Kulturfenster Nr. 02|2021 - April 2021
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BLASMUSIK<br />
CHORWESEN<br />
HEIMATPFLEGE<br />
in Südtirol<br />
Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol<br />
<strong>Nr</strong>. 2<br />
APRIL<br />
<strong>2021</strong><br />
<strong>Nr</strong>. 6 | DEZEMBER | 2019<br />
Zukunftsvision entwickeln – Ideenwerkstatt <strong>2021</strong><br />
Läden schaffen Leben – Nachhaltig einkaufen<br />
Mit Kreativität die Krise meistern<br />
Poste Italiane SpA – Sped. in a.p. | -70% – NE BOLZANO – 71. Jahrgang – Zweimonatszeitschrift<br />
Poste Italiane SpA – Sped. in a.p. | -70% – NE BOLZANO – 73. Jahrgang – Zweimonatszeitschrift
vorausgeschickt<br />
„Wir bleiben dran!“<br />
Liebe Leserinnen und Leser,<br />
Es wird immer groß vom Kulturland Südtirol<br />
gesprochen. Und plötzlich, im Lockdown,<br />
stellen wir fest, dass wir Kulturschaffende<br />
eigentlich gar nicht zählen. Diese<br />
Erkenntnis war und ist für einige von uns<br />
eine Ernüchterung und nagt bei einigen<br />
an der Motivation weiterzumachen. Die<br />
medizinischen und wissenschaftlichen<br />
Fakten, aber auch die politischen Signale<br />
– zumindest zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses<br />
– lassen doch Hoffnung aufkommen,<br />
ganz nach dem Motto: „Alles<br />
neu macht der Mai!“<br />
Es wird zwar weder sofort wieder alles<br />
möglich sein, noch neu werden. Aber<br />
auch unsere drei Verbände arbeiten daran,<br />
damit die Tätigkeit der Vereine wieder<br />
aufgenommen werden kann. Schon<br />
allein die Tatsache, dass diese Ausgabe<br />
mit 76 (!) Seiten die durchschnittliche Seitenanzahl<br />
unserer Zeitschrift weit übersteigt,<br />
zeugt einmal mehr davon, dass die<br />
Verantwortlichen nicht untätig geblieben<br />
sind und an Themen und Inhalten arbeiten,<br />
um für einen Neubeginn gerüstet zu<br />
sein: Dazu macht der Heimatpflegeverband<br />
das „bewusste Konsumverhalten“<br />
und ein „nachhaltiges Einkaufen“ zum<br />
Schwerpunktthema.<br />
Der Chorverband sucht Zukunftsvisionen<br />
mit einer eigenen Ideenwerkstatt. Die Verantwortlichen<br />
im VSM werben für Kreativitiät,<br />
um die Krise zu meistern.<br />
Viele von uns sind verunsichert, wann und<br />
wie der Start gelingen kann. Ein sanfter<br />
Neubeginn und realistische Perspektiven<br />
für die Zukunft helfen dabei. Die Weichen<br />
dazu werden seit Wochen gestellt, damit<br />
wir vorbereitet sind, wenn der Startschuss<br />
fällt. Auch wenn es eine Zeit lang dauern<br />
wird, bis wir wieder dort sind, wo wir<br />
vor einem Jahr abrupt gestoppt wurden,<br />
die Leidenschaft der allermeisten ist ungebrochen.<br />
Und wir im Redaktionsteam<br />
freuen uns darauf, diese Entwicklung zu<br />
begleiten und darüber zu berichten: „Wir<br />
bleiben dran!“<br />
Inzwischen bietet auch die vorliegende<br />
Ausgabe jede Menge interessanten Lesestoff,<br />
weit über das Corona-Thema hinaus<br />
– auch für die Zeit nach Corona.<br />
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen wiederum<br />
eine unterhaltsame, aber auch informative<br />
Lektüre und einen aufschlussreichen<br />
Blick durch unser „KulturFenster“.<br />
Stephan Niederegger<br />
„<br />
Mit meinem Atem Emotionen zu erzeugen,<br />
das ist es, was mir auch während dieser<br />
Krise die Motivation zum Musizieren und<br />
Üben gibt.<br />
Ernst Hutter<br />
„<br />
KulturFenster<br />
2 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Inhalt<br />
In dieser Ausgabe<br />
Chorwesen<br />
Offen für die Herausforderungen der Zukunft<br />
Ideenwerkstatt <strong>2021</strong> .................................................................. 4<br />
Manuel Huber im Porträt<br />
Chorleiter bei den Wiener Sängerknaben.................................... 7<br />
Ohne Kultur verarmen wir!<br />
Musikprojekt klaNg in der Grundschule.................................... 11<br />
Ein Jahr (fast) ohne Chorgesang – Stimmen zur Corona-Zeit......... 14<br />
Bleibt dem Chorgesang treu!<br />
72. Vollversammlung des SCV.................................................. 16<br />
Komponieren für die Chöre<br />
Kirchenmusiker Josef Knapp vor 100 Jahren geboren .............. 17<br />
121. Psalm (Davids Psalm) – von Otto Olsson........................... 18<br />
Ein Leben für die Musik – Im Gedenken an Alois Vigl................ 19<br />
Sunvoices-Kinderchor Lajen..................................................... 20<br />
Seemannslied gegen die Corona-Freudlosigkeit<br />
Digitaler Chor........................................................................... 22<br />
Wichtiges Lebenszeichen – Wir sind noch da............................ 23<br />
Heimatpege<br />
Nachhaltig einkaufen, bewusstes Konsumverhalten<br />
Läden schaffen Leben.............................................................. 24<br />
Im Bundsch’ Ladele ist immer was los<br />
Der Gemischtwarenladen im Sarntal......................................... 27<br />
Gern aufgesuchter Treffpunkt<br />
Konsumgenossenschaft in Niederolang .................................... 28<br />
Online trifft Offline<br />
Die Südtiroler Verkaufsplattform SelberGMOCHT ...................... 29<br />
Der Türgg – lebenswichtig und umstritten<br />
Mais ist das Gemüse <strong>2021</strong>/2022.............................................. 30<br />
Kleine Ernte, großer Geschmack<br />
Maisanbau der alten Sorte........................................................ 32<br />
Egert, Trate und Zelge<br />
Flurnamen aus der Agrargeschichte, Teil 1............................... 33<br />
Habitate vor Eingriffen schützen<br />
Besondere Lebensräume für Pflanzen und Tiere retten............. 34<br />
Dinge des Alltags: Die Gugelhupfform....................................... 36<br />
Gegen ein Almdorf in Schnals – Die Zukunft von Kurzras.......... 38<br />
Bannzonen sind – leider – keine Garantie<br />
Bebauung trotz negativen Gutachtens ...................................... 39<br />
25 Jahre Heimatpflegeverein Naturns-Plaus............................. 40<br />
Maridl Innerhofer wäre 100 geworden ...................................... 42<br />
Hat den Volkstanz ins Land getragen<br />
Im Gedenken an Luis Veit ........................................................ 44<br />
Unterrock oder Beinkleid<br />
unterschätzt und doch so wichtig ............................................. 45<br />
Das Maibaumumtanzen<br />
Ein alter Brauch im Wandel der Zeit ......................................... 46<br />
Blasmusik<br />
Ein Jahr Corona – mit Kreativität die Krise meistern .................48<br />
Treffpunkt: Organisation & Kapellmeister<br />
In Kontakt und im Gespräch bleiben .......................................54<br />
Instrumentenvorstellung? Digital!<br />
Lehrvideo der MK Naturns ......................................................55<br />
Alles Show – Online-Fortbildung für Stabführer........................56<br />
Treffpunkt: Musik in Bewegung – Probiert gerne Neues! ..........57<br />
JuKa Lana – seit 23 Jahren aktiv .............................................58<br />
Max Calanducci im Gespräch<br />
Musikstudent aus Schlanders in Wien .....................................60<br />
Treffpunkt: Jugend Jugendleiter-Stammtisch kommt gut an .....61<br />
Jungbläserwochen & Jungbläsertage abgesagt!<br />
Sommerangebote <strong>2021</strong> des VSM ............................................62<br />
Alles Gute zum Geburtstag!<br />
70 Jahre Österreichischer Blasmusikverband ..........................63<br />
Willkommen in Bozen<br />
Thomas Ludescher übernimmt Lehrstuhl ................................64<br />
Innsbrucker Promenadenkonzerte <strong>2021</strong><br />
Neues aus der Kaiserlichen Hofburg .......................................66<br />
Die musikalische Macht des Erzählens<br />
Simon Gamper im Porträt........................................................68<br />
Gottfried Furgler zum 80-sten..................................................70<br />
Mein schönes Heimatland<br />
Jubiläums-CD 100 Jahre MK Penon........................................71<br />
entdeckt – neue Bücher, Noten, CD’s......................................72<br />
kurz notiert – Neues von den Musikkapellen............................73<br />
Musik war seine Leidenschaft<br />
Im Gedenken an Paul Winkler.................................................74<br />
Musikfreund und wertvoller Mensch<br />
Im Gedenken an Hans Obkircher ............................................75<br />
Impressum<br />
Mitteilungsblatt<br />
- des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />
Redaktion: Stephan Niederegger, kulturfenster@vsm.bz.it<br />
- des Südtiroler Chorverbandes<br />
Redaktion: Paul Bertagnolli, info@scv.bz.it<br />
- des Heimatpflegeverbandes Südtirol<br />
Redaktion: Florian Trojer, florian@hpv.bz.it<br />
Anschrift:<br />
Schlernstraße <strong>Nr</strong>. 1 (Waltherhaus), I-39100 Bozen<br />
Tel. +39 0471 976 387 – info@vsm.bz.it<br />
Raiffeisen-Landesbank Bozen<br />
IBAN = IT 60 S 03493 11600 000300011771<br />
SWIFT-BIC = RZSBIT2B<br />
Jahresabonnement = 20,00 Euro<br />
Ermächtigung Landesgericht Bozen <strong>Nr</strong>. 27/1948<br />
presserechtlich verantwortlich: Stephan Niederegger<br />
Druck: Ferrari-Auer, Bozen<br />
- gefördert von der Kulturabteilung der Südtiroler Landesregierung<br />
Das Blatt erscheint zweimonatlich am 15. Februar, <strong>April</strong>, Juni, August, Oktober und<br />
Dezember. Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen Vormonats.<br />
Eingesandte Bilder und Texte verbleiben im Eigentum der Redaktion und werden nicht<br />
zurückerstattet. Die Rechte an Texten und Bildern müssen beim Absender liegen bzw.<br />
genau deklariert sein. Die Verantwortung für die Inhalte des Artikels liegt beim Verfasser.<br />
Die Wahrung der Menschenwürde und die wahrheitsgetreue Information der Öffentlichkeit<br />
sind oberstes Gebot. Der Inhalt der einzelnen Beiträge muss sich nicht mit<br />
der Meinung der Redaktion decken. Nachdruck oder Reproduktion, Vervielfältigung jeder<br />
Art, auch auszugsweise, sind nur mit vorheriger Genehmigung der Redaktion erlaubt.<br />
Sämtliche Formulierungen gelten völlig gleichrangig für Personen beiderlei Geschlechts.<br />
KulturFenster<br />
3 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Du hast Lust auf konstruktive<br />
Diskussionen und Kreativität?<br />
Ja?<br />
Dann suchen<br />
wir genau DICH!<br />
KulturFenster<br />
4 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
hervorgehoben<br />
Offen für die<br />
Herausforderungen der Zukunft<br />
Der Südtiroler Chorverband entwickelt eine Vision<br />
Wohin geht der Südtiroler Chorverband?<br />
Diese Frage will sich heuer eine Arbeitsgruppe<br />
im Verband stellen und gemeinsam<br />
mit interessierten Sängerinnen und<br />
Sängern, Chorleiterinnen und Chorleitern<br />
sowie Obleuten eine Strategie für die Zukunft<br />
entwickeln.<br />
Jeder Mensch braucht ein Ziel, um sich<br />
weiterzuentwickeln, er muss sich an neue<br />
Situationen anpassen und die Weichen für<br />
die Zukunft stellen. Dasselbe gilt auch für<br />
Verbände und Institutionen: Der Südtiroler<br />
Chorverband mit seinen über 400 Mitgliedschören<br />
zählt zu den größten Verbänden<br />
des Landes. Immerhin wirken über<br />
10.000 Sänger und Sängerinnen aktiv mit.<br />
Der Verband nimmt einen wichtigen Stellenwert<br />
im Kulturleben unseres Landes ein<br />
und ist kompetenter Ansprechpartner für<br />
seine Mitgliedschöre. „Aus diesem Grunde<br />
war und ist es immer das Bestreben, offen<br />
zu sein für neue Ideen, offen<br />
zu sein für Weiterentwicklung,<br />
offen<br />
zu sein für neue Herausforderungen“, sagt<br />
Verbandsobmann Erich Deltedesco zum<br />
neuen Projekt „Visionsarbeit“. Deshalb hat<br />
der Vorstand eine interne „Arbeitsgruppe“<br />
beauftragt – unterstützt durch die Beratung<br />
und Begleitung eines fachkompetenten<br />
Coaches – eine Zukunftsstrategie<br />
zu erarbeiten, die weit in die Zukunft reichen<br />
soll. In der Folge wird sie dadurch<br />
auch richtungsweisend für die gesamte<br />
Südtiroler Chorlandschaft sein.<br />
Eine Vision, die von den<br />
Menschen selbst kommt<br />
Die Entwicklung der neuen Zukunftsstrategie<br />
erfolgt dabei in vier Phasen: Zuerst<br />
wird es Ideenwerkstätten mit kleinen Initiativgruppen<br />
geben, die aus kreativen und<br />
zur konstruktiven Mitarbeit bereiten Menschen<br />
bestehen. Ihre Ambitionen zur Mitgestaltung<br />
an den visionären Prozessen<br />
müssen sie zuvor durch<br />
eine Bewerbung<br />
bekunden.<br />
Die Aufgabe der Initiativgruppen besteht<br />
vor allem darin, Themen und Vorschläge zu<br />
erarbeiten, die dann im Sommer bei einem<br />
„Offenen Visionstag“ präsentiert werden.<br />
Dabei sind die Themen offen und breitgefächert:<br />
Wie schaut der Chor 2030 aus?<br />
Wie steht es um die Digitalisierung? Was<br />
braucht es noch im Bereich Fortbildung<br />
und vieles mehr. Beim „Offenen Visionstag“<br />
kommen die Teilnehmer in Kleingruppen<br />
miteinander ins Gespräch. Er dient als<br />
Orientierungshilfe für eine spätere Strategieentwicklung.<br />
Wie bei jeder Strategieentwicklung<br />
werden auch hier die Ergebnisse<br />
in einem Strategiepapier dokumentiert und<br />
die strategischen Ziele werden klar formuliert.<br />
Ab dem nächsten Jahr wird man<br />
dann die Umsetzung regelmäßig überprüfen:<br />
Sind es richtige Ziele, müssen sie angepasst<br />
werden? Was läuft gut?<br />
In Lösungen denken und<br />
nicht in Problemen<br />
„Mit dieser Initiative wollen wir nicht das<br />
Rad neu erfinden, sondern Ziel dieser Vision<br />
ist es, gemeinsam unter dem Motto<br />
´in Lösungen denken und nicht in Problemen´<br />
Struktur, Aufgaben und Zielsetzungen<br />
des Verbandes kritisch zu durchleuchten,<br />
neue Ideen und Potentiale zu entwickeln.<br />
Bewährtes soll beibehalten<br />
werden. Wo es notwendig ist, wird<br />
man konkrete Maßnahmen formulieren,<br />
neue Wege werden beschritten<br />
werden“, sagt Verbandsobmann<br />
Erich Deltedesco. Die Beschleunigung<br />
des technologischen und<br />
gesellschaftlichen Wandels gegenüber<br />
sozialen, kulturellen und<br />
ethischen Anpassungsprozessen ist<br />
eine große Herausforderung – Visionen<br />
entwickeln heißt, sich den Herausforderungen<br />
stellen.<br />
Auch Geschäftsführer Dietmar Thanei<br />
ist von der Notwendigkeit einer konkreten<br />
Visionsarbeit überzeugt: „In der aktuellen<br />
Corona-Pandemie tritt die Notwendigkeit<br />
KulturFenster<br />
5<br />
02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
hervorgehoben<br />
von Visionen noch deutlicher in den Vordergrund.<br />
Für die Zeit nach Corona gilt es,<br />
sich den neu entstandenen Herausforderungen<br />
in Gesellschaft und Kultur mit einer<br />
Vision, der notwendigen Reflektion und<br />
einer geeigneten Strategie zu begegnen.<br />
Bewährtes bewahren und<br />
nach Neuem suchen<br />
Wie es auch in den Statuten festgeschrieben<br />
ist, bezweckt der Südtiroler Chorverband<br />
die Pflege, Förderung und Ausbreitung<br />
des Chorgesangs. Verbandsobmann<br />
Erich Deltedesco betont, dass man nicht<br />
alles neu erfinden oder ändern muss: „Wir<br />
haben uns die Anliegen der Südtiroler Chorlandschaft<br />
zur Aufgabe gemacht, bieten<br />
unseren Mitgliedschören eine Plattform<br />
für Kontakte und Informationen, schaffen<br />
Dialog und Erfahrungsaustausch und fungieren<br />
als Netzwerk nach innen und außen.<br />
Nach außen sind wir Ansprechpartner<br />
und Sprecher. Wir thematisieren alle<br />
chorischen Anliegen überall dort, wo es<br />
nötig und wichtig erscheint, wir leisten Öffentlichkeits-<br />
und Überzeugungsarbeit. Wir<br />
bieten ein breit gefächertes, hochqualifiziertes<br />
und zielgruppenspezifisches Fortbildungsprogramm<br />
für alle Sparten des<br />
chorischen Singens.“ Ein besonderes Anliegen<br />
ist dabei, die Aus- und Weiterbildung<br />
im Bereich „Singen mit Kindern und Jugendlichen“<br />
zu fördern. „Wir setzen uns<br />
für eine aktive musikalische Bildung ein.<br />
Jedes Kind, jeder junge Mensch soll die<br />
Chance haben, die positive Wirkung des<br />
Singens schon in der Schule zu erfahren.“<br />
Dies sind aber nur einige Aufgaben des<br />
Südtiroler Chorverbandes. „Wie schon<br />
gesagt: die Stärken werden wir bewahren<br />
und weiter auszubauen. Was weniger gut<br />
ist, werden wir versuchen zu verbessern,<br />
damit der Südtiroler Chorverband auch in<br />
Zukunft ein kompetenter Ansprechpartner<br />
und Wegbegleiter für seine Mitgliedschöre<br />
sein kann.“<br />
Hinter allem aber steht die Idee: Visionen<br />
werden nicht von oben aufgepfropft, so dass<br />
sie bestenfalls Einwilligung statt echtem Engagement<br />
erzeugen, sondern sie werden<br />
gemeinsam erarbeitet. Gemeinsame Visionen<br />
sind Sinn und Identität stiftend in Bezug<br />
auf den Verband. Echte Visionen brauchen<br />
Zeit zum Wachsen – und vor allem:<br />
Sie müssen sich in der Realität bewähren.<br />
Wir suchen motivierte und engagierte Menschen aus den<br />
unterschiedlichsten Lebensbereichen sowie Menschen,<br />
die ausgetretene Pfade verlassen und ungewöhnliche<br />
Ideen einbringen wollen.<br />
Jetzt anmelden unter scv.bz.it/ideenwerkstatt<br />
KulturFenster<br />
6 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
angekommen<br />
Das Chorleiterseminar<br />
war sein Sprungbrett<br />
zum Traumberuf<br />
Manuel Huber aus Weitental ist Chorleiter<br />
bei den Wiener Sängerknaben<br />
„Höchstleistung erbringen geht am besten,<br />
wenn man zu den Sängern eine gute Beziehung<br />
aufbaut“, sagt Chorleiter Manuel Huber<br />
über seine Arbeit mit den Wiener Sängerknaben.<br />
Der 28-jährige Musiker aus<br />
Weitental sang als Schüler im Knabenchor<br />
des Vinzentinums und studierte Chorleitung,<br />
Orchesterleitung und Gesangspädagogik am<br />
Mozarteum Salzburg und schloss das Studium<br />
mit „Auszeichnung“ ab. Im Gespräch<br />
erzählt er unter anderem, dass die besondere<br />
Herausforderung seiner Arbeit mit den<br />
begabten Kindern die Verbindung von pädagogischem<br />
Geschick und musikalischem<br />
Anspruch ist und dass das Chorleiterseminar<br />
in Dietenheim ein wichtiger Moment für<br />
seine weitere Laufbahn war.<br />
KulturFenster: Sie waren Chorleiter des Tölzer<br />
Knabenchors und leiten jetzt den Mozartchor<br />
der Wiener Sängerknaben. Was<br />
bedeutet das für Sie persönlich?<br />
Manuel Huber: Ich war beim Tölzer Knabenchor<br />
Leiter eines Vorbereitungschores<br />
und Assistent des großen Konzertchores.<br />
Mein Schwerpunkt lag dabei auch auf der<br />
Einzelstimmbildung der Knaben und der<br />
Korrepetition der Konzerte. Die Arbeit als<br />
Kapellmeister des Mozartchores (eines der<br />
vier Konzert- und Tourneechöre der Wiener<br />
Sängerknaben) ist für mich ein beruflicher<br />
Fortschritt. Ich bin für meinen Chor<br />
quasi alleine verantwortlich, stelle meine<br />
Programme selber zusammen (in Absprache<br />
mit der künstlerischen Leitung), plane<br />
meine Proben eigenständig und leite die<br />
Konzerte. Die größere Verantwortung bringt<br />
zwar mehr Arbeit mit sich, ist für mich persönlich<br />
aber eine sehr positive Entwicklung.<br />
KF: War die Leitung dieser Chöre schon<br />
lange Ihr Berufsziel oder war es eher Zufall,<br />
dass Sie in diesem Bereich arbeiten?<br />
Könnten Sie erzählen wie es dazu gekommen<br />
ist, dass Sie heute diesen Chor leiten?<br />
Huber: Einen professionellen Chor zu<br />
leiten, war eines jener Berufsziele, die<br />
ich schon länger im Blick hatte. Dass<br />
es geklappt hat, ist einerseits eine Verknüpfung<br />
von glücklichen Zufällen, andererseits<br />
habe ich mich aber auch ein<br />
wenig in diese Richtung bemüht. Durch<br />
meine Arbeit beim Tölzer Knabenchor<br />
hatte ich natürlich schon einige Erfahrung<br />
mit Knabenstimmen gesammelt,<br />
was sicherlich von Vorteil war. Da ich im<br />
Studium ein Praktikum bei den Wiener<br />
Sängerknaben machen durfte, was mir<br />
sehr viel Freude bereitet hat, kannte mich<br />
der künstlerische Leiter Gerald Wirth bereits.<br />
Über Umwege habe ich während<br />
meiner Tätigkeit beim Tölzer Knabenchor<br />
erfahren, dass bei den Wiener Sängerknaben<br />
Leute gesucht werden, die bereit<br />
wären, für eine gewisse Zeit im Ausland<br />
(China, Jordanien, Indien etc.) zu arbeiten<br />
und dort verschiedenste Kurse und<br />
Workshops zu leiten. Da ich mich beruflich<br />
zu dieser Zeit unbedingt weiterentwickeln<br />
wollte, habe ich die Chance ergriffen<br />
und mich vorgestellt. Dabei hat mir<br />
der künstlerische Leiter eröffnet, dass<br />
auch die Stelle eines Kapellmeisters frei<br />
werde. Am Ende habe ich mich für beide<br />
Stellen beworben und war dann in der<br />
glücklichen Lage, mir den Job auszusuchen,<br />
der mir mehr liegt. Das war für<br />
mich in diesem Fall eindeutig der des<br />
Kapellmeisters.<br />
„Die Kombination aus hohem Anspruch und Pädagogik ist eine der größten Herausforderungen<br />
meines Jobs, aber auch der Aspekt, der mich am meisten motiviert“, sagt Manuel Huber.<br />
KulturFenster 7<br />
02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Gerade auf den zahlreichen Tourneen ist<br />
eine gute Beziehung mit dem Chor und<br />
dem Team wichtig.<br />
KF: Mit Kindern zu arbeiten – was ist das<br />
Besondere daran und was sind die Herausforderungen?<br />
Huber: Das Besondere an meiner Arbeit<br />
ist die Verknüpfung von hohem künstlerischen<br />
Anspruch auf der einen Seite und<br />
einer pädagogischen Herangehensweise<br />
auf der anderen Seite. Wir machen Musik<br />
für die großen Konzerthäuser der Welt.<br />
Das bedeutet, dass wir ein gewisses musikalisches<br />
Niveau halten müssen. Die Bedürfnisse<br />
der Kinder und Jugendlichen<br />
stehen dabei aber auch im Vordergrund<br />
und liefern den Rahmen für unsere Arbeit.<br />
Das steht gar nicht im Widerspruch<br />
zueinander, denn die Kinder, die zu uns<br />
kommen, wollen Höchstleistungen erbringen,<br />
sind ehrgeizig und durch die vielen<br />
Reisen und Konzerte natürlich auch sehr<br />
motiviert. Diese Kombination aus hohem<br />
Anspruch und Pädagogik ist eine der größten<br />
Herausforderungen meines Jobs, aber<br />
auch der Aspekt, der mich am meisten<br />
motiviert. Zudem ist die Arbeit mit Kindern<br />
und Jugendlichen oft besonders lustig<br />
und erfrischend.<br />
Ein wichtiger Punkt sind natürlich die Tourneen,<br />
die quasi immer den Höhepunkt<br />
des Schuljahrs darstellen. Wir sind dabei<br />
bis zu zwei Monate am Stück auf der<br />
ganzen Welt unterwegs und singen Konzerte<br />
(Europa, USA, China, Taiwan, Korea,<br />
Japan, Südamerika, ...)<br />
Abgesehen von den bereits genannten<br />
Punkten sind die Atmosphäre und das<br />
Team, mit dem ich zusammenarbeiten<br />
darf, wirklich super. Wir sind quasi alle<br />
miteinander befreundet. Diese Zusammenarbeit<br />
ist besonders auf Tourneen<br />
auch sehr eng, was – wie ich denke –<br />
eine wichtige Voraussetzung ist.<br />
KF: Wer sind eigentlich diese begabten<br />
Buben, die bei den Wiener Sängerknaben<br />
singen?<br />
Huber: Einige der Wiener Sängerknaben<br />
waren bereits in der Volksschule bei uns,<br />
manche kommen auch erst zu Beginn der<br />
Sängerknabenzeit in unsere Schule. Die<br />
Knaben, die aktiv in einem der vier Konzert-<br />
und Tourneechöre singen, sind etwa<br />
zwischen 10-14 Jahren alt, das heißt die<br />
Sängerknabenlaufbahn beginnt in der 5.<br />
Klasse und endet dann nach der 3. Mittelschule.<br />
Die Kinder bei den Wiener Sängerknaben<br />
kommen aus sehr unterschiedlichen<br />
Nationen. Zurzeit kommen die Sänger<br />
meines Chores aus Österreich, der<br />
Schweiz, Serbien, Russland, Rumänien,<br />
Japan, Korea und der Mongolei. In den<br />
anderen Chören gibt es noch eine Vielzahl<br />
anderer Nationen (USA, China, Taiwan,<br />
Singapur, Frankreich, Belgien, …).<br />
Leider gibt es im Moment keine Buben<br />
aus Südtirol. Vielleicht findet sich ja der<br />
ein oder andere, der Interesse an so einer<br />
tollen Sache hat. Es lohnt sich auf jeden<br />
Fall vorzusingen und sich die Schule<br />
und das Internat einmal anzuschauen.<br />
Weitere Information findet man auf unserer<br />
Website: www.wsk.at.<br />
KF: Die Leitung eines solchen Chors unterscheidet<br />
sich sicher von der Leitung<br />
eines "normalen" Kinderchors.<br />
Huber: Unterschiede gibt es auf vielen<br />
Ebenen. Zum einen finden jeden Tag Proben<br />
statt, während ein „normaler“ Kinderchor<br />
meist nur einmal wöchentlich<br />
probt. Die Chorproben sind bei uns in<br />
den Schulalltag eingebettet. In der Regel<br />
proben wir zwei Stunden täglich, samstags<br />
auch mal drei Stunden. Am Nachmittag<br />
gibt es dann Zeit für Soloproben<br />
oder Teilproben. Einzelstimmbildung findet<br />
normalerweise während der Proben-<br />
KulturFenster<br />
8 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Chorwesen<br />
zeiten statt. Jeder Knabe wird bei uns<br />
auch einzeln betreut.<br />
Weiters ist die Literatur, die wir singen,<br />
sehr breit gefächert. Die Basis unserer<br />
Arbeit bilden natürlich klassische Werke,<br />
wie diverse Messen, Renaissance-Motetten,<br />
romantische Chormusik. Wir singen<br />
aber auch Werke der neuen Musik,<br />
Weltmusik und Volksmusik, sowie Pop,<br />
Musical und Jazz. Es ist also für jeden<br />
etwas dabei.<br />
Die Motivation bringen die Kinder, die zu<br />
uns kommen, eigentlich schon mit. Es<br />
gibt natürlich Phasen, in denen die Motivation<br />
auch einmal abflacht, vor allem<br />
in Phasen, wo es wenige Konzerte gibt,<br />
oder keine Konzertreisen anstehen. Insgesamt<br />
sind unsere Kinder aber sehr motiviert.<br />
Sie dürfen schließlich jedes Schuljahr<br />
für mehrere Monate auf Tournee<br />
fahren, sehen fremde Länder und singen<br />
in den größten Konzerthäusern der Welt.<br />
Das ist so, als würde man in der Nachwuchsmannschaft<br />
des FC Bayern nach<br />
Japan zur Junioren-WM fahren. Das motiviert<br />
natürlich. Dieser Erfahrungsschatz<br />
ist am Ende unglaublich wertvoll und die<br />
Kinder behalten ihn für ihr Leben.<br />
„<br />
Ich würde sagen, ich bin je nach Situation<br />
entweder Chorleiter, Lehrer<br />
oder Erzieher. Diese Vielseitigkeit und<br />
Flexibilität macht mir Spaß.<br />
„<br />
Manuel Huber<br />
KF: Worin sehen Sie Ihre Aufgabe? Geht<br />
es Ihnen nur um Chorleitung, oder sehen<br />
Sie sich auch als "Lehrer" und "Erzieher"?<br />
Huber: Ich persönlich finde, dass meine<br />
Arbeit über die eines Chorleiters hinausgeht.<br />
Jeder hat da seine eigene Ansicht<br />
und Herangehensweise. Für mich funktioniert<br />
Musizieren oder das Erbringen von<br />
Höchstleistungen am besten, wenn die<br />
Beziehungen untereinander auch stimmig<br />
sind. Die individuelle Betreuung meiner<br />
Sänger liegt mir besonders am Herzen.<br />
Jeder hat seinen Platz bei uns, mit<br />
seinen Eigenheiten, seinen besonderen<br />
Fähigkeiten und auch mit seinen Schwierigkeiten.<br />
Ich sehe die Kinder auch außerhalb<br />
der Chorprobe und wir spielen<br />
hin und wieder Fußball oder Tischtennis<br />
oder machen Vergleichbares. In der<br />
Probe bin ich natürlich der Chorleiter, außerhalb<br />
bin ich für die Kinder genauso<br />
eine Bezugsperson wie auch meine Kollegen<br />
und Kolleginnen im Erzieherteam.<br />
Besonders auf der Tournee übernehmen<br />
wir Kapellmeister auch immer wieder erzieherische<br />
Aufgaben.<br />
Ich unterrichte manche der Schüler als<br />
Musiklehrer. Also um die Frage in einem<br />
Satz zu beantworten: Ich würde sagen, ich<br />
bin je nach Situation entweder Chorleiter,<br />
Lehrer oder Erzieher. Diese Vielseitigkeit<br />
und Flexibilität macht mir Spaß.<br />
KF: Erzählen Sie uns bitte, warum Sie zur<br />
Musik, zum Chorleiten kamen - wurden<br />
Sie da besonders gefördert von Ihren<br />
Eltern? Oder war es vor allem Ihr eigner<br />
Einsatz? Wie ging es dann mit Ihrer Ausbildung<br />
weiter?<br />
Huber: Ich habe in der Volksschule mit<br />
dem Klavier angefangen. Meine Eltern<br />
haben mich nie in eine gewisse Richtung<br />
gedrängt. Natürlich gab es die<br />
eine oder andere Diskussion über das<br />
regelmäßige Üben, aber ab dem zehnten<br />
oder elften Lebensjahr war ich dabei<br />
recht selbstständig unterwegs. Da<br />
ich ja selber in einem Knabenchor gesungen<br />
habe, habe ich bereits früh eine<br />
gewisse Affinität für Chorgesang entwickelt.<br />
Ich habe auch in einer Reihe anderer<br />
Chöre gesungen. Unter anderem<br />
als Jugendlicher auch im Kirchenchor<br />
in meinem Heimatdorf Weitental. Unser<br />
damaliger Chorleiter Rudi Chizzali hat<br />
mich dazu überredet, das Chorleiterseminar<br />
des Chorverbandes in Dietenheim<br />
zu besuchen. Damals war ich 15 Jahre<br />
alt. Das war eigentlich der ausschlaggebende<br />
Schritt, der meine berufliche Entwicklung<br />
überhaupt ermöglicht hat. Dort<br />
habe ich nämlich die Leidenschaft für<br />
die Chorleitung entdeckt und erste wichtige<br />
Erfahrungen sammeln können. Dafür<br />
bin ich Rudi heute noch dankbar. In<br />
der Folge habe ich zuhause sukzessive<br />
den Jugendchor, den Frauenchor und<br />
den Kirchenchor übernommen. Während<br />
meiner Maturavorbereitung habe<br />
ich mich für die Aufnahmeprüfung für<br />
Chorleitung am Mozarteum in Salzburg<br />
beworben. Es war mehr oder weniger<br />
eine spontane Aktion, die überraschenderweise<br />
gut ausgegangen ist. Zunächst<br />
habe ich parallel Psychologie und Chorleitung<br />
studiert. Später habe ich Schulmusik<br />
dazu genommen und schließlich<br />
Orchesterleitung und Gesangspädagogik.<br />
Abgeschlossen habe ich Chorleitung, Orchesterleitung<br />
und Gesangspädagogik.<br />
Seit dem letzten Herbst studiere ich nebenbei<br />
aus persönlichem Interesse auch<br />
Astrophysik an der Uni Wien.<br />
„<br />
Als Musiker ist mir beim Chorsingen<br />
der künstlerische Aspekt natürlich<br />
besonders wichtig, trotzdem<br />
steht für mich der soziale Aspekt im<br />
„<br />
Vordergrund.<br />
Manuel Huber<br />
KF: Welche Bedeutung hatte Ihre musikalische<br />
Erziehung in Südtirol, woran erinnern<br />
Sie sich besonders?<br />
Huber: Besonders wichtig für mich war<br />
die instrumentale Ausbildung, die ich in<br />
der Musikschule und dann später privat,<br />
bzw. am Konservatorium in Bozen<br />
genießen durfte. Ohne eine solide Basis<br />
am Klavier könnte ich in meinem Job<br />
nicht arbeiten. Ganz wichtig war auch<br />
– wie bereits erwähnt – die jahrelange<br />
Mitgliedschaft im Vinzentiner Knabenchor<br />
unter der Leitung von Rudi Chizzali<br />
und später Stefan Kaltenböck. Im<br />
Zuge dessen wurde ich immer wieder<br />
für Korrepetitionsaufgaben eingesetzt,<br />
bereits in sehr jungem Alter. Dafür bin<br />
ich sehr dankbar, denn ich konnte unglaublich<br />
viel lernen. Dazu kamen nach<br />
und nach andere Chöre (Ensemble VocalArt<br />
Brixen, Landesjugendchor, …), in<br />
denen ich weiter Erfahrungen sammeln<br />
durfte. Besonders hervorheben möchte<br />
ich auch die stimmliche Betreuung und<br />
Vokalausbildung durch Klara Sattler und<br />
– last but not least – das Chorleiterseminar<br />
in Dietenheim. Diese ganzen Punkte<br />
haben es ermöglicht, dass ich die Hürde<br />
ins Studium und schließlich ins Berufsleben<br />
nehmen konnte.<br />
KulturFenster<br />
9 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
angekommen<br />
KF: Was bedeutet Singen im Chor und einen<br />
Chor leiten für Sie persönlich?<br />
Huber: Als Musiker ist mir beim Chorsingen<br />
der künstlerische Aspekt natürlich besonders<br />
wichtig, trotzdem steht für mich der<br />
soziale Aspekt im Vordergrund. Chorsingen<br />
ist eine Möglichkeit, wie man gemeinsam<br />
etwas Großartiges leisten und dabei<br />
jede Menge Spaß haben kann. Ich singe<br />
nach wie vor gerne im Chor, auch wenn<br />
ich nicht mehr so oft dazu komme. Viel<br />
lieber stehe ich aber vorne und nehme<br />
die Sache selber in die Hand. Die Leute<br />
zu motivieren, das Beste aus ihnen herauszuholen,<br />
konzentriert an den Details<br />
eines Stückes zu arbeiten und dann als<br />
Chorleiter gemeinsam mit den Sängern<br />
und Sängerinnen das Ergebnis zu präsentieren,<br />
ist sehr schön. Ich sehe die Sänger<br />
dabei nicht als „mein“ Instrument,<br />
das ich spiele. Es sind meine Mitmusiker,<br />
mit denen ich gemeinsam ein Projekt<br />
erarbeiten darf.<br />
KF: Wie erleben Sie und Ihr Chor die Corona-Situation?<br />
Gibt es Proben und Konzerte?<br />
Huber: Die Corona-Krise ist für alle Menschen,<br />
die künstlerisch tätig sind, eine<br />
sehr große Herausforderung, auch für die<br />
Wiener Sängerknaben. Unsere Institution<br />
finanziert sich fast zur Gänze aus Konzerteinnahmen,<br />
da wir jedem Kind – unabhängig<br />
von der finanziellen Situation der Eltern<br />
– die Möglichkeit bieten wollen, unsere<br />
Ausbildung zu genießen. Unsere Konzerttourneen<br />
– unsere Haupteinnahmequelle<br />
– sind seit einem Jahr ausnahmslos abgesagt.<br />
Stattfinden konnten nur vereinzelte<br />
Konzerte in kurzfristigen Lockerungsphasen.<br />
Momentan proben wir etwa halb so<br />
viel wie normal, dafür unter strengen Auflagen<br />
(Luftfilterungsanlagen, regelmäßiges<br />
Lüften, Abstand, mit Maske, regelmäßige<br />
Tests). Konzerte sind ab <strong>April</strong>/Mai wieder<br />
Manuel Huber ist für seine<br />
Sängerknaben Chorleiter, Lehrer<br />
und Erzieher.<br />
geplant. Ob diese stattfinden, kann zurzeit<br />
niemand mit Sicherheit sagen. Auf<br />
jeden Fall bereiten wir uns gerade auf ein<br />
Streaming-Konzert vor, dass gegen einen<br />
kleinen Betrag online abrufbar sein wird.<br />
Wir hoffen alle auf ein baldiges Ende der<br />
Krise! Ich würde mich freuen, wenn die<br />
Leserinnen und Leser dieses Interviews<br />
uns vielleicht unterstützen. Infos gibt es<br />
auf unserer Website www.wsk.at.<br />
Interview: Paul Bertagnolli<br />
Manuel Huber wird im Sommer als<br />
„Stimmcoach“ an der Schulungswoche<br />
in Burgeis tätig sein.<br />
Infos auf: scv.bz.it/chor-und-stimmbildungswoche-in-burgeis<br />
Aus der Redaktion<br />
Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Chorwesen<br />
senden Sie bitte an: info@scv.bz.it (Südtiroler Chorverband)<br />
Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter<br />
folgender Nummer: +39 0471 971 833 (SCV)<br />
Redaktionsschluss für<br />
die nächste Ausgabe<br />
des KulturFensters ist<br />
Freitag, 14. Mai <strong>2021</strong><br />
KulturFenster<br />
10 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
SCV-intern<br />
„Ohne Kultur verarmen wir!“<br />
„klaNg“ auch in Zeiten von Corona<br />
Josef Elzenbaumer, Grundschullehrer a.D. aus St. Lorenzen, leitet seit mehreren Jahren<br />
Musikprojekte an Grundschulen im Eisack- und Pustertal im Rahmen des Projektes<br />
„klaNg“. Begonnen hat er vor zehn Jahren, damals noch mitten im Schulgeschehen, mit<br />
einem Schulprojekt in seiner näheren Umgebung. Mehr Freiraum ließ ein voller Stundenplan<br />
nicht zu. Nach dem Schulaustritt übernahm er mehrere Projekte, weil er nun mehr<br />
Zeit zur Verfügung hatte. Anfang März 2020, es war die erste Unterrichtswoche nach den<br />
Semesterferien, standen noch mehrer Projekte in seinem Vormerkkalender, einige abzuschließen,<br />
andere mit Frühlingsliedern zu beginnen. Dann kam der Lockdown.<br />
KulturFenster: Wie haben Sie diese Zeit<br />
erlebt?<br />
Josef Elzenbaumer: Die ersten Wochen<br />
erlebte ich als intensive Arbeitszeit. Eine<br />
Sammlung schöner Frühlingslieder wollte<br />
ich immer schon bearbeiten. So ergab es<br />
sich, dass ich mich in dieser Zeit einige<br />
Wochen lang mit dieser Thematik beschäftigte<br />
und für Lieder didaktische Formen<br />
suchte, um Text und Melodie kindgerecht<br />
vermitteln zu können. Es entstand<br />
eine Sammlung von Frühlingsliedern mit<br />
altersgerechter und spielbarer Orffbegleitung<br />
mit einfacher Notation, diese auf Streifen<br />
gezeichnet und mit Vorschlägen für<br />
eine szenische Gestaltung. Genau diese<br />
Spiellieder sind es, von denen die Kinder<br />
nie genug bekommen. Daher sehe<br />
ich es als Pflicht dieses Potential zu nutzen<br />
und den Schülern und Schülerinnen<br />
ein gutes Maß an Kultur mitzugeben. Wir<br />
müssen begeistern können, der Rest erledigt<br />
sich von selbst.<br />
KF: Wann begann „klaNg“ im Schuljahr<br />
2019-20?<br />
Elzenbaumer: Die Projekte starteten im<br />
Herbst 2019 mit Schulbeginn. Der Chorverband<br />
teilte alle genehmigten Musikprojekte<br />
für Südtirols Grundschulen ein und<br />
beauftragte unter anderem mich einige im<br />
Eisack- und Pustertal auszuführen.<br />
KF: Wie läuft das ab?<br />
Elzenbaumer: Die Schulen, die „klaNg“ im<br />
Umfang von 16 Stunden zugeteilt bekommen,<br />
werden vom Chorverband benachrichtigt<br />
und müssen mit den Referenten<br />
Kontakt aufnehmen. Meistens rufe ich<br />
die dafür zuständige Lehrperson an oder<br />
ich bekomme einen Anruf. Wir fixieren<br />
die Termine, besprechen die Inhalte und<br />
das Bereitstellen von OrffInstrumenten,<br />
manchmal muss auch ein Raum vorgemerkt<br />
werden.<br />
Das Projekt klaNg darf sich sehen und hören lassen.<br />
KF: Hat Corona Spuren hinterlassen?<br />
Elzenbaumer: Die genehmigten Musikprojekte<br />
und jene, die vor dem Lockdown<br />
2020 nicht beendet werden konnten, wurden<br />
auf das nächste Schuljahr verschoben,<br />
also auf den Herbst. Dafür mussten<br />
KulturFenster<br />
11 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
SCV-Intern<br />
einige Änderungen berücksichtigt werden.<br />
Maskenpflicht von allen war angesagt.<br />
Der Raum musste groß genug sein,<br />
um die vorgeschriebenen Abstände sicher<br />
einzuhalten. Für ständige Belüftung war zu<br />
sorgen und ein Desinfektionsmittel stand<br />
stets griffbereit. Als ich die Schule betrat<br />
hat eine Lehrperson meine Körpertemperatur<br />
gemessen. Ich musste als Externer auf<br />
einem Formblatt meine Kontaktadresse angeben<br />
mit Zeitangabe meines Aufenthaltes<br />
in der Schule und meine Unterschrift. Ich<br />
habe dies alles nie als lästig empfunden.<br />
Im Grunde sind es allgemeine Vorsichtsmaßnahmen<br />
in einer öffentlichen Schule.<br />
KF: Wie erlebten die Kinder diese Zeit?<br />
Elzenbaumer: Das Tragen eines Mundund<br />
Nasenschutzes war zu Schulbeginn<br />
für viele Kinder ungewohnt. Ohne diese<br />
Vorsichtsmaßnahmen hätte ich mit den<br />
Kindern nie musizieren dürfen. Der Gesang<br />
hörte sich anfangs sehr zaghaft an.<br />
Ich konnte auch nie feststellen, wer von<br />
den Kindern mitsang und wer nicht. Den<br />
Schwerpunkt verlagerte ich vom Singen<br />
auf das Spielen auf Orff-Instrumenten.<br />
Da die Gruppen im allgemeinen kleiner<br />
waren, tat sich plötzlich ein Tor auf, das<br />
es vorher nur in Kleinschulen gab: intensives<br />
Üben, Spielen, Improvisieren und<br />
Experimentieren auf Orff-Instrumenten.<br />
Diese Möglichkeit erkannte ich sofort und<br />
versuchte den Kindern durch gut durchdachte<br />
Didaktik Freude am Musizieren<br />
zu schenken. Gegen Ende einer Stundeneinheit<br />
ist von einem einfachen Kinderlied<br />
eine Kantate entstanden, mit Vor-,<br />
Zwischen- und Nachspiel. Wenn die Zeit<br />
reichte, konnte noch eine szenische Gestaltung<br />
eingebaut werden, anderenfalls<br />
war das ein Schwerpunkt für die nächste<br />
Stunde.<br />
Ich stellte fest, dass die Kinder noch nie<br />
so gerne musiziert haben wie in Zeiten von<br />
Corona. Noch nie betraten Kinder einen<br />
Musikraum mit derart Freude strahlenden<br />
Augen wie im Herbst 2020. Noch nie<br />
setzten Kinder sich so diszipliniert einzeln<br />
auf die im Halbkreis mit Abstand bereitgestellten<br />
Stühle. Noch nie haben Kinderaugen<br />
am Ende der Stunde und am Ende<br />
eines Projektes (auch ohne Aufführung)<br />
so Freude strahlend mir „Danke“ gesagt.<br />
KF: Wie sahen die Lehrpersonen diese Zeit,<br />
gab es eine Zusammenarbeit?<br />
Elzenbaumer: Es hat sich gerade in dieser<br />
schwierigen Zeit gezeigt, dass kleine Hilfestellungen<br />
von großer Nachhaltigkeit sind<br />
und als solche sich als solche zeigen werden.<br />
In der Grundschule ist der Fernunterricht<br />
grundlegend nicht durchführbar,<br />
sondern für einige Fächer nur eine Notlösung.<br />
Daher muss auf kulturell künstlerischem<br />
Gebiet ab und zu ein Tröpfchen<br />
verschenkt werden. Die Lehrpersonen waren<br />
alle sehr erfreut, sobald ich wiederkam.<br />
Sie erhielten alle Unterlagen und konnten<br />
sich didaktische Tipps notieren. Manchmal<br />
setzte sich eine Lehrerin, die eine freie<br />
Stunde hatte, in den Halbkreis und arbeitete<br />
mit oder beobachtete alles in einer Ecke<br />
sitzend. Ich darf mich nochmals wiederholen:<br />
Wir müssen die Kinder begeistern!<br />
KulturFenster<br />
12 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Chorwesen<br />
KF: Wurde noch gesungen?<br />
Elzenbaumer: Corona hat den Gesang<br />
fast zum Verstummen gebracht. Wenn<br />
vorher eine Kindergruppe mit rund 20<br />
Schüler*innen ein Lied zum Besten gab,<br />
so hört man jetzt nur noch einen leisen Faden,<br />
manche Kinder singen nicht mehr. Das<br />
heißt aber nicht, die Flinte ins Korn zu werfen!<br />
Gerade jetzt, am tiefsten Punkt, muss<br />
ein Wiederaufbau geplant und angegangen<br />
werden. Es kommt bestimmt der Tag oder<br />
das Jahr, an dem auf der Empore der Chor<br />
sich für die Gestaltung einer Messfeier einfindet<br />
und der Chorleiter bzw. die Chorleiterin<br />
den Anfangsakkord anstimmen wird.<br />
Werden dann ältere Sänger*innen noch<br />
dabei sein?<br />
Jene Kinder, die ein Instrument erlernen,<br />
überstehen diese Zeit recht gut. Daneben<br />
gibt es Kinder, die kein Instrument spielen,<br />
aber eine schöne Gesangsstimme haben.<br />
Genau diese Kinder könnten die künftigen<br />
Chorsänger und Chorsängerinnen werden.<br />
Ein packendes Erlebnis in der Musikstunde<br />
kann der Grundstein für einen Beitritt zu einer<br />
Chorgemeinschaft sein.<br />
KF: Was wird neben Gesang, Spielen auf<br />
Orff-Instrumenten noch angeboten?<br />
Elzenbaumer: Kinder, die nicht so gerne ihre<br />
Gesangsstimme zum Klingen bringen, bewegen<br />
sich gerne beim Tanzen. Diese Ausdruckform<br />
unterscheidet sich vollkommen<br />
von den anderen. Wir bewegen uns zu ruhigen<br />
und sanften Melodien, hören dabei<br />
ganz bewusst die Formen heraus, skizzieren<br />
den Aufbau eines Tanzes und manchmal<br />
können wir uns auch gehen lassen, d.h.<br />
ein Solopaar improvisiert allein ein kurzes<br />
Zwischenspiel. Wir tauchen beim Tanz in<br />
eine ganz andere Welt ein und merken, wie<br />
sich bei den Kindern Spannungen lösen.<br />
Fast alle Kinder kommen verkrampft in die<br />
Musikstunde. Spätestens beim Spielen auf<br />
Orff-Instrumenten erkenne ich, wie Kinder<br />
in den Schultern und Füßen verkrampft<br />
sind, folglich Blockaden haben. Auf dem<br />
Stundenplan fehlt in der Grundschule das<br />
Fach „Tanzen“. Gerne wähle ich dazu kurze<br />
Werke von W.A. Mozart und Vater Leopold.<br />
Tanzen mit Mozart, die klassischen Kontratänze,<br />
– ein Steckenpferd von mir – gehören<br />
fast zum Pflichtprogramm. Heuer in<br />
Zeiten von Corona musste ich kleine Änderungen<br />
vornehmen, weil sich die Kinder<br />
nicht die Hände geben und ebensowenig<br />
in die Hände klatschen durften. Nach regelmäßigen<br />
Tanzeinheiten konnte ich feststellen,<br />
dass Kinder, die anfangs gar nicht<br />
zum Tanzen zu motivieren waren, plötzlich<br />
zu mir kamen mit der Bitte: Tanzen wir das<br />
nächste Mal wieder?<br />
Vor einigen Jahren hatte ich das Glück im<br />
Rahmen einer Lehrerfortbildung auf dem<br />
Kronplatz auf über 2.000 m Meereshöhe<br />
den Tanz „La Bonne air“ von W.A. Mozart<br />
mit Lehrpersonen einzulernen. Welch eine<br />
Vorstellung im geräumigen Restaurant am<br />
Brunecker Hausberg!<br />
KF: Warum gab es „klaNg“ auch in der<br />
schwierigen Zeit von Corona?<br />
Elzenbaumer: Die Kinder kamen im Herbst<br />
2020 nach einem halben Jahr wieder in<br />
die Schule. Es fehlten nicht nur die sozialen<br />
Kontakte, sondern auch eine angemessene<br />
künstlerische Ausbildung. Ohne Kultur<br />
verarmen wir alle, groß und klein. Wenn<br />
jetzt der Gesang nicht im Vordergrund steht,<br />
können die Schwerpunkte des Musikunterrichts<br />
auf die anderen Teilbereiche der Curricula<br />
verteilt werden, denn bei klaNg werden<br />
alle Bereiche des vorgeschriebenen Lehrplans<br />
berücksichtigt. Gemeinsames Singen<br />
in der Klasse wird zur Zeit ausgesetzt wegen<br />
der zu kleinen Räume und der zu geringen<br />
Abstände. Im Musikunterricht ergeben<br />
sich dennoch viele Möglichkeiten, dass<br />
die Kinder trotz Corona auf dieser künstlerischen<br />
Ebene viel Freude und nachhaltiges<br />
Lernen erfahren können.<br />
„<br />
Ohne Kultur verarmen wir alle, groß<br />
„<br />
und klein.<br />
Josef Elzenbaumer<br />
KF: Sind wird imstande unser wertvolles<br />
Kulturerbe zu retten?<br />
Elzenbaumer: In ganz Europa kann ein Abwärtstrend<br />
festgestellt werden. Uli Führe,<br />
ein guter Freund aus dem Schwarzwald,<br />
hat mir verraten, dass er als Komponist<br />
nur noch dreistimmige Chorsätze schreibt,<br />
nämlich für zwei Frauenstimmen (Sopran<br />
und Alt) und eine Männerstimme. Es fehlen<br />
die Männer, und somit reicht die Baritonstimme<br />
für dieses Geschlecht. Dass junge<br />
Männer so schwer fürs Musizieren zu gewinnen<br />
sind, verstehe ich selbst nicht. Man<br />
sieht es jedoch bereits in der Grundschule:<br />
die Zugpferde sind die Mädchen. Wenige<br />
Buben lassen sich motivieren auf einem<br />
Instrument über mehrere Jahre zu üben<br />
oder in einer Chorgemeinschaft mitzusingen.<br />
Daher sehe ich es als sehr wichtig, an<br />
den Grundschulen auf diesem Gebiet kleine<br />
Schwerpunkte zu setzen, damit unser Kulturgut<br />
nicht ganz verloren geht. Anne Sophie<br />
Mutter äußerte sich kürzlich in einem<br />
Gespräch: „Der Mensch besteht eben aus<br />
mehr als nur Arbeiten und Socken kaufen.<br />
Da muss noch was für die Seele rüberkommen.<br />
Es ist dringend notwendig, dass wir die<br />
Kunst schützen, damit sie nach der Pandemie<br />
in ihrer Vielfalt noch da ist.“<br />
Wenn die Familie Oberhöller, die im vergangenen<br />
Jahrhundert vom Sarntal ins Pustertal<br />
übersiedelt ist, durch gemeinsames Singen<br />
und Musizieren über schwierige Zeiten<br />
während und nach dem 2. Weltkrieg getragen<br />
wurde und in dieser Kunst Zusammenhalt,<br />
Einheit und Zuversicht erfahren konnte,<br />
dürfen auch wir, genau jetzt in dieser Zeit<br />
geprägt von Unsicherheit, Angst und Zweifel,<br />
mit den Kindern Lieder anstimmen, zur<br />
Musik tanzen, auf Orff-Instrumenten spielen,<br />
trommeln und Werke hören.<br />
KF: Wie geht es weiter?<br />
Elzenbaumer: Die Meinung und Sichtweise<br />
von Wirtschaftsprofessor Christoph Kaserer<br />
in der Tageszeitung Dolomiten vom 30./31.<br />
Jänner <strong>2021</strong> kann ich nur teilen. Er stellt darin<br />
die Behauptung auf, dass „unsere derzeitige<br />
Situation in Europa […] das Ergebnis<br />
eines jahrelangen Kaputtsparens“ sei.<br />
Wenn wir den Kindern und Jugendlichen<br />
Angebote in Kunst und Kultur vorenthalten<br />
und sie auf diesem Gebiet zu wenig fördern,<br />
erziehen wir eine Gesellschaft von Populisten.<br />
Wie schnell das geht, zeigte uns<br />
Amerika in den vergangenen vier Jahren.<br />
Kunst und Kultur haben in der Geschichte<br />
in schwierigen Zeiten immer Brücken geschlagen.<br />
Auf dieser Grundlage entwickeln<br />
sich Kinder zu disziplinierten Menschen,<br />
stärken ihre Persönlichkeit und finden im<br />
Nächsten eine Bereicherung, nicht eine Gefahr.<br />
Besonders die Selbstdisziplin wird auf<br />
keiner anderen Ebene derart gestärkt wie<br />
auf der künstlerischen. „klaNg“ darf sich<br />
sehen und hören lassen. Es ist ein Projekt,<br />
getragen von Schulamt und Chorverband,<br />
mit enormer Nachhaltigkeit auch in schwierigen<br />
Zeiten. Neben der digitalen Welt müssen<br />
wir den jungen Menschen Werte und<br />
Fähigkeiten vermitteln, die sie in der späteren<br />
Berufswelt und im Leben allgemein<br />
zu mündigen, selbstständigen, sozial denkenden<br />
und verantwortungsbewussten Menschen<br />
reifen lassen.<br />
KulturFenster<br />
13 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
SCV-Intern<br />
Ein Jahr (fast) ohne Chorgesang<br />
Stimmen von Sängerinnen und Sängern zur Corona-Zeit<br />
„Das Selbstverständliche ist wertvoll geworden“<br />
Obfrau Karin Valentin – Chor Philia<br />
Unser Chor wird heuer sein 20-jähriges<br />
Bestehungsjubiläum feiern. In den letzten<br />
20 Jahren mussten wir noch nie eine so<br />
lange Pause hinlegen. Wir vermissen sehr<br />
die Singproben und die Auftritte, weil uns<br />
Singen Spaß macht, weil gemeinsames<br />
Singen wertvoll ist und einfach guttut. Es<br />
fehlt uns aber auch das ganze Drumherum:<br />
Freundinnen treffen, nach den Proben<br />
etwas gemeinsam trinken, zusammen<br />
lachen, zusammen sein. Unser Chor<br />
hat oft Gottesdienste musikalisch gestaltet,<br />
da ändern sich ja die Lieder im Laufe<br />
des Kirchenjahres, zum Beispiel fallen mir<br />
jetzt die schönen Fastenzeitgesänge ein.<br />
Während dieser Covidzeit fehlt eben diese<br />
Jahresstruktur. Im letzten Jahr wurden wir<br />
fest eingeschränkt und einiges wurde uns<br />
verboten, aber zum Glück dürfen wir Musik<br />
hören. Ich persönlich höre ganz viel<br />
klassische Musik. Für mich war sie eine<br />
haftigkeit dieser Form der Chormusik wohl<br />
nicht allein. Jeder allein zu Hause vor dem<br />
Computer? Gerade die Chormusik ist es ja,<br />
die so sehr auf das Zusammensein angewiesen<br />
ist. Kann man vor dem Bildschirm<br />
zu einem Klangkörper verschmelzen?<br />
Wie sich herausstellte, muss man das digitale<br />
Proben nur im richtigen Kontext betrachten.<br />
Es geht nicht darum, ein Programm<br />
konzertreif zu proben. Vielmehr<br />
steht im Vordergrund, sich nach so langer<br />
Zeit wieder zu sehen, Stücke kennenzulernen<br />
und zu verhindern, dass die Stimme<br />
ganz einrostet. Nun – wie ist es uns damit<br />
ergangen?<br />
Über die Videokonferenzplattform Zoom<br />
haben wir uns um 9 Uhr morgens getroffen.<br />
Nach kurzer Begrüßung und Einführung<br />
in den neuen Probenstil standen neben<br />
Registerproben auch Tutti-Proben auf<br />
dem Programm. Der große Unterschied<br />
zu normalen Proben ist bei dieser neuen<br />
Form, dass der Chorleiter seine Sängeunverzichtbare,<br />
freudebringende, beruhigende<br />
Begleiterin in dieser Zeit.<br />
Ich freue mich, wenn wir irgendwann wieder<br />
gemeinsam, ohne Einschränkungen und<br />
ohne Angst singen werden können. Diese Zeit<br />
kommt sicher, ganz bestimmt. Vielleicht sagen<br />
wird dann nicht mehr „wir müssen zur<br />
Singprobe“, sondern „endlich dürfen wir<br />
wieder gemeinsam singen“. Alles was einmal<br />
so selbstverständlich und logisch war,<br />
ist jetzt auf einmal ganz wertvoll geworden.<br />
Karin Valentin<br />
Obfrau Chor Philia, Abtei<br />
„Digitale Probe kann echte Probe nie ersetzen“<br />
David Bernardi – Landesjugendchor Südtirol<br />
Das letzte Probenwochenende vor Ausbruch<br />
der Pandemie fand im Februar 2020<br />
statt. Damals hat niemand damit gerechnet,<br />
dass das die letzte „normale“ Probe<br />
bis auf Weiteres sein sollte. Unser Versuch,<br />
im Herbst die Proben wieder aufzunehmen,<br />
war leider auch vergeblich.<br />
Nach einer Probe im Oktober mit ungewohnten<br />
und ungeliebten Sicherheitsbestimmungen<br />
in einem möglichst großen,<br />
dafür aber akustisch umso undankbareren<br />
Raum – einer Turnhalle – hatte das Vergnügen<br />
auch schon wieder ein Ende. Die<br />
zweite Welle war da.<br />
Jetzt mit Beginn des neuen Jahres versuchten<br />
wir es erneut, diesmal online. Für<br />
viele war es die erste digitale Probe und<br />
ich war mit meinen Zweifeln an der Sinn-<br />
rinnen und Sänger nicht hört. Alle Sänger<br />
haben die Mikrofone ihrer Computer<br />
ausgeschaltet, da das Programm nicht<br />
für mehrere Audioeinspielungen gleichzeitig<br />
konzipiert ist. Außerdem würden<br />
Verzögerungen durch die unterschiedlich<br />
schnellen Übertragungen keine Synchronität<br />
erlauben. Dadurch steigt natürlich<br />
automatisch die Eigenverantwortung der<br />
Sänger*innen. Mit relativ einfachen Stücken<br />
hat Chorleiter Johann van der Sandt<br />
in gewohnt professioneller Manier den Probentag<br />
mit abschließender Tutti-Probe über<br />
die Bühne gebracht.<br />
Digitales Proben kann niemals ein Ersatz<br />
für das Singen in Präsenz sein. Dennoch<br />
erachte ich es als akzeptable Notlösung,<br />
um in Kontakt zu bleiben, wieder einmal<br />
zu singen und ja nicht zu vergessen, wie<br />
bärig es ist, in einem Chor zu sein.<br />
David Bernardi<br />
Sänger im Landesjugendchor Südtirol<br />
KulturFenster<br />
14 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Chorwesen<br />
„Freundschaft gibt uns Kraft“<br />
Obmann Luis Meraner vom MGV Welschnofen<br />
Um das Verbot des Chorsingens ein bisschen<br />
zu lindern, habe ich in der folgenden<br />
Lockdown-Zeit, an 60 Tagen, täglich in der<br />
Früh ein Lied unseres Männerchores per<br />
Whatsapp unseren Mitgliedern und auch<br />
einigen Chorfreunden zugesandt. Was unserer<br />
Zusammengehörigkeit und Freundschaft<br />
gutgetan und auch Kraft gegeben<br />
hat. Ich habe nämlich von den Chorkonzerten<br />
und anderen Konzerten der letzten<br />
15 Jahre sämtliche Life-Aufnahmen<br />
abgespeichert.<br />
Trotz Virus haben wir uns das Singen<br />
nicht ganz verbieten lassen. Wir sind als<br />
Doppelquartett bei einer Geburtstagsfeier<br />
(der älteste Vereinsfreund wurde 100 Jahr<br />
alt) aufgetreten. Bei der Beerdigungsfeier<br />
im August 2020 (der Vater von Chorleiter<br />
Ivan und Schriftführer Gerd war gestorben)<br />
hat der ganze Chor die Feier begleitet.<br />
Dann haben wir bei weiteren zwei<br />
Messen in der Kirche als Doppel-Quartett<br />
gesungen – immer ausgerüstet mit Vereins-Fiebermesser,<br />
Vereins-Desinfektionsmittel<br />
und Vereins-Mundmasken! Bei<br />
der Vollversammlung im September haben<br />
wir uns endlich wieder alle getroffen<br />
und in der Hoffnung im Herbst 2020 virusfrei<br />
mit den Proben wieder beginnen<br />
zu können, haben wir die neuen Konzerttermine<br />
für Mai <strong>2021</strong> fixiert und sicherheitshalber<br />
einen Plan B geschaffen. Laut<br />
diesem Plan wollten wir eine Doppel-CD<br />
mit Musikern aufnehmen, welche traditionelles<br />
Liedgut und auch moderne Songs,<br />
Lieder unserer letzten Konzerte, beinhalten.<br />
Aber leider wurde auch Plan B vom<br />
zweiten Virus-Tsunami zerstört<br />
Sorgen und Probleme nach<br />
dieser Kultur-Katastrophe<br />
Der Männerchor Welschnofen mit seiner<br />
Boy- und Junior Gruppe hört trotz allem<br />
nicht auf zu singen. Wir freuen uns auf die<br />
nächsten bärigen Konzerte, spätestens im<br />
Jahr 1 nach Corona! Was wir schon Anfang<br />
März 2020 befürchtet hatten, bewahrheitete<br />
sich ab 10. März 2020: Ganz Italien<br />
samt Südtirol – Sperrzone. Da der MGV<br />
Welschnofen sich zu dieser Zeit voll in<br />
den Vorbereitungen der Konzerte im Mai<br />
2020 befand, traf uns diese Entscheidung<br />
sehr hart und schmerzlich. Bei der Ausschusssitzung<br />
am selben Tag am Abend<br />
(trotz Lockdown) mussten wir schweren<br />
Herzens entscheiden, alle vier Konzerte<br />
abzusagen. Nach den vielen Vorbereitungen<br />
und Proben mussten wir allen absagen:<br />
den Männern, den acht Buben unserer<br />
MGV Boy Grupp, den 10 Burschen<br />
unserer MGV Junior Gruppe, den Musikern,<br />
den Technikern, den Medien, der<br />
Gemeinde, den Vorverkauf stoppen, Konzert-Flyer<br />
und Plakate wieder einziehen<br />
usw. Wir waren uns bewusst, dass gerade<br />
bei uns Sängern (wir Superspreader!) beim<br />
Singen ein hohes Ansteckungsrisiko existiert.<br />
Und die Verantwortung, sei es Mitglieder<br />
wie auch deren Familien mit diesem<br />
Virus anzustecken und Betriebe zu<br />
schließen bzw. in Quarantäne zu schicken,<br />
war uns zu groß. Das Dekret <strong>Nr</strong>. 5 vom 5.<br />
März 2020 von Landeshauptmann Arno<br />
Kompatscher hat uns dann zum Schweigen<br />
gebracht. – Einige Vereinsmitglieder<br />
waren natürlich von dieser Entscheidung<br />
nicht besonders begeistert, haben aber in<br />
den darauffolgenden Wochen diese Entscheidung<br />
gutgeheißen.<br />
Lieder über Whatsapp<br />
Der Männerchor rechnet im heurigen Spätsommer<br />
mit dem Probenbeginn. Wahrscheinlich<br />
werden zwei bis drei Sänger<br />
weniger dabei sein. Wir müssen neue Mitglieder<br />
suchen. Bei der Vollversammlung<br />
im Herbst werden wir mit tollen Projekten<br />
für Motivation und Begeisterung sorgen.<br />
Auch die MGV Boy Grupp wird neu starten.<br />
Der Start mit den Buben der Mittelschule<br />
muss im Herbst wieder von Neuem<br />
beginnen. Wir werden Kontakt mit der Mittelschuldirektion<br />
aufnehmen, mit den Eltern,<br />
mit dem Singlehrer, die Buben motivieren.<br />
Wir werden einen Coach für die<br />
Buben organisieren.<br />
Auch bei der MGV Junior Gruppe muss<br />
wieder alles neu geplant werden. Wer von<br />
den Burschen zwischen 14 bis 18 Jahren<br />
ist noch bereit mitzuwirken? Stimmbruch,<br />
andere Hobbys, Skitraining im<br />
Winter, Fußballtraining im Sommer sowie<br />
Studium und Berufswahl machen es<br />
nicht leicht, neue Mitglieder zu finden.<br />
Konzerte ab 2022?<br />
Wir hoffen bis Herbst zu wissen, wie es mit<br />
oder ohne Corona weiter geht, mit oder<br />
ohne Masken, wie es mit der Bestuhlung<br />
im Konzertsaal ausschaut, usw. Da unsere<br />
Konzerte mit sehr hohen Kosten verbunden<br />
sind (Ton-Licht Technik, Musiker),<br />
können wir erst richtig loslegen, wenn wir<br />
auch auf einen Beitrag hoffen können.<br />
Aber wir lassen uns nicht entmutigen und<br />
werden mit einer „JETZT ERST RECHT“-<br />
Einstellung“ das neue Sängerjahr nach<br />
Corona beginnen!<br />
Das gemeinsame Singen und Proben, das<br />
Suchen nach Harmonie im Gesang, das<br />
Hinfiebern auf eine Aufführung, das Erlebnis<br />
und Hochgefühl eines Konzertes,<br />
die Freude und der Applaus des Publikums,<br />
das ist für uns notwendiges Lebenselixier<br />
und wird es auch weiterhin<br />
bleiben! Trotz Corona!<br />
Luis Meraner<br />
Obmann MGV Welschnofen<br />
KulturFenster<br />
15 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
SCV-Intern<br />
„Bleibt dem Chorgesang treu!“<br />
72. ordentliche Vollversammlung des SCV<br />
„Wir arbeiten intensiv daran, dass mit einem<br />
grünen Pass auch der Zugang zur Chortätigkeit<br />
wieder möglich ist“, versprach Landeshauptmann<br />
Arno Kompatscher den<br />
Sängerinnen und Sängern bei der virtuellen<br />
Jahreshauptversammlung des Südtiroler<br />
Chorverbands am 27. März <strong>2021</strong>.<br />
Das Testen und das Impfen seien die einzige<br />
Möglichkeit, Singen im Chor bald wieder<br />
zu ermöglichen. Auch Verbandsobmann<br />
Erich Deltedesco blickte mit viel Zuversicht<br />
in die Zukunft: „Unser erstes Ziel ist es, die<br />
geplanten Schulungen des Chorverbands<br />
durchzuführen.“<br />
Auf ein schwieriges Jahr blickte der Südtiroler<br />
Chorverband bei seiner virtuellen Vollversammlung<br />
zurück: Verbandsobmann<br />
Erich Deltedesco blickte mit Optimismus<br />
in die Zukunft: „Wir wollen die geplanten<br />
Vorhaben unbedingt umsetzen. Dazu haben<br />
wir für jede Schulung auch einen Plan<br />
B und teilweise einen Plan C erarbeitet.“<br />
Die Sehnsucht nach gemeinsamem Singen<br />
und Fortbildung sei nämlich groß, betonte<br />
der Obmann. Das zeigten auch die<br />
vielen Anmeldungen vor allem für die Kinder-<br />
und Jugendwochen. Im abgelaufenen<br />
Jahr konnte der Chorverband fast keine<br />
Schulungen ausrichten. Im Sommer fanden<br />
allerdings Singwochen für Grundschüler<br />
an verschiedenen Orten im Lande statt.<br />
Ebenso gab es einen Workshop für Chorleiterinnen<br />
und Chorleiter mit dem renommierten<br />
Dirigenten Jan Scheerer.<br />
Außerdem nahmen 13 Personen das Angebot<br />
der Chorleiterausbildung an verschiedenen<br />
Musikschulen im Lande wahr. Verbandschorleiterin<br />
Renate Unterthiner rief<br />
dazu auf, motivierte Sänger und Sängerinnen<br />
zu animierten, diesen interessanten<br />
Lehrgang zu absolvieren. Sie erinnerte auch<br />
daran, dass es die „KAS-Wochen“ für Kinder<br />
– Kreativ- Aktiv- und Singwochen - auch<br />
heuer wieder geben wird. Das Projekt Landeskinder-<br />
und Landesjuniorchor stehe<br />
auch bereits in den Startlöchern: „Sobald<br />
wir proben dürfen, werden wir damit beginnen<br />
und vielleicht können wir in einem<br />
Jahr bei der Versammlung bereits vom ersten<br />
Konzert berichten!“ Dass die Kinderund<br />
Jugendförderung auch in Pandemiezeiten<br />
ein großes Anliegen ist, zeigt auch<br />
die Umsetzung des Projekts „klang“ in den<br />
Grundschulen des Landes, in Zusammenarbeit<br />
mit dem Schulamt.<br />
Die Krise als Chance zu sehen, betonte Erich<br />
Deltedesco auch mit seinem Hinweis auf die<br />
„Ideenwerkstatt <strong>2021</strong>“. Er lud alle, denen die<br />
Chorlandschaft in Südtiroler ein Anliegen ist,<br />
ein, sich an der Entwicklung neuer Zielsetzungen<br />
und an einer Verbesserung der Verbandsstruktur<br />
mitzuarbeiten. „An einer Strategie<br />
für die Zukunft zu arbeiten, bedeutet<br />
freilich nicht, dass wir das Rad neu erfinden<br />
müssen.“ Der Verbandsobmann wies auf ein<br />
besonderes Projekt des Bezirks Bozen hin:<br />
Unter dem Motto „Unser Lieblingslied“ sind<br />
alle Chöre im Land eingeladen, eine Liedeinspielung<br />
an den Südtiroler Chorverband zu<br />
senden. Aus den Einsendungen wird dann<br />
ein Konzert zusammengestellt, das am 24.<br />
<strong>April</strong> um 20.30 auf YouTube zu hören ist.<br />
Alles zu tun, dass das Chorsingen auch in<br />
den Pandemiezeiten nicht ganz zum Stillstand<br />
kommt – dazu rief auch Landesrat<br />
Philipp Achammer auf: „Ich danke allen für<br />
ihre Anstrengungen, das Chorleben zu erhalten,<br />
indem sie etwa auch unkonventionelle<br />
Methoden wie online-Proben anwenden,<br />
um den Kontakt untereinander nicht zu<br />
verlieren.“ Das Singen im Chor sei wichtig für<br />
die Gesellschaft. „Wir dürfen das Ehrenamt<br />
nicht verlieren!“, sagte der Kulturlandesrat.<br />
Verbandsobmann Erich Deltedesco dankte<br />
den Förderern des Chorverbands, allen voran<br />
der Südtiroler Landesregierung, aber<br />
auch den zahlreichen Ehrengästen aus<br />
Gesellschaft und Politik. Sein größter Dank<br />
galt den Ehrenamtlichen im Chorverband:<br />
„Gerade jetzt ist euer Dienst an der Gemeinschaft<br />
unverzichtbar! Ich danke euch<br />
allen, die ihr dem Chor und dem Chorgesang<br />
treu bleibt!“.<br />
Schulungen des Südtiroler Chorverbands<br />
Flexible Organisation der Fortbildungsveranstaltungen<br />
Trotz der schwierigen Situation wird heuer<br />
der Südtiroler Chorverband alles versuchen,<br />
das Schulungsprogramm wie geplant abzuhalten.<br />
„Wir sind davon überzeugt, dass die<br />
Abhaltung auch für die Moral bei den Sängerinnen<br />
und Sängern wichtig ist“, betont<br />
Geschäftsführer Dietmar Thanei: „Bereits im<br />
Vorfeld haben wir verschiedene Varianten<br />
zur Durchführung erarbeitet, um flexibler<br />
zu sein und uns auf alle möglichen Eventualitäten<br />
einzustellen. So könnte man z.B.<br />
die Schulungen in kleineren, aufgeteilten<br />
Gruppen abhalten.“<br />
Neben den Schulungen, die auf der Homepage<br />
des Südtiroler Chorverbandes aufgelistet<br />
sind, wird es wahrscheinlich auch das<br />
Chorleiterseminar in Dietenheim (zusammen<br />
mit dem VKM) und die KAS-Wochen<br />
für Grundschulkinder - in verschiedenen<br />
Städten in Südtirol und in Zusammenarbeit<br />
mit den Musikschulen – geben. Das Konzept<br />
bleibt dasselbe wie im Vorjahr. Daneben<br />
gibt es wieder ein reichhaltiges Angebot<br />
für alle – für Sängerinnen und Sänger<br />
aller Altersstufen, von der Kindersingwoche<br />
bis hin zum Singtag 50 plus.<br />
Alle Schulungen des Verbandes<br />
sowie die Anmeldeformulare<br />
dazu sind unter<br />
scv.bz.it/kursprogramm zu<br />
finden.<br />
KulturFenster<br />
16 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
persönlich<br />
Komponieren für die Chöre<br />
Vor 100 Jahren wurde der Kirchenmusiker Josef Knapp geboren<br />
Heuer wäre Professor Josef Knapp, Priester<br />
und Kirchenmusiker aus St. Lorenzen, 100<br />
Jahre alt geworden.<br />
Josef Knapp wurde am 9. Februar 1921 in<br />
St. Lorenzen geboren. Nach dem Vinzentinum<br />
in Brixen und dem philosophisch-theologischen<br />
Studium wurde er am 29. Juni<br />
1944 in Brixen zum Priester geweiht. Während<br />
der Studienzeit waren Alfons Maister,<br />
Pius Goller, Alfons Frontull, Angelo Alverà,<br />
Josef Gasser und später Oswald Jaeggi seine<br />
Musiklehrer. Nach dem Studium der Musica<br />
sacra am Bozner Konservatorium besuchte<br />
er noch viele Schulungskurse bei<br />
namhaften Meistern im Ausland. Josef<br />
Knapp wirkte zuerst als Chorleiter in der<br />
Stadtpfarrkirche von Bruneck, wo er zwischen<br />
1944 und 1950 als Kooperator<br />
wirkte. Anschließend war er von 1950 bis<br />
1974 als Musikprofessor am Vinzentinum<br />
Brixen tätig. Zugleich<br />
war er Lehrer und später Leiter<br />
der Diözesanen Kirchenmusikschule<br />
(bis 1987) sowie von 1975<br />
bis 1989 Professor für Kirchenmusik<br />
an der Philosophisch-Theologischen<br />
Hochschule und von<br />
1974 bis 1990 Domkapellmeister<br />
in Brixen. Professor Knapp war<br />
von 1953 an Mitglied der Diözesankommission<br />
für Kirchenmusik<br />
und von 1958 bis 1980 Präsident<br />
dieser Kommission.<br />
Seit 1956 hatte er das Amt des<br />
Diözesanpräses des Allgemeinen<br />
Cäcilienverbandes inne. Er<br />
war maßgeblicher Mitarbeiter bei<br />
der Herausgabe des diözesanen<br />
Gebet- und Gesangbuchs „Unser<br />
Gotteslob“ und später Mitglied<br />
der Hauptkommission und<br />
der Subkommission „Lieder“ für<br />
das 1975 erschienene Einheitsgesangbuch<br />
„Gotteslob“. Seine Melodie<br />
zu Psalm 42 und 43 Sehnsucht<br />
nach dem lebendigen Gott<br />
ist im Gotteslob 2013 unter der <strong>Nr</strong>. 42 aufgenommen.<br />
Seit Herbst 1990 befand er<br />
sich im Ruhestand. Im Jahr 1973 wurde<br />
er für seine Verdienste als Kirchenmusiker<br />
mit der Orlando-di-Lasso-Medaille des Allgemeinen<br />
Cäcilienverbandes ausgezeichnet.<br />
1979 wurde ihm das Verdienstkreuz<br />
des Landes Tirol verliehen. Als langjähriger<br />
Professor am Vinzentinum führte Knapp<br />
zahlreiche junge Menschen an die Musik<br />
heran und förderte mehrere Talente, die<br />
inzwischen international erfolgreich sind.<br />
Ein Kirchenmusiker für<br />
die Menschen<br />
Trotz seines klaren Bekenntnisses zur Tradition<br />
des Cäcilienverbandes - der liturgischen<br />
Bindung der Musik mit Bevorzugung<br />
von a-cappella-Gesang - war Knapp<br />
als Domkapellmeister allem Neuen gegenüber<br />
aufgeschlossen. Knapp, der der letzte<br />
Domkapellmeister geistlichen Standes war,<br />
führte die Domkonzerte ein. Die Chronik<br />
verweist auf nachhaltige Aufführungen von<br />
Als langjähriger Professor führte Josef<br />
Knapp zahlreiche junge Menschen an<br />
die Musik heran und förderte mehrere<br />
Talente, die inzwischen international<br />
erfolgreich sind.<br />
Johann Sebastian Bach bis Hugo Distler,<br />
von Palestrina bis Gounod. Höhepunkt<br />
seiner langjährigen Tätigkeit war zweifellos<br />
die Einspielung des Tonträgers „Ostern<br />
im Brixner Dom“ im Jahre 1990.<br />
Als Komponist sah sich Josef Knapp als<br />
Diener an den Bedürfnissen der Chöre.<br />
Seine Kompositionen und Bearbeitungen<br />
bekannter Werke für Chöre sind diesem<br />
Geist der Praxisnähe und Umsetzbarkeit<br />
verpflichtet. Neben den geistlichen Liedern<br />
stechen auch Sammlungen von Volksliedern<br />
hervor, darunter etwa die Bearbeitung<br />
von „Wohl ist die Welt so groß und<br />
weit“, das er 1990 mit dem Domchor für<br />
den Rundfunk eingesungen hat. Weitere<br />
Beispiele für die Volksnähe seines Wirkens<br />
sind die Bearbeitungen für vierstimmig gemischten<br />
Chor so bekannter Lieder wie „Tirol<br />
isch lei oans“ von Vinzenz Goller oder<br />
„In die Berg bin i gearn“. Diese<br />
Lieder stehen auch für die große<br />
Heimatverbundenheit von Josef<br />
Knapp, dessen Weltoffenheit und<br />
Lebensnähe sich auch in seinen<br />
Bearbeitungen verschiedener Liebeslieder<br />
für den Chor zeigen, die<br />
er mit dem Domchor für den Rundfunk<br />
aufnahm.<br />
Ein Beispiel für Knapps geistliche<br />
Kompositionen ist etwa seine<br />
Adventmesse, die dem Geist der<br />
Einfachheit und Umsetzbarkeit<br />
verpflichtet ist und wie viele seiner<br />
geistlichen Lieder und Motetten<br />
durch die Chöre im Land aufgeführt<br />
wurde. Der Priester und<br />
Komponist Josef Knapp wirkte<br />
auch im Ruhestand in St. Lorenzen<br />
für den Gottesdienst. Das zeigen<br />
etwa auch seine 1991 veröffentlichten<br />
„Feierlichen Zwischengesänge<br />
für Kantor, Volk und vierstimmig<br />
gemischten Chor“. Prof.<br />
Josef Knapp verstarb im Februar<br />
1914 in St. Lorenzen. Sein Leben<br />
und Werk haben die Kultur vieler<br />
Menschen und des ganzen Landes maßgeblich<br />
mitgeprägt. Hohen Anspruch und<br />
Volksnähe hat er verbunden und ist damit<br />
ein leuchtendes Beispiel für eine Kultur,<br />
die für die Menschen da ist.<br />
KulturFenster<br />
17 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
komponiert<br />
121. Psalm (Davids Psalm)<br />
von Otto Olsson<br />
„Hebe deine Augen auf“ – Welche<br />
Sängerin und welcher Sänger<br />
beginnt nicht intuitiv die<br />
Melodie der dreistimmigen Frauenchor-Vertonung<br />
von Felix Mendelssohn-Bartholdy<br />
zu summen,<br />
wenn sie diese Zeile lesen? Vorstellen<br />
möchte ich eine andere<br />
Vertonung des 121. Psalms, und<br />
zwar jene des schwedischen<br />
Komponisten Otto Olsson (1879-<br />
1964). Olsson gilt als nationalromantischer<br />
Vertreter und wirkte<br />
in Stockholm. Viele seiner Kompositionen<br />
zählen in Schweden zum<br />
sogenannten Standardrepertoire,<br />
wie z.B. sein „Advent“.<br />
Olsson vertonte den Psalmentext<br />
für vierstimmigen gemischten Chor<br />
mit obligater Orgelbegleitung, die<br />
dem vierstimmigen Chorpart mitunter<br />
kontrapunktisch entgegentritt.<br />
Das Werk weist in den Singstimmen<br />
eine fast durchgehend homophone<br />
Satzweise auf, die durch zwei sehr<br />
kurze imitatorische Einsätze aufgebrochen<br />
wird. Das Lied „Ich richte<br />
meine Augen auf die Berge“ kann zu<br />
jedem Anlass im Kirchenjahr gesungen<br />
werden, in welchem die Hoffnung<br />
besungen und um göttliche Zuversicht<br />
und Unterstützung gebeten wird.<br />
Der einstimmige Beginn des Liedes bringt<br />
das aufrichtige Bitten eindringlich zum<br />
Ausdruck und findet seinen Höhepunkt<br />
in der Vertonung der Psalmverse „Er ist<br />
der Herr, der dich bewahret! Er, der Herr,<br />
ist dein Schirm.“<br />
Dieser Ruf kann uns auch in der momentan<br />
schwierigen Situation weiterhelfen<br />
und uns den richtigen Weg weisen.<br />
Entnommen habe ich dieses Werk aus<br />
dem Chorbuch „I Himmelen“ – 70 skandinavische<br />
Chorstücke für Gemischten<br />
Chor aus dem Musikverlag „Edition Peters“.<br />
„I Himmelen“ enthält eine große<br />
Fülle an singbaren, wirkungsvollen und<br />
wunderschönen nordischen Chorwerken,<br />
die allesamt in Originalsprache und deutscher<br />
Übersetzung abgedruckt wurden.<br />
Markus Federer,<br />
Chorleiter des Gemischten Chores Pfalzen,<br />
Bezirkschorleiter Pustertal<br />
Link zum Chorbuch:<br />
www.edition-peters.de/product/<br />
i-himmelen/ep11410<br />
KulturFenster<br />
18 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
gedenken<br />
Ein Leben für die Musik<br />
In Erinnerung an Alois Vigl<br />
Alois Vigl (1933 – 2020)<br />
Am 30. Dezember 2020 verstarb ganz<br />
unerwartet Alois Vigl, Organist in Wangen.<br />
Eine große Trauergemeinde, die Musikkapelle<br />
und der Kirchenchor Wangen<br />
nahmen am 5. Jänner Abschied von ihrem<br />
langjährigen Kapellmeister, Chorleiter<br />
und Organisten. Pfarrer Pater Olaf Wurm<br />
würdigte in bewegenden Worten die Verdienste<br />
des Verstorbenen und dankte ihm<br />
für seine jahrzehntelange Treue zur Kirchenmusik<br />
und zur Pfarrgemeinde.<br />
Alois Vigl wurde am 5. Dezember 1933<br />
am Murhof in Wangen am Ritten geboren.<br />
Er wuchs in einer musikalischen Familie<br />
auf und interessierte sich bereits als Kind<br />
für die Musik. Schon früh erlernte er das<br />
Geigenspiel bei Franz Gruber in Wangen.<br />
Bereits mit 13 Jahren spielte der junge<br />
Bub das erste Mal im Orchester des Kirchenchores<br />
Wangen die Geige.<br />
1949 begann er bei Arnold Heidegger<br />
seine Orgelausbildung. Dazu musste er<br />
für die Orgelstunde einmal pro Woche zu<br />
Fuß von Wangen nach Bozen und zurück.<br />
Bald schon begleitete er ein- bis zwei Mal<br />
wöchentlich die sogenannten Jahrämter<br />
an der Orgel. So begann er seinen Organistendienst.<br />
Nebenher fand er auch noch Zeit, in Bozen<br />
das Zitherspiel zu erlernen.<br />
1951 studierte Alois Vigl für ein Jahr Kirchenmusik<br />
am Konservatorium in Bozen<br />
bei Professor Rudolf Oberpertinger.<br />
1953 übernahm er als Chorleiter den Kirchenchor<br />
Wangen und war gleichzeitig<br />
selbst als Organist tätig. Seine hohe Musikalität<br />
und sein feines Gehör haben den<br />
Kirchenchor Wangen auf ein gutes Niveau<br />
gebracht. Nebenbei bildete er viele junge<br />
Sänger und Sängerinnen aus und versuchte,<br />
bei ihnen die Freude an der Kirchenmusik<br />
zu wecken. Es ist ihm auch<br />
gelungen, seine fünf Kinder für die Musik<br />
zu begeistern. Alle sangen im Kirchenchor<br />
mit. Sein Sohn Bernhard war zudem<br />
Organist und Kapellmeister der Musikkapelle<br />
in Wangen und ist heute Komponist<br />
und Professor am Musikkonservatorium<br />
Claudio Monteverdi in Bozen.<br />
Von 1958 bis 1976 übernahm Alois Vigl<br />
als Kapellmeister die Leitung der Musikkapelle<br />
Wangen. In dieser Zeit besuchte<br />
er fünf Kapellmeisterlehrgänge und bildete<br />
gleichzeitig zahlreiche Jungmusikanten<br />
aus. Viele Jahre blieb er noch fleißiger<br />
Hornist der Musikkapelle und wurde<br />
2004 für seine 56-jährige Tätigkeit in der<br />
Musikkapelle geehrt und zum Ehrenmitglied<br />
ernannt.<br />
Als Anerkennung für seinen langjährigen<br />
und unermüdlichen Einsatz für Musik<br />
und Kirchenmusik wurde Alois Vigl im<br />
Jahre 1991 in Innsbruck die Verdienstmedaille<br />
des Landes Tirol verliehen, auf<br />
die er sehr stolz war.<br />
2006 ist Alois Vigl aus Altersgründen als<br />
Chorleiter zurückgetreten. Er leitete 53<br />
Jahre den Kirchenchor Wangen und erhielt<br />
im Rahmen eines Kirchenkonzertes<br />
die Auszeichnung zum Ehrenchorleiter.<br />
Mit seinen 87 Jahren begleitete er bis zuletzt<br />
an Sonntagen immer noch die Gotteslobgesänge<br />
an der Orgel. Auch das<br />
Zitherspielen bereitete ihm noch große<br />
Freude und er spielte zu Hause und zu<br />
besonderen Anlässen gerne auf.<br />
2019 wurde ihm die Diözesanmedaille<br />
und eine Ehrenurkunde für besondere<br />
Dienste an der Kirchenmusik verliehen.<br />
Die Wangener werden ihm ein ehrendes<br />
Andenken bewahren.<br />
Er ruhe in Gottes Frieden.<br />
Franz Hermeter<br />
KulturFenster<br />
19 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Jung+<br />
Stimmgewaltig<br />
Die „Sunvoices“ beim Musical<br />
„Der kleine Kerl vom andern Stern“,<br />
aufgeführt im Mai 2019<br />
Sunvoices-KinderchorLajen<br />
Sänger/innen:<br />
33 Kinder im Grund-und Mittelschulalter<br />
(davon 12 Buben und 21 Mädchen)<br />
Unser Motto lautet:<br />
Sonnenstimmen, die Freude bringen<br />
Wer wir sind<br />
Wir sind singbegeisterte Kinder der Gemeinde<br />
Lajen, die eine Menge Spaß miteinander<br />
haben. Jeder von uns ist etwas<br />
ganz Besonderes und alle zusammen sind<br />
wir ein super Team, mit dem es nie langweilig<br />
wird.<br />
Uns gibt es seit…<br />
…1985. Der Grundgedanke, der zur Gründung<br />
des Kinderchores beigetragen hat, war<br />
die Förderung der singbegeisterten Kinder<br />
und der Wunsch, Nachwuchs für den<br />
Kirchenchor auszubilden. Der Kinderchor<br />
wurde am 15. Oktober 1985 von Hubert Niederstätter<br />
ins Leben gerufen. Dieser leitete<br />
den Chor mit Begeisterung 15 Jahre lang.<br />
Danach gab es leider eine längere Pause<br />
von fünf Jahren. 2005 wurde der Kinderchor<br />
erneut vom Kirchenchor gegründet<br />
und Luise Lageder übernahm die Leitung.<br />
Im Jahr 2017 änderten wir den Namen des<br />
Kinderchors in „Sunvoices Lajen“, damit<br />
auch Jugendliche sich bei uns wohlfühlen.<br />
Was uns motiviert<br />
Unsere Motivation ist unsere Gemeinschaft<br />
und unser Publikum. Dieses reicht<br />
von den Allerkleinsten (den Taufkindern)<br />
bis hin zu den Ältesten (Bewohner des Altersheim<br />
Lajen).<br />
KulturFenster<br />
Die „Sunvoices“ vor 13 Jahren<br />
20 02<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Unsere Highlights<br />
Wir durften in der Vergangenheit ganz<br />
viele besondere Momente erleben. Dazu<br />
gehörten große sowie kleinere Auftritte,<br />
kirchliche Feiern, Musicals (für die wir<br />
nicht nur singen, sondern auch tanzen<br />
und schauspielern durften) und die unvergesslichen<br />
Ausflüge. Nur um ein paar<br />
zu nennen: die jährlichen Erstkommunionen<br />
in St. Peter und Lajen, Familiengottesdienste,<br />
Kinderchristmette, Nikolausfeiern,<br />
Dings.Do Festival, Musical wie<br />
die Vogelhochzeit und „Der kleine Kerl<br />
vom anderen Stern“, Besuche im Altersheim,<br />
Taufen.<br />
Wir hatten schon Auftritte außerhalb von<br />
Lajen und sogar die Ehre mit dem „großen<br />
Chor“, so wie wir den Kirchenchor nennen,<br />
zu singen. Die Sunvoices sangen schon<br />
mit Stars wie Sepp Messner Windsschnur<br />
und Doggi Dorfmann beim DingsDo Festival.<br />
Wir gehen gerne zusammen wandern,<br />
oder ins Kino und vor allem essen<br />
wir gerne ganz viel Eis.<br />
Pläne für die Zukunft…<br />
Wir werden mit unserem Gesang wieder<br />
Jung und Alt begeistern, die kirchlichen<br />
Feiern freudig umrahmen und unser jährliches<br />
Musical wieder aufführen.<br />
Wer kann bei uns mitmachen?<br />
Alle „Loidner“ Kinder und Jugendlichen<br />
von der 1. Grundschule bis zu 3. Mittelschule<br />
sind herzlich dazu eingeladen bei<br />
uns mitzumachen.<br />
Wie kann man bei uns mitmachen?<br />
Das Wie ist ganz schnell beantwortet: Einfach<br />
bei unserer Probe vorbeikommen und<br />
wenn es einem da gefällt, dann darf man<br />
liebend gerne beim nächsten Mal wieder<br />
kommen. Anmeldung braucht es dafür<br />
keine. Die Proben sind bei uns jeden<br />
Freitag von 18. bis 19 Uhr im Chorprobelokal<br />
von Lajen.<br />
ClaudiaGrunberger<br />
:<br />
Mein Alter: 22 Jahre<br />
Ich komme aus: Albions / Lajen<br />
und wohne in: Klausen<br />
An der Seite von Monika bin ich seit: Schulbeginn 2017<br />
Mich gibt es nur im Doppelpack mit: meiner Gitarre<br />
Total toll finde ich: den Spaß, den wir gemeinsam mit den „Sunvoices“ haben.<br />
Ich liebe es: zu sehen, wie die Augen der Kinder beim Singen strahlen<br />
Meine Hobbys: singen, musizieren, malen, wandern<br />
Der Landesjugenchor<br />
Monika Gufler<br />
Alter: 32 Jahre<br />
Ich komme aus: Stuls in Passeier<br />
und wohne jetzt in: Lajen bei meinem Mann und meinen drei Kindern<br />
Beim Kinderchor bin ich seit September 2014, damals noch an der Seite von Laura Moser<br />
Total toll finde ich: Die Arbeit mit Kindern hat mich schon immer sehr begeistert. Die<br />
Begeisterung, mit der die „Sunvoices“ zu jeder Probe und zu jedem Auftritt erscheinen,<br />
ist einfach ansteckend und macht mich glücklich. Wenn ich miterleben darf, wie<br />
aus Sechsjährigen Jugendliche werden und wie sie sich entwickeln, gesanglich und<br />
auch privat, so ist das immer wieder eine große Motivation für mich.<br />
Meine Hobbys: Ich bin selbst seit 2013 begeisterte Sängerin beim Kirchenchor St. Stephan<br />
Lajen.<br />
KulturFenster<br />
21 02<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
DigitalerChor<br />
SeemannsliedgegendieCorona-Freudlosigkeit<br />
Die Menschen singen<br />
gemeinsam im Netz<br />
„The Wellerman“.<br />
Das Lied spricht<br />
uns allen derzeit<br />
aus der Seele<br />
Wer hätte das gedacht? Seit einigen Wochen<br />
avanciert ein Lied, in dem es um den<br />
Walfang geht, zum viralen Internet-Hit.<br />
Mit dem alten Seemannslied aus dem 19.<br />
Jahrhundert namens "The Wellerman" hat<br />
der junge Schotte Nathan Evans auf der<br />
Social-Media-Plattform „TikTok“ einen<br />
neuen Trend ausgelöst. Viele Menschen<br />
singen unter dem Hashtag #seashanty<br />
Seemannslieder und teilen ihre Aufnahmen<br />
im Internet.<br />
Schon Ende Dezember 2020 postete der<br />
26-jährige Postbote und Hobbysänger Nathan<br />
Evans seine A-Capella-Version des<br />
neuseeländischen Walfängerliedes „The<br />
Wellerman“ aus dem 19. Jahrhundert auf<br />
„TikTok“. Der "Wellerman", um den es im<br />
Song geht, ist das Versorgungsschiff der<br />
Walfang-Firma „Wells Brothers“. Es handelt<br />
sich hierbei um ein sogenanntes "Sea<br />
Shanty", ein Lied also, das von Seemännern<br />
bei der Arbeit auf dem Schiffsdeck<br />
gesungen wurde. Durch die eingängige<br />
Melodie und den treibenden Rhythmus<br />
ist es sehr einprägsam, auch wenn die<br />
Thematik etwas düster ist: Der Song erzählt<br />
von einem Walfangschiff, das einen<br />
Wal harpuniert und dann von diesem wochenlang<br />
durchs Meer gezogen wird. Dabei<br />
warten die Seeleute sehnsüchtig auf<br />
ihr Vorratsschiff, den "Wellerman" – denn<br />
der bringt ihnen Zucker, Tee und Rum.<br />
Die Duettfunktion macht’s<br />
möglich<br />
In dem Video, das mittlerweile fast 13 Millionen<br />
Menschen angeschaut haben, sitzt<br />
der 26-jährige Nathan Evans aus Schottland<br />
in seinem Zimmer, klopft auf seiner<br />
Gitarre den Rhythmus und singt in typisch<br />
schottischem Akzent seine Cover-Version<br />
des alten Seemannslieds. Was dann<br />
folgte, ist die Definition des Wortes "viral":<br />
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich Evans'<br />
Darbietung auf TikTok. Es wurde hunderte<br />
Male kopiert und Dank der Duettfunktion<br />
von Tiktok kommen immer mehr Stimmen<br />
und Instrumente zum Gesang des jungen<br />
Schotten dazu.<br />
Vom Postboten zum<br />
Vollzeit-Musiker<br />
Nathan Evans hat nach dem Riesenerfolg<br />
seinen Job als Postbote aufgegeben und<br />
kann nun von seiner Musik leben. "Das ist<br />
definitiv sehr verrückt", sagte der 26-jährige<br />
Schotte in einem Interview. "Es war eine<br />
Riesenüberraschung." Sein "Wellerman"-<br />
Cover, das im Original von der englischen<br />
Band "The Longest Johns" stammt, ist<br />
mittlerweile auch ein echter Chartstürmer:<br />
Der frischgebackene Profi-Musiker<br />
lag zeitweise damit auf Platz 2 der deutschen<br />
Single-Charts, ebenso wie in Großbritannien.<br />
Das 200 Jahre alte Lied<br />
trifft in Zeiten von Lockdown<br />
und Corona-Maßnahmen<br />
unsere Herzen.<br />
Im “The Wellerman”-Song<br />
geht es um ein Zusammengehörigkeitsgefühl<br />
in schweren Zeiten und die Trauer darüber,<br />
seine Liebsten derzeit nicht sehen zu<br />
können. Die Corona-Generation kann dieses<br />
Gefühl sehr gut nachvollziehen. Doch<br />
nicht nur der Frust, sondern auch die Hoffnung<br />
auf eine bessere Zukunft machen dieses<br />
Lied zu der neuen Lockdown-Hymne.<br />
“Soon may the Wellerman come, to bring<br />
us sugar and tea and rum” – Für Seefahrer<br />
bedeutete das damals, dass eine bessere<br />
Zeit anbrechen würde und sie wieder<br />
mit neuer Energie in See stechen können.<br />
Und so geht es uns auch. Wir hoffen darauf,<br />
bald geimpft werden zu können, und<br />
auf die Aufhebung des Lockdowns. Dann<br />
können wir wieder unser Leben endlich<br />
wieder halbwegs normal und voller neuer<br />
Energie fortsetzen.<br />
Das Lied wird von vielen Sänger*innen<br />
weltweit nachgesungen und neu interpretiert.<br />
Eine der tollsten Versionen ist<br />
die von der TikTok Sea Shanty Singgruppe<br />
„The Wellermen“, die bisher<br />
nur virtuell agiert:<br />
www.youtube.com/<br />
watch?v=90Oc9Xl5Aps<br />
KulturFenster<br />
22<br />
02<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
kurz notiert<br />
Wichtiges Lebenszeichen -<br />
„Wir sind noch da“<br />
Seit nun über einem Jahr ist die Chortätigkeit<br />
ausgesetzt oder war nur für kurze Zeit<br />
eingeschränkt möglich. Ein kreatives Team<br />
im Bezirk Bozen möchte deshalb landesweit<br />
mit zwei Initiativen ein Zeichen in dieser,<br />
auch für Chöre, schwierigen Zeit setzen.<br />
Unter dem Motto „Singen bleibt insre Freid“<br />
wurden Ideen gesammelt, um die Motivation<br />
der Sängerinnen und Sänger so gut es geht<br />
aufrecht zu erhalten. Zusätzlich dazu ist ein<br />
Online Chorkonzert mit dem Titel „Unser Lieblingslied“<br />
auf YouTube geplant.<br />
Die Zeit der Wiederaufnahme von<br />
Proben, Messgestaltungen und<br />
Konzerten wird kommen!<br />
Singen bleibt insre Freid –<br />
Ideensammlung<br />
Die Frage, die sich viele Chorverantwortlichen<br />
derzeit stellen ist, wann man wieder „normal“<br />
in gewohnter Weise gemeinsam singen<br />
kann. Auch wenn es im Moment nicht vorstellbar<br />
ist, da die Chöre zurzeit noch unter<br />
den Einschränkungen und unter dem Verzicht<br />
leiden, die Zeit der Wiederaufnahme<br />
von Proben, Messgestaltungen und Konzerten<br />
wird kommen.<br />
Doch die Befürchtung, dass man sich nach<br />
so langer Zeit das Singen einfach abgewöhnen<br />
und die Lust am Singen verlieren kann,<br />
ist groß. Viele haben Bedenken, dass einige<br />
Sänger*innen gar nicht mehr mitsingen wollen,<br />
sobald die Möglichkeit dazu wieder besteht.<br />
Die zentrale Frage ist also, wie kann<br />
man den Kontakt zu den einzelnen Sängerinnen<br />
und Sängern im Chor aufrechterhalten,<br />
damit deren Motivation und Begeisterung<br />
nicht gänzlich verloren geht.<br />
Wie das gelingen kann, haben sich sicher<br />
viele Obleute und Funktionäre gefragt. Dadurch<br />
sind viele Ideen entstanden, die jetzt<br />
gesammelt und auf der Webseite des Chorverbandes<br />
als Anregung für alle unter https://scv.bz.it/singen-bleibt-insre-freid<br />
veröffentlicht<br />
wurden.<br />
Online-Konzert<br />
„Unser Lieblingslied“<br />
Zu lange sind Konzerte jetzt schon ausgesetzt.<br />
Um wieder mal das Erlebnis eines<br />
schönen Chorkonzertes vermitteln zu können,<br />
plant der Südtiroler Chorverband ein<br />
Frühjahrskonzert mit dem Titel „Unser Lieblingslied“<br />
auf YouTube. Alle Chöre im Verband<br />
sind herzlich eingeladen daran teilzunehmen.<br />
Interessierte Chöre können dazu die Aufnahme<br />
eines ihrer Lieder aus den vergangenen<br />
Jahren an die Geschäftsstelle des<br />
Chorverbandes schicken. Es kann sich idealerweise<br />
um eine Videoaufnahme oder aber<br />
auch um eine reine Audioaufnahme handeln.<br />
Bei letzterem sollten zusätzlich noch<br />
ein oder mehrere Fotos mitgeschickt werden.<br />
Aus allen Einsendungen wird ein schönes<br />
und ansprechendes Konzertprogramm erstellt,<br />
das am 24. <strong>April</strong> <strong>2021</strong> um<br />
20.30 Uhr auf dem YouTube-<br />
Kanal des Südtiroler Chorverbandes<br />
gestreamt wird.<br />
Dadurch soll dem Publikum,<br />
aber auch den Sängerinnen<br />
und Sängern, nach langer Zeit<br />
wieder einmal so etwas wie ein<br />
Konzertfeeling geboten werden.<br />
Gleichzeitig erinnern die „Lieblingslieder“<br />
an wundervolle<br />
Konzerte, an gemeinsame Erlebnisse,<br />
an Chorreisen, an<br />
Messgestaltungen oder einfach<br />
an inspirierende Chorproben in einer<br />
schönen Gemeinschaft. Diese wunderbaren<br />
Erinnerungen können und sollen dazu beitragen<br />
und motivieren, durchzuhalten und<br />
sich auf all die Erlebnisse zu freuen, die<br />
sicher in absehbarer Zeit wieder auf die<br />
Chormitglieder warten – Hoffentlich schon<br />
recht bald…<br />
Die Beiträge können noch bis zum 18. <strong>April</strong><br />
an die Emailadresse des Südtiroler Chorverbandes<br />
(info@scv.bz.it) geschickt werden.<br />
Die Ideen zu den beiden Initiativen stammen<br />
von den Ausschussmitgliedern des<br />
Bezirkes Bozen. Sie sind überzeugt, dass<br />
viele Sänger*innen es kaum erwarten können,<br />
wieder im Chor singen zu dürfen. Der<br />
Bezirksobmann von Bozen Josef Vieider ist<br />
überzeugt: „Die Chormitglieder freuen sich<br />
sicher, wie wir alle, auf die Gemeinschaft,<br />
auf das Miteinander, wieder im Takt zu sein,<br />
im Einklang und in Harmonie“.<br />
Der Obmann des SCV-Bezirks Bozen Josef<br />
Vieider (rechts) mit seinem Team<br />
Allgemeine Infos zu beiden Initiativen<br />
gibt es auf scv.bz.it<br />
KulturFenster<br />
23 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Unsere Ortsbilder, unser Wohlstand und das Wohlgefühl in<br />
„<br />
unseren Heimat- und Wohnorten hängen auch vom persönlichen<br />
Konsumverhalten ab.<br />
Mauro Stoffella<br />
„<br />
KulturFenster<br />
24 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong><br />
Foto: IDM Südtirol/Hannes Niederkofler
Nachhaltig einkaufen<br />
Läden<br />
schaffen Leben<br />
Nahversorgung ist auch<br />
ein Thema für den<br />
Heimatpflegeverband<br />
Weit denken, nah<br />
einkaufen<br />
Bewusstes Konsumverhalten schafft attraktive,<br />
lebendige und lebenswerte Orte<br />
Warum beschäftigt sich der Heimatpflegeverband<br />
mit dem Thema Nahversorgung?<br />
Eine gute Frage, die<br />
ausgerechnet in der Pandemie eine<br />
Antwort findet. Sie ruft einerseits sehr<br />
markant ins Bewusstsein, wie sehr<br />
wir Konsumenten auf die Versorgung<br />
vor Ort angewiesen sind, wenn<br />
es drauf ankommt: wenn Lockdown<br />
herrscht, wenn wir älter oder aus irgendeinem<br />
Grund nicht mobil sind.<br />
Und sie zeigt andererseits auf, wie<br />
kalt und trostlos unsere Ortszentren<br />
aussehen würden, wenn es in den<br />
Dörfern draußen keine Läden und<br />
keine Gastbetriebe gäbe. Wenn die<br />
Läden gehen, gehen auch die Menschen.<br />
Dann werden Wohnorte zu<br />
Schlafstätten, dann verliert das Dorf<br />
seinen Charakter.<br />
„Läden schaffen Leben“ lautet daher<br />
das Leitmotiv des Heimatpflegeverbandes<br />
in dieser Ausgabe – gerade<br />
weil wir in „normalen“ Zeiten<br />
selten dran denken, wie sehr die<br />
Ortsbilder, der Wohlstand und das<br />
Wohlgefühl in unseren Heimat- und<br />
Wohnorten von unserem Konsumverhalten<br />
abhängen. Wenn wir den<br />
Dorf- oder Stadtviertelladen meiden<br />
oder dort höchstens Brot und Milch<br />
einkaufen, um uns dann im riesigen<br />
Supermarkt am Stadtrand mit dem<br />
Rest einzudecken, dann machen wir<br />
über kurz oder lang den Läden und<br />
dem Leben im Dorf den Garaus.<br />
Die folgenden Beiträge – einer davon<br />
ein Gastbeitrag von Mauro Stoffella<br />
vom Handels- und Dienstleistungsverband<br />
hds – beleuchten das Thema<br />
Nahversorgung aus ganz unterschiedlichen<br />
Blickwinkeln. Vielleicht denkt<br />
der eine oder die andere beim nächsten<br />
Einkauf darüber nach.<br />
Edith Runer<br />
In seinem Gastbeitrag beschreibt Mauro<br />
Stoffella vom Handels- und Dienstleistungsverband<br />
(hds) die Ist-Situation der Nahversorgung<br />
in Südtirol und andernorts sowie<br />
die große Bedeutung der kleinen Läden für<br />
die Lebensqualität in einem Ort.<br />
Die Stärken unserer vielen heimischen<br />
Geschäfte, Handels- und Dienstleistungsbetriebe,<br />
viele davon Klein- und familiengeführte<br />
Betriebe, waren immer die Nähe<br />
zum Kunden, die fachkundige Beratung<br />
und der persönliche Service.<br />
Dieser Mehrwert kommt gerade in diesen<br />
besonders herausfordernden Zeiten<br />
mehr denn je zum Vorschein – und Südtirols<br />
Bevölkerung beginnt, ihn so richtig<br />
zu schätzen. Mit diesen Stärken eng verbunden<br />
ist zudem die Entwicklung unserer<br />
Orte, Städte und Dörfer.<br />
Eines zeichnet sich ab: Nähe zum Kunden,<br />
Qualität, kurze Transportwege, soziale<br />
Verantwortung, Rückverfolgbarkeit,<br />
Transparenz sowie persönlicher Kontakt<br />
– kurzum Vertrauen gegenüber Produkt,<br />
Händler und Produzenten – werden immer<br />
wichtiger, auch in Südtirol. Somit ist<br />
auch nachhaltiges und lokales Einkaufen<br />
in den Ortskernen, dort wo die Menschen<br />
leben und wohnen, Teil unserer<br />
Lebensqualität.<br />
60 Prozent kaufen in<br />
der Nähe ein<br />
Südtirols Handel setzt in vielerlei Hinsicht<br />
auf diese Entwicklung. So wie die<br />
vielen Klein- und Familienbetriebe. 93<br />
Prozent aller Unternehmen sind hierzulande<br />
Klein- und Familienbetriebe, d. h.<br />
Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten.<br />
Viele davon sind im Handel und<br />
im Dienstleistungsbereich tätig.<br />
Südtirols Einzelhandel zählt rund 7000<br />
Verkaufspunkte, die in einer Ausgewogenheit<br />
zwischen klein, mittel und groß<br />
Einzelhändler, Gastronomie und Dienstleistung<br />
vor Ort – das ist es, was ein Dorf,<br />
eine Stadt belebt. Foto: IDM Südtirol/Alex Filz<br />
für einen attraktiven und vielfältigen Handel<br />
und somit für lebendige Dörfer und<br />
Orte sorgen.<br />
Und Südtirols Konsumenten und Familien<br />
schätzen dieses Angebot: Laut einer<br />
Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes<br />
der Handelskammer Bozen kaufen über<br />
60 Prozent der Südtiroler täglich in der<br />
Nähe der eigenen Wohnung ein.Über 50<br />
Prozent tätigen ihre Einkäufe zu Fuß oder<br />
mit dem Fahrrad, 40 Prozent suchen das<br />
kleine Fachgeschäft auf, und über 90 Prozent<br />
sind der Meinung, der Einzelhandel<br />
trage sehr zur Lebendigkeit der Dörfer bei.<br />
KulturFenster<br />
25 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Nachhaltig einkaufen<br />
tiven engagieren oder etwa lokale, kulturelle,<br />
sportliche Organisationen und Vereine<br />
unterstützen.<br />
Letzten Endes stärkt dieses weite Denken<br />
die Nahversorgung, sorgt auch dafür,<br />
dass Orte und Dörfer noch lebendig,<br />
lebenswert und attraktiv für Familien, Besucher<br />
und Gäste sind und garantiert Arbeitsplätze<br />
vor Ort. Dabei spielen über den<br />
Einzelhandel hinaus auch andere ortsrelevante<br />
unternehmerische Tätigkeiten wie<br />
etwa in den Bereichen Gastronomie und<br />
Dienstleistungen als „Ortsbeleber“ eine<br />
wesentliche Rolle.<br />
„<br />
Eines zeichnet sich ab: Nähe zum Kunden,<br />
Qualität, kurze Transportwege, soziale<br />
Verantwortung, Rückverfolgbarkeit,<br />
Transparenz sowie persönlicher<br />
Kontakt – kurzum Vertrauen gegenüber<br />
Produkt, Händler und Produzenten<br />
werden immer wichtiger, auch<br />
in Südtirol.<br />
Mauro Stoffella<br />
„<br />
Die Pandemie zeigt es auf: So könnten<br />
Ortszentren aussehen, wenn Läden, Cafés<br />
und Restaurants, aber auch Friseure und<br />
andere Dienstleister fernbleiben.<br />
In Europa einzigartig<br />
Foto: hds<br />
Das ist europaweit einzigartig. Ein Netz an<br />
Geschäften, das es anderswo nicht mehr<br />
gibt: In Tirol oder Bayern werden etwa<br />
immer mehr Automaten aufgestellt, um<br />
regionale Lebensmittel wie Fleisch, Eier,<br />
Brot, Obst und Milchprodukte per Knopfdruck<br />
einkaufen zu können. In 57 Tiroler<br />
Gemeinden (zehn davon haben mehr als<br />
1000 Einwohner) gibt es auch aufgrund<br />
verfehlter Raumordnungspolitik kein Geschäft<br />
mehr.<br />
In Südtirol hingegen finden sich noch historisch<br />
gewachsene Dörfer und Ortskerne,<br />
wo sich Menschen treffen und Handel<br />
stattfindet. Erfreulich ist zudem, dass<br />
Südtirols flächendeckende Handelsstruktur<br />
auch ein ökologisches Einkaufsverhalten<br />
ermöglicht. Auch der demographische<br />
Wandel wird ein wichtiges Argument: Die<br />
Leute werden älter und bevorzugen kürzere<br />
Wege.<br />
Einsatz für die Orte<br />
Obwohl Themen wie Nachhaltigkeit und<br />
gesellschaftliche Verantwortung bisher<br />
in Südtirol noch nie gemessen wurden,<br />
werden sie von diesen Betrieben tagtäglich<br />
gelebt. Das sieht man nicht nur in<br />
den Unternehmen selbst, die verstärkt lokale<br />
Produkte oder personalisierte Dienstleistungen<br />
anbieten, sondern man beobachtet<br />
es auch in den Orten, wo sich<br />
Betriebe beispielsweise für soziale Initia-<br />
Bevölkerung sensibilisieren<br />
Diese Besonderheit und Einzigartigkeit<br />
unserer Orte sind ein Reichtum und ein<br />
Mehrwert, die es zu stärken und weiterzuentwickeln<br />
gilt. Und der Bevölkerung<br />
sollen all diese wirtschaftlichen, gesellschaftlichen<br />
und sozialen Vorteile der lebendigen<br />
Orte in Südtirol bzw. der lokalen<br />
Wirtschaftskreisläufe aufgezeigt werden.<br />
Vor allem die einmalige Südtiroler Realität<br />
im Handel mit einem ausgewogenen<br />
Verhältnis zwischen kleinen und mittleren<br />
Fachgeschäften und familiengeführten Betrieben<br />
sowie Großverteilern in Wohngebieten<br />
und einer intakten Nahversorgung,<br />
die in den Alpenregionen und darüber hinaus<br />
ihresgleichen sucht, spricht für den<br />
Südtiroler Weg.<br />
Mauro Stoffella<br />
Mauro Stoffella, Verantwortlicher der Kommunikation<br />
im Handels- und Dienstleistungsverband<br />
Südtirol (hds)<br />
Foto: hds<br />
KulturFenster<br />
26 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Heimatpege<br />
Im „Bundsch‘ Ladele“ ist<br />
immer was los<br />
Sarnerin Irene Trojer punktet mit Angebotsvielfalt und einem Parkplatz<br />
Tradition verpflichtet, aber sie macht Irene<br />
Trojer auch Freude. Seit fast vier Jahrzehnten<br />
führt sie einen Gemischtwarenladen<br />
im Sarntal.<br />
Gerade einmal 200 Einwohner hat der kleine<br />
Ort Bundschen. Er ist der erste, den man<br />
auf der Fahrt durch das Sarntal erreicht.<br />
Der Ortskern besteht aus einer Handvoll<br />
Höfen und Häusern, einer schmucken<br />
Kirche, einem traditionsreichen Gasthaus<br />
und einer ebenso traditionsreichen Gemischtwarenhandlung,<br />
die ihrer Bezeichnung<br />
alle Ehre macht. Im „Bundsch‘ Ladele“<br />
– so nennen die Einheimischen das<br />
Geschäft von Irene Trojer – wird nicht nur<br />
fündig, wer Hunger oder Durst hat. Auch<br />
Drogerie-, Garten- und Dekorationsartikel,<br />
Spielsachen und Haushaltswaren<br />
stehen im Angebot, zudem<br />
alles, was man schnell<br />
mal brauchen könnte: einen<br />
Strampler als Geschenk fürs<br />
Neugeborene, einen Regenschirm<br />
für alle Fälle, einen<br />
Knopf für das Trachtenhemd<br />
oder einen blauen „Schurz“<br />
zum Arbeiten.<br />
Tradition und<br />
Notwendigkeit<br />
Seit fast 40 Jahren arbeitet<br />
Irene Trojer im Laden, der<br />
auf ihre Urgroßmutter zurückgeht<br />
und den ihre Mutter<br />
Berta in den 1960er-Jahren<br />
zu dem gemacht hat, was er<br />
nach wie vor ist: eine kleine<br />
Institution, die zum Ortsbild<br />
gehört wie eben Kirche<br />
und Gasthaus. Bertas Tochter<br />
Irene hatte es nicht immer<br />
leicht, als sie vor rund<br />
15 Jahren das Geschäft von<br />
ihrer Mutter übernahm. Mit<br />
Supermärkten, die an jeder<br />
Ecke aus dem Boden schießen,<br />
und Einkaufszentren an<br />
Ortsrändern lässt es sich schwer konkurrieren.<br />
Noch dazu steht sie immer allein im<br />
Laden. Aber sie hat nie aufgegeben, „und<br />
heute läuft es wieder besser“, erzählt sie.<br />
Sie freut sich darüber, dass manche Sarner<br />
nicht nur das Notwendigste, sondern fast<br />
alles, was sie brauchen, vom „Bundsch‘<br />
Ladele“ beziehen.<br />
Freude und Verpichtung<br />
zugleich<br />
Die Kunden würden die Vielfalt des Angebotes<br />
schätzen, die Frische der Ware und<br />
nicht zuletzt die Beratung: „Insbesondere<br />
bei Wolle und allem, was sie zum Handarbeiten<br />
brauchen, sind sie bei mir an der richtigen<br />
Adresse.“ Nicht zuletzt aber seien es<br />
Von Bettwäsche bis Gorgonzolakäse hat<br />
Irene Trojer alles im Angebot.<br />
Foto: Florian Trojer<br />
„<br />
Meine Motivation ist die Freude an diesem<br />
Beruf, der Kontakt zu den Menschen,<br />
ein wenig aber auch die Verpflichtung<br />
meiner Familie gegenüber,<br />
„<br />
die den Betrieb aufgebaut hat – und die<br />
Verpflichtung gegenüber den Kunden.<br />
Irene Trojer<br />
praktische Gründe, die die Kunden locken:<br />
„Wir liegen direkt an der Hauptstraße und<br />
haben einen Parkplatz vor der Haustür.“<br />
Das sei Goldes wert und ein Pluspunkt im<br />
Marktwettbewerb. „Ich arbeite<br />
sehr gut mit Pendlern und Passanten,<br />
und morgens geht jede<br />
Menge belegter Brote und Getränke<br />
für die Arbeiter über den<br />
Ladentisch“, sagt Irene Trojer.<br />
Eine goldene Nase verdient sie<br />
sich allerdings nicht: „Wenn ich<br />
den Aufwand berechne, müsste<br />
ich eher zusperren“, meint sie.<br />
Spätestens morgens um 5 Uhr<br />
räumt die Geschäftsfrau täglich<br />
die Regale ein, es folgen<br />
neun Öffnungsstunden mit einer<br />
Pause, und erst um 19 Uhr<br />
ist Ladenschluss. Ihre Motivation<br />
sei die Freude an diesem<br />
Beruf, der Kontakt zu den Menschen,<br />
ein wenig aber auch die<br />
Verpflichtung ihrer Familie gegenüber,<br />
die den Betrieb aufgebaut<br />
hat, „und die Verpflichtung<br />
gegenüber den Kunden.“<br />
Welche Zukunft der Laden hat,<br />
kann und will Irene Trojer nicht<br />
sagen: „Ich werde ihn weiterführen,<br />
so lange ich kann, ihn<br />
aber bestimmt nicht jemandem<br />
aus meiner Familie aufzwingen,<br />
denn es ist hart verdientes Geld.“<br />
Edith Runer<br />
KulturFenster<br />
27 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Nachhaltig einkaufen<br />
Gern aufgesuchter Treffpunkt<br />
Konsumgenossenschaft garantiert die Nahversorgung in Niederolang<br />
Kein Lebensmittelgeschäft, keine Bar: Das<br />
war vor wenigen Jahren die Realität im<br />
750-Seelen-Dorf Niederolang. Ein Café<br />
gibt es immer noch nicht, wohl aber seit<br />
acht Jahren ein Consum-Naves-Geschäft<br />
im Parterre des Widumgebäudes direkt neben<br />
der Kirche.<br />
Hier kann man alles finden, was man täglich<br />
braucht, und es gibt auch eine Kaffeemaschine,<br />
wo man sich gemütlich aufhalten,<br />
einen Kaffee trinken und einen<br />
„Ratscher“ machen kann (außer bei coronabedingten<br />
Einschränkungen).<br />
Der Laden ist sehr wichtig für den Ort und<br />
für die Menschen. Nachdem die früheren<br />
Nahversorger im Ort ihr Geschäft geschlossen<br />
hatten, setzte man sich mit der 2011<br />
gegründeten Naves (Nahversorgung Südtirol)<br />
in Verbindung. Sie hat mit Unterstützung<br />
des KVW, des Raiffeisenverbandes,<br />
des Gemeindenverbandes und des Südtiroler<br />
Bauernbundes die Aufgabe übernommen,<br />
die Nahversorgung in den Dörfern<br />
zu erhalten, dabei zwar wirtschaftlich,<br />
aber nicht gewinnorientiert zu arbeiten. Die<br />
Eigentümer sind die Mitglieder der Genos-<br />
senschaft. Guter Service, hohe Qualität,<br />
faire Preise, bewusster Konsum, Gesundheit<br />
und Respekt gegenüber den anderen<br />
Menschen und gegenüber der Umwelt gehören<br />
zur Philosophie dieses genossenschaftlichen<br />
Betriebes.<br />
Und das wird auch im Consum-Naves-<br />
Geschäft in Niederolang vorbildlich umgesetzt:<br />
Frauen aus dem Dorf, die über<br />
den so nahen Arbeitsplatz froh sind und<br />
auch die Möglichkeit haben, in Teilzeit zu<br />
arbeiten, bedienen hier mit großer Freundlichkeit<br />
die Kund*innen. Sie beraten, pflegen<br />
auch den sozialen Austausch, sodass<br />
„<br />
Die Niederolanger*innen schätzen das<br />
Angebot sehr, vor allem seit sie gesehen<br />
haben, was es heißt, wenn es in<br />
einem Dorf kein Lebensmittelgeschäft<br />
mehr gibt..<br />
Eine Kundin<br />
„<br />
das Geschäft zu einem gern aufgesuchten<br />
Treffpunkt geworden ist.<br />
Einen Großteil der Produkte bezieht das Geschäft<br />
von der Sait aus Trient, einer noch in<br />
der k. und k.-Zeit entstandenen Dachorganisation<br />
der Konsumgenossenschaften, die<br />
lokalen Produzenten den Vorzug gibt. Täglich<br />
frisches und saisonales Obst und Gemüse<br />
aus der Region, Fleisch von einem<br />
Pusterer Schlachthof, Brot von einem Pusterer<br />
Bäcker, Bioprodukte, die gesamte<br />
Lebensmittelpalette, aber auch alle anderen<br />
Artikel des täglichen Bedarfs wie Kurz-,<br />
Haushalts- und Schreibwaren, Tierfutter,<br />
Drogerieartikel, Spielsachen und Geschenkartikel<br />
werden hier mit Bedacht angeboten.<br />
Nicht nur ältere Menschen, die wenig mobil<br />
sind, sondern auch Menschen, die regionale<br />
Kreisläufe unterstützen wollen, sind<br />
für das Angebot vor Ort froh. Die aktuelle<br />
Coronasituation mit den erzwungenen Bewegungseinschränkungen<br />
hat zusätzlich<br />
aufgezeigt, wie hilfreich es ist, im eigenen<br />
Dorf einkaufen zu können.<br />
In Südtirol gibt es inzwischen elf Naves-<br />
Geschäfte, sieben davon im Pustertal.<br />
Claudia Plaikner<br />
Verkäuferin Gerda hat im Geschäft der Naves-Konsumgenossenschaft in Niederolang gut zu tun. Nicht nur während eines Lockdowns<br />
sind die Kunden dankbar, einen Laden nebenan zu haben.<br />
Foto: Claudia Plaikner<br />
KulturFenster<br />
28 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Heimatpege<br />
Online trifft Offline<br />
Die Plattform „SelberGMOCHT“<br />
als Beispiel für lokalen Internethandel<br />
Thomas Grüner hat „SelberGMOCHT“ vor<br />
vier Jahren auf die Beine gestellt.<br />
Online wird zu offline: Auf den Event-Märkten treffen Anbieter direkt auf ihre Kunden.<br />
Das nachhaltige und lokale Einkaufen<br />
mit dem Online-Handel in Verbindung zu<br />
bringen, scheint ein gewagtes Manöver.<br />
Doch das eine schließt das andere nicht<br />
aus, wie die Südtiroler Verkaufsplattform<br />
„SelberGMOCHT“ beweist.<br />
Mit der Coronakrise und den entsprechenden<br />
Bewegungseinschränkungen hat<br />
der seit Jahren wachsende Online-Handel<br />
einen noch stärkeren Aufschwung erfahren.<br />
Internationale Riesen wie Amazon werden<br />
aber zunehmend kritisiert, weil sie Steuergesetze<br />
geschickt umgehen und Ware über<br />
tausende Kilometer durch die Welt gekarrt<br />
wird. Den Verkauf übers Internet deshalb<br />
generell als schlimmsten Feind der lokalen<br />
Anbieter*innen abzustempeln, scheint<br />
allerdings zu kurz gedacht. Denn es waren<br />
auch kleine, einheimische Betriebe,<br />
„<br />
Produkte durchlaufen immer, auch<br />
beim stationären Handel, einen Transportweg.<br />
Unsere Wege sind im Vergleich<br />
sehr, sehr kurz.<br />
„<br />
Thomas Grüner<br />
die letzthin aus der Not eine Tugend gemacht<br />
und ihre Waren – so gut es in der<br />
Eile ging – online angeboten bzw. sie auf<br />
Bestellung und per Lieferservice zu ihren<br />
Kund*innen gebracht haben.<br />
Ein Beispiel für gelungenen Online-Handel<br />
auf lokaler Ebene ist die Internetplattform<br />
„SelberGMOCHT“, auf der rund 250 Südtiroler<br />
Anbieter mit insgesamt etwa 10.000<br />
Produkten vertreten sind. Ob Filzpatschen,<br />
Kräutersirup oder Hundehalsband, dem<br />
Angebot ist keine Grenze gesetzt. Einzige<br />
Voraussetzung: Das Produkt muss selbst<br />
hergestellt worden sein.<br />
Wie die Plattform entstand<br />
Initiator des Projektes ist Thomas Grüner.<br />
Der Fotograf und Inhaber einer Werbeagentur<br />
in Lana kam 2015 auf die Idee, eine<br />
Plattform für einheimische Produkte auf die<br />
Beine zu stellen. „Ich habe eine Möglichkeit<br />
gesucht, die Holzprodukte, die mein<br />
Vater hobbymäßig gedrechselt hat, im Internet<br />
anzubieten.“ Weil er keine geeignete<br />
Plattform fand und berufsbedingt ohnehin<br />
vom Fach ist, startete er zwei Jahre später<br />
mit „SelberGMOCHT“. Der Zuspruch war<br />
von Anfang an recht gut. So richtig angezogen<br />
hat der Verkauf aber mit der Coronakrise<br />
– und mit ihr ist auch die Zahl der<br />
Anbieter noch einmal gewachsen. Es sind<br />
u. a. bäuerliche Direktvermarkter, kleine<br />
Werkstätten, Künstler*innen, zu etwa 10<br />
Prozent auch sogenannte Hobbyisten, die<br />
zum Beispiel selbstmachte Kerzen, Gehäkeltes<br />
oder Modeschmuck verkaufen. „Sie<br />
alle zahlen als Mitglieder eine Jahrespauschale<br />
und selbstverständlich ihre Steuern<br />
und sind somit auch gesetzlich in Ordnung“,<br />
betont Thomas Grüner. Geliefert<br />
wird, außer bei Selbstabholung, per Kurier.<br />
Schaufenster für Mitglieder<br />
Dass sich die Begriffe „online“ und „nachhaltig“<br />
nicht vertragen, diese Kritik lässt<br />
der „SelberGMOCHT“-Initiator nicht gelten:<br />
„Produkte durchlaufen immer, auch<br />
beim stationären Handel, einen Transportweg.<br />
Unsere Wege sind im Vergleich<br />
sehr, sehr kurz.“ Was viel mehr zähle, sei<br />
die Möglichkeit für Südtiroler*innen, die<br />
etwas Besonderes oder Einzigartiges herstellen,<br />
dies auch in einem ansprechenden<br />
und professionellen Rahmen verkaufen<br />
zu können. Außerdem sei die Plattform<br />
für die Mitglieder ein Schaufenster, mit<br />
dem sie neue Kunden werben: „Interessierte<br />
können auch direkt mit den Anbietern<br />
in Kontakt treten, ohne über Internet<br />
zu bestellen.“<br />
Sehr spannend – und außerdem erfolgreich<br />
– ist ein „Online trifft Offline“-Projekt<br />
der Plattform: In ganz Südtirol organisiert<br />
„SelberGMOCHT“ in verschiedenen Orten<br />
sogenannte Event-Märkte, auf denen die<br />
Mitglieder ihre Produkte feilbieten und so<br />
direkt mit Kunden in Kontakt treten.<br />
Edith Runer<br />
KulturFenster<br />
29 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Nachhaltig einkaufen<br />
Der „Türgg“ –<br />
lebenswichtig und<br />
umstritten<br />
Mais ist das Gemüse der Jahre <strong>2021</strong>/2022 –<br />
Alte Sorten retten – Plent als Tradition<br />
Der Mais wurde zum Gemüse der Jahre <strong>2021</strong><br />
und 2022 gewählt. Dabei zählt er eigentlich<br />
zu den Getreidesorten. Mais ist ein wichtiges<br />
Grundnahrungsmittel, aber auch ein<br />
nicht unumstrittenes landwirtschaftliches<br />
und industrielles Produkt. In Südtirol hat<br />
Mais eine lange Tradition. Alte Maissorten<br />
werden aber kaum noch angebaut.<br />
Wie aus einem Lebensmittel ein Industrierohstoff<br />
mit äußerst problematischen<br />
„Nebenwirkungen“ für den Naturhaushalt<br />
entstehen kann, dafür ist Mais ein gutes<br />
Beispiel. Im 16. Jahrhundert aus Lateinamerika<br />
nach Europa importiert, entwickelte<br />
sich der Mais zu einer beliebten,<br />
weil unkomplizierten Kulturpflanze. Schon<br />
sehr früh erfanden die Italiener die Polenta,<br />
die sich zur Alltagsspeise der armen bäuerlichen<br />
Bevölkerung entwickelte.<br />
Allmählich wurde der hohe ökonomische<br />
Nutzen von Mais klarer. Es entstanden erste<br />
Mais-Monokulturen. Sie waren der Anfang<br />
des industrialisierten Maisanbaues in Europa.<br />
Heute werden weltweit jährlich auf<br />
rund 200 Millionen Hektar Fläche rund<br />
1,2 Milliarden Tonnen Mais geerntet, der<br />
meiste davon in den USA und in China.<br />
Die Erträge finden aber nicht mehr nur in<br />
der Lebens- und Futtermittelindustrie Anwendung,<br />
sondern Mais ist auch ein sehr<br />
bedeutender Rohstoff für die Biogas- und<br />
Kraftstoffindustrie.<br />
Samenfeste<br />
Sorten verschwinden<br />
Die Anbaufläche für Mais steigt jedes Jahr<br />
an – mit problematischen Folgen: Alte, samenfeste<br />
Sorten verschwinden langsam.<br />
Sogenannte Hybride, die durch Züchtungen<br />
entstehen, bringen zwar weitaus höhere<br />
Erträge, sorgen aber dafür, dass Begleitpflanzen<br />
auf dem Acker unterdrückt und<br />
Insekten ferngehalten werden. Die Folge<br />
von Mais-Monokulturen ist eine rückläufige<br />
Biodiversität. Auch wirkt sich der Pestizid-<br />
und Düngebedarf negativ auf den<br />
Nitratgehalt des Grundwassers aus. Gentechnik<br />
wird in Europa bei Mais zwar nicht<br />
auf den Feldern angewandt, ist aber oft in<br />
Futtermitteln zu finden.<br />
Soviel zu den schlechten Nachrichten. Nun<br />
aber zu den guten: Der Verein zur Erhaltung<br />
der Nutzpflanzenvielfalt in Deutschland<br />
hat den Mais zum Gemüse der Jahre<br />
<strong>2021</strong>/2022 erklärt. Das ist zwar eigentlich<br />
nicht ganz richtig, weil Mais zum Getreide<br />
zählt. Aber da er in der Küche wie Gemüse<br />
zubereitet wird, hat er diese Ehre nun erhalten,<br />
Gemüse des Jahres zu sein. Der<br />
Verein möchte mit dieser Initiative für alte,<br />
samenfeste Sorten werben und erreichen,<br />
dass diese wieder einer breiteren Öffentlichkeit<br />
zugänglich gemacht werden.<br />
Auch die Südtiroler Bäuerinnenorganisation<br />
(SBO) hat sich letzthin stark gemacht<br />
für altes Saatgut, etwa auch beim Anbau<br />
von Mais.<br />
KulturFenster<br />
30 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Heimatpege<br />
Der Mais in Südtirol<br />
Wie aber sieht es in Südtirol mit dem Maisanbau<br />
aus? Wofür wird Mais verwendet, und<br />
welche Chance haben alte Sorten? Nun,<br />
hierzulande wird Mais, auch „Türgg“ genannt,<br />
vor allem zur Futtermittelverwendung<br />
angebaut. Von den rund 1200 Hektar<br />
Fläche stehen allein 1000 im Pustertal,<br />
geringere Flächen im Eisack- und Wipptal<br />
sowie im Vinschgau. Rund 50 bis 60<br />
Tonnen Maissilage können pro Hektar geerntet<br />
werden, davon rund zwölf Tonnen<br />
Körner. Im Pustertal werden die „Mais-Monokulturen“<br />
mitunter doch kritisiert, aber<br />
die Bauern betonen, den Mais stets in die<br />
Fruchtfolge einzubauen, ihn also abwechselnd<br />
mit Kartoffeln, Gemüse und anderem<br />
Getreide anzubauen.<br />
Lediglich einzelne Bauern im Land widmen<br />
ihre Arbeit noch alten Maissorten.<br />
Hier geht es dann in der Regel um das<br />
Aufrechterhalten von Tradition, etwa im<br />
Unterland, wo der „Plent“ einst zu den<br />
Grundnahrungsmitteln zählte. Mit dem<br />
Aufkommen des einträglichen Obst- und<br />
Weinbaues mussten die Maisfelder in den<br />
Tallagen der Etsch allerdings weichen. Zwar<br />
blieb der „Plent“ als typische Speise, jedoch<br />
kommt das Maiskorn heute nur noch<br />
selten aus dem Unterland.<br />
Eine der wenigen Familien, die Mais im<br />
Nebenerwerb anbaut, ist jene von Christian<br />
Giovanett aus Tramin. Der „Traminer<br />
Plent“ vom Römerhof hat sich mittlerweile<br />
einen Namen gemacht. Im Gespräch<br />
mit dem „KulturFenster“ erzählt der Obstund<br />
Weinbauer die Besonderheiten seines<br />
„Plentnmehls“ und warum er sich nun sogar<br />
an den Reisanbau wagt (siehe Interview<br />
auf Seite 32).<br />
Edith Runer<br />
Das Projekt „Schulacker Kurtatsch“<br />
Mit viel Begeisterung beteiligen sich die Grundschulkinder am Projekt „Schulacker“ in Kurtatsch.<br />
Foto aus: Video „Schulacker Kurtatsch“/HPV<br />
Wer Tradition erhalten möchte, muss<br />
sie an die nächste Generation weitergeben.<br />
Das gilt auch und vor allem für die<br />
Lebensmittelproduktion. In Kurtatsch<br />
wurde vor über zehn Jahren eine Initiative<br />
ins Leben gerufen, die dieses<br />
Ziel jedes Jahr mit Erfolg erreicht. Sie<br />
nennt sich Projekt „Schulacker“ und<br />
wurde 2010 von der Arbeitsgruppe<br />
Selbstversorgung rund um Franz Hauser<br />
gestartet.<br />
Auf einem etwa 4000 Quadratmeter<br />
großen Grundstück, das von der<br />
Gemeinde Kurtatsch zur Verfügung gestellt<br />
wurde, lernen Schüler*innen der 4.<br />
Klassen der Grundschulen von Kurtatsch,<br />
Penon und Graun, wie Mais und andere<br />
Lebensmittel angebaut, geerntet und verarbeitet<br />
werden.<br />
Ebenso wie auf dem Acker von Christian<br />
Giovanett (siehe Interview) wurden auf<br />
dem Maisfeld in Kurtatsch alte Samen von<br />
Max Giovanett als Saatgut eingesetzt. Die<br />
Kinder lernen von den Mitgliedern der Arbeitsgruppe,<br />
wie wertvoll es ist, das Saatgut<br />
und damit auch den ursprünglichen Cha-<br />
rakter des Getreides zu erhalten. Vom<br />
Säen über das „Peckn“, das „Klaubn“<br />
und das „Tschilln“ bis zum Ernten und<br />
Mahlen sind die Schüler in den Prozess<br />
eingebunden. An dessen Ende<br />
steht das „Kurtatscher Plentnmehl“,<br />
das gemeinsam im „Plentnkessl“ gekocht<br />
– und natürlich verspeist – wird.<br />
Und weil die Fruchtfolge beim Maisanbau<br />
eine wichtige Rolle spielt, bauen<br />
die Schüler und die Bauern auf dem<br />
Schulacker auch Erdäpfel, Gemüse<br />
und Kräuter an.<br />
KulturFenster<br />
31 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Nachhaltig einkaufen<br />
Kleine Ernte,<br />
großer Geschmack<br />
Christian Giovanett baut im Nebenerwerb<br />
eine alte Maissorte an<br />
KulturFenster: Herr Giovanett, wie<br />
Die ganze Familie hilft mit: Sebastian, sind Sie zum Maisanbau gekom-<br />
Mariagrazia, Christian und Emma Giovanett<br />
men?<br />
mit Haushund Athos.<br />
Christian Giovanett: Anlass war<br />
eine alte Steinmühle, die auf<br />
unserem Hof seit den 1940-er<br />
Jahren steht. Mit dem Auflassen<br />
der Viehzucht und dem Aufkommen<br />
des Obstanbaues wurde<br />
die Mühle ab den 1960er-Jahren<br />
nicht mehr gebraucht. Erst<br />
30 Jahre später hat sie mein Onkel<br />
wieder auf Vordermann gebracht.<br />
Ich wollte sie nutzen und<br />
bekam von meinem Verwandten<br />
Max Giovanett zehn Kilogramm<br />
Saatgut einer alten lokalen Sorte<br />
geschenkt. Aus dem Saatgut haben<br />
sich rund 60 Stauden entwickelt,<br />
was nicht viel ist, aber<br />
immerhin haben wir so eine alte<br />
Sorte erhalten können. Damals<br />
war es eher ein Experiment. Wir<br />
wollten einfach unser eigenes Polentamehl<br />
herstellen. Mit der Zeit<br />
stieg die Erntemenge, es reichte<br />
auch zum Verschenken. Die Leute waren<br />
recht begeistert. Deshalb haben wir uns<br />
2015 überlegt, uns damit einen kleinen<br />
Nebenerwerb zu schaffen. Das<br />
ist dann gelungen.<br />
KF: Wie wird das Polentamehl verkauft?<br />
Giovanett: Im Grunde organisieren wir in<br />
unserem Familienbetrieb alles selber, vom<br />
Anbau über die Ernte bis zum Mahlen,<br />
dem Verpacken und dem Verkauf. Das ist<br />
die Herausforderung, aber auch der Ansporn.<br />
Die größte Menge der Polenta geht<br />
über Geschäfte und Wiederverkäufer an<br />
die Kunden, einen kleinen Teil verkaufen<br />
wir ab Hof. Mittlerweile bauen wir auch weißen<br />
Mais an.<br />
KF: Und sogar Reis, wie man so hört …<br />
Giovanett: Stimmt. Aber auch das ist im Moment<br />
noch ein Experiment. Ich habe mich<br />
im Vorfeld im Piemont informiert, wo sehr<br />
viel Reis angebaut wird, und vergangenes<br />
Jahr auf einem kleinen Feld mit dem Anbau<br />
begonnen. 2020 hatten wir einen sehr warmen<br />
Frühling, der Reis konnte gut gedeihen.<br />
Mal sehen, wie es in diesem Jahr läuft.<br />
Interview: Edith Runer<br />
Die alte Steinmühle mahlt aus<br />
den trockenen Körnern das Mehl<br />
Neben Obst und Wein wächst auf den<br />
Feldern des Römerhofes auch „Türgg“.<br />
Fotos: Römerhof<br />
KF: Wodurch unterscheidet sich Ihr<br />
„Plentnmehl“ vom herkömmlichen?<br />
Giovanett: Der „Plent“ aus der alten<br />
Sorte ist geschmacklich viel intensiver.<br />
Wer es zum ersten Mal probiert,<br />
ist meist erstaunt, wie groß<br />
der Unterschied zum bisher Gekannten<br />
ist. Außerdem ist der Ertrag<br />
aus den rund 1,5 Hektar Fläche<br />
um ein Viertel bis zu einem<br />
Drittel geringer als bei den üblichen Sorten,<br />
was ihn auch erheblich teurer macht. Ich<br />
möchte meinen Mais aber qualitativ nicht<br />
über jenen aus Hybridsorten stellen. Er ist<br />
eine Alternative.<br />
Sehr intensiv ist der Geschmack des „Plentnmehls“<br />
aus den Maiskörnern der alten Sorte.<br />
KulturFenster<br />
32 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
informiert & reektiert<br />
Egert, Trate und Zelge<br />
Serie: Flurnamen aus der Agrargeschichte (1)<br />
Viele Flurnamen sind uns zwar geläufig. Wir<br />
kennen aber nicht den Ursprung bestimmter<br />
Bezeichnungen. In einer Serie im „KulturFenster“<br />
erklärt der Kulturanthropologe<br />
Johannes Ortner – er ist auch Vorstandsmitglied<br />
im Heimatpflegeverband – Südtiroler<br />
Flurnamen aus der Agrargeschichte.<br />
Um die Bodenfruchtbarkeit dauerhaft zu<br />
erhalten, wurde im mittelalterlichen Europa<br />
die Dreifelderwirtschaft eingeführt,<br />
wobei die gesamte Anbaufläche in drei<br />
Teile oder „Zelgen“ unterteilt wurde: Auf<br />
der ersten wurde das Wintergetreide, auf<br />
der zweiten das Sommergetreide eingesät,<br />
die dritte Zelge wurde brach liegen<br />
gelassen. Im Alpenraum konnte diese<br />
Form der Wechselwirtschaft aufgrund<br />
des Mangels an Grund und Boden nicht<br />
annähernd durchgeführt werden. In den<br />
Flurnamen sind jedoch viele Begriffe aus<br />
der Dreifelder- bzw. der Egartenwirtschaft<br />
erhalten geblieben.<br />
Egert<br />
Der Name „Egert“, „Eget“ oder „Egat“<br />
leitet sich von mittelhochdeutsch „diu<br />
egerde“ ab, womit die Grünbrache bezeichnet<br />
wurde. Auf dem unbeackerten<br />
Teil der Feldflur ließ man Klee und Unkräuter<br />
gedeihen, die den Boden mit wichtigem<br />
Stickstoff anreicherten.<br />
In Südtirol gibt es hunderte Beispiele dieses<br />
Namens: Im Vinschgau bezeichnet „Ëigrt“<br />
eine bewässerte Wiese, im Mittelvinschgau<br />
den beweideten Kastanienhain. „Ëigete“<br />
ist häufiger Feldname im Eisacktal und als<br />
Beispiel einer Pusterer „Egårschte“ ließen<br />
sich die Felder rund um den Pragser Weiler<br />
Plung anführen.<br />
Trate<br />
Es ist ein sehr häufiger Flurname im Alpenraum,<br />
der besonders im Pustertal jene<br />
Felder bezeichnet, die nur ab und zu mit<br />
Getreide bebaut wurden. Die „Trate“ bezeichnete<br />
den Teil der Feldflur, der dem<br />
Viehtritt offenstand, denn „Trate“ hängt<br />
mit „treten“ zusammen. Die Rinder kneteten<br />
den Ackerboden durch und führten<br />
ihm Nährstoffe zu, was dem Kornertrag<br />
zugute kam.<br />
Bekannt ist der Stadtteil Tratten in Brixen,<br />
stellvertretend für die vielen Hofnamen sei<br />
„Traten“ in Unsere Liebe Frau im Walde<br />
genannt. Als Kleinst-Flurname kommt er<br />
bis auf den Vinschgau über tausend Mal<br />
in Südtirol vor. Mit „Antratt“ wird im Ahrntal<br />
übrigens die Frühlingsweide in Hofnähe<br />
bezeichnet.<br />
Zelge<br />
Zelge ist die Bezeichnung für eine der drei<br />
Flurabteilungen innerhalb der Dreifelderoder<br />
eben Dreizelgenwirtschaft.Das Wort<br />
hat eine indogermanische Wurzel (delgh),<br />
die für "spalten, schnitzen, behauen" steht.<br />
In Deutschnofen ist der Familienname Zelger<br />
verbreitet, ein Teil der Reggelberger Gemeinde<br />
heißt sogar „Zelgviertel“. Auch im<br />
hochgelegenen Rein in Taufers gibt es ein<br />
Feld namens „Samer-Zelge“.<br />
Messner-Egert in Kortsch<br />
KulturFenster<br />
33 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
informiert & reektiert<br />
Habitate vor Eingriffen schützen<br />
Initiative der Grünen soll besondere Lebensräume<br />
für Pflanzen und Tiere retten<br />
Heimatschutz bedeutet auch Natur- und<br />
Landschaftsschutz. Doch der hat bekanntermaßen<br />
schlechte Karten, wenn es um<br />
wirtschaftliche Notwendigkeiten geht. Ein<br />
Beispiel dafür sind die vielen tausend sogenannten<br />
Habitate im Land.<br />
Habitate – das sind charakteristische Lebensräume<br />
für bestimmte Tier- und Pflanzenarten<br />
– findet man nicht nur in Naturschutzgebieten,<br />
sondern überall im Land<br />
in jeder Berg- und Tallage, auch mitten im<br />
landwirtschaftlichen Gelände. Es sind Trockenwiesen,<br />
Moore, Feucht- und Nasslebensräume.<br />
In ihnen wachsen oft seltene,<br />
schützenswerte Pflanzen, und sie beherbergen<br />
Tiere, die nur dort wirklich überleben<br />
können. Kurzum: Habitate sind unerlässlich<br />
zur Erhaltung der viel zitierten Biodiversität<br />
und zur Rettung aussterbender<br />
Arten. Immerhin gelten 40 Prozent der in<br />
Südtirol bekannten Tier- und 30 Prozent<br />
der Pflanzenarten als gefährdet oder vom<br />
Aussterben bedroht.<br />
Nur ein Bagatell?<br />
diese Lebensräume schützen sollte. Doch<br />
offenbar weist dieses eine ganze Reihe von<br />
Schlupflöchern auf, mit denen der Schutz<br />
umgangen wird. Vor allem die sogenannten<br />
Bagatelleingriffe in die gewachsene Landschaft<br />
führen immer wieder zur Zerstörung<br />
von Habitaten. Dies, weil sie von Bürgermeistern<br />
– legal – genehmigt werden, weil<br />
aber keine Behörde kontrolliert, ob die Eingriffe<br />
in schützenswerten Lebensräumen<br />
erfolgen, was sie laut Gesetz nicht dürften.<br />
Dieser Umstand hat nun die grüne Landtagsfraktion<br />
auf den Plan gerufen. Sie hat<br />
einen Gesetzentwurf eingebracht, der voraussichtlich<br />
noch im Frühjahr (nach Redaktionsschluss)<br />
im Gesetzgebungsausschuss<br />
des Landtages behandelt wird und<br />
das bisherige Naturschutzgesetz ergänzen<br />
soll. Ziel der Habitatschutz-Initiative ist es,<br />
die Schlupflöcher im Naturschutzgesetz zu<br />
stopfen. „Zukünftig soll jeder technische Eingriff<br />
in gewachsenen Boden grundsätzlich<br />
Habitate fallen allerdings zunehmend Eingriffen<br />
von außen zum Opfer, sei es aufgrund<br />
der Erderwärmung, des Bodenverbrauches,<br />
der Umweltverschmutzung als<br />
auch wegen der intensiven landwirtschaftlichen<br />
Nutzung. Wohl gibt es seit 2010 in<br />
Südtirol ein Naturschutzgesetz, das eben Hanspeter Staffler Foto: Privat<br />
verboten werden“, erklärt der Landtagsabgeordnete<br />
Hanspeter Staffler die Forderung<br />
der Grünen. „Wird er dennoch als notwendig<br />
erachtet, ist vor der Genehmigung das Gutachten<br />
der zuständigen Behörden einzuholen,<br />
sprich der Abteilung Natur und Landschaft<br />
bzw. der Forstbehörde.“<br />
Auch Viehtritte schaden<br />
Habitate werden aber nicht nur durch technische<br />
Eingriffe zerstört, sondern im Almbereich<br />
u. a. auch durch Tritte von Pferden<br />
und Rindern. „Heutige Rassen sind in<br />
der Regel groß und schwer und hinterlassen<br />
beim Durchqueren und Abweiden vor<br />
allem von Feucht-Lebensräumen Trittschäden,<br />
die Auslöser von Erosion sein können“,<br />
so Hanspeter Staffler. „Weidewirtschaftlich<br />
gesehen sind diese Habitate uninteressant<br />
und könnten gerade deshalb durch eine<br />
einfache Umzäunung geschützt werden.“<br />
Der Landtagsabgeordnete – und Ökologe –<br />
ist sich bewusst, dass die Naturschutz-Initiative<br />
auf wenig Zustimmung im Landtag<br />
stoßen wird. Dennoch werde er sich auch<br />
bei einer Ablehnung nicht geschlagen geben:<br />
„Es gibt sehr viele Negativ-Beispiele<br />
in Südtirol, und wenn in der Landesregierung<br />
schon betont wird, wie wichtig die<br />
Biodiversität ist, dann sollte sie auch Zeichen<br />
setzen.“<br />
Edith Runer<br />
Biotop Unterackern, Sterzing : Nur durch<br />
gesetzlichen Schutz können solche Lebensräume<br />
erhalten werden.<br />
Foto: wikipedia<br />
KulturFenster<br />
34 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Heimatpege<br />
Fotos: Hanspeter Staffler<br />
Das Kranebitter Moos kurz vor dem Eingriff Die ersten Grabungsarbeiten … … und das ganze Ausmaß der Habitat-Zerstörung<br />
Negativ-Beispiel Kranebitter Moos<br />
Als eklatantes Beispiel der Zerstörung<br />
eines Habitates nennt Hanspeter Staffler<br />
ein – mittlerweile ehemaliges – Hangmoor<br />
in Mitterolang, westlich des Weilers<br />
Mühlbach, das unter den Flurnamen<br />
Schwarzes Moos und Kranebitter<br />
Moos bekannt ist.<br />
Dieses wurde u. a. von Botanikern des<br />
Naturmuseums als „intaktes Quellmoor“<br />
und damit als schützenswertes<br />
Nass- und Feuchtgebiet im Sinne des Gesetzes<br />
bezeichnet. Wollgras, Mehlprimel,<br />
Schlangenknöterich und Trollblume sind<br />
einige der bekannten und teils seltenen<br />
Pflanzenarten, die hier in einer Gemeinschaft<br />
gediehen.<br />
2019 wurde das Kranebitter Moos einer<br />
Drainage unterzogen, es wurde also trockengelegt.<br />
Möglich war dies durch eine<br />
2017 erfolgte Genehmigung eines Baga-<br />
telleingriffes durch den Bürgermeister<br />
der Gemeinde.<br />
Der Landtagsabgeordnete Staffler war<br />
unmittelbar vor dem Eingriff noch informiert<br />
worden und hatte die Behörden<br />
über die Sachlage informiert und<br />
darüber, dass es sich um einen Eingriff<br />
in ein Habitat handelt. Doch sie hätten<br />
nicht reagiert, wie er sagt. Dann fuhren<br />
die Bagger auf (siehe Bildfolge oben).<br />
5‰fürdieNatur-undKulturlandschaft<br />
5‰fürdenHeimatpflegeverband<br />
Seit 2020 ist der Heimatpflegeverband in die Liste der möglichen 5-Promille-Empfänger eingetragen. Damit hat man die Möglichkeit,<br />
die Heimatpflege auch über die Steuererklärung zu fördern.<br />
Der Heimatpflegeverband setzt sich für den Erhalt unserer Natur- und Kulturlandschaft und der historischen Baukultur, für eine<br />
offene und traditionsbewusste Gesellschaft, für die Förderung der Volkskultur, der Tracht und der Mundart, für die Heimat ein.<br />
Unterstützen auch Sie die Tätigkeit des Heimatpflegeverbandes, indem Sie bei der Steuererklärung (Mod. CUD, Mod 730 oder<br />
Mod. UNICO) ganz einfach und unkompliziert im entsprechenden Feld die Steuernummer 80006000212 des Heimatpflegeverbandes<br />
Südtirol eintragen und Ihre Unterschrift daruntersetzen.<br />
Vielen Dank für die Unterstützung!<br />
KulturFenster<br />
35 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Dinge des Alltags<br />
aus Geschichte und<br />
Gegenwart<br />
Diese Backform (im Bild) kennen wohl<br />
alle! Der in Österreich, der Schweiz und in<br />
Südtirol bekannte Gugelhupf ist in Norddeutschland<br />
als „Rondonkuchen“ verbreitet,<br />
in Thüringen als, „Aschkuchen“,<br />
in Mitteldeutschland als „Napf-„ oder<br />
„Topfkuchen“. Wo genau er entstanden<br />
ist, ist offen.<br />
Die Wiener sehen ihn als ihre Spezialität<br />
an, auf dem Speiseplan von Kaiser Franz<br />
Joseph durfte er nicht fehlen. Doch Gugelhupfrezepte<br />
findet man auch in der deutschen<br />
Küche.<br />
Die Gugelhupfform<br />
So veröffentlichte die bekannte<br />
Köchin Henriette Davidis<br />
(1801–1876) im Jahr<br />
1854 ein Rezept für einen<br />
„Napfkuchen“, für den sie<br />
die stolze Zahl von 15 Eiern<br />
verwendete. Ihre österreichische<br />
Kollegin Katharina<br />
Prato (1818–1897) nennt 1858 elf verschiedene<br />
Gugelhupfrezepte.<br />
Auch in den Tiroler Kochbüchern fehlte<br />
die süße runde Versuchung nicht. Kreszenz<br />
Trebo (1853–1931) aus Enneberg<br />
benannte den Gugelhupf 1896 aber<br />
nicht als Kuchen, sondern als Germspeise.<br />
„Gugel“ war im 14. Jahrhundert<br />
die Bezeichnung für eine kapuzenartige<br />
Kopfbedeckung. Ob der Name damit<br />
in Verbindung zu bringen ist? Es wird<br />
manchmal angenommen, aber bestätigt<br />
ist es nicht.<br />
Wenn vom Gugelhupf die Rede ist, geht es<br />
nicht so sehr um den Teig, sondern um die<br />
Backform. Ab dem 17. Jahrhundert sind<br />
kunstvoll getriebene Kupfermodelle in bürgerlichen<br />
Küchen zu finden. Auch in der<br />
bäuerlichen Aussteuer fehlten Formen aus<br />
Keramik oder Blech nicht.<br />
Beim Gugelhupf verleihen die geschwungenen<br />
Bögen und schräg verlaufenden Rillen<br />
nicht nur der Backform selber, sondern<br />
auch dem kranzförmigen Kuchen sein unverwechselbares<br />
Aussehen.<br />
Barbara M. Stocker<br />
Literatur:<br />
Kreszenz Trebo: „Heimische Küche mit besonderer<br />
Rücksicht auf bürgerliche Kreise und Wirtschaften<br />
in Pfarrhöfen“, 1896.<br />
Ingrid Haslinger: „Tafeln wie ein Kaiser. Franz<br />
Joseph und die kulinarische Welt des Wiener<br />
Hofs“, Wien 1999.<br />
Ein Kuchenmodel aus Kupfer.<br />
Sie ist wohl in fast jeder Küche zu finden: die Gugelhupfform.<br />
Fotos: Südtiroler Landesmuseum für Volkskunde<br />
KulturFenster<br />
36 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
hinausgeblickt<br />
Ensembleschutz wird<br />
ad absurdum geführt<br />
Beispiel Hallerhof in Latsch –<br />
Abriss und Neubau statt Sanierung<br />
zu orientieren, sprich: das Gebäude zu sanieren.<br />
Ansonsten werde wohl künftig auch<br />
Privateigentümern, die ihre ensemblegeschützten<br />
Gebäude abreißen wollen, Tür<br />
und Tor geöffnet. Zudem sei der Hallerhof<br />
mit dem denkmalgeschützten Oberhof<br />
zusammengebaut, womit ein Gutachten<br />
des Denkmalamtes Berücksichtigung<br />
finden solle.<br />
Gegen eine Kopie<br />
Der Hallerhof ist ein historisches Gebäude und soll nun trotz Ensembleschutz abgerissen<br />
und neu aufgebaut werden.<br />
Foto: Günther Schöpf<br />
Auch die Argumente im Schreiben einer<br />
Gruppe von Vinschger Architekten an die<br />
Verantwortungsträger scheint diese nicht<br />
umzustimmen. Unter anderem heißt es in<br />
dem Brief:<br />
„Im Gegensatz zum Denkmalschutz ist der<br />
Ensembleschutz kein starres und statisches<br />
Instrument. Er verbietet keine Anbauten,<br />
Erweiterungen oder Teilabrisse. Es dürfen<br />
sogar gesamte Gebäude entkernt und einer<br />
neuen Nutzung zugeführt werden. Er<br />
erlaubt somit eine Anpassung bestehender<br />
Gebäude an die heutige Zeit und eine<br />
inhaltliche Weiterentwicklung. Dorfzentren<br />
sollen nicht nur Fassade sein, sondern leben<br />
und blühen.“<br />
Weder die Stellungnahme des Heimatpflegeverbandes<br />
noch jene einer Gruppe von<br />
Vinschger Architekten scheint die Gemeindeverwaltung<br />
von Latsch von ihrem Plan<br />
abzuhalten, den unter Ensembleschutz<br />
stehenden Hallerhof abzureißen. Der viel<br />
gelobte Ensembleschutzplan des Landes<br />
scheint in diesem Fall ad absurdum geführt.<br />
Fakt ist, dass der im Ortszentrum gelegene<br />
und in Gemeindebesitz befindliche<br />
Hallerhof unter Ensembleschutz steht. Er<br />
bildet mit seiner wuchtigen, zur Hofgasse<br />
hin geschlossenen Bauweise gemeinsam<br />
mit dem angebauten denkmalgeschützten<br />
Oberhof ein wunderbares Ensemble. Nun<br />
möchte die Gemeinde den leerstehenden<br />
Hof aber für den geförderten Wohnbau zur<br />
Verfügung stellen, was durchaus sinnvoll<br />
erscheint. Sie möchte ihn allerdings nicht<br />
sanieren, wie im Ensembleschutzgesetz<br />
vorgesehen, sondern abreißen und – unter<br />
Erhaltung des Charakters des Ensembles<br />
– neu aufbauen. Das Gebäude sei nun<br />
einmal nicht sanierbar, lautet die Begründung<br />
der Gemeindeverwalter. Doch das<br />
sieht der Heimatpflegeverband anders.<br />
Was sind Ensembles?<br />
Ein Neubau könne, selbst wenn die Fassade<br />
Anleihen am alten Hallerhof nimmt,<br />
niemals ein überzeugender Ersatz für das<br />
historische Gebäude sein. „Ensembles sind<br />
keine Einzelobjekte, sondern stellen ein Zusammenspiel<br />
von Elementen, Objekten und<br />
Ansichten dar, welche die Geschichte und<br />
das Miteinander von Mensch und Natur widerspiegeln“,<br />
meint der Heimatpflegeverband.<br />
Die Gemeinde wird deshalb aufgerufen,<br />
sich an den im Ensembleschutzplan<br />
festgeschriebenen Erhaltungsmaßnahmen<br />
„<br />
Ensembles sind keine Einzelobjekte,<br />
sondern stellen ein Zusammenspiel<br />
von Elementen, Objekten und Ansichten<br />
dar, welche die Geschichte<br />
„<br />
und das Miteinander von Mensch<br />
und Natur widerspiegeln.<br />
Heimatpflegeverband Südtirol<br />
„<br />
„<br />
Wir wollen ja auch das richtige Venedig<br />
und keine Kopie in Las Vegas.<br />
Vinschger Architekten<br />
Die Gemeinde hätte als Eigentümerin des<br />
Hallerhofes die besten Voraussetzungen,<br />
das Ensemble mit neuem Leben zu füllen.<br />
Allerdings sei eine Kopie der falsche<br />
Weg. „Wir wollen ja auch das richtige Venedig<br />
und keine Kopie in Las Vegas, schütteln<br />
bestürzt den Kopf, wenn die Chinesen<br />
einfach mal ganz Hallstatt in Tirol nachbauen.<br />
Eine Kopie kann nie und nimmer<br />
das Original ersetzen und ihm annähernd<br />
gerecht werden.“<br />
Der Heimatpflegeverband sieht den Ensembleschutz<br />
durch den geplanten Abriss des<br />
Hallerhofes ad absurdum geführt und fordert<br />
die Gemeinde Latsch auf, diesen wertvollen<br />
Baustein des architektonischen Erbes zu<br />
erhalten und behutsam der neuen Bestimmung<br />
zuzuführen. Die Architektengruppe<br />
regt sogar einen Planungswettbewerb an,<br />
um neue Ideen zu sammeln.<br />
Heimatpflegeverband Südtirol<br />
KulturFenster<br />
37 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
hinausgeblickt<br />
Gegen ein „Almdorf“ in Schnals<br />
Kurzras droht, zum Tourismusghetto zu werden<br />
Kurzras heute …<br />
Foto: Google Streetview<br />
… und das Modell, wie das „Almdorf“ künftig aussehen soll.<br />
Foto: Bürgernetz Südtirol<br />
Im hinteren Schnalstal soll eine neue Tourismuszone<br />
von gigantischen Ausmaßen entstehen.<br />
Dieser Eingriff wird die äußerst wertvolle<br />
bäuerliche Siedlungslandschaft und die<br />
landschaftliche Vielfalt nachhaltig und irreversibel<br />
schädigen. Der Heimatpflegeverband<br />
hat dazu ausführlich Stellung genommen.<br />
Hier eine Zusammenfassung:<br />
33.685 Quadratmeter Grundfläche und<br />
70.000 Kubikmeter Kubatur sollen in Kurzras<br />
verbaut werden. Rund 600 neue Gästebetten<br />
sollen zu den bestehenden 700 Betten<br />
dazu kommen, auch weitere Mitarbeiterbetten<br />
sind selbstverständlich notwendig. Die Hotelbauten<br />
werden bis zu 27 Meter höher sein<br />
als die bestehenden, und auch der bis zu<br />
acht Meter hohe Lawinenschutzdamm wird<br />
die Sichtverbindungen im hinteren Schnalstal<br />
massiv beeinträchtigen. Der Schnalser Talschluss<br />
wird damit wohl seine landschaftstypische<br />
Eigenheit verlieren.<br />
Bereits jetzt stellt sich Kurzras als Sammelsurium<br />
von Gebäuden unterschiedlichster<br />
Formen und Materialien, teils mit Anbauten<br />
in allen möglichen Baustilen dar. Das dürfte<br />
sich mit dem neuen Projekt nicht ändern.<br />
Der Landesbeirat für Baukultur beschreibt<br />
es folgerichtig als „inhomogen“ und „für diesen<br />
sensiblen Ort nicht geeignet“, auch weil<br />
es einen sehr großen und problematischen<br />
Eingriff in die sensible Landschaft des Talschlusses<br />
darstelle.<br />
Kein Mehrwert<br />
Die Projektwerber bezeichnen ihr Bauvorhaben<br />
in den technischen Unterlagen als<br />
„Almdorf“. Doch mit einem historischen Almdorf,<br />
wie sie im Alpenraum über Jahrhunderte<br />
entstanden sind und die alpine Landschaft<br />
auf markante Weise prägen, hat das<br />
geplante Projekt nichts zu tun. Ebenso wenig<br />
wird damit ein „Mehrwert für das gesamte<br />
Schnalstal“ geboten, zumal Erfahrungen<br />
aus anderen Tourismusghettos in Winter-<br />
sportgebieten zeigen, dass dem nicht so ist.<br />
Nicht vergessen darf man den ökologischen<br />
Aspekt: Das Moorgebiet, das direkt an die<br />
geplante Tourismuszone angrenzt, ist „sowohl<br />
in pflanzensoziologischer als auch in<br />
ökologischer Hinsicht eine äußerst vielfältige<br />
Fläche“ (zit. Umweltverträglichkeitsstudie<br />
„Almdorf Schnals“). Dort wurden gleich<br />
drei Pflanzenarten gefunden, die auf der<br />
Roten Liste stehen. Das zeigt eindrücklich,<br />
wie sensibel und einzigartig dieses Hochalpengebiet<br />
ist. Angesichts des Ausmaßes<br />
an Zerstörung von unberührter Landschaft<br />
erscheinen die vorgelegten ökologischen<br />
Ausgleichsmaßnahmen lächerlich gering<br />
und teils zweifelhaft.<br />
Heimatpflegeverband Südtirol<br />
KulturFenster<br />
38 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Heimatpege<br />
Bannzonen sind – leider –<br />
keine Garantie<br />
Bruneck: Gewerbegebiet und private Grünzone trotz negativen Gutachtens<br />
Bannzonen sind gemäß Landschaftsplan<br />
„offene Flächen in Siedlungsnähe, die<br />
von Bebauung freigehalten werden sollen“.<br />
Eine solche Bannzone befindet sich<br />
auch an der Osteinfahrt von Bruneck östlich<br />
des Bahndammes und der Landesstraße.<br />
Sie muss nun weichen.<br />
Im Herbst 2020 hat der Gemeinderat<br />
von Bruneck beschlossen, in Abänderung<br />
des Bauleitplanes eben die<br />
Bannzone an der Brunecker Osteinfahrt<br />
umzuwidmen. Aus einer landschaftsverträglichen<br />
Zone für Freizeitanlagen sollen<br />
ein Gewerbegebiet und eine private<br />
Grünzone werden.<br />
Dabei hatte das Amt für Landschaftsplanung<br />
ein sehr klares negatives Gutachten<br />
abgegeben. Darin heißt es u.<br />
a.: „Ein neues Gewerbegebiet an diesem<br />
Standort wäre die erste Baugebietsausweisung<br />
östlich der Stadtgrenze und<br />
würde eine Inselausweisung und damit<br />
eine Zersiedelung in einem ansonsten<br />
landwirtschaftlich geprägten Bereich<br />
der Gemeinde darstellen.“ Zudem bestünde<br />
hier die Gefahr weiterer Baugebietsausweisungen<br />
und damit weiterer<br />
Zersiedelung.<br />
Absurderweise hat die Kommission für<br />
Raum und Landschaft trotzdem ein po-<br />
Das im Winter entstandene Foto zeigt, wo die neue Gewerbezone entstehen wird.<br />
Foto: Albert Willeit<br />
„<br />
Es muss hier um den Grundsatz einer<br />
vor Verbauung freizuhaltenden<br />
Landschaft gehen und nicht um Kosmetik<br />
für 16.000 Kubikmeter neuer<br />
„<br />
Baumasse.<br />
Albert Willeit<br />
sitives Gutachten abgegeben, das der<br />
Gemeinderat wohlwollend übernommen<br />
hat. Darin wird gar von einer „Aufwertung<br />
des Areals“ und einer „interessanten<br />
Landschaftsgestaltung“ gesprochen. Der<br />
Pustertal Heimatpflegeverband ist über<br />
derlei Argumente völlig perplex, „denn<br />
es muss hier um den Grundsatz einer<br />
vor Verbauung freizuhaltenden Landschaft<br />
gehen und nicht um Kosmetik für<br />
16.000 Kubikmeter neuer Baumasse“,<br />
so Bezirksobmann Albert Willeit und Landesobfrau<br />
Claudia Plaikner.<br />
Die Abteilung Raumentwicklung schreibt<br />
auf ihrer Homepage unter „Eindämmung<br />
der Zersiedelung“: „Es wird künftig nicht<br />
Fleckenteppiche in der Landschaft geben,<br />
sondern geschlossene Siedlungsgebiete.<br />
Das heißt, dass etwa neues<br />
Bauland an bestehendes angrenzen<br />
muss.“ Genau diese Richtlinien werden<br />
hier sträflich missachtet, weil man sogar<br />
eine strikte Grenze wie Bahndamm und<br />
Straße überschreitet.<br />
Der Heimatpflegeverband warnt seit vielen<br />
Jahren vor dem weiteren Verbrauch<br />
von Landschaft und anderen Ressourcen.<br />
Jede neue Bauzone in solchen Gebieten<br />
ist eine starke Beeinträchtigung<br />
des Orts- und Landschaftsbildes. Deshalb<br />
wurde die Landesregierung aufgefordert,<br />
nach ihren eigenen Grundsätzen<br />
zu handeln. Doch sie hat der Verbauung<br />
in der Bannzone vor kurzem leider<br />
zugestimmt.<br />
Albert Willeit<br />
KulturFenster<br />
39 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
hinausgeblickt<br />
25 Jahre Heimatpflegeverein<br />
Naturns – Plaus<br />
Einige Stationen der Vereinsgeschichte<br />
Der Heimatpflegeverein Naturns<br />
– Plaus EO feiert in diesem<br />
Jahr sein 25-jähriges<br />
Bestehen. Dazu ist eine Jubiläumsbroschüre<br />
erschienen.<br />
Obmann Hermann Wenter<br />
nennt in folgendem Bericht einige<br />
Stationen der Vereinsgeschichte.<br />
Ein Blick zurück auf die Gründung:<br />
Ich war bereits Rentner,<br />
als in mir, angeregt durch ein<br />
kulturelles Erlebnis, der Gedanke<br />
aufkam, in Naturns<br />
einen Trachtenverein ins Leben<br />
zu rufen. Der damalige<br />
Kulturreferent Josef Pircher<br />
und etliche Mitbürger*innen<br />
in Naturns und Plaus unterstützten<br />
diese Gesinnung. So<br />
kam es im Februar 1996 zur<br />
Gründung des Heimatpflegevereines<br />
Naturns – Plaus.<br />
Zum Obmann wurde Kulturreferent<br />
Josef Pircher und zu<br />
dessen Stellvertreter ich, Hermann<br />
Wenter, gewählt. Heinrich<br />
Kainz als Vertreter der<br />
Gemeinde Plaus übernahm<br />
das Amt des Kassiers, Heinrich<br />
Koch wurde Schriftführer.<br />
Beiräte waren Walter Lesina-Debiasi, Peter<br />
Gorfer sen. und die Ortschronistin Maria<br />
Fliri Gerstgrasser, zudem der Sachbearbeiter<br />
des Landesverbandes, Franz Fliri,<br />
Luis Laimer als Schützenhauptmann und<br />
der Obmann der Bauernjugend Naturns/<br />
Plaus, Klaus Elsler.<br />
Unsere Zielsetzungen waren schon damals:<br />
die Erhaltung von Naturdenkmälern<br />
und naturkundlich interessanten<br />
Zeugnissen aus Vergangenheit und Gegenwart,<br />
das Wecken des Interesses in<br />
der Bevölkerung an Geschichte, Heimatkunde,<br />
Volkskunde, Trachtenwesen,<br />
Sprache und Mundart, echter Volksmusik,<br />
Volkslied, Volkstanz, Theater und am<br />
religiösen Brauchtum durch Vorträge, Ta-<br />
gungen, Bildungslehrgänge und Kulturfahrten,<br />
um nur einige zu nennen.<br />
Neue Bestimmung für<br />
Lorenzi-Acker<br />
Im Jahr 2003 machte Martin Laimer, damaliger<br />
Beauftragter des Landesdenkmalamtes,<br />
auf die Wildnis in den St.-Laurentius-Ruinen<br />
aufmerksam. Daraufhin wurde<br />
das Gelände rund um die Ruinen gerodet,<br />
2005 auch die untere Ruine geräumt.<br />
Die Grundparzellen um die St.-Laurentius-<br />
Ruinen werden von der alteingesessenen<br />
Bevölkerung in Staben die Mesnergüter genannt,<br />
weil sie einst als Unterhalt des Mesners<br />
gedacht bzw. gestiftet worden sind.<br />
Unterzeichnung des Gründungsaktes:<br />
der damalige<br />
Obmannstellvertreter Hermann<br />
Wenter (links) und<br />
der inzwischen verstorbene<br />
Gründungsobmann Josef<br />
Pircher.<br />
Foto aus: „Dolomiten“<br />
Davon zeugt eine Urkunde aus<br />
dem Jahr 1781 im Diözesanarchiv<br />
in Trient. Verwaltet wurden<br />
diese Grundstücke bis 1998<br />
von der Pfarrei Tschars, danach<br />
von der Pfarrei Naturns.<br />
Bald nach der Rodung kam im<br />
Verein der Gedanke auf, das<br />
Grundstück zu pachten und<br />
Getreide anzubauen. 2008 war<br />
es dann soweit: Nach Ablauf<br />
des Pachtvertrages zwischen<br />
Kirchenverwaltung und Nikolaus<br />
Schöpf, der auf dem<br />
Grundstück Erdbeeren angepflanzt<br />
hatte, pachtete der Heimatpflegeverein<br />
das Grundstück<br />
und begann, Getreide (vorwiegend<br />
Roggen), Kartoffeln und anderes Saatgut<br />
anzubauen.<br />
Maßgeblich beteiligt waren Adolf Fliri und<br />
Leo Platzgummer. Von Alfons Hanny kam<br />
die Idee, am Rande des Ackers und der<br />
Wiese Reben zu pflanzen. Auf Ratschlag<br />
des Önologen Martin Aurich vom Unterortl-Hof<br />
entschied man sich für die resistente<br />
Weißwein-Rebe Bronner. Somit<br />
bekam das gesamte Grundstück einen<br />
würdigen Rahmen (Zitat aus dem „Burggräfler<br />
Weinbüchl“).<br />
An freiwilligen Helfern fehlte es in all den<br />
Jahren nicht, und so konnten die Ernten<br />
dank der Mithilfe vieler Freiwilliger Jahr für<br />
Jahr gut eingebracht werden.<br />
KulturFenster<br />
40 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Heimatpege<br />
Fahren, gehen, schauen<br />
Ziele unserer Frühlingsfahrten waren<br />
vorwiegend Ortschaften im einstig geeinten<br />
Tirol und in dessen Nachbarländern.<br />
Unter anderem wurden die<br />
Wirkungsstätten des hl. Zeno und<br />
des hl. Prokulus in Verona und jene<br />
des hl. Ulrich in Augsburg besucht.<br />
Bei den Herbstwanderungen wurden<br />
meist Burgen, Kirchen, Klöster und<br />
andere Bildungsstätten unserer näheren<br />
Umgebung als Ziel gewählt.<br />
Auch die Passionsspiele in Erl,<br />
Thiersee und Oberammergau, die<br />
Krippendörfer Axams, Neustift und<br />
Thaur in Tirol, das Salzburger Adventsingen<br />
sowie den Patenverein<br />
in Bayrischzell haben wir besucht.<br />
Die St.-Laurentius-Ruinen im Jahr 2003 …<br />
… und heute<br />
Fotos: Heimatpflegeverein Naturns – Plaus<br />
Vorträge und<br />
Ausstellungen<br />
In Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung<br />
versuchte man, namhafte<br />
Referenten zu Vorträgen einzuladen.<br />
Themen wie Bau- und Wohnkultur, Tracht,<br />
Flurnamen, Chronistenwesen und Sterbebildchen<br />
wurden im Rahmen der Jahreshauptversammlungen<br />
aufgegriffen. Auch<br />
Ausstellungen wurden organisiert.<br />
Restaurierungen und<br />
Sanierungen<br />
Von den zahlreichen Restaurierungen und<br />
Sanierungen nur einige Beispiele aufzuzählen,<br />
fällt schwer. Hervorheben möchte<br />
ich den Kalkofen beim Lechner am Birchberg<br />
oberhalb Plaus, er dürfte wohl der einzige<br />
im Gemeindegebiet sein. Dank Franz<br />
Staffler, Runsterbauer, konnte die Runstermühle<br />
soweit restauriert werden, dass<br />
sie wieder einsatzfähig ist. Wollen wir hoffen,<br />
dass dasselbe auch der Egger-Platzer-Mühle<br />
im Melstal beschieden ist. Der<br />
renovierte ehemalige Schießstand in Tabland<br />
bietet nun eine Ausstellung zur historischen<br />
Dokumentation des Schießstandes<br />
und des Schützenwesens in der k.u.k.-Zeit.<br />
Weitere Tätigkeiten des Heimatpflegevereines<br />
sind in der Festschrift „25 Jahre<br />
Heimatpflegeverein Naturns – Plaus 1996–<br />
<strong>2021</strong>“ zu finden. Diese kann auch von unserer<br />
Homepage www.hpv-naturns-plaus.<br />
it heruntergeladen werden oder beim Obmann<br />
kostenlos angefordert werden.<br />
Mit dieser schön gestalteten Urkunde<br />
wurde der Heimatpflegeverein Naturns<br />
– Plaus gegründet.<br />
Wie geht es weiter?<br />
Zuerst müssen wir hoffen, mit „Frau Corona“<br />
ins Reine zu kommen. Vorher kann<br />
man wohl planen, aber nichts festlegen.<br />
Einiges mussten wir bereits aufschieben.<br />
Wir hoffen, im Mai die 25. Jahreshauptversammlung<br />
in etwas festlicher Form ansetzen<br />
zu können. Geplant ist auch die<br />
Vorstellung und Herausgabe der Biographie<br />
„Oswald Krad, Bildhauer aus Naturns<br />
(ca. 1620–1681)“, verfasst von Hermann<br />
Theiner, die Restaurierung der St.-Isidor-<br />
Kapelle, eine Feier zur Wiederinstandsetzung<br />
der Egger-Platzer-Mühle sowie eine<br />
Frühlingsfahrt nach St. Nikolaus/Kaltern.<br />
Hermann Wenter<br />
Der Verein freut sich immer auf neue<br />
Mitglieder:<br />
Rathausstr. 1, Naturns<br />
www.hpv-naturns-plaus.it<br />
hpv.naturns-plaus@rolmail.net<br />
KulturFenster<br />
41 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
gedenken<br />
Maridl Innerhofer<br />
wäre 100 geworden<br />
am 2. <strong>April</strong> <strong>2021</strong><br />
Die weit über Südtirol hinaus bekannte<br />
Burggräfler Mundartdichterin Maridl Innerhofer<br />
wurde am 2. <strong>April</strong> 1921 im Schulhaus<br />
von Marling geboren. Ihr Vater war<br />
der Lehrer Franz Innerhofer (*1884), der,<br />
nur drei Wochen nach ihrer Geburt, beim<br />
„Bozner Blutsonntag“ (24. <strong>April</strong> 1921) nach<br />
einem Trachtenumzug von den Faschisten<br />
erschossen wurde. Ihr ganzes Leben lang<br />
konnte Maridl diesen Schmerz nicht überwinden,<br />
ihren Vater nur aus Erzählungen<br />
zu kennen. Ihre Mutter war Maria Pöder<br />
(*1891) aus Tscherms.<br />
In dieser für Südtirol schwierigen Zeit besuchte<br />
Maridl im Heimatort die Volksschule<br />
in italienischer Sprache, dann die Klosterschule<br />
bei den „Englischen Fräulein“ in Meran<br />
sowie das Technische Institut und die<br />
Handelsschule. Ab 1938 arbeitete sie als<br />
Sekretärin an der „Hochschule für Obstund<br />
Gartenbau“ in Weihenstephan (Bayern),<br />
wurde dann aber 1940 an der Brennergrenze<br />
ohne Reisepass festgenommen<br />
und aufgrund des Optionsvertrags sofort<br />
nach Innsbruck umgesiedelt. Dort arbeitete<br />
sie bei der Empfangsstelle zur Umsiedlung<br />
Südtiroler Optanten in Innsbruck.<br />
1944 heiratete sie Kurt Wetzel und übersiedelte<br />
nach Imst. Sie schenkte zwei Söhnen<br />
das Leben.<br />
1945 kehrte Maridl Innerhofer nach Südtirol<br />
zurück. Sie absolvierte die Lehrbefähigungsprüfung<br />
in Meran und unterrichtete<br />
ab 1946 in den Grundschulen von Tramin<br />
und Marling. Die 1950er-Jahre verbrachte<br />
sie mit ihrer Familie in Deutschland, kehrte<br />
dann aber nach Marling zurück und engagierte<br />
sich u. a. für die Mundart, aber auch<br />
für das Chronistenwesen, den Natur-, Heimat-<br />
und Denkmalschutz.<br />
Bestrebt, immer Neues kennenzulernen,<br />
den Horizont zu erweitern, war sie in der<br />
Folge viel auf Reisen. Sie hatte zahlreiche<br />
öffentliche Auftritte als Autorin bei Lesungen<br />
und Begegnungen bei Mundarttreffen im Inund<br />
Ausland und in Rundfunksendungen.<br />
In Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln war<br />
über sie zu lesen, und sie veröffentlichte<br />
Gedichtbände.<br />
Maridl Innerhofer (†)<br />
Foto: A. Innerhofer<br />
In „Hennen und Nochtigolln“, „In fimf Minutn<br />
zwelfe“, „A Kraut mit tausnd Guldn“,<br />
„Mundart im Chorlied“, „...daß die Kirch in<br />
Dorf bleip“, „A Hondvoll Minz“, „Muansch<br />
du mi?“, „A Liacht in dr Nocht“, „Nochtkastlbiachl“,<br />
„Dr kluane Prinz“, „Dr Sidtiroler<br />
Strublpeatr“, „Zukunftserinnerungen“,<br />
„Marlinger Wegkreuze und Bildstöcke“ veröffentliche<br />
Maridl Innerhofer Gedichte in<br />
Burggräfler Mundart, aber auch in Hochsprache.<br />
Die von ihr getextete „Marlinger<br />
Messe“ wurde am 8. März 1981 uraufführt.<br />
Seit Beginn der 1990er-Jahre war<br />
Maridl Innerhofer treibende Kraft für die<br />
Organisation und Durchführung der internationalen<br />
Innerhofer-Treffen.<br />
KulturFenster<br />
42 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Heimatpege<br />
In Südtirols Kulturszene war Maridl Innerhofer<br />
stets ein sehr willkommener<br />
Gast. In Schulen, bei Vereinen und Seniorenclubs<br />
sowie bei den Buchvorstellungen<br />
begeisterte sie zahlreiche Zuhörer.<br />
In Anerkennung ihrer Leistungen erhielt<br />
die stets sehr bescheidene Maridl Innerhofer<br />
1988 den Heimatpreis des Kulturwerkes<br />
Südtirol und 2002 das Ehrenzeichen<br />
des Landes Tirol.<br />
Maridl Innerhofer, eine der wichtigsten,<br />
vielleicht die wichtigste Mundartdichterin<br />
Südtirols, ist am 13. August 2013 für<br />
immer heimgekehrt und ruht im Friedhof<br />
von Marling. Anlässlich ihres 5. Todesjahres<br />
wurde am 11. November 2018 in<br />
Marling bei einem ganz besonderen Festakt<br />
ein neu errichteter Park und Steig nach<br />
Maridl Innerhofer benannt. Ebenfalls an<br />
diesem Tag wurde das Buch „I bin durch<br />
viele Tirn gongen. Lebenslinien von Maridl<br />
Innerhofer“ (Raetia Verlag) erstmals<br />
öffentlich präsentiert. Es enthält Lebensstationen,<br />
Zitate und Gedichte von Maridl<br />
Innerhofer, gepaart mit kurzen Forschungsbeiträgen<br />
und Erzählungen von Freunden.<br />
Albert Innerhofer<br />
Mundartdichterin mit Leib und Seele<br />
Im Gedenken an Anna Pöhl aus Schenna<br />
Mundartdichterin<br />
Anna Pöhl<br />
aus Schenna<br />
(†)<br />
Foto: privat<br />
Kürzlich ist in Schenna die Mundartdichterin<br />
Anna Pöhl – genannt „Krumer<br />
Anna“, im Alter von 83 Jahren gestorben.<br />
Anna war die Älteste von sieben Geschwistern,<br />
und so musste sie sich schon<br />
sehr früh an die harte Arbeitswelt gewöhnen<br />
und Verantwortung übernehmen.<br />
Nach der Volksschule besuchte Anna<br />
Pöhl die „Kaufmännische Vorbereitung“<br />
bei der Ordensgemeinschaft „Englische<br />
Fräulein“ in Brixen. Darauf folgten prägende<br />
Lehrjahre in Sterzing. Im Textilfachgeschäft<br />
von Ida Wiedner fand sie<br />
eine Anstellung und entwickelte sich zur<br />
tüchtigen Verkaufskraft.<br />
Alsbald zog es Anna wieder nach Hause,<br />
in ihr Heimatdorf Schenna, und sie stand<br />
fortan ihrer Mutter Anna Gufler in der Gemischtwarenhandlung<br />
zur Seite. Von 1972<br />
bis 1996 führte Anna Pöhl das Geschäft<br />
– bis zu dessen Schließung – gemeinsam<br />
mit ihrem Bruder Josef.<br />
Anna Pöhl war nicht nur eine Geschäftsfrau<br />
mit Herz und Sinn, sie war auch dichterisch<br />
tätig, verschrieb sich der Mundartdichtung<br />
und verfasste mit Leib und Seele<br />
Gedichte im Burggräfler Dialekt. Somit<br />
war Anna Pöhl auch aktives Mitglied der<br />
Arbeitsgemeinschaft MundART im Südtiroler<br />
Heimatpflegeverband. Bei den verschiedensten<br />
literarischen Treffen und<br />
Lesungen trug sie gekonnt ihre Werke<br />
vor. Neben der Dichtkunst hatte Anna<br />
noch eine große Leidenschaft: das Theaterspiel<br />
bei der Volksbühne Schenna.<br />
Anna Pöhl war eine Frau mit kernigem<br />
Humor, gepaart mit Feingefühl und Herzenswärme.<br />
Im Glauben fand sie immer wieder Kraft.<br />
Er gab ihr im Alltag Hoffnung, Zuversicht<br />
und Zufriedenheit.<br />
Nun ist Anna von dieser Welt geschieden,<br />
in vielen Herzen aber geblieben.<br />
Möge sie ruhen in Gottes ewiger Freude.<br />
Maria Sulzer<br />
KulturFenster<br />
43 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
gedenken<br />
Hat den Volkstanz ins<br />
Land getragen<br />
Luis Veit (†)<br />
Foto: privat<br />
In dankbarer Erinnerung an Luis Veit<br />
Lieber Luis!<br />
Am 27. Jänner <strong>2021</strong> haben wir uns von Dir<br />
verabschiedet. Trotz Corona fand sich eine<br />
große Trauergemeinde in der Grieser Stiftspfarrkirche<br />
ein, um von Dir Abschied zu nehmen<br />
und Deiner Margareth und allen Deinen<br />
Lieben ihr Mitgefühl auszudrücken. Altpfarrer<br />
P. Robert Gamper fand die treffenden Worte,<br />
um Deine Verdienste für die Erzpfarre Gries<br />
und die Volkstanzgruppe Gries zu würdigen.<br />
Auch die Arbeitsgemeinschaft Volkstanz in<br />
Südtirol drückte ihre Anerkennung und den<br />
Dank für Deine jahrelange selbstlose Tätigkeit<br />
für den Volkstanz in unserem Lande<br />
aus. Die Erste Vorsitzende Monika Rottensteiner<br />
und ihr Stellvertreter Klaus Tappeiner<br />
waren in Tracht erschienen, um Dir die<br />
Ehre zu erweisen.<br />
Bereits im Jahr 1959 kamst Du mit dem<br />
Volkstanz in Berührung. Anlässlich eines<br />
Dekanatstreffens der Katholischen Jugend<br />
auf Schloss Sigmundskron hast Du mit einer<br />
Gruppe den Bandltanz aufgeführt. In<br />
der Folge hast Du gemeinsam mit Elisabeth<br />
Reich, die bei Prof. Luis Staindl das<br />
Lyzeum besuchte und von diesem inspiriert<br />
und motiviert worden war, einige einfache<br />
Tänze (Hiatamadl, Boarischer usw.)<br />
einstudiert. Durch Besuche von Lehrgängen<br />
hast Du Dir ein Wissen und Können<br />
angeeignet, das Du dann einer Gruppe der<br />
Katholischen Jugend Gries weitergegeben<br />
hast. Laut damaliger Gepflogenheit sollten<br />
die Mädchen ein Alter von 17, die Burschen<br />
ein Alter von 18 Jahren nicht unterschreiten.<br />
Geprobt wurde in Turnsälen der Schulen,<br />
mit Socken oder Patschen, da man die<br />
Säle nicht mit den Schuhen betreten durfte.<br />
Im Jahr 1962 war es dann soweit. Du hast<br />
den Antrag um Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft<br />
zur Pflege des Volkstanzes<br />
(heute Arbeitsgemeinschaft Volkstanz) in<br />
Südtirol gestellt, die 1960 in Brixen gegründet<br />
worden war und von Prof Dr. Luis<br />
Staindl im Rahmen des Landesverbandes<br />
für Heimatpflege geführt wurde. Bald wurdest<br />
Du zu einem der eifrigsten und fleißigsten<br />
Mitarbeiter von Prof. Staindl. Durch<br />
den Besuch von weiteren Lehrgängen auf<br />
Landesebene und der Bundesarbeitsgemeinschaft<br />
Volkstanz in Österreich hast Du<br />
Dir viel Wissen und Können angeeignet und<br />
dieses bei Kursen landauf, landab an neue<br />
Gruppen weitergegeben. Bei diesen Lehrgängen<br />
hast Du wertvolle Bekanntschaften<br />
und Freundschaften geschlossen, z. B.<br />
mit Prof. Hermann Derschmidt (Oberösterreich),<br />
mit Prof. Franz Koschier (Kärnten),<br />
mit Walter Schmidt (Wien) und vielen anderen.<br />
Einen besonders intensiven Bezug<br />
hast Du zu Prof. Karl Horak aus Tirol aufgebaut,<br />
der für unsere Tiroler Volkstänze wohl<br />
unumstritten die erste und beste Adresse<br />
war. Ihn und seine Frau Grete hast Du auch<br />
öfter persönlich nach Gries eingeladen. Er<br />
hat uns z. B. den Tiroler Reiftanz gelehrt.<br />
Du hast von 1962 bis 1970 einen wesentlichen<br />
Beitrag zur Verbreitung des Volkstanzes<br />
in unserem Land geleistet.<br />
Unvergessen sind die vielen Fahrten ins<br />
Ausland, z. B. zum Kathreintanz in den Sofien-Sälen<br />
in Wien, begleitet von den „Graber-Buam“<br />
Seppl, Hubert und Ernst Egger<br />
aus Nals. Auch die Tanzfeste und Treffen<br />
auf Schloss Runkelstein mit der Sing- und<br />
Spielgemeinschaft Baden-Württemberg mit<br />
Kurt Wager sind vielen in bester Erinnerung,<br />
ebenso die Arbeit zur Entrümpelung und Renovierung<br />
des Probelokals in der Münzbank:<br />
Endlich ein Probelokal mit einemfür den Tanz<br />
geeigneten Boden!<br />
Keine Arbeit war Dir zu minder, und außerdem<br />
wusstest Du, die Gruppenmitglieder<br />
richtig zu animieren und zu motivieren. Du<br />
hast Dich für Gries und die Arbeitsgemeinschaft<br />
Volkstanz in Südtirol wirklich verdient<br />
gemacht, dafür sind wir Dir zu großem Dank<br />
verpflichtet. Diese Anerkennung drückt sich<br />
auch in den verschiedenen Ehrungen aus,<br />
die Du erfahren durftest: 1964 Silbernes Ehrenzeichen<br />
der Katholischen Jugend Südtirol,<br />
Tanzleiter-Urkunde der Bundesarbeitsgemeinschaft<br />
Österreichischer Volkstanz,<br />
1974 Verbandsverdienstzeichen des Landesverbandes<br />
für Heimatpflege, 1987 Ehrenurkunde<br />
der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz<br />
in Südtirol, 1987 Verdienstmedaille des<br />
Landes Tirol.<br />
Eigentlich wollten wir Dir zum Abschied die<br />
„Woaf“ tanzen, aber coronabedingt war das<br />
nicht möglich. So musst Du eben ein bisschen<br />
warten, bis wir Dir nachfolgen, dann<br />
kannst Du selbst mittanzen gemäß den Worten<br />
des hl. Augustinus: „O Mensch, lerne tanzen,<br />
sonst wissen die Engel im Himmel mit<br />
Dir nichts anzufangen.“<br />
Pfiati Luis und Vergelt’s Gott!<br />
Walter Egger<br />
KulturFenster<br />
44 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
getragen<br />
Unterrock oder Beinkleid?<br />
Unterschätzt und doch so wichtig<br />
Vom Weiberhemd<br />
zum Beinkleid<br />
Beinkleider sind besonders bei Volkstänzerinnen<br />
beliebt. Foto: Roland Pernter, Effekt!<br />
Meistens werden sie dezent unter dem „Kittl“<br />
getragen, aber wenn die Röcke beim Tanz<br />
fliegen, treten sie in ihrer ganzen Schönheit<br />
in Erscheinung: der Unterrock und das Beinkleid,<br />
auch Unterrock-Hose oder Tanzhose<br />
genannt. Da bildet dann der weiße Stoff mit<br />
seiner edlen Wäschespitze einen schönen<br />
Kontrast zum dunklen Rock und wird zum<br />
Blickfang für alle sowieso.<br />
Wie aus alten Inventarlisten hervorgeht,<br />
gibt es den Unterrock schon seit mehreren<br />
hundert Jahren. Bereits im 16. Jahrhundert<br />
trugen adelige oder betuchte Frauen<br />
nicht nur einen, sondern gleich mehrere<br />
Schichten von Unterröcken (sogenannte<br />
Cotillons). Der Unterrock hielt nicht nur<br />
fein warm, sondern verhalf auch dazu,<br />
dass die Oberbekleidung besser um die<br />
Beine der Dame gleiten konnte. Je nach<br />
Mode trug der Unterrock dazu bei, dass<br />
die Röcke das nötige Volumen erreichten.<br />
Bei der Frauentracht war es<br />
zunächst üblich, ein sogenanntes<br />
Weiberhemd zu tragen,<br />
das heißt, Bluse und Unterrock<br />
waren ein Stück, das<br />
weit zu den Knien hinunterreichte.<br />
Erst gegen die Mitte<br />
des 19. Jahrhunderts begann<br />
man, daraus zwei separate<br />
Teile zu machen: die<br />
kurze Trachtenbluse und eben<br />
einen Unter-Rock. Was die<br />
Beinkleider anbelangt, soll es<br />
Katharina von Medici gewesen<br />
sein, die 1571 als Erste<br />
eine knielange Unterhose getragen<br />
haben soll. Doch erst,<br />
als es gegen Ende des 19.<br />
Jahrhunderts allgemein üblich<br />
wurde, Unterwäsche zu<br />
tragen, schafften auch die<br />
Beinkleider ihren Durchbruch.<br />
Heute werden die Beinkleider<br />
aus weißem Baumwollstoff gefertigt,<br />
reichen bis unter die<br />
Knie, sind stark gereiht und<br />
werden mit weißer Stoffspitze<br />
verziert. Unter den Knien werden sie mit<br />
einem meist roten Band festgebunden.<br />
Der Unterrock der<br />
Grödnerinnen<br />
In früheren Zeiten war Rot die beliebteste<br />
Farbe für Unterröcke. Aus kompaktem<br />
Stoff und üppig gearbeitet, finden<br />
wir dieses Rot noch bei einigen Grödner<br />
Frauentrachten. Ihr Unterrock hat einen<br />
breiten tiefroten Streifen, der mit einem<br />
schwarzen Bandmuster verziert wird. Er<br />
schließt mit einer schwarzen Besenborte<br />
ab. Die Grödnerinnen tragen ihn unter<br />
dem schweren plissierten Rock. Zu manchen<br />
Grödner Trachten gibt es zudem einen<br />
Unterrock, in den ein Metallreifen eingearbeitet<br />
ist, der den Rock nach unten<br />
hin weitet und ihm das schöne kegelförmige<br />
Aussehen verleiht.<br />
Der üppige Unterrock der Grödnerinnen<br />
Macht ein Unterrock dick?<br />
Unterröcke machen ganz und gar nicht dick!<br />
Der Unterrock wird aus Baumwollstoff oder<br />
feinem Leinen gearbeitet. Doch das schlank<br />
machende Geheimnis liegt im Schnitt. Er<br />
muss nämlich um die Hüften figurnah geschnitten<br />
sein. Erst ab dem unteren Drittel<br />
wird er merklich weiter, egal ob gereiht oder<br />
gefältelt. Den krönenden Abschluss bildet<br />
eine 5 bis 10 Zentimeter breite Wäschespitze.<br />
Der Bund kann mit einem Gummizug<br />
oder mit Schlitz und Knopfverschluss<br />
gearbeitet sein.<br />
Ein Unterrock erfüllt mehrere Aufgaben: Er<br />
hält fein warm, lässt den Kittl besser fallen,<br />
gibt Volumen. Zudem bietet er Schutz, damit<br />
man nicht so leicht mit dem Absatz im<br />
Rocksaum hängen bleibt. Dass durch den<br />
Unterrock auch die Tracht geschont wird,<br />
muss wohl nicht extra erwähnt werden.<br />
Agnes Andergassen,<br />
Arbeitsgemeinschaft Lebendige Tracht<br />
Klassischer Trachtenunterrock<br />
Fotos: ArGe Lebendige Tracht<br />
KulturFenster<br />
45 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
getanzt<br />
Das Maibaumumtanzen<br />
Ein alter Brauch im Wandel der Zeit<br />
Die Volkstanzgruppe Burgstall bei der Darbietung<br />
des Bandltanzes beim Maitanz in<br />
Hall in Tirol<br />
Fotos: ArGe Volkstanz<br />
Der Brauch des Errichtens eines Maibaumes<br />
und das Umtanzen desselben war einst in<br />
Tirol und darüber hinaus weit verbreitet.<br />
Diese Tradition geht auf das Jahr 1225 zurück,<br />
in dem im Aachener Raum ein Maibaum<br />
urkundlich belegt ist.<br />
Ursprünglich galt der Maibaum als Fruchtbarkeitssymbol.<br />
Die jungen Männer stellten<br />
der Liebsten in der Nacht auf den 1.<br />
Mai eine frisch austreibende Birke, die<br />
mit bunten Bändern geschmückt war,<br />
vor die Haustür. Dabei sangen die Männer<br />
und trugen dem Mädchen Sprüche<br />
und Gedichte vor. Als Geschenk bekamen<br />
die Mädchen einen „Maienstrauß“ überreicht.<br />
Bei einem anschließenden Tanz<br />
unter dem mit Bändern geschmückten<br />
Maibaum konnten die jungen Männer mit<br />
dem Mädchen „anbändeln“.<br />
Abschied vom Winter<br />
Heute wird mit dem Aufstellen des Maibaums<br />
eher der endgültige Abschied des<br />
Winters und das Begrüßen der warmen<br />
Jahreszeit gefeiert. Als Maibaum wird ein<br />
Baum, meist eine Tanne, Fichte oder Lärche<br />
bis zum obersten Wipfel – der „Maibuschen“<br />
– geschält und auf dem Dorfplatz<br />
aufgestellt. Als Verzierung werden<br />
meistens Bänder und ein Kranz angebracht.<br />
Oft wird der Maibaum zusätzlich<br />
mit (sieben) Hahnenfedern geschmückt,<br />
die ein Zeichen für Macht, Stärke und<br />
Fruchtbarkeit darstellen sollen. Die Größe<br />
des Maibaums ist dabei entscheidend.<br />
Früher stand in fast jedem Dorf ein Maibaum,<br />
und es galt immer, den schönsten<br />
und höchsten Maibaum im eigenen Dorf<br />
zu haben. Vielerorts wetteiferten die jungen<br />
Burschen, wer den Maibaum am geschicktesten<br />
erklimmen konnte, um die<br />
am Kranz angebrachten Preise zu erreichen.<br />
Als Folge davon wurde immer wieder<br />
versucht, einen Maibaum oder dessen<br />
Wipfel aus den umliegenden Dörfern zu<br />
stehlen. Deshalb musste der Maibaum im<br />
eigenen Dorf in der Nacht vom 30. <strong>April</strong><br />
auf den 1. Mai (Walpurgisnacht) gut bewacht<br />
werden.<br />
Wenige Maibäume in<br />
Südtirol<br />
In Südtirol ist das Errichten und Umtanzen<br />
eines Maibaumes nur mehr in einzelnen<br />
Dörfern (z. B. in Terlan und Montan)<br />
zu finden. Der Maitanz ist jedoch seit<br />
1971 wieder ein fester Bestandteil des<br />
Volkstanzjahres und wird regelmäßig in<br />
KulturFenster<br />
46 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
ol erhalten. So wird auch heute noch oft<br />
der Bandltanz aufgeführt, dessen Hauptgebiet<br />
nach Prof. Horak der bajuwarische<br />
Raum ist. Dabei ist die Bandlstange ein<br />
Symbol für den Maibaum. Der Tanz selber<br />
ist in einen Vortanz ohne Bänder und<br />
in einen Haupttanz mit (roten und weißen)<br />
Bändern aufgeteilt. Während des Tanzens<br />
mit den Bändern werden drei Muster geflochten.<br />
Das Flechten symbolisiert das Leben<br />
in der Natur, das Wachsen und Vergehen.<br />
Vielerorts wird der Bandltanz von<br />
den Volkstanzgruppen im Mai (z. B. am<br />
Muttertag) aufgeführt.<br />
Der Kranz an der Bandlstange ähnelt dem Kranz an einem Maibaum.<br />
Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft<br />
Volkstanz Tirol organisiert.<br />
Zudem haben sich viele Tänze, die auf<br />
die Ursprünge des Maibaumes zurückgehen,<br />
bis heute in den deutschsprachigen<br />
Gebieten und so auch in Südti-<br />
Quellen:<br />
Kuppelwieser, H.:<br />
Anna Julia Spitaler<br />
Pressereferentin der ArGe<br />
Volkstanz in Südtirol<br />
„Maitanz, der historische Hintergrund“<br />
Rodena Heimatkundeverein:<br />
https://www.rodena.org/der-brauch-des-maibaumes/<br />
Frühling<br />
Do Frühling hot iatz neu begonnen,<br />
do Winter, der isch vergongen.<br />
Wir sechn olls bunte Forben,<br />
de in Schnea vom Winter beerbn.<br />
Die Rosen und Tulpen breng a neue Forbe in inso Lebn.<br />
Es isch nimmer Fluch, sondern Heil und Segen.<br />
Die Seele des Menschen hot voller Fraide gsung:<br />
„Endlich hot do Langis widdo begunn.“<br />
Markus Hilber, ArGe MundART<br />
Aus der Redaktion<br />
Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Heimatpflegeseiten<br />
senden Sie bitte an: florian@hpv.bz.it<br />
Redaktionsschluss für<br />
die nächste Ausgabe<br />
des KulturFensters ist<br />
Freitag, 14. Mai <strong>2021</strong><br />
Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie uns unter<br />
folgender Nummer: +39 0471 973 693 (Heimatpflegeverband)<br />
KulturFenster<br />
47 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Musizieren bedeutet …<br />
… nicht nur „Musik machen“, sondern auch Begegnung,<br />
Freundschaft und Austausch.<br />
KulturFenster<br />
48 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
diskutiert<br />
Ein Jahr Corona –<br />
mit Kreativität die Krise meistern<br />
Ein Gespräch mit den Fachgruppenleitern im VSM<br />
Mit der Absage des Dirigentenwettbewerbs<br />
„con brio WEST“ in Sterzing vom 29. Februar<br />
2020 hat Corona auch die Blasmusikszene<br />
erreicht – einige Tage vor dem offiziellen<br />
Lockdown am 4. März. Seitdem ist mehr als<br />
ein Jahr vergangen. Dies war für uns Anlass,<br />
um mit den vier Fachgruppenleitern auf dieses<br />
besondere Jahr zurückzublicken und zu<br />
versuchen, nach vorne zu schauen. Pünktlich<br />
zum Redaktionsschluss für diese Ausgabe<br />
des „KulturFensters“ haben wir am<br />
15. März Verbandsobmann Pepi Fauster,<br />
Verbandskapellmeister Meinhard Windisch,<br />
Verbandsjugendleiter Johann Finatzer und<br />
Verbandsstabführer Klaus Fischnaller online<br />
zu einem Runden Tisch geladen.<br />
Musik als Gemeinschaftserlebnis zwischen Musikant*innen und Publikum, das haben<br />
viele vermisst, vielleicht aber auch mehr zu schätzen gelernt (Bild: Bezirksmusikfest<br />
Naturns 2018).<br />
KulturFenster: Die Absage des Dirigentenwettbewerbs<br />
hat auch in den eigenen Reihen<br />
für Kritiken gesorgt. Aber das war leider<br />
erst der Anfang. Wie haben Sie dieses<br />
vergangene Jahr erlebt?<br />
Pepi Fauster: Rückblickend habe ich den<br />
Eindruck, dass unsere Entscheidungen<br />
richtig waren. Am Anfang war es sehr<br />
schwierig. Wir haben einige Tage hin und<br />
her überlegt und sind schließlich zum<br />
Schluss gekommen, den Wettbewerb abzusagen.<br />
Wir haben im Vorstand, im geschäftsführenden<br />
Ausschuss und in der eigens<br />
eingerichteten Corona-Arbeitsgruppe<br />
die Vielzahl an Informationen gesammelt<br />
und bewertet, um die richtigen Entscheidungen<br />
zu treffen. Dadurch ist es uns gelungen,<br />
einen gemeinschaftlichen Weg zu<br />
finden, der uns auf die richtige Spur geführt<br />
hat. Auf der Suche nach Möglichkeiten,<br />
in welcher Form die Musikkapellen<br />
tätig sein können, stand die Gesundheit immer<br />
im Vordergrund. Und da wir selbst ja<br />
keine Virologen sind, mussten und müssen<br />
wir uns auf die Aussagen der Fachleute<br />
verlassen.<br />
Meinhard Windisch: Wenn ich zurückdenke,<br />
dann haben sich in der Woche vor dem<br />
Wettbewerb die Ereignisse überschlagen.<br />
Noch vor den offiziellen Meldungen wurden<br />
wir bereits von der Sanitätsbehörde<br />
kontaktiert, die uns empfohlen hat, bei öffentlichen<br />
Veranstaltungen äußerste Vorsicht<br />
walten zu lassen. Wer diese Hintergrundinformationen<br />
nicht hatte und sich<br />
nicht so intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt<br />
hatte, war verständlicherweise<br />
von der kurzfristigen Absage des Wettbewerbs<br />
überrascht. Im Nachhinein – und<br />
auch mit dem heutigen Wissen – zweifelt<br />
niemand mehr unsere damalige Entscheidung<br />
an, im Gegenteil: viele haben uns Umsicht<br />
und Weitsicht bestätigt. Zudem muss<br />
gesagt werden, dass wir ja nicht alleiniger<br />
Veranstalter waren. Für die Blasmusikverbände<br />
von Tirol und Vorarlberg stand<br />
auch die Frage im Raum, ob ihre Teilnehmer<br />
überhaupt noch über den Brenner fahren<br />
können bzw. ob sie es verantworten<br />
können, sie zum Wettbewerb zu schicken.<br />
KF: Wie schnell hat diese Entwicklung den<br />
Jugendbereich beeinträchtigt?<br />
Johann Finatzer: Im Jänner, mitten in der<br />
Planung der Sommerprojekte, haben wir<br />
noch über das Virus im weit entfernten<br />
China „geschmunzelt“ und den ersten<br />
Fall in Südtirol kaum ernst genommen.<br />
Von einem Tag auf den anderen ist unser<br />
„Schiff“ gestrandet. All unsere Pläne<br />
mussten wir über den Haufen werfen. Als<br />
erstes wurden die März-Prüfungen zum<br />
Leistungsabzeichen zuerst auf Juni verschoben,<br />
später abgesagt und erst im<br />
Herbst nachgeholt. Anfangs wurde ich<br />
von meinen Kollegen belächelt, als ich<br />
am Herbsttermin festgehalten habe. Kurz<br />
vor dem zweiten Lockdown wurde dieses<br />
Projekt mit knapp 400 Prüfungsabsolventen<br />
ein absolutes Erfolgserlebnis. Leider<br />
war das der einzige Lichtblick, denn<br />
alle Sommerprojekte auf Landes- und Bezirksebene<br />
mussten aus Sicherheitsgründen<br />
abgesagt werden.<br />
KF: Mit der Musik in Bewegung sind unsere<br />
Musikkapellen in der Öffentlichkeit am<br />
öftesten vertreten. Ist wohl auch deshalb<br />
draußen in den Dörfern das Fehlen der Musikkapellen<br />
am meisten gespürt worden?<br />
KulturFenster<br />
49 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
diskutiert<br />
Die Fachgruppenleiter im Gespräch (v.l): Verbandsobmann Pepi Fauster, Verbandskapellmeister Meinhard Windisch, Verbandsjugendleiter<br />
Johann Finatzer und Verbandsstabführer Klaus Fischnaller<br />
Klaus Fischnaller: Anfänglich hatten wir<br />
die naive Hoffnung, dass der Spuk bald<br />
ein Ende findet und wir wieder zum Alltag<br />
zurückkehren können. Daher fühlte<br />
ich mich zu Beginn auch unbeholfen, was<br />
man tun könne und vor allem, wie man<br />
den Kapellen helfen und sie unterstützen<br />
könne. Vieles ist weggefallen, aber gleichzeitig<br />
konnte auch Neues entstehen. Es<br />
war toll zu sehen, wie viele Kapellen die<br />
kleinen Lockerungen im Sommer ausgenutzt<br />
haben, um sich in irgendeiner Form<br />
an den Prozessionen, Aufmärschen oder<br />
Beerdigungen zu beteiligen und Marschierproben<br />
im Kleinen zu gestalten. Ich habe<br />
auch gespürt, dass die Stabführer, die Kapellen<br />
und die einzelnen Musikantinnen<br />
und Musikanten das Gespräch gesucht<br />
haben. Gerade die Suche nach alternativen<br />
Möglichkeiten empfinde ich als sehr<br />
positiv. Wir haben versucht, den Stabführern<br />
und Kapellmeistern neue Wege aufzuzeigen,<br />
die sehr gut angenommen worden<br />
sind. Es hat sich einiges bewegt und<br />
wir haben die Chance, manches zu überdenken<br />
und neu zu denken.<br />
KF: Können wir aus dieser Zeit lernen und<br />
Positives mitnehmen?<br />
Fauster: Es nützt nichts, den Kopf in den<br />
Sand zu stecken, auch wenn die Situation<br />
noch so ausweglos scheint: „Die<br />
Hoffnung stirbt zuletzt.“ Wir müssen alle<br />
Sinne öffnen und neue Ideen zulassen.<br />
Dabei müssen wir mehr denn je das Miteinander,<br />
das wir in und zwischen unseren<br />
Musikkapellen immer schon gepflegt haben,<br />
stärken.<br />
Wir müssen in die Zukunft planen, auch<br />
wenn diese ungewiss ist, und dürfen aber<br />
auch keine Hemmungen haben, die Pläne<br />
über den Haufen zu werfen, zu verschieben<br />
und nach Alternativen zu suchen. Im<br />
ersten Moment wurden wir von der Pandemie<br />
und ihren Folgen wie von einem<br />
Tsunami getroffen und haben alle Projekte<br />
und Veranstaltungen abgesagt. Mittlerweile<br />
haben wir gelernt kreativ zu sein<br />
und auch Neues zu denken, Neues entstehen<br />
zu lassen. Wenn es uns gelingt,<br />
diese Neugierde und Kreativität zu behalten,<br />
können wir auch zukünftige Schwierigkeiten<br />
besser meistern.<br />
Windisch: Diese Zeit hat uns gezwungen,<br />
über Dinge nachdenken, über die<br />
wir sonst nicht nachgedacht hätten. Wir<br />
alle, die Funktionäre im Verband, in den<br />
Bezirken und in den Musikkapellen, aber<br />
auch jede Musikantin und jeder Musikant<br />
waren gefordert, die Routine, die Jahr für<br />
Jahr herunter gespult wurde, zu überdenken.<br />
Für Kapellen, die auch vorher schon<br />
kreativ waren, hat sich ihre Erfahrung in<br />
der Krise bezahlt gemacht. Sie haben<br />
sich schon bisher von der Masse abgehoben<br />
und sind auch in der Krise durch<br />
besondere Initiativen aufgefallen. Das<br />
kann natürlich niemals die regulären Proben<br />
und Auftritte ersetzen, aber es kann<br />
die Würze zum Alltag sein. Auch der vom<br />
Verband initiierte Blasmusikpreis soll Kapellen<br />
zu besonderen Ideen und Projekte<br />
animieren. Nun hat uns das Virus „eingeladen“,<br />
die Musikkapelle im Allgemeinen<br />
und einzelne Tätigkeiten im Besonderen<br />
zu hinterfragen: Welches sind die<br />
Werte in der Kapelle? Welches sind die<br />
Kontaktpunkte, die uns wichtig sind und<br />
gerade jetzt am meisten fehlen? Wenn<br />
es uns gelingt, dieses Nachdenken mit<br />
in die Zukunft zu nehmen, dann haben<br />
wir viel gelernt.<br />
Konzerte in „großem Rahmen“, wann werden sie wieder möglich sein? (im Bild die Bürgerkapelle<br />
Latsch)<br />
KF: Sind diese Kontakte gerade im Bereich<br />
der Jugend umso schwieriger, da der Nachwuchsmusikant<br />
noch nicht so sehr in der<br />
Kapelle eingebunden ist?<br />
Finatzer: Hier gibt es sehr große Unterschiede<br />
von Kapelle zu Kapelle. Denn gerade<br />
auch in der Jugendarbeit hat sich<br />
gezeigt, dass sich schon bisher kreative<br />
Kapellen auch in der Krisenzeit einiges<br />
einfallen haben lassen. Ihnen ist es auch<br />
in den Sommermonaten gelungen, einige<br />
kleine Projekte – natürlich in abgespeckten<br />
Versionen – anzubieten.<br />
Die ganz großen Verlierer dieser Zeit sind<br />
die Kinder und Jugendlichen. Sie werden<br />
nicht gefragt, ihnen wird vorgeschrieben,<br />
ob sie die Schule im Präsenz- oder Fern-<br />
KulturFenster<br />
50 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Blasmusik<br />
unterricht besuchen, Masken tragen oder<br />
Nasenbohrertests machen müssen. Die<br />
Jugend geht in der gesamten Diskussion<br />
der Pandemie kläglich unter.<br />
KF: Ist das eines der ganz großen Probleme,<br />
dass wir Mitglieder in den Kapellen<br />
verlieren?<br />
Finatzer: Ich denke, die Musikkapellen<br />
sind hier arg gefordert. Im Grunde hören<br />
wir aus dem Bereich des Breitensports die<br />
gleichen Sorgen: je länger die Vereine den<br />
Kindern und Jugendlichen keine Betätigungsmöglichkeiten<br />
bieten können, desto<br />
mehr werden letztendlich abspringen. Wir<br />
bewegen uns hier in einem großen Kreis<br />
mit den Musikschulen, dem Elternhaus<br />
und den Musikkapellen – eine ungemein<br />
wichtige Symbiose.<br />
Fauster: Aber nicht nur auf die Jugend<br />
muss unser Blick gerichtet sein. Gerade<br />
auch bei „älteren“ Musikanten kann man<br />
immer wieder beobachten, dass sie „günstige“<br />
Augenblicke suchen, um auszusteigen.<br />
Ein Kapellmeisterwechsel, familiäre<br />
Neuerungen, berufliche Veränderungen<br />
oder gesundheitliche Probleme boten ihnen<br />
bisher geeignete Gelegenheiten an.<br />
Nun kann diese lange Corona-Pause für<br />
den einen oder die andere Anlass sein,<br />
nicht mehr anzufangen. Wir kennen es ja<br />
aus der regulären Tätigkeit unterm Jahr,<br />
wo man oft Kolleg*innen mitnimmt, die<br />
nicht ganz überzeugt sind. In der Gemeinschaft<br />
und im sozialen Umfeld der<br />
Kapelle werden sie aufgefangen. Und<br />
seien wir ehrlich, unsere Vereine fordern<br />
den Mitgliedern auch einiges ab, denn<br />
wie heißt es so schön: „Der Eintritt und<br />
der Austritt sind freiwillig.“ Dazwischen<br />
gibt es aber zahlreiche Verpflichtungen.<br />
Daher hören wir auch aus den Musikkapellen<br />
die Sorge und Ungewissheit, dass<br />
manch einer nicht mehr dabei ist, wenn<br />
es wieder losgeht.<br />
Windisch: Diese Situationen kennen wir<br />
aber auch aus der Zeit vor Corona. Vielleicht<br />
ist Corona für einige der Anlass auszusteigen.<br />
Aber in den meisten dieser<br />
Fälle ist es wahrscheinlich nur eine vorgezogene<br />
Entscheidung, die in 1-2 Jahren<br />
sowieso gefallen wäre.<br />
Fauster: Hier kommt aber noch ein gesundheitlicher<br />
Aspekt hinzu, der nicht außer<br />
Acht gelassen werden darf. Solange<br />
die Situation im sozialen Kontakt nicht geklärt<br />
ist, wird so mancher auch seine Bedenken<br />
haben, sich im Probelokal einer<br />
Infektionsgefahr auszusetzen, die ihn beruflich<br />
wie privat einschränken könnte.<br />
Wie die künftige Vereinstätigkeit in den Musikkapellen im Allgemeinen und bezüglich der<br />
Jugendarbeit im Besonderen gestaltet werden kann, ist eine große Herausforderung für alle,<br />
für die Funktionäre ebenso wie für die Mitglieder (im Bild die Jugendkapelle Gummer).<br />
KF: Was haben wir im Stillstand verloren?<br />
Fischnaller: Außer der Präsenz haben wir<br />
grundsätzlich nichts verloren. Wir müssen<br />
uns anstrengen, um (auch) in Zukunft<br />
Auftrittsmöglichkeiten und Projekte zu gestalten,<br />
die für unsere Musikant*innen interessant<br />
sind. Es braucht in Zukunft ein<br />
projektorientiertes Programm mit Schwerpunkten<br />
– interessant für Jung und Alt.<br />
Daher können und müssen wir diese Zeit<br />
des Stillstands dazu nutzen, um den Neustart<br />
vorzubereiten. Der derzeit fehlende<br />
Zeitdruck macht mich persönlich kreativ.<br />
Wir Verbandsfunktionäre müssen den<br />
Musikkapellen Hilfestellungen geben, sie<br />
auch darauf ansprechen – kein Muss, sondern<br />
ein Kann.<br />
Gerade in der Jugendarbeit kann die Musik<br />
in Bewegung viel dazu beitragen. Kinder<br />
und Jugendliche sind sehr für Marschund<br />
Showauftritte zu motivieren. Es muss<br />
uns gelingen, ihre Begeisterung zu wecken,<br />
damit sie gerne mitmachen.<br />
Windisch: Mir gefällt der Begriff „Neustart“<br />
nicht. Einen Neustart erlebt eine Kapelle in<br />
ihrer Tätigkeit andauernd, z.B. durch einen<br />
Mit Freude an der Musik kann man auch optimistisch in die Zukunft schauen (im Bild die<br />
JuKa Völs).<br />
KulturFenster<br />
51 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
diskutiert<br />
Blasmusik soll wieder „in Bewegung kommen“, sowohl bei den Jugendlichen (im Bild<br />
die JuKa Afing) …<br />
neuen Ausschuss oder einen neuen Kapellmeister.<br />
Neustart ist ein Reset und ein<br />
Neubeginn. In der Corona-Situation sehe<br />
ich es etwas anders. Wir haben nach wie<br />
vor unsere Strukturen, unsere Organisationen,<br />
unsere Ausstattungen, die Gremien in<br />
den Vereinen und Verbänden, die Obleute<br />
und Kapellmeister, die Musikant*innen und<br />
unsere Leidenschaft. Wir haben nichts verloren,<br />
weil wir etwas falsch gemacht hätten.<br />
Wir haben einen Stillstand und müssen<br />
„nur“ das Rad wieder in Gang setzen.<br />
Auch vor Corona war es wichtig, die Proben<br />
und Auftritte für die Musikant*innen und<br />
das Publikum interessant zu gestalten. Die<br />
Aufgaben sind auch nach Corona dieselben.<br />
Wir dürfen aber nicht den Fehler machen,<br />
sobald es wieder losgehen kann, den<br />
Kalender mit Projekten vollzustopfen, vielleicht<br />
sogar um nachholen zu wollen, was<br />
vermeintlich versäumt wurde. Auch dürfen<br />
wir nicht der Illusion verfallen, dass wir<br />
musikalisch am Niveau der letzten Probe<br />
oder des letzten Auftritts anknüpfen können.<br />
Wir müssen uns langsam wieder an<br />
den Musikkapellenalltag gewöhnen. Den<br />
einzigen Fehler, den wir machen können,<br />
zuviel zu schnell zu wollen!<br />
Fauster: Neben diesem „sanften Neubeginn“<br />
möchte ich vor allem den sozialen<br />
Aspekt hervorheben. Wir merken es tagtäglich.<br />
Die Gemeinschaft fehlt uns allen.<br />
Dieses Gemeinsame zu unterstreichen,<br />
kann gelingen, wenn man die Jahresplanung<br />
auf eine breite Basis im Verein stellt.<br />
Fischnaller: Auch während der Pandemie<br />
war und ist es wichtig, mit den Kolleg*innen<br />
in Kontakt zu bleiben. Zur Zeit ist dies dank<br />
der digitalen Medien möglich. Aber sobald<br />
es Lockerungen gibt, müssen diese genutzt<br />
werden. Auch die Menschen draußen<br />
werden es begrüßen, wenn sie wieder<br />
optische und akustische Lebenszeichen<br />
unserer Kapellen erleben.<br />
KF: Ändert sich die Blasmusikszene?<br />
Fauster: Ich denke, dass sich das allgemeine<br />
ehrenamtliche Engagement nicht<br />
ändert. Corona hat die Einstellung der<br />
Menschen zum Ehrenamt nicht geändert.<br />
Das Vereinsleben kann und wird sich<br />
ändern, vor allem das Tempo. Wir haben<br />
bisher sehr intensiv gearbeitet und<br />
einige hatten Schwierigkeiten, damit<br />
Schritt zu halten. Höher, schneller, weiter<br />
– das erzeugt auch entsprechenden<br />
Stress, den nicht jeder mitmachen will<br />
oder dem auch nicht jeder standhalten<br />
kann. Hier komme ich wieder zu diesem<br />
bereits vorhin angesprochenen Nachdenken<br />
und Hinterfragen der Tätigkeiten<br />
zurück. Vielleicht muss es uns gelingen,<br />
manchmal auch einen Schritt zurück zu<br />
machen, um dann zwei nach vorne machen<br />
zu können.<br />
Es könnte sich aber im Einzelfall – für diejenigen,<br />
die es bisher etwas bequemer<br />
angegangen sind – auch eine Tür in die<br />
entgegengesetzte Richtung öffnen, wenn<br />
man nach dieser Zwangspause aktiver<br />
sein will als vorher. Dieser innere Antrieb<br />
muss ebenso Platz haben und darf nicht<br />
gebremst werden.<br />
Finatzer: Auch in der Jugendarbeit sehe<br />
ich keine großen Veränderungen. Vorher<br />
wie nachher muss es gelingen, die<br />
Jugendlichen zu erreichen und sie nicht<br />
zu überrumpeln. Dabei darf neben dem<br />
Musikalischen das Gesellschaftliche nicht<br />
außer Acht gelassen werden.<br />
KF: Wie können der VSM und die Musikkapellen<br />
in dieser ungewissen Zeit arbeiten<br />
und planen?<br />
Fauster: Die fehlenden Perspektiven machen<br />
eine Planung sehr schwierig. Die<br />
Politik wurde auch vom Virus „überrollt“<br />
und es ist keineswegs ein leichtes Unterfangen,<br />
die vielen gesellschaftlichen,<br />
wirtschaftlichen und sozialen Interessen<br />
mit den gesundheitlichen Anforderungen<br />
unter einen Hut zu bekommen. Zudem<br />
stehen die Politiker unter dem Druck der<br />
verschiedenen Lobbys. Trotzdem sind<br />
bestimmte Entscheidungen schwer verständlich<br />
und kaum nachvollziehbar. Die<br />
Kultur wurde anfangs überhaupt nicht und<br />
jetzt kaum berücksichtigt. Ich denke dabei<br />
an die seitenlangen Corona-Verordnungen,<br />
die in einem einzigen, kleinen<br />
Satz unsere Tätigkeit reglementieren: „Die<br />
Tätigkeit der Chöre und Musikkapellen<br />
ist ausgesetzt.“ Unsere gesamte Arbeit<br />
mit so wenigen, billigen Worten abzuhaken,<br />
ist wie ein Stich ins Herz.<br />
KulturFenster<br />
52 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Blasmusik<br />
… als auch bei den Erwachsenen (im Bild die MK Kortsch)<br />
Windisch: Was unser Aus- und Weiterbildungsprogramm<br />
betrifft, so ist dieses<br />
im herkömmlichen Sinn nicht möglich.<br />
Für das Kapellmeistercoaching hoffen<br />
wir auf zumindest einige Lockerungen in<br />
der warmen Jahreszeit. Daher werden wir<br />
die praktischen Kurseinheiten mit einem<br />
vorsichtigen Optimismus auf die Sommermonate<br />
konzentrieren. Die theoretischen<br />
Inhalte werden so geplant, dass sie sowohl<br />
in Präsenz als auch im Fernunterricht<br />
möglich sind.<br />
Finatzer: Die traditionellen Jungbläserwochen<br />
werden sicher nicht in der gewohnten<br />
Form organisiert werden können.<br />
Wir diskutieren derzeit über mögliche<br />
Alternativangebote. Für das Südtiroler<br />
Jugendblasorchester (SJBO), das Euregio-Jugendblasorchester<br />
oder andere<br />
Kursangebote mit Übernachtung sehe ich<br />
heuer eher keine Möglichkeiten.<br />
Fauster: Wir müssen zur Zeit „auf Sicht planen“.<br />
Wir haben im vergangenen Herbst<br />
vorausschauend die Kursangebote vom<br />
Jänner und Februar verschoben mit der<br />
Hoffnung, dass ab März wieder einiges<br />
möglich ist. Heute wissen wir es besser<br />
– aber leider wissen wir genauso wenig,<br />
wie es weitergeht. Trotzdem hoffe ich,<br />
dass in den Sommermonaten einige musikalische<br />
und organisatorische Kursangebote<br />
möglich sind.<br />
KF: Was wünschen Sie sich – musikalisch<br />
und privat?<br />
Fischnaller: Ich wünsche mir, dass wir so<br />
bald wie möglich wieder starten können,<br />
und dass wir in der Musik in Bewegung<br />
noch kreativer werden und nach neuen<br />
Wegen suchen. Persönlich wünsche ich<br />
mir, dass es mir gelingt, möglichst viele<br />
der Ideen, die derzeit in meinem Kopf herumschwirren,<br />
zu verwirklichen.<br />
Finatzer: Ich wünsche mir, dass wir bald<br />
zur Normalität zurückkehren, dass die<br />
Impfungen und die anderen Maßnahmen<br />
erfolgreich sind, damit nicht nur<br />
mit Versprechungen Illusionen geweckt<br />
werden, die sich später als verfrüht oder<br />
falsch herausstellen: Wir brauchen das<br />
gesellige Leben!<br />
Windisch: Ich wünsche mir, dass wir das<br />
Virus in den Griff bekommen, damit wir<br />
wieder Normalität leben und unbeschwert<br />
Musik machen können. Ich wünsche mir<br />
aber auch, dass sich die Gesellschaft nicht<br />
spaltet und wir nicht in Zukunft verschiedene<br />
soziale und wirtschaftliche Lager haben.<br />
Hoffentlich gelingt es uns, die doch<br />
auch positiven Erlebnisse aus dieser Zeit<br />
mit in die Zukunft zu nehmen.<br />
Fauster: Privat bin ich einfach nur dankbar,<br />
dass meine Familie gesund ist und auch<br />
beruflich durch die Coronakrise nicht eingeschränkt<br />
ist. Musikalisch drängt es mich<br />
– und ich hoffe auch viele Musikant*innen<br />
draußen, endlich wieder musizieren zu<br />
dürfen. Und ich freue mich auf das Publikum,<br />
zu sehen, wie sehr es unsere Musik<br />
vermisst und auf uns gewartet hat. Ich<br />
bin auch dankbar für die vielen intensiven<br />
Gespräche, die wir in dieser Zeit – wenn<br />
auch fast nur online – geführt haben. Ich<br />
denke diese gegenseitige Wertschätzung<br />
bringt uns auch in Zukunft weiter.<br />
Wenn wir weiterhin kreativ bleiben, dann<br />
ist und bleibt die Blasmusik ein blühender<br />
Zweig.<br />
KF: Vielen Dank für das Gespräch und uns<br />
allen alles Gute für die Zukunft.<br />
Interview: Stephan Niederegger<br />
KulturFenster<br />
53 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
VSM intern<br />
„Treffpunkt: Organisation“<br />
Wie schön war es doch vor der Corona-<br />
Pandemie, wenn man sich bei Konzerten,<br />
Jubiläen, Versammlungen und anderen<br />
Veranstaltungen mit Mitgliedern und Funktionären<br />
aus den verschiedenen Musikkapellen<br />
des Landes immer wieder treffen<br />
konnte! Die gemeinsamen Gespräche waren<br />
für alle immer sehr wichtig und nützlich,<br />
konnten dadurch sowohl Erlebnisse und<br />
Erfahrungen ausgetauscht als auch Probleme<br />
und Sorgen angesprochen werden.<br />
Wegen der strengen Sicherheitsbestimmungen<br />
war es nun viele Monate nicht<br />
möglich, sich zu begegnen. Es blieben<br />
nur Videokonferenzen übrig.<br />
Treffpunkt Organisation<br />
Am „Treffpunkt Organisation“, welcher als<br />
Videokonferenz am 22.Februar abends<br />
durchgeführt und von mir als Verbandsobmann<br />
geleitet wurde, nahmen etliche<br />
Funktionäre teil.<br />
In Kontakt und im Gespräch bleiben<br />
Verbandsobmann<br />
Pepi Fauster<br />
Zu Beginn stand das vorherrschende<br />
Thema der Corona-Pandemie im Vordergrund.<br />
Ich erklärte, dass der Verband sich<br />
in der Politik immer wieder eingebracht<br />
und auf die unterschiedlichen Situationen<br />
mit Vorschlägen zum Musizieren reagiert<br />
habe. Dabei sei es der Arbeitsgruppe immer<br />
um drei wesentliche Punkte gegangen:<br />
- die Gesundheit der Mitglieder im Auge<br />
haben;<br />
- die Tätigkeit unserer Vereine nach Möglichkeit<br />
aufrecht zu erhalten;<br />
- die Verantwortung der Obleute nicht<br />
außer Acht lassen.<br />
Mit den gemachten Hinweisen sei man<br />
grundsätzlich gut gefahren. Leider konnte<br />
der VSM nicht selbst Entscheidungen treffen,<br />
sondern war auf jene der Politik angewiesen.<br />
Von Seiten der Teilnehmer*innen am „Treffpunkt“<br />
kamen mehr oder weniger sorgenvolle<br />
Rückmeldungen. Einige äußerten ihre<br />
Angst, dass jüngere und ältere Mitglieder<br />
möglicherweise aus dem Verein aussteigen<br />
könnten. Zudem würde ein Neustart<br />
sehr mühselig werden, weil für so lange<br />
Zeit nicht gemeinsam musiziert werden<br />
konnte. Und um das ehemalige Niveau<br />
wieder erreichen zu können, würde es sicher<br />
eine längere Zeit brauchen. Zur Sprache<br />
kam auch die Möglichkeit, in der Kirche<br />
die Messfeiern mit kleinen Ensembles<br />
mitgestalten zu können. Das war für viele<br />
doch eine willkommene Gelegenheit.<br />
Einige der Teilnehmer*innen zeigten konstruktiv<br />
auf, dass die Verantwortlichen mit<br />
ihren Mitgliedern immer wieder den Kontakt<br />
suchen, und die Kapellmeister auch<br />
Hilfen und Möglichkeiten zum Üben zu<br />
Hause weitergeben sollten. Gleichzeitig<br />
könnte der Verein auch solche Arbeiten<br />
erledigen, die vorher etwas zurückgeblieben<br />
waren, Trachten erneuern, Daten<br />
der Mitglieder genauer erfassen, usw.. Mit<br />
Freude konnte ich von einigen guten Initiativen<br />
einiger Kapellen berichten und ermunterte<br />
alle Teilnehmer, ihre Ideen auch<br />
anderen zur Verfügung zu stellen. Ich regte<br />
an, diese an die Ideenbörse des VSM zum<br />
Veröffentlichen zu schicken.<br />
Auch die Förderbeiträge des Landes wurden<br />
angesprochen, auf die die Kapellen<br />
sehnlich warteten. Ein Dauerbrenner ist<br />
auch der Dritte Sektor, bei dem es u.a.<br />
um eine neue Form der Rechnungslegung<br />
und des Jahresberichtes geht. Weitere Informationen<br />
und Diskussionen gab es zu<br />
den Punkten Mitglieder-Versammlungen,<br />
Jahresprogramm und Angebote des VSM<br />
und Zeitung „KulturFenster“.<br />
Den Teilnehmern merkte man ganz deutlich<br />
ihre derzeit gedrückte Stimmung und<br />
das Fehlen von Perspektiven an. Über den<br />
„Treffpunkt“ zeigten sie sich sehr erfreut<br />
und regten an, ihn in ca. 2-3 Monaten<br />
wieder anzubieten. Zum Schluss sprach<br />
ich allen Mut und Zuversicht zu und bat,<br />
die Hoffnung „auf bessere Zeiten“ nicht<br />
aufzugeben.<br />
Pepi Fauster<br />
„Treffpunkt: Kapellmeister“<br />
Über die große Teilnehmerzahl sehr erfreut<br />
Verbandskapellmeister<br />
Meinhard<br />
Windisch<br />
Neben der Musik fehlt uns wohl der persönliche<br />
Kontakt am meisten. Bei den<br />
persönlichen Begegnungen vor der Corona-Zeit<br />
wurden in Sitzungen nach Kon-<br />
zerten und Veranstaltungen Ideen, Anregungen<br />
und Wünsche ausgetauscht, die<br />
für mich immer sehr wichtig waren. Das<br />
Angebot dieses Online-Treffens sollte diese<br />
Möglichkeit des Austausches beinhalten<br />
– wohl wissend, dass diese einen persönlichen<br />
Kontakt niemals ersetzen können.<br />
Am 19. Februar fand der Treffpunkt „Musik“<br />
statt. Ich war über die große Teilnehmerzahl<br />
sehr erfreut. Die Teilnehmer*innen<br />
schilderten ihre aktuelle Situation und berichteten<br />
über Projekte und Tätigkeiten<br />
der vergangenen Monate. Zudem wurden<br />
interessante Links zu Online-Plattformen,<br />
Blasmusik-Blogs und Foren ausgetauscht.<br />
Diese „nützlichen Links“ sind auf der VSM-<br />
Homepage unter der Rubrik „Mediathek/<br />
Kapellmeister“ veröffentlicht (https://vsm.<br />
bz.it/mediathek/downloads-kapellmeister/).<br />
Wenn man bei den Gesprächen auch bemüht<br />
war, optimistisch in die Zukunft zu<br />
schauen, konnte man doch deutlich erkennen,<br />
dass die aktuelle Situation sehr bedrückend<br />
ist. Vor allem die große Planungsunsicherheit<br />
und die fehlenden Perspektiven<br />
machen die Situation besonders schwierig.<br />
Es gab aber auch Wortmeldungen, die aufmunternd<br />
und motivierend waren. Wir sollten<br />
uns wirklich wieder an die vielen Plakate am<br />
Anfang der Pandemie erinnern, auf denen<br />
es hieß: “ALLES WIRD GUT!“<br />
Meinhard Windisch<br />
KulturFenster<br />
54 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Blasmusik<br />
Instrumentenvorstellung? Digital!<br />
Neue Wege bei der Anwerbung von jungen<br />
Musikantinnen und Musikanten<br />
Dank der technischen Möglichkeiten eröffnen sich neue Wege, potentielle Jungmusikant*innen<br />
zu erreichen.<br />
Unsere Musikkapellen standen heuer vor der<br />
Herausforderung, hinsichtlich der Anwerbung<br />
von Jungmusikantinnen und Jungmusikanten<br />
neue Wege zu gehen: Nicht wenige<br />
haben dabei auf eine Instrumentenvorstellung<br />
in digitaler Form gesetzt.<br />
Auch Daniel Götsch, Jugendleiter der Musikkapelle<br />
Naturns und des VSM-Bezirkes<br />
Meran, hat diese Notwendigkeit erkannt und<br />
nahm sich zum Ziel, ein ansprechendes<br />
Video für Grundschüler*innen zu gestalten.<br />
Mithilfe seines Kapellmeisters Dietmar<br />
Rainer sowie Fabian Fleischmann und<br />
der Firma „Videoaktiv“ hat er seine Idee<br />
schließlich in die Tat umgesetzt.<br />
Maßgeblich beteiligt waren auch zahlreiche<br />
Musikant*innen der Musikkapelle<br />
Naturns und Berufsmusiker*innen aus<br />
umliegenden Gemeinden, welche die In-<br />
strumente auf gekonnte Art und Weise<br />
vorgestellt haben. Besonders hervorzuheben<br />
gilt die schauspielerische Leistung<br />
des Schlagzeugers Rudi Mair, der in die<br />
Hauptrolle des tollpatschigen „Walter“ geschlüpft<br />
ist. Gepaart mit speziellen visuellen<br />
Effekten bietet das Lehrvideo nicht<br />
nur für die junge Altersgruppe ein besonderes<br />
Erlebnis. Ergänzt wurde das Video<br />
mit passenden Filmaufnahmen aus dem<br />
Archiv der Musikkapelle Naturns sowie mit<br />
Bildern von diversen Veranstaltungen des<br />
Verbandes Südtiroler Musikkapellen, welcher<br />
das Projekt finanziell unterstützt hat,<br />
um es schließlich all seinen Mitgliedskapellen<br />
zur Verfügung zu stellen.<br />
Die Dreharbeiten des Videos fanden Anfang<br />
Februar im Rathaussaal von Naturns<br />
statt. Wie könnte es anders sein, hat sich<br />
die Fertigstellung des Videos durch die<br />
sich zuspitzende Corona-Pandemie verzögert.<br />
Doch umso froher können wir uns<br />
schätzen, dass wir mit Anfang März den<br />
fertigen Film in unseren Händen halten<br />
und an den Schulen des Landes präsentieren<br />
durften.<br />
Hannes Schrötter<br />
Im Rathaussaal der Gemeinde Naturns wurden<br />
die Videos zur Vorstellung der Instrumente<br />
gedreht.<br />
Rudi Mair (rechts) von der MK Naturns setzte als der „tollpatschige Walter“ seine schauspielerische<br />
Überzeugungskraft ein, um zum Erlernen eines Instrumentes zu motivieren.<br />
Das Video ist unter folgendem<br />
Link abrufbar:<br />
www.youtube.com/<br />
watch?v=uV-cbnyLJSc<br />
KulturFenster<br />
55 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Blasmusik<br />
ONline<br />
Seminare-Webinare-<br />
Workshops<br />
https://wiki.blasmusik.at/display/LS/<br />
BlasmusikOnline<br />
bewegt<br />
„Alles Show“<br />
Online-Fortbildung mit Gerhard Dopler<br />
Auch wenn die Fortbildung der Stabführer online abgewickelt werden musste, das Interesse war erfreulich groß.<br />
Die Online-Fortbildung „Alles Show“ mit Gerhard<br />
Dopler von der Militärmusik Oberösterreich<br />
hat bei den Stabführern des Landes<br />
großen Anklang gefunden. Nicht weniger als<br />
30 Teilnehmer, darunter Verbandsobmann<br />
Pepi Fauster und der stellvertretende ÖBV-<br />
Bundesstabführer Erik Brugger aus Vorarlberg,<br />
nahmen das Angebot der Fachgruppe<br />
Stabführer wahr, um sich in Sachen Marschiershow<br />
weiterzubilden.<br />
Gerhard Dopler erläuterte in strukturierter<br />
Form die notwendigen Vorbereitungen<br />
einer Showchoreografie, etwa die<br />
Probenplanung mit klaren Zielvorgaben<br />
sowie die Zusammenarbeit mit dem Kapellmeister,<br />
dem Vorstand und den Musikanten.<br />
Ebenso ist es sinnvoll, das Publikum<br />
in die Show mit einzubeziehen,<br />
um den Unterhaltungswert zu erhöhen.<br />
Geschickt eingebaute Überraschungselemente<br />
sowie Erkennungsmelodien und<br />
einfache Schrittfolgen sollen das Publikum<br />
zum Mitmachen anregen. All dies<br />
sollte bereits in der Vorbereitung berücksichtigt<br />
werden, empfahl Dopler. Am letzten<br />
Abend der dreiteiligen Fortbildung<br />
führte er praktische Beispiele vor, etwa<br />
wie eine Show grafisch dargestellt werden<br />
soll und welche technischen Hilfsmittel<br />
beim Einstudieren nützlich sind. Es<br />
muss aber nicht immer eine aufwändige<br />
Showchoreografie sein, sondern auch<br />
Gerhard Dopler ist seit 20 Jahren als Marschmusik-Bewerter<br />
tätig, er war 11 Jahre<br />
Bezirksstabführer und 4 Jahre Landesstabführer-Stellvertreter.<br />
Seit 2019 ist er<br />
Landesstabführer des Oberösterreichischen<br />
Blasmusikverbandes und beruflich seit 26<br />
Jahren bei der Militärmusik Oberösterreich<br />
für die Showchoreografie verantwortlich.<br />
einfache Elemente können für den alltäglichen<br />
Gebrauch im eigenen Dorf für<br />
Abwechslung sorgen.<br />
Klaus Fischnaller,<br />
KulturFenster<br />
56 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Blasmusik<br />
Probiert gerne Neues!<br />
Musik wieder in Bewegung bringen<br />
In ungewöhnlichem Ambiente hat die<br />
Musikkapelle Burgstall anlässlich ihrer<br />
Reise nach Neapel und Capri beim Publikum<br />
einen starken Eindruck hinterlassen.<br />
Die Begeisterung für Musik in Bewegung hat<br />
auch durch die Corona-Pandemie nicht nachgelassen.<br />
In einem virtuellen Treffen am 26.<br />
Februar <strong>2021</strong> zwischen Stabführern und Interessierten<br />
hat gezeigt, dass das Bedürfnis<br />
nach Musizieren und Marschieren groß ist.<br />
Wir Stabführer blicken voller Zuversicht<br />
auf die kommenden Monate und sind davon<br />
überzeugt, dass unsere Auftritte im<br />
Freien mit den nötigen Sicherheitsmaßnahmen<br />
stattfinden können.<br />
Aus dem Treffen der Stabführer haben sich<br />
einige Ideen für eine Wiederaufnahme der<br />
Tätigkeit ergeben, die ich hier mit euch<br />
teilen möchte. Es wurde über Sternmärsche<br />
in kleinen Gruppen – eventuell auch<br />
ohne Spiel - diskutiert, aber auch über<br />
Marschkonzerte am Dorfplatz sowie über<br />
alternative Konzepte wie z.B. Flashmobs<br />
mit Musik und Tanz. Auch Marschierproben<br />
mit dem nötigen Sicherheitsabstand<br />
wären denkbar. Natürlich müssen diese<br />
Aktivitäten auf das aktuelle Geschehen<br />
angepasst sein und sie dürfen nicht in<br />
Konflikt mit den politisch gesetzten Regeln<br />
stehen. Die Gruppengröße wird am<br />
Anfang klein gehalten werden müssen,<br />
und auch Mund und Nasenschutz werden<br />
uns noch eine Weile begleiten.<br />
Ich möchte euch einladen, aktiv zu bleiben,<br />
und auch selber nach Ideen zu su-<br />
chen, wie Musik in Bewegung auch in dieser<br />
ungewöhnlichen Zeit weiter ermöglicht<br />
werden kann. Probiert gerne Neues und<br />
freut euch über alle, die mitmachen, denn<br />
nur so schaffen wir es gemeinsam, das<br />
bereits Erreichte ständig weiterzubringen.<br />
Klaus Fischnaller<br />
VSM-Verbandsstabführer<br />
KulturFenster<br />
57 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
jung musiziert<br />
23 Jahre Jugendarbeit haben sich<br />
gelohnt; heute präsentiert sich die<br />
JuKa Lana in „stolzer“ Größe.<br />
jung musiziert<br />
JuKa Lana seit 23 Jahren aktiv<br />
Mit vielenHighlights durchdas Musikjahr<br />
23 Jahre – so lange gibt es bereits die Jugendkapelle<br />
der Bürgerkapelle Lana. Konzerte<br />
im In- und Ausland, Wettbewerbe,<br />
Sommercamps und vieles mehr, formten<br />
die Jugendkapelle zu einem nicht mehr<br />
weg zu denkenden Fundament des Vereins.<br />
Die Jugendkapelle Lana wurde 1998 vom<br />
damaligen Kapellmeister Sigmund Hofer<br />
gegründet. Lange Zeit war Christian Pichler<br />
als Jugendleiter tätig und baute die<br />
Jugendkapelle über zehn Jahre lang auf.<br />
Zeitweise gab es drei Jugendkapellen in<br />
unterschiedlichen Altersgruppen. In den<br />
letzten Jahren stand Franziska Weiss am<br />
Dirigentenpult und Sandra Kofler übernahm<br />
die organisatorische Leitung. Seit Herbst<br />
2020 übergab Franziska den Dirigierstab<br />
an die Brüder Julian und Tobias Gruber.<br />
Fixpunkteim Jahresprogramm<br />
Für die 30 Jungmusikantinnen und Jungmusikanten<br />
stehen mehrere Fixpunkte auf<br />
dem Jahresprogramm. Dazu gehören beispielsweise<br />
das Konzert beim KFS-Lana,<br />
das Muttertagskonzert im Lorenzerheim<br />
und die Weihnachtsmesse am Heiligabend.<br />
Zu den jährlichen Höhepunkten gehört das<br />
Sommercamp auf dem Vigiljoch. Neben<br />
dem gemeinsamen Musizieren und Marschieren<br />
in der Kapelle stehen vier Tage<br />
lang jede Menge Spiel und Spaß auf dem<br />
Programm. Gemeinsam mit den Betreuern<br />
unternehmen die Kinder und Jugendlichen<br />
kurze Wanderungen und testen ihr<br />
Wissen und Können bei einer Spiele-Olympiade.<br />
Abschließend wird bei einem Konzert<br />
im Freien das Erlernte den Eltern präsentiert.<br />
Das Sommercamp sowie weitere<br />
Projekte sind nur durch zahlreiche freiwillige<br />
Helferinnen und Helfer der Bürgerkapelle<br />
Lana möglich.<br />
Mit tollenIdeendurch das Jahr<br />
Ein weiterer Höhepunkt ist das Hauptkonzert<br />
bzw. Cäcilienkonzert. Mit tollen Ideen<br />
wird den Zuhörern ein abwechslungsreiches<br />
Programm präsentiert. Im Jahre<br />
2018 stand das Konzert unter dem Motto<br />
„Die Jugendkapelle Lana reist nach Amerika“.<br />
Bei diesem Konzert versuchten Franziska<br />
Weiss und Sandra Kofler zusammen<br />
mit den Jungmusikantinnen und Jungmusikanten<br />
die ausgewählten Stücke mit einer<br />
spannenden Geschichte zu verbinden. Gemeinsam<br />
wurden Ideen gesammelt, gebastelt<br />
und anspruchsvolle Musikstücke einstudiert,<br />
bis eine musikalische Geschichte<br />
mit Effekten und Showelementen entstand.<br />
Außerdem veranstaltet die Jugendkapelle<br />
jährlich eine Instrumentenvorstellung, bei<br />
der die Kinder der Grundschulen in Lana<br />
die verschiedenen Instrumente kennenlernen<br />
und die Leidenschaft für ein Instrument<br />
entdecken können.<br />
Auftritteim In- undAusland<br />
Unter der Leitung von Kapellmeister Martin<br />
Knoll nahm die Jugendkapelle mehrere<br />
Male an Wettbewerben teil. Bereits 2011,<br />
2013 und 2017 konnten die Jungmusikantinnen<br />
und Jungmusikanten Südtirol<br />
beim Bundeswettbewerb in Linz vertreten<br />
und ausgezeichnete Ergebnisse erzielen.<br />
Immer wieder unternimmt die Jugendkapelle<br />
gemeinsame Ausflüge im In- und<br />
Ausland, so spielte sie u.a. in Gargazon,<br />
Lavis und Basel.<br />
Jugendkapelle Lana,<br />
Koordination: Hans Finatzer,<br />
Verbandsjugendleiter<br />
KulturFenster<br />
58 02<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Steckbrief<br />
Name:<br />
Jugendkapelle der<br />
Bürgerkapelle Lana<br />
Jugendteam:<br />
Sandra Kofler, Tobias Gruber,<br />
Julian Gruber und viele<br />
Helferinnen und Helfer<br />
Jungmusikanten:<br />
ca. 30 Kinder und Jugendliche<br />
Mit ihrer Musik engagieren sich die jungen Musi-<br />
kantinnen und Musikanten für die Dorfgemeinschaft<br />
von Lana.<br />
MaraKaufmann<br />
Mein Name: Mara Kaufmann<br />
Alter: 10 Jahre<br />
Ich spiele: Klarinette<br />
Ich lerne dieses Instrument, weil: meine Schwester auch Klarinette spielt und<br />
es mir gefällt.<br />
In meiner Freizeit höre ich gerne: unterschiedliche Musikrichtungen, wie Pop-,<br />
Blasmusik, usw.<br />
Was gefällt dir besonders an der JuKa? Mit anderen Musikanten musizieren<br />
zu können und Spaß zu haben.<br />
Drei Dinge, die du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest: meine Klarinette,<br />
meine Familie und Bücher<br />
Wenn ich einen Wunsch frei hätte…würde ich mir wünschen, dass alle Menschen<br />
glücklich sind.<br />
Leo Schwienbacher<br />
NELLY<br />
Mein Name: Leo Schwienbacher<br />
Alter: 11 Jahre<br />
Ich spiele: Horn<br />
Ich lerne dieses Instrument, weil: es mir Spaß macht<br />
In meiner Freizeit höre ich gerne: Popmusik und Brass<br />
Was gefällt dir besonders an der JuKa? Das miteinander Musizieren und die<br />
Gemeinschaft<br />
Drei Dinge, die du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest: meine Freunde,<br />
mein Instrument und eine Badehose<br />
Wenn ich einen Wunsch frei hätte… wieder ein normales Leben ohne Corona !<br />
Elias Holzner<br />
Mein Name: Elias Holzner<br />
Alter: 15<br />
Ich spiele: Trompete<br />
Ich lerne dieses Instrument, weil: ich immer schon ein Instrument lernen wollte<br />
und mich dann jemand gefragt hat, ob ich Trompete lernen will.<br />
In meiner Freizeit höre ich gerne: alles gemischt<br />
Was gefällt dir besonders an der JuKa: mit Freunden zu musizieren<br />
Drei Dinge, die du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest: Freunde, Familie<br />
und ein Boot<br />
Wenn ich einen Wunsch frei hätte: den Hass stoppen<br />
KulturFenster<br />
59 02<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Ein Hauch von “VinschgerWind“<br />
inden Klassenzimmern Wiens<br />
Der Musikstudent Max Calanducci im Gespräch<br />
Max Calanducci, aufgewachsen in Schlanders,<br />
ist seit einigen Jahren als Musikstudent<br />
in Wien beheimatet. Als Schlagwerker<br />
fühlt er sich musikalisch eigentlich in<br />
der letzten Reihe des Orchesters zu Hause,<br />
doch seit der Corona-Krise hat er eine neue<br />
Leidenschaft für sich entdeckt: Er entwirft<br />
und vermittelt digitale Musikprojekte an<br />
Österreichs Schulen.<br />
Max Calanducci beim Videodreh im historischen<br />
Archiv der Wiener Philharmoniker<br />
(Copyright Max Calanducci)<br />
Hannes Schrötter: Max, seit Ausbruch der<br />
Corona-Pandemie bist du in der digitalen<br />
Musikvermittlung tätig. Woher kam die<br />
Idee, in diese Sparte einzusteigen?<br />
Max Calanducci: In letzter Zeit denke ich<br />
mir oft, es ist gar nicht so ungewöhnlich,<br />
dass ich hier gelandet bin. Die vergangenen<br />
sechs Jahre habe ich vor allem damit<br />
verbracht, Schlagwerk zu spielen und<br />
zwei musikpädagogische Studien zu absolvieren.<br />
Nebenbei habe ich mich immer<br />
schon viel mit Neuen Medien und Multimedia<br />
auseinandergesetzt. Dann kam Corona<br />
und plötzlich war alles digital. Daraufhin<br />
platzten die Ideen förmlich aus<br />
mir heraus, nun konnte ich nämlich all<br />
meine Fähigkeiten gebündelt anwenden.<br />
Ich habe dann einige Konzepte entwickelt,<br />
wie man Musik und generell Kultur auch<br />
digital vermitteln kann. Die Wiener Philharmoniker<br />
– genauer gesagt, deren Musikvermittlungsprogramm<br />
passwort:klassik<br />
– stimmte im Juni vergangenen Jahres einer<br />
Kooperation zu und seitdem arbeite<br />
ich fix in diesem Bereich.<br />
Schrötter: Die Palette an digitalen Möglichkeiten<br />
ist sicherlich breit. In welcher Form<br />
hast du deine Ideen bisher umgesetzt?<br />
Calanducci: Aktuell läuft digitale Kommunikation<br />
stark über Videos ab. Man findet<br />
zu fast jedem Thema tolle Videos auf You-<br />
Tube oder in den Sozialen Medien. Und<br />
hier liegt ein großes Potenzial: Man kann<br />
damit vor allem junge Menschen erreichen<br />
- sie fühlen sich im digitalen Raum<br />
nämlich besonders wohl. Zurzeit ist das<br />
ja sozusagen die einzige Möglichkeit für<br />
Jugendliche, mit der Außenwelt zu kommunizieren.<br />
Diese Chance möchte ich<br />
nutzen und hier anknüpfen. Deshalb produziere<br />
ich interaktive Videos, z.B. mit Mitgliedern<br />
der Wiener Philharmoniker. Diese<br />
führen die Zuseher in verschiedene musikalische<br />
Werke ein, erklären ihr Instrument<br />
und erzählen aus ihrem Leben als<br />
Orchestermusiker*in. Diese Videos füge<br />
ich dann in ein Online-Tool ein, in dem<br />
man viele weitere Infos zu den Werken<br />
findet, geschmückt mit Rätseln, Aufgaben,<br />
etc... Die Inhalte variieren je nachdem,<br />
was mein Kooperationspartner gerne<br />
einfügen möchte. Der Zugang zum Online-Tool<br />
wird dann schließlich an die Zielgruppe<br />
geschickt.<br />
Schrötter: Welche Inhalte durftest du dabei<br />
behandeln?<br />
Calanducci: Bis jetzt hatte ich mit vielen<br />
interessanten Werken von Arnold Schönberg<br />
bis Ludwig v. Beethoven zu tun. Sergej<br />
Prokofjews „Romeo und Julia“ war sicherlich<br />
ein Highlight. Interessant sind<br />
aber auch persönliche Einblicke in das<br />
Leben von Musiker*innen. Ein Interview<br />
dieser Art zu drehen macht wirklich Spaß.<br />
Schrötter: Welche Zutaten wirfst du in einen<br />
Topf, um Kindern ein bleibendes musikalisches<br />
Erlebnis zu bieten?<br />
Calanducci: Ich sehe meine Produktionen<br />
prinzipiell ja nicht als Ersatz-, sondern als<br />
Zusatzangebot zum Live-Erlebnis. Als Musiker<br />
weiß ich genau, dass nichts ein Live-Konzert<br />
überbieten kann. Was ich aber anbieten<br />
kann – vor allem in Zeiten sozialer Distanz –<br />
ist der Blick hinter die Kulissen. Wie ist es<br />
eigentlich auf einer Bühne zu musizieren?<br />
Was macht man als Musiker*in vor und nach<br />
dem Konzert? Wie funktioniert eigentlich ein<br />
Instrument? Wie kann ich selbst Musiker*in<br />
werden? Für diese Fragen bleibt bei einem<br />
Konzert in der Regel ja keine Zeit. Ich versuche<br />
daher, Publikum und Musiker*innen<br />
einander näher zu bringen. Das ist nicht nur<br />
ein anderes musikalisches Erlebnis, sondern<br />
ein komplett neues.<br />
KulturFenster<br />
60 02<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Schrötter: Kannst du dir vorstellen nach<br />
Ende der Pandemie auch „analoge“ Projekte<br />
durchzuführen, oder möchtest du<br />
dich weiterhin auf die digitale Schiene der<br />
Musikvermittlung konzentrieren?<br />
Calanducci: Nebenbei unterrichte ich<br />
auch an einer Musikschule einige Stunden<br />
Schlagzeug und Klavier. Das ist für mich<br />
eine tolle Abwechslung zum Digitalen und<br />
macht mir unglaublich viel Spaß. Diese<br />
Mehrgleisigkeit gefällt mir zurzeit sehr gut.<br />
Aber ich lasse mich überraschen, was die<br />
Zukunft bringt.<br />
Schrötter: Hast du einen für dich brauchbaren<br />
Weg zur Umsetzung des Online-Unterrichts<br />
gefunden, oder kommt da auch ein<br />
ausgefeilter Techniker an seine Grenzen?<br />
Calanducci: Online-Unterricht unterscheidet<br />
sich in vielen Bereichen vom Unterricht in<br />
Präsenz, so viel steht fest. Trotzdem kann<br />
man ihn soweit optimieren, dass ein guter<br />
Unterricht möglich ist. Zur Grundausstattung<br />
gehören hier eine externe Kamera,<br />
z.B. eine Webcam, und ein externes Mikrofon.<br />
Das erhöht die Qualität des Unterrichts<br />
maßgeblich. Uns werden im Online-<br />
Unterricht ja alle Sinne genommen bis auf<br />
das Sehen und Hören, daher müssen wir<br />
diese umso mehr nutzen. Ich persönlich<br />
verwende zum Unterrichten ein Headset<br />
und mehrere Kameras, zwischen denen<br />
ich dann wechsle, dadurch kann ich den<br />
Schüler*innen immer den Blickwinkel bieten,<br />
der für sie gerade hilfreich ist. So entsteht<br />
dann eine gute Unterrichtssituation.<br />
Mittlerweile habe ich sogar einen Schüler,<br />
den ich seit Beginn ausschließlich online<br />
unterrichtet habe.<br />
Schrötter: Wie lange liegt die letzte Musikschulstunde<br />
in Präsenz in Österreich<br />
mittlerweile zurück (Stand: 10.03.<strong>2021</strong>)?<br />
Calanducci: Im neuen Schuljahr im Herbst<br />
ging es zuerst einmal in Präsenz los. Dann<br />
stiegen die Corona-Zahlen und wir stellten<br />
auf online um. Ich glaube, das war Ende<br />
Oktober oder Anfang November.<br />
Schrötter: Auf welches (kulturelle) Ereignis<br />
freust du dich in der „Nach-Corona-<br />
Zeit“ am meisten?<br />
Calanducci: Wieder einmal ein ganzes Konzert<br />
mit Publikum und auf einer großen<br />
Bühne zu spielen, das wird wirklich aufregend<br />
werden. Auch mit meiner Band „The<br />
Koalas“ wieder einmal bei einem Festival<br />
mit einer großen Anlage aufzutreten, wäre<br />
toll. Aber das wird noch etwas dauern.<br />
Schrötter: Eine letzte Frage: Wiener Walzer<br />
oder Tiroler Marsch?<br />
Calanducci: Wenn ich dafür wieder einmal<br />
ein Konzert spielen darf, bin ich da<br />
nicht wählerisch!<br />
Interview: Hannes Schrötter<br />
Weitere Einblicke<br />
gibt es unter:<br />
www.maxcalanducci.com<br />
(Virtueller)Treffpunkt derJugend<br />
Jugendleiter-Stammtisch kommt gut an<br />
Verbandsjugendleiter-Stellvertreter<br />
Hannes Schrötter<br />
Am 23. Februar fand der erste landesweite<br />
Jugendleiter-Stammtisch statt. Insgesamt<br />
106 Jugendleiter aus allen Teilen Südtirols<br />
nahmen an der digitalen Versammlung teil.<br />
Es wurde unter anderem über die Organisation<br />
der heurigen Sommerwochen, über<br />
die zukünftige Abwicklung der Leistungsabzeichen<br />
und über die neue Jugendseite<br />
im „KulturFenster“ diskutiert.<br />
Die Idee des Stammtisches wurde von den<br />
Teilnehmern sehr gut aufgenommen: Endlich<br />
könne man sich mit anderen Jugendleitern<br />
austauschen, und somit neue kreative<br />
Ideen für die eigene Jugendkapelle<br />
sammeln. Alle Teilnehmer freuen sich jedenfalls<br />
schon auf das nächste Treffen!<br />
Hannes Schrötter<br />
Verbandsjugendleiter-Stellvertreter<br />
IneigenerSache...<br />
Wir, Anna Vonmetz, Alexander Mayr<br />
und Hannes Schrötter, allesamt Mitglieder<br />
der VSM-Fachgruppe Jugend,<br />
haben uns zum Ziel gesetzt, der Jugendarbeit<br />
weiterhin ihren festen Platz<br />
im „KulturFenster“ zukommen zu lassen.<br />
Dabei sehen wir die Zeitschrift als<br />
Plattform der Information, der Präsentation<br />
und des Gedankenaustausches<br />
zwischen den Kapellen, als einen Platz,<br />
wo die Jugendleiter*innen unseres Landes<br />
zu Wort kommen können.<br />
Wir veröffentlichen...<br />
- Vorstellungen von Jugendkapellen<br />
und besonderen Projekten<br />
- Porträts und Interviews von Persönlichkeiten<br />
rund um unsere Blasmusikjugend<br />
- Neuigkeiten aus dem Verband, seinen<br />
Partnerverbänden und der Welt der<br />
Blasmusik<br />
- Und vieles mehr...<br />
Ihr wollt eure Projekte vorstellen, habt Anregungen<br />
oder Themenwünsche, die wir<br />
in den kommenden Ausgaben behandeln<br />
sollen?<br />
Dann schreibt uns eine Email an:<br />
hannes.schroetter@vsm.bz.it<br />
oder an: kulturfenster@vsm.bz.it<br />
KulturFenster<br />
61 02<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Jungblaserwochenund<br />
Jungblasertageabgesagt! abgesagt<br />
:<br />
:<br />
Sommerangebote <strong>2021</strong> des VSM<br />
Trotz aller Hoffnungen auf eine<br />
schnelle Rückkehr zur Normalität<br />
sehen wir uns gezwungen, die vom<br />
VSM geplanten Sommerangebote<br />
auf Verbands- und Bezirksebene<br />
für Jungmusikant*innen abzusagen.<br />
Bereits 2020 galt es als absolute<br />
Ausnahme und nahezu unvorstellbar,<br />
unsere gesamten Sommerangebote<br />
zu streichen. Die Jungbläserwochen<br />
in Nals, Brixen und<br />
Dietenheim sowie das Südtiroler<br />
Jugendblasorchester, aber auch<br />
die verschiedenen Jungbläsertage<br />
auf Bezirksebene waren und<br />
sind fester Bestandteil der musikalischen<br />
und sozialen Weiterbildung<br />
für Kinder und Jugendliche,<br />
welche niemand je in Frage gestellt<br />
hätte. Überrollte uns im Vorjahr<br />
buchstäblich die Welle der Pandemie,<br />
so wich dies im heurigen<br />
Jahr einer Mischung aus Gewohnheit,<br />
Hoffnung und Resignation.<br />
Kein Wahrsager, Virologe oder Forscher<br />
kann uns mit Sicherheit sagen, was wir in<br />
einem Monat oder im Sommer organisieren<br />
können.<br />
Alles steht und fällt mit der epidemiologischen<br />
Entwicklung, der Impf- und Teststrategie.<br />
Die aktuelle Planungsunsicherheit<br />
und eine sich noch nicht abzeichnende<br />
Entspannung der Lage lässt aus unserer<br />
Sicht die Austragung dieser Projekte in<br />
„<br />
Wir sind davon überzeugt, dass wir<br />
trotz möglicher Einschränkungen<br />
gemeinsam in der Lage sein werden,<br />
unserem musikalischen Nachwuchs<br />
einen erlebnisreichen Sommer<br />
zu bieten.<br />
„<br />
Hans Finatzer<br />
Hannes Schrötter<br />
ihrer gewohnten Form und vor allem in<br />
der bekannten Größenordnung nicht zu.<br />
Es ist aus heutiger Sicht nicht realistisch<br />
mit einer Gruppe von 50 oder mehr Personen<br />
zusammen zu proben, essen und<br />
zu wohnen.<br />
Um den zahlreichen Jungmusikant*innen<br />
in unserem Land dennoch musikalisch etwas<br />
anzubieten, arbeitet die Fachgruppe<br />
„Jugend“ an einem Unterstützungspaket,<br />
mit dem der VSM Projekte auf Ebene der<br />
einzelnen Vereine und Jugendkapellen fördern<br />
will. Dieses Paket wird im Laufe der<br />
kommenden Wochen geschnürt und veröffentlicht.<br />
Soviel kann verraten werden:<br />
Einzelne Jugendkapellen, Vereine und Organisatoren<br />
können um Kostenbeiträge<br />
für die Beauftragung von Lehrpersonal<br />
für ihre Sommeraktivitäten beantragen.<br />
Aufgrund der unsicheren Situation empfehlen<br />
wir den Kapellen (einzelnen oder<br />
in Zusammenarbeit mit Nachbarskapellen)<br />
ihre Angebote in Form einer Halboder<br />
Ganztagesbetreuung in Kleingrup-<br />
pen durchzuführen - sofern möglich, sollte<br />
aus den bekannten Gründen für diese<br />
Veranstaltungen ein Platz im Freien gewählt<br />
werden. Ob und unter welchen Auflagen<br />
ein Angebot in Kleingruppen - ähnlich<br />
dem Alpenverein oder der Jungschar<br />
- mit Übernachtung durchgeführt werden<br />
kann, steht zum Redaktionsschluss dieser<br />
Ausgabe des „KulturFensters“ noch<br />
nicht fest.<br />
Wir sind davon überzeugt, dass wir trotz<br />
möglicher Einschränkungen gemeinsam in<br />
der Lage sein werden, unserem musikalischen<br />
Nachwuchs einen erlebnisreichen<br />
Sommer zu bieten. Gleichzeitig freuen wir<br />
uns wieder auf die Zeit, in der die Projekte<br />
des Verbandes und der Kapellen wieder<br />
uneingeschränkt möglich sein werden.<br />
Hans Finatzer<br />
Verbandsjugendleiter<br />
Hannes Schrötter<br />
Verbandsjugendleiterstellvertreter<br />
KulturFenster<br />
62 02<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
hinausgeblickt<br />
Alles Gute zum Geburtstag!<br />
70 Jahre Österreichischer Blasmusikverband<br />
Am vergangenen<br />
4. März feierte der<br />
Österreichische Blasmusikverband<br />
70-sten<br />
Geburtstag. Bei der Sondersendung<br />
aus dem Online-Blasmusikstudio<br />
des<br />
ÖBV wurde die Kurzfassung<br />
der Jubiläumschronik<br />
vorgestellt und<br />
Bundeskapellmeister<br />
Walter Rescheneder war<br />
zu Gast im „Studio 2“<br />
im Fernsehprogramm<br />
des ORF2.<br />
Am 4. März 1951 haben<br />
im Hotel „Weißes<br />
Kreuz“ in Innsbruck<br />
die Blasmusik-Landesverbände von Vorarlberg,<br />
Tirol, der Steiermark, Kärnten und<br />
Oberösterreich eine Arbeitsgemeinschaft<br />
gegründet. Dies gilt als Grundstein des<br />
heutigen Österreichischen Blasmusikverbandes<br />
(ÖBV), der 1959 formell konstituiert<br />
wurde. Heute zählt der Verband 2163<br />
Musikkapellen mit rund 111.000 aktiven<br />
Musikantinnen und Musikanten in den<br />
neun Bundesländern.<br />
Der Liechtensteiner Blasmusikverband<br />
(LBV) und<br />
der Verband Südtiroler<br />
Musikkapellen (VSM)<br />
sind als 10. und 11. musikalisches<br />
Bundesland<br />
im ÖBV vertreten.<br />
Partnerschaftsvertrag<br />
des VSM<br />
mit dem ÖBV<br />
Der VSM wurde bereits<br />
1948 gegründet. Zehn<br />
Jahre später, zur offiziellen<br />
Gründung des Österreichischen<br />
Blasmusikverbandes, war<br />
eine Delegation aus Südtirol angereist.<br />
Seither gab es eine enge Zusammenarbeit<br />
über die Grenzen hinweg. 1971 wurden<br />
in Südtirol die zwei Jahre zuvor bereits in<br />
Österreich eingeführten Jungmusikerleistungsabzeichen<br />
(heute: „Leistungs-<br />
Ein historischer Moment: am 23. Oktober<br />
2002 haben ÖBV-Präsident Friedrich<br />
Weyermüller (rechts) und VSM-Obmann<br />
Gottfried Furgler im Rittersaal von<br />
Schloss Prösels den Partnerschaftsvertrag<br />
unterzeichnet.<br />
Anlässlich der letztjährigen VSM-<br />
Jahreshauptversammlung hat ÖBV-<br />
Präsident Erich Riegler die Südtiroler<br />
Partner per Videobotschaft zu<br />
den Jubiläumsveranstaltungen <strong>2021</strong><br />
eingeladen.<br />
abzeichen“) übernommen,<br />
die sich<br />
seither einer großen<br />
Beliebtheit erfreuen<br />
und die Musikantinnen<br />
und Musikanten<br />
alljährlich zu<br />
großartigen Leistungen<br />
motivieren. 2002<br />
wurde die grenzüberschreitende<br />
Kooperation<br />
schließlich durch<br />
die Unterzeichnung<br />
eines formellen Partnerschaftsvertrages<br />
institutionalisiert und<br />
somit auf eine höhere<br />
Stufe gehoben. Damit<br />
wurde der VSM<br />
offiziell in eine große Kulturlandschaft<br />
eingebettet, seine fachliche Arbeit anerkannt<br />
und als Mitglied in die verschiedenen<br />
Bundeskonferenzen aufgenommen.<br />
In jedem Satz des Vertrages sei das gegenseitige<br />
Wohlwollen zu spüren, unterstrichen<br />
VSM-Obmann Gottfried Furgler<br />
und ÖBV-Präsident Friedrich Weyermüller<br />
anlässlich der damaligen Vertragsunterzeichnung<br />
auf Schloss<br />
Prösels. Dadurch sei die<br />
Partnerschaft eine gegenseitige<br />
Bereicherung,<br />
damit beide Verbände<br />
als ebenbürtige Partner<br />
„ihr Wissen und ihre Begeisterung<br />
für die Blasmusik<br />
weiterentwickeln<br />
und weitergeben können“.<br />
Mit diesem Vertrag<br />
sei die jahrzehntelange<br />
Freundschaft und der gegenseitige<br />
Respekt beider<br />
Verbände verbrieft:<br />
„Diese Zusammenarbeit<br />
ist im ÖBV von großer Bedeutung<br />
und in jeder Hinsicht wertvoll.“<br />
Zum heurigen Jubiläumsjahr sind – vorbehaltlich<br />
etwaiger Covid-19-Einschränkungen<br />
– mehrere Höhepunkte geplant,<br />
an denen auch der Verband Südtiroler<br />
Musikkapellen teilnehmen wird.<br />
Stephan Niederegger<br />
KulturFenster<br />
63 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
hinausgeblickt<br />
„Willkommen in Bozen“<br />
Thomas Ludescher übernimmt Lehrstuhl<br />
Thomas Ludescher wurde vom italienischen Ministerium für Universität und Forschung zum<br />
Professor für Blasorchesterleitung und Instrumentation in Bozen berufen. Seit dem Jahr<br />
2010 bietet die Musikhochschule in Bozen den Lehrstuhl Instrumentierung für Blasorchester<br />
und Blasorchesterleitung an. Nach einem Auswahlverfahren wurde vor kurzem dem aus<br />
Vorarlberg stammenden Dirigenten, Komponisten und Musikpädagogen die Professur zugesprochen.<br />
Er folgt damit auf Walter Ratzek (2016-2019) und Thomas Doss (2011-2016).<br />
Thomas Ludescher unterzeichnete Mitte Februar<br />
den Vertrag, sein Engagement startete<br />
mit dem Sommersemester. Der Studiengang<br />
umfasst ein Triennium mit Bachelor-Abschluss<br />
und ein darauf folgendes Biennium<br />
mit Master-Abschluss. Das Studium kann<br />
als ordentliches universitäres Vollzeit-Studium<br />
oder als außerordentliches universitäres<br />
Teilzeit-Studium absolviert werden.<br />
Zudem gibt es die Möglichkeit, an einzelnen<br />
Lehrveranstaltungen teilzunehmen. Die<br />
Musikhochschule „Claudio Monteverdi“ ist<br />
seit fast einem Jahrhundert ein Treffpunkt<br />
zwischen der italienischen und österreichisch-deutschen<br />
Musikkultur.<br />
Zurzeit befindet sich die Musikhochschule<br />
in einer Phase des Überganges zu einer<br />
musikalischen Fakultät der Freien Universität<br />
Bozen - ein Prozess, der zur weiteren<br />
Bereicherung des Ausbildungsangebotes<br />
beitragen wird.<br />
Stephan Niederegger<br />
Zur Person<br />
Thomas Ludescher (Jahrgang 1969)<br />
absolvierte die Studien Trompete, Musikpädagogik,<br />
Komposition und Dirigieren<br />
am Landeskonservatorium<br />
Feldkirch, an der Musikuniversität<br />
Wien und an der Musikhochschule<br />
Augsburg – Nürnberg und erlangte<br />
1996 den akademischen Grad „Magister<br />
artium“. Er besuchte Meisterkurse<br />
bei namhaften internationalen<br />
Dirigentenpersönlichkeiten und erreichte<br />
im Jahr 2005 den ersten Preis<br />
beim Dirigentenwettbewerb „PRIX<br />
CREDIT SUISSE“.<br />
Mit dem Orchester WINDWERK MU-<br />
SICPROJECT, ehemals Sinfonisches<br />
Blasorchester Vorarlberg, dessen<br />
Gründer und Dirigent er ist, errang er<br />
mehrfach höchste Auszeichnungen<br />
bei internationalen Wettbewerben.<br />
Weiters leitete Thomas Ludescher<br />
das Nationale Jugendblasorchester<br />
Österreich, das Fanfareorchester<br />
West Austrian Wings und die Brassband<br />
3BA Concert Band. Seit vielen<br />
Jahren wirkt er international als Juror<br />
und Gastdirigent.<br />
Thomas Ludescher lehrt an den Landeskonservatorien<br />
Innsbruck und<br />
Feldkirch und ist seit 2014 Direktor<br />
Thomas Ludescher vor seiner „neuen Arbeitsstelle“<br />
der Musikschule Brandnertal, die er in<br />
kurzer Zeit zu einer sehr renommierten<br />
musikalischen Bildungseinrichtung für<br />
Kinder, Jugendliche und Erwachsene<br />
entwickelte.<br />
„Wer immer nur das tut, was er sich zutraut,<br />
kann nie über sich hinauswachsen“,<br />
lautet die Devise von Thomas Ludescher,<br />
dessen musikalischer Weg als 9-Jähriger<br />
auf dem Flügelhorn bei der Harmoniemusik<br />
Dalaas begonnen hat und der<br />
durch sehr zielorientiertes Schaffen<br />
viele außergewöhnliche Höhepunkte<br />
erreichte. Er setzt voll Freude seinen<br />
nächsten Schritt und ist begeistert,<br />
dass er zukünftig seine Fähigkeiten und<br />
jahrzehntelangen Erfahrungen mit Studierenden<br />
teilen und ergründen darf.<br />
KulturFenster<br />
64 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Blasmusik<br />
Thomas Ludescher im Gespräch<br />
KF: Wie wichtig ist für Sie die Zusammenarbeit<br />
mit dem Verband Südtiroler Musikkapellen?<br />
Ludescher: Die Zusammenarbeit und Synergien<br />
mit den verschiedensten Stakeholdern,<br />
im Besonderen dem Verband<br />
Südtiroler Musikkapellen (VSM) und dem<br />
Professorenkollegium sind mir enorm wichtig.<br />
Dazu wird es viele Gespräche geben.<br />
Wir werden Pläne schmieden und Konzepte<br />
erstellen. Mein Kopf ist voller Ideen!<br />
Thomas Ludescher war schon mehrmals Gastreferent bei Fortbildungsveranstaltungen des<br />
VSM – im Bild die Lehrprobe mit der MK Luttach beim Kapellmeisterseminar des VSM-<br />
Bezirks Bruneck 2015<br />
KF: Haben Sie bereits konkrete Projekte<br />
vor Augen?<br />
Ludescher: Lassen Sie sich überraschen!<br />
Auf der Homepage des Konservatoriums<br />
sind laufend die Informationen zum Studiengang<br />
und den Zulassungsprüfungen<br />
veröffentlicht.<br />
KulturFenster: Was hat Sie bewogen, sich<br />
für die Professur in Bozen zu bewerben?<br />
Thomas Ludescher: Zum einen ist es die<br />
Aufgabe und Herausforderung, mit einem<br />
Lehrstuhl das Berufsbild eines Blasorchesterdirigenten<br />
formen und gestalten zu<br />
können. Zum anderen ist es das optimale<br />
Umfeld, wie es in Südtirol und im Grenzbereich<br />
zu Österreich, Deutschland und<br />
Schweiz vorzufinden ist.<br />
KF: Wie sehen Sie den Studiengang in Bozen<br />
im internationalen Kontext?<br />
Ludescher: Es gibt nicht viele Professuren<br />
dieser Art. Das Besondere in Bozen ist,<br />
dass neben Blasorchesterleitung auch die<br />
Fächer Instrumentierung und Komposition<br />
enthalten sind - ein Zweig, der enorm<br />
wichtig ist. Mir sind auch Themen wie Sozialkompetenz,<br />
Forschung, breiter Genre-<br />
Horizont, Musik- und Kulturvermittlung,<br />
Dramaturgie, neue Konzertformate sehr<br />
wichtig und Teil „meiner Philosophie“. Ich<br />
werde das Berufsbild eines Blasorchesterdirigenten<br />
neu denken.<br />
KF: Wie viele Studierende werden Sie betreuen?<br />
Ludescher: Fürs erste übernehme ich<br />
eine bestehende Klasse mit 12 Studentinnen<br />
und Studenten und werde einen<br />
der momentanen Situation angepassten<br />
optimalen Unterricht anbieten. Die Pandemie<br />
lässt momentan keinen optimalen<br />
Präsenz-Unterricht zu. Onlineunterricht<br />
hingegen ist gerade in unserem Fach<br />
eine große Herausforderung. Ich habe ein<br />
Konzept aus Onlineunterricht und künstlerischem<br />
Einzelunterricht erstellt. Mehr<br />
ist aktuell (Stand: 8. März) nicht möglich.<br />
Wie sich die Lage weiterentwickelt, wird<br />
man mit Geduld sehen.<br />
KF: Wie sehr leiden die Blasmusik im Allgemeinen<br />
und die Musikkapellen im Besonderen<br />
unter der Pandemie?<br />
Ludescher: Der Neustart wird für uns alle<br />
zu einer großen Herausforderung mit vielen<br />
Fragen, Entwicklungen und einer Portion<br />
Ungewissheit. Wir werden unsere Szene<br />
neu denken müssen. Ich hoffe, dass wir<br />
den Stillstand nutzen und uns Gedanken<br />
für die Zeit danach machen. Jede Krise<br />
birgt eine Chance. Wir – alle Beteiligten,<br />
von den Musikantinnen und Musikanten<br />
über Funktionäre, von Kulturfunktionären,<br />
über Politiker bis zum Verband, Vertretern<br />
der Volkskultur, Verlage, Medien u.a. müssen<br />
zusammenarbeiten und Synergien nutzen.<br />
Persönlich glaube ich, dass wir nur mit<br />
einer breiten Volkskultur aus dieser Krise<br />
herauskommen, vor allem was die sozialen<br />
und gesellschaftlichen Themen betrifft.<br />
Interview: Stephan Niederegger<br />
Aus der Redaktion<br />
Ihre Beiträge (Texte und Bilder) für die Blasmusikseiten<br />
senden Sie bitte an: kulturfenster@vsm.bz.it<br />
Redaktionsschluss für<br />
die nächste Ausgabe<br />
des KulturFensters ist<br />
Freitag, 14. Mai <strong>2021</strong><br />
KulturFenster<br />
65 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
hinausgeblickt<br />
Neues aus der<br />
Kaiserlichen Hofburg<br />
Die Innsbrucker Promenadenkonzerte rüsten<br />
sich zum Neustart<br />
unserer Gefühle und unserer Wahrnehmung,<br />
auch für eine Verständigung der<br />
Gesellschaft über ihre Gegenwart und ihre<br />
Zukunft, die wir schmerzlich vermissen.“<br />
(Bernhard Schlögl)<br />
Klangvoller Beginn am 3. Juli<br />
Dennoch räumt Schlögl ein, dass die Zeit reif<br />
ist, ernsthaft darüber zu diskutieren, welche<br />
Bedeutung das kreative und künstlerische<br />
Gestaltungswissen in einer zukunftsfähigen<br />
Moderne einnehmen könnte. Obwohl eine<br />
geplante Bildungskooperation mit einer österreichischen<br />
Musikuniversität bereits auf das<br />
nächste Jahr verschoben werden musste,<br />
ein internationaler Dirigierwettbewerb ad<br />
acta liegt und noch nicht sicher ist, welche<br />
der 36 geladenen Orchester im Sommer tatsächlich<br />
nach Innsbruck kommen können,<br />
soll am 3. Juli eröffnet werden. Der künstlerische<br />
Output verspricht ebenfalls Neuerungen.<br />
Neben dem europäischen Renommee<br />
exzellenter Bläsermusik, finden sich in<br />
Zukunft vermehrt auch Symphonieorchester<br />
und Kammerensembles auf dem Spielplan.<br />
Auch die heimische Szene wird hochkarätig<br />
sowie spielfreudig vertreten sein und der<br />
langen Durststrecke hoffentlich ein klangvolles<br />
Ende bereiten. Gespielt wird im Innenhof<br />
der Kaiserlichen Hofburg sowie im<br />
Haus der Musik in Innsbruck.<br />
Stephan Niederegger<br />
Die Innsbrucker Promenadenkonzerte<br />
beeindrucken auch durch das besondere<br />
Flair im Innenhof der Kaiserlichen<br />
Hofburg in Innsbruck.<br />
Als kleine Idee im Garten der Siebererschule<br />
geboren und später in die Hofburg<br />
übersiedelt, sind die Innsbrucker Promenadenkonzerte<br />
mittlerweile zu musikalischer<br />
Tradition geworden und gehören zu den<br />
wichtigsten Blasmusikfestivals. Nach der<br />
coronabedingten Schaffenspause 2020 ist<br />
unter dem Motto „Mut zum Träumen” nicht<br />
nur ein klangvoller Beginn der Sommerfestivals<br />
geplant, sondern auch ein völliger<br />
Neustart der renommierten und beliebten<br />
Konzertreihe.<br />
Es ist hinlänglich bekannt, dass der Kunstund<br />
Kulturbereich ideell und finanziell unter<br />
dem Spielverbot leidet, über dessen Ende<br />
nur spekuliert werden kann. Was uns bleibt,<br />
ist der Mut und die Hoffnung, von einer<br />
besseren Zeit zu träumen. Die Szene hat<br />
sich seit dem Beginn der Pandemie, ihrem<br />
Naturell entsprechend, dennoch äußerst<br />
kreativ gezeigt und Konzerte kurzerhand<br />
in unsere Wohnzimmer gestreamt.<br />
Eine Möglichkeit, die für die Innsbrucker<br />
Promenadenkonzerte und den künstlerischen<br />
Leiter Bernhard Schlögl dennoch<br />
nicht in Frage kommt.<br />
„Unsere Konzerte brauchen den realen<br />
Raum, sie leben von der Atmosphäre im<br />
Innenhof der Hofburg und dem Musikgenuss<br />
an lauen Sommerabenden. Die<br />
Künste sind lebenswichtige Kraftwerke<br />
Im Gespräch mit dem neuen<br />
künstlerischen Leiter<br />
Bernhard Schlögl ist seit Herbst 2019 künstlerischer<br />
Leiter der Innsbrucker Promenadenkonzerte<br />
und damit Nachfolger von Alois<br />
Schöpf, der die Konzertreihe initiiert und 25<br />
Jahre lang geleitet hat.<br />
KulturFenster: Was macht ein künstlerischer<br />
Leiter?<br />
Bernhard Schlögl: Meine spannende Aufgabe<br />
als künstlerischer Leiter besteht in erster<br />
Linie darin, aus knapp 40 Orchestern<br />
aus ganz Europa in unterschiedlichster Besetzung<br />
und aus über 400 Werken einen<br />
KulturFenster<br />
66 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Blasmusik<br />
möglichst ansprechenden Spielplan zu erstellen.<br />
Dazu kommen noch verschiedene<br />
kaufmännische und organisatorische Aufgaben<br />
– also alles, was ein spannendes Kulturmanagement<br />
mit sich bringt.<br />
KF: Wie haben Sie das vergangene Jahr<br />
2020 erlebt?<br />
Schlögl: Meine erste Konzertreihe im Frühjahr<br />
2020 absagen zu müssen, war natürlich<br />
sehr frustrierend. Ich habe z.B. über<br />
150 Seiten Programmbuch fertiggestellt und<br />
diese dann wenige Tage später im Papierkorb<br />
entsorgt. Wir haben dann aber sehr<br />
schnell erkannt, dass diese Schaffenspause<br />
eine einmalige Möglichkeit bietet, um die<br />
Konzertreihe in allen Bereichen zu reflektieren,<br />
neu zu denken und auch einen Neustart<br />
für <strong>2021</strong> zu planen. Ich denke, das ist<br />
uns auch gelungen. Wir haben unermüdlich<br />
und mit sehr viel Herzblut an einem Restart<br />
der Innsbrucker Promenadenkonzerte gearbeitet<br />
und blicken eigentlich positiv zurück<br />
auf ein Jahr, wo sich vieles neu entwickelt<br />
hat. Bis auf den Musikentzug war das<br />
Jahr 2020 zumindest für die Innsbrucker<br />
Promenadenkonzerte ein sehr positives.<br />
2019 hat Alois Schöpf<br />
(rechts) die künstlerische<br />
Leitung der Innsbrucker<br />
Promenadenkonzerte<br />
an Bernhard<br />
Schlögl übergeben.<br />
KF: Was sind eigentlich Promenadenkonzerte?<br />
Schlögl: Als Vorläufer der Promenadenkonzerte<br />
können sicherlich Musikdarbietungen<br />
in den englischen Lustgärten des<br />
18. und 19. Jahrhunderts bezeichnet werden,<br />
wo u.a. auch Mozart und Haydn aufgetreten<br />
sind. Diese gab es mit der Familie<br />
Strauss auch schon in Wien. Sie waren<br />
allerdings auch ein Beiwerk von Klatsch<br />
und Tratsch, von Akrobaten, und die Musik<br />
war ausschließlich populär. Promenadenkonzerte<br />
als reine Konzertveranstaltung<br />
sind eigentlich auf das Paris der 1830-<br />
er Jahre zurückzuführen. Damals wurde<br />
eine Tür aufgestoßen – von der Kammermusik,<br />
der Kunstmusik, die bis dahin vorwiegend<br />
der privilegierten und gebildeten<br />
Gesellschaft vorenthalten war, hin zu einer<br />
breiten Gesellschaft. Man hat diese Kunstmusik,<br />
die Beethoven-Abende, die Mendelssohn-Abende,<br />
die Weber-Abende usw.,<br />
auch der breiten Bevölkerung näher gebracht<br />
mit diesen Promenadenkonzerten.<br />
Das Besondere an Promenadenkonzerten<br />
an sich ist diese Niederschwelligkeit. Sie<br />
waren nie gratis – damals wie heute, aber<br />
sie waren für jede und jeden erschwinglich.<br />
Es gibt keinen Dresscode, man kann<br />
sein Eis essen, man kann kommen und<br />
gehen, wenn man das möchte. Davon<br />
kommt auch die Bezeichnung: das französische<br />
Wort „promener“ bedeutet soviel<br />
wie „herumgehen, herumlaufen und sich<br />
frei bewegen“. Das macht die Promenadenkonzerte<br />
aus.<br />
Im Juli 2019 hat Bernhard<br />
Schlögl (v.r.) das<br />
Südtiroler Jugendblasorchester<br />
SJBO mit seiner<br />
Dirigentin Isabelle<br />
Ruf-Weber, VSM-Verbandskapellmeister<br />
Meinhard Windisch und<br />
VSM-Verbandsjugendleiter<br />
Hans Finatzer in<br />
Innsbruck begrüßt.<br />
KF: Worin sehen Sie die Besonderheiten<br />
der Innsbrucker Promenadenkonzerte?<br />
Schlögl: Ganz klar in der Kulisse und der<br />
Atmosphäre im Innenhof der Kaiserlichen<br />
Hofburg in Innsbruck, den hochkarätigen<br />
Orchestern, den bunten Spielplänen, der<br />
angesprochenen Niederschwelligkeit und<br />
dem Esprit der Stadt Innsbruck selbst.<br />
KF: Was erwartet uns im Sommer <strong>2021</strong>?<br />
Schlögl: Vorab bleibt natürlich zu hoffen,<br />
dass wir im Sommer <strong>2021</strong> überhaupt<br />
spielen dürfen. Wir sind aber optimistisch,<br />
dass es Musik geben wird. Die<br />
Form entscheidet natürlich zwangsläufig<br />
die gegenwärtige Situation. Geplant sind<br />
Familienkonzerte als Vorpremiere am 3.<br />
Juli mit dem berühmten Märchen „Hänsel<br />
und Gretel“, mit einem unglaublich<br />
tollen Sprecher und Ensemble. Mehr<br />
möchte ich allerdings noch nicht verraten.<br />
Offiziell eröffnet wird am 4. Juli und<br />
gespielt wird täglich bis zum 1. August.<br />
Der Spielplan wird in wenigen Wochen<br />
auf unserer Homepage veröffentlicht.<br />
KF: Welches war ihr letztes Live-Konzert,<br />
das Sie besucht haben?<br />
Schlögl: Das Konzert ist leider schon viel<br />
zu lange her. Es war im Herbst 2019 von<br />
den Wiener Symphonikern und der 5.<br />
Beethoven-Sinfonie.<br />
KF: Welche Musik hat Sie in letzter Zeit<br />
besonders berührt?<br />
Schlögl: Das ist eine sehr schwierige<br />
Frage. Ich höre sehr viel Musik, die<br />
mich berührt. Ich glaube aber, es ist die<br />
4. Sinfonie von David Maslanka, mit der<br />
ich mich in letzter Zeit sehr viel auseinandersetze<br />
und die sehr viel Anlehnung<br />
findet an die Musik von Johann Sebastian<br />
Bach. In dieser Sinfonie gibt es einen<br />
Teil, in dem an Sternenkinder erinnert<br />
wird. Dieser Kontext und die geniale<br />
Musik drumherum berühren mich immer<br />
noch.<br />
KF: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?<br />
Schlögl: Für die Innsbrucker Promenadenkonzerte<br />
wünsche ich mir natürlich<br />
einen reibungslosen Ablauf mit viel schöner<br />
Musik. Persönlich wünsche ich mir,<br />
dass unsere Gesellschaft endlich mit dieser<br />
Schuldzuweisung und Fingerzeig-Politik<br />
aufhört, damit wir endlich wieder gemeinsam<br />
positiv und optimistisch in die<br />
Zukunft blicken.<br />
Stephan Niederegger<br />
KulturFenster<br />
67 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
komponiert<br />
Die musikalische Macht<br />
des Erzählens<br />
Wie der Komponist Simon Gamper seine Musik sieht<br />
Der Musikverein Lana hat mir in meinen<br />
ersten Jahren als Musiker wichtige und<br />
tatkräftige Starthilfe geleistet. Außerdem<br />
bedeutet Blasmusik für mich sehr häufig<br />
Zusammenarbeit mit meinem langjährigen<br />
Freund, dem Musiker und Kapellmeister<br />
Lukas Erb.<br />
Gerade jetzt steht zum Beispiel die Uraufführung<br />
meines neusten Stücks „AP-<br />
PARAT #1 für Bläser, Schlagwerk und<br />
Synthesizer“ im Auftrag von seiner Musikkapelle<br />
Riffian an. Die – wenn alles<br />
gut geht – wohl irgendwann in nächster<br />
Zukunft stattfinden kann.<br />
Die Suite<br />
„<br />
Die Arbeit für Blasorchester hat<br />
bei mir persönlich einen besonderen<br />
Platz, da meine musikalischen<br />
„<br />
Wurzeln in der Blasmusik liegen.<br />
Simon Gamper<br />
„Die Tage des Wassers“ für sinfonisches<br />
Blasorchester und Sprecher war ein besonderes<br />
Highlight für mich: Das sechssätzige<br />
Werk ist ein Auftragswerk für das<br />
Passeirer Blasorchester wind.music.project;<br />
es wurde bereits 2016 uraufgeführt.<br />
In erster Linie handelt es sich dabei um<br />
eine Auseinandersetzung mit der Programmmusik,<br />
die ja heute in der Blasorchester-Literatur<br />
einen prominenten<br />
Platz einnimmt.<br />
Der Suite liegt eine theoretische Überlegung<br />
zugrunde, und zwar die oft erlebte<br />
Tatsache, dass Musik beim Zuhören ein<br />
deutliches Gefühl des Erzählens entstehen<br />
lassen kann. Sofern der Inhalt des Erzählten<br />
nicht vom Komponisten klar, manchmal<br />
auch äußerst illustrativ vorgegeben<br />
Zur Person<br />
Simon Gamper wurde 1987 in Meran<br />
geboren und wuchs in Lana auf. Aus<br />
einer Theaterfamilie stammend, betrat<br />
er sehr früh die Bühne und widmete<br />
sich ab seinem zehnten Lebensjahr<br />
intensiv der Musik.<br />
Er erlernte zunächst Euphonium, Posaune,<br />
Schlagzeug und Klavier, später<br />
Gitarre und Bass. Im Alter von 15<br />
Jahren komponierte Simon erste kleinere<br />
Stücke sowie einige Musiken für<br />
lokale Theaterproduktionen.<br />
Nach seiner Matura am Pädagogischen<br />
Gymnasium „Josef Ferrari“ in Meran<br />
(Fachrichtung Musik) im Jahr 2006 studierte<br />
er an der „Universität für Musik<br />
und Darstellende Kunst Graz“ Schlagwerk<br />
IGP mit Schwerpunkt „Musik am<br />
Computer“.<br />
Er sammelte wertvolle Erfahrungen als<br />
Instrumentalist in verschiedenen Ensembles<br />
und Projekten und besuchte<br />
zahlreiche Workshops und Masterclasses.<br />
2010 kehrte er schließlich nach<br />
Südtirol zurück, wo er zunächst<br />
als Musikerzieher an Südtiroler<br />
Mittelschulen arbeitete.<br />
Simon Gamper lebt heute mit seiner<br />
Frau und seinen beiden Söhnen<br />
in St. Leonhard in Passeier<br />
und arbeitet seit 2014 als<br />
freischaffender Komponist<br />
für Theater, Film und den<br />
Konzertsaal. Außerdem leitet<br />
er den Verein GuitArt,<br />
der aktuell 140 Mitgliedern<br />
Instrumentalunterricht<br />
bietet, und ist als Live-Musiker<br />
aktiv. Simon ist seit<br />
2019 Mitglied des Südtiroler<br />
Künstlerbundes,<br />
der Film Association<br />
of South<br />
Tyrol und<br />
Gründungsmitglied<br />
der<br />
PERFAS.<br />
KulturFenster<br />
68 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
Blasmusik<br />
wird, bleibt er für alle Zuhörenden individuell<br />
anders, da er dann ja ausschließlich<br />
der eigenen Assoziation, der eigenen<br />
Vorstellung entspringt.<br />
Musik als Inspiration<br />
zum Erzählen<br />
Zusammen mit dem Autor Thomas Torggler<br />
habe ich für die Suite ein dramaturgisches<br />
Konzept entwickelt, das das Publikum<br />
möglichst frei in eine spannende<br />
Geschichte verwickeln soll.<br />
Torgglers philosophische Texte, die jedem<br />
der sechs Sätze vorangestellt sind, geben<br />
einen Rahmen vor, kreieren eine Atmosphäre,<br />
geben einen Startschuss. Sie<br />
sollen die Zuhörenden zum Erzählen animieren.<br />
Sie nämlich sind es, die sich die<br />
Geschichte zu „Die Tage des Wassers“<br />
selbst erschaffen – inspiriert und begleitet<br />
von der Musik des Orchesters. Worum<br />
es in der Geschichte geht, kann also vorher<br />
niemand so genau sagen. Und später<br />
nur jeder für sich selbst.<br />
Die Suite „Die Tage<br />
des Wassers“ ist<br />
2017 im „Tonverlag“<br />
auf CD erschienen.<br />
„<br />
Genau diese Macht der Musik – zu<br />
erzählen, aber mitunter jeder und<br />
„<br />
jedem im Publikum etwas Anderes<br />
- begeistert mich.<br />
Simon Gamper<br />
In „Die Tage des Wassers“ habe ich mich<br />
bewusst auf den Einsatz von Mixturen aus<br />
Instrumenten unterschiedlicher Register<br />
konzentriert, harmonisch bin ich zum Großteil<br />
sehr frei vorgegangen, rhythmisch ist<br />
das Werk mitunter recht anspruchsvoll.<br />
Seit dieser Suite hat außerdem der Synthesizer<br />
einen festen Platz in meiner Orchesterbesetzung<br />
bekommen, da er sich<br />
beinahe unmerklich in den Klang mischt<br />
und dem Ensemble zusätzlichen Punch<br />
und Fülle verleiht. Losgelöst von den Texten<br />
können die einzelnen Sätze von die<br />
„Tage des Wassers“ außerdem auch alleine<br />
stehen.<br />
Simon Gamper<br />
www.simongamper.com<br />
Auch in seinen Kompositionen für Blasorchester will Simon Gamper ein vielseitiges<br />
Instrumentarium einsetzen – Im Bild ein Teil der Partitur zu „Die Tage des Wassers“.<br />
KulturFenster<br />
69 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
8.5.<strong>2021</strong><br />
CAMBA-Online-<br />
Schulung<br />
https://wiki.blasmusik.at/pages/viewpage.<br />
action?pageId=57147500<br />
persönlich<br />
Gottfried Furgler<br />
zum 80-sten<br />
Gratulation an den langgedienten Obmann des VSM<br />
Ein Foto aus vergangenen Tagen: Bei der<br />
Generalversammlung am 25. März 2007<br />
hat Gottfried Furgler (rechts) nach 15<br />
Jahren die Obmannschaft des Verbandes<br />
Südtiroler Musikkapellen an Pepi Fauster<br />
übergeben.<br />
wichtige Impulse gesetzt und große Veranstaltungen<br />
geleitet hast.<br />
Auf Grund deiner großen Verdienste bist<br />
du auch zum Ehrenmitglied im Österreichischen<br />
Blasmusikverband ernannt worden,<br />
an dessen Kongressen du nach wie<br />
vor immer fleißig teilnimmst.<br />
Gottfried Furgler, der Ehrenobmann des Verbandes<br />
Südtiroler Musikkapellen (VSM),<br />
feierte am 9. <strong>April</strong> <strong>2021</strong> seinen 80-sten<br />
Geburtstag.<br />
Ist es nun doch schon 14 Jahre her, dass<br />
der Jubilar als aktiver Funktionär vom Verband<br />
ausgeschieden ist, so hat er nie aufgehört,<br />
sich für dessen Angelegenheiten,<br />
für das Musizieren in den Musikkapellen<br />
sowie für die Entwicklung der Blasmusik<br />
in unserem Land zu interessieren. Wäre<br />
nicht die Corona-Pandemie gewesen, wären<br />
wir ihm ganz sicher immer wieder bei<br />
Konzerten, Festen, Feiern und Jubiläen sowie<br />
bei großen Versammlungen begegnet.<br />
Lieber Gottfried! Wir denken noch immer<br />
sehr gerne an deine 15-jährige Obmannschaft<br />
im VSM von 1992 bis 2007 zurück,<br />
in der du mit viel Ruhe, Besonnenheit und<br />
Weitsicht den großen Verband geführt,<br />
Lieber Jubilar! Im Namen des VSM-Vorstandes<br />
und aller 210 Musikkapellen<br />
gratuliere ich dir zum runden 80-er sehr,<br />
sehr herzlich, danke dir aufrichtig für deinen<br />
langen ehrenamtlichen Einsatz zum<br />
Wohle unserer Vereine und wünsche dir<br />
weiterhin viel Freude im Kreise deiner Familie<br />
und deiner Musikant*innen. Bleib gesund<br />
und halte deine Begeisterung wach!<br />
Ad multos annos!<br />
Pepi Fauster, Verbandsobmann<br />
Verbandsobmann Pepi Fauster, Verbandskapellmeister Meinhard Windisch und Verbandsgeschäftsführer Andreas Bonell (linkes Bild)<br />
freuten sich, dass es aufgrund der jüngsten Corona-Lockerungen möglich war, dem Jubilar persönlich zu gratulieren. Und auch die Bürgerkapelle<br />
Gries (rechtes Bild) ließ es sich nicht nehmen, ihren Ehrenobmann musikalisch hochleben zu lassen.<br />
KulturFenster<br />
70 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
entdeckt<br />
„Mein schönes Heimatland“<br />
CD-Vorstellung zum 100-Jahr-Jubiläum der MK Penon<br />
Die Musikkapelle Penon hat zu ihrem<br />
100-jährigen Bestehen eine Jubiläums-CD<br />
herausgebracht<br />
Beim Fronleichnamsfest 1920 trat die Musikkapelle<br />
Penon erstmals auf.Es war der<br />
Kurat von Penon, Alois Kofler, der die Musikkapelle<br />
Penon ins Leben rief. Er kaufte<br />
1919 gebrauchte Instrumente, reparierte sie<br />
und unterrichtete die ersten 5 Musikanten.<br />
Erster Kapellmeister war Julius Weger, der<br />
die damals 16-köpfige Kapelle von 1922<br />
bis 1934 dirigierte.<br />
In diesem Jahr verstarb Kurat Kofler. Laut<br />
Statuten der Kapelle übernahm in den folgenden<br />
Jahrzehnten stets der jeweilige Kurat<br />
von Penon das Amt des Obmannes. Erst<br />
seit 1972 wird der Obmann aus den Reihen<br />
der Musikantinnen und Musikanten<br />
direkt gewählt.<br />
Während der Kriegsjahre wurde die Kapelle<br />
aufgelöst. 1946 trat die Kapelle erstmals<br />
wieder beim Begräbnis ihres Kapellmeisters<br />
Alfons Cassar auf. Seit 1947 begleiten<br />
auch 2 Marketenderinnen die Musikanten.<br />
Ein Jahr später wurde der Verband<br />
Südtiroler Musikkapellen gegründet. Die<br />
Jubelkapelle war von Anfang an Mitglied<br />
im Verband. Seit 1978 marschieren auch<br />
Musikantinnen in den Reihen der Kapelle.<br />
1996 spendete Ehrenmitglied Johann Gabalin<br />
die Vereinsfahne.<br />
Das 100-Jahr-Jubiläum im Vorjahr sei für<br />
die Kapelle Anlass zu großer Freude und<br />
Dankbarkeit gewesen, erklärt Obmann Simon<br />
Kofler. Man könne sich heute wohl<br />
kaum vorstellen, unter welch schwierigen<br />
Bedingungen in den 1920-er Jahren der<br />
Tätigkeitsbeginn der Kapelle war, unterstreicht<br />
er weiter. Dass 100 Jahre später die<br />
Kapelle wegen anderer Schwierigkeiten ihre<br />
Tätigkeit vorübergehend einstellen müsse,<br />
sei wohl Ironie des Schicksals. Das Dreikönigskonzert<br />
unter der Leitung von Kapellmeister<br />
Karl Hanspeter wurde zum gelungenen<br />
Auftakt. Coronabedingt sollte es aber<br />
bekanntlich einer der wenigen Auftritte im<br />
Jubiläumsjahr bleiben.<br />
Die geplante Aufnahme einer Jubiläums-<br />
CD konnte vorher noch wie geplant abgeschlossen<br />
werden. Die CD soll Symbol und<br />
Erinnerung an das 100-jährige Bestehen<br />
der Musikkapelle Penon sein: „Die Stückauswahl<br />
charakterisiert die Kapelle des kleinen<br />
Dorfes mit rund 360 Einwohnern“, erklärt<br />
der Kapellmeister.<br />
Die bekannte, Titel gebende Marschpolka<br />
„Mein schönes Heimatland“ von František<br />
Kmoch beschließt den musikalischen Reigen<br />
der 15 Titel auf der Silberscheibe. Mehrere<br />
Polkas und Walzer zeigen einen Ausschnitt<br />
aus der traditionellen (böhmischen)<br />
Blasmusik. Moderne Rhythmen spannen<br />
gekonnt den Bogen in die Gegenwart. Der<br />
Flügelhornist Thomas Parteli, der Baritonist<br />
Egon Seebacher und der Saxofonist Wolfgang<br />
Peer präsentieren sich gekonnt als<br />
Solisten. Auch Kapellmeister Karl Hanspeter<br />
nimmt gleich 2 Mal das Flügelhorn zur<br />
Hand und wird von seiner Kapelle begleitet.<br />
Obmann Simon Kofler freut sich über den<br />
gelungenen Tonträger als musikalisches Dokument<br />
dieses sonst sehr „stillen“ Jubiläumsjahres:<br />
„Wir freuen uns darüber, dass<br />
unsere Musikkapelle ein Jahrhundert nach<br />
ihrer Gründung so gut aufgestellt ist und es<br />
nach wie vor in unserem kleinen Dorf engagierte<br />
Musikantinnen und Musikanten gibt,<br />
die einen großen Teil ihrer Freizeit der Musikkapelle<br />
widmen und durch ihren Einsatz<br />
viele Feiern erst zu wahren Festen machen.“<br />
In diesem Sinne wünscht er sich,<br />
dass so bald wie möglich wieder Normalität<br />
einkehrt, um wieder gemeinsam musizieren<br />
zu können.<br />
Stephan Niederegger<br />
Freuen sich auf eine wieder einigeraßen<br />
„normale“ musikalische Tätigkeit: Obmann<br />
Simon Kofler (links) und Kapellmeister<br />
Karl Hanspeter.<br />
KulturFenster<br />
71 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
entdeckt<br />
In den letzten Jahren hat der renommierte<br />
Trompeter Christoph Moschberger begonnen,<br />
neben dem aktiven Musizieren auch<br />
mehr Musik zu schreiben. Mit der Veröffentlichung<br />
des Duett-Buchs „Zweitakter“<br />
hat er nun den eigenen Verlag „Edition<br />
Moschberger“ samt Online-Shop eröffnet.<br />
Bei den zehn Titeln handelt es sich um tra-<br />
„Zweitakter“<br />
Musikantische Duette für Blechbläser<br />
Christoph Moschberger hat eine Sammlung<br />
von Duetten für ambitionierte Bläser<br />
herausgegeben.<br />
ditionelle Blas- und Volksmusikstücke weit<br />
über das gängige „Weisenblasen“ hinaus:<br />
„Ich wollte nun bewusst Duette schreiben,<br />
die auch grooven, also tänzerische Stücke<br />
wie Polkas, Walzer und Baorische. Dabei<br />
werden die Musiker zu Melodikern und<br />
Pulsgebern zugleich!“<br />
Die zwei Notenhefte im DIN-A5-Format<br />
beinhalten zum einen die 1. Stimme für<br />
Flügelhorn in B und zum anderen die 2.<br />
Stimme für Tenorhorn/Bass-Trompete in<br />
B (Violinschlüssel) und Bariton/Posaune<br />
in C (Bassschlüssel). Für einige Titel gibt<br />
es die 2. Stimme auch für Flügelhorn in<br />
B. (www.moschberger.com)<br />
Stephan Niederegger<br />
„<br />
Christoph Moschberger, einer der<br />
vielseitigsten und besten Musiker<br />
der Gegenwart, schuf mit seinem<br />
neuesten Projekt ZWEITAKTER ein<br />
neues Kleinod für ambitionierte und<br />
begeisterte Trompeter, Flügelhornisten<br />
und Tenoristen, welche anspruchsvolle<br />
Volksmusik lieben. Es<br />
war mir eine Ehre und ein besonderes<br />
Vergnügen, mit ihm zwei seiner<br />
Stücke<br />
„<br />
einzuspielen!<br />
Hans Gansch<br />
Fantastische Blasmusik und „bunte“ Bläsermusik<br />
Der Musikverlag RUNDEL hat jüngst zwei neue,<br />
interessante Tonträger veröffentlicht.<br />
FANTASTICA<br />
Das Luftwaffenmusikkorps<br />
Münster<br />
unter der<br />
Leitung von Oberstleutnant<br />
Christian<br />
Weiper hat 14 neue<br />
bzw. neu arrangierte Konzert- und Unterhaltungsmusik<br />
eingespielt. Die zum 25-jährigen<br />
Bestehen der Landesmusikschule<br />
Brixental (Tirol) entstandene Fantasie „Fantastica“<br />
von Martin Scharnagl gibt der Silberscheibe<br />
den Titel. Neben dem „Festmarsch“<br />
op.452 und dem „Persischen<br />
Marsch“ op.289 von Johann Strauss Sohn,<br />
der „Husarenvendette“ von Julius Fucik sowie<br />
dem bekannten „Dessauer“ umfasst<br />
die CD originale Konzert- und arrangierte<br />
Unterhaltungsmusik von Thomas Asanger,<br />
Peter Schad, Martin Scharnagl und<br />
Stefan Schwalgin. Die abschließende Pop-<br />
Ballade „Welt in Farbe“ von Thiemo Krass<br />
wurde sowohl in der Instrumentalfassung<br />
als auch mit Sologesang eingespielt und<br />
gibt das Stichwort zur zweiten CD.<br />
WORLD IN<br />
COLOR<br />
Thiemo Krass’<br />
„Welt in Farbe“ –<br />
diesmal in der Version<br />
für Brassensemble - ist titelgebend<br />
für diesen Tonträger, der 12 Titel für Bläsersextett<br />
präsentiert und in der Rundel-<br />
Serie „Pops for Brass“ erschienen ist.<br />
Die Stücke sind Originalkompositionen<br />
sowie Arrangements bekannter Unterhaltungstitel<br />
von Neil Diamond (Sweet<br />
Caroline), Petula Clark (Downtown),<br />
The Drifters (Under the Boardwalk), Peter<br />
Gabriel (The Book of Love), Sandle<br />
Show (Puppet on a String) und den Beatles<br />
(Hey Jude). Die Kompositionen und<br />
Arrangements stammen aus der Feder<br />
von Thiemo Krass, Peter Leitner, Martin<br />
Scharnagl, Berthold Schick und Stefan<br />
Schwalgin.<br />
Stephan Niederegger<br />
KulturFenster<br />
72 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
kurz notiert<br />
Von der Flöte bis zur Tuba<br />
Musikkapelle St. Lorenzen wirbt digital um Nachwuchs<br />
Auch heuer hat sich die Musikkapelle St.<br />
Lorenzen für die Nachwuchswerbung wieder<br />
etwas einfallen lassen und „aus der<br />
Not eine Tugend gemacht“. Auf Initiative<br />
des Jugendleiters Martin Kolhaupt wurden<br />
11 kurze Videoclips erstellt, mit denen die<br />
Instrumente – von der Flöte bis zur Tuba<br />
– vorgestellt werden. Die Videos wurden<br />
über YouTube veröffentlicht und über die<br />
verschiedenen Sozialen Medien beworben.<br />
„Wenn die Kinder und Jugendlichen<br />
schon nicht zu uns ins Probelokal kommen<br />
können, dann kommen wir zu ihnen nach<br />
Hause“, erklärt Kolhaupt und bedankt sich<br />
bei allen, die an diesem Projekt mitgearbeitet<br />
haben. Die Videos sind auch über<br />
den nebenstehenden QR-Code verfügbar.<br />
Stephan Niederegger<br />
Ansprechende Nachwuchswerbung der<br />
Musikkapelle St. Lorenzen<br />
Ein ganz besonderer Neujahrsgruß<br />
Die Musikkapelle Afing überbringt ihre Musik auf CD<br />
Das vergangene Jahr 2020 war ein ganz<br />
besonderes Jahr, auch für die Musikkapelle<br />
Afing. Wie oft hat sich der Ausschuss persönlich<br />
oder online zu einer Sitzung getroffen<br />
und sich die Fragen gestellt:<br />
„Was dürfen wir tun? Was können<br />
wir tun? Wie können wir den Musikanten<br />
und den Bürgern einen<br />
Lichtblick verschaffen?“ Nachdem<br />
das Frühjahrskonzert und alle anderen<br />
Konzerte und Auftritte leider<br />
ausgefallen sind, hat es auch<br />
der Wettergott im Herbst nicht gut<br />
mit uns gemeint, und das Konzert<br />
in Kleingruppen im Freien<br />
musste aufgrund der schlechten<br />
Witterung abgesagt werden.<br />
Dennoch überlegte die Musikkapelle<br />
Afing, wie sie den Bürgern<br />
ein kleines Stück Musik bringen<br />
kann. Da wir jedes Jahr das traditionelle<br />
Frühjahrskonzert aufnehmen,<br />
entstand schließlich die Idee,<br />
eine CD mit den schönsten Stücken<br />
der vergangenen Jahre zusammen<br />
zu stellen.<br />
„Ein ganz besonderes Jahr – eine ganz<br />
besondere CD“. Eine CD, die den Afinger<br />
Bürgern viel Freude beim Reinhorchen<br />
bringen soll. Von Märschen zu Polkas bis<br />
Die gute Idee der MK Afing: Neujahrsgrüße<br />
auf CD<br />
hin zu modernen Stücken – von allem ist<br />
etwas dabei.<br />
Da die Musikkapelle das alljährliche Neujahrwünschen<br />
nicht in seiner gewohnten<br />
Form veranstalten konnte, ließen es<br />
sich die Musikantinnen und Musikanten<br />
nicht nehmen, den Mitbürgern<br />
trotzdem einen musikalischen<br />
Gruß zu überbringen und<br />
teilten, unter Einhaltung aller geltenden<br />
Verordnungen, die CD als<br />
Neujahrsgruß aus. Die Empfänger<br />
freuten sich über das Geschenk<br />
und darüber, dass sie jetzt doch<br />
den Klängen der Musikkapelle lauschen<br />
können. Als Highlight wurde<br />
die CD von Dieter Scoz auf Rai Südtirol<br />
vorgestellt. Die Musikkapelle<br />
Afing ist jedenfalls guter Dinge, in<br />
diesem Jahr wieder Konzerte veranstalten<br />
zu dürfen und freut sich<br />
darauf, ihre musikalischen Klänge<br />
wieder vielen Zuhörern zu überbringen.<br />
Christof Domanegg<br />
MK Afing<br />
KulturFenster<br />
73 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
gedenken<br />
Trauer um Paul Winkler<br />
Musik war seine Leidenschaft<br />
Paul Winkler (1927-<strong>2021</strong>)<br />
Am 24. Februar ist der weit über den Brunecker<br />
Talkessel hinaus bekannte Musikprofessor<br />
Paul Winkler verstorben – nur knapp<br />
6 Monate nach seiner geliebten Frau Nora.<br />
Musik hat ihn sein ganzes Leben begleitet,<br />
sowohl im Lehrerberuf als auch im Privatleben.<br />
Bereits mit 9 Jahren war er Mitglied<br />
einer Trommlergruppe. Er lernte Akkordeon<br />
und die „geliebte“ Querflöte. Er war<br />
der erste Flötist im Pustertal, und zwar bei<br />
der damals wiedergegründeten Bürgerkapelle<br />
Bruneck. 1989 ist „Professor Mozart“<br />
– wie er von seinen Schülerinnen und<br />
Schülern liebevoll genannt wurde, als Musiklehrer<br />
in Pension gegangen. 43 Jahre<br />
lang war Paul Winkler als Funktionär im<br />
Bezirksausschuss des Verbandes Südtiroler<br />
Musikkapellen (VSM) engagiert, teilweise<br />
gleichzeitig als Obmannstellvertreter<br />
und Kassier, zuletzt als Geschäftsführer (bis<br />
1998). Er war damit das bislang längst gediente<br />
Mitglied im Bezirksausschuss und<br />
wurde nach seinem Ausscheiden aus dem<br />
aktiven Dienst zum Bezirksehrenmitglied<br />
ernannt. Mit vollem Einsatz setzte er sich<br />
für das Wohl der Blasmusik im Pustertal<br />
und darüber hinaus ein. Sein Augenmerk<br />
galt stets einer gediegenen Aus- und Weiterbildung<br />
der Funktionäre in den einzelnen<br />
Musikkapellen.<br />
Zudem war er Chorleiter beim Stadtpfarrchor<br />
in Bruneck sowie bei den Kirchenchören<br />
in Pfalzen und Percha. Er half<br />
beim Aufbau der Gadertaler Musikkapellen<br />
mit. Den Brunecker Rainchor hat er<br />
als Gründungsmitglied wesentlich mitgestaltet<br />
und aufgebaut. Er gründete auch<br />
eine Schweglergruppe bei den Schützen.<br />
Die Liebe zur Heimatstadt<br />
Bruneck<br />
Seine zweite Liebe galt seiner Heimatstadt<br />
Bruneck, führte er doch bis vor wenigen<br />
Jahren unzählige Gruppen, Schulklassen<br />
und Gäste durch seine geliebte Rienzstadt<br />
und gab dabei begeistert fachkundige Informationen<br />
über „seine“ Heimatstadt weiter.<br />
Er war auch über 50 Jahre lang Kantor<br />
in der Pfarrkirche von Bruneck und Träger<br />
zahlreicher Auszeichnungen, unter anderem<br />
der Verdienstmedaille des Landes Tirol,<br />
des Verbands-Verdienststerns der Südtiroler<br />
Musikkapellen und der Ehrenmedaille<br />
der Stadt Bruneck.<br />
Wir werden sein fachkundiges Wissen,<br />
seinen unermüdlichen Humor und seine<br />
Freundschaft vermissen: „Lieber Paul,<br />
Danke für alles! Die Chöre der Engel mögen<br />
dich empfangen.“<br />
Stephan Niederegger<br />
Neben der Musik galt seine zweite Liebe seiner Heimatstadt Bruneck<br />
KulturFenster<br />
74 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
In ehrendem Gedenken an<br />
Hans Obkircher<br />
Musikfreund und wertvoller Mensch<br />
Prof. Hans Obkircher (1939 – <strong>2021</strong>)<br />
Allzufrüh und eigentlich ganz überraschend<br />
hat uns am 13.Februar <strong>2021</strong> nach kurzer,<br />
schwerer Krankheit im Alter von 81 Jahren<br />
unser Prof. HANS OBKIRCHER aus Meran/Obermais<br />
für immer verlassen.<br />
Geboren in Völser Aicha, wurde seine besondere<br />
musikalische Begabung sofort offensichtlich.<br />
Mit 11 Jahren war er bereits<br />
Organist im Heimatort. Er besuchte das<br />
Konservatorium in Bozen in den Fächern<br />
Kirchenmusik, Klarinette, Komposition und<br />
„lstrumentazione per Banda". 1961/62<br />
studierte er an der Hochschule für Musik<br />
„Mozarteum" in Salzburg in den Fächern<br />
Jugendmusikerziehung und Klarinette und<br />
absolvierte Dirigierunterricht beim legendären<br />
Hans Swarowski.<br />
Aufbau des Musikschulwesens<br />
und Gründung des Orchesters<br />
der Musikfreunde Meran<br />
Hans Obkircher war maßgeblich am Aufbau<br />
des Musikschulwesens und der Musiklandschaft<br />
in Südtirol beteiligt. Er gilt als<br />
Mann der ersten Stunde bei der Einführung<br />
von Musikschulen in vielen Gemeinden des<br />
Landes und war als Lehrer und Leiter einiger<br />
dieser Schulen tätig. Als langjähriger<br />
Inspektor des Instituts für Musikerziehung<br />
war er mitverantwortlich für die Weichenstellung<br />
der Erfolgsgeschichte des Südtiroler<br />
Musikschulwesens. Durch die Einführung<br />
und Leitung der Orchesterwochen in<br />
Südtirol und durch die Gründung des Orchesters<br />
der Musikfreunde Meran setzte er<br />
frühzeitig Akzente im Streichorchestersektor.<br />
Geschätzter Mitarbeiter im<br />
VSM – Kapellmeister – Referent<br />
Durch seine umfassende Tätigkeit in den<br />
Landes- und Bezirksvorständen des Verbandes<br />
Südtiroler Musikkapellen konnte<br />
Hans Obkircher die Entwicklung unseres<br />
Blasmusikwesens aktiv und nachhaltig mitgestalten.<br />
Viele Jahre stand er den Musikkapellen<br />
Völser Aicha, Obermais, Untermais<br />
und Lana als Kapellmeister vor. Er<br />
war beim Aufbau der Kapellmeisterkurse<br />
des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />
mit dabei und führte den Kapellmeisterlehrgang<br />
an den Südtiroler Musikschulen<br />
ein. Derzeit sind viele seiner Schüler in<br />
mehreren Bezirken des VSM Kapellmeister<br />
von Musikkapellen und Funktionäre<br />
im Landes- und in Bezirksvorständen.<br />
Er war vielfach als Referent im In- und<br />
Ausland tätig. Sehr umfangreich war auch<br />
seine Tätigkeit als Juror bei Wertungsspielen<br />
für Musikkapellen und Jugendmusikwettbewerben<br />
in ganz Österreich, Deutschland<br />
und Südtirol. Er war in Südtirol und<br />
darüber hinaus ein gefragter Ansprechpartner<br />
für Kapellmeister und Musiklehrer.<br />
Hans Obkirchers Tätigkeit geht aber weit<br />
über das beruflich Vorgeschriebene hinaus.<br />
Sein letztes ehrenamtliches Engagement<br />
widmete er im VSM der sehr aufwändigen<br />
Instrumentation von 100 Liedern aus dem<br />
Diözesananteil Südtirols im Neuen Gotteslob,<br />
welche er für Blasorchester bzw. kleinere<br />
Bläserensembles einrichtete.<br />
Wertvoller Mensch –<br />
Musikfreund und Fachmann<br />
Sein außergewöhnliches Gespür für das<br />
Machbare - sei es musikalisch als auch<br />
organisatorisch - hat ihn zu einem ganz<br />
Großen in der Südtiroler Musikwelt gemacht,<br />
sowohl in der Blasmusik als auch<br />
in der symphonischen Musik. Wir verlieren<br />
mit ihm einen besonderen Menschen,<br />
einen wertvollen Musikfreund und einen<br />
großartigen Musikfachmann.<br />
Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt seiner<br />
Gattin Linde und seinen Kindern Susanne<br />
und Rupert sowie der gesamten<br />
Trauerfamilie.<br />
In Dankbarkeit wollen wir „unseren Hans“<br />
stets in Erinnerung behalten.<br />
Pepi Fauster<br />
Verbandsobmann<br />
KulturFenster<br />
75 02/<strong>April</strong> <strong>2021</strong>
12.06.<strong>2021</strong><br />
71. Jahreshauptversammlung des<br />
Heimatpflegeverbandes Südtirol und<br />
Jubiläumsfeier 50 Jahre Lia per natura y usanzes<br />
Termine<br />
Sofern es die Covid 19-Bestimmungen zulassen!<br />
Wo: Kulturhaus St. Ulrich, Gröden<br />
Informationen: hpv.bz.it<br />
24.04.<strong>2021</strong> um 16.00 Uhr<br />
VSM - Mitgliederversammlung<br />
ONLINE via Zoom<br />
24.04.<strong>2021</strong> um 20.30 Uhr<br />
Frühjahrskonzert „Unser Lieblingslied“<br />
Auf YouTube präsentieren verschiedene Mitgliedschöre<br />
ihre schönsten Aufnahmen der vergangenen Jahre.<br />
https://www.youtube.com/channel/UCWfz53DQFoCQlWQQyi-rlbA