FACTS and STORIES 11

Comichunter1982

Hallo liebe Leser,
in diesem Heft ist das Titelthema: KUNST. Wenn man sich die Kunstgeschichte anschaut, dann hatten viele der größten Künstler wohl seelische Probleme!

Jeder Musiker, jeder Maler, und jeder Schauspieler weiß, dass Kunst heilen kann! Sogar Sport ist Kunst, denn Artist heißt ja in der englischen Sprache Künstler. Und meiner Meinung nach ist guter Journalismus auch Kunst. Doch gerade die Mainstream-Presse zeichnet ein negativ verzehrtes Bild von Menschen mit seelischen Erkrankungen.

Doch es gibt auch viele Künstler, die gesund sind, auch die kommen zu Wort und Bild.

Euer Christian Kaiser

Leiter der Mad Artists,
Herausgeber von FACTS & STORIES

Eine kurze Geschichte der Psychiatrie - Teil 2

von Mathias Krämer

Vom Tollhaus über das Irrenhaus

zur Anstaltspsychiatrie

Das christliche Mittelalter brach massiv mit dem

humanen Umgang des Altertums und des

islamischen Mittelalters mit psychisch kranken

Menschen.

Vom 12. Jh. bis zum 18. Jh. wurden zahlreiche

Krankheiten, z.B. Schizophrenie oder Epilepsie,

auf eine Besessenheit durch Teufel oder Strafen

Gottes für begangene Sünden zurückgeführt.

Diese glaubte man nur mit einem sog.

Exorzismus (= Teufelsaustreibung) vertreiben

zu können. Entsprechend erfolgte die

Behandlung von Krankheiten nun

weitestgehend nicht mehr durch Ärzte, sondern

durch Teufelsaustreibungsrituale der Kirchen.

Manche Betroffene wurden zudem als Hexen

oder Zauberer von der Inquisition verfolgt.

Insbesondere vom 15. bis 17. Jhd. wurden

zahlreiche von ihnen gefoltert oder verbrannt.

Das damalige Geschehen wird heute oft als ein

Hexenwahn der damaligen Gesellschaft

beschrieben.

Auch wenn die Zeit von Inquisition und

Hexenverfolgung schließlich im 18. Jahrhundert

endete, war die Lage der psychisch kranken

Menschen desolat. Wurden die Meisten von

Ihnen früher noch von ihren Familien oder

Dorfgemeinschaften versorgt, waren sie jetzt

oft aus diesen Zusammenhängen vertrieben. Als

sozial unerwünscht und mitunter gefährlich

angesehen, wurden sie zusammen mit

Straftätern, Prostituierten und Bettlern

außerhalb der Städte in sog. Asylen (oft auch

Tollhäuser genannt wegen der dort

herrschenden Unruhe) festgesetzt und

weggesperrt. Hierbei handelte es sich um reine

Verwahranstalten ohne jede Behandlung.

Pflegekräfte oder gar Ärzte gab es nicht. Wärter

waren zumeist ausgediente Soldaten. Nicht

selten vegetierten die Insassen in dunklen

Kerkern und an Ketten gefesselt vor sich hin.

Erst im Zuge der Aufklärung (ab 1700)

verbreitete sich die Einsicht, dass es sich bei den

4

„Irren“ um Kranke handelt. Sie wurden daher

in eigene Asyle überführt, in sog. „Irren-

Häuser“. Diese entstanden seit dem 18. Jh. in

ganz Europa. Damit findet wieder ein Wandel

statt, weg von den reinen Verwahranstalten hin

zu einem ärztlichen Behandlungsansatz. Zudem

beginnen die Ärzte ihre Erfahrung mit den

„Irren“ aufzuschreiben und zu systematisieren.

Damit entsteht die Psychiatrie als medizinische

Disziplin. Jedoch sollte man sich keiner Illusion

hingeben. Auch wenn es bereits erste

Überlegungen und Ansätze einer humane(re)n

Psychiatrie gab, waren die Zustände in den

meisten Häusern schlichtweg

menschenverachtend. Heilung durch Schmerz

bzw. Erschütterung der erkrankten Seele durch

Gewalt war die Behandlungsmethode der Zeit.

Dazu gehörten Auspeitschen, Zwangsstehen,

Fixierungen, Eintauchen in eiskaltes Wasser, das

Verabreichen von Abführ- und Brechmitteln,

der berüchtigte Drehstuhl (auf diesem wurde

der Patient bis zur Ohnmacht gedreht oder bis

Blut aus Mund oder Nase floss) und vieles

anderes, was wir heute als Folter bezeichnen

würden.

Einstellung und Verständnis zu psychischen

Störungen veränderten sich vor allem mit dem

humanen Menschenbild der Aufklärung, der

zunehmenden Verbreitung der Idee von

Menschenrechten und der französischen

Revolution (1789–1799). Bahnbrechend und

unbedingt in diesem Zusammenhang zu

erwähnen ist das Wirken von Tuke und Pinel.

Der englische Geschäftsmann William Tuke

(1732-1822) erfuhr eher zufällig durch seine

Teilnahme an einem Ausschuss zur

Untersuchung des Todes einer

Irrenhauspatientin von den dort herrschenden

unmenschlichen Bedingungen. Obwohl er

keinen medizinischen Hintergrund hatte, wurde

die Verbesserung der Lebensumstände von

psychisch Kranken von nun an seine

Lebensaufgabe. 1794 gründete Tuke „The

Retreat“, eine völlig neuartige Pflegeeinrichtung

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine