Kreuzfahrt Kapstadt - Genua 2014

gerhard.hochl

VON KAPSTADT

NACH GENUA

März 2014

© gerhard.hochl@gmx.at

https://gerhardhochl.bplaced.net

zusammengestellt 2021

1


Die interessante Tour durch die Republik Südafrika

war hinter uns. Mit Walter Bösch, einem Schweizer

mit 23 Jahren Südafrika Erfahrung und in einem komfortablen

Reisebus erkundeten wir Johannesburg und den

östlichen Landesteil inklusive Krüger Nationalpark, Swaziland

und Pretoria

Technische Daten

MSC Sinfonia

Länge

252m

Höhe

29m

Tiefgang 6,8m

Gewicht 58.600t

Passagiere 2080

Kabinen 777

Decks 13

Geschwindigkeit 22kn ~40km/h

MSC Sinfonia

Ein Binnenflug brachte uns nach Kapstadt. An drei Tagen

lernten wir die Hafenstadt an der Südwestküste mit

dem beeindruckenden Tafelberg kennen.

Kapstadt

Die Gegend am Südzipfel des afrikanischen Kontinentes

wurde von verschiedenen Völkern schon in der

Vorzeit besiedelt. Erst später kamen europäische Seefahrer

durch Zufall hierher. Sie befanden sich auf dem

Seeweg nach Indien. Deshalb wird Kapstadt, auch die

„Mutter“ der Städte in Afrika genannt.

Bei schweren Stürmen und meterhohen Wellen war der

berühmte Weltumsegler Bartholomeus Diaz auf der Suche

nach einem Seeweg Richtung Osten. Er entdeckte

am 3. Februar 1488 das Kap der Guten Hoffnung, wodurch

die Entstehung von Kapstadt seinen Lauf nahm.

In der heutigen Mossel Bay strandete Diaz mit seiner

Schiffscrew. Die Entstehung von Kapstadt und die Entdeckung

von Südafrika nahm ihren Lauf.

Am 17. März 2014 gingen wir in der gleichen Bucht, aber

über eine moderene Pier an Bord des Kreuzfahrtschiffes.

Die MSC Sinfonia war für 20 Tage unser Zuhause.

Nachmittags verließen wir Kapstadt mit Kurs auf Namibia.

Den wehmütigen Abschied von der südafrikanischen

Tierwelt erleichterte uns die Schwimmvorführung

der Seehunde, die das Schiff noch ein Stück begleiteten.

Die Ruhe der Seereise ließ das Erlebte in unseren Gedanken

noch einmal Revue passieren. Die unzähligen

Eindrücke der oft bizarren Natur und der vielen Tiere

sowie die von Walter Bösch während der langen Busfahrten

geschilderte Entstehungsgeschichte des Landes

und seine politische Entwicklung konnten sich jetzt ausgiebig

in unserem Gedächtnis verankern.

Kapstadt mit dem berühmten Tafelberg

Es blieb ausreichend Zeit das erlebte in Form von ausgibigen

Notizen zu Papier zu bringen. Das war auch notwendig,

da diese Broschüre erst 7 Jahre später entstand

und ohne Aufzeichnungen und aktuellen Recherchen

nur ein banales Fotobuch entstanden wäre.

2

3


Die Ostindien Kompanie erhielt vom niederländischen

Staat das Handelsmonopol, Hoheitsrechte für Landerwerb,

Kriegsführung und Festungsbau sowie das Münzrecht.

Sie war eines der größten und mächtigsten Handelsunternehmen

zur damaligen Zeit.

Republik Südafrika

Es war das Jahr 1652: Der holländische Seefahrer

Jan van Riebeeck betrat zusammen mit 90 Gefolgsleuten

das südafrikanische Festland. Er sollte

im Auftrag der „Niederländisch-Ostindischen Kompanie“

am Kap der Guten Hoffnung eine feste Station

für die Versorgung der Kompanie-Schiffe mit

Frischwasser und Proviant für die Indien-Passage

errichten.

Seit Ende des 15. Jahrhunderts war die südafrikanische

Küste bereits eine wichtige Zwischenstation

auf dem Weg nach Indien. Abgesehen von ein

paar Ankerplätzen, an denen Tauschhandel mit der

einheimischen Bevölkerung betrieben wurde, gab

es jedoch keine nennenswerten Bemühungen, die

Küste zu besiedeln. Und auch die Holländer hatten

zunächst keine Ambitionen, weiter ins Landesinnere

vorzudringen. Wenige Jahre später sah das Ganze

schon anders aus. Der Stützpunkt verursachte

zu hohe Kosten. Die Bevölkerung der Außenstelle

musste sich möglichst selbst versorgen. Die Kompanie

vergab Land an europäische Siedler, die dort

ihre neue Heimat fanden. Der vermehrte Bedarf an

Weideflächen schürte in den folgenden Jahren erste

Konflikte mit den Einheimischen. Diese wurden entweder

ins Hinterland abgedrängt oder arrangierten

sich mit den Neuankömmlingen. In der Folgezeit

vermischten sie sich mit den Weißen, die Bevölkerungsgruppe

der sogenannten „Coloureds“ entstand.

Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wuchs die kleine

Kapkolonie stetig. In Kapstadt wurden Siedlungsbereich

und Festung kontinuierlich erweitert. 1679

wurde mit Stellenbosch eine zweite Siedlung gegründet.

Immer mehr Menschen kamen nach Südafrika.

Zunächst waren es politisch Verbannte aus

den holländischen Kolonien in Indonesien. Die als

„Kap-Malaien“ bezeichnete Bevölkerungsgruppe

fand überwiegend Arbeit als Handwerker. Wenig

später kamen zahlreiche in Frankreich verfolgte Hugenotten.

Südafrika wurde mehr und mehr zu einem

Völkergemisch.

Anfang des 18. Jahrhunderts erfolgte ein erster

Stopp der Einwanderung aus Europa. Das Land war

zu dicht besiedelt, um noch mehr Menschen aufnehmen

zu können. Stattdessen wurden immer mehr

Sklaven importiert, die auf den Feldern der weißen

Bevölkerungsgruppen arbeiten mussten.

4

5


Zu dieser Zeit entstand eine neue Bewegung von

weißen Viehbauern, die sich immer mehr von der

Kapstädter Zentralverwaltung entfernten und auf der

Suche nach neuem Weideland für ihr Vieh immer weiter

ins Landesinnere vordrangen. Diese „Trekboer“

lebten lieber in Zelten und Planwagen, als feste Siedlungen

zu gründen. Konflikte mit der einheimischen

Bevölkerung waren vorprogrammiert.

Die Kompanie war 1794 bankrott, das nutzten die Engländer

aus und übernahmen ein Jahr später die niederländischen

Stützpunkte am Kap. Sie gliederten die Eroberung

als Kronkolonie in das britische Empire ein. In

den folgenden Jahrzehnten führten die Engländer tiefgreifende

Reformen durch. 1809 wurde die sogenannte

„Hottentotten-Gesetzgebung“ eingeführt. Diese Regelung

erklärte die Ureinwohner zu britischen Untertanen

und beseitigte die Häuptlingsherrschaft.

Mit Inkrafttreten der Verfassung wurde allen

„Nicht-Weißen“ das generelle Wahlrecht aberkannt.

Das 1913 verabschiedete „Eingeborenen-Landgesetz“,

erlaubte den Schwarzen und Farbigen nur

noch in extra ausgewiesenen Gebieten den Kauf eines

Grundstückes oder Landflächen. Nach dem Ersten

Weltkrieg wurden diese Gesetze noch verschärft. Es

wurden auch in städtischen Regionen Wohngebiete

ausschließlich für „Nicht-Weiße“ geschaffen.

In den 1930er Jahren wurden viele Gesetze noch einmal

zu Gunsten der Weißen verändert. Gegen Ende

des Zweiten Weltkriegs lockerte die südafrikanische

Regierung auf internationalen Druck hin zwar einige

der Gesetzgebungen, stand dem wachsenden Selbstbewusstsein

der Schwarzen und vermehrten gewalttätigen

Aufständen nach dem Krieg jedoch ziemlich

konzeptlos gegenüber.

6

Die Buren, wie die alteingesessenen Viehzüchter genannt

wurden, konnten sich mit den Reformen der

Engländer nicht abfinden. Sie sahen sich ihrer Existenzgrundlage

beraubt. Ab 1835 zogen über 10.000 Buren

nach Norden und Nordosten mit dem Ziel, neue

Weideflächen zu annektieren und freie Buren-Republiken

zu bilden. Doch erst 20 Jahre später, nach mehreren

kriegerischen Auseinandersetzungen mit Briten,

Matabele und Zulus, war es soweit. 1854 entstand

zwischen den Flüssen Vaal und Oranje die erste Buren-Republik,

der „Oranje-Freistaat“. Zwei Jahre später

wurde in Transvaal im heutigen Nordosten die „Südafrikanische

Republik“ gegründet.

Der Goldrausch von 1886 führte zu einem enormen Zuwachs

an Ausländern und schon wenige Jahre nach

den ersten Goldfunden lebten doppelt so viele Ausländer

wie Buren in der noch jungen Republik. Dies

führt zu erheblichen sozialen Spannungen, die auch

zu Gewalttaten führte. Die Briten sahen die allgemeine

Sicherheit in den europäischen Kolonien am Kap

gefährdet und versuchten, alle vier südafrikanischen

Kolonien zu einer Union unter britischer Oberhoheit

zusammen zu schließen. Doch die „Südafrikanische

Republik“ unter der Führung Paul Krugers wehrte sich

vehement gegen diese Pläne.

Dies wollten sich die Briten nicht gefallen lassen und

erklärten den beiden Burenrepubliken 1899 den Krieg.

Die Buren waren der militärischen Übermacht der Briten

hoffnungslos unterlegen und mussten 1902 kapitulieren.

Ganz Südafrika stand fortan unter britischer

Oberhoheit.

Paul Kruger

Als Polizisten auf Kinder schossen: Am 16. Juni 1976

gingen in der South Western Township (Soweto) von

Johannesburg Zehntausende von Schülern auf die

Straße. Auf einem Transparent forderten sie: „Schießt

nicht. Wir kämpfen nicht.“ Kurz darauf eröffnete die

Polizei das Feuer. 23 Schüler starben.

Die wachsende Existenzangst eines großen Teils der

weißen Bevölkerung führte in den folgenden Jahren

zu einer immer schärferen Gesetzgebung gegenüber

schwarzen und farbigen Bevölkerungsgruppen,

die unter dem Schlagwort „Apartheid-Gesetze“ in

die Geschichte eingingen. Trotz politischer und wirtschaftlicher

Ächtung Südafrikas in den folgenden

Jahrzehnten, werden diese Gesetze erst 1994 komplett

abgeschafft.

In diesem Jahr fanden die ersten freien Wahlen für

alle Bewohner statt. Endlose Reihen von Menschen

harrten stundenlang vor den Wahllokalen aus, um ihre

Stimme abzugeben. Die Partei ANC (African National

Congress) ging daraus als deutlicher Wahlsieger hervor.

Die 1912 gegründete Partei war von 1960 bis 1990

per Gesetz verboten und seit der Wahl im Jahr 1994

stellt sie die Regierung in der Republik Südafrika.

Nelson Rolihlahla Mandela wurde 1994 der erste

schwarze Präsident Südafrikas. Aber schon vorher

hatte er wichtigen Anteil an der Demokratieentwicklung

in Südafrika und seiner Nachbarländer. Er gilt bis

heute als Symbolfigur für Freiheit und Gerechtigkeit.

Nach dem Motto „Der Kampf ist mein Leben“ setzte er

sich erfolgreich für die Rechte der Schwarzen in Afrika

und gegen die Apartheid ein.

7


Im Kampf gegen die Rassentrennung in Afrika nahm

der Bürgerrechtler Nelson Mandela alles in Kauf,

auch drei Jahrzehnte in Gefangenschaft. Wieder auf

freiem Fuß wurde er Südafrikas erster schwarzer Präsident

und Held einer ganzen Nation.

Sein Zitat: „Auch mit einer Umarmung kann man einen

politischen Gegner bewegungsunfähig machen“

Am 18. Juli 1918 wurde Rolihlahla (übersetzt „Unruhestifter“)

in der Nähe von Mthatha, einer Stadt in Südafrika,

geboren. Im Alter von 19 Jahren begann er zu

studieren. Da seine Universität englischsprachig war,

übersetzte man damals auch seinen Geburtsnamen:

Rolihlahla hieß von nun an Nelson Mandela. Sein Interesse

galt schon immer der Politik. So wollte Nelson

Mandela sich für die Rechte der schwarzen Afrikaner

einsetzen, die zu dieser Zeit gegenüber den Weißen

stark benachteiligt waren.

Die Universitätsleitung hatte ihn wegen politischer Aktivitäten

ausgeschlossen und so arbeitete er eine Weile

als Wachmann, Boxer und Rechtsberater. Per Fernstudium

versuchte Nelson Mandela einen Abschluss in

Jura zu erlangen, konnte aber auch diesen, aufgrund

seiner politischen Aktivitäten nie erreichen.

Mit den Wahlen im Jahre 1948 trat ein Ausnahmezustand

in Südafrika ein. Die sogenannte „Apartheid“

(übersetzt etwa „Absonderung“) schrieb eine strenge

Rassentrennung vor. So durften Weiße und Schwarze

an öffentlichen Orten nicht miteinander sprechen.

Schwarze wurden ausgebeutet und vorwiegend für

schwere Arbeiten eingesetzt. Zudem durften sie ohne

Genehmigung nicht das Stadtzentrum betreten, geschweige

denn die Stadt verlassen. Die meisten hatten

nicht einmal Zugang zu Wasser und Strom.

Nelson Mandela

Mandela als Student

Ein Jahr danach wurde Nelson Mandela zum ersten

schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt.

Er setzte neue Gesetze durch und machte somit der

Apartheid ein Ende. Weiße und Schwarze waren nun

endlich gleichberechtigt und Nelson Mandela ihr Held.

Am 5. Dezember 2013 starb Nelson Mandela nach langer

Krankheit in Südafrika im Alter von 95 Jahren an

einer Lungenentzündung. Auch nach seinem Tod blieb

der berühmte Friedensnobelpreisträger unvergessen.

Ihm zu Ehren wird jedes Jahr am 18. Juli der „Internationale

Nelson-Mandela-Tag“ gefeiert.

Die 9m hohe Statue soll an die Versöhnung erinnern,

die auf Initiative von Mandela wenigstens in den Gesetzestexten

Eingang fand. Vor den historischen „Union

Buildings“, in denen die Amtsräume der Regierung

und des Präsidenten heute noch untergebracht sind,

haben die für eine Umarmung geöffneten Hände mehr

als nur symbolischen Charakter.

Die Republik Südafrika hat 60 Millionen Einwohner, die

Arbeitslosigkeit beträgt zur Zeit 47%, wobei es keine

Kennzahlen für weiße Staatsbürger gibt. Auf Grund

unseren Wahrnehmungen dürfte diese Zahl aber gering

sein. Es gibt noch immer Gegenden, die nur Weißen

vorbehalten sind. Die mit Stacheldraht und Wachdiensten

abgegrenzten feudalen Wohngegenden sieht

man in allen größeren Städten. Die „Townships“, in

denen nach wie vor der Großteil der nicht-weißen Bevölkerungsgruppen

lebt, besteht aus sehr schlichten

Häusern, Baracken oder slumartigen Hütten.

Mandela als Präsident

Nelson Mandela begann, als Vorsitzender des afrikanischen

Nationalkongresses „ANC-Jugendliga“ für

die Rechte der schwarzen Afrikaner zu kämpfen. Wie

Mahatma Gandhi es in Indien vorgemacht hatte, entwickelte

auch Mandela ein Konzept vom friedlichen

Protest. Seine Organisation wurde aber vom Staat verboten

und Mandela durfte das Land nicht verlassen.

Im Jahr 1964 wurde er verhaftet und wegen seiner politischen

Aktivitäten zu einer lebenslangen Haftstrafe

auf der gefürchteten Gefängnisinsel Robben Island

verurteilt. Erst 1990, nach 26 Jahren Gefängnis, wurde

Nelson Mandela mit Hilfe des afrikanischen Staatspräsidenten

Frederik de Klerk freigelassen. Gemeinsam

bekamen beide 1993 für ihren Kampf gegen die Rassentrennung

den Friedensnobelpreis.

Schlafzimmer

Arbeitszimmer

8

9


Mit dem Sonnenaufgang

erreichten wir Walvis

Bay, die Walfischbucht

und den

zweitgrößten Hafen

von Namibia.

Eine vorgelagerte

Sandbank schützt

die Schiffe und dient gleichzeitig zahlreichen Vogelarten,

darunter Flamingos und Pelikanen als Aufenthaltsort.

Vor der Insel, auf der ein großer Leuchturm

die Fahrtroute markiert tummeln sich Delphine, Wale

und Südafrikanische Seebären. Die Bildmontage im

Kreuzfahrt-Terminal weist auf die bunte Tierwelt im Atlantik

hin, zeigt aber auch die Sanddünen, die knapp

hinter der Küste Richtung Osten beginnen. Wir legten

in einem Land voller Gegensätze an. Schade, dass wir

nur 11 Stunden Zeit hatten!

Mit über 800.000 km² ist das Land etwas doppelt so

groß wie Deutschland. Am Beginn der Kolonisierung

um 1880 bewohnten weniger als 200.000 Einheimische

diese von Wüsten beherrschten Landstriche.

Heute noch zählt Namibia mit 2,5 Einwohnern pro km²

zu den am dünnstbesiedelten Ländern der Erde.

Archäologische Auswertungen der Felsmalereien im

Landesinneren beweisen eine Besiedelung bis 4000

Jahre vor Christi Geburt. Allerdings war damals das

Klima feuchter und daher für die Ureinwohner lebenswerter.

Portugiesische Seefahrer gingen 1485 zu ersten

Mal nördlich vom heutigen Swakopmund an Land.

Das öde und scheinbar nutzlose Land fand bei den

Portugiesen kein Interesse.

Jahrhunderte später nahm Deutschland, auf Initiative

des Bremer Kaufmanns Adolf Lüderitz, im Jahr 1884

mit der Erklärung zum deutschen Schutzgebiet das

Land als Kolonie in Besitz. In den folgenden 20 Jahren

wurden dann große Teile des zentralen und südlichen

Namibias nach und nach von deutschen Siedlern in

Besitz genommen. Dieser Prozess wurde organisiert

und unterstützt durch die 1885 gegründete Deutsche

Kolonialgesellschaft für Südwestafrika. Diese holte

Einwanderer aus Deutschland nach Namibia und verkaufte

bzw. verpachtete große Teile des Landes südlich

des 20. Breitengrads an diese Siedler als kommerzielle

Farmen für großflächige Viehzucht.

Mit Ausbruch des 1. Weltkriegs griffen die Auseinandersetzungen

zwischen den Alliierten und dem Deutschen

Reich rasch auch auf Namibia über. Schon im

Juli 1915 musste die zahlenmäßig unterlegene Deut-

10

sche Schutztruppe vor den, von Süden vorrückenden

südafrikanischen Streitkräften kapitulieren. Nach Ende

des Ersten Weltkriegs wurde „Deutsch-Südwestafrika“

durch den Versailler Vertrag von 1919 zunächst Mandatsgebiet

des Völkerbundes, bevor der Völkerbund

1921 Südafrika die Verwaltung Namibias als Treuhandgebiet

übertrug.

Nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte sich auch

in Namibia in der einheimischen Bevölkerung ein immer

stärkeres Nationalbewusstsein sowie das Streben

nach Unabhängigkeit. Insbesondere wurde die Abschaffung

der von Südafrika eingeführten Apartheidsgesetze

verlangt, die nicht-weiße Namibier massiv benachteiligten

und zu Menschen 2. Klasse degradierten.

Es dauerte jedoch bis 1990, dass Namibia vollkommen

unabhängig wurde. Viele Unabhängikeitskriege mussten

geführt werden und die einstige Befreieungsbewegung

SWAPO bildet heute die politische Macht in

Regierung, Verwaltung und Exekutive.

Die Regierung umfasst 25 Ministerien bei 2,2 Mill.

Einwohnern und wird von den Mehrheiten im Parlament

bestimmt. Der Staats-Präsident wird direkt vom

Volk gewählt und hat sehr weitreichende exekutive

Vollmachten.

D

irekt am Hafen wurden wir mit einem einheimischen

Fahrer und seinen VW-Golf für eine 200 km

Rundfahrt handelsein. Die Überlandstraßen sind spärlich

frequentiert, trotzdem wird das 100km/h Limit eingehalten.

Unterwegs einige Stops um Springböcke zu

fotografieren. Diese Tiere verdanken ihren Namen dem

besonderen Fluchtverhalten. Sie springen aus dem

Stand bis zu 3m in die Höhe und erst dann beginnen

sie zu flüchten. Unser Ziel waren die berühmten Wanderdünen.

11


Die Sanddünen bestehen aus buntem reinem Quarzsand

und schimmern in den unterschiedlichsten

Rot-Orange-Tönen. Diese Farbe wird durch das Eisenoxid

im Sand hervorgerufen. Je intensiver das Rot einer

Düne, desto älter ist sie. Die Namibia Sanddünen sind

nicht statisch, sondern verändern sich durch den Wind

ständig. Während sich der Luvseite der Düne ständig

durch den Wind neuer Sand ablagert, rutscht der Sand

an der Leeseite des Dünenkamms ab, die windabgewandte

Dünenseite ist daher immer die steilere.

Zunächst wurde ein 325m langer Landungssteg aus

Holz gebaut, der später durch einen aus Eisen ersetzt

wurde. Die gesamte Versorgung der Kolonie wurde

über Swakopmund abgewickelt. Der renovierte Landungssteg

ist heute, neben der Strandpromenade, ein

beliebter Treffpunkt. 2010 wurden am Beginn des Steges

eine Austernbar und eine Tauchschule errichtet.

Swakopmund

Mit Sand in den Schuhen ging es weiter nach Swakopmund.

Während der Kolonialzeit wurde diese

Küstenstadt von den deutschen Siedlern erbaut. Sie

liegt zwischen Dünen und Wüste in der Nähe der Mündung

des Flusses Swakop.

Heute leben 34.000 Bewohner in der Stadt, die sehr

stark vom Tourismus profitiert. In den Monaten Dezember

und Jänner ist die Hotellerie nahezu ausgebucht.

Das milde Klima lässt auch viele Menschen aus Südafrika

ihren Ruhestand hier verbringen. Das Meer lädt

nicht gerade zum Schwimmen ein, da durch eine kalte

Meeresströmung aus der Antarktis die Wassertemperatur

nicht über 20° C steigt.

Während der Kolonialzeit hatte Swakopmund eine sehr

große Bedeutung als Hafen, obwohl die Bedingungen

alles andere als günstig dazu waren, da die Küstengewässer

viel zu flach waren, es fehlte eine geschützte

Bucht und die Brandung war zu stark. Der Hafen von

Lüderitz war zu weit entfernt und die nahe Walfish Bay

war damals in englischem Besitz. Da die Landung von

Siedlern und Schutztruppen mit Brandungsbooten ein

lebensgefährliches Unterfangen war, wurde unter hohen

Kosten ein künstlicher Hafen angelegt.

12

13


Kelp gehört zur Braun-Algenfamilie und wir finden

große Vorkommen rund um die Südspitze des Afrikanischen

Kontinents. Unzählige Fische genießen

die sicheren Verstecke zwischen den, bis zu 30m langen

pflanzenähnlichen Gewächsen. Durch den hohen

Jodgehalt werden die Algen auch in der Medizin bei

Schilddrüsen-Erkrankungen eingesetzt.

Die Mischung aus deutschkolonialistischem Flair

und einem Hauch Afrika macht Swakopmund zu

einem außergewöhnlichen Ort. Das Zentrum kann

man leicht zu Fuß erkunden, Parkplätze mit ‚Aufpassern

für das Fahrzeug‘ gibt es überall, Trinkgeld ist

obligat. Deutschsprachige Straßennamen und Geschäftsschilder

erinnern an den Beginn des vorigen

Jahrhunderts. Auffallend ist die Sauberkeit, die wir

von unseren bisherigen afrikanischen Besuchspunkten

nicht gewohnt waren. Das führen wir auf die deutschen

Gene zurück. Fast 80% der Einwohner sprechen

Das Kaiserliche Bezirksgericht mit dem Aussehen einer Festung

wurde 1902 erbaut. Das Gebäude diente jahrzehntelang als

Sommerresidenz für hochrangige Regierungsbeamte. Der in das

Mauerwerk integrierte 21m hohe Leuchtturm nahm seinen Betrieb

im Jahr 1910 auf.

heute noch deutsch. Außerhalb der Bezirksgrenzen

von Swakopmund ist das Land von den ursprünglichen

zwölf Volksgruppen bewohnt. Jede dieser Gruppen hat

eine eigene Geschichte, Sprache und Kultur. Als Folge

der jahrelangen Zugehörigkeit zu Südafrika und deren

Apartheid Politik gibt es noch immer eine große Gruppe

von Homeland Bewohnern, die in Baracken ihr bescheidenes

Dasein fristen.

14

15


Es gab ein großes Angebot an Beförderungsmittel.

Autos fahren links, als Reminiszenz an die langjährige

Anbindung zur Südafrikanischen Union, später Republik

Südafrika. Die Verbesserung der Transportwege

wurde schon 1902 mit der ersten deutsch-südwestafrikanischen

Eisenbahnlinie zwischen Swakopmund und

Windhoek vorangetrieben. Diese Schmalspurbahn verkehrt

heute schon ab Walfish Bay über Swakopmund

nach Windhoek.

Am späten Nachmittag erreichten wir wieder den

Kreuzfahrthafen in Walvis Bay und gingen an

Bord. 6 Tage „Erholung auf See“ lag vor uns. Obwohl

das Animationsteam viele Aktivitäten anbot, der Poolbereich

zum Baden lockte und am Anfang das Speisenangebot

noch recht passabel war, fehlte uns eine

Balkonkabine sehr. Es gab aber auf diesem Schiff fast

nur Innen- und Außenkabinen.

Äquator-Taufe

Die Äquator Taufe ist ein weltweit übliches Ritual

von Seeleuten, wenn ein Besatzungsmitglied

oder ein Passagier zum ersten Mal auf See den Äquator

überquert. Sie ist jedoch keine Taufe im religiösen

Sinn. Der Brauch hat seinen Ursprung in der Zeit der

Entdeckungsreisen der Portugiesen, die beim Überschreiten

des gefürchteten Äquators ihren Mut und

ihre Gläubigkeit durch eine Taufe bekräftigen wollten.

Der Täufling wird von einem verkleideten Neptun

„gereinigt“, erhält einen see- oder wetterbezogenen

Scherznamen und bekommt eine Urkunde verliehen.

Während der Reinigung wird der Täufling mit Mehl,

Rasierschaum und anderen Ingredienzien eingeseift.

Manchmal wird auch Alkohol verabreicht. Danach

wird der Täufling gebadet und gereinigt. In der Berufsschifffahrt

ist die Äquatortaufe heute nur noch

selten anzutreffen, aber bei den Kreuzfahrern ist

das ein willkommener Spektakel. Das früher oft

brutale und erniedrigende Ritual dient heutzutage

einfach nur der Unterhaltung.

16

17


D

ie Reinigungscrew musste eine Sonderschicht

einlegen, damit der Poolbereich den Sauberkeitsvorgaben

an Bord gerecht wurde. Auch an diesem

Abend gab es eine Veranstaltung im Theater.

Mit einem Liederzyklus verabschiedeten sich einige

Künstler, da sie am nächsten Tag in Dakar von Bord

gingen. Das Theater war

gut besucht, dafür gab

es im Buffet-Restaurant

genug Platz.

18

19


Dakar

Am nächste Morgen erreichten wir die Hafenstadt

Dakar. Die Hauptstadt von Senegal beherbergt

mehr als 1,2 Mill. Einwohner und liegt am westlichsten

Punkt des Afrikanischen Kontinents auf einer Halbinsel.

Im Jahre 1444 entdeckten portugiesische Seefahrer die

Halbinsel Cabo Verde und erster europäischer Stützpunkt

wurde die Insel Gorée in der Bucht von Dakar.

W

enn auch das Fahrzeug nicht unbedingt europäischen

Normen entsprach, so hatten wir mit

unseren Fahrer einen guten Griff getan. Es brachte uns

zu allen Sehenswürdigkeiten und seine Erklärungen

waren zwar in französisch, aber durchaus verständlich

und ausführlich. Der erste Stopp war beim Marché

Kermel. Die Kermel Markthalle liegt sehr zentral und

dient der Bevölkerung als Nahversorgungseinrichtung.

Europäer würden dort eher nicht einkaufen. Mit seinem

schmiedeeisernen Eingangstor und seinem maurischen

Dekor gilt das Gebäude als eine touristische

Attraktion. 1993 ist die Markthalle bis auf die Außenmauern

abgebrannt. Damals hieß es, ein Blitz habe in

die elektrische Anlage eingeschlagen. Der Markt wurde

nach den Originalplänen wieder aufgebaut.

Zwischen 1580 und 1814 wechselte die Insel fünfzehnmal

den Besitzer: Niederländer, Franzosen und Briten

wechselten sich ab.

Die Stadt Dakar entstand rund um ein französisches

Fort. Sie wurde 1857 gegründet, später Flottenstützpunkt

und dann Hauptstadt der Kolonie Französisch-

Westafrika.

Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert wurden über Dakar

Sklaven nach Nord- und Südamerika, sowie nach Europa

verschifft. In zwei Stufen entließ Frankreich das

Land schließlich in die Unabhängigkeit. 1958 erhielt es

weitgehende Autonomie innerhalb der französischen

Gemeinschaft. Im „afrikanischen Jahr“ 1960 wurde Senegal,

wie fast alle französischen Kolonien, unabhängig.

Das allgemeine Wahlrecht wurde bestätigt.

Dakar hatte 1947 rund 135.000 Einwohner, heute sind

es über 1,2 Millionen.

Schon beim Einlaufen in den Kreuzfahrthafen fiel

uns die lange Kolonne der Ausflugsbusse auf. Wir

beeilten uns von Bord zu kommen, da die Hafenzeit mit

9 Stunden für eine Stadtbesichtigung ohnedies kurz

bemessen war. So waren wir auch bei der Auswahl

unseres Taxis nicht sehr wählerisch.

20

21


Im Sandaga, dem belebten Straßenmarkt, konnten wir mit hartem

Verhandlungsgeschick ein paar Souvenirs ergattern. Bei den vielen

Verkaufsständen erhielt man schnell einen Einblick in die sehr

lebendige Kunstszene der Stadt. Handeln gehört immer und überall,

nicht nur hier, zum Marktalltag. Wer den zuerst genannten Verkaufspreis

nicht unterbietet und zwar um mindestens 50 %, dem

ist nicht zu helfen!

Der Spiegel schreibt in seiner

Ausgabe vom 08.03.2021:

Proteste gegen Präsident

Macky Sall

Nach der Festnahme eines wichtigen

Oppositionellen erschüttern

schwere Unruhen den Senegal.

Enttäuschung über den

Präsidenten macht sich breit,

vor allem die Jugend fordert

Veränderungen. Lange galt der

Senegal als eine der stabilsten

Demokratien Westafrikas und

die Wirtschaft wuchs. Dass der

Zorn der Jugend jetzt so in Gewalt

umschlägt, zeigt die Enttäuschung

in der Bevölkerung über

die Politik. Macky Sall hatte 2012

den greisen Abdoulaye Wade

abgelöst und war mit dem Versprechen

angetreten, der Wirtschaft

zum Aufschwung zu verhelfen

und Vetternwirtschaft und

Korruption zu beenden. Doch

fast zehn Jahre später leidet das

Land noch immer unter massiver

Jugendarbeitslosigkeit, Tausende

sehen keine Perspektive und

entschließen sich zur Migration.

S

enegal ist ein Land zwischen

Moderne und alten Traditionen,

aber auch ein Land mit

gewaltigen wirtschaftlichen Problemen.

Es ist, aus der Sicht der

Jugend verständlich, dass sie

den tristen Zukunftsperspektiven

den Rücken kehren und ihr Heil

in Europa suchen. Wenn man

hört, dass der ehemalige Präsident

Abdoulaye Wade 35% Gewinnbeteiligung

von dem Projekt

African Renaissance Monument

einsackt, dass der Staat, also

das Volk finanziert hat, kommt

ein kritischer Tourist ganz schön

ins grübeln! Laut einem Bericht

aus dem Jahr 2013 wurde dem

Sohn Karim Wade vorgeworfen,

als Regierungsberater während

der Amtszeit seines Vaters ein

Vermögen von umgerechnet 1,38

Milliarden Dollar angehäuft zu

haben. Dieser Betrag entspricht

mehr als ein Viertel des gesamten

jährlichen Staatshaushaltes

von Senegal. Die EU unterstützt

Senegal mit über 200 Mill. € pro

Jahr.

Der Präsidentenpalast wird umgangssprachlich auch

das “Weiße Haus von Dakar” genannt. Die Straße vor

dem Palast ist normalerweise gesperrt, aber unser Fahrer

22

und ein kleines Trinkgeld machten den Weg frei. Der amtierende

Präsident ist der 60-Jährige Macky Sall, dessen

zweite Amtszeit 2022 zu Ende geht.

23


Moschee von Reubeuss

Moschee von Ouakam

Das Außenministerium und das Wirtschaftsministerium

sind in Gebäuden untergebracht, die noch aus

der Kolonialzeit der Franzosen stammen. Von 1895 bis

1960 wehte die französische Trikolore von den Dächern

von Französisch-Westafrika.

Kathedrale

Der älteste Leuchtturm von Senegal,

der im Zentrum des alten

Forts steht, ist schon länger außer

Betrieb. Er wurde vom modernen

Stützpunkt der Marine, direkt an

der Küste abgelöst.

Der Afrikanische Affenbrotbaum

wird bis zu 400 Jahre alt und ist

auch in Dakar so bedeutend, dass

sich die Straßenführung nach den

Bäumen richtet.

Senegal ist ein islamisch dominiertes Land. 90% der

Einwohner bekennen sich zum sunnitischen Islam.

Eine Besonderheit des senegalesischen Islam ist, dass

fast jeder Gläubige Mitglied einer Bruderschaft ist.

24

Das Christentum gelangte bereits mit der Ankunft der

ersten portugiesischen Entdecker in den Senegal. Die

christliche Gemeinschaft stellt eine kleine Minderheit

dar und manifestiert sich in der Kathedrale, die 1936 geweiht

wurde.

25


Das African Renaissance Monument ist mit 49m

die höchste Statue des Kontinents. Die Eröffnung

fand zum 50. Jahrestages der Unabhängigkeit

Senegals im Jahre 2010 statt. In vier Jahren wurde

das Monument von einem nordkoreanischen Bauunternehmen

errichtet. Die Figuren bestehen aus

3cm dicken gegossenen Bronzeplatten. Sie sollten

ein Symbol für die Unabhängigkeit und Zukunft

Senegals sein. Die Bevölkerung kritisierte das

27 Millionen US-Dollar teure Projekt von Beginn

an, obwohl der Architekt ein Landsmann war und

schon viele Projekte in Senegal verwirklichte. Die

Kritiken meinen, dass das Denkmal stark an den stalinistischen

Stil erinnere und die Gesichtszüge der

Familiengruppe kaum afrikanisch seien. Die senegalesische

Hauptreligion ist der Islam, deshalb

verurteilen einige Imame die halbnackte

Darstellung von Mann und Frau. Die

Idee zum Bau stammt vom ehemaligen

Präsidenten des Senegal, Abdoulaye

Wade. Er sicherte durch seinem Anspruch

auf das geistige Eigentum am

Denkmal 35 Prozent der Einnahmen.

A

m späten Nachmittag gingen wir wieder

an Bord und konnten nach dem Ablegen

einen Blick auf Gorèe werfen. Die Insel galt

lange als Symbol für die Verschleppung von

Sklaven über den Atlantik. Bis 1996 wurden

schauerliche Führungen durch das sogenannte

Sklavenhaus gemacht. Wissenschaftliche

Erkenntnisse haben das aber widerlegt.

Insel Gorée

26

27


Vor der Küste war ein französischer Hubschrauberträger

der Mistral Klasse stationiert. Damit

wird die Zusammenarbeit mit der ehemaligen Kolonie

kundgetan. Das Flugdeck ist 6400 m² groß und verfügt

über sechs Landepunkte für Bordhubschrauber.

Bis zu 16 Helikopter finden im Hangardeck Platz und

werden mit Aufzügen auf das Startdeck gehoben. Das

Welldeck (knapp über der Wasseroberfläche am Heck)

kann bis zu vier Landungsboote aufnehmen und im

Laderaum für Fahrzeuge kann ein ganzes Bataillon mit

ihren Fahrzeugen untergebracht werden.

Pünktlich um 18:00 Ortszeit konnten wir den Sonnenuntergang

bewundern, der durch den Wüstensand

ein fast kitschiges Farbenspiel widerspiegelt.

Zwei Tage „Erholung auf See“ lagen vor uns ehe wir in

spanisches Hoheitsgewässer einliefen. Der Hafen Las

Palmas auf der drittgrößten Kanarischen Insel Gran

Canaria war das Ziel. Unser Schiff beherbergte inklusive

Besatzung ca. 2800 Menschen und wir kamen, zum

Unterschied von Kapitän Juan Rejon in friedlicher Absicht.

Die katholischen Könige von Spanien, die schon

lange auf die Eroberung der Kanaren gewartet haben,

schickten ihn 1478 mit ca. 600 Mann um die Insel einzunehmen.

Die Spanier gründeten ein Militärlager im

heutigen Stadtviertel Vegueta. So entstand der Grundstein

der späteren Hauptstadt von Gran Canaria.

Casa de Colón

Kathedrale Santa Ana.

Gran Canaria

Wir nutzten die 10 Stunden Aufenthalt und erkundeten

einen Teil der Insel mit einem Mietwagen

den wir direkt am Hafen erhielten. Die Nähe zum

Äquator beeinflusst das milde und fruchtbare Klima,

das wegen seiner landschaftlichen Vielfalt auch „Miniaturkontinent“

genannt wird.

Unweit vom Kreuzfahrtterminal, im südlichen Teil der

Inselhauptstadt findet sich die Altstadt Vegueta. An

seinen Plätzen reihen sich historische Gebäude wie

das Casa de Colón oder die Kathedrale Santa Ana.

Der Stadtkern ging in die spanische Geschichte ein.

Das Viertel spielte eine wichtige Rolle in der Zeit, als

der amerikanische Kontinent entdeckt wurde. 1492

ging Christoph Kolumbus auf seiner ersten Reise

nach Amerika vor Gran Canaria vor Anker. Das Ruderrad

der Pinta, eine seiner drei Karavellen, war gebrochen

und musste repariert werden. Es wird angenommen,

dass er im Haus des Gouverneurs (Casa de

Colón ) wohnte.

28

29


Der Ausflug in das Landesinnere offenbarte erst die

Schönheit der Insel. Der Naturpark Bandama war

unser Ziel. Viele Gran Canaria Urlauber kennen nur den

Strand und die Poolbar und wissen nicht, was ihnen

entgeht. Unzählige Vulkankrater säumen den Weg zur

höchsten Erhebung der Insel. Mit dem Blick auf Las

Palmas wird man für das mühsame Lenken durch die

vielen Serpentinen belohnt.

Die vulkanische Tätigkeit, die zur Entstehung der

fruchtbaren Landschaft im Inneren der Insel führte, erlosch

vor 120.000 Jahren. Seismologische Bewegungen

sind aber bis heute in Form von geringfügigen Beben

aus großer Tiefe zu spüren.

Die Geschichte der Kanaren beginnt mit deren Entstehung

durch unterseeischen Vulkanismus, der insgesamt

über 36 Millionen Jahre andauerte. Dieser

Zeitraum kann anhand der unterschiedlichen Gesteinsschichten

nachgewiesen werden. Die Inseln sind

durch die Vulkantätigkeit aus dem Meer gewachsen.

Die älteste der Inseln, die vor 22 Millionen Jahren entstanden

ist, zeigt sich mit Fuerteventura, gefolgt von

Lanzarote, Gran Canaria, La Gomera und Teneriffa. La

Palma und El Hierro sind die jüngsten Inseln. Dabei lag

die Zeitspanne zwischen der Entstehung der verschiedenen

Inseln immer Millionen Jahre auseinander.

Bevor die Kanarischen Inseln überhaupt entdeckt waren,

haben sie zu Legenden in der Antike geführt. Sie

waren unbekanntes und sagenumwobenes Land, das

vor der afrikanischen Küste lag und boten die ideale

Grundlage für interessante Orte der griechischen Götterabenteuer.

Auch das versunkene Atlantis wurde mit

den Kanaren gleichgesetzt. Erste Annäherungen an

die Geschichte der kanarischen Inseln finden sich mit

historischen Aufzeichnungen der karthagischen und

griechischen Seefahrer und Geographen in der Zeit

des 5. Jahrhunderts v. Chr.

Als Ureinwohner der Kanaren gelten die Guanchen.

Vereinzelte Zuwanderungen wurden schon etwa 3.000

v. Chr. nachgewiesen. Ein deutlicherer Zustrom der

Menschen mit berberischer Abstammung aus Nordafrika

erfolgte ab 500 v. Chr. auf die Inseln. Die damalige

Lebensart wird, aufgrund der archäologischen Fundstücke,

mit denen der Steinzeitmenschen verglichen.

Bis in das 15. Jahrhundert hinein führten die Altkanarier

ein beschauliches und weitestgehend friedvolles

Leben, die Zahl der Guanchen auf den Kanaren lag zu

dieser Zeit bei etwa 60.000. Dies änderte sich, als die

Spanier von den Inseln Besitz ergriffen und die Ureinwohner

sukzessive ausrotteten.

30

Auch im Gemeindegebiet von Santa Lucia gab es

schon vor der spanischen Eroberung einige Siedlungen

der Ureinwohner. Die letzten Einheimischen

zogen sich vor den spanischen Truppen in ein Gebiet,

südöstlich der Insel zurück. In der so genannten Festung

von Ansite, einem Felsen der auf fast allen Seiten

senkrecht einige Hundert Meter herausragt verteidigten

sich die letzten Übriggebliebenen. Diese wurden

aber von den spanischen Truppen ausgehungert und

mussten sich schlussendlich ergeben. Die Anführer

stürzten sich, der Sage nach, von den Felsen um nicht

in die Hände der Spanier zu fallen.

Nach der Eroberung wurde das Land verteilt und man

ging daran das Land zu bebauen. Als erstes, wie überall

auf Gran Canaria, wurde in den Ebenen Zuckerrohr

angebaut. Die Zuckerindustrie brachte bis Ende des

16. Jahrhunderts Reichtum ins Gebiet.

Santa Lucia wurde 1815 gegründet. Anfang des 20.

Jahrhunderts wurden hier in großen Stil Tomaten gezüchtet.

Das ging so weit, dass praktisch auf alle Flächen

angebaut wurde und die Gegend zum wichtigsten

Tomatenanbaugebiet auf Gran Canaria wurde.

Die Iglesia de Santa Lucia wurde 1905 gebaut

und mit ihrer

imposanten Kuppel

ähnelt die Kirche einer Moschee.

Erst beim Anblick

der Fassade und

im Innenraum kann man die

Glaubens- richtung richtig

zuordnen.

Die neu gestalteten Kirchenfenster zeigen Szenen aus

der Zeit der spanischen Eroberung.

D

ie Skulptur „Großmutter mit Enkelin“ vor der Kirche

wurde 2011 vom kanarischen Bildhauer Victor

Navarro Guedes geschaffen. Mit dieser Skulptur ehrt

die Stadtgemeinde Santa Lucia die Großmütter, Erzählerinnen

der Weisheiten und Geschichten, sowie

Mittelpunkt der Familien.

(Freie Übersetzung der Gedenktafel)

31


Nach der Rundfahrt beendeten wir den schönen

Tag in Las Palmas. Die Hauptstadt der Insel ist vor

Santa Cruz auf der Insel Teneriffa die einwohnerstärkste

Kommune der Kanarischen Inseln. Ein natürliches

Riff schützt den Strand direkt vor der Stadt und nur etwas

außerhalb kommen die Surfer auf ihre Rechnung.

Der Name Las Palmas bedeutet aus dem Spanischen

übersetzt „die Palmen“. Dieser Name entstand bereits

bei der Gründung der ersten Siedlung im Jahr 1478. Der

Ort wurde „Vegueta“ (übersetzt „die Wiese“) genannt.

Da diese Wiese von Palmen umgeben war, entstand

der Name Las Palmas de Gran Canaria.

Der Mercado de Vegueta ist der bekannteste und älteste

Markt in Las Palmas. Er findet in einer Art Halle

statt, in der sich verschiedene Gassen durch die kleinen

Verkaufsstände ziehen. Hier versorgen sich die

Einheimischen mit frischen Produkten aus dem Meer

und von den Bauern der Umgebung.

In den Seitengängen waren Fliesenbilder zu bewundern.

Diese Technik stammt eigentlich aus Portugal

und wurde dort zur Perfektion entwickelt. Es ist anzunehmen,

dass Handwerker aus diesem Land hier tätig

waren.

Die Kathedrale Santa

Ana ist die größte Kirche

des Kanarischen Archipels.

Mit ihrem Bau wurde

bereits im Jahr 1497

begonnen. Bis zur Fertigstellung

dauerte es dann

über 400 Jahre.

Daher vereinen sich

in der Kirche verschiedene

Baustile.

32

33


Nach dem Ablegen konnten wir während des Sonnenuntergangs

noch einmal einen Blick auf Las

Palmas werfen. Ein erlebnisreicher Tag ging zu Ende.

Das Schiff nahm wieder Kurs auf die afrikanische Küste.

Casablanca in Marokko war das Ziel, aber vorher

war noch „Erholung auf See“ am Programm. Die Crew

bemühte sich mit Obst- und Gemüseschnitz-Vorführungen

sowie mit Biergartenromantik die aufkommende

Langeweile zu bekämpfen.

Am Abend gab es im Theater einen Vortrag über

die Schiffstechnik, da die neuen Showkünstler erst

wieder in Civitavecchia zustiegen. Dementsprechend

leer war das Theater und da half auch nicht, dass der

Hoteldirektor die Bingo-Verlosung dort abhielt.

Der Vortrag war für technisch Interessierte annehmbar.

Wir erfuhren, dass die gesamte Energie des Schiffes

durch fünf Diesel-Generatoren mit insgesamt 68

MW (92.500 PS) erzeugt werden. Der Antrieb mit zwei

Schiffsschrauben erfolgt mittels Elektromotoren in den

um nahezu 360° drehbaren Außenborderteil mit dem

Propeller. Das Schiff hat kein Ruder im herkömmlichen

Sinn, sondern wird durch Drehen der Außenborderteile

gelenkt. Das erfolgt durch starke Elektromotore, die

vom Steuermann bedient werden. Übrigens, das Steuerrad

ist kein Rad mehr, sondern ein Joystick.

Täglich wurden 800 bis 1200 m³ sauberes Süß-Wasser

an Bord mit zwei Methoden erzeugt:

1. Die ältere ist die Wassererzeugung durch Verdampfen.

Das Seewasser verdampft und der Dampf wird anschließend

wieder kondensiert. Damit die Beheizung

mit der Abwärme des Motorkühlwassers erfolgen kann,

wird die Verdampfung bei Unterdruck durchgeführt.

Der Dampf wird auch für die Beheizung der Kabinen

und Warmwasseraufbereitung verwendet. Es kommen

auch Filter- und Entkeimungsanlagen zum Einsatz.

2. Da auf Passagierschiffen der Trinkwasserverbrauch

sehr hoch ist, werden oft leistungsfähige Umkehrosmoseanlagen

eingesetzt. Eine Pumpe erzeugt den notwendigen

Druck auf das salzige Meerwasser, um die

reinen Wassermoleküle durch das Membran zu pumpen.

Die gelösten Salze, Kalk und organischen Bestandteile

werden aufgrund ihrer Größe vom Membran

gefiltert und mit der Druckumkehr ausgespült.

34

Sauerkraut

Schweinsripperl Puttenwürstel

Toastschinken / gemischtes

Undefinierbares

Der angegebene Lebensmittelverbrauch pro Woche

traf auf unserem Schiff sicher nicht zu. In meinem abschließenden

Statement werde ich noch näher darauf

eingehen.

35


Casablanca bedeutet auf Deutsch „Das

Weiße Haus“ und ist die größte

Stadt Marokkos. Sie liegt südlich der

Hauptstadt Rabat direkt an der Atlantikküste.

Es leben in der Region über

7,2 Millionen Menschen und damit

gehört die Region Casablanca zu den

dicht besiedelten Gebieten des Landes.

Die Großstadt ist das wichtigste Handelsund

Industriezentrum Marokkos und gleichzeitig

der größte Hafen Nordafrikas.

Casablanca wurde von den Karthagern gegründet und

hieß damals noch Anfa. In Laufe der Jahrhunderte gab

es wechselnde Herrscherverhältnisse in dieser Gegend.

Muslimische Berber-Dynastien gründeten einen

wichtigen Umschlagplatz für Getreide. Solange das zu

ihrem Vorteil geschah, duldeten die Clans aber auch

Piraten Stützpunkte in den geschützten Buchten von

Anfa. Die Portugiesen, denen die Piraten öfters ihre

Handelsschiffe aufbrachten, versuchten wiederholt die

Stadt einzunehmen. Erst im Jahr 1575 wurde die Stadt

von Don Ferdinands besetzt und erhielt den Namen

Casa Branca. 180 Jahre lang beherrschten die portugiesischen

Seefahrer dieses Gebiet, bis ein starkes

Erdbeben die Stadt verwüstete und die Besetzer abzogen.

Im Laufe einiger Jahrzehnte baute der Berber-Sultan

Muhammad bin Abdallah die Infrastruktur wieder

auf. Er versah die Stadt mit einer theologischen Schule,

öffentlichen Bädern und einer Moschee. Gegen Mitte

des 19. Jahrhunderts schließlich ließen sich spanische

Händler in der Stadt nieder und nannten sie Casablanca.

Die Einwohnerzahl wuchs im Jahr 1900 auf 20.000.

Die Moschee Hassan II wurde anlässlich des 60. Geburtstags

des alten marokkanischen Königs Hassan II.

im Jahr 1993 eröffnet. Sie ist die fünftgrößte Moschee

der Welt und bietet Platz für 25.000 Personen.

Das Minarett ist mit 210 Metern Höhe

das höchste religiöse Bauwerk in Afrika.

Die nach dem Vater des heutigen Königs

Mohamed VI. benannte Moschee war von

Anfang an umstritten. Zuerst war die Begeisterung

groß, für den König ein solches

Bauwerk zu errichten, aber die Kosten liefen

den Erbauern davon. Es kam soweit,

dass sogar eine Steuer für die Finanzierung

eingehoben wurde. 25.000 Arbeiter

und 10.000 Handwerker arbeiteten sechs

Jahre lang an der Fertigstellung.

36

Casablanca

Der ganze Komplex wurde von einem französischen

Architektenteam geplant und erstreckt sich über

90.000 m². Der Standtort in unmittelbarer Nähe zur

Atlantikküste auf einer kleinen Anhöhe, sowie in einer

Linie zwischen Hafen und Leuchtturm erlaubten eine

Realisierung mit besonderen Perspektiven. Die Gebetshalle

hat eine Dachkonstruktion die sich öffnen lässt

und eine Fußbodenheizung. Ein grüner Laserstrahl

weist in der Nacht die Richtung nach Mekka. Ein Glasboden

in einem Bereich der Moschee gibt den Blick auf

das Meer frei. Die Grundstrukturen wurden aus Beton

hergestellt und mit Mosaikelementen aus Marmor und

Fliesen verziert. Die Decken wurden mit Zedernholz,

aus dem Mittleren Atlas stammend, verkleidet. 56 Glas-

Kronleuchter zieren die Ornament-Holzdecken. Die

Baukosten betrugen 700 Millionen US-Dollar.

Casablanca wurde mit dem gleichnamigen Film

für immer unsterblich gemacht, hat aber mit dem

Filmklischee nichts gemein. In den diversen Reiseführern

wird die Stadt zwar die modernste Metropole Marokkos

genannt, aber diese Einordnung war nicht mit

europäischen Maßstäben zu messen. In den Basaren

und Märkten herrschte orientalische Farbenvielfalt und

eine in jeder Hinsicht betörende Duftwolke begleitete

uns Besucher. Neben hunderte Jahre alter nordafrikanischer

Tradition war das Straßenbild und das Alltagsleben

ebenso von Jugend und moderner Art Deko geprägt.

Zwar war hier alles ein bisschen größer als zum

Beispiel in Rabat, der Hauptstadt von Marokko, aber

nicht nur die Straßen, Hotels und Verwaltungsgebäude,

sondern auch die Slums und die Armut.

37


Palma de Mallorca

Durch die Meerenge von Gibraltar gelangten wir

vom Atlantik in das Mittelmeer. Die MSC Sinfonia

brauchte 40 Stunden für die Strecke Casablanca >

Mallorca. Am Vormittag legten wir im Hafen von Palma

an. Schon vom Schiff aus konnten wir das Wahrzeichen,

die gotische Kathedrale Sa Seu erkennen.

Die günstige zentrale Lage der Insel und die lang gezogene

Bucht nutzten schon die Römer 120 vor Christi.

Sie nannten die Siedlung Palmeria, nach dem damals

sehr begehrten Siegespalmzweig.

Aber die Römer waren nicht die ersten, die hier siedelten.

Bereits während der Bronzezeit gegen 1.300 v.Chr.

gab es in der Bucht die Siedlung eines kriegerischen

Volkes, wie Funde aus dieser Zeit bezeugen. Nach

dem Zusammenbruch des Römischen Reiches folgte

eine Zeit der wechselnden Herrscherverhältnisse.

Vandalen, Byzantiner und Seeräuber eroberten und

plünderten die Balearen.

Erst mit der Herrschaft der

Mauren (ab 903 n.Chr.) erlebte

Palma unter dem Namen

Medina Mayurqa einen

Zeitraum großer Blüte.

Die Christen kämpften, wie

auf dem spanischen Festland,

längere Zeit gegen

das nordafrikanische Berbervolk.

Erst 1229 eroberte

der aragonische König

Jaume I. die Insel für die christlichen Katalanen. Sein

Nachfolger und Sohn ließ aus Dankbarkeit das Wahrzeichen

der Stadt erbauen, die Kathedrale Sa Seu.

1983 wurde Palma de Mallorca zur Hauptstadt der

Autonomen Region der Balearischen Inseln erklärt.

38

Das Castell de Bellver, das über der Stadt thront und

die Befestigungsmauern mit dem Wassergraben rund

um den alten Stadtkern zeugen von der bewegten

Vergangenheit.

39


Die Kathedrale La Seu wurde anstelle der ehemaligen

arabischen Hauptmoschee erbaut. Der Bau

begann im Jahr 1230, ein Jahr nach der Vertreibung der

Mauren. Die Stelle an der die Kathedrale erbaut wurde,

ist nicht von ungefähr gewählt. Der Bau thront auf

einer Anhöhe mit freien Blick auf die Meeresbucht und

immer wieder kann man aus der Geschichte ersehen,

dass neue Herrscher mit anderer Konfession die alte

Glaubensrichtung, durch Überbauen und Zerstören der

vorherigen Sakralbauten, auszulöschen versuchten.

Erst 400 Jahre später wurde der letzte Schlussstein

gelegt und somit der Bau des Kirchenschiffs abgeschlossen.

Das Gesamtbauwerk wurde jedoch erst im

19. Jahrhundert fertig gestellt. Ein Erdbeben zerstörte

im Jahr 1851 große Teile der Kathedrale. Der Wiederaufbau

und die Renovierungsarbeiten wurden ganz im

Zeichen der Zeit im neugotischen Stil vorgenommen.

Das entsprach aber nicht dem Wesen der ursprünglichen

Domkirche. Um den Urzustand wieder herzustellen,

wurde der katalanische Architekt Antoni Gaudi im

Jahr 1902 beauftragt, den gotischen Stil der Kathedrale

wieder herzustellen.

Die Kathedrale wurde zum größten Teil aus Sandstein

gebaut und gilt bis heute als eines der wertvollsten

gotischen Bauwerke in ganz Spanien. Sie ist 110 Meter

lang und 33 Meter breit, das Hauptschiff erreicht eine

Höhe von 44 Metern. Das Innere der Kathedrale umfasst

eine Fläche von etwa 6600 m². Das Gewölbe wird

von 14 Säulen getragen.

Beeindruckend ist das, mit einem Durchmesser von

12,55 Meter große Facettenfenster an der Ostfassade

mit über 1200 bunten Glasstücken. Morgens, wenn das

In den 60iger Jahren wurde der Parc de la Mar mit seinem

künstlichen See und einer Fontäne in der Mitte

direkt unterhalb der Kathedrale angelegt. Die Wasserfläche

erinnert an die ursprüngliche Lage der Kirche

direkt am Meer. Der Park lädt besonders in den Abendstunden

zwischen den Blumenarrangements und den

modernen Skulpturen zum Verweilen ein.

40

Sonnenlicht durch die farbenprächtige Rosette der Ostfront

fällt, wird das gesamte Kircheninnere in ein buntes Farbenmeer

getaucht.

Die imposante Orgel ist das Werk des Mallorquiners Gabriel

Tomás und stammt aus dem 18. Jahrhundert. Sie wurde zuletzt

1993 restauriert. In dem 1932 gegründeten Museum im

Glockenturm sind sakrale Kostbarkeiten zu sehen, wie Silberschmiedearbeiten

und goldene Monstranzen von einer

alten Sakristei umgeben.

Westlich der Altstadt befindet sich das Spanische

Dorf, Pueblo Espanol. 22 interessante Nachbauten

von bedeutenden spanischen Gebäuden sind in

einer Art Freilichtmuseum zu besichtigen. Mit diesen

Bauwerken hat sich der spanische Architekt Fernando

Chueca Goitia einen Traum erfüllt.

Die Nachbauten sind Paläste, Kirchen oder Häuser, die

nicht nur aus verschiedenen Regionen, sondern auch

aus verschiedenen Zeitepochen stammen.

41


Das Projekt wurde 1967 auf einer Fläche von 26.000

Quadratmetern realisiert. Die Anlage ist von einer Mauer

umgeben und es entsteht der Eindruck, sich in einer

mittelalterlichen Stadt zu bewegen. In einigen Gebäuden

sind kunsthandwerkliche Läden untergebracht. In

den kleinen Räumen kann man den Künstlern bei der

Arbeit zusehen und Souvenirs erwerben.

Mallorca mit seiner Hauptstadt Palma hat zu Unrecht

einen Ruf, der sich auf den Ballermann beschränkt.

Die Insel lockt mit herrlicher Landschaft, dem

milden Klima, mit seiner spanisch-balearischen Kultur

und der Gastfreundschaft seiner Bewohner.

Wir konnten die „La Rambla“ von Palma nur am späten

Nachmittag genießen. Übersetzt heißt das „Straße zum

Meer“ und hier ist diese Flaniermeile 330m lang. Fast

alle am Meer gelegenen spanischen Städte haben eine

Rambla, die durch Gastronomie, lebenden Statuen,

Straßenmusikanten, Obst- und Blumenläden belebt

werden. Am Abend legten wir ab und das nächste Ziel

war Ajaccio auf der Insel Korsika.

Ajaccio Korsika

Die Römer beherrschten die Insel Korsika bereits

um 1600 vor Christus. Nach dem Zerfall des Römischen

Reichs konnten die Korsen ihre Insel längere

Zeit selbst verwalten, bis der Anspruch der Genuesen

immer stärker wurde. Die Kaufleute aus Genua betrieben

in diesem Teil des Mittelmeers regen Handel mit

ihren Schiffen und der Hafen von Ajaccio wurde 1350

von den streitbaren ligurischen Seeleuten eingenommen.

Immer wieder gab es Aufstände und Bürgerkriege

und 1754 erklärten die Einheimischen ihre Unabhängigkeit.

Diese Freiheit währte nicht sehr lange, da die Genueser

die Insel ohne Einbindung der Korsen an Frankreich

verkauften. Gegen diese militärische Übermacht

war die junge Demokratie machtlos und seit 1768 ist

die ganze Insel ein Teil Frankreichs. Trotz Sonderstatus,

als Franzosen fühlen sich die Korsen bis heute nicht.

Bereits in der Antike gab es auf den Hügeln eine Römersiedlung

mit Namen „Adiacum“ aus dem sich der

heutige Stadtname herleitet. Trotz ihrer günstigen Lage

am Golf konnte sich Ajaccio nicht richtig entwickeln

und war ein relativ unbedeutender Außenposten. Bis

in die Mitte des 16. Jahrhunderts lebten nur ligurische

und toskanische Adelsfamilien in Ajaccio, da den Korsen

das Siedlungs- und Aufenthaltsrecht in der Stadt

verwehrt war. Als Ajaccio an Frankreich fiel, wurde von

den Franzosen die Festung ausgebaut und die Stadt

für die Korsen geöffnet. 1793 wurde Ajaccio Hauptstadt

der damaligen Provinz Liamone und im Jahr 1811 unter

Napoleon die Hauptstadt von Korsika.

Ajaccio ist mondäner und französischer als die anderen

Städte der Insel und auch die Lebensart der Bewohner

ist offener und gelassener als anderswo. Zahlreiche

Cafés und Restaurants beleben den Stadtkern.

42

Der Hafen von Ajaccio wird nicht nur von Kreuzfahrtschiffen

angelaufen, auch viele Fährschiffe vom französischen Festland

legen hier an. Der Jachthafen ist Ausgangspunkt für viele

Segeltörns. Eine 8-köpfige Crew vom NCA aus Graz legte

hier 1981 an Bord der Orient Express, einem Katamaran mit

24m Länge für einen 14 tägigen Törn durch das Tyrrhenische

Meer ab. Die Route führte damals bis nach Sizilien.

43


Berühmtester Sohn der Stadt war und ist bis heute

Napoleon Bonaparte, dessen Denkmäler man

auf allen Plätzen begegnet und dessen Name in vielen

Straßennamen und Schildern allgegenwärtig ist.

Das kommt nicht von ungefähr. Er stammte aus einer

korsischen Familie und trat knapp vor der Französischen

Revolution in die Armee ein. Dort erwies er sich

als ein großes militärisches Talent. Vor allem die siegreichen

Feldzüge in Italien und in Ägypten machten ihn

populär. Dieser Bekanntheitsgrad und die Annerkennung

ermöglichte ihm, nach dem Staatsstreich im Jahr

1799, zunächst als einer von drei Konsuln, die Macht in

Frankreich zu übernehmen. Zunächst bis 1804 als Erster

Konsul der Französischen Republik und anschließend

bis 1815 als Kaiser der Franzosen stand er einem

Diktator-Regime vor.

Das Palais Fesch wurde von Kardinal Joseph Fesch,

einem Onkel Napoleons, der ein Kunstsammler

und Mäzen war, errichtet. Im Gebäude befindet sich

das gleichnamige Museum mit etwa 1200 Gemälden

aus der privaten Sammlung des Gründers. In den zwei

Seitenflügeln des Palastes fanden wir die Bibliothek,

mit sehr wertvollen alten Bänden und einer großen

Auswahl an Literatur über Korsika. Mehr als 30.000 Bücher

sind hier zusammengetragen.

Rechts oben das Napoleon-Denkmal mit einer Lorbeerkranz

bekrönte Reiterstatue. In der rechten Hand

hält er eine Weltkugel und ist von Statuen seiner vier

Brüder Joseph, Lucien, Louis, Jerome umgeben.

Die Napoleonstatue „Statue de Napoléon Empereur

Romain Fontaine des 4 lions“ wurde 1850 anlässlich

des 29. Todestages des wohl berühmtesten Korsen

in der Altstadt aufgestellt. Sie zeigt Napoleon als Ersten

Konsul gekrönt mit einem römischen Siegeskranz.

Die 4 Löwen dokumentieren den unerschütterlichen

Machthunger des 1769 in Ajaccio geborenen Korsen.

Das Denkmal von Joseph Fesch rechte Seite. Er war

ein französischer Geistlicher, Halbonkel Napoléon Bonapartes

und Erzbischof von Lyon und Kardinal.

Die Zitadelle von Ajaccio wurde von 1492, damals noch

unter der Herrschaft von Genua, bis 1793 unter den

Franzosen, laufend erweitert und verstärkt. Sie sollte

vor allem Angriffe von der Seeseite abwehren. Durch

den sechseckigen Grundriss mit sechs Bastionen war

die Festung nahezu uneinnehmbar.

44

Im gleichen Gebäude befindet sich die „Chapelle Impériale“,

in der viele Mitglieder der Familie Bonaparte begraben

sind. Napoleon III. hat hier 1857 ein Mausoleum

errichten lassen. In der kreisrunden Krypta ruhen einige

Familienmitglieder, darunter die Eltern Napoleons

und sein Onkel und Museumsgründer Kardinal Joseph

Fesch.

Durch die engen Gassen strebten wir wieder dem

Kreuzfahrtpier entgegen. Das Ablegen um 20:00 Uhr

war planmäßig. Von Deck aus, konnten wir den Feuerschein

von einem Waldbrand ausmachen. Regelmäßig

kommt es auf der Insel zum Ausbruch von Bränden.

Zum Teil werden die Feuer gelegt um Bauland oder

Weideland zu gewinnen. In trockenen Perioden weitet

sich das oft zu großen Umweltkatastrophen aus.

Für die nächtliche Durchfahrt zwischen Korsika und

Sardinien, durch die Straße von Bonifacio, war

Starkwind prognostiziert. Alle Decks wurden gesperrt

und die Mannschaft musste Liegestühle, Tische und

Barutensilien verzurren und sicher verstauen. Die Vorsichtsmaßnahme

erwies sich als richtig, da während

der Durchfahrt eine Windstärke von 9 Beaufort herrschte.

Die Windgeschwindigkeit betrug in den Böen immerhin

bis zu 100 km/h. Ein Gutes hatte der Kurs, wir

fuhren mit der Windrichtung, dadurch schwächte sich

die Wirkung etwas ab.

45


Civitavecchia

Die Hafenstadt Civitavecchia

liegt

etwa eine Stunde von

Rom entfernt. Viele

Passagiere nutzten

die wenigen Stunden

um in die italienische

Hauptstadt zu fahren.

Die preiswerteste

Variante wäre mit

dem Zug gewesen,

der direkt in das Zentrum

von Rom um ca.

€ 10,00 hin und retour fuhr, die bequemste war, einen

Ausflug um € 125,00 inklusive Führung am Schiff zu buchen

und die schnellste Möglichkeit bot das Taxi, um

€ 300,00 hin und retour für 2 Personen. Es gab auch

am Terminalausgang Anbieter, die mit Minibussen kleine

Gruppen die 85 km nach Room chauffierten. Einen

Fixpreis wollten die „Kundenwerber“ nicht nennen, wir

sollten zuerst einsteigen und die Anzahl der Mitfahrer

bestimme den Preis. Seriös klang das nicht.

Uns erschien der Aufwand für ungefähr 5 Stunden

Rom-Besichtigung unverhältnismäßig. So verbrachten

wir einen ruhigen Vormittag auf dem fast leeren Schiff

und danach beschäftigen wir uns mit Civitavecchia.

Wir wollten das 1535 fertig gestellte Fort Michelangelo

besuchen. Das Gebäude wurde aber von

der Hafenbehörde genutzt und war nicht für Besucher

frei gegeben. Wir erhielten nur eine kleine Infobroschüre,

in der Papst Julius II als Auftraggeber für den Bau

genannt wurde. Der Bau soll notwendig gewesen sein,

da viele Geistliche im Auftrag der Kirche Roms von hier

aus, ihrer missionarischen Tätigkeit in der ganzen Welt

nachkamen. Der Hafen stand damals unter dem Schutz

des Vatikans.

Im Stadtzentrum trafen wir auf eine große Schar von

Kindern, die auf den Einlass in das Tajan Theater warteten.

Eine Kindertheatervorstellung stand auf dem Programm.

Das Traditionshaus wurde schon 1786 etabliert

und erfuhr eine bewegte Geschichte, bis es 1999 nach

21-jähriger Renovierung als Städtisches Theater wieder

eröffnet wurde.

Der Markt ist, wie in allen italienischen Städten, neben

der Nahversorgung das Zentrum der Kommunikation.

Kleine Bars und Lokale sind im angrenzenden Bereich

angesiedelt. Wir widerstanden den Verlockungen aber

durch Kenntnis eines Imbisslokals in einer kleinen Seitengasse.

Die Enoteca Sebastiani antica Salumeria zog

uns magisch an. Herrliche Spezialitäten aus der Region

gibt es hier. Da die Küchenqualität auf unserem Kreuzfahrtschiff

sehr zu wünschen ließ, aßen wir uns quer

durch das Angebot. Die 174 Jahre alte Familien-Tradition

des Lokals wird von zwei Schwestern weitergeführt.

https://www.enotecasebastiani.it/

46

Die typische Hafenstadt ist überschaubar. Eine Kirche,

eine Zitadelle, ein Theater, zwei Märkte und unser

Lieblingsimbisslokal. Wir waren schon mehrmals hier.

Am Weg vom neuen

Terminal zum Stadtkern

kommt man an

der Kirche Di San

Francesco vorbei. In

den Beschreibungen

wird sie als Kathedrale

bezeichnet, was aber

nur wegen dem Sitz

des Bischofsstuhls gerechtfertigt

erscheint.

Auf den Überresten

einer kleinen Franziskanerkirche

errichtet,

wurde der Sakralbau

1782 fertiggestellt. Das

heutige Aussehen erhielt

die Kirche 1950.

Nach dem Ablegen wurde der letzte Teil der Route

Richtung Genua in Angriff genommen. Es gab schon

seit einigen Abenden kein brauchbares Showprogramm

und deshalb sollte dieser Abend den Unmut

der Passagiere besänftigen. Die Künstler stiegen offensichtlich

erst in Civitavecchia zu.

47


Die neue Theater-Crew gab sich große

Mühe und die Darbietung des Medleys

mit Kostümen und Liedern aus dem

Musical Cats war gelungen. Die beiden

Akrobaten waren Weltklasse. Die alte Annimations-Crew

verabschiedete sich.

Leider gab es auf dem MSC Schiff Sinfonia in Bezug auf Information,

Schiffsqualität und Speisenangebot eine herbe Enttäuschung.

Viele der Mitreisenden werden, so wie wir, nicht mehr bei

der MSC Reederei eine Kreuzfahrt buchen. Während der 20-tägigen

Seereise wurde am Schiff dauernd repariert, die Speisen waren

zum Großteil tiefgekühlte Fertigprodukte, die tägliche Bordzeitung

war eine Verkaufswerbebroschüre ohne Informationswert und die

deutschsprachige Reiseleiterin vollkommen desorientiert. Resümee:

Die Rundreise durch Südafrika funktionierte bestens. MSC hat aber

mit dieser Kreuzfahrt eine Reise zur Gewinnmaximierung organisiert

und wir befürchten, dass dies der neue Trend bei den Reedereien ist.

48

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine