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Filmakademie Baden-Württemberg Campus Magazin 20/21

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ZWANZIG

ZWANZIG

CAMPUS MAGAZIN

FILMAKADEMIE BADEN-WÜRTTEMBERG

ZWANZIG

EINUNDZWANZIG


CAMPUS MAP

Die technischen Bereiche der Filmakademie

stellen die technische Infrastruktur für

Verwaltung, Lehre und Produktion sicher.

IT-OfficeNet

Kino

Mobile Technik (Rental)

Studios

Videoschnitt

Werkstatt Szenenbild

Das Ausbildungsangebot spiegelt die ganze

Bandbreite der Themen der Medienbranche

wider, von Drehbuch, Regie und Kamera

bis zu Animation, Szenenbild und

Montage, von Produktion, Filmmusik und

Sounddesign bis zu Motion Design und

Interaktive Medien, verteilt auf

3 Studiengänge:

Film und Medien

Filmmusik und Sounddesign

Produktion

Zudem werden folgende

Diplomaufbaustudiengänge angeboten:

Animation /

Animation & Effects Producer

Animation / Technical Director

Fernsehjournalismus

Filmmusik

Filmschauspiel

Filmton / Sounddesign

Interaktive Medien

Motion Design

Szenenbild

LEHRE

TECHNIK

AKADEMIE

FÜR DARSTELLENDE

KUNST

Die benachbarte ADK bereitet Studierende

umfassend – und deutschlandweit in der

Kombination einmalig – auf Berufe für die Bühne

und den Film vor. Die interdisziplinäre, praxis- und

projektorientierte Ausbildung erfolgt in jahrgangsund

studiengangsübergreifender Zusammenarbeit

zwischen Regie, Dramaturgie, Schauspiel und

Bühnen- und Kostümbild.

ATELIER

LUDWIGSBURG-PARIS

Das Atelier Ludwigsburg-Paris ist eine

inhaltlich autonome Einrichtung unter

dem Dach der Filmakademie.

ALUMNI-NETZWERK

FÖRDERVEREIN

Das Alumni-Netzwerk sorgt für einen regelmäßigen

Kontakt und Austausch mit

den Absolventinnen und Absolventen der

Filmakademie, etwa durch die Pflege der

Alumni-Homepage, das Versenden von

Newslettern, die Organisation von Veranstaltungen

und die Weiterleitung von

Jobangeboten.

Der Förderverein der Filmakademie Baden-

Württemberg e.V. wurde 1993 gegründet

und hat inzwischen über 400 Mitglieder.

Er ist als gemeinnütziger Verein steuerlich

anerkannt und entsprechend seiner Satzun

auf die Leistungsförderung ausgerichtet.


g

Die Stabsstellen sind der

Geschäftsführung direkt zugeordnet.

Assistenz des Direktors

Controlling

Drittmittel

Festivals

Internationales Büro

Justiziar

Presse- & Öffentlichkeitsarbeit

Referent des Direktors

Stipendien / Pitchings

Studienleitung /

Transmedia Koordination

Vertrieb & Lizenzen

STABSSTELLEN

Im Bereich der Verwaltung umfassen

die Zuständigkeiten u.a.

das Finanz- und Rechnungswesen,

den Jahresabschluss, Controlling,

Risikomanagement, Beschaffungen,

Rechtsfragen, die Stellen-,

Personalplanung und Personalentwicklung

sowie die Allgemeine

Verwaltung und Betriebsorganisation.

Allg. Verwaltung

Bibliothek

Castingbüro

Finanz- & Rechnungswesen

Kfm. Verwaltung

Personal & Honorare

Studienreferat

Verwaltung Lehre

Das Animationsinstitut ist Teil der

Filmakademie, es verfügt zugleich in vielen

Bereichen über eigene organisatorische

Strukturen.

FMX

Forschung & Entwicklung

Kfm. Verwaltung

Stabsstellen

Technik/IT-Office

Verwaltung Lehre

ANIMATIONSINSTITUT

VERWALTUNG

GESCHÄFTSFÜHRUNG

ASTA

Die Geschäftsführung ist im Bereich der Lehre u.a.

zuständig für die Konzeption, Planung und Umsetzung

der Lehre, die Akquisition der Lehrenden, Studienkoordinator*innen

und Projektbetreuer*innen, Drittmittelproduktionen,

die Entwicklung des Medienstandortes für

Alumni und Existenzgründungen sowie die Zusammenarbeit

mit regionalen und überregionalen Sendern und

Produktionsfirmen.

Der Allgemeine Studierendenausschuss wird

zu Beginn jedes Studienjahres unmittelbar von

der Studierendenschaft gewählt. Er vertritt

die Belange der Studierenden innerhalb und

außerhalb der Filmakademie und nimmt beratende

und unterstützende Aufgaben im Dienste der

Studierendenschaft der Filmakademie wahr.


EDITORIAL


„DIE KRISE ALS CHANCE”

In der letztjährigen Ausgabe des Campus Magazins hatte

ich diese Einführung mit dem Titel überschrieben:

„Weiter so“ reicht nicht mehr! Gemeint war die Notwendigkeit,

auf Umweltthemen wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit,

aber auch drängende gesellschaftliche Fragen

wie Diversität und Gleichstellung zu reagieren. Nie hätte

ich mir allerdings träumen lassen, dass dieses „weiter

so“ dermaßen jäh durch eine Pandemie unterbrochen

werden könnte. Wir alle haben einen tiefen Einschnitt

in unser Leben und unsere Gewohnheiten erlebt, die

uns so selbstverständlich schienen und derer wir uns so

sicher waren. Auch die Filmakademie musste ihre Tore

schließen, Online-Curricula für die Studierenden und

Hygienepläne für die Durchführung von Dreharbeiten

und das Betreten der Gebäude entwickeln. Dies hat allen

Beteiligten sehr viel abverlangt. Naturgemäß bestimmen

der Corona-Ausbruch und seine Folgen auch den

Inhalt dieses Campus Magazins. Studierende, Alumni,

Dozierende berichten über den herausfordernden Umgang

mit der neuen Normalität.

Ebenso müssen wir den nur zu gut bekannten nationalistischen

und isolationistischen Bestrebungen in einigen

Ländern entschieden die Stirn bieten. Deshalb bin

ich sehr glücklich, dass an der Filmakademie im Mai

dieses Jahres ein Internationales Büro gegründet wurde,

dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Verbund

mit der übrigen Belegschaft alles dafür tun werden, unsere

Filmhochschule noch stärker weltweit zu vernetzen.

Denn wir alle stehen vor immensen globalen Herausforderungen,

denen wir nur durch gemeinsames internationales

Handeln begegnen können. Das gilt nicht

nur für das Bekämpfen einer Pandemie. Nutzen wir

also die Corona-Krise als Chance, um innezuhalten, unsere

bisherigen Planungen und Strategien zu reflektieren

und die Weichen für eine bessere Zukunft zu stellen.

Und dennoch sollten wir gerade jetzt nicht in unseren

Anstrengungen nachlassen, als Gesellschaft und globale

Gemeinschaft unsere Zukunftsfähigkeit zu sichern.

Schon kriechen überall die ewig Gestrigen und selbsternannten

Bewahrer des Status Quo aus ihren Löchern

und benutzen Corona als Ausrede, damit alles so bleiben

kann, wie es war oder um sogar die ersten erzielten Erfolge,

etwa beim Umweltschutz, rückgängig zu machen.

Gerade jetzt müssen wir in der Filmbranche z.B. auf

Green Shooting setzen. Gerade jetzt, wo Frauen oft eine

Hauptlast der Corona-Krise tragen, müssen wir uns weiterhin

für die Gleichstellung der Geschlechter und natürlich

auch aller ethnischen Gruppen einsetzen. Dabei

sollten wir jedoch nicht in blinden Eifer verfallen und

stets mit Vernunft und Augenmaß agieren. Auch dies ist

mir sehr wichtig und das müssen wir auch unseren Studierenden

vermitteln. Die Gräben, die sich in unserer

Gesellschaft auftun, sind schon groß genug.

Herzlich

Prof. Thomas Schadt

Direktor der Filmakademie Baden-Württemberg

3


INHALT

2

EDITORIAL

Prof. Thomas Schadt,

Direktor der Filmakademie

Baden-Württemberg

6

LEITARTIKEL:

WHAT'S THE STORY?

Prof. Thomas Schadt

28

INTERNATIONALE

NETZWERKE

36

SCREEN.TIME

INTERNATIONAL

70

DAS ATELIER

LUDWIGSBURG-PARIS

10

CAMPUS LUDWIGSBURG

20

MAKING-OF:

SUPERNOVA

SCREEN.TIME

INTERNATIONAL

38

DAS ANIMATIONSINSTITUT

78

ALUMNI IM FOKUS:

STEFFI ACKERMANN UND

JOCHEN LAUBE

84

EDITION FABW:

SOMMER IN ZEITEN VON

CORONA

24

EIN ÜBERBLICK ÜBER DAS

STUDIUM AN DER

FILMAKADEMIE

HANDWERK, THEORIE

UND PRAXIS

ENGE ZUSAMMENARBEIT

MIT DER FILM- UND

MEDIENBRANCHE

PROJEKTARBEIT IM TEAM

FREIHEIT ZUR

ENTWICKLUNG

DER EIGENEN KREATIVEN

HANDSCHRIFT

60

ALUMNI IM FOKUS:

JOSHI HEIMRATH

68

STECKBRIEF:

BILDGESTALTUNG/KAMERA

69

86

STECKBRIEF: DREHBUCH

87

STECKBRIEF:

FERNSEHJOURNALISMUS

88

SPOTLIGHT:

NACHHALTIGKEIT

4

STECKBRIEF:

DOKUMENTARFILM


94

STECKBRIEF:

FILMGESTALTUNG 1

95

STECKBRIEF:

FILMGESTALTUNG 2/

ANIMATION

108

SPOTLIGHT:

DIVERSITÄT UND

GLEICHSTELLUNG

114

STECKBRIEF: PRODUKTION

131

STECKBRIEF: SZENENBILD

132

STUDENTISCHES ENGAGEMENT

96

STECKBRIEF:

FILMGESTALTUNG 2/

NEUE MEDIEN

97

ALUMNI IM FOKUS:

JOHN GÜRTLER

115

STECKBRIEF: REGIE 2

116

ALUMNI IM FOKUS:

MATTHIAS DRESCHER

138

STECKBRIEF: SZENISCHER FILM

139

STECKBRIEF: WERBEFILM

102

STECKBRIEF: FILMMUSIK

103

STECKBRIEF:

FILMTON/SOUNDDESIGN

122

AUFTRAGSPRODUKTIONEN

124

DOZIERENDE IM PORTRÄT:

PROF. JOACHIM KOSACK

140

STECKBRIEF: FILMSCHAUSPIEL

142

INTERVIEW:

FILMSCHAUSPIELWORKSHOP

106

STECKBRIEF:

MONTAGE/SCHNITT

130

107

STECKBRIEF:

SERIEN PRODUCING

STECKBRIEF:

MOTION DESIGN

5


LEITARTIKEL

What's

the Story?

GEDANKEN (NICHT NUR) ZUR AUSBILDUNG

AN DER FILMAKADEMIE BADEN-WÜRTTEMBERG

VON PROF. THOMAS SCHADT

Am 9. Oktober 2019 starrten die meisten Menschen

in Deutschland auf dasselbe Bild ober

besser „Bewegtbild“. Es zeigte eine nahezu leere Straße

und hinter einem parkenden Auto eine vermummte

Gestalt, die ohne jede Hektik mehrmals mit einem

Gewehr über das Autodach hinweg ins OFF schoss. Der

Kommentar erklärte dazu, dass ein in Armeekleidung

verpackter junger Mann mit rechtsextremem Hintergrund

in Halle an der Saale die Synagoge stürmen

wollte, dies nicht schaffte und daraufhin zwei völlig

unbeteiligte Menschen tötete. Die beschriebene Bildaufnahme

inklusive ihrer Kontextualisierung erzeugte,

je nach Gemütslage des Publikums, höchst unterschiedliche

Gefühle. Ängste wie: „Bin ich der nächste?“, „Warum

ausgerechnet bei uns?“, oder „Gibt es eigentlich

nur noch Verrückte?“. Sie löste Mitgefühl und Trauer

für die Opfer aus. Oder Wut: „Wenn das Arschloch mir

begegnet wäre, hätte ich ihn auf der Stelle abgeknallt“

– was natürlich voraussetzt, dass man selbst eine Waffe

bei sich trägt. Vielleicht sogar Bewunderung: „Krass,

geil, hau sie weg!“

Und da wir der Digitalisierung nicht nur die Originalaufnahme

verdanken, sondern auch ihre permanente

mediale Wiederholung, verfolgten uns unsere

6

Gefühlswelten bis in den Schlaf und die kommenden

Tage hinein. So lohnt die Frage, was dabei – bewusst

und unbewusst – mehr in uns hineinwirkte: das Bild,

der Kontext, beides (und dann in welchem Verhältnis),

oder die nicht enden wollende Redundanz auf allen

Kanälen? Und zu fragen gilt auch, warum dieses zufällige

Real-Bewegtbild in seiner amateurhaft diffusen,

verwackelten und letztlich distanzierten Perspektive

selbst stumm und ohne Kontext mehr Authentizität erzeugt

als alle perfekt und aus der Nähe durchinszenierten

und gespielten Tötungsvorgänge eines „TATORT“.

Welcher Instinkt sagt uns eigentlich, das eine ist echt

und das andere gespielt? Oder ist das gar keine ernstzunehmende

Frage mehr? Darauf gibt es, so finde ich,

wenige relevante Antworten.

Die Enttabuisierung dieser Welt hat durch die Digitalisierung

jedenfalls längst stattgefunden. Dieses Rad

dreht niemand mehr zurück. Und der Gewinner dieser

Digitalisierung heißt „Bewegtbild“.

Ist ein Bewegtbild in der Welt, gibt es keine Möglichkeit,

es ein für alle Mal und überall wieder verschwinden

zu lassen. Ausgeschlossen. Das Zeug fliegt wie digitales

Dope durch den virtuellen Raum und macht uns


süchtig in der Versuchung, es immer und immer wieder

anzusehen. Dabei gilt: je abstoßender, desto attraktiver.

Denn wer will sich schon einen Sonnenuntergang

ansehen, wenn gleich nebenan ein Killer live auf

Menschen schießt. Selbst in unserer privaten Kommunikation

haben Bewegtbilder bis hin zu Emojis mittlerweile

mehr zu „sagen“ als das Wort. Und wir nutzen die

manipulative Kraft von Bildern natürlich, um uns ganz

ohne Worte zu gefallen. Wir nutzen sie aber auch, um

andere fertig zu machen, zu bashen, zu mobben oder

sie in einen kriminellen Hinterhalt zu locken. Die amerikanische

Kulturkritikerin Susan Sontag hat schon vor

40 Jahren in ihren „Essays über Fotografie“ zurecht von

einem „Kameragewehr“ gesprochen, das in der Lage ist,

im weitesten Sinne einen anderen zu töten. Oder, etwas

harmloser ausgedrückt, ihn seiner Seele zu berauben.

Und das zu einer Zeit, in der es noch gar keine Digitalisierung

gab. Heute besitzen wir alle ein Kameragewehr.

ZWEITENS:

Fragen ist wichtiger

als antworten.

Die Lehrcurricula an einer Akademie müssen eine

wohlüberlegte Mischung aus bewährten Erkenntnissen

und unerforschtem Neuland abbilden. Das Bewährte

an der Filmakademie wäre: Learning by doing, Unterricht

entlang praktischer Projekte in kleinen Klassen.

Unbedingt! Teamarbeit - ja bitte! Bildet Banden, sagen

wir unseren Studierenden, damit ihr später überleben

könnt. Ein Lehrkörper direkt aus der Praxis von Kunst,

Forschung und Wirtschaft: Dazu gibt es keine Alternative.

Niemand an der Filmakademie wünscht sich

festangestellte Lehrende, die ohne praktischen Bezug

zur beruflichen Realität Gefahr laufen, den Kontakt zur

Außenwelt ihrer Akademie zu verlieren.

Was heißt das für die Ausbildung an einer Filmakademie?

Dazu fünf Gedanken:

ERSTENS:

Was ist die Geschichte?

Der klassische Begriff „Film“ stellt nur noch Bruchteile

dessen dar, womit wir uns an einer Filmakademie beschäftigen

sollten. Die Ränder sind mitunter spannender,

wichtiger, wegweisender. Der Campus Ludwigsburg

bietet hierfür ideale Voraussetzungen und wir

sind aufgefordert, seine in ihm wohnenden Chancen

viel konsequenter zu nutzen. Die Begriffe Film, Theater,

Animation müssen genreoffen geweitet und neu

verbunden werden. Sie müssen aus ihren traditionellen

Nischen herausgeholt werden, ohne sie in ihrem

traditionellen Wert zu schmälern. Dies bedeutet eine

komplett neue Form der Vernetzung. Bei den kreativen

Lernprozessen der Studierenden sollten nicht weiter

die klassischen, wertenden Begriffspaare wie „Mainstream“

und „Arthouse“ oder „Kunst“ und „Unterhaltung“

im Vordergrund stehen, sondern allein die Frage:

Ist eine Geschichte erzählenswert oder nicht? Und

hat sie in der digitalen und gesellschaftlichen Wirklichkeit

überhaupt eine realistische Überlebenschance?

Relevanz, Originalität und Intensität könnten Kriterien

sein, um diese Fragen zu beantworten.

Und das Neuland? Das ist für uns beispielsweise „das

dialogische Lehrprinzip“, das auf Zuhören beruht. Wir

lernen ebenso viel von den Studierenden wie sie von

uns, heißt unser Credo. Und die Fragen unserer Studierenden

müssen wichtiger sein als unsere Antworten

darauf – wenn wir überhaupt welche haben. Unsere

Fragen an sie müssen im Gegenzug Raum und Zeit

für die Studierenden schaffen, um über eigene, innere

(und nicht äußere, womöglich von uns aufgezwungene

oder „empfohlene“) Antworten nachdenken zu

können. Dabei gilt es, die Themen, die die Studierendenschaft

in immer neuen Wellen ins Haus trägt, unbedingt

ernst zu nehmen, auch wenn sie vordergründig

mit Film gar nichts zu tun haben. Diversität, Rassismus,

Gendergerechtigkeit, Umgang mit Sprache, Klimaschutz

und internationale Netzwerke, das sind die

aktuellen Themen. Oft kommt erst danach die Frage:

„Wie geht eigentlich ein Film?“ Und ist diese Frage gestellt,

kommt die nächste: „Und wo da draußen ist eigentlich

mein Platz, wenn ich dieses geschützte Haus

verlasse?“ Das bedeutet, dass sich Lehrpläne einer ständigen

prozesshaften Evaluierung zu unterwerfen haben,

wollen sie am Nerv des Lebens bleiben und den

Forderungen und Anforderungen der Studierenden gerecht

werden. Dafür brauchen wir eine mit Offenheit,

Neugierde und ausnahmslosem Respekt geführte Debattenkultur.

Kreativer Diskurs braucht angstfreie Räume!

Hierfür stehen alle auf dem Campus in der Verantwortung.

7


LEITARTIKEL

DRITTENS:

Und die Märkte?

VIERTENS:

Grenzen

Da ist zunächst der lokale und nationale Markt, vorrangig

das Fernsehen, und hier wiederum das öffentlich-rechtliche

Fernsehen, das nach wie vor potent ist,

so potent, dass es die hiesige Entwicklung des Kinofilms

gleich mit übernimmt. Für diesen Apparat, mit

seinen logischen Zwängen einer nahezu durchgängigen

Programmformatierung, zu arbeiten, ist für viele

immer noch zu Recht eine lohnende Perspektive. Doch

wer von uns weiß, wie lange dieser Markt noch stabil

bleibt. Und da wir Studierende für Märkte auszubilden

haben, die wir mitunter noch gar nicht kennen, wenn

ihr Studium beginnt, die aber entstanden sein können,

wenn sie fünf, sechs Jahre später mit einem Diplom das

Haus wieder verlassen, dürfen wir uns damit alleine

nicht zufriedengeben. Das wäre reaktiv und nicht das,

was wir eigentlich sein sollen, nämlich visionär.

Zukünftige oder bereits existierende neue Märkte und

Medien kommen ins Spiel, in denen meist Englisch gesprochen

wird, weil sie international angelegt sind. Für

diese Arbeitsoptionen müssen wir natürlich auch ausbilden,

mitunter in englischer Sprache. Ein bilinguales

Curriculum wäre folgerichtig konsequent. Denn um in

diesen Märkten konkurrenzfähig agieren zu können,

muss man sich auf internationalem Parkett mit dessen

eigenen Spielregeln bewegen können. Unsere Studierenden

werden jedenfalls ohne ein selbst erlebtes und

reflektiertes internationales Verständnis zukünftig weder

künstlerisch noch industriell Aussicht auf nachhaltigen

Erfolg haben.

„Welche Bilder braucht die Welt?“ hat mich mal ein

Student gefragt und meinte damit: „Welche Geschichten

braucht die Welt?“ Wer glaubt, diese und andere

brennenden Fragen analog, punktuell oder regional lösen

zu können, oder wer glaubt, sich vor ihnen national

oder gar regional abschotten zu können, ist nicht

von dieser Welt.

8

Vor zwei Jahren entstand im Studienbereich Dokumentarfilm

LORD OF THE TOYS über die rechtslastige Influencer-Szene

in Dresden. Der abendfüllende Film

ist schwer auszuhalten und in seiner gnadenlosen Direktheit

zutiefst verstörend, verletzend. Das Fernsehen

hat den Film nicht ausgestrahlt, da Befürchtungen laut

wurden, der Film könne in seiner unkommentierten

Art von einem Fernsehpublikum missverstanden werden.

Womöglich ist das so und nach dieser Lesart wäre

LORD OF THE TOYS somit ein nicht sendefähiger

Film. Solche Filme brauchen wir, weil sie für Kommunikationsmöglichkeiten

außerhalb des Fernsehens stehen.

Die Macher des Films haben nach den Absagen

einen eigenen Verleih gegründet und mit dem Film eine

Kinotournee durch Deutschland organisiert. Er lief

in ausverkauften Kinos, hat Preise gewonnen und eine

deutschlandweite Debatte darüber ausgelöst, wie mit

dem Thema in den Medien umzugehen sei. Im besten

Falle, so lehrt das Beispiel, kann ein Film, auch der

einer Filmhochschule, durch eine kreative Grenzüberschreitung

eine enorme kommunikative Kraft erzeugen.

Dass „DIE ZEIT“ mit LORD OF THE TOYS ihren

Feuilleton-Jahresrückblick 2018 aufmachte, bestätigt

dies.

Damit ein Film überhaupt mit seinem Publikum kommunizieren

kann, muss er eine „innere Einstellung“

mit Hilfe von Technik in „äußere Einstellungen“, also

Bild und Ton übersetzen. Dabei darf es kein Dogma

geben außer dem Streben nach Qualität. Geschmäcklerisches

wie „schön“ und „hässlich“, politische Etikettierungen

wie „links“ oder „rechts“, Gesellschaftsklischees

wie „die da oben“ und „wir da unten“ oder

einfach gestrickte Muster von „gut“ und „böse“ reichen

hierfür nicht aus. So simpel ist unsere Welt nicht

gestrickt. Zu hinterfragen gilt es vielmehr, was in der

Wahl der erzählerischen Mittel für eine Geschichte

„richtig“ oder „falsch“ ist, und richtig spannend wird

es sowieso erst, wenn das Richtige auf einmal falsch ist

und das Falsche richtig, das Hässliche nur noch schön

ist und das Schöne hässlich, das Böse unser Held wird

und das Gute einfach nur langweilig. Political Correctness

und künstlerisches Schaffen stehen an ihren

Grenzen nicht selten äußerst strittig zueinander. Gut

so! Und unser Grundgesetz schützt diese Kollisionen,

in dem es uns die freie Meinungsäußerung, die Freiheit


der Kunst und die Freiheit der Lehre garantiert. Und

das wiederum sollte garantieren, dass es für künstlerische

Inhalte, für den damit verbundenen Diskurs und

für die möglicherweise begleitende Lehre keinerlei

Formen der Zensur geben darf. Weder von rechts oder

links, weder von oben oder von unten, noch von weiblich,

männlich oder divers.

beantworten können: Was sehe ich? Was höre ich?

Was fühle ich? Was macht das mit mir? Was ist möglich?

Wie geht das? Was will ich? Was tue ich?

ALSO LIEBE STUDIERENDE:

Allerdings, und das ist der entscheidende Hinweis an

dieser Stelle, steht im Grundgesetz auch der Satz: „Die

Freiheit der Lehre entbindet sich nicht von der Treue

zur Verfassung.“ Und deswegen finde ich es richtig, dass

der Gründungsdirektor der DFFB in Berlin 1969 den

sehr präzisen 16mm-Film eines damaligen Studenten

zur Erstellung und Anwendung eines Molotowcocktails

nach der ersten internen Präsentation im Giftschrank

verschwinden ließ. Im Zeitalter der Digitalisierung wäre

eine solche „Zensur“ nicht mehr möglich. Dennoch

gilt, und darüber sollten wir nicht diskutieren müssen:

„Kunstfreiheit“ ja, „Meinungsfreiheit“ ja, „Schießfreiheit“

nein. Oder anders ausgedrückt: Auch Freiheit

braucht Grenzen.

Auf geht`s und das mit Lust! Seid mutig und

frei von Angst auf eurem Weg durch das Studium

hier in Ludwigsburg. Bleibt verspielt, offen,

neugierig, zeigt Gefühle, bildet Banden, stiftet

kreative Unruhe, kommuniziert, hört euch gegenseitig

zu, stellt Fragen, bis wir sie nicht mehr

hören wollen. Erforscht Leerflächen, macht Fehler,

scheitert mit Lust, durchlebt Krisen, lernt,

Kritik zu ertragen, seid lernbereit, zeigt Respekt,

glaubt an euch, an eure Träume, habt Spaß (ganz

wichtig), und überrascht uns bitte immer wieder

aufs Neue mit euren wunderbaren kreativen

Arbeiten. Sie sind doch der entscheidende Faktor,

wenn es gilt, sich der eingangs erwähnten

Enttabuisierung unserer Gesellschaft zu stellen.

FÜNFTENS:

Systemresistente

Persönlichkeiten

(Verfasst im November 2019)

Also was bilden wir im besten Falle aus? Personen,

die ihr Handwerk exzellent beherrschen. Ja bitte! Aber

noch wichtiger sind kluge Köpfe. Wir brauchen handlungsfähige,

gebildete, in ihrem Tun reflektierte Persönlichkeiten.

Das muss die Anstrengung sein, der

wir uns in der Ausbildung zu stellen haben. Akademie

heißt Diskurs, heißt Inhalt und seine intellektuelle

und emotionale Durchdringung.

Systemresistente Persönlichkeiten sind bereit, für ihr

Tun Verantwortung zu übernehmen. Sie können eine

klare Haltung dazu entwickeln und diese auch artikulieren.

Sie sind entscheidungsfreudig und gewillt, sich

eine eigene Handschrift und Autorenschaft zu erarbeiten,

einen filmgenetischen Fingerabdruck. Sie leben

den Spagat zwischen den eigenen Utopien und den realen

Möglichkeiten des Marktes und sind dafür bereit,

jederzeit mit allen in einen streitbaren Dialog zu treten.

Sie sind zukünftige Meinungsträger*innen oder inspirierende

Multiplikator*innen. Deshalb sollten sie am

Ende ihrer Ausbildung unter anderem folgende Fragen

9


CAMPUS LUDWIGSBURG

ZWANZIG

ZWANZIG

ZWANZIG

EINUNDZWANZIG

WO ZU BEGINN DER 1990ER JAHRE VER-

LASSENE KASERNENHÖFE UND PARK-

PLATZBRACHEN DAS BILD BEHERRSCHTEN, IST

EIN EINZIGARTIGES AUSBILDUNGSZENTRUM

FÜR THEATER, FILM UND MEDIEN GEWACHSEN.

Die Akademie für Darstellende Kunst, die Filmakademie,

deren Animationsinstitut und das Atelier Ludwigsburg-Paris

tragen durch die Spitzenstellung, die sie in ihren

jeweiligen Bereichen einnehmen, dazu bei, dass hier

im fachspezifischen sowie im interdisziplinären Raum

auf höchstem Niveau gearbeitet wird.

Ein zentrales Merkmal des Ludwigsburger Campus liegt

in der Autonomie der vier ansässigen Ausbildungsstätten

in der Gestaltung ihrer Studieninhalte, während

sie zugleich auf zahlreichen Ebenen miteinander verwoben

sind. Jede Institution verfügt in ihrem Bereich

über erstklassige personelle und technische Ausstattung,

weitreichende internationale Vernetzung und einen

Lehrkörper aus herausragenden Künstler*innen

und Praktiker*innen.

Dieses inspirierende Neben- und Miteinander bringt einen

interdisziplinären Geist mit sich, der Grenzüberschreitungen

zwischen Erzählformen, Genres und Technologien

enorm befördert. Die Möglichkeiten umfassen

Film, Theater, Animation, neueste digitale Produktionstechniken,

transmediale Formate und vieles mehr in einer

räumlichen Nähe, die in der europäischen Hochschullandschaft

ihresgleichen sucht.

Ein gemeinsames Credo der Institutionen besteht in der

starken Projektorientierung des Studiums. Die Studierenden

finden neben der Inspiration somit auch die Ressourcen

für ihre Vorhaben und sorgen mit ihren vielfältigen

und ambitionierten Projekten für ein pulsierendes

Campusleben.

Der Ludwigsburger Campus bleibt so ein wichtiger Knotenpunkt

für Studierende, Alumni und auch für alle interessierten

Ludwigsburger Bürgerinnen und Bürger, u.a.

mit „Montags an der ADK“, dem Treffpunkt „Campus

International“ und der Filmreihe „Open House“.

10


ERÖFFNUNGSWOCHE 21.09. – 25.09.2020

21.09.2020

FESTLICHE ERÖFFNUNG

ADK UND FILMAKADEMIE

11.00 – 13.00 UHR

BEGRÜSSUNG DURCH:

PROF. DR. ELISABETH SCHWEEGER

PROF. THOMAS SCHADT

PROF. ANDREAS HYKADE

ERÖFFNUNGSGAST:

PROF. DR. H.C. JUTTA ALLMENDINGER, SOZIO-

LOGIN UND PRÄSIDENTIN DES WISSENSCHAFTS-

ZENTRUMS BERLIN FÜR SOZIALFORSCHUNG

ORT: HYBRIDVERANSTALTUNG LIVE/ONLINE

ALBRECHT ADE STUDIO UND FILMGALERIE FÜR

ERSTSEMESTER*INNEN VON FABW, ANIMATIONS-

INSITUT UND ADK. ALLE ANDEREN STUDIEREN-

DEN VERFOLGEN DIE VERANSTALTUNG ONLINE.

AUFTAKT NACH MASS

16.30 – 17.30 UHR

ORT: ALBRECHT-ADE-STUDIO

Ein Campus, drei Institutionen: Die Akademie für Darstellende

Kunst, die Filmakademie und ihr Animationsinstitut.

Im Rahmen der Veranstaltung „Auftakt nach

Maß“ stellen die Akademieleitungen den Studierenden

des ersten Semesters den Campus vor, stehen für erste

Fragen zur Verfügung und übergeben anschließend an

die AStA-Vertreter*innen.

PROF. DR. H.C. JUTTA ALLMENDINGER, PH.D. ist

seit 2007 Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin

für Sozialforschung (WZB) und Professorin für Bildungssoziologie

und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität

zu Berlin sowie seit 2012 Honorarprofessorin

für Soziologie an der Freien Universität Berlin.

Sie studierte Soziologie und Sozialpsychologie in Mannheim

und Madison, Wisconsin, wurde an der Harvard

University promoviert und habilitierte sich an der Freien

Universität Berlin. Von 1992 bis 2007 war sie Professorin

an der Ludwig-Maximilians-Universität München,

von 2003 bis 2007 Direktorin des Instituts für Arbeitsmarkt-

und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit

in Nürnberg.

Sie wurde unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz

erster Klasse, dem Communicator-Preis – Wissenschaftspreis

des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft

und dem Schader-Preis ausgezeichnet. 2014

wurde ihr die Ehrendoktorwürde der Universität Tampere

verliehen.

Jutta Allmendinger ist in zahlreichen Beiräten im Inund

Ausland tätig. Seit 2016 ist sie Mitglied im Aufsichtsrat

der Berliner Stadtreinigung BSR. Im Mai 2017 wurde

Jutta Allmendinger als Herausgeberin in den neuen

fünfköpfigen Herausgeberrat der Wochenzeitung DIE

ZEIT berufen. Jutta Allmendinger wurde vom Auswärtigen

Amt für das Thomas Mann Fellowship nominiert, in

diesem Rahmen lebte und arbeitete sie 2018 für vier Monate

im Thomas Mann Haus in Los Angeles.

11


CAMPUS LUDWIGSBURG

12


22. BIS 25.09.2020

„MIND THE GAP?”

“When it comes to creative inspiration, job titles and

hierarchy are meaningless.”

Ed Catmull (Gründer von PIXAR)

WORKSHOP MIT

RIMINI PROTOKOLL, HELGARD HAUG,

DANIEL WETZEL /

SIMON JON ANDREASEN (DOZENT) /

ERIC WALLIS (KAMPAGNEN- UND PR-MANAGER,

IMPULSGEBER)

JEWEILS 10.00 – 17.00 UHR

ORT: GETRAG AREAL

Wir leben in einem Land, in dem der soziale und reale

Abstand zwischen „denen dort oben“ und „uns dort

unten“ bzw. „denen, die mitmachen dürfen“, die Regeln

mitgestalten können und denen, die sich als „abgehängt“

wahrnehmen, oder die prekär im Niedriglohnsektor um

Existenz und Rechte bangen müssen, als stetig wachsend

beschrieben wird.

Im Alltag befinden wir uns alle in einer individuellen,

größeren oder kleineren Wahrnehmungs-Blase. Es

braucht aktiven Einsatz, um sich der eigenen Denk- und

Handlungsmuster bewusst zu werden und sie zu hinterfragen.

Das auch „Framing 1“ genannte Verhaltens- und

Denkkonstrukt ist unser komplexer persönlicher Erfahrungsschatz.

Er kann gleichwohl zur Annahme verleiten,

die Welt sei tatsächlich so, wie ich sie sehe.

RIMINI PROTOKOLL: Helgard Haug, Daniel Wetzel und

Stefan Kaegi haben im Jahr 2000 das Theater-Label Rimini

Protokoll gegründet und arbeiten seither in verschiedenen

Konstellationen unter diesem Namen. Stück

für Stück erweitern sie die Mittel des Theaters, um neue

Perspektiven auf die Wirklichkeit zu schaffen. Rimini

Protokoll entwickeln ihre Bühnenstücke, Interventionen,

szenischen Installationen und Hörspiele oft mit

Expert*innen, die ihr Wissen und Können jenseits des

Theaters erprobt haben. Außerdem übersetzen sie gerne

Räume oder soziale Ordnungen in theatrale Formate.

Viele ihrer Arbeiten zeichnen sich durch Interaktivität

und einen spielerischen Umgang mit Technik aus.

Welche Wege gibt es, sich konträren Welten künstlerisch

zu nähern, sie sicht- und erlebbar zu machen? Welchen

Narrativen und Selbstinszenierungsstrategien sind wir

verhaftet? Und wie können wir diese neu denken, um

so Impulse für die künstlerische, aber auch informelle

Auseinandersetzung zu finden?

Auf einer sehr persönlichen Ebene setzt die Betrachtung

dieser individuellen Perspektiven an. Im Rahmen von

Workshops möchte das Team diese stark unterschiedlich

geprägten Realitäten mit ihren Regeln, Notwendigkeiten,

Voraussetzungen und Möglichkeiten erfahrbar machen:

formatoffen als Film, Theaterstück, App, Prosa, Intervention,

Recherchepapier etc.

SIMON JON ANDREASEN is a professor at the National

Film School of Denmark where he is heading the

Directors Education (Animation and Interactive) and

DADIU (the Danish Academy of Interactive Entertainment).

Simon has directed radio, film and television

and developed games released by the world`s leading

publishers and broadcasters. With one foot in

traditional media and one foot in digital, Simon Jon

Andreasen`s passion is creating storyworlds – universes

that tell stories across old and new formats.

13


CAMPUS LUDWIGSBURG

06.11.2020 / 16.04.2021

CAMPUSABENDE

17.00 – 21.00 UHR

CAMPUS IM AUSTAUSCH

GEMEINSAME LEHRANGEBOTE

VON FILMAKADEMIE UND ADK

Um die bestehenden Netzwerke zu verstärken und das

Potenzial des Campus weiter auszubauen, finden pro Semester

zwei Campusabende statt. Das Programm dieser

Veranstaltungen stellen die Studierenden gemeinsam

mit den AStAs der ADK und der Filmakademie zusammen.

Zeitgleich finden keine Lehrveranstaltungen statt.

So entsteht Raum für ungezwungene Begegnungen,

den Austausch von Gedanken, Visionen, Projektideen

und -vorstellungen, Neues oder Gemeinsames

zu schaffen: Raum zur Ausweitung des kreativen

Felds zu einem Campus der vielfältigen Möglichkeiten.

Für weitere Informationen kann die Studienleitung kontaktiert

werden.

Die Campus-Idee findet ihre konkrete Umsetzung in

der Gestaltung der Lehrpläne, welche die wechselseitige

Teilnahme an den Lehrveranstaltungen vorsehen.

FABW-STUDIERENDE KÖNNEN AN DER ADK

AN FOLGENDEN LEHRVERANSTALTUNGEN

TEILNEHMEN:

• Theorie-Montag (Lektürekurs Gegenwart & Theatergeschichte

/ Ästhetik / Geschichte der Regie und Schauspieler*innenpersönlichkeiten)

• Performancetheorie

• Vergleichende Mediendramaturgie

• Autor*innen im Fokus

• Grundlagen Regie (Raum und *Bühne / Raum und

Klang / Kurzprojekte mit der ABK)

• Grundlagen Schauspiel

• Wort und Wirkung

• Sprechen für Regisseur*innen

• Praxismodule

• Szenisches Arbeiten mit Kai Wessel

• Meisner-Technik und Schauspiel-Workshop mit Kai

Wessel

• Nomadische Recherche / „Adaptionen“-Workshop

ADK-STUDIERENDE KÖNNEN AN DER FABW

TEILNEHMEN WIE FOLGT:

REGIE-STUDIERENDE AN:

• Filmgestaltung 2 (FG 2): ein ganzes Semester

SCHAUSPIEL-STUDIERENDE AM:

• Inszenierungsworkshop

ALLE STUDIERENDE DER ADK AN:

• Filmgeschichte und -theorie (PD Dr. Bernd Kiefer, Nataša

von Kopp, Maurice Fitzpatrick, Prof Dr. Marcus

Stiglegger, Prof. Dr. Lisa Gotto)

• Verschiedene Seminare zu Film- und Medien geschichte

(Teil 1 und Teil 2)

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• Premiere Kurzgeschichtenband „Sommer“

(geplant, Zeit und Ort nach Ansage)

Premiere des vierten Kurzgeschichtenbandes der

Edition FABW zum Thema „Sommer“ mit Lesung ausgewählter

Beiträge von Studierenden und Alumni von

FABW und ADK mit anschließendem Get-Together.

Schirmherr: Philipp Keel, Verleger des Diogenes

Verlags.

06.11.2020 / 15.01.2021

/16.04.2021 / 28.05.2021

AKA-PITCHINGS

FREITAGS JEWEILS AB 10.00 UHR

ORT: ALBRECHT ADE STUDIO, ADK/BÜHNE

Die AKA-Pitchings dienen der Teamfindung und geben

einen Überblick über aktuelle Themen und Arbeiten. Die

im Fünf-Minuten-Takt gepitchten Projekte reichen u.a.

von performativen Installationen bis hin zu Theaterstücken

oder Festivals, vom Werbe-, Dokumentar-, Animations-

bis hin zum Theaterfilm, von Games bis hin zu

szenischen Filmen. Die AKA-Pitchings schaffen ein Bewusstsein

für die künstlerische Bandbreite und das kreative

Spektrum der Projekte, die an der Akademie für

Darstellende Kunst und der Filmakademie entstehen.

Die Teilnahme an allen vier Pitchings ist für

Studierende der Filmakademie Pflicht. Für Studierende

der ADK ist die Teilnahme einmal im Studienverlauf

Pflicht. Ansonsten ist die Teilnahme erwünscht,

sofern kein anderer Unterricht betroffen ist.

TERMINE NACH ANSAGE

(JEWEILS MONTAG)

THEATER BEI TAGESLICHT.

ARTISTIC PRODUCING.

SELFMANAGEMENT.

THEORIE-MONTAGE

Theoretische Grundlagen sind auch an besonders praxisbezogenen

Ausbildungsstätten die Basis jeglicher konstruktiver

Auseinandersetzung und Ausgangspunkt für

künstlerische Behauptungen und Handschriften.

So bietet die ADK mit einem festen Theorietag für die

Studierenden verschiedener Ausbildungsrichtungen

Grundlagen- und Übersichtsseminare aus den Bereichen

Ästhetik, Philosophie, Theater-, Film- und Literaturgeschichte

an.

Die Studierenden des gesamten Campus haben die Möglichkeit,

gemeinsam diese Veranstaltungen zu besuchen,

die dann in einzelnen Blockseminaren weiter vertieft

werden. Einerseits sollen damit der Kontakt und

die Vernetzung der Studierenden untereinander gefördert

werden. Zum anderen dient die gemeinsame Ausbildung

dazu, sich eine gemeinsame Sprache (und ein

ähnliches Wissen) anzueignen, die dem Diskurs und der

potenziellen Zusammenarbeit auf dem Campus zugutekommen

soll.

Aufgrund der begrenzten Plätze bitten wir Interessierte, sich

vorab per E-Mail bei Julia Klaas / Studienbüro Dramaturgie

ADK anzumelden: julia.klaas@adk-bw.de

Die aktive Teilnahme am Pitch kann bis zwei Tage vorher an

folgende E-Mail-Adresse angemeldet werden:

pitch@filmakademie.de (Organisation: Andrea Macos)

15


CAMPUS LUDWIGSBURG

TERMINE NACH ANSAGE

(I.D.R. JEWEILS DONNERSTAG)

ANIMATIONSFILM –

WAS BITTE?

FILMGESCHICHTE ALS

ANIMATIONSGESCHICHTEN

CAMPUS VERNETZT

HOCHSCHULKOOPERATION MIT DER PÄDAGOGI-

SCHEN HOCHSCHULE (PH) IM WS 2020/21

Im Rahmen des Masterstudiengangs „Kulturelle Bildung“

setzen die ADK und die FABW die Zusammenarbeit

mit der PH Ludwigsburg fort.

AB 17.00 UHR

TINA OHNMACHT

PH-STUDIERENDE KÖNNEN AN FOLGENDEN

LEHRVERANSTALTUNGEN TEILNEHMEN:

Was genau sind überhaupt Animationsfilme und wo

kommen sie her? Hat James Cameron recht, wenn er

sagt, AVATAR sei kein Animationsfilm? Warum kennen

wir so viele Trickfilme für Kinder, wo sind die für Erwachsene?

Warum denken so viele Leute, Walt Disney

hätte den Zeichentrick erfunden?

Animations-Geschichten geben einen Überblick über

die Geschichte des Animationsfilms von den Anfängen

– und die liegen lange vor den Anfängen des Films – bis

heute, in Deutschland, den USA, Europa und Asien. Wir

werden bekannte und unbekannte Filme anschauen, Filme,

die zum Nachdenken oder zum Lachen bringen, begeistern,

mal aus heutiger Sicht langweilig erscheinen

oder auch unverstanden bleiben. Jeder Film erzählt eine

Geschichte, ist selbst Teil einer größeren Geschichte und

inspiriert zu neuen Geschichten.

Das Seminar besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil im

Sommersemester gibt einen historischen Überblick über

die Entwicklung des Animationsfilms von den Anfängen

bis zum ersten Disney Feature Film SCHNEEWITT-

CHEN. Im Wintersemester 2020/21 stehen thematische

Schwerpunkte und Präsentationen der Studierenden zu

einem animations-, VFX- oder games-relevanten Thema

ihrer Wahl im Mittelpunkt.

Für aktuelle Informationen bitte Studienplan Animation 3

(Sommersemester) und Animation 4 (Wintersemester)

beachten! Das Seminar ist nach Anmeldung über die Studienleitung

offen für alle Studierenden des Akademie-Campus.

Die Veranstaltung findet ab Wintersemester 2020/2021 auf

Englisch statt.

ADK:

• THEATERGESCHICHTE:

BEGINN 28.09.2020

MONTAGS 14.45 – 16.15 UHR

• INTERNATIONALES POLITISCHES THEATER:

16. – 17.04.2021 / 23. – 24.04.2021 /

07. – 08.05.2021

FREITAGS, 09.00 – 13.30 UHR

SAMSTAGS, 17.00 – 21.00 UHR

Anmeldung per E-Mail an:

julia.klaas@adk-bw.de

FABW:

• COUNTERCULTURE FILMS

Maurice Fitzpatrick

12.11.2020 (17.00 – 20.00 UHR) /

13. – 14.11.2020 (10.00 – 17.00 UHR)

Dieses Seminar findet in englischer Sprache statt.

• QUEER CINEMA HISTORY - ZUR THEORIE UND

ENTWICKLUNG DES QUEER CINEMA

Lioba Schlösser

03.12.2020 (17.00 – 20-00 UHR) /

04.-05.12.2020 (10.00 - 17.00 UHR)

• HELDINNEN MIT SCHWERT: ENTWICKLUNG

DER FRAUENFIGUREN IN DEN SOGENANNTEN

SAMURAI-FILMEN - VON ZUSCHAUERINNEN ZU

KÄMPFERINNEN. EMANZIPATION IM JAPANI-

SCHEN KINO? ENTWICKLUNG UND EINFLUSS AUF

DAS AMERIKANISCHE KINO

Nataša von Kopp

21.01.2021 (17.00 – 20.00 UHR) /

22. – 23.01.2021 (10.00 – 17.00 UHR)

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• FILM- UND MEDIENGESCHICHTE:

VON DEN ANFÄNGEN DES FILMS BIS ZUR

ETABLIERUNG DES KLASSISCHEN HOLLYWOOD-

SYSTEMS

Prof. Hans Beller

24.06.2021 (17.00 – 20.00 UHR) /

25. – 26.06.2021 (10.00 – 17.00 UHR)

• DER FILMEMACHER NICOLAS WINDING REFN

Prof. Dr. Marcus Stiglegger

22.04.2021 (17.00 – 20.00 UHR) /

23. – 24.04.2021 (10.00 – 17.00 UHR)

• FILM- UND MEDIENGESCHICHTE:

MARLENE DIETRICH MEETS MAREN ADE -

FRAUEN IN DER MEDIENGESCHICHTE

Dr. Elisa Jochum

24.06.2021 (17.00 – 20.00 UHR) /

25. – 26.06.2021 (10.00 – 17.00 UHR)

• SPIEL/FILM - KULTURTHEORIE DES SPIELS

N.N.

08.07.2021 (17.00 – 20.00 UHR) /

09. – 10.07.2021 (10.00 – 17.00 UHR)

Anmeldung jeweils per E-Mail an:

linda.kraemer@filmakademie.de

STUDIERENDE VON ADK UND FABW KÖNNEN

AN FOLGENDEN LEHRVERANSTALTUNGEN DER

PH TEILNEHMEN:

IM WINTERSEMESTER:

• VERTIEFENDE FILMANALYSE

DIENSTAGS (10.15 – 11.45 UHR)

• MEDIENGESCHICHTE - VORLESUNG

MITTWOCHS (10.15 – 11.45 UHR)

• THEORIEN DER MEDIENBILDUNG

DONNERSTAGS (10.15 – 11.45 UHR)

• MEDIENTHEORIE/MEDIENKRITIK

DONNERSTAGS (12.15 – 13.45 UHR)

Für alle Veranstaltungen: Anmeldung per E-Mail an:

thomas.wilke@ph-ludwigsburg.de

Die Veranstaltungen im Sommersemester werden von den

Studienbüros bekannt gegeben.

17


CAMPUS LUDWIGSBURG

CAMPUS FÜR LUDWIGSBURG

05.10.2020 / 26.10.2020 / 16.11.2020 / 11.01.2021 /

22.02.2021

MONTAGS AN DER ADK

AUSSICHTEN. EINSICHTEN.

GESPRÄCHE.

JEWEILS 20.00 UHR

Die Abende mit hochrangigen Künstler*innen, Wissenschaftler*innen

oder Expert*innen verstehen sich als öffentliches

Nachdenken über aktuelle Debatten und Diskurse.

Zu Gast bei der zunehmend beliebten Reihe mit

Vorträgen und Gesprächen sind im Wintersemester 2021

u.a. der Staatsanwalt THOMAS WILL (stellv. Direktor der

Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer

Verbrechen), ALEIDA ASSMANN (Anglistin und Literatur-

und Kulturwissenschaftlerin), HEMAL NAIK (Doktorand

der Abteilung Kollektivverhalten am Max Planck

Institut für

Verhaltensbiologie in Konstanz), ELKE

AUS DEM MOORE (Kunsthistorikerin, Kuratorin und

Direktorin der Akademie Schloss Solitude) sowie

PETER PANKOW (Schauspieler, bildender Künstler) und

DOMINIK BENDER (Schauspieler, Regisseur) vom Theater

Thikwa in Berlin.

Bisherige Gäste u.a.: ANNETT BAUMAST (Expertin

für Nachhaltigkeit auf dem Gebiet der Kultur),

INÉS DE CASTRO (Direktorin Linden-Museum Stuttgart),

WOLFGANG ENGLER (Soziologe, Philosoph und

langjähriger Rektor der Hochschule für Schauspielkunst

„Ernst-Busch“), MARC GRANDMONTAGNE (Geschäftsführender

Direktor des Bühnenvereins), UL-

RIKE GROOS (Direktorin Kunstmuseum Stuttgart),

MEREDITH HAAF ( Journalistin und Autorin), JOSEF

HADER (Kabarettist und Schauspieler), DOROTHEA VON

HANTELMANN (Kunsthistorikerin, Autorin und freie

Kuratorin), LISA JOPT (Schauspielerin und Mitbegründerin

des Ensemble-Netzwerks), PHILIPP KEEL (Künstler,

Filmemacher, Autor und Verleger), ULRICH KHUON

(Intendant Deutsches Theater Berlin, Vorsitzender des

Bühnenvereins), AINO LABERENZ (Bühnen- und Kostümbildnerin,

Leiterin des Operndorfs von Christoph

Schlingensief ), MATTHIAS LILIENTHAL (Intendant

der Münchner Kammerspiele), PETER W. MARX (Theaterwissenschaftler),

HERFRIED MÜNKLER (Politikwissenschaftler),

CHRISTIANE NÜSSLEIN-VOLHARD

(Nobelpreisträgerin für Medizin), SUSANNE PFEFFER

(Direktorin Museum für Moderne Kunst MMK Frankfurt),

EVA JANKOWSKI und FRANCE-ELENA DAMIAN

(Gründerinnen Pro Quote Bühne), WILFRIED SCHULZ

(Intendant Staatsschauspiel Dresden), Wolf Singer (Hirnforscher),

KAY VOGES (Intendant Schauspiel des Theaters

Dortmund) und ANDRÉ WILMS (Schauspieler).

18


DER OFFENE CAMPUS.

TREFFPUNKT

CAMPUS INTERNTIONAL

Eine Initiative der Studierenden der ADK, FABW und

ihres Animationsinstituts.

Einmal im Quartal wird das Foyer der ADK zu einem

Ort der Begegnung und des Kennenlernens unterschiedlicher

Kulturen, ihrer Hintergründe, Erfahrungen und

Lebenswelten. Unterschiedlichste Veranstaltungsformen

– Vorträge, Diskussionen und Musik – bieten die Möglichkeit,

sich auszutauschen und Netzwerke miteinander

zu verknüpfen. Es ist eine Einladung an Neuzugewanderte

mit und ohne Fluchtgeschichte, an Studierende

der ADK, Filmakademie und ihres Animationsinstituts

und an alle Ludwigsburger Akteur*innen für Integration,

engagierte und interessierte Menschen der Stadt.

Die Initiative lädt zum bewährten Get-Together im Anschluss.

DER OFFENE CAMPUS.

EIN KREATIVES, VIELFÄLTIGES

LABOR

Studien- und Semesterarbeiten der Studierenden laden

dazu ein, die zukünftige Künstler*innenschaft in ihrer

Entwicklung zu entdecken und zu begleiten: Öffentliche

filmische Semesterpräsentationen, 10 bis 15 Werkstatt-

Inszenierungen aus dem „Labor“ der ADK-Studierenden,

Bachelorarbeiten und Inszenierungen der zweimal

jährlich stattfindenden Themenmodule. Zum Ende eines

Studienjahres findet alle zwei Jahre das von den Studierenden

ausgerichtete internationale, junge Theaterfestival

„Furore“ statt.

Der offene Campus mit ca. 60 öffentlichen Veranstaltungsabenden

gewährt Einblicke in ein kreatives, vielfältiges

interdisziplinäres Labor.

19


MAKING-OF

SUPERNOVA

20


EIN DRAMA IM SCIFI-GEWAND – SO

BESCHREIBT DREHBUCHAUTORIN UND

PRODUZENTIN FIEDERIKE WEYKAMP DEN

30-MINÜTIGEN FILM „SUPERNOVA“. ER IST

DAS DIPLOMPROJEKT VON KAMERAMANN

LEONARD FREDERIC CASPARI UND SZE-

NENBILDNERIN KATHARINA KERN. REGIE

FÜHRTE STEVE BACHE. DER FILM NIMMT

NICHT NUR DIE ZUSCHAUER*INNEN MIT

IN EINE ANDERE WELT, AUCH DIE CREW

WURDE WÄHREND IHRER ARBEIT MIT EINER

NOCH NICHT DAGEWESENEN REALITÄT

KONFRONTIERT. DER FILM WURDE ALS ERS-

TES GROSSES PROJEKT DER FILMAKADEMIE

BADEN-WÜRTTEMBERG UNTER CORONA-BE-

DINGUNGEN GEDREHT.

Man muss über ein paar Kabel steigen, sich an mehreren

Lampen, Kameras und Stativen vorbeiducken und schon

trennt nur noch eine Tür aus Pressspan das Studio-Setting

von einer anderen Welt – der Welt des Kurzfilms

SUPERNOVA. Neun Meter misst der Durchmesser des

sogenannten Habitats, das im Ade-Studio der Filmakademie

Baden-Württemberg für das Projekt aufgebaut wurde.

Im Film arbeiten und wohnen hier die Astronautinnen

Nova, Lucia und Ivy gemeinsam mit mehreren Wissenschaftler*innen

und bereiten den ersten Flug zum Mars

vor. Die drei Astronautinnen befinden sich im Wettbewerb

um die Leitung der Expedition. Der Film begleitet

die Anwärterinnen in der Schlussphase des Verfahrens

und zeigt, wie sie ganz unterschiedlich mit der Situation

umgehen. Sie alle stehen unter Druck, sie haben es so

weit geschafft, doch ist es auch ihr Weg? Was ist ihre

Motivation, welche Erwartungen gibt es von außen, wie

ist ihr Bild von sich selbst? Bei den Charakteren war es

der Drehbuchautorin Friederike Weykamp wichtig, vielschichtige

Frauen zu zeigen, mit verschiedenen Zielen

und Vorstellungen und nicht nur ein neues Frauenbild.

„Ich habe das Gefühl, dass wir von einem Frauenbild

zum nächsten rutschen. Aber ich will zeigen, dass es

nicht die „eine“ Frau gibt. Jeder Mensch soll selbst entscheiden

können, wie sie oder er sein will“, sagt sie. Zudem

will Friederike Weykamp eine neue Normalität zeigen

– in diesem Fall drei Frauen im Wettstreit um eine

Führungsposition. „Ich musste mir oft anhören, das sei

doch unrealistisch. Wenn ich dann entgegnete, dass sich

keiner wundern würde, wenn nur Männer in den Rollen

besetzt wären, waren alle still.“ Auch das soll Film können:

vorstellbar machen, was möglich ist. Kameramann

Leonard Caspari hat SUPERNOVA als Diplomprojekt besonders

gereizt, „weil es vorrangig ein figurenorientiertes

Drama ist, das den Genre-Aspekt der Science-Fiction

in den Hintergrund rückt. Diese Mischung war für

mich spannend, da ich wenig Interesse an Filmen habe,

die vor allem auf Spektakel aus sind. Und es war eine

tolle Gelegenheit, in diesem Genre tätig zu sein, da gerade

Science-Fiction im deutschsprachigen Raum eher eine

Seltenheit ist.“

Die Idee zum Film kam Friederike Weykamp 2018 während

einer Reise durch die Atacama-Wüste in Chile. Hier

waren die Sterne und die Besiedlung des Mars ein großes

Thema – und eine Anekdote: Ein Mädchen werde

21


MAKING-OF

derzeit auf eine Expedition zum Mars vorbereitet. „Diese

Geschichte hat sich in meinem Kopf festgesetzt. Mit

der Frage: Will das Mädchen das überhaupt? Macht sie

das aus sich heraus, oder wegen der Erwartungen Anderer?“,

erinnert sich Friederike Weykamp. In einem Seminar

für Stoffentwicklung verfolgt sie die Idee weiter

und schreibt das Drehbuch. „Das ist ein großes Privileg

an der Film-Aka. Hier stehen uns die Mittel zur Verfügung,

eigene Stoffe zu entwickeln, auch für mich als

Produktionsstudentin. Und jetzt realisiert ein Team von

30, 40 Leuten das, was vor zwei Jahren in der Wüste in

meinem Kopf entstanden ist. Das ist ein unbeschreibliches

Gefühl.“

In dem Stoffentwicklungs-Kurs hört auch Regisseur Steve

Bache von der Filmidee. „Ich fand gerade das Thema

der Zweifel sehr spannend. Die Anwärterinnen haben es

so weit gebracht und trotzdem zweifelt die Hauptdarstellerin

Nova daran, ob sie das überhaupt will.“ Für Steve

Bache war SUPERNOVA nicht nur der erste Science-Fiction-Film,

sondern auch der erste Studio-Dreh. „Das ist

ganz anders als bei einem Dreh an verschiedenen Locations.

Wir mussten uns lange im Vorhinein im Klaren

darüber sein, wie der Film aussehen soll, entsprechend

wurde dann das Studio gebaut.“

Zwei Studios belegte das Team für den Dreh von SUPER-

NOVA. Mehrere Wochen dauerte der Aufbau des Habitats

im Ade-Studio und der aufwändigen Mars-Landschaft

im Studio 1, zudem gab es drei Außendrehs. Doch

dass der Dreh überhaupt stattfinden konnte, war lange

unklar. Im März 2020 wurde das gesamte Projekt auf Eis

gelegt – Grund: Corona und die damit einhergehenden

22

Kontaktbeschränkungen. „Die größte Herausforderung

war es, die Energie in dieser ungewissen Phase aufrecht

zu erhalten. Wir standen zwei Tage vor Dreh, als

die Produktion eingestellt werden musste. Inzwischen

fühlt es sich an, als hätte man einen Langspielfilm produziert,“

erzählt Leonard Caspari. Für das Team war es

eine Ausnahmesituation, nicht zu wissen, ob und wie es

weitergeht. „Aus dieser Schockstarre mussten wir erst

wieder in einen Arbeitsmodus zurückkehren,“ erinnert

sich Friederike Weykamp. Und das SUPERNOVA-Team

kehrt zurück. Im Mai entwickeln sie ein Hygiene-Konzept

und können im Juni 2020 mit den Dreharbeiten beginnen.

Doch es wird ein anderer, ein neuer Drehalltag.

Eine Schauspielerin muss neu gecastet werden, da

die ursprüngliche Besetzung, eine Russin, auf Grund von

Corona nicht nach Deutschland einreisen kann. Die Darstellerinnen

müssen mehrere Corona-Tests machen, das

Team trägt während der Dreharbeiten einen Mund-Nase-Schutz,

es gibt regelmäßige Fieberkontrollen. Statt

geplanter 30 Komparsen dürfen nur fünf am Set sein.

„Vor allem die Arbeit mit einem kleineren Team erschwerte

die Abläufe,“ erzählt Steve Bache. „Zum Beispiel

haben wir normalerweise bei so einem Dreh vier

bis fünf Beleuchter, jetzt waren es zwei bis drei. Auch eine

Maske hatten wir nicht im Studio. Das alles verursacht

längere Laufwege und kostet Zeit.“ Leonard Caspari

ergänzt: „Letztendlich hat aber alles geklappt, was mir

Hoffnung gibt, dass Filme mit hohem Aufwand und Anspruch

trotz der schwierigen Umstände auch weiterhin

produziert werden können.“ SUPERNOVA kann somit

ein Beispiel dafür sein, wie Filmen in Zeiten von Corona

funktionieren kann.


Den Mut für neue Wege zu haben, das will Friederike

Weykamp auch mit dem Film SUPERNOVA vermitteln.

„Man sollte nicht auf einen Anstoß von außen warten,

sondern auf sich selbst hören. Dinge tun, weil sie sich

gut anfühlen und nicht, weil man sie eben so macht. Das

gilt auch für uns 'Film-Akaler': Wir sollten mehr wagen,

nicht nur in Departments denken. Wir sind alle Filmschaffende,

die gemeinsam einen Film realisieren.“

SUPERNOVA soll bis Frühjahr 2021 fertiggestellt und

anschließend auf nationalen und internationalen Filmfestivals

gezeigt werden.

Text: Marianne Harr

Fotos: Hugo Lenhardt

CAST/CREW

Buch, Producerin: FRIEDERIKE WEYKAMP

Regie: STEVE BACHE

Bildgestaltung: LEONARD FREDERIC CASPARI

Montage: SAM HANDEL

Szenenbild: KATHARINA KERN, NILS SCHIMITZEK

Kostüm: CAROLINE SASSE

Maske: DEMET ERESEN

Set-Ton: FRANZISKA ARNDT, JAN LUKAS MIELKE

Motion Design: TIMO KREITZ

Casting: JULIANE VOIGTLÄNDER, JESSICA LAYHER

Darstellerinnen: BEA BROCKS, KATIA FELLIN,

MASHA TOKAREVA, AGNES LAMPKIN

Produktion:

FILMAKADEMIE BADEN-WÜRTTEMBERG GMBH

23


IN ZAHLEN

500

STUDIERENDE

HANDWERK, THEORIE

UND PRAXIS

ENGE ZUSAMMENARBEIT

MIT DER FILM- UND

MEDIENBRANCHE

FREIHEIT ZUR

ENTWICKLUNG

DER EIGENEN KREATIVEN

HANDSCHRIFT

PROJEKTARBEIT IM TEAM

130

ANGESTELLTE

300

DOZIERENDE

24


EIN ÜBERBLICK ÜBER DAS STUDIUM

AN DER FILMAKADEMIE BADEN-WÜRTTEMBERG

DAS STUDIUM IST STARK PRAXISORIEN-

TIERT UND STELLT DAS PRINZIP „LEAR-

NING BY DOING“ IN DEN VORDERGRUND. VON

BEGINN AN ERARBEITEN DIE STUDIERENDEN

ALLER GEWERKE IHRE FILME GEMEINSAM. SO

ENTSTEHEN JÄHRLICH ÜBER 250 FILME ALLER

GENRES UND FORMATE.

Das Ausbildungsangebot spiegelt die ganze thematische

Bandbreite der Medienbranche wider, von Drehbuch,

Regie und Kamera bis hin zu Animation, Szenenbild und

Montage, von Produktion, Filmmusik und Sounddesign

bis zu Motion Design und Interaktiven Medien.

Neben den klassischen Erzählformen für Film und Fernsehen

bereichern Social Media, partizipative Performances,

immersives Entertainment, Games und weitere neue

Formen des Geschichtenerzählens die Branche, verändern

Berufsbilder und lassen neue Formate und Ertragsmodelle

entstehen. Studienanfänger*innen erwarten zurecht,

dass ihre Hochschule sie auf diese sich ständig

verändernde Realität bestmöglich vorbereitet. Die Antwort

der Filmakademie Baden-Württemberg auf diese

Herausforderung liegt in einer umfassenden Ausbildung,

die von Anfang an auch Kenntnisse außerhalb des

eigenen Studienschwerpunktes vermittelt.

Sie folgt dem Credo, Studierenden mit dem ganzen

Spektrum ihrer Talente, Schwerpunkte und Ambitionen

größtmögliche Spielräume zur Entwicklung einer individuellen,

künstlerischen Identität zu eröffnen.

AN DER FILMAKADEMIE ERWARTET

DIE STUDIERENDEN:

• eine Ausbildung, die praktisches Filmemachen und

Theorie kombiniert

• Projektarbeit im Team

Betreut und unterrichtet werden die etwa 500 STUDIE-

RENDEN von über 300 HOCHKARÄTIGEN FACHLEU-

TEN aus der Film- und Medienbranche und über 130

Angestellten der Filmakademie.

Über 700 Bewerber*innen konkurrieren jährlich um etwa

100 Studienplätze in den folgenden Studiengängen:

GRUNDSTÄNDIG WERDEN ANGEBOTEN:

• FILM UND MEDIEN

• FILMMUSIK UND SOUNDDESIGN

• PRODUKTION

ALS DIPLOMAUFBAUSTUDIENGÄNGE WERDEN

ANGEBOTEN:

• ANIMATION / ANIMATION &

EFFECTS PRODUCING

• ANIMATION / TECHNICAL DIRECTING

• FERNSEHJOURNALISMUS

• FILMMUSIK

• FILMTON / SOUNDDESIGN

• INTERAKTIVE MEDIEN

• MOTION DESIGN

• SZENENBILD

Die Studienzeit richtet sich danach, ob Studierende im

Grundstudium beginnen, den Quereinstieg wählen oder

im Diplomaufbaustudiengang studieren. Im Vollstudium

(Grund- plus Projektstudium) beträgt die durchschnittliche

Studienzeit 8 Semester plus 1 Diplomsemester.

• die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, die bis in

den Markt reichen und wegweisend für spätere

Jobs sein können, weil die Filmakademie eng mit

der Film- und Medienbranche zusammenarbeitet

Der Quereinstieg ist der direkte Einstieg in das Hauptstudium

(Projektstudium) mit Bachelor oder Vordiplom

und dauert in der Regel 4 Semester plus 1 Diplomsemester.

• die Förderung der Freiheit zur Entwicklung der

eigenen kreativen Handschrift

25


IN ZAHLEN

700

BEWERBER*INNEN/JÄHRLICH

100

STUDIENPLÄTZE

14 INTERNATIONALE

PARTNERORGANISATIONEN

40

OUTGOINGS

12

INCOMINGS

FILM UND MEDIEN

PRODUKTION

FILMMUSIK UND SOUNDDESIGN

AUFBAUSTUDIENGÄNGE

ANIMATION / ANIMATION & EFFECTS PRODUCER

ANIMATION / TECHNICAL DIRECTOR

FERNSEHJOURNALISMUS

FILMMUSIK

FILMTON / SOUNDDESIGN

INTERAKTIVE MEDIEN

MOTION DESIGN

SZENENBILD

26


Das Studium im Diplomaufbaustudiengang mit Nachweis

eines abgeschlossenen Studiums in einer artverwandten

Disziplin dauert in der Regel ebenfalls

4 Semester plus 1 Diplomsemester.

Jedes Jahr begrüßt die Filmakademie Studierende von

mehr als 12 Partnerinstitutionen aus aller Welt bei sich.

Sie bereichern den Campus mit eigenen Projekten und

partizipieren im Rahmen der Internationalen Klasse am

Unterricht.

Studierende der Filmakademie haben ebenfalls die Möglichkeit,

an Partnerhochschulen im Ausland zu studieren.

Für Interessierte sind detaillierte Informationen über

den Studienverlauf auf der Homepage der Filmakademie

www.filmakademie.de im Bereich Studienverlauf erhältlich.

INTERDISZIPLINÄRE VERANSTALTUNGEN

Neben einer fundierten handwerklichen Ausbildung im

jeweiligen Studienfach sowie der Verbesserung der eigenen

Fertigkeiten durch die Mitarbeit an vielfältigen studentischen

Produktionen der Filmakademie spielt auch

die Ausbildung eines breit gefächerten Verständnisses

für medienbezogene Prozesse und Diskurse eine wichtige

Rolle. Der berühmte „Blick über den Tellerrand“

bzw. die Erweiterung des eigenen Horizonts ist an der

Film akademie keine „Kür“, sondern ein essenzieller Bestandteil

der künstlerischen Entwicklung, die durch ein

vielfältiges Angebot an Lehrveranstaltungen gefördert

werden soll.

In interdisziplinären Kursen und Seminarreihen werden

Inhalte wie „Green Shooting“, „Green Storytelling“, Genderdiversität

oder der Weg in die berufliche Selbstständigkeit

näher beleuchtet.

Während im Grundstudium verschiedene Seminare zur

Film- und Mediengeschichte Teil des Pflichtunterrichts

sind, wählen Studierende der Diplomaufbaustudiengänge

oder des Quereinstiegs aus einem Angebot an jährlich

wechselnden Filmgeschichts- und Filmtheorie-Seminaren

aus, die stets die individuelle Auseinandersetzung

mit einer Themenstellung und deren Abschluss in Form

einer Hausarbeit oder eines Referats beinhalten.

OPEN HOUSE

OPEN HOUSE ist der Titel einer Lehrveranstaltungsreihe,

die i.d.R. ca. 2x pro Semester im Kino Caligari in

Kooperation mit Kinokult Programmkinos stattfindet.

In dieser Reihe präsentieren – i.d.R. mittwochabends ab

17.00 Uhr – ehemalige Studierende der Filmakademie

oder aktuelle Gastlehrende ihre neuen Projekte aus unterschiedlichen

Bereichen und berichten im Anschluss

an das Screening in einem Werkgespräch u.a. über die

Entstehung und Hintergründe des Films, gefolgt von einem

Q&A. Hier wird es auch sehr begrüßt, wenn Teammitglieder

der verschiedensten Gewerke anwesend sind

(Regie, VFX, Kamera, Szenenbild etc.) und von ihren Erfahrungen

berichten.

OPEN HOUSE verbindet die Analyse aktueller Medienproduktionen

mit der Vernetzung von Studierenden,

Alumni und Lehrenden bewusst gewerkeübergreifend.

Die kritische und diskursive Auseinandersetzung mit aktuellen

Medienproduktionen ist ein wichtiger Bestandteil

des Lehr- und Bildungsauftrags der Filmakademie.

Sofern es sich bei den eingeladenen Gästen um Alumni

der Filmakademie handelt, trägt die OPEN HOUSE-VER-

ANSTALTUNG den Untertitel THERE AND BACK

AGAIN – ALUMNI STELLEN SICH VOR. Dies betont

noch einmal die Bedeutung eines aktiven Studierenden-Alumni-Netzwerks.

27


INTERNATIONALE NETZWERKE

28


Travelling without

moving

IM 28. JAHR IHRES BESTEHENS ERÖFF-

NET DIE FILMAKADEMIE EIN INTERNA-

TIONALES BÜRO UND BRINGT DAMIT IHR

BEKENNTNIS ZU INTERNATIONALITÄT, ZU

EINEM BREITEN HORIZONT UND ZUM ARBEI-

TEN IN GLOBALEN NETZWERKEN ZUM AUS-

DRUCK (SIEHE PRESSEMELDUNG IN DIESER

PUBLIKATION). DARIN WOHNT AUCH EINE

VISION FÜR DEN MEDIENSTANDORT BADEN-

WÜRTTEMBERG INNE, DESSEN WELTWEITE

VERNETZUNG IM BEREICH DER ANIMATI-

ONSBRANCHE EINE INSPIRATION FÜR ALLE

WEITEREN BEREICHE DES FILM- UND

MEDIENSCHAFFENS DARSTELLT.

Bevor aber internationale Vernetzung im industriellen

Maßstab erfolgen kann, liegt es an uns als praxisorientierte

Hochschule, die Grundlagen dafür zu schaffen:

durch persönliche Kontakte unserer Studierenden mit

Kommiliton*innen aus anderen Weltregionen. So entstehen

Beziehungen und Vertrauen – das Fundament für

spätere künstlerische und geschäftliche Verbindungen.

Der Filmakademie bietet die hohe Priorität der Internationalisierung

jetzt auch die Möglichkeit, die Aktivitäten

zwischen Kernbereich und Animationsinstitut stärker

zu synchronisieren. So bestehen durch die vom Animationsinstitut

organisierte und weltweit führende FMX –

Conference on Animation, Effects, Games and Immersive

Media Kontakte zu hochkarätigen Spezialist*innen,

die den Lehrplan der ganzen Akademie in spektakulärer

Weise bereichern können. Umgekehrt verfügt das Internationale

Büro über eine umfangreiche Kenntnis der

Filmhochschullandschaft, die der Mobilität der Animationsstudierenden

zugutekommen wird.

Mobilität, persönliche, physische, individuelle Mobilität

wiederum ist das Instrument im Kern einer nachhaltigen

und auf persönlichen Kontakten basierenden Internationalisierung.

Zum Zeitpunkt der Entstehung dieses

Texts aber erscheint uns diese Basis, die (Reise)Freiheit,

die wir vor der Covid-19-Krise genießen durften, wie

die „gute alte Zeit“. Die überwältigenden und extrem beschleunigten

Entwicklungen dieser Tage lassen die Vision

der Internationalisierung der Filmakademie fast als

ein antizyklisches Unternehmen erscheinen. Aber wäre

es deshalb klug, die mannigfaltigen Ausbildungsangebote

der Akademie wieder verstärkt auf den deutschen

oder deutschsprachigen Markt auszurichten? Nein.

Entsprechend nehmen wir die Herausforderung an und

planen für eine zugegebenermaßen unsichere Zukunft,

in der freies Reisen wieder möglich sein wird. Im Dialog

mit unseren zahlreichen Partnern spüren wir zugleich,

dass es ein Zurück zu den Verhältnissen vor der

Krise nicht geben wird. Viele Institutionen nutzen die

Zwangspause, um Strukturen und Prozesse zu überprüfen

und bestehendes zu hinterfragen. Insofern wohnt

auch dieser Krise eine Chance inne, Existierendes zu

hinterfragen und den veränderten Realitäten anzupassen.

In diesem Sinne bereitet sich die Akademie auf einen

großen Schritt vor: Ab dem Wintersemster 2022 wird

das Projektstudium an der Filmakademie bilingual, die

Aufnahme wird ab diesem Zeitpunkt gleichberechtigt

für Bewerber*innen mit englischen oder deutschen

Sprachkenntnissen möglich sein. Die Reisebeschränkung

schafft auch Kapazitäten für die Vorbereitungen

und Veränderungen, die an der Akademie selbst vorzunehmen

sind: Regularien werden angepasst, es gibt

Sprachkurse für Mitarbeitende und viele Abläufe stehen

29


INTERNATIONALE NETZWERKE

30


auf dem Prüfstand, bevor das gesamte Projektstudium in

die Zweisprachigkeit überführt werden wird.

Parallel dazu werden wir auch die Zahl der Outgoing-Mobilitäten

steigern. Die Zielsetzung, ein verpflichtendes

Mobilitätsjahr in den Studienverlauf zu integrieren, bedeutet

einen echten Paradigmenwechsel. War es zuvor

auf Antrag möglich, die Akademie für ein Jahr zu verlassen,

um im Ausland zu studieren, wird in Zukunft ein

Antrag verlangt werden, wenn Studierende kein Mobilitätsjahr

einlegen. Zukünftig werden also alle Studierenden

von der Internationalität der Akademie profitieren,

denn selbst, wer kein Mobilitätsjahr macht, wird sich im

Projektstudium in engem Austausch mit ausländischen

Studierenden befinden.

Ein derartiger Umbruch erfordert eine präzise Verzahnung

mit den Abteilungen der Lehre. Für Studierende

werden derzeit mit ihnen gemeinsam verzahnte Angebote

entwickelt, die die hochwertige Ausbildung an der

Akademie um spezifische Komponenten erweitern. Die

Suche nach profilierten Partnerinstitutionen ist in vollem

Gange.

Die Schwerpunkte liegen dabei auf den großen Filmindustrien

der Welt: Hollywood, Bollywood, und

Nollywood – USA, Indien und Nigeria. Daneben wird

ein verstärkter Fokus auf die Partnerschaften innerhalb

Europas gelegt, die Vernetzung mit den führenden europäischen

Filmhochschulen ermöglicht Absolvent*innen

die unmittelbare Erweiterung ihres beruflichen Aktionsradius

um benachbarte Territorien. Zudem bleibt

Marokko als Nachbar Europas ein Land im Fokus der Internationalisierung,

weil es hier in den vergangenen Jahren

gelang, ein tragfähiges Netzwerk und eine hohe Expertise

aufzubauen.

Ausgangspunkt der Entwicklung ist die Liste unserer gegenwärtigen

Partnerinstitutionen, die in den kommenden

Jahren fortgeschrieben und erweitert wird:

MIT FOLGENDEN INSTITUTIONEN

BESTEHEN AKTUELL PARTNERSCHAFTEN:

+AFDA – THE SOUTH AFRICAN SCHOOL OF

MOTION PICTURE, LIVE RECORDING AND LIVE

PERFORMANCE, Johannesburg, Südafrika

+AL-QUDS UNIVERSITY, Ramallah, Palästina

COLOMBO FILM & TELEVISION ACADEMY,

Colombo, Sri Lanka

+DOCUBOX, Nairobi, Kenia

+DODGE COLLEGE AT CHAPMAN UNIVERSITY,

Orange County, Kalifornien, USA

+ÉCOLE NATIONALE SUPÉRIEURE LOUIS

LUMIÈRE, Paris, Frankreich

+FTII – FILM- & TELEVISION INSTITUTE OF

INDIA, Pune, Indien

+GOBELINS L’ÉCOLE DE L’IMAGE,

Paris, Frankreich

+KIBBUZIM COLLEGE, Tel Aviv, Israel

+LA FÉMIS, Paris, Frankreich

+LINDENWOOD UNIVERSITY,

St. Charles, Missouri, USA

+MAISHA FILM LAB, KAMPALA, Uganda

+MAHARASHTRA INSTITUTE OF

TECHNOLOGY, Pune, Indien

+NDU – NOTRE DAME UNIVERSITY,

Beirut, Libanon

+UDC – UNIVERSIDAD DEL CINE,

Buenos Aires, Argentinien

INTERNATIONAL CLASS (ICLA)

Neben den strategischen Zielen, die die Filmakademie

mit ihrer Internationalisierung verfolgt, sind einzelne

Individuen im Zentrum unseres Schaffens. Mobilität im

Studium bedeutet für alle Beteiligten eine Erfahrung, die

nicht nur die Weltsicht, sondern oft genug auch das eigene

Leben tiefgreifend verändert. In den vergangenen

Jahren haben mehr als 30 Gaststudierende die International

Class besucht, den Prototypen eines englischsprachigen

Curriculums für Incoming-Studierende an der

Akademie. Mit Unterstützung der Baden-Württemberg

Stiftung entwickelt ein langjähriger Dozent der ICLA gemeinsam

mit dem Internationalen Büro derzeit den Film

CORONA - DIE WELT UND ICH, in dem zehn Alumni

der ICLA der vergangenen Jahre von ihrem Leben

31


INTERNATIONALE NETZWERKE

in Zeiten der Einschränkungen durch Corona berichten

und auf die Zeit an der Filmakademie zurückblicken.

Hier wird sichtbar, wie tiefgreifend eine Auslandserfahrung

im Studium sein kann, wie einzigartig und unvorhersehbar

diese Impulse sind, insbesondere, wenn sie –

wie in der ICLA – mit einem konkreten künstlerischen

Schaffensprozess verknüpft sind.

32


33


INTERNATIONALE NETZWERKE

PRESSEMITTEILUNG | 25.05.2020

>>> INTERNATIONALES BÜRO DER

FILMAKADEMIE NIMMT ARBEIT AUF

STAATSSEKRETÄRIN OLSCHOWSKI:

ZUSÄTZLICHE LANDESMITTEL ERMÖGLICHEN INTERNATIONALISIERUNG DER LEHRE UND AUSBAU DER

FÜHRENDEN POSITION DER FILMAKADEMIE

Die Filmakademie hat Anfang des

Monats ein neues Internationales

Büro eingerichtet. Im Zentrum der Maßnahme

steht die optimale Vorbereitung der

Studierenden auf einen Arbeitsmarkt, der

auch nach dem Abklingen der gegenwärtigen

Pandemie noch von einem großen Maß

an Internationalität geprägt sein wird.

Staatssekretärin Petra Olschowski, Vorsitzende

des Aufsichtsrates der Filmakademie:

„Die Internationalisierung der

Lehre ist ein zentrales Element des Strategiepapiers

Filmakademie 2030‘. Das

Land stellt für die Internationalisierung

längerfristig über 300.000 Euro jährlich

bereit. Mit innovativen Projekten wollen

wir die Position der Filmakademie als

führende Film- und Medienhochschule im

deutschsprachigen Raum stärken und ausbauen.

Ich bin sicher, dass wir damit auch

ein Signal für ein weltoffenes, lebendiges

und erfolgreiches kulturelles Leben

in Baden-Württemberg senden.“ Gerade in

Zeiten der Coronakrise sei es wichtig,

eine Perspektive zu eröffnen, die über

die aktuell geltenden Beschränkungen der

Mobilität und des Zusammenlebens hinausblicke,

so die Staatssekretärin weiter.

Das Internationale Büro hat die Aufgabe,

studentische Mobilität, Internationalisierung

der Lehre und zweisprachige

(deutsch-englische)

Unterrichtsangebote

in den kommenden Jahren substanziell

auszubauen. Das Animationsinstitut beteiligt

sich an dieser Initiative mit einer

eigenen Stelle, die die internationalen

Projekte und Initiativen für diesen

Bereich im engen Schulterschluss mit dem

Internationalen Büro koordiniert. Programme

und Partnerschaften können jetzt

in neuen Größenordnungen und auch innerhalb

der Akademie stärker vernetzt gedacht

werden. Die studentische Mobilität

wird zu einem festen Bestandteil des

Studienverlaufs erhoben, ebenso soll die

Umstellung des Curriculums auf ein bilinguales

Hauptstudium zu einer substantiellen

Erhöhung der Zahlen ausländischer

Studierender an der Filmakademie führen.

„Die Filmbranche internationalisiert sich

von Jahr zu Jahr stärker. Deswegen wollen

wir unseren Studierenden die besten

denkbaren Perspektiven bieten, in

diesem Umfeld beruflich Fuß zu fassen,“

so Prof. Thomas Schadt, Geschäftsführer

der FABW. „Ganz wichtig sind eigene Auslandserfahrungen,

die wir unseren Studierenden

jetzt viel stärker ermöglichen

und zugleich von diesen einfordern wollen.

Bei allen Möglichkeiten der Kommunikation

über das Internet gehört das Reisen

als notwendige persönliche Erfahrung

weiterhin fest dazu. Außerdem wollen wir

begabte Studierende auch außerhalb des

deutschsprachigen Raumes für ein Studium

in Ludwigsburg begeistern und so zur

34


Internationalisierung - und damit zur Relevanz

- des Medienstandortes beitragen.“

Die weitreichenden Maßnahmen werden in

den kommenden Jahren schrittweise umgesetzt,

die Filmakademie wird die Öffentlichkeit

weiterhin über die Entwicklungen

informieren.

Prof. Andreas Hykade, Leitung Animationsinstitut

der FABW: „Unser Ziel im Bereich

Animation ist es, die weltweit größten

Talente zu einem Projektstudium am Animationsinstitut

zu bewegen und dadurch unseren

Standort zu einem internationalen

Magnet für Alumni des Animationsinstituts

und anderer europäischer Schulen auszubauen.

Um dies zu erreichen, brauchen wir

Maßnahmen, die die Diversität in der Studierendenschaft

erhöhen, damit die internationale

Zusammenarbeit schon im Studium

erprobt werden kann; Maßnahmen, die

den Blick der Studierenden für kulturelle,

wirtschaftliche und künstlerische Unterschiede

in Europa und der ganzen Welt

schärfen; Maßnahmen, die uns erlauben,

voneinander zu lernen und so die eigenen

Stärken auszubauen. All dies kann

nur funktionieren, indem wir die Welt zu

uns holen und in die Welt hinausgehen.”

Das Team des Internationalen Büros setzt

sich aus Mitarbeitenden zusammen, die

Erfahrungen aus den Bereichen Studierendenaustausch,

Internationale Kooperationen,

Konfliktmanagement, Gremienarbeit,

Zusammenarbeit mit Stiftungen, Außenpolitik

und Europäische Förderprogramme mitbringen.

„Das Internationale Büro der Filmakademie

ist ein Ausdruck des Optimismus und ein

Bekenntnis zu einer von freiheitlichem

Austausch - nicht von Abschottung - geprägten

Zukunft,“ betont Guido Lukoschek,

Leitung Internationales Büro der FABW.

„Ich freue mich über das entgegengebrachte

Vertrauen und ganz besonders darauf,

mit einem herausragend qualifizierten Team

die bevorstehenden Aufgaben anzupacken.”

Mitarbeitende Internationales Büro FABW

v.l.n.r

Sujatha Dovgal

Projektmanagement Internationales Büro

Mark Szilagyi

Projektmanagement Internationales Büro

Tina Ohnmacht

Leitung Internationales Netzwerk Animationsinstitut

Valentina Boye

Projektmanagement International Class

Guido Lukoschek

Leitung Internationales Büro

Barbara Mattes

Internationale Programme und Stipendien

Ostafrika

35


SCREEN.TIME INTERNATIONAL

SCREEN.TIME

INTERNATIONAL

VOM 15. – 17. JULI 2020 PRÄSENTIERTE

DIE FILMAKADEMIE BADEN-WÜRTTEM-

BERG GEMEINSAM MIT IHREM ANIMATIONS-

INSTITUT, IHREM INTERNATIONALEN BÜRO

SOWIE DEM ATELIER LUDWIGSBURG-PARIS

DER FILM- UND MEDIENBRANCHE DAS

NEUE ONLINE-FORMAT „SCREEN.TIME

INTERNATIONAL“.

Bereits im Jahr zuvor konnte die damals neu konzipierte

Veranstaltung SCREEN.TIME mit spannenden Pitchings,

überzeugenden Work-in-Progress-Beispielen

und interessanten Gesprächsrunden punkten und sich

als neues Branchen-Event der Filmakademie etablieren.

Doch: Eine Wiederholung im selben Gewand konnte

es im Corona-Jahr 2020 nicht geben. Dennoch wollten

wir SCREEN.TIME nicht einfach dem Virus zum

Opfer fallen lassen und entschieden uns daher für eine

virtuelle Version der Veranstaltung mit einem erweiterten,

internationalen Programm. Mittels einer App konnten

sich die registrierten Gäste in Projekt- und Personen-Pitchings

von Studierenden und Alumni zuschal ten

und bei Interesse Kontakt aufnehmen. Moderiert wurden

die Pitchings von FABW-Alumnus und -Gastdozent

Oliver Dressnandt.

Ganz im Zeichen der angestrebten weiteren Internationalisierung

der Filmakademie waren erstmals auch

englischsprachige Präsentationen der diesjährigen Dipl

o mand*innen aus den Bereichen Animation, VFX und

Technical Directing, ein Programm des Internationalen

Büros der Filmakademie mit Projekten der International

Class (ICLA), einem Klassenverbund ausländischer

Gaststudierender an der Filmakademie, sowie Beiträge

des Atelier Ludwigsburg-Paris zu sehen. Damit richtet

sich SCREEN.TIME INTERNATIONAL nicht mehr ausschließlich

an Medienvertreter*innen aus dem deutschsprachigen

Raum, sondern zusätzlich an ein internationales

Branchenpublikum. Denn angesichts neuer digitaler

Filmdistributions- und Präsentationswege möchte die

Filmakademie ihren Studierenden, Di plomand*innen

und Alumni die Möglichkeit bieten, neue Projekte nicht

36


nur in Deutschland anzustoßen, sondern darüber hinaus

Branchen-Partner*innen im In- und Ausland zu

begeistern. Passend dazu konnten wir mit T-Port, einer

Branchenplattform für junge Filmtalente, einen

internationalen Partner an Bord von SCREEN.TIME

INTERNATIONAL begrüßen. T-Port ist eine innovative

gemeinnützige Online-Plattform zur Förderung aufstrebender

Talente und zur Erleichterung des Vertriebs von

Kurzfilmen innerhalb der Filmindustrie.

Zum Abschluss der virtuellen Veranstaltung wartete zudem

das Animationsinstitut mit einem besonderen Leckerbissen

auf: Die auf Festivals bereits vielfach ausgezeichneten

Kurzfilme BLIESCHOW und THE BEAUT Y

erlebten ihre internationale Online-Premiere. Mittlerweile

wurde THE BEAUTY sogar für einen Student

Oscar nominiert.

Weitere Highlights des Online-Programms waren Videostreams

der Verleihung des Justus-Pankau-Kamerapreises

durch den Lions Club Ludwigsburg an den Studenten

Manuel Meinhardt sowie einer Gesprächsrunde

zum Diplomfilm TRÜMMERMÄDCHEN. Das Drehbuch

von Filmakademie-Alumnus Oliver Kracht wurde

auf der letztjährigen Berlinale mit dem Thomas-Strittmatter-Drehbuchpreis

geehrt, einer der höchsten Auszeichnungen

für angehende Filmprojekte. Moderiert von

Filmakademie-Direktor Prof. Thomas Schadt, gaben Regisseur

und Drehbuchautor Oliver Kracht, Schauspielerin

Anne Gesa-Raija Lappe und Produzent Simon Buchner

interessante Einblicke in das ambitionierte Projekt.

TRÜMMERMÄDCHEN

THE BEAUT Y

BLIESCHOW

37


38


ANIMATIONSINSTITUT

LIEBE STUDENTINNEN

UND STUDENTEN

DER FILMAKADEMIE,

puh! Das Sommersemester 2020 war für das Animationsinstitut

sehr anstrengend, denn die Corona-Krise hielt uns in Schach und

forderte uns an allen Fronten. So haben wir innerhalb kürzester

Zeit ein vollwertiges Online-Lehrangebot für unsere Studierenden

entwickelt. Wir haben die Technik an den Start gebracht, damit die Arbeit an

den studentischen Projekten weitergehen konnte. Vor allem aber haben wir

individuellen Kontakt zu unseren Studierenden gehalten, um sicher zu sein,

dass es allen soweit gut geht.

Das Ganze war ein Kraftakt für das Institut. Deshalb möchte ich mich an dieser

Stelle bei all unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, allen Dozentinnen

und Dozenten und allen Projektbetreuerinnen und Projektbetreuern ganz

herzlich für den außerordentlichen Einsatz bedanken.

Mein Dank geht ebenfalls an die Studentinnen

und Studenten des Animationsinstituts.

Ihr seid auch in Krisenzeiten unseren Prämissen

„Relevanz“, „Intensität” und „Originalität”

umfänglich gerecht geworden. Als Beispiel

dafür drucken wir auf den folgenden Seiten

die Arbeiten, die unsere Studentin Elisabeth

Weinberger im Rahmen der Online-Lectures

IN GOLDEN FUTURE und INSPIRATION

realisiert hat.

So. Nun wird es aber Zeit, dass wir uns wieder persönlich treffen können.

Die Filmakademie und ihr Animationsinstitut planen deshalb für das

Wintersemester 2020/21 ein Hybridsemester, bei dem wir versuchen werden,

das Beste aus der digitalen und der wirklichen Welt miteinander zu vereinen.

Ob uns das gelingen wird, das wird die Zukunft zeigen. Es bleibt auf jeden

Fall spannend. Und ein spannendes Leben ist auch die beste Basis für spannende

Projekte.

In diesem Sinn wünsche ich uns allen ein erfolgreiches Studienjahr.

Ludwigsburg, 31.7.2020

Prof. Andreas Hykade

Leiter des Animationsinstituts der Filmakademie Baden-Württemberg

39


ANIMATIONSINSTITUT

Hinweis

zu S. 40 – 51

Interview und Skizzen

Elisabeth Weinberger

sind nur in der Printversion

verfügbar.

40–51


ANIMATIONSINSTITUT

52


Sechs Gründe

für das Studium am

Animationsinstitut

DAS ANIMATIONSINSTITUT DER FILMAKADEMIE

BADEN-WÜRTTEMBERG BILDET AUF HÖCHSTEM NIVEAU

HERAUSRAGENDE TALENTE IN DEN BEREICHEN ANIMATION,

VISUAL EFFECTS, TECHNICAL DIRECTING, ANIMATION/EFFECTS

PRODUCING UND INTERAKTIVE MEDIEN AUS. AUSSERDEM

BETREIBT DAS INSTITUT EINE ABTEILUNG FORSCHUNG &

ENTWICKLUNG UND ORGANISIERT DIE JÄHRLICH STATTFINDENDE

INTER NATIONALE KONFERENZ FMX.

1.

2.

3.

4.

5.

6.

GANZHEITLICHKEIT & SPEZIALISIERUNG

Wir vermitteln unseren Studierenden das Verständnis für die

ganz heitlichen Zusammenhänge des Mediums Animation und ermöglichen

ihnen darauf aufbauend eine schrittweise Spezialisierung.

PERSÖNLICHKEITSENTWICKLUNG

Wir ermutigen und bestärken unsere Studierenden beim Entdecken

und Entwickeln ihrer Originalität.

PROJEKT- UND TEAMARBEIT

Unsere Studierenden entwickeln und realisieren in Teamarbeit

Projekte von besonderer Qualität.

TECHNOLOGIEVORSPRUNG

Die enge Verzahnung mit nationalen und internationalen Forschungsprojekten

verschafft unseren Studierenden auch in technologischer Hinsicht

einen entscheidenden Vorsprung.

FÖRDERUNG & VERNETZUNG

Wir erleichtern unseren Studierenden und Alumni, in der Branche

anzukommen, ihre Rollen zu finden, sich zu vernetzen und ihre Talente

weiterzuentwickeln.

HEIMAT & INTERNATIONALITÄT

Das Animationsinstitut ist Homebase, die FMX Karrieresprungbrett

und Community -Treffpunkt für unsere Studierenden und Alumni.

53


ANIMATIONSINSTITUT

Studieren

am Animationsinstitut

STUDIENANGEBOT

Das Animationsinstitut der Filmakademie Baden-Württemberg bietet

folgende Studienmöglichkeiten an:

• ANIMATION (U.A. MIT CHARACTER ANIMATION)

• VISUAL EFFECTS

• ANIMATION/EFFECTS PRODUCING

• TECHNICAL DIRECTING

• INTERAKTIVE MEDIEN

GRUNDSTUDIUM & PROJEKT-/DIPLOMAUFBAUSTUDIUM

Im Grundstudium (1. und 2. Jahr) erlernen alle Studierenden der Film akademie

gemeinsam und fächerübergreifend die Basics des Filmemachens. Im zweieinhalbjährigen

Projektstudium (3. und 4. Jahr) spezialisieren sie sich. In das

Projektstudium ist bei entsprechenden Vorkenntnissen auch ein Quereinstieg

möglich.

Animation/Effects Producing, Technical Directing und Interaktive Medien

sind Diplomaufbaustudien gänge, in die mit entsprechender Vorqualifikation

durch ein abgeschlossenes Studium an einer Hochschule oder gleichwertigen

Einrichtung (Bachelor, Master oder Diplom) sowie praktischen Erfahrungen

ein gestiegen werden kann. Hier entfallen für Studierende aus Deutschland und

der EU die Gebühren für ein Zweitstudium.

Die Ausbildung am Animationsinstitut erfolgt praxisorientiert und projektbezogen.

Die Studierenden werden in ihrer Arbeit und Entwicklung individuell

betreut und durch Seminare, Weeklies und Mentorings unterstützt.

Alle Studienmöglichkeiten am Animationsinstitut werden als Vollzeitstudium

absolviert und beginnen im Wintersemester. Jedes Studium schließt mit dem

Diplom ab. Die an der Filmakademie erfolgreich abgeschlossene Aus bildung

steht vergleichbaren berufsbefähigenden Abschlüssen an staat lichen Kunsthochschulen

gesetzlich gleich.

54


55


ANIMATIONSINSTITUT

CHARACTER ANIMATION

Innerhalb des Studienangebots Animation bietet das

Animations institut eine einzigartige Ausbildung für den

SPEZIALBEREICH CHARACTER ANIMATION mit all

ihren Facetten und schauspielerischen Herausforderungen

an. Studierende erlernen alle handwerklichen und

stilistischen Skills, um in Filmen oder Games mit klassischen

wie modernen Animations techniken Charaktere

zum Leben zu erwecken.

ANIMATION

Im STUDIENANGEBOT ANIMATION erwerben die

Studierenden Kenntnisse und Fähigkeiten, um spannende

Geschichten auf künstlerischer und technischer

Ebene in Animationsfilme zu verwandeln. Dabei können

sie sich an verschiedenen Produktionstechniken wie

2D- und 3D- Computer animation, Stop Motion, Zeichentrick

und Motion Capture ausprobieren.

VISUAL EFFECTS

VISUELLE EFFEKTE sind aus der Filmbranche nicht

mehr wegzu denken – durch VFX-Shots sind dem

Storytelling keine Grenzen gesetzt. So entstehen am

Computer ganze Städte und Landschaften, fremde Galaxien

und fantastische Welten. Am Animationsinstitut erwerben

die Studierenden die Kenntnisse, die ihnen den

Berufseinsteig in die VFX-Branche ermöglichen.

56


INTERAKTIVE MEDIEN

Das Studienangebot INTERAKTIVE MEDIEN bildet die

Studierenden in der Konzeption, Produktion und dem

künstlerischen und technischen Design von interaktiven

Experiences aus. Dabei steht immer die kreative Idee im

Mittelpunkt, aus der das geeignete Format – z.B. Games,

Apps, VR/XR-Experiences, Medieninstallationen oder

Hörbücher – abgeleitet wird. Ganz nach dem Motto “Games

& Beyond” bildet hierbei Gamification das Leitmotiv

der Interaktion.

ANIMATION/

EFFECTS PRODUCING

Bei ANIMATION/EFFECTS PRODUCING stehen Kreativität

und Organisations geschick im Mittelpunkt.

Als Animation/Effects Producer steuert man die produktionstechnische

Umsetzung von Animations- und

Effects-Projekten.

TECHNICAL DIRECTING

Den TECHNICAL DIRECTORS obliegt bei einem Animations-

oder VFX- Filmprojekt die technische Leitung,

d. h., sie managen die technischen Aspekte der Filmproduktion.

Außerdem entwickeln sie passende Tools und

Plug-ins, automatisieren Abläufe und legen Workflows

und Pipelines fest.

57


THE 25 TH ANNIVERSARY

MAY 04 - 07, STUTTGART, GERMANY

WWW.FMX.DE

AN INITIATIVE OF FILMAKADEMIE´S ANIMATIONSINSTITUT


DAS ANIMATIONSINSTITUT

INSTITUTSLEITER & CONFERENCE CHAIR FMX:

_PROF. ANDREAS HYKADE

WEITERE INFORMATIONEN

ZUM ANIMATIONSINSTITUT UNTER:

WWW.ANIMATIONSINSTITUT.DE

KAUFMÄNNISCHE LEITUNG &

LEITUNG PROJEKTMANAGEMENT FMX:

_HEIKE MOZÈR

E-MAIL: INFO@ANIMATIONSINSTITUT.DE

TELEFON: +49 7141 969 82800

TECHNISCHE LEITUNG ANIMATIONSINSTITUT / FMX:

_JOACHIM GENANNT

PROJEKTLEITUNG FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG,

SENIOR LECTURER TECHNICAL DIRECTOR:

_PROF. VOLKER HELZLE

DOZENTIN STUDIENSCHWERPUNKT

INTERAKTIVE MEDIEN:

_ANNA BRINKSCHULTE

WWW.FACEBOOK.COM/ANIMATIONSINSTITUT

INSTAGRAM: @ANIMATIONSINSTITUT

TWITTER: @AI_ANIMATION

WWW.LINKEDIN.COM/

COMPANY/ANIMATIONSINSTITUT

LEITUNG STUDIENVERTIEFUNG

ANIMATION/EFFECTS PRODUCING:

_PROF. LILIAN KLAGES

DOZENT STUDIENVERTIEFUNG VFX:

_PROF. JURI STANOSSEK

KOORDINATION LEHRE:

_CONSTANZE BÜHNER

KOORDINATION STUDIUM:

_CLAUDIA LIEPERT

HERSTELLUNGSLEITUNG:

_ANNA MATACZ

HERSTELLUNGSLEITUNG VFX /

DRITTMITTELPROJEKTE / VR NOW:

_CHRISTIAN MÜLLER

EXTERNE PROJEKTBETREUENDE:

_MARC LUTZ

_STEFAN MICHEL

_PHILIPP OBLÄNDER

_YANNICK PAUL PETZOLD

_ALEXANDRA STAUTMEISTER

_ANDREAS ULMER

59


ALUMNI IM FOKUS


ALUMNI IM FOKUS

62


„ES IST MEIN PERSÖNLICHER ANSPRUCH,

DASS SICH MEINE BILDSPRACHE STETS VON

DER MEINER VORANGEGANGENEN FILME

UNTERSCHEIDET”

Zwölf Fragen an Yoshi Heimrath, Absolvent Bildgestaltung/Kamera

2020 ERHIELT YOSHI HEIMRATH EINE „GOLDE-

NE LOLA” UND DAMIT DEN DEUTSCHEN FILM-

PREIS FÜR SEINE ARBEIT AN BURHAN QURBANIS

VERFILMUNG VON ALFRED DÖBLINS „BERLIN

ALEXANDERPLATZ”. ZULETZT DREHTE ER MIT RE-

GISSEUR PETER THORWARTH EIN NETFLIX ORIGI-

NAL MOVIE IN PRAG.

BERLIN ALEXANDERPLATZ WURDE AUF DER BER-

LINALE GEFEIERT, BEIM DEUTSCHEN FILMPREIS

AUSGEZEICHNET – DER START IN DEN KINOS

FAND WEGEN CORONA ERST IM JULI STATT. WIE

BIST DU MIT DIESER VERZÖGERUNG UMGEGAN-

GEN?

Yoshi Heimrath arbeitet seit 2009 als Director of Photography

für Werbung und Spielfilmproduktionen. Während

seines Studiums an der Filmakademie Baden-Württemberg

erhielt er 2008 den Deutschen Kamerapreis für

den Kurzfilm ILLUSION. 2010 beendete er sein Studium

der Bildgestaltung/Kamera mit dem 90-minütigen

Spielfilm SHAHADA (Regie: Burhan Qurbani), für dessen

Bildgestaltung er auch mit dem First Steps Award

(Sonderpreis Kamera) ausgezeichnet wurde. 2017 nominierte

ihn die Jury des Deutschen Kamerapreises in der

Kategorie Kinospielfilm für die Bildgestaltung von DIE

BESTE ALLER WELTEN (Regie: Filmakademie-Absolvent

Adrian Goiginger). Im vergangenen Jahr arbeitete

er mit Regisseur Arne Feldhusen an der 2. Staffel der

Netflix-Serie HOW TO SELL DRUGS ONLINE (FAST).

LIEBER YOSHI, WIE FEIERT MAN DENN SO EINE

„GOLDENE LOLA“ IN ZEITEN VON CORONA? PER

VIDEOKONFERENZ?

Auf der Couch mit der Familie. Ich persönlich empfand

die diesjährige Verleihung als sehr angenehm. Natürlich

wäre es großartig gewesen, mit meinem Team und allen

anderen Nominierten und Gewinnern anzustoßen.

Doch wenn ich ganz ehrlich bin, war die Videokonferenz

für mich schon aufregend genug. Ich bin weder ein

großer Redner, noch stehe ich gerne auf großen Bühnen.

Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit noch einmal bei

all den talentierten Menschen bedanken, mit denen ich

diesen Film machen durfte.

Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte man mit dem

Kinostart ruhig noch bis zum Wintereinbruch warten

können. Der Film hatte ja bereits seinen großen Moment

auf der Berlinale im Februar. Es war wirklich eine

grandiose und emotionale Premiere. Jedoch kann ich

auch nachvollziehen, dass Verleiher, Produktion und vor

allem Regie nach fünf Jahren Arbeit den Film gerne im

Kino sehen wollen. Als Kameramann befindet man sich

oftmals in einer anderen Ausgangsposition. Seit der letzten

Klappe bei BERLIN ALEXANDERPLATZ habe ich

bereits vier weitere Filme gedreht, die sogar teilweise

schon angelaufen sind.

WIE SEHR BEEINTRÄCHTIGT DIE CORONA-KRISE

DEINE ARBEIT? IST EINE KREATIVE BILDGESTAL-

TUNG UNTER DEN AKTUELLEN HYGIENEBEDIN-

GUNGEN UND ABSTANDSREGELN ÜBERHAUPT

MÖGLICH?

Von einer direkten Beeinträchtigung unserer kreativen

Arbeit würde ich nun nicht sprechen. Ich finde, hier

63


ALUMNI IM FOKUS

wird oft zu schnell gejammert. Natürlich verkompliziert

diese neue Situation Vieles und infolgedessen geht

es langsamer voran als unter „normalen“ Bedingungen.

Dies ist zum Beispiel bei meiner aktuellen Produktion

der Fall, da sie fast ausschließlich in einem Flugzeug

spielt. Cast und Crew befinden sich hier für 10 Stunden

und mehr auf engstem Raum. Die Mund- und Nasebedeckungen

machen es natürlich nicht leichter, an den sowieso

schon begrenzten Sauerstoff zu kommen. Ich bin

jedoch davon überzeugt, dass das Tragen der Masken essenziell

ist, vor allem, wenn Abstandsregeln nicht eingehalten

werden können.

versuchen wir stets, so viel Vorbereitungszeit wie möglich

mit allen Departments einzuräumen. Erst erarbeiten

wir gemeinsam ein visuelles Konzept. Dann erstelle ich

in Abstimmung mit Burhan die Storyboards sowie eine

detaillierte Auflösung für den gesamten Film. Von hier

an gibt es keine Zufälle mehr oder zumindest wissen wir

ziemlich genau, wo die Reise hingehen soll.

NOCH EINMAL ZU BERLIN ALEXANDERPLATZ: AB

WELCHEM PROJEKTSTADIUM WARST DU INVOL-

VIERT UND WIE LIEF DIE ARBEIT AB?

Verhältnismäßig spät! Regisseur Burhan Qurbani und ich

arbeiten schon seit langem miteinander und normalerweise

bin ich ab der ersten Idee in seine Projekte involviert.

Seit unserem gemeinsamen Studium an der FABW

haben wir viele Kurzfilme und drei Spielfilme miteinander

gedreht. Außerdem sind wir privat gut befreundet.

Nach WIR SIND JUNG, WIR SIND STARK hatten wir

eine „Beziehungskrise“. Burhan wollte sich nach neuem

Input und einem neuen Kameramann umsehen. Ich

war ebenfalls der Meinung, dass das keine schlechte Idee

sei. Als Kameramann wächst du daran, mit vielen verschiedenen

Regisseuren zu arbeiten. Es hilft dir sozusagen,

deinen Horizont zu erweitern. Für Regisseure trifft

dies genauso zu.

Letztlich ergab es sich, dass wir bei unseren privaten

Treffen doch über das Projekt redeten und irgendwann

war ich wieder an Board. Zu diesem Zeitpunkt hatte

Burhan bereits fantastische Vorarbeit geleistet und einen

Ordner mit über 4.000 Mood-Bildern gesammelt. Ich

musste nur noch das Drehbuch durchgehen und die jeweiligen

Stimmungen aus den Bildern auswählen. Das

war die perfekte Diskussionsgrundlage für alle weiteren

kreativen Entscheidungen und die Konzeption des visuellen

Stils mit den anderen Departments. Burhan und

ich lieben es, Filme am Reißbrett zu gestalten. Deshalb

64

DER ROMAN BERLIN ALEXANDERPLATZ IST EIN

KLASSIKER, VON RAINER WERNER FASSBINDER

UND PHIL JUTZI VERFILMT. BESONDERS FASS-

BINDERS FILME ZEICHNETEN SICH JA DURCH ÄU-

SSERST LANGE KAMERAEINSTELLUNGEN IN EI-

NER OFT BEDRÜCKENDEN KAMMERSPIELARTIGEN

ATMOSPHÄRE AUS. WIE KAM ES ZU DEINEM FIL-

MISCHEN LOOK? WARUM DIESE GRELLBUNTEN

FARBEN IM GEGENSATZ ZU DEN OFT ENTSÄTTIG-

TEN BILDERN DES NEUEN DEUTSCHEN FILMS?

„Gegensatz“ ist hier das Schlüsselwort. Es ging darum,

einen Kontrast zu den bereits existierenden Filmen zu

schaffen. Die beiden vorangegangen Verfilmungen sind

historisch, die eine schwarz-weiß und die andere, für

ihre Zeit, ungewöhnlich dunkel. Wir wollten eine moderne

Geschichte im Berlin der Gegenwart erzählen

und dem Film einen gewissen Glanz geben, der den Zuschauer

magisch anzieht. Es ist ein Drama über einen

schwarzen Geflüchteten, was kaum aktueller und wichtiger

sein könnte. Aber wen interessiert das noch? Wie

die Motte, die vom hellen Schein angezogen wird und

sich am glühenden Kern verbrennt, wollten wir den Zuschauer

mit einem drama-untypischen Look anlocken.

Das, was er am Ende bekommt, ist vielleicht nicht das,

was er anfangs erwartet hat.


WAS WAR FÜR DICH DIE HERAUSFORDERNDSTE

EINSTELLUNG BZW. SZENE?

Wir hatten in BERLIN ALEXANDERPLATZ viele technisch

komplizierte Einstellungen (Plansequenzen) geplant.

Eine davon war die Plansequenz im Club „Neue

Welt“ mit einer Übergabe der Kamera im Gimbal (eine

motorisierte Aufhängung zur Stabilisierung von Kamerabewegungen,

Anm. d. Red.) auf einen Kamerakran und

wieder zurück.

Allerdings empfinde ich solche Szenen und Einstellungen

meist als weniger herausfordernd. Da genau diese

Einstellungen im Vorfeld sehr genau besprochen werden,

weiß am Drehtag jeder, was zu tun ist. Ich empfand

eher die vielen Sexszenen als herausfordernd. Der Dreh

von Sexszenen verlangt Schauspielern viel ab. Gleichzeitig

muss die Kamera immer das richtige Gefühl für

Nähe und Distanz beibehalten. Sie soll nicht ausstellen

und trotzdem zeigen. Damit dies funktioniert, dürfen

die Schauspieler die Kamera nicht bemerken. Trotzdem

möchte man ihnen so nah wie möglich kommen. Es ist

meist eine langsame Annährung und ein Drahtseilakt,

da der erste Take am authentischsten ist. Man kann sich

auf solche Szenen nicht wirklich vorbereiten, man muss

sie im Moment spüren. Ich glaube, das macht sie für

mich so anspruchsvoll. Für jemanden, der es liebt, alles

sehr genau zu planen, bedeutet dies völligen Kontrollverlust.

dass die Geschichte ein intuitives wildes Handkamerakonzept

benötigt. Trotzdem werde ich Szenen darin finden,

die ein anderes Kamerakonzept erfordern, um der

Komplexität der Geschichte gerecht zu werden. So gehe

ich auch beim Finden einer Bild-Ästhetik vor. Ich betrachte

jede Szene als ein in sich geschlossenes Ganzes

und finde heraus, welche visuelle Sprache ihr emotionaler

Bogen benötigt. Erst danach versuche ich, diesen Flickenteppich

in ein Gesamtkonzept zu bringen. Manchmal

gelingt das auf Anhieb und manchmal muss man

das Konzept einzelner Szenen nochmal überdenken. Auf

diese Art und Weise findet man immer einen Weg, die

visuelle Ästhetik aus der Erzählung entstehen zu lassen

und gleichzeitig eine eigene neue Interpretation zu finden.

STEHT DER NAME YOSHI HEIMRATH FÜR EINE BE-

STIMMTE BILDSPRACHE? HAST DU EINEN EIGE-

NEN, UNVERKENNBAREN LOOK?

WAS WÜRDEST DU SAGEN: SOLLTE SICH DIE

BILD-ÄSTHETIK DER ERZÄHLUNG ANPASSEN

ODER LOSGELÖST DAVON DIE GESCHICHTE RADI-

KAL NEU INTERPRETIEREN?

Beides. Ich bin kein sonderlich großer Fan von Dogmen.

Dennoch orientiert man sich als Gestalter immer an denselben.

Sie helfen dabei, dem Geschichtenerzählen einen

klareren Rahmen zu geben und eine für die Erzählung

bestmögliche visuelle Sprache zu finden. Ein einfaches

Beispiel: Ich kann ein Drehbuch lesen und erkennen,

Nein, ich hoffe nicht! Meine Projekte versuche ich so

auszusuchen, dass sie eine neue Herausforderung sind.

Ich will genreübergreifend drehen und mich visuell stetig

weiterentwickeln. Ich habe einen TATORT gedreht -

einer reicht mir auch. Letztes Jahr habe ich zum ersten

Mal eine Komödie gedreht, ISI & OSSI von Oliver Kienle.

Nach der zweiten Staffel von HOW TO SELL DRUGS

ONLINE (FAST) wurde ich gefragt, ob ich auch die dritte

drehen möchte. Ich habe abgelehnt. Stattdessen drehe

ich jetzt einen Horror-Genrefilm. Nächstes Jahr werde

ich zum ersten Mal ein historisches Drama drehen.

Ich denke, wir alle finden nichts langweiliger, als immer

wieder dasselbe zu machen. Deswegen versuche ich

mit jeder Geschichte, mich selbst neu zu erfinden. Natürlich

habe ich mir über die Jahre gewisse Techniken

und Lösungsansätze zu eigen gemacht, auf die ich immer

wieder zurückgreife. Es ist jedoch mein persönlicher

Anspruch, dass sich meine Bildsprache stets von

der meiner vorangegangen Filme unterscheidet.

65


ALUMNI IM FOKUS

66


DU HAST BEREITS ÜBER DEINE VERSCHIEDENEN

GEMEINSAMEN PROJEKTE MIT BURHAN QURBA-

NI WÄHREND UND NACH DEM STUDIUM AN DER

FILM AKADEMIE UND EURE FREUNDSCHAFT GE-

SPROCHEN. VERSTEHT IHR EUCH MITTLERWEILE

FAST OHNE WORTE?

Wenn ich vom Set auf dem Weg nach Hause im Auto sitze,

genieße ich manchmal die Ruhe. An einem Filmset

wird immer sehr viel gesprochen und diskutiert. Burhan

ist dabei tatsächlich der Einzige, mit dem ich meist

kaum ein Wort wechsle. Also ja, man kann tatsächlich

sagen, dass wir uns „ohne Worte“ verstehen. Das ist

der Vorteil, wenn man sich schon so lange kennt. Jeder

kennt die Stärken und Schwächen des anderen sehr

gut und vertraut dem anderen zu hundert Prozent. Klar,

das wirkt von außen betrachtet sicherlich etwas seltsam.

Man darf aber nicht vergessen, dass wir uns bereits

in der Vorbereitungszeit gründlich ausgetauscht haben.

Das spart einem die Diskussionen am Set und beschleunigt

den Drehprozess.

BURHAN QURBANI, LARS HENNING JUNG, ADRIAN

GOIGINGER, OLIVER KIENLE, NIKIAS CHRYSSOS:

BETRACHTET MAN DIE LISTE DER REGISSEURE,

MIT DENEN DU ÜBERWIEGEND ZUSAMMENARBEI-

TEST, FÄLLT AUF, DASS SIE ALLE AN DER FABW

STUDIERT HABEN. SCHWEISST SO EIN STUDI-

UM AN EIN UND DERSELBEN HOCHSCHULE ZU-

SAMMEN? GIBT ES EINEN ALUMNI-SPIRIT AN DER

FILM AKADEMIE?

Definitiv. Es sind ja nicht nur die Regisseure, sondern

auch viele Alumni aus anderen Studienrichtungen, auf

die man trifft und mit denen man immer wieder zusammenarbeitet.

Mit vielen Mitstudierenden von damals

bin ich immer noch gut befreundet. Auch meine Freundin

hat an der Filmakademie studiert. Erst letzte Woche

waren wir mit unserem Sohn auf einem Kindergeburtstag,

auf dem ein Großteil der anwesenden Eltern Alumni

waren. Ein Vater klagte mir sein Leid, dass er sich

immer ausgegrenzt fühle, weil er nicht an der Filmakademie

studiert hat. Wir wären immer alle so vertraut

miteinander, selbst wenn sich viele von uns auch über

längere Zeit nicht gesehen haben.

WIE FÄLLT DEIN FAZIT DEINES STUDIUMS AN DER

FILMAKADEMIE AUS? WÜRDEST DU SAGEN, DASS

ES DICH GUT AUF „DIE WELT DA DRAUSSEN” VOR-

BEREITET HAT?

Ja und nein! Sich nur auf sein Studium an der Filmakademie

zu verlassen, ist naiv. Neben den Möglichkeiten,

sich kreativ und gestalterisch auszuprobieren, öffnet ein

Studium an der FABW sicher viele Türen. Ich denke, ohne

die zahlreichen Werbungen/Kurzfilme sowie meinen

abendfüllenden Diplomfilm SHAHADA, die an der Filmakademie

entstanden sind, hätte ich einen schwierigeren

Einstieg in die „Welt da draußen“ gehabt. Aber auch

diese Möglichkeiten muss man sich erarbeiten und sie

sollten nicht als selbstverständlich angesehen werden.

Natürlich herrscht gerade in den ersten Studienjahren,

trotz der überdurchschnittlich kollegialen Atmosphäre,

ein gewisser Konkurrenzkampf. Als ich mein Studium

begann, war es aufgrund meines Alters (sehr jung) und

meiner daraus resultierenden Erfahrung (sehr wenig) oft

schwer, an die interessanten Projekte und Regisseure zu

kommen. Diesen Nachteil konnte ich nur mit viel kreativem

Output wettmachen. Ein bisschen Glück, also zur

richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, gehört natürlich

auch dazu. Genau diese Mischung hat mich gut auf

die Arbeit als Kameramann vorbereitet. Von Jahr zu Jahr

werden die Projekte immer größer, dementsprechend

steigen Druck und Verantwortung. Damit umzugehen,

sich immer wieder durchzubeißen und sich gleichzeitig

auf das eigene Talent verlassen zu können, muss man

lernen. Die Filmakademie bietet dazu die richtigen Voraussetzungen.

Ins kalte Wasser springen muss man am

Ende aber immer selbst.

KÖNNTEST DU DIR VORSTELLEN, INTERNATIONAL

ZU ARBEITEN UND GLAUBST DU, DASS DIE FABW

MIT IHRER AUSBILDUNG EINEN BLICK ÜBER DEN

TELLERRAND DES DEUTSCHEN FILMS ERLAUBT?

Ich hatte das Glück, schon ein bisschen internationale

Erfahrung in der Werbung sammeln zu können. Im

Spielfilm ist es bei mir noch nicht so weit. Aber natürlich

ist es ein angestrebtes Ziel, auch dort irgendwann

mal international zu arbeiten. Bei einigen aus meiner

Studiengeneration hat es ja bereits geklappt. Und um

auf den zweiten Teil der Frage näher einzugehen: Es

war sicher mein größtes Glück, 2009 an einem Hollywood-Workshop

teilnehmen zu können. Neben der

fantastischen gemeinsamen Zeit mit meinen Studienkollegen

sind die Einblicke in das dortige Filmgeschäft

die nachhaltigsten Erinnerungen an mein Studium an

der Filmakademie.

VIELEN DANK FÜR DEINE MÜHE!

Danke für das Interesse.

67


STECKBRIEF

Bildgestaltung/

Kamera

1

STUDIENKOORDINATION

Roland Mönch

2

PROJEKTBETREUUNG

Roland Mönch

Christine Montigel

6

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

Interdisziplinäres, praxisorientiertes

Studium, Lehre der

künstlerischen und organisatorischen

Kameraarbeit. National und

international erfahrene Dozierende/

DoPs vermitteln Studieninhalte

auf branchennahem Standard und

darüber hinaus.

8

MYTH BUSTING: WAS LERNT

MAN HIER NICHT?

Ego Shooting

9

ONE COOL FACT ABOUT...

Learning By Doing without too

much Trial And Error

3

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Kay Gauditz

Prof. Thomas Merker

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

6 – 8 Studentinnen und Studenten

7

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

Die Kunst der Bildgestaltung

und die Praxis der Kameraarbeit,

Teamarbeit und Teamführung,

nationale und internationale

Vernetzung, alle Voraussetzungen,

um in eine erfolgreiche DoP-Karriere

starten zu können.

10

MOTTO

“Cinematography is more than just

making pretty pictures.”

Mario Tosi

5

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

Kreativität und Neugier für neue

Erzählformen, soziale Kompetenz,

Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit,

Empathie, Resilienz. Lust

auf Gestaltung, Lust auf das

Studium an der Filmakademie in

Ludwigsburg.

“The director leads the actors,

the cinematographer directs the

audience.”

Conrad Hall

68


Dokumentarfilm

1

STUDIENKOORDINATION

Thorsten Schütte

2

PROJEKTBETREUUNG

Greda Sieber, Peter Kuczinski

3

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Heidi Specogna

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

Ca. 6 Studierende

5

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

Lust auf das Unbekannte, kritisches

Denkvermögen, Geduld, Neugierde,

Teamfähigkeit, Kreativität,

Experimentierfreude

6

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

Praxisnahes Lernen und Arbeiten,

versierte Dozent*innen und

Referent*innen, Arbeiten im

Team, ausgezeichnete technische

Ausstattung, große künstlerische

Freiheit, gutes Netzwerk/Kontakte

zum Markt, intensiver Austausch

mit den anderen Fachrichtungen,

internationales Netzwerk und

Austauschmöglichkeiten, Exkursionen

u.a. zum DOCUMENTARY

CAMPUS, zum DOK Filmfestival

Leipzig und zur CPH:DOX

Kopenhagen

7

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

Mit eigenen Ideen und verantwortlicher

Haltung gegenüber

Menschen und Tatsachen Realität

kreativ zu gestalten, formatoffenes

Arbeiten, Recherche- und

Interviewtechniken, gestalterische

und inhaltliche Bandbreite in

Stoffentwicklung und Dramaturgie,

Arbeiten im Team, eigenes

kreatives Potenzial ausschöpfen,

mehr über sich selbst…

8

MYTH BUSTING: WAS LERNT

MAN HIER NICHT?

Die Verbreitung von Fake News

9

ONE COOL FACT ABOUT...

Das dokumentarische Arbeiten

unterscheidet sich von anderen

medialen Formen dadurch, dass

es je nach Sujet und finanzieller

Situation sowohl das Ein-/

Zwei-Personen-Team geben kann,

in dem verschiedene Berufsbereiche

in Personalunion ausgeübt

werden, als auch das große

Filmteam, wie beim Dokudrama,

das dem Spielfilm durchaus

vergleichbar ist. Alles ist möglich!

10

MOTTO

Die Ausformulierung einer

künstlerischen Handschrift beginnt

im Kopf !

69


ATELIER LUDWIGSBURG – PARIS

70


LEITUNG:

_PROF. GERHARD MEIXNER (FILMAKADEMIE)

_PROF. ROMAN PAUL (FILMAKADEMIE)

_CHRISTINE GHAZARIAN (LA FÉMIS)

PROGRAMMKOORDINATION:

_ANNE CHRISTINE KNOTH

PROJEKTBETREUUNG:

_JULIAN BOGENFELD

INFOBOX

Das Atelier wirkt als Pionier im Bereich der

ganzjährigen Postgraduierten-Ausbildung in

Vollzeit für Filmproduktion und -verleih mit

europäischer Ausrichtung. Es entstand 2001

unter der Schirmherrschaft der im Jahr 1999 gegründeten

Deutsch-Französischen Filmakademie

auf Initiative der deutschen und französischen

Regierungen hin. Das Ziel der Deutsch-

Französischen Filmakademie ist es, die filmische

Zusammenarbeit der beiden Länder

voranzutreiben. Gefördert wird das Programm

auf deutscher Seite von der EU-Kommission

(Creative Europe, MEDIA) sowie vom Ministerium

für Wissenschaft, Forschung und Kunst

Baden-Württemberg, der Beauftragten der Bundesregierung

für Kultur und Medien sowie dem

Deutsch-Französischen Jugendwerk.

unge Filmschaffende, hauptsächlich aus Europa,

J aber auch der ganzen Welt, mit dem Ziel, in der

Produktion oder im Verleih zu arbeiten, kommen im

Atelier Ludwigsburg-Paris zusammen, um gemeinsam

ein Jahr mit intensivem Training in den Bereichen Stoffentwicklung,

Finanzierung, Produktion, Vertrieb und

Marketing zu verbringen.

Angeboten wird die in Europa einmalige Ausbildung

von zwei der führenden Filmschulen in Frankreich und

Deutschland: La Fémis in Paris und der Filmakademie

Baden-Württemberg.

Auf deutscher Seite steht das Atelier unter der Leitung

der Filmproduzenten Prof. Roman Paul und Prof. Gerhard

Meixner von Razor Film. Seit 2007 ist die angesehene

National Film and Television School in Beaconsfield

bei London ein weiterer wichtiger Kooperationspartner.

71


ATELIER LUDWIGSBURG – PARIS

72


EXKLUSIVE WEITERBILDUNG:

MARKTVORTEIL FÜR ALUMNI DES PROGRAMMS

europäischem Boden verorten, jedoch die beruflichen

Beziehungen zu ihrem Herkunftsland behalten.

Das Atelier bietet für Postgraduierte mit Minimum

6 Monaten professioneller Erfahrung in der Filmbranche

eine praxisorientierte Spezialisierung. Besonders schätzen

die Teilnehmer*innen am Programm den Mix aus

praktischen und theoretischen Elementen: Der Unterricht

wird ausschließlich von erfahrenen Dozent*innen

aus der internationalen Film- und Medienbranche angeboten.

Der große Gewinn durch die Lehrenden aus der

Praxis ist, dass sie derzeitige Trends des Marktes kennen

und so aktuelles Knowhow vermitteln. Die lebhaften

Diskussionen mit den Expert*innen aus den jeweiligen

Bereichen führen auf beiden Seiten zu spannenden

Einsichten. Praxisorientierter und besonders auf Fallstudien

basierender Unterricht sorgt dafür, dass verschiedene

Märkte kennengelernt werden. Durch die engen

Kontakte innerhalb der Gruppe zu Filmschaffenden aus

anderen Ländern und einer damit einhergehenden Vertrauensbasis

sind gemeinsame Projekte, vor allem im Bereich

Koproduktionen, fast der Regelfall.

Die jährlich 18 Teilnehmer*innen erhalten zusätzlich

wichtige Einblicke in die Branche im Rahmen von Exkursionen

zu international renommierten Festivals (Berlinale,

Cannes, Clermont-Ferrand) sowie Fernsehsendern

und Förderinstitutionen (ARTE, BR, EURIMAGES, FFF,

MEDIA u.a.). Auch die Besuche der wichtigsten europäischen

Film-Märkte (Berlinale Coproduction Market und

Cannes Marché du film) vermitteln praxisnah relevante

Kenntnisse. Viele Teilnehmer*innen haben vor dem Besuch

des Programms bereits Erfahrung in der Produktion

gesammelt und sind besonders motiviert, mehr

über Verleih und Vertrieb zu lernen. Auch deshalb kann

das Praktikum im Weltvertrieb oder Verleih – u.a. bei

DCM, The Match Factory und Beta Film in Deutschland,

bei Memento, Ad Vitam, Coproduction Office in Frankreich

sowie Hanway, Mister Smith und Artificial Eye in

Großbritannien – ein wichtiger Schritt in eine erfolgreiche

professionelle Zukunft sein.

Die Gruppe kann somit in einen direkten, intensiven

Dialog mit der Branche treten und so für künftige Zusammenarbeiten

die entscheidenden Weichen stellen.

Die vermittelten Inhalte führen zudem langfristig dazu,

dass die Atelier-Alumni die Verbreitung des europäischen

Films in die Welt erfolgreich vorantreiben und

dessen Wahrnehmung auch außerhalb Europas erhöhen.

Dazu tragen maßgeblich die internationalen Teilnehmer*innen

bei, die sich zwar professionell meist auf

CAMPUS FILMAKADEMIE UND NETZWERKE

Ein großes Plus ist die Situierung des Ateliers an der

Filmakademie. Diese eröffnet den Teilnehmer*innen unbegrenzte

Vernetzungs- und Entfaltungsmöglichkeiten

durch den gemeinsamen Campus mit den Studierenden

der Filmakademie, ihrem Animationsinstitut und der

Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg.

Unbestritten ist: Weit über die Teilnahme hinaus sind

die hier gewonnenen Kontakte wertvoll für das berufliche

Weiterkommen.

In der Lehre findet die Zusammenarbeit von Atelier

und Filmakademie in mehreren Bereichen statt: Nennenswert

ist hier vor allem das seit dem Wintersemester

2006 angebotene Wahlpflichtfach „International Producing“

für Produktionsstudierende der Filmakademie

(ab dem 3. Studienjahr) in Kooperation mit dem Atelier

Ludwigsburg-Paris.

Aufgrund der Relevanz des gesellschaftlichen Diskurses

und der vorherrschenden Missstände in der Branche

im Bereich Gender-Gerechtigkeit wird – wie an der

Filmakademie allgemein – im Atelier diesem Thema in

Lehre und Struktur Rechnung getragen. Um insbesondere

die weiblichen Filmschaffenden zu fördern, gibt es

verschiedene Angebote, darunter ein Mentoring für die

Teilnehmerinnen durch eine erfahrene Branchenvertreterin

sowie einen Workshop zum Thema Gender. Auch

73


ATELIER LUDWIGSBURG – PARIS

bei der Auswahl von relevanten Dozentinnen wird diese

Thematik berücksichtigt.

Die Talente, die im Atelier ausgebildet werden, sind

die Zukunft der Branche – sie sind mehrheitlich direkt

nach dem Programmbesuch in interessanten Positionen

und/oder Unternehmen beschäftigt. Hierbei spielen die

im Atelier gebildeten Netzwerke eine erhebliche Rolle:

Nicht selten sind die Anbieter*innen von Praktika oder

Dozent*innen während des Weiterbildungsjahrs die zukünftigen

Arbeitgeber*innen. Es unterrichten auf deutscher

Seite etwa Kirsten Niehuus (Geschäftsführerin der

Filmförderung im Medienboard Berlin-Brandenburg),

Vanessa Henneman (Gründerin und Geschäftsführerin

von Henneman Agency), Jakob Claussen (Geschäftsführer

Claussen + Putz Filmproduktion), Jamila Wenske

(Produzentin und Geschäftsführerin Achtung Panda!

Media GmbH), Marc Gabizon (Geschäftsführer Wild

Bunch Germany), Jan Mojto (Geschäftsführer EOS Entertainment

u. Beta Film), Peter Dinges (Vorstand der Filmförderungsanstalt),

Kristin Holst (Förderreferentin bei

der Filmförderungsanstalt), Marie Noëlle (Autorin, Regisseurin

und Produzentin, Geschäftsführerin P’Artisanfilm),

Rebekka Garrido (Produzentin und Geschäftsführerin

Manderley Films) und Leontine Petit (Produzentin,

Gründerin und Geschäftsführerin Lemming Film und

Hamster Film).

Ateliers. Jährlich entstehen zu einem gemeinsamen Thema

neun Kurzfilme, die die Teilnehmer*innen in bi-nationalen

Producer*innen-Teams erarbeiten und über

das Jahr hinweg erfolgreich umsetzen. Die fertigen Filme

bereichern nicht nur das Portfolio der Atelier-Alumni,

sondern erreichen stets auch eine breite Öffentlichkeit,

indem sie nach den Premieren in Ludwigsburg und

Paris auch auf den Französischen Filmtagen Tübingen,

ATELIER NETWORK ist der Verein der ehemaligen

Atelier-Teilnehmer*innen, der ein beachtliches Netzwerk

junger europäischer und internationaler Branchenvertreter*innen

aufgebaut hat, das regelmäßig zusammenkommt.

Dieses Netzwerk ermöglicht den

europaweiten Austausch von Informationen, Erfahrungen,

Kontakten und Jobangeboten. Grenzüberschreitende

Filmprojekte werden gemeinsam von Alumni entwickelt.

Die Vereinsmitglieder profitieren außerdem

erheblich von der Vernetzung innerhalb der Deutsch-

Französischen Filmakademie mit den Initiativen

Minitraité, Deutsch-Französisches Filmtreffen und

Atelier.

Der rote Faden und gleichzeitig ein weiterer praktischer

Strang, der sich durch das Weiterbildungsjahr zieht, ist

die Kurzfilmproduktion des Atelier Ludwigsburg-Paris.

Die Produktion einer Kurzfilmreihe, die in Kooperation

der beiden Hochschulen gemeinsam mit ARTE und dem

SWR als Koproduzenten hergestellt wird, ist seit mehr

als 15 Jahren das zentrale Projekt im Curriculum des

74

dem Festival Max Ophüls Preis in Saarbrücken und im

Programm des Fernsehsenders ARTE gezeigt werden.

Eine enge Zusammenarbeit mit Gewerken der Filmakademie

besteht besonders im Bereich Drehbuch: Schon

seit 2006 schreiben Studierende der Drehbuchabteilung

die Bücher für diejenigen Atelier-Kurzfilme, die in Ludwigsburg

entstehen. Auch in den Bereichen Bildgestaltung/Kamera,

Montage/Schnitt, Szenenbild, Filmmusik,

Filmton/Sounddesign sowie anderen Gewerken findet

eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Filmakademie-Studierenden

und den Atelier-Teilnehmenden

statt. Profitieren die Studierenden vor allem von

der internationalen Atmosphäre im Team und u.a. auch

von der gesicherten Festival- und TV-Auswertung der

Kurzfilme, können Atelier-Teilnehmer*innen besonders

aus den fest etablierten Verbindungen der Filmakademie-Studierenden

an der Hochschule Nutzen ziehen.


75


ATELIER LUDWIGSBURG – PARIS

ATELIER ALS WEICHENSTELLER FÜR EINE

ERFOLGREICHERE PROFESSIONELLE ZUKUNFT

Jedes Jahr besteht großes Interesse an den 18 Plätzen im

Weiterbildungsjahr: Ausgewählt wird aus zahlreichen

Bewerbungen im Mai/Juni für das kommende Studienjahr.

Im Jahrgang 2019/2020 sind neun verschiedene

Nationen vertreten. Für die Auswahl entscheidend sind

Kriterien wie Berufserfahrung, soziale/kommunikative

Fähigkeiten sowie eine größtmögliche Heterogenität

und Diversität, die unterschiedliche Blickwinkel garantieren

und neue Perspektiven in der Gruppe aufzeigen.

Bemerkenswert ist der sichtliche Anstieg der im Netzwerk

vertretenen Nationen seit der Öffnung 2014/2015

für internationale Kandidat*innen sowie der Einführung

der englischen Sprache als weitere Arbeitssprache. Zwar

liegt der Fokus weiterhin auf Deutschland und Frankreich,

es werden aber auch Teilnehmer*innen aufgenommen,

die Englisch beherrschen und Deutsch und/

oder Französisch lernen möchten.

Wir stellen fest, dass die bereits vor Programmbeginn erworbenen

beruflichen Erfahrungen der Kandidat*innen,

insbesondere im internationalen Kontext, zunehmend

relevanter werden. Meist fehlen aber noch entscheidende

Kenntnisse, um einen weiteren Karriereschritt

zu wagen – etwa in die Selbständigkeit. Hier bietet, laut

Aussagen der Alumni, das Atelier unersetzliche Informationen,

um sich weiterzuentwickeln. Darüber hinaus

ist die Expertise im Bereich internationale Koproduktionen

ein Alleinstellungsmerkmal in Zeiten von Globalisierung.

hohe Beschäftigungsrate der Teilnehmer*innen nach Abschluss

des Programms bestätigt eindrucksvoll die Qualität

der vermittelten Kenntnisse und die Attraktivität

der Absolvent*innen für Arbeitgeber*innen in ganz Europa.

Eine permanente Evaluierung der Studieninhalte

garantiert die Vermittlung aktuellen Knowhows.

POSITIVE EFFEKTE AUF DIE BRANCHE

Die Branche wird durch die Ehemaligen des Programms

bereichert und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen

Filmindustrie verbessert. Dies erfolgt durch

die Vermittlung von Kenntnissen im Atelier, die den

Fokus auf aktuelle Entwicklungen und Trends in allen

Bereichen legen, besonders auch auf digitale Distributionswege

sowie Marketing. Die unternehmerische

und wirtschaftliche Seite des Business ist ebenso elementar

für die meisten Teilnehmer*innen: Viele stehen

an der Schwelle zur Gründung einer eigenen Produktionsfirma

– hier sind Workshops zu Firmengründungen

und alternativen Business-Modellen hilfreich. Auch

soziale Aspekte wie Konfliktmanagement, Teamführung

und ein Bewusstsein für die Gender-Thematik kommen

im Lehrplan nicht zu kurz. Die außergewöhnlich

76


BEWERBUNG UND TEILNAHME

FÜR WEN? JUNGE FILMSCHAFFENDE –

BEWERBER*INNEN AUS ALLER WELT

Das Weiterbildungsjahr wendet sich an angehende

Produzent*innen und Verleiher*innen aus Europa

und der ganzen Welt im Alter von bis zu

30 Jahren und bietet eine vertiefende Ausbildung

mit europäischer Ausrichtung.

Absolvent*innen von Filmhochschulen oder anderen

relevanten Studiengängen mit ersten Berufserfahrungen

in der Filmwirtschaft sind die

Zielgruppe.

WEITERE INFORMATIONEN

AUF DER WEBSITE

DES ATELIER LUDWIGSBURG-PARIS

www.atelier-ludwigsburg-paris.com

FOLGT UNS AUF FACEBOOK UNTER

FB.ME/AtelierLudwigsburgParis

ERFORDERLICHE SPRACHKENNTNISSE?

Sehr gute Englischkenntnisse; Deutsch- und

Französischkenntnisse sind von Vorteil.

77


ALUMNI IM FOKUS

EIN DOPPELINTERVIEW

MIT STEFFI ACKERMANN

UND JOCHEN LAUBE

78


STEFFI ACKERMANN UND JOCHEN

LAUBE HABEN SICH BEREITS IM ERS-

TEN SEMESTER AN DER FILMAKADEMIE

KENNENGELERNT UND 2005 GEMEINSAM

IHR PRODUKTIONS STUDIUM ABGESCHLOS-

SEN. SEITDEM VERBINDET SIE EINE ENGE

FREUNDSCHAFT. MITTLERWEILE ZÄHLEN

BEIDE ZU DEN PRÄGENDEN PERSÖNLICH-

KEITEN IM BEREICH PRODUKTION IN

DEUTSCHLAND.

Steffis beruflicher Weg führte von der Polyphon über

die UFA Fiction zu Warner Bros, wo sie 2016 zunächst

den neu geschaffenen Posten als Director Development

Local Productions übernahm und später zum Vice President

Local Productions ernannt wurde. Neben Spielfilmen

wie z.B. dem Kinohit JESUS LIEBT MICH,

ROCCA VERÄNDERT DIE WELT (Deutscher Filmpreis)

und DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT

(3 „Lolas“) war sie mit DOCTOR’S DIARY (Grimme-Preis,

Deutscher Fernsehpreis, Deutscher Comedypreis)

schon früh mit Serien erfolgreich. Weitere Hits

wie DOC MEETS DORF und die Disney Channel Eigenproduktion

BINNY UND DER GEIST folgten. Im Juli

2020 wechselte Steffi als Director German Original Series

zu Netflix.

Jochen, ein Ludwigsburger Urgestein, blieb seiner Heimat

auch nach dem Diplom treu und gründete ein Jahr

später die Produktionsfirma Sommerhaus Filmproduktion,

mit der er Filme wie NOVEMBERKIND, SONBOL

(Grimme-Preis) oder DIE HAUSHALTSHILFE (Deutscher

Kurzfilmpreis) realisierte. 2008 übernahm er die Leitung

des Ludwigsburger Büros der UFA Fiction. Während dieser

Zeit entstanden viele preisgekrönte Kino- und Fernsehfilme,

darunter DAS LIED IN MIR, FÜNF JAHRE

LEBEN und KREUZWEG. Seit 2015 arbeitet Jochen wieder

als selbständiger Produzent und Geschäftsführer der

Sommerhaus Filmproduktion mit Büros in Ludwigsburg,

Berlin und München und hat u.a. den TATORT:

DER ROTE SCHATTEN (Regie: Dominik Graf ) und

den Berlinale-Hit IN DEN GÄNGEN produziert. Vorläufiger

Höhepunkt der Sommerhaus-Erfolgsgeschichte

sind gleich zwei Deutsche Filmpreise 2020: eine „Lola“

in Silber in der Kategorie Bester Spielfilm für BERLIN

ALEXANDERPLATZ. Und eine „Lola“ für den Besten

Kinderfilm für ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN

STAHL – mit Koproduzentin Steffi Ackermann.

WIE FEIERT MAN DENN SO EINE GEMEINSAM ER-

RUNGENE „LOLA“ IN ZEITEN VON CORONA? HABT

IHR EUCH IN EINER VIDEOKONFERENZ ZUGE-

PROSTET?

JOCHEN:Das war eine sehr traurige Angelegenheit, als

der Paketdienst hier letzte Woche geklingelt und die

„Lola“ gebracht hat. Und dann war ich nicht mal zuhause

(lacht).

STEFFI: Die hat eigentlich Jochen gewonnen. Ich war

ja nur Koproduzentin. Aber die Wahrheit ist: Die Feier

steht noch aus. Wir haben uns natürlich krass gefreut.

Und im Moment arbeiten wir zusammen heftig daran,

noch die Million Zuschauer zu knacken.

WIEVIELE PROJEKTE HABT IHR SCHON GEMEIN-

SAM REALISIERT?

STEFFI: Ich war mal Set-Assistentin bei Jochens Drittjahresfilm.

79


ALUMNI IM FOKUS

JOCHEN: Ich hab auch mal ein paar Tage bei einem Film

von Steffi geholfen.

Comedy anvertraut haben, was für Sommerhaus eine

große Herausforderung ist.

STEFFI: Und dann kam gleich das ROSA KANINCHEN.

Wir sind uns aber trotzdem schon lange verbunden und

haben ja sogar zeitweise für die gleiche Firma gearbeitet.

Aber da hatten wir fast am wenigsten miteinander

zu tun, weil wir komplett getrennte Aufgabenbereiche

hatten.

JOCHEN: Wir hatten uns das immer vorgenommen,

aber so richtig funktioniert hat es erst, als Steffi die Seiten

gewechselt hat von der Produktion zum Verleih.

Davor haben wir uns eher stark gegenseitig mental bei

dem unterstützt, was wir machen. Ich habe zu meinem

ganzen Produktionsjahrgang noch gute Kontakte, aber

die Verbindung zu Steffi ist für mich die stärkste aus

meiner Zeit an der Filmakademie. Wir haben uns auch

nie aus den Augen verloren. Und dass man dann nach

15 Jahren auf der Basis von Vertrauen und einer tiefen

Freundschaft solche Projekte machen kann, ist doch toll.

STEFFI: Diese Freundschaft wird auch nie durch Diskussionen

auf der Arbeitsebene torpediert. Wir machen

ja gerade auch HALLO AGAIN zusammen, den neuen

Film von Maggie Peren, der im September in die Kinos

kommen soll.

KANN EINE BERUFLICHE ZUSAMMENARBEIT AUCH

PROBLEMATISCH SEIN, WENN MAN PRIVAT SO

GUT BEFREUNDET IST?

STEFFI: Jeder hat ja so seine Eigenheiten oder Dinge,

die ihm wichtig sind. Ich kann schon auch nerven, wir

streiten uns aber nie. Es geht immer um die Sache.

JOCHEN: Wir kennen uns ja schon seit der Aufnahmeprüfung.

Und danach hat mich Steffi vier Jahre lang von

sich abschreiben lassen. – In unserem Business ist es

quasi berufsimmanent, dass man phasenweise wahnsinnig

intensiv zusammenarbeitet und dann wieder gar

nicht. Da ist es natürlich von Vorteil, wenn man sich so

gut kennt. Man weiß, worauf man sich einlässt. Das ist

ja auch das Gute an der Teambildung in Ludwigsburg,

weil du vier Jahre lang auf einem Haufen hockst. Viele

Streitpunkte kommen gar nicht auf, wenn du so ein

Vertrauensverhältnis hast. Insofern ist es auch ein bisschen

schade, dass Steffi jetzt die Warner verlässt (das Interview

fand im Juni 202 statt, Anm. d. Red.), nachdem

sie uns mit HALLO AGAIN eine klassische Romantic

80

JOCHEN, WAS ERWARTET STEFFI DENN JETZT BEI

NETFLIX?

Jochen: Perspektivisch ist das eine unfassbar spannende

Aufgabe. Da Steffi von der Serie kommt und das kann,

wird sie auch dort gute Serien machen. Und für die

150 Millionen Abonnenten oder mehr erzählen zu können,

ist natürlich eine besondere Herausforderung. Gerade

jetzt in der Corona-Zeit merkt man, wie wichtig

Streaming als Medium geworden ist. Und es geht

auch darum, das Deutschland-Büro weiter auszubauen.

Insofern ist der Zeitpunkt für den Wechsel perfekt. Und

die Leute, die ich bei Netflix kenne, sind sehr gut und

die freuen sich auf Steffi, und umgekehrt.

STEFFI, WAR FÜR DICH DIE PERSPEKTIVE DER

AUFBAUARBEIT EIN ENTSCHEIDENDES ARGUMENT

FÜR DEN WECHSEL? DU BIST JA ERST IM MÄRZ

2019 BEI WARNER ZUM DIRECTOR GERMAN ORI-

GINAL SERIES AUFGESTIEGEN.

STEFFI: Ich würde mir gar nicht anmaßen zu sagen,

dass ich etwas aufbaue, es funktioniert ja schon. Ich

freue mich einfach darauf, meine Stärken dort zusätzlich

einzubringen. Bei Warner habe ich auch geschaut,

wo ich das Portfolio noch ergänzen kann. Wir haben eine

Reihe von Debüts auf den Weg gebracht und enorm viel

ausprobiert. Ich bin mir sicher, dass es auch bei Netflix

eine große Offenheit gibt. Schön finde ich, dass ich wieder

sehr nah am Inhalt bin. Ich freue mich darauf, Teil

eines kleinen Teams zu sein und mit ihnen große Aufgaben

anzugehen, so wie sie es jetzt schon tun. Mir geht

es darum, tolle Geschichten zu erzählen und dafür bietet

die Serie natürlich erzählerische Möglichkeiten, die im

Kino ausgeschlossen sind. Nach vier Jahren Kino habe

ich außerdem das Gefühl, nochmal einen anderen Blick

auf die Dinge zu haben als nach drei Serien.

HAT SICH DEINE AFFINITÄT ZU SERIEN EINFACH

ERGEBEN ODER HAST DU DIESE RICHTUNG BE-

WUSST GEWÄHLT?

STEFFI: Die hat sich schon an der Filmakademie ausgebildet.

Mit Bora (Dagtekin) habe ich damals viele Serien

geschaut und liebe sie seitdem auch als Konsument. Und

Projekte zu unterstützen und zu entwickeln, ist das, was

uns antreibt. Das geht Jochen sicher genauso.


JOCHEN, IN DEINER VITA FÄLLT AUF, DASS DU

SEHR OFT MIT ANDEREN FILMAKADEMIE-ALUMNI

WIE BURHAN QURBANI, CHRISTIAN SCHWOCHOW,

FLORIAN COSSEN, STEFAN SCHALLER, THOMAS

STUBER ODER ZULETZT SEBASTIAN MARKA AR-

BEITEST. SIND DAS ALLES ALTE SEILSCHAFTEN

AUS DEM STUDIUM ODER ERLEICHTERT ES GENE-

RELL DIE KONTAKTAUFNAHME, WENN MAN SICH

AUF EINEN GEMEINSAMEN BACKGROUND BEZIE-

HEN KANN?

JOCHEN: In den meisten Fällen eher Letzteres. Aus unserem

Jahrgang kannte ich nur Christian und Florian.

Dass man auf der gleichen Schule war, verbindet einen

ja in jedem Beruf. Aber im Zweifelsfall arbeite ich tatsächlich

lieber mit Leuten aus Ludwigsburg. Einerseits

ist das eine Herzenssache, andererseits sind die Alumni

der Filmakademie einfach gut. Das gilt auch für andere

Bereiche wie Kamera, Schnitt oder Dokumentarfilm.

STEFFI: Kamera ist ein gutes Beispiel. Mit den Kameraleuten

haben wir im Studium sehr früh und viel

zusammengearbeitet, weil sich in Ludwigsburg eben

vom ersten Semester an Teams bilden. Da spielt auch

der Campusgedanke eine große Rolle.

JOCHEN, APROPOS LUDWIGSBURG. HATTEST DU

EIGENTLICH NIE DAS VERLANGEN, MAL WOANDERS

ZU ARBEITEN, VIELLEICHT SOGAR IM AUSLAND?

JOCHEN: Es war nie der Plan, dass ich mit 42 hier in

Ludwigsburg in meinem Häuschen sitze. Aber wenn sich

eine Filmhochschule in der eigenen Heimatstadt ansiedelt

und man ein Interesse am Medium Film, hat, wäre

man ja bescheuert, wenn man sich damit nicht auseinandergesetzt

hätte. Andernfalls wäre ich sicher nie Filmproduzent

geworden, weil ich mit dem Thema gar nicht

in Berührung gekommen wäre. Nach dem Abschluss gab

es schon die Idee wegzugehen, aber dann wurde ich halt

Vater. Hier hatte ich den Luxus, dass meine Eltern sich

auch mal um die Kinder kümmern konnten und meine

Frau sich deshalb auch beruflich weiterentwickeln

konnte. Später wurde das dann beruflich zu einer Art

Alleinstellungsmerkmal. Wenn ich mit Förderanstalten

AM SET VON "ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL"

MIT KAMERAFRAU BELLA HALBEN,

REGISSEURIN CAROLINE LINK UND JOCHEN LAUBE

81


ALUMNI IM FOKUS

z.B. in Berlin zu tun hatte, hieß es immer: „Du bist doch

der, der in Ludwigsburg geblieben ist!“ Das war durchaus

positiv, weil es in Finanzierungsgesprächen immer nur

um die Projekte ging und nie um meine Existenzsicherung.

Hinzu kommt, dass ich soviel unterwegs bin, dass

ich nie das Gefühl habe, ich sitze in einer schwäbischen

Kleinstadt und komme nicht raus. Deshalb habe ich jetzt

keine Bestrebungen mehr, die Stadt zu verlassen.

STEFFI, WIR STELLEN GERADE FEST, DASS UNTER

DEN STUDIERENDEN THEMEN JENSEITS DES FACH-

STUDIUMS WIE NACHHALTIGKEIT ODER GLEICHBE-

RECHTIGUNG AN BEDEUTUNG GEWINNEN. HAT-

TEST DU IN DEINER BERUFLICHEN LAUFBAHN JE

DAS GEFÜHL, ALS FRAU WENIGER ERNST GENOM-

MEN ZU WERDEN ODER MEHR LEISTEN ZU MÜS-

SEN ALS MÄNNLICHE KOLLEGEN?

STEFFI: Nach dem Studium gab es mal eine Situation

mit einem Redakteur, für den offenbar klar war, dass ich

dafür zuständig bin, den Kaffee zu holen. Damals wurde

mir schon bewusst, dass ich mit manchen Redaktionen

gar nicht zusammenarbeiten will. Das war auch ein

Grund, warum ich mit Bora erstmal eine Serie gemacht

habe, damit ich nicht dauernd mit irgendwelchen Leuten

essen gehen und Klinken putzen muss. Mittlerweile

hat sich das deutlich gebessert. Manche Situationen sind

für Frauen aber immer noch anders als für Männer, oft

schon deswegen, weil sie in der Minderheit sind. Ich bin

öfter die einzige Frau am Tisch und das muss man aushalten

können. Deswegen freue ich mich riesig, dass ich

künftig wieder eine Chefin habe und in einem Unternehmen

arbeite, das in puncto Diversität sehr stark aufgestellt

ist.

THEMA CORONA: WIE SIND EURE ERFAHRUNGEN

IN DER KRISE? WIE SEHR BEEINTRÄCHTIGT SIE

EURE ARBEIT UND WIE SEHEN EURE PROGNOSEN

FÜR DIE ZUKUNFT AUS?

STEFFI: Bei Warner sind tatsächlich einige Dreharbeiten

betroffen, aber das erste Projekt ist jetzt zum Glück

schon abgedreht.: NEBENAN, das Regiedebüt von Daniel

Brühl. Auch der zunächst verschobene Dreh von Florian

David Fitz` neuem Film startet jetzt, es kommt also

alles wieder in Gang. Die größte Energie muss sicher in

das Bemühen fließen, das Publikum wieder für das Kino

zu gewinnen und dafür arbeitet Warner gerade eng mit

lokalen Produktionsfirmen zusammen. Mich persönlich

hat Corona auch ziemlich kalt erwischt, weil ich natürlich

dachte, ich könne viel mehr Projekte abschließen,

bevor ich die Firma verlasse.

JOCHEN: Wir haben mit Sommerhaus unglaubliches

Glück gehabt, weil wir letztes Jahr sehr viele Produktionen

hatten und für nächstes Jahr viele geplant sind. Für

uns ist die Krise daher zum Glück nicht existenzgefährdend.

Dieses Jahr gibt es bis Oktober gar keine Dreharbeiten.

Letztes Jahr hätten wir zu diesem Zeitpunkt drei

Drehs parallel gehabt. Speziell eine Kollegin bildet sich

aktuell in Fortbildungen und Gesprächen mit Produzentenverbänden

umfassend weiter, welche Regeln es gibt,

welche sinnvoll sind und welche vielleicht völlig absurd.

Ein Beispiel: Selbst Tagesdarsteller müssen vor ihrem

Einsatz fünf Tage in Quarantäne und werden mehrfach

getestet, müssen also für ihren eher kleinen Beitrag

einen ungeheuren Aufwand betreiben. Solche Dinge beeinflussen

natürlich auch Stoffe und Drehbücher und

damit müssen wir uns zurzeit auseinandersetzen. Es ist

schon Wahnsinn, wie die gesamte Filmherstellung dadurch

auf den Kopf gestellt wird. So schnell wird sich

das wohl auch nicht ändern.

STEFFI: Was studentische Drehs angeht, denke ich, dass

alles, was sich unter kontrollierbaren Bedingungen – an

einem Ort, als Kammerspiel oder mit den gleichen Darstellern

– abspielt, realisierbar ist. Ich habe die Erfahrung

gemacht, dass das Regelwerk erstaunlich gut eingehalten

wird, dass sich die Leute einfach freuen, wieder

drehen zu dürfen und es eine hohe Anpassungsfähigkeit

gibt.

JOCHEN: Allerdings wird den Studierenden an der

Film akademie schon seit 25 Jahren vergeblich gepredigt,

dass sie ein Kammerspiel drehen sollen. Und nicht

einen Film über eine Frau, die am Flughafen von

Buenos Aires ein Lied hört, so wir es bei DAS LIED

IN MIR gemacht haben (lacht). Ich bin gespannt, ob

Corona das schafft.

Was mich allerdings über die Filmherstellung hinaus

umtreibt, ist der Umgang mit den Kinos, weil ich fürchte,

dass man die jetzt aufgestellten Beschränkungen mit

Abstandsregeln und nur 25% Auslastung so schnell nicht

mehr ändert, wenn sie erstmal etabliert sind. Und das

wäre für die Kinos natürlich eine Katastrophe.

82


APROPOS: DU HAST VOR 2 JAHREN IN LUDWIGS-

BURG DAS FILMFESTIVAL „LICHTSPIELLIEBE“ IN-

ITIIERT, MIT VIELEN TOLLEN FILMEN UND TALKS

MIT BEKANNTEN GRÖSSEN DER BRANCHE. KÖN-

NEN WIR UNS HOFFNUNG AUF EINE FORTSET-

ZUNG IM NÄCHSTEN JAHR MACHEN?

JOCHEN: Wir wollen sogar am Termin für dieses Jahr

Anfang November festhalten, sind gerade dabei, ein Programm

aufzustellen und mit dem Scala-Kino im Gespräch,

wie wir es am besten umsetzen können. Wir

planen auch keine virtuellen Inhalte, weil es eben kein

Film-, sondern ein Kinofestival ist mit dem Ziel, Menschen

aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen

wieder ins Kino zu locken. Im letzten Jahr haben

wir z.B. Guido Buchwald zum Dokumentarfilm über Maradona

eingeladen und alle Fußballvereine angeschrieben.

Da waren dann auch Leute dabei, die bestimmt seit

15 Jahren nicht mehr im Kino waren. Es geht um das

Gemeinschaftserlebnis und um den Austausch darüber.

Deshalb ergibt eine Online-Ausgabe keinen Sinn.

BITTE VERVOLLSTÄNDIGT SPONTAN DIESEN SATZ:

DAS STUDIUM AN DER FILMAKADEMIE WAR…

STEFFI: …das beste Studium, das ich beendet habe.

JOCHEN: …für mich die beste Grundlage, heute den

schönsten Beruf der Welt ausüben zu können.

LETZTE FRAGE: Welchen Film aus der gesamten Filmgeschichte

hättet ihr gern produziert und warum?

STEFFI: ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL

(lacht).

JOCHEN: SYSTEMSPRENGER, dann hätte ich jetzt

zwei goldene „Lolas“ (lacht).

DAS TEAM VON "HALLO AGAIN",

U.A. MIT STEFFI, JOCHEN, DEN FABW-ALUMNI MARC ACHENBACH (KAMERA, LI. HINTEN)

UND FABIAN MAUBACH (SOMMERHAUS, 2.V.L. HINTEN)

SOWIE MFG-CHEF PROF. CARL BERGENGRUEN (GANZ RECHTS)

83


EDITION FABW

Sommer –

in Zeiten von Corona

84


VERLAG

VERLAG

EDITION

EDITION

NEUE PUBLIKATIONEN

IN DER EDITION FABW

Nach SCHLUSS STRICHE, NEID und KRIEG widmet

sich 2020 die vierte Auflage der Kurzgeschichtenbände

in der Edition FABW dem Thema SOMMER.

Im Kontrast zu den vorhergehenden Bänden sollte ein

Büchlein voll von sommerlicher Leichtigkeit entstehen,

mit Kurzgeschichten, die von Kindheitserinnerungen

handeln, von Freibadbesuchen, ersten Flirts… – eben

von allem, was ein richtiger Sommer so hergibt. Und das

löst der vierte Kurzgeschichtenband der Edition FABW

ein, er ist voll von „Sommer“. Aber er ist nicht nur das,

sondern nimmt auch das mit auf, was den Sommer 2020

kennzeichnete und wohl auch immer mit ihm in Erinnerung

verbunden bleibt: die Corona-Pandemie, das Covid-19-Virus.

Es war plötzlich da, irgendwann im März

2020, und stellte im Laufe des Jahres alles auf den Kopf,

im Großen wie im Kleinen, vom Einbruch der Wirtschaft

bis hin zur persönlichen Isolation. Diese Ausnahmesituation,

die uns das Jahr über in Atem hielt und

weiterhin hält, war neben all den Sorgen, die sie mit sich

brachte, aber auch eine Quelle großer kreativer Inspiration.

Weltweit setzten sich Kunstschaffende in den Bereichen

Literatur, Film oder Musik mit SCHLUSS STRICHE den - Unter Auswirkun-

diesem Motto waren die Studierenden

gen der Corona-Pandemie auseinander.

An den Studierenden der Filmakademie Baden-Württemberg

und der Akademie für Darstellende Kunst ging

dieses Aufbrechen der Weltordnung natürlich ebenfallls

nicht spurlos vorüber, auch sie setzten sich künstlerisch

mit der Corona-Pandemie und ihren zahlreichen Auswirkungen

auf unseren Alltag auseinander. ISBN 978-3-00-057857-1 Um dieser

Auseinandersetzung Raum zu geben und den Sommer

2020 real abzubilden, entschieden wir uns im Juli des

Jahres, den „Sommerband“ für diese Texte zu öffnen. Es

sind Szenen, die das Leben in Ludwigsburg während des

„Lockdowns“ beschreiben, aber beispielsweise auch ein

Tagebuch, das die Isolation in Chile und in Spanien beschreibt.

Und so wird dieser vierte Kurzgeschichtenband

der Edition FABW ein Kompendium, das den Sommer

abbildet, wie er ist: leicht, schwelgerisch und voller Liebe

– und gleichzeitig, wie er eben auch sein kann: einsam

und voller Unsicherheit.

der Filmakademie Baden-Württemberg aufgefordert, ihren Gedankengängen

in Form von Kurzgeschichten freien Lauf zu lassen.

Entstanden sind siebzehn Erzählungen vom Scheitern und von Umbrüchen,

aber auch vom Weitermachen - sogar dann, wenn eigentlich

nichts mehr geht.

„Wenn es gelingt eine gute Kurzgeschichte zu schreiben,

ist das schon fast ein kleines Wunder.“

Philipp Keel, Diogenes Verleger, Künstler und Autor

Schluss striche – Siebzehn Geschichten

Mit dieser Zusammenstellung sind wir uns sicher, ein

Anschlussprojekt auf den Weg zu bringen, das in würdiger

Nachfolge steht zu den vorhergehenden Kurzgeschichtenbänden

der Edition FABW, vor allem zu dem

letztjährigen Band KRIEG, der am 05.02.2020 erfolgreich

Premiere feierte – mit einer Podiumsdiskussion,

Lesungen, Musik und einer gelungenen und zahlreich

besuchten anschließenden Feier. An diesen Erfolg soll

der im Februar 2021 erscheinende Band SOMMER der

Edition FABW anschließen.

Darüber hinaus setzen wir in dieser Reihe auch die Veröffentlichung

von ausgewählten Drehbüchern von Studierenden

der Filmakademie Baden-Württemberg fort.

Im vergangenen Jahr wurde diese Erweiterung des Portfolios

der Edition FABW erfolgreich mit dem Skript zum

Debütfilm SYSTEMSPRENGER gestartet, dem großen

Gewinner beim diesjährigen Deutschen Filmpreis. Nun

folgt das Buch zum ambitionierten Diplomfilm TRÜM-

MERMÄDCHEN von Autor und Regisseur Oliver Kracht.

Für die im Nachkriegs-Deutschland des Jahres 1946 angesiedelte

Geschichte über eine junge Frau und ihr Streben

nach Emanzipation, Selbstbestimmung und Freiheit

wurde er 2019 im Rahmen der Berlinale mit dem

Thomas Strittmatter Drehbuchpreis ausgezeichnet.

NEID IST DORT, WO DER MENSCH IST. Er ist Ursache

für Zwist und Gräuel, in seiner engen Verwandtschaft zu Ehrgeiz

aber auch Motor menschlicher Entwicklung. Das macht ihn seit

Menschengedenken zu einem Ansporn für Künstlerinnen und Künstler,

sich auszudrücken. Er ist eine der größten Inspirationsquellen.

In diesem Band der Edition FABW versammeln sich siebzehn

Autorinnen und Autoren, die sich mit Neid beschäftigen und ihm in

ihren Kurzgeschichten all seine Schattierungen abgewinnen; auch in

Lebensbereichen, die nicht unmittelbar an Neid denken lassen –

Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Tod. Und so wird der vorliegende

Band nicht

Schluss

nur zu einem erfrischenden

striche

Lesevergnügen, sondern

auch zur Gelegenheit, sich zu hinterfragen, bisweilen sogar, sich zu

ertappen.

"Müsste ich hingegen einen Rat für eine gute Geschichte geben, dann

wäre jemand, der unter dem Neid besonders leidet, bestimmt kein

schlechter Protagonist."

Philipp Keel,

Diogenes Verleger, Künstler und Autor/Schirmherr der Edition FABW

ISBN 978-3-00-061336-4

Nora Fingscheidts Debütfilm SYSTEMSPRENGER

eröffnete 2019 die Berlinale und gewann dort den Silbernen

Bären (Alfred-Bauer-Preis). Das hier vorliegende Drehbuch

wurde an der Filmakademie Baden-Württemberg entwickelt

und 2017 mit dem Thomas Strittmatter Preis ausgezeichnet.

Der Kinofilm wurde von den Produktionsfirmen kineo

Filmproduktion und Weydeman Bros. in Koproduktion

mit Oma Inge Film und ZDF Das kleine Fernsehspiel produziert.

Die Filmakademie publiziert in ihrer Edition FABW nach

zwei Kurzgeschichtenbänden mit SYSTEMSPRENGER

nun erstmals ein Drehbuch.

ISBN xxx

NEID – SIEBZEHN GESCHICHTEN

B A N D

Z W E I

SYSTEMSPRENGER

B A N D

D R E I

NEID

EDITION

SIEBZEHN GESCHICHTEN

EDITION

system

sprenger

DREHBUCH

VON

NEID

NORA FINGSCHEIDT

85


STECKBRIEF

Drehbuch

1

STUDIENKOORDINATION

Igor Dovgal

2

PROJEKTBETREUUNG

Michael Achilles

3

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Thomas Schadt

(kommissarisch)

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

ca. 10

6

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

Während des Studiums in

Ludwigsburg kann man sich aufs

Wesentliche konzentrieren:

auf das Drehbuchschreiben.

7

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

Wir sehen das Drehbuchstudium

als eine Zeit des Forschens und

des Erlernens von handwerklichen

Grundlagen. Unsere Studierenden

haben die Möglichkeit zu

experimentieren. Sie werden aber

gleichzeitig mit den handwerklichen

Fähigkeiten ausstattet, um

an einem ständig in Veränderung

begriffenen Markt bestehen zu

können.

8

MYTH BUSTING: WAS LERNT

MAN HIER NICHT?

10 steps to successful

screenwriting.

9

ONE COOL FACT ABOUT...

Der aktuelle Markt ist breit und

dürstet nach guten Autor*innen.

10

MOTTO

Wer nichts erlebt hat, hat auch

nichts zu erzählen.

5

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

Mut, Selbstbewusstsein, Neugier,

Beobachtungsgabe, Teamfähigkeit

86


Fernseh -

journalismus

Kultur – Bildung – Wissenschaft

1

PROJEKTBETREUUNG

Konstantin Schenk

2

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Peter Arens

3

DOZIERENDE

Prof. Dr. Joachim A. Lang,

Günter Myrell,

Katharina Wolff

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

6 Studierende pro Jahrgang

6

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

Weil man lernt, wie man unsere

Welt für ein breites Publikum

begreifbar macht.

7

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

Grundlagen der Bildgestaltung,

des O-Tons, der Montage, der

Recherche, des Textens - eben alles,

was einen guten journalistischen

Beitrag ausmacht.

8

MYTH BUSTING: WAS LERNT

MAN HIER NICHT?

Wir bilden nicht für aktuelle

Formate aus. Damit sind die

klassischen Nachrichtensendungen

gemeint (Tagesschau, heute etc.)

9

ONE COOL FACT ABOUT...

Student Oscar 2017 der Academy Of

Motion Art And Sciences für den

Film GALAMSEY

10

MOTTO

„Nicht nur die technische

Ausbildung ist von Bedeutung,

auch die geistige muss Beachtung

finden.“

Bertolt Brecht

5

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

Einen Bachelor in einem beliebigen

anderen Studienfach für den

Quereinstieg,

Praktische Erfahrung bei einem

Sender und/oder einer Produktionsfirma

für das Grundstudium

87


SPOTLIGHT: NACHHALTIGKEIT

Von Green Shooting

zu Green Storytelling

EIN INTERVIEW MIT THOMAS LECHNER, ZENTRALER HERSTELLUNGSLEITER,

UND CHRISTINA HONIG, STUDENTIN IM STUDIENGANG PRODUKTION

MEHREREN JAHREN FÜR GRÜNES, NACHHALTI-

GES DREHEN EIN. WO SIEHST DU DIESBEZÜGLICH

NOCH DEN GRÖSSTEN HANDLUNGSBEDARF?

LIEBE CHRISTINA, LIEBER THOMAS: MEHR DENN

JE SIND NACHHALTIGKEIT UND DER SCHONEN-

DE UMGANG MIT RESSOURCEN AUCH BEIM FILM-

DREH EIN WICHTIGES THEMA. WAS HAT SICH

BZGL. GREEN SHOOTING IN DEN VERGANGENEN

JAHREN IN DER BRANCHE GETAN?

CHRISTINA: Zusammen mit der Klimabewegung ist das

Thema Nachhaltigkeit in den letzten zwei Jahren auch

in der Filmbranche mehr ins Blickfeld gerückt. Green

Shooting ist den meisten mittlerweile ein Begriff und es

wird mehr über klimaneutrales Produzieren gesprochen,

zum Glück auch in großen Häusern wie dem ZDF. Als

nächstes wird es allerdings Zeit, dass auch Taten folgen.

THOMAS: Green Shooting hat sich in den letzten Jahren

stark in der Filmbranche etabliert. Angefangen bei

den Reisedispositionen von Cast und Crew mit der Bahn,

über die Verwendung von technischen, energiesparenden

Innovationen, bis hin zur Verwendung von klimaneutralen

Utensilien beim Catering haben sich die

Filmproduktionen bewusst auf einen Codex über ressourcensparende

Maßnahmen verständigt. Dieser Gedanke

hat die gesamte Branche erreicht und weitgehend

durchdrungen.

CHRISTINA, DU HAST DICH ZUM „GREEN CONSUL-

TANT“ AUSBILDEN LASSEN UND SETZT DICH SEIT

Christina: Im Bereich neuer Technik und nachhaltiger

Dienstleistungen besteht leider immer noch das Henne-Ei-Problem:

Produzent*innen und Crewmitglieder

haben keine Erfahrung mit ressourcenschonenden Lösungen

und fordern sie daher nicht an, z.B. im Technikverleih,

beim Catering oder bei der Studiomiete. Die

Dienstleister*innen selbst wiederum wagen es nicht, in

umweltfreundliche Technologie oder eine ökologische

Neuausrichtung zu investieren, weil sie den Eindruck

haben, dass es an der Nachfrage mangelt. Hier sind konkrete

Fördermaßnahmen nötig, z.B. bei der Anschaffung

„grüner“ Licht- und Kameratechnik für Verleihe. Wenn

diese dann auch noch günstiger als die alte Technik verliehen

werden kann, sind wir auf einem guten Weg.

WAS HAT DICH DAZU MOTIVIERT, DICH ZUM GREEN

CONSULTANT AUSBILDEN ZU LASSEN?

CHRISTINA: Das war ein Erlebnis an meinem ersten

Filmset: Der Szenenbildner war unzufrieden darüber,

wieviel Müll beim Drehen anfällt. Das Gespräch bekam

ich nicht mehr aus dem Kopf und mir wurde bewusst,

dass das Problem noch weitreichender ist. Drei Jahre

später zog ich nach Ludwigsburg und wurde auf das

Engagement der MFG Baden-Württemberg im Bereich

Green Shooting aufmerksam. Mittlerweile bietet sie zusammen

mit der HDM Stuttgart ein sehr umfangreiches

Ausbildungsprogramm zum Green Consultant an. Mit

dem Zertifikat kann man MFG-geförderte Filmproduktionen

als Nachhaltigkeitsberater*in betreuen. Abgesehen

davon denke ich, braucht es einfach Eigeninitiative: Sich

mal mit den Kolleg*innen im eigenen Gewerk umzusehen

und sich zu fragen: Wo geht es besser?

88


WELCHE MÖGLICHKEITEN GIBT ES AN DER FILM-

AKADEMIE, UM GRÜN ZU DREHEN UND ZU ENT-

WICKELN?

WIE KANN DIE FILMAKADEMIE IN ZUKUNFT NOCH

MEHR STUDIERENDE DAZU MOTIVIEREN, GRÜN ZU

DREHEN?

THOMAS: Die Vorstellungen zu Green Shooting haben

die Studierenden offenherzig angenommen. Zahlreiche

Studierende, speziell im Studiengang Produktion, haben

sich wie Christina zum Green Consultant ausbilden

lassen. Dies trägt auch dazu bei, ihr Portfolio im Filmbereich

zu erweitern und neue Jobmöglichkeiten zu

generieren. Obwohl die Mittel bei studentischen Produktionen

begrenzt sind, sind die Studierenden ständig

bemüht, Wege zu finden, um z.B. Müll zu vermeiden und

den Carbon Foot Print ihrer Produktionen zu verringern.

Weiter regen wir innerhalb der Lehre dazu an, die Kalkulationen

der Filme mit einem CO2-Rechner abzugleichen,

um so das Bewusstsein und die Möglichkeiten der

Green Shooting-Idee zu schärfen.

CHRISTINA: Hier braucht es viel Eigeninitiative: Tatsächlich

ist grünes Drehen für uns Student*innen oft sogar

das preiswertere, denn es bedeutet weniger Flug-,

Fahrt- und Stromkosten. Auch das Wiederverwenden

von Ausstattung und das Verzichten auf Einweggeschirr

oder Hotelübernachtungen kommt schnell dem Budget

zugute. Allerdings brauchen wir in unserem Techniklager

mehr grüne Technologien - denn was man in der

Ausbildung nicht kennenlernt, wird man auch später im

Berufsleben nicht einsetzen.

WIE GROSS IST DAS INTERESSE DER FILMAKADE-

MIE-STUDIERENDEN BISHER DARAN, IHRE PRO-

JEKTE IM SINNE VON GREEN SHOOTING UMZU-

SETZEN?

THOMAS: Das Interesse ist sehr groß, wenngleich Investitionen

und die Schaffung von klimaneutralen Rahmenbedingungen

beim Filmdreh nicht immer einfach

umzusetzen sind. Die Anschaffungskosten von neuen,

energieeffizienten Technologien sind hoch und ein

Bahnticket ist oft teurer als ein Billigflug… Doch man

wundert und freut sich, wie kreativ die Studierenden

auch bei diesen Aufgaben sind. Wegwerfgeschirr, Plastikbecher

und Einwegflaschen gehören an Sets der Filmakademie

bald der Vergangenheit an. Durch die Unterstützung

von Sponsoren und Stiftern finden immer

mehr personalisierte Utensilien Einzug an die Sets der

Filmdrehs.

THOMAS: Wie bereits erwähnt, muss das Bewusstsein

der Studierenden nicht mehr geweckt werden. Diese

Generation hat den Gedanken des Green Shooting erfreulicherweise

bereits weitgehend verinnerlicht und

muss nicht mehr zusätzlich motiviert werden. Doch

nicht nur die Studierenden verstehen sich als Pioniere

dieser Bewegung. Auch die Filmakademie als Bildungseinrichtung

unterstützt diese Bewegung und wird voraussichtlich

zukünftig auch vorbildlich „Green“ produzierte

Projekte prämieren und auszeichnen.

WELCHE HERAUSFORDERUNGEN BRINGT „GRÜNES

DREHEN“ MIT SICH?

THOMAS: Wichtig ist die konsequente Installation eines

Green Consultant, schon in der Planungsphase der Produktionen.

Hier werden die Standards gesetzt und analysiert,

wo und womit man klimaneutrale Schritte und

Maßnahmen anwenden kann. Wichtig ist auch, dass in

den nationalen und regionalen Filmförderungen diese

Posten kalkulierbar und somit finanzierbar sind.

„Grüner Campus = grüne Branche“? - Welche Chancen

bietet der Markt aktuell Studierenden, die schon während

ihres Studiums im Rahmen ihrer Projekte auf

Nachhaltigkeit und den schonenden Umgang mit Ressourcen

achten?

CHRISTINA: Nach meiner Beobachtung leider wenige.

Green Shooting ist immer noch ein „Luxus“, dem man

sich erst widmen kann, wenn Zeit und Budget es zulassen.

Initiativen wie die Green-Consultant-Bezuschussung

der MFG oder der Grüne Drehpass der FFHSH

sind zwar wichtige Ansätze, die nachhaltiges Produzieren

fördern und medienwirksam belohnen, aber werden

auf lange Sicht keine Transformation herbeiführen. Es

liegt jetzt in der Verantwortung von uns als Berufseinsteiger*innen,

das Thema auf die Agenda zu bringen.

Wir müssen Nachhaltigkeitsziele bei unseren Arbeitgeber*innen,

Produzent*innen und Sendern einfordern

und selbst danach handeln.

THOMAS: Da sich der Gedanke des Green Shooting und

nachhaltigen Produzierens immer mehr in die Branche

integriert und durchsetzt, haben Studierende, die sich

mit dieser Idee identifizieren und evtl. bereits den Credit

eines Green Consultant erreicht haben, gute Chancen,

89


SPOTLIGHT: NACHHALTIGKEIT

sich in diesem Segment zu etablieren. Nicht nur in die

physische Produktion nimmt dieser Fortschritt Einzug,

auch im Geschichtenerzählen und Beschreiben unserer

Welt ist die ökologische Idee fester Bestandteil und nicht

mehr wegzudenken.

CHRISTINA: Vollkommen richtig: Es wird Zeit, dass wir

damit einen Schritt weitergehen und über Green Storytelling

sprechen. Als Filmemacher*innen arbeiten wir

mit einem Medium, das Menschen extrem stark berühren

und beeinflussen kann. Dementsprechend hoch ist

unsere Verantwortung für die Geschichten, die wir uns

entscheiden zu erzählen und dafür, wie wir unsere Lebensrealität

abbilden. Die Klimakrise wird uns in den

nächsten 30-40 Jahren vor massive Herausforderungen

stellen und die Lebensgrundlage unserer Kinder und

Enkel komplett verändern. Diese Tatsache und unsere

Verantwortung dafür, solche Entwicklungen aufzuhalten,

müssen sich auch in unseren Filmen wiederfinden.

„Da ist der Kopf gefragt“

EIN INTERVIEW MIT DEM „GREEN-EXPERTEN“ PHILIP GASSMANN

ZU GREEN SHOOTING UND CO.

LIEBER PHILIP GASSMANN, SIE SIND FILME-

MACHER UND ENGAGIEREN SICH SEIT VIELEN

JAHREN INTENSIV IM BEREICH GREEN FILM PRO-

DUCTION UND SETZEN SICH FÜR UMWELT-

FREUNDLICHE PRODUKTIONSTECHNIKEN EIN.

WAS GAB IHNEN DEN ANSTOSS, SICH FÜR NACH-

HALTIGKEIT IN DER FILM- UND MEDIENBRANCHE

EINZUSETZEN?

Ich beschäftige mich mit dem Thema seit 1974. Damals

gab es bereits eine

junge Umweltbewegung,

die gegen die Zerstörung

der Umwelt demonstriert

hat. Mir war das Demonstrieren

allein zu wenig

und so habe ich 1978

als Schüler einen der ersten

Bioläden Deutschlands

gegründet. Das war

damals echte Pionierarbeit.

Dann bin ich beim

Theater und schließlich beim Film gelandet, aber

das Thema lässt einen nicht los. So habe ich vor

8 Jahren damit angefangen, die Umweltauswirkungen

90

der Film- und TV-Produktion zu untersuchen und was

man konkret dagegen tun kann.

WAS GENAU VERBIRGT SICH HINTER DEM BE-

GRIFF VON UMWELTFREUNDLICHEN PRODUK-

TIONSTECHNIKEN?

Wir haben in sämtlichen Bereichen die Möglichkeit, umweltfreundlichere

Produktionstechniken einzusetzen,

die nicht nur Energie, sondern auch Abgase, Umweltgifte

und weitere Umweltthemen reduzieren.

WAS HAT SICH IN DER BRANCHE DIESBEZÜGLICH

IN DEN VERGANGENEN JAHREN GETAN?

Das Bewusstsein ist größer geworden. Als Beispiel: ich

habe gerade eine Seminarreihe der German Film Commissions

für Profis aus allen Gewerken gehalten, an der

über 500 Leute teilgenommen haben. Das wäre vor 3

Jahren undenkbar gewesen. In den letzten 12 Monaten

habe ich Umweltrichtlinien für große Sender entwickelt,

die jetzt bereits in Kraft sind, auch das ist eine tolle Entwicklung.

Wir sehen eine viel größere Bereitschaft, das

auf allen Ebenen und in allen Bereichen umzusetzen.


WO LIEGEN IHRER MEINUNG NACH BIS HEUTE DIE

GRÖSSTEN HERAUSFORDERUNGEN?

Ganz einfach: in der Verfügbarkeit von nachhaltigen

Technologien und im Kopf. Es gibt so viele Möglichkeiten,

SOFORT unsere Emissionen um riesige Mengen zu

reduzieren, aber das setzt ein entsprechendes Wissen

und die entsprechende Bereitschaft voraus. Dann brauchen

wir mehr umweltfreundliche Fahrzeuge, Generatoren,

Scheinwerfer und Technologien bei den Verleihern.

Das hat wiederum mit Nachfrage zu tun - und die Nachfrage,

das sind wir. Da ist wieder der Kopf gefragt. Deswegen

ist Bildung in diesem Bereich so unfassbar wichtig.

WIE KANN FILMEMACHER*INNEN EIN GUTER EIN-

STIEG IN DAS THEMA „GREEN SHOOTING“ GELIN-

GEN?

Über das Wissen der Zusammenhänge, die Kenntnis der

vielen Möglichkeiten und die ganz konkreten Praxis-Erfahrungen

damit.

SIE UNTERRICHTEN AUCH ALS DOZENT FÜR

„GREEN SHOOTING“ AN MEHREREN DEUTSCHEN

FILMHOCHSCHULEN, AUCH AN DER FILMAKADE-

MIE. WAS GEBEN SIE IHREN STUDIERENDEN DA-

BEI MIT?

Es geht um unsere Zukunft als Weltbürger, als Land, als

Branche, Beruf und auch ganz privat. Da liegt die Herausforderung

und auch die große Chance.

WIE KÖNNEN SICH FILMSCHAFFENDE IM BEREICH

„GREEN SHOOTING“ WEITERGEHEND ENGAGIEREN?

Das Thema umfasst ja sämtliche Bereiche des Lebens.

Ich bin Praktiker, ich plädiere für das ganz Konkrete.

Mittlerweile hört man ja sogar immer wieder von

Menschen, die bei diesem Thema depressiv werden oder

schlicht und ergreifend resignieren. Warum? Weil sie

keine konkreten Erfolge sehen. Das lässt sich sehr einfach

ändern, indem man einfach anfängt, konkrete Ansatzpunkte

sucht und dann auch angeht. Sie sind überall

und man kann überall etwas tun. Und - Überraschung -

es macht oft sogar Spaß.

WAS SIND DIE NEUESTEN INNOVATIONEN, DIE

„GRÜNES DREHEN“ FÖRDERN KÖNNEN?

Es gibt Innovationen in fast allen Bereichen. Ganz aktuell

gibt es spannende Entwicklungen im Bereich der

Generatoren und der mobilen Stromspeicherung. Da

liegt ein großes Potenzial. Beim Licht tut sich in Sachen

LED sehr viel. Da gibt es mittlerweile große LED-Einheiten,

die gewaltige Mengen Strom sparen können, die

aber leider in Deutschland kaum bekannt sind. Überall

wird emsig geforscht - auch bei den Materialien für den

Dekorationsbau oder bei umweltfreundlicheren Produktionsfahrzeugen.

ALS EXPERTE FÜR GREEN FILM PRODUCTION UND

CO. BERATEN SIE VIELE UNTERNEHMEN DER ME-

DIENBRANCHE. WIE GELINGT ES IHNEN DABEI,

DAS VORHANDENE POTENZIAL FÜR UMWELT-

FREUNDLICHES PRODUZIEREN AUFZUZEIGEN?

„GRÜNER CAMPUS“ = „GRÜNE BRANCHE“?

WELCHE CHANCEN BIETET DER MARKT AKTUELL

STUDIERENDEN, DIE SCHON WÄHREND IHRES

STUDIUMS IM RAHMEN IHRER PROJEKTE AUF

NACHHALTIGKEIT UND DEN SCHONENDEN UM-

GANG MIT RESSOURCEN ACHTEN?

Ich mache gerade eine große Studie für die EU zum Thema

„Nachhaltige Medienwirtschaft in Europa“. Die EU

sowie die Bundesregierung fordern das zunehmend ein.

Die gesamte Branche wird nicht umhinkommen, nachhaltiger

zu werden. Dafür brauchen wir echte Expert*innen

und diese müssen dringend ausgebildet werden. Da

wird es viele neue Jobs geben, aber die Hochschulen

müssen das dann auch entsprechend in ihr Angebot und

vor allen Dingen in ihren Lehrplan aufnehmen. Das passiert

leider nur sehr zaghaft. Hier liegt eine gewaltige

Chance: für die Studierenden, die Hochschulen und natürlich

für unsere Umwelt.

Ein gewaltiger Hebel sind die zusätzlichen positiven Effekte.

Oft kann Geld gespart werden oder ganz einfach

effizienter und auch kreativer gearbeitet werden. Wenn

das betont wird, fällt der Umstieg nicht schwer.

91


SPOTLIGHT: NACHHALTIGKEIT

92


Was ist CampusForFuture?

VON FARINA HASAK, DIPLOMANDIN 2020

IM STUDIENSCHWERPUNKT MONTAGE/SCHNITT

CampusForFuture Ludwigsburg entstand vor einigen

Monaten, zeitgleich mit dem Beginn des Wintersemesters

2019/20. Gegründet wurde die Organisation

von Mitgliedern der schon bestehenden Ortsgruppe

FridaysForFuture Ludwigsburg, weil wir die Studierenden

gezielter ansprechen und einbinden wollten. Unserer

Meinung nach brauchen Klimaschutz und der damit

zusammenhängende Aktivismus eine wissenschaftliche

und informationsbasierte Grundlage, die aufzeigt, dass

die Klimakatastrophe nicht aus der Luft gegriffen, sondern

wissenschaftlich erklärbar ist. Die Menschen müssen

verstehen, was da mit unserer Welt vor sich geht.

Erst im Anschluss daran können sie agieren. Und das

ist es, was wir wollen: Die Mitmenschen zum aktiven

Handeln für den Klimaschutz motivieren. Wir verstehen

uns als der Teil der ForFuture-Bewegung, der Informationen

bereitstellt, Themenkomplexe aufarbeitet und

der Öffentlichkeit nahebringt, die Menschen in den Diskurs

treten lässt.

In der Praxis sieht das so aus: Wir veranstalten Filmabende

mit anschließender Gesprächsrunde mit den

Filmschaffenden und Wissenschaftler*innen aus den jeweiligen

Themengebieten, wir veranstalten Diskussionsrunden,

unterstützen die FridaysForFuture-Aktionen

mit Infoständen oder Ähnlichem. Wir nehmen ebenfalls

an Podiumsgesprächen teil, sind auch mal zu Gast

bei Veranstaltungen im Scala Kino. Diesen Sommer waren

wir Teil der Public Climate School (PCS), einer bundesweiten

Aktion von StudentsForFuture, der offenen

Klima -Uni für alle Interessierten, die mehr zum Thema

Klimagerechtigkeit lernen möchten. In diesem Rahmen

wurden Vorträge, Diskussionen und Workshops angeboten.

Wir Ludwigsburger Aktivist*innen hielten Vorträge

auf der Akademiewiese über „Den Einfluss von Bildung

auf unser Handeln“ und “Die Relevanz von klimapolitischer

Bildung und Diskurs“.

Bewegung lebt von aufmerksamen, spontanen, kreativen,

engagierten Menschen und die findet man an allen

Hochschulen hier in Ludwigsburg. Es ist in unserer heutigen

Zeit immens wichtig, sich für die eigenen Belange

und die, die unsere Mitmenschen ebenso betreffen, einzusetzen

und aktiv zu werden. So wie es gerade aussieht,

tun sich sämtliche Instanzen unserer Bundesregierung

und ebenso der Europäischen Union schwer damit, umweltschützende

Regelungen zu beschließen und ernsthaft

zu handeln. Wir sehen uns in der Pflicht, Handlungsanstöße

zu geben und die notwenigen Inhalte als

Grundlage dafür zu liefern.

Wenn ihr interessiert seid, schreibt uns gerne (campusforfuture-ludwigsburg@gmx.de)

und wir nehmen euch in

unseren E-Mail-Verteiler auf, dann werdet ihr über unsere

Planungstreffen und alle weiteren Aktionen informiert.

Als Alternative werden diese Aktionen auch über

die Whatsapp-Infogruppe von FridaysForFuture Ludwigsburg

oder auf unseren anderen Social-Media-Kanälen

Instagram, Facebook und Twitter verbreitet.

Wir treffen uns regelmäßig einmal pro Monat, um anstehende

Aktionen zu planen, Aufgaben zu verteilen oder

neue Vorhaben zu starten. Wir sind immer offen für

neue Interessierte, egal ob sie schon konkrete Ideen einbringen

oder einfach mal reinschauen wollen. Unsere

93


STECKBRIEF

Filmgestaltung 1

1

PROJEKTBETREUUNG

Nils Knoblich

2

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Jochen Kuhn

3

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

68

5

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

Grundstudium und damit

Pflichtseminar, … sorry.

6

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

Neben dem Know-how auch das

Know-why und Know-what

7

ONE COOL FACT ABOUT...

So alt/jung wie die Filmakademie.

8

MOTTO

„Es gibt nur eine FG 1.“

4

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

Mut zum Experiment

94


Filmgestaltung 2 /

Animation

1

STUDIENKOORDINATION

Martin Schmidt & Verena Fels

2

PROJEKTBETREUUNG

Martin Schmidt & Verena Fels

3

LEITENDE DOZIERENDE

Martin Schmidt & Verena Fels

6

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

Im Zentrum der FG 2 / Animation

steht die Gestaltung eines eigenen

Projektes. Innerhalb von 16

Wochen haben die Studierenden

die Möglichkeit, kurze Animationsfilme,

Games und Mixed-Media-Formate

in künstlerischer

Eigenverantwortung zu realisieren.

Bei der Themenwahl haben die

Studierenden alle Freiheiten

( je persönlicher, desto besser).

8

MYTH BUSTING: WAS LERNT

MAN HIER NICHT?

Arbeiten in einer

technikorientierten

Produktionsumgebung.

9

ONE COOL FACT ABOUT...

Viele filmische Versuche, die

zunächst als gescheitert betrachtet

wurden, haben am Ende große

Erfolge gefeiert.

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

Maximal 8 pro Semester

5

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

Die Studierenden der FG 2 /

Animation haben Lust, sich auszuprobieren,

sind neugierig, ihren

eigenen Blickwinkel zu erweitern,

haben den Mut, Wagnisse einzugehen

und erkunden persönliche

Themen. Und nicht zu vergessen:

Sie haben Spaß an der Animation.

7

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

Erstellen von und arbeiten mit

dem Animatic.

Die technischen Ressourcen sind

in der FG 2 sehr begrenzt. Man

muss seine eigenen künstlerischen

Umsetzungswege finden, was

wiederum ein Gewinn ist.

10

MOTTO

Das filmische Experiment

steht im Mittelpunkt.

95


STECKBRIEF

Filmgestaltung 2 /

Neue Medien

1

PROJEKTBETREUUNG

David Spaeth

2

LEITENDE DOZIERENDE

Mike Robbins

David Spaeth

3

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

Ca. 12

4

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

Wichtig ist die Neugier auf

Erzählformen jenseits des klassischen

Kurzfilms – und die Lust am

Experiment.

5

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

Größtmögliche Freiheit bedeutet

meist auch größtmögliche

Unsicherheit – wenn ich tun kann,

was ich möchte, was will ich dann

eigentlich?

Die Filmgestaltung 2 ermöglicht

eine intensive Auseinandersetzung

mit dieser Kernfrage, die uns

Filmemacher*innen immer

begleiten wird.

6

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

In der Filmgestaltung bekommen

die Studierenden einen Einblick

in Erzählweisen jenseits des

klassischen Kurzfilms, mit starkem

Fokus auf Neuen Medien. Vor

allem aber geht es um die Annäherung

vom Inhalt her an eine zu

Beginn noch völlig undefinierte,

für diesen Inhalt passsende Form.

7

MYTH BUSTING: WAS LERNT

MAN HIER NICHT?

Filmgestaltung 1 und Filmgestaltung

2 teilen zwar denselben

Grundgedanken – in der

Ausführung ist die FG2 aber kein

klassisches Sequel.

8

ONE COOL FACT ABOUT...

Am Ende des Semesters werden

alle Projekte auf zwei Weisen

präsentiert:

- in einer für die Kinoleinwand

erarbeiteten Form

- in einen VR-Space eingebettet

9

MOTTO

Possibility is the mother of

invention

96


ALUMNI IM FOKUS

97


ALUMNI IM FOKUS

98


„Jeder neue Film weckt in mir eine

andere klangliche Idee“

Im Gespräch mit John Gürtler

DER GROSSE ÜBERRASCHUNGSERFOLG

DER VERGANGENEN MONATE IM KINO

UND AUF FESTIVALS WAR DER DEBÜTFILM

„SYSTEMSPRENGER”. EIN ERFOLGSGARANT

WAR DER MUSKIKALISCHE SCORE VON

FABW-ABSOLVENT JOHN GÜRTLER, FÜR

DEN ER IN DIESEM JAHR MIT DEM EUROPÄ-

ISCHEN FILMPREIS AUSGEZEICHNET WUR-

DE UND FÜR DEN DEUTSCHEN FILMPREIS

NOMINIERT WAR. IM INTERVIEW GIBT ER

EINBLICKE IN SEINEN WERDEGANG UND

SEINE ARBEIT.

LIEBER JOHN, DIE ERSTE FRAGE MUSS IN DIESEN

TAGEN NATÜRLICH LAUTEN: GEHT ES DIR GUT?

Danke, es geht mir gut.

überreicht wurde ich eine Dankesrede halten durfte. Das

war ein sehr intimer Moment zusammen mit allen Nominierten

des Jahres und die Stimmung war hoffnungsvoll

und sehr kollegial.

WELCHE AUSWIRKUNGEN DER CORONA-KRISE

SPÜRST DU FÜR DEINE EIGENE ARBEIT UND FÜR

DAS VON DIR MITBEGRÜNDETE BERLINER STUDIO

PARADOX PARADISE?

In erster Linie ist es bei uns durch Corona zu einigen

Unterbrechungen und Verschiebungen gekommen und

ich freue mich und hoffe, dass bald wieder normal gedreht

und produziert werden kann!

KOMMEN WIR ZU ERFREULICHEREN THEMEN.

ALS DU DEN EUROPÄISCHEN FILMPREIS FÜR

„SYSTEMSPRENGER” GEWONNEN HAST, GAB ES

JA NOCH KLASSISCHE PREISVERLEIHUNGEN MIT

GALA UND PUBLIKUM. ERZÄHL UNS DOCH MAL

VON DEINEN EINDRÜCKEN.

Am schönsten war die Einladung ins Rote Rathaus in

Berlin am Vorabend der Verleihung, wo mir zusammen

mit Kamera, Schnitt, Kostüm, Maske und Sound

der Preis von Agnieszka Holland und Wim Wenders

HAST DU INTERNATIONALE FILMGRÖSSEN GE-

TROFFEN UND KONNTEST DU WERTVOLLE KON-

TAKTE KNÜPFEN?

Es war schon verrückt, zusammen mit Juliette Binoche

und Tom Tykwer im Backstage zu sein und ich habe kurz

mit Werner Herzog gesprochen, einem meiner großen

Regiehelden! Der Preis an sich hat mehr Aufmerksamkeit

für unsere Arbeit erzeugt und zu neuen Kontakten

geführt, über die ich mich sehr freue.

AB WELCHEM PROJEKTSTADIUM WARST DU BEI

„SYSTEMSPRENGER” INVOLVIERT?

Bei SYSTEMSPRENGER bin ich schon vor dem Dreh

in die Musik eingestiegen. Wenn mir ein Projekt wirklich

wichtig ist, setze ich mich immer dafür ein, so früh

wie möglich involviert zu werden, um Ideen über einen

längeren Zeitraum entwickeln zu können. Ich mag es

nicht, einen Picture Lock zu erhalten, der schon komplett

mit Musik unterlegt ist. In der Regel fällt es den

99


ALUMNI IM FOKUS

Filmemachern nach einem längeren Schnittprozess

schwer, sich von der vorläufig verwendeten „temp“-Musik

zu lösen. Bei SYSTEMSPRENGER haben wir die

komplette „temp“-Musik des ersten Rohschnitts ignoriert

und haben nur mit neu komponierter Musik gearbeitet.

WIE LIEF DIE ARBEIT AB? HAST DU DEN SCORE

WEITGEHEND ALLEIN ENTWICKELT ODER GAB ES

EINEN REGELMÄSSIGEN AUSTAUSCH MIT DER RE-

GISSEURIN UND AUTORIN NORA FINGSCHEIDT?

Ideen können emotional intuitiv aus dem Buch, den Protagonist*innen

und deren Umwelt entstehen. Das Drehbuch

ist sehr emotional und ich habe zuerst einen Song

geschrieben („1,2,3“), um meine Eindrücke zu kanalisieren.

Dieser Song ist gar nicht im Film gelandet, umfasst

aber meine Empathie mit der kindlich-tragischen Figur

Benni. Parallel dazu bin ich mit dem Multiinstrumentalisten

John Schröder ins Studio gegangen und habe

mit Improvisationskonzepten wilde Drums aufgenommen.

John kommt aus einem musikalischen Umfeld,

vergleichbar mit dem aus STEP ACROSS THE BORDER

und hat (mit über 50 Jahren) eine ähnliche ausbruchartige

Energie beim Improvisieren wie Benni im Film. Das

waren also die ersten freien und assoziativen Musikstücke,

die ich für SYSTEMSPRENGER produziert habe.

den Score regelmäßig mitten im Takt hart abzuschneiden

und den Zuschauer somit ohne einen „emotionalen

Verarbeitungszeitraum“ in die nächste Szene zu katapultieren.

DU HAST BEREITS WÄHREND DES STUDIUMS AN

DER FILMAKADEMIE DREI FILME MIT NORA REALI-

SIERT. VERSTEHT IHR EUCH MITTLERWEILE FAST

OHNE WORTE?

Es ist schön, wenn man sich gut kennt und mit wenigen

Worten kommunizieren kann! Doch Nora kann sich

auch sehr präzise ausdrücken und hat in allen Bereichen

der Produktion konkrete Vorstellungen. Am wichtigsten

sind, denke ich, das Vertrauen, eine gemeinsame Offenheit

für neue Ideen sowie die Suche danach, wie man etwas,

das schon gut funktioniert, noch stärker oder individueller

gestalten kann.

ZU DEINEN JÜNGSTEN FILMEN ZÄHLEN „KIDS

RUN” VON BARBARA OTT, „A PURE PLACE” VON

NIKIAS CHRYSSOS UND „SPACE DOGS” VON ELSA

KREMSER UND LEVIN PETER. ALLE SIND EBEN-

FALLS LUDWIGSBURGER ALUMNI. HAST DU SO

ETWAS WIE EIN FILMAKADEMIE-NETZWERK, DAS

DIR AUCH BERUFLICH DABEI HILFT, NEUE PRO-

JEKTE ZU FINDEN?

BEI „SYSTEMPSRENGER” GEHEN SCORE UND

SOURCE MUSIC FAST FLIESSEND INEINANDER

ÜBER. WIE HABT IHR DAS GEMACHT?

Es gab zwei zentrale Stücke, die am Set gebraucht wurden

und schlussendlich den Sound des Scores stark mitgeprägt

haben. Einmal die Musik, die der Erzieher Micha

in seinem Auto anmacht, wenn er mit Benni für zwei

Wochen in den Wald fährt. Benni hält sich die Ohren zu

und schreit „Kack-Musik!!!“ Dieser schnelle und treibende

Rhythmus findet sich leitmotivisch in unterschiedlicher

Instrumentierung im ganzen Score wieder.

Das Geräuschhafte und die experimentellen Aufnahmetechniken

und Verzerrungen ermöglichten uns, den

Score fließend in die Welt des Sounds von kaum wahrnehmbar

bis impulsiv-brachial zu integrieren.

Die entscheidende Phase bewegte sich parallel zum

(Fein)Schnitt. Nora ist oft nach langen Schnitttagen ins

Studio gekommen und wir haben entweder sehr präzise

zum Bild gearbeitet oder uns lange über die Funktion

und Emotion des Scores unterhalten. Gemeinsam

mit Stephan Bechinger (Schnitt) hatten wir die Idee,

100

Die Zeit an der Filmakademie war auf Grund des Aufbaustudiums

ziemlich kurz (2 Jahre). Viele der Regisseur*innen,

mit denen wir arbeiten, haben an der Filmakademie

studiert, doch kennengelernt haben wir sie

teilweise erst Jahre später, wie im Falle von Barbara und

Nikias. Das Netzwerk, welches mir ermöglicht, als Filmmusikkomponist

zu arbeiten, hat auf jeden Fall seinen

Ursprung an der Filmakademie gefunden.

WIE FÄLLT DEIN FAZIT DEINES FILMMUSIK-

STUDIUMS AN DER FILMAKADEMIE AUS?

An der Filmakademie zu studieren, ist eine der wichtigsten

Entscheidungen, die ich je getroffen habe. Auch

wenn die Zeit kurz war, habe ich viel lernen können:

Unterricht und praktische Erfahrung sind dabei gleichermaßen

wichtig.

Prof. Matthias Raue (Leitender Dozent der Abt. Filmmusik,

Anm. d. Red.) hat viel kreativen Raum gelassen, uns wurde

nicht vorgeschrieben, wie wir zu komponieren haben, und

das hat mir sehr gefallen. Vor allem aber habe ich in der

Zeit ein paar enge Freundschaften und Kontakte geknüpft.


VERLIEF DER EINSTIEG INS BERUFSLEBEN OHNE

GRÖSSERE BRÜCHE ODER RÜCKSCHLÄGE?

Ich vermute, dass es eher die Ausnahme ist, gleich vom

Studium in etwas wie ein „geregeltes freiberufliches Leben“

einsteigen zu können! Es bedarf einer Aufbau- und

Gründungsphase und man muss damit rechnen, erstmal

fast alle Aufträge anzunehmen. In meinem Fall waren

das vorwiegend Imagefilme, Sound Branding, Unterricht

und Studioproduktion. Ich bin dankbar für diese Jobs

und habe mich trotzdem nach außen immer soweit wie

möglich nur mit dem repräsentiert, was mich wirklich

interessiert, mit dem, was ich wirklich machen wollte.

DU UNTERRICHTEST SEIT 5 JAHREN AN DER

FILMAKADEMIE IM FACH FILMGESTALTUNG 1 VON

PROF. JOCHEN KUHN UND AN DER HSD DÜSSEL-

DORF...

Die „FG1“ war für mich als Student ein wichtiges Kapitel,

weil dort im kurzen Format die reine Kreativität

gefördert wird! Das Seminar wurde ins Leben gerufen,

um mehr über die Kommunikation zwischen Filmemacher*innen,

Tongestaltenden und Komponist*innen zu

sprechen. In meinem Seminar „Musik und Sound im

künstlerisch-experimentellen Film“ geht es mir aber

auch darum, den Studierenden die Ohren zu öffnen für

die teils noch unterrepräsentierten kreativen und dramaturgischen

Möglichkeiten, die Sound und Musik einem

Film bieten können.

vielfältige Interesse an musikalischen Genres, Musikproduktion

und die Liebe zum Film war der Weg zur Filmmusik

ein ganz natürlicher. Bei einer guten Filmmusik

sind mir die kompositorischen und klangästhetischen

Anteile gleichbedeutend.

BARRY, WILLIAMS, MORRICONE, NEWTON

HOWARD, GOLDSMITH…DIE LISTE GROSSER FILM-

KOMPONISTEN IST LANG. WER SIND DEINE FAVO-

RITEN UND WER HAT DICH AM MEISTEN IN DEI-

NER EIGENEN ARBEIT BEEINFLUSST?

Aus dieser Liste sicher John Barry und Ennio Morricone,

und an Williams kommt niemand vorbei! Als Kind

liefen bei meiner Mutter die Soundtracks von JENSEITS

VON AFRIKA, ES WAR EINMAL IN AMERIKA nebst

Beatles und Beethoven rauf und runter. Die Filmmusik

von Bernard Herrmann, Pierre Jansen, Wendy Carlos,

Ryuichi Sakamoto, Jonny Greenwood, The Can, Cristobal

Tapia de Veer u.v.m. begeistert mich, doch es ist

selten Filmmusik, die neue Filmmusik inspiriert. Vielmehr

suche ich nach Musik, die mir noch unbekannt ist

und emotional oder klanglich etwas bei mir auslöst (diese

stammt oft aus den späten 1960ern).

Jeder neue Film weckt in mir eine andere klangliche

Idee und diese fällt von Film zu Film sehr unterschiedlich

aus. Somit bleibt die Arbeit auch von Projekt zu Projekt

extrem spannend.

DU HAST VOR DEINEM STUDIUM IN LUDWIGSBURG

IN BERLIN SAXOPHON STUDIERT. EINIGE FILM-

KOMPONISTEN WIE JOHN BARRY KAMEN AUCH

VOM JAZZ. ALS LAIE WÜRDE MAN ERSTMAL AN-

NEHMEN, DASS ES EIN RECHT GROSSER SPRUNG

VOM JAZZ ZUR FILMMUSIK IST?

Ich habe am ersten Tag meines Jazzstudiums an der Berliner

UdK schon gewusst, dass es mich woanders hinzieht.

Prof. Jerry Granelli (kurzzeitig Drummer der Band

The Grateful Dead) hat das Fenster geöffnet und uns 5

Minuten stillsitzen und unsere Umgebung akustisch erfahren

lassen. Jazz sei nur ein kleines Stück des „riesigen

Kuchens“ der klingenden Welt. Mein Interesse

an Songs, improvisierter, elektronischer, experimenteller

und zeitgenössischer Musik ließ sich kaum auf mein

Hauptinstrument Saxofon übertragen. Ich habe sehr viel

Klavier gespielt, komponiert und 2005 mein erstes Studio

mit Kollegen in Berlin Wedding aufgebaut. Über das

AM 9.10. ERSCHEINT JOHN GÜRTLERS ALBUM

"EIGENLICHT" DIGITAL UND AUF VINYL BEI

COUNTERCHANGE RECORDINGS.

101


STECKBRIEF

Filmmusik

1

PROJEKTBETREUUNG

Andreas Fuchs

2

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Matthias Raue

3

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

4

4

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

Mindestens Bachelor oder Vordiplom

in einem musikalischen

Studiengang

5

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

Der praktische Aspekt der

Ausbildung bietet Möglichkeiten,

die ihr nur hier findet: Orchesteraufnahmen

mit dem Filmorchester

Babelsberg, ein Orchesterworkshop,

Aufnahmen mit Small- und

Bigband und ein Tonstudio, in

dem ihr Musik aufnehmen könnt,

soviel ihr wollt. Außerdem ist der

Campus perfekt für Networking, da

eure Kommiliton*innen nach dem

Studium gute Jobs in der Filmwirtschaft

haben.

6

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

Ganz viel Learning By Doing – Ihr

macht von Anfang an Musik für

Filme. Die Theorie ist dabei immer

auch projektbezogen: Filmkomposition,

-dramaturgie, Harmonielehre,

TV-Scoring, Filmmusik-Orchestration,

Dirigat, Musikrecht,

Pop-Producing, künstlerische

Filmmusik-Praxis und vieles mehr.

7

MYTH BUSTING: WAS LERNT

MAN HIER NICHT?

Instrumental-Unterricht gibt es

bei uns nicht. Den habt ihr in der

Regel auch in eurem vorangegangenen

Studium gehabt.

8

ONE COOL FACT ABOUT...

Im Orchester-Workshop dürft ihr

selbst dirigieren.

9

MOTTO

Ausgezeichnete Filmmusik entsteht

durch gute Kommunikation und

Entwicklung einer persönlichen

Filmmusik-Sprache.

102


Filmton /

Sounddesign

1

STUDIENKOORDINATION

Florian Dittrich

2

PROJEKTBETREUUNG

Tobias Scherer

3

LEITENDE DOZIERENDE

Ed Cantù

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

7

6

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

Arbeitsumgebung, wie man sie

auch in der freien Wirtschaft

findet; die Möglichkeit, sich an

allen verschiedenen Genres zu

versuchen, wie: Animations-,

Dokumentar-, Fernsehfilm,

Szenischer Film etc.

7

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

Den Entstehungsprozess der

verschiedenen Tonebenen beim

Film und darüber hinaus (Game

Audio)

8

MYTH BUSTING: WAS LERNT

MAN HIER NICHT?

Schlafen, sich langweilen

9

ONE COOL FACT ABOUT...

Der Ton macht MINDESTENS 50%

des Films aus!

10

MOTTO

Hauptsache FETT! ;)

5

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

Passion für guten Sound, technisches

Verständnis, flüssigen

Umgang mit DAWs, Kenntnisse

über die verschiedenen Gewerke

beim Film

103


STECKBRIEF

Montage/Schnitt

1

STUDIENKOORDINATION

Silke Regele

2

PROJEKTBETREUUNG

Bastian Mattes

3

LEITENDE DOZIERENDE

Gisela Castronari-Jaensch

Prof. Jens Klüber

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

6-8

6

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

Nirgendwo sonst hat man die

Chance, an so vielen unterschiedlichen

Projekten mit technischem

Equipment auf höchstem Niveau

und mit so vielen unterschiedlichen

Dozent*innen aus der

Branche zu arbeiten.

7

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

Bearbeitung kompletter Workflows

von der Projektvorbereitung bis

zur finalen Abnahme. Montagetheorie

und praktisches Schneiden.

Umgang mit allen Departments

und unterschiedlichsten Menschen.

8

MYTH BUSTING: WAS LERNT

MAN HIER NICHT?

Wie man sich langweilt.

9

ONE COOL FACT ABOUT...

Jedes Studienjahr warten über

100 studentische Projekte darauf,

montiert zu werden.

10

MOTTO

Ein narratives Spiel

mit Raum und Zeit.

5

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

Offenheit für viele verschiedene

Themen und Menschen, Experimentierfreudigkeit,

Neugier und

viel Sitzfleisch.

106


Poster

FinalFinal

Motion

Design

1

STUDIENKOORDINATION

Jürgen Klozenbücher

2

PROJEKTBETREUUNG

Jürgen Klozenbücher

3

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Dr. Heike Sperling

Alexander Hanowski

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

5

5

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

Voraussetzung für die Bewerbung

ist ein abgeschlossenes Bachelorstudium

im Bereich Gestaltung,

Design bzw. einem vergleichbaren

Studium.

6

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

Die Filmakademie bietet als einzige

Hochschule in Deutschland die

Möglichkeit, in einem hochkarätig

besetzten Netzwerk aus Lehrenden

und Studierenden Motion Design

zu studieren.

Die technische Ausstattung sowie

der Pool an Lehrenden sind auf

höchstem internationalem Niveau.

7

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

Natürlich in erster Linie Motion

Design und alles, was dazu

gehört - von der Konzeption und

Recherche über die Führung der

Auftraggeber*innen einschließlich

Präsentationstechniken bis hin

zur professionellen Umsetzung in

Teams aus Spezialist*innen. Transund

Interdisziplinarität bilden den

Kern des Motion Design-Studiums

an der Filmakademie.

Cyber

Motion Design

19/20

Cyber

T

8

MYTH BUSTING: WAS LERNT

MAN HIER NICHT?

Rocket Science

9

ONE COOL FACT ABOUT...

Genau wie z.B. Filmmusik und

Sounddesign kooperieren wir

als Motion Designer*innen

mit allen anderen Abteilungen

der Filmakademie. So entsteht

schon während des Studiums

ein weitläufiges, profundes

Netzwerk, das den Studierenden

ihren Einstieg in das Berufsleben

bzw. die Unternehmensgründung

deutlich erleichtert. Ein weiteres

Highlight: Wir besuchen einmal im

Jahr nationale und internationale

Medienagenturen auf unserer

Exkursion in Metropolen wie

London, Amsterdam, Berlin und

Kopenhagen.

10

MOTTO

Motion Design löst Probleme!

1.

2.

3. Hardcore!

CyberCyber

– Immer weiter,

immer hyper!

www.filmakademie.de/motiondesign

107


SPOTLIGHT: DIVERSITÄT UND GLEICHSSTELLUNG

GEMEINSAM FÜR MEHR

GENDER-GERECHTIGKEIT

CONSTANZE BÜHNER IST NEUE GLEICHSTELLUNGSBEAUFTRAGTE

DER STUDIERENDEN

Im Februar 2018 wurde von der

Deutschen Film- und Fernsehakademie

Berlin, der Filmuniversität

Babelsberg Konrad Wolf,

der Hochschule für Film und Fernsehen

München, der internationalen

Filmschule Köln, der Kunsthochschule

für Medien Köln und

der Filmakademie Baden-Württemberg

eine Initiative gegründet, die

sich mit den Zielen positioniert hat,

ein Bewusstsein für die Geschlechterdarstellung

im Film zu schaffen,

Frauen für das Filmbusiness stark

zu machen, der Null-Toleranz-Maxime

im Umgang mit sexualisierter

Gewalt und jeglicher Form von Diskriminierung

verpflichtet zu sein

und in den Hochschulen zu signalisieren:

Hier wird geschlechtergerecht

gedacht und gearbeitet.

Die Erklärung „Gemeinsam für

Gender-Gerechtigkeit“ der sechs

Filmhochschulen vom Februar

2018 beinhaltet unter anderem einen

selbstverpflichtenden 15-Punkte-Plan,

der sich die Erhöhung des

Frauenanteils in Dozierenden- und

Studierendenschaft ebenso zum

Ziel setzt wie die kritische Reflexion

bestehender Rollenbilder sowie

die Aufnahme und Vertiefung

von Lehrveranstaltungen zur studiengangübergreifenden

Vermittlung

von Genderkompetenz.

108

GENDER IN PROGRESS: SEMI-

NARE, WORKSHOPS UND CO.

Daraufhin wurde an der Filmakademie

das akademieeigene Programm

„Gender in Progress“ gegründet. Angelika

Niermann, von 2018 bis 2020

Gleichstellungsbeauftragte der Studierendenschaft,

konzipierte in Zusammenarbeit

mit Studienleitung

und Geschäftsführung ein vielfältiges

Angebot an sich ergänzenden

Workshops, Coachings, Seminaren,

Vorträgen und Podiumsdiskussionen

zum Thema Gendergerechtigkeit,

das stetig erweitert wird.

Die Teilnahme hierzu ist allen Studierenden

- und nach Absprache

auch Mitarbeiter*innen - offen. Bereiche

wie Personal Branding, Führungstraining

und Verhandlungstechniken

werden in Workshops

ebenso behandelt wie Konfliktmanagement

oder die Untersuchung

der eigenen „unconscious bias“ =

unbewusster Vorurteile. Coaches

und Expert*innen aus der Branche

berichten von ihren eigenen Erfahrungen

zum Thema Gendergerechtigkeit

und geben Hilfestellungen,

um dem „Gender Gap“ entgegenzuwirken.

Denn Gleichberechtigung

bedeutet nicht, dass jemand Privilegien

aufgeben muss oder dass jede

Disziplin zwingend paritätisch besetzt

sein muss - es bedeutet, dass

jede Person die gleichen Chancen

haben soll.

Für Studierende, Dozierende und

die Belegschaft der Filmakademie

sind alle Veranstaltungen des Programms

„Gender in Progress“ im

Lehre-Online-Kalender „Gender in

Progress“ abonnierbar. Koordiniert

wird das Programm von der Studienleiterin

Raphaela Deininger.

NEUE GLEICHSTELLUNGSBEAUF-

TRAGTE DER STUDIERENDEN

Seit August 2020 ist Constanze

Bühner die Gleichstellungsbeauftragte

für die Studierendenschaft

von Filmakademie und Animationsinstitut

der Filmakademie.

Angelika Niermann gibt damit ihr

Amt als Gleichstellungsbeauftragte

für die Studierendenschaft ab. „Als

Gleichstellungsbeauftragte für die

Studierendenschaft ist es wichtig,

dass man am Campus präsent und

gut vernetzt ist, um auf Fragen

und Anliegen der Studierenden

eingehen zu können. Ich freue

mich, dass Constanze dieses Amt

und die Aufgabe übernommen

hat.“ Angelika Niermann bleibt der

Filmakademie und ihrem Animationsinstitut

aber als Coach und

Dozentin erhalten.


LIEBE CONSTANZE, SEIT AU-

1. GUST BIST DU DIE GLEICH-

STELLUNGSBEAUFTRAGTE FÜR

DIE

STUDIERENDENSCHAFT.

WELCHE AUFGABE ÜBER-

NIMMST DU DAMIT UND IN

WELCHEN FÄLLEN BIST DU DA-

MIT DIE RICHTIGE ANSPRECH-

PARTNERIN FÜR ALLE STUDIE-

RENDEN?

Unter Gleichstellung versteht man

per Definition „Maßnahmen der

Angleichung der Lebenssituation

von im Prinzip gleichberechtigten

heterogenen Bevölkerungsgruppen

(zum Beispiel Männer und Frauen).“

Unter Gleichbehandlung versteht

man Maßnahmen zur Angleichung

benachteiligter

gesellschaftlicher

Gruppen (Menschen mit Behinderung,

Menschen mit Erkrankung,

Menschen mit Migrationshintergrund,

Kinder bildungsferner Eltern)

in allen Lebensbereichen (auch

nachzulesen unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichstellung).

Den hier genannten Definitionen

folgend, sehe ich mich als

Ansprechpartnerin in allen Fällen,

die entweder in die Kategorie

Gleichstellung oder Gleichbehandlung

fallen. Auch bei Unsicherheiten

kann man mich gerne ansprechen.

Ich finde es besser, ihr sucht

früher als später das Gespräch, damit

wir gemeinsam eine Lösung

finden können.

IN DEN VERGANGENEN

2. ZWEI JAHREN WAR AN-

GELIKA NIERMANN GLEICH-

STELLUNGSBEAUFTRAGTE

STUDIERENDENSCHAFT

DER

UND

DU BEREITS MITGLIED IM GEN-

DER-IN-PROGRESS-TEAM. WEL-

CHE ERFAHRUNGEN HABT IHR

HIERBEI GESAMMELT UND WAS

HAT SICH IN DIESER ZEIT IM

BEREICH GENDER UND GLEICH-

STELLUNG AN DER FILMAKADE-

MIE GETAN?

Meinem Empfinden nach hat sich

Einiges getan: es gibt Lehrveranstaltungen

zu dem Thema, wir achten

auf eine gendersensible Sprache

und es gibt ein Bewusstsein dafür,

dass Gleichstellung und Gleichbehandlung

ein wichtiges Thema

sind. Dennoch denke ich, dass wir

erst am Anfang des Weges stehen.

WO SIEHST DU IN DER ME-

3. DIENBRANCHE BZGL. GEN-

DER UND GLEICHSTELLUNG

DEN GRÖSSTEN HANDLUNGS-

BEDARF?

Bedarf sehe ich vor allem bei der

Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Dies betrifft jedoch nicht nur

die Medienbranche, sondern ist ein

gesamtgesellschaftliches Thema.

WIE KÖNNEN STUDIEREN-

4. DE DICH ALS GLEICHSTEL-

LUNGSBEAUFTRAGTE KONTAK-

TIEREN?

Am besten per E-Mail oder Telefon:

constanze.buehner@filmakademie.de

oder 07141 – 969 82 851

DREI FRAGEN ZU „GENDER IN PROGRESS“

DIE STUDIERENDEN HENRIKE SOMMER (FILMMUSIK/SOUNDDESIGN)

UND ADRIAN STEUER (PRODUKTION) BERICHTEN VON IHREN

BISHERIGEN ERFAHRUNGEN MIT DEM PROGRAMM.

LIEBE HENRIKE, LIEBER

1. ADRIAN, IHR HABT BE-

REITS AN VERSCHIEDENEN SE-

MINAREN UND WORKSHOPS

VON „GENDER IN PROGRESS“

TEILGENOMMEN. WELCHE THE-

MEN WURDEN BEHANDELT UND

WAS HABT IHR AUS DIESEN

VERANSTALTUNGEN FÜR EUCH

MITGENOMMEN?

HENRIKE: In den Veranstaltungen

ging es um ganz unterschiedliche

Themen, von Feminismus über

Konfliktmanagement bis zu Personal

Branding und Verhandlungstechniken

war alles dabei. Da die

Seminare interdisziplinär sind, kamen

die Teilnehmenden aus allen

Fachrichtungen und manchmal

auch aus dem Kreis der Mitarbeitenden.

Mich haben diese Begegnungen

und der Austausch immer sehr bereichert.

In den Diskussionen habe

ich viel über mich selbst gelernt, reflektiert

und wertvolle Anregungen

bekommen.

ADRIAN: Mir ist besonders die

meistens erschreckend geringe Teilnehmendenzahl

aufgefallen. Es hat

mich besonders ob der Brisanz der

Genderthematik bzw. -ungleichheit

109


SPOTLIGHT: DIVERSITÄT UND GLEICHSSTELLUNG

erstaunt, wie wenige Studierende

sich dann letztlich doch Zeit für

diese Veranstaltungen nehmen. Ich

würde mich da im kommenden

Jahr über ein breiteres Spektrum an

Teilnehmenden freuen.

WELCHE VERANSTAL-

2. TUNG IST EUCH BESON-

DERS IM GEDÄCHTNIS GEBLIE-

BEN UND WARUM?

Henrike: Besonders lehrreich fand

ich ein mehrtägiges Seminar zum

Thema „Kommunikation, Führung

und Konfliktmanagement“. Wir alle

haben immer wieder mit Konflikten

zu tun, sei es im beruflichen

oder privaten Umfeld. In dem Seminar

haben wir besprochen, welche

Kommunikationswege es gibt,

wie Konflikte frühzeitig erkannt

werden können und welche unterschiedlichen

Strategien es im Umgang

mit Konflikten gibt. Das Seminar

hat mir in vielerlei Hinsicht die

Augen geöffnet, zum Beispiel, dass

ein Konflikt nicht immer zwischen

zwei Menschen gleichermaßen besteht.

Seitdem frage ich mich immer:

Ist das ein Problem, das ich

mit einer Person oder Sache habe

oder beruht das auf Gegenseitigkeit?

ADRIAN: Ich empfand den Anti-Bias-Workshop

(bei Selena Dolderer

und Julia Schlingmann, Anm.

d. Redaktion) als sehr bereichernd

und würde mir wünschen, er würde

künftig als Pflichtveranstaltung

für alle Studierenden vorgeschrieben.

Es ist, auch wenn es manchmal

vielleicht unbequem ist, absolut

notwendig, sich mit den eigenen

Privilegien

auseinanderzusetzen,

sich zum Beispiel damit zu beschäftigen,

wie man sozialisiert wurde

oder wo man aufgewachsen ist und

welche Vorteile man dadurch genießt

– und vielleicht auch, wie

man diese einsetzen kann. Mir hat

der Workshop einige Techniken an

die Hand gegeben und mich auch

nochmal dran erinnert, dass Privilegien

in unserer Gesellschaft nicht

nur von Geschlecht und Hautfarbe

abhängen.

3.

INWIEFERN KÖNNEN

EURER

EINSCHÄTZUNG

NACH DAS WISSEN UND DIE ER-

FAHRUNGEN AUS DIESEN SEMI-

NAREN UND WORKSHOPS AUCH

FÜR DIE ARBEIT IN DER FILM-

UND MEDIENBRANCHE HILF-

REICH SEIN?

HENRIKE: Ich bin der Meinung,

dass die Inhalte aus den Seminaren

in vielen Situationen hilfreich

sind. Ein wiederkehrendes Thema

war z.B. das Thema Kommunikation.

Das spielt selbstverständlich

auch in der Film- und Medienbranche

eine große Rolle. Jede*r von uns

muss ständig alles Mögliche kommunizieren,

darüber kann man gar

nicht genug lernen. Aber auch Verhandlungstaktiken

und das Wissen

um die verschiedenen Arten

von Führungsstilen finde ich super

hilfreich. Mir ist bewusst, dass man

nach dem Studium für solche Seminare

viel Geld hinlegen muss. Umso

mehr freut es mich, dass es diese

Angebote für uns an der Filmakademie

gibt.

ADRIAN: Wichtig ist meines Erachtens

nach, dass wir uns als

Filme machende der Verantwortung

bewusst sind, die wir auf zwei Seiten

tragen: Einmal vor der Kamera,

sprich: bei der Stoffentwicklung darauf

zu achten, dass mit Stereotypen

gebrochen wird oder dass man die

Charaktere möglichst divers besetzt

- und andererseits auch hinter der

Kamera. Wir müssen uns bewusst

machen, dass Frauen in den meisten

Gewerken immer noch unterrepräsentiert

sind und dass wir alle

an diesem Ungleichgewicht arbeiten

müssen. Deshalb stelle ich mir

auch jetzt noch häufiger die Frage

nach Diversität bei der Besetzung

meiner Drehteams.

110


DIE GLEICHSTELLUNGSBEAUFTRAGTEN

FÜR DIE BELEGSCHAFT STELLEN SICH VOR

ANNE CHRISTINE KNOTH UND UTE HÄRTER

WELCHE PROJEKTE KONNTET

IHR IM VERGANGENEN JAHR

BEREITS UMSETZEN?

LIEBE ANNE CHRISTINE,

LIEBE UTE - SEIT JULI 2019

SEID IHR GEMEINSAM GLEICH-

STELLUNGSBEAUFTRAGTE

FÜR

DIE BELEGSCHAFT. WAS SIND

EURE AUFGABEN?

Als Gleichstellungsbeauftragte unterstützen

wir die Geschäftsleitung

bei der Durchsetzung der gebotenen

Chancengleichheit von Frauen und

Männern und bei der Beseitigung

bestehender Nachteile für Frauen.

Wir setzen uns aktiv für die Erhöhung

der Frauenanteile auf allen

Ebenen ein, in denen Frauen unterrepräsentiert

sind. Zudem wirken

wir auf eine bessere Vereinbarkeit

von Familie und Beruf für Frauen

und für Männer hin.

Wir unterstützen bei Personalangelegenheiten,

wie beim

Wiedereinstieg in den Beruf,

Fortbildungsmöglichkeiten oder

Beförderungswünschen. Außerdem

wirken wir bei Stellenausschreibungen

und -besetzungen beratend

mit. Beteiligt sind wir an personellen,

organisatorischen und sozialen

Maßnahmen der FABW, soweit diese

Auswirkungen auf die berufliche

Situation der weiblichen Beschäftigten

haben können.

Weiterhin sind wir neben der Personalabteilung

Ansprechpartnerinnen

für die Belegschaft bei Anträgen

auf familiengerechtes Arbeiten,

Teilzeitbeschäftigung oder Home

Office. Darüber hinaus sind wir Ansprechpartnerinnen

bei Diskriminierung,

sexueller Diskriminierung,

Machtmissbrauch, Mobbing, Stalking,

sexueller Belästigung und Gewalt.

Wir begleiten und beraten bei

Vorfällen dieser Art.

Wir haben uns zunächst vorrangig

mit der Etablierung des Amtes beschäftigt.

Unter anderem haben wir

Kolleg*innen im Rahmen von Runden

Tischen zu Themen befragt, die

sie am Arbeitsplatz beschäftigen.

Zur Einrichtung des Amtes gehört

auch die Förderung der Sichtbarkeit

im Haus und der Beginn eines Sensibilisierungsprozesses

für Themen

der Gleichstellung. Um dies zu erreichen,

beteiligen wir uns in Arbeitsgruppen,

Besprechungen und

Räten. Auch die Vernetzung intern

mit dem Betriebsrat und den anderen

Gleichstellungsbeauftragten gehören

dazu. Wir sind beratend eingebunden

in Ausschreibungs- und

Bewerbungsverfahren, um gezielt

weibliche Bewerbende in unterrepräsentierte

Bereiche und Leitungspositionen

zu bringen.

Im Herbst letzten Jahres haben wir

die Überarbeitung des Leitfadens

für gendersensible Sprache an der

FABW initiiert. Dieser wurde mit

dem Ziel eingeführt, eine flächendeckende

und einheitliche Verwendung

von gendersensibler Sprache

voranzutreiben. Die Website wurde

überarbeitet in Bezug auf eine gendergerechtere

Sprache und ebenso

wurde eine gendersensible visuelle

Überarbeitung angestoßen.

Im Dezember 2019 lud

die Film akademie hochschulintern

unter Beteiligung der

111


SPOTLIGHT: DIVERSITÄT UND GLEICHSSTELLUNG

Gleichstellungsbeauftragten zur

ersten außerordentlichen Klausurtagung

zum Thema Geschlechtergerechtigkeit

und Diversität

ein; ein Ziel war die Identifikation

der relevanten Themenschwerpunkte

für die kommende Evaluierung

der Lehre an der FABW im

Jahr 2020.

Die in der Gesellschaft vorherrschende

Diskussion zu Sexismus,

Gendersensibilität und Chancengleichheit

hat auch in den Ergebnissen

einer vom AStA initiierten

Umfrage niedergeschlagen. Aufgrund

der Dringlichkeit dieser

Themen wurden im Januar 2020

Arbeitskreise in Leben gerufen,

mit folgenden Aufgabenstellungen:

Erarbeiten einer „Richtlinie zum

Schutz vor Diskriminierung und

Übergriffen“ und zur „Erstellung

eines Gleichstellungsplans zur

Weiterentwicklung von Frauenförderplänen

bzw. Gleichstellungskonzepten“.

Zentrale Punkte des

Gleichstellungsplans sind die Abbildung

des Status Quo, die strukturelle

Etablierung der Gleichstellung

an der FABW, die daraus

resultierenden Ziele sowie konkrete

Maßnahmen wie u.a. die Erhöhung

der Zahl der weiblichen

Führungskräfte und weiblichen

Lehrenden, die Vereinbarkeit von

Familie und Beruf bzw. Lehre und

die geschlechterparitätische Besetzung

von Gremien.

Im Februar 2020 präsentierte

die Filmakademie ihre Aktivitäten

für Gender-Gerechtigkeit im

Rahmen eines Treffens der Filmhochschulen

auf der Berlinale, an

dessen Vorbereitung wir beteiligt

waren. Wir konnten die Veranstaltung

auch nutzen, um uns

mit den Gleichstellungsbeauftragten

der anderen deutschen

Filmhochschulen zu vernetzen.

Im März 2020 wurde die Richtlinie

zum Schutz vor Diskriminierung,

sexueller Diskriminierung,

Machtmissbrauch, Mobbing, Stalking,

sexueller Belästigung und

Gewalt vorgestellt, bei deren Ausarbeitung

wir unsere Vorstellungen

zu einer transparenten Vorgehensweise

einbringen konnten.

WELCHEN THEMEN WERDET

IHR EUCH IN DEN KOMMEN-

DEN MONATEN HAUPTSÄCH-

LICH WIDMEN?

In den kommenden Monaten sollen

die Fertigstellung des Gleichstellungsplans

und die sich aus

ihm ergebenden Maßnahmen im

Vordergrund stehen.

Wir möchten bereits angestoßene

Projekte wie Runde Tische, Fortund

Weiterbildungsmaßnahmen

zur Sensibilisierung für Gleichstellung

und Diskriminierung fortführen.

Außerdem planen wir, unsere

strukturelle Einbindung in Bewerbungsverfahren

von der Stellenplanung

bis hin zur Einstellung zu

verstärken.

Wir unterstützen die FABW begleitend

dabei, die jetzigen und zukünftigen

Herausforderungen zur

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

zu meistern.

WELCHE CHANCEN UND PER-

SPEKTIVEN SEHT IHR FÜR DIE

FILMAKADEMIE IN DEN KOM-

MENDEN JAHREN?

Langfristig stellen wir uns vor, ein

Gender-Kompetenzteam FABW

übergreifend aus Belegschaft, Dozierenden

und Studierenden aufzustellen,

das alle Maßnahmen in

Hinblick auf Gleichstellung und

Diversität überdenkt. Maßgeblich

verfolgen wir dabei Parität auf allen

Ebenen sowie das Aufbrechen

von Gender-Stereotypen und alten

Mustern.

WIE KANN MAN EUCH BEI EU-

RER ARBEIT UNTERSTÜTZEN?

Wir freuen uns über jede Ansprache

von Kolleg*innen, damit wir

auf Wünsche und Sorgen reagieren

können und ein besseres Gefühl

für die Belange der Belegschaft bekommen.

Durch den Austausch

mit Kolleg*innen wissen wir, dass

die vorrangigen Themen der Belegschaft

die folgenden sind:

das Zulassen einer Fehlerkultur,

Wertschätzung im Umgang miteinander,

eine klare Kommunikation

der Leitungsebenen, Abbau von

Vorurteilen, Bewusstseinsschaffung

für die Themen der Gleichstellung

und Chancengleichheit,

Schaffung von Begegnungsorten.

Wir freuen uns über jede Unterstützung

von Kolleg*innen, die mit

uns aktiv auf diesen kulturellen

Wandel hinwirken möchten.

112


STECKBRIEF

Produktion

1

STUDIENKOORDINATION

Tonyslav Tony Bozic

2

PROJEKTBETREUUNG

Wolfgang Kerber

3

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Gloria Burkert,

Prof. Christian Rohde

4

DOZIERENDE

Oliver Dressnandt, Felix Eisele,

Tobias Pausinger, Julia Wagner

6

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

Kreativität, Biss,

Interesse an der Welt.

7

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

Der Campus ermöglicht größtmöglichen

Fokus und das stärkste

Netzwerk.

8

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

Wie werde ich ein(e) starke Produzent*in

mit starker Persönlichkeit?

9

MYTH BUSTING: WAS LERNT

MAN HIER NICHT?

Rührei für 60 Personen zubereiten.

10

ONE COOL FACT ABOUT...

Den Studiengang Produktion

gibt es seit Gründung der

Filmakademie.

11

MOTTO

„Wer wenig denkt, der irrt viel.“

(Leonardo da Vinci)

5

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

15

114


Regie 2

Szenischer Film

Dokumentarfilm

Werbefilm

1

STUDIENKOORDINATION

Silke Harten-Preiss

2

PROJEKTBETREUUNG

Silke Harten-Preiss

3

LEITENDE DOZIERENDE

Szenischer Film:

Prof. Christian Wagner

Dokumentarfilm:

Prof. Michael Möller

Werbefilm:

Michael Rösel

6

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

Weil die Filmakademie

Baden-Württemberg wie kaum eine

andere Filmhochschule die enge

und gleichberechtigte Zusammenarbeit

aller Gewerke fördert

und fordert. Dies ist eine wichtige

Voraussetzung für den späteren

Erfolg im Berufsleben.

7

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

Das kreative Werkzeug, um die

eigene künstlerische Handschrift

zu entwickeln.

8

MYTH BUSTING: WAS LERNT

MAN HIER NICHT?

Wie man in Ludwigsburg korrekt

den Recycling-Müll trennt ;-)

9

ONE COOL FACT ABOUT...

…Recycling-Mülltrennung in

Ludwigsburg: es gibt „flach“ und

„rund“. Das hat aber nix mit der

Form des Mülls zu tun ;-)

10

MOTTO

Spätestens im zweiten Jahr fängt

man an, Ludwigsburg zu mögen.

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

15-18

5

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

Leidenschaft fürs

Geschichtenerzählen.

Neugierde.

Visuellen Gestaltungswillen.

Teamfähigkeit.

115


ALUMNI IM FOKUS

116


„WENN MAN FILM ERNST NIMMT,

IST ES IMMER PUNK.”

Im Gespräch mit Matthias Drescher, Absolvent Produktion

MATTHIAS DRESCHER HAT BIS 2004 PRO-

DUKTION AN DER FILMAKADEMIE

BADEN-WÜRTTEMBERG STUDIERT UND WAR

NACH SEINEM STUDIUM U.A. FÜR DIE 2006

GEDREHTE PROSIEBEN-FERNSEHSERIE „ALLES

AUSSER SEX” VERANTWORTLICH. DANACH

REALISIERTE ER MIT SEINER (GEMEINSAM MIT

FILMAKADEMIE-ALUMNUS PHILIPP KNAUSS)

2009 GEGRÜNDETEN FIRMA FFL FILM- UND

FERNSEHLABOR LUDWIGSBURG DIE FILMAKA-

DEMIE-PRODUKTIONEN „SCHULD SIND IMMER

DIE ANDEREN” UND „ETA HOFFMANNS DER

SANDMANN”. FÜR DAS VON JULIETTE ALFONSI

UND IHM GESCHRIEBENE DREHBUCH „DIE REISE

DES ELEFANTEN SOLIMAN” ERHIELT ER 2017

BEIM ITFS DEN DEUTSCHEN ANIMATIONSDREH-

BUCHPREIS. AKTUELL ARBEITET ER AN MEH-

REREN HISTORISCHEN FILMEN SOWIE EINIGEN

ANIMATIONSPROJEKTEN FÜR KINO UND TV. ER

IST SEIT 2013 MITGLIED DER JURY, DIE JÄHR-

LICH DIE CALIGARI-PREISE DES FÖRDERVER-

EINS DER FABW VERGIBT.

LIEBER MATTHIAS, KEIN GESPRÄCH KOMMT

MOMENTAN AM GROSSEN THEMA CORONA VOR-

BEI. WIE SIND DEINE ERFAHRUNGEN IN DER KRI-

SE?

Wie gut, dass ich eine Familie habe. Bei allen Vorteilen

des ungebundenen Daseins, die besonders in der

Filmbranche ausgeprägt sind, ist eine Krise, die einen

einsperrt, ohne nahe Vertraute und liebe Freunde nur

schlecht zu bewältigen. Wie alle war ich ab dem Frühjahr

2020 durch den Corona-Lockdown plötzlich gezwungen,

zuhause zu sein. Normalerweise arbeite ich

gerne und viel im Büro, treffe mich mit Kreativen oder

bin auf Veranstaltungen – vom MFG Jour Fixe in Stuttgart

bis zum Filmfest in Cannes. Stattdessen habe ich

viel Zeit mit meiner Frau und unseren beiden Teenager-Jungs

verbracht. Und das war ganz wunderbar. Man

besinnt sich auf das Wesentliche. Diese Zeit hat mir interessanterweise

Kraft und Muße gegeben.

WELCHE AUSWIRKUNGEN DER CORONA-KRISE

SPÜRST DU FÜR DEINE EIGENE ARBEIT UND DIE

VON DIR MITBEGRÜNDETE PRODUKTIONSFIRMA,

DAS FILM- UND FERNSEHLABOR LUDWIGSBURG

(FFL)?

Konkret mussten wir ein Junger-Dokumentarfilm-Projekt

(KASHKASH, Regie: Lea Najjar), das wir im Libanon

drehen wollten, einen Tag vor Drehbeginn im März

stoppen, weil die Pandemielage einen Dreh nicht mehr

zuließ. Die Kosten für den Produktionsstopp dieses vergleichsweise

kleinen Projekts betragen schnell mehrere

zehntausend Euro, da alle Vorkosten für Serviceproducer,

Protagonisten- und Motivrecherche, Crew, Anwalt, Versicherung

etc. schon ausgegeben wurden und man dieses

Geld nicht zurückholen kann.

Außerdem mussten wir einen für Herbst geplanten TV-

Film verschieben, da sich sowohl Stoffentwicklung als

auch Vorproduktion wegen massiver Unsicherheiten

117


ALUMNI IM FOKUS

STAATSMINISTERIN MONIKA GRÜTTERS HAT JA

EINEN FONDS VON 50 MILLIONEN EURO ANGE-

KÜNDIGT. IST DIESE HILFE AUS DEINER SICHT AN-

GEMESSEN? REICHT SIE AUS?

nicht mehr solide planen ließen. Das killt bei einer kleinen

Firma mit vier Leuten den sorgsam geplanten Jahres-Cashflow.

Gerade bin ich froh, dass es das Kurzarbeitergeld

gibt.

Ganz allgemein hat das Jahr für einen Produzenten feste

Termine und damit verbundene Stoffentwicklungsrhythmen.

Berlinale, Cartoon Movie, Filmmarkt Cannes,

Filmfest München, Annecy, Cartoon Forum, MIPCOM,

Les Arcs etc. – je nachdem, welche Projekte man gerade

vorantreibt, sollte man einige dieser Veranstaltungen

besuchen, Reisen und Hotels buchen und Meetings planen.

Das wurde von Corona komplett durcheinandergeworfen,

da bis Juli beinahe keine Reisen möglich waren.

Zoom-Meetings sind dafür kein dauerhafter Ersatz.

Erstens ist es super, dass es überhaupt einen Corona-Fonds

gibt.

Zweitens habe ich noch nie eine Zeit in der Branche erlebt,

in der genug Geld dagewesen wäre. Man arbeitet

immer mit beschränkten Mitteln.

Drittens klingen 50 Mille viel, sind aber bei einigen

Hundert Produktionsfirmen in Deutschland – darunter

Schwergewichte wie die Constantin oder die UFA – ein

Tropfen auf den heißen Stein.

Deshalb kommt es, viertens, auf das Wie des Geldeinsatzes

an. Investiert man es in Crew-Ausfallgagen, können

die Leute länger überleben, ohne sich einen neuen Job

in einer anderen Branche suchen zu müssen, und stehen

den wieder anlaufenden Produktionen zur Verfügung;

investiert man in Stoffentwicklung oder neue Vertriebsmodelle,

besteht die Chance auf zukünftige (Kassen)Erfolge

oder neue Erlösquellen.

WIE SIND DEINE ERFAHRUNGEN MIT DEN MEHR-

KOSTEN, DIE DURCH DIE CORONA-SICHERHEITS-

MASSNAHMEN AM SET ENTSTEHEN?

Man benötigt je nach Produktionsgröße ein bis zwei Hygienebeauftragte

am Set. Das sind zusätzliche Personalkosten.

Außerdem verzögern sich durch Fieber- und

Corona-Tests, ständiges Desinfizieren und Abstandhalten

die Arbeitsprozesse, was die ohnehin knappen Drehzeiten

verlängert, ohne dass der Tag mehr Stunden hat.

Man muss bzw. müsste also, um Vor-Corona-Qualität

herzustellen, mehr Drehtage planen. Zusätzlich gibt es

Auswirkungen von der Drehbuchentwicklung über die

Masken- und Kostüm-Departments bis hin zum Catering.

Es lässt sich schwer schätzen, aber ca. 5-10% Mehrkosten

sind es bestimmt.

118

BEKOMMT IHR AUCH UNTERSTÜTZUNG DURCH DIE

SENDER, VOR ALLEM IM HINBLICK AUF EINE AB-

SICHERUNG IM FALLE EINES ERNEUTEN AUSFALLS

DURCH EINE ZWEITE CORONA-WELLE?

Sowohl Filmakademie, MFG Filmförderung als auch

der SWR unterstützen uns beim abgebrochenen


Junger-Dokumentarfilm-Projekt sehr gut. Ich glaube,

wir müssen uns ohnehin auf einen Update-Zustand vorbereiten,

in dem die Hygieneanforderungen dauerhaft

erhöht sind. Finde ich gar nicht schlecht, denn von Recherchen

für historische Projekte weiß ich, dass mit jeder

neuen Hygienemaßnahme in der Vergangenheit die

allgemeine Lebenserwartung gestiegen ist. Die Einführung

der Kanalisation in den Städten oder des Kühlschranks

in den Haushalten brachten den Menschen

viele zusätzliche Lebensjahre. Wenn es jetzt Händewaschen

und Maskentragen sind, die uns länger leben lassen,

kommen wir vergleichsweise günstig davon.

WELCHE WEITEREN UNTERSTÜTZENDEN MASS-

NAHMEN WÜRDEST DU DIR VON DER POLITIK,

ABER AUCH VON DEN SENDERN WÜNSCHEN?

Das ist eine sehr grundsätzliche und komplexe Thematik.

Ich bin vorsichtig mit übermäßigen Forderungen insbesondere

an die Politik. Denn Kunst, Film, Serie und auch

Journalismus müssen frei sein. Die naturgemäß immer

vorhandenen finanziellen Abhängigkeiten von der Politik

sollten klein gehalten werden. Neben dem Erzählen

von gut gemachten Geschichten und breitenwirksamer

Unterhaltung ist ein gesundes und skeptisches Hinterfragen

des Ist-Zustandes nach meiner Meinung eine der

wichtigsten Funktionen von uns Geschichtenerzählern.

Und wir haben ja das beste Instrument überhaupt, Zustände

bis in die Extreme zu dehnen und über den Tellerrand

hinaus auszuleuchten: nämlich die Fiktion. Um

stark zu erzählen, egal ob Drama, Horror, Komödie oder

Romanze, muss man gedanklich frei und möglichst unabhängig

sein. Und es darf nicht passieren, dass die Rettungsmaßnahmen

zu einer stärkeren Abhängigkeit führen.

Aktuell habe ich aber das Gefühl, viele Film- und

Medienschaffende tendieren in die entgegengesetzte

Richtung.

explodiert. Ähnlich ist es mit den Ausspielwegen für Bewegtbild.

Es wird immer mehr geben, ohne dass die Alteingesessenen

des Platzes verwiesen werden. Das ZDF

beispielsweise konkurriert mit Netflix nicht in dem Maße,

wie es derzeit herbeigeredet wird, denn die Zielgruppen

sind gänzlich andere.

Kino allerdings hat ein Problem, wenn es nicht darauf

setzt, eine Sensation zu sein. Die Einzigartigkeit, einen

Film in einem großen, dunklen Raum mit perfektem

Ton und Bild ohne Ablenkung gemeinsam mit anderen

Menschen anzuschauen, muss herausgestellt werden.

Sitze, Leinwände, Projektionen müssen perfekt und gepflegt

sein. Nicht Massenabfertigung, sondern Luxuserlebnis

ist die Zukunft, glaube ich. Das rechtfertigt auch

Kinopreise von 15 oder 20 Euro. Jeder billige Filmgenuss

im Kino wird von Netflix & Co. bedroht. Übrigens ganz

unabhängig von Corona. Corona ist da nur ein Brandbeschleuniger.

STICHWORT VIDEO ON DEMAND. IN VIELEN FACH-

ZEITSCHRIFTEN IST BEREITS VON EINER ZEITEN-

WENDE DER FILMINDUSTRIE DIE REDE. SIEHST DU

DAS AUCH SO UND WIRD DIESE ENTWICKLUNG

WEG VOM KINO UND HIN ZUM STREAMINGDIENST

DURCH CORONA NOCH BEFÖRDERT?

Ein Blick zurück. Als ich Mitte der 90er Jahre beim Radio

angefangen habe, wurde noch auf Tonband geschnitten.

Es gab Kulturredakteure, die meinten damals, digitale

Produktionen würden sich nie durchsetzen. Das

Radioangebot über UKW, Streaming und DAB ist seitdem

WIE SIEHT DEINE PROGNOSE FÜR DIE ZUKUNFT

AUS? WAS SIND DEINE NÄCHSTEN PROJEKTE?

Mehr Sender, mehr Plattformen, mehr Ausspielwege.

Das ist doch schön. In der Firma konzentrieren wir uns

noch mehr auf die Entwicklung von außergewöhnlichen

Projekten. In unserem Fall sind das drei historische

Filmprojekte, zwei Animationsfilme und einige TV-Filme,

die wir mit hohem Entwicklungsaufwand vorantreiben

und zwischen 2021 und 2024 produzieren wollen.

Ich bin gespannt, was davon letztendlich klappt. Es ist

119


ALUMNI IM FOKUS

MATTHIAS DRESCHER UND JULIETTE ALFONSI NEHMEN BEIM ITFS 2017

DEN DT. ANIMATIONSDREHBUCHPREIS ENTGEGEN

120


kaum möglich, ohne Optimismus und Durchhaltewillen

in dieser Branche zu bestehen und Spaß und Erfolg zu

haben. Deswegen sollte man nur Projekte vorantreiben,

die man wirklich mag.

GANZ ABGESEHEN VON DER CORONA-KRISE: ICH

HABE GELESEN, DASS DU IN DEN 1990ER JAHREN

EIN ECHT WILDES LEBEN GEFÜHRT HAST. ALS

SCHLAGZEUGER U.A. BEI DER PUNKBAND N.F.P.

UND DEM „ZUFALLSORCHESTER“, DER LIVEBAND

VON ANDRÉ KUDERNATSCH. KONNTEST DU EIN

BISSCHEN ROCK’N ROLL IN DEIN AKTUELLES LE-

BEN HINÜBERRETTEN?

Wenn man Film ernstnimmt, ist es immer Punk. Nie

perfekt, voller Ungewissheiten und Improvisation. Das

ist doch das Schöne daran.

WO WIR GERADE IN DER VERGANGENHEIT

SCHWELGEN: WAS HEBT DAS STUDIUM AN DER

FILMAKADEMIE FÜR DICH VON DEM AN ANDEREN

HOCHSCHULEN AB?

Die Käseglocke über Ludwigsburg ist schon einzigartig

und eignet sich super für die Konzentration aufs Studium.

Provinz ist da echt ein Vorteil.

glaube ich, alle Absolventen mitgenommen. Manche in

der Branche erleben das als elitär. Finde ich nicht. Gerade

die Leute von der Aka, die schon ein paar Jahre in

der Branche hinter sich haben, sind extrem professionell.

Daran orientieren sich die Jüngeren. Manchmal allerdings

denkt der eine oder die andere, man sei schon

allein aufgrund des Studiums an der Filmakademie was

Besonderes, aber das legt sich nach ein paar echten Projekten

in der freien Wildbahn bei den meisten schnell

und man besinnt sich auf das Erlernte, auf die Qualität

und, ja, auch auf die Kunst.

WIE HAST DU DEINEN EIGENEN EINSTIEG INS BE-

RUFSLEBEN ERLEBT?

Direkt nach dem Studium habe ich in Köln bei einigen

Firmen als Producer für TV-Entertainment-Formate gearbeitet.

Von drei Pilotierungen unter meiner Verantwortung

ging nur eine auf Sendung. Ich war enttäuscht.

Aber ich habe schnell gelernt, dass das eine gute Erfolgsquote

war. Danach war ich in München Producer für

Primetime-Serie. Und danach war ich beim KIKA in Erfurt

Redakteur. Also eine bunte Reise durch die Branche,

bevor ich mich für das Produzentendasein entschied.

Der Entschluss folgte einer gewissen Abenteuerlust und

ich habe ihn nicht bereut.

IST DIR AUS DEINER STUDIENZEIT ETWAS BESON-

DERS POSITIV ODER NEGATIV IN ERINNERUNG

GEBLIEBEN?

UND ZU GUTER LETZT: WÜRDEST DU DICH NOCH

EINMAL FÜR EIN STUDIUM AN DER FILMAKADE-

MIE ENTSCHEIDEN ODER ES WEITEREMPFEHLEN?

Alle Kommilitonen aus meinem Jahrgang habe ich positiv

in Erinnerung. Mit vielen stehe ich nach wie vor in

Kontakt, mit manchen arbeite ich zusammen und mit

den allerliebsten mache ich sogar gemeinsam Urlaub. Einer

ist inzwischen mein Nachbar.

Ja, definitiv!

DU HAST JA IN DER VERGANGENHEIT VIEL MIT

ALUMNI DER FILMAKADEMIE ZUSAMMENGEAR-

BEITET UND BESCHÄFTIGST AUCH IN DEINER FIR-

MA ABSOLVENT*INNEN DER HOCHSCHULE. GIBT

ES EINEN „SPIRIT“ AN DER FILMAKADEMIE, DER

AUCH NACH DEM STUDIUM NOCH SPÜRBAR IST?

Die Liebe zum Film und inzwischen glücklicherweise

auch zur Serie ist schon sehr ausgeprägt. Das gefällt

mir. Und ein gewisses Qualitätsbewusstsein haben,

121


AUFTRAGSPRODUKTIONEN

122


STUDIUM FINANZIEREN,

ERFAHRUNGEN SAMMELN,

EXISTENZ AUFBAUEN

_YVES ALAIN LAMBERT, HERSTELLUNGSLEITER

DRITTMITTEL/AUFTRAGSPRODUKTIONEN

TEL: +49 7141 969 82370

DRITTMITTEL@FILMAKADEMIE.DE

_ CHRISTIAN MÜLLER, HERSTELLUNGSLEITUNG

DRITTMITTEL/AUFTRAGSPRODUKTIONEN

ANIMATIONSINSTITUT

TEL: +49 7141 969 82817

CHRISTIAN.MUELLER@FILMAKADEMIE.DE

Auftragsproduktionen im Drittmittelbereich werden mit

erfahrenen Studierenden, mit Alumni und bevorzugt

mit Produktionsfirmen, die Absolventinnen und Absolventen

in der Region gegründet haben, realisiert. Auch

die Zusammenarbeit mit externen Firmen ist möglich.

STUDIERENDE

Diese Auftragsproduktionen der FABW ermöglichen

den Studierenden über die Projekte in der Lehre hinaus

wichtige Erfahrungen in der Praxis und bieten zudem

die Möglichkeit, sich den eigenen Lebensunterhalt

zu finanzieren.

Das eigene Tun ist der Schlüssel für den Erfolg. Konzeptwettbewerbe

bieten die Chance, sich auszuprobieren.

Mit welcher Strategie überzeuge ich den Auftraggeber

von meinen Ideen? Welche Haltung nehme ich dabei

ein? Ganz im Sinne der praxisorientierten Ausbildung

lernen die Beteiligten, bereits im Pitch unter realen Bedingungen

zu präsentieren.

Begleitet durch die Mitarbeiter*innen der FABW, übernehmen

Studierende Verantwortung für ein professionelles

Projekt. Verträge müssen erfüllt, Budgets und

Zeitpläne eingehalten werden. Mit anspruchsvollen Auftraggebern

werden Absprachen getroffen, die unbedingt

eingehalten werden müssen. Verbindlich und verlässlich

zu agieren, schafft Vertrauen. Doch wie kommuniziere

ich mit dem Marketingleiter, der Geschäftsführerin oder

einem Familienunternehmer? Warum sind diese Menschen

neugierig auf mich, auf meine Ideen abseits ausgetretener

Pfade? Andererseits: Welchen Zwängen unterliegen

meine Ansprechpartner? Gibt es Grenzen für

meine Kreativität? Welche Rolle spielen Corporate-Identity-Vorgaben

und Marketing-Bibeln?

ALUMNI

Da die Förderung der Absolventinnen und Absolventen

ein wichtiges Anliegen ist, unterstützt die FABW das eigene

Netzwerk und bildet so eine Brücke vom Studium

zur Berufswelt. Die Aufträge bieten jungen Produzentinnen

und Produzenten einen Startimpuls für eine spätere

betriebswirtschaftliche Existenzgrundlage. Nachfolgeprojekte

kann eine Produktionsfirma eigenständig ohne

die Filmakademie umsetzen.

EXTERNE FILMPRODUKTIONSFIRMEN

Auch wenn die Zusammenarbeit mit Studierenden und

Alumni im Vordergrund steht, so sind dennoch Kooperationen

mit externen Filmproduktionsfirmen möglich,

wenn Studierende oder Alumni dort in relevanter Rolle

eingebunden sind. Gewinnen Studierende oder Alumni,

die bei einer externen Produktionsfirma arbeiten, einen

Konzeptwettbewerb, so kann jene den Auftrag mit

der FABW zusammen umsetzen.

123


DOZIERENDE IM PORTRÄT


Die Tätigkeit an der

Filmakademie

zwingt mich immer

wieder, mich selbst zu

reflektieren


124


Ein Gespräch mit Prof. Joachim Kosack,

leitender Dozent der Abteilung Serien Producing

IM SEPTEMBER 2018 WURDE JOACHIM

KOSACK IN DIE GESCHÄFTSFÜHRUNG DER

UFA GMBH BERUFEN UND VERANTWORTET

U.A. DIE BEREICHE STRATEGIE, INTERNE

KOMMUNIKATION, PERSONALENTWICK-

LUNG UND RESEARCH. AUSSERDEM LEHRT

ER SEIT 2001 AN DER FILMAKADEMIE BA-

DEN-WÜRTTEMBERG UND LEITET DORT ALS

PROFESSOR DEN BEREICH SERIEN PRODU-

CING / SERIENDRAMATURGIE. 2011 BEKAM

JOACHIM KOSACK DEN ROBERT GEISENDÖR-

FER PREIS VERLIEHEN.

In seiner Funktion als Geschäftsführer der UFA SERIAL

DRAMA verantwortet er vor allem die täglichen langlaufenden

Formate GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN,

UNTER UNS sowie ALLES WAS ZÄHLT und das Daily

Drama FREUNDINNEN – JETZT ERST RECHT.

Joachim Kosack war zuletzt von 2013 bis August 2018 in

der Geschäftsführung der UFA FICTION. 2016 übernahm

er zusätzlich den Geschäftsführerposten der UFA SERIAL

DRAMA, ab 2017 gemeinsam mit Markus Brunnemann.

Kosack war bereits seit 2012 Geschäftsführer der UFA

Fernsehproduktion (heute Teil der UFA FICTION). Als

Chefautor, Regisseur und Producer war er seit 1996 für

die GrundyUFA (GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN

und HINTER GITTERN) und anschließend (ab 2001) als

Produzent für teamWorx tätig.

ENTSTANDEN IN SERIEN PRODUCING:

"WER´S FINDET"...

LIEBER JOACHIM, DIE FILMAKADEMIE WAR 2001

DIE ERSTE HOCHSCHULE MIT EINEM EIGENEN

AUSBILDUNGSBEREICH IN SERIE, LANGE VOR DEM

SERIEN-BOOM MIT "BREAKING BAD", "HOUSE OF

CARDS", "HOMELAND" ETC. HATTET IHR DAMALS

EINEN 6. SINN?

Nach seinem Wechsel als Redaktionsleiter Fiction zu

SAT.1, wo er 2011 die Sendergeschäftsführung übernahm,

kehrte Kosack Ende 2012 zur UFA zurück. Als Produzent

bei teamWorx entwickelte er TV-Events wie DIE

FLUCHT und STAUFFENBERG, auch die erste Telenovela

mit BIANCA – WEGE ZUM GLÜCK. Während seiner

Zeit bei SAT.1 als Leiter des Bereichs Deutsche Fiction,

Senior Vice President und zuletzt Geschäftsführer

zählten mehrfach preisgekrönte Serien wie DER LETZ-

TE BULLE und DANNI LOWINSKI zu seinen wichtigsten

Projekten, ebenso DIE WANDERHURE-Trilogie und

erfolgreiche Einzelstücke wie WIR SIND DAS VOLK,

DER MINISTER und BARFUSS BIS ZUM HALS.

Bei der UFA verantwortete er u.a. die Krimireihe BELLA

BLOCK, die Satire DIE UDO HONIG STORY, mit Markus

Brunnemann die Krimiserie DIE SPEZIALISTEN –

IM NAMEN DER OPFER, die Familien-Serie DAS PU-

BERTIER nach dem Bestseller von Jan Weiler und mit

Benjamin Benedict DER RÜCKTRITT und den historischen

Fernsehfilm ZWISCHEN HIMMEL UND HÖLLE.

Im Grunde lag die Etablierung von Serien Producing

zeitlich am Ende des vorletzten Serien-Booms. Bis Ende

der 1990er Jahre gab es in Deutschland durch die Privatsender

einen riesigen Serien-Boom. Der ebbte in den

Nuller-Jahren wieder ab, bis zur nächsten Welle mit

amerikanischen Serien wie CSI, NAVY CIS etc. Es war

damals eine günstige Zeit für eine Serienausbildung, und

der Grundgedanke war zunächst, Serie auch mit einer

gewissen Marktorientierung zu lehren und Studierende

mit kleinen Pilotprojekten in den Markt zu bringen. Das

ging allerdings nur halb auf, weil durch die amerikanischen

Serien die Produktionswelle in den deutschen Privatsendern

wieder abflachte und weil Jan Kromschröder

und ich, als wir 2005 die Leitung übernahmen, den

Eindruck hatten, dass diese Marktorientierung für eine

Filmakademie doch nicht der richtige Ansatz ist, sondern

vielmehr zu fragen: Was ist serielles Erzählen und

Produzieren im Speziellen? Wie arbeitet man dort anders

als z.B. beim Langfilm im Hinblick auf Dramaturgie

und Teamorientierung? Und die Studierenden zu ermutigen,

innerhalb dieses klassischen Regelwerks, das wir

125


DOZIERENDE IM PORTRÄT

immer noch sehr ernst nehmen, ihre Themen nach vorn

zu bringen und sich stofflich auszutoben. Gleich im ersten

Jahr kam Burhan Qurbani mit VÖGEL OHNE BEI-

NE, eine Serie über Migrantenkinder in Kreuzberg, die

ihrer Zeit megaweit voraus war. Wie seine Karriere weiterging,

ist ja allseits bekannt. Die ersten Studierenden

in Serien Producing, darunter auch Robert Dannenberg,

der später DER LETZTE BULLE geschrieben hat, wurden

auf dem Campus allerdings verächtlich und wie Aliens

betrachtet, immer unter dem Verdacht, dass wir im

Studiengang quotenorientierte Roboter züchten.

Vor 5-6 Jahren folgte dann der nächste Schub, als vor

allem mit Netflix qualitativ hochwertige, horizontal erzählte

Serien boomten – auch in Deutschland durch

Tom Tykwer oder die Filmakademie-Absolventen Christian

Schwochow und Philipp Kadelbach – und hierzulande

nicht mehr nur in der leichten Unterhaltung angesiedelt

wurden.

enorm wichtig wurde – ich nenne sie die SCRUBS-Generation,

von denen einige auch sehr erfolgreich sind,

z.B. die Autorin Anika Soisson, die bei uns schon eine

Mockumentary geschrieben hat, als noch niemand über

dieses Format gesprochen hat. Im Moment haben wir die

Generation Netflix. Bei dieser tollen Entwicklung war

und ist uns immer noch wichtig, dass wir uns internationale

Serien anzuschauen und sie im Kurs analysieren,

wir aber trotzdem sagen: Wir sind in Deutschland und

der Fokus liegt auf dem heimischen Markt. Darauf bin

ich auch stolz, auch wenn die Entwicklung in Zukunft

in Richtung eines bilingualen Unterrichts gehen wird.

Und wir legen nach wie vor Wert auf die Vermittlung

von Grundlagen, etwa von unterschiedlichen Seriendramaturgien.

Dabei konfrontieren wir die Studierenden

z.B. auch mit WAPO BODENSEE, weil wir den Studierenden

die Möglichkeit bieten wollen, in den deutschen

Markt einzusteigen. Bora Dagtekins erster Job nach seinem

Diplom war bei GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEI-

TEN und er redet in jedem Interview gut darüber. Es ist

also wichtig, den deutschen Markt und klassische dramaturgische

Regeln zu kennen, auch wenn heutige Serien

wie BAD BANKS diese Regeln kaum noch befolgen.

Im Moment schreiben natürlich alle Studierenden horizontale

Mini-Serien mit wahnsinnig brutalen Geschichten,

aber es gibt eben noch viele andere Formen von Serien,

die sich immer noch großer Beliebtheit erfreuen.

EURE ALUMNI HABEN IN DER BRANCHE SCHON

DEUTLICHE FUSSSPUREN HINTERLASSEN. QUR-

BANI UND DANNENBERG HAST DU SCHON GE-

NANNT, BORA DAGTEKIN ("DAS PERFEKTE GE-

HEIMNIS", "FACK JU GÖTHE", "TÜRKISCH FÜR

ANFÄNGER") Z.B. IST AKTUELL DEUTSCHLANDS

ERFOLGREICHSTER AUTOR UND REGISSEUR, STEF-

FI ACKERMANN ALS PRODUZENTIN FÜR DIE SERI-

ENENTWICKLUNG BEI NETFLIX ZUSTÄNDIG. WIE

ZUFRIEDEN BIST DU MIT DEM WERDEGANG DES

STUDIENGANGS? UND WAS SIND BISHER DEINE

PERSÖNLICHEN HIGHLIGHTS?

Ich finde die Entwicklung des Studiengangs toll, weil

hier in 20 Jahren gleich drei Generationen durchgelaufen

sind. Die erste, in deren Zeit ein Serienstudium noch

als völlig verrückt angesehen wurde; vor zehn Jahren

dann diejenigen, die auch die kurzen Formen wie die Sit-

Com für sich entdeckten, als durch TWO AND A HALF

MEN oder BIG BANG THEORY komisches Schreiben

126

Das ist die eine Konstante der Ausbildung. Die andere

ist, dass eine Serienentwicklung viel teamorientierter ist

als bei Einzelstücken. Den Begriff Writers Room haben

wir schon vor 20 Jahren benutzt. Die gemeinsame Stoffentwicklung

durch Autor und Producer ist immer der

Kern einer Serie. Der zweite zentrale Aspekt ist, dass Serien

Producing ein Kurs ist über die Frage: Wie begleite

ich Development und wie lasse ich mich begleiten? Deswegen

lesen die Studierenden alle Bücher der anderen in

jedem Schritt mit und geben Feedback dazu. Daher bestehen

für mich nur 50% des Kurses aus inhaltlicher Arbeit,

die andere Hälfte ist zu lernen, wie ich in der Gruppe

damit umgehe, dass mein Projekt bewertet wird und

wie ich mit dieser Kritik umgehe. Und wie ich es schaffe,

von Folge zu Folge auf Kurs und meiner Grundidee

treu zu bleiben. Gleichzeitig lernen die Studierenden dabei,

dass es eine große Verantwortung ist, Kritik zu üben.

Ich habe schon Projekte sterben sehen, weil jemand an

der falschen Stelle eine Augenbraue hochgezogen hat.


WIE SCHAFFST DU ES, DEINE DOPPELFUNKTION

ALS LEITENDER DOZENT AN DER FILMAKADEMIE

UND BEI DER UFA UNTER EINEN HUT ZU BEKOM-

MEN?

Das ist natürlich für alle freien Dozenten eine Herausforderung

und manchmal, wenn der Zug oder der Flieger

vier Stunden Verspätung hat und du abgehetzt in

Ludwigsburg ankommst, fragst du dich schon, warum

du dir das antust. Zunächst mal empfinde ich die Tätigkeit

ganz egoistisch für mich selbst als unbedingt lohnenswert

und sinnvoll, weil sie mich seit den Anfängen

zwingt, mich selbst zu reflektieren. Denn in dem

Moment, in dem ich von meinem eigenen Tun etwas

weitergebe, muss ich es reflektieren. Dann ist für mich

die Inspiration, die ich von den jungen Menschen bekomme,

ganz entscheidend. Und ich bin stolz und glücklich,

wenn es am Ende immer wieder viele Studierende

gibt, die sagen, das waren gute Jahre und die dann

auch ihren Weg in der Branche gehen. Und da für die

UFA durch Nico Hofmann Nachwuchsförderung Teil der

Jobbeschreibung und der Verträge ist, sind die beiden

Tätigkeiten sowieso unter einem Hut. Dann ist es letztlich

nur eine Frage der Organisation und was das angeht,

sind der Studienkoordinator Michael Rösel und ich

schon lange sehr gut aufeinander eingestellt.

Serien wie GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN, die

gerade während Corona unfassbar wichtige Säulen für

die UFA und für RTL sind. Da bin ich zwar nicht im operativen

Geschäft tätig, aber nah am Programm und an

der Aufstellung der Teams beteiligt. Wenn man mit Nico

die gesamte UFA leitet, muss man aber tatsächlich den

Manager-Überblick haben. Das hat auch etwas mit Alterswegen

zu tun. Nico und ich sind jetzt die beiden Älteren

in der Geschäftsführerriege, die ansonsten Anfang

bis Mitte 40 ist. Dann gibt es aber auch ganz viele hochqualifizierte

Mitte bis Ende Dreißigjährige, die in den

Markt streben.

Ganz wichtig ist für mich gerade, die UFA mit Themen

wie Diversität, Employer Branding, Grüne Produktion,

Anti-Diskriminierung, Me-too etc. als modernes Unternehmen

aufzustellen. In unseren Lebens- und Weltbildern

sind Nico und ich uns da sehr ähnlich und haben

als „Innenminister“ und „Außenminister“ eine gute Aufteilung.

:

..."VÖGEL OHNE BEINE"...

DU BIST SEIT 2018 IN DER GESCHÄFTSFÜHRUNG

DER UFA GMBH, MUSST ALSO VIEL STRATEGISCH

DENKEN UND DAS GROSSE GANZE IM BLICK HA-

BEN. WIE NAH BIST DU NOCH IN KONKRETE FILM-

ODER SERIENPROJEKTE INVOLVIERT?

Eigentlich sind wir immer auch produzierende Geschäftsführer.

Aber das bin ich nicht mehr. Es gibt vielleicht

ein Projekt im Jahr, bei dem ich noch hands-on

produzentisch in der Verantwortung bin. Ansonsten bin

ich als Geschäftsführer der „Serial Drama“ noch nah

dran am Programm, besonders an den langlaufenden

BEIM SOGENANNTEN „GENDERTAG” DER FILM-

AKADEMIE HAST DU VOR EINIGEN MONATEN BE-

REITS ÜBER INITIATIVEN DER UFA FÜR MEHR

GENDERGERECHTIGKEIT REFERIERT. DU SAG-

TEST DAMALS, ES IST FÜR UNTERNEHMEN SOGAR

ZWINGEND NOTWENDIG, SICH DARUM ZU BEMÜ-

HEN, UM ZUKUNFTSFÄHIG ZU BLEIBEN. KANNST

DU DAS KURZ ERLÄUTERN?

Ich glaube, dass es wirtschaftliche Bereiche geben wird,

in denen man sich zwingend neu aufstellen muss, z.B.

beim Thema Grünes Produzieren. Es ist ein Irrglaube,

dass durch nachhaltiges Denken und Handeln alles teurer

wird und Arbeitsplätze verloren gehen. Wir merken

z.B. durch Corona ja gerade, wieviele Reisekosten und

CO2-Emissionen wir durch Online-Konferenzen einsparen

können.

Was die UFA angeht, wird sie ja von außen oft als Moloch

angesehen. Wir sind keine hippe, junge Firma, genauso

127


DOZIERENDE IM PORTRÄT

wenig wie Bertelsmann. Die Stärke solcher Großkonzerne

ist aber, dass du dich innerhalb dieser Welt unglaublich

weiterentwickeln und hocharbeiten kannst und

nicht monothematisch immer die gleiche Sache machen

musst. Wir investieren auch irrsinnig viel in Ausbildung,

haben 40-45 Azubis, die teilweise als Buchhalter anfangen

und als Produktionsleiter enden.

Für junge Leute Ende Zwanzig oder Anfang Dreißig sind

aber eben noch andere Fragen wichtig: Wie sieht es z.B.

mit der Gleichstellung von Frauen oder People of Colour

aus? Für Nico und mich ist die UFA eine Firma, die

Gesellschaft und Politik nicht nur durch ihr Programm,

sondern auch durch den Umgang mit ihren Mitarbeitern

und das Menschenbild, das sie vermittelt, absolut prägen

kann. Und das halte ich auch für wirtschaftlich wichtig,

denn nur so wirst du auf Dauer die besten Talente

an dich binden können. Gesellschaftlich-politische Relevanz

und wirtschaftlicher Nutzen decken sich in dem

Fall also.

verkrampften Political Correctness landen. Wenn man

für sich und in seinem Team eine für Diversität offene

Grundhaltung hat, dann kann man auch Anfeindungen

aushalten und Kompromisse eingehen. Das gilt auch

für die Aufnahme von Studierenden an einer Hochschule.

Ich habe überhaupt nichts gegen eine Quote. Die Frage

ist nur: Bis wann sollen bestimmte Ziele erreicht werden?

Wenn am Ende eventuell die Qualität auf Grund

einer Quote leidet, muss man gerade bei kreativen Projekten

wirklich aufpassen. Ich muss auch nicht in jedem

Film die gleiche Anzahl von Männern und Frauen haben.

Es kann doch mal mehr Frauen als Männer geben oder

umgekehrt. Wenn ich einen Weltkriegsfilm über deutsche

Soldaten mache, dann wird da keine Frau mitspielen.

Wenn ich natürlich zehn Stoffe hintereinander nur

mit Männern realisiere, sollte ich mich schon fragen,

warum ich immer nur solche Geschichten auswähle.

FINDEST DU ES LEGITIM, IN FIKTIONALEN STOF-

FEN, DIE ABER AUF HISTORISCHEN EREIGNIS-

SEN BASIEREN, VERÄNDERUNGEN IM SINNE EI-

NES DIVERSEREN CASTS VORZUNEHMEN? IM

AMAZON-FILM "AERONAUTS" ÜBER (EIGENTLICH)

2 MÄNNLICHE PIONIERE DER WETTERBAL-

LON-FORSCHUNG IM 19. JAHRHUNDERT WIRD

EINER DER MÄNNER DURCH EINE SEHR RESOLU-

TE, SELBSTBEWUSSTE JUNGE FRAU ERSETZT.

:

..."WEIL DER HIMMEL NICHT WARTET"...

ES GIBT IM BEMÜHEN UM ANTI-DISKRIMINIERUNG

ABER AUCH BEDENKLICHE ENTWICKLUNGEN, DIE

DIE FREIHEIT DER KUNST GEFÄHRDEN KÖNNEN.

KÜRZLICH HAT DIE BBC EINE FOLGE VON "FAWL-

TY TOWERS" WEGEN ANGEBLICH RASSISTISCHER

TENDENZEN AUS DEM NETZ GENOMMEN. HIER

WIRD ALSO NICHT MEHR UNTERSCHIEDEN ZWI-

SCHEN TATSÄCHLICHEM RASSISMUS UND DESSEN

SATIRISCHER DARSTELLUNG ZUM ZWECK SEINER

BLOSSSTELLUNG. WIE KANN MAN SOLCHEN ENT-

WICKLUNGEN ENTGEGENWIRKEN?

Ich glaube, dass man grundsätzlich mit Widersprüchen

leben muss, dass wir aber auch eine gewisse Übertreibung

– Stichwort Umgang mit Denkmälern – aushalten

müssen, um zu einer Veränderung zu kommen, um

innere Rassismen in jedem von uns zu überwinden.

Gleichzeitig muss man jedoch immer gegensteuern, damit

wir nicht in einem falschen Purismus oder einer

128

Da müsste man die Gründe für diese Entscheidung kennen.

Nur um ein Verhältnis 50 zu 50 zwischen Mann

und Frau zu bekommen, das wäre mir zu wenig. Wenn

ich aber eine wahre Geschichte fiktionalisiere, nehme

ich historische „Fehler“ u.U. bewusst in Kauf, weil solche

Veränderungen zu einer spannenden Neuaufladung

führen. Das kann die Geschichten greifbarer machen.

Bei der Serie BODYGUARDS zum Beispiel bestand im

Einstieg die Gruppe der SEKler plötzlich nur aus Frauen,

das hat diesem bekannten Erzählmuster eine ganz neue

Energie gegeben. Spannend wird es immer erst in dem

Moment, wenn man das Muster nicht einfach umdreht,

sondern wenn man fragt: Was ergibt sich daraus?

WIE WIRKT SICH DIE CORONA-KRISE KONKRET

AUF EURE ARBEIT BEI DER UFA AUS, SOWOHL IN

KREATIVER ALS AUCH FINANZIELLER HINSICHT?

Natürlich produzieren wir in diesem Jahr etwas weniger

und unter anderen Bedingungen. Unter dem

Strich kommen wir als UFA aber noch gut weg, weil

wir in vielen Bereichen wie Show, Factual oder bei den


Studioproduktionen, z.B. GZSZ oder UNTER UNS, als

erste mit den aktuell geltenden Maßnahmen, die wir sofort

entwickelten, weitergedreht haben. Wir hatten einen

Katalog mit 80 Maßnahmen entwickelt, wie man

unter den neuen Bedingungen wie Abstandsregeln usw.

produzieren kann und die Bücher daraufhin umgeschrieben.

Zum Teil sind sie dadurch sogar interessanter

geworden. Dieses Papier diente dann auch als Grundlage

für die weiterentwickelten Konzepte der Produzentenallianz,

der Berufsgenossenschaften und des Arbeitsministeriums.

Das war natürlich eine große Anstrengung

und ein riesiges Krisenmanagement, insbesondere für

die Herstellungsleiter und Juristen, aber auch für die

Geschäftsführung. Im produktionstechnischen Bereich

steht das immer noch auf wackligen Füßen, weil es keinen

Versicherungsschutz dafür gibt. Im administrativen

Bereich fangen wir gerade an, bestimmte Erkenntnisse

zu nutzen, um z.B. über völlig andere Arbeitsformen

und Bürostrukturen nachzudenken, über die zu diskutieren

vor Corona noch unvorstellbar war. Insofern ist

das ein zweischneidiges Schwert von Antrieb und Herausforderung

einerseits und andererseits der Frage, wie

man sich gegen das Gefühl wehrt, verletzlich geworden

zu sein. Wir haben ja alle etwas erlebt, das Mitte Februar

noch völlig undenkbar schien. Das ist wie das Überstehen

einer tödlichen Krankheit. Manche Menschen sind

danach voller Energie und andere nur noch ängstlich,

weil sie das erlebt haben. Und so müssen wir als Gesellschaft

und natürlich auch in der UFA lernen, damit umzugehen.


Wenn man für sich und in seinem Team eine

für Diversität offene Grundhaltung hat, dann

kann man auch Anfeindungen aushalten und

Kompromisse eingehen.


WAS HEBT DIE FILMAKADEMIE FÜR DICH VON AN-

DEREN HOCHSCHULEN AB?

Ich finde die Filmakademie extrem agil, beweglich und

es herrscht eine ganz positive Reibung in einem Spannungsfeld

aus strengen Regeln und disruptiv-kreativer

Energie, die diese Regeln immer wieder außer Kraft

setzt. Dazu kommt eine hohe Interdisziplinarität. Die

Filmakademie ist für mich, sowohl in den Abteilungen

als auch in der Darstellung nach außen, das Gegenteil

von Hermetik.

WAS IST DEINE PERSÖNLICHE LIEBLINGSSERIE

UND WARUM?

Es gibt ja einfach unfassbar viele Formate, von denen

man mal mehr, mal weniger fasziniert ein paar Episoden,

allein aus professionellen Gesichtspunkten, schaut.

Und dann gibt es aber Formate, wo man wirklich alles

guckt, weil es einen so sehr begeistert. Wenn ich da

die letzten fünf, sechs Jahre betrachte, gab es da einiges,

was mich fasziniert hat. Aber wenn ich nur drei Formate

nennen dürfte, würde ich THE AFFAIR, HOMECOMING

und FLEABAG nennen, weil alle drei eine für mich herausragende

Erzählidee hatten. Ich halte FLEABAG für

eine Perle im Serienuniversum, die sich lange in den Top

5 aller Serien, die es je gegeben hat, halten wird – in der

Kunstfertigkeit, Echtheit und Vielseitigkeit und im Mut.

Vor allem aber auch im handwerklichen Bereich, gerade

beim Thema Payoff. FLEABAG ist für mich aktuell immer

noch das Nonplusultra.

:

..."ZUM GOLDENEN LAMA".

129


STECKBRIEF

Serien

Producing

1

STUDIENKOORDINATION

Michael Rösel

2

PROJEKTBETREUUNG

Michael Rösel

3

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Joachim Kosack

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

4 Produktions-Studierende

+ X Drehbuch-Studierende

6

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

Wir sind bundesweit nach wie

vor die einzige Filmhochschule,

die nicht nur Serien konzipiert,

sondern auch produziert – zumindest

Pilotfilme oder Testimonials

davon.

7

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

Serien in einem Writers Room zu

konzipieren und den verantwortungsvollen

Umgang mit anderen

Kreativen. Es könnte ja sein, dass

eine oder einer von ihnen später

mal Redakteur*in wird...

8

MYTH BUSTING: WAS LERNT

MAN HIER NICHT?

Kaffee kochen und Brötchen

schmieren

9

ONE COOL FACT ABOUT...

Einer unserer ersten Studierenden

war Bora Dagtekin (Buch und Regie

bei TÜRKISCH FÜR ANFÄNGER,

FACK JU GÖTHE u.a.).

Philipp Steffens (ehemaliger

Fiction-Chef bei RTL) hat

unmittelbar nach seinem Serien

Producing-Studium, zusammen

mit seinen beiden Kommilitonen

Robert Dannenberg und Stefan

Scheich, 5 Staffeln von

DER LETZTE BULLE produziert

– eine der erfolgreichsten Serien

bei Sat.1.

5

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

Drehbuch-Autor*innen: die

Bereitschaft, nicht nur für das

Kino in Hollywood, sondern auch

für deutsche Fernseh-Formate zu

arbeiten.

Producer*innen: die Bereitschaft,

gemeinsam mit Drehbuch-Autor*innen

kreative Konzepte zu

entwickeln.

10

MOTTO

Teamwork

130


Szenenbild

1

PROJEKTBETREUUNG

Regine Witzig, Steffen

2

LEITENDE DOZIERENDE

Silke Buhr, Christian Strang

3

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

4

4

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

• Gute Beobachtungsgabe

• Räumliches

Vorstellungsvermögen

• Zeichnerisches Talent

• Wissen in Kunst und Kultur

• Imagination / Originalität

• Handwerkliches und technisches

Verständnis

• Fähigkeit zur Teamarbeit /

Kommunikation

• Motivation /

(Selbst-)Organisation

• große Portion Enthusiasmus

• Führerschein

5

ZULASSUNGS-

VORAUSSETZUNGEN

B.A. / M.A. in Innenarchitektur,

Architektur, Bühnenbild, Design

und Kunst oder angrenzenden

Fachgebieten,

Praktische Erfahrung im Art

Department

6

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

• Praxisorientiertes Arbeiten

in Zusammenarbeit mit allen

Gewerken

• Aussagekräftiges Portfolio mit

mindestens vier Projekten bis

zum Diplom

• diverse internationale

Austauschprogramme

• individuelle Auswahl

der projektbetreuenden

Dozierenden

• enges Alumni-Netzwerk

7

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

• Dramaturgisches

Denkvermögen

• Erstellung visueller Konzepte

• Organisatorische Abläufe der

Filmproduktion

• Budgetverantwortung

• Durchsetzungs- und

Durchhaltevermögen

• Einblicke in aktuelle

Filmprojekte durch Profis der

Branche

8

ONE COOL FACT ABOUT...

Verhältnis Anzahl der Studierenden

zu Dozierenden liegt bei 1:4

9

MOTTO

The world is not enough

131


STUDENTISCHES ENGAGEMENT

EIN GESPRÄCH MIT DEM AStA

DER FILMAKADEMIE

LIEBER ASTA, MIT WELCHEN THEMEN KÖNNEN

SICH STUDIERENDE AN EUCH WENDEN?

Unsere Aufgabe besteht u.a. darin, die Schnittstelle zwischen

Studierenden und der Filmakademie-Verwaltung/-Leitung

zu sein. Deswegen können sich unsere

Kommiliton*innen mit allen Themen an uns wenden,

die ihnen an der Filmakademie wichtig sind oder die sie

beschäftigen.

Für intime Fragen oder Probleme haben wir zwei Vertrauenspersonen,

die am Anfang jeden Studienjahres

gewählt werden und u.a. die Mailadresse

anlaufstelle.asta@filmakademie.de

betreuen und alleiniges Zugriffsrecht darauf haben.

Wir haben auch einen anonymen Weg, uns zu kontaktieren,

den Anonymen Briefkasten:

https://www.umfrageonline.com/s/anonymerbriefkasten

Zugangscode: B4268a

132

WELCHE BEDEUTUNG HAT DIVERSITÄT FÜR EINE

INSTITUTION WIE DIE FILMAKADEMIE UND WIE

SETZT IHR EUCH ALS ASTA HIERFÜR EIN?

Diversität ist ein Schlagwort, das oftmals verschleiert,

was es eigentlich meint: nämlich, dass verschiedene Personengruppen

unterschiedlicher Backgrounds, Milieus,

Sexualität etc. in einer heterogenen Gruppe zusammenkommen

- und alles repräsentiert ist, was es in unserer

Gesellschaft gibt. Wie jede Institution hat auch die

Filmakademie hier noch eine immense Aufgabe vor

sich - und darin liegt unserer Meinung nach eine große

Chance. Denn „Vieles“ kann sich befruchten und wird

dadurch immer „Mehr“! Wir wollen vor allem durch

Chancengleichheit ab dem Bewerbungsprozess dafür

sorgen, dass die Filmakademie noch „diverser“ wird und

auf neuen Wegen für die Filmakademie werben, um

Leute zu erreichen, die ein Studium hier bisher noch gar

nicht in Betracht gezogen haben, aber ihre ganz eigenen

Perspektiven und Geschichten mitbringen werden.


WIE HABEN SICH EURE AUFGABEN IM ASTA SEIT

BEGINN VON CORONA VERÄNDERT? WELCHE

CHANCEN SEHT IHR AKTUELL IN DER CORONA-

SITUATION?

Durch Corona sind wir noch stärker in die Kommunikation

zwischen den Studierenden und der Filmakademie

eingespannt worden. Im Digitalen sehen wir auch für

die Zukunft Chancen, z.B. durch Panels, oder auch unseren

Podcast „Impulsraum“, vor allem von internationalen

Filmschaffenden zu lernen. Wir hoffen daher, dass

die Filmakademie dies in Zukunft weiter forciert. Trotzdem

sind das gemeinsame Leben auf dem Akademiehof

und Präsenzunterricht das Schönste und Wichtigste an

unserem Studium, weswegen wir uns sehr auf die Zeit

freuen, wenn die Corona-Krise gänzlich überstanden ist.

WELCHE THEMEN SIND EUCH BEI EURER ARBEIT

IM ASTA BESONDERS WICHTIG?

WIE KANN MAN EUCH BEI EURER ARBEIT IM

ASTA UNTERSTÜTZEN?

Jedes Studienjahr wird ein neuer AStA gewählt. Die

größte Unterstützung ist deswegen, selbst ein Teil des

AStA zu werden und sich wählen zu lassen. Außerdem

sind wir immer auf Feedback aus der Studierendenschaft

angewiesen, um Dinge verbessern zu können. Deswegen

ist die Bereitschaft, sich mitteilen und sich in den Fachschaften

zu engagieren, für uns existenziell.

Außerdem unterstützen wir extrem gerne Eigeninitiativen

von Studierenden, die z.B. einen Workshop, Sportkurs,

eine Talkrunde oder oder oder organisieren. Hier

unterstützen wir gern in der Kommunikation und ggf.

auch monetär.

Ach so: und folgt uns natürlich auf Instagram

(@asta_fabw) - Likes und schlechte E-Mail-Abschiedsgrüße

sind uns nämlich das Wichtigste!

Viele unserer Themen kann man unter den Begriffen

„Fairness“ oder „Chancengleichheit“ zusammenfassen.

Wir setzen uns dafür ein, dass jeder Mensch an der

Film akademie möglichst gleiche Bedingungen vorfindet.

Auch im Kulturbereich und somit auch an der Filmakademie

gibt es viele Ungerechtigkeiten, wie z.B internalisierte

Sexismen. Diese wollen wir bekämpfen. Außerdem

sind uns Initiativen wie Green Shooting oder Sport

und Ausgleich für Studierende sehr wichtig.

SEIT JUNI 2020 VERANSTALTET IHR EINEN

PODCAST. WOHER KAM DIE IDEE UND WIE IST DIE

RESONANZ?

Fabienne Sailer kam mit der Idee in den AStA, einen

Live-Podcast anzubieten. Im AStA gab es davor schon

die Idee, eine Talkrunde bzw. einen Diskussionsraum zu

gründen. Diese beiden Ideen sind nun im "Impulsraum"

fusioniert. Dort treffen wir auf interessante Impulsgeber*innen

aus der Gesellschaft, außerhalb unserer Filmakademie-Bubble,

sprechen mit ihnen und diskutieren

danach in offener Runde miteinander. Und das hoffentlich

auch bald in "real life" an der Filmakademie.

Der Podcast ist zwar vom AStA konzipiert, versteht sich

aber als offene Plattform, und so wünschen wir uns, dass

viele unserer Kommiliton*innen in der Zukunft für eine

oder mehrere Folgen den Podcast moderieren und mit

uns gestalten. Meldet euch, wir freuen uns!

@asta_fabw

133


STUDENTISCHES ENGAGEMENT

DER KAMPF GEGEN „Upskirting”

– MIT LANGEM ATEM ZUM ERFOLG

IM JULI 2020 VERABSCHIEDETE DER DEUT-

SCHE BUNDESTAG EIN GESETZ, WELCHES

DAS SOGENANNTE „UPSKIRTING“, ALSO

DAS ENTWÜRDIGENDE FOTOGRAFIEREN

VON FRAUEN UNTER DEN ROCK MIT SMART-

PHONES, UNTER STRAFE STELLT. FÜR DIE

FABW-STUDENTIN HANNA SEIDEL NAHM

DAMIT EIN ÜBER 15-MONATIGER EINSATZ

EIN ERFOLGREICHES ENDE. DENN SIE HAT

DIE INITIATIVE GEGEN DAS UPSKIRTING

BEGRÜNDET. FÜR UNSER CAMPUS MAGAZIN

LÄSST SIE DIE EREIGNISSE IN EINER CHRO-

NOLOGIE NOCH EINMAL REVUE PASSIEREN.

• Ida Marie Sassenberg kommt mit ins Team.

• Suche nach juristischer Unterstützung.

• Pressemitteilung über Petition & Start der

Instagramseite „My Panties my Privacy“.

• Erster TV-Auftritt.

• Direkte Zusage für Support von der Filmakademie

und Kommiliton*innen (hier besonderer Dank an

Thomas Schadt, Tommi Lechner und Jennifer

Mallmann).

Ende März 2019

• Ich starte die Petition auf Change.org und betreibe

juristische Recherche. Hierbei und auch später

hat mir mein Freund und Regie-Kommilitone,

Felix Mott, oft geholfen.

HANNA SEIDEL UND IDA MARIE SASSENBERG IM

CHANGE.ORG BÜRO IN BERLIN. QUELLE: PRIVAT

Mai

• Auftritt bei Stern TV, was ca. 15.000 neue

Unterschriften bringt.

HANNA SEIDEL UND FELIX MOTT KURZ VOR DEM

START DER PETITION, QUELLE: PRIVAT

April

• Start der Zusammenarbeit mit dem

Team Change.org Berlin.

(CHRISTIAN SOLMECKE, IDA MARIE SASSENBERG,

HANNA SEIDEL UND STEFFEN HALLASCHKA BEI

STERN TV. QUELLE: RTL)

134


• Einrichtung der Mailadresse stopupskirting@web.de

und Kontakt zu Betroffenen.

• Auskunftssperre beantragt aufgrund der vielen

Hassmails.

• Versuch der Kontaktaufnahme zur

Bundesjustizministerin.

Juni

• Weiterhin Suche nach juristischer Unterstützung,

Opferberatung via Mail, Pressearbeit.

• Versuch der Kontaktaufnahme zu Politiker*innen –

reges Interesse und viele Absagen.

Juli

• Treffen mit der Bundestagsabgeordneten

Nicole Bauer.

• Kontakt zu Deutschem Juristinnenbund.

• Bundesrat wird aktiv und sieht Upskirting im

Persönlichkeitsrecht verankert.

• Treffen mit Guido Wolf, Justizminister von

Baden-Württemberg, der sich unsere Argumente

anhört und daraufhin den Bundesrat davon überzeugen

will, Upskirting im Sexualstrafrecht zu

verankern.

• Start der Kooperation mit den Starterinnen der

Petitionen gegen Tamponsteuer und Genitalverstümmelung.

August

• immer mehr Bundesländer schließen sich der Forderung

an, Upskirting zu pönalisieren.

• Beginn internationaler Pressearbeit.

• Symposium zum Thema sexualisierte Gewalt in

Rothenburg: erste direkte Diskussion mit Jurist*innen

zu dem Thema vor Publikum.

September

• Der Bundesrat veröffentlicht seinen Gesetzesentwurf

und sieht, wie von uns gefordert, Upskirting

im Sexualstrafrecht verortet.

Oktober

• Treffen mit Bundesjustizministerin Lambrecht, die

Upskirting im Persönlichkeitsrecht verankern will.

Nach der Zusage der Justizministerin, Upskirting

strafbar machen zu wollen, wird die Petition für

Unterschriften geschlossen - mit über 109.000

Unterschriften.

IDA MARIE SASSENBERG, HANNA SEIDEL, CHRISTINA

LAMBRECHT - INSTAGRAMPOST VON CHANGE.ORG.

QUELLE: CHANGE.ORG

November

HANNA SEIDEL, GUIDO WOLF, IDA MARIE

SASSENBERG. TREFFEN IM JUSTIZMINISTERIUM

BADEN-WÜRTTEMBERG, QUELLE: DPA

• Die Bundesregierung veröffentlicht ihren Gesetzesentwurf

und will Upskirting gemeinsam mit

Gafferfotos von Unfallopfern im gleichen Paragrafen

im Persönlichkeitsrecht verankern.

135


STUDENTISCHES ENGAGEMENT

Dezember

Mai 2020

• Ich halte einen Impulsvortrag zu unserer Petition

auf einem Treffen der Gleichstellungsbeauftragten

in Baden-Württemberg.

Januar 2020

• Neujahrsempfang des Bundesjustizministeriums:

Wir suchen erneut des Gespräch mit Lambrecht

bezüglich der Verortung des Gesetzes.

• Erste Debatte im Bundestag zum Thema Upskirting.

Die Meinungen gehen auseinander, nicht alle

sind dafür, Upskirting zur Straftat zur machen und

nur die Linke ist dafür, Upskirting im Sexualstrafrecht

zu verankern.

• Ich werde von der Linken als Sachverständige zum

Bundestagsausschuss Recht und Verbraucherschutz

geladen. Dafür schreibe ich eine Stellungnahme

und nehme an der etwa zweistündigen Sitzung teil,

in der ich zu bestimmten Themenpunkten bezüglich

Upskirting befragt werde - etwa Täterplattformen

etc.

Juli 2020

LEWAMM GHEBREMARIAM, HANNA SEIDEL,

CHRISTINA LAMBRECHT, IDA MARIE SASSENBERG

AUF DEM NEUJAHRSEMPFANG DES BUNDESJUSTIZ-

MINISTERIUMS.QUELLE: PRIVAT

• SPD und CDU entscheiden sich entgegen aller Erwartungen

dafür, Upskirting doch im Sexualstrafrecht

zu verankern

• Zweite Debatte im Bundestag zum Thema Upskirting,

in der die Mehrheit dafür stimmt, Upskirting

im Sexualstrafrecht zu verankern.

März 2020

• Angela Merkel fordert den Präsidenten des Deutschen

Bundestages auf, dass über Upskirting im

Bundestag debattiert wird.

136

SCREENSHOT INSTAGRAM,

18.10.2019. QUELLE: PRIVAT


IDA MARIE SASSENBERG & HANNA SEIDEL, QUELLE: PRIVAT

137


STECKBRIEF

Szenischer

Film

1

STUDIENKOORDINATION

Thorsten Schütte

2

PROJEKTBETREUUNG

Peter Kuczinski

3

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Nico Hofmann

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

6 - 8 Studierende

5

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

Neugierde, Teamfähigkeit,

Kreativität, Menschenkenntnis,

Offenheit und eine gesunde

Kompromissbereitschaft

6

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

Intensive Zusammenarbeit mit

allen Gewerken in allen Projektphasen,

praxisnahes Lernen und

Arbeiten, versierte Dozent*innen

und Referent*innen, Arbeiten im

Team, ausgezeichnete technische

Ausstattung, große künstlerische

Freiheit, gutes Netzwerk/Kontakte

zum Markt

7

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

Entwicklung kreativer und organisatorischer

Skills, Casting und

Zusammenarbeit mit Schauspieler*innen,

formatoffenes Arbeiten,

Recherche- und Interviewtechniken,

gestalterische und inhaltliche

Bandbreite in Stoffentwicklung

und Dramaturgie, Auflösung und

Schauspielführung, Inszenierung

von Körperlichkeit, Arbeiten im

Team, eigenes kreatives Potenzial

ausschöpfen, mehr über sich

selbst…

8

ONE COOL FACT ABOUT...

Regelmäßig finden gemeinsame

Workshops mit den Schauspielstudierenden

der Akademie

für Darstellende Kunst (ADK)

und Seminare mit international

renommierten Filmemacher*innen

statt.

9

MOTTO

Think out of the box!

138


Werbefilm/

Regie und

Producing

1

PROJEKTBETREUUNG

Olivia Marten

2

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Martin Schmid

6

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

Werbung ist das schnelllebigste

Geschäft. In kürzester Zeit sehr

viele Projekte umzusetzen und

dadurch extrem viele Kontakte

in allen Bereichen (Agentur,

Produktion, Postproduktion usw.)

zu sammeln.

7

MYTH BUSTING: WAS LERNT

MAN HIER NICHT?

Es gibt kein Rezept, um erfolgreich

zu werden. Jede/r muss ihren/

seinen eigenen individuellen

Weg finden, sich selbst dabei treu

bleiben und nicht den anderen und

ihren Meinungen folgen.

3

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

Ca. 3-4 Regie-Studierende

Ca. 3-4 Produktions-Studierende

4

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

Viel Film- und Werbefilminteresse

sowie den Mut, Neues auszuprobieren

und nicht dem Mainstream zu

folgen!

5

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

Die Filmakademie ist die einzige

Hochschule weltweit, die einen

solch spezifischen Studienschwerpunkt

für Werbefilm über einen

längeren Zeitraum anbietet.

Junge Auszubildende haben die

Möglichkeit, sich eine individuelle

Filmrolle mit großer Unterstützung

aus den Fachkreisen aufzubauen

und Kontakte zu den angesagtesten

Macher*innen der Branche zu

knüpfen.

8

ONE COOL FACT ABOUT...

Es gibt i.d.R. keine bis wenige

Vorgaben für ein Produkt oder ein

Kund*innenbriefing. Die Studierenden

haben die freie Wahl, welche

Art von Filmen sie realisieren

und für welche Marke sie diese

umsetzen.

In diesem Studienbereich werden

außerdem die meisten Festivalnominierungen

und -preise

abgeräumt ;)

9

MOTTO

Immer am Puls der Zeit durch

ständig sich ändernde Werbeformen,

Formate und durch deren

Veröffentlichung in und auf den

dafür vorgesehenen Medien und

Plattformen.

139


STECKBRIEF

Filmschauspielworkshop

+

International

Screen Acting Workshop

1

5

7

STUDIENKOORDINATION

Juliane Voigtländer

Volontärin: Jessica Layher

2

LEITENDE DOZIERENDE

Prof. Christian Wagner

3

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

28-30 Schauspieler*innen

4

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

Schauspielausbildung, Fantasie,

Offenheit und gute Energie!

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

Der Workshop ist sowohl deutschsprachig

als auch in Englisch

einzigartig und wird nur an der

Filmakademie Baden-Württemberg

angeboten.

Die Mischung aus Praxis und

Theorie sowie die Begegnungen mit

Branchenprofis und angehenden

Regisseur*innen runden das

Programm ab.

6

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

Tipps und Tricks für das Schauspiel

vor der Kamera.

Und: Nachwuchsschauspiel meets

Nachwuchsfilmer*innen – hier ist

die Kontaktbörse ;-)

MYTH BUSTING: WAS LERNT

MAN HIER NICHT?

Leider dürfen die während des

Workshops gedrehten Szenen nicht

veröffentlicht werden. Es gibt also

KEIN Demomaterial.

8

ONE COOL FACT ABOUT...

Follow us on Instagram or on our

Blog websites:

https://www.instagram.com/

screenacting_fabw/?hl=de

https://filmschauspielworkshop.

wordpress.com/

https://internationalscreenactingworkshop.wordpress.com/

9

MOTTO

Schon filmreif ?

140


1

STUDIENKOORDINATION

2

PROJEKTBETREUUNG

3

LEITENDE DOZIERENDE

4

WIE VIELE STUDIERENDE

PRO STUDIENJAHR?

6

WARUM SOLLTE MAN

UNBEDINGT HIER STUDIEREN?

7

WAS LERNT MAN HIER

WÄHREND DES STUDIUMS?

8

MYTH BUSTING: WAS LERNT

MAN HIER NICHT?

9

ONE COOL FACT ABOUT...

10

MOTTO

5

WAS SOLLTE MAN

ALS BEWERBER*IN

MITBRINGEN?

141


FILMSCHAUSPIELWORKSHOP

142


EIN INTERVIEW MIT

… Sophie Köster und Julia Schubeius

IN ZEITEN VON CORONA IST „ONLINE“ IN

ALLER MUNDE - ONLINE-SEMINARE, DRE-

HEN VIA ZOOM UND ONLINE-WORKSHOPS.

DIE SCHAUSPIELERIN SOPHIE KÖSTER UND

FABW-STUDENTIN JULIA SCHUBEIUS (RE-

GIE/SZENISCHER FILM) HABEN MIT UNS

ÜBER IHRE ERFAHRUNGEN DER LETZTEN

MONATE GESPROCHEN: ÜBER DEN FILM-

SCHAUSPIELWORKSHOP, DER ERSTMALS

ONLINE STATTFAND, DEN DIGITALEN SEMES-

TERSTART – UND WARUM ONLINE-ERFIN-

DUNGSREICHTUM GUT IST, ABER DIE REALI-

TÄT DOCH EINIGE VORTEILE BIETET.

JULIA: Unsere Gruppe bestand aus fünf Studierenden

der szenischen Regie, Christian Wagner, unserem Regiedozenten,

und Silke Harten-Preiss, der Studienkoordinatorin.

Wir haben ganz viel darüber gesprochen, wie

wir uns dieses Corona- bzw. Zoom-Semester vorstellen.

Christian hat uns sehr mit eingebunden, was super

war, weil man dadurch Feedback geben konnte. Darüber

nämlich, wie es läuft, ob es effektiv ist oder ob

wir in dieser Form etwas lernen. Auch in der Frage, ob

der Unterricht zu lang oder zu kurz ist, da sich niemand

so recht damit auskannte, hat Christian uns mit einbezogen.

Dadurch hatte ich das Gefühl, dass es sehr lehrreich

war.

SOPHIE, DU HAST AM FILMSCHAUSPIELWORK-

SHOP 2020 DER FILMAKADEMIE BADEN-WÜRT-

TEMBERG TEILGENOMMEN, DER AUFGRUND DER

CORONA-SITUATION ZUM ERSTEN MAL ONLINE

STATTFAND. WIE SEID IHR VORGEGANGEN?

SOPHIE, WIE WAR ES FÜR DICH, AN DEM WORK-

SHOP ONLINE TEILZUNEHMEN? WO LAGEN DIE

HÜRDEN? WO LIEGEN DIE EVENTUELLEN VORTEI-

LE, BZW. GAB ES POTENZIALE, DIE SOGAR BES-

SER AUSGESCHÖPFT WERDEN KONNTEN?

SOPHIE: Am Anfang hatte man den Verdacht, dass er

nicht stattfinden wird. Überall ging es mit Absagen los.

Juliane (Voigtländer, Anm. d. Red.) schrieb mir dann

auch, dass der Workshop nicht stattfinden kann. Später

schrieb sie mir, dass er über Zoom abgehalten wird

und ob wir überhaupt noch mitmachen wollen. Viele

haben überlegt, aber für mich war total klar: Ja, dann

über Zoom, warum nicht - besser als gar nicht!

Es ging dann auch ziemlich schnell los mit dem Schauspielunterricht

bei Prodromos Antoniadis und Alexander

Buresch. Alle haben schnell gemerkt, dass doch vieles

möglich ist über Zoom. Ich glaube, einiges war sehr

theoretisch, aber mir fehlt da der Vergleich zu dem normalen

Workshop. Ich habe total viel mitgenommen über

diese sechs Wochen – das würde ich wirklich nicht missen

wollen. Trotzdem ist es super schade, dass man sich

nicht vor Ort gesehen hat, sich darüber unterhalten und

danach ein Bierchen trinken gehen konnte. Das macht

schon was aus.

JULIA, AUFGRUND DER CORONA-SITUATION IST

DEIN SEMESTER ONLINE GESTARTET. HATTET IHR

MEHR EINZELUNTERRICHT ODER GEMEINSAME

VERANSTALTUNGEN?

SOPHIE: Coachings finden ja bereits online statt und

auch E-Castings. Ich konnte mir allerdings nicht vorstellen,

wie es genau funktioniert, nur, dass es funktioniert.

Gerade bei Figurenarbeit findet viel über einen

sprachlichen Austausch statt, dass man einer Figur näherkommt

und einen eigenen Zugang findet, das funktioniert

über Zoom.

Aber zum Beispiel für das Method Acting fehlt die Hälfte

des Körpers. Das war interessant, aber man kommt

gar nicht dahin, wo man in sechs Wochen mit Cathy

Haase (Schauspiel-Coach, Anm. d. Red.) vor Ort kommen

würde, weil der ganze Körper eine Rolle spielt. Das

ist über Zoom eher ein intellektuelles Herangehen, bei

dem man schon sehr genau sagen kann, worum es in der

Szene geht. Dass man aber in eine Körperarbeit kommt,

ist schwierig.

JULIA UND SOPHIE, IHR BEIDE HABT IM RAHMEN

DES FILMSCHAUSPIELWORKSHOPS ZUSAMMEN

EINE SZENE ERARBEITET UND ÜBER ZOOM GE-

DREHT. WIE HABT IHR DAS AUS EUREN UNTER-

SCHIEDLICHEN PERSPEKTIVEN ALS SCHAUSPIELE-

RIN UND REGISSEURIN ERLEBT?

143


FILMSCHAUSPIELWORKSHOP

SOPHIE: Es war ganz lustig, weil man nicht wusste,

was auf einen zukommt. Wir alle sind mit einem

Fragezeichen gestartet. Ich hatte mir vorher die Serie

LIEBE. JETZT! angeschaut, die auch gerade gedreht wurde.

Dort habe ich mitbekommen, dass sie Handys aufeinander

geklebt haben, mit dem einen gezoomt und dem

anderen gefilmt haben. So konnte man sich informieren,

welche Möglichkeiten es gibt, welche schon ausprobiert

wurden, funktionieren und vor allem gut aussehen.

JULIA: Das war sehr hilfreich und genau das haben wir

für unsere Szene direkt übernommen – die Handys aufeinander

zu kleben. Ich habe das so wahrgenommen,

dass das Proben und Filmen eine sehr konzentrierte Arbeit

war, weil ich den beiden Schauspieler*innen ins Gesicht

schauen konnte und sie dabei so nah waren wie

im Film hinterher auch. Ich habe eine Fokussierung gespürt

und hatte immer nur das Bild, das auch hinterher

im Film zu sehen ist. Wenn man probt, mit den Schauspieler*innen

spricht und in einem Raum ist, dann spürt

man Energien und denkt, Dinge sind schon da, die man

in dem Bild nicht sieht. Das war dann eine Erleuchtung

für mich, dass es etwas Positives haben kann, nur das zu

sehen, was man hinterher auch hat – über das Bild zu

kommunizieren, das dann im Film zu sehen ist.

SOPHIE: Die Szene war ja dann zum Glück auch eine

Videotelefonat-Situation. Das so zu spielen, als würde

man sich richtig unterhalten - was wir in einer anderen

Szene auch ausprobiert haben - war total lustig. Aber

in dieser Situation natürlich aufeinander zu reagieren,

funktioniert einfach nicht. Dadurch dass wir aber diese

Videotelefonat-Situation hatten und der Spielpartner

nur als Anrufer-Bild zu sehen war, klappte das ganz gut.

Lustig war dabei vor allem das Einrichten – die Lichtund

Tonproben. Ich bin wirklich durch den Garten gelaufen

und habe Lichter aufgehängt.

JULIA: Man gibt den Schauspieler*innen so auch viel

mehr Eigenverantwortung!

SOPHIE: Ich bin sehr froh, dass das nicht der Normalzustand

ist, weil es einfach Konzentration abzieht. Ich

muss schauen, dass die Kamera an ist, denn sonst ist

der Take umsonst. Stimmt das Licht? Sind die Requisiten

eingerichtet und ist das Weinglas halb gefüllt? Und steht

es wieder auf dem Platz am Anfang? Zudem muss ich

dann auf den Take spielen. Aber für diesen kurzen Zeitraum

ging das und die Konzentration war da.

144

JULIA, DU HAST DIE SZENEN MIT KOMMILITON*IN-

NEN AUS DEN BEREICHEN MONTAGE/SCHNITT

UND BILDGESTALTUNG/KAMERA UMGESETZT. WIE

SEID IHR MIT DEN ANFORDERUNGEN DES ON-

LINE-UNTERRICHTS UMGEGANGEN? WELCHEN

LÖSUNGSANSATZ HABT IHR GEFUNDEN?

JULIA: Wir hatten die Vorlage von einem existierenden

Spielfilm und die Gruppen wurden vorab eingeteilt.

Es war klar, dass Hendrik Ströhle die Kamera machen

und Roman Brauch schneiden würde. Hendrik und ich

haben uns früh entschlossen, die Szene als Videotelefonat

umzusetzen und nicht als richtiges Gespräch zwischen

den beiden. Das Material dahingehend zu verändern,

lag in unserer eigenen Entscheidung. Ich glaube,

die ursprüngliche Idee war es, dass alles in einem Raum

stattfindet. Wahrscheinlich sollte es so aussehen, als wäre

es echt und die Menschen in einem Raum. Das kam

uns aber zu abstrakt vor, weil man etwas herzustellen

versucht, das nicht da ist. Es ergeben sich allerdings

auch Vorteile aus einer solchen Situation, also haben wir

das dann so beschlossen! Hendrik fand es toll, dass die

Szene nachts spielen sollte, da man größere Möglichkeiten

mit dem Licht hat. Dafür hatte Sophie mehr mit dem

Lichtaufbau zu tun. Bei der Einrichtung des Lichts einen

Abend vor dem Dreh war ich dann selbst gar nicht dabei.

SOPHIE: Genau, ich bin mit dem Handy durch jedes

Zimmer gelaufen und habe alle beweglichen Lampen fotografiert!

Und da Hendrik warmes Licht wollte, habe

ich dann noch Decken und Gardinen drapiert. Aber es

war dann doch alles sehr schnell so eingerichtet, wie es

letztendlich aussehen sollte.

JULIA UND SOPHIE, WORIN BESTANDEN FÜR

EUCH WEITERE SCHWIERIGKEITEN BEI DIESER ART

ZU DREHEN? UND WAS WÜRDET IHR RÜCKBLI-

CKEND BESSER ODER ANDERS MACHEN?

JULIA: Die Schwierigkeiten würde ich in die technische

Richtung schieben und auch die Art von Nähe - das war

tatsächlich eine riesige Schwierigkeit!

SOPHIE: Ja! Es war vor allem auch so komisch nach dem

Drehen. Man hatte die Sehnsucht, das gemeinsam zu beenden,

aber dann saß man allein nach getaner Arbeit zu

Hause. Auch dass man, allein wegen der technischen Gegebenheiten,

nicht gleichzeitig etwas diskutieren kann.

Unter diesen Bedingungen haben wir das alles sehr gut

ausgeschöpft.


Es hat sehr viel Spaß gemacht! Es war so konzentriert!

Ich war allein, es hat nicht so sehr gewuselt um mich

herum und wir haben vorab auch schon Szenen über

Zoom geprobt. Das hat auch sehr gut funktioniert.

JULIA: Das habe ich jetzt auch für meine Regie 2 übernommen.

Wir haben das Casting mit ähnlichen Übungen

gemacht und die Proben auch. Ich konnte die Bilder

der Darsteller nebeneinander haben oder hin- und herschalten

und genau sehen, wie sie reagieren. Das war so

konzentriert und toll zu proben – das würde ich auch

ohne Abstandsregelungen genauso wieder machen! Ich

fand das sehr erkenntnisreich!

Bei einem anderen Projekt war es außerdem eine krasse

Erfahrung für mich, auch live Regiekommentare über

Zoom eingeben zu können. Diese Form von Improvisation

war ganz neu und sehr spannend für mich!

JULIA UND SOPHIE, KOMMEN FÜR EUCH IN ZU-

KUNFT WEITERE SOLCHER ONLINE-PROJEKTE IN-

FRAGE?

SOPHIE: Ja, ich finde sowas immer interessant, aber es

ist ja gerade hoffentlich auch kein Dauerzustand. Ich finde,

wenn man das ernst nimmt und nicht immer sagt

„Das geht nicht, weil wir das jetzt über Zoom machen

müssen“, dann ist wirklich einiges möglich.

JULIA: Ich fand es auch toll zu sagen, wir machen es so,

wie es jetzt gerade geht, denn anders geht es eben nicht.

Wir konnten es nicht live machen und es war richtig

geil, das Beste aus der Situation herauszuholen. Aber

würde es auch anders gehen und man könnte sich treffen,

würde ich das vorziehen.

An Online-Projekten würde mich auf Dauer stören, dass

die Schauspieler*innen viel mit der Technik beschäftigt

sind. Das würde ich ihnen gerne abnehmen.

SOPHIE: Bei LIEBE. JETZT! wurde den Schauspieler*innen

vorab alles aufgebaut. Das Set und die Kamera waren

eingerichtet und man musste nur noch auf Play drücken.

Es ist schon wirklich interessant, was möglich ist.

Aber mittlerweile wird ja auch wieder normal gedreht.

JULIA, DENKST DU, DIESE ART DES DREHENS

HÄLT IN DER ZUKUNFT NOCH MEHR POTENZIAL

BEREIT?

JULIA: Das glaube ich eher nicht. Ich verspüre jetzt

schon in vielen Richtungen, dass diese Art von Film die

Leute nervt – sowas wie: „Nicht schon wieder so ein

Corona-Film, in dem man nur 1.000 talking heads sieht“.

Es ist ja tatsächlich oft beschränkt auf sprechende Menschen.

Es könnte natürlich auch sein, dass sich daraus

ein Trend entwickelt, wobei es den vorher auch schon

gab. Es gab ganze Kinofilme, die nur über Desktops stattfanden

und auch meine Filmgestaltung 1 - da wusste ich

noch gar nichts von Corona - war ein reiner Zoom-Film.

JULIA UND SOPHIE, WIE LANGE HABEN DIE DRE-

HARBEITEN GEDAUERT? WAS HAT AM MEISTEN

SPASS BEREITET?

JULIA: Am meisten Spaß hat es gemacht, wenn die beiden

ihre Kamera angemacht haben. Die ganzen Durchläufe,

die haben immer super viel Spaß gemacht, weil

man eben nur zuschauen konnte. Für die Szene haben

wir dann ungefähr drei Stunden gebraucht.

SOPHIE: Danach durfte man das Speichern nicht vergessen

- man war ja die Einzige, die zu dem Zeitpunkt

die Aufnahme hatte. Was dann länger gedauert hat, war

das Transferieren der Daten. Das hat ungefähr eine Woche

gedauert.

SOPHIE, WIE HAST DU DICH AUF DIESE SPEZI-

ELLEN DREHARBEITEN VORBEREITET, IN DENEN

DU SCHON UM DEN GENAUEN BILDAUSSCHNITT

WEISST? WAS WAR DABEI DIE BESONDERE HER-

AUSFORDERUNG?

SOPHIE: Ich habe mich nicht speziell vorbereitet. Ich

habe zwar gedacht, ich könnte das Spiel auf Zoom im

Blick haben, aber das geht nicht. Dann spiele ich mit

mir selbst - das funktioniert für mich nicht. Das Kamerabild,

das mich aufnimmt, sahen die anderen auch erst,

nachdem ich es verschickt hatte und das ist wiederum

anders als das eigentliche Zoom-Bild. Und da ich selbst

das Kamerabild nicht sehe, macht das für mich gar keinen

Unterschied. Ich mache auch jetzt die Selbstansicht

aus, weil ich merke, dass ich mich durch diesen Kontrollblick

selbst unterbreche und das stört den Fluss. Das

ist eher ein Hindernis als eine Hilfe – und ich verlasse

mich da auf die Regie.

SOPHIE, VOR CORONA HAST DU AM OLDENBURGI-

SCHEN STAATSTHEATER GESPIELT. WIE WIRD DEI-

NER MEINUNG NACH DAS MITEINANDER AUF DER

BÜHNE UND AM SET IN ZUKUNFT NACH CORONA

AUSSEHEN?

145


FILMSCHAUSPIELWORKSHOP

SOPHIE: Ich glaube, es wird sich sehr schnell wieder

normalisieren. Ich merke an mir selbst, dass ich mich

immer wieder daran erinnern muss, dass Corona-Zeit

ist. Es ist noch lange nicht in meinem Körper angekommen,

dass sich etwas verändert hat. Es ist in meinem

Kopf, aber ich habe immer noch den Impuls, alle Leute

zu umarmen. Es kommt jetzt darauf an, wie lange es

geht. Ich glaube nicht, dass sich schon nachhaltig etwas

verändert hat. Wenn die Kontaktbeschränkungen aber

noch den ganzen nächsten Sommer dauern und man

sich daran gewöhnt, braucht es sicher etwas länger, bis

man wieder normalen engen körperlichen Kontakt hat.

Ich kenne das eben anders, weil man sich durch die Arbeit

sonst so nah ist, viel miteinander rumhängt und klischeemäßig

ein bisschen „touchy“ ist – ich kann mir das

gar nicht anders vorstellen, ehrlich gesagt!

Ich habe seitdem nicht mehr geprobt. Aber was ich von

Kollegen mitbekomme, ist ein Abwarten, bis Corona

vorbei ist. Ich glaube, es hat niemand echte Ambitionen,

sich in diesem Zustand einzurichten.

SOPHIE, WAS STEHT BEI DIR IN DER NÄCHSTEN

ZEIT AN?

SOPHIE: Ich habe neue Fotos gemacht und will mir

jetzt eine Agentur suchen. Bisher habe ich hauptsächlich

Theater gespielt und habe den Filmschauspielworkshop

deshalb besucht, um die Filmbranche besser kennenzulernen.

Ich versuche mich jetzt dort weiter zu positionieren.

[ • ]

146


FILMAKADEMIE BADEN-WÜRTTEMBERG GMBH

AKADEMIEHOF 10

D - 71638 LUDWIGSBURG

TEL: +49 7141 969 0

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IMPRESSUM

HERAUSGEGEBEN VON DER

FILMAKADEMIE BADEN-WÜRTTEMBERG GMBH

LUDWIGSBURG

VERANTWORTLICH IM SINNE DES PRESSEGESETZES

Prof. Thomas Schadt

REDAKTION

Andreas Friedrich, Fenja Schnizer

Für das Animationsinstitut: Fabian Stetzler

INTERVIEWS

Andreas Friedrich, Fenja Schnizer, Meike Steinmetz, Fabian Stetzler, Jessica Layher

TEXTE

Michael Achilles, Andreas Friedrich, Marianne Harr, Farina Hasak, Anne Christine Knoth,

Yves Alain Lambert, Guido Lukoschek, Prof. Thomas Schadt, Fenja Schnizer, Hanna Seidel,

Meike Steinmetz, Fabian Stetzler, Dorothea Volke

GESTALTUNG

Kommunikationsdesign Heide Sorn-Daubner, Stuttgart

DRUCK

Ungeheuer + Ulmer KG GmbH & Co., Ludwigsburg

AUFLAGE

2.000

FOTONACHWEIS

Umschlag, S. 2, 4 (linke Spalte, 2.v.o.):

Setfotos „Supernova“ - © Hugo Lenhardt

S. 3: Porträt Thomas Schadt -

© FABW / Fotograf: Roland Mönch

S. 4, 10: Akademiecampus -

© FABW / Fotografin: Catharina Clausen

S. 4: Porträt Yoshi Heimrath - © Yoshi Heimrath

S. 4, 84: Italienische Zitronen - © Andreas Friedrich

S. 5: Porträt John Gürtler - © Lena Härtl

S. 5: Porträt Matthias Drescher - © Tanja Gierich

S. 5: Porträt Joachim Kosack - © Bernd Jaworek

S. 5: Porträt Ida Marie Sassenberg und Hanna Seidel - © privat

S. 5: Porträt Sophie Köster - © Lenja Schultze

S. 5: Porträt Julia Schubeius - © 2020 Finnegan Godenschweger

S. 11: Porträt Jutta Allmendinger - © WZB: David Ausserhofer

S. 12: © FABW / Fotografin: Catharina Clausen

S. 13: Rimini Protokoll - © Rimini Protokoll

S. 13: Porträt Simon Jon Andreasen - © privat

S. 19: © FABW / ADK

S. 20-23: Setfotos „Supernova“ - © Hugo Lenhardt

S. 28-33: Internationale Netzwerke - © Guido Lukoschek

S. 35: Team International Office - © Roland Mönch

S. 37: „Trümmermädchen“ (rechte Spalte oben) -

© FABW / Fotograf: Philip Henze

S. 60-61, 63-66: „Berlin Alexanderplatz“ - © Yoshi Heimrath

S. 62: Porträt Yoshi Heimrath - © Yoshi Heimrath

S. 77: Setfoto „22 Karat Liebe“ - © Tibor Pilz

S. 78: „Rocca verändert die Welt“ - © Tiedeken

S. 79: Porträt Steffi Ackermann - © Anne Wilk

S. 79 Porträt Jochen Laube - © privat

S. 81: Setfoto „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ -

© Frédéric Batier

S. 83: Teamfoto „Hallo Again“ -

© Warner Bros./Sommerhaus Film/Gordon Timpen, SMPSP

S. 88: Porträt Christina Honig - © Philip Müller

S. 88: Porträt Thomas Lechner - © privat

S. 90: Porträt Philip Gassmann: © privat

S. 92-93: CampusforFuture - © Farina Hasak

S. 97, 99: Aufnahmestudio - © Ed Davenport

S. 98: Porträt John Gürtler - © Lena Härtl

S. 101: Cover Eigenlicht - © Counterchange Recordings

S. 102: © Fabian Uhlmann

S. 103: © Mathias Steiner

S. 107: Porträt Jürgen Klozenbücher, Heike Sperling, Alexander

Hanowski - © Jörg Kahlhöfer

S. 108: Porträt Constanze Bühner -

© FABW / Fotografin: Catharina Clausen

S. 110: Porträt Henrike Sommer - © Katja Leifheit

S. 110: Porträt Adrian Steuer - © Hendrik Ströhle

S. 111: Porträt Anne Christine Knoth, Ute Härter -

© Stella Traube für den Verbund der deutschen Filmhochschulstudierenden

S. 113: © FABW / Fotografin: Catharina Clausen

S. 116: Porträt Matthias Drescher - © Tanja Gierich

S. 117, 121: Matthias Drescher - © privat

S. 118-119: © FFL Film- und Fernsehlabor Ludwigsburg

S. 120: © Internationales Trickfilm-Festival Stuttgart /

Fotograf: Reiner Pfisterer

S. 122: © 2019 LÉROT / Leon C. Greiner / www.lerot.de

S. 123: Porträt Yves Alain Lambert - © privat

S. 124: Porträt Joachim Kosack - © Bernd Jaworek

S. 132: © FABW / AStA

S. 134-137: Kampf gegen Upskirting - © s. Bildunterschriften

im Text

S. 142: Porträt Sophie Köster - © Lenja Schultze

S. 142: Porträt Julia Schubeius -

© 2020 Finnegan Godenschweger

Weitere Fotos:

© Filmakademie Baden-Württemberg GmbH (FABW)


Filmakademie Baden-Württemberg GmbH | Akademiehof 10 | 71638 Ludwigsburg

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