Red Bulletin 0521 DE

online.magazines

DEUTSCHLAND

MAI 2021

€ 2,50

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

„DIE SECURITY

WAR UNS

AUF DEN

FERSEN.“

„WIR MUSSTEN IRRE

SCHNELL SEIN.“

SKATEBOARD-FOTOGRAF JAKE DARWEN

ÜBER DIE MAGIE DES AUGENBLICKS AM RANDE DES VERBOTENEN


E D I T O R I A L

SONNYBOY

AUF TOUR

Für seine spektakulären

Bilder geht Skateboard-Fotograf

Jake

Darwen bis an den

Rand des Erlaubten.

Beweise ab Seite 18.

26

Kilo wiegt die Ausrüstung,

mit der

Feuer wehrmann

Andreas Michalitz

100 Kilometer

in Rekord zeit lief.

Ab Seite 38

WILLKOMMEN

DER BESTE

MOMENT

Manche Augenblicke sind so perfekt,

dass wir sie am liebsten für immer festhalten

wollen. Nun, dem Neuseeländer

Jake Darwen, 28, gelingt genau das. Der

Fotograf reist um die Welt und lichtet

Skateboarder in Momenten ab, die eine

besondere Magie in sich tragen – etwa

inmitten sprudelnder Fontänen oder unter

einem vorbeidonnernden Flugzeug. Wie

ihm das gelingt? Durch besondere Leidenschaft

für seinen Beruf: „Du kannst nicht

aufhören, dich zu verbessern, das macht

süchtig.“ Ein Best-of seiner Bilder ab Seite 18.

Außergewöhnliche Passion steckt auch hinter

dem Erfolg von Tarek Rasouli, 46. Nachdem er 2002

als Mountainbike-Freerider verunglückte und eine

Querschnittslähmung erlitt, fand er eine neue Lebensaufgabe.

Sie sollte ihn zu Europas wichtigstem Bike-

Manager machen. Seine ganze Geschichte ab Seite 62.

Viel Spaß mit der

neuen Ausgabe von

The Red Bulletin!

Die Redaktion

KÜNSTLER AUF

WELLENLÄNGE

Fotograf Lennart Brede

(re., u. a. „Vogue“, „Highsnobiety“)

lichtete

Deutschrapper Nimo in

der Hauptstadt ab. Die

ganze Story ab Seite 50.

JAKE DARWEN (COVER) BENE ROHLMANN

ASTRONAUT AUF

GEFÄHRLICHER MISSION

Schriftsteller Michael Köhlmeier

erzählt die Geschichte von John

Glenns Erdumrundung. Ab Seite 92

THE RED BULLETIN 3


INHALT

The Red Bulletin

im Mai 2021

COVERSTORY

18 HELDEN AUF BRETTERN

Skateboard-Fotograf Jake

Darwen begleitet Top-Fahrer

auf der ganzen Welt bei ihren

Stunts. Bei uns erzählt er

von seinen besten Bildern.

MUSIK

34 SONGS IN HIMBEERROT

Wenn Lea Lu singt, wird

ihre Welt ganz bunt – denn

jeder Klang ist für sie Farbe.

ULTRARUNNING

38 WIE DIE FEUERWEHR

Brandhauptmeister Andreas

Michalitz hält den Rekord im

100-km-Lauf in voller Montur.

WINGS FOR LIFE WORLD RUN

40 TEAM DER TRÄUME

Profi Tadesse Abraham hilft

Flüchtlingen mit seiner Trainingsgruppe

auf die Beine.

SKYDIVING

42 KOMET MIT HELM

Wie aus Stunts am Nachthimmel

Bilder mit besonderer

Leuchtkraft werden.

MUSIK

50 NIMO STARTET DURCH

Vom Gefängnis auf Platz eins

der Charts – der erstaunliche

Aufstieg des Hip-Hop-Stars.

6 GALLERY

12 ZAHLEN, BITTE!

14 FUNDSTÜCK

16 DAS PHILOSOPHEN-INTERVIEW

LAUFEN

56 IN HÖHEREM AUFTRAG

Wie eine Schweizer Freizeit-

Sportlerin mit dem Team Vatikan

nach den Sternen greift.

MOUNTAINBIKE

62 DER WEITER-MACHER

Wie der Münchener Tarek

Rasouli im Rollstuhl zu Europas

Bike-Manager Nr. 1 wurde.

E-MOBILITÄT

68 E WIE EHRLICH

Wie umweltfreundlich sind

Elektro-Autos? Eine Managerin

fordert neue Transparenz.

GUIDE

Tipps für ein Leben

abseits des Alltäglichen

75 TRAVEL. Paragleiten am Mont

Blanc mit Guide Calum Muskett.

80 GAMING. Ein Star-Spieler erklärt,

wie man eSport-Profi wird.

81 PLAYLIST. Elektroswing-Pionier

Parov Stelars Lieblingssongs.

82 RICHTIG GUTES ZEUG. Liebhaberstücke,

Tipps und Termine.

86 AUTOS & MOTORRÄDER.

Sportwagen, Transport-Talente und

drei Bikes für alle Fälle.

92 BOULEVARD DER HELDEN. Womit

Astronaut John Glenn kämpfte.

96 IMPRESSUM

98 CARTOON

50

WEICH GELANDET Rapper Nimo über die

entscheidende Wendung seines Lebens.

62

GUT AUFGELEGT Wie Bike-Manager Rasouli

aus einem Schicksalsschlag das Beste machte.

SCHNELL UNTERWEGS Camille Chenaux

läuft für das Team des Papstes.

56

LENNART BREDE, PHILIPP HORAK, NICOLA CARIGNANI, DUSTIN SNIPES

4 THE RED BULLETIN


42

SCHÖN GEFLOGEN

Der Kometen-Stunt

der Red Bull Air Force-

Skydiver am Nachthimmel

von Texas.

THE RED BULLETIN 5


ALDEYJARFOSS, ISLAND

Ein Fall für

Mr. Garcia

Der Pilot des roten Hubschraubers.

Der kühne Mann im blauen Wildwasserkajak.

Der Fotograf auf dem Felsen gegenüber.

Auf diesem Bild, aufgenommen im spektakulären

isländischen Hochland, zeigen drei

Profis, was sie können: Der amerikanische

Extrem-Kajakfahrer Evan Garcia stürzt sich,

gefilmt aus dem Helikopter, den 20 Meter

hohen Aldeyjarfoss-Wasserfall hinunter,

der tschechische Fotograf Jan Kasl

macht das Beste draus.

Abenteuer im Bild: jankaslphoto.com


JAN KASL

7


NEOM, SAUDI-ARABIEN

Fabelhaft

Wenn man nur lang genug von oben auf diese

Wüstenzunge am Golf von Akaba schaut,

dann taucht bald einmal ein schlafender Drache

auf. Hier sehen wir den Truck der Russen Anton

Shibalov, Dmitrii Nikitin und Ivan Tatarinov, der

am Drachenmaul furchtlos Staub aufwirbelt.

Die Besatzung hatte allerdings keine Zeit

für Fabelwesen, denn bei ihrer Teilnahme an der

Rallye Dakar – die nun zum zweiten Mal in

Saudi-Arabien stattfand – galt: voll aufs Pedal!

Der Franzose Éric Vargiolu hatte jedenfalls

den Finger zur richtigen Zeit am Auslöser.

Instagram: @eric_vargiolu

ERIC VARGIOLU/DPPI/RED BULL CONTENT POOL DAVYDD CHONG

9


ESBEN ZØLLNER OLESEN/RED BULL CONTENT POOL DAVYDD CHONG

SILKEBORG, DÄNEMARK

Ab durch

den Wald

Natürlich kostet es ein wenig Überwindung,

speziell an einem Wintermorgen, aber so eine

Wakeboard-Spritztour stärkt die Abwehrkräfte, die

wir jetzt dringend brauchen. In Dänemark wissen

sie das genau. Im Video „We, The Danes“ wird

gesunde Härte als Lebenselixier gefeiert. Unter den

Protagonisten: Board-Profi Robin Leroy Leonard,

hier bei einer erfrischenden Session auf einem See

bei Silkeborg in Zentraldänemark, fotografiert

vom Kopenhagener Esben Zøllner Olesen.

Das ganze Video gibt’s auf redbull.com.

Noch mehr Action: esbenzollnerolesen.com

11


Z A H L E N , B I T T E !

WINGS FOR LIFE WORLD RUN

Gemeinsam läuft’s besser

Zum achten Mal laufen Menschen am 9. Mai rund um den Globus zur

gleichen Zeit für den guten Zweck. Hier die beeindruckenden Zahlen –

von der ältesten Teilnehmerin zum imposanten Bananenverbrauch.

32,43

Kilometer schaffte Wings

for Life World Run-Dauerstarter

Andreas Goldberger, der 2020

rund um den Mondsee lief.

2.800.000

Euro Spendengeld wurden allein

beim Lauf im Vorjahr gesammelt.

7.378.113,6

Kilometer – fast zehnmal die

Distanz zum Mond und zurück

– legten die Teilnehmer

in sieben Jahren zurück.

6

Kontinente, 13 Zeitzonen und

195 Länder umspannt das

Teilnehmerfeld des Laufs.

95

Jahre alt war die bislang älteste Teilnehmerin.

Die Südafrikanerin lief 7,24 Kilometer.

22.287

Teams (also Gruppen von

Teil nehmern, die sich ein

gemeinsames Ziel setzen)

wurden bisher gegründet –

mehr, als es Fußball vereine

699.150

in Deutschland gibt.

Menschen haben seit 2014 am Wings for Life World Run teilgenommen.

4070

Menschen haben bislang

im Rollstuhl teilgenommen.

110

Tonnen Bananen wurden beim

Lauf verputzt. Das entspricht dem

Gewicht von 18 Elefantenbullen.

110410

war die Startnummer der Russin

Nina Zarina, die 2020 zum zweiten

Mal en suite die Weltbeste

bei den Frauen war: Sie hielt

bei 54,23 Kilometern, als das

virtuelle Catcher Car sie einholte.

59

Forschungsprojekte

in 13 Ländern unterstützt

Wings for Life derzeit. Ihr Ziel:

Querschnittslähmung

heilbar zu machen.

250.000

Rückenmarksverletzungen

passieren weltweit pro Jahr,

die Hälfte bei Verkehrsunfällen.

Melde dich an und lauf mit:

wingsforlifeworldrun.com

GETTY IMAGES, MARKUS BERGER FOR WINGS FOR LIFE WORLD RUN CLAUDIA MEITERT

12 THE RED BULLETIN


F U N D S T Ü C K

Die Beatles am Cover von

„Abbey Road“. Der Zebrastreifen

steht seit 2010 unter

Denkmalschutz.

THE BEATLES

Rock ’n’ Rolle

Original Klopapierrolle von der Toilette der Londoner Abbey Road Studios, 1969

Zwischen Februar und August 1969 nahm die berühmteste Pop-Band der Welt ihr letztes gemeinsames

Album auf. Es hieß genauso wie die Studios: „Abbey Road“. Auch unser Fundstück spielte eine Rolle:

„Die meisten Dinge liefen damals sehr flauschig ab“, heißt es dazu in einem Brief von einem EMI General

Manager, „nicht jedoch dieses Klopapier, das den Beatles zu hart und zu glatt war. Außerdem fanden sie

es erbärmlich, dass jedes Blatt von EMI gestempelt war. Die Rolle wurde sofort ausgetauscht.“

GETTY IMAGES, ALAMY

14 THE RED BULLETIN


© Jean Nouvel, Gilbert Lézénès, Pierre Soria et Architecture-Studio / Adagp, Paris, 2021

ALPHATAURI.COM


D A S F I K T I V E P H I L O S O P H E N - I N T E R V I E W

SOKRATES FRAGT

„Erkennst du dich selbst,

oder postest du noch?“

Social Media ist für ihn nichts anderes als der antike

Markt von Athen: eine Gelegenheit, bei der man die

Weltbilder seiner Zeitgenossen zum Einsturz bringt.

Wie das funktioniert, erklärt der große Denker

Sokrates in unserem fiktiven Interview mit dem

deutschen Philosophen Christoph Quarch.

the red bulletin: In den sozialen

Medien können Menschen sich

zeigen und einander begegnen

– selbst wenn sie physisch an verschiedenen

Orten sind. Ist das

nicht ein großartiges Instrument,

um miteinander ins Gespräch

zu kommen?

sokrates: Ha, da haben Sie mir

einen schönen Köder hingeworfen,

mein Freund. Denn Sie wissen ja genau,

dass ich ein riesengroßer Fan von

Gesprächen bin. Und warum nicht

auch mal chatten oder twittern?

Mir ist nur eines nicht ganz klar

dabei: Wer sind eigentlich diejenigen,

die auf Social Media

kommunizieren?

Wie meinen Sie das? Man nennt

diese Leute Nutzer.

Ja, das weiß ich. Aber was ist

das – ein Nutzer? Sehen Sie: Bei

uns im alten Griechenland kannte jeder die Tempelinschrift

in Delphi. Sie lautete: „Erkenne dich selbst!“

Deshalb frage ich jeden Nutzer, ob er sagen kann,

was es heißt, ein Nutzer zu sein. Verstehen Sie, was

ich meine?

Ja, schon. Und was ist aus Ihrer Sicht ein Nutzer?

Lassen Sie uns mal so tun, als wäre hier ein Nutzer,

den wir fragen könnten: „Hey Nutzer, wer bist du?“

– „Was ist das für eine komische Frage, schau dir mal

mein Profil an, dann weißt du’s.“ – „Okay, da finde

ich ein Foto und ein paar Infos über dich. Aber das

war doch wohl noch nicht alles.“ – „Na klar, ich kann

doch nicht mein ganzes Leben in mein Profil quetschen.“

– „Das will ich hoffen, aber dann bist du doch

offenbar etwas anderes als dein Profil. Oder sagen wir

so: Dein Profil ist ein Bild von dir – aber du bist nicht

mit diesem Bild identisch …“ Merken Sie, worauf ich

hinauswill?

„Den Leuten ist

jedes Mittel recht,

um attraktiv zu

scheinen, und sie

vergessen darüber,

attraktiv zu sein.“

Sie wollen sagen, dass man im Netz eigentlich nur

mit einem Bild von sich unterwegs ist, aber nicht

als die Person, die man eigentlich ist?

Genau das meine ich. Und jetzt kommt’s: Ein Bild kann

wahr oder falsch sein. Es kann das, was es abbildet,

getreu wiedergeben, es kann aber auch ein

Zerrbild sein. Meistens ist Letzteres der Fall:

Das Bild, mit dem Sie in sozialen Medien

unterwegs sind, gibt dann gar nicht

zu erkennen, wer Sie tatsächlich sind,

sondern nur, wer Sie gern sein wollen.

Es ist fast immer ein Wunschbild,

das Sie von sich haben. Und das ist

ziemlich oft ein verdammter Fake.

Heißt das, wir machen uns in den

sozialen Medien alle etwas vor?

Vielleicht nicht alle, aber viele. Es ist

wirklich wie früher auf dem Markt

von Athen. Die Leute wollen sämtlich

Aufmerksamkeit. Sie wollen

bewundert und wertgeschätzt

werden. Aus diesem Grund ist

ihnen jedes Mittel recht, um gut

und attraktiv zu scheinen – und

sie vergessen darüber, gut und

attraktiv zu sein. Das ist schade.

Haben Sie deshalb keinen

Facebook-Account?

Och, ich würd mir schon noch einen anlegen, denn

für Social Media gilt am Ende das Gleiche wie für

den Markt in Athen: Du kannst darin als Fake-Avatar

herumlaufen und dich mit deinem Profil verwechseln,

du kannst Social Media aber auch für Dialoge nutzen,

in denen du anfängst, dich selbst zu erkennen und

deine albernen Selbstinszenierungen als das zu durchschauen,

was sie sind: fruchtlose Schattenspiele, die

dich davon abhalten, wirklich du selbst zu sein.

SOKRATES (ca. 470–399 v. Chr.) ist die Galionsfigur der europäischen

Philosophie. Zu Lebzeiten war der griechische Denker

berühmt dafür, unreflektierte Selbst- und Weltbilder infrage

zu stellen. Damit zog er den Zorn vieler Mitbürger auf sich,

die ihn in einem fragwürdigen Prozess zum Tode verurteilten.

CHRISTOPH QUARCH, 56, ist deutscher Philosoph, Theologe,

Unternehmens-Coach und Autor zahlreicher philosophischer

Bücher. Zuletzt erschienen: „Platon und die Folgen“,

Verlag J. B. Metzler, Stuttgart.

DR. CHRISTOPH QUARCH BENE ROHLMANN

16 THE RED BULLETIN


FLÜÜÜGEL

FÜR DEN SOMMER.

MIT DEM GESCHMACK VON KAKTUSFRUCHT.

NUR FÜR

KURZE ZEIT

BELEBT GEIST UND KÖRPER ® .


P O R T F O L I O

„Wir hatten

nicht viel Zeit.

Die Securitys

waren uns auf

den Fersen.“

Skateboard-Fotograf

Jake Darwen über die Magie

des Augenblicks

am Rande des Verbotenen.

Text ANDREAS WOLLINGER

Volles Rohr

Anthony Schultz, Seoul,

Südkorea, 2016

„Vor dem größten Einkaufszentrum

Seouls steht diese perfekte Full Pipe.

Das Problem sind nur die vielen

Wachleute. Ein paar von den Jungs

lenkten sie ab, Anthony hatte Zeit

für genau zwei Versuche, dann haben

sie uns des Areals verwiesen.“

18 THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN 19


P O R T F O L I O

Unter dem

Regenbogen

Casey Ainsworth,

Adelaide,

Australien, 2015

„Casey entdeckte

diese wirklich steile

Bank (eine Schräge,

die Tricks zulässt;

Anm.) tagsüber, wir

gingen abends hin,

um ungestört zu sein.

Da stellten wir fest,

dass das Stadion beleuchtet

war, was die

Sache gleich noch viel

schöner machte.“

20 THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN 21


P O R T F O L I O

Nicht mal Fliegen ist schöner

Marius Syvänen, Tugun, Australien, 2018

„Fast zu schön, um wahr zu sein, aber diese Bowl

ist nur ein paar hundert Meter von der Landebahn

des Flughafens von Gold Coast entfernt. Marius

und ich stoppten, dass die Flugzeuge zirka alle

20 Minuten ankamen. Schwebte also ein Flieger

herein, legte Marius los. Es dauerte lang, bis wir es

präzise hinbekamen, aber das war es allemal wert.“

22 THE RED BULLETIN


Sprünge im Schulhof

Jake Hayes & Jordan Trahan,

Los Angeles, USA, 2019

„Klassische Schulhof-Session, mitten im Hochsommer.

Meine Blitzgeräte explodierten fast

in der Hitze, aber die Jungs behielten einen

kühlen Kopf und schafften es, ihre Kickflips über

den Tisch perfekt zu synchronisieren.“

THE RED BULLETIN 23


P O R T F O L I O

Big City, Bright Lights

Marquise Henry, Los Angeles, USA, 2020

„Ich war schon immer ein großer Fan davon, mein

Motiv von hinten zu beleuchten, wann immer ich

die Gelegenheit dazu habe. Die Art und Weise, wie

die Schatten dann mit dem Boden verschmelzen,

und das Glühen hinter der Person: Ich liebe es!“

Kunst und Können

Louie Dodd, Melbourne,

Australien, 2016

„Louie skatet immer an Stellen, die

so toll sind, dass man sich wünscht,

ihn dabei fotografieren zu können.

Glücklicherweise ging mein Wunsch

in Erfüllung: Diese abstrakte Skulptur

steht im Herzen von Melbourne.“

24 THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN 25


P O R T F O L I O

26 THE RED BULLETIN


Springen

im Brunnen

Dean Palmer,

Peking, China,

2014

„Ich wollte immer

schon jemanden in

einem Springbrunnen

fotografieren, aber

meistens wollen die

Leute nicht nass

werden. Als ich mit

Dean in Peking war,

fragte ich ihn, ob er

Lust habe. Nach fünf

Minuten war er tropfnass.

Er ist dann ins

Hotel zurück, holte

sich neue Klamotten,

und weiter ging’s.“

THE RED BULLETIN 27


P O R T F O L I O

Sicherheit ist relativ

Franky Villani, Los Angeles, USA, 2020

„Nach dem Ausbruch von Corona hatte ich einen Monat

lang kein Foto geschossen. Dann erkannten wir, dass

geschlossene Schulen sichere Orte waren – keine

Menschen weit und breit. Franky wählte prompt den

am wenigsten sicheren Trick: den 50-50 Grind Hippie

Jump – über das Geländer durch das Loch im Zaun.“

28 THE RED BULLETIN


Eine Frage des Gleichgewichts

Gabriel Summers, Melbourne, Australien, 2015

„Bis heute weiß keiner, wer das gebaut oder wozu es gedient

hat – eine wilde Konstruktion mit herausstehenden

Nägeln und Sperrholzstücken, die sich gegenseitig überlappen.

Gabriel musste wie ein Turner balancieren, um

sein Brett in die richtige Position zu bringen, und dann

einfach das Beste hoffen. Zum Glück ist nichts passiert.“

THE RED BULLETIN 29


P O R T F O L I O

Blitzaktion im Bahnhof

Ronnie Kessner, New York, USA, 2019

„Wir waren in diesem Bahnhof was essen. Beim

Rausgehen fiel mir auf, dass man von oben

ganz nach unten sehen konnte, was sofort eine

Fotoidee zündete. Ich verständigte mich mit

Ronnie via Handy, ein Assistent blitzte ihn zusätzlich

von oben, was den Schatten erzeugte.

Viel Zeit hatten wir nicht, die Securitys waren

uns schon auf den Fersen.“

30 THE RED BULLETIN


Verbotene Leidenschaften

Kayle Lawson, Melbourne, Australien, 2016

„Diese Stelle war jahrelang gesperrt. Doch dann haben

Einheimische die Sperren entfernt, und man konnte

genau zwei Wochen skaten. Im Bild: mein bester

Freund Kayle bei einem Switch Backside Lipslide.“

THE RED BULLETIN 31


P O R T F O L I O

32 THE RED BULLETIN


Mit 16 zog sich

Jake Darwen eine

Knieverletzung zu

– nicht lustig, wenn

man davon träumt,

Skateboardprofi

zu werden. Doch

der Sonnyboy aus

Auckland, Neuseeland, nutzte die

halbjährige Auszeit kreativ: Er legte

sich eine Kamera zu, um Teil der

Szene zu bleiben, wenn er schon nicht

selber fahren konnte. Schnell wurde

die Fotografie zu seiner neuen Leidenschaft,

wobei er den gleichen Zugang

wählte wie beim Skateboarden: „Du

kannst nicht aufhören, dich zu verbessern,

das macht süchtig“, sagt er.

Nach fünf Jahren in Australien zog er

schließlich nach Los Angeles und

zählt heute, mit 28, zu einem der

gefragtesten Skateboard-Fotografen

der Welt. Vor allem weil er es versteht,

die flüchtigen Tricks der Boarder

und ihre Umgebung mit wachem Blick

und perfektem Timing zu Gesamtkunstwerken

zu erhöhen. „Ich glaube“,

sagt er, „dass man ein Foto auf diese

Art dazu bringt, eine Geschichte

zu erzählen.“

Bilder aus Jakes Leben: Instagram: @jakedarwen

Tag der Fahne

Jake Hayes, Chongqing,

China, 2014

„Diese Flaggen fielen mir auf, als wir

von einem Spot zum nächsten unterwegs

waren. Ich kletterte auf einen

Baum, um den Blickwinkel richtig hinzukriegen,

und Jake machte ein paar

Kickflips. Zum Glück waren nirgends

Securitys.“

THE RED BULLETIN 33


Musik

„Meine Songs

sind dunkelgrün

und himbeerrot“

Wenn Lea Lu singt, wird ihre Welt ganz bunt – denn

jeder Klang ist für sie Farbe. Die Sängerin sieht Töne.

Und das gibt ihrer Musik einen einzigartigen Anstrich.

Interview SABRINA LUTTENBERGER

Foto CLAUDIO STRÜBY

Wenn Lea Lu auf die dunkle Seite

ihrer Seele wechselt – dorthin, wo

es ein wenig düsterer zugeht –, sieht

sie nicht schwarz, nein, sie hört

dunkelgrün.

Für die Sängerin, 36, steht Dunkelgrün

für F-Dur. Und zwar immer.

Denn Lea Lu ist Synästhetikerin.

Das heißt: Jeder Ton, jeder Akkord

lässt vor ihrem inneren Auge eine

bestimmte Farbe erklingen.

Nur einer von 20.000 Menschen,

schätzen Experten wie der Neuropsychologe

Lutz Jäncke von der Uni

Zürich, besitzt diese Gabe. Der russische

Maler Wassily Kandinsky soll

sie gehabt haben, US-Sängerin Lady

Gaga und der Frontmann der britischen

Popband Coldplay, Chris

Martin, sehen Töne wie Lea Lu.

Neue Studien gehen davon aus,

dass fast jeder Zwanzigste Töne

sieht, viele, ohne sich dessen bewusst

zu sein. Lange ahnte auch Lea

Lu nichts von ihrer Gabe, erst eine

Doku über Synästhesie öffnete ihr

die Augen. Dabei hatte sich die

Schweizerin schon als Sechsjährige

mit ihrer speziellen Fähigkeit durch

den Geigen-Unterricht geschummelt:

Statt der Noten merkte sie sich die

Farbfolge, die sie sah, wenn ihr die

Lehrerin ein Stück vorspielte.

Ob die Farbe vor ihrem inneren

Auge ihren Liedern einen besonderen

Klang verleiht? Wir meinen ja, ihrer

ersten Single „I Call You“ gibt sie

einen einzigartigen Anstrich, ihr dieses

Jahr erscheinendes Album verspricht

eine bunte Welt. Ein Happy

End, mit einem dunkelgrünen Start

in New York.

the red bulletin: Wenn du mit

anderen Musik machst, kann es

passieren, dass andere etwas

richtig gut finden, für dich aber

die Farbkombination nicht funktioniert?

lea lu: Ja, das kommt wirklich

vor. Wenn die Komposition toll ist,

die Farben aber langweilig sind,

beeinflusst das schon meine Wahrnehmung

des Songs. Oder zum Beispiel

F-Dur, das ist für mich immer

dunkelgrün, ein bisschen düster. Es

kann schon sein, dass ich dafür eher

melancholischere Themen wähle.

Auf der anderen Seite würde ich

niemals einen traurigen Song in

A‐Dur schreiben. A-Dur ist himbeerrot,

eine fröhliche Farbe!

Wie kann man sich das vorstellen,

wenn du Musik nicht nur hörst,

sondern siehst?

Es ist wie eine Farbebene, die immer

da ist, also auch jetzt, wenn wir

sprechen. Es gibt dieses Empfinden,

das mehr im Inneren des Körpers

stattfindet. Ich habe das nicht nur

bei Tönen, sondern auch, wenn ich

lese und Buchstaben sehe. Da sind

dann aber nicht die Buchstaben

farbig, sondern ich sehe die Farben.

Bei der Musik ist das eben auch so:

Es tauchen Farbnebel vor meinem

inneren Auge auf. Jeder Akkord und

jeder Ton hat in meinem Kopf eine

bestimmte Farbe. Und das ist immer

dieselbe.

Beeinflusst dich diese Fähigkeit

auch in anderen Bereichen?

Mir hilft das dabei, mir Dinge zu

merken. Also, ich hab schon als

kleines Kind Geige gespielt, konnte

aber keine Noten lesen. Die Geigenlehrerin

wusste das aber nicht und

hat mir das Notenblatt hingestellt.

Ich hab sie dann gefragt: „Können

Sie das bitte vorspielen?“ Ich habe

mir die Tonfolge farblich gemerkt

und so getan, als ob ich die Noten

lesen würde. Sie hat das sechs Jahre

lang nicht gemerkt! (Lacht.)

Normalerweise würden wir jetzt

über deinen New-York-Aufenthalt

sprechen. Doch 2020 kam alles

anders.

Ja, ich wäre von März bis September

mit einem Auslandsstipendium der

Stadt Zürich in New York gewesen.

Der Traum jedes Künstlers! Ich

bin am 9. März angereist und war

am 17. März notgedrungen wieder

zurück in der Schweiz. Das war

ein Schock, wie die Pandemie sich

so plötzlich entfacht hat.

Wie hast du die Zeit erlebt?

Zuerst hatte ich natürlich Angst,

um meine Familie, meine Freunde,

meine Gesundheit. Ich war wie in

einer Schockstarre, bis ich erkannt

habe, ich muss da wieder raus. Das

habe ich geschafft, indem ich mir

möglichst viele wissenschaftliche

Informationen zu Covid-19 beschafft

habe. Ich hab viel gelesen und mich

mit Freunden aus Taiwan ausgetauscht,

die bereits früh Erkenntnisse

34 THE RED BULLETIN


„Ich musste

raus aus der

Schockstarre.“

Lea Lu, 36, kämpfte sich nach einem

harten Jahr 2020 wieder zurück.

THE RED BULLETIN 35


Musik

zum Virus hatten. Als die Angst weg

war, war das Organisieren wichtig.

Okay, was mache ich jetzt? Wie zum

Teufel zahle ich meine Miete? Es ist

Lockdown. Ich hab keine Konzerte,

ich kann keinen Gesangsunterricht

geben.

Zum weltweiten Ausnahmezustand

kam also auch noch

ein persönlicher?

Ja. Die Kulturbranche wurde von der

Situation hart getroffen. Zum Glück

gab es nach einigen Monaten Unterstützungsbeiträge

von verschiedenen

Institutionen. Um die erste Zeit zu

überbrücken, habe ich mir Geld

von Freunden geliehen. Sobald das

Finanzielle vorerst geklärt war, hat

sofort wieder das Kreieren begonnen.

Das Leben kam wieder in Bewegung.

Ich wollte schon sehr lange an

meinem neuen Album arbeiten,

deshalb bin ich ja auch nach New

York gegangen.

Stattdessen hast du es bei dir

daheim in Zürich aufgenommen.

Wie war die Arbeit daran?

Als ich die Songs geschrieben hatte,

habe ich einfach angefangen, die

Musik mit meinem Schlagzeuger, mit

dem ich mir den Proberaum teile,

aufzunehmen – mit den Möglichkeiten,

die wir zur Verfügung hatten.

Und ich habe mir Bassspielen beigebracht.

Weil ich … na ja, keinen

„I love the

songs! I love

your voice!“

Der kanadische Musiker Mocky

war sofort bereit, Bass für

Lea Lu zu spielen.

Bassisten in der Nähe hatte. (Lacht.)

Es ging eigentlich ganz okay, aber

dann ist mir plötzlich wieder Mocky

in den Sinn gekommen. Ein kanadischer

Musiker, der schon mit Jamie

Lidell (britischer Sänger; Anm.) und

Leslie Feist (kanadische Sängerin;

Anm.) gearbeitet hatte. Den wollte

ich eigentlich in New York treffen.

Ich hab mir gedacht, die Chance

ist klein, aber ich frag einfach mal

per Mail bei ihm an. Er hat zurückgeschrieben

und war begeistert:

„I love the songs! I love your voice!

I would love to play on your album!“

Er hat dann in Los Angeles die Bass-

Linien eingespielt und uns geschickt.

Das war so krass: Es hat sofort so

geklungen, als ob wir schon lange

eine Band wären! Ohne dass wir uns

einmal getroffen haben.

Wenn man sich das Album anhört,

wird man etwas von der Stimmung

des vergangenen Jahres spüren?

Ich glaube, man wird darin deutlich

das Bedürfnis nach Austausch spüren.

Das, was ich mir in dieser Zeit am

meisten gewünscht habe: wieder

mit anderen Musikern spielen zu

können. Für mich ist das Album

auch eine Weiterführung meiner EP

„Rabbit“. Die war eine Soloproduktion,

ein sehr einsames Stück Musik.

Der nächste Schritt wäre gewesen,

wieder in die Welt hinauszugehen.

Dann kam Corona, und die Welt ging

zu. Aber das Bedürfnis ist geblieben.

Wie bist du damit umgegangen?

Ich habe es so gelöst, wie es eben

ging: zum Beispiel mit Mocky

online. Als der Lockdown in der

Schweiz zu Ende war, so Anfang

Mai, konnte man sich auch wieder

treffen und zusammen musizieren.

Da haben wir das Proberaumstudio

in ein Auto gepackt und in einer

Alphütte wieder aufgebaut, und ich

hab meine Lieblings-Jazzmusiker

aus der Schweiz eingeladen. Also,

ich hab einfach nur angerufen, und

sie sind alle gekommen. Das war ein

wunderschönes Erlebnis. Deshalb

heißt das Album auch „I Call You“.

Dabei wolltest du als Kind auf

keinen Fall Musikerin werden.

Du hast angeblich gesagt, das sei

dir viel zu anstrengend.

Das stimmt. Ich hab schon sehr

früh Songs geschrieben. Das war

das Natürlichste für mich. Ich sag

immer, das war meine erste Sprache,

meine Muttersprache. Die Welt,

in der ich mich ausdrücken konnte.

Musikerin werden war aber nie ein

Berufswunsch oder Traum. Nicht,

weil es anstrengend ist – mir war

wohl schon immer bewusst, dass

es einfach schwierig ist, Musikerin

zu werden und davon zu leben.

Deshalb habe ich auch mit einem

Psychologiestudium begonnen. Da

hatte ich in den Vorlesungen aber

immer eine Jazz-Notensammlung

mit. Eine Mitstudentin hat mich

irgendwann einmal gestupst und

meinte: „Ey, du bist wirklich im

falschen Studium.“ (Lacht.) Danach

habe ich Jazz studiert.

Und kannst du auch Noten lesen?

Ja, das hat auch noch funktioniert.

Als Anheizer für Coldplay: Lea Lu 2016 mit ihrer Band im Stadion in Zürich –

48.000 Zuschauer sahen ihren Auftritt. Wie Lea Lus Leben Farbe gewinnt: lealu.ch

LUKAS MAEDER

36 THE RED BULLETIN


MOTORÖLE

ADDITIVE

Das geht

AUTOPFLEGE

runter wie Öl!

Seit Jahren gibt es für uns nur eine Richtung: nach oben! Das gilt für die Spitzenqualität unserer Produkte genauso

wie für die Beliebtheit unserer Marke. Wohl deshalb wählten uns die Leser*innen der führenden Automagazine

2021 erneut zu Deutschlands bester Schmierstoffmarke. Bei AUTO ZEITUNG sowie auto motor und sport bereits

das 11. Mal in Folge. Zudem glänzen wir bei AUTO ZEITUNG wiederholt mit Platz 2 in der Kategorie Pflegemittel.

Eine besondere Ehre, für die wir uns ganz besonders bei Ihnen bedanken!

** Die abgebildeten Produkte stehen stellvertretend für die jeweilige Produktgruppe.

2. Platz Kategorie

Pflegemittel **

LIQUI MOLY

1. Platz Kategorie

Schmierstoffe **

LIQUI MOLY


Ultrarunning

Der fitteste

Feuerwehrmann

der Welt

Andreas Michalitz, 52, Hauptbrandmeister aus Österreich,

hält den Weltrekord im 100-Kilometer-Lauf – und zwar in

voller Montur. Das heißt: Er muss 26 Kilo mitschleppen.

Und das ist nicht seine einzige Bestleistung.

Interview WOLFGANG WIESER

Foto PHILIPP HORAK

Seine Vorbereitung für die Weltrekorde

absolvierte Hauptbrandmeister

Andreas Michalitz in der Nacht:

Warum? „Weil es seltsam aussieht,

wenn du mit einem Feuerwehrhelm

auf dem Kopf läufst.“ Tatsächlich näherte

sich der Profi-Feuerwehrmann

aus Wiener Neustadt in Niederösterreich

seiner Rekordjagd Stück für

Stück: Mal trug er den Helm, mal

seine schweren Einsatzstiefel („Die

sind fürs Laufen völlig ungeeignet“).

Bis er schließlich in die komplette,

26 Kilo schwere Montur schlüpfte.

Das monatelange Training hat sich

gelohnt. Heute hält er vier Weltrekorde:

im 100-Kilometer-Lauf (im

Einzel und im Team mit drei deutschen

Kollegen), für zwölf Stunden

am Laufband und im Treppensteigen

– alles in voller Feuerwehr-Montur.

the red bulletin: Du hältst auch

den Weltrekord im Treppensteigen

in voller Montur, konkret hast

du 82.301 Stufen in 24 Stunden

geschafft. Frage eins: Was heißt

in voller Montur genau? Frage

zwei: Ganz ehrlich, ist das nicht

ein bisschen verrückt?

Andreas Michalitz: Die zweite

Frage kann ich kurz beantworten:

Ja. Zur ersten Frage: Helm, Jacke,

Handschuhe, Hose, Stiefel, Atemschutzgerät,

Beil, eine Maske – alles

in allem 26 Kilo schwer.

Wie bist du überhaupt auf diese

verrückte Idee gekommen?

Den Treppenrekord hat vor mir Joey

Kelly von der Kelly Family gehalten

– allerdings ohne Montur. Ich wollte

nur beweisen, wie fit du als Feuerwehrmann

sein musst.

Dieser Weltrekord ist nicht dein

einziger, du hältst vier, einer davon

ist der Weltrekord im 100-Kilometer-Lauf

in Feuerwehr-Schutzausrüstung

mit Atemschutz. Du

hast dafür 15 Stunden, 11 Minuten

und 10 Sekunden gebraucht. Was

treibt dich zu solchen Leistungen?

Das ist schwer zu sagen. Aber ich

vermute, es ist die Motivation, etwas

Besonderes zu schaffen, was sonst

kaum jemand schafft. In Österreich

bin ich mit diesen Extremeinsätzen

eher ein Einzelkämpfer, in Deutschland

sind viel mehr Feuerwehrkollegen

dabei.

Deine Vorbereitung?

Ich laufe seit rund 20 Jahren täglich.

Zwei-, dreimal in der Woche habe

ich speziell für die Weltrekorde

trainiert. Auf unterschiedlichen

Strecken. Meistens in der Nacht,

weil es seltsam aussieht, wenn du

mit einem Feuerwehrhelm auf dem

Kopf läufst. Das größte Problem waren

die Schuhe, die schweren Stiefel

sind fürs Laufen eigentlich völlig ungeeignet.

Aber wenn du lange genug

übst, haut auch das hin.

Was haben die Feuerwehrkollegen

dazu gesagt? Und deine Frau,

deine Kinder?

Die waren Feuer und Flamme und

haben mich unterstützt. Meine Frau

und mein Sohn betreuen mich auch,

wenn ich an Extrem läufen teilnehme.

Am Anfang deiner Laufbegeisterung

stand ein Buch von Extremsportler

Christian Schiester.

In „Lauf ins Leben“ beschreibt er,

wie er vom Kettenraucher zum Top-

Sportler wurde. Es hat mich fasziniert,

dass ein Antisportler all das

schaffen kann.

Bevor Christian mit dem Laufen

begann, hatte er jeden Tag sechs

Bier getrunken und 40 Zigaretten

geraucht. Wie hat dein Sündenregister

ausgesehen?

Gegessen habe ich gerne, aber kaum

Alkohol getrunken. Sportlich habe

ich – außer ein bisschen Ski zu fahren

– schlicht nichts gemacht.

Sind diese Rekorde mehr als bloß

ein Gag?

Natürlich, sie sind so etwas wie eine

Bestätigung meiner körperlichen,

aber auch meiner mentalen Fitness.

Wenn ich bei einem Einsatz auf

der Autobahn auf 50 Grad heißem

Asphalt stehe und im Schutzanzug

arbeiten muss, ist es wichtig, nicht

nur körperlich, sondern auch geistig

fit zu sein.

Wohin Andreas Michalitz gerade läuft:

ultrarunning-michalitz.at

38 THE RED BULLETIN


„In dieser

Montur lief ich

100 Kilometer

am Stück.“

Hauptbrandmeister Michalitz, 52,

in seiner Sportbekleidung:

„Ich will etwas schaffen, was sonst

kaum jemand schafft.“

THE RED BULLETIN 39


Wings for Life World Run

„Du brauchst

nur ein Ziel“

Tadesse Abraham, 38, ist einer der besten Marathonläufer

der Welt. Privat schraubt er das Tempo lieber

runter. Und hilft Menschen, die wie er in der Schweiz

eine neue Heimat suchen.

Interview KARIN CERNY

Fotos JANOSCH ABEL

Gibt es im Refugee-Team Läufer,

die Ihnen später mal Konkurrenz

machen können?

Fünf sind extrem gut. Aber ich hatte

nie Angst, dass jemand besser ist als

ich. Wer gut trainiert, der gewinnt.

Für mich ist es okay, wenn mich

jemand aus dem eigenen Team

schlägt. Das bedeutet doch bloß,

dass ich meinen Job gut gemacht

habe. Es geht beim Sport nicht nur

ums Gewinnen, möglichst viele Kilometer

möglichst schnell zu laufen.

Wichtig ist der Teamgeist.

Er läuft 200 Kilometer pro Woche.

Und liebt es, wenn ihm Zeit für

einen ausgiebigen Mittagsschlaf

bleibt. Denn im Leben von Tadesse

Abraham geht es um die richtige

Mischung aus Entspannung und

Leistung. Seit 2016 hält er den

Schweizer Rekord im Marathon –

mit 2 Stunden, 6 Minuten und

40 Sekunden. Der Weg dahin war

lang: In Eritrea geboren, setzte er

sich während eines Wettkampfs in

Belgien ab und stellte 2004 einen

Asylantrag in der Schweiz. 2014

wurde er eingebürgert – und gilt

heute als bestes Beispiel für gelungene

Integration. Jetzt hilft er jungen

Menschen, die wie er Migrationshintergrund

haben. Sein „THSN

Refugee Team“ wird am 9. Mai beim

Wings for Life World Run in Genf

mitlaufen.

the red bulletin: Wo erwische

ich Sie gerade?

tadesse abraham: Ich bin auf

Trainingslager in Äthiopien und

komme gerade vom Mittagessen.

Vormittags bin ich 21 Kilometer

g elaufen, nachmittags stehen noch

einmal zehn an.

Addis Abeba liegt auf fast

2400 Metern. Probleme mit

der Höhe haben Sie keine?

Die Höhe liegt mir. So bin ich aufgewachsen,

ich akklimatisiere mich

dementsprechend schnell. Äthiopien

ist wie eine Heimat für mich, ich

spreche die Sprache, mag das Essen,

finde leicht Trainingspartner. Und

die Laufstrecken sind sehr abwechslungsreich.

2004 sind Sie aus dem autoritär

regierten Eritrea in die Schweiz

geflüchtet. Konnten Sie Deutsch?

Kein Wort. Das war schon schwierig,

aber der Sport hat mir sehr geholfen,

mich schnell zu integrieren.

Ist das ein Grund, warum Sie sich

sozial engagieren? Um anderen

zu helfen, denen es ähnlich geht?

Definitiv! Viele Leute schämen sich,

dass sie die Sprache nicht perfekt

beherrschen. Ich möchte ihnen die

Hemmungen nehmen. Ihnen klar

machen, dass es wichtig ist, zu sprechen,

auch wenn die Grammatik

nicht perfekt ist.

Sie leiten das „THSN Refugee

Team“. Was ist das genau?

Ein Projekt, das die Versicherung

Generali Schweiz gemeinsam

mit mir ins Leben gerufen hat. Es

geht darum, junge Menschen mit

Migrationshintergrund und Fluchterfahrung

über Sport zu integrieren.

Beim Trainieren redet man ungezwungener,

kommt auf neue Ideen

und findet Freunde.

Ist Marathonlaufen denn nicht

eine relativ einsame Sache?

Klar, bei den Wettkämpfen bist du

allein. Aber beim Training wäre ich

ohne Team aufgeschmissen. Dann

würde ich bei schlechtem Wetter

einfach auf dem Sofa liegen bleiben.

Welche Tricks haben Sie bei Wettkämpfen,

um sämtliche Energiereserven

freizusetzen?

Positive Gedanken helfen. Ich blende

die Konkurrenz aus, denke an die

vielen Leute, die hinter mir stehen.

Meine Familie, mein Team, mein

Verein, alle, die im Ziel auf mich

warten. Dann bin ich mit voller Kraft

unterwegs.

Was für einen Tipp geben Sie

jungen Läuferinnen und Läufern?

Alles ist möglich, du brauchst nur

ein Ziel. Du musst bei der Sache

bleiben, auch wenn es gerade nicht

rund läuft. Positiv sein, aber Selbstkritik

zulassen. Abgesehen davon

finde ich, dass man nicht immer nur

trainieren kann. Auch ein Spitzensportler

muss das Leben genießen.

Ich möchte keine Maschine werden.

Es muss möglich sein, auch mal mit

Freunden abzuhängen.

Mit Tadesse Abraham unterwegs –

auf Instagram: tadesse_abraham_official

40 THE RED BULLETIN


„Es geht

nicht nur ums

Gewinnen.

Wichtig ist der

Teamgeist.“

Tadesse Abraham über seine

Prinzipien im Sport

THE RED BULLETIN 41


Skydiving

KOMET

MIT HELM

Die Skydiver der Red Bull

Air Force als menschliche

Flugobjekte am Nachthimmel:

Bei uns erzählt US-Fotograf

Dustin Snipes, wie aus

seiner verrückten Foto-Idee

ein Stunt für die Geschichtsbücher

wurde.

Text NORA O’DONNELL

Fotos DUSTIN SNIPES

42


RED BULL AIR FORCE

Lebende Fackel

Ein Skydiver der Red Bull Air

Force im Nachthimmel über

Marfa, Texas. Die US-Kleinstadt

ist für ihre mysteriösen Lichtphänomene

berühmt, die „Marfa

Lights“. Um diese für ein Fotoprojekt

nachzustellen, zündeten

die Athleten kurz nach dem

Absprung pyrotech nische

Raketen an ihren Fußgelenken.


Skydiving

Himmels-

Kunstwerk

Dieses Bild besteht aus 48 Fotos:

Sechs Kameras und je acht Langzeit

belichtungen waren nötig,

damit der gesamte Flug der

vier Skydiver zu sehen ist – vom

Absprung über den Formationsflug

bis zu ihrem Verschwinden

hinter den Bergen. „Ein abstraktes

Gemälde auf einem schier endlosen

Nachthimmel“, schwärmt

Fotograf Dustin Snipes.

44


Skydiving

„Wir machen

diesen Sprung

nicht, weil

er leicht,

sondern weil er

schwierig ist.“

Fotograf Dustin Snipes

Fotograf Snipes (li., mit seinem Team) kam im September 2020 zum ersten Mal nach Marfa, Texas,

um sich nach Locations für das Nacht-Skydiving-Shooting umzusehen. „Die Planung dauerte Monate“,

sagt er, „weil es jede Menge Variablen gab.“

Wie so viele wilde

Abenteuer beginnt

auch diese

Geschichte mit

einer verrückten

Idee – sie stammte von US-

Fotograf Dustin Snipes.

„Je verrückter, desto besser“,

sagt er trocken. „In der Regel

bedeutet das nämlich, dass

es noch niemand vorher versucht

hat.“

Die Hochebene von West-

Texas hat etwas ganz Besonderes

zu bieten: einen Nachthimmel

von außerirdischer

Schönheit. Die Seehöhe und

die Abwesenheit von Lichtverschmutzung

lassen Millionen

von Sternen funkeln wie

Juwelen. Und über allem

schwebt der mystische Schleier

der Milchstraße.

Doch damit nicht genug:

Nahe der Kleinstadt Marfa

werden immer wieder mysteriöse

Lichterscheinungen

beobachtet – pulsierende

Kugeln in allen möglichen

Farben, mittlerweile weltweit

bekannt unter dem Schlagwort

„Marfa Lights“. Paranormale

Phänomene? Atmosphärische

Spiegelungen von

Scheinwerfern oder Lagerfeuern?

UFOs? Wer weiß.

Für Fotokünstler Dustin

Snipes jedenfalls eine würdige

Kulisse, um einen Nachtflug

der Red Bull Air Force gebührend

zu inszenieren: Was

wäre, so der Grundgedanke

der Aktion, wenn diese Weltklasse-Athleten

selbst zu

Marfa Lights würden? Snipes,

in Los Angeles daheim, verbrachte

Monate mit der Planung

des Husarenstücks: Es

galt, hunderte von Variablen

mit einem Team von Experten

einigermaßen berechenbar

zu machen. „Es gab mehr Unwägbarkeiten

als bei jedem

anderen Shooting, das ich je

gemacht habe“, sagt er.

Snipes und das Team der

Red Bull Air Force schlugen

ihr Basislager auf der historischen

Cibolo Creek Ranch

auf. Zu ihr gehören mehr als

Ein Mann sieht Rot

Kurz nach Sonnenuntergang bringt Dustin Snipes seine

Ausrüstung in Stellung. Das rote Licht ist ein entscheidendes

Werkzeug für die Nachtfotografie – weil es die Augen des

Fotografen im Dunkeln weniger blendet als normales Licht.

DAN WIX, RED BULL AIR FORCE

46 THE RED BULLETIN


Aufstieg

und Fall

Bild oben: Das Red Bull Air

Force-Team im Flugzeug vor

dem Absprung. Um sich auf

einem mondlosen Himmel

sichtbar zu machen, wickelten

sich die Athleten in Ketten

von LED-Lichtern; dazu verwendeten

sie Pyro technik,

die das Tempo und die Energie

während des freien Falls rüberbringen

sollte. Das ließ sie

am Ende wie mensch liche

Kometen wirken.


„Es gab mehr

Unwägbarkeiten

als bei jedem

anderen Shooting,

das ich je

gemacht habe.“

Fotograf Dustin Snipes

Fotograf Snipes bat die Athleten,

während der drei Sprünge mit dem

Einsatz von LED-Lichtern und

Pyrotechnik zu experimentieren.

„Das LED liefert schnörkellose

Linien“, sagt er. „Aber die Pyro fügt

so viel Zufälligkeit hinzu und verleiht

dem Ganzen einen wunderbar

geheimnisvollen Look.“


Skydiving

Touchdown

Bloß zwei winzige Lichter boten

den Springern Orientierung

auf dem Weg zur Landung.

„Rundherum waren nur Berge …

und absolute Finsternis“, sagt

Team-Captain Jon DeVore.

„Das Abenteuer wäre wohl

ziemlich böse ausgegangen,

hätten wir es nicht zum richtigen

Landeplatz geschafft.“

RED BULL AIR FORCE

Schweres Geschütz

Um die ganze Schönheit des Nachthimmels über Marfa und den Flug der Bullen auf ein Bild

zu bekommen, bastelte sich Fotograf Snipes ein Gestell für seine Canon-EOS-Kameras.

Jede von ihnen machte acht Langzeitbelichtungen über die drei Minuten, die die Springer

in der Luft waren. Die Konstruktion musste leicht für den Transport sein und stabil genug,

um den Kameras Halt zu bieten. Snipes brauchte fünf Tage, um das Ding zu bauen.

120 Quadratkilometer Land –

mehr als genug Platz für störungsfreie

Aufnahmen.

Doch all die penible Vorbereitung

half Snipes nicht bei

der größten Herausforderung:

beleuchtete Körper, die aus

3000 Metern drei Minuten lang

in die Dunkelheit fallen, ordentlich

aufs Bild zu kriegen.

Er verwendete ein Set-up aus

neun Kameras, die auf ein selbst

gebasteltes Gestell montiert waren,

um ein 180-Grad-Panorama

hinzubekommen.

„Immer, wenn ich so etwas

mache“, sagt Snipes, „muss ich

an das denken, was Präsident

John F. Kennedy seinerzeit über

die Mondmissionen sagte: ‚Wir

machen das nicht, weil es leicht,

sondern weil es schwierig ist.‘

Du willst schließlich nicht den

ganzen Tag mit langweiligen

Spaziergängen verbringen.“

Das ganze Video der Marfa-Lights-

Sprünge: redbull.com

THE RED BULLETIN 49


Musik

RELAX-POSE

Rapper Nimo, 25,

ganz entspannt beim

The Red Bulletin-

Shooting in Berlin

50 THE RED BULLETIN


Text JONAS VOGT

Fotos LENNART BREDE

Mit 17 saß er im

Knast, mit 23 schrieb

er seinen ersten

Nummer-eins-Hit.

Heute sagt Rapper

NIMO: Jeder kann

sein Leben zum

Positiven ändern.

Hier erzählt er,

wie ihm das gelang.

„Ich bin nur

ein Junge, der

zur Vernunft

gekommen ist“

THE RED BULLETIN 51


Musik

Und wenn Nimo schreien muss, dann

schreit er. Der 25-jährige Deutschrapper

mit iranischen Wurzeln spielt gern mit

seiner Stimme, er singt, aber er rappt

auch ganz klassisch. Und manchmal

bricht es aus ihm heraus. Dann legt er

in seine Zeilen eine Emotion, die man

in diesem Genre nicht häufig findet.

Als Hoffnung in der Rapszene galt

Nimo seit seinem 2016 erschienenen

Debüt-Mixtape „Habeebeee“. 2017 kam

sein Debüt-Album „K¡K¡“ heraus, 2019,

mit seinem zweiten Album „Nimoriginal“,

startete er dann endgültig durch. Die

Single „Kein Schlaf“ ging in den Charts

auf Nummer eins und wurde auf YouTube

bislang fast 40 Millionen Mal angeschaut.

Was Nimo zum Gesprächsthema

werden lässt, sind aber nicht nur Klickzahlen.

In Interviews, aber auch in seinen

Liedern transportiert er inzwischen eine

überwiegend positive Botschaft. Das ist

im Deutschrap, der hauptsächlich von

Fehden, Drohungen und Aggressionen

geprägt ist, bemerkenswert. Natürlich

folgt auch Nimo manchen Genre-Regeln.

Auch bei ihm geht es um V12-Motoren,

um dicke Gagen, die auf dem S-Klasse-

Rücksitz gezählt werden, und darum,

wer der krasseste Typ von allen ist. Aber

Nimo traut sich, das Spiel ein wenig auszuweiten.

Er traut sich Emotionalität zu.

Verletzlichkeit. Und er distanziert sich

von einer Straßen-Vergangenheit, die ihn

in den Jugendknast brachte. Anstatt damit

zu prahlen, spricht er lieber darüber,

was er inzwischen alles dazugelernt hat.

„Ich danke Gott jeden Tag, dass ich so

bin, wie ich bin“, sagt Nimo. „Ich möchte

nie in mein altes Leben zurück.“

Mit The Red Bulletin sprach Nimo

über Musik, Mode und Wandelbarkeit.

Und darüber, welche Art von Gedanken

ihm halfen, durch ein schwieriges Jahr

2020 zu kommen.

the red bulletin: Nimo, wir leben

nun schon über ein Jahr in einer

Pandemie. Wie würdest du die Zeit

rückblickend beschreiben?

nimo: Es war voller Überraschungen.

Wir wussten nicht, was auf uns zukommt,

wissen das ja eigentlich immer

noch nicht. Es ist ein bisschen vergleichbar

mit Untersuchungshaft: Dort

weißt du auch nicht, was sein wird und

wann du rauskommst.

Du hast Ende 2019 mehrere große

Interviews über deinen veränderten

Lebenswandel gegeben. Wie fühlt

man sich danach, wenn so was

draußen ist?

Es fühlt sich gut an, den Menschen

eine positive Message mitzugeben. Ich

hab damit anderen geholfen. Die Leute,

auch aus der Szene, sind danach auf

mich zugekommen und haben gesagt:

Wir haben dein Interview gesehen,

Respekt!

Was ist das Neue an deinem Leben?

Das Neue ist das Normale. Ich mach

jetzt die Dinge, die für jeden Menschen

normal sein sollten. Ich funktioniere,

ich arbeite, ich lebe. Ich bin fokussiert.

Ich bin klar im Kopf, ich weiß, was ich

mache. Ich nehme mein Umfeld wahr.

Und ich bin mir meiner Sache bewusst.

Ich bin nichts Außergewöhnliches. Nur

ein Junge, der zur Vernunft gekommen

ist, der sich verändert hat.

Glaubst du, dass man Krisen durchleben

muss, um daran zu wachsen?

Ich denke, ja. Eine Wandlung ist nichts,

wofür man sich schämen muss, im

Gegenteil. Wandel ist gut.

Von der Rettung durch Arbeit

und inspirierenden Vorbildern

Das Jahr 2020 war auch für Nimo nicht

nur einfach. „Vom Kopf her bin ich Gott

sei Dank sehr gut durchgekommen“, sagt

er, auch dank seines intakten Umfelds.

Für ihn war das Jahr von Studio-Arbeit

für sein neues Mixtape „Steinbock“ geprägt.

Aber trotzdem fehlte was. Er liebt

das Live-Spielen am meisten, und das ist

ausgefallen. Nur Songs zu releasen und

dann der „verbissene Vergleich, wer die

meisten Klicks und Streams hat“, das sei

so gar nicht sein Ding. Nimo liebt den

direkten Kontakt zu seinem Publikum.

Er erzählt von Fans, die ihm geschrieben

haben – was ihm wichtig war. Trotz des

Unbehagens mit der neuen Situation

stand Nimo in den vergangenen Monaten

fast pausenlos im Studio, hat 30 bis

40 Tracks aufgenommen.

Welcher Rapper hat dich früh

geprägt?

Niemand so wie Haftbefehl. Ich hab

von Anfang an mehr in ihm gesehen

als die anderen, hab mehr aus ihm

rausgehört. Zu der Zeit, so 2012,

da hat er etwas vollkommen Neues

gemacht und eine komplett neue Subkultur

erschaffen. Er war auf eine ganz

besondere Art wieder real. Das kannte

man vorher nicht. Wie er geredet hat,

wie detailliert er von den Sachen erzählt

hat. Dreckig, direkt, aber eben

so, wie es wirklich ist. Vorher ging es

immer um „Ich f*** deine Mutter, ich

hab das dickere Auto“. Haftbefehl hat

die Karten auf den Tisch gelegt.

Kannst du dich an den Moment

erinnern, in dem du das erste Mal

mehr in deiner eigenen Arbeit

gesehen hast?

Ich kann mich an die ersten Momente

erinnern. Ich hab ganz normal als

Teenager vor meinen Freunden mit

dem Rappen begonnen. Ich hatte einen

Kumpel, der war so drei Jahre älter als

ich. Der hat mich immer bestärkt. Und

irgendwann war ich an dem Punkt,

wo ich Parts aufgeschrieben hab und

plötzlich dachte: Das ist brutal gut.

Wenn die Leute das hören, werden sie

sagen: Das ist gut. Und genauso ist es

gekommen.

Wie fühlt man sich da?

Du musst dir das so vorstellen: Du bist

16 Jahre alt und hast gerade etwas

geschrieben, wo du als Rap-Liebhaber

weißt: Das ist was ganz Neues. Aber im

selben Moment sitzt du hinter Gittern.

Du kannst niemandem deine Kunst

zeigen. Das waren gemischte Gefühle:

Ich war sehr motiviert und sehr frustriert.

Ich hatte einen Rubin in der

Hand, aber ich konnte der Welt diesen

Rubin nicht zeigen.

52 THE RED BULLETIN


PUNKTLANDUNG

Die Kategorie Kingsize gilt

für seine Abrufzahlen –

und für seine Hotelbetten.

„Ein Künstler ist nicht

nur jemand, der Musik macht

oder zeichnet. Künstler ist

man durch und durch.“


Manchmal bricht es aus ihm

heraus, dann legt Nimo in

seine Zeilen eine Emotion,

die man im Rap selten findet.

TIME-OUT

Nimo produziert reihenweise

Tracks, aber er

nimmt auch Auszeiten.


Musik

MAKE-UP: CAROLINE TORBAHN/NINA KLEIN ARTISTS

Vom ersten Auftritt ohne Bühnenerfahrung

und Mode als Kunst

„Nie wieder geh’ ich in Zelle wegen Patte

(Slangausdruck für Geld; Anm.), nie wieder

wegen Raub und Erpressung vor dem

Richter stehen, nie wieder. Nie wieder

geh’ ich mit Achter (Handschellen; Anm.)

und Fußfesseln runter in Bunker und

wart’ auf mein Urteil.“

Nimo hat sein früheres Leben und

seine Fehler in seinen Raps verarbeitet:

Er wird in eine Karlsruher Familie mit

iranischen Wurzeln hineingeboren,

wächst in der Nähe von Stuttgart auf.

Der junge Nima Yaghobi, wie Nimo mit

bürgerlichem Namen heißt, baut viel

Mist. Seinen 16. und 17. Geburtstag verbringt

er im Jugendgefängnis, unter anderem

wegen räuberischer Erpressung.

Aber er hat eine Idee und jede Menge

Reime im Kopf. Als er wieder draußen ist,

geht es los: Er nimmt Raps auf, postet sie

in den sozialen Medien. Die Frankfurter

Rapper und Labelchefs Celo & Abdi werden

nach einigen mit einfachsten Mitteln

gedrehten Handyvideos auf ihn aufmerksam,

nehmen den bühnenunerfahrenen

Jungrapper sofort mit auf Tour. 2016 erscheint

sein Mixtape „Habeebeee“. Darauf

rappt er gleich zu Beginn: „Soll nicht

bedeuten, dass ich denk, ich wär was

Besseres wie du. Bin nur ein Hoodie, der

mit Glück und Handyvideos einen Deal

bekam.“ Nimo rappt auch über seine

Eltern und seine „Prioritäten im Leben“.

Zum ersten Mal verrät er etwas über

seinen Wandel und die Wurzeln der Veränderung:

„Man denkt erst nach, wenn

man alleine ist.“

2017 folgt das Debüt-Album „K¡K¡“.

Dort gibt er sich als gereifter und selbstbewusster

Künstler. Wieder hat das

Album einen programmatischen ersten

Song: „Michelangelo“. Darin gesteht er

zuerst bescheiden und sachlich korrekt:

„Ich habe Rap nicht erfunden, hab’ Trap

nicht erfunden, hab’ Hip-Hop nicht erfunden.“

Um dann beiläufig hinterherzuschieben:

„Ich bin Deutschraps Michelangelo.“

Den Größenwahn der Zeile

fängt er selbst wieder auf: „Auf einmal

sagen sie, ‚der Typ ist abgehoben‘, weil

ich mich selber als Künstler bezeichne,

wir sind die Renaissance, ekho, die neue

Generation.“ Ein Künstler zu sein, das

kann durchaus mehr umschließen als

das Rappen. Nimo ist die Musik nicht

mehr genug. Er schlüpft mittels Mode

immer wieder in andere Rollen. Oder

„Es fühlt sich gut an,

den Menschen eine

positive Message

mitzugeben.“

wie er wahrscheinlich sagen würde:

andere Teile seiner Persönlichkeit.

Du hast deinen Horizont über den

Hip-Hop hinaus erweitert. Mode

scheint dir sehr wichtig zu sein.

Ja, das ist eine Ambition neben der

Musik. Im Großen und Ganzen würde

ich sagen, ich bin ein Künstler. Ein

Künstler ist nicht nur jemand, der Musik

macht, der schreibt oder zeichnet.

Künstler ist man durch und durch.

Und Mode ist eine der ältesten Künste,

die der Mensch hat.

Was fasziniert dich so daran?

Mit Klamotten kannst du eine Menge

über dich aussagen. Wie du drauf bist,

wie du dich heute fühlst, wie dein

Mood ist. Es gibt Tage, da liebe ich es,

elegant herumzulaufen. Und Tage,

da schau ich gern wie ein Hoodboy

aus. Ich zieh mich privat sogar noch

verrückter und modebewusster an als

im Internet.

Warum unterscheidest du da?

Heute zeigen die Leute ständig im Internet,

was sie haben. Für mich ist das

eher privat. Es standen schon oft Leute

vor meinem Kleiderschrank und haben

gesagt: Wow, du hast das und das Kleidungsstück,

das denkt man gar nicht.

Dann sag ich: Ja, ist auch besser so. Ich

trag’s für mich, nicht für die anderen.

Vom schonungslosen Blick in den

Spiegel und der Kraft guter Werte

„Ihr wollt den alten Nimo? Hier ist der

neue Nimo“, heißt es auf „Bereit“. 2019

ist das Jahr, in dem Nimo mit mehreren

Nummer-eins-Hits durchstartet, zuerst

auf „Capimo“, mit dem Kollegen Capo,

dann als Solokünstler auf „Nimoriginal“.

Und er spricht offen über Ups and

Downs. Über falsche Freunde und Drogen,

darüber, wie es ist, an einen Punkt

zu kommen, wo man sich für sich selbst

schämt. In den Spiegel zu schauen und

zu denken: Das bin nicht ich.

Auf „Kein Schlaf“ zeigt er sich von

einer emotionalen, verletzlichen Seite.

Anstatt harter Raps dominiert eher

Gesang. Auf der Single tritt die Rapperin

Hava als Gast auf. Eigentlich hat der

Song sogar zwei Perspektiven: eine

männliche und eine weibliche. In Interviews

spricht er sich gegen Rassismus

und Homophobie aus, verteidigt auch

mal viel attackierte Rap-Kolleginnen wie

Shirin David öffentlich. „Gute Werte“, wie

Nimo es nennt. „Kein Schlaf“ wird seine

erste Nummer eins als Solokünstler.

Kein Schwachsinn mehr. Dafür Arbeit,

Familie und Fokus. Als Grund für seine

Wandlung nennt Nimo auch die – vorerst

anonyme – neue Frau an seiner Seite.

„Erst durch sie habe ich gelernt, mit

Kritik umzugehen“, sagt er. Seit 2019

sind die beiden liiert, sogar von Hochzeit

ist schon die Rede.

Er hat die Kurve bekommen. Und er

will, dass das anderen auch gelingt, will

sie bestärken, wie ihn sein älterer Freund

bestärkt hat, als er mit dem Rappen begonnen

hat. Er hat eine Spendenaktion

für Obdachlose angestoßen und redet

darüber, der Gesellschaft etwas zurückgeben

zu wollen. „Für die Generation

jetzt und für die Generation, die nach

uns kommt.“ Nimo ist ein Rapper, und

das wird er auch immer bleiben. Aber er

ist definitiv schon mehr als das.

Was kommt als Nächstes von dir,

wo geht die Reise hin?

Ich hab gelernt, nicht mehr groß über

Pläne zu reden. Das letzte Jahr hat gezeigt,

wie schwierig Pläne sind. Sagen

kann ich: Wenn wir was machen, dann

wird es etwas ganz Neues sein. Etwas,

was wir noch nicht gemacht haben.

Welcher ist der echte Nimo – der im

Anzug oder der in der Jogginghose?

Es gibt keinen echten Nimo und keinen

unechten. Es gibt nur einen einzigen

Nimo, mit verschiedenen Stimmungen.

Aber es ist total egal, ob im Anzug oder

in Jeans – Nimo ist Nimo.

CLASH DER DEUTSCHRAP-STARS

Ein Studio, zwei Künstler, eine Aufgabe: Bei der

Red Bull Soundclash Studio Edition: The Takeover“

performen Nimo und Jamule je einen

eigenen Song, den der andere ab der Hälfte fortsetzen

muss. Das alles im Red Bull Music Studio

Berlin inklusive Live-Band und mit anschließendem

Fan-Voting. Am 29. April auf dem Kanal

Red Bull Rap Einhundert auf youtube.com

THE RED BULLETIN 55


Laufen

IM

NAMEN

DES

HEILIGEN

VATERS

Vor drei Jahren ist die

Studentin CAMILLE CHENAUX

unverhofft zur Leicht athletin

geworden – sie läuft für das

2019 gegründete Team

des Vatikans. Jetzt will sie

mit Gottes Hilfe die Flagge

des Heiligen Stuhls zu den

Olympischen Spielen bringen.

Text CHRISTOF GERTSCH

Fotos NICOLA CARIGNANI

SIE HAT EINEN

SCHUTZENGEL

Camille Chenaux, 30,

beim Training auf der

Engelsbrücke in Rom

56 THE RED BULLETIN


THE RED BULLETIN 57


S

ie kam als Achte ins Ziel, über eine halbe

Minute hinter der Siegerin, vom Publikum

auf der Piazza del Popolo nicht weiter

beachtet. Trotzdem veränderte dieser

Samstag im September 2018 das Leben

von Camille Chenaux.

Denn einer nahm bei dem Wettlauf

über eine Meile in Rom doch von ihr

Notiz – ein spanischer Priester, betraut

mit einer großen Aufgabe: Als Untersekretär

des Päpstlichen Rates für die

Kultur sollte er „Athletica Vaticana“

aufbauen, den ersten offiziellen Sportverband

des Vatikans. Dazu brauchte er

unter anderem Läuferinnen und Läufer,

die mit dem kleinsten Staat der Welt auf

irgendeine Weise verbunden waren.

„Ist das nicht die Tochter von Philippe

Chenaux?“, fragte er.

Die Schweizerin Camille Chenaux,

damals 27 Jahre alt, war Hobbyläuferin

mit einer Vergangenheit als Hobbyfußballerin

und Hobbytriathletin.

Ihre ersten Lebensjahre hatte sie in

der Schweiz, in Belgien und Frankreich

verbracht, doch heimisch geworden war

sie in Italien. Zwei Jahre zuvor hatte sie

ihren Master in European Studies gemacht,

und jetzt, im September 2018,

BLICK NACH VORN

Ursprünglich war Camille

nur Hobbyläuferin. Doch

mit den Erfolgen wurden

die Ziele ambitionierter.

„ALS KIND SCHWOR ICH

MIR, DASS ICH MICH

ALS PROFISPORTLERIN

VERSUCHEN WÜRDE.“

58 THE RED BULLETIN


Laufen

PICTUREDESK.COM

begann sie ihre Dissertation an der Università

Roma Tre. Thema: „Populismus

in Deutschland und Italien“.

Und ja: Camille Chenaux ist die Tochter

von Philippe Chenaux, einem Professor

für Kirchengeschichte an der Päpstlichen

Lateranuniversität. Das machte

sie in den Augen des spanischen Priesters

zu einer potenziellen Sportlerin für

Athletica Vaticana.

Nonnen, Museumsangestellte und

Zimmerleute sind im Team dabei.

Als der Verband ein Vierteljahr später gegründet

wurde, im Rahmen einer spektakulären

Medienkonferenz Anfang 2019

im Presseraum des Heiligen Stuhls, zählte

er sechzig Mitglieder, darunter Nonnen,

Zimmerleute, Apotheker, Museumsangestellte,

Schweizergardisten – und

die Tochter eines päpstlichen Professors.

In den darauf folgenden Wochen berichteten

Medien aus aller Welt über das

Leichtathletikteam des Papstes.

Man erfuhr, dass sich vatikanische

Läuferinnen und Läufer bereits seit

Jahren zum morgendlichen Training

am Ufer des Tiber treffen und natürlich

davon träumen, die Flagge des Heiligen

Stuhls irgendwann bei der Eröffnung der

Olympischen Spiele zu sehen.

Man erfuhr aber auch, dass sie realistisch

bleiben wollen und sich zunächst

die Teilnahme an den Kleinstaatenspielen

zum Ziel gesetzt haben, einem alle zwei

Jahre stattfindenden Sportereignis, bei

dem europäische Länder mit weniger als

einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern

startberechtigt sind.

Überhaupt, so hieß es, verstehe man

sich eher als Amateurbewegung, deren

Zweck auch darin bestehe, die päpstliche

Botschaft in den Sport zu tragen.

Wer konnte da ahnen, dass Zufallsmitglied

Camille Chenaux schon bald

viel größere Ambitionen hegen würde?

ZUVERSICHTLICH

Camille Chenaux mit Mitgliedern von

„Athletica Vaticana“ vor der beeindruckenden

Kulisse des Petersdoms

STRAHLEND

Papst Franziskus schüttelt „seiner“

Botschafterin Camille die Hand.

Camille hält alle Vatikan-Rekorde

von 1000 bis 10.000 Meter.

Zwei Jahre nach der Gründung von

Athletica Vaticana ist Camille Chenaux

mit Abstand die beste Läuferin der Gruppe,

auf sämtlichen Distanzen zwischen

1000 und 10.000 Metern hält sie den

vatikanischen Rekord. Sie ist nicht Weltklasse,

bei weitem nicht – aber sie ist jetzt

30 Jahre alt, und kaum ein Wettkampf

„FRÜHER GLAUBTE

ICH, DASS IM LEBEN

NICHT PLATZ IST FÜR

UNI UND INTENSIVES

TRAINING.“

vergeht, an dem sie nicht ihre Bestzeiten

pulverisiert. Um das ein wenig einzuordnen:

Mit der Zeit, die sie voriges Jahr über

1500 Meter lief, hätte sie in der Schweizer

Saison bestenliste Platz 8 belegt.

Die ehemalige Hobbyläuferin und baldige

Doktorin der Politikwissenschaft ist

also in kurzer Zeit an den Punkt gelangt,

an dem niemand lacht, wenn sie sagt,

sie möchte sich für die Leichtathletik­

Europameisterschaften 2022 qualifizieren.

Und dann vielleicht für die Olympischen

Spiele 2024.

Späte Karriere: „Mit 20 hätte ich

nicht die Fähigkeiten gehabt.“

Wie kam das?

Camille Chenaux sagt, alles begann

mit einem Versprechen, das sie sich als

Kind gegeben habe. „Ich war ein großer

Sportfan, schaute im Fernsehen unzählige

Wettkämpfe. Ich schwor mir, dass ich

mich irgendwann in meinem Leben als

Profisportlerin versuchen würde.“

Die Eltern standen dem Traum lange

im Weg: Nicht, dass sie sich dagegen

wehrten, dass ihre Tochter Sport treibt,

aber sie bestanden darauf, dass die Schule

Vorrang hat.

Damals tat sich Camille Chenaux

gelegentlich etwas schwer mit dieser

THE RED BULLETIN 59


Laufen

Vorgabe, doch heute betrachtet sie die

elterliche Hartnäckigkeit als Glücksfall.

„Ich hätte mit zwanzig nicht die Fähigkeiten

für eine Profikarriere gehabt.

Jetzt ist mein Körper zwar zehn Jahre

älter, aber mein Kopf ist dafür auch um

zehn Jahre erfahrener.“

Erstens wisse sie nun genau, wie sie

sich ernähren müsse, „das ist im Sport ja

eine kleine Wissenschaft“. Zweitens habe

sie im Studium gelernt, mit Prüfungssituationen

klarzukommen und sich vom

Stress nicht bremsen, sondern antreiben

zu lassen. Und drittens zehre sie von

einer gewissen Gelassenheit: „Ich hatte

schon im Studium Erfolg, ich muss mir

im Sport nichts beweisen.“

Ein Leben zwischen Dissertation

und ausgiebigem Lauftraining.

Am Beispiel der Läuferin Camille Chenaux

könnte man einige spannende Fragen

stellen: Wie leistungsfähig ist ein vergleichsweise

alter, dafür noch nicht jahrzehntelang

auf Spitzenniveau geschundener

Körper? Gibt es eine Alternative

zum im Sport allgegenwärtigen Jugendwahn?

Was ist im Wettkampf wichtiger –

Körper oder Geist?

Doch um all diese Fragen geht es ihr

gar nicht. Wenn sie läuft, folgt sie einem

„ICH HATTE SCHON

IM STUDIUM ERFOLG,

ICH MUSS MIR

IM SPORT NICHTS

BEWEISEN.“

Urbedürfnis. Sie sagt: „Schaue ich beim

Laufen in den Himmel, fange ich an

zu träumen. Ich bin in Kontakt mit der

Natur, bei Sonne, Regen, Schnee. Laufen

hat für mich etwas Mystisches, es ist tatsächlich

so etwas wie eine Entdeckungsreise

zu mir selbst.“

Dazu gehört, dass sie erfahren will,

wo ihre Grenzen liegen. Darum dieser

beinahe grenzenlose Aufwand, das tägliche

Ausbalancieren von Dissertation und

Langstreckenläufen: Morgens arbeitet

sie von sieben bis neun und läuft von

zehn bis zwölf Uhr, nachmittags arbeitet

sie von zwei bis vier und läuft von fünf

bis sieben. „Früher glaubte ich, dass im

Leben nicht Platz ist für zwei derart intensive

Beschäftigungen. Heute weiß ich,

dass man besser beides hat: Sport lenkt

mich von der Universität ab, und die Universität

macht, dass ich mir nie lange den

Kopf zerbreche, wenn es im Sport einmal

nicht läuft.“

Mit jedem Schritt wurden

Camille ihre Ziele klarer.

Meistens trainiert sie allein, aber Athletica

Vaticana stellt ihr einen Profitrainer

zur Verfügung, der ihr Pläne schreibt.

Sie sagt: „Wenn ich laufe, fühle ich mich

frei von allem, ich brauche niemanden,

da bin ich mir ganz nah.“

Camille Chenaux spricht so hingebungsvoll,

aber auch abgeklärt über

ihren Sport, dass man leicht vergessen

kann, wie jung ihre Karriere noch ist.

Als der spanische Priester sie an jenem

Samstag im September 2018 ansprach,

war ihr Training weit von der heutigen

Ernsthaftigkeit entfernt. Sie erkannte

auch nicht sofort, dass Athletica Vaticana

die Chance ist, ihren Kindheitstraum zu

verwirklichen. „Erst als ich den Aufwand

erhöhte und von Wettkampf zu Wettkampf

besser wurde, fing ich an, die Ziele

zu formulieren, die ich jetzt verfolge.“

„WENN ICH LAUFE,

FÜHLE ICH MICH

FREI VON ALLEM,

DA BIN ICH MIR

GANZ NAH.“

Bezüglich dieser Ziele gibt es allerdings

noch ein Problem, das außerhalb ihres

Einflussbereichs liegt. Bei Olympischen

Spielen sowieso, aber auch bei den Kleinstaatenspielen

sind streng genommen

nämlich nur nationale Komitees mit

mindestens fünf verschiedenen Sportverbänden

zugelassen.

Zwar verfügt der Vatikan noch über

ein Fußball- und ein Cricket-Team, doch

deren Mitglieder treffen sich bloß zum

Vergnügen. Möglich, dass man für das

Leichtathletikteam des Papstes irgendwann

eine Ausnahme macht, die nächste

60 THE RED BULLETIN


Ge legenheit dazu besteht allerdings erst

2023: Bei den letzten Kleinstaatenspielen

2019 in Montenegro war Athletica

Vaticana noch nicht zugelassen, und

die diesjährigen Wettkämpfe in Andorra

sind wegen der Pandemie abgesagt.

Eine sehr dezent formulierte

Botschaft an junge Menschen.

Camille Chenaux, die sich als moderat

gläubig bezeichnet, weiß das alles, aber

sie betont auch, dass es ihr mit Athletica

Vaticana noch um etwas anderes gehe.

Auf Instagram hat sie mehr als 50.000

Follower, voriges Jahr war sie zusammen

mit Papst Franziskus auf einem Buchcover

zu sehen. „Über den Sport kann

ich junge Menschen ansprechen, die

sonst vielleicht nicht in Berührung mit

der katholischen Kirche kämen.“

Dass sie das einmal sagen würde, hätte

sie wahrscheinlich auch nicht gedacht,

als sie im September 2018 auf der Piazza

del Popolo nach Luft rang, zufrieden mit

sich, aber auch wahnsinnig ausgelaugt,

vom Publikum fast gänzlich unbemerkt.

Camille Chenaux beim Laufen via Instagram

begleiten: @thesportyblonde

GUT IN SCHUSS

Mit ernsthaftem Training

fing Camille Chenaux

erst vor drei Jahren an.

THE RED BULLETIN 61


WHEELIE

Was für Tarek Rasouli auf

dem Bike noch Spaß war,

ist im Rolli im Alltag

Notwendigkeit (was jetzt

nicht heißt, dass er daran

keinen Spaß hätte).

62 THE RED BULLETIN


Mountainbike

DAS IST EUROPAS

WICHTIGSTER

BIKE-MANAGER

Vor seinem Unfall war TAREK RASOULI, 46,

ein exzellenter Mountainbike-Freerider.

Doch erst seit er im Rollstuhl sitzt,

wurde er zum Dreh- und Angelpunkt der Szene

und veränderte eine komplette Branche

zum Besseren.

Text WERNER JESSNER

Fotos PHILIPP HORAK

THE RED BULLETIN 63


Mountainbike

Eine Liste von exakt zehn Personen, die

dich beruflich geprägt haben und die du

gern zum Abendessen einladen würdest:

Wer Tarek Rasouli, 46, diese Frage stellt,

beschäftigt ihn über Tage. Zehn Namen,

keiner mehr. Legenden der Frühzeit,

Superstars von heute, visionäre Bikepark-

Entwickler, prägende Event-Erfinder,

legendäre Filmer, renommierte Sportärztinnen,

hingebungsvolle Trainer: Es

ist das Who’s who der Szene. Wirklich

nur zehn Namen? Tarek streicht und ergänzt,

doch die Liste bleibt viel zu lang.

Der Start: Ein Sonnyboy

erobert die Bike-Welt

Wer wissen will, warum dieser Mann so

gut vernetzt ist, muss mitkommen auf

eine kleine Zeitreise um die Jahrtausendwende.

Wer damals Mountainbike-Fan

war, hatte sehr wahrscheinlich ein Poster

oder ein Magazin mit Tarek zu Hause.

Der Münchner war der einzige Europäer

unter den legendären „Fro-Ridern“,

dem ersten Profi-Freeride-Team des Kult-

Herstellers Rocky Mountain. Diese rare

Pflanze hatte seine Wurzeln in einer

BMX-Karriere und einer als Fotomodell.

Tarek zierte in seiner Karriere eine zweistellige

Zahl an Covern internationaler

Bike-Magazine. Er sah gut aus und konnte

verdammt gut fahren – eine seltene Kombination,

vor allem in Europa. So startete

er nach dem Abi eine Karriere, die er

selbst managte. „Ich war meine eigene

globale One-Man-Show: Manager, Pressesprecher,

Trainer und mehr. Ich war überarbeitet,

aber oft untertrainiert. Manchmal

war mein Training das Fotoshooting

selbst!“ Aber es funktionierte. Sein Geld

verdiente er auch mit Shows und BMX-

Rennen. Und dann das: „1999 wurde ich

auf meiner Heimbahn nur Vizemeister.

Im Ziel hab ich geweint, weil ich so enttäuscht

war.“ Tarek war da immerhin

schon 24 Jahre alt. Er stellte das BMX

in die Ecke, konzentrierte sich voll aufs

Mountainbike – aber nicht auf Rennen,

sondern auf Videoproduktionen.

Mit immer actionreicheren Clips

wuchs er in die Freeride-Szene rein, die

sich ausgehend vom kanadischen British

Columbia gerade etablierte. Das Medium

jener Tage war die VHS-Kassette, die Kult-

Reihe hieß „Kranked“. Dort fuhren die

Götter. Dank seiner Professionalität, aber

auch seinem Style arbeitete sich Tarek

bis zu den Fro-Ridern nach oben. Seine

Sponsoren inszenierten ihn als Sonnyboy

mit Models, Party und Glamour, selbst

PIONIER DER LÜFTE

Tarek sprang den später ikonisch

gewordenen Stunt „Mushroom Drop“

in Moab, Utah, als Erster.

wenn es hinter den Kulissen nicht immer

so glitzerte – aber wen kümmerte das

schon: „Nach meinem ersten Auftritt in

‚Kranked‘ musste ich reihenweise Autogramme

geben – etwas, was mir all die

Cover und die sportlichen Erfolge im

BMX nie gebracht hatten.“

Der Einschlag: ein Sturz,

der plötzlich alles veränderte

Für „Kranked 5“ sollte im Spätsommer

2002 im kanadischen British Columbia

gedreht werden, jenem Geburtsort des

Freeriding. Ein neuer Berg, große Verwirrung

bezüglich der Drehgenehmigungen,

alles sehr konfus. Als die Rider endlich

mit dem Lift im Bike-Resort Sun Peaks

rauffahren durften, um die Stelle anzuschau

en, an der sie drehen wollten, sagte

Tarek: „What a beautiful view from a

wheel chair.“ Er hatte eigentlich „chairlift“

gemeint, also Sessellift – und doch war

der Satz beinahe prophetisch. Was die

wenigsten wissen: Tareks Halbbruder,

der im österreichischen Kärnten lebt,

sitzt seit einem Kletter-Unfall im Rollstuhl.

Kurz dachte er an ihn. Zwei Stunden

nach diesem Satz schlug der Blitz

bei Tarek ein. Der Landehügel war unterdimensioniert,

er zu hoch gesprungen.

In mehreren Metern Höhe warf er das

Bike weg. Bei der Landung auf den Beinen

gab der oberste Lendenwirbel auf. Sofort

waren bestialische Schmerzen da. Taubheit.

Und die Vermutung, dass die Bike-

Karriere unwiderruflich zu Ende war.

Der Neuanfang:

Optimismus als Rettung

Wenn Tarek Rasouli von jener Zeit

spricht, in der er den Grundstein zu allem

Weiteren legte, beginnt er noch im

Krankenhaus in Kanada. Der freundliche

150-Kilo-Pfleger mit der Piepsstimme.

Dann das Dreibettzimmer in der Reha

in Murnau, wo sich der eine Nachbar gar

nicht und der andere nur einen Arm bewegen

konnte, was diesem immerhin das

Kettenrauchen ermöglichte. Tarek lag

fröhlich dazwischen: „Ich habe einen

Luxus- Querschnitt! Volle Beweglichkeit

der Arme und Hände, sogar der Bauchmuskeln.

Was soll ich da jammern?“

Eine Eigenschaft, die Trial-Legende

Danny MacAskill an Rasouli bewundert:

„Ich habe Tarek noch nie – niemals – über

seinen Zustand klagen gehört.“ In seinem

Inneren sieht es bisweilen freilich anders

aus: „Natürlich habe ich Schmerzen.

Jeden Tag. Aber andere sind viel schlechter

dran.“ Man würde seine Schmerzen

nicht ahnen, genau wie man vergisst,

dass der charismatische Mann mit den

vielen Ideen im Rollstuhl sitzt, wenn

man länger mit ihm zu tun hat. Seine

Zuversicht und sein Anpackergeist sind

es auch, die ihn schnell in Kontakt mit

Gleichgesinnten bringen – etwa mit den

Machern der Wings for Life Stiftung,

die sich für die Heilung von Querschnittslähmung

einsetzt (s. Kasten S. 67). Als

Stiftungs-Botschafter spricht Tarek seit

über 15 Jahren anderen Betroffenen Mut

zu, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen.

SCOTT MARKEWITZ

64 THE RED BULLETIN


DAS NETZWERK DES TAREK RASOULI

Bei ihm laufen die Fäden zusammen: Der Bike-Manager (in der Mitte) kennt

auf zwei Rädern die Götter und die Welt – und bringt sie zusammen.

DER KULT-FILMER

DEREK WESTERLUND

Von „New World Disorder“

bis „Where the Trail Ends“:

Er setzt die Athleten in Szene.

DER LOCAL HERO

ERIK FEDKO

Tarek hat den besten

deutschen Freerider einst

bei einem kleinen Event

entdeckt.

DER YOUTUBE-

SUPERSTAR

FABIO WIBMER

Der gebürtige Osttiroler

hat die Ideen, Tarek und Co

tragen sie in die Welt.

BORIS BEYER/RED BULL CONTENT POOL(2), BRYAN RALPH, PHILIP PLATZER/RED BULL CONTENT POOL,

COLIN MEAGHER, YORRIX CARROUX, JONNIE BOER, DAVE MACKISON/RED BULL CONTENT POOL, KLAUS BAUER

DER EVENT-GURU

TODD BARBER

Erfinder des legendären

Red Bull Rampage und weiterer

Bike-Spektakel

DIE TRIAL-IKONE

DANNY MacASKILL

Der Mann, der uns immer

wieder staunen lässt, ist

mittlerweile mehr Freund

als Klient von Tarek.

DIE ÄRZTIN

DR. CHRISTINE

BACHMANN

Behandelt Tareks Biker

und weitere Top-Athleten.

DER TRAINER

LORENZ WESTNER

Kümmert sich um

begnadete Körper auch

in schwierigen Lagen.

DER BIKEPARK-VISIONÄR

KORNEL GRUNDNER

Setzte Leogang in Salzburg

auf die Bike-Landkarte – auch

dank Tareks Events.

DIE BESTE SCHWESTER

NATHALIE TANOS

Stellvertretende Geschäftsführerin

bei Rasoulution und

Tareks rechte Hand

DER FREERIDE-

ÜBERFLIEGER

EMIL JOHANSSON

Der Freerider mit dem vielleicht

größten sportlichen

Potenzial weltweit vertraut

auf Tareks Netzwerk.

THE RED BULLETIN 65


WIEDER AUF DEN BEINEN

Es ist ein persönlicher Durchbruch:

Seit kurzem kann Tarek wieder

eigene Schritte machen – mit

Hightech-Unterstützung des Exoskeletts

EksoNR von Ekso Bionics

und immer in Begleitung einer Physiotherapeutin.

So will er am 9. Mai

sogar beim Wings for Life World

Run wieder als Läufer starten.

66 THE RED BULLETIN


Mountainbike

PHILIP PLATZER FOR WINGS FOR LIFE WORLD RUN

Die Revolution: Ein Kolumnist

erfindet etwas andere Bike-Events

Nach der intensiven Reha-Phase machte

Tarek da weiter, wo er vor dem Unfall

aufgehört hatte: Er jammerte nicht, sondern

managte sich selber, genau wie er

es immer getan hatte. Nutzte seine Kontakte.

Er schaute beim Magazin „Bike“

rein und kam mit dem Auftrag für eine

ständige Szene-Kolumne raus. Schließlich

die Anfrage, ob er sich zutrauen

würde, ein Event zu organisieren. Hatte

er zwar noch nie gemacht, aber er hegte

schon lange den Traum, auch Menschen

jenseits der Szene für Bike-Events zu begeistern.

Und so wählte er die Location

nicht versteckt in den Bergen, sondern

bei Konstanz am Bodensee und setzte auf

Good Vibes und Partystimmung. Aus

„Ride to the Lake“ sollte später der Red

Bull District Ride entstehen, ein Bike-

Spektakel vor zehntausenden Zuschauern,

zuletzt etwa in der Nürnberger Altstadt.

Ermutigt vom Erfolg in Konstanz,

gründete Tarek mit einer Freundin eine

Event-Agentur: Rasoulution.

Die Begeisterung und der Optimismus,

mit denen Tarek an die Sache heranging,

erweckten Dinge zum Leben, die sonst

nie und nimmer funktioniert hätten. Das

Feuer, das damals aufflackerte, brennt

heute unverändert hell: Wenn er vorab

den streng geheimen Pilot des jüngsten

Danny-MacAskill-Videos „The Slabs“

durchschickt, freut er sich wie ein Kind,

weil einem seiner Athleten wieder einmal

etwas Unfassbares gelungen ist und

er seinen Teil dazu beitragen konnte.

Die Familie: Eine Heimat für globale

Zweirad-Stars entsteht

Rasoulution bietet nämlich auch Athleten-

Management, also genau das, was Tarek

einst für sich selbst gemacht hat, bloß

viel, viel professioneller. Es sind nicht die

Schlechtesten, die auf Rasoulution vertrauen:

YouTube-Megastar Fabio Wimber

zum Beispiel. Das deutsche Supertalent

Erik Fedko. Danny MacAskill, längst

mehr Kumpel als Kunde. Wer bei Rasoulution

ist, gehört zur Familie. Als den

schwedischen Jungstar Emil Johansson

monatelang mysteriöse Rückenprobleme

quälten, ließ Tarek ihn nach München

einfliegen, wo Spezialisten ein Problem

mit einem Wirbel diagnostizierten, außerdem

ein Autoimmun-Problem. Nach

zehn Monaten konnte Emil sein Comeback

auf dem Bike geben: „Ohne das persönliche

Engagement von Tarek weiß ich

nicht, wie es ausgegangen wäre. Dafür

bin ich ihm total dankbar!“

Elf Athleten hat Rasoulution elf Athleten

unter Vertrag. Wie sucht ihr die aus?

„Spezielles Talent. Und ganz wichtig ist

ihr Charakter. Ihre Offenheit, Umgänglichkeit

und Bodenständigkeit.“ Die letzte

Entscheidung trifft Tarek. Ein junger

Local Boy wie Erik Fedko kann es genauso

schaffen wie jüngst ein bis dato völlig

unbekannter Japaner namens Tomomi

Nishikubo, den Tarek auf Videos entdeckte.

Oder man nimmt den klassischen

Weg wie Fabio Wibmer, der als Sechzehnjähriger

bei einem von Tarek und Danny

Am 9. Mai: Mit Tarek für

die gute Sache laufen

Wings for Life World Run

Weltweit starten zeitgleich alle Teilnehmer

zum Wings for Life World Run. Jeder läuft

einzeln, eine App feuert dich an und signalisiert,

wenn dich das virtuelle Catcher Car

eingeholt hat. Die Einnahmen fließen zu

100 Prozent in die Rückenmarksforschung.

Übrigens, über die App kannst du auch

Tareks Rasoulution-Laufteam beitreten.

Sei dabei: wingsforlifeworldrun.com

Zusammen stark

für die Forschung

Wie die Wings for Life Stiftung

Querschnittslähmung heilen will.

Robotergestützte Reha, Proteine,

die Nervenwachstum fördern, künstliche

Intelligenz, die maß geschneiderte

Therapien berechnet: Weltweit fördert

die von Bot schaf tern wie Tarek Rasouli

unterstützte Wings for Life Stiftung

wegweisende Forschungsprojekte

zur Heilung von Querschnittslähmung –

und ermöglicht damit schon heute

vielen Betroffenen ein besseres Leben.

Mehr Infos: wingsforlife.com

MacAskill organisierten Camp auffällt,

behutsam reift, mit „Fabiolous Escape“

den YouTube-Hit des Jahres landet – und

dann zum globalen Star wird: Der Clip

„Wibmer’s Law“ zählte zu Redaktionsschluss

über 160 Millionen Views.

Das Ergebnis: ein neues Level

für das Fahrrad-Universum

Das alles liest sich wie ein Märchen.

Fest steht: Die Freeride-Szene wäre nicht

so professionell und präsentabel, würde

nicht Tarek mit seiner Crew die Standards

hochschrauben. Vorbei sind die Zeiten,

in denen Poster von Mountainbikern

nur in den Zimmern der Freaks hingen.

Typen wie MacAskill oder Wibmer kennt

heute jedes Kind. Auch dass Events um

so viel sicherer geworden sind, bei gleichzeitig

immer ärgeren Stunts, ist ein Verdienst

von – nicht nur, aber auch – Tarek

Rasouli. Wenn er vom Rollstuhl aus

befindet, dass eine Landung breiter gemacht

werden soll, wer würde da widersprechen?

Oder dass es eine Kameraposition

gibt, die die Action der Kids

besser einfängt? Oder tausend Details,

die nur jemand kennt, der dem Sport

seit fast drei Jahrzehnten so viel gegeben

hat? „Und warum gibt es im Großraum

München nur drei Pumptracks, aber

hunderte Fußballplätze?“, fragt Tarek

provokant, und man ahnt, womit er sich

die nächsten Jahre beschäftigen wird.

Das einzig unlösbare Problem bleibt

jenes mit den zehn wichtigsten Menschen

seiner Karriere. Typen mit einem dermaßen

fest gewobenen Beziehungsnetz

kann man kaum in ein so enges Korsett

zwängen – sie brauchen Events, um dort

alle zu treffen. Wie passend, dass Tarek

Rasouli diese Events veranstaltet. Dieser

Mann ist goldrichtig da, wo er ist.

Hast du dir jemals überlegt, wo du

heute ohne den Unfall wärst? „Vermutlich

wäre ich viel zu lang bloß Rider

geblieben und hätte einiges versäumt.“

Wenn er da so sitzt, beim Red Bull

Rampage in Utah, dem Red Bull District

Ride in Nürnberg oder einem kleinen

Event irgendwo, wenn die Jungs draußen

sind und fahren, wenn alles läuft, dann

fällt ihm manchmal der Satz ein, den

er einst zwei Stunden vor dem großen

Crash gesagt hat: „What a beautiful view

from a wheelchair.“

Mehr über Tareks Welt: rasoulution.com

THE RED BULLETIN 67


E-Mobilität

Göteborg: Klarén vor

der schwedischen

Zentrale von Volvo,

der Muttermarke

des Polestar


„Wir legen

die Karten

offen auf

den Tisch“

BJÖRN LARSSON ROSVALL

Wie umweltfreundlich ist E-Mobilität wirklich?

Gibt es klimaneutrale Fahrzeuge? Und: Fahren wir

morgen überhaupt noch eigene Autos?

FREDRIKA KLARÉN, Nachhaltigkeits managerin

bei der Volvo-Tochter Polestar, über die

neue Ehrlichkeit der Autoindustrie.

Interview WERNER JESSNER

69


E-Mobilität

Tnachhaltig ist sie noch längst nicht. Wir

sprechen das ganz offen aus, weil wir

glauben, dass die Automobilindustrie

ihre Art der Kommunikation dramatisch

ändern muss: hin zu absoluter Transparenz

und Ehrlichkeit, gerade wenn es

um E-Mobilität geht.

Da haben Sie viel zu tun. Offizielle

Durchschnittsverbräuche hatten

in der Vergangenheit selten etwas mit

der Realität zu tun, und niemanden

hat es groß gekümmert …

Ich hoffe, dass die Kunden bei Autos bald

ebenso genau hinschauen werden, wie

sie es bei Lebensmitteln oder Bekleidung

ohnehin bereits tun. Wir wollen, dass sie

he red bulletin: Was macht eigentlich

eine Nachhaltigkeits-Managerin

bei einem Autohersteller?

fredrika klarén: Ich versuche, die

Energie und die Ideen, die es innerhalb

von Polestar gibt, zu kanalisieren. Unsere

Leute hier wollen Dinge anders machen

als in der Autoindustrie bisher üblich –

nachhaltiger. Ich möchte daraus eine

Strategie formen, die diese Power bestmöglich

nutzt.

Wie macht man das?

Ich versuche, kompromisslos zu sein,

wenn wir uns im Dreieck Nachhaltigkeit,

Kosten und Aufwand bewegen.

Das heißt, ein Polestar darf mehr

kosten, wenn er dafür die Kriterien

der Nachhaltigkeit erfüllt?

Es kann auch heißen, dass wir mehr

arbeiten müssen, um bessere Lösungen

zu finden. Ein Beispiel: Für unsere Fabrik

in Shanghai mussten wir uns zwischen

einer Heizung mit Biogas und einer mit

Strom entscheiden. Gas wäre billiger gewesen,

aber damit hätten wir keine CO ²

-

neutrale Fabrik mehr gehabt. Mit Strom

aus erneuerbaren Energien geht das.

jene Informationen bekommen, die sie –

ganz zu Recht – verlangen, wenn sie ein

neues Auto kaufen. Eine Studie besagt,

dass 36 Prozent der Autoindustrie aktiv

misstrauen. Wir stellen dem absolut

transparente Kommunikation entgegen.

Wie bringt ein kleiner Hersteller wie

Polestar seine Konkurrenten dazu,

bei Offenheit und Nachhaltigkeit mitzuziehen?

Es gibt ja bereits Netzwerke in der

Industrie, und sie wachsen. Uns eint das

gemeinsame Ziel. Wir sollten einheitliche

Standards haben, wie wir den CO ²

-

Abdruck eines Autos messen, aus Fairness

unseren Kunden gegenüber, die sich zu

Recht Vergleichbarkeit erwarten. Dazu

muss man klar kommunizieren, wie

gemessen wurde, und diese Standards

müssen für alle gleich sein. Noch gibt es

ein großes Wirrwarr. Wir sind die Ersten,

die die Karten offen auf den Tisch legen,

auch wenn uns viele Zahlen noch nicht

gefallen, und wir wissen, dass wir besser

werden müssen. Wir sprechen das offen

aus. Auswüchse wie Autos, die als „klimaneutral“

beworben werden, sollte es

nach unserem Verständnis nach nicht

geben. Kein Auto ist CO ²

-neutral.

Gehen wir also davon aus, dass ein

Polestar nachhaltig produziert wird.

Tanke ich „schmutzigen“ Strom, verhagelt

das die Öko- Bilanz aber ganz

schnell wieder.

Egal welchen Strom-Mix man tankt:

Früher oder später erreicht man den

Punkt, ab dem ein E-Auto einen kleineren

CO ²

-Fußabdruck hat als eines mit Verbrennungsmotor.

Über die Lebensdauer

eines Autos gemessen, lässt er sich durch

erneuerbare Energien grob gesprochen

halbieren. Wofür wir als Hersteller verantwortlich

sind, ist die Energie, die im

„Echte Nach haltigkeit

erreicht man

nur, wenn innovative

Technologien für

die ganze Industrie

zugänglich sind.“

Echte und behauptete Nachhaltigkeit

sind oft enge Verwandte, Stichwort

„Greenwashing“. Wie stellen Sie

sicher, dass das nicht passiert?

Als Polestar 2017 gegründet wurde,

schrieb man „no bullshitting“ in der

Unternehmenskultur fest. Das gilt auch

für die Kommunikation. Oft wird ja so

getan, als wäre E-Mobilität der Königsweg

für nachhaltige Mobilität. Die Wahrheit

ist: E-Mobilität mag aktuell bereits

die beste Lösung sein, aber wirklich

Privat „tankt“ Fredrika Klarén bereits seit acht Jahren ausschließlich Strom.

Mit im Bild: ihr Privatauto, der Polestar 2

BJÖRN LARSSON ROSVALL

70 THE RED BULLETIN


Der wahre Fußabdruck

Wie viel CO ²

produzieren E-Autos im Vergleich zu

Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor tatsächlich?

Über seine gesamte Lebensdauer (200.000 Kilometer) gerechnet, ist ein E-Auto

umwelt freundlicher als ein Verbrenner, selbst wenn bei seiner Herstellung

ursprünglich mehr CO ²

entsteht. Knapp wird die Rechnung beim Betrieb mit dem

globalen Strom-Mix, in den CO ²

-Bomben wie Kohle, Öl und Gas eingerechnet sind.

Quelle: Polestar

60

50

40

30

20

10

Gesamt-

Tonnen CO ²

58

Volvo XC40

Verbrenner

50

Polestar 2,

betrieben mit

globalem

Strom-Mix

42

Polestar 2,

betrieben mit

europäischem

Strom-Mix

27

Polestar 2,

betrieben mit

erneuerbaren

Energien

CO ²

-Check: Ab wie viel Kilometer Fahrleistung ist der

Elektromotor umweltfreundlicher als der Verbrenner?

112.000 km

Polestar 2

mit globalem

Strom-Mix *

* Auflösung: Im Vergleich

zum Verbrennungsmotor

ist der Polestar erst nach

112.000 Kilometern auf

der grünen Seite, wenn

er ausschließlich mit

dem globalen Strom-Mix

betrieben wird. Die größten

CO ²

-Treiber: Kraftwerke,

die Öl, Kohle oder

Gas verbrennen.

78.000 km

Polestar 2

mit EU28-Strom-Mix

Das sieht um einiges

besser aus: Wenn (wie

in der EU im Jahr 2020)

bereits 40 Prozent des

Betriebsstroms aus

erneuer baren Quellen

gewonnen wird, ist der

Polestar seinen Kollegen

mit Verbrennungsmotor

auch schon nach

78.000 Kilo metern

überlegen.

Verschrottung

Betrieb

Produktion

Batterieherstellung

Rohmaterial-

Herstellung

50.000 km

Polestar 2

mit erneuerbaren

Energien

Der Idealfall: Kommen

100 Prozent des Stroms

für den laufenden Betrieb

aus erneuerbaren Quellen

wie Wind- oder Sonnenenergie,

kippt die Rechnung

schon bei 50.000

Kilometern ins Positive.

„Das Umweltbewusstsein

hat

zuletzt dramatisch

zugenommen.

Ich würde es

als Revolution

bezeichnen.“

Produktionsprozess draufgeht. Ein Polestar

2 verlässt die Fabrik heute mit einem

CO ²

-Abdruck von 26 Tonnen, ein Wagen

mit Verbrennungsmotor verursacht nur

rund die Hälfte. Unser Ziel ist die CO ²

-

neutrale Produktion.

Ist das realistisch?

Erste Schritte haben wir bereits gesetzt:

erneuerbare Energien in den Fabriken.

Die Energie-Effizienz des Autos im Fahrbetrieb

ist ein großer Faktor, Stichwort

Gewicht. Wir verwenden klimaneutrale

Materialien im Innenraum. Ein gutes Beispiel

ist das Schweizer Start-up Bcomp,

das hochleistungsfähige Verbundwerkstoffe

aus nachhaltigem Flachs herstellt.

Die Textilien bestehen aus recycelten

Fischernetzen. Wussten Sie, dass nahezu

die gesamte Badebekleidung in Skandinavien

so hergestellt wird? Ein perfektes

Beispiel für Nachhaltigkeit: Aus Müll entstehen

intelligente Produkte – und ein

Geschäftsmodell. Als kleinerer Hersteller

haben wir die Möglichkeit, neue, innovative

Zulieferer ins Boot zu holen.

Wie findet man diese Start-ups?

Indem man seine Augen offen hält und

aktiv auf der ganzen Welt sucht. Bcomp

ist ein gutes Beispiel dafür.

Und dann schließt man einen Exklusivvertrag,

um als einziger Hersteller

Flachs statt Plastik im Innenraum

verwenden zu können?

Echte Nachhaltigkeit erreicht man nur,

wenn innovative Technologien für die

ganze Industrie zugänglich sind. Die

alte Autowelt hätte Exklusivverträge

geschlossen. Wir machen das nicht.

Ich hoffe, dass wir damit einen Kulturwandel

anstoßen. Bleiben wir bei

Bcomp: Skalierungseffekte sind in der

Autobranche extrem wichtig. Wenn sie

profitabel sein wollen, brauchen sie viele

Abnehmer für ihre Flachsprodukte.

THE RED BULLETIN 71


Schwedischer Weg:

Nach Stationen bei IKEA

und der Modekette

KappAhl ist Klarén bei

Polestar angekommen.

72 THE RED BULLETIN


E-Mobilität

BJÖRN LARSSON ROSVALL, POLESTAR

Wie genau stellen Sie denn sicher,

dass Kobalt für die Akkus unter

menschenwürdigen Bedingungen

abgebaut wird?

Wir haben Blockchain-Technologie

implementiert, wie sie bei Kryptowährungen

auch verwendet wird. Die

Herkunft jeder Lieferung ist somit

absolut fälschungssicher nachvollziehbar.

Ich habe zuvor in der Bekleidungsindustrie

gearbeitet. Da geistert mehr

Bio-Baumwolle am Weltmarkt herum,

als überhaupt wächst! Mittels Blockchain

stellen wir sicher, dass Korruption in der

Lieferkette ausgeschlossen wird. Kobalt

ist der Anfang, aber wir werden das auch

auf andere Materialien und Rohstoffe

ausweiten.

Soll ich also mein altes Auto mit Verbrennerantrieb

durch ein elektrisches

ersetzen?

Das allein ist nicht die Lösung. Wir müssen

mehr Flexibilität ins System bringen.

Wie bringen wir Menschen und Güter

möglichst umweltschonend von A nach

B? Diese Frage müssen wir klären, anstatt

bloß jedem ein E-Auto vor die Tür

zu stellen. Auch die Infrastruktur muss

mitwachsen – und das wird sie. Wir sehen

unsere Rolle darin, Produkte zu bauen,

die langlebig sind und die man reparieren

kann – auch die Batterien.

Wie sieht es mit dem Recycling aus?

Die EU schreibt eine Quote vor, die alle

Hersteller erreichen. Aber wir müssen

noch besser werden und die Quote, die

derzeit bei 88 Prozent liegt, weiter erhöhen.

Es ist zum Beispiel nicht einzusehen,

dass das Plastik alter Autos noch

immer thermisch entsorgt, also schlicht

verbrannt wird. Mischfasern in Textilien

mögen ein Problem beim Recycling sein.

Das Plastik eines so großen Teils wie eines

Armaturenbretts sollte es nicht sein. Hier

müssen wir als Autoindustrie besser werden

und in feinere Recycling-Anlagen

inves tieren. Autos sollten zu 100 Prozent

wiederverwertbar sein.

Welche Lebensdauer nehmen Sie

bei Ihren Berechnungen für den Fußabdruck

über die komplette Nutzungszeit

eines Polestar 2 an?

200.000 Kilometer. Nun sehen wir aber

bereits, dass sowohl das Auto selbst als

auch die Batterie deutlich länger halten,

die Gesamtposition also positiver ausfallen

wird als von uns ursprünglich

berechnet.

„In acht Jahren

wird das E-Auto

die Normalität sein,

der Verbrenner

die Ausnahme.“

Wie nutzen Sie persönlich E-Autos?

Ich fahre seit acht Jahren ausschließlich

elektrisch. Wenn ich ausnahmsweise

wieder in einem Auto mit Verbrennungsmotor

sitze, merke ich, wie sich meine

Art, Autos zu nutzen, verändert hat.

Im Winter heize ich mein Auto immer

bereits vor, bevor ich einsteige. Das Fahrgefühl

bei Verbrennern ist viel langweiliger.

Sie sind laut und vibrieren.

Wo werden wir in weiteren acht

Jahren stehen?

Das E-Auto wird die Normalität sein, der

Verbrenner die Ausnahme. Wir werden

die Produktionsketten so umgebaut

haben, dass die Emissionen in der Produktion

dramatisch niedriger sein werden

als heute, gerade in den Bereichen

Batterie-, Alu- und Stahlherstellung. Die

Energielade-Infrastruktur wird exponentiell

gewachsen sein. Die Entwicklung

wird uns rasanter vorkommen, weil wir

Menschen linear denken, der Fortschritt

aber exponentiell passieren wird.

Wie groß wird der globale Automarkt

im Vergleich zu heute sein?

Ich hoffe, dass wir mit weniger Autos

mehr Geld verdienen als heute, weil

Hersteller nicht mehr nur Autos bauen,

sondern eine ganze Kette an Mobilitäts-

Services wie etwa Car-Sharing anbieten.

Polestar bietet mit der Studie

„ Precept“ einen Zukunfts-Ausblick

auf ein künftiges Modell. Kommt

dieses Auto wirklich so?

Ja. Precept ist sehr mutig, aber die Autoindustrie

sollte auch mutig sein, anstatt

noch immer Geld in die Entwicklung

von Verbrennungsmotoren zu stecken,

vor allem für Märkte in Südamerika und

Afrika. Man kann doch keine Energie

für Technik von gestern vergeuden und

sich damit zufriedengeben, schöne

„grüne“ Prototypen herzuzeigen, die

dann ohnehin nicht kommen. Der Precept

ist kein Concept-Car, er ist unser

Commitment-Car.

Heute Concept-Car, morgen bereits

in Serien produktion: der Polestar

Precept

POLESTAR PRECEPT

Zukunft

in Serie

Vom Material bis zur Form:

Dieses Auto setzt alles

auf smarte Effizienz.

„Hightech-Minimalismus“ nennt

Polestar-Chef Thomas Ingenlath

das Design des Precept. Markteinführung:

in zwei Jahren. Auffällig:

Statt eines Kühlergrills befinden

sich in der geschlossenen Front die

Sensoren für Assistenzsysteme. Was

einst dem Luftzug diente, ist jetzt

also fürs Sehen zuständig. Oberflächen

aus Flachs, recycelten PET-

Flaschen oder Fischernetzen sind

im Innenraum verbaut. Anstelle einer

Heckscheibe ist das Glasdach für ein

luftiges Raumgefühl bis ganz nach

hinten gezogen.

Mehr Inspiration für

Innovative gibt es

im aktuellen INNOVATOR.

Infos und Abo unter:

redbulletininnovator.com

THE RED BULLETIN 73


AUF DEM SPRUNG IN

DIE SELBSTSTÄNDIGKEIT?

Wie Sie alle

Hürden meistern:

www.wingfinder.com

F R E E A S S E S S M E N T


GUIDE

Tipps für ein Leben abseits des Alltäglichen

JAKE HOLLAND CALUM MUSKETT

PARAGLEITEN

AM MONT BLANC

– mit Bergführer

Calum Muskett

75


GUIDE

Reisen

„In der kühlen Morgenluft

stürze ich mich

hinab Richtung Italien

und freue mich auf

einen stärkenden

Cappuccino im Café

neben dem Landeplatz.“

Calum Muskett, Bergführer

und Paragleiter, erzählt vom

Abenteuer „Para-Alpinismus“.

Unter meinen Füßen knirscht

der Schnee, als ich die

letzten Schritte auf dem

schmalen Grat mache, der

zum höchsten Gipfel der

Alpen führt: zum Mont Blanc, 4809 Meter

über dem Meer. Eine Wolke bedeckt

die französische Seite des Berges, eine

eisige Brise bringt meine Augenlider

zum Gefrieren.

Es ist der 1. September 2019, sieben

Uhr früh, und das Gleitschirmverbot

in der Region wurde gerade aufgehoben.

Mir wird ein bisschen übel, als ich meine

Tasche auspacke – die Anstrengung des

Aufstiegs hat mir körperlich zugesetzt.

Ich bin von Les Houches aus aufgestiegen

und seit ein Uhr früh unterwegs – das

sind 3800 Höhenmeter in sechs Stunden.

Das Tal von Chamonix liegt tief unter

mir. Von meinem Standpunkt aus wäre der

Weg den Mont Blanc hinunter normalerweise

lang, beschwerlich und riskant,

er würde über Gletscher und Felswände

führen, aber ich werde den Abstieg nicht

zu Fuß vornehmen. Ich werde fliegen.

Seit 2006 besteige ich Berge. Damals

absolvierte ich eine Ausbildung auf den

Klippen meiner Heimat Nordwales.

Heute, als professioneller Kletterer und

Bergführer, folge ich den Jahreszeiten

und teile meine Zeit zwischen den Bergen

von Snowdonia in Wales und den französischen

Alpen auf.

Vor zwei Jahren habe ich Paragleiten

gelernt, was mir neue Horizonte eröffnet

hat. Eine Besteigung des Mont Blanc

dauert normalerweise drei Tage und

umfasst zwei Seilbahnen und eine Zugfahrt.

Wenn ich heute sehr früh auf

den Berg klettere, kann ich zum Frühstück

wieder zurück sein.

Das Fliegen hat etwas Befreiendes –

wie nach dem Start, bei dem alles einfach

Aufstieg über den Pilier Rouge du Brouillard

stimmen muss, der Druck entweicht, die

Füße baumeln surreal über dem Abgrund,

man trickst die Evolution aus und gesellt

sich segelnd zu den Vögeln.

Nach zehn Minuten, in denen ich die

frostbedeckten Seile entwirrt und den

Fallschirm ausgelegt habe, bin ich dahin,

stürze mich in der kühlen Morgenluft

vom Gipfel hinab, gleite Richtung Italien

und freue mich – heilfroh, nicht mehr

weiterwandern zu müssen – auf einen

stärkenden Cappuccino im Café neben

dem Landeplatz. Der Flug dauert ungefähr

40 Minuten. Zu Fuß würde eine

geführte Gruppe, je nach Können, ein

bis zwei Tage brauchen.

Para-Alpinismus, wie man in Frankreich

sagt, wird zu einer immer belieb­

76 THE RED BULLETIN


Wohin

soll’s

gehen?

Ort:

Chamonix-Tal

Nächster Flughafen:

Genf, Schweiz

Transport:

sechs Seilbahnanlagen

Startplätze:

Im Mont-Blanc-

Massiv gibt es

mehrere, Calum flog

einmal vom Gipfel

des Mont Blanc, einmal

vom Glacier du

Brouillard in knapp

4000 Meter Höhe.

Frankreich

Italien

Saisonale Information:

Im Juli und August ist

Paragleiten im Mont-

Blanc-Massiv verboten.

Grund dafür

sind Unfälle in den vergangenen

Jahren und

die steigende Zahl

der Helikopterflüge.

JAKE HOLLAND CALUM MUSKETT

Schmaler Grat: Calum Muskett auf dem Weg zur Biwakstation Pic Eccles

Talfahrt: Der Gletscher ist für den Start ideal, aber der Untergrund etwas glatt.

teren Freizeitbeschäftigung. Wie der

Name schon verrät, handelt es sich dabei

um eine Kombination aus Paragleiten

und Alpinismus, und die europäischen

Alpen mit ihren überschaubaren Flugbeschränkungen

und der hervorragenden

Infrastruktur eignen sich für so ein Vorhaben

besonders gut.

Das Konzept ist nicht neu: Pioniere wie

der Franzose Jean-Marc Boivin starteten

schon vor rund vierzig Jahren von einigen

der höchsten Gipfel der Welt. Diese Frühzeit

des Sports gipfelte in Boivins Flug

vom Mount Everest 1988. Seither hat

sich die Technologie des Paragleitens

eher zu den Cross-Country-Flügen hin

verlagert, wo die Leistung der Tragflächen

vor allem darauf ausgerichtet ist,

Gleitzahl und Auftrieb zu verbessern.

Der aktuelle Weltrekord gelang brasilianischen

Piloten 2016: Sie legten eine

Strecke von 564 Kilometern zurück.

Die Pioniere des Para-Alpinismus

schulterten noch riesige Rucksäcke, die

mehr als zwölf Kilo wogen (und darin ist

die erforderliche Bergsteigerausrüstung

noch nicht eingerechnet), wodurch sich

die Kletter/Flug-Missionen eher mühsam

und unpraktisch gestalteten.

Das änderte sich erst vor kurzem

mit neuen Schirmtypen. Die neuen Tragflächen

wiegen jetzt nur noch ein Kilo,

lassen sich in einen mittelgroßen Beutel

stopfen und haben ein ultraleichtes Sitzgeschirr.

Dieser Technologiesprung hat

dem Sport deutlichen Auftrieb gegeben.

September 2020. Zusammen mit meinen

Freunden Paul und Jake bin ich wieder

auf dem Mont Blanc. Wir versuchen

einen Aufstieg über den schwierigsten

THE RED BULLETIN 77


GUIDE

Reisen

Segeln wie die Vögel: Calum Muskett fliegt über die Gletscherspalten des Glacier du Brouillard (oben)

und nähert sich dem Landeplatz im italienischen Val Veny (unten).

Felsen des Berges, den Pilier Rouge du

Brouillard, einen imposanten Granitmonolithen

auf 4000 Metern, und das

über eine erst im Juli erstmals bezwungene

Route, die als „Incroyable“ (zu

Deutsch: unglaublich) bekannt ist.

Die Sonne scheint, es ist heiß. Unter

schmelzendem Schnee auf den Hängen

über und unter uns taucht eine schwindelerregende

rote Felswand auf, die wir mit

unseren Fingerspitzen hinaufklettern.

Am Ende eines erfolgreichen Klettertages

schaffen wir es bis zur winzigen

Blechschutzhütte auf dem Pic Eccles und

zu einem geeigneten Startplatz an einem

hängenden Abschnitt des Gletschers

nahe der Hütte.

Die Position ist furchterregend. An sich

ist der immer steiler werdende Schneehang

perfekt für einen Absprung – oder

besser: Er wäre perfekt, wenn nicht der

ganze Hang immer noch gefroren wäre.

Paul und Jake stehen auf einem ausge­

„Lauer Wind hebt

den Schirm – und

mich sanft von

den Füßen.“

Calum Muskett, Bergführer und Paragleiter

schlagenen Schneevorsprung 30 Meter

neben mir. Es ist Pauls erster Flug unter

Jakes Kommando auf einem ultraleichten

Tandemparagleiter. Was für ein Ort für

eine Premiere!

Mit Steigeisen, um mir Halt auf dem

glatten Untergrund zu verschaffen,

mache ich meinen Anlauf. Der leichte

Stoff erhebt sich schnell und einfach

über meinen Kopf, und sobald die Vorderkante

die Sonne zu berühren scheint,

bläst lauwarmer Wind aus dem Tal den

Schirm auf und hebt mich sanft von den

Füßen. Ich schaue zurück und sehe,

wie Jake und Paul vor Freude jauchzend

starten und es sich unter ihren Tragflächen

bequem machen.

Bergführer Calum Muskett buchen unter:

muskettmountaineering.co.uk (für Touren

im Raum Chamonix). Ein fünftägiger Paragleit-

Kurs kostet zwischen 500 und 900 Euro,

die Ausrüstung rund 3000 Euro.

JAKE HOLLAND CALUM MUSKETT

78 THE RED BULLETIN


JAHRESABO

getredbulletin.com

€ 25,90

BEYOND THE ORDINARY

Erhältlich am Kiosk, im Abo, als E-Paper, auf theredbulletin.com oder als Beilage in einer Teilauflage von:

LORENZ HOLDER/RED BULL CONTENT POOL


GUIDE

Gaming

TIPPS

Spielend

Karriere

machen

Jacob Mourujärvi ist ein

Weltklasse-Spieler des Ego-

Shooters „Valorant“. Hier

verrät der Schwede, wie er

es zum Profi geschafft hat.

Red Bull Campus Clutch ist

ein weltweites eSport-Turnier

für Spieler im Studierendenalter.

Gespielt wird „Valorant“,

ein taktisches Ego-Shooter-

Game. Schon bevor das Spiel

vergangenes Jahr veröffentlicht

wurde, brach es einen

Rekord: Mit 34 Millionen Stunden

an einem Tag ist nie zuvor

ein Spiel länger verfolgt worden

– und zwar von Zuschauern,

die sich die Streams ausgewählter

Spieler ansahen.

Im Weltfinale von Red Bull

Campus Clutch kämpfen die

Siegerteams aus jedem Land

im Juli um 20.000 Euro Preisgeld

und ein Gaming-Center

für ihren Uni-Campus.

Von Jacob „Pyth“ Mourujärvi

könnten die Campus-

Clutcher einiges lernen. Der

27-jährige Schwede gehört

zur Elite-eSport-Mannschaft

G2 und ist einer der besten

„Valorant“-Spieler der Welt.

Vor neun Jahren wollte er

noch IT-Experte werden. „Ich

hatte keinerlei Vorstellung

von meiner Karriere, außer

dass ich gerne mit Computern

arbeitete.“ Damals spielte er

das gerade neu erschienene

„Counter-Strike: Global Offensive“

(„CS:GO“), als Mitspieler

ihn einluden, einem Team beizutreten.

„Mittlerweile arbeite

ich jeden Tag mit Computern.“

Und zwar als Profispieler …

15 Stunden Gaming

Als Mourujärvi mit achtzehn

den üblichen Bildungsweg

hinter sich ließ, spielte er

15 Stunden täglich „CS:GO“.

„Acht Uhr morgens schlafen

gehen, fünf Uhr nachmittags

aufstehen und weiterspielen“,

erinnert er sich. „Aber sobald

mir bewusst wurde, dass ich

damit Karriere machen kann,

änderte ich meine Routine

und fing an, wie ein Profi zu

denken. Ich hörte auch mit

dem Lästern auf, wie es in

der Szene üblich ist. Jetzt

bin ich ein lieber Kerl.“

Stärken ausspielen

Pyth ist ein Meister des

„Clutch Play“– der Fähigkeit,

ein Spiel in den letzten

Sekunden umzudrehen.

Schon 2014 bezwang Pyth

im Alleingang seine Gegner

in einem „CS:GO“-Match.

„Beweise dich, und man wird

dich wahrnehmen“, sagt er.

„Aber Abkürzungen gibt’s

keine. Man muss sich Schritt

für Schritt hocharbeiten.“

Neues riskieren

2015 betrat Pyth Neuland und

half beim Aufbau des neuen

kanadischen „CS:GO“-Teams

Luminosity Gaming. „Durch

diese Erfahrung bin ich jetzt

teamfähiger, offener und

ehrlicher.“ Dieser erfolgreiche

Schachzug inspirierte ihn

gleich für den nächsten: Mourujärvi

hörte mit „CS:GO“ auf,

„Ich bin jetzt

teamfähiger,

offener und

ehrlicher.“

Jacob Mourujärvi,

genannt „Pyth“, 27

Scharfschützen:

die Charaktere

Phoenix (li.) und

Jett aus dem

Game „Valorant“

vor allem auch deshalb, weil er

auf Twitter während des Spiels

Morddrohungen erhalten

hatte. „‚Valorant‘ hat eine sehr

unterstützende Fanbase“,

erzählt Pyth. Angenehme

Arbeits kollegen seien schließlich

überall entscheidend.

„Bei G2 sind wir Freunde. Beim

Spielen und auch danach.“

Niemals aufhören

Mit 27 gehört Mourujärvi zu

den eSport-Veteranen. Was

nach dem Karriereende nun

kommt? „Ich will weiter im

eSport arbeiten, vielleicht ja

als Trainer. Viele Spieler üben

jeden Tag ihre Treffsicherheit,

verstehen aber nicht viel von

Teamwork und Strategie. Dabei

ist es wie im Fußball: Die

Spieler im Team sollten einander

nicht zu sehr gleichen

und eine Einheit bilden.“

„Valorant“ auf Microsoft

Windows: playvalorant.com

Die aktuellen Matches beim

Red Bull Campus Clutch

findest du auf redbull.com.

Folge Pyth auf: twitch.tv/pyth

YUNG ELDR JOE ELLISON

80 THE RED BULLETIN


GUIDE

Playlist

PAROV STELAR

Mein Sohn,

8, ist mein

wichtigster

Kritiker

Electroswing-Pionier Parov Stelar

verrät, welche Lieder sein Leben

prägten – wie etwa jenes,

das seinem Sohn Max einen

schulfreien Tag bescherte.

In seinem Studio auf Mallorca

produziert Marcus Füreder, 46,

geläufiger als Parov Stelar, gerade

ein Album für sein Alter Ego

Stelartronic: „Stelartronic – The

Observer“ soll „elektronischer,

experimenteller, poppiger“ grooven.

Daneben bereitet er eine

Ausstellung seiner Gemälde

in Palma vor; im Clip zum neuen

Stelar tronic-Remix von „Brass

Devil“ bringt sich der Oberösterreicher

als Grafiker und erstmals

als Darsteller ein. Und mit seiner

„Voodoo Sonic Documentary“

gibt er auf 160 Streaming-

Plattformen (darunter Amazon

und Apple TV; mit Untertiteln in

80 Sprachen!) einen Einblick in

sein Leben. Uns verrät der DJ,

Produzent und Remixer, welche

Lieder ihn bewegen.

Multitalent

Marcus Füreder

alias Parov Stelar

JAN KOHLRUSCH FLORIAN OBKIRCHER

GUSGUS

WITHIN YOU (2011)

„Diese Nummer habe ich vor zehn

Jahren im heftigen Liebeskummer

auf und ab gehört. Solche Zeiten

fräsen sich in dein Hirn und dein Herz.

Das Komische ist: Eigentlich erinnert

sich ja niemand gern an solche Situationen.

Aber Musik kann so viel!

Wenn ich ‚Within You‘ heute höre,

denke ich mir: Das war damals echt

scheiße. Was bin ich froh, dass es

mir wieder so gut geht!“

MACKLEMORE & RYAN LEWIS

CAN’T HOLD US (2011)

„Ich beschäftige mich als Produzent

intensiv mit Sound-Ästhetik und

muss mich davor hüten, Musik zu

sehr zu analysieren. Als ich diesen

Song zum ersten Mal gehört habe,

dachte ich: Ist das ihr Ernst? Das

Tempo, in der Macklemore rappt,

ist unwirklich – Respekt! Ich bin nicht

der größte Hip-Hop-Fan, aber diese

Nummer hat so einen Drive, dass ich

aufstehen und tanzen muss.“

CARLA MORRISON

AZÚCAR MORENA (2015)

„Azúcar morena, das heißt ,brauner

Zucker‘. Dieses bittersüße Lied der

Mexikanerin Carla Morrison ist relativ

neu, aber zeitlos schön. Ich tue mir

schwer damit, über Musik zu reden

und etwas zu beschreiben, was man

nicht in Worte fassen kann. Vor allem

bei Songs, die dieses gewisse Etwas

haben und damit etwas in dir berühren.

Dieses Lied schlägt einfach

verborgene Saiten in mir an.“

PAROV STELAR

BRASS DEVIL (2020)

„Eine Nummer aus meinem eigenen

Repertoire, die ich nie vergessen

werde. Mein Sohn Max, er wird bald

neun, ist mein wichtigster Indikator;

Kinder sind gnadenlos ehrlich. Als ich

ihm ‚Brass Devil‘ zum ersten Mal vorgespielt

habe, hat er sofort zu hüpfen

begonnen. Wir haben im Studio vier

Stunden Party gemacht und waren

dann beide total erledigt. Max hat am

nächsten Tag schulfrei bekommen.“

THE RED BULLETIN 81


LENNY KRAVITZ, LAVENDEL UND WEIHRAUCH

ROCK-LEGENDE WIRBT FÜR PARFUM, SEINE TOCHTER FÜR YSL-LIPPENSTIFT

Wie Lenny Kravitz (li.) riecht, wissen wir jetzt: nach „lichtdurchflutetem Lavendel,

schwarzem Zedernholz und mystischem Weihrauch“ – kurz nach „Y Le Parfum“ von

Yves Saint Laurent (YSL), wofür er gerade wirbt; Töchterchen Zoë (re.) rümpft darob

nicht das Näschen, sie macht das Gleiche mit YSL-Lippenrot. loreal.com

Richtig gutes Zeug

Handverlesene Liebhaberstücke, Tipps & Termine.

Von der Redaktion empfohlen. Text WOLFGANG WIESER

SCHUH-KUNST

DAS VIRTUELLE MUSEUM VON SALVATORE FERRAGAMO

Diese lässigen Schuhe von Ferragamo stehen symbolisch

für das virtuelle Museum des italienischen Modevisionärs.

Klare Empfehlung: Schau dir das an! Wer Mode und Geschichte

liebt, klickt sich mit wachsendem Entzücken durch.

ferragamo.com/museo

COURTESY OF FERRAGAMO, DAVID SIMS/YVES SAINT LAURENT BEAUTY ÖSTERREICH,

GARMIN, COUCH CONSOLE, VÖSLAUER

82 THE RED BULLETIN


GUIDE

Trends

HALTE

DEINEN FLOW!

GARMIN ENDURO

Diese Uhr weiß praktisch

alles über ihren Träger.

Die Eigenschaft, die uns

am besten gefällt? Sie

misst deinen Flow – also

wie flüssig du mit dem

Mountainbike die Trails

bewältigst. Je niedriger

der Wert, desto besser.

PS: Und wann du besser

Pause machst, sagt sie dir

auch. garmin.com

LEBEN IM GLEICHGEWICHT

THE COUCH CONSOLE

Manch einer mag sagen, das Leben auf der Couch

sei nicht das Wahre. Antworte: Aber dafür ich bin

ausbalanciert. Dank dieser Konsole – sie enthält

alles, was du für einen entspannten Tag brauchst.

Ein Hit auf Kickstarter, eh klar. Lieferung ab Mai.

couchconsole.com

MEHR KOMFORT

Ein neues atmungsaktives

Nylonarmband

sorgt für einen

perfekten Sitz.

GUTES GEWISSEN

Wer diese Tasche trägt,

trägt 100 Prozent

recycelte PET-Flaschen.

FRISCH WIE

DER FRÜHLING

TASCHE VOM DESIGNER

Wer diese Einkaufstasche

sieht, denkt: Frühling,

Gott sei Dank! Für die

Wasser-Spezialisten von

Vöslauer entworfen hat

sie ein österreichischer

Designer mit Armani­

Vergangenheit: Arthur

Arbesser, bekannt für seine

Vorliebe zu klaren Mustern.

voeslauer-designshop.com

THE RED BULLETIN 83


FÜR IMMER

JUNG

SWATCH IM

MOMA-DESIGN

Tadanori Yokoo, Jahrgang

1936, zeigt, dass Kunst nie

wirklich alt wird: Sein Werk

mit dem schönen Titel „The

City and Design, The Wonders

of Life on Earth, Isamu

Kurita“ aus dem Jahr 1966

schmückt, 55 Jahre später,

fein zitiert, eine Swatch aus

der MoMA-Kollektion.

swatch.com

DIESES WERK PACKT ALLE EIN

„THE PACKAGE DESIGN BOOK 6“: AUSGEZEICHNETE VERPACKUNG

In den 1980er-Jahren empfahl die Glamour-Band „ABC“, nie ein Buch

wegen des Covers zu kaufen. Das war schon damals pure Ironie.

Wie wichtig – und wie kunstvoll – Verpackung heute sein kann, zeigt

dieser Band, der über 500 Arbeiten der Gewinner des Pentawards

der Jahre 2019 und 2020 versammelt. taschen.com

Beurteile ein Buch immer

nach seinem Cover!

MODERN ART

Ein Werk aus dem Jahr

1966 ziert jetzt eine Uhr.

Kunst aus dem Handgelenk

sozusagen.

WELTWEITER

BATTLE DER

STUDENTEN

RED BULL CAMPUS

CLUTCH

Willkommen beim ersten

globalen eSport-Turnier für

Studenten: Beim Red Bull

Campus Clutch treten

Teams aus fünf Spielern

einer Universität im

Taktik- Shooter „Valorant“

gegen einander an. Präzise

Schießtechnik ist hier ebenso

gefragt wie Agentenfähigkeit.

Noch bis zum

2. Mai steigen die nationalen

Qualifier, bevor im Juli

die Gewinnerteams zum

weltweiten Finale antreten.

Alle Termine:

redbullcampusclutch.com

TASCHEN, SWATCH, BRIAN SPECTOR, MATTHIAS BALK/DPA/PICTUREDESK.COM,

PHILIP PLATZER, SAMSONITE

84 THE RED BULLETIN


GUIDE

Trends

WIR SPIELEN GLEICHBERECHTIGUNG

ENDLICH! KÖNIG UND KÖNIGIN SIND GLEICH VIEL WERT

In einem neuen Kartenspiel – gibt’s vorläufig nur auf Englisch –

sind Queen und King (= Queeng) endlich gleich viel wert, die

ehemalige Dame heißt jetzt Duke. Und selbstverständlich sind

auch alle Hautfarben vertreten. Worauf wir jetzt noch warten?

Auf die Revolution der Zweier: ¡Venceremos! queengcards.com

LETZTES DUELL VOR HEISSER EISZEIT

EHC RED BULL MÜNCHEN EMPFÄNGT DÜSSELDORFER EG

Jetzt wird’s erst richtig spannend: Am 18. April endet die Hauptrunde

der Deutschen Eishockey Liga – und im Anschluss starten

die Play-Offs. Am letzten Spieltag empfängt EHC Red Bull München

(im Bild: Trevor Parkes) das kampfstarke Team aus Düsseldorf.

Olympia-Eissportzentrum München; redbullmuenchen.de

BELASTBAR

Das Spezialmaterial

aus PET-Flaschen ist

reiß- und schnittfest.

ALARM AN DER

ALGARVE

MOTO GP IN PORTUGAL

Unebener Asphalt und Highspeed-Geraden:

Der MotoGP

Grand Prix von Portugal am

18. April wird den Fahrern

(im Bild: Brad Binder) alles

abverlangen. ServusTV

überträgt die Qualifyings,

das vierte freie Training und

die Rennen aller Klassen.

Infos: servustv.com/motogp

RUCKSACK

FINDET STADT

SAMSONITE SECURIPAK

Endlich ein Rucksack, der

nicht so tut, als wollte er

auf einen Gipfel geschleppt

werden. Er ist eindeutig für

den modernen Stadtbewohner

gedacht. Das Material

heißt Recyclex (ja, es sind

PET-Flaschen), ist reiß- und

schnittfest – und klar gibt

es eine Lademöglichkeit.

samsonite.com

THE RED BULLETIN 85


Sport wagen

Die derzeit prickelndsten Autos: Die einen sind für besonders

dynamische Ausfahrten gemacht, die anderen bringen uns

mit viel Stauraum zum Training. Plus: drei aktuelle Motorräder

für alle Fälle. Text WERNER JESSNER, JOHANNES MITTERER

Das aktuell schnellste

Serienauto auf der Nordschleife

des Nürburg rings:

der AMG GT Black Series

86 THE RED BULLETIN


GUIDE

Autos

ÜBERFLÜGEL

Wenn man ein Rennauto

straßentauglich macht,

ohne Kompromisse einzugehen,

kommt exakt

so etwas dabei heraus.

NEUER SPEED

RENNMASCHINE

FORD MUSTANG MACH 1

Dieser Mustang ist ein Straßenwagen, der auch auf der Rennstrecke

besteht. Kein in Europa angebotener Serien-Mustang war

bis jetzt schneller. Das verdankt der Mach 1 einem 5-Liter-V8-Motor

mit 460 PS, einem renntauglichen Sportfahrwerk, das auch

bei hohen Kurvenfliehkräften klare Rückmeldung gibt, und einer

besonders direkten Lenkung. Ach ja: 22 Prozent mehr Abtrieb

und zusätzliche Kühler bringt er auch noch mit.

Höchstgeschwindigkeit: bis zu 267 km/h

Preis: ab 60.800 Euro

HERSTELLER

NEUE BESTZEIT

6:48,047

AMG GT Black Series

Das ist der neue Rundenrekord auf

der Nürburgring-Nordschleife, der

wohl schwierigsten Rennstrecke der

Welt. Aufgestellt hat ihn der deutsche

Rennfahrer Maro Engel mit dem

AMG GT Black Series. Er prügelte den

730 PS starken Wagen bei bloß zehn

Grad Streckentemperatur und feuchten

Flecken auf der Bahn über die

20,832 Kilometer. Wie das möglich

war? Mit professioneller Renntechnik

und allerhand Set-up-Möglichkeiten.

Höchstgeschwindigkeit: 325 km/h

Preis: ab 335.240 Euro

NEU AM START

HOCH- UND BREITENSPORT

CUPRA FORMENTOR VZ

Cupra ist die Sport-Marke der spanischen VW-Tochter Seat,

und das SUV-Coupé Formentor löst diesen Anspruch perfekt ein.

Besonders gut gelingt ihm das in der Version mit 310 PS starkem

Zweiliter-TSI-Motor mit Allrad, 7-Gang-DSG-Getriebe und einer Nullauf-hundert-Beschleunigung

von 4,9 Sekunden. Das coole Design,

Bremsen mit gelochten Scheiben und das Digitalcockpit lassen

die 2018 gegründete Marke auf Anhieb ganz oben mitspielen.

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

Preis: ab 45.090 Euro

THE RED BULLETIN 87


GUIDE

Autos

NEU KOMPONIERT

ZUKUNFTSMUSIK

AUDI RS E-TRON GT

Athletischer war e-tron noch nie: Mit dem RS e-tron GT verleiht

Audi seinem vollelektrischen Modell radikale Dynamik. 440 kW, also

umgerechnet 598 PS, stellen die E-Motoren bereit und ermöglichen

so eine Beschleunigung von null auf hundert in 3,1 Sekunden. Für

den passenden Klang außen und innen sorgt auf Wunsch ein eigens

komponierter voluminöser Sportsound, den der Fahrer regeln

kann. Die Reichweite der Batterie liegt bei bis zu 487 Kilometern.

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

Preis: ab 138.200 Euro

NEUES KÜRZEL

SUPER TROFEO OMOLOGATO

LAMBORGHINI HURACÁN STO

Genau dafür stehen die drei Buchstaben STO, und sie bedeuten,

dass der Rennwagen aus der Super-Trofeo-Serie straßentauglich

gemacht wurde. Der 10-Zylinder-Motor mit 640 PS trifft auf

Heckantrieb und nur 1339 Kilo. Möglich wurde das durch eine

Karosserie, die zu 75 Prozent aus Carbon besteht. Besonders auffällig:

der neu entwickelte Schnorchel auf der Motorhaube (hinten)

mit integrierter Haifischflosse und verstellbarem Heckspoiler.

Höchstgeschwindigkeit: 310 km/h

Preis: ab 296.800 Euro

STARKER SPRINT

Das hier gezeigte Modell

4S des Porsche Cross

Turismo beschleunigt

in 4,1 Sekunden

von null auf hundert.

NEUE WEGE

Gelände-Fan

Porsche Taycan Cross Turismo

Rallye-Feeling mit dem E-Porsche?

Der Taycan Cross Turismo verspricht

genau das. Auf losem Fahrbahnuntergrund

kommen Allradantrieb, Radlaufblenden

und das Fahrprogramm

„Gravel Mode“ zu Hilfe. Das Letztgenannte

hebt den Wagen dank der

adaptiven Luftfederung um 30 Millimeter

an. Genug Wumms gibt’s auch:

460 kW/625 PS als Turbo S,

(560 kW/761 PS im Overboost).

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

Preis: ab 93.635 Euro

HERSTELLER

88 THE RED BULLETIN


ERFOLGSMODELL

Raumwunder

reloaded

Mazda CX-5

Wie verkauft man über drei Millionen

Exemplare eines Autos? Ein kluges

Raumkonzept hilft, wie der seit 2012

gebaute Mazda CX-5 beweist. Auch

im Modelljahr 2021 bietet er der

ganzen Familie komfortabel Platz –

samt Kletterausrüstung für die

Bergtour. Mit umgeklappten Sitzen

entstehen 1620 Liter Stauraum.

Die aktuelle Variante bietet verbesserte

Motoren, die schärfer ansprechen

und weniger verbrauchen.

Kofferraumvolumen: 506 – 1620 Liter

Preis: ab 27.600 Euro

RUNDUM-BLICK

Von außen nicht sichtbar

sind im Mazda CX-5 vier

Kameras verbaut, die

beim Einparken helfen.

E-ALLROUNDER

STROM LADEN

VW ID.4

Einer der größten Vorteile von E-Autos ist, dass die Antriebstechnik

weniger Platz braucht als bei konventionell befeuerten Fahrzeugen

– Platz, der den Passagieren oder eben auch Sportgeräten zugute

kommt. Dazu gibt’s eine inzwischen abenteuertaugliche (statt

abenteuer liche) Reichweite: VW verspricht für den im Frühling

erhältlichen 204 PS starken ID.4 bis zu 520 Kilometer.

Bonus: Man kann Anhänger von bis zu einer Tonne ziehen.

Kofferraumvolumen: 543 – 1575 Liter

Preis: ab 36.950 Euro

HYBRID-SUV

WACHSTUMSKURS

MITSUBISHI ECLIPSE CROSS PLUG-IN HYBRID

Mehr Platz lautete auch die Devise bei der Überarbeitung dieses

Modells: Um 14 Zentimeter ist die aktuelle Variante des Eclipse

Cross im Vergleich zum Vorgänger gewachsen. Beim neuen Plug-In

Hybrid mit Allradsystem stammt die Antriebseinheit (2,4-Liter-

Benziner und zwei Elektromotoren) aus dem Outlander (188 PS

Systemleistung). Rein elektrisch können bis zu 61 Kilometer

gefahren werden, die Gesamtreichweite liegt bei bis zu 750 .

Kofferraumvolumen: 359 – 1108 Liter

Preis: ab 39.890 Euro

THE RED BULLETIN 89


GUIDE

Autos

BESTSELLER

SCHNELLER RUCKSACK

ŠKODA OCTAVIA COMBI RS

Still und leise ist der Octavia zum Herausforderer des Platzhirschen

VW Golf herangereift. Überzeugendes Platzangebot und

ein scharf kalkulierter Preis sind dafür wohl ausschlaggebend.

Das Topmodell RS ist als Diesel oder Benziner zu haben, mit Frontoder

Allradantrieb, ist 200 oder 245 PS stark – und dank der

scharfen Optik hat man die Garantie, den eigenen unter all den

anderen Octavias auf dem Parkplatz sofort zu finden.

Kofferraumvolumen: 640 – 1700 Liter

Preis: ab 39.810 Euro

POWER-HYBRID

TEAMFÄHIG

KIA SORENTO PLUG-IN HYBRID

Eine Volleyball-Aufstellung (sechs Spieler) plus Trainer können

in diesem SUV zum Match fahren. Die Variante mit Plug-In Hybrid

ist nicht nur die neueste, sondern auch die leistungsstärkste. Kombiniert

kommen die Antriebe – 1,6-Liter-Turbobenziner plus Elektromotor

– auf 265 PS und 350 Nm Drehmoment. Eine 6-Gang-Automatik

gibt die Power an alle vier Reifen weiter. Wer den Raum hinten

für Gepäck nutzen will, baut den Sieben- zum Fünfsitzer um.

Kofferraumvolumen: 175 – 898 Liter

Preis: ab 53.940 Euro

KRAFTPAKET

Unter der Gladiator-Haube

steckt ein 3.0 V6 MultiJet

Turbodieselmotor mit

264 PS und 600 Nm

Drehmoment.

PICK-UP

Kämpfertyp

Jeep Gladiator

Nach 28 Jahren bietet Jeep zum

ersten Mal wieder einen Pick-up.

Als Basis des Gladiator dient das

Kult-Modell Wrangler. Von diesem

erbt er auch die Geländegängigkeit –

unter anderem dank intelligentem

Allradsystem, Dana-44-Achsen

der dritten Generation und O≠road-

Reifen. Für Sportgeräte wie Fahrräder,

Kajaks, Surfbretter oder Skier

gibt’s auf Wunsch spezielle Träger.

Ladefläche: 153 Zentimeter lang.

Preis: ab 60.500 Euro

HERSTELLER

90 THE RED BULLETIN


GUIDE

Motorräder

FÜR NEULINGE

Sein ohne

Schein

Brixton Rayburn

Achtung, Einstiegsdroge! Das Bike

sieht nach sündteurem Custom-

Bike-Umbau aus, nach viel Hubraum

und Spielzeug für harte Jungs – ist

aber ein 125er-Motorrad, das man

mit Autoführerschein bewegen darf.

Die „Rayburn“ kombiniert Roadster-

Look mit luftgekühltem Einzylindermotor.

Style-Highlight: der gefederte

Ledersattel. Geschmack ist keine

Frage des Hubraums: Selbst in der

Achtelliter-Klasse gibt es keinen

Grund mehr, billige Plastikroller

zu fahren. Ab 3039 Euro

ALLES AN BORD

LED-Tagfahrlicht und

-Blinker, digitaler Tacho

und elektronische

Einspritzung zählen u. a.

zur Serienausstattung.

FÜR VIELSEITIGE

UM DIE WELT

KTM 1290 SUPER ADVENTURE S

Große Freiheit! Nur blöd, wenn im richtigen Leben unterwegs

der Wind zerrt, der Hintern zwickt und die Knie pitschnass werden.

Für die große Tour nehme man also ein Bike, das Unbill vom Fahrer

fernhält, souverän motorisiert ist und aller Tricks mächtig, die tausend

Kilo meter oder mehr im Sattel zur Freude werden lassen. Das

neue KTM- Flaggschiff hat fünf Fahrmodi von Regen bis Rally, 7-Zoll-

TFT-Display und 23-Liter- Tank für enorme Reichweite: Wer jetzt

noch zu Hause bleibt, dem ist nicht mehr zu helfen. Ab 18.495 Euro

FÜR SPORTLER

JEDE KURVE EINE FREUDE

BMW F 900 R

Präzises Handling, sportliches Design und ein drehmomentstarker

Zweizylinder-Reihenmotor – die BMW F 900 R steht für unkomplizierten

Fahrspaß bei jeder Gelegenheit. Der dynamische Roadster

hat bereits in der Grundausstattung einen Schalt assistenten und

wählbare Fahrmodi. Mit 105 PS ist in jeder Situation reichlich Power

vorhanden, und dank TFT-Display und Connectivity behält man

die wichtigsten Infos stets im Blick – egal ob auf dem Weg

ins Büro oder auf Kurvenjagd in den Alpen. Ab 8800 Euro

THE RED BULLETIN 91


B O U L E V A R D D E R H E L D E N

JOHN GLENN

VOM GRÖSSTEN SCHMERZ

Serie: MICHAEL KÖHLMEIER erzählt die außergewöhnlichen Geschichten

inspirierender Figuren – faktentreu, aber mit literarischer Freiheit.

Folge 2: Womit der erste US-Astronaut, der die Erde umkreiste, zu kämpfen hatte.

Mitte der Neunzigerjahre des

vorigen Jahrhunderts fuhr ich

mit Bob Didonato durch die

US-Staaten Pennsylvania, Ohio,

Kentucky und West Virginia. Bob

war Professor an der Miami University in

Oxford, Ohio, er unter richtete deutsche

Literatur und deutsche Sprache, die Studenten

liebten ihn wegen seiner unkonventionellen

Einfälle. Er sagte, er wolle mir

Dinge zeigen, die in keinem Fremdenführer

aufgeführt seien, die aber für das Selbstverständnis

und das Selbstbewusstsein

der Amerikaner große Bedeutung hätten

– „eine sub kutane Bedeutung“, so drückte

er sich aus. Was er darunter verstand,

demonstrierte er mir in New Concord, einem Dorf im

Muskingum County in Ohio, das sich durch nichts von

den umliegenden Dörfern unterschied, eingerahmt

von Tankstellen und Fast-Food-Lokalen. Die Ausfahrtsstraße

im Norden führte an einem schmalen Fluss entlang

– dem Fox Creek, wie mich Bob unterrichtete.

Irgendwann hielt er an. Wir gingen auf einem Seitenweg

in ein lichtes Wäldchen, nach einer Meile blieb

er stehen und sagte:

„Hier ist es.“

„Was?“, fragte ich.

„Genau hier“, flüsterte er.

„Bob“, sagte ich, „was ist hier? Und warum flüsterst

du?“

„Hier hat er gelegen“, flüsterte er weiter.

„Wer, verdammt noch mal!“

„John Glenn.“

John Glenn – der große John Glenn – war der erste

Mensch, der die Erde gesehen hat, wie ich den Globus

sehe, der auf meinem Schreibtisch steht: als eine

vorwiegend blaue Kugel. Er war der erste Mensch,

der unsere Erde in einer Umlaufbahn umkreist hat.

Dreimal. Er allein. Die längsten und zugleich kürzesten

vier Stunden, 55 Minuten und 23 Sekunden,

MICHAEL KÖHLMEIER

Der Vorarlberger

Bestseller-Autor gilt

als bester Erzähler

deutscher Zunge.

Zuletzt erschienen:

„Die Märchen“,

816 Seiten,

Carl Hanser Verlag.

die jemals ein Mensch durchlebt hat.

Das war am 20. Februar 1962 gewesen.

Nein, der erste Mensch im All war

er nicht. Viele Amerikaner wollten das

zwar glauben. Und viele wollten damals

glauben, seine Mission diene in erster Linie

der Wissenschaft. So war es aber nicht.

John Glenn war eine politische Trumpfkarte

im Wettstreit mit der Sowjetunion.

Ein Jahr zuvor nämlich, am 12. April 1961,

hatte der russische Astronaut Juri Alexejewitsch

Gagarin die Erde als tatsächlich erster

Mensch, jedoch nur einmal, umrundet,

sein Flug dauerte 108 Minuten. Damit hatte

der verteufelte Kommunismus das glorreiche

Amerika, das Land der unbegrenzten

Möglichkeiten, das sich allen Nationen überlegen

fühlte, in die Schranken verwiesen. Die Kränkung war

so bitter, dass manche amerikanische Zeitungen und

Rundfunkanstalten gar nicht darüber berichteten.

Nun also die Revanche.

Um 9 Uhr 47, Ostküstenzeit, startete die Atlas-Rakete,

an deren Spitze der vierzigjährige Astro naut

John Herschel Glenn saß. Er selbst hatte sich

gewünscht, dass seine Mission „Friendship“ genannt

würde. Die Schüler durften an diesem Tag zu Hause

bleiben, die meisten Betriebe unterbrachen die Arbeit

für eine oder zwei Stunden, Präsident Kennedy saß

wie Millionen andere Amerikaner vor dem Fernseher

und sah sich mit klopfendem Herzen an, wie die

gigantische Rauchwolke über der Cape Canaveral Air

Force Station in Florida in den Himmel quoll und aus

ihr der haardünne Kondensstreifen der Rakete höher

und immer höher schoss. Der Sprecher im Fernsehen

verkündete: „Oberstleutnant Glenn ist soeben mit

seiner Rakete in die Erdumlaufbahn gestartet. Bitte

beten Sie für ihn.“

Gegen fünfhundert Konkurrenten hatte Glenn

sich durchgesetzt, und er hatte nicht die besten

MICHAEL KÖHLMEIER BENE ROHLMANN, CLAUDIA MEITERT GETTY IMAGES (2)

92 THE RED BULLETIN


Voraussetzungen. Sein größter Nachteil gegenüber

den anderen Anwärtern war sein Alter. Ein Vierzigjähriger

sei körperlich nicht mehr auf der Höhe, ein

solches Unternehmen aber verlange das Äußerste.

So hieß es. Glenn konnte mithalten. Er bestand in den

Dunkelräumen bei stundenlanger Schwärze und absoluter

Stille; er hielt in der Hitzekammer aus, gegen

die eine Sauna eine kühle Veranda sei, wie einer der

Kandidaten witzelte; auch minutenlanges Ausharren

im Eiswasser konnte ihm nichts anhaben, und die Zentrifuge

und die Rüttelmaschine verließ er breitbeinig

zwar, aber ohne zu wanken und ohne dass er sich –

wie die meisten seiner Kollegen – übergeben musste.

Mental, so hieß es, war John Glenn allen überlegen.

Und darauf komme es an. Man könne unten auf dem

Boden trainieren und simulieren, so viel man wolle,

niemand sehe voraus, was einen dort oben alles erwarte.

Und dann seien nicht allein Muskeln und Sehnen

gefragt, sondern Intelligenz, Kaltblütigkeit und

Selbstbeherrschung. Über diese Fähigkeiten verfügte

Oberstleutnant John Herschel Glenn. Am Ende der

Mission musste er diese Fähigkeiten beweisen.

THE RED BULLETIN 93


B O U L E V A R D D E R H E L D E N

Ich greife vor: Bevor er die Umlaufbahn um die Erde

verließ, um in die Erdatmosphäre einzutauchen,

schlug ein System Alarm. Der Keramikschild, der die

Kapsel vor dem Verglühen bewahren sollte, schien

sich zu lösen. Wenn das geschähe, wäre der Astronaut

nicht mehr zu retten. Glenn behielt die Nerven, von

der Bodenstation aus konnte der Schaden behoben

werden, allerdings musste er die Landung händisch

steuern – Intelligenz, Kaltblütigkeit und Selbstbeherrschung.

Zu diesen Begriffen würde in Zukunft eine

ganze Generation den Namen John Glenn assoziieren.

Angst und Panik konnten ihm nichts anhaben.

Diese Gefühle ließ er nicht zu, er besiegte sie, triumphierte

über sie. Mit einem anderen Gefühl aber hatte

er nicht gerechnet, und kein Techniker unten auf der

Erde, kein Psychologe, der Priester nicht, nicht einmal

Anna Margaret, Johns Ehefrau, die ihm schon im Alter

von fünf Jahren das Ja-Wort fürs Leben gegeben hatte,

nicht einmal sie hatte damit gerechnet: Heimweh.

Durch das winzige Fenster der Raumkapsel blickte

er hinunter auf die Erde, er konnte ihre Rundung

sehen, er geriet in heilige Verzückung, als sich

unter ihm der blaue Pazifik dehnte, er sah Hawaii,

sah die Perlenkette Japan, sah die goldenen Weiten

der asia tischen Wüsten, sah die Gipfel des Himalaya,

sah Europa, klarer als auf jeder Landkarte. Und dann

sah er die Küste von Amerika. Er war allein, er traute

sich nicht, laut mit sich selbst zu sprechen, weil er

dachte, die Bodenstation höre zu. Er wollte singen.

Ihm fiel ein, wie er als Kind in dem Wald am Fox Creek

gespielt hatte, er war aufgewachsen in New Concord.

Wie glücklich war er gewesen, er, ganz mit sich allein.

Wenn er im Sommer unten beim Bach die Libellen beobachtet

hatte, manche ganz nahe. Wenn er über die

schillernden Farben ihrer Flügel gestaunt hatte, die

sich in den Spiegelungen des Wassers änderten. Wenn

er das feuchte Moos gerochen hatte, kein Parfum

konnte damit konkurrieren. Sogar an die Moskitostiche

erinnerte er sich gern, zu Hause rieb seine Mutter

die betreffenden Stellen mit Zitronensaft ein. Da habe

er begriffen – erst viele Jahre nach diesem großen

Menschheitsabenteuer erzählte er einer Journalistin

davon –, da habe er begriffen, dass Alleinsein das

Schönste auf der Welt sei, allein mit sich und seinen

Gedanken, seinen Träumen, seinen Gedankenspielen

weit voraus in eine Zukunft, seine Zukunft.

„Aber doch nur“, sagte er der Reporterin ins

Mikrofon, „wenn du auf den Wegen gehst, auf denen

du schon oft gegangen bist, auf denen Menschen

gegangen sind, die du liebst oder hasst, die dir Gutes

oder Böses wollen. Wenn du die Wegbiegung dort

vorne kennst, wenn du die riesige Fichte dort drüben

kennst, wenn du die Steine kennst, auf die du dich setzen

und mit den nackten Füßen im Bach plantschen

kannst.“ Einsamkeit sei dagegen etwas anderes. Er

habe geglaubt, sein Herz breche entzwei: Wenn ich

nie wieder, nie wieder … Die Einsamkeit, das wisse er

nun, sei das Entsetzlichste.

Mit einem Gefühl hatte

der Astronaut John

Glenn nicht gerechnet:

Heimweh.

Er war glücklich gelandet, war als Held gefeiert

worden. Im Triumphzug fuhr er durch New York,

hunderttausend Menschen jubelten ihm zu. Präsident

Kennedy bat ihn um seine Freundschaft und warb mit

ihm für seine Politik. Er tourte durch das Land, hielt

Vorträge, wurde zu Fernsehshows eingeladen – er hatte

Amerika den Stolz zurückgegeben. Er war ein Star.

Als er an Bord des Schiffes, das ihn und seine

Kapsel aus dem Meer geborgen hatte, aus dem Raumanzug

stieg, hatte ihn der Kapitän gefragt: „Sir, was

gedenken Sie als Erstes zu tun?“

Glenn antwortete: „Ich möchte nach Hause.“

Zu Hause fragte ihn Anna Margaret: „John, was

willst du als Erstes tun?“

Er antwortete: „Ich möchte nach Hause.“

Sie wusste, was er meinte, sie fragte: „Soll ich dich

begleiten?“

Nein, sagte er, er wolle allein sein. Und sie wusste

wieder, was er meinte.

Er setzte sich in seinen Wagen und fuhr nach New

Concord, das war nicht weit. Er spazierte am Fox

Creek entlang bis zu dem Wäldchen. Und dort legte er

sich bäuchlings mitten auf den Weg. Breitete die Arme

aus, als wolle er den Globus, die Welt, die ganze Welt,

nämlich unsere Erde, umarmen und küssen.

So hat man ihn gefunden“, erzählte mein Freund

Bob Didonato. „Ach, du wirst es nicht glauben“,

sagte er, „ein junger schwarzer Musiker fand ihn.

Er meinte, er sei tot. So wie er dalag. Ohne Regung.

Die Lippen auf den Lehmboden gepresst. Der Musikant

– glaub mir, es ist die Wahrheit –, er muss wohl

ein frommer Mann gewesen sein, er kniete sich nieder

und betete, betete für die Seele dieses Mannes, der da,

ganz allein, ohne jeden Beistand, einsam, mitten auf

dem Weg nahe dem Fox Creek gestorben war. Aber er

war nicht gestorben. Er ist aufgestanden – auferstanden,

sozusagen.“

„Und das ist hier geschehen?“, fragte ich. „An dieser

Stelle, genau hier?“

„Genau hier“, sagte Bob.

„Woher weißt du das?“

„Jeder weiß es, jeder hier in New Concord, jeder

in Muskingum County. Frag, wen du willst.“

„Das werde ich“, sagte ich.

Und ich tat es. Ich fragte in einem Coffeeshop, ich

fragte eine Frau auf der Straße, ich klopfte an Türen

und fragte, ich fragte Kinder auf dem Spielplatz. Alle

bestätigten, was Professor Bob Didonato mir erzählt

hatte.

94 THE RED BULLETIN


Echte Flammen.

Echter Geschmack.

Ohne Zusatzstoffe Konservierungsstoffe

und Geschmacksverstärker.

Mehr unter www.burgerking.de/echte-flammen-echter-geschmack.

TM & © Burger King Corporation. Unter Lizenz verwendet. Alle Rechte vorbehalten.


IMPRESSUM

THE RED

BULLETIN

WELTWEIT

Aktuell erscheint

The Red Bulletin

in sechs Ländern. Das

Cover unserer Kollegen

in Österreich zeigt in

diesem Monat B-Girl Sina

aus Tirol, die erst auf

einer langen Reise nach

Marokko lernte, was sie

wirklich auszeichnet – als

Tänzerin und als Mensch.

Mehr Geschichten abseits des

Alltäglichen findest du auf:

redbulletin.com

Gesamtleitung

Alexander Müller-Macheck, Sara Car-Varming (Stv.)

Chefredaktion

Andreas Rottenschlager, Andreas Wollinger (Stv.)

Creative Direction

Erik Turek, Kasimir Reimann (Stv.)

Art Direction

Marion Bernert-Thomann, Miles English, Tara Thompson

Grafik

Martina de Carvalho-Hutter, Cornelia Gleichweit,

Kevin Goll

Fotoredaktion

Eva Kerschbaum (Ltg.), Marion Batty (Stv.),

Susie Forman, Tahira Mirza, Rudi Übelhör

Digitalredaktion

Christian Eberle-Abasolo (Ltg.), Lisa Hechenberger,

Elena Rodriguez Angelina, Benjamin Sullivan

Head of Audio

Florian Obkircher

Special Projects

Arkadiusz Piatek

Managing Editors

Ulrich Corazza, Marion Lukas-Wildmann

Publishing Management

Ivona Glibusic, Bernhard Schmied, Anna Wilczek

Managing Director

Stefan Ebner

Head of Media Sales & Partnerships

Lukas Scharmbacher

Head of Co-Publishing

Susanne Degn-Pfleger

Projektmanagement Co-Publishing,

B2B-Marketing & Communication

Katrin Sigl (Ltg.), Mathias Blaha, Katrin Dollenz,

Thomas Hammerschmied, Teresa Kronreif (B2B),

Eva Pech, Valentina Pierer, Stefan Portenkirchner

(Communication)

Creative Services

Verena Schörkhuber-Zöhrer (Ltg.), Sara Wonka,

Julia Bianca Zmek, Edith Zöchling-Marchart

Commercial Management Co-Publishing

Alexandra Ita

Editorial Co-Publishing

Raffael Fritz (Ltg.), Gundi Bittermann,

Mariella Reithoffer, Wolfgang Wieser

Executive Creative Director

Markus Kietreiber

Projekt Management Creative

Elisabeth Kopanz

Art Direction Commercial & Co-Publishing

Peter Knehtl (Ltg.), Erwin Edtmayer, Simone Fischer,

Martina Maier, Andreea Parvu, Alexandra Schendl,

Julia Schinzel, Florian Solly, Dominik Uhl, Sophie

Weidinger, Stephan Zenz

Abo & Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Marija Althajm,

Nicole Glaser, Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar

Anzeigenservice

Manuela Brandstätter, Monika Spitaler

Herstellung & Produktion Veronika Felder (Ltg.),

Friedrich Indich, Walter O. Sádaba, Sabine Wessig

Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis,

Nenad Isailović, Sandra Maiko Krutz, Josef Mühlbacher

Finanzen Mariia Gerutska (Ltg.), Klaus Pleninger

MIT Christoph Kocsisek, Michael Thaler

Operations Melanie Grasserbauer,

Alexander Peham, Yvonne Tremmel

Projekt Management Gabriela-Teresa Humer

Assistant to General Management Sandra Artacker

Herausgeber & Geschäftsführer Andreas Kornhofer

Verlagsanschrift Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien

Telefon +43 1 90221-0 Fax +43 1 90221-28809

Web redbulletin.com

Medieninhaber, Verlag & Herausgeber

Red Bull Media House GmbH,

Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15,

A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i,

Landesgericht Salzburg, ATU63611700

Geschäftsführer Dkfm. Dietrich Mateschitz,

Dietmar Otti, Christopher Reindl, Marcus Weber

THE RED BULLETIN

Deutschland, ISSN 2079-4258

Länderredaktion

David Mayer

Lektorat

Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert,

Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-

Walek, Belinda Mautner, Klaus Peham,

Vera Pink

Country Project Management

Natascha Djodat

Media Sales & Partnerships

Thomas Hutterer (Markenlead),

Alfred Vrej Minassian, Franz Fellner,

Ines Gruber, Thomas Gubier,

Daniela Güpner, Wolfgang Kröll,

Gabriele Matijevic-Beisteiner,

Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher,

Jennifer Sabejew, Johannes

Wahrmann-Schär, Ellen Wittmann-

Sochor, Ute Wolker, Christian

Wörndle, Sabine Zölß;

Abo

Abopreis: 21,90 EUR,

10 Ausgaben/Jahr,

getredbulletin.com,

abo@de.redbulletin.com

Druck

Quad/Graphics Europe Sp. z o. o.,

Pułtuska 120, 07-200 Wyszków,

Polen

THE RED BULLETIN

Frankreich, ISSN 2225-4722

Länderredaktion

Pierre-Henri Camy

Country Coordinator

Christine Vitel

Country Project Management

Youri Cviklinski

THE RED BULLETIN

Großbritannien, ISSN 2308-5894

Länderredaktion

Ruth McLeod (Ltg.),

Tom Guise, Florian Obkircher

Lektorat

Davydd Chong (Ltg.),

Nick Mee

Publishing Management

Ollie Stretton

Media Sales

Mark Bishop,

mark.bishop@redbull.com

Fabienne Peters,

fabienne.peters@redbull.com

THE RED BULLETIN

Österreich, ISSN 1995-8838

Länderredaktion

Wolfgang Wieser

Lektorat

siehe entsprechenden Eintrag

bei Deutschland

Publishing Management

Bernhard Schmied

Media Sales & Partnerships

Thomas Hutterer (Markenlead),

Thomas Hutterer (Markenlead),

Alfred Vrej Minassian, Franz Fellner,

Ines Gruber, Thomas Gubier,

Daniela Güpner, Wolfgang Kröll,

Gabriele Matijevic-Beisteiner,

Nicole Okasek-Lang, Britta Pucher,

Jennifer Sabejew, Johannes

Wahrmann-Schär, Ellen Wittmann-

Sochor, Ute Wolker, Christian

Wörndle, Sabine Zölß;

Kristina Krizmanic (Team Assistant)

Sales Operations & Development

Anna Schönauer (Ltg.),

David Mühlbacher

THE RED BULLETIN

Schweiz, ISSN 2308-5886

Länderredaktion

Wolfgang Wieser

Lektorat

siehe entsprechenden Eintrag

bei Deutschland

Country Project Management

Meike Koch

Commercial & Brand Partnerships

Manager

Stefan Bruetsch

Media Sales

Marcel Bannwart (D-CH),

marcel.bannwart@redbull.com

Christian Bürgi (W-CH),

christian.buergi@redbull.com

Goldbach Publishing

Marco Nicoli,

marco.nicoli@goldbach.com

THE RED BULLETIN USA

ISSN 2308-586X

Länderredaktion

Peter Flax (Ltg.),

Nora O’Donnell

Lektorat

David Caplan

Publishing Management

Branden Peters

Media Network Communications

& Marketing Manager

Brandon Peters

Media Sales

Todd Peters,

todd.peters@redbull.com

Dave Szych,

dave.szych@redbull.com

Tanya Foster,

tanya.foster@redbull.com

96 THE RED BULLETIN


A N Z E I G E

must-haves

1

2

3

4

1 LIGHT TRAILRUNNER

Der leichte und technisch präzise

RIBELLE RUN von Scarpa ist der

ideale Trailrunningschuh in rauem

Terrain. Er ist konzipiert für kurze

bis mittlere Distanzen und überzeugt

mit seiner optimalen Passform

sowie seinem atmungsaktiven Obermaterial.

Dazu sorgt seine exklusive

SuperGum-Außensohle dafür, dass

du auch auf rutschigen Wegen locker

vorankommst.

scarpa.net

2 NEUE MOTORRADMARKE

Erst vor wenigen Wochen global

gelauncht, versprüht die neue Motorradmarke

MOTRON frischen Wind

und besticht durch lässiges Design

zu einem top Preis-Leistungs-Verhältnis.

Sie begeistert Motorradfahrer,

Elektro-Fans und Roller-Liebhaber

gleichermaßen. Der ultimative Reisebegleiter

für Abenteurer: Die neue

MOTRON X-Nord 125 ist ab jetzt

bestellbar.

motron-motorcycles.com

3 AUSGEZEICHNET INNOVATIV

Die Odin 9 Worlds Infinity Shell-Jacke

von Helly Hansen ist deine nachhaltige

Begleiterin auf all deinen Abenteuern:

Sie überzeugt mit einer revolutionären,

wasserdichten und atmungsaktiven

LIFA ® Infinity Pro Technologie,

die komplett ohne chemische Zusätze

auskommt. Ausgezeichnet mit dem

GOOD DESIGN ® Award 2020, setzt

die innovative Jacke neue Maßstäbe

in puncto Outdoor-Bekleidung.

hellyhansen.com

4 MIT POWER AUF UND AB

Mach dich bereit, mit dem X ULTRA

4 GTX von Salomon kraftvoll bergauf

und bergab zu laufen. Er ist so

wendig wie ein Trailrunningschuh,

aber bietet dazu die Stabilität, den

Grip und den wasserabweisenden

Schutz, den du fürs Gelände

brauchst. Mit einem neuen Chassis

schützt der Schuh den Knöchelbereich

noch besser, ohne die

Bewegungsfreiheit einzuschränken.

salomon.com


N I C O L A S M A H L E R S

S P I T Z F E D E R L I C H E S C H A R A K T E R - K A B I N E T T

Die nächste Ausgabe des RED BULLETIN erscheint am 11. Mai 2021.

NICOLAS MAHLER

98 THE RED BULLETIN


WIR LAUFEN FÜR ALLE,

DIE ES NICHT KÖNNEN.

9. MAI 2021 – 13 UHR

JETZT APP LADEN UND ÜBERALL MITLAUFEN

100 % DER STARTGELDER FLIESSEN IN DIE RÜCKENMARKSFORSCHUNG

LAUF MIT:

WINGSFORLIFEWORLDRUN.COM


PLENTY OF GRIP TO

RUN DOWN ADVENTURE.

EXPLORE THE BFGOODRICH®

ADVANTAGE SUV TIRE AT www.bfgoodrich.de

WHAT ARE YOU BUILDING FOR?

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine