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JovisVerlag

Wald und Holz.

Architektur(-theorie)

zwischen romantisch-völkischer

Verklärung und wissenschaftlicher

(Klimaschutz-)Aufklärung

Forest and Wood:

Architecture (Theory) between

Romantic, Populist Idealizing and

Scientific (Climate Change) Enlightenment

Stephan Trüby

1 Martin Heideggers Hütte | Martin Heidegger’s hut, Todtnauberg, Deutschland | Germany

© Muesse, Wikimedia Commons


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Vom Geigenbau abgesehen, gibt es wohl keine Kulturtechnik,

die – jedenfalls in den allermeisten Klimazonen – so

abhängig ist von Wäldern, Bäumen und Holz wie die Architektur.

Und doch steht nach einer rund zweitausendjährigen Geschichte

der Architekturtheorie ein systematischerer Versuch

noch aus, die Geschichte des Waldes auf die Geschichte der

Architektur zu beziehen. Die folgenden Ausführungen mögen

hierzu einen – natürlich höchst fragmentarischen – Anfang bilden.

Gleichzeitig stellen sie vor dem Hintergrund verbreiteter

nationalistischer Lesarten von Wäldern zumindest passagenweise

eine vertiefende Analyse (der Entstehungsbedingungen)

von „rechten Räumen“ dar, die der Verfasser an anderer Stelle

unternommen hat. 1 In diesem Zusammenhang sind insbesondere

die Epoche der Romantik, die Heimatschutzbewegung

sowie die Idee des einsamen Hauses bzw. der ländlichen Siedlung

als Brückenköpfe einer völkisch inspirierten Besiedelungstaktik

zu erwähnen. Ein bekannt gewordener Vorschlag Reyner

Banhams sei an den Anfang der folgenden Zeilen gestellt. In

seinem Buch The Architecture of the Well-Tempered Environment

unterscheidet der britische Architekturhistoriker mithilfe

einer Parabel zwei Formen der Raumbildung, nämlich die konstruktive

und die energie-gestützte. Eines Abends, so Banham,

kommt ein „wilder Stamm“ an eine Lagerstätte, an der wie

durch ein Wunder Bauholz liegt: „Es gibt zwei Möglichkeiten,

mit dem Umwelt-Potential Holz umzugehen: Es könnte entweder

zur Errichtung eines Wind- und Regenschutzes genutzt

werden – die konstruktive Lösung – oder um ein Feuer zu machen

– die energiegestützte Lösung.“ 2 Banhams Doppeloption

ist, wie zu zeigen sein wird, jedoch zu erweitern: Holz durchkreuzt

die Architekturgeschichte nicht nur in der gesägten

Form von Halbzeugen und nicht nur in der brennenden Form

von Wärme; Holz taucht bereits in der antiken Architekturtheorie

als Metaphernlieferant auf – und in jüngerer Zeit auch als

wachsender Baustoff in lebenden Häusern, und zwar mit einem

ökologisch inspirierten Begleitsound, der allerdings in einem

besonders prominenten Fall deutlich ins Rechtsesoterische spielt.

I. Die Geburt des aufklärerischen Vorbilds „Urhütte“

aus dem Geiste der „Holznot“. In der antiken Architekturtheorie,

die bis auf wenige marginale Namen im Grunde

vom römischen Autor Vitruv (81–15 v. Chr.) repräsentiert wird,

spielen im Gegensatz zu silvanen (also waldbezogenen) eher

arboreale (also baumbezogene) Überlegungen eine Rolle. Die

frühesten Formen von Häusern sind bei Vitruv daher „Nachahmungen

von Naturformen (Laubhütten, Schwalbennester,

Höhlen) gewesen, da die Menschen von Natur zur Nachahmung

geneigt seien“. 3 Die Nachahmungstheorie Vitruvs ist jedoch

nicht nur auf den Ursprung der Architektur bezogen, sie zeigt

sich auch in seiner Interpretation des griechischen – und hier

insbesondere des dorischen – Tempels, dessen Steindetails er in

einer Art vorweggenommenen „Stoffwechseltheorie“ 4 auf hölzerne

Zimmermanndetails zurückführt. Silvane Schilderungen

2

Charles Eisen: Die Allegorie der Architektur zeigt dem menschlichen

Genius die Urhütte, aus: | from: Marc-Antoine Laugier:

Essai sur l’Architecture, 2. Aufl., Paris 1755.

tauchen in der römischen Antike insbesondere außerhalb der

Architekturtheorie auf, und zwar vor allem in den Beschreibungen

von germanischen Wäldern aus antiker mediterraner Perspektive

bei Cäsar, Plinius (er berichtet in seinen ca. 77 n. Chr.

verfassten Naturalis historiae von „hallenartigen Wäldern“)

oder in Tacitus’ Germania. 5 Tacitus berichtet darüber hinaus in

seinen Annales von der siegreichen Schlacht des Germanenführers

Arminius (Hermann der Cherusker) gegen den römischen

Feldherr Varus im Teutoburger Wald. Derlei übernahm der

deutsche Humanist Conrad Celtis (1459–1508) für die Neuzeit

und kontrastierte in Fortschreibung antiker Spekulationen eine

„in der wilden Sumpf- und Waldnatur begründete germanische

Sinnlichkeit“ gegenüber „einer römischen Dekadenz und Luxussucht

aus dem Geiste der imperialen Weltstadt“. 6 Dass hiermit

1 Trüby, Stephan: Rechte Räume. Politische Essays und Gespräche, Basel 2020.

2 Banham, Reyner: The Architecture of the Well-Tempered Environment,

Chicago 1984, 19. (Übers. S.T.)

3 Kruft, Hanno-Walter: Geschichte der Architekturtheorie, München 3 1991, 23.

4 Dieser Begriff ist stark mit Gottfried Semper verknüpft.

5 Vgl. Zechner, Johannes: Der deutsche Wald. Eine Ideengeschichte

zwischen Poesie und Ideologie 1800–1945, Darmstadt 2016, 16–18.

6 Zechner: Der deutsche Wald (wie Anm. 5), 19.

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Sortenrein

oder gemischt?

Zur Hybridität

im Holzbau

Monomaterial or Mixed Varieties?

On Hybridity in Timber Construction

Anne Isopp

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1

Wohnbau Esmarchstraße 3 in Berlin | Residential building at Esmarchstraße 3 in Berlin. Planung | Planning:

Kaden Klingbeil Architekten, Statik | Statics: Julius Natterer mit | with Tobias Linse, Berlin, 2008 © Photo: Bernd Borchardt


In ländlichen Bereichen hat man schon immer mit

Holz gebaut, nun hält der Holzbau auch vermehrt in den

Städten Einzug. Hier wird naturgemäß höher und größer gebaut,

deshalb bedienen sich ArchitektInnen vermehrt einer

hybriden Bauweise, meist einer Kombination von Holz und

Beton. In vielen Fällen lassen die Brandschutzverordnungen

auch gar nichts anderes zu. Die Frage, ob man diese Hybridbauten

überhaupt als Holzbau bezeichnen kann, wird in Fachkreisen

unterschiedlich beantwortet. Dabei hat die Kombination

mit anderen Materialien das mehrgeschossige Bauen mit

Holz erst salonfähig gemacht. Was heißt es eigentlich, sortenrein

mit Holz zu bauen und welche Mischungsverhältnisse

sind üblich?

Was ist ein Holzbau? Oder anders gefragt: ab wann

ist ein Haus ein Holzhaus? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten

und erhitzt in Diskussionen immer wieder die Gemüter.

Ein Gebäude, an dem sich diese Diskussion gerne entzündet,

ist das „HoHo Wien“, das derzeit mit seinen 84 Metern

als höchstes Holzhaus Österreichs gelistet wird. Die einen sagen:

„Das ist ja kein richtiger Holzbau!“ und argumentieren mit

dem Erschließungskern aus Stahlbeton, den Randträgern aus

Beton und den Holz-Beton-Verbunddecken. Die anderen sagen:

„Ohne eine hybride Bauweise gäbe es dieses Hochhaus nicht!“

und führen an, dass es im Hinblick auf die Erfüllung der Brandund

Schallschutzanforderungen durchaus Sinn mache, unterschiedliche

Materialien miteinander zu kombinieren und dabei

materialimmanente Nachteile zu kompensieren.

Eine Vielzahl an Kriterien wie Ort, Budget, Funktion,

die individuelle Architektursprache, Gewohnheit und

auch Überzeugung bestimmen, welche Materialien ArchitektInnen

für Konstruktion und Ausbau auswählen. Gewöhnlich

bauen sie im mehrgeschossigen Segment mit Stahlbeton und

Ziegel, der Holzbauanteil ist noch relativ gering, dennoch steigend,

da die Nachfrage nach nachhaltigem und ressourcenschonendem

Bauen zunimmt. Vielleicht gerade wegen dieser ökologischen

Überlegenheit des Holzes als nachwachsender und

CO 2

speichernder Baustoff scheint es, dass für den Holzbau

höhere Maßstäbe angelegt werden als für andere Bauweisen.

Ein echtes Holzhaus müsse doch auch von außen als

solches erkennbar sein, heißt es immer wieder, sprich, es muss

eine Holzfassade haben. Für den Vorarlberger Architekten

Hermann Kaufmann ist diese Forderung nicht nachvollziehbar:

„Für Holz gilt das Gleiche wie für alle anderen Materialien. Ein

Gebäude zeigt in der Regel nicht, aus welchen Materialien es

gebaut ist. So hat ein Haus, das konstruktiv aus Beton besteht,

in der Regel auch keine Sichtbetonfassade oder ein Ziegelbau

keine Sichtziegelfassade. Es gibt Situationen, in denen naturbelassenes

Holz als Haut die einzige richtige Antwort ist. Ebenso

gibt es Umgebungen, in die das nicht passen würde.“ 1 Es geht

aber auch anders herum. Soll einem Stahlbetonhaus ein wärmeres

und nachhaltigeres Erscheinungsbild gegeben werden,

wird es gerne mit einer Holzfassade verkleidet. Was hinter

der Fassade liegt, ist oft schwer zu erkennen.

Angedockte Holzkonstruktion | Timber construction system attached to the core

Holz-Beton-Verbunddecken | Timber-concrete composite ceilings

Betonkern | Concrete core Holzkonstruktion angedockt |

Timber construction system attached to the core

2

Tragwerkskonzept des HoHo Wien | Load-bearing concept for HoHo Wien.

Planung | Planning: RLP Rüdiger Lainer + Partner Architekten,

Statik | Statics: Woschitz Group, 2019 © RLP

Monomaterialität – Hybrid. Der Tragwerksplaner

Konrad Merz stellt sich unserer Frage, ab wann ein Bau ein

Holzbau ist, pragmatisch: „Es gibt eigentlich keinen reinen

Holzbau. Jedes Gebäude ist ein Hybridbau.“ 2 Im Grunde gibt

es immer einen mineralischen Keller oder zumindest eine mineralische

Bodenplatte. In dieselbe Kerbe schlägt auch Richard

Woschitz, der mit seinem Team für die Tragwerksplanung des

„HoHo Wien“ (Abb. 2) verantwortlich war: „Ich kenne keinen

reinen Holzbau. Ich glaube, dass es ideologische Vorurteile sind,

die dazu führen, so viel wie möglich in Holz zu machen, auch

in Bereichen, wo andere Baustoffe logischer wären.“ 3

Beide sind der Meinung, dass man die Materialen

doch dort einsetzen solle, wo sie ihre Stärken haben. Die

Schweizer Holzbauingenieure von Timbatec hingegen versuchen

in ihren Bauwerken, soviel Holz wie möglich und nur soviel

Stahlbeton wie nötig einzusetzen. Sind die einen nun Pragmatiker,

die anderen Idealisten? Gerade der Holzbau bietet

eine große Bandbreite an Bauweisen und Detaillösungen an,

dass es nur logisch ist, dass sich darin auch unterschiedliche

Denkweisen widerspiegeln.

Nähern wir uns der Eingangsfrage daher wissenschaftlich:

In der Studie „Holzbauanteil in Österreich“, die

Alfred Teischinger, Robert Stingl und Marie Louise Zukal von

der Universität für Bodenkultur in Wien für proholz Austria

erstellten, schreiben sie, dass der Begriff des Holzbaus in den

1 Isopp, Anne: ‚Gespräch mit Architekt Hermann Kaufmann“, in: B&O

Gruppe (Hg.): Wie wir heute für die Welt von morgen bauen,

Bad Aibling 2020, 20–21.

2 Merz, Konrad im persönlichen Gespräch, September 2020.

3 Kaiser, Gabriele: ‚Gespräch mit Richard Woschitz über das Konstruktionsprinzip

des HoHo Wien“, in: Cetus Baudevelopment GmbH (Hg.):

HoHo Wien, Wien 2019, 73.

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Holzbau. Eine

Überlebensstrategie

Timber Construction: A Strategy for Survival

Jens Ludloff

1 Ophelis Ausstellungshalle | Showroom for Ophelis, Bad Schönborn, Deutschland | Germany, 2018–2020 © Ludloff Ludloff, Photo: Jan Bitter


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Holzbau kann als Methode begriffen werden, die

aus tolerierbaren Ungenauigkeiten nachhaltig erfahrbare Architektur

generiert. Holzbau kann ein andersartiges Raumvokabular

und ein neues Raumverständnis hervorbringen. So

kann Bauen mit Holz nicht zuletzt einen wesentlichen Beitrag

zum Diskurs über nachhaltiges Handeln liefern.

Vorab. Nachhaltiges Handeln hat sich im aktuellen

Diskurs vom vorausschauenden Agieren zu einer Anleitung zur

Bewältigung von Krisen gewandelt. Mit dieser „Anerkennung“,

die der Ursprungsdefinition „vom nachhaltenden Handeln“ von

Carl von Carlowitz, 1 dem Oberbergmann August des Starken

wieder näher kommt, erleben wir Nachhaltigkeit im Krisenmodus,

als einen faktischen Zustand der Normalität. Daher

wundert es nicht, dass der aktuelle gesellschaftliche Diskurs

zu keiner echten Veränderung führt. Zwar wird in diesem Zusammenhang

im politischen Feld immer wieder eine gesellschaftliche

Wende angemahnt, also das Verlassen der bisher

eingeübten Rituale. Aber von einer Umsetzung konkreter

Handlungen kann weiterhin kaum die Rede sein. Durch ständigen

folgenlosen Gebrauch sind selbst die Begriffe „Wende“

oder eben auch „Nachhaltigkeit“ bereits verbraucht, annektiert

und weichgespült. Und doch ist das Wissen um die Notwendigkeit

einer radikalen Veränderung des Handelns angesichts der

Klimakrise allgegenwärtig.

Kultur. Höchstleistungen der Kulturen sind scheinbar

untrennbar mit einem Maximum an Ressourcenverbrauch

verbunden. Dies gilt historisch und aktuell für Rohstoffe, Energieträger

und „Human Resources“ gleichermaßen. Diese Erkenntnis

scheint heute so interpretiert zu werden, dass kulturell

asketische Zeiten auch besonders nachhaltige Epochen gewesen

seien. Müssen wir also alle barocken Hüllen und jeden

berauschend sinnlichen Lustgewinn, ja jeden ästhetischen Anspruch

aufgeben, hilft nur die Askese, um eine „wirkliche Nachhaltigkeit“

zu erreichen? Von der Aufklärung über den Humanismus

zum Anthropozän 2 hat sich das menschliche Selbstbild

radikal verändert – vom Lebensgefühl des „in der Welt sein“

zum „an Bord sein“. 3 Was ist notwendig, da uns die Götter verlassen

haben, weil wir nicht mehr an sie glauben, damit wir

selbst den Steuerknüppel in die Hände nehmen?

Steuern wir los. Ende der 1960er-Jahre hat Richard

Buckminster Fuller die Erde in seinem Buch Spaceship Earth 4

mit einem Raumschiff verglichen und dargelegt, dass wir keine

Gebrauchsanweisung zur Steuerung benötigen, da es sich um

ein robustes Flugobjekt handelt. Es ist mit einer schützenden

Hülle, der Atmosphäre, und mit einem Energielieferanten, der

Sonne, ausgestattet, die mehr Energie bereitstellt als wir auf

der Erde je verbrauchen könnten. Einschränkend weist er darauf

hin, dass wir unseren Erkenntnissen folgen und gegensteuern

müssen, falls es eines Gegensteuerns bedürfe. Dass

dieser Bedarf nunmehr besteht, ist offenkundig. Warum also

ist die Spaltung von Erkenntnis und Handlung, d.h. Steuerung,

so groß? Wenn das Steuern, also unser Verhalten, sich unter

dem Eindruck neuer Erkenntnisse verändern würde, hätte es

die Klimakrise von heute nie gegeben.

Raum- statt Weltraumerfahrung. Aktuell können

wir feststellen, dass in der Corona-Pandemie konkrete wissenschaftliche

Erkenntnisse als Handlungsanweisung unmittelbar

in den politischen Raum gelangen und binnen kürzester Zeit in

Gesetzesform lebensgestaltend wirksam werden. Es fragt sich,

warum dieser „neue“ Zusammenschluss von Wissenschaft und

Politik nicht auch im Bezug auf die globale Erwärmung gelingt.

Wo liegt der Unterschied? Was treibt uns jeweils an? Maßgebend

für unser individuelles Handeln scheinen stets unsere

Sinneserfahrungen und Wahrnehmungen im Sinne der „leiblichen

Betroffenheit“ 5 zu sein. Dagegen scheint die primär kognitive

Verarbeitung einer Situation, wie jene der Klimaerwärmung,

kein verantwortliches Handeln nach sich zu ziehen. Hier

wird eine Spaltung zwischen Erleben und Wissen deutlich, gehören

doch die uns global bedrohenden Symptome mittlerweile

zu unserem selbstverständlichen Wissensbestand.

Was ist und was sein könnte. Der Architektur

kommt im Erleben von leiblicher und damit auch ästhetischer

Betroffenheit eine Schlüsselrolle zu. Auf die Ausstattung der

Menschen, die neben dem „Wirklichkeitssinn“, auch einen

„Möglichkeitssinn“ besitzen, hat uns Robert Musil in Der

Mann ohne Eigenschaften aufmerksam gemacht. 6 Wir können

nicht nur wahrnehmen was ist, sondern wir sind in der Lage

uns vorzustellen, was sein könnte oder geschehen müsste – ein

Denken, das im Entwurf und der Planung von Architektur seit

jeher eine besondere Rolle spielt.

Jeder ist ein Entwerfer. Wenn wir den Gedanken

vom „Anthroprozän“ aufnehmen, so ist die bestehende Welt

bereits von uns Menschen entworfen worden. Das Entwerfen

ist eine Kulturtechnik, die der Mathematiker und Designtheoretiker

Horst Rittel als eine Kompetenz des Alltags beschrieben

hat. 7 Beispielsweise zeigt sich das Entwerfen im Alltag

1 Vgl. von Carlowitz, Carl: Sylvicultura Oeconomica. Haußwirthliche Nachricht

und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht, Leipzig 1713.

2 Vgl. Crutzen, Paul J.: ‚Geology of Mankind“, Nature 415 (2002), 23.

3 Sloterdijk, Peter: ‚Wie groß ist „groß‘“, Peter Sloterdijk – Philosoph und

Schriftsteller, online unter: https://petersloterdijk.net/2015/04/

wie-gross-ist-gross/ (Stand: 19. Januar 2021).

4 Fuller, R. Buckminster: Operating Manual for Spaceship Earth,

Carbondale 1969.

5 Böhme, Gernot: Ethik leiblicher Existenz, Frankfurt am Main 2008, 126.

6 Musil, Robert: Der Mann ohne Eigenschaften, Lausanne 1943, 16.

7 Vgl. Rittel, Horst W.J.: Thinking Design. Transdisziplinäre Konzepte für

Planer und Entwerfer, neu herausgegeben von Rolf D. Reuter und

Wolfgang Jonas, Basel 2013.

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From Trees to

Wood and Beyond:

A Brief Look Into

Wood Structure

Vom Baum zum Wald und darüber hinaus.

Ein kurzer Ausflug in die Holzstruktur

Alan Crivellaro | Flavio Ruffinatto

1 What can we learn by looking at wood through the lenses? From the image of a thin section we learn that this willow suffered from extreme cold

and was growing tilted, not upright. | Was kann man durch die mikroskopische Betrachtung von Holz lernen? Diesem Schnitt ist zu entnehmen,

dass diese Weide unter extremer Kälte gelitten hat und verdreht gewachsen ist. © Crivellaro A.


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Unlike other building materials that are homogenous

in nature, construction wood is a remarkably diverse resource

derived from trees. 1 Everybody knows what a tree is: a large

woody thing that provides shade. A stricter, more inclusive, botanical

definition describes a tree as any plant with a self-supporting,

perennial woody stem. 2 Thus, “trees” cover the towering

giants over 115 meters through to little sprawling flowering

woody plants no more than a few centimeters tall that grow in

our gardens such as sage, rosemary, or even oregano. Trees are

social; as they tend to grow in forests. 3 A forest describes a

community of plants, animals, microbes, and all other organisms

interacting together and with the chemical and physical

features of their environment.

In our era, the most abundant trees are within the

angiosperms (a group of plants producing flowers and enclosed

seeds such as oak, beech, eucalyptus) and gymnosperms (plants

producing uncovered seeds such as spruce, pine, fir). Industrially,

wood obtained from angiosperms is called hardwood, and

that from gymnosperms, softwood. Notably, this nomenclature

does not necessarily reflect the actual wood properties; balsa (a

hardwood) is much softer than average softwood. 4

The growth of a tree is achieved by two kinds of

events, each controlled by specialized parts of the plant. The

first is mediated by the shoot apexes and is responsible for stem

and branch elongation. Tree stems also have the ability to get

thicker. This second growth type is determined by the proliferative

activity of vascular cambium, a group of dividing cells located

between wood and bark, and responsible for wood production.

5 Because of such mechanism of stem thickening, the

oldest wood lies in the center of the stem. The younger, external

wood is the water-conducting tissue (sapwood), and it dies

and becomes unable to do so in the innermost heartwood. In

the heartwood of many trees, a variety of polyphenols protect

these dead parts from fungal attack. Worth of notice for construction,

heartwood and sapwood have different properties.

Offering limitless construction designs, wood has a

high strength to weight ratio thanks to its cellular structure. Several

secrets can be revealed by looking at its rarely seen microstructure.

First of all, wood shows intricate patterns created

by cells of different sizes and shapes. In softwoods (figs. 2–3),

tracheids are the predominant wood cell type. They are longitudinally

positioned along the stem and constitute the majority

of the woody mass. Their functions are both to conduct water

and to provide structural support to the tree. Approximately

2–4 millimeters long and roughly 30–60 micrometers wide, they

are connected side-to-side via pits to allow water to pass upward.

In addition to tracheids, parenchymal cells are also present.

The rays, ribbon-like structures positioned radially within

the stem, with the main task of carrying plant metabolites (like

sugars and starch), are mainly constituted by such parenchymal

cells. In hardwoods (fig. 4–6), fibers are the predominant wood

1 See Michael H. Ramage et al., “The Wood from the Trees: The Use of

Timber in Construction,” Renewable and Sustainable Energy

Reviews 68 (2017): 333–359.

2 See Peter A. Thomas, Trees: Their Natural History (Cambridge, 2014).

3 See Jesus San-Miguel-Ayanz et al., European Atlas of Forest Tree Species

(Luxembourg, 2016).

4 See Ramage et al., “The Wood from the Trees” (see note 1).

5 See Thomas, Trees (see note 2).

4 5

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