besteht darin, die Auswirkungen

der Corona-Pandemie auf Wirtschaft

und Gesellschaft bestmöglich abzufedern.

2020 war das Jahr des 25-jährigen Jubiläums

der österreichischen EU-Mitgliedschaft.

Wie sieht Ihre Bilanz aus Tiroler

Sicht aus? Überwiegen die Vorteile oder

die Nachteile, wie etwa die hierzulande

für die Tiroler*innen täglich sehr präsente

Transitproblematik?

Für mich ist ganz klar, dass die Vorteile der

EU-Mitgliedschaft überwiegen.

Die Menschen und

Regionen in Tirol und

Österreich profitieren

von der Europäischen

Gemeinschaft.

Die steht nicht nur für Friede und Sicherheit,

sondern prägt auch einen starken

gemeinsamen Binnenmarkt, der uns in der

Welt positioniert. Wir haben heute dreimal

so viele exportierende Betriebe in Tirol als

vor dem Beitritt zur Europäischen Union.

Auch wenn die EU besonders in der Corona-

Krise vor großen Herausforderungen steht,

ist es gelungen, den größten EU-Haushalt

mit 1,8 Billionen Euro in der Geschichte der

EU zu beschließen, um die Langzeitfolgen

der Krise einzudämmen.

Im Verkehrsbereich steht noch viel Arbeit

vor uns. Wichtig für Tirol und das Thema

Transit sind die Verhandlungen zur Wegekostenrichtlinie,

die seit Ende Jänner laufen.

Dort bin ich im Verhandlungsteam

des Europaparlaments und gehe mit ganz

konkreten Punkten in die Verhandlungen.

Um eine Modernisierung des Verkehrssystems

zu erreichen, brauchen wir zum einen

Kostenwahrheit auf der Straße und zum

anderen eine Zweckbindung der Umweltaufschläge.

Die Kostenwahrheit soll nach

dem Nutzer- und Verschmutzerprinzip hergestellt

werden. Das soll nicht nur auf einigen

Streckenabschnitten gelten, sondern

verpflichtend in ganz Europa. Jeder LKW

soll die tatsächlich verursachten Umweltkosten

als Bestandteil der Maut verrechnet

bekommen. Die Einnahmen sollen direkt in

den Verkehrssektor und in die Regionen

zurückfließen. Das steht für mich bei den

Verhandlungen an erster Stelle, um in Tirol

eine Verbesserung der Transitproblematik

zu erreichen. Darüber hinaus sollen Mitgliedstaaten

in Bergregionen, wo Infrastrukturkosten

und Umweltschäden von Haus

aus höher sind, das Recht haben, die Grundmaut

um bis zu 50 Prozent zu erhöhen.

Eine Mitsprache der Nachbarländer steht

hier für mich persönlich nicht zur Debatte.

Was bedeutet es für Sie persönlich, Tirol

im EU-Parlament zu vertreten?

Eine starke Verbündete für alle Tiroler*innen

zu sein, steht für mich an erster Stelle.

Meine Heimat im EU-Parlament vertreten

zu dürfen, ist eine großartige und zugleich

herausfordernde Aufgabe. Die komplexen

Zusammenhänge und der enge Austausch

zwischen den verschiedenen Personen, Institutionen

und Stakeholdern in Tirol, Österreich

und Brüssel machen die Arbeit aber

zu einer ganz besonderen.

TlROLER

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aufgenommen werden

Unser Spezialisten-Team erreichen

Sie unter 0512 5313-1701 oder per

mail@tiroler.at.

LINKS:

Barbara Thaler ist seit 2. Juli

2019 Mitglied des Europäischen

Parlaments und vertritt

ihre Heimat in Brüssel.

(© Europäisches Parlament)


40

tirol.Politik

tirol.Politik

41

Anti-Aging für die Politik

DIE „GEMEINDE-

SCHMIEDE“

Dieses gemeinsame Projekt vom

Land Tirol, dem Tiroler Gemeindeverband

und GemNova verfolgt das

Ziel, junge Menschen zwischen 15

und 30 für Politik zu begeistern.

Gleichzeitig soll ihnen eine profunde

Grundausbildung in der Gemeindepolitik

vermittelt werden. Neben

speziellen Workshops zu den verschiedensten

Themen, zu konkreten

Aufgaben und Herausforderungen

in den Gemeinden sind auch landesweite

Vernetzungstreffen sowie

regionale Schulungen vorgesehen.

parteiunabhängig

Wissensvermittlung

Vernetzung von

erfahrung & wissbegieRde

Die Auftaktveranstaltung findet im

Juni in Fieberbrunn, der Heimatgemeinde

von Sophie Brunner, statt.

In weiterer Folge werden diese Veranstaltungen

auch in den anderen

Bezirken Tirols abgehalten. Die

Gemeinden werden vorab darüber

informiert. Läuft alles nach Plan,

sollen einige dieser jungen Leute

bereits bei der Gemeinderatswahl

2022 auf den verschiedenen Listen

kandidieren.

Kontakt: Sandra Wimmer,

s.wimmer@gemnova.at

Tel. +43 660 201 32 27

Sophie Brunner

aus Fieberbrunn, eine der

engagierten Initiatorinnen der

„Gemeindeschmiede“

Sophie Brunner ist 20 Jahre alt, gebürtige Fieberbrunnerin, politisch

interessiert. Die junge Frau studiert am Management Center Innsbruck

Tourismus und Freizeitwirtschaft, lacht viel, denkt positiv und ist auch

bereit, Verantwortung zu übernehmen.

„Gemeindepolitik hat mich schon immer

interessiert. Weil es ja mein unmittelbares

Lebensumfeld betrifft. Schnelles Internet,

Verkehr, Umwelt, Sport, Wohnen – all

das sind Themen, wo ich gerne etwas

bewegen würde. Nur, wie funktioniert das

im Detail?“Eher zufällig stolperte Brunner

dann über das Buch „Wir alle sind

Gemeinde“, so der Titel, herausgegeben

vom Tiroler Gemeindeverband und Gem-

Nova. Sie steckte ihre Nase hinein und zog

diese dann lange nicht mehr zurück. „Einfach

weil ich beim Lesen so viele Antworten

auf meine Fragen bekommen habe.

Da wurde Gemeindepolitik einfach sehr

anschaulich erklärt, außerdem wurden viele

praktische Beispiele angeführt. Das hat

mein Interesse an Politik nochmals gesteigert,

das kann ich schon sagen.“

EULEN IN ATHEN

Ernst Schöpf in Tirol vorzustellen, hieße

wohl Eulen nach Athen zu tragen. Er ist

seit 35 Jahren Bürgermeister von Sölden,

Präsident des Tiroler Gemeindeverbandes

sowie Vorsitzender des Finanzausschusses

des Österreichischen Gemeindebundes.

Außerdem war der ausgebildete

Betriebswirt

beinahe zehn Jahre

lang Abgeordneter

im Tiroler Landtag.

Und ja, Schöpf ist

auch ein Macher,

ein Umsetzer,

einer, der in

der Gemeinde

etwas bewegen

will.

„Wir haben hier in Tirol 279

Gemeinden, also 279 Bürgermeister*innen.

222 davon sind

bereits über 50 Jahre alt und

denken ernsthaft darüber nach,

nicht mehr zu kandidieren.“

ERNST SCHÖPF

„Zum einen gibt es eine gewisse Politikmüdigkeit,

zum anderen ein steigendes Interesse

insbesondere von jungen Menschen, sich

aktiv in der Gemeindepolitik zu engagieren.

Letztere wollen wir nun offensiv ansprechen

und entsprechend fördern“, so Schöpf.

Das bohren

harter bretter

Politik, so formulierte seinerzeit Max

Weber, sei das langsame Bohren harter

Bretter mit Leidenschaft und Augenmaß.

In der Gemeindepolitik werden diese Bretter

wohl immer härter, kommen doch

laufend neue Aufgaben dazu, womit sich

auch die Komplexität deutlich erhöht. Es

treten neue Fragen auf, die auch neue

Antworten verlangen, neue Herangehensweisen.

Denken wir nur an den Bereich

der Digitalisierung.

Junge Menschen wie Sophie Brunner sind

in einer völlig anderen Lebenswelt aufgewachsen

als etwa Ernst Schöpf. 40 Jahre

liegen zwischen den beiden, eine Zeit, in

der sich vieles völlig verändert hat. Handy,

Internet, soziale Medien – all das hat es

vor 40 Jahren noch nicht gegeben. „Wenn

wir jetzt unsere eigenen Ideen einbringen,

gleichzeitig von den Erfahrungen und vom

Wissen der Älteren lernen, dann kann das

für eine Gemeinde ja nur gut sein“, sagt

Brunner. Darum waren sie und ihr Team

auch mit großem Engagement dabei, die

„Gemeindeschmiede“ mit zu konzipieren

und schrittweise umzusetzen (siehe

Kasten links). „Auch wir Junge tragen

eine große Verantwortung. Allein beim

Thema Umweltschutz gibt es noch so viel

zu tun. Oder beim menschlichen Umgang

mit Flüchtlingen. Und in den Gemeinden

haben wir einfach die Möglichkeit, ganz

direkt mitzugestalten. Das ist schon eine

spannende, eine ungemein faszinierende

Herausforderung.“

Wissen ist Macht

lindner-traktoren.at

Wer im Gemeinderat ein politisches Mandat

ausübt, sollte zumindest die Grundzüge

der Tiroler Gemeindeordnung kennen. Oder

die zentralen Punkte des Baurechts, des

Budgets, der Verwaltung und der öffentlichen

Dienste. Denn bei den Abstimmungen

im Gemeinderat, natürlich auch in den

Ausschüssen, geht es um Inhalte, um sachpolitische

Fragen. „Dieses Wissen ist natürlich

nicht nur für Politikneulinge interessant,

auch langgediente Mandatar*innen sollen

sich laufend weiterbilden. Weil sich Gesetze

ändern. Für unsere Gemeinden kommen

immer wieder neue Aufgaben dazu. Wir sollten

also schon wissen, warum wir worüber

wie abstimmen“, erklärt Schöpf.

Ebendiese Basisinformation ist es, die in

der „Gemeindeschmiede“ vermittelt werden

soll.Zudem soll ein praxisbasierter Erfahrungsaustausch

mit „alten Hasen“ Wissen

sichern und eine Vernetzung zwischen Jung

und Alt ermöglichen. Sophie Brunner freut

sich auf alle Fälle schon auf diese Schulungen

und Ausbildungen. Denn ihr Ziel ist klar:

eine Kandidatur bei den Gemeinderatswahlen

im Februar 2022 in Fieberbrunn.

AUTOR REINHOLD OBLAK

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42 tirol.sportlich und gesund tirol.ist schön

43

ZEITZEUGEN

DES KOMMUNALEN

LEBENS

Sie waren einst das soziale Zentrum der

Gemeinden. Heute liefern sie einen Einblick

in über 1000 Jahre Geschichte:

unsere Kirchen und Stifte.

FOTOGRAF FELIX RICHTER

LINKS: Die Kirche Maria Heimsuchung

in Kolsass wurde Im Jahr

788 n. Chr. zur Urpfarre erhoben.

Es wird vermutet, dass bereits vor

dem 8. Jahrhundert ein Kirchenbau

bestand. Im 13. und 15. Jahrhundert

wurde die Kirche gotisch erweitert,

im 18. Jahrhundert barockisiert.

(© Felix Richter)

OBEN: Das Stift Stams

wurde 1284 gegründet,

um als Begräbnisstätte

der Grafen von Görz-Tirol

zu dienen. 1984 erhob

Papst Johannes Paul II.

die Stiftskirche in den

Rang einer Basilika minor.

Das Stift Stams zählt zu

den prachtvollsten historischen

Bauten Tirols.

(© Felix Richter)

LINKS: Die Kalvarienbergkirche

wurde

zwischen 1803 und 1805

erbaut. Sie befindet sich

über der Ehnbachklamm

auf einem steilen Felsen.

Die Kreuzwegstationen

wurden 1975 mit Mosaikbildern

des Künstlers

Anton Plattner neu aufgebaut.

(© Felix Richter)


44 tirol.sportlich und gesund tirol.ist schön

45

UNTEN: Die Wallfahrtskirche

Maria Locherboden

in Mötz stammt aus dem

Ende des 19. Jahrhundert,

aber bereits im 18. Jahrhundert

war der Locherboden

für angebliche Wunderheilungen

berühmt. Die Lage

der Kirche ist besonders

eindrucksvoll mit Blick über

das Inntal und zur Mieminger

Kette. (© Felix Richter)

RECHTS: Die Pfarrkirche

St. Michael in

Gnadenwald wird seit

dem 14. Jahrhundert

urkundlich erwähnt, aber

bereits im 11. Jahrhundert

soll hier eine kleine Kirche

gestanden sein.

(© Felix Richter)

OBEN: Die Pfarrkirche

St. Georg zu Leiblfing

wurde Ende des

15. Jahrhunderts in den

gotischen Stil umgebaut.

Der einzigartige Kirchturm

mit Zwiebelhelm

und gleichzeitig schlanker

Spitze wurde 1710 erbaut.

Die Kirche ist angeblich

die „meist fotografierte

Kirche Tirols“ und gilt

als ein Wahrzeichen

des Oberlandes. (© Felix

Richter)


46 tirol.Wissen

tirol.Wissen

47

WO IST

DER SEE?

DER SPEICHER

ACHENSEE

Kein Grund zur Sorge, bald ist der

Achensee wieder voll.

AMPELSBACH

942 MMH

ZUM AUTOR

FELIX RICHTER

Felix Richter studierte Journalismus

an der Universität von Rio

de Janeiro. Seit 1997 war Richter

als Berufsfotograf, Verleger und

Schriftsteller in Brasilien tätig. Er

veröffentlichte 20 Fotografiebücher,

fünf Romane und hatte

zahlreiche Fotoausstellungen. 2017

übersiedelte Richter mit seiner

Familie nach Innsbruck und arbeitet

heute als Social-Media-Manager

und Fotograf.

Kontakt: f.richter@gemnova.at

Manch ahnungsloser Urlauber mag sich im Frühjahr

erschrecken, bei einem Ausflug nach Maurach am

Achensee: Ein grobsandiger, teils sumpfiger Strand

erstreckt sich mehrere dutzend Meter über die Fläche

des Sees. Aber kein Grund zur Sorge, bald ist

der Achensee wieder voll. Im Winter sinkt der Wasserspiegel

vom Achensee um bis zu fünf Meter und

verändert somit das Landschaftsbild. Bis Anfang

Juni erreicht der See normalerweise wieder seinen

ursprünglichen Wasserstand und ermöglicht somit die

Schiffsfahrt in den Sommermonaten. Grund für den

niedrigen Pegelstand ist ein geringerer Wasserzufluss

im Winter und die Nutzung des Naturspeichers

Achensee zur Energiegewinnung des Wasserkraftwerkes

der TIWAG.

DÜRRACHBEILEITUNG

9,7 KM

ACHENSEE

928,78 MMH

38,4 MIO. M 3

ENERGIEINHALT

OBEN:

Zum Vergleich:

der Wasserspiegel

im Spätsommer

(© Felix Richter)

LINKS:

Wasserspiegel

Achensee bei Maurach

im Frühjahr

(© Felix Richter)

Im Zuge der Speicherbewirtschaftung

wird dem Achensee im Winterhalbjahr

(Oktober bis März)

mehr Wasser entnommen, als ihm

zufließt, wodurch der Seespiegel

um bis zu fünf Meter absinken

kann. Bis zum Frühling füllen Niederschläge,

Schmelzwässer sowie

die Bachzuleitungen den See wieder

auf. Anfang Juni erreicht der

Seespiegel wieder den Pegelnullpunkt,

der bei 928,78 mMh liegt.

133 M

MAXIMALE TIEFE

CA. 9 KM

LÄNGE

QUELLE:

INN

532,80 MMH

TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG


48 tirol.spart

tirol.spart

49

GEMNOVA-

KOMMUNALFINANZ

KOMPETENTE

DIENSTLEISTUNG

VOR ORT

AUTOR MANFRED SCHIECHTL

Die aktuelle Situation durch die Covid-19-Pandemie stellt

die Gemeinden vor große Herausforderungen. Ständig neue

Maßnahmen sowie geänderte bzw. angepasste Verordnungen

bedürfen der Umsetzung. Außerdem muss das Testen oder

Impfen organisiert und die kritische Infrastruktur gesichert

werden. Und – all diese zusätzlichen Aufgaben müssen mit

dem bestehenden Personalstand bewältigt werden.

„Christoph Carotta und

Georg Hochfilzer haben es

geschafft, durch kompetente

und auch individuelle

Betreuung mir und meinen

Mitarbeiter*innen die nötige

Sicherheit in der täglichen

Arbeit zu geben.“

FRIEDRICH STEINER

BÜRGERMEISTER

RAMSAU IM ZILLERTAL

Raum zum Wohlfühlen

Ideal als langfristige oder temporäre Raumlösung

(z.B. Kindergärten und Schulen)

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Zwar mit weitaus längerer Vorlaufzeit

als die Aufgaben, die aus der Pandemie

resultieren, kam dann noch die Umsetzung

der VRV 2015 hinzu. Der Paradigmenwechsel

bei der kommunalen

Buchhaltung in Richtung Doppik stellt

vor allem die Finanzverwaltungen vor

umfangreiche Herausforderungen.

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Kommt dann noch, wie im Fall von Ramsau

im Zillertal, der komplette Wechsel der

Verwaltungsmitarbeiter*innen hinzu, kann

es schon mehr als eng werden. Daher griff

der Bürgermeister der Zillertaler Gemeinde

auf die Dienstleistungen der GemNova

zurück. Nicht nur, um seine Mitarbeiter*innen

zu entlasten, sondern auch um

die VRV 2015 rechtskonform umzusetzen.

Die Finanzexperten Christoph Carotta

und Mag. Georg Hochfilzer begleiten die

neue Finanzverwalterin Isabella Rahm seit

ihrem ersten Arbeitstag durch ihr Tagesgeschäft.

Christoph Carotta unterstützt bei

der Eröffnungsbilanz und beim Rechnungsabschluss

und erstellte nach den vorgegebenen

Fakten den Voranschlag 2021.

Im laufenden Tagesgeschäft können so

aufkommende Fragen schnell und nachhaltig

beantwortet werden. Georg Hochfilzer

unterstützt derweilen im Bereich Grundsteuern,

der nicht nur die Abgaben an sich

umfasst, sondern auch die Aspekte Datenqualität

und Rechtssicherheit.

Besonders begeistert zeigte sich Bürgermeister

Friedrich Steiner aus Ramsau: „Die

GemNova war sofort zur Stelle und hat uns

direkt und unbürokratisch geholfen. Christoph

Carotta und Georg Hochfilzer haben

es geschafft, durch kompetente und auch

individuelle Betreuung mir und meinen Mitarbeiter*innen

die nötige Sicherheit in der

täglichen Arbeit zu geben.“

Darüber hinaus lobte er auch die Begleitung

der GemNova in den Ausschreibungsprozessen:

„Wie sollen wir Bürgermeister

in so vielen rechtlichen Themen,

die unser Amt betreffen, ohne die Unterstützung

der GemNova-Spezialisten

unser Amt seriös und rechtskonform

ausüben?“

Neben den Finanzverwaltern stellt die

VRV 2015 aber auch die Gemeinderät*innen

und hier insbesondere den Prüfungsausschuss

vor neue Aufgaben. Auch hier

unterstützt Christoph Carotta mehrere

Gemeinden in ihren Budget- oder Eröffnungsbilanzsitzungen

mit seinem Fachwissen.

Vor allem die Unabhängigkeit des

Experten schätzen die Gemeinderäte sehr.

„Die professionelle und

einfach nachvollziehbare

Aufbereitung der Eröffnungs-

bilanz durch Herrn Carotta

im Gemeinderat führte zu

einer raschen fassung.“

Beschluss-

KARL REICH

BÜRGERMEISTER

JERZENS


50 ENTGELTLICHE GemNova.inside EINSCHALTUNG

ENTGELTLICHE GemNova.inside EINSCHALTUNG 51

DIE MULTIMEDIA-PLAYER

Professionelle audiovisuelle Lösungen haben einen Namen, einen Firmennamen: J. Klausner Professional Multimedia

GmbH. Mit Sitz in Innsbruck hat sich das bereits 2005 gegründete Familienunternehmen mittlerweile zum Ideengeber

in vielen Bereichen entwickelt. Bestes Beispiel dafür: die interaktive Schultafel im digitalen Klassenzimmer.

Mit der Generalvertretung von Clevertouch

für Österreich hat die Firma Klausner

nochmals an Dynamik und Innovation

gewonnen. Auch deswegen, weil Clevertouch

2008 in London als erstes Unternehmen

ein Multitouch-Display mit integriertem

Android-Modul vorgestellt hat.

Und das hat Schule gemacht. Mehrfach

ausgezeichnet, bietet das Team der Firma

Klausner diese interaktiven Multitouch-Displays

nun vor allem auch im Bildungs- und

Businessbereich an. Womit wir wieder bei

der interaktiven Schultafel im digitalen

Klassenzimmer sind.

BILD: Mit der

digitalen Schultafel,

hier an der Volksschule

Brixlegg,

überzeugt die Firma

Klausner Lehrende

und Lernende.

(© GemNova)

Digitales Klassenzimmer

„Wir haben mit diesem System Lehrende

und Lernende an den Schulen völlig überzeugt,

inspiriert und begeistert“, freut sich

Geschäftsführerin Jasmin Klausner. „Weil

mit der Entwicklung des digitalen Klassenzimmers

werden Zusammenarbeit und

Interaktivität einfach zur Norm. Und das ist

gerade in der heutigen Zeit das Entscheidende.“

Mit wenigen Klicks kann der Unterricht

auch gestreamt und so ein hybrider

Unterricht ohne zusätzlichen Aufwand

gehalten werden. Clevertouch ist Technikpartner

der führenden Anbieter, wie MS

Teams, Zoom, Intel oder z. B. Logitech, und

garantiert zertifizierte Lösungen, die sich

im täglichen Einsatz bestens bewähren.

Businesslösungen

Was in der Schule gilt, nimmt natürlich

auch im Geschäftsbereich einen wichtigen

Platz ein. Geschäftsabläufe müssen

stets aufs Neue optimiert werden, weswegen

an interaktiven Technologien keine

Wege vorbeiführen. Das Ziel dabei ist klar:

optimale Kommunikation, Konnektivität und

Zusammenarbeit. Mit anderen Worten: Die

natürliche Leichtigkeit eines Gesprächs soll,

nein, muss sich auch auf moderne Meetings

übertragen lassen. Jasmin Klausner

Wir haben mit diesem System Lehrende an den

Schulen völlig überzeugt, inspiriert und begeistert.

weiß, wie es funktioniert: „Es ist wichtig,

dass Office-Technologien mit anderen Systemen

und Geräten kompatibel sind. Das

Ergebnis ist ein Touchscreen mit offener

Plattform, der nahtlos mit bereits vorhandener

Hard- und Software funktioniert.“

Weltweit wurden im letzten Jahr 80 % aller

Konferenz- und Besprechungsräume mit

Touchdisplays ausgestattet. Der E-Learning-Markt

wächst im Businessbereich

jährlich um 15 % und wird sich in den kom-

menden fünf Jahren somit verdoppeln.

Großzügiger Schauraum

Ein Herzstück der Firma Klausner ist zweifelsohne

der großzügig bemessene und

interessant gestaltete Schauraum in der

Eduard-Bodem-Gasse 6 in Innsbruck. So

bietet diese umfassende Ausstellung eine

einzigartige Gelegenheit, sich mit mobilen

Systemen, mit elektrischen und manuellen

Höhenverstellungen, aber auch mit verschiedenen

Video- und Audiokonferenzlösungen

im Detail auseinanderzusetzen.

JASMIN KLAUSNER

Womit die Tiroler Multimedia-Player Tag

für Tag überzeugen? Die große Stärke des

Teams der Firma Klausner liegt vor allem

in der individuellen und bedarfsorientierten

Betreuung der Kundschaft. Außerdem

werden ausschließlich maßgeschneiderte

Lösungen für die jeweiligen Anforderungen

erarbeitet.

Und ja, natürlich, mit im Paket sind auch

Montage, Service, Wartung, Reparatur

und Reinigung. Weitere Informationen

finden Sie rund um die Uhr auf

www.klausner.at

RECHTS: Jasmin

und Edwin Klausner

(© Klausner)

„IMPACT Plus Serie“ —

So viel mehr als nur ein

interaktiver Touchscreen!

Leistungsstark und funktionsreich – Die IMPACT Plus

Serie ist für den modernen Unterricht konzipiert.

Hybride Bildungskonzepte sind die Zukunft, da immer mehr

Schulen und Hochschulen Lehrpläne für Fernunterricht und

Homeschooling entwickeln.

Connecting people with teachnology.

klausner.at | +43 512 391940 | clevertouch@klausner.at

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52 tirol.wirtschaftet tirol.wirtschaftet

53

Vom richtigen

Zeitpunkt

Paulo Coelho hat mit „Elf

Minuten“ ein eigenes Buch

darüber geschrieben. Warren

Buffett hat es damit wohl

zum erfolgreichsten Investor

der Welt gebracht. Und

Robert Fuschelberger? Auch

der Absamer hat den richtigen

Zeitpunkt optimal genutzt

und mit den Corona-

Antigen-Schnelltests sein

Unternehmen stark nach

vorne gepusht.

ZUM AUTOR

MAG. REINHOLD

OBLAK

Aufgewachsen in Kärnten.

Studium an den Universitäten Wien

und Perugia, Italien. Er war viele

Jahre Journalist, Konzernsprecher,

Vorstand und Aufsichtsrat. Seit 2018

ist er bei der GemNova für die Unternehmenskommunikation

zuständig.

Kontakt: r.oblak@gemnova.at

Kennen Sie „Kiweno“? Nein? Kein Problem,

viele andere kennen Kiweno auch nicht. 2014

gegründet, 2015 bereits zum Start-up-Unternehmen

Österreichs gekürt, seit einem Jahr,

also seit dem Ausbruch der Corona-Epidemie,

mit randvollen Auftragsbüchern. Warum?

Weil sich Robert Fuschelbergers Unternehmen

auf Schnelltests spezialisiert hat, im

konkreten Fall auf Corona-Antigen-Schnelltests.

„Natürlich war auch Glück dabei, die

Covid-19-Epidemie hat ja niemand vorhersagen

können. Wir haben einfach zum richtigen

Zeitpunkt die richtigen Tests angeboten, mit

anderen Worten, die sich plötzlich ergebene

Chance voll genutzt“, so Fuschelberger.

Und klar, in den vergangenen Wochen und

Monaten war die Nachfrage nach solchen

Tests einfach riesengroß. In Tirol, in Österreich,

weltweit.

Nahrungsmittelunverträglichkeitsselbsttests

;-)

Angefangen hat das alles natürlich ganz

klein, damals, im Jahre 2012. Fuschelberger

war gerade dabei, sein Studium der

Wirtschaftswissenschaften in Innsbruck zu

beenden, sein Vater praktizierte damals als

Arzt in Aldrans. Somit waren ihm medizinische

Schnelltests natürlich vertraut. „Da

hab ich mir halt gedacht, warum nicht das

eine mit dem anderen verbinden. Auch weil

wir an der Uni gerade über Unternehmensgründungen

diskutiert haben. Gemeinsam

mit zwei Studienkollegen habe ich dann

Ideen gewälzt, Pläne geschmiedet, Business-Modelle

entworfen,“ so der gebürtige

Absamer heute im Rückblick.

Zwei Jahre später, 2014, war es dann soweit.

Die Kiweno wurde gegründet, Fuschelberger

firmierte fortan als Geschäftsführer. Der Firmenzweck

in drei Worten: Durchführung von

Unverträglichkeitstests. Das Bewusstsein

dem eigenen Körper, der richtigen Ernährung

gegenüber, das Gesundheitsbewusstsein

insgesamt war in dieser Zeit gerade kräftig

im Steigen begriffen. Klar, dass man daraus

auch ein Geschäft machen kann. Ein recht

gutes sogar. Der Selbsttest für die Unverträglichkeit

von Nahrungsmitteln, in einem

Wort Nahrungsmittelunverträglichkeitsselbsttests,

war das praktische Vehikel dazu.

BILD: Robert

Fuschelberger, Gründer

und Geschäftsführer

der Kiweno, hat den

richtigen Zeitpunkt

genutzt. (© Kiweno)

Für uns war das einfach der

richtige Zeitpunkt, wir hatten

das richtige Netzwerk, das

richtige Produkt, waren damit

eine der Ersten am Markt.

Blut aus dem Finger

Der Vorteil von Selbsttests besteht vor

allem darin, dass man diese in aller Ruhe

von zu Hause aus erledigen kann. Eh klar,

darum heißen sie ja auch so. Kiweno bot

also allen gesundheitsbewussten Menschen

an, sich selbst auf eine mögliche

Nahrungsmittelunverträglichkeit zu testen.

Das entsprechende Werkzeug, sprich das

„Abnahmebesteck“ (ja, das heißt wirklich

so), wurde frei Haus geliefert, danach sollte

sprichwörtlich Blut fließen.

Fuschelberger zu den Details: „Er oder sie

musste sich in den Finger stechen, ein

paar Tropfen Blut in ein Röhrchen hineintropfen

lassen und dieses dann an uns

zurücksenden. Wir haben es dann ausgewertet

und den Befund, also die Unverträglichkeit

in Bezug auf bestimmte Nahrungsmittel,

online zur Verfügung gestellt.

Innerhalb von 24 Stunden.“ Was es dazu

außerdem noch gab: eine detaillierte Auswertung

zu den einzelnen Nahrungsmitteln,

sinnvolle Alternativen zum möglicherweise

nicht sinnvollen Verzehr von Brot,

Nudeln oder Milch, detaillierte Einkaufslisten

oder konkrete Tipps zum richtigen

Essen im Restaurant. Vor allem auch beim

Urlaub in fernen Ländern.

Sat.1ProSieben Deutschland

Das Geschäft lief gut, in- und ausländische

Investoren – nein, Warren Buffetts Berkshire

Hathaway war ganz sicher nicht darunter

– begannen sich für das kleine Tiroler

Unternehmen zu interessieren. Zuerst

stiegen zwei Investoren aus Wien ein, 2016

schließlich der renommierte Medienkonzern

Sat.1ProSieben. Der Grund dafür laut

Fuschelberger: „Die Deutschen investierten

damals in ganz verschiedene Cluster. In den

Reisemarkt, in Hotelketten oder eben in den

Gesundheitsbereich. So sind sie eben auf

uns gekommen, vielleicht auch deshalb, weil

wir ja im Jahr davor zum Start-up-Unternehmen

Österreichs gewählt wurden.“

Knapp zwei Jahre dauerte die Zusammenarbeit,

danach trennte man sich wieder.

Beide Teilen sollen darüber recht froh gewesen

sein. Nur wenige Zeit später, also noch

im Jahre 2018, wurde Kiweno schließlich zu

100 Prozent von der Immundiagnostik-

Gruppe in Deutschland übernommen. Ein

weiterer Meilenstein. Der Firmenname blieb

freilich erhalten, der Geschäftsführer hieß

auch danach noch Robert Fuschelberger,

mit den Selbsttests konnte man nach wie

vor gutes Geld verdienen.

Und dann kam Corona

Seit mehr als einem Jahr ist nichts mehr

so wie früher. Die Corona-Epidemie hat die

Lebensgewohnheiten aller einschneidend

verändert. Neben den allzu vielen Verlierern,

gab es – wirtschaftlich gesehen –

auch einige wenige Gewinner. Die Kiweno

etwa, mit Sitz in Wattens, Tirol. „Wir hatten

schon davor große Pläne mit neu entwickelten

Tests. Deshalb konnten wir bereits

im Frühjahr und im Sommer vergangenen

Jahres die erforderlichen Mengen an Antikörperschnelltests

und Antikörperlabortests

österreichweit anbieten.

Das war natürlich ein großer

Wachstumsschub für

unser Unternehmen“,

so Fuschelberger.

Doch damit nicht genug. Als im Herbst dann

die Nachfrage nach Antigenschnelltests

rapide anstieg, weltweit wohlgemerkt, war

Kiweno abermals der große Gewinner. Der

Grund: Das Wattener Unternehmen hatte

ausgezeichnete Kontakte zu allen Herstellern

dieser Schnelltests und konnte damit

auch die entsprechend hohen Stückzahlen

locker am Markt anbieten. „Für uns war das

einfach der richtige Zeitpunkt, wir hatten

das richtige Netzwerk, das richtige Produkt,

waren damit eine der Ersten am Markt.

Besser hätte es nicht laufen können“, freut

sich Fuschelberger.

Hunderttausende Tests ausgeliefert

Alleine in diesem Jahr lieferte Kiweno

Hunderttausende dieser Corona-Antigen-

Schnelltests in Österreich aus. Darunter

auch jene sogenannten „Nasenbohrertests“,

die für Kinder und Jugendliche an den Schulen

verwendet werden. Der große Vorteil all

dieser Tests: Das Ergebnis liegt innerhalb

von 15 Minuten vor und ist relativ problemlos

durchführbar.

Übrigens: Im Auftrag des Landes Tirol

führte die GemNova rund um die Antigen-

Schnelltests eine Bedarfserhebung in allen

Tiroler Gemeinden, in den Alten- und Pflegeheimen,

bei den niedergelassenen Ärzten

und Sozialsprengeln durch. Galt es doch,

ebendiese Tests auch in der erforderlichen

Menge rasch zu bestellen und in weiterer

Folge zu verteilen. Auf der Suche nach dem

entsprechenden Lieferanten wurde man

nach intensiver Recherche überraschend

schnell fündig. Den Zuschlag erhielt nämlich

Kiweno aus Wattens.

UNTEN: Alleine in diesem

Jahr lieferte Kiweno

Hunderttausende dieser

Corona-Antigen-Schnelltests

in Österreich

aus. Und so schaut

dieser aus. (© Kiweno)


54 tirol.investiert tirol.investiert

55

TIROLER GEMEINDEN

EIN WICHTIGER MOTOR FÜR DIE

HEIMISCHE BAUWIRTSCHAFT

BILD: Thiersee –

eine Gemeinde, die auch

in Krisenzeiten investiert

und damit die örtliche

Infrastruktur auf den neuesten

Stand bringt.

(© shutterstock)

Eine der wichtigsten Aufgaben einer Gemeinde ist die Bereitstellung von

Infrastruktur und in weiterer Folge die Gewährleistung der reibungslosen

Funktionalität. Mit dieser Infrastruktur wird das grundlegende Gemeindeleben

erst ermöglicht.

ZUM AUTOR

DI ALEXANDER

GOSTNER

Alexander Gostner ist seit 2016

bei der GemNova und verantwortet

den Bereich Infrastruktur. In den

letzten Jahren hat die GemNova

Infrastruktur bereits über 140 Projekte

begleitet.

Kontakt: a.gostner@gemnova.at

Seit Ausbruch der Corona-Krise gewinnt

diese kommunale Aufgabe weiter enorm

an Wichtigkeit. Während die Privatwirtschaft

mit Investitionen mittlerweile

sehr zurückhaltend geworden ist,

investieren die Gemeinden weiter und

kurbeln damit wichtige regionale Wertschöpfung

an. Viele Betriebe sind froh

um diese Aufträge.

Das Land Tirol stellt nicht weniger als 279

politische Gemeinden, und sie alle sehen

sich ständig neuen Herausforderungen

gegenüber. Die COVID-19-Pandemie hinterlässt

wie kein anderes Ereignis unserer

jüngeren Geschichte tiefe Spuren in allen

Bereichen des täglichen Lebens und geht

mit dem Rückgang der Ertragsanteile und

der Kommunalsteuer nicht spurlos an den

Gemeinden vorüber. Darüber hinaus verändern

die demografischen Entwicklungen

schneller denn je unsere Gesellschaftsstrukturen.

Den Gemeinden obliegt die

Aufgabe, ihre Infrastruktur an die immer

vielfältiger werdenden Anforderungen ihrer

Bewohner*innen anzupassen.

Gerade kleinere Gemeinden sehen sich

mit Aufgaben konfrontiert, die mangels

zur Verfügung stehender Ressourcen in all

ihrer Komplexität nur schwer zu bewältigen

sind. Hinter der kommunalen Infrastruktur,

mit der das grundlegende Gemeindeleben

erst ermöglicht wird und die oft als

selbstverständlich erachtet wird, stehen bei

genauerer Betrachtung häufig aufwändige

und kostspielige Planungs-, Vergabe- und

Realisierungsverfahren.

Die Notwendigkeit, neue Einrichtungen zu

schaffen sowie bestehende zu adaptieren

bzw. zu modernisieren und permanent

deren optimale Funktionalität zu gewährleisten,

kommt aber nicht nur der Tiroler

Bevölkerung, sondern insbesondere auch

heimischen Wirtschaftsbetrieben zugute.

Investitionen in die Daseinsvorsorge fließen

in die lokale und regionale Wirtschaft vor

Ort und hier insbesondere in die Bauwirtschaft.

Die Baubranche gilt als Schlüsselbranche

für den heimischen Arbeitsmarkt.

Zudem verfügt der Bau über vielfältige Verflechtungen

mit anderen Branchen und hat

eine entsprechende Multiplikatorwirkung.

Viele Tiroler Betriebe sehen aktuell unsicheren

Zeiten entgegen. Es ist jetzt wichtiger

denn je, höchstes Augenmerk auf eine lokale

Wertschöpfung zu legen und ortsansässigen

Firmen die Möglichkeit zur dringend benötigten

Umsatzgenerierung einzuräumen.

Hier kommt den Tiroler Gemeinden somit

eine besondere Rolle als wirtschafts-

Es ist jetzt wichtiger denn je, höchstes Augenmerk

auf eine lokale Wertschöpfung zu legen und

ortsansässigen Firmen die Möglichkeit zur dringend

benötigten Umsatzgenerierung einzuräumen.

treibendem Faktor zu: Sowohl Betriebsstandorte

als auch Arbeitsplätze können

gehalten werden, und das erwirtschaftete

Kapital fließt in Form von Kommunalsteuer

und erhöhter Kaufkraft zum Teil

wieder in die Gemeinden zurück. Die Tiroler

Gemeinden erkennen hier ihre Verantwortung,

investieren in die Zukunft, und

einheimische Betriebe sind froh um diese

Aufträge.

Ein Beispiel für eine Gemeinde, die auch

in Krisenzeiten investiert und damit die

Wirtschaft unterstützt, ist Thiersee. Auch

wenn nicht absehbar ist, wie lange die Krise

dauert, wird am Plan festgehalten, die

örtliche Infrastruktur auf den neuesten

Stand zu bringen. In diesem speziellen

Fall mit einem Bildungszentrum mit Kinderkrippe,

Kindergarten, Volksschule, Bibliothek

und Turnsaal. Es geht dabei um

Investitionskosten von etwa 14 Millionen

Euro. Bürgermeister Hannes Juffinger:

„Der Bau des neuen Bildungszentrums ist

einerseits eine dringliche Investition für

die Thierseer Bevölkerung, da neben dem

akuten Platzmangel in der Volksschule

und in den Kinderbetreuungseinrichtungen

auch der pädagogische Anspruch mit der

Nachmittags- und Ferienbetreuung gestiegen

ist. Andererseits ist die Gemeinde

mit diesem Bauprojekt auch ein wichtiger

Motor für die Wirtschaft und trägt ihren

Teil zur Sicherung der Arbeitsplätze bei.“

„Der Bau des neuen Bildungszentrums

ist einerseits eine

dringliche Investition für die

Thierseer Bevölkerung, da

neben dem akuten Platzmangel

in der Volksschule und in

den Kinderbetreuungseinrichtungen

auch der pädagogische

Anspruch mit der Nachmittags-

und Ferienbetreuung

gestiegen ist. Andererseits

ist die Gemeinde mit diesem

Bauprojekt auch ein wichtiger

Motor für die Wirtschaft und

trägt ihren Teil zur Sicherung

der Arbeitsplätze bei.“

HANNES JUFFINGER

BÜRGERMEISTER

GEMEINDE THIERSEE


56 ENTGELTLICHE tirol.Politik tirol.sucht EINSCHALTUNG

Menschen tirol.sucht Menschen

57

RAUS AUS ÖL

OHNE INVESTITIONEN

ZUSAMMEN GEHT

ALLES LEICHTER

IHRE VORTEILE

AUF EINEN BLICK

Im Vergleich zu herkömmlichen Energielösungen

überzeugt das Contracting-

BILD: Referenz Mutters.

In Mutters können sich die

Gemeindemitarbeiter*innen

auf die Anliegen der Bürger*innen

konzentrieren. Die

IKB kümmert sich um die

Heizungsanlage.

Es ist nur noch eine Frage der Zeit,

bis fossile Brennstoffanlagen endgültig

ausgedient haben. Doch der

Umstieg auf nachhaltige Heiz- und

Kühlsysteme ist oft mit hohen

Investitionen verbunden. Besonders

in Gemeinden mit mehreren

öffentlichen Gebäuden und Sportstätten

belasten die Energie- und

Wartungskosten das Haushaltsbudget

enorm.

Legen Sie als Gemeindeverantwortliche

den Tausch Ihrer Anlagen in

professionelle Hände eines regionalen

Partners vor Ort. Als Energieund

Infrastrukturunternehmen hat

die Innsbrucker Kommunalbetriebe

AG (IKB) über Jahrzehnte viel Erfahrung

in der Planung, Umsetzung und

Wartung von Kälte-, Wärme- und

Luftanlagen gesammelt. Besonders

mit ihrer Contracting-Lösung für

Gemeinden bietet die IKB ein interessantes

Produkt für die Erneuerung

vor allem größerer Anlagen an.

Dabei liefert die IKB nicht nur eine

maßgeschneiderte Lösung, sondern

finanziert diese auf Wunsch auch. Im

Gegenzug bezahlt die Gemeinde eine

fixe monatliche Grundgebühr und die

Kosten für die verbrauchte Energie.

Nach Ablauf der Laufzeit geht die

Anlage ins Eigentum der Gemeinde

über. Während der Vereinbarung sind

die 24-Stunden-Störungsbehebung

und die regelmäßige Wartung der

Anlagen durch die IKB inbegriffen.

Für eine kostenlose Beratung kontaktieren

Sie uns am besten noch

heute – wir freuen uns auf Sie!

MARTIN ANGERER

Geschäftsbereich Energieservices

Innsbrucker Kommunalbetriebe AG

+43 512 502 5234, martin.angerer@ikb.at

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Modell der IKB mit einer Reihe von Vorteilen:

+ Komplettlösung mit einem kompetenten

Ansprechpartner: Alle notwendigen

Arbeiten – von der Planung über

den Bau bis hin zum Betrieb der Anlage

– werden von der IKB professionell abgewickelt.

+ Keine Investitionskosten, dafür höhere

Liquidität und Kostenplanbarkeit:

Die IKB übernimmt im Rahmen des

Contracting-Modells die Investitionskosten

und verteilt sie über die Vertragslaufzeit.

Dadurch wird die Liquidität der

Kunden nicht belastet, und sie übernehmen

bei Vertragsende eine hochwertige

Anlage.

+ Höchste Energieeffizienz und niedrige

Energiekosten durch einen besseren

Preis beim Energieeinkauf: Bei

der Planung der Anlage greift die IKB

auf die neueste Technik zurück und

plant maßgeschneidert nach den Bedürfnissen

der Kunden.

+ 100-prozentige Sicherheit durch

Vollgarantie: 24-Stunden-Service an

365 Tagen im Jahr garantiert IKB-

Kunden eine konstante Überwachung

der Anlage sowie ein sofortiges Eingreifen

bei Problemen.

+ Wegfall der Wartungs- und Reparaturkosten:

Die IKB ist während der

gesamten Laufzeit für die Wartung

und Reparatur zuständig. Das schützt

Sie vor unerwarteten Kosten und spart

Personalressourcen.

ZUR AUTORIN

VERENA BROSZIO

Verena Broszio ist seit 2017

bei der GemNova und war

Mitwirkende bei den Projekten

Tiroler Sommerschulwochen

und Tirol testet.

Kontakt: v.broszio@gemnova.at

Land Tirol, Gemeinden und GemNova be-

wältigen gemeinsam die Herausforderungen

„Das Unmögliche zu schaffen, gelingt

einem nur, wenn man es für möglich

befindet.“ – Dies hat schon der verrückte

Hutmacher aus Alice im Wunderland

behauptet.

Auch wenn Aufgaben zu Beginn oft noch

so aussichtslos erscheinen, können sich

sämtliche Verwaltungsebenen in unserem

Land sowie besonders Bürger*innen

stets auf die Tiroler Gemeinden verlassen.

Das Jahr 2020 hat besondere


58 tirol.sucht Menschen tirol.sucht Menschen 59

„Das Projekt ‚Tirol testet‘ bedeutete

für alle eine enorme Herausforderung,

dies nicht zuletzt aufgrund der knapp

bemessenen Vorlaufzeit.

Die organisatorische Vorbereitung und

eigentliche Durchführung an den drei

Testtagen vor Ort erforderte daher

ein Höchstmaß an Kooperation der

Beteiligten – Land, Gemeinden und

Gemeindeverband. Die Leistungen

der GemNova, die als kommunale

Schnittstelle unter anderem mit ihrer

zentralen Hotline und der teilweisen

Bereitstellung des erforderlichen medizinischen

Personals mitwirkte, trugen

wesentlich zum erfolgreichen Verlauf

der Aktion bei.“

MAG. CHRISTINE SALCHER

VORSTÄNDIN ABTEILUNG

GEMEINDEN LAND TIROL

Maßnahmen erfordert, welche durch den

unermüdlichen Einsatz der Gemeinden

bewältigt werden konnten. Dabei durfte

auch die GemNova bei dem einen oder

anderen Projekt unterstützen. Von der

Durchführung gemeinsamer Beschaffungsaktionen

von Schutzausrüstung

und Covid-19-Tests bis hin zur Abwicklung

umfangreicher Projekte scheut das Team

der GemNova keine Herausforderungen,

um die Tiroler Gemeinden zu entlasten.

Unabhängig vom Vorhaben hatten

eine Vielzahl an Maßnahmen,

welche die Tiroler Gemeinden

im abgelaufenen Jahr umsetzen

mussten, eines gemein – die oft

kurze Vorlaufzeit.

Anhand zweier Beispiele möchten wir

einen kleinen Einblick in die Abwicklung

von Projekten geben, bei denen das Land

Tirol, die Tiroler Gemeinden und die

GemNova Hand in Hand agierten.

Im Sommer 2020 war es dem Land

Tirol ein Anliegen, den Tiroler*innen in

der Betreuung ihrer Kinder in den Sommermonaten

unter die Arme zu greifen.

So wurde das Projekt der Tiroler Sommerschulwochen

ins Leben gerufen, bei

denen Gemeinden ein kostenloses Bildungs-

und Betreuungsangebot an den

Ganztagesschulen anbieten konnten. Mit

der Abwicklung des gesamten Projektes

wurde der Verein GEMeinsam Ferien

der GemNova beauftragt. In einer Vorbereitungszeit

von nur 14 Tagen wurden

in Zusammenarbeit mit den Gemeinden

und der Bildungsdirektion für Tirol das

gesamte Konzept erarbeitet, pädagogische

Fachkräfte rekrutiert und geschult

sowie die Koordination mit den Schulleitungen

vorgenommen, um pünktlich

am ersten Montag in den Ferien starten

zu können. Dank der guten Zusammenarbeit

aller beteiligten Institutionen und

Personen konnte in Rekordzeit ein wertvolles

Bildungs- und Betreuungsangebot

zur Verfügung gestellt werden.

Ähnlich kurzfristig wie die Tiroler Sommerschulwochen

sollten auch die Massentestungen

unter dem Projektnamen

„Tirol testet“ im vergangenen Dezember

von den Tiroler Gemeinden organisiert

werden. Auch in diesem Projekt durfte

die GemNova als Bindeglied zwischen

dem Land Tirol und den Gemeinden fungieren

und die Kommunen und das Land

in der Abwicklung unterstützen. Die kurze

Vorlaufzeit, gepaart mit einer Flut an

Informationen und Vorgaben von Seiten

des Bundes machte die Organisation zu

einer überaus komplexen Aufgabe für

alle Beteiligten. Mit der Erteilung von

Auskünften, der Anstellung von Personal

und der Koordination von Springern bei

kurzfristigen Ausfällen hoffen wir, dass

wir den Gemeinden bestmöglich zur Seite

stehen konnten.

Angelehnt an die einleitende Devise

scheuen die Tiroler Gemeinden keine

Herausforderungen, und auch das Team

der GemNova freut sich, die Kommunen

bei weiteren Projekten unterstützen zu

dürfen, um diese gemeinsam bewältigen

zu können.

Die Tiroler Sommerschulwochen und

‚Tirol testet‘ stehen beispielhaft für

Herausforderungen, welche trotz einer

sehr kurzen Vorlaufzeit durch die gute

Zusammenarbeit von Land Tirol, den

Gemeinden und der GemNova bewältigt

werden konnten. Das Team der

GemNova freut sich bereits auf die

nächsten gemeinsamen Projekte.

MAXIMILIAN HUBER, MA

GEMNOVA

Am Montag, 13. Juli 2020 starteten die

Tiroler Sommerschulwochen des Landes

Tirol in Zusammenarbeit mit der

Bildungsdirektion für Tirol, den Tiroler

Gemeinden und der GemNova mit einem

umfangreichen Kinderbetreuungsprogramm.

Wir wollten sicherstellen, dass wir Tiroler

Familien eine qualitativ hochwertige

Ferienbetreuung während des Sommers

2020 anbieten. Viele Eltern hatten ihren

Urlaub aufgrund der Corona-Krise aufgebraucht

und benötigten deshalb während

der Ferien Unterstützung – diese leisteten

wir mit den Tiroler Sommerschulwochen.

Neben der Unterstützung von Familien

war es unser Ansinnen, den Kindern im

Rahmen der Sommerschulwochen eine

sinnvolle Freizeitgestaltung anzubieten. In

der Gemeinschaft lernen sie soziale Kompetenz,

was wiederum die Persönlichkeit

bildet. Schließlich setzten wir auch einen

Fokus auf Gesundheitserziehung, was auch

hinsichtlich der derzeitigen Situation besonders

wichtig war und ist.

Es freut mich, dass die Zusammenarbeit

zwischen Bildungsdirektion, den Gemeinden

als Schulerhalter der Ganztagsschulen

und dem Verein „GEMeinsam Ferien“

der GemNova so hervorragend funktioniert

hat“, betont Dr. Gappmaier abschließend.

DR. PAUL GAPPMAIER

BILDUNGSDIREKTOR

FAKTEN

TIROLER

SOMMERSCHULWOCHEN

278

BETREUTE KINDER

53

16

EINRICHTUNGEN

stellten das Bildungs- und Betreuungsangebot

zur Verfügung.

PÄDAGOGISCHE FACHKRÄFTE

waren im Einsatz und haben 3365 Stunden für die

Tiroler*innen gearbeitet.

TIROL

TESTET

ALLE 279 GEMEINDEN

ORGANISIERTEN TESTUNGEN FÜR DIE TIROLER*INNEN

ÜBER 1500

BESCHÄFTIGUNGSVERHÄLTNISSE

wurden bei der GemNova für das Projekt „Tirol testet“ geschlossen

1500

STUNDEN UNTERSTÜTZUNG

der Gemeinden in der Organisation und Abwicklung durch

das Team der GemNova


60 GemNova.Menschen

GemNova.Menschen

61

DER BUNTE HUND

AUS OSTTIROL

Er hat 21 Bücher geschrieben. Bisher.

DieBürgermeister*innen schätzen

das vertrauliche Gespräch mit ihm.

Er redet freilich, wenn’s sein muss,

auch 24 Stunden am Tag. Die Einsamkeit

in der Natur schätzt er ebenso

wie die Geselligkeit auf Ski- und

Berghütten. Jan Schäfer ist der

bunte Hund aus Osttirol.

MATREI IN

OSTTIROL

„Aber was,

wenn

mir ein

Stein auf

den Kopf

fällt ?

Das kann

dann sehr

schnell

sehr wehtun.“

Prägende Erlebnisse in Afrika

Was einen „bunten Hund“ ausmacht? Die

Buntheit, klar, im Falle Schäfers etwa, dass

er jeweils fast ein Jahr in Norwegen, Schweden

oder den USA gelebt hat. Außerdem

war er beruflich in Afrika unterwegs. 2005

und 2006 etwa bei einem Entwicklungshilfeprojekt

in Guinea. Was er dort gesehen,

was er dort erlebt hat, war prägend:

„Bürgerkrieg. Überfälle. Verletzte. Tote. Und

ich mittendrin. Letztendlich wurde der Einsatz

abgebrochen, einfach weil die eigene

Sicherheit in Gefahr war. Ein Teil meines

Herzens ist dennoch in Afrika geblieben.“

Ein anderer Teil seines Herzens befindet

sich wohl auf der Regensburger Hütte, im

Herzen der Stubaier Alpen. Dort half er

2010 und 2011 für je zwei Monate kräftig

an allen Ecken und Enden mit. Mit Helm

am Kopf besserte er etwa unterhalb der

Hütte im steilen Gelände den Wanderweg

aus. „Natürlich hat sich der eine oder andere

über meine Kopfbedeckung gewundert. Aber

was, wenn mir ein Stein auf den Kopf fällt?

Das kann dann sehr schnell sehr wehtun.“

Mittlerweile ist Jan Schäfer nicht nur in

Osttirol felsenfest angekommen. Läuft

alles nach Plan, werden er und seine Britta

spätestens 2023 die österreichische

Staatsbürgerschaft erhalten. Weil es ihm

wichtig ist, ein klares Bekenntnis zu setzen.

Und weil er, der politisch denkende Mensch,

endlich auch wählen will. Gerade in diesen

fürwahr außergewöhnlichen Zeiten.

AUTOR REINHOLD OBLAK

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

MULTIGO 150

„Du, darf ich dir kurz etwas erzählen?“

Jan Schäfer hat angerufen, und damit ist

die nächste halbe Stunde blockiert. Zum

einen, weil er wirklich viel zu erzählen

hat, zum anderen, weil ihm dabei immer

wieder Neues einfällt. Gestern war er

etwa mit Britta, seinem Lebensmenschen,

auf einer Skitour in den Osttiroler

Bergen. „Unglaublich, diese Stille, diese

Ruhe, diese gewaltige Landschaft. Wir

haben das so genossen, und dann diese

Aussicht. Der Glockner unmittelbar vor

dir, links dahinter der Venediger, dann

noch …“

Wenn er in den Bergen unterwegs ist,

geht ihm schon mal das Herz über, auch

deshalb, weil er ja im deutschen Plön

geboren wurde. Gut, dieses kleine Dörfchen

kennen nicht mal die Deutschen. Es

liegt in der Nähe von Kiel, im äußersten

Norden des Landes. Und dort gibt es halt

bekanntermaßen nicht so viele Berge.

Rein sprachlich ist vom geborenen Nordgermanen

nicht mehr viel übriggeblieben.

Bereits seit 2013 lebt er mit seiner Frau

in Matrei in Osttirol, hat auch schon den

örtlichen Dialekt angenommen. Das klingt

dann zuweilen doch recht interessant. Mit

einer Größe von knapp zwei Metern und

einem entsprechend stattlichen Gewicht

macht er schon etwas her, der Herr Jan

Schäfer. „Ich wollte mich schon immer in

Tirol niederlassen, auch weil ich als Kind

mit meinem Vater hier in den Bergen

unterwegs war. Da könnte ich dir stundenlang

davon erzählen. Meinen Militärdienst

habe ich in Mittenwald, also direkt

an der Grenze zu Tirol, abgeleistet. Da

fällt mir ein …“

Bücher, Bücher, Bücher

Können Sie sich vorstellen, ein Buch zu

schreiben? Eben. Jan Schäfer hat gleich

21 geschrieben. Vor allem als sogenannter

Ghostwriter, als schreibender Geist

also. In Summe werden das wohl weit

über fünftausend Seiten gewesen sein.

Sein bisher letztes Buch hat er übrigens

für die GemNova verfasst. „Wir alle sind

Gemeinde“ so der Titel, eine Handlungsanleitung

aus der Praxis für die Praxis.

Mit vielen konkreten Beispielen aus den

Gemeinden, mit vielen Statements von

Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern.

Gleich danach wurde er von der GemNova

fix engagiert. So ist er seit April des

Vorjahres als Gemeindebetreuer für die

33 Gemeinden in Osttirol unterwegs. Von

den Bürgermeister*innen, die er natürlich

schon alle besucht hat, wird er geschätzt.

Wohl auch deshalb, weil gerade in diesen

Tagen ein größeres interkommunales

Projekt langsam Form annimmt. „Nein,

dazu kann ich jetzt nichts sagen. Wir sind

noch mitten in der Abstimmung. Sobald

finalisiert, wird es breit vorgestellt“, so

Schäfer.

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62 tirol.hat Recht tirol.hat Recht

63

ERSTE URTEILE ZUR FRAGE:

„MUSS EIN GESCHÄFTSRAUMMIETER WÄHREND

DES LOCKDOWNS DEN MIETZINS BEZAHLEN?“

ZUM AUTOR

RA MAG. DANIEL S.

AZEM, MSC,

HEID & PARTNER

RECHTSANWÄLTE

Daniel Azem studierte an der Universität

Wien und am International

Law Institute in Washington. Er

ist u. a. spezialisiert auf Liegenschaftsrecht

und Vertragsrecht.

Er betreut diverse Bauträger und

begleitet Unternehmen wie Privatpersonen

in sämtlichen Bereichen

des Liegenschaftsrechts.

Bei behördlich angeordneten

Betriebsschließungen und Nichtbenutzbarkeit

des Geschäfts-

lokals kann die Mietzinszahlungspflicht

entfallen.

Gemäß ersten Urteilen – jedoch nur auf

bezirksgerichtlicher Ebene – ist die Covid-

19-Pandemie als Seuche anzusehen und

befreit unter Umständen Geschäftsraummieter*innen

von der Mietzinszahlungspflicht.

Eine über 100 Jahre alte Gesetzesstelle,

die viele Jahre nur eine sehr

eingeschränkte Praxisrelevanz hatte, soll

nun Antworten auf aktuelle Probleme zahlreicher

Mieter*innen bieten. § 1104 ABGB

erreichte durch die Covid-19-Pandemie an

Bedeutsamkeit für zahlreiche Mieter*innen

von Geschäftsräumen, welche aufgrund der

behördlichen Anordnungen zur Schließung

ihrer Geschäftslokale während des ersten

und zweiten Lockdowns verpflichtet waren

und – aktuell während des dritten Lockdowns

– wieder sind.

Die zentrale Frage, die sich stellt, ist:

„Befreit die behördlich angeordnete Verpflichtung

zur Schließung den Mieter/die

Mieterin von der Pflicht zur Zahlung des

Mietzinses?“ Mit der Auseinandersetzung

mit dieser Frage sind zahlreiche Gerichte

derzeit beschäftigt. Eine eindeutige Antwort

auf diese Frage gibt es nach wie vor nicht.

Zwei Gerichtsentscheidungen des Bezirksgerichts

Meidling zeigen nun jedoch eine

erste Tendenz und ermöglichen eine erste

branchenbezogene Einschätzung.

Das Bezirksgericht Meidling entschied in

zwei Verfahren zugunsten der Mieter*innen

– betroffen waren ein Friseursalon sowie

ein Bekleidungsgeschäft – und sprach aus,

dass aufgrund der durch die Covid-19-Pandemie

bedingten behördlich angeordneten

Betriebsschließungen die Verpflichtung

zur Mietzinszahlung für den Zeitraum des

ersten Lockdowns entfallen sei. Beide Entscheidungen

wurden von derselben Richterin

gefällt, sodass sich auch die rechtlichen

Beurteilungen weitgehend gleichen.

Die zentrale Norm beider Urteile stellt

§ 1104 ABGB dar. Diese sieht vor, dass kein

Miet- oder Pachtzins zu entrichten ist, wenn

die Bestandssache wegen außerordentlichen

Zufalls nicht benutzt werden kann.

Beispielhaft für einen außerordentlichen

Zufall führt das Gesetz die Seuche an. Unter

außerordentlichem Zufall wird in der Literatur

ein vom Menschen nicht beherrschbares

Elementarereignis verstanden, welches

schon seiner Art nach, nämlich aufgrund

seiner Größe und Unabgrenzbarkeit, aus

den Mustern regelmäßiger Abläufe herausfällt

und einen größeren Personenkreis

massiv betrifft.

Das Bezirksgericht Meidling hielt fest, dass

die Covid-19-Pandemie als Seuche im Sinne

des § 1104 ABGB anzusehen sei und daher

einen außerordentlichen Zufall darstelle, der

nicht den Mieter*innen zuzurechnen sei

und kein „allgemeines Lebensrisiko“ darstelle,

sondern einen größeren Personenkreis

betreffe.

Ob dies tatsächlich zu einem Entfall der

Verpflichtung zur Mietzinszahlung führe, sei

abhängig davon, ob eine vertragsgemäße

Nutzung der Bestandssache möglich sei.

Es komme nicht darauf an,

ob die Benützung absolut unmöglich

sei, sondern es sei

– laut Ansicht des Bezirksgerichts

Meidling – ausreichend,

wenn die Benutzung zum bedungenen

Gebrauch unmöglich sei.

Nicht relevant sei also, ob das Objekt noch

auf irgendeine andere Art und Weise – zum

Beispiel für Lagerzwecke – genutzt werden

könne. Da von 16.3.2020 bis zum 30.4.2020

per Verordnung der Zutritt zum Kundenbereich

bestimmter Betriebsstätten des Handels

und von Dienstleistungsunternehmen

sowie von Freizeit- und Sportbetrieben verboten

war, waren die betroffenen Branchen

zum Großteil gezwungen, ihre Geschäfte für

den Kundenverkehr geschlossen zu halten.

Die Möglichkeit, in den Geschäftslokalen

Waren zu lagern, sei nach Ansicht des

Bezirksgerichts unerheblich. Folglich bejahte

das Gericht die gänzliche Unbenutzbarkeit

zum bedungenen Gebrauch, da

das Lagern von Sachen sowohl für einen

Friseursalon als auch für das Bekleidungsgeschäft

nur Ausfluss der eigentlichen

Geschäftstätigkeit sei.

Auch wenn das Bestandsobjekt nach

Beendigung des Lockdowns wieder zur

Verfügung stehe, sei ein gänzlicher Entfall

der Verpflichtung zur Zahlung des Mietzinses

nach dem ausdrücklichen Wortlaut des

§ 1104 ABGB möglich, wenn die in Bestand

genommene Sache wegen einer „Seuche

[...] gar nicht gebraucht oder benutzt werden

kann“. Das Bezirksgericht Meidling verwies

diesbezüglich auf eine OGH-Entscheidung

aus dem Jahr 1953, nach welcher es

zu einem Entfall der Mietzinszahlungspflicht

aufgrund einer Beschlagnahme

eines Geschäftslokals durch eine Besatzungsmacht

gekommen ist.

Interessant wird sein, ob die vorgenannten

Entscheidungen auch für andere Branchen

– z. B. für Büromietverträge oder Restaurants

– relevant sein werden.

Zentrale Entscheidungsmerkmale

für den Entfall der Mietzinszahlungspflicht

sind nach

dem Bezirksgericht Meidling

einerseits der vereinbarte

Verwendungszweck des Mietobjekts

sowie andererseits die

branchenbedingte Betroffenheit.

Während sowohl die Friseur*innen als auch

der Einzelhandel, von einigen Ausnahmen

abgesehen, zur gänzlichen Schließung verpflichtet

waren, bestand in der Gastronomie

grundsätzlich die Möglichkeit, Speisen

zur Abholung anzubieten oder diese

auszuliefern. Auch Büronutzungen waren

VORÜBER-

GEHEND

GESCHLOSSEN

und sind – mit Einschränkungen – zulässig.

In diesem Fall kann also nicht davon

gesprochen werden, dass die angemieteten

Geschäftslokale bzw. Büroräumlichkeiten

aufgrund der Covid-19-Pandemie

nicht mehr zum vertraglich vereinbarten

Zweck benutzt werden konnten. Bietet

z. B. ein Gastronom ein Lieferservice

oder die Möglichkeit der Abholung von

Speisen an und bleibt ihm daher ein

beschränkter Gebrauch des Mietobjekts,

wird die Verpflichtung zur Mietzinszahlung

nicht gänzlich entfallen, aber haben

die Mieter*innen wohl ein Recht auf Minderung

des Mietzinses (§ 1105 ABGB).

Zu überlegen ist auch, ob Mieter*innen

von Geschäftslokalen, die von den Betretungsverboten

ausgenommen waren,

allerdings aufgrund der eingeschränkten

Möglichkeit des Betretens des öffentlichen

Raums kaum Kund*innen empfangen

konnten, von der Mietzinszahlung

befreit sein könnten. Da das Geschäftslokal

in diesen Fällen weiterhin zum vertraglich

vereinbarten Zweck gebraucht

werden konnte und lediglich die Kundenfrequenz

geringer war, ist der Anwendungsbereich

des § 1104 ABGB wohl nicht

eröffnet. Allerdings ist es denkbar, dass

die durch die behördlichen Maßnahmen

bedingte Reduktion des Kundenverkehrs

in diesen Bereichen eine Minderung des

Mietzinses rechtfertigt.

Weil die beiden vorgenannten – mittlerweile

rechtskräftigen – Entscheidungen nur

auf bezirksgerichtlicher Ebene vorliegen,

bleiben noch viele Fragen ungeklärt, etwa

ob eine bloß mittelbare Betroffenheit von

den behördlich angeordneten Schließungen

Auswirkungen auf die Mietzinszahlungspflicht

haben kann. Auch ob der Betrieb

eines Online-Shops oder die Nutzung eines

Teils der Geschäftsräume als Lagerraum

Auswirkungen auf diese haben kann, muss

noch geklärt werden. Ferner bleibt die Rolle

des Umsatzersatzes und des Fixkostenzuschusses

offen. Verwirkt ein solcher die

Befreiung nach § 1104 ABGB?

Die beiden vorgenannten Entscheidungen

und die daraus ableitbaren Tendenzen

der Rechtsprechung treffen nicht nur auf

Erleichterung bei Mieter*innen, sondern

auch auf harsche Kritik auf Seite vieler

Vermieter*innen und aus Teilen der Literatur.

Es ist jedenfalls davon auszugehen,

dass diese Rechtsfrage die österreichischen

Gerichte in den kommenden Monaten

weiterhin stark beschäftigen wird,

sodass es wohl nur eine Frage der Zeit

ist, bis sich der OGH ausführlich mit dieser

Thematik auseinanderzusetzen hat.

OBEN: Viele Geschäftslokale sind derzeit

geschlossen. Müssen Mieter*innen trotzdem Miete

bezahlen? (© shutterstock)


64 tirol.kooperiert tirol.kooperiert 65

FÖRDERUNG FÜR

CO-WORKING IN

GEMEINDEN

Trotz der vorherrschenden Covid-19-Pandemie ist der Trend an

Innovationsvorhaben und auch entsprechenden Neugründungen,

u. a. Start-ups, ungebrochen.

Vor allem die relevanten Covid-19-Auflagen,

die ein Abstandhalten sowie digitale

Interaktionswege empfehlen und vorschreiben,

sorgten schlussendlich dafür,

dass diverse neue digitale Geschäftsmodelle,

u. a. im Bereich von Handelsplattformen

sowie bei Dienstleistungen

entstanden sind. Die überwiegend

jungen Unternehmen konnten im Zuge

ihrer Gründungen und Entwicklungsarbeiten

auf umfassende Fördermöglichkeiten

zurückgreifen, sodass auch deren

Geschäftsbetrieb rasch gestartet werden

konnte. Die hierfür notwendigen „Unternehmensflächen“

waren insofern rasch

gefunden, als dass sich die Gründer*innen

zum Teil von zuhause aus und via

ZUM AUTOR

BERNHARD HOFER, MSC

Bernhard Hofer ist CEO der Cemit

Speeding up Innovation GmbH, welche

sowohl Start-ups, Gemeinden als

auch Großunternehmen im Innovationsprozess

begleitet.

virtuellen Austauschs mit ihren Gründerkolleg*innen

und auch ersten Kund*innen

abstimmen konnten.

UNTER INTERAKTIVEM STAND-

ORT VERSTEHEN DIESE UNTER-

NEHMEN VOR ALLEM PLÄTZE,

AN DENEN SICH AUCH ANDERE

JUNGUNTERNEHMEN AUFHAL-

TEN UND WODURCH EINE OPTI-

MIERUNG DER MÖGLICHKEITEN

ERREICHT WERDEN KANN.

Dies ist vor allem in Zeiten von Homeoffice

und virtuellen Arbeitswelten essenziell,

auch wenn es ja hoffentlich eine Zeit

nach Covid-19 geben wird. Und gerade

dieser Zeitfaktor spielt aktuell eine große

Rolle, denn die digitalen Jungunternehmen

werden sich zum Teil rasch entwickeln

und in Zukunft mehr Arbeitsplätze und

Office-Space benötigen, damit trotz der

mittlerweile etablierten virtuellen Arbeitswelten

ein Miteinander an einem Unternehmensstandort

entstehen kann.

U. a. rechnet die Cemit damit, dass bis zu

30 digitale Jungunternehmen ab ca. 2022

Office-Möglichkeiten suchen werden, die

zum Teil vorhanden sind, jedoch nicht an

einem interaktiven Standort. Unter interaktivem

Standort verstehen diese Unternehmen

vor allem Plätze, an denen sich

auch andere Jungunternehmen aufhalten

und wodurch eine Optimierung der Möglichkeiten,

das heißt Ressourcen – Partnernetzwerke

– Investoren etc., erreicht

werden kann.

Diesbezüglich besteht aktuell die einzigartige

Möglichkeit, dass mittels Förderungen

relevante Coworking-Plätze geschaffen

werden können, die gegebenenfalls

auch thematisch ausgerichtet sind. So

könnten sich auch gewisse Gemeinden

und Planungsverbände zu einer strategischen

Coworking-Ausrichtung zusammenschließen,

anhand derer Schwerpunkte

statt Redundanzen geschaffen

werden können. Weiters ermöglichen die

Coworking-Plätze sogenannte Voucher-

Systeme, anhand derer die Vermieter (u.

a. Gemeinden) begünstigte Plätze nur mit

klar definierten Outputs vergeben. Darüber

hinaus können sich u. a. Gemeinden

auf eine zum Teil notwendige Expansion

dieser Jungunternehmen vorbereiten,

sodass diese auch mittels eigener Infrastrukturen

im Gemeindegebiet dauerhaft

angesiedelt werden können.

Das bedeutet: Jetzt planen und bereits

die Wirtschaftsbetriebe von morgen

verorten.

Gerade in Zeiten wie diesen,

wo alle Fördermöglichkeiten

maximal ausgeschöpft werden

sollten, um das ohnehin

schon angespannte Budget

zu entlasten und Investitionen

tätigen zu können, ist es essenziell,

den Überblick im Förderdschungel

zu bewahren.

Ob bei Infrastrukturprojekten,

im Bereich der Digitalisierung

oder in Bezug auf Thematiken

rund um Umwelt, Mobilität

und Klima – das Spektrum

an unterschiedlichen Förderprogrammen

auf den diversen

Ebenen (Land, Bund, EU) ist

weitreichend. Gerne unterstützen

wir die Gemeinden

dabei, sämtliche Förderpotenziale

bestmöglich zu nutzen.

Bei Fragen zu Fördermöglichkeiten

von Coworking-

Arbeitsplätzen, aber auch

zu allen anderen Förderthemen

stehen wir Ihnen gerne

zur Verfügung.

KONTAKT:

Maximilian Huber

+43 660 29 68 969

m.huber@gemnova.at


66 tirol.kooperiert 67

GEKO 2021 –

zum Vorbild für

andere werden

(© Land Tirol/Cammerlander)

AUTOR

MANFRED SCHIECHTL

Der vom Land Tirol und dem Tiroler

Gemeindeverband initiierte und von

der GemNova unterstützte Gemeindekooperationspreis

GEKO geht 2021

in die bereits fünfte Runde. Im Fokus

steht dabei gemeindeübergreifende

Zusammenarbeit in Form von Kooperationen

und gemeinsamen Projekten.

Und Tirols Gemeinden haben dabei einmal

mehr viel zu bieten.

Auch heuer sollen wieder gelungene

Best-Practice-Beispiele vor den Vorhang

geholt und die besten Projekte in Tirol

ausgezeichnet werden. Landesrat Johannes

Tratter freut sich bereits auf die Einsendungen

für die heurige Ausgabe des

GEKO: „Das Denken über die Gemeindegrenzen

hinaus funktioniert in Tirol in vielen

Gemeinden auf sehr hohem Niveau.

Das haben die bisherigen GEKO-Einreichungen

eindrucksvoll bewiesen.“ Und für

Tratter ist wichtig, dieses Engagement

vieler Kommunen auch dementsprechend

zu würdigen: „Mit dem GEKO 2021 wollen

wir auch in diesem Jahr wieder die besten

Projekte in Tirol auszeichnen.“

Ganz ähnlich sieht dies Gemeindeverbandspräsident

Ernst Schöpf: „Welche

Vorteile die Zusammenarbeit von

Gemeinden bringen kann, haben uns die

Siegerprojekte der letzten Jahre bereits

ausführlich gezeigt. Gemeinden müssen

nicht zwingend fusioniert werden,

um bestmöglich zusammenarbeiten zu

können. Funktionierende gemeindeübergreifende

Kooperationen sollen daher

mit diesem Preis besondere Anerkennung

erlangen und als Vorbilder für

andere Gemeinden dienen.“ Der Gem-

Nova-Geschäftsführer kann dem nur

zustimmen: „Es ist uns ein sehr wichtiges

Anliegen, gemeindeübergreifende

Zusammenarbeit zu fördern. Wir sind

überzeugt, dass durch Kooperation weitaus

mehr erreicht werden kann. Deshalb

unterstützen wir auch 2021 wieder

den Gemeindekooperationspreis GEKO.

Sowohl finanziell als auch ideell.“

„Das Denken über

die Gemeindegrenzen

hinaus

funktioniert in

Tirol in vielen

Gemeinden auf

sehr hohem Niveau.

Das haben

die bisherigen

GEKO-Einreichungen

eindrucksvoll

bewiesen.“

MAG. JOHANNES TRATTER

LANDESRAT

Eingereicht können bereits umgesetzte

kommunale Vorhaben werden, die zur

Stärkung und Erhöhung der Attraktivität

bzw. der Wettbewerbsfähigkeit der Region

beitragen. Oder die zu einem nachhaltigen

Ausbau der Lebensqualität, zu

einer integrativen und zukunftsorientierten

Raum- und Regionsentwicklung sowie

zur aktiven Bewältigung der gesellschaftlichen

Herausforderungen beitragen. Dazu

zählen beispielsweise positive Impulse

für die Dorf- und Stadtentwicklung in

von Abwanderung betroffenen Regionen,

aber auch die Vernetzung von Bildungsmöglichkeiten,

gemeinsame Freizeitangebote

sowie die Zusammenarbeit auf

kommunaler, wirtschaftlicher und touristischer

Ebene. Die Einreichungen werden

von einer Fachjury bewertet, die besten

Vorschläge stellen sich dann einem

Online-Voting. Der Lohn für die Gewinner-

Gemeinde sind eine Prämie von 8.000

Euro, außerdem eine Preisträger-Feier.

Für Platz zwei und drei sind 4.000 bzw.

3.000 Euro ausgelobt.

Weitere Infos unter www.geko.tirol

DIE TIROLER

LÖSUNG, DAMIT

DAS VIRUS

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68 tirol.bildet tirol.bildet

69

ZUR AUTORIN

MAG. SANDRA WIMMER

Sandra Wimmer verantwortet den Bereich

Aus- und Weiterbildung. Sie hat selbst als

Deutschtrainerin gearbeitet und ist Expertin

im Bereich Sprach- und Wissensvermittlung.

Kontakt: s.wimmer@gemnova.at

Das

moderne

Trainieren

Zeit. Zeit ist eines der kostbarsten

Güter, die wir Menschen

haben. Bildung. Bildung

öffnet Türen und schafft die

Möglichkeit zu Veränderung.

Leider ist oftmals die Zeit so

knapp bemessen, dass man es

nicht schafft, an umfangreichen

Aus- und Weiterbildungen

teilzunehmen, die die persönliche

Entwicklung positiv unterstützen

können.

Was braucht es also, um trotz der knappen

Zeitressourcen dennoch an Ausund

Weiterbildungen teilzunehmen? Ein

Umdenken in der Konzepterstellung und

die Anwendung moderner Methoden zur

Wissensvermittlung. Aus- und Weiterbildung

ist derzeit einem enormen Wandel

unterlegen und schafft zugleich innovative

und zeitgenössische Möglichkeiten, sein

Wissen zu erweitern. Wurde früher vermehrt

auf Eigenstudium mittels Bücher

gesetzt, findet heutzutage viel Wissensaneignung

online mittels E-Learning am

Smartphone, Laptop oder Tablet statt.

Durch E-Learning kann ich selbst entscheiden,

was ich lernen will, wo ich mir

mein Wissen aneigne, für welche Themen

ich mehr Zeit und eine tiefergehende Auseinandersetzung

benötige.

Der soziale Aspekt darf beim

Aus- und Weiterbilden nicht

vernachlässigt werden.

Präsenzseminare beanspruchen oft viel

Zeit, man hat eine lange Anreise und aufgrund

der heterogenen Gruppe werden die

vorgetragenen Inhalte meist sehr allgemein

gehalten. Von großem Vorteil sind die persönlichen

Gespräche, der Austausch mit

den Seminarteilnehmer*innen und den Vortragenden.

Vor allem Pausen bieten Zeit für

Reflexion und Erfahrungsaustausch. Der

soziale Aspekt darf beim Aus- und Weiterbilden

nicht vernachlässigt werden.

Live-Online-Trainings eignen sich hervorragend,

um ortsunabhängig an Seminaren

teilnehmen zu können. Man benötigt

einen Laptop, eine gute Internetverbindung

und bestenfalls noch Kopfhörer, um

alles gut mitverfolgen zu können. Aufgrund

ihrer zunehmenden Bedeutung werden

auch die Live-Online-Trainings vielfältig

gestaltet: Online-Vorträge werden mittels

Whiteboard-Einheiten, Arbeitsgruppen,

Diskussionen, Chats, Umfragen u.

v. m. dynamisch gestaltet und bringen

Abwechslung in die Veranstaltung.

Blended Learning bedeutet,

das Beste aus allen Methoden

zusammenzubringen.

Um wieder zum Einstieg und zum stetigen

Wandel zurückzukommen, soll betont

werden, dass es vor wenigen Jahren größtenteils

nur möglich war, an Seminaren

und Veranstaltungen vor Ort teilzunehmen.

Heute gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten,

wie man Aus- und Weiterbildung

im Alltag integrieren kann. Damit man

die Vorteile aller drei Methoden genießen

kann, gibt es die hybride Form des Blended

Learning. So wie bei hybriden PKW (Verbrennungsmotor

für lange Distanzen und

Elektromotor für Stadtfahrten) werden bei

diesem Ansatz Präsenzseminare, E-Learning

und Online-Live-Trainings kombiniert.

Beispielsweise sei hier das Blended Learning

zur „VRV 2015: Wie erstelle ich einen

Rechnungsabschluss korrekt“ genannt.

Prinzipiell ein recht trockenes Thema (bitte

nicht böse nehmen), im Blended-Learning-Stil

bekommt man allerdings viel

Abwechslung geboten. Interessierte können

sich im ersten Schritt im Selbststudium

mittels E-Learning die Grundlagen zum

„VRV-2015-Rechnungsabschluss“ aneignen.

Anhand dieser ersten theoretischen

Auseinandersetzung mit dem Thema wird

Basiswissen aufgebaut. Erfahrungsgemäß

kommen hier einige Fragen auf, die von

einem Spezialisten beantwortet werden.

Im Anschluss an das erfolgreich abgeschlossene

E-Learning findet ein Live-

Online-Training mit einem Experten/einer

Expertin statt. Hier werden tiefergehende

Fragen beantwortet und zusätzliches Wissen

aufgebaut. Mit der Anwendung des

spezifischen Wissens in der Gemeinde

kommen nochmals gemeindespezifische

Fragen auf. Da jede Gemeinde individuell

agiert, führt ein allgemein ausgeschriebenes

Präsenzseminar nicht zum Erfolg.

Daher kommen die Expert*innen in die

Gemeinde und schließen mit den Kolleg*innen

in der Gemeinde die noch vorhandenen

Wissenslücken in kurzen, kompakten

Einheiten vor Ort.

Blended Learning bedeutet somit, das

Beste aus allen Methoden zusammenzubringen:

individuell, maßgeschneidert, zeitund

ortsunabhängig, abwechslungsreich,

modern. Man muss als Bildungsinstitut

nur den Mut und die Kreativität haben, sich

dieser herausfordernden Unterrichtsweise

zu stellen. Aber wir wären nicht die Gem-

Nova-Akademie, wenn wir uns Innovativem

mit größtem Kundennutzen verschließen

würden. Denn besonders in der Aus- und

Weiterbildung geht es darum, einen Beitrag

für die Gemeinschaft zu leisten und

die Bildung zu fördern.

Merkmale

Blended Learning

+ Abwechslungsreich

+ Hohe Abschlussquote

+ Individuell steuerbar

+ Individuelle Begleitung

der Lernenden

+ Lerntempo selbst

bestimmbar

+ Nachhaltiges Lernen

+ Orts- und zeitunabhängig


70 ENTGELTLICHE tirol.bildet EINSCHALTUNG

tirol.bildet

71

GAS UND GASNETZ – BEREIT FÜR DIE ENERGIEZUKUNFT

Die Energiewende kann nur durch das

kombinierte Zusammenwirken aller erneuerbaren

Energieressourcen und der entsprechenden

Infrastrukturen der Strom-,

Gas- und Fernwärmenetze gelingen.

Die Energieversorgung der Zukunft soll

dekarbonisiert, aber auch sicher und wirtschaftlich

sein. Die TIGAS unterstützt die

Ziele der Energiestrategie des Landes

Tirol, bis 2050 die Klimaneutralität zu

erreichen, und leistet mit ihrer Gas- und

Fernwärmestruktur sowie mit der Bereitstellung

regenerativer Energieträger und

bisher ungenutzter Wärmepotenziale

einen wichtigen Beitrag dazu.

Anteil an „grünem Gas“ steigt

Eine wirtschaftliche, sichere und klimaneutrale

Energieversorgung kann nur

im Zusammenspiel aller erneuerbarer

Energieformen und der entsprechenden

Infrastrukturen erreicht werden. Erdgas

soll unter Berücksichtigung der Versorgungssicherheit

und zu vertretbaren Kosten

für Haushalte und die Wirtschaft sukzessive

durch erneuerbare Gase ersetzt

werden. Regenerative Gase sind neben

Biogas auch aus Ökostrom in Power-to-

Gas-Anlagen erzeugter Wasserstoff und

synthetisches Gas.

Die TIGAS ist seit 2003 mit dem Einstieg

in die Biogasproduktion und seit 2009 mit

der Errichtung der Fernwärmetransportschiene,

mit der bevorzugt industrielle

Abwärme und Biowärme für Heizzwecke

nutzbar gemacht werden, im Rahmen ihrer

Möglichkeiten aktiv in der angestrebten

Reduzierung der CO 2

-Emissionen vorangegangen,

um die künftige Energieversorgung

in Tirol in den Sektoren Wärme und

Verkehr zunehmend erneuerbar und bis

2050 klimaneutral zu gestalten.

Energiezukunft vernetzt denken

Die Sektorkopplung, also die intelligente

Verschränkung der Infrastrukturen Strom-,

Gas- und Wärmenetze, ermöglicht eine

effiziente Bereitstellung regenerativer

Energie in der gewünschten Form und

Menge sowie zum gewünschten Zeitpunkt.

Zudem trägt die Sektorkopplung dazu

bei, die Auslastung dieser Verteilnetzinfrastrukturen

zu optimieren und dadurch

die Investitionen in den weiteren Ausbau

gering zu halten. Das gesamte Energiesystem

ist dadurch stabiler, flexibler und

kostengünstiger.

Die TIGAS baut daher das Gasnetz und

ihre Fernwärmenetze weiter bedarfsgerecht

aus und forciert die Mobilisierung

aller Biogas- und Wärmepotenziale in Tirol

zur Bereitstellung heimischer, feinstaubfreier

und klimaneutraler Energie.

DIGITALE VERNETZUNGSARBEIT

UNTER KINDERGÄRTEN IN TIROL

Neue Wege zur Qualitätsentwicklung sprachlicher

Bildung in der elementarpädagogischen Arbeit

Die Plattform Sprachliche Bildung ist

ein Angebot der regionalen und überregionalen

fachlichen Vernetzung sowie

der Weiterentwicklung pädagogischer

Praxis für Fach- und Assistenzkräfte

im Kindergarten.

Schon gehört?

TIGAS sorgt für Wärme in Tirol

Die TIGAS gibt Sicherheit, sucht Ihre Nähe und ist immer für Sie da. Kurz: Die TIGAS spendet Wärme. Dank kluger und

einfacher Lösungen. Und damit Sie es auch in Zukunft warm genug haben, setzt die TIGAS gleich auf mehrere Wärmequellen.

So sorgt die TIGAS langfristig für Behaglichkeit und ein gesundes Klima.

Digitale Medien stellen in Zeiten von

Corona auch in der Elementarpädagogik

eine unentbehrliche Arbeitsgrundlage

dar: Sie schaffen noch nie dagewesene

Formen qualitätsvoller pädagogischer

Zusammenarbeit unter Kindergärten aus

unterschiedlichen Gemeinden und Bezirken

sowie die Möglichkeit der Fortsetzung

von kollegialer und individueller Beratung

auf Distanz.

Etablierung neuer Lernfelder und Vernetzungsräume

Das Team der Tiroler Sprachberaterinnen

des GemNova-Bildungspools Tirol hat im

Rahmen der Richtlinie Sprachförderung

gemäß der Vereinbarung § 15a B-VG für

8.000 Elementarpädagog*innen aus den

insgesamt 480 Kindergärten in Tirol eine

digitale Arbeits- und Vernetzungsplattform

mit dem Namen Plattform Sprachliche

Bildung konzipiert und aufgebaut.

Damit soll gewährleistet werden, dass

statt der ursprünglich geplanten ganzjährigen

regionalen Vernetzungstreffen in

allen Bezirken, die aufgrund der aktuellen

Pandemie in Präsenz nicht stattfinden

können, das pädagogische Netzwerken

über alle Bezirke hinweg im virtuellen

Raum fortgesetzt werden kann. Die Plattform

Sprachliche Bildung bietet mit vielen

Praxis-, Wissens- und Reflexionsbausteinen

zu verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten

ein fachliches Grundgerüst für

die Einschätzung und Weiterentwicklung

der Interaktionsqualität in der pädagogischen

Arbeit im Kindergarten. Zusätzlich

wird allen interessierten Teams in Kindergärten

die Gelegenheit geboten, über

die Plattform ihre eigene Fachexpertise

rund um die alltagsintegrierte sprachliche

Bildung zu teilen und somit auch pädagogische

Teams aus anderen Einrichtungen

daran teilhaben zu lassen.

OBEN: Sprache wird am besten in

Interaktionen erlernt. Hohe Qualität in der

sprachlichen Bildung im Kindergarten unterstützt

die Sprachentwicklung von Kindern

massiv. Die Plattform Sprachliche Bildung bietet

den Kindergartenteams zahlreiche Angebote

zur Einschätzung und Weiterentwicklung

des eigenen Interaktionsverhaltens.

(© shutterstock)

TIGAS-Erdgas Tirol GmbH

Ein Unternehmen der TIWAG-Gruppe

Weiter denken. Besser bleiben. TIGAS.

www.tigas.at


72 tirol.bildet tirol.bildet

73

„Hilf mir, es selbst zu tun“ –

Dieses Zitat von Maria Montessori

findet sich in vielen

pädagogischen Konzeptionen

von elementaren Bildungseinrichtungen

in Tirol wieder.

Mit der Plattform Sprachliche

Bildung ist es gelungen, während

der Pandemie die Maßnahmen

zur Ausweitung und

Vertiefung sprachförderlicher

Kompetenzen des Personals

in Kindergärten in den virtuellen

Raum zu verlegen. Somit

wird weiterhin gewährleistet,

dass an den erforderlichen

Schritten zur Umsetzung des

sprachlichen Bildungsauftrages

auch in Lockdownzeiten

teilgenommen werden kann.

Pädagogische Teams können

sich in diesem virtuellen Raum

eigenverantwortlich und aktiv

bewegen und auf jene fachlichen

Inhalte, die sie benötigen,

immer wieder zugreifen – ganz

im Sinne von „Hilf mir, es selbst

zu tun“. Gleichzeitig profitieren

alle von geteilten Fachbeiträgen,

die auch aus den einzelnen

pädagogischen Teams beigesteuert

werden. Dieser Möglichkeitsraum

zeugt von hoher

Qualität und ist somit ein wichtiger

Beitrag in der Qualitätssicherung

der pädagogischen

Arbeit in Tirol.

JULIA RAICH

LAND TIROL, ABTEILUNG

GESELLSCHAFT UND ARBEIT

FACHINSPEKTORIN FÜR

ELEMENTARPÄDAGOGIK

Nachhaltigkeitsgedanken im Sinne der

Chancengleichheit von Kindern

Umfassendes und kontinuierlich geteiltes

Fachwissen auf Basis eines digitalen

Wissensmarktplatzes für Elementarpädagog*innen

kann erstmals der pädagogischen

Qualität in der frühen sprachlichen

Bildung in allen Tiroler Kindergärten

zugutekommen und somit die Professionalisierung

des pädagogischen Personals

in Kindergärten aller Gemeinden stärken.

Mit Qualitätsmaßnahmen wie diesen, die

letztlich eine positive Entwicklung und

Teilhabe von Kindern ermögilchen, wird

nachhaltig ein zentraler Beitrag zur Chancengleichheit

von Kindern geleistet, denn:

„Sprachliche Bildung ist der Schlüssel zur

Bildung.“

Feedback aus der elementarpädagogischen

Community

Die bunte Vielfalt an Fachartikeln, Reflexionsimpulsen

sowie Video-, Audio- und

Fotoimpulsen auf der Plattform Sprachliche

Bildung hat Pädagog*innen in ganz

Tirol dazu bewegt, dem Team der Sprachberaterinnen

praxisnahe Rückmeldungen

in Bezug auf die Bildungsarbeit mit Kindern,

Teamarbeit sowie Bildungspartnerschaft

mit Eltern und Erziehungsberechtigten

zukommen zu lassen. Hier finden

sich einige anonymisierte Feedbacks:

[…] Die Plattform hilft mir als Multiplikatorin

sehr in meiner Arbeit,

da sie mir neue Eindrücke und

Ideen gibt, die ich sehr gerne mit

dem Team teile, und wir dann

gemeinsam Projekte, wie dem oben

beschriebenen, erarbeiten können.

Ein Meilenstein auch in der österreichischen

Bildungslandschaft

Der Vernetzungsgedanke unter Elementarpädagog*innen

hat sich inzwischen

auch schon bundesländerübergreifend

etabliert.

Tirol kann ein starkes Signal

zur überregionalen Vernetzung

und somit zur Qualitätsentwicklung

der Elementarpädagogik

in Österreich setzen.

Die vom Bundesministerium für Bildung

(BMBWF) und dem Österreichischen

Integrationsfonds (ÖIF) initiierte virtuelle

Sprachkonferenz im Jänner 2021 hat nicht

nur das große Interesse am gegenseitigen

fachlichen Austausch seitens der 50

Vertreter*innen aus allen Bundesländern

aufgezeigt, sondern war auch aus Sicht

der Fachabteilung Elementarbildung des

Landes Tirol ein besonderer Erfolg: Die

von den Tiroler Sprachberaterinnen des

GemNova-Bildungspools Tirol gegründete

Plattform Sprachliche Bildung findet jetzt

schon österreichweit großen Anklang und

soll demnächst auch in anderen Bundesländern

in die Praxisumsetzung gehen.

Somit kann Tirol ein starkes Signal zur

überregionalen Vernetzung und somit zur

Qualitätsentwicklung der Elementarpädagogik

in Österreich setzen.

Qualitätsmaßnahme Sprachberatung

auf neuen digitalen Wegen

Großen Anklang finden in der aktuell kontaktlosen

Zeit auch die mit Februar 2021

gestarteten kollegialen Online-Beratungen,

die als weitere Qualitätsmaßnahme

zur Umsetzung der sprachlichen Förderung

im Kindergarten von den neun

Tiroler Sprachberaterinnen im Frühjahr

moderiert werden: 30 Online-Veranstaltungen

waren binnen weniger Tage

restlos ausgebucht. Sie stellen ein völlig

neues Beratungsformat dar und schaffen

einen digitalen Raum der persönlichen

Begegnung in kleinen Gruppen für

gegenseitige Beratung unter Kolleg*innen

zu aktuellen pädagogischen Herausforderungen.

Dank dieses neu konzipierten

Formats haben pädagogische Fachkräfte

erstmalig die Chance, sich über den

eigenen Bezirk hinaus fachlich auszutauschen,

die gelebte Praxis im Kindergarten

vom Außerfern bis Lienz und Kitzbühel

kennenzulernen und sich gegenseitig mit

Wissen, Reflexionsimpulsen und Handlungsstrategien

zu unterstützen. Ein

gelungenes Projekt, das vielleicht auch in

Zeiten nach der Pandemie im Sinne der

Qualitätsentwicklung der elementarpädagogischen

Praxis in Tiroler Kindergärten

aufrechterhalten bleibt.

[…] Ich werde bei nächster Gelegenheit auf jeden Fall

bewusster auf die Dinge achten, die ich jetzt gelesen und

gehört habe. Besonders freut es mich, dass sich die Inhalte

nicht ausschließlich auf Mehrsprachigkeit beziehen. Denn

als Kindergarten einer kleinen, ländlichen Gemeinde betrifft

uns dies momentan einfach nicht so sehr. Doch mit Themen

zu Spracherwerb, Elterngesprächen etc. können auch wir viel

anfangen und viel Praxisbezug herstellen.

ZUR AUTORIN

MAG. NINA REDLICH,

MA ECED

Nina Redlich leitet das Team

Sprachberatung des Landes Tirol

und koordiniert den Fachbereich

Elementarpädagogik im GemNova

Bildungspool Tirol.

Kontakt: n.redlich@gemnova.at

[…] Danke für die digitalen Unterlagen und die interessanten Beiträge

zum Thema Sprachbildung. Besonders interessant finde ich den Beitrag

über effektive Elterngespräche. […] Ich habe die Erfahrung gemacht,

dass ein wertschätzender Umgang, genügend Zeit für den gegenseitigen

Austausch, eine angenehme Atmosphäre, gute Dokumentation und

Vorbereitung und der Fokus auf die Stärken des Kindes wesentliche

Voraussetzungen für ein gutes Gespräch sind. Und der Gedanke, dass

wir das „Wohl des Kindes“ im Vordergrund sehen, ist ausschlaggebend.


74 tirol.bildet tirol.bildet

75

TEAM-

BETREUUNG

HAND in

HAND

Unvorstellbar, dass die Bildungspool Tirol gem. Tirol GmbH

2016 mit knapp 30 Personen für die schulische Betreuung

gestartet ist und nunmehr ein Kollegium mit über 400 Personen

in ganz Tirol fasst.

Es hat sich über die Jahre ein Team von

motivierten, liebenswerten und engagierten

Personen entwickelt, die in ihren

unterschiedlichen Rollen als Schulassistent*innen,

Freizeitbetreuer*innen, Teambetreuer*innen

und Koordinator*innen

gemeinsam, miteinander und füreinander

tätig sind. Es wird Hand in Hand gearbeitet

mit dem gemeinsamen Ziel, Qualität in der

schulischen Betreuung zu bieten und einer

Tätigkeit nachzugehen, die Freude und

Erfüllung sowie Wertschätzung erfahren

lässt. Gerade die Vielzahl an unterschiedlichen

Persönlichkeiten und Professionen

machen das Team des GemNova-Bildungspools

so vielfältig und besonders.

Ina Anker

TEAMBETREUUNG

Ina Anker ist bereits seit 2016 in

unterschiedlichen Funktionen Teil des

GemNova-Bildungspools. Aktuell ist sie

als Teambetreuerin im Raum Kufstein

im Einsatz.

„Der Beginn meiner Geschichte steht im

Zusammenhang mit einem Spiel, genauer

gesagt dem Schachspiel. Mein Engagement

im Bereich Kinder- und Jugendschach

führte mich in die schulische Betreuung.

„Die Arbeit als Schulassistenz

geht mit unzähligen

Herausforderungen

einher, stellte ich in meinem

täglichen Arbeitsalltag von

Anfang an fest.“

Es gibt einfach immer etwas zu tun, zu (er-)

klären oder jemanden zu unterstützen. Als

mir die Teambetreuung angeboten wurde,

sagte ich sofort zu! Ich freue mich über diese

neue Aufgabe, versuche, der damit einhergehenden

Verantwortung mit stetigem

Einsatz gerecht zu werden und eine verlässliche

Ansprechpartnerin für alle Kolleg*innen

in der schulischen Betreuung zu sein.

Die enge Zusammenarbeit mit der Koordinatorin

ist mir sehr wichtig. Eine gute und

offene Kommunikation ist für mich das A

und O. Am meisten freut es mich, wenn wir

wieder neue Kolleg*innen ins Team bekommen,

die sich toll mit einbringen können:

ob Freizeit- oder Theaterpädagog*innen,

Erziehungswissenschaftler*innen, Kinderbuchautor*innen,

Musikstudent*innen …

jede Person bringt neuen Input, und diese

Diversität bereichert uns alle ungemein. Zu

guter Letzt freue ich mich, dass auch aus

meiner ursprünglichen Mission etwas Bleibendes

entstanden ist: Das Schachspiel ist

in Volksschulen in Kufstein angekommen!“

Schulassistenz

Sieglinde Hobl ist seit 2019 im Gem-

Nova-Bildungspool-Team und als Schulassistentin

bereits fünf Jahre an der

Allgemeinen Sonderschule (ASO) in Hall

tätig.

„Meine Entscheidung zu diesem Job fiel

mir sehr leicht, da Kinder mit besonderen

Bedürfnissen für mich immer schon einen

hohen Stellenwert hatten, besonders seitdem

mein Sohn mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung

(ADHS)

und Autismus-Spektrum zur Welt kam. Ich

arbeite seit fünf Jahren in der ASO Hall,

und meine Rolle als Schulassistenz wechselt

jährlich. Anfangs war ich Klassen mit

mehrfach behinderten Kindern zugeteilt.

Dort waren meine Aufgaben einerseits die

Unterstützung und die Pflege der Kinder,

das heißt, ihnen den Alltag so gut wie möglich

zu erleichtern. Andererseits war auch

die Weiterbildung ein wichtiger Bestandteil

meiner Arbeit. Zurzeit bin ich in einer Sonderschulklasse

mit lernschwachen und verhaltensauffälligen

Kindern. Dort stehen die

Motivation für das Lernen und die Unterstützung

im Vordergrund.“

Sieglinde Hobl

SCHULASSISTENZ

„Wichtig und zentral ist für

mich, dass die Zusammen-

arbeit mit unserem Koordinator

gut funktioniert.“


76 tirol.bildet tirol.bildet

Kontakt:

bildungspool@gemnova.at

Kathrin

Malina

KOORDINATION

Koordination

Kathrin Malina arbeitet seit 2019 im

GemNova-Bildungspool und ist als Koordinatorin

für die Region Kufstein, derndorf und Waidring

Niezuständig.

„Als Koordinatorin bin ich im ständigen

Austausch mit meinen acht Kolleg*innen

aus dem Bildungspool-Team in Innsbruck,

der Teambetreuerin für Kufstein, den 55

Kolleg*innen, die an den Schulen als zeitbetreuer*innen und Schulassistent*in-

Freinen

arbeiten, den Vertreter*innen der drei

Gemeinden und den acht Direktor*innen

der verschiedenen Schulen. Der Kontakt

mit so vielen Menschen macht meinen

Berufsalltag spannend, bunt und vor allem

nie langweilig. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen

und Überraschungen mit

sich. An manchen Tagen steht schon ab

6.30 Uhr das Telefon nicht still – daran

kann man manchmal frühzeitig ablesen,

dass die nächste Grippewelle angekommen

ist. Aber gerade dieses spontane und

flexible Arbeiten macht für mich den Reiz

meiner Arbeit aus.

„Man trifft viele interessante

Menschen, hat bereichernde

Begegnungen und

wächst persönlich an den

Herausforderungen.“

Obwohl ich weitgehend meine Arbeit aus

dem Homeoffice erledige – auch schon in

Zeiten vor Corona, bin ich froh, Teil unseres

großen Koordinationsteams zu sein.

Wir haben sehr unterschiedliche berufliche

Backgrounds, und auch altersmäßig sind

wir bunt gemischt. Doch uns einen das

Engagement für den Job und die gegenseitige

Wertschätzung. Auch der ständige

Austausch mit der Teambetreuerin vor

Ort ist für mich wichtig, um die vielen kleinen

und großen alltäglichen Ereignisse zu

koordinieren und neue Ideen umzusetzen.“

Julian

Raidel

Freizeitbetreuung

FREIZEIT-

BETREUUNG

„Mein Interesse

an diesem Beruf

wurde schon

früh geweckt, da

mehrere meiner

Familienmitglieder

im sozialen Bereich

tätig sind.“

Julian Raidel ist seit 2017 Teamkollege

im GemNova Bildungspool und aktuell

als Freizeitpädagoge und Leitung des

Betreuungsteils an der Volksschule

Angergasse tätig. Darüber hinaus ist

Julian Teambetreuer und arbeitet tatkräftig

an Projekten mit.

„Mein Interesse an diesem Beruf wurde

schon früh geweckt, da mehrere meiner

Familienmitglieder im sozialen Bereich

tätig sind. Zu Beginn betreute ich eine

Tagesheimgruppe. In meinem zweiten

Dienstjahr wechselte ich in eine Klasse

mit verschränkter Schulform (Ganztagesschule).

Gleichzeitig erweiterte

sich mein Tätigkeitsbereich, in dem mir

die Leitung des Betreuungsteils anvertraut

wurde. Im Jahr 2019 begann ich

als Teambetreuer an mehreren Volksschulen

in Innsbruck zu arbeiten, was

mir persönlich neue Erfahrungen und

Perspektiven einbrachte. Die Möglichkeit

an Projekten, wie der „Betrieblichen

Gesundheitsförderung“ sowie „Ernährung

und Bewegung“ mitzuarbeiten,

bringt eine Vielfalt und Abwechslung in

meinen Arbeitsalltag.“

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Freizeitbetreuung

Jetzt

umsteigen

Jessica Groß arbeitet seit 2020 im

GemNova-Bildungspool und ist als Freizeitbetreuerin

und Leiterin des Betreuungsteils

für elf Gruppen an der Schule

Innere Stadt in Innsbruck tätig.

„Die Arbeit als Freizeitpädagogin gibt mir

genau diese Möglichkeit. Zusätzlich empfand

ich die Stelle als Leiterin des Betreuungsteils

als neue Herausforderung, um

mich in einer Leitungsfunktion zu beweisen.

Die zeitgleiche Bewältigung der organisatorischen

und pädagogischen Leitung stellt

oftmals eine besondere Herausforderung

dar und bedeutet ein hohes Maß an Engagement

und zeitlicher Investition. Damit der

Ablauf im Tagesheim reibungslos verläuft,

muss ebenso eine gute Organisation und

Planung im Hintergrund stehen.

Besonders in der Volksschule haben Kinder

einen großen Drang an Bewegung,

Spiel und Sport und sind überaus kreativ

und motiviert. Genau dies lässt mich

meine Arbeit als Freizeitpädagogin mit

Freude ausüben. Die Zusammenarbeit

mit meiner Koordinatorin erleichtert mir

meine Arbeit in vielerlei Hinsicht. Neben

schneller und kompetenter Hilfe bei Fragen

aller Art ist kein Hierarchiegefälle

erkennbar, und es herrscht ein freundschaftlicher

und respektvoller Umgang

miteinander.“

„Nach meinem Sportpädagogikstudium

in

Deutschland wollte

ich einer Tätigkeit

nachgehen, in welcher

ich bei Kindern Spaß

an der Bewegung

fördern kann.“

Jessica

Groß

FREIZEITBETREUUNG

77


78 tirol.sportlich und gesund tirol.sportlich und gesund

79

Rodeln mit Corona

Die Weltmeisterschaft der Naturbahnrodler im Ötztal war heuer wohl eine der sportlichen

Höhepunkte in Tirol. Coronabedingt freilich ohne Publikum, dafür mit überaus strengen

Sicherheitsauflagen. Ein kurzer Blick zurück.

Gerhard Pilz war im Ötztal natürlich mit

dabei. Mit seinen fünf Weltmeistertiteln,

zwei Europameistertiteln, zwei Gesamtweltcupsiegen

sowie 19 Siegen in Weltcuprennen

ist er in der Szene der Naturbahnrodler

wohl das große, das unerreichbare

Vorbild. Seinen ersten Weltmeistertitel feierte

der gebürtige Oberösterreicher übrigens

1986 in Fenis, im italienischen Aostatal.

Zehn Jahre später, 1996, kürte er sich

hier in Tirol, in Oberperfuss, zum fünften

Mal zum Weltmeister. Weitere elf Jahre

später, 2007, beendete er seine unglaubliche

Karriere im Alter von 41 Jahren. Natürlich

auf seine Art – mit dem der Gewinn

der Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften

im kanadischen Grande Prairie.

Die beiden Ötztaler Brüder Thomas und

Gerald Kammerlander erreichten damals

übrigens die Plätze sechs und sieben.

„EIN KONTAKT ZU AUSSEN-

STEHENDEN IST LEIDER

NICHT MÖGLICH, SOGAR

STRIKT UNTERSAGT.“

GERHARD PILZ

Strenge Corona-Auflagen

„Du, das geht leider überhaupt nicht. Es

gibt hier dermaßen strenge Corona-Auflagen,

dass wir nur in unseren geschlossenen

Teams unterwegs sein dürfen. Ein

Kontakt zu Außenstehenden ist leider

nicht möglich, sogar strikt untersagt.“

LINKS: Die Organisatoren der Weltmeisterschaft

mit dem Covid-Beauftragten: Bruno

Kammerlander, Hansjörg Posch und Michael Radl.

(© ÖRB/Miriam Jennewein)

Gerhard Pilz, dem 2004 gemeinsam mit

dem Autor dieser Zeilen die österreichische

Erstbesteigung des Siebentausenders

Himlung Himal an der nepalesischtibetischen

Grenze gelang, konnte sich

also nicht mit mir treffen. Er war wieder

im Ötztal, diesmal als Bundestrainer der

deutschen Naturbahnrodler, streng abgeschirmt

und isoliert. „Die Verantwortlichen

haben das hier sehr sauber gelöst, es gibt

klare Bestimmungen, unmissverständliche

Regeln, damit nur ja nichts passiert. Aber

vielleicht schaffen wir zwei ja im Sommer

eine lässige Tour“, so Pilz. „Gerne auch bei

dir in Tirol.“

Ein 30-seitiges Konzept

Die Weltmeisterschaft der Naturbahnrodler

in Umhausen zählte heuer neben der Vierschanzentournee

der Skispringer in Inns-

bruck sowie dem Hahnenkammrennen der

Skifahrer in Kitzbühel wohl zu den sportlichen

Highlights in Tirol. Allen drei Veranstaltungen

war gemein, dass sie coronabedingt

ohne Publikum und mit strengen

Sicherheitsauflagen über die Bühne gingen.

„Das war für uns schon sehr hart und herausfordernd“,

so Hansjörg Posch, der für

die gesamte Organisation der Weltmeisterschaft

im Ötztal verantwortlich zeichnete.

„Schon allein, wenn ich an die ganzen

Covid-Bestimmungen und Maßnahmen und

Kontrollen denke. Da haben wir einfach auch

professionelle Unterstützung von außen

gebraucht.“

Rund 30 Seiten umfasste dann auch das

detaillierte Covid-19-Präventionskonzept,

welches von der GemNova erstellt wurde.

Im Konkreten von Manfred Schiechtl, der

sich dafür beim Wiener Roten Kreuz extra

zum Corona-Experten ausbilden ließ. „Drei

Mal musste dieses Konzept umgeschrieben,

überarbeitet, ergänzt werden, einfach

weil es immer wieder Anpassungen und

Änderungen der Covid-19-Notfallmaßnahmenverordnung

gab. Die Gemeinden sind

mit diesem Konzept freilich auf der sicheren

Seite“, so Schiechtl, „damit sind alle

Eventualitäten abgedeckt.“

„Mir ist ganz schwindlig geworden“

Als ich dieses Konzept durchgelesen hab, ist

mir ganz schwindlig geworden“, merkt auch

Kammerlander an. „Auf was es da alles zu

achten gab, was da alles eingehalten werden

musste, ein Wahnsinn.“ Nur einige Beispiele

daraus: Die teilnehmenden Personen

mussten in mehrere funktionelle Gruppen

aufgeteilt werden, die am Veranstaltungsgelände

dann auch noch räumlich zu trennen

waren. Es bedurfte eines dezidierten

Testlabors zur autonomen Durchführung der

Covid-19-Tests. Für Verdachtsfälle musste

ein eigener Sicherheitsbereich eingerichtet

werden, spezielle Ordnerdienste wurden

ebenso vorgeschrieben wie die allerstrengsten

Hygienemaßnahmen. Für die Einhaltung

und Kontrolle all dessen waren besonders

geschulte Covid-Beauftragte verantwortlich.

„EINE BESONDERE HER-

AUSFORDERUNG BESTAND

BEREITS IM VORFELD DARIN,

AUF DIE IMMER STRIKTE-

REN VORGABEN RASCH ZU

REAGIEREN.“

MICHAEL RADL

BILDER: Thomas

Kammerlander

freut sich

über seinen Sieg.

(© ÖRB/Miriam

Jennewein)

Vom VIP-Zelt zum Aufwärmzelt

Michael Radl, ebenfalls von der GemNova,

war der Covid-Beauftragte und während

der Weltmeisterschaften natürlich immer

vor Ort anwesend. „Eine besondere Herausforderung

bestand bereits im Vorfeld

darin, auf die immer strikteren Vorgaben

rasch zu reagieren. Dass keine Zuseher

erlaubt waren, stand ja von Anfang an

fest. Aber dann hieß es plötzlich, es gibt

auch keine Ehrengäste. Naja, dann haben

wir aus dem VIP-Zelt halt ein zusätzliches

Aufwärmzelt für die Athlet*innen gemacht.

Denn hier im Ötztal kann es schnell mal

minus 15, minus 20 Grad haben.“

Die Weltmeisterschaft selbst lief dann reibungslos

und ohne Probleme ab. Alle Covid-

Sicherheitsvorkehrungen wurden eingehalten,

die rund 250 anwesenden Personen

vor Ort verhielten sich überaus diszipliniert

und einsichtig. „Natürlich hätten sich alle

Beteiligten gewünscht, wenn es hier auch

viele Zuseher gegeben hätte. Einfach weil

die Atmosphäre dann eine ganz andere ist“,

so Bruno Kammerlander, der als die Seele

dieser Veranstaltung gilt. „Andererseits

haben wir mit dieser Weltmeisterschaft

eindrucksvoll gezeigt, dass auch in diesen

sehr schwierigen Zeiten ganz besondere

Veranstaltungen möglich sind. Hier bei uns

in Tirol, im Ötztal.“

Thomas und Gerald Kammerlander

Ach ja, eine nette Geschichte gibt es

abschließend auch noch. Sie handelt von

den beiden Brüdern Thomas und Gerald

Kammerlander. Gerald Kammerlander, seit

2013 Sportdirektor des österreichischen

Rodel-Nationalteams, errang 2011 bei den

Weltmeisterschaften der Naturbahnrodler

im Ötztal die Goldmedaille. Hier auf

der anspruchsvollen und legendären Grantaubahn

in Umhausen, die mit ihren neun

Kurven auf 950 Metern und einem durchschnittlichen

Gefälle von 13,9 Prozent einfach

ungemein sauber gefahren werden

muss. Ein kleiner, winziger Fehler nur und

schon ist der Traum vom Weltmeistertitel

vorbei.

Bei der heurigen Weltmeisterschaft, genau

zehn Jahre nach Gerald Kammerlanders

Sieg, trat sein Bruder Thomas in seine Fußstapfen.

Auch er machte keinen Fehler und

kürte sich auf der selektiven Grantaubahn

in Umhausen mit Bestzeit in beiden Läufen

zum Weltmeister. Einen Tag nach seinem

31. Geburtstag. Fein, dass es im Hause Kammerlander

nun gleich zwei Goldmedaillen

der beiden Brüder gibt.

AUTOR

REINHOLD OBLAK


80

tirol.sportlich und gesund tirol.sportlich und gesund

81

200.000 EURO

FÜR DEN EVEREST

Mit der Gründung von „Furtenbach Adventures“ stieg der Tiroler Lukas Furtenbach 2014 ins

kommerzielle Höhenbergsteigen ein – als Anbieter von Expeditionen auf den Mount Everest.

Sehr erfolgreich, sehr umstritten. Im Interview spricht er Klartext.

Lukas Furtenbach: Lass mal mich mit

einer Frage beginnen, Reinhold. Warum

bist du eigentlich nie meinen Einladungen

zum Everest gefolgt?

Reinhold Oblak: Weil ich mit kommerziellen

Expeditionen nichts anfangen

kann. Ich mag mich nicht von Sherpas

am Seil auf Achttausender hinaufziehen

lassen. Das hat mit meinem Verständnis

von eigenverantwortlichem

Bergsteigen nichts zu tun. Zum Zweiten

interessiert mich der Everest überhaupt

nicht: ein massiv überlaufener

Berg, zu viel Expeditionstourismus,

Warteschlangen vor dem höchsten

Punkt. Aber nun zu dir: Wie bist du

eigentlich auf die Idee gekommen, ausgerechnet

ein Expeditionsunternehmen

zu gründen? Hier in Tirol noch dazu.

Du redest ja fast schon so wie Reinhold

Messner (lacht). Der glaubt nämlich auch,

kommerzielle Expeditionen sind der Tod

des „echten“ Alpinismus. So ein Blödsinn.

Aber zurück zu deiner Frage. Das Expeditionsbusiness

war eine sehr verstaubte

Branche mit einer sehr tradierten Philosophie.

Der Gast musste sich der angebotenen

Expedition anpassen. Ich sehe es

genau andersherum. Wir müssen uns an

den Bedürfnissen des Gastes orientieren.

Das verlangt natürlich sehr viel Expertise,

Innovationswillen und Erfahrung.

Reinhold Messner scheinst du nicht

wirklich zu mögen. Dabei hast du selbst

ja auch als selbstständiger Bergsteiger

begonnen – bei deinen Achttausender-

Besteigungen und bei vielen anderen

Expeditionen. Erst bei deinen zwei Everest-Besteigungen

warst du dein eigener

Kunde.

Messner sehe ich sehr differenziert. Zum

einen ist unbestritten, dass er Herausragendes

geleistet hat. Nicht nur als Kletterer

und Expeditionsbergsteiger. Zum anderen

ist aber auch festzuhalten, dass er etwa

bei seiner Everest-Besteigung ohne Sauerstoff

die installierten Fixseile benutzt hat,

einer ausgetretenen Spur gefolgt ist, volle

Unterstützung eines großen Teams hatte.

Und ja, auch ich habe bei meinen beiden

Everest-Besteigungen die Hilfe von Sher-

OBEN: Lukas Furtenbach beim Aufstieg zum Everest.

Als erstem Österreicher gelang es ihm, den

Gipfel sowohl von der Süd- als auch von der Nordseite

zu erreichen. (© furtenbachadventures.com)

pas in Anspruch genommen, genauso wie

Sauerstoff. Aber ich habe dort ja gearbeitet,

musste leistungsbereit sein und war

für unsere Kunden verantwortlich. Das ist

eben mein Verständnis von verantwortungsvollem

Bergsteigen. Alles zu tun, um

die Risiken sehr klein, die Sicherheit sehr

groß zu halten.

Und deine Kundinnen und Kunden zahlen

dafür fast jeden Preis. Du bist ja mittlerweile

der teuerste Everest-Anbieter

weltweit.

Maximale Sicherheit ist das eine, größtmöglicher

Komfort das andere. Das Wichtigste

freilich ist die Zeit. Wir bieten den

Everest in der Flash-Variante in nur 21

Tagen an. Von jedem Airport der Welt auf

den höchsten Punkt der Erde und wieder

zurück. Viele unserer Teilnehmer verfügen

über finanzielle Ressourcen, aber nur über

sehr wenig Zeit. Und unsere 100-prozentige

Erfolgsrate ohne einen einzigen Unfall

spricht halt auch für sich.

Wieviel verlangst du nun wirklich für den

Everest?

In der Standardvariante 60.900 Euro, für

Flash 99.000 Euro. Dabei bieten wir auch

eigene Hypoxiezelte an, damit sich die Teilnehmer

bereits zu Hause akklimatisieren

können. Das verschafft uns vor Ort abermals

einen Zeitpolster, wodurch wir noch

schneller und sicherer auf den Gipfel und

wieder zurück kommen.

Du bietest ab heuer auch Everest-

Besteigungen für nur eine Person an.

Wie an der Eiger-Nordwand, eigentlich

verrückt. Was verlangst du dafür?

Verrückt wäre, genau das nicht anzubieten.

Mit dieser „Signature-Expedition“ reagieren

wir auf die Nachfrage. Die Kosten liegen bei

200.000 Euro pro Person. Es ist also eine

1:1-Führung mit entsprechenden Sicherheitsreserven,

Unterstützung und Komfort.

Das bedeutet individuelle Ernährungsberatung,

personalisiertes Trainingsprogramm

und geht bis zum Live-Monitoring

Unsere 100-prozentige

Erfolgsrate ohne einen einzigen Unfall

spricht halt auch für sich.

durch unseren Expeditionsarzt während

der Besteigung. Dabei sprechen wir vom

hochauflösenden Echtzeit-EKG bis auf den

Gipfel. Somit können nicht nur beginnende

Höhenkrankheit, sondern auch andere

medizinische Probleme frühzeitig erkannt

werden. Herzinfarkte oder Schlaganfälle

sind in großer Höhe bisher nur wenig

untersuchte Todesursachen mit einer sehr

hohen Dunkelziffer.

Aufgrund der aktuellen Corona-Situation

haben 2020 ja keine kommerziellen

Expeditionen stattgefunden, für heuer

sieht es auch nicht sehr viel besser aus.

Wie gehst du damit um?

Es war ein wirtschaftlich sehr schweres

Jahr, aber wir waren nicht in unserer

Existenz bedroht. Wir würden auch noch

ein Jahr Pandemie aushalten. Im Februar

2020 führten wir ein Team über den

direkten Polengletscher auf den Aconcagua.

Im Sommer gab es dann nur einen

Expeditionskurs in den Westalpen. Vergangenen

November hatten wir bereits

wieder die ersten Expeditionen in Nepal,

auf die Ama Dablam, Nirkeha und Mera

Peak. Aufgrund der Reisebeschränkungen

war das eine große logistische Herausforderung,

aber es hat alles geklappt. Menschen

wollen reisen, Abenteuer erleben,

hohe Berge besteigen. Ich gehe davon aus,

dass wir in den nächsten Wochen und

Monaten sowohl den Everest als auch die

Karakorum-Saison mit K2, Broad Peak,

Gasherbrum I und II durchführen können.

Natürlich mit entsprechendem Corona-

Sicherheits- und -Hygienekonzept und

eigener Teststrategie.

Du bist verheiratet, hast zwei Kinder

und bist doch viele Monate im Jahr auf

den Bergen der Welt unterwegs. Wie

kriegst du das alles unter einen Hut?

Mittlerweile hab ich meine eigenen Expeditionen

sehr reduziert. Schließlich möchte

ich miterleben, wie meine Kinder aufwachsen.

Eigentlich bin ich nur mehr beim

Everest selbst dabei. Und bei ein bis zwei

kleineren Expeditionen, wo ein Filmprojekt

dranhängt oder wir neue Ziele erkunden.

Dank Vorakklimatisation geht das heute

alles viel schneller.

Eine letzte Frage: Welches bergsteigerische

Ziel hast du eigentlich noch?

Im Moment stehen Familie und Unternehmen

im Vordergrund. Ich möchte das

Höhenbergsteigen weiterentwickeln. Da

gibt es noch viel Luft nach oben.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE

REINHOLD OBLAK

ZUR

PERSON

Der Tiroler Lukas Furtenbach, 42,

hat in seinem Leben schon viel

erlebt. Der ausgebildete Geograf

war etwa Shrimpsfischer in den

USA, Private Concierge in Belize

oder Flyfishing-Guide in Kanada.

Er ließ sich auf einer unbewohnten

Atlantikinsel aussetzen, ist

Steilwandskifahrer und bestieg

als erster Österreicher den Everest

von der Nord- und Südseite.

Mit der Gründung von furtenbachadventures.com

trat er als

Anbieter ins kommerzielle Höhenbergsteigen

ein. Furtenbach ist

verheiratet, hat zwei Kinder und

lebt in Innsbruck.


82 tirol.sozial tirol.sozial

83

ZUR AUTORIN

DGKP MARTINA

BACHLER

Martina Bachler ist diplomierte

Gesundheits- und Krankenschwester

und seit 2019 bei der

GemNova tätig. Sie verantwortet

die Aus- und Weiterbildung im

Bereich Pflege und ist mit ihrem

umfangreichen Wissen eine Expertin

auf ihrem Gebiet.

Kontakt: m.bachler@gemnova.at

Das Jahr 2020 hat sehr überzeugend

gezeigt, welche

Bedeutung Würde und Menschenrechte

für den und im

Beruf Pflege haben. Eine gute

und von Transparenz gekennzeichnete

Zusammenarbeit

ist gerade beim Thema „FBM“

daher zwischen Heimen und

Bewohnervertretungen enorm

wichtig! In meiner Wahrnehmung

funktioniert die Synergie

zwischen beiden erfreulich und

mit gegenseitiger Achtung –

zum Vorteil der bei uns lebenden

Menschen. Dennoch denke

ich, ein Mehr an Schulungen

in dieser Sache wäre sehr

willkommen und ist natürlich

immer sinnvoll.

RICHARD KUSTER,

KLARAHEIM DER

TERTIARSCHWESTERN

SelbstbestimmTes

Leben

Ein Leben in Sicherheit mit Freiheit und Selbstbestimmung sind

Qualitätsmerkmale unserer Gesellschaft. Qualitäten, die sich im

zeitlichen Lebensablauf langsam auf- und wiederabbauen.

Wir werden in der Sicherheit unseres

Elternhauses geboren, und nach und nach

übernehmen wir Selbstverantwortung. Freiheit

ist uns dabei ein individuelles Bedürfnis

in allen Lebenslagen. Ein Bedürfnis, das

in seiner Stärke variiert. Es ist abhängig

von unserer Persönlichkeit, den individuellen

Lebenserfahrungen und der aktuellen

Situation. Bedürfnisse sind nicht dauerhaft

messbar vorhanden. Sie verändern sich im

Laufe des Lebens.

Freiheit im Erwachsenenleben ist geregelt.

Gesellschaftliche Normen und Gesetze

geben uns vor, was wir frei entscheiden

und bestimmen. Wir kennen die Rahmenbedingungen

und wissen genau, wo wir

uns einfügen und unterordnen. So unterscheiden

wir Arbeitszeiten von Freizeiten

usw. Denken wir an unseren Lebenslauf.

Wir starten mit wenig Freiheit und Selbstbestimmung,

verbuchen jeden Schritt in

unsere Selbstständigkeit als Erfolg bis in

unser Erwachsenendasein. Und irgendwann

– dreht sich das Blatt.

Nach langer Zeit mit mehr oder weniger

Selbstständigkeit beginnt der Alterungsprozess,

wir werden körperlich und geistig

schwächer, brauchen wieder Hilfe und

Fürsorge. Das fällt uns schwer. Und dazu

geben wir langsam unsere Freiheit und

Selbstbestimmung, Schritt für Schritt, wieder

ab.

In unseren sozialen Einrichtungen werden

hilfsbedürftige Menschen gepflegt und

umsorgt. Sie erhalten Pflege in Form von

Betreuung und Hilfe. Pflegekräfte machen

jeden Tag aufs Neue eine professionelle

Bestandsaufnahme: Wie viel Freiheit und

Selbstbestimmung ist noch möglich? Ist

„JEDER HAT DAS

RECHT AUF LEBEN,

FREIHEIT UND

SICHERHEIT DER

PERSON.“

UN-MENSCHENRECHTS-

CHARTA IN ARTIKEL 3

Langzeitpflege in der Pandemie

– eine Berufsgruppe muss sich

neu erfinden …

Unverzichtbar: eine Bildungsoffensive

in der Qualitätssicherung

Pflege und ein sensibles

Abwägen zwischen „Bewohnergesundheit“

versus „Bewohnerfreiheit“

– Lebensqualität …

MARTINA MAIR,

WOHN- UND PFLEGEHEIM

FLIRSCH

ein ausreichendes Maß an Sicherheit

gewährleistet? Wie groß ist die Sturzund

Verletzungsgefahr? Eine tägliche

Gratwanderung, bei der auch die eigenen

Grenzen der Pflegekraft überschritten

werden. Grenzen der Belastbarkeit …

Pflegekräfte garantieren für die Sicherheit

ihrer Schützlinge, haben die Aufgabe der

professionellen Pflegeberatung, strukturieren

den Pflegeplan, um Schäden zu vermeiden,

helfen und beaufsichtigen, wann

immer sie können. Was aber passiert mit

jenen Menschen, die aufgrund einer psychischen

Erkrankung oder geistigen Behinderung

selbstgefährdend sind oder sogar

OBEN:

Frau Emmi Unterrainer mit

der Bereichsleitung der Station

„Sonnenplatzl“ Andrea

Schwaiger (© Sabine Thaler)

OBEN:

Martina Mair (rechts) mit

Kolleginnen aus ihrem Team

im Wohn- und Pflegeheim

Flirsch (© Martina Mair)

andere Menschen gefährden? Jene, die

eine Gefahr nicht mehr erkennen – wieviel

Recht an Freiheit und Selbstbestimmung

haben diese?

Die Beachtung der Würde und der Menschenrechte

ist die Aufgabe der professionellen

Pflege. Sollte zur Erhaltung der

Sicherheit eine gesetzlich legitimierte

Freiheitsbeschränkung zur Anwendung

kommen, dann immer nur mit jenen Mitteln,

die diese Selbstbestimmung am

wenigsten beeinträchtigen und die soziale

Integrität und Menschenwürde erhalten.

Für diese schwierigen pflegefachlichen

Entscheidungen und Herausforderungen

braucht es Erfahrung, Kommunikationsfähigkeit,

Fachkenntnis zur Gesetzeslage, zur

Dokumentation und vor allem Kenntnisse

über alternative Pflegetechniken.

GemNova bietet eine neue Fortbildungsreihe

für Pflegekräfte in allen Einrichtungen:

Pflege Online. Die Kurse sind als Blended

Learning konzipiert und beinhalten die

fachliche Begleitung beim Selbststudium,

Online-Sprechstunden, praktische Reflexionen,

Arbeitsaufträge und Praxisanleitung

vor Ort in der Einrichtung. Der erste Kurs

– freiheitseinschränkende Pflegemaßnahmen

– gibt Klarheit über das Thema

Freiheit und Selbstbestimmung und kann

bereits gebucht werden.

Ich bin DGKP und arbeite im Wohnund

Pflegeheim Ebbs. In unserem

Haus wird in vier Pflegeteams

gearbeitet; es wohnen 97 Klient*innen

im Haus. Seit März 2020 ist

es für uns alle (Pflege, Verwaltung,

Wirtschaftsbereich, Ergotherapie,

Physiotherapie) eine besondere

Herausforderung, aufgrund

der Bestimmungen und Empfehlungen

vom Land Tirol bezüglich

Covid-19-Maßnahmen weiterhin

gemeinsam gute Arbeit und Pflege

zu leisten.

In unserem Haus herrscht eine

sehr hohe Wertschätzung gegenüber

allen Mitarbeiter*innen.

Somit ist es für uns alle wesentlich

leichter, diese Krise zu überstehen,

weiter ein „gemeinsames

Miteinander“ zu leben und sich

auch ständig weiterzuentwickeln.

Besonders jetzt sind die Kontakte

zu Angehörigen, die Gespräche

mit Angehörigen sehr intensiv, und

auch die Seelen der Bewohner*innen/Klient*innen

benötigen nun

vermehrt unsere ganze Zuwendung

und Aufmerksamkeit. Ohne

eine stabile Struktur des Heims,

von Heimleiter, Pflegedienstleister,

Bereichsleiter, wäre das nie möglich.

Für mich sind Fort- und Weiterbildungen

in ALLEN Bereichen sehr

wichtig und notwendig, denn nur

so kann Qualitätssicherung in der

Pflege geleistet und der Austausch

mit anderen Institutionen gelebt

werden und können Diskussionen

und Erfahrungsaustausch mit Kolleg*innen

erfolgen. All dies kommt

letztendlich unseren Klient*innen

und allen Mitarbeiter*innen im

Wohnheim zugute.

SABINE THALER,

WOHN- UND PFLEGEHEIM

EBBS


MAZON

ST BÖSE,

DIE KLEINEN SOLLEN

IESELAUTOS

WELT RETTEN.

IND BÖSE,

RIMARK

ST BÖSE,

ISH IST

84

tirol.kultur

Hier könnte IHRE WERBUNG

stehen!

Tut sie aber nicht.

Sondern meine.

Gabriel Castañeda

Kabarettist und Autor

Amazon ist böse, Dieselautos sind böse, Primark

ist böse, Wish ist ultra böse, und in den Urlaub

fliegen ist so verpönt wie Fußpilz im Hallenbad.

Die Liste der Geschäfte und Online-Portale, in

denen die Österreicher*innen nicht einkaufen

sollen, ist lang. Der Konsument soll bitte die heimische

Kaufkraft stärken. Am besten, er kauft

sein Fleisch vom Bio-Bergbauernhof um die Ecke,

die Patschen von der ICH-AG-Nachbarin, die Stereoanlage

beim

ansässigen Elektrohändler

und

macht Urlaub im

Nachbarort. Der

Konsument ist

durch sein egoistisches

Kaufverhalten

schuld

an der Massentierhaltung,

am

Transit, an der

Klimakrise, an der

Ausbeutung asiatischer

Kinder in

der Textilindustrie

und natürlich

auch an der Verödung

des eigenen

Ortes, weil

er in den kleinen

Geschäften in der

Innenstadt nicht

mehr einkauft.

AUTOR

GABRIEL CASTANEDA

Verstehen Sie mich nicht falsch. Natürlich sind

Amazon und Co „böse“, und natürlich ist „der

Konsument“ schuld, aber wieso nur er? Ich stelle

mir folgende Frage: Der „kleine Konsument“ liest

täglich in den Nachrichten, wie viele Steuern

Starbucks, Amazon, IKEA, KTM usw. NICHT

bezahlt haben. Steuervermeidung gehört im Big

Business zum guten Ton, und wenn es also ok

ist, dass milliardenschwere Konzerne das „Geiz

ist geil“-Prinzip durchziehen, warum spricht man

diesen Wunsch dem kleinen Konsumenten ab?

Der Paul, die Irmgard, der Johannes und die

Maria sollen jetzt mit ihren 1.600 Euro netto

im Monat die heimische Wirtschaft, das Gasthaus,

den kleinen Lebensmittelhändler und den

Kinderskilift retten? Könnte schwierig werden.

Auch in Tirol veröden die kleineren Orte zusehends.

Und auch hier werden die Kleinen allein

das Ruder nicht herumreißen. Jeff Bezos oder

René Benko werden in den meisten Tiroler Orten

eher nicht investieren. Wer bleibt übrig? Die regionale

Hautevolee und die Gemeinden. Wer in 15

Jahren noch in einem lebenswerten Ort leben

will, wird aktiv mithelfen müssen, denn der Paul

und die Irmi werden’s nicht alleine schaffen. Und

irgendwann wird man auch die Big Player zur

Kasse bitten müssen.

ZUR PERSON

WWW.CASTANEDA.TV

ALLES NEU IM FRÜHLING

Der Frühling eignet sich hervorragend, um etwas Neues zu beginnen. Unsere Kurse und Weiterbildungen im

aktuellen Blended Learning Format bringen Sie persönlich und beruflich ans Ziel.

NÄCHSTE SEMINARE

AB 22. MÄRZ 2021

PFLEGE ONLINE

Frau Erna hat ein Problem: Freiheitseinschränkende

Pflegemaßnahmen! Mittels Blended

Learning und Praxisanleitung täglich verfügbar

AB 15. APRIL 2021

WIR ALLE SIND GEMEINDE

Fit für Bauamt und Bauhof!? E-Learning-Kurs

AB 21. APRIL 2021

SEI NICHT WIE DIE TITANIC

Erkenne den Eisberg – (Leichter) Führen

mit Neuer Autorität

AB 10. JUNI 2021

GEMEINDESEMINAR

Der Tiroler Bodenfonds

Alle aktuellen Fortbildungsveranstaltungen,

ob online oder offline findet man unter:

www.gemeindeveranstaltungen.at

tirol.kultur

85

www.castaneda.tv

www.gemnova.at


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tirol.Kultur

tirol.Kultur

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GUTE

ZEIT FÜR

BÜCHER

Eine Generation, die ohne Selbstwert und

ohne Sprache heranwächst, weil ihr keiner

zuhört, und die sich nicht ausreichend

verständlich machen kann. – Darum geht

es in Melisa Erkurts Erstlingswerk. Veranlasst

durch ihre eigenen Erfahrungen

als Lehrerin hat die Journalistin ein Buch

über Bildungsverliererinnen und -verlierer

geschrieben, denen es durch ihren Migrationshintergrund

oft unmöglich gemacht

wird, aus den überkommenen Strukturen

des Systems auszubrechen. Kern des

Buches bilden eigene Erinnerungen an

die Doppelbelastung ihrer Kindheit, als

Melisa Erkurt ihre Eltern unterstützen

musste, da sie kein Deutsch konnten, und

sie selbst in der Schule ohne Unterstützung

Leistung erbringen musste.

EMPFOHLEN VON

DIPL. SOZ. PÄD.

KATHRIN MALINA

Kathrin Malina hat im März 2016

als Sprachtrainerin bei der

GemNova begonnen, seit Mai 2019

ist sie zudem im GemNova-Bildungspool

für die Koordination der

Schulassistentinnen und Freizeitbetreuer

im Tiroler Unterland

zuständig.

Kontakt: k.malina@gemnova.at

„Generation Haram“ übt immer wieder

allgemeine Kritik am österreichischen

Bildungssystem: „Es scheint, als würde

das ganze Land hinnehmen, dass hier

eine Bevölkerungsgruppe über Jahrzehnte

hinweg auf der Strecke bleibt.“ Grund

dafür sei eine tiefliegende Ignoranz

gegenüber den kulturellen, sozialen und

häuslichen Verhältnissen, in denen Migrantinnen

und Migranten oftmals leben

– Schüler*innen, die sich mit mehreren

Geschwistern ein Zimmer, einen Computer

und eine schlechte dung

WLAN-Verbinteilen.

Zsolnay, Paul

Juli 2020

192 Seiten, € 20,60

Das Besondere an diesem Buch ist die

Perspektive einer Bildungsaufsteigerin, die

verschiedene kulturelle Milieus von innen

her kennt und weiß, wie es sich anfühlt,

wenn man sich fremd im eigenen Land

fühlt. Melisa Erkurts ausgeprägtes Gespür

für gesellschaftliche Widersprüche prägen

den Ton des Buchs – streitlustig, kämpferisch

und manchmal spöttisch. „Generation

Haram“ ist ein Buch, das jede und

jeder lesen sollte, die oder der nur etwas mit Bildung zu tun

irgendhat.

GENERATION

HARAM

MELISA ERKURT


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tirol.Kultur

tirol.Kultur

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Tief im Marschgebiet von North Carolina,

dort, wo das Land langsam ins Meer übergeht

und neben Möwen und Insekten nur

ein paar Fischerboote gelegentlich den

Sumpf durchqueren, spielt der Debütroman

von Delia Owens. In ihm beschreibt

die amerikanische Zoologin die Lebensgeschichte

eines Mädchens, das in dieser

einsamen Umgebung aufwächst und lernt,

mit und von der Natur zu leben.

Der Roman vereint viele Genres und verbindet

sie gekonnt: eine moderne Robinsonade,

ein bisschen Coming-of-Age, eine

Naturerzählung, dazu Liebesgeschichte

und obendrein auch noch ein Krimi. Die

Hauptfigur Kya ist die jüngste Schwester

in einer Großfamilie, die in den 1950er

Jahren unter ärmlichen Bedingungen in

einem Häuschen in der Marschlandschaft

lebt. Durch den Alkoholmissbrauch des

Vaters zerfällt die Familie nach und nach

und überlässt das junge Mädchen seinem

Schicksal.

Im Laufe der Jahre muss Kya lernen, allein

zu überleben, und wird dabei von der Dorfgemeinschaft

immer weiter in die Einsamkeit

getrieben. Nur die Natur gibt ihr

Halt, versorgt sie und spendet der Außenseiterin

Trost. Als Jahre später die Leiche

von Chase Andrews gefunden wird, einem

angesehenen jungen Mann aus dem Ort,

ist für die Bewohner des Städtchens klar,

dass nur Kya, das merkwürdige Marschmädchen,

schuld an seinem Tod gewesen

sein kann.

Wortgewandt, gefühlvoll und poetisch

beschreibt Delia Owens menschliche

Abgründe, Einsamkeit, Verzweiflung,

aber auch Freundschaft und Liebe und

vor allem die einzigartige Natur der Marschen

an der Küste North Carolinas.

DARK

CANDICE FOX

Eine ehemals angesehene Ärztin, die nach einer Haftstrafe ihr

Leben wieder in den Griff bekommen muss, eine Polizistin, der eine

unerwartete Erbschaft in den Schoß fällt, eine talentierte Diebin,

die ihre Tochter wiederfinden möchte, und eine Gangsterin, die vor

nichts zurückschreckt – das sind die vier ungewöhnlichen Hauptfiguren

in Candice Fox‘ Roman „Dark“. Die vier Frauen, die nicht

unterschiedlicher sein könnten, machen sich auf die Suche nach

einem verschwundenen Mädchen.

Die Autorin entwirft in ihrem neuen Thriller einen ausgefeilten Plot,

der bis zum Ende spannend bleibt, und lässt ihr exzentrisches Team

zwischen skurrilen Nebenfiguren ermitteln.

Große Teile der Erzählung schlittern in rasantem Tempo am Rande

eines Wahnsinns entlang, der die Leserinnen und Leser völlig mitreißt.

Manches bleibt zunächst rätselhaft, doch nach und nach fügen

sich die Hintergrundgeschichten und Ereignisse wie Puzzlestücke

ineinander. Ungewöhnliche Protagonistinnen, irrwitzige Ereignisse

und eine Menge tiefschwarzer Humor sind die Zutaten für den

gelungenen Start dieser neuen Krimireihe.

DER GESANG

DER FLUSSKREBSE

DELIA OWENS

Heyne Verlag, Jänner 2021

464 Seiten, € 11,77

Thomas Wörtche

November 2020,

395, € 16,50

EINMAL

NOCH

SCHLAFEN

DANN IST

MORGEN

MANUEL RUBEY

EINE KURZE

GESCHICHTE

VON FAST

ALLEM

BILL BRYSON

Manuel Rubey ist vermutlich vielen als

erfolgreicher Film- und Fernsehdarsteller

und Kabarettist in seinen Bühnenshows

bekannt. Jetzt hat er sein erstes Buch

geschrieben. Darin geht es um ganz Privates,

verbunden mit etwas Fiktion – und

seinen großen Faible für Listen, die sich

über das ganze Buch verteilen. Diese sollen

bei der Entschleunigung im hektischen

Alltag helfen und Struktur ins Chaos bringen.

In einer Zeit der ständigen Überanstrengung

beendet Rubey toxische Beziehungen,

befreit sich von Panikattacken

und hört mit dem Rauchen auf.

Mit seinem Debüt als Autor ist ihm ein

interessantes Werk gelungen, das nicht

so recht in eine Kategorie zu stecken ist.

Sachbuch oder Biografie, Ratgeber oder

Roman, es lässt sich schwer sagen, aber

ein Buch ist es auf jeden Fall. Es erzählt

aus Rubeys Leben mit Arbeit, Freizeitstress,

Beziehungszwängen und Seelenmüll,

vermischt mit Zitaten – mal von Hermann

Hesse, mal von Rubeys Nachbarn.

Witzig, kurzweilig, verrückt, das macht

den einzigartigen Reiz des Buches aus.

Außerdem gibt es viele Serien-, Buch- und

Filmtipps, dazu persönliche Gedanken –

und ein bisschen Klatsch und Tratsch ist

auch dabei.

„ICH WILL FORMEL-1-

FAHRER WERDEN,

WEIL DAS IST EIN

BERUF, DER IM SITZEN

AUSGEFÜHRT WIRD.

AUSSERDEM IST MAN

BERÜHMT.”

MANUEL RUBEY ALS 5-JÄHRIGER

Molden Verlag, August 2020

192 Seiten, € 22,58

„Wenn wir die Arme auf beiden Seiten so weit wie möglich ausstrecken und uns vorstellen, sie stellten

die 4,5 Milliarden Jahre dar, die unsere Erde existiert, dann nimmt das Präkambrium die Entfernung

von den Fingerspitzen einer Hand bis zum Handgelenk der anderen ein. Die gesamte Geschichte der

komplexen Lebensformen spielt sich in der zweiten Hand ab, und die gesamte Menschheitsgeschichte

könnte man mit einem einzigen Strich einer Nagelfeile auslöschen.“

So plastisch erklärt Bill Bryson in diesem Buch die relative Bedeutungslosigkeit der menschlichen

Existenz. Er zeichnet die Geschichte der Naturwissenschaften von der Astronomie über die Geologie,

Chemie und Physik zur Entstehung der Erde und erzählt von frühen Erkenntnissen und heutigem Wissensstand.

Dabei ist Bryson kein Wissenschaftler, sondern Journalist. Weil er eines Tages merkte, dass

er so gar nichts wusste über das, was ihn im Alltag umgab, machte er sich auf, die Welt ein bisschen

besser zu verstehen. Seine Fähigkeit, viel Information in sehr kurzweiliger Form zu transportieren,

macht das Buch so lesenswert. Auf diese Weise schafft es Bill Bryson zu begeistern, und seine Neugierde

wirkt so ansteckend wie gute Laune.

Goldmann Verlag, September 2005, 688 Seiten, € 10,79


90 tirol.traditionell tirol.traditionell 91

Musik schwingt

in Osttirols luftigen Höhen

Unternimmt man eine Ski- oder Bergtour in Osttirol, kann man mit etwas Glück den Klang einer

Trompete vernehmen. Das mag zunächst nichts Außergewöhnliches sein. Schließlich ist Musik Teil

der Tiroler Tradition und wird auf vielen Hütten gespielt. Doch wenn Musik direkt vom Gipfel des

höchsten Bergs Österreichs, des Großglockners oder vom Glödis, dem Matterhorn Osttirols, herabklingt,

dann ist das ungewöhnlich.

Dabei handelt es sich nicht um eine

akustische Täuschung oder ein außergewöhnliches

Naturphänomen. Hinter

den Trompetenklängen steckt der

Kalser Bergwanderführer und Musiker

Martin Gratz. Er hat es sich zur Tradition

gemacht, nach einem erfolgreichen

Gipfelsturm seine Trompete aus dem

Rucksack zu holen und ein Lied zu spielen.

Die Trompete ist fester Bestandteil

seiner Bergausrüstung: Egal ob es auf

den Großglockner geht, einen der vielen

anderen Berge in Osttirol oder ob Gratz

mit einer geführten Wandertour durch

den Nationalpark Hohe Tauern unterwegs

ist – das Instrument hat er immer

dabei. „Die Trompete hat mich bereits

auf vielen Bergtouren begleitet. Sie war

sogar schon mit auf dem Matterhorn“,

sagt Martin Gratz.

Alter Glanz zu neuem Leben erweckt

Zu seiner Trompete hat der Kalser ein

besonderes Verhältnis. Die beiden haben

sich buchstäblich gefunden, weil zusammenführt,

was eben zusammengehört.

„Vor Jahren war ich in einem Musikgeschäft.

Dort fand ich diese Trompete. Sie

war in keinem guten Zustand und nicht

bespielbar. Der Verkäufer sagte zu mir,

wenn ich einen Ton aus der Trompete bringe,

dann könne ich sie einfach so haben“,

erzählt der studierte Musiker. Gratz setzte

an und tatsächlich gelang es ihm, einen

Ton zu erzeugen. Damit gehörte das Instrument

ihm. Er ließ die Trompete kurz darauf

professionell reparieren und bespielbar

machen. Seitdem ist sie mit ihm nicht nur

in den Bergen unterwegs, sondern auch

bei verschiedenen Konzerten und Auftritten,

beispielweise mit dem Iseltaler Blechbläser-Ensemble.

BILD: Alles schwingt: Musik ist ein Teil der

Natur, lautet die Philosophie von Martin Gratz.

(© Martin Gratz)

Auf die Frage, warum er ausgerechnet in

luftigen Höhen oder nach einer Wanderung

ein Lied auf der Trompete spiele, antwortet

Gratz ganz philosophisch: „Musik gehört

für mich zur Natur, denn alles schwingt.

Die Natur ist in Schwingung, damit auch

die Berge, und Musik ist ebenfalls nichts

als melodische Schwingung. Es geht einfach

zusammen.“ Für den Musiker gibt es

nichts Schöneres, als sich diesen Schwingungen

hinzugeben und aus der jeweiligen

Stimmung heraus eine Melodie anzustimmen.

Nicht nur Gratz bereitet das Freude,

sondern auch vielen anderen Menschen,

von denen manche sogar tief bewegt sind.

Musik ist eine Sprache, die jeder versteht

„Als ich letztes Jahr oben am 3.206 Meter

hohen Glödis war, spielte ich ‚Hallelujah‘

von Leonard Cohen. Diesen Moment filmte

ein Bergsteiger. Er schickte mir diesen

kleinen Clip, den ich auf Facebook stellte.

Dazu schrieb ich ‚Dieser Film ist all jenen

gewidmet, die in den Bergen ihr Leben

ließen. Danke, dass wir anderen gesund

heimkehren dürfen.‘ Innerhalb kürzester

Zeit erhielt dieser Post über 10.000 Klicks.

Das überraschte und bewegte mich“,

gesteht Martin Gratz. Ein weiteres Beispiel

für emotionale Momente, in denen

eine einzigartige positive Wechselwirkung

zwischen Natur und Trompetenspiel entsteht,

sind die von Martin Gratz geführten

Gästetouren im Nationalpark Hohe

Tauern, die er zu Tagesanbruch unternimmt.

Kurz vor Sonnenaufgang holt er

seine Trompete aus dem Rucksack, setzt

an und begrüßt den gerade erwachenden

Tag mit einem Lied.

Trompetenklänge vermitteln Emotionen

und Botschaften

Welches Musikstück Martin Gratz spielt,

wird aber nicht nur durch die jeweilige

Stimmung bestimmt. Wenn er mit seinen

Gästen durch die Bergwelt Osttirols

streift, sind auch Geburtstage, Hochzeitstage

oder Jubiläen Inspiration für ihn. So

kann es „Happy Birthday“, „Ave Maria“

oder ein spezieller Wunsch eines Gastes

sein, das der passionierte Trompeter

darbietet. Jeder dieser Augenblicke

ist für die Menschen etwas Besonderes.

Sie lauschen andächtig den Klängen der

Trompete, der Botschaft des Musikstücks

– und das immer vor der beeindruckenden

Kulisse der Osttiroler Berge. Die Musik

wird auf diese Weise viel intensiver wahrgenommen,

wie der Musiker etliche Male

beobachten konnte.

„Musik hat etwas

Magisches und

Verbindendes. Sie

berührt die Herzen

der Menschen. Es

ist eine Form von

Kommunikation,

eine Sprache, die

jeder versteht.“

„Musik hat etwas Magisches und Verbindendes.

Sie berührt die Herzen der

Menschen. Es ist eine Form von Kommunikation,

eine Sprache, die jeder versteht.

Daher heißt es auch aus gutem Grund:

Musik verbindet über Grenzen hinweg.

Ich spiele Musik nicht nur aus der reinen

Freude am Musizieren heraus. Es hat für

mich jedes Mal eine tiefere Bedeutung.

Wenn ich in dieser herrlichen, ursprünglichen

Natur stehe und auf meiner Trompete

spiele, schwingt auch leise die Botschaft

des Friedens mit. Die Töne einer

Trompete vermitteln das auf eine klare,

einfache und schöne Weise“, sagt der Kalser

Musiker.

Man braucht sich also nicht zu wundern,

wenn man auf einer seiner nächsten

Bergtouren in Osttirol den Klang einer

Trompete vernimmt. Dann sollte man kurz

innehalten und den Augenblick genießen.

Es ist bestimmt Martin Gratz, der mit

seiner Trompete von irgendeinem

Gipfel eine frohe Botschaft

in die Welt hinaussendet.

AUTOR JAN SCHÄFER

Wer ist

Martin

Gratz?

Martin Gratz wurde 1966 in Kals

am Großglockner geboren und lebt

auch dort. Er war Mitglied der Militärmusik

Tirol und studierte am

Tiroler Landeskonservatorium Instrumental

und Gesangspädagogik.

Gratz ist ausgebildeter Bergwanderführer

und Nature-Watch-Guide.

Sein Performance-Projekt „Mythos

Großglockner“ sorgte für internationale

Aufmerksamkeit. Ebenso machte

er sich als Filmemacher mit Dokumentationen

über Johann Stüdl und

Markgraf Alfred von Pallavicini einen

Namen.

Der vielseitige Kalser ist Kapellmeister

der Trachtenmusikkapelle

Kals am Großglockner. Er gründete

das Iseltaler Blechbläser Ensemble,

mit dem er federführend an

der Multivisions-Performance

„Friede-Freiheit-Fairness“ beteiligt

ist. Außerdem ist Martin Gratz erster

Obmann-Stellvertreter des Tourismusverbands

Osttirol und Bürgermeister-Stellvertreter

der Gemeinde

Kals am Großglockner.

BILD: Martin Gratz

und seine Trompete am

Gipfel des Großglockners

(© Martin Gratz)


92 tirol.bunt und vielfältig

tirol.bunt und vielfältig

93

DER DUFT

DES ORIENTS

Die Welt ist bunt, kunterbunt. Ein kleines, winziges Abbild davon findet sich am

Innsbrucker Marktplatz, in der Markthalle. Auch hier geht es um Vielfalt, die der Einfalt

entgegentritt. Bechir Benattia aus Tunesien ist ein Beispiel dafür. Und natürlich auch

Kurt Waldheim war damals Bundespräsident.

International war er aufgrund seines

ungeklärten Verhältnisses zur NS-Vergangenheit

isoliert, zu Staatsbesuchen wurde

er nur in den Vatikan und in ganz wenige

arabische Staaten eingeladen. So etwa

nach Tunesien. Und genau dort, beim offiziellen

Staatsbesuch Waldheims in Tunis,

Ende der 1980er Jahre, passierte es dann

auch. Bechir Benattia aus einem kleinen

Vorort von Tunis und Bettina aus Zirl lernten

sich kennen. Und verliebten sich ineinander.

„Ich kann mich noch sehr gut erinnern“,

so Bechir Benattia lächelnd. „Bettina war

zu der Zeit Kindermädchen an der österreichischen

Botschaft, ich selbst betrieb

eine gut gehende Bilderrahmenhandlung.

Kurt Waldheim brachte als Gastgeschenk

einen sündteuren Bösendorfer Konzertflügel

nach Tunis mit, zur Einweihung desselben

im Theater gab es ein großes Konzert.

Eingeladen dazu waren neben der offiziellen

Politik auch Diplomaten, Botschafter,

Künstler. Dann noch, wohl mehr am Rande,

Bettina und ich. Ja, so hat alles begonnen.

Langsam aber stetig, unaufhaltsam.“

Sidi Bou Said, Tunesien

Aufgewachsen ist Bechir übrigens in Sidi

Bou Said, einem kleinen, verträumten

Künstlerdorf am Felsen von Karthago,

gerade mal 20 Kilometer von Tunis entfernt.

Ein malerisches, buntes, kleines Dorf

direkt am Golf von Tunis, in dem Langsam-

und Gemütlichkeit bestimmend

seine Frau, Bettina. Eine kleine Bestandsaufnahme.

waren, heute wohl eine der bekanntesten

Tourismusattraktionen des Landes. Nachdem

er zwölf Jahre in London lebte, dort in

den 1970er Jahren das erste tunesische

Reisebüro für Europa eröffnet und auch

das Handwerk der Fotografie erlernte,

kehrte er nach Sidi Bou Said zurück. 1982

eröffnete er eine Bilderrahmenhandlung

samt Fotostudio, baute sich ein schönes

Haus direkt am Meer und bediente seine

Kunden, zumeist Botschafter und Künstler.

Einmal, und daran erinnert sich Bechir

noch heute gerne zurück, kam sogar die

Frau des ersten Präsidenten der Tunesischen

Republik, die einflussreiche und

später faktisch die Amtsgeschäfte führende

Wassila Ben Ammar, bei ihm im

Geschäft vorbei.

Was ihm dabei neben seinen handwerklichen

Fähigkeiten half, waren natürlich die

Sprachen. Bechir verfügt wohl über viele

Zungen, spricht er doch neben der Amtssprache

Arabisch auch perfekt Französisch

und Englisch. Und ein wenig Deutsch.

Bei seiner Stammkundschaft aus aller

Herren Länder ein großer Vorteil. Außerdem

verfügt er über ein äußerst gewinnendes

Wesen, über lachende Augen und ja,

er ist auch ein begnadeter Geschichtenerzähler,

für arabische Menschen freilich

nicht ganz ungewöhnlich.

Zirl, Tirol, Österreich

„Mich zeichnet das Fernweh aus, ich mag

einfach andere Länder, andere Kulturen,

Menschen mit einer ganz anderen

Geschichte“, sprudelt es aus Bettina heraus.

Für eine gebürtige Tirolerin – gut,

das mag ein vereinfachtes Klischee sein

– eher ungewöhnlich. Im zarten Alter von

18 Jahren zog es sie bereits an die österreichische

Botschaft nach Rom, gleich für

knapp vier Jahre. Als der Botschafter dann

nach Tunis wechselte, nahm er Bettina

gleich mit. Sie wagte somit einen noch

größeren Sprung und übersiedelte für neun

Jahre nach Tunesien. Zuerst als Kindermädchen

an der Botschaft tätig, lernte

sie in weiterer Folge eben Bechir kennen.

Im Sommer 1991 wurde schließlich geheiratet.

Wo? Raten Sie mal. Falsch, die Hochzeit

fand beim Goldenen Dachl im Herzen

von Innsbruck statt. Bettina in einem

bunt bestickten arabischen Hochzeitskleid,

Bechir in einem westlichen Leinenanzug

mit Strohhut am Kopf. Verkehrte Welten.

Nach der Hochzeit freilich ging es gleich

wieder zurück nach Tunesien. Drei Jahre

später wurde Adel, ihr erster Sohn geboren,

in Sidi Bou Said. Das Geschäft, die

Bilderrahmenhandlung, Sie erinnern sich,

lief ausgezeichnet, das Leben war einfach,

aber schön.

Zine el-Abidine Ben Ali

In dieser Zeit, eigentlich von 1987 bis

2011, hieß der tunesische Präsident Zine

el-Abidine Ben Ali, der das Land autokratisch,

nein, diktatorisch regierte. 2011, am

Höhepunkt des Arabischen Frühlings und

nach breiten öffentlichen Protesten, flüchtet

er dann Hals über Kopf nach Saudi-

OBEN: Folgen Sie einfach Ihrer

Nase und atmen Sie den Duft des

Orients. So finden Sie ganz schnell

zu Bechirs Stand „Tuareg Gewürze“.

(© Felix Richter)

Arabien. Doch zurück ins Jahr 1997 und zu

Bettina und Bechir. „Wir wohnten damals

an einem wunderschönen Platz, Wohnung

und Geschäft befanden sich in einem

Haus, und alles schien perfekt. Doch dann

wollte der Präsident direkt dort, wo wir

wohnten, sein neues Palais gebaut haben.

Somit wurde uns fast über Nacht alles

weggenommen. Das Geschäft, unser Haus,

unser ganzes bisheriges Leben. Ich habe

zwar noch einiges versucht, doch was soll

ich gegen den Präsidenten in einem fast

rechtlosen Land unternehmen“, erinnert

sich Bechir bitter zurück.

Es hieß, sich rasch neu zu organisieren,

die Koffer zu packen und ein neues Leben

aufzubauen. „Vor allem für Bechir ein fast

unerträglicher Einschnitt“, so Bettina, „weil

es gibt niemanden, der sein Land so liebt

wie er.“ Somit ging es also zurück nach

Österreich, nach Tirol, „heim“ zu Bettinas

ursprünglicher Familie nach Zirl. Wenig

später kam dann auch Aziz, der zweite

Sohn, zur Welt. Was für ein großer Lichtblick,

in dieser Zeit, 1997.

Marktplatz, Markthalle, Innsbruck

Jede Medaille hat zwei Seiten. Das Unglück

der Familie Benattia war das Glück von

Innsbruck. „Ende der 1990er Jahre haben

wir dann beim Eingang der Markthalle

in Innsbruck ganz klein angefangen. Wir

haben typisch tunesische Sachen verkauft,

allerdings nur am Samstag. Körbe, Handarbeiten,

freilich auch Gewürze, Olivenseife,

Kräuter. Das ist sehr gut angekommen,

vielleicht auch, weil es etwas Exotisches

an sich hatte. Und das zieht mitunter halt

Wir wohnten damals an einem wunderschönen

Platz, Wohnung und Geschäft befanden sich in

einem Haus, und alles schien perfekt. Doch dann

wollte der Präsident direkt dort, wo wir wohnten,

an“, erzählt Bechir. Wobei es noch eine

weitere Besonderheit gab: Wie damals in

Tunesien üblich, verzichtete Bechir seit

1999 auch in Tirol auf Plastik. Stattdessen

verpackte er seine Ware in selbstgemachten

Papiertüten.

Die Mundpropaganda trug dazu bei, dass

sich das Geschäft sehr positiv entwickelte,

schon bald wurde im Inneren der Markthalle

ein eigener Stand gemietet. Die

Kundschaft nahm weiter zu, was zuerst

ein Geheimtipp war, wird mittlerweile fleißig

auf Social Media geteilt. Die Benattias

sind wohl endgültig in Tirol angekommen,

wenngleich ein gewisses Kribbeln nahe

des Herzens bleibt. Bei Bettina, die vormittags

in einem Kindergarten arbeitet,

ist es wohl das Fernweh. Bei Bechir der

Blick zurück, in die Vergangenheit, nach

Sidi Bou Said.

AUTOR REINHOLD OBLAK

sein neues Palais gebaut haben.

LINKS: Bechir

Benattia ist unübersehbar,

sein kleines

Geschäft in der

Markthalle Innsbruck

überzeugt

mit typisch orientalischer

Atmosphäre.

(© Felix Richter)

TUAREG-GEWÜRZE

Am Marktplatz, in der Markthalle

Innsbruck, mitten im

Bauernmarkt. Freitag und

Samstag jeweils am Vormittag

geöffnet. Ein kleiner, feiner orientalischer

Laden. Das Angebot

reicht von selbst gemahlenen

und gemischten Gewürzen

über verschiedene Teemischungen,

feinen Ölen bis hin

zu arabischen Dattelkeksen.

Außerdem werden Rezepte verraten,

welche die Tür in die arabische

Küche weit öffnen. Was

es sonst noch gibt? Folgen Sie

einfach Ihrer Nase, Sie werden

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94

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handeln und dabei individuelle Wege wählen.

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vertrauen

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IMPRESSUM: Herausgeber, Medieninhaber und Verleger: GemNova Dienstleistungs GmbH | Adamgasse 7a, A-6020 Innsbruck, office@gemnova.at,

+43 (0) 50 4711, www.gemnova.at, © 2021. Herstellung und Druck: Alpina Druck GmbH, www.alpinadruck.com. Auflage: 11.500 Stück. Anzeigenverkauf:

Mag. Bernhard Müssiggang, www.bmw-agentur.at. Konzept & Gestaltung: Mitspieler – Kommunikation & Gestaltung, www.mitspieler.at. Textkorrekturen:

Text:Quell, Innsbruck, www.text-quell.at. Redaktionsschluss: 12.3.2021. Mit „Entgeltliche Einschaltung“ gekennzeichnete Artikel sind bezahlte Informationen

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