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Kulturfenster Nr. 02|2021 - April 2021

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BLASMUSIK<br />

CHORWESEN<br />

HEIMATPFLEGE<br />

in Südtirol<br />

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol<br />

<strong>Nr</strong>. 2<br />

APRIL<br />

<strong>2021</strong><br />

<strong>Nr</strong>. 6 | DEZEMBER | 2019<br />

Zukunftsvision entwickeln – Ideenwerkstatt <strong>2021</strong><br />

Läden schaffen Leben – Nachhaltig einkaufen<br />

Mit Kreativität die Krise meistern<br />

Poste Italiane SpA – Sped. in a.p. | -70% – NE BOLZANO – 71. Jahrgang – Zweimonatszeitschrift<br />

Poste Italiane SpA – Sped. in a.p. | -70% – NE BOLZANO – 73. Jahrgang – Zweimonatszeitschrift


vorausgeschickt<br />

„Wir bleiben dran!“<br />

Liebe Leserinnen und Leser,<br />

Es wird immer groß vom Kulturland Südtirol<br />

gesprochen. Und plötzlich, im Lockdown,<br />

stellen wir fest, dass wir Kulturschaffende<br />

eigentlich gar nicht zählen. Diese<br />

Erkenntnis war und ist für einige von uns<br />

eine Ernüchterung und nagt bei einigen<br />

an der Motivation weiterzumachen. Die<br />

medizinischen und wissenschaftlichen<br />

Fakten, aber auch die politischen Signale<br />

– zumindest zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses<br />

– lassen doch Hoffnung aufkommen,<br />

ganz nach dem Motto: „Alles<br />

neu macht der Mai!“<br />

Es wird zwar weder sofort wieder alles<br />

möglich sein, noch neu werden. Aber<br />

auch unsere drei Verbände arbeiten daran,<br />

damit die Tätigkeit der Vereine wieder<br />

aufgenommen werden kann. Schon<br />

allein die Tatsache, dass diese Ausgabe<br />

mit 76 (!) Seiten die durchschnittliche Seitenanzahl<br />

unserer Zeitschrift weit übersteigt,<br />

zeugt einmal mehr davon, dass die<br />

Verantwortlichen nicht untätig geblieben<br />

sind und an Themen und Inhalten arbeiten,<br />

um für einen Neubeginn gerüstet zu<br />

sein: Dazu macht der Heimatpflegeverband<br />

das „bewusste Konsumverhalten“<br />

und ein „nachhaltiges Einkaufen“ zum<br />

Schwerpunktthema.<br />

Der Chorverband sucht Zukunftsvisionen<br />

mit einer eigenen Ideenwerkstatt. Die Verantwortlichen<br />

im VSM werben für Kreativitiät,<br />

um die Krise zu meistern.<br />

Viele von uns sind verunsichert, wann und<br />

wie der Start gelingen kann. Ein sanfter<br />

Neubeginn und realistische Perspektiven<br />

für die Zukunft helfen dabei. Die Weichen<br />

dazu werden seit Wochen gestellt, damit<br />

wir vorbereitet sind, wenn der Startschuss<br />

fällt. Auch wenn es eine Zeit lang dauern<br />

wird, bis wir wieder dort sind, wo wir<br />

vor einem Jahr abrupt gestoppt wurden,<br />

die Leidenschaft der allermeisten ist ungebrochen.<br />

Und wir im Redaktionsteam<br />

freuen uns darauf, diese Entwicklung zu<br />

begleiten und darüber zu berichten: „Wir<br />

bleiben dran!“<br />

Inzwischen bietet auch die vorliegende<br />

Ausgabe jede Menge interessanten Lesestoff,<br />

weit über das Corona-Thema hinaus<br />

– auch für die Zeit nach Corona.<br />

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen wiederum<br />

eine unterhaltsame, aber auch informative<br />

Lektüre und einen aufschlussreichen<br />

Blick durch unser „KulturFenster“.<br />

Stephan Niederegger<br />

„<br />

Mit meinem Atem Emotionen zu erzeugen,<br />

das ist es, was mir auch während dieser<br />

Krise die Motivation zum Musizieren und<br />

Üben gibt.<br />

Ernst Hutter<br />

„<br />

KulturFenster<br />

2 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Inhalt<br />

In dieser Ausgabe<br />

Chorwesen<br />

Offen für die Herausforderungen der Zukunft<br />

Ideenwerkstatt <strong>2021</strong> .................................................................. 4<br />

Manuel Huber im Porträt<br />

Chorleiter bei den Wiener Sängerknaben.................................... 7<br />

Ohne Kultur verarmen wir!<br />

Musikprojekt klaNg in der Grundschule.................................... 11<br />

Ein Jahr (fast) ohne Chorgesang – Stimmen zur Corona-Zeit......... 14<br />

Bleibt dem Chorgesang treu!<br />

72. Vollversammlung des SCV.................................................. 16<br />

Komponieren für die Chöre<br />

Kirchenmusiker Josef Knapp vor 100 Jahren geboren .............. 17<br />

121. Psalm (Davids Psalm) – von Otto Olsson........................... 18<br />

Ein Leben für die Musik – Im Gedenken an Alois Vigl................ 19<br />

Sunvoices-Kinderchor Lajen..................................................... 20<br />

Seemannslied gegen die Corona-Freudlosigkeit<br />

Digitaler Chor........................................................................... 22<br />

Wichtiges Lebenszeichen – Wir sind noch da............................ 23<br />

Heimatpege<br />

Nachhaltig einkaufen, bewusstes Konsumverhalten<br />

Läden schaffen Leben.............................................................. 24<br />

Im Bundsch’ Ladele ist immer was los<br />

Der Gemischtwarenladen im Sarntal......................................... 27<br />

Gern aufgesuchter Treffpunkt<br />

Konsumgenossenschaft in Niederolang .................................... 28<br />

Online trifft Offline<br />

Die Südtiroler Verkaufsplattform SelberGMOCHT ...................... 29<br />

Der Türgg – lebenswichtig und umstritten<br />

Mais ist das Gemüse <strong>2021</strong>/2022.............................................. 30<br />

Kleine Ernte, großer Geschmack<br />

Maisanbau der alten Sorte........................................................ 32<br />

Egert, Trate und Zelge<br />

Flurnamen aus der Agrargeschichte, Teil 1............................... 33<br />

Habitate vor Eingriffen schützen<br />

Besondere Lebensräume für Pflanzen und Tiere retten............. 34<br />

Dinge des Alltags: Die Gugelhupfform....................................... 36<br />

Gegen ein Almdorf in Schnals – Die Zukunft von Kurzras.......... 38<br />

Bannzonen sind – leider – keine Garantie<br />

Bebauung trotz negativen Gutachtens ...................................... 39<br />

25 Jahre Heimatpflegeverein Naturns-Plaus............................. 40<br />

Maridl Innerhofer wäre 100 geworden ...................................... 42<br />

Hat den Volkstanz ins Land getragen<br />

Im Gedenken an Luis Veit ........................................................ 44<br />

Unterrock oder Beinkleid<br />

unterschätzt und doch so wichtig ............................................. 45<br />

Das Maibaumumtanzen<br />

Ein alter Brauch im Wandel der Zeit ......................................... 46<br />

Blasmusik<br />

Ein Jahr Corona – mit Kreativität die Krise meistern .................48<br />

Treffpunkt: Organisation & Kapellmeister<br />

In Kontakt und im Gespräch bleiben .......................................54<br />

Instrumentenvorstellung? Digital!<br />

Lehrvideo der MK Naturns ......................................................55<br />

Alles Show – Online-Fortbildung für Stabführer........................56<br />

Treffpunkt: Musik in Bewegung – Probiert gerne Neues! ..........57<br />

JuKa Lana – seit 23 Jahren aktiv .............................................58<br />

Max Calanducci im Gespräch<br />

Musikstudent aus Schlanders in Wien .....................................60<br />

Treffpunkt: Jugend Jugendleiter-Stammtisch kommt gut an .....61<br />

Jungbläserwochen & Jungbläsertage abgesagt!<br />

Sommerangebote <strong>2021</strong> des VSM ............................................62<br />

Alles Gute zum Geburtstag!<br />

70 Jahre Österreichischer Blasmusikverband ..........................63<br />

Willkommen in Bozen<br />

Thomas Ludescher übernimmt Lehrstuhl ................................64<br />

Innsbrucker Promenadenkonzerte <strong>2021</strong><br />

Neues aus der Kaiserlichen Hofburg .......................................66<br />

Die musikalische Macht des Erzählens<br />

Simon Gamper im Porträt........................................................68<br />

Gottfried Furgler zum 80-sten..................................................70<br />

Mein schönes Heimatland<br />

Jubiläums-CD 100 Jahre MK Penon........................................71<br />

entdeckt – neue Bücher, Noten, CD’s......................................72<br />

kurz notiert – Neues von den Musikkapellen............................73<br />

Musik war seine Leidenschaft<br />

Im Gedenken an Paul Winkler.................................................74<br />

Musikfreund und wertvoller Mensch<br />

Im Gedenken an Hans Obkircher ............................................75<br />

Impressum<br />

Mitteilungsblatt<br />

- des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />

Redaktion: Stephan Niederegger, kulturfenster@vsm.bz.it<br />

- des Südtiroler Chorverbandes<br />

Redaktion: Paul Bertagnolli, info@scv.bz.it<br />

- des Heimatpflegeverbandes Südtirol<br />

Redaktion: Florian Trojer, florian@hpv.bz.it<br />

Anschrift:<br />

Schlernstraße <strong>Nr</strong>. 1 (Waltherhaus), I-39100 Bozen<br />

Tel. +39 0471 976 387 – info@vsm.bz.it<br />

Raiffeisen-Landesbank Bozen<br />

IBAN = IT 60 S 03493 11600 000300011771<br />

SWIFT-BIC = RZSBIT2B<br />

Jahresabonnement = 20,00 Euro<br />

Ermächtigung Landesgericht Bozen <strong>Nr</strong>. 27/1948<br />

presserechtlich verantwortlich: Stephan Niederegger<br />

Druck: Ferrari-Auer, Bozen<br />

- gefördert von der Kulturabteilung der Südtiroler Landesregierung<br />

Das Blatt erscheint zweimonatlich am 15. Februar, <strong>April</strong>, Juni, August, Oktober und<br />

Dezember. Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen Vormonats.<br />

Eingesandte Bilder und Texte verbleiben im Eigentum der Redaktion und werden nicht<br />

zurückerstattet. Die Rechte an Texten und Bildern müssen beim Absender liegen bzw.<br />

genau deklariert sein. Die Verantwortung für die Inhalte des Artikels liegt beim Verfasser.<br />

Die Wahrung der Menschenwürde und die wahrheitsgetreue Information der Öffentlichkeit<br />

sind oberstes Gebot. Der Inhalt der einzelnen Beiträge muss sich nicht mit<br />

der Meinung der Redaktion decken. Nachdruck oder Reproduktion, Vervielfältigung jeder<br />

Art, auch auszugsweise, sind nur mit vorheriger Genehmigung der Redaktion erlaubt.<br />

Sämtliche Formulierungen gelten völlig gleichrangig für Personen beiderlei Geschlechts.<br />

KulturFenster<br />

3 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Du hast Lust auf konstruktive<br />

Diskussionen und Kreativität?<br />

Ja?<br />

Dann suchen<br />

wir genau DICH!<br />

KulturFenster<br />

4 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


hervorgehoben<br />

Offen für die<br />

Herausforderungen der Zukunft<br />

Der Südtiroler Chorverband entwickelt eine Vision<br />

Wohin geht der Südtiroler Chorverband?<br />

Diese Frage will sich heuer eine Arbeitsgruppe<br />

im Verband stellen und gemeinsam<br />

mit interessierten Sängerinnen und<br />

Sängern, Chorleiterinnen und Chorleitern<br />

sowie Obleuten eine Strategie für die Zukunft<br />

entwickeln.<br />

Jeder Mensch braucht ein Ziel, um sich<br />

weiterzuentwickeln, er muss sich an neue<br />

Situationen anpassen und die Weichen für<br />

die Zukunft stellen. Dasselbe gilt auch für<br />

Verbände und Institutionen: Der Südtiroler<br />

Chorverband mit seinen über 400 Mitgliedschören<br />

zählt zu den größten Verbänden<br />

des Landes. Immerhin wirken über<br />

10.000 Sänger und Sängerinnen aktiv mit.<br />

Der Verband nimmt einen wichtigen Stellenwert<br />

im Kulturleben unseres Landes ein<br />

und ist kompetenter Ansprechpartner für<br />

seine Mitgliedschöre. „Aus diesem Grunde<br />

war und ist es immer das Bestreben, offen<br />

zu sein für neue Ideen, offen<br />

zu sein für Weiterentwicklung,<br />

offen<br />

zu sein für neue Herausforderungen“, sagt<br />

Verbandsobmann Erich Deltedesco zum<br />

neuen Projekt „Visionsarbeit“. Deshalb hat<br />

der Vorstand eine interne „Arbeitsgruppe“<br />

beauftragt – unterstützt durch die Beratung<br />

und Begleitung eines fachkompetenten<br />

Coaches – eine Zukunftsstrategie<br />

zu erarbeiten, die weit in die Zukunft reichen<br />

soll. In der Folge wird sie dadurch<br />

auch richtungsweisend für die gesamte<br />

Südtiroler Chorlandschaft sein.<br />

Eine Vision, die von den<br />

Menschen selbst kommt<br />

Die Entwicklung der neuen Zukunftsstrategie<br />

erfolgt dabei in vier Phasen: Zuerst<br />

wird es Ideenwerkstätten mit kleinen Initiativgruppen<br />

geben, die aus kreativen und<br />

zur konstruktiven Mitarbeit bereiten Menschen<br />

bestehen. Ihre Ambitionen zur Mitgestaltung<br />

an den visionären Prozessen<br />

müssen sie zuvor durch<br />

eine Bewerbung<br />

bekunden.<br />

Die Aufgabe der Initiativgruppen besteht<br />

vor allem darin, Themen und Vorschläge zu<br />

erarbeiten, die dann im Sommer bei einem<br />

„Offenen Visionstag“ präsentiert werden.<br />

Dabei sind die Themen offen und breitgefächert:<br />

Wie schaut der Chor 2030 aus?<br />

Wie steht es um die Digitalisierung? Was<br />

braucht es noch im Bereich Fortbildung<br />

und vieles mehr. Beim „Offenen Visionstag“<br />

kommen die Teilnehmer in Kleingruppen<br />

miteinander ins Gespräch. Er dient als<br />

Orientierungshilfe für eine spätere Strategieentwicklung.<br />

Wie bei jeder Strategieentwicklung<br />

werden auch hier die Ergebnisse<br />

in einem Strategiepapier dokumentiert und<br />

die strategischen Ziele werden klar formuliert.<br />

Ab dem nächsten Jahr wird man<br />

dann die Umsetzung regelmäßig überprüfen:<br />

Sind es richtige Ziele, müssen sie angepasst<br />

werden? Was läuft gut?<br />

In Lösungen denken und<br />

nicht in Problemen<br />

„Mit dieser Initiative wollen wir nicht das<br />

Rad neu erfinden, sondern Ziel dieser Vision<br />

ist es, gemeinsam unter dem Motto<br />

´in Lösungen denken und nicht in Problemen´<br />

Struktur, Aufgaben und Zielsetzungen<br />

des Verbandes kritisch zu durchleuchten,<br />

neue Ideen und Potentiale zu entwickeln.<br />

Bewährtes soll beibehalten<br />

werden. Wo es notwendig ist, wird<br />

man konkrete Maßnahmen formulieren,<br />

neue Wege werden beschritten<br />

werden“, sagt Verbandsobmann<br />

Erich Deltedesco. Die Beschleunigung<br />

des technologischen und<br />

gesellschaftlichen Wandels gegenüber<br />

sozialen, kulturellen und<br />

ethischen Anpassungsprozessen ist<br />

eine große Herausforderung – Visionen<br />

entwickeln heißt, sich den Herausforderungen<br />

stellen.<br />

Auch Geschäftsführer Dietmar Thanei<br />

ist von der Notwendigkeit einer konkreten<br />

Visionsarbeit überzeugt: „In der aktuellen<br />

Corona-Pandemie tritt die Notwendigkeit<br />

KulturFenster<br />

5<br />

02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


hervorgehoben<br />

von Visionen noch deutlicher in den Vordergrund.<br />

Für die Zeit nach Corona gilt es,<br />

sich den neu entstandenen Herausforderungen<br />

in Gesellschaft und Kultur mit einer<br />

Vision, der notwendigen Reflektion und<br />

einer geeigneten Strategie zu begegnen.<br />

Bewährtes bewahren und<br />

nach Neuem suchen<br />

Wie es auch in den Statuten festgeschrieben<br />

ist, bezweckt der Südtiroler Chorverband<br />

die Pflege, Förderung und Ausbreitung<br />

des Chorgesangs. Verbandsobmann<br />

Erich Deltedesco betont, dass man nicht<br />

alles neu erfinden oder ändern muss: „Wir<br />

haben uns die Anliegen der Südtiroler Chorlandschaft<br />

zur Aufgabe gemacht, bieten<br />

unseren Mitgliedschören eine Plattform<br />

für Kontakte und Informationen, schaffen<br />

Dialog und Erfahrungsaustausch und fungieren<br />

als Netzwerk nach innen und außen.<br />

Nach außen sind wir Ansprechpartner<br />

und Sprecher. Wir thematisieren alle<br />

chorischen Anliegen überall dort, wo es<br />

nötig und wichtig erscheint, wir leisten Öffentlichkeits-<br />

und Überzeugungsarbeit. Wir<br />

bieten ein breit gefächertes, hochqualifiziertes<br />

und zielgruppenspezifisches Fortbildungsprogramm<br />

für alle Sparten des<br />

chorischen Singens.“ Ein besonderes Anliegen<br />

ist dabei, die Aus- und Weiterbildung<br />

im Bereich „Singen mit Kindern und Jugendlichen“<br />

zu fördern. „Wir setzen uns<br />

für eine aktive musikalische Bildung ein.<br />

Jedes Kind, jeder junge Mensch soll die<br />

Chance haben, die positive Wirkung des<br />

Singens schon in der Schule zu erfahren.“<br />

Dies sind aber nur einige Aufgaben des<br />

Südtiroler Chorverbandes. „Wie schon<br />

gesagt: die Stärken werden wir bewahren<br />

und weiter auszubauen. Was weniger gut<br />

ist, werden wir versuchen zu verbessern,<br />

damit der Südtiroler Chorverband auch in<br />

Zukunft ein kompetenter Ansprechpartner<br />

und Wegbegleiter für seine Mitgliedschöre<br />

sein kann.“<br />

Hinter allem aber steht die Idee: Visionen<br />

werden nicht von oben aufgepfropft, so dass<br />

sie bestenfalls Einwilligung statt echtem Engagement<br />

erzeugen, sondern sie werden<br />

gemeinsam erarbeitet. Gemeinsame Visionen<br />

sind Sinn und Identität stiftend in Bezug<br />

auf den Verband. Echte Visionen brauchen<br />

Zeit zum Wachsen – und vor allem:<br />

Sie müssen sich in der Realität bewähren.<br />

Wir suchen motivierte und engagierte Menschen aus den<br />

unterschiedlichsten Lebensbereichen sowie Menschen,<br />

die ausgetretene Pfade verlassen und ungewöhnliche<br />

Ideen einbringen wollen.<br />

Jetzt anmelden unter scv.bz.it/ideenwerkstatt<br />

KulturFenster<br />

6 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


angekommen<br />

Das Chorleiterseminar<br />

war sein Sprungbrett<br />

zum Traumberuf<br />

Manuel Huber aus Weitental ist Chorleiter<br />

bei den Wiener Sängerknaben<br />

„Höchstleistung erbringen geht am besten,<br />

wenn man zu den Sängern eine gute Beziehung<br />

aufbaut“, sagt Chorleiter Manuel Huber<br />

über seine Arbeit mit den Wiener Sängerknaben.<br />

Der 28-jährige Musiker aus<br />

Weitental sang als Schüler im Knabenchor<br />

des Vinzentinums und studierte Chorleitung,<br />

Orchesterleitung und Gesangspädagogik am<br />

Mozarteum Salzburg und schloss das Studium<br />

mit „Auszeichnung“ ab. Im Gespräch<br />

erzählt er unter anderem, dass die besondere<br />

Herausforderung seiner Arbeit mit den<br />

begabten Kindern die Verbindung von pädagogischem<br />

Geschick und musikalischem<br />

Anspruch ist und dass das Chorleiterseminar<br />

in Dietenheim ein wichtiger Moment für<br />

seine weitere Laufbahn war.<br />

KulturFenster: Sie waren Chorleiter des Tölzer<br />

Knabenchors und leiten jetzt den Mozartchor<br />

der Wiener Sängerknaben. Was<br />

bedeutet das für Sie persönlich?<br />

Manuel Huber: Ich war beim Tölzer Knabenchor<br />

Leiter eines Vorbereitungschores<br />

und Assistent des großen Konzertchores.<br />

Mein Schwerpunkt lag dabei auch auf der<br />

Einzelstimmbildung der Knaben und der<br />

Korrepetition der Konzerte. Die Arbeit als<br />

Kapellmeister des Mozartchores (eines der<br />

vier Konzert- und Tourneechöre der Wiener<br />

Sängerknaben) ist für mich ein beruflicher<br />

Fortschritt. Ich bin für meinen Chor<br />

quasi alleine verantwortlich, stelle meine<br />

Programme selber zusammen (in Absprache<br />

mit der künstlerischen Leitung), plane<br />

meine Proben eigenständig und leite die<br />

Konzerte. Die größere Verantwortung bringt<br />

zwar mehr Arbeit mit sich, ist für mich persönlich<br />

aber eine sehr positive Entwicklung.<br />

KF: War die Leitung dieser Chöre schon<br />

lange Ihr Berufsziel oder war es eher Zufall,<br />

dass Sie in diesem Bereich arbeiten?<br />

Könnten Sie erzählen wie es dazu gekommen<br />

ist, dass Sie heute diesen Chor leiten?<br />

Huber: Einen professionellen Chor zu<br />

leiten, war eines jener Berufsziele, die<br />

ich schon länger im Blick hatte. Dass<br />

es geklappt hat, ist einerseits eine Verknüpfung<br />

von glücklichen Zufällen, andererseits<br />

habe ich mich aber auch ein<br />

wenig in diese Richtung bemüht. Durch<br />

meine Arbeit beim Tölzer Knabenchor<br />

hatte ich natürlich schon einige Erfahrung<br />

mit Knabenstimmen gesammelt,<br />

was sicherlich von Vorteil war. Da ich im<br />

Studium ein Praktikum bei den Wiener<br />

Sängerknaben machen durfte, was mir<br />

sehr viel Freude bereitet hat, kannte mich<br />

der künstlerische Leiter Gerald Wirth bereits.<br />

Über Umwege habe ich während<br />

meiner Tätigkeit beim Tölzer Knabenchor<br />

erfahren, dass bei den Wiener Sängerknaben<br />

Leute gesucht werden, die bereit<br />

wären, für eine gewisse Zeit im Ausland<br />

(China, Jordanien, Indien etc.) zu arbeiten<br />

und dort verschiedenste Kurse und<br />

Workshops zu leiten. Da ich mich beruflich<br />

zu dieser Zeit unbedingt weiterentwickeln<br />

wollte, habe ich die Chance ergriffen<br />

und mich vorgestellt. Dabei hat mir<br />

der künstlerische Leiter eröffnet, dass<br />

auch die Stelle eines Kapellmeisters frei<br />

werde. Am Ende habe ich mich für beide<br />

Stellen beworben und war dann in der<br />

glücklichen Lage, mir den Job auszusuchen,<br />

der mir mehr liegt. Das war für<br />

mich in diesem Fall eindeutig der des<br />

Kapellmeisters.<br />

„Die Kombination aus hohem Anspruch und Pädagogik ist eine der größten Herausforderungen<br />

meines Jobs, aber auch der Aspekt, der mich am meisten motiviert“, sagt Manuel Huber.<br />

KulturFenster 7<br />

02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Gerade auf den zahlreichen Tourneen ist<br />

eine gute Beziehung mit dem Chor und<br />

dem Team wichtig.<br />

KF: Mit Kindern zu arbeiten – was ist das<br />

Besondere daran und was sind die Herausforderungen?<br />

Huber: Das Besondere an meiner Arbeit<br />

ist die Verknüpfung von hohem künstlerischen<br />

Anspruch auf der einen Seite und<br />

einer pädagogischen Herangehensweise<br />

auf der anderen Seite. Wir machen Musik<br />

für die großen Konzerthäuser der Welt.<br />

Das bedeutet, dass wir ein gewisses musikalisches<br />

Niveau halten müssen. Die Bedürfnisse<br />

der Kinder und Jugendlichen<br />

stehen dabei aber auch im Vordergrund<br />

und liefern den Rahmen für unsere Arbeit.<br />

Das steht gar nicht im Widerspruch<br />

zueinander, denn die Kinder, die zu uns<br />

kommen, wollen Höchstleistungen erbringen,<br />

sind ehrgeizig und durch die vielen<br />

Reisen und Konzerte natürlich auch sehr<br />

motiviert. Diese Kombination aus hohem<br />

Anspruch und Pädagogik ist eine der größten<br />

Herausforderungen meines Jobs, aber<br />

auch der Aspekt, der mich am meisten<br />

motiviert. Zudem ist die Arbeit mit Kindern<br />

und Jugendlichen oft besonders lustig<br />

und erfrischend.<br />

Ein wichtiger Punkt sind natürlich die Tourneen,<br />

die quasi immer den Höhepunkt<br />

des Schuljahrs darstellen. Wir sind dabei<br />

bis zu zwei Monate am Stück auf der<br />

ganzen Welt unterwegs und singen Konzerte<br />

(Europa, USA, China, Taiwan, Korea,<br />

Japan, Südamerika, ...)<br />

Abgesehen von den bereits genannten<br />

Punkten sind die Atmosphäre und das<br />

Team, mit dem ich zusammenarbeiten<br />

darf, wirklich super. Wir sind quasi alle<br />

miteinander befreundet. Diese Zusammenarbeit<br />

ist besonders auf Tourneen<br />

auch sehr eng, was – wie ich denke –<br />

eine wichtige Voraussetzung ist.<br />

KF: Wer sind eigentlich diese begabten<br />

Buben, die bei den Wiener Sängerknaben<br />

singen?<br />

Huber: Einige der Wiener Sängerknaben<br />

waren bereits in der Volksschule bei uns,<br />

manche kommen auch erst zu Beginn der<br />

Sängerknabenzeit in unsere Schule. Die<br />

Knaben, die aktiv in einem der vier Konzert-<br />

und Tourneechöre singen, sind etwa<br />

zwischen 10-14 Jahren alt, das heißt die<br />

Sängerknabenlaufbahn beginnt in der 5.<br />

Klasse und endet dann nach der 3. Mittelschule.<br />

Die Kinder bei den Wiener Sängerknaben<br />

kommen aus sehr unterschiedlichen<br />

Nationen. Zurzeit kommen die Sänger<br />

meines Chores aus Österreich, der<br />

Schweiz, Serbien, Russland, Rumänien,<br />

Japan, Korea und der Mongolei. In den<br />

anderen Chören gibt es noch eine Vielzahl<br />

anderer Nationen (USA, China, Taiwan,<br />

Singapur, Frankreich, Belgien, …).<br />

Leider gibt es im Moment keine Buben<br />

aus Südtirol. Vielleicht findet sich ja der<br />

ein oder andere, der Interesse an so einer<br />

tollen Sache hat. Es lohnt sich auf jeden<br />

Fall vorzusingen und sich die Schule<br />

und das Internat einmal anzuschauen.<br />

Weitere Information findet man auf unserer<br />

Website: www.wsk.at.<br />

KF: Die Leitung eines solchen Chors unterscheidet<br />

sich sicher von der Leitung<br />

eines "normalen" Kinderchors.<br />

Huber: Unterschiede gibt es auf vielen<br />

Ebenen. Zum einen finden jeden Tag Proben<br />

statt, während ein „normaler“ Kinderchor<br />

meist nur einmal wöchentlich<br />

probt. Die Chorproben sind bei uns in<br />

den Schulalltag eingebettet. In der Regel<br />

proben wir zwei Stunden täglich, samstags<br />

auch mal drei Stunden. Am Nachmittag<br />

gibt es dann Zeit für Soloproben<br />

oder Teilproben. Einzelstimmbildung findet<br />

normalerweise während der Proben-<br />

KulturFenster<br />

8 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Chorwesen<br />

zeiten statt. Jeder Knabe wird bei uns<br />

auch einzeln betreut.<br />

Weiters ist die Literatur, die wir singen,<br />

sehr breit gefächert. Die Basis unserer<br />

Arbeit bilden natürlich klassische Werke,<br />

wie diverse Messen, Renaissance-Motetten,<br />

romantische Chormusik. Wir singen<br />

aber auch Werke der neuen Musik,<br />

Weltmusik und Volksmusik, sowie Pop,<br />

Musical und Jazz. Es ist also für jeden<br />

etwas dabei.<br />

Die Motivation bringen die Kinder, die zu<br />

uns kommen, eigentlich schon mit. Es<br />

gibt natürlich Phasen, in denen die Motivation<br />

auch einmal abflacht, vor allem<br />

in Phasen, wo es wenige Konzerte gibt,<br />

oder keine Konzertreisen anstehen. Insgesamt<br />

sind unsere Kinder aber sehr motiviert.<br />

Sie dürfen schließlich jedes Schuljahr<br />

für mehrere Monate auf Tournee<br />

fahren, sehen fremde Länder und singen<br />

in den größten Konzerthäusern der Welt.<br />

Das ist so, als würde man in der Nachwuchsmannschaft<br />

des FC Bayern nach<br />

Japan zur Junioren-WM fahren. Das motiviert<br />

natürlich. Dieser Erfahrungsschatz<br />

ist am Ende unglaublich wertvoll und die<br />

Kinder behalten ihn für ihr Leben.<br />

„<br />

Ich würde sagen, ich bin je nach Situation<br />

entweder Chorleiter, Lehrer<br />

oder Erzieher. Diese Vielseitigkeit und<br />

Flexibilität macht mir Spaß.<br />

„<br />

Manuel Huber<br />

KF: Worin sehen Sie Ihre Aufgabe? Geht<br />

es Ihnen nur um Chorleitung, oder sehen<br />

Sie sich auch als "Lehrer" und "Erzieher"?<br />

Huber: Ich persönlich finde, dass meine<br />

Arbeit über die eines Chorleiters hinausgeht.<br />

Jeder hat da seine eigene Ansicht<br />

und Herangehensweise. Für mich funktioniert<br />

Musizieren oder das Erbringen von<br />

Höchstleistungen am besten, wenn die<br />

Beziehungen untereinander auch stimmig<br />

sind. Die individuelle Betreuung meiner<br />

Sänger liegt mir besonders am Herzen.<br />

Jeder hat seinen Platz bei uns, mit<br />

seinen Eigenheiten, seinen besonderen<br />

Fähigkeiten und auch mit seinen Schwierigkeiten.<br />

Ich sehe die Kinder auch außerhalb<br />

der Chorprobe und wir spielen<br />

hin und wieder Fußball oder Tischtennis<br />

oder machen Vergleichbares. In der<br />

Probe bin ich natürlich der Chorleiter, außerhalb<br />

bin ich für die Kinder genauso<br />

eine Bezugsperson wie auch meine Kollegen<br />

und Kolleginnen im Erzieherteam.<br />

Besonders auf der Tournee übernehmen<br />

wir Kapellmeister auch immer wieder erzieherische<br />

Aufgaben.<br />

Ich unterrichte manche der Schüler als<br />

Musiklehrer. Also um die Frage in einem<br />

Satz zu beantworten: Ich würde sagen, ich<br />

bin je nach Situation entweder Chorleiter,<br />

Lehrer oder Erzieher. Diese Vielseitigkeit<br />

und Flexibilität macht mir Spaß.<br />

KF: Erzählen Sie uns bitte, warum Sie zur<br />

Musik, zum Chorleiten kamen - wurden<br />

Sie da besonders gefördert von Ihren<br />

Eltern? Oder war es vor allem Ihr eigner<br />

Einsatz? Wie ging es dann mit Ihrer Ausbildung<br />

weiter?<br />

Huber: Ich habe in der Volksschule mit<br />

dem Klavier angefangen. Meine Eltern<br />

haben mich nie in eine gewisse Richtung<br />

gedrängt. Natürlich gab es die<br />

eine oder andere Diskussion über das<br />

regelmäßige Üben, aber ab dem zehnten<br />

oder elften Lebensjahr war ich dabei<br />

recht selbstständig unterwegs. Da<br />

ich ja selber in einem Knabenchor gesungen<br />

habe, habe ich bereits früh eine<br />

gewisse Affinität für Chorgesang entwickelt.<br />

Ich habe auch in einer Reihe anderer<br />

Chöre gesungen. Unter anderem<br />

als Jugendlicher auch im Kirchenchor<br />

in meinem Heimatdorf Weitental. Unser<br />

damaliger Chorleiter Rudi Chizzali hat<br />

mich dazu überredet, das Chorleiterseminar<br />

des Chorverbandes in Dietenheim<br />

zu besuchen. Damals war ich 15 Jahre<br />

alt. Das war eigentlich der ausschlaggebende<br />

Schritt, der meine berufliche Entwicklung<br />

überhaupt ermöglicht hat. Dort<br />

habe ich nämlich die Leidenschaft für<br />

die Chorleitung entdeckt und erste wichtige<br />

Erfahrungen sammeln können. Dafür<br />

bin ich Rudi heute noch dankbar. In<br />

der Folge habe ich zuhause sukzessive<br />

den Jugendchor, den Frauenchor und<br />

den Kirchenchor übernommen. Während<br />

meiner Maturavorbereitung habe<br />

ich mich für die Aufnahmeprüfung für<br />

Chorleitung am Mozarteum in Salzburg<br />

beworben. Es war mehr oder weniger<br />

eine spontane Aktion, die überraschenderweise<br />

gut ausgegangen ist. Zunächst<br />

habe ich parallel Psychologie und Chorleitung<br />

studiert. Später habe ich Schulmusik<br />

dazu genommen und schließlich<br />

Orchesterleitung und Gesangspädagogik.<br />

Abgeschlossen habe ich Chorleitung, Orchesterleitung<br />

und Gesangspädagogik.<br />

Seit dem letzten Herbst studiere ich nebenbei<br />

aus persönlichem Interesse auch<br />

Astrophysik an der Uni Wien.<br />

„<br />

Als Musiker ist mir beim Chorsingen<br />

der künstlerische Aspekt natürlich<br />

besonders wichtig, trotzdem<br />

steht für mich der soziale Aspekt im<br />

„<br />

Vordergrund.<br />

Manuel Huber<br />

KF: Welche Bedeutung hatte Ihre musikalische<br />

Erziehung in Südtirol, woran erinnern<br />

Sie sich besonders?<br />

Huber: Besonders wichtig für mich war<br />

die instrumentale Ausbildung, die ich in<br />

der Musikschule und dann später privat,<br />

bzw. am Konservatorium in Bozen<br />

genießen durfte. Ohne eine solide Basis<br />

am Klavier könnte ich in meinem Job<br />

nicht arbeiten. Ganz wichtig war auch<br />

– wie bereits erwähnt – die jahrelange<br />

Mitgliedschaft im Vinzentiner Knabenchor<br />

unter der Leitung von Rudi Chizzali<br />

und später Stefan Kaltenböck. Im<br />

Zuge dessen wurde ich immer wieder<br />

für Korrepetitionsaufgaben eingesetzt,<br />

bereits in sehr jungem Alter. Dafür bin<br />

ich sehr dankbar, denn ich konnte unglaublich<br />

viel lernen. Dazu kamen nach<br />

und nach andere Chöre (Ensemble VocalArt<br />

Brixen, Landesjugendchor, …), in<br />

denen ich weiter Erfahrungen sammeln<br />

durfte. Besonders hervorheben möchte<br />

ich auch die stimmliche Betreuung und<br />

Vokalausbildung durch Klara Sattler und<br />

– last but not least – das Chorleiterseminar<br />

in Dietenheim. Diese ganzen Punkte<br />

haben es ermöglicht, dass ich die Hürde<br />

ins Studium und schließlich ins Berufsleben<br />

nehmen konnte.<br />

KulturFenster<br />

9 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


angekommen<br />

KF: Was bedeutet Singen im Chor und einen<br />

Chor leiten für Sie persönlich?<br />

Huber: Als Musiker ist mir beim Chorsingen<br />

der künstlerische Aspekt natürlich besonders<br />

wichtig, trotzdem steht für mich der<br />

soziale Aspekt im Vordergrund. Chorsingen<br />

ist eine Möglichkeit, wie man gemeinsam<br />

etwas Großartiges leisten und dabei<br />

jede Menge Spaß haben kann. Ich singe<br />

nach wie vor gerne im Chor, auch wenn<br />

ich nicht mehr so oft dazu komme. Viel<br />

lieber stehe ich aber vorne und nehme<br />

die Sache selber in die Hand. Die Leute<br />

zu motivieren, das Beste aus ihnen herauszuholen,<br />

konzentriert an den Details<br />

eines Stückes zu arbeiten und dann als<br />

Chorleiter gemeinsam mit den Sängern<br />

und Sängerinnen das Ergebnis zu präsentieren,<br />

ist sehr schön. Ich sehe die Sänger<br />

dabei nicht als „mein“ Instrument,<br />

das ich spiele. Es sind meine Mitmusiker,<br />

mit denen ich gemeinsam ein Projekt<br />

erarbeiten darf.<br />

KF: Wie erleben Sie und Ihr Chor die Corona-Situation?<br />

Gibt es Proben und Konzerte?<br />

Huber: Die Corona-Krise ist für alle Menschen,<br />

die künstlerisch tätig sind, eine<br />

sehr große Herausforderung, auch für die<br />

Wiener Sängerknaben. Unsere Institution<br />

finanziert sich fast zur Gänze aus Konzerteinnahmen,<br />

da wir jedem Kind – unabhängig<br />

von der finanziellen Situation der Eltern<br />

– die Möglichkeit bieten wollen, unsere<br />

Ausbildung zu genießen. Unsere Konzerttourneen<br />

– unsere Haupteinnahmequelle<br />

– sind seit einem Jahr ausnahmslos abgesagt.<br />

Stattfinden konnten nur vereinzelte<br />

Konzerte in kurzfristigen Lockerungsphasen.<br />

Momentan proben wir etwa halb so<br />

viel wie normal, dafür unter strengen Auflagen<br />

(Luftfilterungsanlagen, regelmäßiges<br />

Lüften, Abstand, mit Maske, regelmäßige<br />

Tests). Konzerte sind ab <strong>April</strong>/Mai wieder<br />

Manuel Huber ist für seine<br />

Sängerknaben Chorleiter, Lehrer<br />

und Erzieher.<br />

geplant. Ob diese stattfinden, kann zurzeit<br />

niemand mit Sicherheit sagen. Auf<br />

jeden Fall bereiten wir uns gerade auf ein<br />

Streaming-Konzert vor, dass gegen einen<br />

kleinen Betrag online abrufbar sein wird.<br />

Wir hoffen alle auf ein baldiges Ende der<br />

Krise! Ich würde mich freuen, wenn die<br />

Leserinnen und Leser dieses Interviews<br />

uns vielleicht unterstützen. Infos gibt es<br />

auf unserer Website www.wsk.at.<br />

Interview: Paul Bertagnolli<br />

Manuel Huber wird im Sommer als<br />

„Stimmcoach“ an der Schulungswoche<br />

in Burgeis tätig sein.<br />

Infos auf: scv.bz.it/chor-und-stimmbildungswoche-in-burgeis<br />

Aus der Redaktion<br />

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Chorwesen<br />

senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)<br />

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter<br />

folgender Nummer: +39 0471 971 833 (SCV)<br />

Redaktionsschluss für<br />

die nächste Ausgabe<br />

des KulturFensters ist<br />

Freitag, 14. Mai <strong>2021</strong><br />

KulturFenster<br />

10 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


SCV-intern<br />

„Ohne Kultur verarmen wir!“<br />

„klaNg“ auch in Zeiten von Corona<br />

Josef Elzenbaumer, Grundschullehrer a.D. aus St. Lorenzen, leitet seit mehreren Jahren<br />

Musikprojekte an Grundschulen im Eisack- und Pustertal im Rahmen des Projektes<br />

„klaNg“. Begonnen hat er vor zehn Jahren, damals noch mitten im Schulgeschehen, mit<br />

einem Schulprojekt in seiner näheren Umgebung. Mehr Freiraum ließ ein voller Stundenplan<br />

nicht zu. Nach dem Schulaustritt übernahm er mehrere Projekte, weil er nun mehr<br />

Zeit zur Verfügung hatte. Anfang März 2020, es war die erste Unterrichtswoche nach den<br />

Semesterferien, standen noch mehrer Projekte in seinem Vormerkkalender, einige abzuschließen,<br />

andere mit Frühlingsliedern zu beginnen. Dann kam der Lockdown.<br />

KulturFenster: Wie haben Sie diese Zeit<br />

erlebt?<br />

Josef Elzenbaumer: Die ersten Wochen<br />

erlebte ich als intensive Arbeitszeit. Eine<br />

Sammlung schöner Frühlingslieder wollte<br />

ich immer schon bearbeiten. So ergab es<br />

sich, dass ich mich in dieser Zeit einige<br />

Wochen lang mit dieser Thematik beschäftigte<br />

und für Lieder didaktische Formen<br />

suchte, um Text und Melodie kindgerecht<br />

vermitteln zu können. Es entstand<br />

eine Sammlung von Frühlingsliedern mit<br />

altersgerechter und spielbarer Orffbegleitung<br />

mit einfacher Notation, diese auf Streifen<br />

gezeichnet und mit Vorschlägen für<br />

eine szenische Gestaltung. Genau diese<br />

Spiellieder sind es, von denen die Kinder<br />

nie genug bekommen. Daher sehe<br />

ich es als Pflicht dieses Potential zu nutzen<br />

und den Schülern und Schülerinnen<br />

ein gutes Maß an Kultur mitzugeben. Wir<br />

müssen begeistern können, der Rest erledigt<br />

sich von selbst.<br />

KF: Wann begann „klaNg“ im Schuljahr<br />

2019-20?<br />

Elzenbaumer: Die Projekte starteten im<br />

Herbst 2019 mit Schulbeginn. Der Chorverband<br />

teilte alle genehmigten Musikprojekte<br />

für Südtirols Grundschulen ein und<br />

beauftragte unter anderem mich einige im<br />

Eisack- und Pustertal auszuführen.<br />

KF: Wie läuft das ab?<br />

Elzenbaumer: Die Schulen, die „klaNg“ im<br />

Umfang von 16 Stunden zugeteilt bekommen,<br />

werden vom Chorverband benachrichtigt<br />

und müssen mit den Referenten<br />

Kontakt aufnehmen. Meistens rufe ich<br />

die dafür zuständige Lehrperson an oder<br />

ich bekomme einen Anruf. Wir fixieren<br />

die Termine, besprechen die Inhalte und<br />

das Bereitstellen von OrffInstrumenten,<br />

manchmal muss auch ein Raum vorgemerkt<br />

werden.<br />

Das Projekt klaNg darf sich sehen und hören lassen.<br />

KF: Hat Corona Spuren hinterlassen?<br />

Elzenbaumer: Die genehmigten Musikprojekte<br />

und jene, die vor dem Lockdown<br />

2020 nicht beendet werden konnten, wurden<br />

auf das nächste Schuljahr verschoben,<br />

also auf den Herbst. Dafür mussten<br />

KulturFenster<br />

11 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


SCV-Intern<br />

einige Änderungen berücksichtigt werden.<br />

Maskenpflicht von allen war angesagt.<br />

Der Raum musste groß genug sein,<br />

um die vorgeschriebenen Abstände sicher<br />

einzuhalten. Für ständige Belüftung war zu<br />

sorgen und ein Desinfektionsmittel stand<br />

stets griffbereit. Als ich die Schule betrat<br />

hat eine Lehrperson meine Körpertemperatur<br />

gemessen. Ich musste als Externer auf<br />

einem Formblatt meine Kontaktadresse angeben<br />

mit Zeitangabe meines Aufenthaltes<br />

in der Schule und meine Unterschrift. Ich<br />

habe dies alles nie als lästig empfunden.<br />

Im Grunde sind es allgemeine Vorsichtsmaßnahmen<br />

in einer öffentlichen Schule.<br />

KF: Wie erlebten die Kinder diese Zeit?<br />

Elzenbaumer: Das Tragen eines Mundund<br />

Nasenschutzes war zu Schulbeginn<br />

für viele Kinder ungewohnt. Ohne diese<br />

Vorsichtsmaßnahmen hätte ich mit den<br />

Kindern nie musizieren dürfen. Der Gesang<br />

hörte sich anfangs sehr zaghaft an.<br />

Ich konnte auch nie feststellen, wer von<br />

den Kindern mitsang und wer nicht. Den<br />

Schwerpunkt verlagerte ich vom Singen<br />

auf das Spielen auf Orff-Instrumenten.<br />

Da die Gruppen im allgemeinen kleiner<br />

waren, tat sich plötzlich ein Tor auf, das<br />

es vorher nur in Kleinschulen gab: intensives<br />

Üben, Spielen, Improvisieren und<br />

Experimentieren auf Orff-Instrumenten.<br />

Diese Möglichkeit erkannte ich sofort und<br />

versuchte den Kindern durch gut durchdachte<br />

Didaktik Freude am Musizieren<br />

zu schenken. Gegen Ende einer Stundeneinheit<br />

ist von einem einfachen Kinderlied<br />

eine Kantate entstanden, mit Vor-,<br />

Zwischen- und Nachspiel. Wenn die Zeit<br />

reichte, konnte noch eine szenische Gestaltung<br />

eingebaut werden, anderenfalls<br />

war das ein Schwerpunkt für die nächste<br />

Stunde.<br />

Ich stellte fest, dass die Kinder noch nie<br />

so gerne musiziert haben wie in Zeiten von<br />

Corona. Noch nie betraten Kinder einen<br />

Musikraum mit derart Freude strahlenden<br />

Augen wie im Herbst 2020. Noch nie<br />

setzten Kinder sich so diszipliniert einzeln<br />

auf die im Halbkreis mit Abstand bereitgestellten<br />

Stühle. Noch nie haben Kinderaugen<br />

am Ende der Stunde und am Ende<br />

eines Projektes (auch ohne Aufführung)<br />

so Freude strahlend mir „Danke“ gesagt.<br />

KF: Wie sahen die Lehrpersonen diese Zeit,<br />

gab es eine Zusammenarbeit?<br />

Elzenbaumer: Es hat sich gerade in dieser<br />

schwierigen Zeit gezeigt, dass kleine Hilfestellungen<br />

von großer Nachhaltigkeit sind<br />

und als solche sich als solche zeigen werden.<br />

In der Grundschule ist der Fernunterricht<br />

grundlegend nicht durchführbar,<br />

sondern für einige Fächer nur eine Notlösung.<br />

Daher muss auf kulturell künstlerischem<br />

Gebiet ab und zu ein Tröpfchen<br />

verschenkt werden. Die Lehrpersonen waren<br />

alle sehr erfreut, sobald ich wiederkam.<br />

Sie erhielten alle Unterlagen und konnten<br />

sich didaktische Tipps notieren. Manchmal<br />

setzte sich eine Lehrerin, die eine freie<br />

Stunde hatte, in den Halbkreis und arbeitete<br />

mit oder beobachtete alles in einer Ecke<br />

sitzend. Ich darf mich nochmals wiederholen:<br />

Wir müssen die Kinder begeistern!<br />

KulturFenster<br />

12 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Chorwesen<br />

KF: Wurde noch gesungen?<br />

Elzenbaumer: Corona hat den Gesang<br />

fast zum Verstummen gebracht. Wenn<br />

vorher eine Kindergruppe mit rund 20<br />

Schüler*innen ein Lied zum Besten gab,<br />

so hört man jetzt nur noch einen leisen Faden,<br />

manche Kinder singen nicht mehr. Das<br />

heißt aber nicht, die Flinte ins Korn zu werfen!<br />

Gerade jetzt, am tiefsten Punkt, muss<br />

ein Wiederaufbau geplant und angegangen<br />

werden. Es kommt bestimmt der Tag oder<br />

das Jahr, an dem auf der Empore der Chor<br />

sich für die Gestaltung einer Messfeier einfindet<br />

und der Chorleiter bzw. die Chorleiterin<br />

den Anfangsakkord anstimmen wird.<br />

Werden dann ältere Sänger*innen noch<br />

dabei sein?<br />

Jene Kinder, die ein Instrument erlernen,<br />

überstehen diese Zeit recht gut. Daneben<br />

gibt es Kinder, die kein Instrument spielen,<br />

aber eine schöne Gesangsstimme haben.<br />

Genau diese Kinder könnten die künftigen<br />

Chorsänger und Chorsängerinnen werden.<br />

Ein packendes Erlebnis in der Musikstunde<br />

kann der Grundstein für einen Beitritt zu einer<br />

Chorgemeinschaft sein.<br />

KF: Was wird neben Gesang, Spielen auf<br />

Orff-Instrumenten noch angeboten?<br />

Elzenbaumer: Kinder, die nicht so gerne ihre<br />

Gesangsstimme zum Klingen bringen, bewegen<br />

sich gerne beim Tanzen. Diese Ausdruckform<br />

unterscheidet sich vollkommen<br />

von den anderen. Wir bewegen uns zu ruhigen<br />

und sanften Melodien, hören dabei<br />

ganz bewusst die Formen heraus, skizzieren<br />

den Aufbau eines Tanzes und manchmal<br />

können wir uns auch gehen lassen, d.h.<br />

ein Solopaar improvisiert allein ein kurzes<br />

Zwischenspiel. Wir tauchen beim Tanz in<br />

eine ganz andere Welt ein und merken, wie<br />

sich bei den Kindern Spannungen lösen.<br />

Fast alle Kinder kommen verkrampft in die<br />

Musikstunde. Spätestens beim Spielen auf<br />

Orff-Instrumenten erkenne ich, wie Kinder<br />

in den Schultern und Füßen verkrampft<br />

sind, folglich Blockaden haben. Auf dem<br />

Stundenplan fehlt in der Grundschule das<br />

Fach „Tanzen“. Gerne wähle ich dazu kurze<br />

Werke von W.A. Mozart und Vater Leopold.<br />

Tanzen mit Mozart, die klassischen Kontratänze,<br />

– ein Steckenpferd von mir – gehören<br />

fast zum Pflichtprogramm. Heuer in<br />

Zeiten von Corona musste ich kleine Änderungen<br />

vornehmen, weil sich die Kinder<br />

nicht die Hände geben und ebensowenig<br />

in die Hände klatschen durften. Nach regelmäßigen<br />

Tanzeinheiten konnte ich feststellen,<br />

dass Kinder, die anfangs gar nicht<br />

zum Tanzen zu motivieren waren, plötzlich<br />

zu mir kamen mit der Bitte: Tanzen wir das<br />

nächste Mal wieder?<br />

Vor einigen Jahren hatte ich das Glück im<br />

Rahmen einer Lehrerfortbildung auf dem<br />

Kronplatz auf über 2.000 m Meereshöhe<br />

den Tanz „La Bonne air“ von W.A. Mozart<br />

mit Lehrpersonen einzulernen. Welch eine<br />

Vorstellung im geräumigen Restaurant am<br />

Brunecker Hausberg!<br />

KF: Warum gab es „klaNg“ auch in der<br />

schwierigen Zeit von Corona?<br />

Elzenbaumer: Die Kinder kamen im Herbst<br />

2020 nach einem halben Jahr wieder in<br />

die Schule. Es fehlten nicht nur die sozialen<br />

Kontakte, sondern auch eine angemessene<br />

künstlerische Ausbildung. Ohne Kultur<br />

verarmen wir alle, groß und klein. Wenn<br />

jetzt der Gesang nicht im Vordergrund steht,<br />

können die Schwerpunkte des Musikunterrichts<br />

auf die anderen Teilbereiche der Curricula<br />

verteilt werden, denn bei klaNg werden<br />

alle Bereiche des vorgeschriebenen Lehrplans<br />

berücksichtigt. Gemeinsames Singen<br />

in der Klasse wird zur Zeit ausgesetzt wegen<br />

der zu kleinen Räume und der zu geringen<br />

Abstände. Im Musikunterricht ergeben<br />

sich dennoch viele Möglichkeiten, dass<br />

die Kinder trotz Corona auf dieser künstlerischen<br />

Ebene viel Freude und nachhaltiges<br />

Lernen erfahren können.<br />

„<br />

Ohne Kultur verarmen wir alle, groß<br />

„<br />

und klein.<br />

Josef Elzenbaumer<br />

KF: Sind wird imstande unser wertvolles<br />

Kulturerbe zu retten?<br />

Elzenbaumer: In ganz Europa kann ein Abwärtstrend<br />

festgestellt werden. Uli Führe,<br />

ein guter Freund aus dem Schwarzwald,<br />

hat mir verraten, dass er als Komponist<br />

nur noch dreistimmige Chorsätze schreibt,<br />

nämlich für zwei Frauenstimmen (Sopran<br />

und Alt) und eine Männerstimme. Es fehlen<br />

die Männer, und somit reicht die Baritonstimme<br />

für dieses Geschlecht. Dass junge<br />

Männer so schwer fürs Musizieren zu gewinnen<br />

sind, verstehe ich selbst nicht. Man<br />

sieht es jedoch bereits in der Grundschule:<br />

die Zugpferde sind die Mädchen. Wenige<br />

Buben lassen sich motivieren auf einem<br />

Instrument über mehrere Jahre zu üben<br />

oder in einer Chorgemeinschaft mitzusingen.<br />

Daher sehe ich es als sehr wichtig, an<br />

den Grundschulen auf diesem Gebiet kleine<br />

Schwerpunkte zu setzen, damit unser Kulturgut<br />

nicht ganz verloren geht. Anne Sophie<br />

Mutter äußerte sich kürzlich in einem<br />

Gespräch: „Der Mensch besteht eben aus<br />

mehr als nur Arbeiten und Socken kaufen.<br />

Da muss noch was für die Seele rüberkommen.<br />

Es ist dringend notwendig, dass wir die<br />

Kunst schützen, damit sie nach der Pandemie<br />

in ihrer Vielfalt noch da ist.“<br />

Wenn die Familie Oberhöller, die im vergangenen<br />

Jahrhundert vom Sarntal ins Pustertal<br />

übersiedelt ist, durch gemeinsames Singen<br />

und Musizieren über schwierige Zeiten<br />

während und nach dem 2. Weltkrieg getragen<br />

wurde und in dieser Kunst Zusammenhalt,<br />

Einheit und Zuversicht erfahren konnte,<br />

dürfen auch wir, genau jetzt in dieser Zeit<br />

geprägt von Unsicherheit, Angst und Zweifel,<br />

mit den Kindern Lieder anstimmen, zur<br />

Musik tanzen, auf Orff-Instrumenten spielen,<br />

trommeln und Werke hören.<br />

KF: Wie geht es weiter?<br />

Elzenbaumer: Die Meinung und Sichtweise<br />

von Wirtschaftsprofessor Christoph Kaserer<br />

in der Tageszeitung Dolomiten vom 30./31.<br />

Jänner <strong>2021</strong> kann ich nur teilen. Er stellt darin<br />

die Behauptung auf, dass „unsere derzeitige<br />

Situation in Europa […] das Ergebnis<br />

eines jahrelangen Kaputtsparens“ sei.<br />

Wenn wir den Kindern und Jugendlichen<br />

Angebote in Kunst und Kultur vorenthalten<br />

und sie auf diesem Gebiet zu wenig fördern,<br />

erziehen wir eine Gesellschaft von Populisten.<br />

Wie schnell das geht, zeigte uns<br />

Amerika in den vergangenen vier Jahren.<br />

Kunst und Kultur haben in der Geschichte<br />

in schwierigen Zeiten immer Brücken geschlagen.<br />

Auf dieser Grundlage entwickeln<br />

sich Kinder zu disziplinierten Menschen,<br />

stärken ihre Persönlichkeit und finden im<br />

Nächsten eine Bereicherung, nicht eine Gefahr.<br />

Besonders die Selbstdisziplin wird auf<br />

keiner anderen Ebene derart gestärkt wie<br />

auf der künstlerischen. „klaNg“ darf sich<br />

sehen und hören lassen. Es ist ein Projekt,<br />

getragen von Schulamt und Chorverband,<br />

mit enormer Nachhaltigkeit auch in schwierigen<br />

Zeiten. Neben der digitalen Welt müssen<br />

wir den jungen Menschen Werte und<br />

Fähigkeiten vermitteln, die sie in der späteren<br />

Berufswelt und im Leben allgemein<br />

zu mündigen, selbstständigen, sozial denkenden<br />

und verantwortungsbewussten Menschen<br />

reifen lassen.<br />

KulturFenster<br />

13 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


SCV-Intern<br />

Ein Jahr (fast) ohne Chorgesang<br />

Stimmen von Sängerinnen und Sängern zur Corona-Zeit<br />

„Das Selbstverständliche ist wertvoll geworden“<br />

Obfrau Karin Valentin – Chor Philia<br />

Unser Chor wird heuer sein 20-jähriges<br />

Bestehungsjubiläum feiern. In den letzten<br />

20 Jahren mussten wir noch nie eine so<br />

lange Pause hinlegen. Wir vermissen sehr<br />

die Singproben und die Auftritte, weil uns<br />

Singen Spaß macht, weil gemeinsames<br />

Singen wertvoll ist und einfach guttut. Es<br />

fehlt uns aber auch das ganze Drumherum:<br />

Freundinnen treffen, nach den Proben<br />

etwas gemeinsam trinken, zusammen<br />

lachen, zusammen sein. Unser Chor<br />

hat oft Gottesdienste musikalisch gestaltet,<br />

da ändern sich ja die Lieder im Laufe<br />

des Kirchenjahres, zum Beispiel fallen mir<br />

jetzt die schönen Fastenzeitgesänge ein.<br />

Während dieser Covidzeit fehlt eben diese<br />

Jahresstruktur. Im letzten Jahr wurden wir<br />

fest eingeschränkt und einiges wurde uns<br />

verboten, aber zum Glück dürfen wir Musik<br />

hören. Ich persönlich höre ganz viel<br />

klassische Musik. Für mich war sie eine<br />

haftigkeit dieser Form der Chormusik wohl<br />

nicht allein. Jeder allein zu Hause vor dem<br />

Computer? Gerade die Chormusik ist es ja,<br />

die so sehr auf das Zusammensein angewiesen<br />

ist. Kann man vor dem Bildschirm<br />

zu einem Klangkörper verschmelzen?<br />

Wie sich herausstellte, muss man das digitale<br />

Proben nur im richtigen Kontext betrachten.<br />

Es geht nicht darum, ein Programm<br />

konzertreif zu proben. Vielmehr<br />

steht im Vordergrund, sich nach so langer<br />

Zeit wieder zu sehen, Stücke kennenzulernen<br />

und zu verhindern, dass die Stimme<br />

ganz einrostet. Nun – wie ist es uns damit<br />

ergangen?<br />

Über die Videokonferenzplattform Zoom<br />

haben wir uns um 9 Uhr morgens getroffen.<br />

Nach kurzer Begrüßung und Einführung<br />

in den neuen Probenstil standen neben<br />

Registerproben auch Tutti-Proben auf<br />

dem Programm. Der große Unterschied<br />

zu normalen Proben ist bei dieser neuen<br />

Form, dass der Chorleiter seine Sängeunverzichtbare,<br />

freudebringende, beruhigende<br />

Begleiterin in dieser Zeit.<br />

Ich freue mich, wenn wir irgendwann wieder<br />

gemeinsam, ohne Einschränkungen und<br />

ohne Angst singen werden können. Diese Zeit<br />

kommt sicher, ganz bestimmt. Vielleicht sagen<br />

wird dann nicht mehr „wir müssen zur<br />

Singprobe“, sondern „endlich dürfen wir<br />

wieder gemeinsam singen“. Alles was einmal<br />

so selbstverständlich und logisch war,<br />

ist jetzt auf einmal ganz wertvoll geworden.<br />

Karin Valentin<br />

Obfrau Chor Philia, Abtei<br />

„Digitale Probe kann echte Probe nie ersetzen“<br />

David Bernardi – Landesjugendchor Südtirol<br />

Das letzte Probenwochenende vor Ausbruch<br />

der Pandemie fand im Februar 2020<br />

statt. Damals hat niemand damit gerechnet,<br />

dass das die letzte „normale“ Probe<br />

bis auf Weiteres sein sollte. Unser Versuch,<br />

im Herbst die Proben wieder aufzunehmen,<br />

war leider auch vergeblich.<br />

Nach einer Probe im Oktober mit ungewohnten<br />

und ungeliebten Sicherheitsbestimmungen<br />

in einem möglichst großen,<br />

dafür aber akustisch umso undankbareren<br />

Raum – einer Turnhalle – hatte das Vergnügen<br />

auch schon wieder ein Ende. Die<br />

zweite Welle war da.<br />

Jetzt mit Beginn des neuen Jahres versuchten<br />

wir es erneut, diesmal online. Für<br />

viele war es die erste digitale Probe und<br />

ich war mit meinen Zweifeln an der Sinn-<br />

rinnen und Sänger nicht hört. Alle Sänger<br />

haben die Mikrofone ihrer Computer<br />

ausgeschaltet, da das Programm nicht<br />

für mehrere Audioeinspielungen gleichzeitig<br />

konzipiert ist. Außerdem würden<br />

Verzögerungen durch die unterschiedlich<br />

schnellen Übertragungen keine Synchronität<br />

erlauben. Dadurch steigt natürlich<br />

automatisch die Eigenverantwortung der<br />

Sänger*innen. Mit relativ einfachen Stücken<br />

hat Chorleiter Johann van der Sandt<br />

in gewohnt professioneller Manier den Probentag<br />

mit abschließender Tutti-Probe über<br />

die Bühne gebracht.<br />

Digitales Proben kann niemals ein Ersatz<br />

für das Singen in Präsenz sein. Dennoch<br />

erachte ich es als akzeptable Notlösung,<br />

um in Kontakt zu bleiben, wieder einmal<br />

zu singen und ja nicht zu vergessen, wie<br />

bärig es ist, in einem Chor zu sein.<br />

David Bernardi<br />

Sänger im Landesjugendchor Südtirol<br />

KulturFenster<br />

14 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Chorwesen<br />

„Freundschaft gibt uns Kraft“<br />

Obmann Luis Meraner vom MGV Welschnofen<br />

Um das Verbot des Chorsingens ein bisschen<br />

zu lindern, habe ich in der folgenden<br />

Lockdown-Zeit, an 60 Tagen, täglich in der<br />

Früh ein Lied unseres Männerchores per<br />

Whatsapp unseren Mitgliedern und auch<br />

einigen Chorfreunden zugesandt. Was unserer<br />

Zusammengehörigkeit und Freundschaft<br />

gutgetan und auch Kraft gegeben<br />

hat. Ich habe nämlich von den Chorkonzerten<br />

und anderen Konzerten der letzten<br />

15 Jahre sämtliche Life-Aufnahmen<br />

abgespeichert.<br />

Trotz Virus haben wir uns das Singen<br />

nicht ganz verbieten lassen. Wir sind als<br />

Doppelquartett bei einer Geburtstagsfeier<br />

(der älteste Vereinsfreund wurde 100 Jahr<br />

alt) aufgetreten. Bei der Beerdigungsfeier<br />

im August 2020 (der Vater von Chorleiter<br />

Ivan und Schriftführer Gerd war gestorben)<br />

hat der ganze Chor die Feier begleitet.<br />

Dann haben wir bei weiteren zwei<br />

Messen in der Kirche als Doppel-Quartett<br />

gesungen – immer ausgerüstet mit Vereins-Fiebermesser,<br />

Vereins-Desinfektionsmittel<br />

und Vereins-Mundmasken! Bei<br />

der Vollversammlung im September haben<br />

wir uns endlich wieder alle getroffen<br />

und in der Hoffnung im Herbst 2020 virusfrei<br />

mit den Proben wieder beginnen<br />

zu können, haben wir die neuen Konzerttermine<br />

für Mai <strong>2021</strong> fixiert und sicherheitshalber<br />

einen Plan B geschaffen. Laut<br />

diesem Plan wollten wir eine Doppel-CD<br />

mit Musikern aufnehmen, welche traditionelles<br />

Liedgut und auch moderne Songs,<br />

Lieder unserer letzten Konzerte, beinhalten.<br />

Aber leider wurde auch Plan B vom<br />

zweiten Virus-Tsunami zerstört<br />

Sorgen und Probleme nach<br />

dieser Kultur-Katastrophe<br />

Der Männerchor Welschnofen mit seiner<br />

Boy- und Junior Gruppe hört trotz allem<br />

nicht auf zu singen. Wir freuen uns auf die<br />

nächsten bärigen Konzerte, spätestens im<br />

Jahr 1 nach Corona! Was wir schon Anfang<br />

März 2020 befürchtet hatten, bewahrheitete<br />

sich ab 10. März 2020: Ganz Italien<br />

samt Südtirol – Sperrzone. Da der MGV<br />

Welschnofen sich zu dieser Zeit voll in<br />

den Vorbereitungen der Konzerte im Mai<br />

2020 befand, traf uns diese Entscheidung<br />

sehr hart und schmerzlich. Bei der Ausschusssitzung<br />

am selben Tag am Abend<br />

(trotz Lockdown) mussten wir schweren<br />

Herzens entscheiden, alle vier Konzerte<br />

abzusagen. Nach den vielen Vorbereitungen<br />

und Proben mussten wir allen absagen:<br />

den Männern, den acht Buben unserer<br />

MGV Boy Grupp, den 10 Burschen<br />

unserer MGV Junior Gruppe, den Musikern,<br />

den Technikern, den Medien, der<br />

Gemeinde, den Vorverkauf stoppen, Konzert-Flyer<br />

und Plakate wieder einziehen<br />

usw. Wir waren uns bewusst, dass gerade<br />

bei uns Sängern (wir Superspreader!) beim<br />

Singen ein hohes Ansteckungsrisiko existiert.<br />

Und die Verantwortung, sei es Mitglieder<br />

wie auch deren Familien mit diesem<br />

Virus anzustecken und Betriebe zu<br />

schließen bzw. in Quarantäne zu schicken,<br />

war uns zu groß. Das Dekret <strong>Nr</strong>. 5 vom 5.<br />

März 2020 von Landeshauptmann Arno<br />

Kompatscher hat uns dann zum Schweigen<br />

gebracht. – Einige Vereinsmitglieder<br />

waren natürlich von dieser Entscheidung<br />

nicht besonders begeistert, haben aber in<br />

den darauffolgenden Wochen diese Entscheidung<br />

gutgeheißen.<br />

Lieder über Whatsapp<br />

Der Männerchor rechnet im heurigen Spätsommer<br />

mit dem Probenbeginn. Wahrscheinlich<br />

werden zwei bis drei Sänger<br />

weniger dabei sein. Wir müssen neue Mitglieder<br />

suchen. Bei der Vollversammlung<br />

im Herbst werden wir mit tollen Projekten<br />

für Motivation und Begeisterung sorgen.<br />

Auch die MGV Boy Grupp wird neu starten.<br />

Der Start mit den Buben der Mittelschule<br />

muss im Herbst wieder von Neuem<br />

beginnen. Wir werden Kontakt mit der Mittelschuldirektion<br />

aufnehmen, mit den Eltern,<br />

mit dem Singlehrer, die Buben motivieren.<br />

Wir werden einen Coach für die<br />

Buben organisieren.<br />

Auch bei der MGV Junior Gruppe muss<br />

wieder alles neu geplant werden. Wer von<br />

den Burschen zwischen 14 bis 18 Jahren<br />

ist noch bereit mitzuwirken? Stimmbruch,<br />

andere Hobbys, Skitraining im<br />

Winter, Fußballtraining im Sommer sowie<br />

Studium und Berufswahl machen es<br />

nicht leicht, neue Mitglieder zu finden.<br />

Konzerte ab 2022?<br />

Wir hoffen bis Herbst zu wissen, wie es mit<br />

oder ohne Corona weiter geht, mit oder<br />

ohne Masken, wie es mit der Bestuhlung<br />

im Konzertsaal ausschaut, usw. Da unsere<br />

Konzerte mit sehr hohen Kosten verbunden<br />

sind (Ton-Licht Technik, Musiker),<br />

können wir erst richtig loslegen, wenn wir<br />

auch auf einen Beitrag hoffen können.<br />

Aber wir lassen uns nicht entmutigen und<br />

werden mit einer „JETZT ERST RECHT“-<br />

Einstellung“ das neue Sängerjahr nach<br />

Corona beginnen!<br />

Das gemeinsame Singen und Proben, das<br />

Suchen nach Harmonie im Gesang, das<br />

Hinfiebern auf eine Aufführung, das Erlebnis<br />

und Hochgefühl eines Konzertes,<br />

die Freude und der Applaus des Publikums,<br />

das ist für uns notwendiges Lebenselixier<br />

und wird es auch weiterhin<br />

bleiben! Trotz Corona!<br />

Luis Meraner<br />

Obmann MGV Welschnofen<br />

KulturFenster<br />

15 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


SCV-Intern<br />

„Bleibt dem Chorgesang treu!“<br />

72. ordentliche Vollversammlung des SCV<br />

„Wir arbeiten intensiv daran, dass mit einem<br />

grünen Pass auch der Zugang zur Chortätigkeit<br />

wieder möglich ist“, versprach Landeshauptmann<br />

Arno Kompatscher den<br />

Sängerinnen und Sängern bei der virtuellen<br />

Jahreshauptversammlung des Südtiroler<br />

Chorverbands am 27. März <strong>2021</strong>.<br />

Das Testen und das Impfen seien die einzige<br />

Möglichkeit, Singen im Chor bald wieder<br />

zu ermöglichen. Auch Verbandsobmann<br />

Erich Deltedesco blickte mit viel Zuversicht<br />

in die Zukunft: „Unser erstes Ziel ist es, die<br />

geplanten Schulungen des Chorverbands<br />

durchzuführen.“<br />

Auf ein schwieriges Jahr blickte der Südtiroler<br />

Chorverband bei seiner virtuellen Vollversammlung<br />

zurück: Verbandsobmann<br />

Erich Deltedesco blickte mit Optimismus<br />

in die Zukunft: „Wir wollen die geplanten<br />

Vorhaben unbedingt umsetzen. Dazu haben<br />

wir für jede Schulung auch einen Plan<br />

B und teilweise einen Plan C erarbeitet.“<br />

Die Sehnsucht nach gemeinsamem Singen<br />

und Fortbildung sei nämlich groß, betonte<br />

der Obmann. Das zeigten auch die<br />

vielen Anmeldungen vor allem für die Kinder-<br />

und Jugendwochen. Im abgelaufenen<br />

Jahr konnte der Chorverband fast keine<br />

Schulungen ausrichten. Im Sommer fanden<br />

allerdings Singwochen für Grundschüler<br />

an verschiedenen Orten im Lande statt.<br />

Ebenso gab es einen Workshop für Chorleiterinnen<br />

und Chorleiter mit dem renommierten<br />

Dirigenten Jan Scheerer.<br />

Außerdem nahmen 13 Personen das Angebot<br />

der Chorleiterausbildung an verschiedenen<br />

Musikschulen im Lande wahr. Verbandschorleiterin<br />

Renate Unterthiner rief<br />

dazu auf, motivierte Sänger und Sängerinnen<br />

zu animierten, diesen interessanten<br />

Lehrgang zu absolvieren. Sie erinnerte auch<br />

daran, dass es die „KAS-Wochen“ für Kinder<br />

– Kreativ- Aktiv- und Singwochen - auch<br />

heuer wieder geben wird. Das Projekt Landeskinder-<br />

und Landesjuniorchor stehe<br />

auch bereits in den Startlöchern: „Sobald<br />

wir proben dürfen, werden wir damit beginnen<br />

und vielleicht können wir in einem<br />

Jahr bei der Versammlung bereits vom ersten<br />

Konzert berichten!“ Dass die Kinderund<br />

Jugendförderung auch in Pandemiezeiten<br />

ein großes Anliegen ist, zeigt auch<br />

die Umsetzung des Projekts „klang“ in den<br />

Grundschulen des Landes, in Zusammenarbeit<br />

mit dem Schulamt.<br />

Die Krise als Chance zu sehen, betonte Erich<br />

Deltedesco auch mit seinem Hinweis auf die<br />

„Ideenwerkstatt <strong>2021</strong>“. Er lud alle, denen die<br />

Chorlandschaft in Südtiroler ein Anliegen ist,<br />

ein, sich an der Entwicklung neuer Zielsetzungen<br />

und an einer Verbesserung der Verbandsstruktur<br />

mitzuarbeiten. „An einer Strategie<br />

für die Zukunft zu arbeiten, bedeutet<br />

freilich nicht, dass wir das Rad neu erfinden<br />

müssen.“ Der Verbandsobmann wies auf ein<br />

besonderes Projekt des Bezirks Bozen hin:<br />

Unter dem Motto „Unser Lieblingslied“ sind<br />

alle Chöre im Land eingeladen, eine Liedeinspielung<br />

an den Südtiroler Chorverband zu<br />

senden. Aus den Einsendungen wird dann<br />

ein Konzert zusammengestellt, das am 24.<br />

<strong>April</strong> um 20.30 auf YouTube zu hören ist.<br />

Alles zu tun, dass das Chorsingen auch in<br />

den Pandemiezeiten nicht ganz zum Stillstand<br />

kommt – dazu rief auch Landesrat<br />

Philipp Achammer auf: „Ich danke allen für<br />

ihre Anstrengungen, das Chorleben zu erhalten,<br />

indem sie etwa auch unkonventionelle<br />

Methoden wie online-Proben anwenden,<br />

um den Kontakt untereinander nicht zu<br />

verlieren.“ Das Singen im Chor sei wichtig für<br />

die Gesellschaft. „Wir dürfen das Ehrenamt<br />

nicht verlieren!“, sagte der Kulturlandesrat.<br />

Verbandsobmann Erich Deltedesco dankte<br />

den Förderern des Chorverbands, allen voran<br />

der Südtiroler Landesregierung, aber<br />

auch den zahlreichen Ehrengästen aus<br />

Gesellschaft und Politik. Sein größter Dank<br />

galt den Ehrenamtlichen im Chorverband:<br />

„Gerade jetzt ist euer Dienst an der Gemeinschaft<br />

unverzichtbar! Ich danke euch<br />

allen, die ihr dem Chor und dem Chorgesang<br />

treu bleibt!“.<br />

Schulungen des Südtiroler Chorverbands<br />

Flexible Organisation der Fortbildungsveranstaltungen<br />

Trotz der schwierigen Situation wird heuer<br />

der Südtiroler Chorverband alles versuchen,<br />

das Schulungsprogramm wie geplant abzuhalten.<br />

„Wir sind davon überzeugt, dass die<br />

Abhaltung auch für die Moral bei den Sängerinnen<br />

und Sängern wichtig ist“, betont<br />

Geschäftsführer Dietmar Thanei: „Bereits im<br />

Vorfeld haben wir verschiedene Varianten<br />

zur Durchführung erarbeitet, um flexibler<br />

zu sein und uns auf alle möglichen Eventualitäten<br />

einzustellen. So könnte man z.B.<br />

die Schulungen in kleineren, aufgeteilten<br />

Gruppen abhalten.“<br />

Neben den Schulungen, die auf der Homepage<br />

des Südtiroler Chorverbandes aufgelistet<br />

sind, wird es wahrscheinlich auch das<br />

Chorleiterseminar in Dietenheim (zusammen<br />

mit dem VKM) und die KAS-Wochen<br />

für Grundschulkinder - in verschiedenen<br />

Städten in Südtirol und in Zusammenarbeit<br />

mit den Musikschulen – geben. Das Konzept<br />

bleibt dasselbe wie im Vorjahr. Daneben<br />

gibt es wieder ein reichhaltiges Angebot<br />

für alle – für Sängerinnen und Sänger<br />

aller Altersstufen, von der Kindersingwoche<br />

bis hin zum Singtag 50 plus.<br />

Alle Schulungen des Verbandes<br />

sowie die Anmeldeformulare<br />

dazu sind unter<br />

scv.bz.it/kursprogramm zu<br />

finden.<br />

KulturFenster<br />

16 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


persönlich<br />

Komponieren für die Chöre<br />

Vor 100 Jahren wurde der Kirchenmusiker Josef Knapp geboren<br />

Heuer wäre Professor Josef Knapp, Priester<br />

und Kirchenmusiker aus St. Lorenzen, 100<br />

Jahre alt geworden.<br />

Josef Knapp wurde am 9. Februar 1921 in<br />

St. Lorenzen geboren. Nach dem Vinzentinum<br />

in Brixen und dem philosophisch-theologischen<br />

Studium wurde er am 29. Juni<br />

1944 in Brixen zum Priester geweiht. Während<br />

der Studienzeit waren Alfons Maister,<br />

Pius Goller, Alfons Frontull, Angelo Alverà,<br />

Josef Gasser und später Oswald Jaeggi seine<br />

Musiklehrer. Nach dem Studium der Musica<br />

sacra am Bozner Konservatorium besuchte<br />

er noch viele Schulungskurse bei<br />

namhaften Meistern im Ausland. Josef<br />

Knapp wirkte zuerst als Chorleiter in der<br />

Stadtpfarrkirche von Bruneck, wo er zwischen<br />

1944 und 1950 als Kooperator<br />

wirkte. Anschließend war er von 1950 bis<br />

1974 als Musikprofessor am Vinzentinum<br />

Brixen tätig. Zugleich<br />

war er Lehrer und später Leiter<br />

der Diözesanen Kirchenmusikschule<br />

(bis 1987) sowie von 1975<br />

bis 1989 Professor für Kirchenmusik<br />

an der Philosophisch-Theologischen<br />

Hochschule und von<br />

1974 bis 1990 Domkapellmeister<br />

in Brixen. Professor Knapp war<br />

von 1953 an Mitglied der Diözesankommission<br />

für Kirchenmusik<br />

und von 1958 bis 1980 Präsident<br />

dieser Kommission.<br />

Seit 1956 hatte er das Amt des<br />

Diözesanpräses des Allgemeinen<br />

Cäcilienverbandes inne. Er<br />

war maßgeblicher Mitarbeiter bei<br />

der Herausgabe des diözesanen<br />

Gebet- und Gesangbuchs „Unser<br />

Gotteslob“ und später Mitglied<br />

der Hauptkommission und<br />

der Subkommission „Lieder“ für<br />

das 1975 erschienene Einheitsgesangbuch<br />

„Gotteslob“. Seine Melodie<br />

zu Psalm 42 und 43 Sehnsucht<br />

nach dem lebendigen Gott<br />

ist im Gotteslob 2013 unter der <strong>Nr</strong>. 42 aufgenommen.<br />

Seit Herbst 1990 befand er<br />

sich im Ruhestand. Im Jahr 1973 wurde<br />

er für seine Verdienste als Kirchenmusiker<br />

mit der Orlando-di-Lasso-Medaille des Allgemeinen<br />

Cäcilienverbandes ausgezeichnet.<br />

1979 wurde ihm das Verdienstkreuz<br />

des Landes Tirol verliehen. Als langjähriger<br />

Professor am Vinzentinum führte Knapp<br />

zahlreiche junge Menschen an die Musik<br />

heran und förderte mehrere Talente, die<br />

inzwischen international erfolgreich sind.<br />

Ein Kirchenmusiker für<br />

die Menschen<br />

Trotz seines klaren Bekenntnisses zur Tradition<br />

des Cäcilienverbandes - der liturgischen<br />

Bindung der Musik mit Bevorzugung<br />

von a-cappella-Gesang - war Knapp<br />

als Domkapellmeister allem Neuen gegenüber<br />

aufgeschlossen. Knapp, der der letzte<br />

Domkapellmeister geistlichen Standes war,<br />

führte die Domkonzerte ein. Die Chronik<br />

verweist auf nachhaltige Aufführungen von<br />

Als langjähriger Professor führte Josef<br />

Knapp zahlreiche junge Menschen an<br />

die Musik heran und förderte mehrere<br />

Talente, die inzwischen international<br />

erfolgreich sind.<br />

Johann Sebastian Bach bis Hugo Distler,<br />

von Palestrina bis Gounod. Höhepunkt<br />

seiner langjährigen Tätigkeit war zweifellos<br />

die Einspielung des Tonträgers „Ostern<br />

im Brixner Dom“ im Jahre 1990.<br />

Als Komponist sah sich Josef Knapp als<br />

Diener an den Bedürfnissen der Chöre.<br />

Seine Kompositionen und Bearbeitungen<br />

bekannter Werke für Chöre sind diesem<br />

Geist der Praxisnähe und Umsetzbarkeit<br />

verpflichtet. Neben den geistlichen Liedern<br />

stechen auch Sammlungen von Volksliedern<br />

hervor, darunter etwa die Bearbeitung<br />

von „Wohl ist die Welt so groß und<br />

weit“, das er 1990 mit dem Domchor für<br />

den Rundfunk eingesungen hat. Weitere<br />

Beispiele für die Volksnähe seines Wirkens<br />

sind die Bearbeitungen für vierstimmig gemischten<br />

Chor so bekannter Lieder wie „Tirol<br />

isch lei oans“ von Vinzenz Goller oder<br />

„In die Berg bin i gearn“. Diese<br />

Lieder stehen auch für die große<br />

Heimatverbundenheit von Josef<br />

Knapp, dessen Weltoffenheit und<br />

Lebensnähe sich auch in seinen<br />

Bearbeitungen verschiedener Liebeslieder<br />

für den Chor zeigen, die<br />

er mit dem Domchor für den Rundfunk<br />

aufnahm.<br />

Ein Beispiel für Knapps geistliche<br />

Kompositionen ist etwa seine<br />

Adventmesse, die dem Geist der<br />

Einfachheit und Umsetzbarkeit<br />

verpflichtet ist und wie viele seiner<br />

geistlichen Lieder und Motetten<br />

durch die Chöre im Land aufgeführt<br />

wurde. Der Priester und<br />

Komponist Josef Knapp wirkte<br />

auch im Ruhestand in St. Lorenzen<br />

für den Gottesdienst. Das zeigen<br />

etwa auch seine 1991 veröffentlichten<br />

„Feierlichen Zwischengesänge<br />

für Kantor, Volk und vierstimmig<br />

gemischten Chor“. Prof.<br />

Josef Knapp verstarb im Februar<br />

1914 in St. Lorenzen. Sein Leben<br />

und Werk haben die Kultur vieler<br />

Menschen und des ganzen Landes maßgeblich<br />

mitgeprägt. Hohen Anspruch und<br />

Volksnähe hat er verbunden und ist damit<br />

ein leuchtendes Beispiel für eine Kultur,<br />

die für die Menschen da ist.<br />

KulturFenster<br />

17 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


komponiert<br />

121. Psalm (Davids Psalm)<br />

von Otto Olsson<br />

„Hebe deine Augen auf“ – Welche<br />

Sängerin und welcher Sänger<br />

beginnt nicht intuitiv die<br />

Melodie der dreistimmigen Frauenchor-Vertonung<br />

von Felix Mendelssohn-Bartholdy<br />

zu summen,<br />

wenn sie diese Zeile lesen? Vorstellen<br />

möchte ich eine andere<br />

Vertonung des 121. Psalms, und<br />

zwar jene des schwedischen<br />

Komponisten Otto Olsson (1879-<br />

1964). Olsson gilt als nationalromantischer<br />

Vertreter und wirkte<br />

in Stockholm. Viele seiner Kompositionen<br />

zählen in Schweden zum<br />

sogenannten Standardrepertoire,<br />

wie z.B. sein „Advent“.<br />

Olsson vertonte den Psalmentext<br />

für vierstimmigen gemischten Chor<br />

mit obligater Orgelbegleitung, die<br />

dem vierstimmigen Chorpart mitunter<br />

kontrapunktisch entgegentritt.<br />

Das Werk weist in den Singstimmen<br />

eine fast durchgehend homophone<br />

Satzweise auf, die durch zwei sehr<br />

kurze imitatorische Einsätze aufgebrochen<br />

wird. Das Lied „Ich richte<br />

meine Augen auf die Berge“ kann zu<br />

jedem Anlass im Kirchenjahr gesungen<br />

werden, in welchem die Hoffnung<br />

besungen und um göttliche Zuversicht<br />

und Unterstützung gebeten wird.<br />

Der einstimmige Beginn des Liedes bringt<br />

das aufrichtige Bitten eindringlich zum<br />

Ausdruck und findet seinen Höhepunkt<br />

in der Vertonung der Psalmverse „Er ist<br />

der Herr, der dich bewahret! Er, der Herr,<br />

ist dein Schirm.“<br />

Dieser Ruf kann uns auch in der momentan<br />

schwierigen Situation weiterhelfen<br />

und uns den richtigen Weg weisen.<br />

Entnommen habe ich dieses Werk aus<br />

dem Chorbuch „I Himmelen“ – 70 skandinavische<br />

Chorstücke für Gemischten<br />

Chor aus dem Musikverlag „Edition Peters“.<br />

„I Himmelen“ enthält eine große<br />

Fülle an singbaren, wirkungsvollen und<br />

wunderschönen nordischen Chorwerken,<br />

die allesamt in Originalsprache und deutscher<br />

Übersetzung abgedruckt wurden.<br />

Markus Federer,<br />

Chorleiter des Gemischten Chores Pfalzen,<br />

Bezirkschorleiter Pustertal<br />

Link zum Chorbuch:<br />

www.edition-peters.de/product/<br />

i-himmelen/ep11410<br />

KulturFenster<br />

18 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


gedenken<br />

Ein Leben für die Musik<br />

In Erinnerung an Alois Vigl<br />

Alois Vigl (1933 – 2020)<br />

Am 30. Dezember 2020 verstarb ganz<br />

unerwartet Alois Vigl, Organist in Wangen.<br />

Eine große Trauergemeinde, die Musikkapelle<br />

und der Kirchenchor Wangen<br />

nahmen am 5. Jänner Abschied von ihrem<br />

langjährigen Kapellmeister, Chorleiter<br />

und Organisten. Pfarrer Pater Olaf Wurm<br />

würdigte in bewegenden Worten die Verdienste<br />

des Verstorbenen und dankte ihm<br />

für seine jahrzehntelange Treue zur Kirchenmusik<br />

und zur Pfarrgemeinde.<br />

Alois Vigl wurde am 5. Dezember 1933<br />

am Murhof in Wangen am Ritten geboren.<br />

Er wuchs in einer musikalischen Familie<br />

auf und interessierte sich bereits als Kind<br />

für die Musik. Schon früh erlernte er das<br />

Geigenspiel bei Franz Gruber in Wangen.<br />

Bereits mit 13 Jahren spielte der junge<br />

Bub das erste Mal im Orchester des Kirchenchores<br />

Wangen die Geige.<br />

1949 begann er bei Arnold Heidegger<br />

seine Orgelausbildung. Dazu musste er<br />

für die Orgelstunde einmal pro Woche zu<br />

Fuß von Wangen nach Bozen und zurück.<br />

Bald schon begleitete er ein- bis zwei Mal<br />

wöchentlich die sogenannten Jahrämter<br />

an der Orgel. So begann er seinen Organistendienst.<br />

Nebenher fand er auch noch Zeit, in Bozen<br />

das Zitherspiel zu erlernen.<br />

1951 studierte Alois Vigl für ein Jahr Kirchenmusik<br />

am Konservatorium in Bozen<br />

bei Professor Rudolf Oberpertinger.<br />

1953 übernahm er als Chorleiter den Kirchenchor<br />

Wangen und war gleichzeitig<br />

selbst als Organist tätig. Seine hohe Musikalität<br />

und sein feines Gehör haben den<br />

Kirchenchor Wangen auf ein gutes Niveau<br />

gebracht. Nebenbei bildete er viele junge<br />

Sänger und Sängerinnen aus und versuchte,<br />

bei ihnen die Freude an der Kirchenmusik<br />

zu wecken. Es ist ihm auch<br />

gelungen, seine fünf Kinder für die Musik<br />

zu begeistern. Alle sangen im Kirchenchor<br />

mit. Sein Sohn Bernhard war zudem<br />

Organist und Kapellmeister der Musikkapelle<br />

in Wangen und ist heute Komponist<br />

und Professor am Musikkonservatorium<br />

Claudio Monteverdi in Bozen.<br />

Von 1958 bis 1976 übernahm Alois Vigl<br />

als Kapellmeister die Leitung der Musikkapelle<br />

Wangen. In dieser Zeit besuchte<br />

er fünf Kapellmeisterlehrgänge und bildete<br />

gleichzeitig zahlreiche Jungmusikanten<br />

aus. Viele Jahre blieb er noch fleißiger<br />

Hornist der Musikkapelle und wurde<br />

2004 für seine 56-jährige Tätigkeit in der<br />

Musikkapelle geehrt und zum Ehrenmitglied<br />

ernannt.<br />

Als Anerkennung für seinen langjährigen<br />

und unermüdlichen Einsatz für Musik<br />

und Kirchenmusik wurde Alois Vigl im<br />

Jahre 1991 in Innsbruck die Verdienstmedaille<br />

des Landes Tirol verliehen, auf<br />

die er sehr stolz war.<br />

2006 ist Alois Vigl aus Altersgründen als<br />

Chorleiter zurückgetreten. Er leitete 53<br />

Jahre den Kirchenchor Wangen und erhielt<br />

im Rahmen eines Kirchenkonzertes<br />

die Auszeichnung zum Ehrenchorleiter.<br />

Mit seinen 87 Jahren begleitete er bis zuletzt<br />

an Sonntagen immer noch die Gotteslobgesänge<br />

an der Orgel. Auch das<br />

Zitherspielen bereitete ihm noch große<br />

Freude und er spielte zu Hause und zu<br />

besonderen Anlässen gerne auf.<br />

2019 wurde ihm die Diözesanmedaille<br />

und eine Ehrenurkunde für besondere<br />

Dienste an der Kirchenmusik verliehen.<br />

Die Wangener werden ihm ein ehrendes<br />

Andenken bewahren.<br />

Er ruhe in Gottes Frieden.<br />

Franz Hermeter<br />

KulturFenster<br />

19 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Jung+<br />

Stimmgewaltig<br />

Die „Sunvoices“ beim Musical<br />

„Der kleine Kerl vom andern Stern“,<br />

aufgeführt im Mai 2019<br />

Sunvoices-KinderchorLajen<br />

Sänger/innen:<br />

33 Kinder im Grund-und Mittelschulalter<br />

(davon 12 Buben und 21 Mädchen)<br />

Unser Motto lautet:<br />

Sonnenstimmen, die Freude bringen<br />

Wer wir sind<br />

Wir sind singbegeisterte Kinder der Gemeinde<br />

Lajen, die eine Menge Spaß miteinander<br />

haben. Jeder von uns ist etwas<br />

ganz Besonderes und alle zusammen sind<br />

wir ein super Team, mit dem es nie langweilig<br />

wird.<br />

Uns gibt es seit…<br />

…1985. Der Grundgedanke, der zur Gründung<br />

des Kinderchores beigetragen hat, war<br />

die Förderung der singbegeisterten Kinder<br />

und der Wunsch, Nachwuchs für den<br />

Kirchenchor auszubilden. Der Kinderchor<br />

wurde am 15. Oktober 1985 von Hubert Niederstätter<br />

ins Leben gerufen. Dieser leitete<br />

den Chor mit Begeisterung 15 Jahre lang.<br />

Danach gab es leider eine längere Pause<br />

von fünf Jahren. 2005 wurde der Kinderchor<br />

erneut vom Kirchenchor gegründet<br />

und Luise Lageder übernahm die Leitung.<br />

Im Jahr 2017 änderten wir den Namen des<br />

Kinderchors in „Sunvoices Lajen“, damit<br />

auch Jugendliche sich bei uns wohlfühlen.<br />

Was uns motiviert<br />

Unsere Motivation ist unsere Gemeinschaft<br />

und unser Publikum. Dieses reicht<br />

von den Allerkleinsten (den Taufkindern)<br />

bis hin zu den Ältesten (Bewohner des Altersheim<br />

Lajen).<br />

KulturFenster<br />

Die „Sunvoices“ vor 13 Jahren<br />

20 02<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Unsere Highlights<br />

Wir durften in der Vergangenheit ganz<br />

viele besondere Momente erleben. Dazu<br />

gehörten große sowie kleinere Auftritte,<br />

kirchliche Feiern, Musicals (für die wir<br />

nicht nur singen, sondern auch tanzen<br />

und schauspielern durften) und die unvergesslichen<br />

Ausflüge. Nur um ein paar<br />

zu nennen: die jährlichen Erstkommunionen<br />

in St. Peter und Lajen, Familiengottesdienste,<br />

Kinderchristmette, Nikolausfeiern,<br />

Dings.Do Festival, Musical wie<br />

die Vogelhochzeit und „Der kleine Kerl<br />

vom anderen Stern“, Besuche im Altersheim,<br />

Taufen.<br />

Wir hatten schon Auftritte außerhalb von<br />

Lajen und sogar die Ehre mit dem „großen<br />

Chor“, so wie wir den Kirchenchor nennen,<br />

zu singen. Die Sunvoices sangen schon<br />

mit Stars wie Sepp Messner Windsschnur<br />

und Doggi Dorfmann beim DingsDo Festival.<br />

Wir gehen gerne zusammen wandern,<br />

oder ins Kino und vor allem essen<br />

wir gerne ganz viel Eis.<br />

Pläne für die Zukunft…<br />

Wir werden mit unserem Gesang wieder<br />

Jung und Alt begeistern, die kirchlichen<br />

Feiern freudig umrahmen und unser jährliches<br />

Musical wieder aufführen.<br />

Wer kann bei uns mitmachen?<br />

Alle „Loidner“ Kinder und Jugendlichen<br />

von der 1. Grundschule bis zu 3. Mittelschule<br />

sind herzlich dazu eingeladen bei<br />

uns mitzumachen.<br />

Wie kann man bei uns mitmachen?<br />

Das Wie ist ganz schnell beantwortet: Einfach<br />

bei unserer Probe vorbeikommen und<br />

wenn es einem da gefällt, dann darf man<br />

liebend gerne beim nächsten Mal wieder<br />

kommen. Anmeldung braucht es dafür<br />

keine. Die Proben sind bei uns jeden<br />

Freitag von 18. bis 19 Uhr im Chorprobelokal<br />

von Lajen.<br />

ClaudiaGrunberger<br />

:<br />

Mein Alter: 22 Jahre<br />

Ich komme aus: Albions / Lajen<br />

und wohne in: Klausen<br />

An der Seite von Monika bin ich seit: Schulbeginn 2017<br />

Mich gibt es nur im Doppelpack mit: meiner Gitarre<br />

Total toll finde ich: den Spaß, den wir gemeinsam mit den „Sunvoices“ haben.<br />

Ich liebe es: zu sehen, wie die Augen der Kinder beim Singen strahlen<br />

Meine Hobbys: singen, musizieren, malen, wandern<br />

Der Landesjugenchor<br />

Monika Gufler<br />

Alter: 32 Jahre<br />

Ich komme aus: Stuls in Passeier<br />

und wohne jetzt in: Lajen bei meinem Mann und meinen drei Kindern<br />

Beim Kinderchor bin ich seit September 2014, damals noch an der Seite von Laura Moser<br />

Total toll finde ich: Die Arbeit mit Kindern hat mich schon immer sehr begeistert. Die<br />

Begeisterung, mit der die „Sunvoices“ zu jeder Probe und zu jedem Auftritt erscheinen,<br />

ist einfach ansteckend und macht mich glücklich. Wenn ich miterleben darf, wie<br />

aus Sechsjährigen Jugendliche werden und wie sie sich entwickeln, gesanglich und<br />

auch privat, so ist das immer wieder eine große Motivation für mich.<br />

Meine Hobbys: Ich bin selbst seit 2013 begeisterte Sängerin beim Kirchenchor St. Stephan<br />

Lajen.<br />

KulturFenster<br />

21 02<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


DigitalerChor<br />

SeemannsliedgegendieCorona-Freudlosigkeit<br />

Die Menschen singen<br />

gemeinsam im Netz<br />

„The Wellerman“.<br />

Das Lied spricht<br />

uns allen derzeit<br />

aus der Seele<br />

Wer hätte das gedacht? Seit einigen Wochen<br />

avanciert ein Lied, in dem es um den<br />

Walfang geht, zum viralen Internet-Hit.<br />

Mit dem alten Seemannslied aus dem 19.<br />

Jahrhundert namens "The Wellerman" hat<br />

der junge Schotte Nathan Evans auf der<br />

Social-Media-Plattform „TikTok“ einen<br />

neuen Trend ausgelöst. Viele Menschen<br />

singen unter dem Hashtag #seashanty<br />

Seemannslieder und teilen ihre Aufnahmen<br />

im Internet.<br />

Schon Ende Dezember 2020 postete der<br />

26-jährige Postbote und Hobbysänger Nathan<br />

Evans seine A-Capella-Version des<br />

neuseeländischen Walfängerliedes „The<br />

Wellerman“ aus dem 19. Jahrhundert auf<br />

„TikTok“. Der "Wellerman", um den es im<br />

Song geht, ist das Versorgungsschiff der<br />

Walfang-Firma „Wells Brothers“. Es handelt<br />

sich hierbei um ein sogenanntes "Sea<br />

Shanty", ein Lied also, das von Seemännern<br />

bei der Arbeit auf dem Schiffsdeck<br />

gesungen wurde. Durch die eingängige<br />

Melodie und den treibenden Rhythmus<br />

ist es sehr einprägsam, auch wenn die<br />

Thematik etwas düster ist: Der Song erzählt<br />

von einem Walfangschiff, das einen<br />

Wal harpuniert und dann von diesem wochenlang<br />

durchs Meer gezogen wird. Dabei<br />

warten die Seeleute sehnsüchtig auf<br />

ihr Vorratsschiff, den "Wellerman" – denn<br />

der bringt ihnen Zucker, Tee und Rum.<br />

Die Duettfunktion macht’s<br />

möglich<br />

In dem Video, das mittlerweile fast 13 Millionen<br />

Menschen angeschaut haben, sitzt<br />

der 26-jährige Nathan Evans aus Schottland<br />

in seinem Zimmer, klopft auf seiner<br />

Gitarre den Rhythmus und singt in typisch<br />

schottischem Akzent seine Cover-Version<br />

des alten Seemannslieds. Was dann<br />

folgte, ist die Definition des Wortes "viral":<br />

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich Evans'<br />

Darbietung auf TikTok. Es wurde hunderte<br />

Male kopiert und Dank der Duettfunktion<br />

von Tiktok kommen immer mehr Stimmen<br />

und Instrumente zum Gesang des jungen<br />

Schotten dazu.<br />

Vom Postboten zum<br />

Vollzeit-Musiker<br />

Nathan Evans hat nach dem Riesenerfolg<br />

seinen Job als Postbote aufgegeben und<br />

kann nun von seiner Musik leben. "Das ist<br />

definitiv sehr verrückt", sagte der 26-jährige<br />

Schotte in einem Interview. "Es war eine<br />

Riesenüberraschung." Sein "Wellerman"-<br />

Cover, das im Original von der englischen<br />

Band "The Longest Johns" stammt, ist<br />

mittlerweile auch ein echter Chartstürmer:<br />

Der frischgebackene Profi-Musiker<br />

lag zeitweise damit auf Platz 2 der deutschen<br />

Single-Charts, ebenso wie in Großbritannien.<br />

Das 200 Jahre alte Lied<br />

trifft in Zeiten von Lockdown<br />

und Corona-Maßnahmen<br />

unsere Herzen.<br />

Im “The Wellerman”-Song<br />

geht es um ein Zusammengehörigkeitsgefühl<br />

in schweren Zeiten und die Trauer darüber,<br />

seine Liebsten derzeit nicht sehen zu<br />

können. Die Corona-Generation kann dieses<br />

Gefühl sehr gut nachvollziehen. Doch<br />

nicht nur der Frust, sondern auch die Hoffnung<br />

auf eine bessere Zukunft machen dieses<br />

Lied zu der neuen Lockdown-Hymne.<br />

“Soon may the Wellerman come, to bring<br />

us sugar and tea and rum” – Für Seefahrer<br />

bedeutete das damals, dass eine bessere<br />

Zeit anbrechen würde und sie wieder<br />

mit neuer Energie in See stechen können.<br />

Und so geht es uns auch. Wir hoffen darauf,<br />

bald geimpft werden zu können, und<br />

auf die Aufhebung des Lockdowns. Dann<br />

können wir wieder unser Leben endlich<br />

wieder halbwegs normal und voller neuer<br />

Energie fortsetzen.<br />

Das Lied wird von vielen Sänger*innen<br />

weltweit nachgesungen und neu interpretiert.<br />

Eine der tollsten Versionen ist<br />

die von der TikTok Sea Shanty Singgruppe<br />

„The Wellermen“, die bisher<br />

nur virtuell agiert:<br />

www.youtube.com/<br />

watch?v=90Oc9Xl5Aps<br />

KulturFenster<br />

22<br />

02<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


kurz notiert<br />

Wichtiges Lebenszeichen -<br />

„Wir sind noch da“<br />

Seit nun über einem Jahr ist die Chortätigkeit<br />

ausgesetzt oder war nur für kurze Zeit<br />

eingeschränkt möglich. Ein kreatives Team<br />

im Bezirk Bozen möchte deshalb landesweit<br />

mit zwei Initiativen ein Zeichen in dieser,<br />

auch für Chöre, schwierigen Zeit setzen.<br />

Unter dem Motto „Singen bleibt insre Freid“<br />

wurden Ideen gesammelt, um die Motivation<br />

der Sängerinnen und Sänger so gut es geht<br />

aufrecht zu erhalten. Zusätzlich dazu ist ein<br />

Online Chorkonzert mit dem Titel „Unser Lieblingslied“<br />

auf YouTube geplant.<br />

Die Zeit der Wiederaufnahme von<br />

Proben, Messgestaltungen und<br />

Konzerten wird kommen!<br />

Singen bleibt insre Freid –<br />

Ideensammlung<br />

Die Frage, die sich viele Chorverantwortlichen<br />

derzeit stellen ist, wann man wieder „normal“<br />

in gewohnter Weise gemeinsam singen<br />

kann. Auch wenn es im Moment nicht vorstellbar<br />

ist, da die Chöre zurzeit noch unter<br />

den Einschränkungen und unter dem Verzicht<br />

leiden, die Zeit der Wiederaufnahme<br />

von Proben, Messgestaltungen und Konzerten<br />

wird kommen.<br />

Doch die Befürchtung, dass man sich nach<br />

so langer Zeit das Singen einfach abgewöhnen<br />

und die Lust am Singen verlieren kann,<br />

ist groß. Viele haben Bedenken, dass einige<br />

Sänger*innen gar nicht mehr mitsingen wollen,<br />

sobald die Möglichkeit dazu wieder besteht.<br />

Die zentrale Frage ist also, wie kann<br />

man den Kontakt zu den einzelnen Sängerinnen<br />

und Sängern im Chor aufrechterhalten,<br />

damit deren Motivation und Begeisterung<br />

nicht gänzlich verloren geht.<br />

Wie das gelingen kann, haben sich sicher<br />

viele Obleute und Funktionäre gefragt. Dadurch<br />

sind viele Ideen entstanden, die jetzt<br />

gesammelt und auf der Webseite des Chorverbandes<br />

als Anregung für alle unter https://scv.bz.it/singen-bleibt-insre-freid<br />

veröffentlicht<br />

wurden.<br />

Online-Konzert<br />

„Unser Lieblingslied“<br />

Zu lange sind Konzerte jetzt schon ausgesetzt.<br />

Um wieder mal das Erlebnis eines<br />

schönen Chorkonzertes vermitteln zu können,<br />

plant der Südtiroler Chorverband ein<br />

Frühjahrskonzert mit dem Titel „Unser Lieblingslied“<br />

auf YouTube. Alle Chöre im Verband<br />

sind herzlich eingeladen daran teilzunehmen.<br />

Interessierte Chöre können dazu die Aufnahme<br />

eines ihrer Lieder aus den vergangenen<br />

Jahren an die Geschäftsstelle des<br />

Chorverbandes schicken. Es kann sich idealerweise<br />

um eine Videoaufnahme oder aber<br />

auch um eine reine Audioaufnahme handeln.<br />

Bei letzterem sollten zusätzlich noch<br />

ein oder mehrere Fotos mitgeschickt werden.<br />

Aus allen Einsendungen wird ein schönes<br />

und ansprechendes Konzertprogramm erstellt,<br />

das am 24. <strong>April</strong> <strong>2021</strong> um<br />

20.30 Uhr auf dem YouTube-<br />

Kanal des Südtiroler Chorverbandes<br />

gestreamt wird.<br />

Dadurch soll dem Publikum,<br />

aber auch den Sängerinnen<br />

und Sängern, nach langer Zeit<br />

wieder einmal so etwas wie ein<br />

Konzertfeeling geboten werden.<br />

Gleichzeitig erinnern die „Lieblingslieder“<br />

an wundervolle<br />

Konzerte, an gemeinsame Erlebnisse,<br />

an Chorreisen, an<br />

Messgestaltungen oder einfach<br />

an inspirierende Chorproben in einer<br />

schönen Gemeinschaft. Diese wunderbaren<br />

Erinnerungen können und sollen dazu beitragen<br />

und motivieren, durchzuhalten und<br />

sich auf all die Erlebnisse zu freuen, die<br />

sicher in absehbarer Zeit wieder auf die<br />

Chormitglieder warten – Hoffentlich schon<br />

recht bald…<br />

Die Beiträge können noch bis zum 18. <strong>April</strong><br />

an die Emailadresse des Südtiroler Chorverbandes<br />

(info@scv.bz.it) geschickt werden.<br />

Die Ideen zu den beiden Initiativen stammen<br />

von den Ausschussmitgliedern des<br />

Bezirkes Bozen. Sie sind überzeugt, dass<br />

viele Sänger*innen es kaum erwarten können,<br />

wieder im Chor singen zu dürfen. Der<br />

Bezirksobmann von Bozen Josef Vieider ist<br />

überzeugt: „Die Chormitglieder freuen sich<br />

sicher, wie wir alle, auf die Gemeinschaft,<br />

auf das Miteinander, wieder im Takt zu sein,<br />

im Einklang und in Harmonie“.<br />

Der Obmann des SCV-Bezirks Bozen Josef<br />

Vieider (rechts) mit seinem Team<br />

Allgemeine Infos zu beiden Initiativen<br />

gibt es auf scv.bz.it<br />

KulturFenster<br />

23 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Unsere Ortsbilder, unser Wohlstand und das Wohlgefühl in<br />

„<br />

unseren Heimat- und Wohnorten hängen auch vom persönlichen<br />

Konsumverhalten ab.<br />

Mauro Stoffella<br />

„<br />

KulturFenster<br />

24 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong><br />

Foto: IDM Südtirol/Hannes Niederkofler


Nachhaltig einkaufen<br />

Läden<br />

schaffen Leben<br />

Nahversorgung ist auch<br />

ein Thema für den<br />

Heimatpflegeverband<br />

Weit denken, nah<br />

einkaufen<br />

Bewusstes Konsumverhalten schafft attraktive,<br />

lebendige und lebenswerte Orte<br />

Warum beschäftigt sich der Heimatpflegeverband<br />

mit dem Thema Nahversorgung?<br />

Eine gute Frage, die<br />

ausgerechnet in der Pandemie eine<br />

Antwort findet. Sie ruft einerseits sehr<br />

markant ins Bewusstsein, wie sehr<br />

wir Konsumenten auf die Versorgung<br />

vor Ort angewiesen sind, wenn<br />

es drauf ankommt: wenn Lockdown<br />

herrscht, wenn wir älter oder aus irgendeinem<br />

Grund nicht mobil sind.<br />

Und sie zeigt andererseits auf, wie<br />

kalt und trostlos unsere Ortszentren<br />

aussehen würden, wenn es in den<br />

Dörfern draußen keine Läden und<br />

keine Gastbetriebe gäbe. Wenn die<br />

Läden gehen, gehen auch die Menschen.<br />

Dann werden Wohnorte zu<br />

Schlafstätten, dann verliert das Dorf<br />

seinen Charakter.<br />

„Läden schaffen Leben“ lautet daher<br />

das Leitmotiv des Heimatpflegeverbandes<br />

in dieser Ausgabe – gerade<br />

weil wir in „normalen“ Zeiten<br />

selten dran denken, wie sehr die<br />

Ortsbilder, der Wohlstand und das<br />

Wohlgefühl in unseren Heimat- und<br />

Wohnorten von unserem Konsumverhalten<br />

abhängen. Wenn wir den<br />

Dorf- oder Stadtviertelladen meiden<br />

oder dort höchstens Brot und Milch<br />

einkaufen, um uns dann im riesigen<br />

Supermarkt am Stadtrand mit dem<br />

Rest einzudecken, dann machen wir<br />

über kurz oder lang den Läden und<br />

dem Leben im Dorf den Garaus.<br />

Die folgenden Beiträge – einer davon<br />

ein Gastbeitrag von Mauro Stoffella<br />

vom Handels- und Dienstleistungsverband<br />

hds – beleuchten das Thema<br />

Nahversorgung aus ganz unterschiedlichen<br />

Blickwinkeln. Vielleicht denkt<br />

der eine oder die andere beim nächsten<br />

Einkauf darüber nach.<br />

Edith Runer<br />

In seinem Gastbeitrag beschreibt Mauro<br />

Stoffella vom Handels- und Dienstleistungsverband<br />

(hds) die Ist-Situation der Nahversorgung<br />

in Südtirol und andernorts sowie<br />

die große Bedeutung der kleinen Läden für<br />

die Lebensqualität in einem Ort.<br />

Die Stärken unserer vielen heimischen<br />

Geschäfte, Handels- und Dienstleistungsbetriebe,<br />

viele davon Klein- und familiengeführte<br />

Betriebe, waren immer die Nähe<br />

zum Kunden, die fachkundige Beratung<br />

und der persönliche Service.<br />

Dieser Mehrwert kommt gerade in diesen<br />

besonders herausfordernden Zeiten<br />

mehr denn je zum Vorschein – und Südtirols<br />

Bevölkerung beginnt, ihn so richtig<br />

zu schätzen. Mit diesen Stärken eng verbunden<br />

ist zudem die Entwicklung unserer<br />

Orte, Städte und Dörfer.<br />

Eines zeichnet sich ab: Nähe zum Kunden,<br />

Qualität, kurze Transportwege, soziale<br />

Verantwortung, Rückverfolgbarkeit,<br />

Transparenz sowie persönlicher Kontakt<br />

– kurzum Vertrauen gegenüber Produkt,<br />

Händler und Produzenten – werden immer<br />

wichtiger, auch in Südtirol. Somit ist<br />

auch nachhaltiges und lokales Einkaufen<br />

in den Ortskernen, dort wo die Menschen<br />

leben und wohnen, Teil unserer<br />

Lebensqualität.<br />

60 Prozent kaufen in<br />

der Nähe ein<br />

Südtirols Handel setzt in vielerlei Hinsicht<br />

auf diese Entwicklung. So wie die<br />

vielen Klein- und Familienbetriebe. 93<br />

Prozent aller Unternehmen sind hierzulande<br />

Klein- und Familienbetriebe, d. h.<br />

Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten.<br />

Viele davon sind im Handel und<br />

im Dienstleistungsbereich tätig.<br />

Südtirols Einzelhandel zählt rund 7000<br />

Verkaufspunkte, die in einer Ausgewogenheit<br />

zwischen klein, mittel und groß<br />

Einzelhändler, Gastronomie und Dienstleistung<br />

vor Ort – das ist es, was ein Dorf,<br />

eine Stadt belebt. Foto: IDM Südtirol/Alex Filz<br />

für einen attraktiven und vielfältigen Handel<br />

und somit für lebendige Dörfer und<br />

Orte sorgen.<br />

Und Südtirols Konsumenten und Familien<br />

schätzen dieses Angebot: Laut einer<br />

Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes<br />

der Handelskammer Bozen kaufen über<br />

60 Prozent der Südtiroler täglich in der<br />

Nähe der eigenen Wohnung ein.Über 50<br />

Prozent tätigen ihre Einkäufe zu Fuß oder<br />

mit dem Fahrrad, 40 Prozent suchen das<br />

kleine Fachgeschäft auf, und über 90 Prozent<br />

sind der Meinung, der Einzelhandel<br />

trage sehr zur Lebendigkeit der Dörfer bei.<br />

KulturFenster<br />

25 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Nachhaltig einkaufen<br />

tiven engagieren oder etwa lokale, kulturelle,<br />

sportliche Organisationen und Vereine<br />

unterstützen.<br />

Letzten Endes stärkt dieses weite Denken<br />

die Nahversorgung, sorgt auch dafür,<br />

dass Orte und Dörfer noch lebendig,<br />

lebenswert und attraktiv für Familien, Besucher<br />

und Gäste sind und garantiert Arbeitsplätze<br />

vor Ort. Dabei spielen über den<br />

Einzelhandel hinaus auch andere ortsrelevante<br />

unternehmerische Tätigkeiten wie<br />

etwa in den Bereichen Gastronomie und<br />

Dienstleistungen als „Ortsbeleber“ eine<br />

wesentliche Rolle.<br />

„<br />

Eines zeichnet sich ab: Nähe zum Kunden,<br />

Qualität, kurze Transportwege, soziale<br />

Verantwortung, Rückverfolgbarkeit,<br />

Transparenz sowie persönlicher<br />

Kontakt – kurzum Vertrauen gegenüber<br />

Produkt, Händler und Produzenten<br />

werden immer wichtiger, auch<br />

in Südtirol.<br />

Mauro Stoffella<br />

„<br />

Die Pandemie zeigt es auf: So könnten<br />

Ortszentren aussehen, wenn Läden, Cafés<br />

und Restaurants, aber auch Friseure und<br />

andere Dienstleister fernbleiben.<br />

In Europa einzigartig<br />

Foto: hds<br />

Das ist europaweit einzigartig. Ein Netz an<br />

Geschäften, das es anderswo nicht mehr<br />

gibt: In Tirol oder Bayern werden etwa<br />

immer mehr Automaten aufgestellt, um<br />

regionale Lebensmittel wie Fleisch, Eier,<br />

Brot, Obst und Milchprodukte per Knopfdruck<br />

einkaufen zu können. In 57 Tiroler<br />

Gemeinden (zehn davon haben mehr als<br />

1000 Einwohner) gibt es auch aufgrund<br />

verfehlter Raumordnungspolitik kein Geschäft<br />

mehr.<br />

In Südtirol hingegen finden sich noch historisch<br />

gewachsene Dörfer und Ortskerne,<br />

wo sich Menschen treffen und Handel<br />

stattfindet. Erfreulich ist zudem, dass<br />

Südtirols flächendeckende Handelsstruktur<br />

auch ein ökologisches Einkaufsverhalten<br />

ermöglicht. Auch der demographische<br />

Wandel wird ein wichtiges Argument: Die<br />

Leute werden älter und bevorzugen kürzere<br />

Wege.<br />

Einsatz für die Orte<br />

Obwohl Themen wie Nachhaltigkeit und<br />

gesellschaftliche Verantwortung bisher<br />

in Südtirol noch nie gemessen wurden,<br />

werden sie von diesen Betrieben tagtäglich<br />

gelebt. Das sieht man nicht nur in<br />

den Unternehmen selbst, die verstärkt lokale<br />

Produkte oder personalisierte Dienstleistungen<br />

anbieten, sondern man beobachtet<br />

es auch in den Orten, wo sich<br />

Betriebe beispielsweise für soziale Initia-<br />

Bevölkerung sensibilisieren<br />

Diese Besonderheit und Einzigartigkeit<br />

unserer Orte sind ein Reichtum und ein<br />

Mehrwert, die es zu stärken und weiterzuentwickeln<br />

gilt. Und der Bevölkerung<br />

sollen all diese wirtschaftlichen, gesellschaftlichen<br />

und sozialen Vorteile der lebendigen<br />

Orte in Südtirol bzw. der lokalen<br />

Wirtschaftskreisläufe aufgezeigt werden.<br />

Vor allem die einmalige Südtiroler Realität<br />

im Handel mit einem ausgewogenen<br />

Verhältnis zwischen kleinen und mittleren<br />

Fachgeschäften und familiengeführten Betrieben<br />

sowie Großverteilern in Wohngebieten<br />

und einer intakten Nahversorgung,<br />

die in den Alpenregionen und darüber hinaus<br />

ihresgleichen sucht, spricht für den<br />

Südtiroler Weg.<br />

Mauro Stoffella<br />

Mauro Stoffella, Verantwortlicher der Kommunikation<br />

im Handels- und Dienstleistungsverband<br />

Südtirol (hds)<br />

Foto: hds<br />

KulturFenster<br />

26 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Heimatpege<br />

Im „Bundsch‘ Ladele“ ist<br />

immer was los<br />

Sarnerin Irene Trojer punktet mit Angebotsvielfalt und einem Parkplatz<br />

Tradition verpflichtet, aber sie macht Irene<br />

Trojer auch Freude. Seit fast vier Jahrzehnten<br />

führt sie einen Gemischtwarenladen<br />

im Sarntal.<br />

Gerade einmal 200 Einwohner hat der kleine<br />

Ort Bundschen. Er ist der erste, den man<br />

auf der Fahrt durch das Sarntal erreicht.<br />

Der Ortskern besteht aus einer Handvoll<br />

Höfen und Häusern, einer schmucken<br />

Kirche, einem traditionsreichen Gasthaus<br />

und einer ebenso traditionsreichen Gemischtwarenhandlung,<br />

die ihrer Bezeichnung<br />

alle Ehre macht. Im „Bundsch‘ Ladele“<br />

– so nennen die Einheimischen das<br />

Geschäft von Irene Trojer – wird nicht nur<br />

fündig, wer Hunger oder Durst hat. Auch<br />

Drogerie-, Garten- und Dekorationsartikel,<br />

Spielsachen und Haushaltswaren<br />

stehen im Angebot, zudem<br />

alles, was man schnell<br />

mal brauchen könnte: einen<br />

Strampler als Geschenk fürs<br />

Neugeborene, einen Regenschirm<br />

für alle Fälle, einen<br />

Knopf für das Trachtenhemd<br />

oder einen blauen „Schurz“<br />

zum Arbeiten.<br />

Tradition und<br />

Notwendigkeit<br />

Seit fast 40 Jahren arbeitet<br />

Irene Trojer im Laden, der<br />

auf ihre Urgroßmutter zurückgeht<br />

und den ihre Mutter<br />

Berta in den 1960er-Jahren<br />

zu dem gemacht hat, was er<br />

nach wie vor ist: eine kleine<br />

Institution, die zum Ortsbild<br />

gehört wie eben Kirche<br />

und Gasthaus. Bertas Tochter<br />

Irene hatte es nicht immer<br />

leicht, als sie vor rund<br />

15 Jahren das Geschäft von<br />

ihrer Mutter übernahm. Mit<br />

Supermärkten, die an jeder<br />

Ecke aus dem Boden schießen,<br />

und Einkaufszentren an<br />

Ortsrändern lässt es sich schwer konkurrieren.<br />

Noch dazu steht sie immer allein im<br />

Laden. Aber sie hat nie aufgegeben, „und<br />

heute läuft es wieder besser“, erzählt sie.<br />

Sie freut sich darüber, dass manche Sarner<br />

nicht nur das Notwendigste, sondern fast<br />

alles, was sie brauchen, vom „Bundsch‘<br />

Ladele“ beziehen.<br />

Freude und Verpichtung<br />

zugleich<br />

Die Kunden würden die Vielfalt des Angebotes<br />

schätzen, die Frische der Ware und<br />

nicht zuletzt die Beratung: „Insbesondere<br />

bei Wolle und allem, was sie zum Handarbeiten<br />

brauchen, sind sie bei mir an der richtigen<br />

Adresse.“ Nicht zuletzt aber seien es<br />

Von Bettwäsche bis Gorgonzolakäse hat<br />

Irene Trojer alles im Angebot.<br />

Foto: Florian Trojer<br />

„<br />

Meine Motivation ist die Freude an diesem<br />

Beruf, der Kontakt zu den Menschen,<br />

ein wenig aber auch die Verpflichtung<br />

meiner Familie gegenüber,<br />

„<br />

die den Betrieb aufgebaut hat – und die<br />

Verpflichtung gegenüber den Kunden.<br />

Irene Trojer<br />

praktische Gründe, die die Kunden locken:<br />

„Wir liegen direkt an der Hauptstraße und<br />

haben einen Parkplatz vor der Haustür.“<br />

Das sei Goldes wert und ein Pluspunkt im<br />

Marktwettbewerb. „Ich arbeite<br />

sehr gut mit Pendlern und Passanten,<br />

und morgens geht jede<br />

Menge belegter Brote und Getränke<br />

für die Arbeiter über den<br />

Ladentisch“, sagt Irene Trojer.<br />

Eine goldene Nase verdient sie<br />

sich allerdings nicht: „Wenn ich<br />

den Aufwand berechne, müsste<br />

ich eher zusperren“, meint sie.<br />

Spätestens morgens um 5 Uhr<br />

räumt die Geschäftsfrau täglich<br />

die Regale ein, es folgen<br />

neun Öffnungsstunden mit einer<br />

Pause, und erst um 19 Uhr<br />

ist Ladenschluss. Ihre Motivation<br />

sei die Freude an diesem<br />

Beruf, der Kontakt zu den Menschen,<br />

ein wenig aber auch die<br />

Verpflichtung ihrer Familie gegenüber,<br />

die den Betrieb aufgebaut<br />

hat, „und die Verpflichtung<br />

gegenüber den Kunden.“<br />

Welche Zukunft der Laden hat,<br />

kann und will Irene Trojer nicht<br />

sagen: „Ich werde ihn weiterführen,<br />

so lange ich kann, ihn<br />

aber bestimmt nicht jemandem<br />

aus meiner Familie aufzwingen,<br />

denn es ist hart verdientes Geld.“<br />

Edith Runer<br />

KulturFenster<br />

27 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Nachhaltig einkaufen<br />

Gern aufgesuchter Treffpunkt<br />

Konsumgenossenschaft garantiert die Nahversorgung in Niederolang<br />

Kein Lebensmittelgeschäft, keine Bar: Das<br />

war vor wenigen Jahren die Realität im<br />

750-Seelen-Dorf Niederolang. Ein Café<br />

gibt es immer noch nicht, wohl aber seit<br />

acht Jahren ein Consum-Naves-Geschäft<br />

im Parterre des Widumgebäudes direkt neben<br />

der Kirche.<br />

Hier kann man alles finden, was man täglich<br />

braucht, und es gibt auch eine Kaffeemaschine,<br />

wo man sich gemütlich aufhalten,<br />

einen Kaffee trinken und einen<br />

„Ratscher“ machen kann (außer bei coronabedingten<br />

Einschränkungen).<br />

Der Laden ist sehr wichtig für den Ort und<br />

für die Menschen. Nachdem die früheren<br />

Nahversorger im Ort ihr Geschäft geschlossen<br />

hatten, setzte man sich mit der 2011<br />

gegründeten Naves (Nahversorgung Südtirol)<br />

in Verbindung. Sie hat mit Unterstützung<br />

des KVW, des Raiffeisenverbandes,<br />

des Gemeindenverbandes und des Südtiroler<br />

Bauernbundes die Aufgabe übernommen,<br />

die Nahversorgung in den Dörfern<br />

zu erhalten, dabei zwar wirtschaftlich,<br />

aber nicht gewinnorientiert zu arbeiten. Die<br />

Eigentümer sind die Mitglieder der Genos-<br />

senschaft. Guter Service, hohe Qualität,<br />

faire Preise, bewusster Konsum, Gesundheit<br />

und Respekt gegenüber den anderen<br />

Menschen und gegenüber der Umwelt gehören<br />

zur Philosophie dieses genossenschaftlichen<br />

Betriebes.<br />

Und das wird auch im Consum-Naves-<br />

Geschäft in Niederolang vorbildlich umgesetzt:<br />

Frauen aus dem Dorf, die über<br />

den so nahen Arbeitsplatz froh sind und<br />

auch die Möglichkeit haben, in Teilzeit zu<br />

arbeiten, bedienen hier mit großer Freundlichkeit<br />

die Kund*innen. Sie beraten, pflegen<br />

auch den sozialen Austausch, sodass<br />

„<br />

Die Niederolanger*innen schätzen das<br />

Angebot sehr, vor allem seit sie gesehen<br />

haben, was es heißt, wenn es in<br />

einem Dorf kein Lebensmittelgeschäft<br />

mehr gibt..<br />

Eine Kundin<br />

„<br />

das Geschäft zu einem gern aufgesuchten<br />

Treffpunkt geworden ist.<br />

Einen Großteil der Produkte bezieht das Geschäft<br />

von der Sait aus Trient, einer noch in<br />

der k. und k.-Zeit entstandenen Dachorganisation<br />

der Konsumgenossenschaften, die<br />

lokalen Produzenten den Vorzug gibt. Täglich<br />

frisches und saisonales Obst und Gemüse<br />

aus der Region, Fleisch von einem<br />

Pusterer Schlachthof, Brot von einem Pusterer<br />

Bäcker, Bioprodukte, die gesamte<br />

Lebensmittelpalette, aber auch alle anderen<br />

Artikel des täglichen Bedarfs wie Kurz-,<br />

Haushalts- und Schreibwaren, Tierfutter,<br />

Drogerieartikel, Spielsachen und Geschenkartikel<br />

werden hier mit Bedacht angeboten.<br />

Nicht nur ältere Menschen, die wenig mobil<br />

sind, sondern auch Menschen, die regionale<br />

Kreisläufe unterstützen wollen, sind<br />

für das Angebot vor Ort froh. Die aktuelle<br />

Coronasituation mit den erzwungenen Bewegungseinschränkungen<br />

hat zusätzlich<br />

aufgezeigt, wie hilfreich es ist, im eigenen<br />

Dorf einkaufen zu können.<br />

In Südtirol gibt es inzwischen elf Naves-<br />

Geschäfte, sieben davon im Pustertal.<br />

Claudia Plaikner<br />

Verkäuferin Gerda hat im Geschäft der Naves-Konsumgenossenschaft in Niederolang gut zu tun. Nicht nur während eines Lockdowns<br />

sind die Kunden dankbar, einen Laden nebenan zu haben.<br />

Foto: Claudia Plaikner<br />

KulturFenster<br />

28 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Heimatpege<br />

Online trifft Offline<br />

Die Plattform „SelberGMOCHT“<br />

als Beispiel für lokalen Internethandel<br />

Thomas Grüner hat „SelberGMOCHT“ vor<br />

vier Jahren auf die Beine gestellt.<br />

Online wird zu offline: Auf den Event-Märkten treffen Anbieter direkt auf ihre Kunden.<br />

Das nachhaltige und lokale Einkaufen<br />

mit dem Online-Handel in Verbindung zu<br />

bringen, scheint ein gewagtes Manöver.<br />

Doch das eine schließt das andere nicht<br />

aus, wie die Südtiroler Verkaufsplattform<br />

„SelberGMOCHT“ beweist.<br />

Mit der Coronakrise und den entsprechenden<br />

Bewegungseinschränkungen hat<br />

der seit Jahren wachsende Online-Handel<br />

einen noch stärkeren Aufschwung erfahren.<br />

Internationale Riesen wie Amazon werden<br />

aber zunehmend kritisiert, weil sie Steuergesetze<br />

geschickt umgehen und Ware über<br />

tausende Kilometer durch die Welt gekarrt<br />

wird. Den Verkauf übers Internet deshalb<br />

generell als schlimmsten Feind der lokalen<br />

Anbieter*innen abzustempeln, scheint<br />

allerdings zu kurz gedacht. Denn es waren<br />

auch kleine, einheimische Betriebe,<br />

„<br />

Produkte durchlaufen immer, auch<br />

beim stationären Handel, einen Transportweg.<br />

Unsere Wege sind im Vergleich<br />

sehr, sehr kurz.<br />

„<br />

Thomas Grüner<br />

die letzthin aus der Not eine Tugend gemacht<br />

und ihre Waren – so gut es in der<br />

Eile ging – online angeboten bzw. sie auf<br />

Bestellung und per Lieferservice zu ihren<br />

Kund*innen gebracht haben.<br />

Ein Beispiel für gelungenen Online-Handel<br />

auf lokaler Ebene ist die Internetplattform<br />

„SelberGMOCHT“, auf der rund 250 Südtiroler<br />

Anbieter mit insgesamt etwa 10.000<br />

Produkten vertreten sind. Ob Filzpatschen,<br />

Kräutersirup oder Hundehalsband, dem<br />

Angebot ist keine Grenze gesetzt. Einzige<br />

Voraussetzung: Das Produkt muss selbst<br />

hergestellt worden sein.<br />

Wie die Plattform entstand<br />

Initiator des Projektes ist Thomas Grüner.<br />

Der Fotograf und Inhaber einer Werbeagentur<br />

in Lana kam 2015 auf die Idee, eine<br />

Plattform für einheimische Produkte auf die<br />

Beine zu stellen. „Ich habe eine Möglichkeit<br />

gesucht, die Holzprodukte, die mein<br />

Vater hobbymäßig gedrechselt hat, im Internet<br />

anzubieten.“ Weil er keine geeignete<br />

Plattform fand und berufsbedingt ohnehin<br />

vom Fach ist, startete er zwei Jahre später<br />

mit „SelberGMOCHT“. Der Zuspruch war<br />

von Anfang an recht gut. So richtig angezogen<br />

hat der Verkauf aber mit der Coronakrise<br />

– und mit ihr ist auch die Zahl der<br />

Anbieter noch einmal gewachsen. Es sind<br />

u. a. bäuerliche Direktvermarkter, kleine<br />

Werkstätten, Künstler*innen, zu etwa 10<br />

Prozent auch sogenannte Hobbyisten, die<br />

zum Beispiel selbstmachte Kerzen, Gehäkeltes<br />

oder Modeschmuck verkaufen. „Sie<br />

alle zahlen als Mitglieder eine Jahrespauschale<br />

und selbstverständlich ihre Steuern<br />

und sind somit auch gesetzlich in Ordnung“,<br />

betont Thomas Grüner. Geliefert<br />

wird, außer bei Selbstabholung, per Kurier.<br />

Schaufenster für Mitglieder<br />

Dass sich die Begriffe „online“ und „nachhaltig“<br />

nicht vertragen, diese Kritik lässt<br />

der „SelberGMOCHT“-Initiator nicht gelten:<br />

„Produkte durchlaufen immer, auch<br />

beim stationären Handel, einen Transportweg.<br />

Unsere Wege sind im Vergleich<br />

sehr, sehr kurz.“ Was viel mehr zähle, sei<br />

die Möglichkeit für Südtiroler*innen, die<br />

etwas Besonderes oder Einzigartiges herstellen,<br />

dies auch in einem ansprechenden<br />

und professionellen Rahmen verkaufen<br />

zu können. Außerdem sei die Plattform<br />

für die Mitglieder ein Schaufenster, mit<br />

dem sie neue Kunden werben: „Interessierte<br />

können auch direkt mit den Anbietern<br />

in Kontakt treten, ohne über Internet<br />

zu bestellen.“<br />

Sehr spannend – und außerdem erfolgreich<br />

– ist ein „Online trifft Offline“-Projekt<br />

der Plattform: In ganz Südtirol organisiert<br />

„SelberGMOCHT“ in verschiedenen Orten<br />

sogenannte Event-Märkte, auf denen die<br />

Mitglieder ihre Produkte feilbieten und so<br />

direkt mit Kunden in Kontakt treten.<br />

Edith Runer<br />

KulturFenster<br />

29 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Nachhaltig einkaufen<br />

Der „Türgg“ –<br />

lebenswichtig und<br />

umstritten<br />

Mais ist das Gemüse der Jahre <strong>2021</strong>/2022 –<br />

Alte Sorten retten – Plent als Tradition<br />

Der Mais wurde zum Gemüse der Jahre <strong>2021</strong><br />

und 2022 gewählt. Dabei zählt er eigentlich<br />

zu den Getreidesorten. Mais ist ein wichtiges<br />

Grundnahrungsmittel, aber auch ein<br />

nicht unumstrittenes landwirtschaftliches<br />

und industrielles Produkt. In Südtirol hat<br />

Mais eine lange Tradition. Alte Maissorten<br />

werden aber kaum noch angebaut.<br />

Wie aus einem Lebensmittel ein Industrierohstoff<br />

mit äußerst problematischen<br />

„Nebenwirkungen“ für den Naturhaushalt<br />

entstehen kann, dafür ist Mais ein gutes<br />

Beispiel. Im 16. Jahrhundert aus Lateinamerika<br />

nach Europa importiert, entwickelte<br />

sich der Mais zu einer beliebten,<br />

weil unkomplizierten Kulturpflanze. Schon<br />

sehr früh erfanden die Italiener die Polenta,<br />

die sich zur Alltagsspeise der armen bäuerlichen<br />

Bevölkerung entwickelte.<br />

Allmählich wurde der hohe ökonomische<br />

Nutzen von Mais klarer. Es entstanden erste<br />

Mais-Monokulturen. Sie waren der Anfang<br />

des industrialisierten Maisanbaues in Europa.<br />

Heute werden weltweit jährlich auf<br />

rund 200 Millionen Hektar Fläche rund<br />

1,2 Milliarden Tonnen Mais geerntet, der<br />

meiste davon in den USA und in China.<br />

Die Erträge finden aber nicht mehr nur in<br />

der Lebens- und Futtermittelindustrie Anwendung,<br />

sondern Mais ist auch ein sehr<br />

bedeutender Rohstoff für die Biogas- und<br />

Kraftstoffindustrie.<br />

Samenfeste<br />

Sorten verschwinden<br />

Die Anbaufläche für Mais steigt jedes Jahr<br />

an – mit problematischen Folgen: Alte, samenfeste<br />

Sorten verschwinden langsam.<br />

Sogenannte Hybride, die durch Züchtungen<br />

entstehen, bringen zwar weitaus höhere<br />

Erträge, sorgen aber dafür, dass Begleitpflanzen<br />

auf dem Acker unterdrückt und<br />

Insekten ferngehalten werden. Die Folge<br />

von Mais-Monokulturen ist eine rückläufige<br />

Biodiversität. Auch wirkt sich der Pestizid-<br />

und Düngebedarf negativ auf den<br />

Nitratgehalt des Grundwassers aus. Gentechnik<br />

wird in Europa bei Mais zwar nicht<br />

auf den Feldern angewandt, ist aber oft in<br />

Futtermitteln zu finden.<br />

Soviel zu den schlechten Nachrichten. Nun<br />

aber zu den guten: Der Verein zur Erhaltung<br />

der Nutzpflanzenvielfalt in Deutschland<br />

hat den Mais zum Gemüse der Jahre<br />

<strong>2021</strong>/2022 erklärt. Das ist zwar eigentlich<br />

nicht ganz richtig, weil Mais zum Getreide<br />

zählt. Aber da er in der Küche wie Gemüse<br />

zubereitet wird, hat er diese Ehre nun erhalten,<br />

Gemüse des Jahres zu sein. Der<br />

Verein möchte mit dieser Initiative für alte,<br />

samenfeste Sorten werben und erreichen,<br />

dass diese wieder einer breiteren Öffentlichkeit<br />

zugänglich gemacht werden.<br />

Auch die Südtiroler Bäuerinnenorganisation<br />

(SBO) hat sich letzthin stark gemacht<br />

für altes Saatgut, etwa auch beim Anbau<br />

von Mais.<br />

KulturFenster<br />

30 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Heimatpege<br />

Der Mais in Südtirol<br />

Wie aber sieht es in Südtirol mit dem Maisanbau<br />

aus? Wofür wird Mais verwendet, und<br />

welche Chance haben alte Sorten? Nun,<br />

hierzulande wird Mais, auch „Türgg“ genannt,<br />

vor allem zur Futtermittelverwendung<br />

angebaut. Von den rund 1200 Hektar<br />

Fläche stehen allein 1000 im Pustertal,<br />

geringere Flächen im Eisack- und Wipptal<br />

sowie im Vinschgau. Rund 50 bis 60<br />

Tonnen Maissilage können pro Hektar geerntet<br />

werden, davon rund zwölf Tonnen<br />

Körner. Im Pustertal werden die „Mais-Monokulturen“<br />

mitunter doch kritisiert, aber<br />

die Bauern betonen, den Mais stets in die<br />

Fruchtfolge einzubauen, ihn also abwechselnd<br />

mit Kartoffeln, Gemüse und anderem<br />

Getreide anzubauen.<br />

Lediglich einzelne Bauern im Land widmen<br />

ihre Arbeit noch alten Maissorten.<br />

Hier geht es dann in der Regel um das<br />

Aufrechterhalten von Tradition, etwa im<br />

Unterland, wo der „Plent“ einst zu den<br />

Grundnahrungsmitteln zählte. Mit dem<br />

Aufkommen des einträglichen Obst- und<br />

Weinbaues mussten die Maisfelder in den<br />

Tallagen der Etsch allerdings weichen. Zwar<br />

blieb der „Plent“ als typische Speise, jedoch<br />

kommt das Maiskorn heute nur noch<br />

selten aus dem Unterland.<br />

Eine der wenigen Familien, die Mais im<br />

Nebenerwerb anbaut, ist jene von Christian<br />

Giovanett aus Tramin. Der „Traminer<br />

Plent“ vom Römerhof hat sich mittlerweile<br />

einen Namen gemacht. Im Gespräch<br />

mit dem „KulturFenster“ erzählt der Obstund<br />

Weinbauer die Besonderheiten seines<br />

„Plentnmehls“ und warum er sich nun sogar<br />

an den Reisanbau wagt (siehe Interview<br />

auf Seite 32).<br />

Edith Runer<br />

Das Projekt „Schulacker Kurtatsch“<br />

Mit viel Begeisterung beteiligen sich die Grundschulkinder am Projekt „Schulacker“ in Kurtatsch.<br />

Foto aus: Video „Schulacker Kurtatsch“/HPV<br />

Wer Tradition erhalten möchte, muss<br />

sie an die nächste Generation weitergeben.<br />

Das gilt auch und vor allem für die<br />

Lebensmittelproduktion. In Kurtatsch<br />

wurde vor über zehn Jahren eine Initiative<br />

ins Leben gerufen, die dieses<br />

Ziel jedes Jahr mit Erfolg erreicht. Sie<br />

nennt sich Projekt „Schulacker“ und<br />

wurde 2010 von der Arbeitsgruppe<br />

Selbstversorgung rund um Franz Hauser<br />

gestartet.<br />

Auf einem etwa 4000 Quadratmeter<br />

großen Grundstück, das von der<br />

Gemeinde Kurtatsch zur Verfügung gestellt<br />

wurde, lernen Schüler*innen der 4.<br />

Klassen der Grundschulen von Kurtatsch,<br />

Penon und Graun, wie Mais und andere<br />

Lebensmittel angebaut, geerntet und verarbeitet<br />

werden.<br />

Ebenso wie auf dem Acker von Christian<br />

Giovanett (siehe Interview) wurden auf<br />

dem Maisfeld in Kurtatsch alte Samen von<br />

Max Giovanett als Saatgut eingesetzt. Die<br />

Kinder lernen von den Mitgliedern der Arbeitsgruppe,<br />

wie wertvoll es ist, das Saatgut<br />

und damit auch den ursprünglichen Cha-<br />

rakter des Getreides zu erhalten. Vom<br />

Säen über das „Peckn“, das „Klaubn“<br />

und das „Tschilln“ bis zum Ernten und<br />

Mahlen sind die Schüler in den Prozess<br />

eingebunden. An dessen Ende<br />

steht das „Kurtatscher Plentnmehl“,<br />

das gemeinsam im „Plentnkessl“ gekocht<br />

– und natürlich verspeist – wird.<br />

Und weil die Fruchtfolge beim Maisanbau<br />

eine wichtige Rolle spielt, bauen<br />

die Schüler und die Bauern auf dem<br />

Schulacker auch Erdäpfel, Gemüse<br />

und Kräuter an.<br />

KulturFenster<br />

31 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Nachhaltig einkaufen<br />

Kleine Ernte,<br />

großer Geschmack<br />

Christian Giovanett baut im Nebenerwerb<br />

eine alte Maissorte an<br />

KulturFenster: Herr Giovanett, wie<br />

Die ganze Familie hilft mit: Sebastian, sind Sie zum Maisanbau gekom-<br />

Mariagrazia, Christian und Emma Giovanett<br />

men?<br />

mit Haushund Athos.<br />

Christian Giovanett: Anlass war<br />

eine alte Steinmühle, die auf<br />

unserem Hof seit den 1940-er<br />

Jahren steht. Mit dem Auflassen<br />

der Viehzucht und dem Aufkommen<br />

des Obstanbaues wurde<br />

die Mühle ab den 1960er-Jahren<br />

nicht mehr gebraucht. Erst<br />

30 Jahre später hat sie mein Onkel<br />

wieder auf Vordermann gebracht.<br />

Ich wollte sie nutzen und<br />

bekam von meinem Verwandten<br />

Max Giovanett zehn Kilogramm<br />

Saatgut einer alten lokalen Sorte<br />

geschenkt. Aus dem Saatgut haben<br />

sich rund 60 Stauden entwickelt,<br />

was nicht viel ist, aber<br />

immerhin haben wir so eine alte<br />

Sorte erhalten können. Damals<br />

war es eher ein Experiment. Wir<br />

wollten einfach unser eigenes Polentamehl<br />

herstellen. Mit der Zeit<br />

stieg die Erntemenge, es reichte<br />

auch zum Verschenken. Die Leute waren<br />

recht begeistert. Deshalb haben wir uns<br />

2015 überlegt, uns damit einen kleinen<br />

Nebenerwerb zu schaffen. Das<br />

ist dann gelungen.<br />

KF: Wie wird das Polentamehl verkauft?<br />

Giovanett: Im Grunde organisieren wir in<br />

unserem Familienbetrieb alles selber, vom<br />

Anbau über die Ernte bis zum Mahlen,<br />

dem Verpacken und dem Verkauf. Das ist<br />

die Herausforderung, aber auch der Ansporn.<br />

Die größte Menge der Polenta geht<br />

über Geschäfte und Wiederverkäufer an<br />

die Kunden, einen kleinen Teil verkaufen<br />

wir ab Hof. Mittlerweile bauen wir auch weißen<br />

Mais an.<br />

KF: Und sogar Reis, wie man so hört …<br />

Giovanett: Stimmt. Aber auch das ist im Moment<br />

noch ein Experiment. Ich habe mich<br />

im Vorfeld im Piemont informiert, wo sehr<br />

viel Reis angebaut wird, und vergangenes<br />

Jahr auf einem kleinen Feld mit dem Anbau<br />

begonnen. 2020 hatten wir einen sehr warmen<br />

Frühling, der Reis konnte gut gedeihen.<br />

Mal sehen, wie es in diesem Jahr läuft.<br />

Interview: Edith Runer<br />

Die alte Steinmühle mahlt aus<br />

den trockenen Körnern das Mehl<br />

Neben Obst und Wein wächst auf den<br />

Feldern des Römerhofes auch „Türgg“.<br />

Fotos: Römerhof<br />

KF: Wodurch unterscheidet sich Ihr<br />

„Plentnmehl“ vom herkömmlichen?<br />

Giovanett: Der „Plent“ aus der alten<br />

Sorte ist geschmacklich viel intensiver.<br />

Wer es zum ersten Mal probiert,<br />

ist meist erstaunt, wie groß<br />

der Unterschied zum bisher Gekannten<br />

ist. Außerdem ist der Ertrag<br />

aus den rund 1,5 Hektar Fläche<br />

um ein Viertel bis zu einem<br />

Drittel geringer als bei den üblichen Sorten,<br />

was ihn auch erheblich teurer macht. Ich<br />

möchte meinen Mais aber qualitativ nicht<br />

über jenen aus Hybridsorten stellen. Er ist<br />

eine Alternative.<br />

Sehr intensiv ist der Geschmack des „Plentnmehls“<br />

aus den Maiskörnern der alten Sorte.<br />

KulturFenster<br />

32 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


informiert & reektiert<br />

Egert, Trate und Zelge<br />

Serie: Flurnamen aus der Agrargeschichte (1)<br />

Viele Flurnamen sind uns zwar geläufig. Wir<br />

kennen aber nicht den Ursprung bestimmter<br />

Bezeichnungen. In einer Serie im „KulturFenster“<br />

erklärt der Kulturanthropologe<br />

Johannes Ortner – er ist auch Vorstandsmitglied<br />

im Heimatpflegeverband – Südtiroler<br />

Flurnamen aus der Agrargeschichte.<br />

Um die Bodenfruchtbarkeit dauerhaft zu<br />

erhalten, wurde im mittelalterlichen Europa<br />

die Dreifelderwirtschaft eingeführt,<br />

wobei die gesamte Anbaufläche in drei<br />

Teile oder „Zelgen“ unterteilt wurde: Auf<br />

der ersten wurde das Wintergetreide, auf<br />

der zweiten das Sommergetreide eingesät,<br />

die dritte Zelge wurde brach liegen<br />

gelassen. Im Alpenraum konnte diese<br />

Form der Wechselwirtschaft aufgrund<br />

des Mangels an Grund und Boden nicht<br />

annähernd durchgeführt werden. In den<br />

Flurnamen sind jedoch viele Begriffe aus<br />

der Dreifelder- bzw. der Egartenwirtschaft<br />

erhalten geblieben.<br />

Egert<br />

Der Name „Egert“, „Eget“ oder „Egat“<br />

leitet sich von mittelhochdeutsch „diu<br />

egerde“ ab, womit die Grünbrache bezeichnet<br />

wurde. Auf dem unbeackerten<br />

Teil der Feldflur ließ man Klee und Unkräuter<br />

gedeihen, die den Boden mit wichtigem<br />

Stickstoff anreicherten.<br />

In Südtirol gibt es hunderte Beispiele dieses<br />

Namens: Im Vinschgau bezeichnet „Ëigrt“<br />

eine bewässerte Wiese, im Mittelvinschgau<br />

den beweideten Kastanienhain. „Ëigete“<br />

ist häufiger Feldname im Eisacktal und als<br />

Beispiel einer Pusterer „Egårschte“ ließen<br />

sich die Felder rund um den Pragser Weiler<br />

Plung anführen.<br />

Trate<br />

Es ist ein sehr häufiger Flurname im Alpenraum,<br />

der besonders im Pustertal jene<br />

Felder bezeichnet, die nur ab und zu mit<br />

Getreide bebaut wurden. Die „Trate“ bezeichnete<br />

den Teil der Feldflur, der dem<br />

Viehtritt offenstand, denn „Trate“ hängt<br />

mit „treten“ zusammen. Die Rinder kneteten<br />

den Ackerboden durch und führten<br />

ihm Nährstoffe zu, was dem Kornertrag<br />

zugute kam.<br />

Bekannt ist der Stadtteil Tratten in Brixen,<br />

stellvertretend für die vielen Hofnamen sei<br />

„Traten“ in Unsere Liebe Frau im Walde<br />

genannt. Als Kleinst-Flurname kommt er<br />

bis auf den Vinschgau über tausend Mal<br />

in Südtirol vor. Mit „Antratt“ wird im Ahrntal<br />

übrigens die Frühlingsweide in Hofnähe<br />

bezeichnet.<br />

Zelge<br />

Zelge ist die Bezeichnung für eine der drei<br />

Flurabteilungen innerhalb der Dreifelderoder<br />

eben Dreizelgenwirtschaft.Das Wort<br />

hat eine indogermanische Wurzel (delgh),<br />

die für "spalten, schnitzen, behauen" steht.<br />

In Deutschnofen ist der Familienname Zelger<br />

verbreitet, ein Teil der Reggelberger Gemeinde<br />

heißt sogar „Zelgviertel“. Auch im<br />

hochgelegenen Rein in Taufers gibt es ein<br />

Feld namens „Samer-Zelge“.<br />

Messner-Egert in Kortsch<br />

KulturFenster<br />

33 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


informiert & reektiert<br />

Habitate vor Eingriffen schützen<br />

Initiative der Grünen soll besondere Lebensräume<br />

für Pflanzen und Tiere retten<br />

Heimatschutz bedeutet auch Natur- und<br />

Landschaftsschutz. Doch der hat bekanntermaßen<br />

schlechte Karten, wenn es um<br />

wirtschaftliche Notwendigkeiten geht. Ein<br />

Beispiel dafür sind die vielen tausend sogenannten<br />

Habitate im Land.<br />

Habitate – das sind charakteristische Lebensräume<br />

für bestimmte Tier- und Pflanzenarten<br />

– findet man nicht nur in Naturschutzgebieten,<br />

sondern überall im Land<br />

in jeder Berg- und Tallage, auch mitten im<br />

landwirtschaftlichen Gelände. Es sind Trockenwiesen,<br />

Moore, Feucht- und Nasslebensräume.<br />

In ihnen wachsen oft seltene,<br />

schützenswerte Pflanzen, und sie beherbergen<br />

Tiere, die nur dort wirklich überleben<br />

können. Kurzum: Habitate sind unerlässlich<br />

zur Erhaltung der viel zitierten Biodiversität<br />

und zur Rettung aussterbender<br />

Arten. Immerhin gelten 40 Prozent der in<br />

Südtirol bekannten Tier- und 30 Prozent<br />

der Pflanzenarten als gefährdet oder vom<br />

Aussterben bedroht.<br />

Nur ein Bagatell?<br />

diese Lebensräume schützen sollte. Doch<br />

offenbar weist dieses eine ganze Reihe von<br />

Schlupflöchern auf, mit denen der Schutz<br />

umgangen wird. Vor allem die sogenannten<br />

Bagatelleingriffe in die gewachsene Landschaft<br />

führen immer wieder zur Zerstörung<br />

von Habitaten. Dies, weil sie von Bürgermeistern<br />

– legal – genehmigt werden, weil<br />

aber keine Behörde kontrolliert, ob die Eingriffe<br />

in schützenswerten Lebensräumen<br />

erfolgen, was sie laut Gesetz nicht dürften.<br />

Dieser Umstand hat nun die grüne Landtagsfraktion<br />

auf den Plan gerufen. Sie hat<br />

einen Gesetzentwurf eingebracht, der voraussichtlich<br />

noch im Frühjahr (nach Redaktionsschluss)<br />

im Gesetzgebungsausschuss<br />

des Landtages behandelt wird und<br />

das bisherige Naturschutzgesetz ergänzen<br />

soll. Ziel der Habitatschutz-Initiative ist es,<br />

die Schlupflöcher im Naturschutzgesetz zu<br />

stopfen. „Zukünftig soll jeder technische Eingriff<br />

in gewachsenen Boden grundsätzlich<br />

Habitate fallen allerdings zunehmend Eingriffen<br />

von außen zum Opfer, sei es aufgrund<br />

der Erderwärmung, des Bodenverbrauches,<br />

der Umweltverschmutzung als<br />

auch wegen der intensiven landwirtschaftlichen<br />

Nutzung. Wohl gibt es seit 2010 in<br />

Südtirol ein Naturschutzgesetz, das eben Hanspeter Staffler Foto: Privat<br />

verboten werden“, erklärt der Landtagsabgeordnete<br />

Hanspeter Staffler die Forderung<br />

der Grünen. „Wird er dennoch als notwendig<br />

erachtet, ist vor der Genehmigung das Gutachten<br />

der zuständigen Behörden einzuholen,<br />

sprich der Abteilung Natur und Landschaft<br />

bzw. der Forstbehörde.“<br />

Auch Viehtritte schaden<br />

Habitate werden aber nicht nur durch technische<br />

Eingriffe zerstört, sondern im Almbereich<br />

u. a. auch durch Tritte von Pferden<br />

und Rindern. „Heutige Rassen sind in<br />

der Regel groß und schwer und hinterlassen<br />

beim Durchqueren und Abweiden vor<br />

allem von Feucht-Lebensräumen Trittschäden,<br />

die Auslöser von Erosion sein können“,<br />

so Hanspeter Staffler. „Weidewirtschaftlich<br />

gesehen sind diese Habitate uninteressant<br />

und könnten gerade deshalb durch eine<br />

einfache Umzäunung geschützt werden.“<br />

Der Landtagsabgeordnete – und Ökologe –<br />

ist sich bewusst, dass die Naturschutz-Initiative<br />

auf wenig Zustimmung im Landtag<br />

stoßen wird. Dennoch werde er sich auch<br />

bei einer Ablehnung nicht geschlagen geben:<br />

„Es gibt sehr viele Negativ-Beispiele<br />

in Südtirol, und wenn in der Landesregierung<br />

schon betont wird, wie wichtig die<br />

Biodiversität ist, dann sollte sie auch Zeichen<br />

setzen.“<br />

Edith Runer<br />

Biotop Unterackern, Sterzing : Nur durch<br />

gesetzlichen Schutz können solche Lebensräume<br />

erhalten werden.<br />

Foto: wikipedia<br />

KulturFenster<br />

34 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Heimatpege<br />

Fotos: Hanspeter Staffler<br />

Das Kranebitter Moos kurz vor dem Eingriff Die ersten Grabungsarbeiten … … und das ganze Ausmaß der Habitat-Zerstörung<br />

Negativ-Beispiel Kranebitter Moos<br />

Als eklatantes Beispiel der Zerstörung<br />

eines Habitates nennt Hanspeter Staffler<br />

ein – mittlerweile ehemaliges – Hangmoor<br />

in Mitterolang, westlich des Weilers<br />

Mühlbach, das unter den Flurnamen<br />

Schwarzes Moos und Kranebitter<br />

Moos bekannt ist.<br />

Dieses wurde u. a. von Botanikern des<br />

Naturmuseums als „intaktes Quellmoor“<br />

und damit als schützenswertes<br />

Nass- und Feuchtgebiet im Sinne des Gesetzes<br />

bezeichnet. Wollgras, Mehlprimel,<br />

Schlangenknöterich und Trollblume sind<br />

einige der bekannten und teils seltenen<br />

Pflanzenarten, die hier in einer Gemeinschaft<br />

gediehen.<br />

2019 wurde das Kranebitter Moos einer<br />

Drainage unterzogen, es wurde also trockengelegt.<br />

Möglich war dies durch eine<br />

2017 erfolgte Genehmigung eines Baga-<br />

telleingriffes durch den Bürgermeister<br />

der Gemeinde.<br />

Der Landtagsabgeordnete Staffler war<br />

unmittelbar vor dem Eingriff noch informiert<br />

worden und hatte die Behörden<br />

über die Sachlage informiert und<br />

darüber, dass es sich um einen Eingriff<br />

in ein Habitat handelt. Doch sie hätten<br />

nicht reagiert, wie er sagt. Dann fuhren<br />

die Bagger auf (siehe Bildfolge oben).<br />

5‰fürdieNatur-undKulturlandschaft<br />

5‰fürdenHeimatpflegeverband<br />

Seit 2020 ist der Heimatpflegeverband in die Liste der möglichen 5-Promille-Empfänger eingetragen. Damit hat man die Möglichkeit,<br />

die Heimatpflege auch über die Steuererklärung zu fördern.<br />

Der Heimatpflegeverband setzt sich für den Erhalt unserer Natur- und Kulturlandschaft und der historischen Baukultur, für eine<br />

offene und traditionsbewusste Gesellschaft, für die Förderung der Volkskultur, der Tracht und der Mundart, für die Heimat ein.<br />

Unterstützen auch Sie die Tätigkeit des Heimatpflegeverbandes, indem Sie bei der Steuererklärung (Mod. CUD, Mod 730 oder<br />

Mod. UNICO) ganz einfach und unkompliziert im entsprechenden Feld die Steuernummer 80006000212 des Heimatpflegeverbandes<br />

Südtirol eintragen und Ihre Unterschrift daruntersetzen.<br />

Vielen Dank für die Unterstützung!<br />

KulturFenster<br />

35 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Dinge des Alltags<br />

aus Geschichte und<br />

Gegenwart<br />

Diese Backform (im Bild) kennen wohl<br />

alle! Der in Österreich, der Schweiz und in<br />

Südtirol bekannte Gugelhupf ist in Norddeutschland<br />

als „Rondonkuchen“ verbreitet,<br />

in Thüringen als, „Aschkuchen“,<br />

in Mitteldeutschland als „Napf-„ oder<br />

„Topfkuchen“. Wo genau er entstanden<br />

ist, ist offen.<br />

Die Wiener sehen ihn als ihre Spezialität<br />

an, auf dem Speiseplan von Kaiser Franz<br />

Joseph durfte er nicht fehlen. Doch Gugelhupfrezepte<br />

findet man auch in der deutschen<br />

Küche.<br />

Die Gugelhupfform<br />

So veröffentlichte die bekannte<br />

Köchin Henriette Davidis<br />

(1801–1876) im Jahr<br />

1854 ein Rezept für einen<br />

„Napfkuchen“, für den sie<br />

die stolze Zahl von 15 Eiern<br />

verwendete. Ihre österreichische<br />

Kollegin Katharina<br />

Prato (1818–1897) nennt 1858 elf verschiedene<br />

Gugelhupfrezepte.<br />

Auch in den Tiroler Kochbüchern fehlte<br />

die süße runde Versuchung nicht. Kreszenz<br />

Trebo (1853–1931) aus Enneberg<br />

benannte den Gugelhupf 1896 aber<br />

nicht als Kuchen, sondern als Germspeise.<br />

„Gugel“ war im 14. Jahrhundert<br />

die Bezeichnung für eine kapuzenartige<br />

Kopfbedeckung. Ob der Name damit<br />

in Verbindung zu bringen ist? Es wird<br />

manchmal angenommen, aber bestätigt<br />

ist es nicht.<br />

Wenn vom Gugelhupf die Rede ist, geht es<br />

nicht so sehr um den Teig, sondern um die<br />

Backform. Ab dem 17. Jahrhundert sind<br />

kunstvoll getriebene Kupfermodelle in bürgerlichen<br />

Küchen zu finden. Auch in der<br />

bäuerlichen Aussteuer fehlten Formen aus<br />

Keramik oder Blech nicht.<br />

Beim Gugelhupf verleihen die geschwungenen<br />

Bögen und schräg verlaufenden Rillen<br />

nicht nur der Backform selber, sondern<br />

auch dem kranzförmigen Kuchen sein unverwechselbares<br />

Aussehen.<br />

Barbara M. Stocker<br />

Literatur:<br />

Kreszenz Trebo: „Heimische Küche mit besonderer<br />

Rücksicht auf bürgerliche Kreise und Wirtschaften<br />

in Pfarrhöfen“, 1896.<br />

Ingrid Haslinger: „Tafeln wie ein Kaiser. Franz<br />

Joseph und die kulinarische Welt des Wiener<br />

Hofs“, Wien 1999.<br />

Ein Kuchenmodel aus Kupfer.<br />

Sie ist wohl in fast jeder Küche zu finden: die Gugelhupfform.<br />

Fotos: Südtiroler Landesmuseum für Volkskunde<br />

KulturFenster<br />

36 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


hinausgeblickt<br />

Ensembleschutz wird<br />

ad absurdum geführt<br />

Beispiel Hallerhof in Latsch –<br />

Abriss und Neubau statt Sanierung<br />

zu orientieren, sprich: das Gebäude zu sanieren.<br />

Ansonsten werde wohl künftig auch<br />

Privateigentümern, die ihre ensemblegeschützten<br />

Gebäude abreißen wollen, Tür<br />

und Tor geöffnet. Zudem sei der Hallerhof<br />

mit dem denkmalgeschützten Oberhof<br />

zusammengebaut, womit ein Gutachten<br />

des Denkmalamtes Berücksichtigung<br />

finden solle.<br />

Gegen eine Kopie<br />

Der Hallerhof ist ein historisches Gebäude und soll nun trotz Ensembleschutz abgerissen<br />

und neu aufgebaut werden.<br />

Foto: Günther Schöpf<br />

Auch die Argumente im Schreiben einer<br />

Gruppe von Vinschger Architekten an die<br />

Verantwortungsträger scheint diese nicht<br />

umzustimmen. Unter anderem heißt es in<br />

dem Brief:<br />

„Im Gegensatz zum Denkmalschutz ist der<br />

Ensembleschutz kein starres und statisches<br />

Instrument. Er verbietet keine Anbauten,<br />

Erweiterungen oder Teilabrisse. Es dürfen<br />

sogar gesamte Gebäude entkernt und einer<br />

neuen Nutzung zugeführt werden. Er<br />

erlaubt somit eine Anpassung bestehender<br />

Gebäude an die heutige Zeit und eine<br />

inhaltliche Weiterentwicklung. Dorfzentren<br />

sollen nicht nur Fassade sein, sondern leben<br />

und blühen.“<br />

Weder die Stellungnahme des Heimatpflegeverbandes<br />

noch jene einer Gruppe von<br />

Vinschger Architekten scheint die Gemeindeverwaltung<br />

von Latsch von ihrem Plan<br />

abzuhalten, den unter Ensembleschutz<br />

stehenden Hallerhof abzureißen. Der viel<br />

gelobte Ensembleschutzplan des Landes<br />

scheint in diesem Fall ad absurdum geführt.<br />

Fakt ist, dass der im Ortszentrum gelegene<br />

und in Gemeindebesitz befindliche<br />

Hallerhof unter Ensembleschutz steht. Er<br />

bildet mit seiner wuchtigen, zur Hofgasse<br />

hin geschlossenen Bauweise gemeinsam<br />

mit dem angebauten denkmalgeschützten<br />

Oberhof ein wunderbares Ensemble. Nun<br />

möchte die Gemeinde den leerstehenden<br />

Hof aber für den geförderten Wohnbau zur<br />

Verfügung stellen, was durchaus sinnvoll<br />

erscheint. Sie möchte ihn allerdings nicht<br />

sanieren, wie im Ensembleschutzgesetz<br />

vorgesehen, sondern abreißen und – unter<br />

Erhaltung des Charakters des Ensembles<br />

– neu aufbauen. Das Gebäude sei nun<br />

einmal nicht sanierbar, lautet die Begründung<br />

der Gemeindeverwalter. Doch das<br />

sieht der Heimatpflegeverband anders.<br />

Was sind Ensembles?<br />

Ein Neubau könne, selbst wenn die Fassade<br />

Anleihen am alten Hallerhof nimmt,<br />

niemals ein überzeugender Ersatz für das<br />

historische Gebäude sein. „Ensembles sind<br />

keine Einzelobjekte, sondern stellen ein Zusammenspiel<br />

von Elementen, Objekten und<br />

Ansichten dar, welche die Geschichte und<br />

das Miteinander von Mensch und Natur widerspiegeln“,<br />

meint der Heimatpflegeverband.<br />

Die Gemeinde wird deshalb aufgerufen,<br />

sich an den im Ensembleschutzplan<br />

festgeschriebenen Erhaltungsmaßnahmen<br />

„<br />

Ensembles sind keine Einzelobjekte,<br />

sondern stellen ein Zusammenspiel<br />

von Elementen, Objekten und Ansichten<br />

dar, welche die Geschichte<br />

„<br />

und das Miteinander von Mensch<br />

und Natur widerspiegeln.<br />

Heimatpflegeverband Südtirol<br />

„<br />

„<br />

Wir wollen ja auch das richtige Venedig<br />

und keine Kopie in Las Vegas.<br />

Vinschger Architekten<br />

Die Gemeinde hätte als Eigentümerin des<br />

Hallerhofes die besten Voraussetzungen,<br />

das Ensemble mit neuem Leben zu füllen.<br />

Allerdings sei eine Kopie der falsche<br />

Weg. „Wir wollen ja auch das richtige Venedig<br />

und keine Kopie in Las Vegas, schütteln<br />

bestürzt den Kopf, wenn die Chinesen<br />

einfach mal ganz Hallstatt in Tirol nachbauen.<br />

Eine Kopie kann nie und nimmer<br />

das Original ersetzen und ihm annähernd<br />

gerecht werden.“<br />

Der Heimatpflegeverband sieht den Ensembleschutz<br />

durch den geplanten Abriss des<br />

Hallerhofes ad absurdum geführt und fordert<br />

die Gemeinde Latsch auf, diesen wertvollen<br />

Baustein des architektonischen Erbes zu<br />

erhalten und behutsam der neuen Bestimmung<br />

zuzuführen. Die Architektengruppe<br />

regt sogar einen Planungswettbewerb an,<br />

um neue Ideen zu sammeln.<br />

Heimatpflegeverband Südtirol<br />

KulturFenster<br />

37 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


hinausgeblickt<br />

Gegen ein „Almdorf“ in Schnals<br />

Kurzras droht, zum Tourismusghetto zu werden<br />

Kurzras heute …<br />

Foto: Google Streetview<br />

… und das Modell, wie das „Almdorf“ künftig aussehen soll.<br />

Foto: Bürgernetz Südtirol<br />

Im hinteren Schnalstal soll eine neue Tourismuszone<br />

von gigantischen Ausmaßen entstehen.<br />

Dieser Eingriff wird die äußerst wertvolle<br />

bäuerliche Siedlungslandschaft und die<br />

landschaftliche Vielfalt nachhaltig und irreversibel<br />

schädigen. Der Heimatpflegeverband<br />

hat dazu ausführlich Stellung genommen.<br />

Hier eine Zusammenfassung:<br />

33.685 Quadratmeter Grundfläche und<br />

70.000 Kubikmeter Kubatur sollen in Kurzras<br />

verbaut werden. Rund 600 neue Gästebetten<br />

sollen zu den bestehenden 700 Betten<br />

dazu kommen, auch weitere Mitarbeiterbetten<br />

sind selbstverständlich notwendig. Die Hotelbauten<br />

werden bis zu 27 Meter höher sein<br />

als die bestehenden, und auch der bis zu<br />

acht Meter hohe Lawinenschutzdamm wird<br />

die Sichtverbindungen im hinteren Schnalstal<br />

massiv beeinträchtigen. Der Schnalser Talschluss<br />

wird damit wohl seine landschaftstypische<br />

Eigenheit verlieren.<br />

Bereits jetzt stellt sich Kurzras als Sammelsurium<br />

von Gebäuden unterschiedlichster<br />

Formen und Materialien, teils mit Anbauten<br />

in allen möglichen Baustilen dar. Das dürfte<br />

sich mit dem neuen Projekt nicht ändern.<br />

Der Landesbeirat für Baukultur beschreibt<br />

es folgerichtig als „inhomogen“ und „für diesen<br />

sensiblen Ort nicht geeignet“, auch weil<br />

es einen sehr großen und problematischen<br />

Eingriff in die sensible Landschaft des Talschlusses<br />

darstelle.<br />

Kein Mehrwert<br />

Die Projektwerber bezeichnen ihr Bauvorhaben<br />

in den technischen Unterlagen als<br />

„Almdorf“. Doch mit einem historischen Almdorf,<br />

wie sie im Alpenraum über Jahrhunderte<br />

entstanden sind und die alpine Landschaft<br />

auf markante Weise prägen, hat das<br />

geplante Projekt nichts zu tun. Ebenso wenig<br />

wird damit ein „Mehrwert für das gesamte<br />

Schnalstal“ geboten, zumal Erfahrungen<br />

aus anderen Tourismusghettos in Winter-<br />

sportgebieten zeigen, dass dem nicht so ist.<br />

Nicht vergessen darf man den ökologischen<br />

Aspekt: Das Moorgebiet, das direkt an die<br />

geplante Tourismuszone angrenzt, ist „sowohl<br />

in pflanzensoziologischer als auch in<br />

ökologischer Hinsicht eine äußerst vielfältige<br />

Fläche“ (zit. Umweltverträglichkeitsstudie<br />

„Almdorf Schnals“). Dort wurden gleich<br />

drei Pflanzenarten gefunden, die auf der<br />

Roten Liste stehen. Das zeigt eindrücklich,<br />

wie sensibel und einzigartig dieses Hochalpengebiet<br />

ist. Angesichts des Ausmaßes<br />

an Zerstörung von unberührter Landschaft<br />

erscheinen die vorgelegten ökologischen<br />

Ausgleichsmaßnahmen lächerlich gering<br />

und teils zweifelhaft.<br />

Heimatpflegeverband Südtirol<br />

KulturFenster<br />

38 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Heimatpege<br />

Bannzonen sind – leider –<br />

keine Garantie<br />

Bruneck: Gewerbegebiet und private Grünzone trotz negativen Gutachtens<br />

Bannzonen sind gemäß Landschaftsplan<br />

„offene Flächen in Siedlungsnähe, die<br />

von Bebauung freigehalten werden sollen“.<br />

Eine solche Bannzone befindet sich<br />

auch an der Osteinfahrt von Bruneck östlich<br />

des Bahndammes und der Landesstraße.<br />

Sie muss nun weichen.<br />

Im Herbst 2020 hat der Gemeinderat<br />

von Bruneck beschlossen, in Abänderung<br />

des Bauleitplanes eben die<br />

Bannzone an der Brunecker Osteinfahrt<br />

umzuwidmen. Aus einer landschaftsverträglichen<br />

Zone für Freizeitanlagen sollen<br />

ein Gewerbegebiet und eine private<br />

Grünzone werden.<br />

Dabei hatte das Amt für Landschaftsplanung<br />

ein sehr klares negatives Gutachten<br />

abgegeben. Darin heißt es u.<br />

a.: „Ein neues Gewerbegebiet an diesem<br />

Standort wäre die erste Baugebietsausweisung<br />

östlich der Stadtgrenze und<br />

würde eine Inselausweisung und damit<br />

eine Zersiedelung in einem ansonsten<br />

landwirtschaftlich geprägten Bereich<br />

der Gemeinde darstellen.“ Zudem bestünde<br />

hier die Gefahr weiterer Baugebietsausweisungen<br />

und damit weiterer<br />

Zersiedelung.<br />

Absurderweise hat die Kommission für<br />

Raum und Landschaft trotzdem ein po-<br />

Das im Winter entstandene Foto zeigt, wo die neue Gewerbezone entstehen wird.<br />

Foto: Albert Willeit<br />

„<br />

Es muss hier um den Grundsatz einer<br />

vor Verbauung freizuhaltenden<br />

Landschaft gehen und nicht um Kosmetik<br />

für 16.000 Kubikmeter neuer<br />

„<br />

Baumasse.<br />

Albert Willeit<br />

sitives Gutachten abgegeben, das der<br />

Gemeinderat wohlwollend übernommen<br />

hat. Darin wird gar von einer „Aufwertung<br />

des Areals“ und einer „interessanten<br />

Landschaftsgestaltung“ gesprochen. Der<br />

Pustertal Heimatpflegeverband ist über<br />

derlei Argumente völlig perplex, „denn<br />

es muss hier um den Grundsatz einer<br />

vor Verbauung freizuhaltenden Landschaft<br />

gehen und nicht um Kosmetik für<br />

16.000 Kubikmeter neuer Baumasse“,<br />

so Bezirksobmann Albert Willeit und Landesobfrau<br />

Claudia Plaikner.<br />

Die Abteilung Raumentwicklung schreibt<br />

auf ihrer Homepage unter „Eindämmung<br />

der Zersiedelung“: „Es wird künftig nicht<br />

Fleckenteppiche in der Landschaft geben,<br />

sondern geschlossene Siedlungsgebiete.<br />

Das heißt, dass etwa neues<br />

Bauland an bestehendes angrenzen<br />

muss.“ Genau diese Richtlinien werden<br />

hier sträflich missachtet, weil man sogar<br />

eine strikte Grenze wie Bahndamm und<br />

Straße überschreitet.<br />

Der Heimatpflegeverband warnt seit vielen<br />

Jahren vor dem weiteren Verbrauch<br />

von Landschaft und anderen Ressourcen.<br />

Jede neue Bauzone in solchen Gebieten<br />

ist eine starke Beeinträchtigung<br />

des Orts- und Landschaftsbildes. Deshalb<br />

wurde die Landesregierung aufgefordert,<br />

nach ihren eigenen Grundsätzen<br />

zu handeln. Doch sie hat der Verbauung<br />

in der Bannzone vor kurzem leider<br />

zugestimmt.<br />

Albert Willeit<br />

KulturFenster<br />

39 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


hinausgeblickt<br />

25 Jahre Heimatpflegeverein<br />

Naturns – Plaus<br />

Einige Stationen der Vereinsgeschichte<br />

Der Heimatpflegeverein Naturns<br />

– Plaus EO feiert in diesem<br />

Jahr sein 25-jähriges<br />

Bestehen. Dazu ist eine Jubiläumsbroschüre<br />

erschienen.<br />

Obmann Hermann Wenter<br />

nennt in folgendem Bericht einige<br />

Stationen der Vereinsgeschichte.<br />

Ein Blick zurück auf die Gründung:<br />

Ich war bereits Rentner,<br />

als in mir, angeregt durch ein<br />

kulturelles Erlebnis, der Gedanke<br />

aufkam, in Naturns<br />

einen Trachtenverein ins Leben<br />

zu rufen. Der damalige<br />

Kulturreferent Josef Pircher<br />

und etliche Mitbürger*innen<br />

in Naturns und Plaus unterstützten<br />

diese Gesinnung. So<br />

kam es im Februar 1996 zur<br />

Gründung des Heimatpflegevereines<br />

Naturns – Plaus.<br />

Zum Obmann wurde Kulturreferent<br />

Josef Pircher und zu<br />

dessen Stellvertreter ich, Hermann<br />

Wenter, gewählt. Heinrich<br />

Kainz als Vertreter der<br />

Gemeinde Plaus übernahm<br />

das Amt des Kassiers, Heinrich<br />

Koch wurde Schriftführer.<br />

Beiräte waren Walter Lesina-Debiasi, Peter<br />

Gorfer sen. und die Ortschronistin Maria<br />

Fliri Gerstgrasser, zudem der Sachbearbeiter<br />

des Landesverbandes, Franz Fliri,<br />

Luis Laimer als Schützenhauptmann und<br />

der Obmann der Bauernjugend Naturns/<br />

Plaus, Klaus Elsler.<br />

Unsere Zielsetzungen waren schon damals:<br />

die Erhaltung von Naturdenkmälern<br />

und naturkundlich interessanten<br />

Zeugnissen aus Vergangenheit und Gegenwart,<br />

das Wecken des Interesses in<br />

der Bevölkerung an Geschichte, Heimatkunde,<br />

Volkskunde, Trachtenwesen,<br />

Sprache und Mundart, echter Volksmusik,<br />

Volkslied, Volkstanz, Theater und am<br />

religiösen Brauchtum durch Vorträge, Ta-<br />

gungen, Bildungslehrgänge und Kulturfahrten,<br />

um nur einige zu nennen.<br />

Neue Bestimmung für<br />

Lorenzi-Acker<br />

Im Jahr 2003 machte Martin Laimer, damaliger<br />

Beauftragter des Landesdenkmalamtes,<br />

auf die Wildnis in den St.-Laurentius-Ruinen<br />

aufmerksam. Daraufhin wurde<br />

das Gelände rund um die Ruinen gerodet,<br />

2005 auch die untere Ruine geräumt.<br />

Die Grundparzellen um die St.-Laurentius-<br />

Ruinen werden von der alteingesessenen<br />

Bevölkerung in Staben die Mesnergüter genannt,<br />

weil sie einst als Unterhalt des Mesners<br />

gedacht bzw. gestiftet worden sind.<br />

Unterzeichnung des Gründungsaktes:<br />

der damalige<br />

Obmannstellvertreter Hermann<br />

Wenter (links) und<br />

der inzwischen verstorbene<br />

Gründungsobmann Josef<br />

Pircher.<br />

Foto aus: „Dolomiten“<br />

Davon zeugt eine Urkunde aus<br />

dem Jahr 1781 im Diözesanarchiv<br />

in Trient. Verwaltet wurden<br />

diese Grundstücke bis 1998<br />

von der Pfarrei Tschars, danach<br />

von der Pfarrei Naturns.<br />

Bald nach der Rodung kam im<br />

Verein der Gedanke auf, das<br />

Grundstück zu pachten und<br />

Getreide anzubauen. 2008 war<br />

es dann soweit: Nach Ablauf<br />

des Pachtvertrages zwischen<br />

Kirchenverwaltung und Nikolaus<br />

Schöpf, der auf dem<br />

Grundstück Erdbeeren angepflanzt<br />

hatte, pachtete der Heimatpflegeverein<br />

das Grundstück<br />

und begann, Getreide (vorwiegend<br />

Roggen), Kartoffeln und anderes Saatgut<br />

anzubauen.<br />

Maßgeblich beteiligt waren Adolf Fliri und<br />

Leo Platzgummer. Von Alfons Hanny kam<br />

die Idee, am Rande des Ackers und der<br />

Wiese Reben zu pflanzen. Auf Ratschlag<br />

des Önologen Martin Aurich vom Unterortl-Hof<br />

entschied man sich für die resistente<br />

Weißwein-Rebe Bronner. Somit<br />

bekam das gesamte Grundstück einen<br />

würdigen Rahmen (Zitat aus dem „Burggräfler<br />

Weinbüchl“).<br />

An freiwilligen Helfern fehlte es in all den<br />

Jahren nicht, und so konnten die Ernten<br />

dank der Mithilfe vieler Freiwilliger Jahr für<br />

Jahr gut eingebracht werden.<br />

KulturFenster<br />

40 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Heimatpege<br />

Fahren, gehen, schauen<br />

Ziele unserer Frühlingsfahrten waren<br />

vorwiegend Ortschaften im einstig geeinten<br />

Tirol und in dessen Nachbarländern.<br />

Unter anderem wurden die<br />

Wirkungsstätten des hl. Zeno und<br />

des hl. Prokulus in Verona und jene<br />

des hl. Ulrich in Augsburg besucht.<br />

Bei den Herbstwanderungen wurden<br />

meist Burgen, Kirchen, Klöster und<br />

andere Bildungsstätten unserer näheren<br />

Umgebung als Ziel gewählt.<br />

Auch die Passionsspiele in Erl,<br />

Thiersee und Oberammergau, die<br />

Krippendörfer Axams, Neustift und<br />

Thaur in Tirol, das Salzburger Adventsingen<br />

sowie den Patenverein<br />

in Bayrischzell haben wir besucht.<br />

Die St.-Laurentius-Ruinen im Jahr 2003 …<br />

… und heute<br />

Fotos: Heimatpflegeverein Naturns – Plaus<br />

Vorträge und<br />

Ausstellungen<br />

In Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung<br />

versuchte man, namhafte<br />

Referenten zu Vorträgen einzuladen.<br />

Themen wie Bau- und Wohnkultur, Tracht,<br />

Flurnamen, Chronistenwesen und Sterbebildchen<br />

wurden im Rahmen der Jahreshauptversammlungen<br />

aufgegriffen. Auch<br />

Ausstellungen wurden organisiert.<br />

Restaurierungen und<br />

Sanierungen<br />

Von den zahlreichen Restaurierungen und<br />

Sanierungen nur einige Beispiele aufzuzählen,<br />

fällt schwer. Hervorheben möchte<br />

ich den Kalkofen beim Lechner am Birchberg<br />

oberhalb Plaus, er dürfte wohl der einzige<br />

im Gemeindegebiet sein. Dank Franz<br />

Staffler, Runsterbauer, konnte die Runstermühle<br />

soweit restauriert werden, dass<br />

sie wieder einsatzfähig ist. Wollen wir hoffen,<br />

dass dasselbe auch der Egger-Platzer-Mühle<br />

im Melstal beschieden ist. Der<br />

renovierte ehemalige Schießstand in Tabland<br />

bietet nun eine Ausstellung zur historischen<br />

Dokumentation des Schießstandes<br />

und des Schützenwesens in der k.u.k.-Zeit.<br />

Weitere Tätigkeiten des Heimatpflegevereines<br />

sind in der Festschrift „25 Jahre<br />

Heimatpflegeverein Naturns – Plaus 1996–<br />

<strong>2021</strong>“ zu finden. Diese kann auch von unserer<br />

Homepage www.hpv-naturns-plaus.<br />

it heruntergeladen werden oder beim Obmann<br />

kostenlos angefordert werden.<br />

Mit dieser schön gestalteten Urkunde<br />

wurde der Heimatpflegeverein Naturns<br />

– Plaus gegründet.<br />

Wie geht es weiter?<br />

Zuerst müssen wir hoffen, mit „Frau Corona“<br />

ins Reine zu kommen. Vorher kann<br />

man wohl planen, aber nichts festlegen.<br />

Einiges mussten wir bereits aufschieben.<br />

Wir hoffen, im Mai die 25. Jahreshauptversammlung<br />

in etwas festlicher Form ansetzen<br />

zu können. Geplant ist auch die<br />

Vorstellung und Herausgabe der Biographie<br />

„Oswald Krad, Bildhauer aus Naturns<br />

(ca. 1620–1681)“, verfasst von Hermann<br />

Theiner, die Restaurierung der St.-Isidor-<br />

Kapelle, eine Feier zur Wiederinstandsetzung<br />

der Egger-Platzer-Mühle sowie eine<br />

Frühlingsfahrt nach St. Nikolaus/Kaltern.<br />

Hermann Wenter<br />

Der Verein freut sich immer auf neue<br />

Mitglieder:<br />

Rathausstr. 1, Naturns<br />

www.hpv-naturns-plaus.it<br />

hpv.naturns-plaus@rolmail.net<br />

KulturFenster<br />

41 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


gedenken<br />

Maridl Innerhofer<br />

wäre 100 geworden<br />

am 2. <strong>April</strong> <strong>2021</strong><br />

Die weit über Südtirol hinaus bekannte<br />

Burggräfler Mundartdichterin Maridl Innerhofer<br />

wurde am 2. <strong>April</strong> 1921 im Schulhaus<br />

von Marling geboren. Ihr Vater war<br />

der Lehrer Franz Innerhofer (*1884), der,<br />

nur drei Wochen nach ihrer Geburt, beim<br />

„Bozner Blutsonntag“ (24. <strong>April</strong> 1921) nach<br />

einem Trachtenumzug von den Faschisten<br />

erschossen wurde. Ihr ganzes Leben lang<br />

konnte Maridl diesen Schmerz nicht überwinden,<br />

ihren Vater nur aus Erzählungen<br />

zu kennen. Ihre Mutter war Maria Pöder<br />

(*1891) aus Tscherms.<br />

In dieser für Südtirol schwierigen Zeit besuchte<br />

Maridl im Heimatort die Volksschule<br />

in italienischer Sprache, dann die Klosterschule<br />

bei den „Englischen Fräulein“ in Meran<br />

sowie das Technische Institut und die<br />

Handelsschule. Ab 1938 arbeitete sie als<br />

Sekretärin an der „Hochschule für Obstund<br />

Gartenbau“ in Weihenstephan (Bayern),<br />

wurde dann aber 1940 an der Brennergrenze<br />

ohne Reisepass festgenommen<br />

und aufgrund des Optionsvertrags sofort<br />

nach Innsbruck umgesiedelt. Dort arbeitete<br />

sie bei der Empfangsstelle zur Umsiedlung<br />

Südtiroler Optanten in Innsbruck.<br />

1944 heiratete sie Kurt Wetzel und übersiedelte<br />

nach Imst. Sie schenkte zwei Söhnen<br />

das Leben.<br />

1945 kehrte Maridl Innerhofer nach Südtirol<br />

zurück. Sie absolvierte die Lehrbefähigungsprüfung<br />

in Meran und unterrichtete<br />

ab 1946 in den Grundschulen von Tramin<br />

und Marling. Die 1950er-Jahre verbrachte<br />

sie mit ihrer Familie in Deutschland, kehrte<br />

dann aber nach Marling zurück und engagierte<br />

sich u. a. für die Mundart, aber auch<br />

für das Chronistenwesen, den Natur-, Heimat-<br />

und Denkmalschutz.<br />

Bestrebt, immer Neues kennenzulernen,<br />

den Horizont zu erweitern, war sie in der<br />

Folge viel auf Reisen. Sie hatte zahlreiche<br />

öffentliche Auftritte als Autorin bei Lesungen<br />

und Begegnungen bei Mundarttreffen im Inund<br />

Ausland und in Rundfunksendungen.<br />

In Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln war<br />

über sie zu lesen, und sie veröffentlichte<br />

Gedichtbände.<br />

Maridl Innerhofer (†)<br />

Foto: A. Innerhofer<br />

In „Hennen und Nochtigolln“, „In fimf Minutn<br />

zwelfe“, „A Kraut mit tausnd Guldn“,<br />

„Mundart im Chorlied“, „...daß die Kirch in<br />

Dorf bleip“, „A Hondvoll Minz“, „Muansch<br />

du mi?“, „A Liacht in dr Nocht“, „Nochtkastlbiachl“,<br />

„Dr kluane Prinz“, „Dr Sidtiroler<br />

Strublpeatr“, „Zukunftserinnerungen“,<br />

„Marlinger Wegkreuze und Bildstöcke“ veröffentliche<br />

Maridl Innerhofer Gedichte in<br />

Burggräfler Mundart, aber auch in Hochsprache.<br />

Die von ihr getextete „Marlinger<br />

Messe“ wurde am 8. März 1981 uraufführt.<br />

Seit Beginn der 1990er-Jahre war<br />

Maridl Innerhofer treibende Kraft für die<br />

Organisation und Durchführung der internationalen<br />

Innerhofer-Treffen.<br />

KulturFenster<br />

42 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Heimatpege<br />

In Südtirols Kulturszene war Maridl Innerhofer<br />

stets ein sehr willkommener<br />

Gast. In Schulen, bei Vereinen und Seniorenclubs<br />

sowie bei den Buchvorstellungen<br />

begeisterte sie zahlreiche Zuhörer.<br />

In Anerkennung ihrer Leistungen erhielt<br />

die stets sehr bescheidene Maridl Innerhofer<br />

1988 den Heimatpreis des Kulturwerkes<br />

Südtirol und 2002 das Ehrenzeichen<br />

des Landes Tirol.<br />

Maridl Innerhofer, eine der wichtigsten,<br />

vielleicht die wichtigste Mundartdichterin<br />

Südtirols, ist am 13. August 2013 für<br />

immer heimgekehrt und ruht im Friedhof<br />

von Marling. Anlässlich ihres 5. Todesjahres<br />

wurde am 11. November 2018 in<br />

Marling bei einem ganz besonderen Festakt<br />

ein neu errichteter Park und Steig nach<br />

Maridl Innerhofer benannt. Ebenfalls an<br />

diesem Tag wurde das Buch „I bin durch<br />

viele Tirn gongen. Lebenslinien von Maridl<br />

Innerhofer“ (Raetia Verlag) erstmals<br />

öffentlich präsentiert. Es enthält Lebensstationen,<br />

Zitate und Gedichte von Maridl<br />

Innerhofer, gepaart mit kurzen Forschungsbeiträgen<br />

und Erzählungen von Freunden.<br />

Albert Innerhofer<br />

Mundartdichterin mit Leib und Seele<br />

Im Gedenken an Anna Pöhl aus Schenna<br />

Mundartdichterin<br />

Anna Pöhl<br />

aus Schenna<br />

(†)<br />

Foto: privat<br />

Kürzlich ist in Schenna die Mundartdichterin<br />

Anna Pöhl – genannt „Krumer<br />

Anna“, im Alter von 83 Jahren gestorben.<br />

Anna war die Älteste von sieben Geschwistern,<br />

und so musste sie sich schon<br />

sehr früh an die harte Arbeitswelt gewöhnen<br />

und Verantwortung übernehmen.<br />

Nach der Volksschule besuchte Anna<br />

Pöhl die „Kaufmännische Vorbereitung“<br />

bei der Ordensgemeinschaft „Englische<br />

Fräulein“ in Brixen. Darauf folgten prägende<br />

Lehrjahre in Sterzing. Im Textilfachgeschäft<br />

von Ida Wiedner fand sie<br />

eine Anstellung und entwickelte sich zur<br />

tüchtigen Verkaufskraft.<br />

Alsbald zog es Anna wieder nach Hause,<br />

in ihr Heimatdorf Schenna, und sie stand<br />

fortan ihrer Mutter Anna Gufler in der Gemischtwarenhandlung<br />

zur Seite. Von 1972<br />

bis 1996 führte Anna Pöhl das Geschäft<br />

– bis zu dessen Schließung – gemeinsam<br />

mit ihrem Bruder Josef.<br />

Anna Pöhl war nicht nur eine Geschäftsfrau<br />

mit Herz und Sinn, sie war auch dichterisch<br />

tätig, verschrieb sich der Mundartdichtung<br />

und verfasste mit Leib und Seele<br />

Gedichte im Burggräfler Dialekt. Somit<br />

war Anna Pöhl auch aktives Mitglied der<br />

Arbeitsgemeinschaft MundART im Südtiroler<br />

Heimatpflegeverband. Bei den verschiedensten<br />

literarischen Treffen und<br />

Lesungen trug sie gekonnt ihre Werke<br />

vor. Neben der Dichtkunst hatte Anna<br />

noch eine große Leidenschaft: das Theaterspiel<br />

bei der Volksbühne Schenna.<br />

Anna Pöhl war eine Frau mit kernigem<br />

Humor, gepaart mit Feingefühl und Herzenswärme.<br />

Im Glauben fand sie immer wieder Kraft.<br />

Er gab ihr im Alltag Hoffnung, Zuversicht<br />

und Zufriedenheit.<br />

Nun ist Anna von dieser Welt geschieden,<br />

in vielen Herzen aber geblieben.<br />

Möge sie ruhen in Gottes ewiger Freude.<br />

Maria Sulzer<br />

KulturFenster<br />

43 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


gedenken<br />

Hat den Volkstanz ins<br />

Land getragen<br />

Luis Veit (†)<br />

Foto: privat<br />

In dankbarer Erinnerung an Luis Veit<br />

Lieber Luis!<br />

Am 27. Jänner <strong>2021</strong> haben wir uns von Dir<br />

verabschiedet. Trotz Corona fand sich eine<br />

große Trauergemeinde in der Grieser Stiftspfarrkirche<br />

ein, um von Dir Abschied zu nehmen<br />

und Deiner Margareth und allen Deinen<br />

Lieben ihr Mitgefühl auszudrücken. Altpfarrer<br />

P. Robert Gamper fand die treffenden Worte,<br />

um Deine Verdienste für die Erzpfarre Gries<br />

und die Volkstanzgruppe Gries zu würdigen.<br />

Auch die Arbeitsgemeinschaft Volkstanz in<br />

Südtirol drückte ihre Anerkennung und den<br />

Dank für Deine jahrelange selbstlose Tätigkeit<br />

für den Volkstanz in unserem Lande<br />

aus. Die Erste Vorsitzende Monika Rottensteiner<br />

und ihr Stellvertreter Klaus Tappeiner<br />

waren in Tracht erschienen, um Dir die<br />

Ehre zu erweisen.<br />

Bereits im Jahr 1959 kamst Du mit dem<br />

Volkstanz in Berührung. Anlässlich eines<br />

Dekanatstreffens der Katholischen Jugend<br />

auf Schloss Sigmundskron hast Du mit einer<br />

Gruppe den Bandltanz aufgeführt. In<br />

der Folge hast Du gemeinsam mit Elisabeth<br />

Reich, die bei Prof. Luis Staindl das<br />

Lyzeum besuchte und von diesem inspiriert<br />

und motiviert worden war, einige einfache<br />

Tänze (Hiatamadl, Boarischer usw.)<br />

einstudiert. Durch Besuche von Lehrgängen<br />

hast Du Dir ein Wissen und Können<br />

angeeignet, das Du dann einer Gruppe der<br />

Katholischen Jugend Gries weitergegeben<br />

hast. Laut damaliger Gepflogenheit sollten<br />

die Mädchen ein Alter von 17, die Burschen<br />

ein Alter von 18 Jahren nicht unterschreiten.<br />

Geprobt wurde in Turnsälen der Schulen,<br />

mit Socken oder Patschen, da man die<br />

Säle nicht mit den Schuhen betreten durfte.<br />

Im Jahr 1962 war es dann soweit. Du hast<br />

den Antrag um Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft<br />

zur Pflege des Volkstanzes<br />

(heute Arbeitsgemeinschaft Volkstanz) in<br />

Südtirol gestellt, die 1960 in Brixen gegründet<br />

worden war und von Prof Dr. Luis<br />

Staindl im Rahmen des Landesverbandes<br />

für Heimatpflege geführt wurde. Bald wurdest<br />

Du zu einem der eifrigsten und fleißigsten<br />

Mitarbeiter von Prof. Staindl. Durch<br />

den Besuch von weiteren Lehrgängen auf<br />

Landesebene und der Bundesarbeitsgemeinschaft<br />

Volkstanz in Österreich hast Du<br />

Dir viel Wissen und Können angeeignet und<br />

dieses bei Kursen landauf, landab an neue<br />

Gruppen weitergegeben. Bei diesen Lehrgängen<br />

hast Du wertvolle Bekanntschaften<br />

und Freundschaften geschlossen, z. B.<br />

mit Prof. Hermann Derschmidt (Oberösterreich),<br />

mit Prof. Franz Koschier (Kärnten),<br />

mit Walter Schmidt (Wien) und vielen anderen.<br />

Einen besonders intensiven Bezug<br />

hast Du zu Prof. Karl Horak aus Tirol aufgebaut,<br />

der für unsere Tiroler Volkstänze wohl<br />

unumstritten die erste und beste Adresse<br />

war. Ihn und seine Frau Grete hast Du auch<br />

öfter persönlich nach Gries eingeladen. Er<br />

hat uns z. B. den Tiroler Reiftanz gelehrt.<br />

Du hast von 1962 bis 1970 einen wesentlichen<br />

Beitrag zur Verbreitung des Volkstanzes<br />

in unserem Land geleistet.<br />

Unvergessen sind die vielen Fahrten ins<br />

Ausland, z. B. zum Kathreintanz in den Sofien-Sälen<br />

in Wien, begleitet von den „Graber-Buam“<br />

Seppl, Hubert und Ernst Egger<br />

aus Nals. Auch die Tanzfeste und Treffen<br />

auf Schloss Runkelstein mit der Sing- und<br />

Spielgemeinschaft Baden-Württemberg mit<br />

Kurt Wager sind vielen in bester Erinnerung,<br />

ebenso die Arbeit zur Entrümpelung und Renovierung<br />

des Probelokals in der Münzbank:<br />

Endlich ein Probelokal mit einemfür den Tanz<br />

geeigneten Boden!<br />

Keine Arbeit war Dir zu minder, und außerdem<br />

wusstest Du, die Gruppenmitglieder<br />

richtig zu animieren und zu motivieren. Du<br />

hast Dich für Gries und die Arbeitsgemeinschaft<br />

Volkstanz in Südtirol wirklich verdient<br />

gemacht, dafür sind wir Dir zu großem Dank<br />

verpflichtet. Diese Anerkennung drückt sich<br />

auch in den verschiedenen Ehrungen aus,<br />

die Du erfahren durftest: 1964 Silbernes Ehrenzeichen<br />

der Katholischen Jugend Südtirol,<br />

Tanzleiter-Urkunde der Bundesarbeitsgemeinschaft<br />

Österreichischer Volkstanz,<br />

1974 Verbandsverdienstzeichen des Landesverbandes<br />

für Heimatpflege, 1987 Ehrenurkunde<br />

der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz<br />

in Südtirol, 1987 Verdienstmedaille des<br />

Landes Tirol.<br />

Eigentlich wollten wir Dir zum Abschied die<br />

„Woaf“ tanzen, aber coronabedingt war das<br />

nicht möglich. So musst Du eben ein bisschen<br />

warten, bis wir Dir nachfolgen, dann<br />

kannst Du selbst mittanzen gemäß den Worten<br />

des hl. Augustinus: „O Mensch, lerne tanzen,<br />

sonst wissen die Engel im Himmel mit<br />

Dir nichts anzufangen.“<br />

Pfiati Luis und Vergelt’s Gott!<br />

Walter Egger<br />

KulturFenster<br />

44 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


getragen<br />

Unterrock oder Beinkleid?<br />

Unterschätzt und doch so wichtig<br />

Vom Weiberhemd<br />

zum Beinkleid<br />

Beinkleider sind besonders bei Volkstänzerinnen<br />

beliebt. Foto: Roland Pernter, Effekt!<br />

Meistens werden sie dezent unter dem „Kittl“<br />

getragen, aber wenn die Röcke beim Tanz<br />

fliegen, treten sie in ihrer ganzen Schönheit<br />

in Erscheinung: der Unterrock und das Beinkleid,<br />

auch Unterrock-Hose oder Tanzhose<br />

genannt. Da bildet dann der weiße Stoff mit<br />

seiner edlen Wäschespitze einen schönen<br />

Kontrast zum dunklen Rock und wird zum<br />

Blickfang für alle sowieso.<br />

Wie aus alten Inventarlisten hervorgeht,<br />

gibt es den Unterrock schon seit mehreren<br />

hundert Jahren. Bereits im 16. Jahrhundert<br />

trugen adelige oder betuchte Frauen<br />

nicht nur einen, sondern gleich mehrere<br />

Schichten von Unterröcken (sogenannte<br />

Cotillons). Der Unterrock hielt nicht nur<br />

fein warm, sondern verhalf auch dazu,<br />

dass die Oberbekleidung besser um die<br />

Beine der Dame gleiten konnte. Je nach<br />

Mode trug der Unterrock dazu bei, dass<br />

die Röcke das nötige Volumen erreichten.<br />

Bei der Frauentracht war es<br />

zunächst üblich, ein sogenanntes<br />

Weiberhemd zu tragen,<br />

das heißt, Bluse und Unterrock<br />

waren ein Stück, das<br />

weit zu den Knien hinunterreichte.<br />

Erst gegen die Mitte<br />

des 19. Jahrhunderts begann<br />

man, daraus zwei separate<br />

Teile zu machen: die<br />

kurze Trachtenbluse und eben<br />

einen Unter-Rock. Was die<br />

Beinkleider anbelangt, soll es<br />

Katharina von Medici gewesen<br />

sein, die 1571 als Erste<br />

eine knielange Unterhose getragen<br />

haben soll. Doch erst,<br />

als es gegen Ende des 19.<br />

Jahrhunderts allgemein üblich<br />

wurde, Unterwäsche zu<br />

tragen, schafften auch die<br />

Beinkleider ihren Durchbruch.<br />

Heute werden die Beinkleider<br />

aus weißem Baumwollstoff gefertigt,<br />

reichen bis unter die<br />

Knie, sind stark gereiht und<br />

werden mit weißer Stoffspitze<br />

verziert. Unter den Knien werden sie mit<br />

einem meist roten Band festgebunden.<br />

Der Unterrock der<br />

Grödnerinnen<br />

In früheren Zeiten war Rot die beliebteste<br />

Farbe für Unterröcke. Aus kompaktem<br />

Stoff und üppig gearbeitet, finden<br />

wir dieses Rot noch bei einigen Grödner<br />

Frauentrachten. Ihr Unterrock hat einen<br />

breiten tiefroten Streifen, der mit einem<br />

schwarzen Bandmuster verziert wird. Er<br />

schließt mit einer schwarzen Besenborte<br />

ab. Die Grödnerinnen tragen ihn unter<br />

dem schweren plissierten Rock. Zu manchen<br />

Grödner Trachten gibt es zudem einen<br />

Unterrock, in den ein Metallreifen eingearbeitet<br />

ist, der den Rock nach unten<br />

hin weitet und ihm das schöne kegelförmige<br />

Aussehen verleiht.<br />

Der üppige Unterrock der Grödnerinnen<br />

Macht ein Unterrock dick?<br />

Unterröcke machen ganz und gar nicht dick!<br />

Der Unterrock wird aus Baumwollstoff oder<br />

feinem Leinen gearbeitet. Doch das schlank<br />

machende Geheimnis liegt im Schnitt. Er<br />

muss nämlich um die Hüften figurnah geschnitten<br />

sein. Erst ab dem unteren Drittel<br />

wird er merklich weiter, egal ob gereiht oder<br />

gefältelt. Den krönenden Abschluss bildet<br />

eine 5 bis 10 Zentimeter breite Wäschespitze.<br />

Der Bund kann mit einem Gummizug<br />

oder mit Schlitz und Knopfverschluss<br />

gearbeitet sein.<br />

Ein Unterrock erfüllt mehrere Aufgaben: Er<br />

hält fein warm, lässt den Kittl besser fallen,<br />

gibt Volumen. Zudem bietet er Schutz, damit<br />

man nicht so leicht mit dem Absatz im<br />

Rocksaum hängen bleibt. Dass durch den<br />

Unterrock auch die Tracht geschont wird,<br />

muss wohl nicht extra erwähnt werden.<br />

Agnes Andergassen,<br />

Arbeitsgemeinschaft Lebendige Tracht<br />

Klassischer Trachtenunterrock<br />

Fotos: ArGe Lebendige Tracht<br />

KulturFenster<br />

45 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


getanzt<br />

Das Maibaumumtanzen<br />

Ein alter Brauch im Wandel der Zeit<br />

Die Volkstanzgruppe Burgstall bei der Darbietung<br />

des Bandltanzes beim Maitanz in<br />

Hall in Tirol<br />

Fotos: ArGe Volkstanz<br />

Der Brauch des Errichtens eines Maibaumes<br />

und das Umtanzen desselben war einst in<br />

Tirol und darüber hinaus weit verbreitet.<br />

Diese Tradition geht auf das Jahr 1225 zurück,<br />

in dem im Aachener Raum ein Maibaum<br />

urkundlich belegt ist.<br />

Ursprünglich galt der Maibaum als Fruchtbarkeitssymbol.<br />

Die jungen Männer stellten<br />

der Liebsten in der Nacht auf den 1.<br />

Mai eine frisch austreibende Birke, die<br />

mit bunten Bändern geschmückt war,<br />

vor die Haustür. Dabei sangen die Männer<br />

und trugen dem Mädchen Sprüche<br />

und Gedichte vor. Als Geschenk bekamen<br />

die Mädchen einen „Maienstrauß“ überreicht.<br />

Bei einem anschließenden Tanz<br />

unter dem mit Bändern geschmückten<br />

Maibaum konnten die jungen Männer mit<br />

dem Mädchen „anbändeln“.<br />

Abschied vom Winter<br />

Heute wird mit dem Aufstellen des Maibaums<br />

eher der endgültige Abschied des<br />

Winters und das Begrüßen der warmen<br />

Jahreszeit gefeiert. Als Maibaum wird ein<br />

Baum, meist eine Tanne, Fichte oder Lärche<br />

bis zum obersten Wipfel – der „Maibuschen“<br />

– geschält und auf dem Dorfplatz<br />

aufgestellt. Als Verzierung werden<br />

meistens Bänder und ein Kranz angebracht.<br />

Oft wird der Maibaum zusätzlich<br />

mit (sieben) Hahnenfedern geschmückt,<br />

die ein Zeichen für Macht, Stärke und<br />

Fruchtbarkeit darstellen sollen. Die Größe<br />

des Maibaums ist dabei entscheidend.<br />

Früher stand in fast jedem Dorf ein Maibaum,<br />

und es galt immer, den schönsten<br />

und höchsten Maibaum im eigenen Dorf<br />

zu haben. Vielerorts wetteiferten die jungen<br />

Burschen, wer den Maibaum am geschicktesten<br />

erklimmen konnte, um die<br />

am Kranz angebrachten Preise zu erreichen.<br />

Als Folge davon wurde immer wieder<br />

versucht, einen Maibaum oder dessen<br />

Wipfel aus den umliegenden Dörfern zu<br />

stehlen. Deshalb musste der Maibaum im<br />

eigenen Dorf in der Nacht vom 30. <strong>April</strong><br />

auf den 1. Mai (Walpurgisnacht) gut bewacht<br />

werden.<br />

Wenige Maibäume in<br />

Südtirol<br />

In Südtirol ist das Errichten und Umtanzen<br />

eines Maibaumes nur mehr in einzelnen<br />

Dörfern (z. B. in Terlan und Montan)<br />

zu finden. Der Maitanz ist jedoch seit<br />

1971 wieder ein fester Bestandteil des<br />

Volkstanzjahres und wird regelmäßig in<br />

KulturFenster<br />

46 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


ol erhalten. So wird auch heute noch oft<br />

der Bandltanz aufgeführt, dessen Hauptgebiet<br />

nach Prof. Horak der bajuwarische<br />

Raum ist. Dabei ist die Bandlstange ein<br />

Symbol für den Maibaum. Der Tanz selber<br />

ist in einen Vortanz ohne Bänder und<br />

in einen Haupttanz mit (roten und weißen)<br />

Bändern aufgeteilt. Während des Tanzens<br />

mit den Bändern werden drei Muster geflochten.<br />

Das Flechten symbolisiert das Leben<br />

in der Natur, das Wachsen und Vergehen.<br />

Vielerorts wird der Bandltanz von<br />

den Volkstanzgruppen im Mai (z. B. am<br />

Muttertag) aufgeführt.<br />

Der Kranz an der Bandlstange ähnelt dem Kranz an einem Maibaum.<br />

Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft<br />

Volkstanz Tirol organisiert.<br />

Zudem haben sich viele Tänze, die auf<br />

die Ursprünge des Maibaumes zurückgehen,<br />

bis heute in den deutschsprachigen<br />

Gebieten und so auch in Südti-<br />

Quellen:<br />

Kuppelwieser, H.:<br />

Anna Julia Spitaler<br />

Pressereferentin der ArGe<br />

Volkstanz in Südtirol<br />

„Maitanz, der historische Hintergrund“<br />

Rodena Heimatkundeverein:<br />

https://www.rodena.org/der-brauch-des-maibaumes/<br />

Frühling<br />

Do Frühling hot iatz neu begonnen,<br />

do Winter, der isch vergongen.<br />

Wir sechn olls bunte Forben,<br />

de in Schnea vom Winter beerbn.<br />

Die Rosen und Tulpen breng a neue Forbe in inso Lebn.<br />

Es isch nimmer Fluch, sondern Heil und Segen.<br />

Die Seele des Menschen hot voller Fraide gsung:<br />

„Endlich hot do Langis widdo begunn.“<br />

Markus Hilber, ArGe MundART<br />

Aus der Redaktion<br />

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Heimatpflegeseiten<br />

senden Sie bitte an: florian@hpv.bz.it<br />

Redaktionsschluss für<br />

die nächste Ausgabe<br />

des KulturFensters ist<br />

Freitag, 14. Mai <strong>2021</strong><br />

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter<br />

folgender Nummer: +39 0471 973 693 (Heimatpflegeverband)<br />

KulturFenster<br />

47 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Musizieren bedeutet …<br />

… nicht nur „Musik machen“, sondern auch Begegnung,<br />

Freundschaft und Austausch.<br />

KulturFenster<br />

48 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


diskutiert<br />

Ein Jahr Corona –<br />

mit Kreativität die Krise meistern<br />

Ein Gespräch mit den Fachgruppenleitern im VSM<br />

Mit der Absage des Dirigentenwettbewerbs<br />

„con brio WEST“ in Sterzing vom 29. Februar<br />

2020 hat Corona auch die Blasmusikszene<br />

erreicht – einige Tage vor dem offiziellen<br />

Lockdown am 4. März. Seitdem ist mehr als<br />

ein Jahr vergangen. Dies war für uns Anlass,<br />

um mit den vier Fachgruppenleitern auf dieses<br />

besondere Jahr zurückzublicken und zu<br />

versuchen, nach vorne zu schauen. Pünktlich<br />

zum Redaktionsschluss für diese Ausgabe<br />

des „KulturFensters“ haben wir am<br />

15. März Verbandsobmann Pepi Fauster,<br />

Verbandskapellmeister Meinhard Windisch,<br />

Verbandsjugendleiter Johann Finatzer und<br />

Verbandsstabführer Klaus Fischnaller online<br />

zu einem Runden Tisch geladen.<br />

Musik als Gemeinschaftserlebnis zwischen Musikant*innen und Publikum, das haben<br />

viele vermisst, vielleicht aber auch mehr zu schätzen gelernt (Bild: Bezirksmusikfest<br />

Naturns 2018).<br />

KulturFenster: Die Absage des Dirigentenwettbewerbs<br />

hat auch in den eigenen Reihen<br />

für Kritiken gesorgt. Aber das war leider<br />

erst der Anfang. Wie haben Sie dieses<br />

vergangene Jahr erlebt?<br />

Pepi Fauster: Rückblickend habe ich den<br />

Eindruck, dass unsere Entscheidungen<br />

richtig waren. Am Anfang war es sehr<br />

schwierig. Wir haben einige Tage hin und<br />

her überlegt und sind schließlich zum<br />

Schluss gekommen, den Wettbewerb abzusagen.<br />

Wir haben im Vorstand, im geschäftsführenden<br />

Ausschuss und in der eigens<br />

eingerichteten Corona-Arbeitsgruppe<br />

die Vielzahl an Informationen gesammelt<br />

und bewertet, um die richtigen Entscheidungen<br />

zu treffen. Dadurch ist es uns gelungen,<br />

einen gemeinschaftlichen Weg zu<br />

finden, der uns auf die richtige Spur geführt<br />

hat. Auf der Suche nach Möglichkeiten,<br />

in welcher Form die Musikkapellen<br />

tätig sein können, stand die Gesundheit immer<br />

im Vordergrund. Und da wir selbst ja<br />

keine Virologen sind, mussten und müssen<br />

wir uns auf die Aussagen der Fachleute<br />

verlassen.<br />

Meinhard Windisch: Wenn ich zurückdenke,<br />

dann haben sich in der Woche vor dem<br />

Wettbewerb die Ereignisse überschlagen.<br />

Noch vor den offiziellen Meldungen wurden<br />

wir bereits von der Sanitätsbehörde<br />

kontaktiert, die uns empfohlen hat, bei öffentlichen<br />

Veranstaltungen äußerste Vorsicht<br />

walten zu lassen. Wer diese Hintergrundinformationen<br />

nicht hatte und sich<br />

nicht so intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt<br />

hatte, war verständlicherweise<br />

von der kurzfristigen Absage des Wettbewerbs<br />

überrascht. Im Nachhinein – und<br />

auch mit dem heutigen Wissen – zweifelt<br />

niemand mehr unsere damalige Entscheidung<br />

an, im Gegenteil: viele haben uns Umsicht<br />

und Weitsicht bestätigt. Zudem muss<br />

gesagt werden, dass wir ja nicht alleiniger<br />

Veranstalter waren. Für die Blasmusikverbände<br />

von Tirol und Vorarlberg stand<br />

auch die Frage im Raum, ob ihre Teilnehmer<br />

überhaupt noch über den Brenner fahren<br />

können bzw. ob sie es verantworten<br />

können, sie zum Wettbewerb zu schicken.<br />

KF: Wie schnell hat diese Entwicklung den<br />

Jugendbereich beeinträchtigt?<br />

Johann Finatzer: Im Jänner, mitten in der<br />

Planung der Sommerprojekte, haben wir<br />

noch über das Virus im weit entfernten<br />

China „geschmunzelt“ und den ersten<br />

Fall in Südtirol kaum ernst genommen.<br />

Von einem Tag auf den anderen ist unser<br />

„Schiff“ gestrandet. All unsere Pläne<br />

mussten wir über den Haufen werfen. Als<br />

erstes wurden die März-Prüfungen zum<br />

Leistungsabzeichen zuerst auf Juni verschoben,<br />

später abgesagt und erst im<br />

Herbst nachgeholt. Anfangs wurde ich<br />

von meinen Kollegen belächelt, als ich<br />

am Herbsttermin festgehalten habe. Kurz<br />

vor dem zweiten Lockdown wurde dieses<br />

Projekt mit knapp 400 Prüfungsabsolventen<br />

ein absolutes Erfolgserlebnis. Leider<br />

war das der einzige Lichtblick, denn<br />

alle Sommerprojekte auf Landes- und Bezirksebene<br />

mussten aus Sicherheitsgründen<br />

abgesagt werden.<br />

KF: Mit der Musik in Bewegung sind unsere<br />

Musikkapellen in der Öffentlichkeit am<br />

öftesten vertreten. Ist wohl auch deshalb<br />

draußen in den Dörfern das Fehlen der Musikkapellen<br />

am meisten gespürt worden?<br />

KulturFenster<br />

49 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


diskutiert<br />

Die Fachgruppenleiter im Gespräch (v.l): Verbandsobmann Pepi Fauster, Verbandskapellmeister Meinhard Windisch, Verbandsjugendleiter<br />

Johann Finatzer und Verbandsstabführer Klaus Fischnaller<br />

Klaus Fischnaller: Anfänglich hatten wir<br />

die naive Hoffnung, dass der Spuk bald<br />

ein Ende findet und wir wieder zum Alltag<br />

zurückkehren können. Daher fühlte<br />

ich mich zu Beginn auch unbeholfen, was<br />

man tun könne und vor allem, wie man<br />

den Kapellen helfen und sie unterstützen<br />

könne. Vieles ist weggefallen, aber gleichzeitig<br />

konnte auch Neues entstehen. Es<br />

war toll zu sehen, wie viele Kapellen die<br />

kleinen Lockerungen im Sommer ausgenutzt<br />

haben, um sich in irgendeiner Form<br />

an den Prozessionen, Aufmärschen oder<br />

Beerdigungen zu beteiligen und Marschierproben<br />

im Kleinen zu gestalten. Ich habe<br />

auch gespürt, dass die Stabführer, die Kapellen<br />

und die einzelnen Musikantinnen<br />

und Musikanten das Gespräch gesucht<br />

haben. Gerade die Suche nach alternativen<br />

Möglichkeiten empfinde ich als sehr<br />

positiv. Wir haben versucht, den Stabführern<br />

und Kapellmeistern neue Wege aufzuzeigen,<br />

die sehr gut angenommen worden<br />

sind. Es hat sich einiges bewegt und<br />

wir haben die Chance, manches zu überdenken<br />

und neu zu denken.<br />

KF: Können wir aus dieser Zeit lernen und<br />

Positives mitnehmen?<br />

Fauster: Es nützt nichts, den Kopf in den<br />

Sand zu stecken, auch wenn die Situation<br />

noch so ausweglos scheint: „Die<br />

Hoffnung stirbt zuletzt.“ Wir müssen alle<br />

Sinne öffnen und neue Ideen zulassen.<br />

Dabei müssen wir mehr denn je das Miteinander,<br />

das wir in und zwischen unseren<br />

Musikkapellen immer schon gepflegt haben,<br />

stärken.<br />

Wir müssen in die Zukunft planen, auch<br />

wenn diese ungewiss ist, und dürfen aber<br />

auch keine Hemmungen haben, die Pläne<br />

über den Haufen zu werfen, zu verschieben<br />

und nach Alternativen zu suchen. Im<br />

ersten Moment wurden wir von der Pandemie<br />

und ihren Folgen wie von einem<br />

Tsunami getroffen und haben alle Projekte<br />

und Veranstaltungen abgesagt. Mittlerweile<br />

haben wir gelernt kreativ zu sein<br />

und auch Neues zu denken, Neues entstehen<br />

zu lassen. Wenn es uns gelingt,<br />

diese Neugierde und Kreativität zu behalten,<br />

können wir auch zukünftige Schwierigkeiten<br />

besser meistern.<br />

Windisch: Diese Zeit hat uns gezwungen,<br />

über Dinge nachdenken, über die<br />

wir sonst nicht nachgedacht hätten. Wir<br />

alle, die Funktionäre im Verband, in den<br />

Bezirken und in den Musikkapellen, aber<br />

auch jede Musikantin und jeder Musikant<br />

waren gefordert, die Routine, die Jahr für<br />

Jahr herunter gespult wurde, zu überdenken.<br />

Für Kapellen, die auch vorher schon<br />

kreativ waren, hat sich ihre Erfahrung in<br />

der Krise bezahlt gemacht. Sie haben<br />

sich schon bisher von der Masse abgehoben<br />

und sind auch in der Krise durch<br />

besondere Initiativen aufgefallen. Das<br />

kann natürlich niemals die regulären Proben<br />

und Auftritte ersetzen, aber es kann<br />

die Würze zum Alltag sein. Auch der vom<br />

Verband initiierte Blasmusikpreis soll Kapellen<br />

zu besonderen Ideen und Projekte<br />

animieren. Nun hat uns das Virus „eingeladen“,<br />

die Musikkapelle im Allgemeinen<br />

und einzelne Tätigkeiten im Besonderen<br />

zu hinterfragen: Welches sind die<br />

Werte in der Kapelle? Welches sind die<br />

Kontaktpunkte, die uns wichtig sind und<br />

gerade jetzt am meisten fehlen? Wenn<br />

es uns gelingt, dieses Nachdenken mit<br />

in die Zukunft zu nehmen, dann haben<br />

wir viel gelernt.<br />

Konzerte in „großem Rahmen“, wann werden sie wieder möglich sein? (im Bild die Bürgerkapelle<br />

Latsch)<br />

KF: Sind diese Kontakte gerade im Bereich<br />

der Jugend umso schwieriger, da der Nachwuchsmusikant<br />

noch nicht so sehr in der<br />

Kapelle eingebunden ist?<br />

Finatzer: Hier gibt es sehr große Unterschiede<br />

von Kapelle zu Kapelle. Denn gerade<br />

auch in der Jugendarbeit hat sich<br />

gezeigt, dass sich schon bisher kreative<br />

Kapellen auch in der Krisenzeit einiges<br />

einfallen haben lassen. Ihnen ist es auch<br />

in den Sommermonaten gelungen, einige<br />

kleine Projekte – natürlich in abgespeckten<br />

Versionen – anzubieten.<br />

Die ganz großen Verlierer dieser Zeit sind<br />

die Kinder und Jugendlichen. Sie werden<br />

nicht gefragt, ihnen wird vorgeschrieben,<br />

ob sie die Schule im Präsenz- oder Fern-<br />

KulturFenster<br />

50 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Blasmusik<br />

unterricht besuchen, Masken tragen oder<br />

Nasenbohrertests machen müssen. Die<br />

Jugend geht in der gesamten Diskussion<br />

der Pandemie kläglich unter.<br />

KF: Ist das eines der ganz großen Probleme,<br />

dass wir Mitglieder in den Kapellen<br />

verlieren?<br />

Finatzer: Ich denke, die Musikkapellen<br />

sind hier arg gefordert. Im Grunde hören<br />

wir aus dem Bereich des Breitensports die<br />

gleichen Sorgen: je länger die Vereine den<br />

Kindern und Jugendlichen keine Betätigungsmöglichkeiten<br />

bieten können, desto<br />

mehr werden letztendlich abspringen. Wir<br />

bewegen uns hier in einem großen Kreis<br />

mit den Musikschulen, dem Elternhaus<br />

und den Musikkapellen – eine ungemein<br />

wichtige Symbiose.<br />

Fauster: Aber nicht nur auf die Jugend<br />

muss unser Blick gerichtet sein. Gerade<br />

auch bei „älteren“ Musikanten kann man<br />

immer wieder beobachten, dass sie „günstige“<br />

Augenblicke suchen, um auszusteigen.<br />

Ein Kapellmeisterwechsel, familiäre<br />

Neuerungen, berufliche Veränderungen<br />

oder gesundheitliche Probleme boten ihnen<br />

bisher geeignete Gelegenheiten an.<br />

Nun kann diese lange Corona-Pause für<br />

den einen oder die andere Anlass sein,<br />

nicht mehr anzufangen. Wir kennen es ja<br />

aus der regulären Tätigkeit unterm Jahr,<br />

wo man oft Kolleg*innen mitnimmt, die<br />

nicht ganz überzeugt sind. In der Gemeinschaft<br />

und im sozialen Umfeld der<br />

Kapelle werden sie aufgefangen. Und<br />

seien wir ehrlich, unsere Vereine fordern<br />

den Mitgliedern auch einiges ab, denn<br />

wie heißt es so schön: „Der Eintritt und<br />

der Austritt sind freiwillig.“ Dazwischen<br />

gibt es aber zahlreiche Verpflichtungen.<br />

Daher hören wir auch aus den Musikkapellen<br />

die Sorge und Ungewissheit, dass<br />

manch einer nicht mehr dabei ist, wenn<br />

es wieder losgeht.<br />

Windisch: Diese Situationen kennen wir<br />

aber auch aus der Zeit vor Corona. Vielleicht<br />

ist Corona für einige der Anlass auszusteigen.<br />

Aber in den meisten dieser<br />

Fälle ist es wahrscheinlich nur eine vorgezogene<br />

Entscheidung, die in 1-2 Jahren<br />

sowieso gefallen wäre.<br />

Fauster: Hier kommt aber noch ein gesundheitlicher<br />

Aspekt hinzu, der nicht außer<br />

Acht gelassen werden darf. Solange<br />

die Situation im sozialen Kontakt nicht geklärt<br />

ist, wird so mancher auch seine Bedenken<br />

haben, sich im Probelokal einer<br />

Infektionsgefahr auszusetzen, die ihn beruflich<br />

wie privat einschränken könnte.<br />

Wie die künftige Vereinstätigkeit in den Musikkapellen im Allgemeinen und bezüglich der<br />

Jugendarbeit im Besonderen gestaltet werden kann, ist eine große Herausforderung für alle,<br />

für die Funktionäre ebenso wie für die Mitglieder (im Bild die Jugendkapelle Gummer).<br />

KF: Was haben wir im Stillstand verloren?<br />

Fischnaller: Außer der Präsenz haben wir<br />

grundsätzlich nichts verloren. Wir müssen<br />

uns anstrengen, um (auch) in Zukunft<br />

Auftrittsmöglichkeiten und Projekte zu gestalten,<br />

die für unsere Musikant*innen interessant<br />

sind. Es braucht in Zukunft ein<br />

projektorientiertes Programm mit Schwerpunkten<br />

– interessant für Jung und Alt.<br />

Daher können und müssen wir diese Zeit<br />

des Stillstands dazu nutzen, um den Neustart<br />

vorzubereiten. Der derzeit fehlende<br />

Zeitdruck macht mich persönlich kreativ.<br />

Wir Verbandsfunktionäre müssen den<br />

Musikkapellen Hilfestellungen geben, sie<br />

auch darauf ansprechen – kein Muss, sondern<br />

ein Kann.<br />

Gerade in der Jugendarbeit kann die Musik<br />

in Bewegung viel dazu beitragen. Kinder<br />

und Jugendliche sind sehr für Marschund<br />

Showauftritte zu motivieren. Es muss<br />

uns gelingen, ihre Begeisterung zu wecken,<br />

damit sie gerne mitmachen.<br />

Windisch: Mir gefällt der Begriff „Neustart“<br />

nicht. Einen Neustart erlebt eine Kapelle in<br />

ihrer Tätigkeit andauernd, z.B. durch einen<br />

Mit Freude an der Musik kann man auch optimistisch in die Zukunft schauen (im Bild die<br />

JuKa Völs).<br />

KulturFenster<br />

51 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


diskutiert<br />

Blasmusik soll wieder „in Bewegung kommen“, sowohl bei den Jugendlichen (im Bild<br />

die JuKa Afing) …<br />

neuen Ausschuss oder einen neuen Kapellmeister.<br />

Neustart ist ein Reset und ein<br />

Neubeginn. In der Corona-Situation sehe<br />

ich es etwas anders. Wir haben nach wie<br />

vor unsere Strukturen, unsere Organisationen,<br />

unsere Ausstattungen, die Gremien in<br />

den Vereinen und Verbänden, die Obleute<br />

und Kapellmeister, die Musikant*innen und<br />

unsere Leidenschaft. Wir haben nichts verloren,<br />

weil wir etwas falsch gemacht hätten.<br />

Wir haben einen Stillstand und müssen<br />

„nur“ das Rad wieder in Gang setzen.<br />

Auch vor Corona war es wichtig, die Proben<br />

und Auftritte für die Musikant*innen und<br />

das Publikum interessant zu gestalten. Die<br />

Aufgaben sind auch nach Corona dieselben.<br />

Wir dürfen aber nicht den Fehler machen,<br />

sobald es wieder losgehen kann, den<br />

Kalender mit Projekten vollzustopfen, vielleicht<br />

sogar um nachholen zu wollen, was<br />

vermeintlich versäumt wurde. Auch dürfen<br />

wir nicht der Illusion verfallen, dass wir<br />

musikalisch am Niveau der letzten Probe<br />

oder des letzten Auftritts anknüpfen können.<br />

Wir müssen uns langsam wieder an<br />

den Musikkapellenalltag gewöhnen. Den<br />

einzigen Fehler, den wir machen können,<br />

zuviel zu schnell zu wollen!<br />

Fauster: Neben diesem „sanften Neubeginn“<br />

möchte ich vor allem den sozialen<br />

Aspekt hervorheben. Wir merken es tagtäglich.<br />

Die Gemeinschaft fehlt uns allen.<br />

Dieses Gemeinsame zu unterstreichen,<br />

kann gelingen, wenn man die Jahresplanung<br />

auf eine breite Basis im Verein stellt.<br />

Fischnaller: Auch während der Pandemie<br />

war und ist es wichtig, mit den Kolleg*innen<br />

in Kontakt zu bleiben. Zur Zeit ist dies dank<br />

der digitalen Medien möglich. Aber sobald<br />

es Lockerungen gibt, müssen diese genutzt<br />

werden. Auch die Menschen draußen<br />

werden es begrüßen, wenn sie wieder<br />

optische und akustische Lebenszeichen<br />

unserer Kapellen erleben.<br />

KF: Ändert sich die Blasmusikszene?<br />

Fauster: Ich denke, dass sich das allgemeine<br />

ehrenamtliche Engagement nicht<br />

ändert. Corona hat die Einstellung der<br />

Menschen zum Ehrenamt nicht geändert.<br />

Das Vereinsleben kann und wird sich<br />

ändern, vor allem das Tempo. Wir haben<br />

bisher sehr intensiv gearbeitet und<br />

einige hatten Schwierigkeiten, damit<br />

Schritt zu halten. Höher, schneller, weiter<br />

– das erzeugt auch entsprechenden<br />

Stress, den nicht jeder mitmachen will<br />

oder dem auch nicht jeder standhalten<br />

kann. Hier komme ich wieder zu diesem<br />

bereits vorhin angesprochenen Nachdenken<br />

und Hinterfragen der Tätigkeiten<br />

zurück. Vielleicht muss es uns gelingen,<br />

manchmal auch einen Schritt zurück zu<br />

machen, um dann zwei nach vorne machen<br />

zu können.<br />

Es könnte sich aber im Einzelfall – für diejenigen,<br />

die es bisher etwas bequemer<br />

angegangen sind – auch eine Tür in die<br />

entgegengesetzte Richtung öffnen, wenn<br />

man nach dieser Zwangspause aktiver<br />

sein will als vorher. Dieser innere Antrieb<br />

muss ebenso Platz haben und darf nicht<br />

gebremst werden.<br />

Finatzer: Auch in der Jugendarbeit sehe<br />

ich keine großen Veränderungen. Vorher<br />

wie nachher muss es gelingen, die<br />

Jugendlichen zu erreichen und sie nicht<br />

zu überrumpeln. Dabei darf neben dem<br />

Musikalischen das Gesellschaftliche nicht<br />

außer Acht gelassen werden.<br />

KF: Wie können der VSM und die Musikkapellen<br />

in dieser ungewissen Zeit arbeiten<br />

und planen?<br />

Fauster: Die fehlenden Perspektiven machen<br />

eine Planung sehr schwierig. Die<br />

Politik wurde auch vom Virus „überrollt“<br />

und es ist keineswegs ein leichtes Unterfangen,<br />

die vielen gesellschaftlichen,<br />

wirtschaftlichen und sozialen Interessen<br />

mit den gesundheitlichen Anforderungen<br />

unter einen Hut zu bekommen. Zudem<br />

stehen die Politiker unter dem Druck der<br />

verschiedenen Lobbys. Trotzdem sind<br />

bestimmte Entscheidungen schwer verständlich<br />

und kaum nachvollziehbar. Die<br />

Kultur wurde anfangs überhaupt nicht und<br />

jetzt kaum berücksichtigt. Ich denke dabei<br />

an die seitenlangen Corona-Verordnungen,<br />

die in einem einzigen, kleinen<br />

Satz unsere Tätigkeit reglementieren: „Die<br />

Tätigkeit der Chöre und Musikkapellen<br />

ist ausgesetzt.“ Unsere gesamte Arbeit<br />

mit so wenigen, billigen Worten abzuhaken,<br />

ist wie ein Stich ins Herz.<br />

KulturFenster<br />

52 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Blasmusik<br />

… als auch bei den Erwachsenen (im Bild die MK Kortsch)<br />

Windisch: Was unser Aus- und Weiterbildungsprogramm<br />

betrifft, so ist dieses<br />

im herkömmlichen Sinn nicht möglich.<br />

Für das Kapellmeistercoaching hoffen<br />

wir auf zumindest einige Lockerungen in<br />

der warmen Jahreszeit. Daher werden wir<br />

die praktischen Kurseinheiten mit einem<br />

vorsichtigen Optimismus auf die Sommermonate<br />

konzentrieren. Die theoretischen<br />

Inhalte werden so geplant, dass sie sowohl<br />

in Präsenz als auch im Fernunterricht<br />

möglich sind.<br />

Finatzer: Die traditionellen Jungbläserwochen<br />

werden sicher nicht in der gewohnten<br />

Form organisiert werden können.<br />

Wir diskutieren derzeit über mögliche<br />

Alternativangebote. Für das Südtiroler<br />

Jugendblasorchester (SJBO), das Euregio-Jugendblasorchester<br />

oder andere<br />

Kursangebote mit Übernachtung sehe ich<br />

heuer eher keine Möglichkeiten.<br />

Fauster: Wir müssen zur Zeit „auf Sicht planen“.<br />

Wir haben im vergangenen Herbst<br />

vorausschauend die Kursangebote vom<br />

Jänner und Februar verschoben mit der<br />

Hoffnung, dass ab März wieder einiges<br />

möglich ist. Heute wissen wir es besser<br />

– aber leider wissen wir genauso wenig,<br />

wie es weitergeht. Trotzdem hoffe ich,<br />

dass in den Sommermonaten einige musikalische<br />

und organisatorische Kursangebote<br />

möglich sind.<br />

KF: Was wünschen Sie sich – musikalisch<br />

und privat?<br />

Fischnaller: Ich wünsche mir, dass wir so<br />

bald wie möglich wieder starten können,<br />

und dass wir in der Musik in Bewegung<br />

noch kreativer werden und nach neuen<br />

Wegen suchen. Persönlich wünsche ich<br />

mir, dass es mir gelingt, möglichst viele<br />

der Ideen, die derzeit in meinem Kopf herumschwirren,<br />

zu verwirklichen.<br />

Finatzer: Ich wünsche mir, dass wir bald<br />

zur Normalität zurückkehren, dass die<br />

Impfungen und die anderen Maßnahmen<br />

erfolgreich sind, damit nicht nur<br />

mit Versprechungen Illusionen geweckt<br />

werden, die sich später als verfrüht oder<br />

falsch herausstellen: Wir brauchen das<br />

gesellige Leben!<br />

Windisch: Ich wünsche mir, dass wir das<br />

Virus in den Griff bekommen, damit wir<br />

wieder Normalität leben und unbeschwert<br />

Musik machen können. Ich wünsche mir<br />

aber auch, dass sich die Gesellschaft nicht<br />

spaltet und wir nicht in Zukunft verschiedene<br />

soziale und wirtschaftliche Lager haben.<br />

Hoffentlich gelingt es uns, die doch<br />

auch positiven Erlebnisse aus dieser Zeit<br />

mit in die Zukunft zu nehmen.<br />

Fauster: Privat bin ich einfach nur dankbar,<br />

dass meine Familie gesund ist und auch<br />

beruflich durch die Coronakrise nicht eingeschränkt<br />

ist. Musikalisch drängt es mich<br />

– und ich hoffe auch viele Musikant*innen<br />

draußen, endlich wieder musizieren zu<br />

dürfen. Und ich freue mich auf das Publikum,<br />

zu sehen, wie sehr es unsere Musik<br />

vermisst und auf uns gewartet hat. Ich<br />

bin auch dankbar für die vielen intensiven<br />

Gespräche, die wir in dieser Zeit – wenn<br />

auch fast nur online – geführt haben. Ich<br />

denke diese gegenseitige Wertschätzung<br />

bringt uns auch in Zukunft weiter.<br />

Wenn wir weiterhin kreativ bleiben, dann<br />

ist und bleibt die Blasmusik ein blühender<br />

Zweig.<br />

KF: Vielen Dank für das Gespräch und uns<br />

allen alles Gute für die Zukunft.<br />

Interview: Stephan Niederegger<br />

KulturFenster<br />

53 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


VSM intern<br />

„Treffpunkt: Organisation“<br />

Wie schön war es doch vor der Corona-<br />

Pandemie, wenn man sich bei Konzerten,<br />

Jubiläen, Versammlungen und anderen<br />

Veranstaltungen mit Mitgliedern und Funktionären<br />

aus den verschiedenen Musikkapellen<br />

des Landes immer wieder treffen<br />

konnte! Die gemeinsamen Gespräche waren<br />

für alle immer sehr wichtig und nützlich,<br />

konnten dadurch sowohl Erlebnisse und<br />

Erfahrungen ausgetauscht als auch Probleme<br />

und Sorgen angesprochen werden.<br />

Wegen der strengen Sicherheitsbestimmungen<br />

war es nun viele Monate nicht<br />

möglich, sich zu begegnen. Es blieben<br />

nur Videokonferenzen übrig.<br />

Treffpunkt Organisation<br />

Am „Treffpunkt Organisation“, welcher als<br />

Videokonferenz am 22.Februar abends<br />

durchgeführt und von mir als Verbandsobmann<br />

geleitet wurde, nahmen etliche<br />

Funktionäre teil.<br />

In Kontakt und im Gespräch bleiben<br />

Verbandsobmann<br />

Pepi Fauster<br />

Zu Beginn stand das vorherrschende<br />

Thema der Corona-Pandemie im Vordergrund.<br />

Ich erklärte, dass der Verband sich<br />

in der Politik immer wieder eingebracht<br />

und auf die unterschiedlichen Situationen<br />

mit Vorschlägen zum Musizieren reagiert<br />

habe. Dabei sei es der Arbeitsgruppe immer<br />

um drei wesentliche Punkte gegangen:<br />

- die Gesundheit der Mitglieder im Auge<br />

haben;<br />

- die Tätigkeit unserer Vereine nach Möglichkeit<br />

aufrecht zu erhalten;<br />

- die Verantwortung der Obleute nicht<br />

außer Acht lassen.<br />

Mit den gemachten Hinweisen sei man<br />

grundsätzlich gut gefahren. Leider konnte<br />

der VSM nicht selbst Entscheidungen treffen,<br />

sondern war auf jene der Politik angewiesen.<br />

Von Seiten der Teilnehmer*innen am „Treffpunkt“<br />

kamen mehr oder weniger sorgenvolle<br />

Rückmeldungen. Einige äußerten ihre<br />

Angst, dass jüngere und ältere Mitglieder<br />

möglicherweise aus dem Verein aussteigen<br />

könnten. Zudem würde ein Neustart<br />

sehr mühselig werden, weil für so lange<br />

Zeit nicht gemeinsam musiziert werden<br />

konnte. Und um das ehemalige Niveau<br />

wieder erreichen zu können, würde es sicher<br />

eine längere Zeit brauchen. Zur Sprache<br />

kam auch die Möglichkeit, in der Kirche<br />

die Messfeiern mit kleinen Ensembles<br />

mitgestalten zu können. Das war für viele<br />

doch eine willkommene Gelegenheit.<br />

Einige der Teilnehmer*innen zeigten konstruktiv<br />

auf, dass die Verantwortlichen mit<br />

ihren Mitgliedern immer wieder den Kontakt<br />

suchen, und die Kapellmeister auch<br />

Hilfen und Möglichkeiten zum Üben zu<br />

Hause weitergeben sollten. Gleichzeitig<br />

könnte der Verein auch solche Arbeiten<br />

erledigen, die vorher etwas zurückgeblieben<br />

waren, Trachten erneuern, Daten<br />

der Mitglieder genauer erfassen, usw.. Mit<br />

Freude konnte ich von einigen guten Initiativen<br />

einiger Kapellen berichten und ermunterte<br />

alle Teilnehmer, ihre Ideen auch<br />

anderen zur Verfügung zu stellen. Ich regte<br />

an, diese an die Ideenbörse des VSM zum<br />

Veröffentlichen zu schicken.<br />

Auch die Förderbeiträge des Landes wurden<br />

angesprochen, auf die die Kapellen<br />

sehnlich warteten. Ein Dauerbrenner ist<br />

auch der Dritte Sektor, bei dem es u.a.<br />

um eine neue Form der Rechnungslegung<br />

und des Jahresberichtes geht. Weitere Informationen<br />

und Diskussionen gab es zu<br />

den Punkten Mitglieder-Versammlungen,<br />

Jahresprogramm und Angebote des VSM<br />

und Zeitung „KulturFenster“.<br />

Den Teilnehmern merkte man ganz deutlich<br />

ihre derzeit gedrückte Stimmung und<br />

das Fehlen von Perspektiven an. Über den<br />

„Treffpunkt“ zeigten sie sich sehr erfreut<br />

und regten an, ihn in ca. 2-3 Monaten<br />

wieder anzubieten. Zum Schluss sprach<br />

ich allen Mut und Zuversicht zu und bat,<br />

die Hoffnung „auf bessere Zeiten“ nicht<br />

aufzugeben.<br />

Pepi Fauster<br />

„Treffpunkt: Kapellmeister“<br />

Über die große Teilnehmerzahl sehr erfreut<br />

Verbandskapellmeister<br />

Meinhard<br />

Windisch<br />

Neben der Musik fehlt uns wohl der persönliche<br />

Kontakt am meisten. Bei den<br />

persönlichen Begegnungen vor der Corona-Zeit<br />

wurden in Sitzungen nach Kon-<br />

zerten und Veranstaltungen Ideen, Anregungen<br />

und Wünsche ausgetauscht, die<br />

für mich immer sehr wichtig waren. Das<br />

Angebot dieses Online-Treffens sollte diese<br />

Möglichkeit des Austausches beinhalten<br />

– wohl wissend, dass diese einen persönlichen<br />

Kontakt niemals ersetzen können.<br />

Am 19. Februar fand der Treffpunkt „Musik“<br />

statt. Ich war über die große Teilnehmerzahl<br />

sehr erfreut. Die Teilnehmer*innen<br />

schilderten ihre aktuelle Situation und berichteten<br />

über Projekte und Tätigkeiten<br />

der vergangenen Monate. Zudem wurden<br />

interessante Links zu Online-Plattformen,<br />

Blasmusik-Blogs und Foren ausgetauscht.<br />

Diese „nützlichen Links“ sind auf der VSM-<br />

Homepage unter der Rubrik „Mediathek/<br />

Kapellmeister“ veröffentlicht (https://vsm.<br />

bz.it/mediathek/downloads-kapellmeister/).<br />

Wenn man bei den Gesprächen auch bemüht<br />

war, optimistisch in die Zukunft zu<br />

schauen, konnte man doch deutlich erkennen,<br />

dass die aktuelle Situation sehr bedrückend<br />

ist. Vor allem die große Planungsunsicherheit<br />

und die fehlenden Perspektiven<br />

machen die Situation besonders schwierig.<br />

Es gab aber auch Wortmeldungen, die aufmunternd<br />

und motivierend waren. Wir sollten<br />

uns wirklich wieder an die vielen Plakate am<br />

Anfang der Pandemie erinnern, auf denen<br />

es hieß: “ALLES WIRD GUT!“<br />

Meinhard Windisch<br />

KulturFenster<br />

54 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Blasmusik<br />

Instrumentenvorstellung? Digital!<br />

Neue Wege bei der Anwerbung von jungen<br />

Musikantinnen und Musikanten<br />

Dank der technischen Möglichkeiten eröffnen sich neue Wege, potentielle Jungmusikant*innen<br />

zu erreichen.<br />

Unsere Musikkapellen standen heuer vor der<br />

Herausforderung, hinsichtlich der Anwerbung<br />

von Jungmusikantinnen und Jungmusikanten<br />

neue Wege zu gehen: Nicht wenige<br />

haben dabei auf eine Instrumentenvorstellung<br />

in digitaler Form gesetzt.<br />

Auch Daniel Götsch, Jugendleiter der Musikkapelle<br />

Naturns und des VSM-Bezirkes<br />

Meran, hat diese Notwendigkeit erkannt und<br />

nahm sich zum Ziel, ein ansprechendes<br />

Video für Grundschüler*innen zu gestalten.<br />

Mithilfe seines Kapellmeisters Dietmar<br />

Rainer sowie Fabian Fleischmann und<br />

der Firma „Videoaktiv“ hat er seine Idee<br />

schließlich in die Tat umgesetzt.<br />

Maßgeblich beteiligt waren auch zahlreiche<br />

Musikant*innen der Musikkapelle<br />

Naturns und Berufsmusiker*innen aus<br />

umliegenden Gemeinden, welche die In-<br />

strumente auf gekonnte Art und Weise<br />

vorgestellt haben. Besonders hervorzuheben<br />

gilt die schauspielerische Leistung<br />

des Schlagzeugers Rudi Mair, der in die<br />

Hauptrolle des tollpatschigen „Walter“ geschlüpft<br />

ist. Gepaart mit speziellen visuellen<br />

Effekten bietet das Lehrvideo nicht<br />

nur für die junge Altersgruppe ein besonderes<br />

Erlebnis. Ergänzt wurde das Video<br />

mit passenden Filmaufnahmen aus dem<br />

Archiv der Musikkapelle Naturns sowie mit<br />

Bildern von diversen Veranstaltungen des<br />

Verbandes Südtiroler Musikkapellen, welcher<br />

das Projekt finanziell unterstützt hat,<br />

um es schließlich all seinen Mitgliedskapellen<br />

zur Verfügung zu stellen.<br />

Die Dreharbeiten des Videos fanden Anfang<br />

Februar im Rathaussaal von Naturns<br />

statt. Wie könnte es anders sein, hat sich<br />

die Fertigstellung des Videos durch die<br />

sich zuspitzende Corona-Pandemie verzögert.<br />

Doch umso froher können wir uns<br />

schätzen, dass wir mit Anfang März den<br />

fertigen Film in unseren Händen halten<br />

und an den Schulen des Landes präsentieren<br />

durften.<br />

Hannes Schrötter<br />

Im Rathaussaal der Gemeinde Naturns wurden<br />

die Videos zur Vorstellung der Instrumente<br />

gedreht.<br />

Rudi Mair (rechts) von der MK Naturns setzte als der „tollpatschige Walter“ seine schauspielerische<br />

Überzeugungskraft ein, um zum Erlernen eines Instrumentes zu motivieren.<br />

Das Video ist unter folgendem<br />

Link abrufbar:<br />

www.youtube.com/<br />

watch?v=uV-cbnyLJSc<br />

KulturFenster<br />

55 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Blasmusik<br />

ONline<br />

Seminare-Webinare-<br />

Workshops<br />

https://wiki.blasmusik.at/display/LS/<br />

BlasmusikOnline<br />

bewegt<br />

„Alles Show“<br />

Online-Fortbildung mit Gerhard Dopler<br />

Auch wenn die Fortbildung der Stabführer online abgewickelt werden musste, das Interesse war erfreulich groß.<br />

Die Online-Fortbildung „Alles Show“ mit Gerhard<br />

Dopler von der Militärmusik Oberösterreich<br />

hat bei den Stabführern des Landes<br />

großen Anklang gefunden. Nicht weniger als<br />

30 Teilnehmer, darunter Verbandsobmann<br />

Pepi Fauster und der stellvertretende ÖBV-<br />

Bundesstabführer Erik Brugger aus Vorarlberg,<br />

nahmen das Angebot der Fachgruppe<br />

Stabführer wahr, um sich in Sachen Marschiershow<br />

weiterzubilden.<br />

Gerhard Dopler erläuterte in strukturierter<br />

Form die notwendigen Vorbereitungen<br />

einer Showchoreografie, etwa die<br />

Probenplanung mit klaren Zielvorgaben<br />

sowie die Zusammenarbeit mit dem Kapellmeister,<br />

dem Vorstand und den Musikanten.<br />

Ebenso ist es sinnvoll, das Publikum<br />

in die Show mit einzubeziehen,<br />

um den Unterhaltungswert zu erhöhen.<br />

Geschickt eingebaute Überraschungselemente<br />

sowie Erkennungsmelodien und<br />

einfache Schrittfolgen sollen das Publikum<br />

zum Mitmachen anregen. All dies<br />

sollte bereits in der Vorbereitung berücksichtigt<br />

werden, empfahl Dopler. Am letzten<br />

Abend der dreiteiligen Fortbildung<br />

führte er praktische Beispiele vor, etwa<br />

wie eine Show grafisch dargestellt werden<br />

soll und welche technischen Hilfsmittel<br />

beim Einstudieren nützlich sind. Es<br />

muss aber nicht immer eine aufwändige<br />

Showchoreografie sein, sondern auch<br />

Gerhard Dopler ist seit 20 Jahren als Marschmusik-Bewerter<br />

tätig, er war 11 Jahre<br />

Bezirksstabführer und 4 Jahre Landesstabführer-Stellvertreter.<br />

Seit 2019 ist er<br />

Landesstabführer des Oberösterreichischen<br />

Blasmusikverbandes und beruflich seit 26<br />

Jahren bei der Militärmusik Oberösterreich<br />

für die Showchoreografie verantwortlich.<br />

einfache Elemente können für den alltäglichen<br />

Gebrauch im eigenen Dorf für<br />

Abwechslung sorgen.<br />

Klaus Fischnaller,<br />

KulturFenster<br />

56 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Blasmusik<br />

Probiert gerne Neues!<br />

Musik wieder in Bewegung bringen<br />

In ungewöhnlichem Ambiente hat die<br />

Musikkapelle Burgstall anlässlich ihrer<br />

Reise nach Neapel und Capri beim Publikum<br />

einen starken Eindruck hinterlassen.<br />

Die Begeisterung für Musik in Bewegung hat<br />

auch durch die Corona-Pandemie nicht nachgelassen.<br />

In einem virtuellen Treffen am 26.<br />

Februar <strong>2021</strong> zwischen Stabführern und Interessierten<br />

hat gezeigt, dass das Bedürfnis<br />

nach Musizieren und Marschieren groß ist.<br />

Wir Stabführer blicken voller Zuversicht<br />

auf die kommenden Monate und sind davon<br />

überzeugt, dass unsere Auftritte im<br />

Freien mit den nötigen Sicherheitsmaßnahmen<br />

stattfinden können.<br />

Aus dem Treffen der Stabführer haben sich<br />

einige Ideen für eine Wiederaufnahme der<br />

Tätigkeit ergeben, die ich hier mit euch<br />

teilen möchte. Es wurde über Sternmärsche<br />

in kleinen Gruppen – eventuell auch<br />

ohne Spiel - diskutiert, aber auch über<br />

Marschkonzerte am Dorfplatz sowie über<br />

alternative Konzepte wie z.B. Flashmobs<br />

mit Musik und Tanz. Auch Marschierproben<br />

mit dem nötigen Sicherheitsabstand<br />

wären denkbar. Natürlich müssen diese<br />

Aktivitäten auf das aktuelle Geschehen<br />

angepasst sein und sie dürfen nicht in<br />

Konflikt mit den politisch gesetzten Regeln<br />

stehen. Die Gruppengröße wird am<br />

Anfang klein gehalten werden müssen,<br />

und auch Mund und Nasenschutz werden<br />

uns noch eine Weile begleiten.<br />

Ich möchte euch einladen, aktiv zu bleiben,<br />

und auch selber nach Ideen zu su-<br />

chen, wie Musik in Bewegung auch in dieser<br />

ungewöhnlichen Zeit weiter ermöglicht<br />

werden kann. Probiert gerne Neues und<br />

freut euch über alle, die mitmachen, denn<br />

nur so schaffen wir es gemeinsam, das<br />

bereits Erreichte ständig weiterzubringen.<br />

Klaus Fischnaller<br />

VSM-Verbandsstabführer<br />

KulturFenster<br />

57 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


jung musiziert<br />

23 Jahre Jugendarbeit haben sich<br />

gelohnt; heute präsentiert sich die<br />

JuKa Lana in „stolzer“ Größe.<br />

jung musiziert<br />

JuKa Lana seit 23 Jahren aktiv<br />

Mit vielenHighlights durchdas Musikjahr<br />

23 Jahre – so lange gibt es bereits die Jugendkapelle<br />

der Bürgerkapelle Lana. Konzerte<br />

im In- und Ausland, Wettbewerbe,<br />

Sommercamps und vieles mehr, formten<br />

die Jugendkapelle zu einem nicht mehr<br />

weg zu denkenden Fundament des Vereins.<br />

Die Jugendkapelle Lana wurde 1998 vom<br />

damaligen Kapellmeister Sigmund Hofer<br />

gegründet. Lange Zeit war Christian Pichler<br />

als Jugendleiter tätig und baute die<br />

Jugendkapelle über zehn Jahre lang auf.<br />

Zeitweise gab es drei Jugendkapellen in<br />

unterschiedlichen Altersgruppen. In den<br />

letzten Jahren stand Franziska Weiss am<br />

Dirigentenpult und Sandra Kofler übernahm<br />

die organisatorische Leitung. Seit Herbst<br />

2020 übergab Franziska den Dirigierstab<br />

an die Brüder Julian und Tobias Gruber.<br />

Fixpunkteim Jahresprogramm<br />

Für die 30 Jungmusikantinnen und Jungmusikanten<br />

stehen mehrere Fixpunkte auf<br />

dem Jahresprogramm. Dazu gehören beispielsweise<br />

das Konzert beim KFS-Lana,<br />

das Muttertagskonzert im Lorenzerheim<br />

und die Weihnachtsmesse am Heiligabend.<br />

Zu den jährlichen Höhepunkten gehört das<br />

Sommercamp auf dem Vigiljoch. Neben<br />

dem gemeinsamen Musizieren und Marschieren<br />

in der Kapelle stehen vier Tage<br />

lang jede Menge Spiel und Spaß auf dem<br />

Programm. Gemeinsam mit den Betreuern<br />

unternehmen die Kinder und Jugendlichen<br />

kurze Wanderungen und testen ihr<br />

Wissen und Können bei einer Spiele-Olympiade.<br />

Abschließend wird bei einem Konzert<br />

im Freien das Erlernte den Eltern präsentiert.<br />

Das Sommercamp sowie weitere<br />

Projekte sind nur durch zahlreiche freiwillige<br />

Helferinnen und Helfer der Bürgerkapelle<br />

Lana möglich.<br />

Mit tollenIdeendurch das Jahr<br />

Ein weiterer Höhepunkt ist das Hauptkonzert<br />

bzw. Cäcilienkonzert. Mit tollen Ideen<br />

wird den Zuhörern ein abwechslungsreiches<br />

Programm präsentiert. Im Jahre<br />

2018 stand das Konzert unter dem Motto<br />

„Die Jugendkapelle Lana reist nach Amerika“.<br />

Bei diesem Konzert versuchten Franziska<br />

Weiss und Sandra Kofler zusammen<br />

mit den Jungmusikantinnen und Jungmusikanten<br />

die ausgewählten Stücke mit einer<br />

spannenden Geschichte zu verbinden. Gemeinsam<br />

wurden Ideen gesammelt, gebastelt<br />

und anspruchsvolle Musikstücke einstudiert,<br />

bis eine musikalische Geschichte<br />

mit Effekten und Showelementen entstand.<br />

Außerdem veranstaltet die Jugendkapelle<br />

jährlich eine Instrumentenvorstellung, bei<br />

der die Kinder der Grundschulen in Lana<br />

die verschiedenen Instrumente kennenlernen<br />

und die Leidenschaft für ein Instrument<br />

entdecken können.<br />

Auftritteim In- undAusland<br />

Unter der Leitung von Kapellmeister Martin<br />

Knoll nahm die Jugendkapelle mehrere<br />

Male an Wettbewerben teil. Bereits 2011,<br />

2013 und 2017 konnten die Jungmusikantinnen<br />

und Jungmusikanten Südtirol<br />

beim Bundeswettbewerb in Linz vertreten<br />

und ausgezeichnete Ergebnisse erzielen.<br />

Immer wieder unternimmt die Jugendkapelle<br />

gemeinsame Ausflüge im In- und<br />

Ausland, so spielte sie u.a. in Gargazon,<br />

Lavis und Basel.<br />

Jugendkapelle Lana,<br />

Koordination: Hans Finatzer,<br />

Verbandsjugendleiter<br />

KulturFenster<br />

58 02<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Steckbrief<br />

Name:<br />

Jugendkapelle der<br />

Bürgerkapelle Lana<br />

Jugendteam:<br />

Sandra Kofler, Tobias Gruber,<br />

Julian Gruber und viele<br />

Helferinnen und Helfer<br />

Jungmusikanten:<br />

ca. 30 Kinder und Jugendliche<br />

Mit ihrer Musik engagieren sich die jungen Musi-<br />

kantinnen und Musikanten für die Dorfgemeinschaft<br />

von Lana.<br />

MaraKaufmann<br />

Mein Name: Mara Kaufmann<br />

Alter: 10 Jahre<br />

Ich spiele: Klarinette<br />

Ich lerne dieses Instrument, weil: meine Schwester auch Klarinette spielt und<br />

es mir gefällt.<br />

In meiner Freizeit höre ich gerne: unterschiedliche Musikrichtungen, wie Pop-,<br />

Blasmusik, usw.<br />

Was gefällt dir besonders an der JuKa? Mit anderen Musikanten musizieren<br />

zu können und Spaß zu haben.<br />

Drei Dinge, die du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest: meine Klarinette,<br />

meine Familie und Bücher<br />

Wenn ich einen Wunsch frei hätte…würde ich mir wünschen, dass alle Menschen<br />

glücklich sind.<br />

Leo Schwienbacher<br />

NELLY<br />

Mein Name: Leo Schwienbacher<br />

Alter: 11 Jahre<br />

Ich spiele: Horn<br />

Ich lerne dieses Instrument, weil: es mir Spaß macht<br />

In meiner Freizeit höre ich gerne: Popmusik und Brass<br />

Was gefällt dir besonders an der JuKa? Das miteinander Musizieren und die<br />

Gemeinschaft<br />

Drei Dinge, die du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest: meine Freunde,<br />

mein Instrument und eine Badehose<br />

Wenn ich einen Wunsch frei hätte… wieder ein normales Leben ohne Corona !<br />

Elias Holzner<br />

Mein Name: Elias Holzner<br />

Alter: 15<br />

Ich spiele: Trompete<br />

Ich lerne dieses Instrument, weil: ich immer schon ein Instrument lernen wollte<br />

und mich dann jemand gefragt hat, ob ich Trompete lernen will.<br />

In meiner Freizeit höre ich gerne: alles gemischt<br />

Was gefällt dir besonders an der JuKa: mit Freunden zu musizieren<br />

Drei Dinge, die du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest: Freunde, Familie<br />

und ein Boot<br />

Wenn ich einen Wunsch frei hätte: den Hass stoppen<br />

KulturFenster<br />

59 02<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Ein Hauch von “VinschgerWind“<br />

inden Klassenzimmern Wiens<br />

Der Musikstudent Max Calanducci im Gespräch<br />

Max Calanducci, aufgewachsen in Schlanders,<br />

ist seit einigen Jahren als Musikstudent<br />

in Wien beheimatet. Als Schlagwerker<br />

fühlt er sich musikalisch eigentlich in<br />

der letzten Reihe des Orchesters zu Hause,<br />

doch seit der Corona-Krise hat er eine neue<br />

Leidenschaft für sich entdeckt: Er entwirft<br />

und vermittelt digitale Musikprojekte an<br />

Österreichs Schulen.<br />

Max Calanducci beim Videodreh im historischen<br />

Archiv der Wiener Philharmoniker<br />

(Copyright Max Calanducci)<br />

Hannes Schrötter: Max, seit Ausbruch der<br />

Corona-Pandemie bist du in der digitalen<br />

Musikvermittlung tätig. Woher kam die<br />

Idee, in diese Sparte einzusteigen?<br />

Max Calanducci: In letzter Zeit denke ich<br />

mir oft, es ist gar nicht so ungewöhnlich,<br />

dass ich hier gelandet bin. Die vergangenen<br />

sechs Jahre habe ich vor allem damit<br />

verbracht, Schlagwerk zu spielen und<br />

zwei musikpädagogische Studien zu absolvieren.<br />

Nebenbei habe ich mich immer<br />

schon viel mit Neuen Medien und Multimedia<br />

auseinandergesetzt. Dann kam Corona<br />

und plötzlich war alles digital. Daraufhin<br />

platzten die Ideen förmlich aus<br />

mir heraus, nun konnte ich nämlich all<br />

meine Fähigkeiten gebündelt anwenden.<br />

Ich habe dann einige Konzepte entwickelt,<br />

wie man Musik und generell Kultur auch<br />

digital vermitteln kann. Die Wiener Philharmoniker<br />

– genauer gesagt, deren Musikvermittlungsprogramm<br />

passwort:klassik<br />

– stimmte im Juni vergangenen Jahres einer<br />

Kooperation zu und seitdem arbeite<br />

ich fix in diesem Bereich.<br />

Schrötter: Die Palette an digitalen Möglichkeiten<br />

ist sicherlich breit. In welcher Form<br />

hast du deine Ideen bisher umgesetzt?<br />

Calanducci: Aktuell läuft digitale Kommunikation<br />

stark über Videos ab. Man findet<br />

zu fast jedem Thema tolle Videos auf You-<br />

Tube oder in den Sozialen Medien. Und<br />

hier liegt ein großes Potenzial: Man kann<br />

damit vor allem junge Menschen erreichen<br />

- sie fühlen sich im digitalen Raum<br />

nämlich besonders wohl. Zurzeit ist das<br />

ja sozusagen die einzige Möglichkeit für<br />

Jugendliche, mit der Außenwelt zu kommunizieren.<br />

Diese Chance möchte ich<br />

nutzen und hier anknüpfen. Deshalb produziere<br />

ich interaktive Videos, z.B. mit Mitgliedern<br />

der Wiener Philharmoniker. Diese<br />

führen die Zuseher in verschiedene musikalische<br />

Werke ein, erklären ihr Instrument<br />

und erzählen aus ihrem Leben als<br />

Orchestermusiker*in. Diese Videos füge<br />

ich dann in ein Online-Tool ein, in dem<br />

man viele weitere Infos zu den Werken<br />

findet, geschmückt mit Rätseln, Aufgaben,<br />

etc... Die Inhalte variieren je nachdem,<br />

was mein Kooperationspartner gerne<br />

einfügen möchte. Der Zugang zum Online-Tool<br />

wird dann schließlich an die Zielgruppe<br />

geschickt.<br />

Schrötter: Welche Inhalte durftest du dabei<br />

behandeln?<br />

Calanducci: Bis jetzt hatte ich mit vielen<br />

interessanten Werken von Arnold Schönberg<br />

bis Ludwig v. Beethoven zu tun. Sergej<br />

Prokofjews „Romeo und Julia“ war sicherlich<br />

ein Highlight. Interessant sind<br />

aber auch persönliche Einblicke in das<br />

Leben von Musiker*innen. Ein Interview<br />

dieser Art zu drehen macht wirklich Spaß.<br />

Schrötter: Welche Zutaten wirfst du in einen<br />

Topf, um Kindern ein bleibendes musikalisches<br />

Erlebnis zu bieten?<br />

Calanducci: Ich sehe meine Produktionen<br />

prinzipiell ja nicht als Ersatz-, sondern als<br />

Zusatzangebot zum Live-Erlebnis. Als Musiker<br />

weiß ich genau, dass nichts ein Live-Konzert<br />

überbieten kann. Was ich aber anbieten<br />

kann – vor allem in Zeiten sozialer Distanz –<br />

ist der Blick hinter die Kulissen. Wie ist es<br />

eigentlich auf einer Bühne zu musizieren?<br />

Was macht man als Musiker*in vor und nach<br />

dem Konzert? Wie funktioniert eigentlich ein<br />

Instrument? Wie kann ich selbst Musiker*in<br />

werden? Für diese Fragen bleibt bei einem<br />

Konzert in der Regel ja keine Zeit. Ich versuche<br />

daher, Publikum und Musiker*innen<br />

einander näher zu bringen. Das ist nicht nur<br />

ein anderes musikalisches Erlebnis, sondern<br />

ein komplett neues.<br />

KulturFenster<br />

60 02<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Schrötter: Kannst du dir vorstellen nach<br />

Ende der Pandemie auch „analoge“ Projekte<br />

durchzuführen, oder möchtest du<br />

dich weiterhin auf die digitale Schiene der<br />

Musikvermittlung konzentrieren?<br />

Calanducci: Nebenbei unterrichte ich<br />

auch an einer Musikschule einige Stunden<br />

Schlagzeug und Klavier. Das ist für mich<br />

eine tolle Abwechslung zum Digitalen und<br />

macht mir unglaublich viel Spaß. Diese<br />

Mehrgleisigkeit gefällt mir zurzeit sehr gut.<br />

Aber ich lasse mich überraschen, was die<br />

Zukunft bringt.<br />

Schrötter: Hast du einen für dich brauchbaren<br />

Weg zur Umsetzung des Online-Unterrichts<br />

gefunden, oder kommt da auch ein<br />

ausgefeilter Techniker an seine Grenzen?<br />

Calanducci: Online-Unterricht unterscheidet<br />

sich in vielen Bereichen vom Unterricht in<br />

Präsenz, so viel steht fest. Trotzdem kann<br />

man ihn soweit optimieren, dass ein guter<br />

Unterricht möglich ist. Zur Grundausstattung<br />

gehören hier eine externe Kamera,<br />

z.B. eine Webcam, und ein externes Mikrofon.<br />

Das erhöht die Qualität des Unterrichts<br />

maßgeblich. Uns werden im Online-<br />

Unterricht ja alle Sinne genommen bis auf<br />

das Sehen und Hören, daher müssen wir<br />

diese umso mehr nutzen. Ich persönlich<br />

verwende zum Unterrichten ein Headset<br />

und mehrere Kameras, zwischen denen<br />

ich dann wechsle, dadurch kann ich den<br />

Schüler*innen immer den Blickwinkel bieten,<br />

der für sie gerade hilfreich ist. So entsteht<br />

dann eine gute Unterrichtssituation.<br />

Mittlerweile habe ich sogar einen Schüler,<br />

den ich seit Beginn ausschließlich online<br />

unterrichtet habe.<br />

Schrötter: Wie lange liegt die letzte Musikschulstunde<br />

in Präsenz in Österreich<br />

mittlerweile zurück (Stand: 10.03.<strong>2021</strong>)?<br />

Calanducci: Im neuen Schuljahr im Herbst<br />

ging es zuerst einmal in Präsenz los. Dann<br />

stiegen die Corona-Zahlen und wir stellten<br />

auf online um. Ich glaube, das war Ende<br />

Oktober oder Anfang November.<br />

Schrötter: Auf welches (kulturelle) Ereignis<br />

freust du dich in der „Nach-Corona-<br />

Zeit“ am meisten?<br />

Calanducci: Wieder einmal ein ganzes Konzert<br />

mit Publikum und auf einer großen<br />

Bühne zu spielen, das wird wirklich aufregend<br />

werden. Auch mit meiner Band „The<br />

Koalas“ wieder einmal bei einem Festival<br />

mit einer großen Anlage aufzutreten, wäre<br />

toll. Aber das wird noch etwas dauern.<br />

Schrötter: Eine letzte Frage: Wiener Walzer<br />

oder Tiroler Marsch?<br />

Calanducci: Wenn ich dafür wieder einmal<br />

ein Konzert spielen darf, bin ich da<br />

nicht wählerisch!<br />

Interview: Hannes Schrötter<br />

Weitere Einblicke<br />

gibt es unter:<br />

www.maxcalanducci.com<br />

(Virtueller)Treffpunkt derJugend<br />

Jugendleiter-Stammtisch kommt gut an<br />

Verbandsjugendleiter-Stellvertreter<br />

Hannes Schrötter<br />

Am 23. Februar fand der erste landesweite<br />

Jugendleiter-Stammtisch statt. Insgesamt<br />

106 Jugendleiter aus allen Teilen Südtirols<br />

nahmen an der digitalen Versammlung teil.<br />

Es wurde unter anderem über die Organisation<br />

der heurigen Sommerwochen, über<br />

die zukünftige Abwicklung der Leistungsabzeichen<br />

und über die neue Jugendseite<br />

im „KulturFenster“ diskutiert.<br />

Die Idee des Stammtisches wurde von den<br />

Teilnehmern sehr gut aufgenommen: Endlich<br />

könne man sich mit anderen Jugendleitern<br />

austauschen, und somit neue kreative<br />

Ideen für die eigene Jugendkapelle<br />

sammeln. Alle Teilnehmer freuen sich jedenfalls<br />

schon auf das nächste Treffen!<br />

Hannes Schrötter<br />

Verbandsjugendleiter-Stellvertreter<br />

IneigenerSache...<br />

Wir, Anna Vonmetz, Alexander Mayr<br />

und Hannes Schrötter, allesamt Mitglieder<br />

der VSM-Fachgruppe Jugend,<br />

haben uns zum Ziel gesetzt, der Jugendarbeit<br />

weiterhin ihren festen Platz<br />

im „KulturFenster“ zukommen zu lassen.<br />

Dabei sehen wir die Zeitschrift als<br />

Plattform der Information, der Präsentation<br />

und des Gedankenaustausches<br />

zwischen den Kapellen, als einen Platz,<br />

wo die Jugendleiter*innen unseres Landes<br />

zu Wort kommen können.<br />

Wir veröffentlichen...<br />

- Vorstellungen von Jugendkapellen<br />

und besonderen Projekten<br />

- Porträts und Interviews von Persönlichkeiten<br />

rund um unsere Blasmusikjugend<br />

- Neuigkeiten aus dem Verband, seinen<br />

Partnerverbänden und der Welt der<br />

Blasmusik<br />

- Und vieles mehr...<br />

Ihr wollt eure Projekte vorstellen, habt Anregungen<br />

oder Themenwünsche, die wir<br />

in den kommenden Ausgaben behandeln<br />

sollen?<br />

Dann schreibt uns eine Email an:<br />

hannes.schroetter@vsm.bz.it<br />

oder an: kulturfenster@vsm.bz.it<br />

KulturFenster<br />

61 02<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Jungblaserwochenund<br />

Jungblasertageabgesagt! abgesagt<br />

:<br />

:<br />

Sommerangebote <strong>2021</strong> des VSM<br />

Trotz aller Hoffnungen auf eine<br />

schnelle Rückkehr zur Normalität<br />

sehen wir uns gezwungen, die vom<br />

VSM geplanten Sommerangebote<br />

auf Verbands- und Bezirksebene<br />

für Jungmusikant*innen abzusagen.<br />

Bereits 2020 galt es als absolute<br />

Ausnahme und nahezu unvorstellbar,<br />

unsere gesamten Sommerangebote<br />

zu streichen. Die Jungbläserwochen<br />

in Nals, Brixen und<br />

Dietenheim sowie das Südtiroler<br />

Jugendblasorchester, aber auch<br />

die verschiedenen Jungbläsertage<br />

auf Bezirksebene waren und<br />

sind fester Bestandteil der musikalischen<br />

und sozialen Weiterbildung<br />

für Kinder und Jugendliche,<br />

welche niemand je in Frage gestellt<br />

hätte. Überrollte uns im Vorjahr<br />

buchstäblich die Welle der Pandemie,<br />

so wich dies im heurigen<br />

Jahr einer Mischung aus Gewohnheit,<br />

Hoffnung und Resignation.<br />

Kein Wahrsager, Virologe oder Forscher<br />

kann uns mit Sicherheit sagen, was wir in<br />

einem Monat oder im Sommer organisieren<br />

können.<br />

Alles steht und fällt mit der epidemiologischen<br />

Entwicklung, der Impf- und Teststrategie.<br />

Die aktuelle Planungsunsicherheit<br />

und eine sich noch nicht abzeichnende<br />

Entspannung der Lage lässt aus unserer<br />

Sicht die Austragung dieser Projekte in<br />

„<br />

Wir sind davon überzeugt, dass wir<br />

trotz möglicher Einschränkungen<br />

gemeinsam in der Lage sein werden,<br />

unserem musikalischen Nachwuchs<br />

einen erlebnisreichen Sommer<br />

zu bieten.<br />

„<br />

Hans Finatzer<br />

Hannes Schrötter<br />

ihrer gewohnten Form und vor allem in<br />

der bekannten Größenordnung nicht zu.<br />

Es ist aus heutiger Sicht nicht realistisch<br />

mit einer Gruppe von 50 oder mehr Personen<br />

zusammen zu proben, essen und<br />

zu wohnen.<br />

Um den zahlreichen Jungmusikant*innen<br />

in unserem Land dennoch musikalisch etwas<br />

anzubieten, arbeitet die Fachgruppe<br />

„Jugend“ an einem Unterstützungspaket,<br />

mit dem der VSM Projekte auf Ebene der<br />

einzelnen Vereine und Jugendkapellen fördern<br />

will. Dieses Paket wird im Laufe der<br />

kommenden Wochen geschnürt und veröffentlicht.<br />

Soviel kann verraten werden:<br />

Einzelne Jugendkapellen, Vereine und Organisatoren<br />

können um Kostenbeiträge<br />

für die Beauftragung von Lehrpersonal<br />

für ihre Sommeraktivitäten beantragen.<br />

Aufgrund der unsicheren Situation empfehlen<br />

wir den Kapellen (einzelnen oder<br />

in Zusammenarbeit mit Nachbarskapellen)<br />

ihre Angebote in Form einer Halboder<br />

Ganztagesbetreuung in Kleingrup-<br />

pen durchzuführen - sofern möglich, sollte<br />

aus den bekannten Gründen für diese<br />

Veranstaltungen ein Platz im Freien gewählt<br />

werden. Ob und unter welchen Auflagen<br />

ein Angebot in Kleingruppen - ähnlich<br />

dem Alpenverein oder der Jungschar<br />

- mit Übernachtung durchgeführt werden<br />

kann, steht zum Redaktionsschluss dieser<br />

Ausgabe des „KulturFensters“ noch<br />

nicht fest.<br />

Wir sind davon überzeugt, dass wir trotz<br />

möglicher Einschränkungen gemeinsam in<br />

der Lage sein werden, unserem musikalischen<br />

Nachwuchs einen erlebnisreichen<br />

Sommer zu bieten. Gleichzeitig freuen wir<br />

uns wieder auf die Zeit, in der die Projekte<br />

des Verbandes und der Kapellen wieder<br />

uneingeschränkt möglich sein werden.<br />

Hans Finatzer<br />

Verbandsjugendleiter<br />

Hannes Schrötter<br />

Verbandsjugendleiterstellvertreter<br />

KulturFenster<br />

62 02<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


hinausgeblickt<br />

Alles Gute zum Geburtstag!<br />

70 Jahre Österreichischer Blasmusikverband<br />

Am vergangenen<br />

4. März feierte der<br />

Österreichische Blasmusikverband<br />

70-sten<br />

Geburtstag. Bei der Sondersendung<br />

aus dem Online-Blasmusikstudio<br />

des<br />

ÖBV wurde die Kurzfassung<br />

der Jubiläumschronik<br />

vorgestellt und<br />

Bundeskapellmeister<br />

Walter Rescheneder war<br />

zu Gast im „Studio 2“<br />

im Fernsehprogramm<br />

des ORF2.<br />

Am 4. März 1951 haben<br />

im Hotel „Weißes<br />

Kreuz“ in Innsbruck<br />

die Blasmusik-Landesverbände von Vorarlberg,<br />

Tirol, der Steiermark, Kärnten und<br />

Oberösterreich eine Arbeitsgemeinschaft<br />

gegründet. Dies gilt als Grundstein des<br />

heutigen Österreichischen Blasmusikverbandes<br />

(ÖBV), der 1959 formell konstituiert<br />

wurde. Heute zählt der Verband 2163<br />

Musikkapellen mit rund 111.000 aktiven<br />

Musikantinnen und Musikanten in den<br />

neun Bundesländern.<br />

Der Liechtensteiner Blasmusikverband<br />

(LBV) und<br />

der Verband Südtiroler<br />

Musikkapellen (VSM)<br />

sind als 10. und 11. musikalisches<br />

Bundesland<br />

im ÖBV vertreten.<br />

Partnerschaftsvertrag<br />

des VSM<br />

mit dem ÖBV<br />

Der VSM wurde bereits<br />

1948 gegründet. Zehn<br />

Jahre später, zur offiziellen<br />

Gründung des Österreichischen<br />

Blasmusikverbandes, war<br />

eine Delegation aus Südtirol angereist.<br />

Seither gab es eine enge Zusammenarbeit<br />

über die Grenzen hinweg. 1971 wurden<br />

in Südtirol die zwei Jahre zuvor bereits in<br />

Österreich eingeführten Jungmusikerleistungsabzeichen<br />

(heute: „Leistungs-<br />

Ein historischer Moment: am 23. Oktober<br />

2002 haben ÖBV-Präsident Friedrich<br />

Weyermüller (rechts) und VSM-Obmann<br />

Gottfried Furgler im Rittersaal von<br />

Schloss Prösels den Partnerschaftsvertrag<br />

unterzeichnet.<br />

Anlässlich der letztjährigen VSM-<br />

Jahreshauptversammlung hat ÖBV-<br />

Präsident Erich Riegler die Südtiroler<br />

Partner per Videobotschaft zu<br />

den Jubiläumsveranstaltungen <strong>2021</strong><br />

eingeladen.<br />

abzeichen“) übernommen,<br />

die sich<br />

seither einer großen<br />

Beliebtheit erfreuen<br />

und die Musikantinnen<br />

und Musikanten<br />

alljährlich zu<br />

großartigen Leistungen<br />

motivieren. 2002<br />

wurde die grenzüberschreitende<br />

Kooperation<br />

schließlich durch<br />

die Unterzeichnung<br />

eines formellen Partnerschaftsvertrages<br />

institutionalisiert und<br />

somit auf eine höhere<br />

Stufe gehoben. Damit<br />

wurde der VSM<br />

offiziell in eine große Kulturlandschaft<br />

eingebettet, seine fachliche Arbeit anerkannt<br />

und als Mitglied in die verschiedenen<br />

Bundeskonferenzen aufgenommen.<br />

In jedem Satz des Vertrages sei das gegenseitige<br />

Wohlwollen zu spüren, unterstrichen<br />

VSM-Obmann Gottfried Furgler<br />

und ÖBV-Präsident Friedrich Weyermüller<br />

anlässlich der damaligen Vertragsunterzeichnung<br />

auf Schloss<br />

Prösels. Dadurch sei die<br />

Partnerschaft eine gegenseitige<br />

Bereicherung,<br />

damit beide Verbände<br />

als ebenbürtige Partner<br />

„ihr Wissen und ihre Begeisterung<br />

für die Blasmusik<br />

weiterentwickeln<br />

und weitergeben können“.<br />

Mit diesem Vertrag<br />

sei die jahrzehntelange<br />

Freundschaft und der gegenseitige<br />

Respekt beider<br />

Verbände verbrieft:<br />

„Diese Zusammenarbeit<br />

ist im ÖBV von großer Bedeutung<br />

und in jeder Hinsicht wertvoll.“<br />

Zum heurigen Jubiläumsjahr sind – vorbehaltlich<br />

etwaiger Covid-19-Einschränkungen<br />

– mehrere Höhepunkte geplant,<br />

an denen auch der Verband Südtiroler<br />

Musikkapellen teilnehmen wird.<br />

Stephan Niederegger<br />

KulturFenster<br />

63 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


hinausgeblickt<br />

„Willkommen in Bozen“<br />

Thomas Ludescher übernimmt Lehrstuhl<br />

Thomas Ludescher wurde vom italienischen Ministerium für Universität und Forschung zum<br />

Professor für Blasorchesterleitung und Instrumentation in Bozen berufen. Seit dem Jahr<br />

2010 bietet die Musikhochschule in Bozen den Lehrstuhl Instrumentierung für Blasorchester<br />

und Blasorchesterleitung an. Nach einem Auswahlverfahren wurde vor kurzem dem aus<br />

Vorarlberg stammenden Dirigenten, Komponisten und Musikpädagogen die Professur zugesprochen.<br />

Er folgt damit auf Walter Ratzek (2016-2019) und Thomas Doss (2011-2016).<br />

Thomas Ludescher unterzeichnete Mitte Februar<br />

den Vertrag, sein Engagement startete<br />

mit dem Sommersemester. Der Studiengang<br />

umfasst ein Triennium mit Bachelor-Abschluss<br />

und ein darauf folgendes Biennium<br />

mit Master-Abschluss. Das Studium kann<br />

als ordentliches universitäres Vollzeit-Studium<br />

oder als außerordentliches universitäres<br />

Teilzeit-Studium absolviert werden.<br />

Zudem gibt es die Möglichkeit, an einzelnen<br />

Lehrveranstaltungen teilzunehmen. Die<br />

Musikhochschule „Claudio Monteverdi“ ist<br />

seit fast einem Jahrhundert ein Treffpunkt<br />

zwischen der italienischen und österreichisch-deutschen<br />

Musikkultur.<br />

Zurzeit befindet sich die Musikhochschule<br />

in einer Phase des Überganges zu einer<br />

musikalischen Fakultät der Freien Universität<br />

Bozen - ein Prozess, der zur weiteren<br />

Bereicherung des Ausbildungsangebotes<br />

beitragen wird.<br />

Stephan Niederegger<br />

Zur Person<br />

Thomas Ludescher (Jahrgang 1969)<br />

absolvierte die Studien Trompete, Musikpädagogik,<br />

Komposition und Dirigieren<br />

am Landeskonservatorium<br />

Feldkirch, an der Musikuniversität<br />

Wien und an der Musikhochschule<br />

Augsburg – Nürnberg und erlangte<br />

1996 den akademischen Grad „Magister<br />

artium“. Er besuchte Meisterkurse<br />

bei namhaften internationalen<br />

Dirigentenpersönlichkeiten und erreichte<br />

im Jahr 2005 den ersten Preis<br />

beim Dirigentenwettbewerb „PRIX<br />

CREDIT SUISSE“.<br />

Mit dem Orchester WINDWERK MU-<br />

SICPROJECT, ehemals Sinfonisches<br />

Blasorchester Vorarlberg, dessen<br />

Gründer und Dirigent er ist, errang er<br />

mehrfach höchste Auszeichnungen<br />

bei internationalen Wettbewerben.<br />

Weiters leitete Thomas Ludescher<br />

das Nationale Jugendblasorchester<br />

Österreich, das Fanfareorchester<br />

West Austrian Wings und die Brassband<br />

3BA Concert Band. Seit vielen<br />

Jahren wirkt er international als Juror<br />

und Gastdirigent.<br />

Thomas Ludescher lehrt an den Landeskonservatorien<br />

Innsbruck und<br />

Feldkirch und ist seit 2014 Direktor<br />

Thomas Ludescher vor seiner „neuen Arbeitsstelle“<br />

der Musikschule Brandnertal, die er in<br />

kurzer Zeit zu einer sehr renommierten<br />

musikalischen Bildungseinrichtung für<br />

Kinder, Jugendliche und Erwachsene<br />

entwickelte.<br />

„Wer immer nur das tut, was er sich zutraut,<br />

kann nie über sich hinauswachsen“,<br />

lautet die Devise von Thomas Ludescher,<br />

dessen musikalischer Weg als 9-Jähriger<br />

auf dem Flügelhorn bei der Harmoniemusik<br />

Dalaas begonnen hat und der<br />

durch sehr zielorientiertes Schaffen<br />

viele außergewöhnliche Höhepunkte<br />

erreichte. Er setzt voll Freude seinen<br />

nächsten Schritt und ist begeistert,<br />

dass er zukünftig seine Fähigkeiten und<br />

jahrzehntelangen Erfahrungen mit Studierenden<br />

teilen und ergründen darf.<br />

KulturFenster<br />

64 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Blasmusik<br />

Thomas Ludescher im Gespräch<br />

KF: Wie wichtig ist für Sie die Zusammenarbeit<br />

mit dem Verband Südtiroler Musikkapellen?<br />

Ludescher: Die Zusammenarbeit und Synergien<br />

mit den verschiedensten Stakeholdern,<br />

im Besonderen dem Verband<br />

Südtiroler Musikkapellen (VSM) und dem<br />

Professorenkollegium sind mir enorm wichtig.<br />

Dazu wird es viele Gespräche geben.<br />

Wir werden Pläne schmieden und Konzepte<br />

erstellen. Mein Kopf ist voller Ideen!<br />

Thomas Ludescher war schon mehrmals Gastreferent bei Fortbildungsveranstaltungen des<br />

VSM – im Bild die Lehrprobe mit der MK Luttach beim Kapellmeisterseminar des VSM-<br />

Bezirks Bruneck 2015<br />

KF: Haben Sie bereits konkrete Projekte<br />

vor Augen?<br />

Ludescher: Lassen Sie sich überraschen!<br />

Auf der Homepage des Konservatoriums<br />

sind laufend die Informationen zum Studiengang<br />

und den Zulassungsprüfungen<br />

veröffentlicht.<br />

KulturFenster: Was hat Sie bewogen, sich<br />

für die Professur in Bozen zu bewerben?<br />

Thomas Ludescher: Zum einen ist es die<br />

Aufgabe und Herausforderung, mit einem<br />

Lehrstuhl das Berufsbild eines Blasorchesterdirigenten<br />

formen und gestalten zu<br />

können. Zum anderen ist es das optimale<br />

Umfeld, wie es in Südtirol und im Grenzbereich<br />

zu Österreich, Deutschland und<br />

Schweiz vorzufinden ist.<br />

KF: Wie sehen Sie den Studiengang in Bozen<br />

im internationalen Kontext?<br />

Ludescher: Es gibt nicht viele Professuren<br />

dieser Art. Das Besondere in Bozen ist,<br />

dass neben Blasorchesterleitung auch die<br />

Fächer Instrumentierung und Komposition<br />

enthalten sind - ein Zweig, der enorm<br />

wichtig ist. Mir sind auch Themen wie Sozialkompetenz,<br />

Forschung, breiter Genre-<br />

Horizont, Musik- und Kulturvermittlung,<br />

Dramaturgie, neue Konzertformate sehr<br />

wichtig und Teil „meiner Philosophie“. Ich<br />

werde das Berufsbild eines Blasorchesterdirigenten<br />

neu denken.<br />

KF: Wie viele Studierende werden Sie betreuen?<br />

Ludescher: Fürs erste übernehme ich<br />

eine bestehende Klasse mit 12 Studentinnen<br />

und Studenten und werde einen<br />

der momentanen Situation angepassten<br />

optimalen Unterricht anbieten. Die Pandemie<br />

lässt momentan keinen optimalen<br />

Präsenz-Unterricht zu. Onlineunterricht<br />

hingegen ist gerade in unserem Fach<br />

eine große Herausforderung. Ich habe ein<br />

Konzept aus Onlineunterricht und künstlerischem<br />

Einzelunterricht erstellt. Mehr<br />

ist aktuell (Stand: 8. März) nicht möglich.<br />

Wie sich die Lage weiterentwickelt, wird<br />

man mit Geduld sehen.<br />

KF: Wie sehr leiden die Blasmusik im Allgemeinen<br />

und die Musikkapellen im Besonderen<br />

unter der Pandemie?<br />

Ludescher: Der Neustart wird für uns alle<br />

zu einer großen Herausforderung mit vielen<br />

Fragen, Entwicklungen und einer Portion<br />

Ungewissheit. Wir werden unsere Szene<br />

neu denken müssen. Ich hoffe, dass wir<br />

den Stillstand nutzen und uns Gedanken<br />

für die Zeit danach machen. Jede Krise<br />

birgt eine Chance. Wir – alle Beteiligten,<br />

von den Musikantinnen und Musikanten<br />

über Funktionäre, von Kulturfunktionären,<br />

über Politiker bis zum Verband, Vertretern<br />

der Volkskultur, Verlage, Medien u.a. müssen<br />

zusammenarbeiten und Synergien nutzen.<br />

Persönlich glaube ich, dass wir nur mit<br />

einer breiten Volkskultur aus dieser Krise<br />

herauskommen, vor allem was die sozialen<br />

und gesellschaftlichen Themen betrifft.<br />

Interview: Stephan Niederegger<br />

Aus der Redaktion<br />

Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten<br />

senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it<br />

Redaktionsschluss für<br />

die nächste Ausgabe<br />

des KulturFensters ist<br />

Freitag, 14. Mai <strong>2021</strong><br />

KulturFenster<br />

65 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


hinausgeblickt<br />

Neues aus der<br />

Kaiserlichen Hofburg<br />

Die Innsbrucker Promenadenkonzerte rüsten<br />

sich zum Neustart<br />

unserer Gefühle und unserer Wahrnehmung,<br />

auch für eine Verständigung der<br />

Gesellschaft über ihre Gegenwart und ihre<br />

Zukunft, die wir schmerzlich vermissen.“<br />

(Bernhard Schlögl)<br />

Klangvoller Beginn am 3. Juli<br />

Dennoch räumt Schlögl ein, dass die Zeit reif<br />

ist, ernsthaft darüber zu diskutieren, welche<br />

Bedeutung das kreative und künstlerische<br />

Gestaltungswissen in einer zukunftsfähigen<br />

Moderne einnehmen könnte. Obwohl eine<br />

geplante Bildungskooperation mit einer österreichischen<br />

Musikuniversität bereits auf das<br />

nächste Jahr verschoben werden musste,<br />

ein internationaler Dirigierwettbewerb ad<br />

acta liegt und noch nicht sicher ist, welche<br />

der 36 geladenen Orchester im Sommer tatsächlich<br />

nach Innsbruck kommen können,<br />

soll am 3. Juli eröffnet werden. Der künstlerische<br />

Output verspricht ebenfalls Neuerungen.<br />

Neben dem europäischen Renommee<br />

exzellenter Bläsermusik, finden sich in<br />

Zukunft vermehrt auch Symphonieorchester<br />

und Kammerensembles auf dem Spielplan.<br />

Auch die heimische Szene wird hochkarätig<br />

sowie spielfreudig vertreten sein und der<br />

langen Durststrecke hoffentlich ein klangvolles<br />

Ende bereiten. Gespielt wird im Innenhof<br />

der Kaiserlichen Hofburg sowie im<br />

Haus der Musik in Innsbruck.<br />

Stephan Niederegger<br />

Die Innsbrucker Promenadenkonzerte<br />

beeindrucken auch durch das besondere<br />

Flair im Innenhof der Kaiserlichen<br />

Hofburg in Innsbruck.<br />

Als kleine Idee im Garten der Siebererschule<br />

geboren und später in die Hofburg<br />

übersiedelt, sind die Innsbrucker Promenadenkonzerte<br />

mittlerweile zu musikalischer<br />

Tradition geworden und gehören zu den<br />

wichtigsten Blasmusikfestivals. Nach der<br />

coronabedingten Schaffenspause 2020 ist<br />

unter dem Motto „Mut zum Träumen” nicht<br />

nur ein klangvoller Beginn der Sommerfestivals<br />

geplant, sondern auch ein völliger<br />

Neustart der renommierten und beliebten<br />

Konzertreihe.<br />

Es ist hinlänglich bekannt, dass der Kunstund<br />

Kulturbereich ideell und finanziell unter<br />

dem Spielverbot leidet, über dessen Ende<br />

nur spekuliert werden kann. Was uns bleibt,<br />

ist der Mut und die Hoffnung, von einer<br />

besseren Zeit zu träumen. Die Szene hat<br />

sich seit dem Beginn der Pandemie, ihrem<br />

Naturell entsprechend, dennoch äußerst<br />

kreativ gezeigt und Konzerte kurzerhand<br />

in unsere Wohnzimmer gestreamt.<br />

Eine Möglichkeit, die für die Innsbrucker<br />

Promenadenkonzerte und den künstlerischen<br />

Leiter Bernhard Schlögl dennoch<br />

nicht in Frage kommt.<br />

„Unsere Konzerte brauchen den realen<br />

Raum, sie leben von der Atmosphäre im<br />

Innenhof der Hofburg und dem Musikgenuss<br />

an lauen Sommerabenden. Die<br />

Künste sind lebenswichtige Kraftwerke<br />

Im Gespräch mit dem neuen<br />

künstlerischen Leiter<br />

Bernhard Schlögl ist seit Herbst 2019 künstlerischer<br />

Leiter der Innsbrucker Promenadenkonzerte<br />

und damit Nachfolger von Alois<br />

Schöpf, der die Konzertreihe initiiert und 25<br />

Jahre lang geleitet hat.<br />

KulturFenster: Was macht ein künstlerischer<br />

Leiter?<br />

Bernhard Schlögl: Meine spannende Aufgabe<br />

als künstlerischer Leiter besteht in erster<br />

Linie darin, aus knapp 40 Orchestern<br />

aus ganz Europa in unterschiedlichster Besetzung<br />

und aus über 400 Werken einen<br />

KulturFenster<br />

66 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Blasmusik<br />

möglichst ansprechenden Spielplan zu erstellen.<br />

Dazu kommen noch verschiedene<br />

kaufmännische und organisatorische Aufgaben<br />

– also alles, was ein spannendes Kulturmanagement<br />

mit sich bringt.<br />

KF: Wie haben Sie das vergangene Jahr<br />

2020 erlebt?<br />

Schlögl: Meine erste Konzertreihe im Frühjahr<br />

2020 absagen zu müssen, war natürlich<br />

sehr frustrierend. Ich habe z.B. über<br />

150 Seiten Programmbuch fertiggestellt und<br />

diese dann wenige Tage später im Papierkorb<br />

entsorgt. Wir haben dann aber sehr<br />

schnell erkannt, dass diese Schaffenspause<br />

eine einmalige Möglichkeit bietet, um die<br />

Konzertreihe in allen Bereichen zu reflektieren,<br />

neu zu denken und auch einen Neustart<br />

für <strong>2021</strong> zu planen. Ich denke, das ist<br />

uns auch gelungen. Wir haben unermüdlich<br />

und mit sehr viel Herzblut an einem Restart<br />

der Innsbrucker Promenadenkonzerte gearbeitet<br />

und blicken eigentlich positiv zurück<br />

auf ein Jahr, wo sich vieles neu entwickelt<br />

hat. Bis auf den Musikentzug war das<br />

Jahr 2020 zumindest für die Innsbrucker<br />

Promenadenkonzerte ein sehr positives.<br />

2019 hat Alois Schöpf<br />

(rechts) die künstlerische<br />

Leitung der Innsbrucker<br />

Promenadenkonzerte<br />

an Bernhard<br />

Schlögl übergeben.<br />

KF: Was sind eigentlich Promenadenkonzerte?<br />

Schlögl: Als Vorläufer der Promenadenkonzerte<br />

können sicherlich Musikdarbietungen<br />

in den englischen Lustgärten des<br />

18. und 19. Jahrhunderts bezeichnet werden,<br />

wo u.a. auch Mozart und Haydn aufgetreten<br />

sind. Diese gab es mit der Familie<br />

Strauss auch schon in Wien. Sie waren<br />

allerdings auch ein Beiwerk von Klatsch<br />

und Tratsch, von Akrobaten, und die Musik<br />

war ausschließlich populär. Promenadenkonzerte<br />

als reine Konzertveranstaltung<br />

sind eigentlich auf das Paris der 1830-<br />

er Jahre zurückzuführen. Damals wurde<br />

eine Tür aufgestoßen – von der Kammermusik,<br />

der Kunstmusik, die bis dahin vorwiegend<br />

der privilegierten und gebildeten<br />

Gesellschaft vorenthalten war, hin zu einer<br />

breiten Gesellschaft. Man hat diese Kunstmusik,<br />

die Beethoven-Abende, die Mendelssohn-Abende,<br />

die Weber-Abende usw.,<br />

auch der breiten Bevölkerung näher gebracht<br />

mit diesen Promenadenkonzerten.<br />

Das Besondere an Promenadenkonzerten<br />

an sich ist diese Niederschwelligkeit. Sie<br />

waren nie gratis – damals wie heute, aber<br />

sie waren für jede und jeden erschwinglich.<br />

Es gibt keinen Dresscode, man kann<br />

sein Eis essen, man kann kommen und<br />

gehen, wenn man das möchte. Davon<br />

kommt auch die Bezeichnung: das französische<br />

Wort „promener“ bedeutet soviel<br />

wie „herumgehen, herumlaufen und sich<br />

frei bewegen“. Das macht die Promenadenkonzerte<br />

aus.<br />

Im Juli 2019 hat Bernhard<br />

Schlögl (v.r.) das<br />

Südtiroler Jugendblasorchester<br />

SJBO mit seiner<br />

Dirigentin Isabelle<br />

Ruf-Weber, VSM-Verbandskapellmeister<br />

Meinhard Windisch und<br />

VSM-Verbandsjugendleiter<br />

Hans Finatzer in<br />

Innsbruck begrüßt.<br />

KF: Worin sehen Sie die Besonderheiten<br />

der Innsbrucker Promenadenkonzerte?<br />

Schlögl: Ganz klar in der Kulisse und der<br />

Atmosphäre im Innenhof der Kaiserlichen<br />

Hofburg in Innsbruck, den hochkarätigen<br />

Orchestern, den bunten Spielplänen, der<br />

angesprochenen Niederschwelligkeit und<br />

dem Esprit der Stadt Innsbruck selbst.<br />

KF: Was erwartet uns im Sommer <strong>2021</strong>?<br />

Schlögl: Vorab bleibt natürlich zu hoffen,<br />

dass wir im Sommer <strong>2021</strong> überhaupt<br />

spielen dürfen. Wir sind aber optimistisch,<br />

dass es Musik geben wird. Die<br />

Form entscheidet natürlich zwangsläufig<br />

die gegenwärtige Situation. Geplant sind<br />

Familienkonzerte als Vorpremiere am 3.<br />

Juli mit dem berühmten Märchen „Hänsel<br />

und Gretel“, mit einem unglaublich<br />

tollen Sprecher und Ensemble. Mehr<br />

möchte ich allerdings noch nicht verraten.<br />

Offiziell eröffnet wird am 4. Juli und<br />

gespielt wird täglich bis zum 1. August.<br />

Der Spielplan wird in wenigen Wochen<br />

auf unserer Homepage veröffentlicht.<br />

KF: Welches war ihr letztes Live-Konzert,<br />

das Sie besucht haben?<br />

Schlögl: Das Konzert ist leider schon viel<br />

zu lange her. Es war im Herbst 2019 von<br />

den Wiener Symphonikern und der 5.<br />

Beethoven-Sinfonie.<br />

KF: Welche Musik hat Sie in letzter Zeit<br />

besonders berührt?<br />

Schlögl: Das ist eine sehr schwierige<br />

Frage. Ich höre sehr viel Musik, die<br />

mich berührt. Ich glaube aber, es ist die<br />

4. Sinfonie von David Maslanka, mit der<br />

ich mich in letzter Zeit sehr viel auseinandersetze<br />

und die sehr viel Anlehnung<br />

findet an die Musik von Johann Sebastian<br />

Bach. In dieser Sinfonie gibt es einen<br />

Teil, in dem an Sternenkinder erinnert<br />

wird. Dieser Kontext und die geniale<br />

Musik drumherum berühren mich immer<br />

noch.<br />

KF: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?<br />

Schlögl: Für die Innsbrucker Promenadenkonzerte<br />

wünsche ich mir natürlich<br />

einen reibungslosen Ablauf mit viel schöner<br />

Musik. Persönlich wünsche ich mir,<br />

dass unsere Gesellschaft endlich mit dieser<br />

Schuldzuweisung und Fingerzeig-Politik<br />

aufhört, damit wir endlich wieder gemeinsam<br />

positiv und optimistisch in die<br />

Zukunft blicken.<br />

Stephan Niederegger<br />

KulturFenster<br />

67 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


komponiert<br />

Die musikalische Macht<br />

des Erzählens<br />

Wie der Komponist Simon Gamper seine Musik sieht<br />

Der Musikverein Lana hat mir in meinen<br />

ersten Jahren als Musiker wichtige und<br />

tatkräftige Starthilfe geleistet. Außerdem<br />

bedeutet Blasmusik für mich sehr häufig<br />

Zusammenarbeit mit meinem langjährigen<br />

Freund, dem Musiker und Kapellmeister<br />

Lukas Erb.<br />

Gerade jetzt steht zum Beispiel die Uraufführung<br />

meines neusten Stücks „AP-<br />

PARAT #1 für Bläser, Schlagwerk und<br />

Synthesizer“ im Auftrag von seiner Musikkapelle<br />

Riffian an. Die – wenn alles<br />

gut geht – wohl irgendwann in nächster<br />

Zukunft stattfinden kann.<br />

Die Suite<br />

„<br />

Die Arbeit für Blasorchester hat<br />

bei mir persönlich einen besonderen<br />

Platz, da meine musikalischen<br />

„<br />

Wurzeln in der Blasmusik liegen.<br />

Simon Gamper<br />

„Die Tage des Wassers“ für sinfonisches<br />

Blasorchester und Sprecher war ein besonderes<br />

Highlight für mich: Das sechssätzige<br />

Werk ist ein Auftragswerk für das<br />

Passeirer Blasorchester wind.music.project;<br />

es wurde bereits 2016 uraufgeführt.<br />

In erster Linie handelt es sich dabei um<br />

eine Auseinandersetzung mit der Programmmusik,<br />

die ja heute in der Blasorchester-Literatur<br />

einen prominenten<br />

Platz einnimmt.<br />

Der Suite liegt eine theoretische Überlegung<br />

zugrunde, und zwar die oft erlebte<br />

Tatsache, dass Musik beim Zuhören ein<br />

deutliches Gefühl des Erzählens entstehen<br />

lassen kann. Sofern der Inhalt des Erzählten<br />

nicht vom Komponisten klar, manchmal<br />

auch äußerst illustrativ vorgegeben<br />

Zur Person<br />

Simon Gamper wurde 1987 in Meran<br />

geboren und wuchs in Lana auf. Aus<br />

einer Theaterfamilie stammend, betrat<br />

er sehr früh die Bühne und widmete<br />

sich ab seinem zehnten Lebensjahr<br />

intensiv der Musik.<br />

Er erlernte zunächst Euphonium, Posaune,<br />

Schlagzeug und Klavier, später<br />

Gitarre und Bass. Im Alter von 15<br />

Jahren komponierte Simon erste kleinere<br />

Stücke sowie einige Musiken für<br />

lokale Theaterproduktionen.<br />

Nach seiner Matura am Pädagogischen<br />

Gymnasium „Josef Ferrari“ in Meran<br />

(Fachrichtung Musik) im Jahr 2006 studierte<br />

er an der „Universität für Musik<br />

und Darstellende Kunst Graz“ Schlagwerk<br />

IGP mit Schwerpunkt „Musik am<br />

Computer“.<br />

Er sammelte wertvolle Erfahrungen als<br />

Instrumentalist in verschiedenen Ensembles<br />

und Projekten und besuchte<br />

zahlreiche Workshops und Masterclasses.<br />

2010 kehrte er schließlich nach<br />

Südtirol zurück, wo er zunächst<br />

als Musikerzieher an Südtiroler<br />

Mittelschulen arbeitete.<br />

Simon Gamper lebt heute mit seiner<br />

Frau und seinen beiden Söhnen<br />

in St. Leonhard in Passeier<br />

und arbeitet seit 2014 als<br />

freischaffender Komponist<br />

für Theater, Film und den<br />

Konzertsaal. Außerdem leitet<br />

er den Verein GuitArt,<br />

der aktuell 140 Mitgliedern<br />

Instrumentalunterricht<br />

bietet, und ist als Live-Musiker<br />

aktiv. Simon ist seit<br />

2019 Mitglied des Südtiroler<br />

Künstlerbundes,<br />

der Film Association<br />

of South<br />

Tyrol und<br />

Gründungsmitglied<br />

der<br />

PERFAS.<br />

KulturFenster<br />

68 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


Blasmusik<br />

wird, bleibt er für alle Zuhörenden individuell<br />

anders, da er dann ja ausschließlich<br />

der eigenen Assoziation, der eigenen<br />

Vorstellung entspringt.<br />

Musik als Inspiration<br />

zum Erzählen<br />

Zusammen mit dem Autor Thomas Torggler<br />

habe ich für die Suite ein dramaturgisches<br />

Konzept entwickelt, das das Publikum<br />

möglichst frei in eine spannende<br />

Geschichte verwickeln soll.<br />

Torgglers philosophische Texte, die jedem<br />

der sechs Sätze vorangestellt sind, geben<br />

einen Rahmen vor, kreieren eine Atmosphäre,<br />

geben einen Startschuss. Sie<br />

sollen die Zuhörenden zum Erzählen animieren.<br />

Sie nämlich sind es, die sich die<br />

Geschichte zu „Die Tage des Wassers“<br />

selbst erschaffen – inspiriert und begleitet<br />

von der Musik des Orchesters. Worum<br />

es in der Geschichte geht, kann also vorher<br />

niemand so genau sagen. Und später<br />

nur jeder für sich selbst.<br />

Die Suite „Die Tage<br />

des Wassers“ ist<br />

2017 im „Tonverlag“<br />

auf CD erschienen.<br />

„<br />

Genau diese Macht der Musik – zu<br />

erzählen, aber mitunter jeder und<br />

„<br />

jedem im Publikum etwas Anderes<br />

- begeistert mich.<br />

Simon Gamper<br />

In „Die Tage des Wassers“ habe ich mich<br />

bewusst auf den Einsatz von Mixturen aus<br />

Instrumenten unterschiedlicher Register<br />

konzentriert, harmonisch bin ich zum Großteil<br />

sehr frei vorgegangen, rhythmisch ist<br />

das Werk mitunter recht anspruchsvoll.<br />

Seit dieser Suite hat außerdem der Synthesizer<br />

einen festen Platz in meiner Orchesterbesetzung<br />

bekommen, da er sich<br />

beinahe unmerklich in den Klang mischt<br />

und dem Ensemble zusätzlichen Punch<br />

und Fülle verleiht. Losgelöst von den Texten<br />

können die einzelnen Sätze von die<br />

„Tage des Wassers“ außerdem auch alleine<br />

stehen.<br />

Simon Gamper<br />

www.simongamper.com<br />

Auch in seinen Kompositionen für Blasorchester will Simon Gamper ein vielseitiges<br />

Instrumentarium einsetzen – Im Bild ein Teil der Partitur zu „Die Tage des Wassers“.<br />

KulturFenster<br />

69 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


8.5.<strong>2021</strong><br />

CAMBA-Online-<br />

Schulung<br />

https://wiki.blasmusik.at/pages/viewpage.<br />

action?pageId=57147500<br />

persönlich<br />

Gottfried Furgler<br />

zum 80-sten<br />

Gratulation an den langgedienten Obmann des VSM<br />

Ein Foto aus vergangenen Tagen: Bei der<br />

Generalversammlung am 25. März 2007<br />

hat Gottfried Furgler (rechts) nach 15<br />

Jahren die Obmannschaft des Verbandes<br />

Südtiroler Musikkapellen an Pepi Fauster<br />

übergeben.<br />

wichtige Impulse gesetzt und große Veranstaltungen<br />

geleitet hast.<br />

Auf Grund deiner großen Verdienste bist<br />

du auch zum Ehrenmitglied im Österreichischen<br />

Blasmusikverband ernannt worden,<br />

an dessen Kongressen du nach wie<br />

vor immer fleißig teilnimmst.<br />

Gottfried Furgler, der Ehrenobmann des Verbandes<br />

Südtiroler Musikkapellen (VSM),<br />

feierte am 9. <strong>April</strong> <strong>2021</strong> seinen 80-sten<br />

Geburtstag.<br />

Ist es nun doch schon 14 Jahre her, dass<br />

der Jubilar als aktiver Funktionär vom Verband<br />

ausgeschieden ist, so hat er nie aufgehört,<br />

sich für dessen Angelegenheiten,<br />

für das Musizieren in den Musikkapellen<br />

sowie für die Entwicklung der Blasmusik<br />

in unserem Land zu interessieren. Wäre<br />

nicht die Corona-Pandemie gewesen, wären<br />

wir ihm ganz sicher immer wieder bei<br />

Konzerten, Festen, Feiern und Jubiläen sowie<br />

bei großen Versammlungen begegnet.<br />

Lieber Gottfried! Wir denken noch immer<br />

sehr gerne an deine 15-jährige Obmannschaft<br />

im VSM von 1992 bis 2007 zurück,<br />

in der du mit viel Ruhe, Besonnenheit und<br />

Weitsicht den großen Verband geführt,<br />

Lieber Jubilar! Im Namen des VSM-Vorstandes<br />

und aller 210 Musikkapellen<br />

gratuliere ich dir zum runden 80-er sehr,<br />

sehr herzlich, danke dir aufrichtig für deinen<br />

langen ehrenamtlichen Einsatz zum<br />

Wohle unserer Vereine und wünsche dir<br />

weiterhin viel Freude im Kreise deiner Familie<br />

und deiner Musikant*innen. Bleib gesund<br />

und halte deine Begeisterung wach!<br />

Ad multos annos!<br />

Pepi Fauster, Verbandsobmann<br />

Verbandsobmann Pepi Fauster, Verbandskapellmeister Meinhard Windisch und Verbandsgeschäftsführer Andreas Bonell (linkes Bild)<br />

freuten sich, dass es aufgrund der jüngsten Corona-Lockerungen möglich war, dem Jubilar persönlich zu gratulieren. Und auch die Bürgerkapelle<br />

Gries (rechtes Bild) ließ es sich nicht nehmen, ihren Ehrenobmann musikalisch hochleben zu lassen.<br />

KulturFenster<br />

70 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


entdeckt<br />

„Mein schönes Heimatland“<br />

CD-Vorstellung zum 100-Jahr-Jubiläum der MK Penon<br />

Die Musikkapelle Penon hat zu ihrem<br />

100-jährigen Bestehen eine Jubiläums-CD<br />

herausgebracht<br />

Beim Fronleichnamsfest 1920 trat die Musikkapelle<br />

Penon erstmals auf.Es war der<br />

Kurat von Penon, Alois Kofler, der die Musikkapelle<br />

Penon ins Leben rief. Er kaufte<br />

1919 gebrauchte Instrumente, reparierte sie<br />

und unterrichtete die ersten 5 Musikanten.<br />

Erster Kapellmeister war Julius Weger, der<br />

die damals 16-köpfige Kapelle von 1922<br />

bis 1934 dirigierte.<br />

In diesem Jahr verstarb Kurat Kofler. Laut<br />

Statuten der Kapelle übernahm in den folgenden<br />

Jahrzehnten stets der jeweilige Kurat<br />

von Penon das Amt des Obmannes. Erst<br />

seit 1972 wird der Obmann aus den Reihen<br />

der Musikantinnen und Musikanten<br />

direkt gewählt.<br />

Während der Kriegsjahre wurde die Kapelle<br />

aufgelöst. 1946 trat die Kapelle erstmals<br />

wieder beim Begräbnis ihres Kapellmeisters<br />

Alfons Cassar auf. Seit 1947 begleiten<br />

auch 2 Marketenderinnen die Musikanten.<br />

Ein Jahr später wurde der Verband<br />

Südtiroler Musikkapellen gegründet. Die<br />

Jubelkapelle war von Anfang an Mitglied<br />

im Verband. Seit 1978 marschieren auch<br />

Musikantinnen in den Reihen der Kapelle.<br />

1996 spendete Ehrenmitglied Johann Gabalin<br />

die Vereinsfahne.<br />

Das 100-Jahr-Jubiläum im Vorjahr sei für<br />

die Kapelle Anlass zu großer Freude und<br />

Dankbarkeit gewesen, erklärt Obmann Simon<br />

Kofler. Man könne sich heute wohl<br />

kaum vorstellen, unter welch schwierigen<br />

Bedingungen in den 1920-er Jahren der<br />

Tätigkeitsbeginn der Kapelle war, unterstreicht<br />

er weiter. Dass 100 Jahre später die<br />

Kapelle wegen anderer Schwierigkeiten ihre<br />

Tätigkeit vorübergehend einstellen müsse,<br />

sei wohl Ironie des Schicksals. Das Dreikönigskonzert<br />

unter der Leitung von Kapellmeister<br />

Karl Hanspeter wurde zum gelungenen<br />

Auftakt. Coronabedingt sollte es aber<br />

bekanntlich einer der wenigen Auftritte im<br />

Jubiläumsjahr bleiben.<br />

Die geplante Aufnahme einer Jubiläums-<br />

CD konnte vorher noch wie geplant abgeschlossen<br />

werden. Die CD soll Symbol und<br />

Erinnerung an das 100-jährige Bestehen<br />

der Musikkapelle Penon sein: „Die Stückauswahl<br />

charakterisiert die Kapelle des kleinen<br />

Dorfes mit rund 360 Einwohnern“, erklärt<br />

der Kapellmeister.<br />

Die bekannte, Titel gebende Marschpolka<br />

„Mein schönes Heimatland“ von František<br />

Kmoch beschließt den musikalischen Reigen<br />

der 15 Titel auf der Silberscheibe. Mehrere<br />

Polkas und Walzer zeigen einen Ausschnitt<br />

aus der traditionellen (böhmischen)<br />

Blasmusik. Moderne Rhythmen spannen<br />

gekonnt den Bogen in die Gegenwart. Der<br />

Flügelhornist Thomas Parteli, der Baritonist<br />

Egon Seebacher und der Saxofonist Wolfgang<br />

Peer präsentieren sich gekonnt als<br />

Solisten. Auch Kapellmeister Karl Hanspeter<br />

nimmt gleich 2 Mal das Flügelhorn zur<br />

Hand und wird von seiner Kapelle begleitet.<br />

Obmann Simon Kofler freut sich über den<br />

gelungenen Tonträger als musikalisches Dokument<br />

dieses sonst sehr „stillen“ Jubiläumsjahres:<br />

„Wir freuen uns darüber, dass<br />

unsere Musikkapelle ein Jahrhundert nach<br />

ihrer Gründung so gut aufgestellt ist und es<br />

nach wie vor in unserem kleinen Dorf engagierte<br />

Musikantinnen und Musikanten gibt,<br />

die einen großen Teil ihrer Freizeit der Musikkapelle<br />

widmen und durch ihren Einsatz<br />

viele Feiern erst zu wahren Festen machen.“<br />

In diesem Sinne wünscht er sich,<br />

dass so bald wie möglich wieder Normalität<br />

einkehrt, um wieder gemeinsam musizieren<br />

zu können.<br />

Stephan Niederegger<br />

Freuen sich auf eine wieder einigeraßen<br />

„normale“ musikalische Tätigkeit: Obmann<br />

Simon Kofler (links) und Kapellmeister<br />

Karl Hanspeter.<br />

KulturFenster<br />

71 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


entdeckt<br />

In den letzten Jahren hat der renommierte<br />

Trompeter Christoph Moschberger begonnen,<br />

neben dem aktiven Musizieren auch<br />

mehr Musik zu schreiben. Mit der Veröffentlichung<br />

des Duett-Buchs „Zweitakter“<br />

hat er nun den eigenen Verlag „Edition<br />

Moschberger“ samt Online-Shop eröffnet.<br />

Bei den zehn Titeln handelt es sich um tra-<br />

„Zweitakter“<br />

Musikantische Duette für Blechbläser<br />

Christoph Moschberger hat eine Sammlung<br />

von Duetten für ambitionierte Bläser<br />

herausgegeben.<br />

ditionelle Blas- und Volksmusikstücke weit<br />

über das gängige „Weisenblasen“ hinaus:<br />

„Ich wollte nun bewusst Duette schreiben,<br />

die auch grooven, also tänzerische Stücke<br />

wie Polkas, Walzer und Baorische. Dabei<br />

werden die Musiker zu Melodikern und<br />

Pulsgebern zugleich!“<br />

Die zwei Notenhefte im DIN-A5-Format<br />

beinhalten zum einen die 1. Stimme für<br />

Flügelhorn in B und zum anderen die 2.<br />

Stimme für Tenorhorn/Bass-Trompete in<br />

B (Violinschlüssel) und Bariton/Posaune<br />

in C (Bassschlüssel). Für einige Titel gibt<br />

es die 2. Stimme auch für Flügelhorn in<br />

B. (www.moschberger.com)<br />

Stephan Niederegger<br />

„<br />

Christoph Moschberger, einer der<br />

vielseitigsten und besten Musiker<br />

der Gegenwart, schuf mit seinem<br />

neuesten Projekt ZWEITAKTER ein<br />

neues Kleinod für ambitionierte und<br />

begeisterte Trompeter, Flügelhornisten<br />

und Tenoristen, welche anspruchsvolle<br />

Volksmusik lieben. Es<br />

war mir eine Ehre und ein besonderes<br />

Vergnügen, mit ihm zwei seiner<br />

Stücke<br />

„<br />

einzuspielen!<br />

Hans Gansch<br />

Fantastische Blasmusik und „bunte“ Bläsermusik<br />

Der Musikverlag RUNDEL hat jüngst zwei neue,<br />

interessante Tonträger veröffentlicht.<br />

FANTASTICA<br />

Das Luftwaffenmusikkorps<br />

Münster<br />

unter der<br />

Leitung von Oberstleutnant<br />

Christian<br />

Weiper hat 14 neue<br />

bzw. neu arrangierte Konzert- und Unterhaltungsmusik<br />

eingespielt. Die zum 25-jährigen<br />

Bestehen der Landesmusikschule<br />

Brixental (Tirol) entstandene Fantasie „Fantastica“<br />

von Martin Scharnagl gibt der Silberscheibe<br />

den Titel. Neben dem „Festmarsch“<br />

op.452 und dem „Persischen<br />

Marsch“ op.289 von Johann Strauss Sohn,<br />

der „Husarenvendette“ von Julius Fucik sowie<br />

dem bekannten „Dessauer“ umfasst<br />

die CD originale Konzert- und arrangierte<br />

Unterhaltungsmusik von Thomas Asanger,<br />

Peter Schad, Martin Scharnagl und<br />

Stefan Schwalgin. Die abschließende Pop-<br />

Ballade „Welt in Farbe“ von Thiemo Krass<br />

wurde sowohl in der Instrumentalfassung<br />

als auch mit Sologesang eingespielt und<br />

gibt das Stichwort zur zweiten CD.<br />

WORLD IN<br />

COLOR<br />

Thiemo Krass’<br />

„Welt in Farbe“ –<br />

diesmal in der Version<br />

für Brassensemble - ist titelgebend<br />

für diesen Tonträger, der 12 Titel für Bläsersextett<br />

präsentiert und in der Rundel-<br />

Serie „Pops for Brass“ erschienen ist.<br />

Die Stücke sind Originalkompositionen<br />

sowie Arrangements bekannter Unterhaltungstitel<br />

von Neil Diamond (Sweet<br />

Caroline), Petula Clark (Downtown),<br />

The Drifters (Under the Boardwalk), Peter<br />

Gabriel (The Book of Love), Sandle<br />

Show (Puppet on a String) und den Beatles<br />

(Hey Jude). Die Kompositionen und<br />

Arrangements stammen aus der Feder<br />

von Thiemo Krass, Peter Leitner, Martin<br />

Scharnagl, Berthold Schick und Stefan<br />

Schwalgin.<br />

Stephan Niederegger<br />

KulturFenster<br />

72 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


kurz notiert<br />

Von der Flöte bis zur Tuba<br />

Musikkapelle St. Lorenzen wirbt digital um Nachwuchs<br />

Auch heuer hat sich die Musikkapelle St.<br />

Lorenzen für die Nachwuchswerbung wieder<br />

etwas einfallen lassen und „aus der<br />

Not eine Tugend gemacht“. Auf Initiative<br />

des Jugendleiters Martin Kolhaupt wurden<br />

11 kurze Videoclips erstellt, mit denen die<br />

Instrumente – von der Flöte bis zur Tuba<br />

– vorgestellt werden. Die Videos wurden<br />

über YouTube veröffentlicht und über die<br />

verschiedenen Sozialen Medien beworben.<br />

„Wenn die Kinder und Jugendlichen<br />

schon nicht zu uns ins Probelokal kommen<br />

können, dann kommen wir zu ihnen nach<br />

Hause“, erklärt Kolhaupt und bedankt sich<br />

bei allen, die an diesem Projekt mitgearbeitet<br />

haben. Die Videos sind auch über<br />

den nebenstehenden QR-Code verfügbar.<br />

Stephan Niederegger<br />

Ansprechende Nachwuchswerbung der<br />

Musikkapelle St. Lorenzen<br />

Ein ganz besonderer Neujahrsgruß<br />

Die Musikkapelle Afing überbringt ihre Musik auf CD<br />

Das vergangene Jahr 2020 war ein ganz<br />

besonderes Jahr, auch für die Musikkapelle<br />

Afing. Wie oft hat sich der Ausschuss persönlich<br />

oder online zu einer Sitzung getroffen<br />

und sich die Fragen gestellt:<br />

„Was dürfen wir tun? Was können<br />

wir tun? Wie können wir den Musikanten<br />

und den Bürgern einen<br />

Lichtblick verschaffen?“ Nachdem<br />

das Frühjahrskonzert und alle anderen<br />

Konzerte und Auftritte leider<br />

ausgefallen sind, hat es auch<br />

der Wettergott im Herbst nicht gut<br />

mit uns gemeint, und das Konzert<br />

in Kleingruppen im Freien<br />

musste aufgrund der schlechten<br />

Witterung abgesagt werden.<br />

Dennoch überlegte die Musikkapelle<br />

Afing, wie sie den Bürgern<br />

ein kleines Stück Musik bringen<br />

kann. Da wir jedes Jahr das traditionelle<br />

Frühjahrskonzert aufnehmen,<br />

entstand schließlich die Idee,<br />

eine CD mit den schönsten Stücken<br />

der vergangenen Jahre zusammen<br />

zu stellen.<br />

„Ein ganz besonderes Jahr – eine ganz<br />

besondere CD“. Eine CD, die den Afinger<br />

Bürgern viel Freude beim Reinhorchen<br />

bringen soll. Von Märschen zu Polkas bis<br />

Die gute Idee der MK Afing: Neujahrsgrüße<br />

auf CD<br />

hin zu modernen Stücken – von allem ist<br />

etwas dabei.<br />

Da die Musikkapelle das alljährliche Neujahrwünschen<br />

nicht in seiner gewohnten<br />

Form veranstalten konnte, ließen es<br />

sich die Musikantinnen und Musikanten<br />

nicht nehmen, den Mitbürgern<br />

trotzdem einen musikalischen<br />

Gruß zu überbringen und<br />

teilten, unter Einhaltung aller geltenden<br />

Verordnungen, die CD als<br />

Neujahrsgruß aus. Die Empfänger<br />

freuten sich über das Geschenk<br />

und darüber, dass sie jetzt doch<br />

den Klängen der Musikkapelle lauschen<br />

können. Als Highlight wurde<br />

die CD von Dieter Scoz auf Rai Südtirol<br />

vorgestellt. Die Musikkapelle<br />

Afing ist jedenfalls guter Dinge, in<br />

diesem Jahr wieder Konzerte veranstalten<br />

zu dürfen und freut sich<br />

darauf, ihre musikalischen Klänge<br />

wieder vielen Zuhörern zu überbringen.<br />

Christof Domanegg<br />

MK Afing<br />

KulturFenster<br />

73 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


gedenken<br />

Trauer um Paul Winkler<br />

Musik war seine Leidenschaft<br />

Paul Winkler (1927-<strong>2021</strong>)<br />

Am 24. Februar ist der weit über den Brunecker<br />

Talkessel hinaus bekannte Musikprofessor<br />

Paul Winkler verstorben – nur knapp<br />

6 Monate nach seiner geliebten Frau Nora.<br />

Musik hat ihn sein ganzes Leben begleitet,<br />

sowohl im Lehrerberuf als auch im Privatleben.<br />

Bereits mit 9 Jahren war er Mitglied<br />

einer Trommlergruppe. Er lernte Akkordeon<br />

und die „geliebte“ Querflöte. Er war<br />

der erste Flötist im Pustertal, und zwar bei<br />

der damals wiedergegründeten Bürgerkapelle<br />

Bruneck. 1989 ist „Professor Mozart“<br />

– wie er von seinen Schülerinnen und<br />

Schülern liebevoll genannt wurde, als Musiklehrer<br />

in Pension gegangen. 43 Jahre<br />

lang war Paul Winkler als Funktionär im<br />

Bezirksausschuss des Verbandes Südtiroler<br />

Musikkapellen (VSM) engagiert, teilweise<br />

gleichzeitig als Obmannstellvertreter<br />

und Kassier, zuletzt als Geschäftsführer (bis<br />

1998). Er war damit das bislang längst gediente<br />

Mitglied im Bezirksausschuss und<br />

wurde nach seinem Ausscheiden aus dem<br />

aktiven Dienst zum Bezirksehrenmitglied<br />

ernannt. Mit vollem Einsatz setzte er sich<br />

für das Wohl der Blasmusik im Pustertal<br />

und darüber hinaus ein. Sein Augenmerk<br />

galt stets einer gediegenen Aus- und Weiterbildung<br />

der Funktionäre in den einzelnen<br />

Musikkapellen.<br />

Zudem war er Chorleiter beim Stadtpfarrchor<br />

in Bruneck sowie bei den Kirchenchören<br />

in Pfalzen und Percha. Er half<br />

beim Aufbau der Gadertaler Musikkapellen<br />

mit. Den Brunecker Rainchor hat er<br />

als Gründungsmitglied wesentlich mitgestaltet<br />

und aufgebaut. Er gründete auch<br />

eine Schweglergruppe bei den Schützen.<br />

Die Liebe zur Heimatstadt<br />

Bruneck<br />

Seine zweite Liebe galt seiner Heimatstadt<br />

Bruneck, führte er doch bis vor wenigen<br />

Jahren unzählige Gruppen, Schulklassen<br />

und Gäste durch seine geliebte Rienzstadt<br />

und gab dabei begeistert fachkundige Informationen<br />

über „seine“ Heimatstadt weiter.<br />

Er war auch über 50 Jahre lang Kantor<br />

in der Pfarrkirche von Bruneck und Träger<br />

zahlreicher Auszeichnungen, unter anderem<br />

der Verdienstmedaille des Landes Tirol,<br />

des Verbands-Verdienststerns der Südtiroler<br />

Musikkapellen und der Ehrenmedaille<br />

der Stadt Bruneck.<br />

Wir werden sein fachkundiges Wissen,<br />

seinen unermüdlichen Humor und seine<br />

Freundschaft vermissen: „Lieber Paul,<br />

Danke für alles! Die Chöre der Engel mögen<br />

dich empfangen.“<br />

Stephan Niederegger<br />

Neben der Musik galt seine zweite Liebe seiner Heimatstadt Bruneck<br />

KulturFenster<br />

74 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


In ehrendem Gedenken an<br />

Hans Obkircher<br />

Musikfreund und wertvoller Mensch<br />

Prof. Hans Obkircher (1939 – <strong>2021</strong>)<br />

Allzufrüh und eigentlich ganz überraschend<br />

hat uns am 13.Februar <strong>2021</strong> nach kurzer,<br />

schwerer Krankheit im Alter von 81 Jahren<br />

unser Prof. HANS OBKIRCHER aus Meran/Obermais<br />

für immer verlassen.<br />

Geboren in Völser Aicha, wurde seine besondere<br />

musikalische Begabung sofort offensichtlich.<br />

Mit 11 Jahren war er bereits<br />

Organist im Heimatort. Er besuchte das<br />

Konservatorium in Bozen in den Fächern<br />

Kirchenmusik, Klarinette, Komposition und<br />

„lstrumentazione per Banda". 1961/62<br />

studierte er an der Hochschule für Musik<br />

„Mozarteum" in Salzburg in den Fächern<br />

Jugendmusikerziehung und Klarinette und<br />

absolvierte Dirigierunterricht beim legendären<br />

Hans Swarowski.<br />

Aufbau des Musikschulwesens<br />

und Gründung des Orchesters<br />

der Musikfreunde Meran<br />

Hans Obkircher war maßgeblich am Aufbau<br />

des Musikschulwesens und der Musiklandschaft<br />

in Südtirol beteiligt. Er gilt als<br />

Mann der ersten Stunde bei der Einführung<br />

von Musikschulen in vielen Gemeinden des<br />

Landes und war als Lehrer und Leiter einiger<br />

dieser Schulen tätig. Als langjähriger<br />

Inspektor des Instituts für Musikerziehung<br />

war er mitverantwortlich für die Weichenstellung<br />

der Erfolgsgeschichte des Südtiroler<br />

Musikschulwesens. Durch die Einführung<br />

und Leitung der Orchesterwochen in<br />

Südtirol und durch die Gründung des Orchesters<br />

der Musikfreunde Meran setzte er<br />

frühzeitig Akzente im Streichorchestersektor.<br />

Geschätzter Mitarbeiter im<br />

VSM – Kapellmeister – Referent<br />

Durch seine umfassende Tätigkeit in den<br />

Landes- und Bezirksvorständen des Verbandes<br />

Südtiroler Musikkapellen konnte<br />

Hans Obkircher die Entwicklung unseres<br />

Blasmusikwesens aktiv und nachhaltig mitgestalten.<br />

Viele Jahre stand er den Musikkapellen<br />

Völser Aicha, Obermais, Untermais<br />

und Lana als Kapellmeister vor. Er<br />

war beim Aufbau der Kapellmeisterkurse<br />

des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />

mit dabei und führte den Kapellmeisterlehrgang<br />

an den Südtiroler Musikschulen<br />

ein. Derzeit sind viele seiner Schüler in<br />

mehreren Bezirken des VSM Kapellmeister<br />

von Musikkapellen und Funktionäre<br />

im Landes- und in Bezirksvorständen.<br />

Er war vielfach als Referent im In- und<br />

Ausland tätig. Sehr umfangreich war auch<br />

seine Tätigkeit als Juror bei Wertungsspielen<br />

für Musikkapellen und Jugendmusikwettbewerben<br />

in ganz Österreich, Deutschland<br />

und Südtirol. Er war in Südtirol und<br />

darüber hinaus ein gefragter Ansprechpartner<br />

für Kapellmeister und Musiklehrer.<br />

Hans Obkirchers Tätigkeit geht aber weit<br />

über das beruflich Vorgeschriebene hinaus.<br />

Sein letztes ehrenamtliches Engagement<br />

widmete er im VSM der sehr aufwändigen<br />

Instrumentation von 100 Liedern aus dem<br />

Diözesananteil Südtirols im Neuen Gotteslob,<br />

welche er für Blasorchester bzw. kleinere<br />

Bläserensembles einrichtete.<br />

Wertvoller Mensch –<br />

Musikfreund und Fachmann<br />

Sein außergewöhnliches Gespür für das<br />

Machbare - sei es musikalisch als auch<br />

organisatorisch - hat ihn zu einem ganz<br />

Großen in der Südtiroler Musikwelt gemacht,<br />

sowohl in der Blasmusik als auch<br />

in der symphonischen Musik. Wir verlieren<br />

mit ihm einen besonderen Menschen,<br />

einen wertvollen Musikfreund und einen<br />

großartigen Musikfachmann.<br />

Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt seiner<br />

Gattin Linde und seinen Kindern Susanne<br />

und Rupert sowie der gesamten<br />

Trauerfamilie.<br />

In Dankbarkeit wollen wir „unseren Hans“<br />

stets in Erinnerung behalten.<br />

Pepi Fauster<br />

Verbandsobmann<br />

KulturFenster<br />

75 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>


12.06.<strong>2021</strong><br />

71. Jahreshauptversammlung des<br />

Heimatpflegeverbandes Südtirol und<br />

Jubiläumsfeier 50 Jahre Lia per natura y usanzes<br />

Termine<br />

Sofern es die Covid 19-Bestimmungen zulassen!<br />

Wo: Kulturhaus St. Ulrich, Gröden<br />

Informationen: hpv.bz.it<br />

24.04.<strong>2021</strong> um 16.00 Uhr<br />

VSM - Mitgliederversammlung<br />

ONLINE via Zoom<br />

24.04.<strong>2021</strong> um 20.30 Uhr<br />

Frühjahrskonzert „Unser Lieblingslied“<br />

Auf YouTube präsentieren verschiedene Mitgliedschöre<br />

ihre schönsten Aufnahmen der vergangenen Jahre.<br />

https://www.youtube.com/channel/UCWfz53DQFoCQlWQQyi-rlbA

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