LYRISCHER GRÜNSCHNITT

texter


Prolog

Wenn die Ernte gut gelungen

wird ein Loblied oft gesungen.

Nur spärlich findet man Belege

für geglückte Gartenpflege.

Dieses Büchlein hier teilt mit

einem lyrischen Verschnitt.


Nützen durch Schützen

Was einst als Blütentraum geschwelgt

kommt in die Jahre und verwelkt.

Manch Traum wird so, da ungenutzt,

bedauert und zurückgestutzt.

Nicht selten treibt dann der Verschnitt

den nächsten Traum als Dünger mit.

Dem Gärtner ist solch Tun geläufig.

Daher kompostiert er häufig.

Wir, die wir solch ein Werk nicht üben,

träumen daher oft im Trüben.


Gegen Apartheid, für Vielfalt der Kräuter!

Sie wurzeln dort wo sie nicht sollten.

Als Unkraut werden sie gescholten.

Und haben dennoch ihren Wert.

Weil alles doch von allem zehrt.

Diese Einsicht zu erreichen

wünsche ich sehr auch meines Gleichen.


Scharf nachgedacht

Das Tagewerk von Heckenscheren

ist das Kürzen von Vermehren.

Doch schmälert man durch wildes Stutzen

oft für Andere den Nutzen.

Wer aber diesen Fakt bedenkt,

hat oft schon nützliches geschenkt.

Die Absicht nicht zu überstürzen

gilt grundsätzlich bei jedem Kürzen.

Auch ohne scharfen Ordnungssinn

bringt Gärtnern Freude und Gewinn.


Der alte Gärtner

Er ist durch Fleiß ganz unbenommen

auf manchen grünen Zweig gekommen.

Doch weist er auch, am Baum des Lebens,

blüht mancher Zweig hübsch, doch vergebens.

Daher dankt er still und klug,

dass sein Baumschnitt Früchte trug.


Natur belassen

Mittels straff gespannter Schnur

kultiviert der Mensch Natur.

Gleich ob Pflanzung oder Saat

alles schnurstracks akkurat.

Doch sorgt diese Art der Zähmung

bei der Schöpfung für Vergrämung.

Hat sich das Chaos ausbedungen.

Die Natur, sie bleibt verschlungen.


Logisch

Damit sich die Erträge bessern,

weis jeder Gärtner, er muss wässern.

Je nach Gusto und Interessen

fördert er daher das Nässen.

Weil er sich aber selbst auch schätzt,

wird sein Gaumen auch benetzt.


Was bleibt

April

Ginster und wilde Kirschen blühen

durch viel gärtnerisches Mühen.

Auf Balkone und Parzellen

blüht es gleichfalls auf Bestellen.

Denn, so lehrt uns die Erfahrung,

Blütezeit ist Seelennahrung.

Ganz gleich, wo und wie wir leben,

immer wird es Gärtner geben.


Eine Bitte

Ein Komposthaufen ist Beweis

für viel Umsicht und viel Fleiß.

Die der Gartenfreund erbringt

damit ihm Ernte Dank gelingt.

Was nach der Ernte nicht verdaulich

ist für den Kompost höchst erbaulich.

Hier schaffen Wurm und Krabbeltier

ein äußerst fruchtbares Revier.

Dieses gräbt des Gärtners Spaten

frisch ins Beet für neue Saaten.

Gedenkt beim nächsten Kürbis Kaufen

in Dankbarkeit dem Komposthaufen.


Wunsch

Ein Rasenplatz wünscht sich so sehr

das er eine Wiese wär.

Mit Blumen, Käfer, Schmetterlinge

und etwas Kleeblatt, falls das ginge.

Doch ständig wird er kurz gehalten.

Möge er seinen Traum behalten.


Zum Vergleich

Die Hecke hat schon viel gesehen.

Sah Gartenjahre kommen, gehen.

Und schützte mit Geäst und Blätter

manch Vogelnest vor Wind und Wetter.

Der Gärtner, der sie jährlich stutzt

und dabei Augenmaß benutzt

wird, wie sie am Haupthaar licht!

Und damit endet dies Gedicht.


Kurze Bemerkung

Der Pessimist ist oft bestürzt,

wenn man am Vertrauten kürzt.

Ein Optimist bekennt behände,

er gärtnert gerne

am verbliebenen Ende.


Standortwechsel

Zwischen eines Zaunes Lücke

drängen nach Außen voller Tücke

eine Anzahl Brombeerranken,

die dem Garten wenig danken.

Landgewinn ist ihr Kalkül

anstatt Regionalgefühl.

Sie finanzieren so ihr Flüchten

durch den Export von süßen Früchten.

Der Ökonom und Gärtner ahnt

das hier wohl eintrifft, was er plant.

Solch Expansion bringt oft Verlust.

Dies Beispiel hier macht es bewusst!


Natürlicher Kreislauf

Beiden zollt man kein Applaus.

Werder dem Blatt noch dessen Laus.

Falls der Gärtner sie bemerkt,

wenn er an der Pflanze werkt.

Und so kommt was kommen muss.

Erzürnt kommt er zu den Beschluß,

zügig, so wie hier beim Dichten,

die Plagegeister zu vernichten.

Jetzt ist die Sache aus gereimt.

Bis das das nächste Blättlein keimt.


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