Lychener Stadtführer

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Lychener Stadtführer

Der kleine

Lychener Stadtführer

für einen historischen Erkundungsgang

mit 12 Stationen im Stadtkern von Lychen.

Stadt - See

9

8

Vogelgesangstr.

10

Strandberg

Oberpfuhl - See

11

Am Markt

Templiner Str. Lindenstr.

7

Fürstenberger Tor

12

Fürstenberger Str.

Stargarder Str.

6

Mühlengraben

1

5

Start

2

Nesselpfuhl - See

3

4

Für jede Station ist ein

Foto des alten Lychen

enthalten.

Auch Nichtschwimmer

können beim Rundgang

teilnehmen, denn wo

1732 noch ein Stadtgraben

eingezeichnet ist,

geht es heute flott auf

Promenadenwegen vorwärts.


Stadtkern Lychen um 1930

Stadtplan vor 1732


1. Station:

Lychen, die Stadt der Seen

und Wälder in der Uckermark.

Uckermark:

- Fläche: 3058 km = größter Landkreis

der BRD, aber mit geringster

Bevölkerungsdichte (144.000 Einwohner

2003).

- Name ist vom slawischen Volksstamm

der Ukranen, die hier nach

der Völkerwanderung 600 n. Chr.

siedelten, abgeleitet (terra Ukera).

Das Besondere:

- 60% Naturschutzgebiet

- 400 Seen

- größtes Quellmoor Norddeutschlands

- größtes zusammenhängendes Binnenschilfgebiet

Deutschlands

- Kreis mit den meisten Schutzgebieten:

Naturpark „Uckermärkische Seen“:

- hüglige Landschaft mit 230 Seen,

seltenen Tier- und Pflanzenarten

(z.B.: Fischotter, Biber und dem

Wappentier Fischadler, der sein

Hauptbrutgebiet Europas hier hat)

- über 1000 Pflanzenarten, von denen

ca. 200 auf der Roten Liste

stehen (allein 15 Orchideen)

Biosphärenreservat „Schorfheide-

Chorin“:

- Deutschlands größtes zusammenhängendes

Waldgebiet (400 km 2 )

ist neben dem Wattenmeer (1300

km 2 ) das ausgedehnteste deutsche

Naturschutzgebiet und war schon

immer hochherrschaftliches Jagdgebiet

- 10% der Fläche mit verschiedenartigen

Mooren

- Artenvielfalt: Sumpfschildkröte,

Kreuzotter, Rotbauchunke, Laubfrösche

, Uferschwalben...

Naturpark „Unteres Odertal“:

- 60 km zwischen Hohensaaten und

Stettin, einzigartige Flusslandschaft

Blick vom alten Friedhof auf

das Fürstenberger Tor

Die Landschaft entstand in der letzten Eiszeit 20.000 -

13.000 vor Chr. (Weichselkaltzeit), deren eine Eisfront

südlich von Lychen und die zweite Eisfront nördlich

von Lychen zum Stehen kamen und damit diese einzigartige

Vielfalt der Landschaft aufbaute. Deshalb ist

Lychen der ideale Platz, um von hier diese Naturerlebnisse

zu genießen! Außerdem ist es auch ein Gebiet

deutscher Geschichte. Die Geschichte der deutschen

Ostkolonisation ab Otto I. (912-973).

Hier waren es die Askanier (Stammburg bei Aschersleben),

die zwischen 1134 - 1320 Brandenburg eroberten

und deutsch besiedelten. Lychen ist die einzigste

urkundlich gesicherte Stadtgründung der Askanier

in Brandenburg. Dieses Gebiet war jedoch schon früher

gutes Siedlungsgebiet, wie frühgeschichtliche

Funde (1. Fund 2000 vor Chr.: 4-füßiges Tier aus Ton)

belegen:

- 1700 vor Chr. = bronzezeitliche, germanische Besiedlung

der Insel Lychen,

- 600 nach Chr. = Völkerwanderung = Slawen in

Lychen und

- 1236 terra Lychen kommt in den Besitz der Askanier

(Brandenburg).

Blick vom alten Friedhof

auf das Fürstenberger Tor


Mit Urkunde vom 23.1.1248 beauftragte

Markgraf Johann I. von Brandenburg

die Brüder Daniel und Eberhard

von Parvenitz die Stadt Lychen im terra

Lychen zu gründen.

Terra Lychen hatten die Askanier auf die

zweite Art (erste = Krieg) 1236 bekommen,

indem einer die Tochter vom Pommern-Herzog

Wratislaw III. heiratete

und die Mitgift (unter anderem auch

terra Lychen) einstrich.

Um das Gewonnene zu sichern, wurden

an der Nordgrenze befestigte Stützpunkte

gebraucht. Deshalb wurden in

kurzen Abständen die befestigten

Städte Prenzlau (1234), Lychen (1248),

Schwedt (1265), Templin (1270) und

Angermünde (1284) geschaffen. Damit

war die Uckermark, der nördliche Teil

von Brandenburg, gesichert. Aber der

Streit mit Mecklenburg und Pommern

ging erst richtig los, denn habgierig waren

sie alle. So waren um 1500 bereits

118 Dörfer (1300 gab es 292 Dörfer in

der Uckermark) bereits wieder wüst. Bis

1400 waren von den ursprünglich 177

adligen Familien der Uckermark 90%

nicht mehr da. Es war hier also richtig

Remmi-Demmi in dieser Zeit, und hinter

jedem Busch lauerte der nächste

Gegner.

Die nächste Entvölkerung kam später im

30jährigen Krieg, und jetzt werden wir

durch fehlende Lebensperspektiven für

junge Menschen von der dritten Entvölkerung

heimgesucht, trotz „blühender

Landschaften“.

Jetzt werden wir die Stadt an der früheren

Stadtmauer (immer Finger

der rechten Hand an der Mauer) umwandern,

denn die Stadt musste trotz

Insellage zwischen 7 Seen damals eine

Stadtmauer (6 m hoch, einschließlich 3

Stadttore), einen Stadtgraben (6 m breit

und 1,8 m Schlucktiefe) sowie einen Wall

(im 18. Jahrhundert verschwanden Wall

und Teile der Wehranlagen) bauen. Das

war zwischen 1302 bis 1350. Dafür erhielten

die Bürger (Hausbesitzer innerhalb

der Stadt) neben Braurecht noch

folgende Freiheiten:

- Befreiung von den 3 brandenburgischen

Golddenare für 6 Jahre, die

sonst jeder Ackerbau betreibende

Bürger zahlen musste,

- Fischereirecht (Reuse etc.) für den

Eigenbedarf (bis 1950 gültig und jetzt

für einen Bürger bereits wieder),

- 1 Hausplatz einschließlich Holz zum

Bauen und Heizen sowie 40 Morgen

Ackerland.

Weil wir hier in der Uckermark sind,

wurden diese Bauwerke aus Feldstein

gebaut. Die Reste des Fürstenberger Tores

hier sind noch Zeugnis.

Außerdem sind hier noch Reste des alten

Friedhofes von Lychen zu sehen

(angelegt 1762; letzte Bestattungen Anfang

des 19. Jahrhunderts).

Auf der anderen Straßenseite gab es den

„Armenfriedhof“, weil Lychen im Mittelalter

als eine Stadt mit Verkehrsknotenpunkt

auch Hospitäler hatte. Dort war

das St. Gertrauden Hospital (gab es

in 30 Städten der Mark) einschließlich

Kapelle und Friedhof (vor dem heutigen

Kriegerdenkmal).


2. Station:

Im 18. Jahrhundert bedeutet Pfuhl auch

noch großer See. Platkow und Zens sind

typische Rinnenseen, die in einer Linie

liegen (zusammen 7 km lang). Lychen

hat aus der Eiszeit ein Seenkreuz (neben

Templin) und einen Höhenunterschied

von 1,7 m zwischen oberen und unteren

Seen.

Ebertpark - Hindenburgpark - Ebertpark

= 3 Etappen der Namensgebung

(deutscher Geschichtskreis).

Der Mühlengraben wurde erst 1914

hier überbrückt. 1938 entstand eine hölzerne

Bogenbrücke, um die 18 Stufen der

Die wichtigsten Seen im direkten Umfeld von Lychen:

„Hungerbrücke“ am Mühlengraben

ersten Brücke zu vermeiden, die „Hungerbrücke“,

denn der Architekt Hunger

aus Lychen baute sie.

Ab 1974 gab es dort eine Betonbrücke,

die 2005 neu gestaltet wurde.

Der Mühlengraben wurde künstlich angelegt,

um Korn zur Mühle und Mehl in

die weite Welt mit Schiffen zu transportieren.

In Lychen gab es bis 1923 eine Schiffswerft.

Um 1900 gab es 30-40 große

Lastkähne in Lychen (1960 noch 2).

Die einzige Innung in Lychen war die

der Schiffer (1861 = 17 Schiffseigner mit

18 Segelkähnen mit jeweils 2 Mannschaften).

Stadtsee 19 ha 7-9 m Tiefe

Nesselpfuhl 17 ha 6 m Tiefe Nedderpfuhl = niederdeutsch (niedere, untere Pfuhl)

Wurl 92 ha 28-30 m Tiefe slawisch „Vorel“ = Adler = Ort, wo es Adler gibt

Großer Lychen 273 ha 19 m Tiefe Lichyn = schlechter/fischarmer See

Oberpfuhl 65 ha 6-9 m Tiefe früher Bavenpfuhl vom Mittelniederdeutschen

„boon“ = oben

Zens 100 ha 25-30 m Tiefe früher stagnum santis oder slawisch svantis,

(christlich =heiliger)

Platkow 70 ha 15 m Tiefe von slawischen Personennamen

„Hungerbrücke“ am

Mühlengraben


Cohrs-Stift

(Foto um 1920)

3. Station: Cohrs-Stift

Achtung! Vor dem Cohrs - Stift passieren

wir einen steilen „Berggipfel“, unter dem

die Reste des am 20.1.1976 eingestürzten

Stargarder Tors liegen.

Cohrs-Stift ist ein Beispiel von Wilhelminischer

Sponsorentätigkeit.

Kommerzienrat Cohrs (1845 in Krotoschin

geboren) gehörten chemische

Fabriken in Aussig und Berlin (letztere

auch Wohnort). Er war seit Gründung

der Heilstätten Hohenlychen im Vorstand

der Viktoria - Luise - Kinderheilstätte

tätig und ein wichtiger Förderer.

1912 (August) wurde eine Straße dort in

„Cohrsstraße“ umbenannt. Einen Monat

später rückte Cohrs die ersten 5000 Mark

für eine Cohrs - Stiftung heraus. Bereits

im Sommer 1913 wurde das Jugendheim

eröffnet.

Cohrs wurde 1914 Ehrenbürger in

Lychen, und 1924 auf eigenem Wunsch

hier beerdigt. 1938 (Kristallnacht 9.11.)

wurde das Denkmal zerstört und 1939

wurde die Ehrenbürgerschaft widerrufen

- Cohrs war „Volljude“.

Hier in dieser schönen Gegend fühlten

sich alle Regierenden wohl. Jagdgebiet

des alten Adels im

Kaiserreich, 2 Gauschulen

des „Dritten“

Reiches, Jagdschlösser

des realen Sozialismus

und Datschen

der Wendeaktivisten

(z.B.: Markus Meckel

und Angela Merkel in

Landschaftsschutzgebieten

der Uckermark)

wechselten. Die

Lychener hatten keine

Schwierigkeiten mit einem

Machtwechsel in

der Politik. Wenn neue

Nachbarn auftauchten, wussten sie, dass

die Fahnen zu wechseln waren.

Seit 1936 befindet sich im Cohrs - Stift

der Lychener Kindergarten.

Ein Blick noch zur Stadtmauer:

- 3 kleine Türen hinter dem Cohrs - Stift,

so genannte „Waschpforten“. 1788/89

wurde der Bau der Waschpforten

den Hausbesitzer hinter der Mauer

erlaubt, denn da gab es den Stadtgraben

direkt vor der Mauer noch (die

Stadtbefestigungen waren bis zum 17.

Jahrhundert vollständig erhalten). Damit

war der Anfang vom Ende für die

Mauern eingeläutet.

Wer sich für intakte Stadtmauern interessiert,

sollte sich Templin (1755

Meter Stadtmauer) oder das Dorf

Fürstenwerder mit seinen 1200 Metern

Stadtmauer (bis 1817 war Fürstenwerder

eine Stadt) ansehen.

- Wiekhäuser (in Neubrandenburg

wird Bedeutung dieser Kampfhäuser

besonders klar)


4. Station:

Am Stargarder Tor vor dem

Flößermuseum

Blick vom Oberpfuhl in Richtung Stargarder Tor um 1900 .

Links ist ein Teil der Friedhofsmauer des jüdischen Friedhofs zu sehen.

Jetzt sind wir am Stargarder Tor,

das bis 1976 ein Wahrzeichen der

Stadt und Ort der einzigen Sage der

Stadt war. Aber der Reihe nach:

Hier war wahrscheinlich die einzige

Stelle, wo man im frühen Mittelalter

trockenen Fußes das Gebiet der Stadt

betreten konnte. Es gab an dieser Stelle

auch vor der deutschen Besiedlung

eine slawische Siedlung. Später war

1744 gab es in Lychen 749 Bewohner, darunter:

hier natürlich ein Stadtgraben (1780

zugeschüttet). Vor dem Tor der öffentliche

Backofen, und auch eine Ziegelscheune

gab es nach 1732 (Stadtbrand)

am Spring.

Zu beachten sind diese schmucken,

maroden Scheunen, wie sie in uckermärkischen

Städten typisch sind. Warum

ist schnell erklärt.

16 Schuhmacher (natürlich alle Millionär durch ihren Beruf), wenn sie nicht ihre Kohlrüben zur Ernährung

selbst gepflegt hätten. Deshalb brauchte man damals Scheunen. Getränke braute man selbst. 1792 wurden 2300

Quart (=2633 Liter) Branntwein in Lychen gebrannt. Ja, die Lychener sind echte Schluckspechte!

18 Juden lebten in der Stadt, denn Lychen besaß das Schutzrecht für Juden seit 1467. Schutzrecht, eine Erfindung

von Barbarossa (Krönungssteuer ab 1155, denn nach dem ersten Kreuzzug 1096 war das friedliche Nebeneinander

mit Juden in Deutschland vorbei). Schutzgeld war eine prima Einnahmequelle für klamme Kassen (Lychen

erhielt noch 1805 von jedem Juden 6 Taler Schutzgeld). Außerdem verpflichtete es nicht Besonders. Bsp.: Am

10.12.1509 nimmt der Kurfürst 30 jüdische Familien aus Wien für je 270 Gulden unter Schutz. Bereits am 6.2.1510

werden 40 Juden wegen sog. „Hostienschändung“ verbrannt (davon 2 geköpft = Milderung der Strafe, da sie

noch schnell konvertierten). Die Hostien hatten aber nicht die Juden geschändet, sondern ein Handwerksbursche

hatte damit seinen Hunger stillen wollen.

Am Stargarder Tor vor

dem Flößermuseum


Der jüdischeFriedhof wurde 1938

verwüstetet. Seit 1968 gibt es einen

Stein mit Gedenktafel. Auf diesem

- Sage vom Raubritter Quitzow:

1408 soll der Raubritter Quitzow bei Lychen von Herzog Ulrich von Stargard gefangen und im Stargarder Tor

eingesperrt worden sein. Quitzow flüchtete auf einem Heuwagen, da er in Gefangenschaft so abgemagert war,

dass er durch die Schießscharte auf den Heuwagen springen konnte.

Wahrscheinlicher Ablauf:

Im Schloss von Lychen gefangen gehalten und bereits nach 2 Monaten (also Dezember) gegen den Bruder des

Herzogs Ulrich ausgetauscht (Johann von Stargard war vorher bereits von den Quitzowbrüdern gefangen und

eingesperrt worden).

- Schlacht am Markgrafenbusch 1442

(vor Ortsausgang Lychen in Richtung Boitzenburg):

Friedhof fand die letzte jüdische Beerdigung

1925 statt.

Der Kaiser hatte Friedrich IV. von Nürnberg beauftragt, in der Mark Brandenburg Ordnung zu schaffen, denn hier

waren Mord und Totschlag und die Raubritter aller Wegens in dieser Zeit. Besonders gierig war der Herzog Heinrich

von Stargard (=Mecklenburg), der Lychen ständig mit räuberischen Feldzügen heimsuchte. Klugerweise hatte

der Kaiser Friedrich dafür 100.000 Gulden versprochen, aber erst nach Erfüllung der Aufgabe die Auszahlung.

Deshalb ging Friedrich mit der „Faulen Grete“ und allem, was zu besorgen war, vor, und räucherte den widerspenstigen

Adel der Altmark und Prignitz aus, die den „Tand von Nürnberg“ strikt ablehnten. 1442 trieb Friedrich

die feindliche Heeressäule von Herzog Heinrich, vom Kuckucksberg kommend, in den Wurl, und Ruhe war im Stall

zwischen Elbe und Oder. Nur der verarmte Adel geisterte in den Jahren zwischen 1502-1534 als Raubritter durch

die Gegend.

Im Stadtschreiberhaus war das

erste Flößermuseum. Der Anker

vor der Tür ist 1999 den Lychenern

von den Berlinern geschenkt worden,

als sie mit 2 Flößen die Hauptstadt be-

suchten. Heute ist das Flößermuseum

im früheren Feuerwehrgebäude.

Zu Flößern kommen wir aber noch,

denn jetzt geht es an einen der oberen

Seen, den Oberpfuhl.


5. Station:

Villa Scherz 1902 als Holzhaus für die

Beschäftigten der Mühle gebaut (Bruder

des Mühlenbesitzers Scherz war Sägewerkbesitzer)

und bis 1998 genutzt.

Dann abgerissen und massiv mit ähnlicher

Holzverkleidung wieder aufgebaut.

Kanu, Hydrobike und alles was Wassertourismus

braucht (einschließlich

frisch geräucherten Aal) auf der linken

Seite.

Fremdenverkehr wurde besonders

nach dem Bau der Eisenbahn 1899 (stillgelegt

1996 - jetzt Draisinenstrecke Fürstenberg

- Templin) und dem Aufbau der

Heilstätten Hohenlychen nach 1902 ein

zentrales Standbein der Lychener Wirtschaft.

Im „Reichshandbuch der deutschen

Fremdenverkehrsorte von 1938“

ist vermerkt, dass Lychen bereits 80

Jahre Kurort ist. Heute sind wir „Staatlich

anerkannter Erholungsort“.

25 km gepflegte Uferpromenaden, 3

Freibäder und ein modernes Strandbad,

ganzjähriger Kurbetrieb mit Kurkonzerten,

Tanzabende, Theater- und Kabarettvorstellungen,

16 Hotels und Gaststätten

Villa Scherz an der Oberpfuhlpromenade

sowie 10 Pensionen bildeten früher den

Rahmen zum rundum Wohlfühlpaket,

wie man heute zu sagen pflegt.

Von Lychen konnte man damals außer

die Donau alle Teile Deutschlands auf

dem Wasserweg erreichen. Lychen hatte

1900 8 Tankstellen, aber nur 3 eigene

Autos.

Auch heute wird viel unternommen:

Draisine, Reiten, Kremserfahrten, romantische

Floßfahrten (abends teilweise

mit Kultur), Dampferfahrt (Woblitz!)

oder Radtourismus (Radwege: Uckermärkischer

Radrundweg und Anschluss

an Radweg Berlin - Kopenhagen) und

nicht zu guter Letzt die „Eiszeitstraße“

(Lychen, Boitzenburg, Prenzlau, Gartz,

Schwedt, Angermünde, Joachimsthal,

Templin, 340 km, mit dem Mammut als

Logo).

Inzwischen führt über Lychen auch der

zertifizierte Wanderweg von 180 km

„Wanderbare Uckermark“

Villa Scherz an der Oberpfuhlpromenade


Mahlerwinkel am Mühlengraben

6. Station: Malerwinkel am Mühlengraben

Jetzt sind wir am „Malerwinkel“.

Lychen hatte zur Stadtgründung 1248 auch

zwei Mühlen. Eine davon stand hier an der

Stargarder Straße am Mühlengraben.

Da damals alle in den Himmel kommen

wollten, stiftete Markgraf Albrecht II.

von Brandenburg 1299 das Zisterzienserkloster

Himmelpfort, um eine

gute Tat für dieses Begehren vorweisen

zu können. Lychen war bei Streitigkeiten

zwischen dem Markgrafen und Fürst Leo

von Mecklenburg an Mecklenburg gefallen

(1298-1442). Das Kloster musste mit etwas

ausgestattet werden. Deshalb gab es zwi-

schen Kloster und Lychen später Dauerstreit,

und es ist kein Wunder, dass die Reformation

und die Abschaffung der Klöster

(1541) in Lychen begrüßt wurden.

Was brachte den Ärger?

1. Fischerei: Das Kloster hatte fast alle

Seen um Lychen erhalten und hielt

sich einen „Garnmeister“, der alle Seen

befischte und den Fang an Lychener

verkaufte, nachdem er die „Herrenfische“

und die „delikaten Arten“ beim

Abt abgeliefert hatte. Die Lychener Fischereigerechtigkeit

war empfindlich

beeinträchtigt.

2. Die „Mahlgerechtigkeit“ verschlechterte

sich für die Stadt Lychen, denn

auch die Stadtmühle gehörte jetzt dem

Kloster und das Korn musste alles in

der Klostermühle gemahlen werden.

Damals war eine Mühle ein einträgliches

Geschäft, denn 1/16 des Korns erhielt

der Mühlenbesitzer (Mahlzwang

endete erst 1810).

3. Das Kloster hatte seine Strafkolonibei

„Fegefeuer“ (am Küstrinchener

Bach). Dort sollten die „widerhaarigen

Mönche bei harter Rodearbeit

zahm gemacht werden“.

Es waren also

die Besten der Nation

dort, und Lychen wurde

dazu verdonnert, bei

Ausschreitungen die

Gerichtsbarkeit auszuüben.

Viel Ehre bei

wenig Lohn!

Der Mühlengraben

(wir stehen jetzt am

anderen Ende) wurde

von Mönchen angelegt.

Der Name „Malerwinkel“

hat mit den

Kunstmalern des 20.

Jahrhunderts zu tun, die dieses romantische

Motiv unbedingt in Öl oder Aquarell

bannen wollten.

Das Gebäude war früher eine Leinenfärberei

(in Lychen gab es 1801 20 Webstühle;

1900 wird der letzte stillgelegt), die in der

Gegend einen guten Ruf hatte, aber die

der aufkommenden Großindustrie nicht

gewachsen war. Ein Requisit der Färberei

war eine Mangel (6 m lang), die von

2 Männern bedient werden musste. Sie

hatte so viele Feldsteine drin, dass der

Nachbar später seinen ganzen Hof pflastern

konnte.


7. Station:

Das ist unsere Freilichtbühne seit

1965. Unter dem Rasen dieses Veranstaltungsplatzes

befindet sich seit

1945 unsere alte Innenstadt (60% der

Innenstadt sind damals abgebrannt).

Gekämpft wurde in Lychen nicht, aber

Fachwerkhäuser, Alkohol (26 Hotels/

Gaststätten/Pensionen) und plündernde

Russen passen nicht zusammen. Einer

musste weichen.

Ein Strandcafé gab es an dieser Stelle

schon früher. Es war mit seiner Seeterrasse

eine gute Adresse für die Urlauber,

und Tanzen konnte man täglich vor dem

Krieg nicht nur hier.

An der linken Seite der heutigen Lindenstraße

verlief die Stadtmauer mit

Wiekhäusern. Der See reichte bis an die

Mauer. Früher war das die Zickenstraße.

Strandcafé vor dem Krieg mit

Seeterrasse

Es gibt 2 Varianten für die Herkunft dieses

Straßennamens:

a) Hier befand sich das St. Spiritus Hospital.

Im Niederdeutschen entspricht

„Sicken“ dem heutigen Siechen =

Kranken.

b) Namensherkunft von Ziegen, denn in

dieser Straße waren die Buden. Deren

Bewohner durften keine Kühe auf die

Gemeindeweide der Stadt schicken,

sonder hielten sich Ziegen.

Erst 1913 verkaufte die Stadt die entstan-

denen Gärten zwischen See und früherer

Stadtmauer an die Anlieger. Es entstand

damit auch die Gartenstraße, auf der wir

jetzt weitergehen.

Lychen ist ein schöner Ort,

liegt zwischen Fegefeuer

und Himmelpfort!

Strandcafe vor dem

Krieg mit Seeterasse


Templiner Tor

8. Station: Templiner Tor

Das Templiner Tor war das einzige

Tor aus Backstein. Es entstand auch

erst später. Auf Forderung des Abtes

von Himmelpfort musste Lychen 1408

einen Damm und ein Wehr anlegen,

weil die Klostermühle einen höheren

Wasserspiegel der Oberseen brauchte.

Bisher gab es hier keine Landverbindung

zwischen Oberpfuhl und Stadtsee.

Es entstand eine neue Landverbindung

nach Templin, und deshalb wurde das

Tor erforderlich. Der Damm brach 1812

und verursachte großen Schaden. 1845

wird der Angelberg (sehr steiler Anstieg)

eingeschnitten und der Damm in

der jetzigen Breite ausgeführt.

Der Schäferpark wurde erst 1936

So sah es noch bis 1920 links vor dem Templiner Stadttor aus.

Herleitung des Stadtnamens „Lichen“ (frühere Schreibweise um 1248):

Wie bekannt ist, lag das Paradies in Himmelpfort. Nach dem Eigentumsdelikt kamen Adam und Eva durch das Lychener

Gebiet (bei der Ausweisung ins Fegefeuer am Küstrinchener Bach). Adam verlor hier einen Apfel, den er noch aus dem

Paradies mitgenommen hatte. Als er ihn suchen wollte, sagte Eva: „Laß`n lichen!“ Adam und Eva waren ja Sachsen.

In DDR-Zeiten kamen jährlich viele tausend Urlauber aus Sachsen nach Lychen. Sie wollten nachprüfen, ob der Apfel

noch da war. In der heutigen Zeit können wir nur noch feststellen, dass irgendein Haderlump den Apfel wieder gestohlen

hat.

angelegt. Vorher ging der Stadtgraben

an der Mauer bis zur Walkmühle.

Zwischen 1817 bis 1904 gab es hier ein

Sägewerk. Das Holz wurde auf dem

Stadtgraben direkt zum Sägewerksgatter

herangeführt. Die Grundmauerreste

des Gatters sind noch hinter dem Cafe

zu erkennen. Danach entstand das Cafe

„Alte Mühle“, und seitdem werden dort

die Schnitzel gewalkt.


9. Station:

Mit dem Wehr entstand

1831 auch die Floßarche

(lateinisch „arca“ = deutsch

„Arche“ = „Wanne“). Die

Flößerei war ein wichtiger

Berufsstand in Lychen.

Bereits 1720 fand der erste

Holzverkauf im großen

Stil aus den Boitzenburger

Wäldern statt. Dazu musste

der Kaufmann Bars aus

Havelberg 5 Schleusen im

Küstrinchener Bach anlegen

(8 m Gefälle auf 2 km

Bachlauf mit flachem Wasserstand).

Aber schon 1570 ist die Flößerei belegt

(Schuldschein eines Lychner Flößers

über 1000 Mark bei Hamburger Kaufleuten).

Dass in Lychen Fischerei und Angeln

groß geschrieben werden, braucht

wohl nicht betont werden. Die Uckermark

Fisch GmbH Lychen erfüllt alle ihre

Wünsche bezüglich Süßwasserfische.

Besondere Hinweise:

- „Maräne“ - schmackhafte Fischart,

die nur in klaren, tiefen Seen vor-

Begriffe aus der Flößerei:

Am Oberpfuhl neben dem

Wehr

Blick vom Schäferpark zum Wehr vor 1936.

kommt (Zens/Wurl).

- „Wels“ - seltene Fischart: bis 2,5 m,

100 kg, 80 Jahre alt, keine Schuppen,

Bartfäden, 21,5 Grad Wasserlaichtemperatur,

100.000 Eier, Laichnest

aus Pflanzen, Männchen bewacht das

Nest.

Am 22.2.2000 wurden beim Eisfischen

mit einem Zug im Kastavensee zwischen

Silberkarpfen 46 Welse (kleine

Welse unter 8 kg nicht mitgezählt) gefangen,

größter Wels - 43 kg / 184 cm.

Tafel (ca. 18 bis 20 m lang, 3 bis 5 m breit (entsprechend Schleusenbreite), ca. 50 Raummeter Holz. 6 bis

10 Tafeln für einen Verband, der bis 200 m lang war und 500 Raummeter Holz hatte. Diesen Verband

dann durch die Woblitz mit 4 Flößern bringen! Tafel = uckermärkisch „Pläätz“ (Touristenfloß mit 12,5

m Länge und 3,5 m Breite für 30 Personen heißt heute „Pläätz“!) Seit 1997 gibt es jährlich im August

in Lychen ein Flößerfest.

Ablage Sammelstelle für Baumstämme zum Flößen an Gewässern

Floßregimenter (letzter bis 1965 Arthur Reinke)

Flößerstiefel, Staken, Kanthaken

„Klampen“ Querbalken

„Stropp“ Draht/Weidenschlinge

Tagesverdienst Flößer 1925 = 5,50 Mark (Waldarbeiter 3,50 Mark)

Fahrtdauer: bis Spandau 6 Tage (letzte Fahrt 1975), Hamburg 10 bis 12 Tage.

Ab Himmelpforter Schleuse (bis dahin 8,3 km) konnten Schlepper eingesetzt werden.

Am Oberpfuhl neben

dem Wehr


700 v.Chr. Kurzer Abriss - Lyche

1700 v. Chr. Funde beweisen bronzezeitliche, germanische Besiedlung der Insel Lychen.

600 n. Chr Während der Völkerwanderung besiedeln Slawen das Land Lychen.

1236 Das Land Lychen kommt in den Besitz der Askanier.

1248 Am 23. Januar gründete Markgraf Johann I. die Stadt Lychen. Den Auftrag dazu erteilte er den Brüdern Daniel und

Eberhard von Parvenitz.

um 1250 Beginn des Baues der Kirche.

1298 Lychen kommt zu Mecklenburg.

1299 Gründung des Zisterzienserklosters Himmelpfort. Lychen wird wirtschaftlich schwer beeinträchtigt, da das Kloster alle

Seen und Mühlen der Stadt erhält.

1302 Der Johanniterorden erhält das Patronatsrecht für die Kirche.

1408 Raubritter Quitzow wird bei Lychen gefangen genommen.

1442 Lychen kommt endgültig zu Brandenburg.

1633 Am 3. Februar vernichtet ein Brand den größten Teil der Stadt.

1637 Pest und Hungersnot haben die Einwohnerzahl auf die Hälfte reduziert.

1644 Lediglich 17 Häuser sind noch bewohnbar.

1684 Der nächste Großbrand zerstört fast alle Häuser und die Kirche.

1732 Der dritte Brand innerhalb eines Jahrhunderts. 114 Häuser, 11 Scheunen und das hölzerne Rathaus werden Opfer der

Flammen, König Friedrich Wilhelm I. schenkt den Bewohnern 22 526 Taler und 8 Groschen zum Wiederaufbau.

I747 - 1749 Das Rathaus, 162 Häuser und 27 Scheunen sind wieder aufgebaut.

1754 Erster Kartoffelanbau in Lychen. 3 Wispeln wurden gepflanzt, 10 geerntet.

1784 Die Einwohnerzahl beträgt 871, die Anzahl der Schafe 908.

1792 In Lychen werden 2300 Quart Branntwein, das sind 2633 Liter, ausgeschenkt.

1806 Besetzung durch die französischen Truppen unter Bernadotte führte zu großen Verwüstungen und Plünderungen.

1807 Ermordung von 2 französischen Ärzten durch Himmelpforter Wilddiebe. Die Täter werden standrechtlich am Angelberg

erschossen.

1813 Am 1. Mai wird der Landsturm aufgestellt.

1815 Vom 5.Januar bis 23.März marschieren 4713 Angehörige der russischen Armee durch Lychen.

1816 Ende der Befreiungskriege. Siegesfeier am 19. Januar in Lychen.

1827 Der Grundstein für die Schule wird gelegt.

1843 Lychen zählt 1458 Einwohner.

1845 Das Templiner Tor und Teile der Stadtmauer werden abgerissen.

1846 Baubeginn der Chaussee Lychen-Boitzenburg, Bauende 1848.

1891 Baubeginn der Chaussee nach Templin.

1899 16. August - erster Zugverkehr zwischen Templin und Fürstenberg.

1902 Gründung der Volksheilanstalten des Deutschen Roten Kreuzes durch Prof. Dr. Pannwitz. Im gleichen Jahr wird Bachhuber

zum Bürgermeister gewählt und verbleibt 31 Jahre im Amt.

1904 Das Sägewerk Barnewitz wird in Betrieb genommen.

1908 Lychen erhält ein neues Postgebäude.

1910 Die Einwohnerzahl beträgt 3076. Die Entwicklung zum Erholungsort beginnt. 3976 Gäste erholen sich in Lychen.

1911 Eine Privatschute mit Internat wird von Prof. Dr. Pannwitz gegründet.

Lychen wird an das Stromnetz angeschlossen. Hohenlychen erhält ein Bahnhofsgebäude.

Die deutsche Kaiserin besucht Lychen und Hohenlychen.

1914 Beginn des 1. Weltkrieges, in dem 117 Soldaten aus Lychen starben.

1921 Gründung des Lychener Verkehrsvereins.

1922 Der Lychener Sportplatz „Sängerslust“ wird gebaut.

1926 Die Gesangsmuschel in Sängerslust wird geweiht.

1933 Ablösung des langjährigen Bürgermeisters Bachhuber durch Dr. Rattey.

Stadtverordneter Rektor Metscher legt sein Mandat nieder.

Die Nationalsozialisten entlassen den gesamten Vorstand der Heilstätten Hohenlychen.

Dr. Gebhardt wird Chefarzt. Umgestaltung zum Reichssportsanatorium.

Verbreiterung der Stargarder Straße und der Straßenbrücke an der Mehlmühle.

1934 Bau der katholischen Kirche in Hohenlychen. Lychen zählt 8590 Kurgäste.

1935 Hitler besuchte seinen Stellvertreter Heß, der zur Heilbehandlung in Hohenlychen war.


ner Stadtgeschichte

2008

1936 Neubau der Schleuse Floßarche und der darüber führenden Straßenbrücke.

Das Jugendheim Cohrs-Stift wurde Kindergarten für 40 Kinder.

In den Heilanstalten sind 380 Lychener beschäftigt. Es wurden 10 254 Kurgäste mit 69 117 Übernachtungen gezählt.

1937 Hingst löst Bürgermeister Dr. Rattey ab. In Lychen existieren: 4 Freibäder, 2 Kinotheater, 18 Hotels und Gasthöfe, 11

Fremdenheime und 105 Privatverrnieter.

1938 Gäste aus Indien, Griechenland, Japan, England, Frankreich, Portugal und Südamerika besuchen die Heilstätten.

Der Judenfriedhof an der Oberpfuhlpromenade wird von SA-Leuten verwüstet.

1939 Die Stadt zählt 4332 Einwohner. Es gibt 10 Hotels und Gasthäuser, 18 Fremdenheime und 69 Privatvermieter.

1945 Verhandlungen des Reichsführers SS Himmler mit dem Präsidenten des Schwedischen Roten Kreuzes Bernadotte in

den Heilstätten. 15000 Frauen konnte Bernadotte noch Ende April aus den KZ nach Schweden in Sicherheit bringen.

Der letzte Lazarettzug verlässt Hohenlychen in Richtung Schleswig-Holstein.

Die Sowjetarmee besetzt Lychen. Sie steckt die Innenstadt an, zwei Drittel der Häuser und das Rathaus brennen ab.

Die Heilstätten werden sowjetisches Militärhospital.

Alwin Mundt, Angehöriger des Komitees Freies Deutschland, wird von den Sowjets als Bürgermeister eingesetzt.

Es bilden sich Ortsgruppen der KPD, SPD, LDP, CDU und des FDGB.

1946 1. Stadtverordnetenversammlung nach dem Krieg unter Stadtverordnetenvorsteher Rektor Metscher.

Der Schlüßhof wird dem Berliner Vorstand der SED als Erholungsheim übergeben.

1947 Rektor und Heimatdichter Gustav Metscher verstirbt.

1948 Festveranstaltungen zur 700-Jahr-Feier vom 27. Juni bis 4. Juli.

1949 Bildung der Maschinen-Ausleih-Station (MAS).

1950 Das Sägewerk Hohenlychen arbeitet wieder.

1951 Gründung der BSG „Traktor“ Lychen.

1952 Im Zuge der Gebietsreform in der DDR kommt Lychen zum mecklenburgischen Bezirk Neubrandenburg.

Einrichtung des Landambulatoriums.

1957 Wiederaufbau des Lychener Rathauses überwiegend durch Solidaritätsleistungen der Bürger.

1959 Gründung der Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft (AWG).

1961 Die Schwerhörigenschule, die spätere Sprachheilschule, wird gegründet.

1966 Das Sägewerk in Hohenlychen wird auf Schaumstoffproduktion umgestellt.

Der alte Kran am Stadtsee wird demontiert.

1968 In der Zehdenicker Straße werden 88 Wohnungseinheiten gebaut.

Der Judenfriedhof wird instandgesetzt und erhält einen Findlings-Gedenkstein.

1969 Die Freilichtbühne am Oberpfuhl entsteht.

1972 Bau der Neubaublöcke am Markt, der Markt wir betoniert.

1973 3 Holzbrücken werden durch Massivbrücken ersetzt.

1976 Das Stargarder Tor stürzt zusammen.

1980 Ein neues Gebäude für die Polytechnische Oberschule wird errichtet.

1989 Ab 24. Oktober - erste Bürgerproteste auf dem Markt. Gründung des Bürgeraktivs.

Am 15. November wird der SED-Bürgermeister in geheimer Abstimmung vom Stadtparlament abgewählt.

1990 Ausbau des Klärwerkes, Beginn der Kanalisationsarbeiten im Stadtgebiet.

1991 Bundespräsident v. Weizsäcker und Ministerpräsident Stolpe zu Besuch in Lychen.

Die Polytechnische Oberschule wird in eine Grundschule und eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe umgewandelt.

1993 Die GUS-Truppen räumen die Heilanstalten in Hohenlychen und den Raketenstützpunkt Lychen II.

1995 Einweihung der neuen Sporthalle.

1996 Einstellung des Eisenbahnbetriebes zwischen Fürstenberg - Lychen - Templin.

1998 Festtage vom 17. bis 25. Juli anlässlich 750 Jahre Lychen.

2001 Lychen ist amtsfreie Stadt und vereinigt sich mit Retzow, Rutenberg und Beenz.

2002 Lychen hat 3967 Einwohner.

2003 Lychen erhält die Urkunde „Staatlich anerkannter Erholungsort“ vom Wirtschaftsminister Ulrich Junghans.

2004 Lychen erhält Anschluss an den Radfernweg Berlin-Kopenhagen und den Uckermärkischen Radrundweg.

2005 Innerhalb von Lychen sind über 6 km Radweg fertig.

2006 Ein barrierefreier Rundkurs innerhalb der Stadt für behinderte Menschen entsteht.

2008 Lychen erhällt als 3. Kommune in Deutschland den Titel „Flößerstadt“.


Am Zens in Hohenlychen (hinter der

Knippschere) befinden sich die Gebäude

der Heilanstalten Hohenlychen.

1895 gründet das DRK ein Zentralkomitee

zur Bekämpfung der Tuberkulose

und bildet den Heilstättenverein, deren

Generalsekretär Prof. Gotthold Pannwitz

(geb. 16.5.1861, gest. 28.11.1926)

wird. Sein Vater war in Lychen Lehrer

und Pannwitz selbst kam auch vor der

Zeit der Heilstätten gern nach Lychen

zur Sommerfrische.

Heilstätten des DRK:

- 1896 Grabowsee für Männer

- 1897 Beelitz für Frauen,

- 1902 Hohenlychen für Kinder und

Frauen.

Hohenlychen wird von 1902 bis 1912 fast

vollständig aufgebaut. Unter wissenschaftlicher

Begleitung von Prof. Bier

und Kirsch von der Universitätsklinik

Berlin wird es zur führenden Behandlungsstelle.

Der Erfolg der Tuberkulosebekämpfung

in Deutschland kann sich sehen lassen

(von 1893 noch 26,1 Sterbefälle auf 1923

10,7 Sterbefälle je 10.000 Einwohner).

Im Mai 1933 wird der Vorstand der

Heilstätten Hohenlychen entlassen. Im

November wird Prof. Gebhard (Sauerbruchschüler

und Chirurg) Chefarzt. Die

Luftkurort Hohenlychen, Sportsanatorium

1. bayrische Zeit beginnt in Lychen.

Unter seiner Leitung wird Hohenlychen

noch 1933 umprofiliert. Die Tbc-Behandlung

ist nur noch eine Abteilung

am Rande. Jetzt wird die Sport- und

Arbeitsschädenchirurgie zum zentralen

Schwerpunkt („Reichssportsanatori-


um“). Es gibt große Erfolge und internationale

Beachtung für diese Weltneuheit.

Die Meniskusoperation wird entwickelt

und wie am Fließband durchgeführt

(1933 bis 1941 25.000 mal).

Beteiligung an Menschenversuchen

in KZ:

Ab 1942 (Attentat auf Heidrich in Prag)

erfolgen Sulfonamidversuche und Transplantationen

von Knochen und Muskeln

in Ravensbrück. 1947 wird Gebhard

dafür gehängt. Dr. Fischer erhält

lebenslänglich, wird 1954 entlassen und

nimmt freiwillig eine andere Arbeit auf.

Dr. Hertha Oberhäuser erhält 20 Jahre

und 1954 als Spätheimkehrerin 10.000

DM Entschädigung. Sie praktizierte, bis

der Protest zu stark wurde. Dr. Stumpfegger

(letzter Leibarzt von Hitler) war

1945 noch in Berlin umgekommen.

Dr. Heißmeyer führt Tbc-Versuche an

Kindern und Häftlingen in Neuengamme

durch (1966 zu lebenslang in Magdeburg

verurteilt, ein Jahr später an Herzinfarkt

gestorben).

Prof. Gebhard fährt noch am 24.4.45

(Selbstmord Dr. Gerwitz) nach Berlin

und kommt am 25.4.45 aus dem eingeschlossenen

Berlin als neuer Chef des

DRK zurück.

In Hohenlychen führte auch Graf Bernadotte

(Schwedisches Rote Kreuz) im

Februar/April 1945 mit Himmler Verhandlungen.

Er erwirkt, dass im April

noch 15.000 Frauen aus KZ nach Schweden

gebracht werden konnten.

Hohenlychen war im Krieg Lazarett.

Der letzte Zug mit Kranken wurde am

27.4.45 nach Schleswig evakuiert. Am

29.4.45 waren die Russen da. Sie blieben

im Lazarett bis August 1993 (Lazarett

der Gardepanzerdivision).

1945 Kämpfe um Lychen:

Von Stegelitz (Autobahn) drang die 199.

Schützendivision (49. Armee der 2. Belorussischen

Front) in Richtung Templin

- Lychen - Wesenberg vor.

Am 27.4.45 waren Groß Fredenwalde,

Milmersdorf, Fährkrug und Knehden genommen.

Schwere Gefechte fanden am

29.4.45 bei Alt Placht statt. Da sich eine

Umgehung andeutete, zogen sich die

Deutschen bis Densow zurück. Abends

war Lychen eingenommen. Das 492. Regiment

war bis Himmelpfort vorgedrungen

(Widerstand) und hatte Bredereiche

noch eingenommen.

Am 30.4.45 wurden Himmelpfort, Alt

Thymen, Steinhavelmühle und Fürstenberg

eingenommen. Bei den Kämpfen

zwischen dem 21.4. und 30.4.45 hatte

das russische Regiment 243 Tote und

794 Verwundete. Die deutschen Gefallenen

wurden nicht ausgewiesen.

In Lychen gab es in den ersten Tagen

nach der Besetzung viele zivile Opfer

(der Lychener Pfarrer sprach von 288

Suiziden - genaue Zahlen der Opfer sind

nicht mehr feststellbar).

Am 3.5.45 trafen sich bei Grabow Russen

und Amerikaner.


Stadtkirche St. Johannes

10. Station: Stadtkirche St. Johannes

Vogelgesangstraße:

- südlicher halbkreisförmiger Abschluss

der Altstadt mit Wiekhäusern

- älteste erhaltene Straßenführung in

Lychen

- besonderes Haus - „Berliner Haus“.

Das hohe Haus stand ursprünglich in

Berlin. Es wurde dort im Zuge des S -

Bahnbaues vom Besitzer abgetragen,

auf dem Wasserweg nach Lychen gebracht

und wieder aufgebaut.

St. Johannes Stadtkirche

Die deutsche Besiedlung der Uckermark

erfolgte nur in 50 bis 60 Jahren. Durch

kriegerische Auseinandersetzungen wurden

in den Dörfern oft Wehrkirchen als

Fliehburgen gebaut. Die Siedler aus dem

Niederrheinischem, Niederland, Elsaß

sowie Hessen brachten ihre Einflüsse

beim Kirchenbau mit. Ein weiterer Einfluss

wurde durch die jeweils im Gebiet

wirksam werdenden Mönchsorden eingebracht

(Norden/Osten der Prämonstraten

- Orden, Askanier bevorzugten

den Hausorden der Zisterzienser).

Als Besonderheit der Bauausführung

der Kirchen der Uckermark gelten die

Feldsteinkirchen (95% der Kirchen).

In der ersten Hälfte 13. Jahrhundert

wurde besonders exakt gebaut. Der Landesherr

als Patron der Kirchen rief dazu

Steinmetze ins Land (niedersächsisch

- braunschweigischer Raum, die von

Como in Italien beeinflusst waren).

Granit war aber ein besonderes Material:

- Die Steine mussten nach Größe vorsortiert

werden.

- Die natürlichen Fugen erweitert und

dann gespalten werden. Nur so waren

glatte Flächen zu erhalten.

- Bei Hitze spaltet sich Granit wie Blätterteig,

deshalb wurden auch einige

Reparaturstellen nach Stadtbränden

notwendig.

Gebaut wurde zweischalig bis zu 2,5 m

Wandstärke (Südwestecke =2 m). Der

Mörtel wurde aus heimischem, abge-

St. Johannes vor dem Krieg vom Kienofen aus gesehen (über Stadtsee).


löschtem Weißkalk nach einem heute

nicht mehr bekanntem Verfahren hergestellt

(Festigkeit ist an Dorfkirchenruine

Retzow zu erkennen = 590 Jahre ohne

Dach).

In der 2. Hälfte 13. Jahrhundert (ab

1250) wurde die Stadtkirche (wie 15 der

40 Dorfkirchen im Altkreis Templin) bis

zum gotischen Triumpfbogen gebaut.

Der Chor wurde nach 1350 angebaut.

Typische Form

in der Uckermark ist ein saalartiges,

rechteckiges Schiff mit querrechteckigem

Westturm und Satteldach.

Ost - West - Richtung (Altar im Osten

= Licht als Lebensspender; Turm im

Westen zur Abwehr der Mächte der

Finsternis (ungetaufte Kinder wurden

früher von Westen in die Kirche

zur Taufe getragen). Einzige Ausnahme

in der Uckermark ist die Kirche

in Grünow bei Angermünde (Turm

im Osten). Grund: Siedler kamen aus

Franken. Man spricht deshalb vom

„verkehrten Grünow“.

Baustil:

Im 13. Jahrhundert erfolgte der Übergang

zur Gotik mit ausgeprägten Einwirkungen

der spätstaufischen Kunst.

Die archaische Bauweise der Lychener

Stadtkirche ist ein seltenes noch gut

erhaltenes Beispiel für den Kirchbau

der Zeit der Ostkolonisation.

Standort

ist die höchste Stelle innerhalb der

Stadt (70m ü.d.M.) und war bis 1763

(letzte Bestattungen) vom Kirchhof

umgeben.

Baudetails:

- spitzbogig, abgetrennte Portale

(Nordportal mit Kämpferstein,

sonst nur in Ringenwalde noch in

der Uckermark), sorgfältig behauene

Portalsteine (auch Kehlungen).

Das Südportal des Schiffes (Priesterpforte)

wurde 1756 zugemauert.

- Sockel- und Gesimssteine mit gekehlten

Steinen am Langschiff . Der

Chor ist nicht mehr so sorgfältig

gebaut, da Steinmetze bereits Ende

13. Jahrhundert die Uckermark verlassen

hatten. Die einheimischen

Bauleute hatten die Fertigkeiten

nicht. Auch spätere Reparaturen

mit Backstein zeigen dies. Backsteine

waren ab 1300 durch niederländische

Siedler oder Zisterzienser

verfügbar.

- Der Turm ist typisch in recht-eckiger,

ostfälischer Grundform in Breite

des Langschiffes gebaut. Die spätere,

quadratische Turmfläche aus

Westfalen hatte in der Uckermark

keinen Einfluss mehr. Die repräsentativen

Ziegelgliederungen (etwas

Besonderes in der Uckermark) im

oberen Teil stammen wahrscheinlich

aus dem 15. Jahrhundert.

- Kapellen gab es an Süd- und Nordseite

des Chores (Nordkapelle 1828

abgerissen).

- Das Rundfenster (Gottesauge) über

der Priesterpforte ist bei Feldsteinkirchen

nicht üblich (höchstens im

Altargiebel). Die Fenster haben auch

Granitlaibungen. An der Schmuckseite

des eingezogenen Chores (Osten)

sind neben der typischen 3er

Fenstergruppe noch ovale Blenden

im Giebel, die eindeutig spätbarocke

Motive sind.


1302 erhält der Johanniterorden das Patronatsrecht

für die Lychener Kirche und

ändert den Namen der Kirche (früher

Kirche der Jungfrau Maria) nach Johannes

dem Täufer („Kehret um, ändert euer

Leben, bevor es zu spät ist!“).

Inneneinrichtung:

1684 ist die Kirche innen ausgebrannt

(Brandstifter in 4 märkischen Städten).

Der Chor hatte damals noch ein Tonnengewölbe.

Die Langschiffe hatten in der

Uckermark schon immer eine Flachdecke.

Das übrige Mauerwerk ist original

erhalten geblieben.

- 1960 wird die Kirche innen neu mit

einem hellen Farbanstrich gestaltet

und der Zeitgeschmack um 1906 (aufgemalte

Tempelvorhänge und Quader)

beseitigt.

- Das Taufbecken wurde 1964 ebenfalls

durch einen schlichten Kalkstein

ersetzt. Das frühere Taufbecken aus

dem 19. Jahrhundert (4 Engel tragen

auf den Flügeln die Schale) war

beschädigt. Die älteste Fünte für die

Ganzkörpertaufe gibt es nicht mehr.

Ganzkörpertaufen waren bereits im

16. Jahrhundert nicht mehr üblich.

Aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges

ist eine flache Messingschale mit

Hirschmotiv vorhanden.

- Altar, Kanzel und Empore stammen

aus der Zeit um 1698. Sie wurden 1960

in barocken Farben (blau, weiß und

gold) renoviert.

- Im Chor richteten sich Magistrat und

Handwerksinnungen ihre „Kirchenstände“

ein.

- Einzelbestattungen gab es früher auch

im Chorraum. Unter dem Chorraum

ist eine Gruft, in der bis 1800 die Pfarrer

beigesetzt wurden. Um 1900 wurde

der Eingang zur Gruft zugemauert.

- Die Buntglasfenster der Ostseite des

Chores sind aus dem 19. Jahrhundert.

In der Sakristei ist noch ein wertvolles,

farbiges Wappenfenster aus der

Zeit 1693-96 mit Abbildungen von damaligen

Spendern beim Wiederaufbau

(z.B.: Pfarrer als Pelikan, der sich die

Brust aufreißt.).

- Bis 1960 hingen im Kirchenschiff 4

handgefertigte Messingkronleuchter,

die von Schuhmacher, Schneider, Bäcker

und Schlosser nach 1629 gestiftet

wurden (1974 wurde der Schuhmacherkronleuchter

entwendet - Rest

unter Verschluss).

- Der Teppich wurde in einer Berliner

Firma hergestellt und von einer Frau

1903 gespendet.

Darstellungen auf dem Teppich:

- Kopfbänder: „Lychen 1903 St. Johannes

Kirche“

- Zentrum: Eine ausstrahlende Sonne

und übereinander die griechischen

Buchstaben „X“(Chi) und „P“(Rho) als

Anfangsbuchstaben für Christus sowie

seitlich dazu „A“ und „O“ (Alpha und

Omega) als erster und letzter Buchstabe

des Alphabetes.

- Um diese Symbolik sind die 4 Elemente

des Lebens:

- terra (Erde) als Baum und Strauch,

- aqua (Wasser) als Arche Noahs,

- aer (Luft) als Taube, die einen Ölzweig

zur Arche bringt, und

- ignis (Feuer) als Brandopferaltar.

- In den Ecken: Die 4 Evangelisten jeweils

als Tiersymbol mit Heiligenschein,

Krone und aufgeschlagene Bibel:

1. Matthäus als Engel,

2. Markus als Löwe,


3. Lukas als Stier und

4. Johannes als Adler.

- Gedenkstelle: 1978 in der ehemaligen

Priesterpforte angelegt (war 1756 zugemauert

worden).

- Gestühl: 19. Jahrhundert. Bis nach

1945 gab es noch einzelne Namensschilder

für Platzinhaber.

- Epitaphien: keine

- Heizung: Nach 1945 wurde die Niederdruck-Dampfheizung

durch elektrische

Strahler ersetzt.

- Orgel: Ursprüngliche Orgel von 1768

wurde für 400 Taler von Scholz aus

Ruppin gebaut.

- Die Sauerorgel von 1852 wurde 1873

nach Gerswalde verkauft. Sie ist heute

die einzige Sauerorgel in der Uckermark.

Diese Orgel mit 13 Registern

und 600 Pfeifen ist Ausgangspunkt

für eine ganze Sauer - Linie. Sauer war

Schmied und Autodidakt im Orgelbau.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde

er zum meist gefragten Orgelbauer in

Deutschland (bis 2004 hat die Firma

2272 Orgeln in der ganzen Welt gebaut).

Die Gerswalder Orgel wurde für

100.000 Euro bis 2003 wiederhergestellt.

- Die jetzige Orgel von Meister Grüneberg

aus Stettin wurde 1907 gebaut.

Pneumatisches Werk (Taste mit Pfeife

über Druckluftleitung verbunden) mit

24 Registern (=Pfeifenreihen - jedes

Innenansicht zwischen 1906-1960

Register hat andere Klangfarbe und

Tonhöhe) und 1564 Pfeifen. Durch die

Firma Fahlberg aus Eberswalde wurde

die Orgel 1988 restauriert (2008 letzte

Erneuerung) und ist noch bespielbar.

Meister Barnim Grüneberg war

um 1900 ein bedeutender Orgelbauer

Norddeutschlands.

Ein weiteres Exemplar seines spätromantischen

Orgelbaus ist die Orgel


von 1912 in der Martinskirche in Angermünde

(8 Register).

- Die Winterkirche im Turm wurde

1960 ausgebaut. Hier wurde ein einfacher

Altartisch, Lesepult, Harmonium

und Speicherofen eingebaut. Die

Stühle können bei Hochzeiten weggeräumt

werden, um den Durchgang

zum Hochzeitsportal zu ermöglichen.

- Die Glocken wurden um 1743 gegossen

und 1915 auf die Franzosen verschossen.

1929 kamen 3 Stahlgussglocken.

Alle uckermärkischen Kirchen hatten

von Beginn an ihre Glocken. Prenzlau

hatte zu dieser Zeit allein 27 Glockengießer.

Die früheren Glocken hatten

die Form von Zuckerhüten. Der

Durchmesser war bei den kleinen 50-

60 cm und bei den großen Glocken

über einen Meter.

Das Hospital St. Spiritus wurde aus

Sparsamkeitsgründen als Altenherberge

für Stadtarme nach der Reformation von

der Zickenstraße in die Nähe der Kirche

verlegt (Eckhaus an der Hospitalstraße).

Das Hospital war finanziell relativ gut

abgesichert, weil es seit 1320 Einkünfte

vom „Hospitaldorf“ Retzow hatte.

Ab 2009 wohnen im sanierten Hospital

(„Haus Kirchblick“) bis 8 Personen

in barrierefreien Wohnräumen mit Betreuung.

Gegenüber vom Ostgiebel der Kirche befindet

sich neben dem Hospital die alte

Stadtschule von 1827. Sie wurde bis 1958

als Schule genutzt. Das erste schriftliche

Dokument über die Existenz einer

Lychener Schule ist mit 1543 datiert.

Innenansicht ab 1960


11. Station: Nordseite vor dem Rathaus

Stadtwappen

(unmittelbar vor den Stufen des Nordeinganges

nachgebildet):

- Nach 1300 gab es nur ein Siegel mit

Schriftrand: „sigillum civitatis lichen“.

- Am 10.3.1904 wurde der Beschluss der

Stadtverordneten zum neuen Wappen

gefasst (war für das neue Kreishaus in

Templin erforderlich). Entworfen vom

Hiraldiker Adolf Matthias Hildebrandt

und durch „königlichen Allerhöchsten

Erlaß vom 4.4.1905 genehmigt“.

- Wappen: (auf rotem Grund)

- blau-silberner Wellenschildfuß

- silberne Burg mit 2 pyramidenförmigen,

gezinnten Türmen und torloser,

ungezinnter Mauer (= befestigte Immediatstadt

- Stadt, die unmittelbar

dem Landesfürst unterstellt war)

- darüber Silberschild mit goldbewehrtem,

rotem Adler (roter Adler = Brandenburg)

- eingefasst von 2 silbernen Sternen (6strahlig).

Wahrscheinlich Zeichen für

Lychen als Münzstadt der Askanier

(Münzen aus Lychen im 14. Jahrhundert

hatten gleiche Sterne - mecklenburgische

Münzen hatten den Stier).

- Stadtbanner:

Beschluss vom 10.6.1926 der Stadt-

verordneten - Farben rot und blau.

Rathaus:

Askanisches Geld aus

Lychener Prägestätte 1296-1298

- 1633 brannte das Holzschloss bei einem

Großbrand der Stadt ab und an

gleicher Stelle wurde dann ein Rathaus

errichtet.

- 1732 wurde das Rathaus beim Großbrand

vernichtet. Nur 28 Häuser der

Stadt wurden nicht zerstört.

- 1747/48 wurde das Rathaus im barocken

Stil 2-stöckig aufgebaut. Es gab

Nordseite vor dem Rathaus


eine finanzielle Unterstützung von

22526 Taler und 8 Groschen vom

preußischen König für die Beseitigung

der Brandschäden der Stadt.

- 1945 brannte dieses Rathaus wieder

ab und wurde 1957 ohne Turm wieder

aufgebaut.

Weitere Rückschläge für Lychen:

- 1618 bis 1648 Dreißigjähriger Krieg

und 1637/38 die Pest. 1644 gab es in

Lychen nur noch 17 Häuser mit 29 Bewohnern

(von ursprünglich 224 Häuser).

- 1684 Großbrand einschließlich Kircheninneres.

Lychen hat 1790 erst

ein Haus mit Dachziegeln! Wenn es

Wahrscheinlich konnte nur einmal ein

größerer Rückschlag für Lychen verhindert

werden. Darüber gibt es die Geschichte

von der „Franzoseneiche“.

Am Poetensteg finden wir noch heute diese mächtige Eiche

(leider vom Zahn der Zeit innen schon stark ausgehöhlt).

Im März 1807 erschienen vor dem Stargarder Tor drei französische

Ärzte, die zu einem anderen Truppenteil versetzt

worden waren. Der am Tor wachhabende Einwohner Köppen,

ein berüchtigter Wilddieb, brachte die Ankommenden

zum Bürgermeister. Bei dieser Gelegenheit bemerkte er das

schwere Felleisen, das sie bei sich hatten. Er glaubte, dass

sich Geld darin befände. Sogleich eilte er nach Himmelpfort

und überredete die Brüder Klamann, die drei Ärzte bei der

Weiterfahrt in der Buchheide zu überfallen. Der Knecht des

Mühlenmeisters Hofschild sollte die Ärzte nach Zehdenick

weiter fahren. Ihn weihten sie in ihr Vorhaben ein. Alles

war bis ins kleinste vorbereitet. Sobald der Knecht mit

dem Wagen das Dickicht erreicht hatte, schossen Köppen

und der ältere Klamann 2 Ärzte tot. Der jüngste Klamann

verhinderte die Ermordung des dritten Franzosen. Als man

sich über die Beute hermachte, war die Enttäuschung groß.

Statt des Geldes fand man nur chirurgische Instrumente.

Der Müllerknecht fuhr mit dem blutigen Wagen zurück

und sagte aus, dass er vom Schillschen Korps angefallen

sei und die Franzosen dabei erschossen worden wären.

Man schenkte jedoch seinen Aussagen keinen Glauben.

Der Knecht sollte festgenommen werden. Es gelang ihm

jedoch, noch rechtzeitig zu entfliehen.

brennt, dann immer gleich richtig.

- 1756 bis 1763 Siebenjähriger Krieg.

Neben den Kriegslasten des eigenen

Landes drücken die Stadt besondere

finanzielle Lasten durch die Schweden.

- 1806 bis 1807 Preußisch - französischer

Krieg. Lychen wird besetzt,

geplündert und hat hohe finanzielle

Lasten zu tragen. Ein Teil des Stadtwaldes

muss geschlagen werden, um

die Schulden abzubauen (heutige

Neuländer in Hohenlychen).

- 1945 Der Stadtkern brennt zu 60 Prozent

ab.

Der damalige Bürgermeister Loos erkannte sofort, dass

die Stadt schwer büßen müsse, wenn die Angelegenheit

nicht geklärt würde. Deshalb setzte er alles daran, die Tat

aufzuklären und die wahren Schuldigen zu finden. Durch

frühere Bemerkungen von Köppen kam der Bürgermeister

Loos auf die Spur der Mörder. Er fuhr in Begleitung des

Gendarmen Herm nach Himmelpfort und von dort nach

Bredereiche. Hier war inzwischen der französische Arzt

angekommen, der dem Tod gerade von der Schippe gesprungen

war. Nun wurden die Täter sogleich festgenommen.

Der älteste Klamann konnte aber noch rechtzeitig

Fersengeld geben.

Die Kunde von der Mordtat war inzwischen nach Zehdenick

gekommen, wo die Franzosen ihren Stützpunkt hatten. Sofort

wurden Soldaten nach Lychen in Marsch gesetzt. Der

Bürgermeister erstattete dem kommandierenden Offizier

sogleich Bericht und meldete, was er inzwischen unternommen

hätte. Der Kommandant lobte sein Verhalten und

erklärte, die Stadt hätte es nur ihm zu verdanken, dass sie

nicht dem Erdboden gleichgemacht worden wäre.

Im Rathaus fand das Standgericht statt. Obwohl sich der

entkommene französische Offizier für den jüngsten Klamann,

der ihm ja das Leben gerettet hatte, einsetzte, wurde

dieser sowie Köppen zum Tode verurteilt.

Das Urteil wurde sofort vollstreckt. Beide wurden am Angelberg

erschossen. Die Hinrichtung soll an der „Franzoseneiche“

erfolgt sein. Das hat was für sich, denn Militärs

bevorzugen Mauern oder Bäume für Hinrichtungen. Die Eiche

war schon damals ein stattlicher Baum. Sie stand damit

bestimmt schon im wohlwollenden Blick eines Exekuters.


Franzoseneiche im Winter


Fürstenberger Straße

12. Station:

Fürstenberger Straße:

- Haus Nr.13: Uhrmacher Johann Kirsten

wohnte hier. Er erfand um 1900 die

„Pinne“. Kaufmann Lindstedt kaufte

ihm diese Erfindung ab und meldete

am 8.1.1904 das Patent „Heftzwecke“

an. Dieses Produkt mit vielen weiteren

Variationen machten ihn zum Millionär.

Die Produktion brachte für viele

Fürstenberger Straße - Hauptgeschäftsstraße

vor dem Krieg

Lychener Arbeit und Lohn.

„Pinnen“ wurden bis 1963 im VEB

Elektrogerätewerk in Lychen gefertigt.

- Haus Nr.14: Sitz der „Schuhmacherdynastie“

Stolte seit dem 18. Jahrhundert

(schriftlich belegt seit 1734) bis

2002.


Der Rundgang um den Stadtkern ist damit beendet, aber nehmen Sie sich

in Zukunft den Spruch auf dem letzten Bild zu Herzen.

Lychen ist nicht nur für eine Stadtwanderung

gut. Ab der Stadtgrenze von Lychen

gibt es gleich eine einzigartige Natur zu er-

kunden. Es ist ein Wanderparadies zu jeder

Jahreszeit.

„Verträumte“ Waldseen (Stübnitzsee) Küstriner Bach - fast ein „Gebirgsbach“

Flößerfest - und jeder sein eigener „Kapitän“

Naturkundeunterricht im eigenen Schulwald „Wanderbare Uckermark“ - Weg am Zenssee


üner Weg

Alte Tem

HOHENLYCHEN

Zehdenicker Str.Zehdenicker Str.

Steindamm

Paul-Scherz-Str.

Paul-Scherz-Str.

Am Zenshaus

Birkenweg

Hohes

Werder

ers

er

Langes

Werder

Neuländer Weg

Am Birkenweg

Pannwitz-Allee

Straße

Zenssee

Fr.-Krüger-Straße

Georg - Carsted -Str.

Peckower Peckower Weg Weg

Bachhuber-

Straße Straße

Ehemalige Heilstätten

Hohenlychen

Martin-

Paul-Kluth-

Paul-Kluth-

Wernerstr.

Knesebeckstr.

Lychensee

Cohrsstr.

Weinberg Weinberg

Haus am Zenssee

Steindamm

Thielenstr.

Sportplatz

Weinbergstraße

FriedhofsFriedhofspromenadepromenade Großer

Am Strandbad

Strandbad

KienofenKienofenpromenadepromenade P

Stadtsee

Clara-Zetkin-StraßeTempliner Str.

Fahrgastschiff

“Möwe”

Schäferwiese

gesang-

Kirchstr.

straße

Am Markt Kirch- str.

Tornow- str.

HospiHospitalstr.talstr. Hohesteg-

Stargarder Str. Am Markt

Vogel-

Lindenstr.

Lindenstr.

Gartenstr.

Gartenstr.

straße

P

Busse

Redaktionelle Bearbeitung: E. Kaulich, Lychen Satz: T. Schöntag, Lychen, Druck: Druck & Design, Templin

Schleipfuhl

Nesselfliess

Berliner Str.

P

Fürstenberger Str.

promenade

Fr.-Ebert-Park

Staben- straße

Am Strandberg

Mühlenbach

L 15 Fontanestraße

Goetheweg

T

Bahnhofstraße

Schlüßstraße

Darr- str.

Berliner Str.

pfuhl

Strand-

P

Retzower

Weg

Berliner Str.

LYCHEN

Wurlfliess

Nessel-

Wurlflut

Weggenbusch

Küstriner Bach

Grünheide

Küstriner Bach

Markgrafenbusch

-allee

Lychener Straße

Wurlsee

Am Kuckucksberg

Oberpfuhl

Oberpfuhlmoor

Wurlsteig

Springstr.

Prenzlauer Str.

Blumenweg

Am Wurlsee

Springstr.

Beenzer Landstr.

Markgrafen

Seeweg

Wurlweg

Sonnenweg

Kiefernweg

Halbinsel

Lindenhof

Beenzer

Landstr.

Boitzenburger

Am Schlenken

Chaussee

uerweg Wiesenweg

trelitzer Straße

ychener Straße

Wurlsee Camping

C 079

Rutenberger Straße

L

s

Been

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