Kunst-Projekt "Liebe in Zeiten der Corona"

wolfgang.ruske

Liebe in Zeiten der Corona
„Liebe ist…“ singt Nena. In einer Zeit beschränkter Kontakte,
Abstandsregeln, Masken, verbotener Umarmungen und
Ausgangssperren werden die Menschen auf sich selbst zurück geworfen. Was bleibt als Verbindung? Die Liebe, und zu diesem Thema wurden alle eingeladen – Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren – Liebe kreativ auszudrücken: als gezeichnetes oder gemaltes Bild, als Collage, Fotografie, als Text, Gedicht oder als Kurzgeschichte. Die Werke sind in ihrer Kreativität umwerfend. Der Name des Projekts ist eine Spielerei mit dem Titel des Romans Die Liebe in den Zeiten der Cholera „El amor en los
tiempos del cólera“ des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez.
Die Reihenfolge der Abbildungen erfolgt sozusagen nach einem „Zufallsprinzip“, um die Gleichwertigkeit der Werke zu betonen. Das Copyright aller Werke bleibt bei den Künstler:innen und Autor:innen.

Liebe ist...



Liebe in Zeiten der Corona

„Liebe ist…“ singt Nena. In einer Zeit beschränkter Kontakte,

Abstandsregeln, Masken, verbotener Umarmungen und

Ausgangssperren werden die Menschen auf sich selbst zurück

geworfen. Was bleibt als Verbindung? Die Liebe, und zu diesem

Thema wurden alle eingeladen – Kinder, Jugendliche, Erwachsene

und Senioren – Liebe kreativ auszudrücken: als gezeichnetes

oder gemaltes Bild, als Collage, Fotografie, als Text, Gedicht oder

als Kurzgeschichte. Die Werke sind in ihrer Kreativität umwerfend.

Der Name des Projekts ist eine Spielerei mit dem Titel des

Romans Die Liebe in den Zeiten der Cholera „El amor en los

tiempos del cólera“ des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers

Gabriel García Márquez.

Die Reihenfolge der Abbildungen erfolgt sozusagen nach einem

„Zufallsprinzip“, um die Gleichwertigkeit der Werke zu betonen.

Das Copyright aller Werke bleibt bei den Künstler:innen und

Autor:innen.

Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Kultur und

Wissenschaft Nordrhein-Westfalen.


Inhalt: Seite - Urheber:in - Alter

1 Barbara Herrmann, 60

6 Erika Wildtraut, 81

7 Barbara Herrmann, 60

8 Roswitha Gierling, 54

9 Eray Börtecene, 75

10 Anonym

11 Heinz Daniels, 76

12 Anonym

13 Bärbel Schoor, 67

14 Anonym

15 Friedhelm Kötter, 68

16 Beate Krempe, 55

17 Waleed Ibrahim, 55

18 Susanne Genz, 36

19 Leni Genz, 6

20 Roswitha Gierling, 54

21 Gesine, 51, und Martin Lersch, 66

22 Georg Blank, 57

23 Elena Mikhaylova

24 Anonym

25 Anonym

26 Brigitte Schneider, 66

27 Brigitte Schneider, 66

28 Manfred Gotthardt, 82

29 Angelika Ries, 68

30 Peter Jansen, 51

31 Wolfgang Ruske, 73

32 Anonym

33 Wiebke Lesch und Romuald „Romek“ Bugalski

34 Joachim L. Bähr

35 Katharina Ihlefeld, 59

36 Anonym

37 Anni, 5

38 Kilian Rademacher, 64

39 Horst „Hotte“ Jungbluth, 79

40 Jenny Pettelkau, 42

41 Jenny Pettelkau, 42

42 Inge „Chibilla“ Wagner, 67

43 Wolfgang Hamacher, 64

44 Anonym

45 Anonym

46 Wolfgang Ruske, 73

47 Doris Helfer, 32

48 Leni Genz, 6

49 Magdalena Boochs, 8

50 Erika Wildtraut, 81

51 Christiane, 41, und Noa Kählert, 6

52 Antje Vonderheide, 59

53 Brigitte Schneider, 66

54 Magdlen Gerhards, 68

55 Magdlen Gerhards, 68

56 Magdlen Gerhards, 68

57 Friedhelm Kötter, 68

58 Anonym

59 Anonym

60 Wolfgang Ruske, 73

61 Wolfgang Ruske, 73

62 Eva Daners, 14

63 Anonym

64 Brigitte Schneider, 66

65 Alice Müller-Bonsack, 58

66 Roswitha Gierling, 54

67 Steffi, 55

68 Denise, 37, und Marie Kumpf, 6

69 Denise, 37, und Marie Kumpf, 6

70 Paco Strux, 34

71 Ines Siri Trost, 53

72 Anonym

73 Anonym

74 Anonym

75 Christiane Kählert, 41

76 Bernhard Heese, 69

77 Friedhelm Kötter, 68

79 Ernst Neugebauer, 69

80 David, 12

81 Leander, 11

82 Joachim L. Bähr

83 Katharina Ihlefeld, 59

84 Maria, 54

85 Stephanie Mund, 52

86 Alisha, 15

87 Dominik, 10

88 Joachim L. Bähr

89 Katharina Ihlefeld, 59

90 Junes, 10

91 Melina, 11

92 Ulrike Göttlich, 66 (Text) - Hilla Baecker, 67 (Bild)

93 Jutta Chrisanth, 64

94 Friedhelm Kötter, 68

95 Roswitha Gierling, 54

96 Willi Arlt, 66

97 Robert Jordan, 68

98 Marie Kumpf, 6

99 Denise Kumpf, 37

100 Ulrike Göttlich, 64 (Text) - Bernhard Heese, 69 (Bild)

101 Paula Schmauks, 17

102 Marion Kuhlmann, 71

103 Nike, 8

104 Heike Daners, 52

105 Lena Daners, 17

106 Monika Schön, 64

107 Katharina Ihlefeld, 59

108 Ulrike Göttlich, 66 (Text) - Katharina Ihlefeld, 59 (Bild)

109 Ernst Siegfried „Ziggy“ Schöning, 69


110 Maria-Lenssen-Berufskolleg Gemeinschaftsarbeit mit:

111 Martina Kupka, 41 (Leitung)

Fatma Arif, 34

Kai Franke, 24

Salwa Franso Yousif, 32

Jessica Gerhardt, 37

Nadine Höffels, 40

Sarah Hofmeister, 28

Meftune Inesi-Dede, 30

Birte Kneitz, 38

Daniela Köpp, 31

Stefanie Kraft, 40

Sarah Lempert, 27

Anette Leven, 55

Pia Möritz, 24

Melanie Nagel, 45

Yvonne Nöthlings, 25

Fidan Piskin, 45

Daniela Salerno, 42

Natascha Schiffer, 30

Jacqueline Schütz, 34

Sylvia Wacker, 55

Ginger Weiß, 29

Rachel Willems, 28

112 Ida Kneitz, 11

113 Paula Maria Boochs, 8

114 Gisela Stotzka, 61

115 Paula Maria Boochs, 8

116 Anonym

117 Nicole Wirtz, 41

118 Jutta Chrisanth, 64 (Text) -Brigitte Böckels, 61 (Bilder)

119 Brigitte Schneider, 66

120 Sean Piere, 12

121 Maksim, 13

122 Brigitte Böckels, 61

123 Katharina Ihlefeld, 59

124 Luzi Mathilde Weidmann, 6

125 Elmedina, 10

126 Annette Fitzen, 68

127 Fadila, 13

128 Paula Maria Boochs, 8

129 Ildikó Naszvadi, 55

130 Veit Lindau, 51 (Genesis 2021)

131 Monika Otto, 59 (Bild) - Wolfgang Ruske, 73 (Eingebung)

132 Sandra Giersch, 49

133 Sandra Giersch, 49

134 Baghira (Text) - Bianca van Dijk (Bild)

135 Christina von Dreien, 18

136 Impressum


Erika Wildtraut

6


Barbara Herrmann

7


Die Liebe

Als die Liebe die Welt betrat, verfolgte sie kein Ziel. Die Erde mit ihrer Schönheit und ihrer reinen

Atmosphäre, war der Ort, zu dem sie sich gerne den Weg bannte. Sie spürte die Vielfalt

der Pflanzen, der Tiere und das Wasser war ursprünglich und rein. Der Himmel und die Atmosphäre

klar und vollkommen. Die Berge glichen großen Vulkanspitzen mit riesigen kraftvollen

Felsen. Mit diesem Ursprung der Erde, kam die bedingungslose Liebe, zu allem was ist.

Es war die Verbundenheit zu allem Sein. Nichts wurde in Frage gestellt. Alles und jeder, sei

es Mensch, Tier oder Pflanzen liebten einander, waren wertschätzend zueinander und stellten

nichts in Frage. Es gab kein Hass, kein Neid, keine Missgunst, keine Habgier, nichts Böses

auf der Erde. Der Mensch war noch feinstofflich und seines Schöpfergeistes bewusst. Was er

sich wünschte geschah. Da alles miteinander verbunden war, achtete jeder aufeinander und vor

allem auf die Natur und die Tiere. Es gab Nahrung für alle. Niemand tötete Tiere. Alles Leben

auf der Erde existierte im völligen Einklang miteinander. Es war für alle ein Paradies auf Erden.

Die bedingungslose Liebe, die Verbundenheit mit der Quelle allen Seins war ursprünglich

überall zu spüren. Doch dann kam die Dunkelheit. Sie war nicht von Gott gewollt, aber es geschah.

Es war nicht die Bestimmung aber sie zog ein und mit ihr das Böse, der Neid, die Habgier,

alles Schlechte. Es war der Beginn der Dualität. Der Mensch trat ein in die Dualität und

in die Materie. Die Feinstofflichkeit verschwand immer mehr. Mit der Dunkelheit kam auch die

Angst und mit ihr verdunkelte sich zunehmend die Sicht des Menschen. Sein Blick zur ursprünglichen

Welt verschwand. Der Schleier des Vergessens breitete sich immer mehr unter der

Menschheit aus. Nur einige wenige Lichter, derer die den Blick niemals von der Liebe Gottes,

von ihrem Ursprung abgewandt hatten und derer die ihn zurück ins Licht fanden, kannten

allen Ursprung, kannten die bedingungslose Liebe und hatten die Verbindung zu allem, was

ist.

Möge das Licht der Schöpfung, die bedingungslose Liebe zu allem was ist wieder einkehren, in

alle Herzen der Menschen und Tiere und Einzug halten in die Natur. Mögen alle Menschen ihren

Weg zurück zu dieser bedingungslosen Liebe wiederfinden. Die Hoffnung kommt zurück,

auf dass die Erde zu einem lichtvollen Planeten erstrahlt mit Liebe, die allgegenwärtig, bedingungslos

und ursprünglich ist.

Roswitha Gierling

8


Eray Börtecene

9


Anonym

10


Daniels

11


Anonym

12


Eines Tages sagte die Liebe zur Freundschaft:

Wozu existierst du überhaupt, wo es doch mich gibt?

Und die Freundschaft sprach:

Weil ich fähig bin, dort ein Lächeln zu zaubern, wo du Tränen hinterlässt!

[aus Spanien]

Bärbel Schoor

13


Anonym

14


Friedhelm Kötter

15


Beate Krempe

14


Waleed Ibrahim

14


Susanne Genz

18


„Liebe ist da wenn du sie brauchst“

Leni Genz

19


Roswitha Gierling

20


Gesine und Martin Lersch

18


Georg Blank

22


Elena Mikhaylova

23


Anonym

24


Anonym

25


Brigutte Schneider

26


Brigitte Schneider

27


Manfred Gotthardt

28


Angelika Ries

29


Geist

Ein Verstand der ruht und die Geschicke lenkt,

ein Herz das lacht und immer für Dich denkt,

das wünsche ich Dir heut voller Lebenskraft,

gemeinsam beides ein erfülltes Leben schafft.

Herz und Verstand über Deine Seele stets verwandt,

das Innen und auch Aussen als Einheit Dir bekannt.

Männlich und auch weiblich gemeinsam in Dir vertraut,

die Dualität als Ganzes als Fundament erbaut.

Wie Oben als auch Unten, als Entsprechung Du begreife,

Ursache und Wirkung, führen verantwortlich zur Reife.

Schwinge ein im Rhythmus, des Lebens stets im Fluß,

dies schenkt Dir die Einheit, mit einem zarten Kuss.

Alle Schöpfung ist nur geistig, halt Dich daran fest,

weil es Dich mit Gedanken Dein Leben erschaffen läßt.

Das ist hier das Ziel, Du mußt nichts mehr werden,

einfach nur Sein, dies im Himmel hier auf Erden.

Lasse die Zwänge los, sei zu Dir gerecht,

Liebe muss nicht perfekt sein, sondern für Dich echt.

Peter Jansen

31


Grüne Göttin

Zwischen den Seen,

wo Schneeeule und Rabe sich paaren,

in den Ruinen vergessener Zeiten,

schwarz und weiß, weiß und schwarz,

umschlingt der herbe Duft alten Efeus

wie ein homöopathisches Aphrodisiakum

die Angst vor dem Unmöglichen.

Der Tanz der Vögel

weist den Weg zur Schattenwelt.

Die Steine der Druiden sind vergessen,

doch die schöne Zauberin

verhext den Fremden mit gälischer Magie.

Ihr Löwenkopf leuchtet

im Schein göttlichen Feuers,

doch verboten ist es, sie zu küssen.

Ich kenne die Namen der Sterne

im Süden und Norden.

Der Dudelsack quäkt aus dem Pub

die Melodie des Weisen.

Töne, welche die Menschen

zum Lachen, Weinen, Sterben bringen.

Derweil da draußen drei Halunken

den zotteligen Alten rempeln.

Zu spät, sie hättens besser nicht getan!

Der Weise hebt die Hände

und gibt die Zeichen und Symbole

schwarzmagischer Verwünschung.

Der Wirt indessen weiß,

unter welchen Hügeln die Feen leben.

Die große Göttin Eire

lebte neun Monate im Schoß der Hexe

verborgen hinter Holunderbüschen

im Zwischenland der Träume.

Sonnenfeuer über dem Hügel,

der Schatten des Selbst auf den Steinen,

träumt der Stier der sieben Schlachten

von der Wirklichkeit des Glücks.

Ich liebe dieses grüne Land,

ich liebe diese grüne Göttin!

Wolfgang Ruske

32


Anonym

32


Wiebke Lesch und Romuald „Romek“ Bugalski

33


Joachim L. Bähr

34


Katharina Ihlefeld

35


Anony,m

36


Anni

37


Kilian Rademacher

38


Die Liebe

Die Liebe ist

ein Himmelreich

mit einem Marterpfahl.

So grenzenlos,

doch Kerker gleich

und nie ganz ohne Qual.

Mal ist sie Katz, mal spielt sie Maus,

löst Jubel oder Tränen aus,

kann Feuer oder Eisberg sein,

macht riesig und macht klein.

In Schönheit ist sie gern zu Haus,

die andern lässt sie gern mal aus,

dringt in so manch bewohntes Herz,

bringt Kummer nur und Schmerz.

Und wer im Alter endlich weiß,

wie kühl sie sein kann und wie heiß,

gelernt hat mit ihr um zu gehn,

den lässt sie oft im Regen stehn.

Horst „Hotte“ Jungbluth

39


Jenny Pettelkau

40


Jenny Pettelkau

41


Wer noch der Stenografie kundig ist, wird das große Spiel der vielen Worte der Liebe erkennen; für alle anderen: im LIEBESGEFLÜSTER, so

der innere Kern des Bildes und stark hervorgehoben, ist alles erlaubt, was der Liebe entspringt und lebendig wird.

Inge „Chibilla“ Wagner

42


Wolfgang Hamacher

43


Anonym

44


Anonym

45


Geträumt?

Eine schöne Frau, dachte Raphael so bei sich, aber es lag eine gewisse Traurigkeit

in ihr, als sie ihm gegenüber vor dem Schreibtisch saß. Jetzt erfuhr der Verleger

auch, warum Vanessa Blank ihm unbedingt ihr Manuskript persönlich übergeben

wollte. „Ich kannte ihre Frau“, sagte sie unvermittelt, „und in ihren Sohn war ich

mal verliebt. Er war eine Klasse über mir auf dem Gymnasium.“ „Oh“, entfuhr es

Raphael, „das ist ja interessant!“ Offen begann er seine Familiengeschichte zu erzählen,

dass er schon seit einigen Jahren geschieden war, was seine Kinder machten…

„Wollen wir uns duzen?“ fragte er zwischendurch. „Ja, gern“ antwortete

Vanessa. Raphael hatte großes Vertrauen zu dieser Frau, die er zum ersten Mal

bewusst wahrgenommen hat, nein, es war mehr als das – er fühlte eine innere

Verbundenheit, so als würden sie sich schon ein Leben lang kennen. Aber auch

das gab den Zustand nicht wider, er, der Schriftsteller und Verleger fand nicht die

richtigen Worte. Vanessa schien es ähnlich zu gehen. Über das Manuskript sprachen

sie nur kurz, dann erzählte Vanessa aus ihrem Leben, und es fanden sich erstaunliche

Gemeinsamkeiten und Synchronizitäten. Auch Vanessa war total offen.

„Was ich dir erzählt habe, weiß nur meine Freundin“, sagte sie, „und nicht einmal

alles. Ich muss sie nachher unbedingt anrufen und ihr von unserer Begegnung

erzählen – ich habe das Gefühl, wir wären Seelengeschwister.“ „Wer weiß, in

welchen Vorleben wir schon miteinander zu tun hatten“, meinte Raphael. Beide

standen auf und umarmten sich lange, und beiden liefen die Tränen die Wangen

herunter. Zuhause angekommen schickte Vanessa eine Mail an Raphael: „Ich bin

beflügelt nach Hause gegangen!“ und er antwortete ihr: „Nur Engel haben Flügel

– jetzt weiß ich, wer mich besucht hat.“

Wolfgang Ruske

46


Doris Helfer

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Leni Genz

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Magdalena Boochs

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Erika Wildtraut

50


Christiane und Noa Kählert

51


Antje Vonderheide

52


Brigitte Schneider

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...und doch Liebe

Lisa saß mal wieder vollkommen frustriert auf ihrem Sofa. Sie schaute nach

draußen und sah einen grauen Himmel, aus dem dicke Regentropfen gegen das Fenster

klatschten. So ein Mist, dachte sie und nippte weiter an ihrem Kaffee. Ich habe

es so satt, jeden freien Tag hocke ich hier alleine in meiner Wohnung und schlage die

Zeit tot. Freundinnen habe ich auch keine außer Britta, aber die sitzt in ihrem Urlaubsparadies.

Bilder von Palmen, das türkisfarbene Meer und ein herrlicher Sandstrand

konnte ich auf dem Foto, das sie mir über WhatsApp. schickte, erkennen. Es ist

wieder Sonntag, und ich bin allein, das ist ein riesiger Mist. Mürrisch öffnete sie ihren

Laptop und surfte auf verschiedenen Seiten. Gestern, so erinnerte sie sich, bekam

ich eine Reklame im Fernsehen mit über eine Partnerschaftsagentur, ob ich so etwas

einmal probieren soll?, ging es ihr durch den Kopf. Wie hieß die noch? Lisa überlegte

angestrengt. War das nicht irgendetwas mit Paar...? Menschenskind mein Gedächtnis!

schimpfte sie mit sich selbst. Sie surfte weiter und gab Paarvermittlung ein. Zack

ploppten ein paar Agenturen auf. Sie schaute sich einige an und deren Modalitäten.

Bald schloss sie ihren Laptop, um alles sacken zu lassen. Sie musste über die Bedingungen

nachdenken und auch abwägen, ob sie sich überhaupt auf so etwas einlassen

sollte.

Zur gleichen Zeit saß Knut vor seinem Laptop. Auch er litt unter seiner Einsamkeit.

Alle Versuche, eine Frau, die ihn akzeptieren würde, zu finden, scheiterten. Ich

versuche es jetzt über eine Partnerschaftsagentur, machte der Mann sich selbst Mut.

Er schlug eine viel besuchte Seite auf. Zunächst schaute er sich die Bedingungen

an. Die sagten ihm zu, und somit meldete er sich an. Nun musste er sehr viele Fragen

beantworten, was ihm schwerfiel. Er gab sein Alter an und seinen Vornamen.

Bei Hobbys gab er an, dass er gerne Ski lief. Außerdem schrieb er, dass er begeistert

Inliner fuhr. Zum Schluss erklärte er, dass er gerne und viel las. Danach stellte er ein

Bild von sich ein, darauf war nur sein Kopf zu sehen. Wenn eine Frau sich für ihn

interessierte, schaute sie in braune ausdrucksstarke Augen. Das dunkle volle Haar war

leicht gewellt und fiel in sein Gesicht. Seine Nase war gut proportioniert und passte

zu seinem sinnlichen Mund. Ein interessantes Gesicht. In Ruhe las er seine Angaben

noch einmal durch, bevor er das Formular auf den Weg brachte. Mal sehen, ob sich

jetzt eine Frau bei mir meldet.

Abends holte Lisa ihren Laptop wieder hervor und startete entschlossen die Anmeldung

bei der Agentur. Jetzt trug sie sich mit allen Daten ein. Danach schickte sie ihre

Angaben auf die Reise. Anschließend setzte sie sich vor den Fernseher, um sich abzulenken.

Später am Abend checkte sie noch einmal ihre E-Mails. Lisa staunte nicht

schlecht, als zehn Männer auf ihre Anmeldung reagierten. Sie schaute sich die einzelnen

Kandidaten genau an. Die meisten verwarf sie sofort, aber zwei Männer interessierten

sie. Darum schrieb sie den beiden Kandidaten zurück. Vorsichtig formulierte

sie ihren Text.

Lieber Unbekannter, ich freue mich über deine Antwort. Ich selbst bin sechsundzwanzig

Jahre alt und arbeite in einer Buchhandlung. Darum sind Bücher für mich lebenswichtig,

außerdem tanze ich für mein Leben gern. Ich würde mich freuen, etwas von

dir zu hören. Diese Mail schickte sie ab und ging ins Bett, denn das Sortieren der

Zuschriften hatte einige Zeit verschlungen.

In der Mittagspause des nächsten Tages wagte sie erneut einen Blick auf ihre E-Mails.

Beide Männer antworteten ihr. Svens Schreiben trudelte als erstes ein, darum öffnete

Lisa dies auch zuerst.

Hallo Unbekannte, ich freue mich, dass du mir geschrieben hast. Ich arbeite bei einer

Magdlen Gerhards

54

Entsorgungsfirma in Dortmund. Mit deinen Hobbys kann ich nicht viel anfangen,

aber ich hoffe, du interessierst dich für den Fußball. Zu jedem Heimspiel gehe ich

ins Sta-dion, dort treffe ich meine Kumpels und wir feuern unsere Mannschaft an.

Bei Auswärtsspielen treffen wir uns immer bei meinem Kumpel Werner, der kann

alle Spiele im Fernsehen sehen. Bücher lese ich nie, den Quatsch brauche ich nicht.

Aber tanzen kann ich. Außerdem lebe ich seit dem Unfalltod meiner Eltern in meinem

Elternhaus. Aber das kannst du alles sehen, wenn wir uns treffen.

Lisa traute ihren Augen nicht, als sie das alles las. Was ist das für ein Mensch? Er

liest nicht, Fußball rangiert für ihn an erster Stelle, das darf nicht wahr sein! Außerdem

geht er von einem Treffen bei sich zu Hause aus, empörte sich Lisa. Aber dann

dachte sie kurz nach. Ok, Fußball ist für ihn wichtig, tanzen kann er auch und er lebt

in einem Haus, was augenscheinlich ihm gehört. Vielleicht sollte ich ihm eine Chance

geben.

Nun öffnete sie die zweite Mail, diese schickte ihr ein Mann, der Knut hieß.

Mal sehen, was der zum Besten gibt, startete sie neugierig mit der E-Mail.

Liebe Unbekannte,

ich freue mich riesig, dass du dich auf mein Profil gemeldet hast. Danke! Ich arbeite

als Informatiker in einer Firma in Düsseldorf, wo ich auch wohne. Dort lebe ich

in einer Eigentumswohnung. Ich bin unverheiratet, was ich sehr bedaure und hoffe,

auf diesem Weg eine Frau zu finden, die mich so akzeptiert wie ich bin. Bücher sind

meine ständigen Begleiter. Welche liest du gerne? Ich bevorzuge Krimis, aber auch

Biografien von berühmten Leuten. Zuletzt las ich das Buch von Barak Obama. Ich

fand das sehr interessant. Über solche Themen würde ich mich gerne austauschen.

Beim Tanzen muss ich leider passen, das werde ich nie können. Schade! Kannst du

Ski laufen oder fühlst du dich auf Inlinern sicher? Ich würde mich riesig freuen,

wenn wir in Kontakt bleiben. Melde dich bitte! Knut.

Diese Mail sprach sie mehr an, aber Papier ist geduldig. Sie war ratlos und vermisste

ihre Freundin Britta in diesem Moment. Ich schreibe beiden noch einmal, mal sehen

wie sie reagieren, überlegte sie. Doch das erledigte sie erst, als sie zu Hause war.

Nach dem Abendbrot schrieb sie an Sven:

Hallo Sven, du scheinst den Fußball sehr zu lieben. Hattest du schon mal eine Freundin,

was sagte sie zu deiner Leidenschaft? Ich weiß, dass bei einem Spiel zweiundzwanzig

Mann hinter einem Ball herlaufen und versuchen müssen, ihn ins Tor zu

schießen, aber das war es dann auch schon. Wo und mit wem tanzt du? Wo wohnst du

in Dortmund? Ich freue mich, wenn du mir antwortest.

Diese Mail schickte sie direkt ab. Nun überlegte sie, wie sie Knut antworten sollte. Er

lag ihr mehr, vor allem wegen seiner Buchbegeisterung. Das mit dem Tanzen das war

schade, aber das konnte jeder mit ein bisschen Willen lernen, tröstet sie sich. Darum

formulierte sie an Knut:

Lieber Knut, deine Mail hat mich sehr berührt, denn die Passage über deinen Lesehunger

fand ich toll. Ja, das Buch von Obama ist wirklich sehr interessant. Darüber

würde ich gerne deine Meinung hören. Raffiniert geschriebene Krimis lese ich sehr

gern. Das mit dem Tanzen bedauere ich sehr, aber was nicht ist, kann man lernen. Auf

Skiern habe ich noch nie gestanden, das ist hier im Rheinland auch schwierig. Mit

Inlinern fahre ich im Sommer sehr gerne. Ich habe das Glück, ländlicher zu wohnen,

so dass ich auf asphaltierten Wegen laufen kann. Vielleicht ergibt sich das für uns im

Sommer. Ich freue mich, bald noch mehr von dir zu hören. Bis dahin Lisa.


Sven las die Worte und dachte sogleich: Au Backe, die hat keine Ahnung vom Fußball.

Außerdem will die wissen, was frühere Freundinnen gesagt haben zu meiner

Leidenschaft. Ruck zuck tippte er seine Antwort in seinen Laptop.

Hallöchen Unbekannte, du willst wissen, wie andere Frauen das mit dem Fußball

fanden? Meine Ex ist deswegen ausgezogen. Die konnte meine Kumpels nicht ertragen.

Genau wie ich, rauchen die, und dass man `en Bierken zum Spiel trinkt, ist doch

klar. Aber sie sah das anders! Schade, aber das funktionierte nicht zwischen uns. Die

Kumpels von mir sind auch bei der Müllabfuhr beschäftigt, da lechzt man nach `nem

leckeren Bier am Abend. Andere Freundinnen konnte ich nicht finden, darum habe ich

mich bei dieser Partnervermittlung eingetragen. Siehste für uns eine Chance? Bis dann

Sven.

Er drückte den Button zum Absenden und schon war die Antwort auf dem Weg zu

Lisa. Da die noch am PC saß, öffnete sie voller Spannung diese Mail. Zwei Mal las sie

die Worte von Sven, danach stand für sie fest, der ist bestimmt nicht der Mann, der zu

mir passt. Sofort antwortete sie Sven.

Hallo Sven, mir fällt es schwer, dir zu sagen, das mit uns wird nicht klappen. Ich mag

keinen Fußball, keinen Raucher und auch nicht Freunde, die rauchen. Ich hoffe, es haben

sich bei dir noch andere Frauen gemeldet, bei denen du mehr Glück hast. Mach es

gut, Lisa.

Lisa schickte schnell die E-Mail ab und machte einen dicken Haken hinter den Namen

Sven. Nun blieb nur noch Knut. Bei ihm hörte sich alles Vielversprechender an. In

dem Augenblick traf von Knut das nächste Schreiben ein:

Liebe Lisa, ich bin glücklich, wenn ich von dir etwas höre. Ja, einen Austausch über

die Bücher fände ich toll. Mit den Inlinern fahren, das verbindet uns. Gut, im Rheinland

klappt es tatsächlich äußerst selten mit dem Skifahren, aber wenn man in den

Bergen ist, gibt das ein Gefühl von Freiheit. Nur mit dem Tanzen, dass wird niemals

funktionieren. In welcher Buchhandlung arbeitest du? Darf ich danach fragen? Ich

würde gerne eine Empfehlung für ein neues Buch von dir erfahren. Darf ich sagen,

dass ich gerne das lesen möchte, was du mir rätst. Dein Profilbild finde ich wunderschön.

Ich glaube, wenn du mich siehst, wirst du dich abwenden. Für heute habe ich

genug geschrieben. Ich freue mich, von dir zu hören, dein Knut.

Der Mann fieberte der Antwort von Lisa entgegen. Alles, was er bis jetzt gehört oder

gelesen hatte, gefiel ihm außerordentlich gut. Gab es für sie beide eine Zukunft?, ging

es ihm durch den Kopf. Er wünschte sich dies sehnlichst.

Lisa öffnete erwartungsvoll die Mail. Knut ging ihr nicht aus den Gedanken. Gierig

las sie, was er geschrieben hatte. Dann tippte sie sofort in den Laptop die Antwort. Bereitwillig

schrieb sie, wo die Buchhandlung lag und verriet Buchtitel, die sie gut fand.

Vorsichtig geworden, fragte sie nach dem Fußball in seinem Leben. Auch das Rauchen

interessierte sie sehr nach der Aussage von Sven. Schnell schickte sie die Mail ab.

Am anderen Ende wartete Knut schon auf die Antwort von Lisa. Endlich wusste er, in

welcher Buchhandlung er Lisa finden konnte. Die Fragen nach dem Rauchen und dem

Fußball beantwortete er schnell, denn beides spielte in seinem Leben keine Rolle.

Am nächsten freien Tag suchte er die Buchhandlung auf, in der Lisa arbeitete. Knut

betrat das Geschäft und stellte fest, dass mehrere Mitarbeiter dort beschäftigt waren.

Gott sei Dank trugen sie Schilder, auf denen der Name stand. Es dauerte etwas, bis er

Lisa fand. Schnell sprach er sie an, nachdem sie eine Dame fertig bedient hatte. Ihm

gefiel, wie sie sich um alle Wünsche kümmerte. Jetzt war sie frei: „Guten Tag, ich

suche ein Buch für mich.“ Lisa bemerkte vor sich einen Mann, der kleinwüchsig war.

Der Kopf, woher kenne ich das Gesicht, überlegte sie, aber ihr fiel niemand ein, zu

Magdlen Gerhards

55

dem das Gesicht passte. „Welche Art Bücher lesen Sie denn gerne?“ „Das ist unterschiedlich!

Gute Krimis, aber auch Biografien interessieren mich.“, erklärte Knut.

„Dann schauen wir mal, was ich im Regal habe. Haben Sie das letzte Buch von Barak

Obama gelesen?“ „Ja, das hat mich begeistert. Vor allem seine Ehrlichkeit!“ In dem

Augenblick fiel es Lisa wie Schuppen von den Augen. „Du bist Knut. Du korrespondierst

mit mir regelmäßig. Mein Name ist Lisa.“ „Ich weiß, darum wollte ich dich

treffen. Magst du mit mir nach der Arbeit irgendwo ein Glas Wein trinken?“, fragte

vorsichtig der Kleinwüchsige. Gespannt wartete er auf eine Antwort. Sie zögerte,

dann sagte sie zu. Nachdem Feierabend für sie war, wartete er vor dem Laden. Lisa

war auf Abstand bemüht, denn es war schon komisch, einen Mann vor sich zu haben,

der um einiges kleiner war, als sie selbst. Lisa schlug ein Bistro vor, das direkt um die

Ecke lag. Als Knut am Tisch saß, fiel der Unterschied nicht mehr so auf. Das entspannte

Lisa enorm. Zunächst schleppte sich die Unterhaltung dahin. Doch dann packte

Knut den Stier bei den Hörnern und erklärte: „Ist es ein großer Schock für dich, mich

so zu sehen, wie ich bin? Verstehst du nun, warum ich niemals tanzen werde? Ich

bin mein Leben lang wegen meiner Figur gehänselt worden. Einen richtigen Freund

fand ich nie, geschweige denn eine Frau. Sicherlich kannst du mir vorwerfen, dass

ich nicht ganz ehrlich war wegen meines Körpers. Aber ich wollte einmal in meinem

Leben als Mann wahr genommen werden. Denn der bin ich. Meine Körpergröße

verhindert nicht, dass ich wie ein erwachsener Mann denke und fühle.“ Lisa wusste

zunächst nicht, was sie antworten sollte. Doch eigentlich verstand sie den gestraften

Mann. Das Leben kann wirklich grausam sein! Vorsichtig antwortete Lisa, bemüht,

dass sie Knut nicht verletzte. „Ich glaube, ich verstehe, was du meinst. Wenn ich ehrlich

bin, bist du der einzige Mann, der mich interessiert hat. Ich dachte, ich könnte mit

dir auf Augenhöhe, oh entschuldige, ich meinte nicht deine Größe, Gespräche führen.

Aber genau, das ist das, was ich nicht will. Jedes Wort auf die Goldwaage legen zu

müssen und noch einiges mehr.“ Traurig schloss sie ihre Worte, aber es ging ihr so

viel durch den Kopf. Am liebsten wäre sie aufgestanden und geflüchtet. Doch das

verdiente Knut nicht, was sollte sie machen, wie sich verhalten. Sie saßen noch etwas

zusammen, ehe sie sich verabschiedeten. „Lisa, gibst du mir vielleicht eine Chance?

Sehe ich dich noch einmal wieder? Ich will dich nicht drängen, aber ich wünsche es

mir von ganzem Herzen.“ „Ich verstehe, was du sagst. Ich muss nachdenken und kann

dir nichts versprechen und werde keine falschen Hoffnungen machen. Ich melde mich

auf jeden Fall, damit du weißt, was für mich der zukünftige Weg ist. Entschuldige bitte,

aber ich will ehrlich sein. Tschüss!“ Schnell drehte sie sich um und floh förmlich

von Knut. Bedröppelt stand der Mann auf dem Bürgersteig. Tief im Innersten rechnete

er mit dieser Reaktion. Andererseits war er froh, dass Lisa endlich wusste, was mit

ihm los war.

Lisa wollte nichts sehen und nichts hören. Sie war fix und fertig. Hätte sie doch nur

auf einem Bild bestanden, bei dem sie den ganzen Körper sehen konnte. Doch auf

die Idee, dass der Mann etwas zu verbergen hatte, wäre sie nie gekommen. Aber das

stimmte ja nicht, sie hatte die Andeutungen nur nicht verstanden. Mit einer riesengroßen

Packung Pralinen bewaffnet, verzog sie sich in ihr Bett. Wäre doch Britta

hier, mit ihr könnte ich über diesen ganzen Schlamassel reden. Endlich dachte ich,

ich hätte das große Glück gefunden und dann das! Sie stellte den Fernseher an in der

Hoffnung, dass sie abgelenkt würde.

Am nächsten Tag, vollkommen durch den Wind, denn in der Nacht hatte sie keinen

Schlaf gefunden, schellte es Sturm. Es dauerte eine Zeit, bis sie feststellte, dass das

Geräusch von der Türklingel kam. Sie stolperte förmlich aus dem Bett und betätigte

den Türdrücker. „Was ist? Wer will etwas von mir?“ Da vernahm sie die Stimme

von Britta. „Britta, bist du das?“ „Natürlich, nun mach endlich auf! Ich stehe hier im

Regen und brauche dringend eine heiße Tasse Kaffee!“ „Komm hoch! Du kommst

wie gerufen.“ Jetzt stürzte Lisa in die kleine Küche und stellte die Kaffeemaschine

an. Im nächsten Augenblick betrat Britta mit Brötchen in der Hand Lisas Wohnung.

Kaum saßen sie am Tisch, da platzte Lisa mit ihrem Reinfall heraus. „Was?“, mein-


te entsetzt Britta, „Ein Kleinwüchsiger?“ „Ja, das ist mir peinlich. Sein Profil und

seine E-Mails haben mich angesprochen. Er ist belesen, liebt die Bücher, die ich toll

finde. Außerdem kann ich nur erwähnen, dass er sehr gute Manieren besitzt.“ „Hm,

das ist aber schlimm. Der ist eigentlich ein netter Kerl, aber zu klein geraten. Das ist

ein echtes Dilemma. Triffst du ihn noch einmal?“ „Nein, ich glaube nicht, das würde

nichts bringen!“, erklärte Lisa energisch. „Komm, gegen Liebeskummer hilft Shoppen.“,

forderte Britta die Freundin auf. „Wieso sprichst du von Liebeskummer? Das

hat mit Liebeskummer nichts zu tun!“, wehrte sich Lisa energisch. „Das glaubst auch

nur du!“, kam süffisant die Antwort. Schnell zog sie ihre Freundin hinter sich durch

die Tür. Den ganzen Tag dachte Lisa über die Äußerung nach, die Britta wegen des

angeblichen Liebeskummers sagte. Zum Schluss kehrten sie in ein Restaurant ein. Am

Nebentisch saß ein Pärchen, das schwer verliebt sich gab. Für Lisas Seele war dies zu

beobachten, Gift. Nach einer Stunde stand das Paar auf. Sofort bemerkten die Frauen

den Größenunterschied der beiden. Als sie draußen waren, meinte Lisa: Hast du das

gesehen? Der Mann war mindestens zwei Meter groß und die Frau höchstens knapp

über eins sechzig. Das sieht so komisch aus, aber den beiden macht das wohl nichts

aus.“ „Ich finde das toll!“, erklärte Britta, um gleich fortzufahren: „Wenn das möglich

ist, ohne dass man sich schämt, dann müsste das doch auch bei einer anderen Konstellation

möglich sein. Ich glaube, man sollte Vertrauen haben und zu dem Unterschied

stehen.“ „Das sagst du so leicht daher, dich trifft es ja nicht!“, schimpfte Lisa. Britta

antwortete nicht darauf und ließ alles bei Lisa sacken.

In der nächsten Woche geschah nichts, was Lisa bedauerte. Im Stillen dachte sie, dass

Knut sich vielleicht noch einmal melden würde. Aber der Laptop zeigte nichts von

Knut an. Seine Mails fand sie ansprechend und seine Meinung über die Bücher passte

zu ihrer Meinung.

Derweil überlegte tatsächlich Knut, ob er sich noch einmal an Lisa wenden soll-te.

Doch er verwarf den Gedanken ganz schnell, das ließ sein Stolz nicht zu. Schade, ich

fand sie sehr nett. Die Bücher, die sie las, interessieren mich auch. Als ich sie in der

Buchhandlung beobachtete, fand ich sie anziehend. Ihr Lachen fand ich liebevoll.

Ich dachte zunächst, sie würde sich vielleicht mit meiner Kleinwüchsigkeit abfinden

und uns wenigstens eine Chance geben, uns näher kennenzulernen. Doch ich habe

wiederum verloren. Dann verbat er sich solche Gedanken. Ich sollte Lisa vergessen,

ermahnte er sich selbst.

Die Tage vergingen, es wurden Wochen. Beiden ging der andere nicht aus dem Kopf.

Lisa stöberte bei dem Partnerportal und schaute sich andere Kandidaten an. Keiner

sprach sie an. Bei einigen konnte man schon heraushören, dass sie ein Sexabenteuer

suchten, andere schrieben über sich haarsträubende Dinge, die Lisa niemals akzeptieren

konnte. Viele Gespräche führte sie mit Britta, doch die führten zu nichts. Doch

gestern Abend meinte sie: „Ich würde gerne Knut kennenlernen. Ich möchte mir ein

eigenes Urteil bilden!“ Gespannt wartete sie auf eine Reaktion von Lisa. Zunächst

schaute die Britta entsetzt an. Dann erklärte sie: „Wie stellst du dir das vor? Ich habe

keine Ahnung, wo er arbeitet. Er ist bei einer IT-Firma. Da kannst du schlecht hineinplatzen

und erklären: Ich möchte gerne Knut sprechen, arbeitet der bei ihnen?“ „Das

dachte ich auch nicht. Vielleicht könntest du ihn noch einmal kontaktieren. Dann gehe

ich mit und kann unverbindlich ihn begutachten!“, erklärte die Freundin. „Wie bitte!

Das weckt doch neue Hoffnungen bei ihm! Das will ich nicht!“, meinte sie rundweg.

Britta ließ das Thema fallen und sprach über Belangloses. Als zwei Stunden später

sich Britta verabschiedete, erklärte Lisa: „War dies dir ernst gemeint? Ich meine eine

Begegnung mit Knut?“ „Ja, sehr ernst, ich bemerke doch, wie intensiv du dich mit

ihm immer noch beschäftigst.“ „Ist das so deutlich zu erkennen?“ „Und ob!“ „Gut,

dann schreibe ich ihm noch mal. Vielleicht will er überhaupt nichts mehr von mir

hören!“, schloss sie das Gespräch. Tatsächlich setzte sie sich später an den Laptop

und schrieb Knut. Sie fragte, wie es ihm ginge, ob er noch an einem Treffen mit ihr

interessiert wäre. Keine fünf Minuten später erhielt Lisa die Antwort.

Magdlen Gerhards

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Liebe Lisa, ich würde mich wahnsinnig freuen, dich wiederzusehen. Wann ist es dir

recht? Schreibe mir und dann treffen wir uns. Danke!

Sein Interesse schien ungebrochen, stellte Lisa fest. Schnell sagte sie ein Treffen für

Freitagabend zu. Britta, das wusste sie, konnte am Freitagabend auch.

Britta holte sie ab, und sie gingen zu dem Bistro, in dem sie sich treffen wollten. Die

Freundin war gespannt, wie sie Knut finden würde.

Sie betraten das Bistro, da saß Knut schon an einem Tisch. „Da hinten sitzt er“, raunte

Lisa Britta zu. Der wirkt doch gar nicht so klein, ging es Britta durch den Kopf. Knut

staunte etwas, da Lisa nicht alleine war. Höflich begrüßte er die beiden Damen. An

seinen Armen fiel sofort auf, dass sie kürzer waren als bei einem normalen Menschen.

Zunächst lief das Gespräch schleppend, aber dann kam es in Fahrt, und beide Frauen

vergaßen, dass dieser Mann behindert war. Ob Kunst, Politik oder Alltagsdinge, in

jedem Bereich punktete er. Später am Abend verabschiedeten sie sich. Knut fragte vorsichtig:

„Lisa willst du mich noch einmal treffen? Ich fand den Abend sehr entspannt

und schön. Ich weiß, dass ich nie der Traummann für dich werden kann, aber wenigstens

sich ab und an zu treffen, fände ich schön.“ „Ich überleg es mir. Wir können

zunächst E-Mails austauschen.“, bot sie an.

Auf dem Heimweg sagte Britta: „Lisa, ich finde ihn echt nett! Er ist unterhaltsam,

höflich und bewandert in allen Bereichen. Wenn er nicht kleinwüchsig wäre, was wäre

dann?“ „Dann wäre er perfekt!“, gab die Freundin zu. „Siehst du, klar ist es nicht

leicht, als ungleiches Paar in der Gesellschaft sich aufzuhalten. Dein Part wäre es,

über den Dingen zu stehen und selbstbewusst neben ihm her zu gehen. Das meine ich

im wörtlichen Sinne, aber auch im übertragenen Sinn.“ „Jetzt hast du mir eine dicke

Aufgabe gegeben, über die ich nachdenken muss. Ich verspreche, mir Gedanken zu

machen.“

Drei Wochen später bat Lisa Knut um ein erneutes Treffen. Sie hatten sich fast täglich

geschrieben. Eigentlich reizte sie alles an dem Mann. Knut war sofort Feuer und Flamme,

als Lisa eine Zusammenkunft vorschlug. Ob Britta wieder dabei ist, ging es dem

Mann durch den Kopf. Egal, Hauptsache ich sehe Lisa wieder. Dieses Mal sollte Knut

zu ihr nach Hause kommen.

Er kam mit Blumen in der Hand. Lässig schlang er den Pullover um seine Schultern.

Schnell bemühte er sich darum, sich hinzusetzen, denn dann fiel der Größenunterschied

zwischen ihnen nicht so auf. Lisa dachte: Er kleidet sich modisch und wirkt

männlich dadurch. Lisa hatte eine Kleinigkeit zu essen vorbereitet. Knut fand es echt

köstlich und der Wein mundete ihnen auch. Nach einiger Zeit sagte Knut: „Lisa, ich

habe mich in dich verliebt und möchte dich körperlich spüren, deine Hand halten, dich

streicheln, denn du schwirrst die ganze Zeit in meinem Kopf. Wenn du Ängste hast,

weil ich körperlich so bin, wie ich bin, dann sage es jetzt, denn dann gehe ich. Es fällt

mir schwer, nicht in deiner Nähe zu sein, dir zu schreiben, um doch zu wissen, du wirst

mich niemals als Mann sehen.“ Abrupt endete Knut. Lisa saß still und musste erst das

Gesprochene verdauen. Derweil schaute Knut sie an, ohne ein weiteres Wort. „Knut,

ich bin noch immer hin und hergerissen. Ja, du bedeutest mir etwas, aber ich weiß

noch nicht, ob ich stark genug bin, in der Öffentlichkeit die Blicke und Kommentare

auszuhalten. „Dann lass es uns langsam angehen. Wir brauchen zunächst nichts an die

große Glocke zu hängen.“, erklärte Knut zuversichtlich. Endlich wollte er ihre Gefühle

testen. Deswegen setzte er sich neben die Frau seiner Träume und nahm zärtlich ihren

Kopf in die Hände und küsste sie zärtlich. In diesem Kuss lag ein großes Versprechen,

das spürten beide.


Friedhelm Kötter

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Anonym

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Anonym

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Wolfgang Ruske

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Wolfgang Ruske

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Eva Daners

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Anonym

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Brigitte Schneider

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Alice Müllers-Bonsack

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Roswitha Gierling

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Steffi

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Die Welt steht Kopf

Die Welt steht Kopf

und genauso soll es sein,

es gibt noch so viel zu verzeihn,

so viele Schatten abzulegen,

so viel Finden neuer Wegen,

das Alte ist sicher und bekannt,

sind wir ihm viel zu lange schon

hinterher gerannt,

das Neue – unsicher und fremd -

in ihm sich jeder von uns

(wieder)-erkennt,

wenn wir nur die große Chance

ergreifen,

unsere Seelen lassen reifen,

unseren Verstand zum Schweigen

bringen,

wieder horchen unseren inneren

Stimmen,

die da singen - habt Vertrauen,

keine Angst,

seid erfüllt von Liebe,

seid gespannt,

welches Geschenk da vor euch liegt,

die Liebe am Ende immer siegt

Denise und Marie Kumpf

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Liebe auf Abstand

Liebe auf Abstand, wie darfst du

sein?

Sehnst dich nach Nähe, Berührung,

hilfst Seelen sich zu verzeihn`,

brauchst Raum, Freiheit und den

Mut,

dann tust du uns Menschen so

unglaublich gut,

musstest der Angst den Platz

gewähren,

eingesperrt, geregelt -

doch du bist nicht zu entbehren,

unter Vorsicht lugst du heraus,

streckst bedacht deine Fühler aus,

scheinst du auch weit weg zu sein,

deine Kraft wird niemals klein,

neue Wege wirst du finden,

wirst Hoffnung, Freude und Dankbarkeit

unter die Menschen bringen,

bist ein Geschenk, das geteilt werden

will,

liebe Liebe, du wirst niemals still.

Denise und Marie Kumpf

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Paco Strux

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Ines Siri Trost

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Anonym

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Anonym

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Anonym

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Christiane Kählert

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Bernhard Heese

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Friedhelm Kötter

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Bunte Liebe in graueren Zeiten

Ich für Dich und Du für mich?

Fragen über Fragen.

Vieles passiert und ändert sich,

kann unsere Liebe alles sagen?

Vertrauen als starkes Fundament,

sollte Liebe tragen.

Vieles passiert und ändert sich,

kann unsere Liebe es ertragen?

Liebe mit Verständnis und Raum,

kann Unvorstellbares wagen.

Vieles passiert und ändert sich,

doch unsere Liebe wird nicht verzagen!

Sandra Klein

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Ernst Neugebauer

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Dominik

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Leander

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Joachim L. Bähr

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Katharina Ihlefeld

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Liebe in Zeiten von Corona

Ich fühle mich bei diesem Titel für dieses „Liebes-Projekt“ an

den Roman von Gabriel Garcia Márquez erinnert: „Liebe in den

Zeiten der Cholera“ - obwohl die Protagonistin meiner nachfolgenden

kleinen Geschichte keinerlei Ähnlichkeit mit einer der

Figuren seines Romans hat.

Ich nenne sie Marie. Marie war wieder mal verliebt. Das war

bei ihr keine Seltenheit. Marie war ein glücklicher Single mit

Status „dauerverliebt“. Sie hatte sich in der Zeit von Corona

auch noch ausgerechnet an Karneval verliebt, was Frau oder

Mann doch tunlichst vermeiden sollte, da an Aschermittwoch

bekanntlich alles vorbei ist. Sie durfte an der Kasse des Supermarktes

ihres Vertrauens einem Kunden „in die schönen blauen

Augen sehen, und dann war es auch schon um sie geschehen“.

So würde es dann später in ihrem Tagebuch stehen, da Marie

gerne zur Dichterin wurde, wenn ihr etwas oder jemand zu Herzen

ging. Sie hatte sich mit dem jungen Mann nett unterhalten,

vielleicht sogar ein wenig geflirtet, wie ihr schien. Doch zum

Austausch der Telefonnummern war es nicht gekommen. Marie

hatte jedoch erfahren, in welchem Frisörsalon ihrer Stadt er arbeitete.

Dummerweise waren die Frisörsalons zurzeit geschlossen.

Sie war daher auf die verrückte Idee gekommen - nur Menschen

wie Marie machten sowas Verrücktes - ihrem Schwarm

ein kleines Gedicht in Schriftform zukommen zu lassen. Dieses

natürlich möglichst neutral verfasst. Frau will ja schließlich

nicht mit der Tür ins Haus fallen, zumal die Tür des Frisörsalons

gar keinen Briefkasten hatte, wie sie später feststellen musste!

Was tun? Nun, es musste ein „Postillion d’Amour“ her, und wer

konnte da beherzter einspringen als die Deutsche Post?

Irgendwie und irgendwann würde der Brief schon seinen Empfänger

erreichen, da war sie recht zuversichtlich.

Nun, müsst ihr wissen, saß Marie in der Zwischenzeit, bis sich

der Herr vielleicht zu einer Antwort bequemte, nicht untätig allein

zuhause, auch wenn die Freizeitaktivitäten in jenen Zeiten

stark eingegrenzt wurden und sich nach draußen verlegten.

So ließ sie sich zum Beispiel vom Winter verzaubern, und auf

einem ihrer vielen Spaziergänge tanzte sie einen Schneewalzer

auf einem verschneiten Feld. Spaziergänge entwickelten sich

zum wahren Freizeitsport zu jener Zeit. Durch diese kleinen,

schönen Erlebnisse, die sie erfahren durfte und durch diesen

anfangs genannten Status des „Dauer-Verliebtseins“ strahlte

Marie von innen heraus. Sie erinnerte sich und erlebte die

Momente der schönen Begegnungen oder Ereignisse immer

wieder aufs Neue, so dass auch ihre Umwelt und Menschen

um sie herum dieses Strahlen wahrnehmen konnten. Von den

aktuellen schlimmen Ereignissen ließ sie sich nicht unterkriegen.

Sie gab und fand Halt in ihrem Freundeskreis und in der

Familie. Es heißt, eine Frau müsse um die 20.000 Wörter pro

Tag sprechen. Diese konnte sie in den Telefonaten mit der

Freundin loswerden. Sie konnte allerdings auch selber gut zuhören,

wenn Freunde oder andere Menschen aus ihrem Umfeld

ihr Ohr brauchten. Als rheinische Marie fehlte ihr natürlich

die Ausgelassenheit des Karnevals. Aber hier kam sozusagen

„Hilfe von Oben“: In einer Messe, die sie noch besuchen konnte,

hatte der Priester - selbst ein Fan der Kölschen Musik - drei

Lieder in seine Predigt eingebaut.

Marie erfuhr in jener Zeit mehr denn je, dass es die kleinen

Dinge des Lebens waren, mit denen sie oder andere ein wenig

Freude verbreiten oder Liebe schenken konnten. Wie wichtig

es war, achtsam zu sein für andere und für das, was sich um

sie herum bewegte. Und nicht zuletzt auf sich zu achten, sich

gut zuzusprechen und sich selbst zu lieben. Nur so konnte sie,

unwissend, auch für andere ein kleiner Lichtblick sein. Oft wissen

Menschen wie Marie das nämlich gar nicht. Ihr möchtet

bestimmt wissen, was aus ihrem Schwarm geworden ist. Der

Brief erreichte seinen Empfänger im Frisörsalon und wurde

auch gelesen. Marie wusste zu jenem Zeitpunkt jedoch noch

nicht, dass sie sich dieses Mal in einen Mann verguckt hatte,

der der Männerwelt zugeneigt war.

So lange vertraute sie sich weiter ihrem Tagebuch an, wenn

sie Schönes erlebte. Sie dichtete oder blätterte darin zurück,

schmunzelnd über die Dinge, die sie so an Verrücktheiten

machte, nicht nur zu „Corona-Zeiten“. Oder sie schrieb diese

kleine Geschichte, die sie sich für euch während der Pandemie

ausgedacht hatte und die ihr gerade gelesen habt.

Maria

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Stephanie Mund

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Alisha

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Dominik

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Joachim L. Bähr

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Katharina Ihlefeld

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Junes

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Melina

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Wir trafen uns zufällig.

Mit deiner weißen Maske

und der Kapuze

wirktest du auf mich wie ein

verhüllter Beduinenfürst.

Ich konnte nicht anders und

strahlte dich an.

Du musst meine Augen genau

beobachtet haben,

denn sonst hättest du wegen

meiner Maske

mein Lachen nicht entdecken

können.

So aber hörte ich dich mit

samtener Stimme sagen:

Lass mich deine Lippen sehen,

Kleines.

Wir sahen uns um. Keiner in

der Nähe.

Im Gleichklang lösten wir

die Masken.

Ich sah in ein Gesicht

mit Schnurrbart,

zog meine Maske direkt

wieder auf und

verabschiedete mich kurz.

Ulrike Göttlich (Text) - Hilla Baecker (Bild)

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Die Krone der Schöpfung

Jetzt gehört den Vögeln die Welt. Ich habe es schon immer gewusst, nicht der Mensch ist die Krone

der Schöpfung, nein es sind unsere gefiederten Freunde. Ja, und es macht mich glücklich, dass

diese liebenswerten Wesen mit dem farbenfrohen Federkleid endlich wieder das Regiment auf

der Erde übernommen haben und uns in Allerherrgottsfrühe mit ihrem bezaubernden Tirili wecken.

Und ich habe auch das Gefühl, dass die Vögel den flugzeugfreien Himmel und die Ruhe und Langsamkeit

auf Erden in vollen Zügen genießen. Und wenn ich nicht ganz falsch liege, geben sie sich

nun auch ungestört und fröhlich der Liebe hin. Man sieht sie ausgelassen von Wipfel zu Wipfel

hüpfen, die Männchen plustern sich auf und übertreffen sich mit dem schönsten Gesang, den balzende

Vögel zu bieten haben. Und am Ende werden wir jede Menge gefiederten Zuwachs erhalten.

Apropos Zuwachs. Gestern war ich bei meinem Frauenarzt. Auch er berichtet von Telefonanrufen,

in denen aufgeregt über Nachwuchs spekuliert wird.

Also wenn man es genau betrachtet, haben wir sowieso viel Gemeinsames mit Vögeln. Es gibt, die

die sich nun aufplustern, die, die auf dem Boden hocken und das futtern, was die Vögel von oben

herunterfallen lassen. Es gibt den Futterneid, dann die, die anderen Vögeln auf den Kopf scheißen,

die schrägen Vögel, die, die nur die Rosinen aus dem Kuchen picken, die fleißigen Nestbauer

und die, die sich in fremde Nester hocken, die treuen und die, die Vielweiberei betreiben.

Ja und was ist noch zum Vögeln zu sagen? Natürlich, auch das nimmt zu. Die Menschen haben

Zeit, sind ausgeruht und hüpfen unbekümmert vom Bett auf die Couch und wieder zurück. Bleibt

nur zu hoffen, dass sie sich später auch so liebevoll um ihre Brut kümmern werden, wie es unsere

farbenfrohen Freunde tun.

Jutta Crisanth

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Friedhelm Kötter

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Roswitha Gierling

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Willi Arlt

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Robert Jordan

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Marie Kumpf

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Denise Kumpf

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Durch Corona

wurden sie auf isolierte Zweisamkeit geworfen.

Mitten in Berlin bleibt man besser zu Hause.

Lebensmittel kann man sich liefern lassen.

Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche, Bad, Balkon.

Nicht schlecht eigentlich.

Durch Homeoffice eng.

Sie entdeckten sich neu.

Tag und Nacht.

Pausenlos beieinander.

Andere Menschen nur digital.

Sie entdeckten Abgründe

neben zauberhaften Facetten.

Sie diskutierten und lachten,

stritten und liebten sich.

Kämpften erneut.

Versöhnten sich.

Immer wieder fanden sie ihr Selbst im Du.

Der Spiegel war so klar wie nie.

Auf dem Höhepunkt der Pandemie

eine Frage und ein Ja, bis der Tod uns scheidet.

Ulrike Göttlich (Text), Bernhard Heese (Bild)

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Paula Schmauks

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Marion Kuhlmann

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Nike

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„Die Freude und das Lächeln sind der Sommer des Lebens“

[Jean Paul]

Heike Daners

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Lena Daners

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Monika Schön

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Katharina Ihlefeld

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Er war schon vor Corona ein Einzelgänger.

Natürlich war da die Hoffnung auf die Eine, die sein Herz öffnen würde.

Ab und zu ging er deshalb in eine Bar und suchte mit seinen Augen weiche Münder, die an Strohhalmen zogen. Gin löste seine Zunge und

manchmal ergab sich ein kurzes Gespräch oder etwas mehr.

Der Lockdown hatte auch sein Inneres weiter zugeschlossen. Seine Angst vor Menschen wurde durch die Angst vor dem Virus verstärkt.

Die Fülle der virtuellen Welt lenkte ihn ab, befriedigte ihn aber nicht.

So suchte er Glück in der Freundschaft mit Don Promillo.

Ulrike Göttlicjh (Text) - Katharina Ihlefeld (Bild)

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Ernst Siegfried „Ziggy“ Schöning

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Maria-Lenssen-Berufskolleg

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Maria-Lenssen-Berufskolleg

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Ida Kneitz

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Paula Maria Boochs

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Es fühlte sich an wie ein öffentlicher Tabubruch, diese Umarmung mitten auf dem

Parkplatz, trotz Corona. Wir hatten uns zufällig getroffen, wieder getroffen, auf

dem Parkplatz vom Supermarkt. Ich hatte meinen Einkaufswagen weggebracht

und wollte gerade wieder los, sie war gerade angekommen und wollte ihren

Einkaufswagen holen. Quer über den Parkplatz trafen sich unsere Blicke, sofort

erkannt. Sie war hübsch, immer noch, mit veränderter Frisur, immer noch der

gleiche Style der Kleidung, und dieser warme, offene Blick. Erst zaghaftes

Geplauder “wie gehts?”, “was machst du?”, kleiner Abriss des Lebens seit der

Trennung. Zwei Jahre nicht gesehen, auseinandergelebt, sie berufliche

Veränderung, ich Pflege-Verantwortung bei der plötzlich schwer erkrankten

Single-Schwester. Aus verschiedenen Lebensrichtungen plötzlich hier

aufeinandergeprallt, und alles doch so vertraut. Ein selbstverständliches

Miteinander im Gespräch, als hätte man sich gestern zuletzt gesehen.

Diese Offenheit, das Zugeben der Einsamkeit, Abgeschnittensein in der Coronazeit.

Wir hatten beide keine Zeit, wir haben fast eine Stunde auf dem Parkplatz

geredet. Zum Schluss haben wir unsere aktuellen Handynummern getauscht, uns

verabredet für die nächste Woche. Dann standen wir da, im geforderten Abstand,

schauten uns an, es war wortloses Einverständnis: wir machten beide die Schritte

gleichzeitig aufeinander zu und umarmten uns, fünfzehn Sekunden oder eine

halbe Ewigkeit. Die Blicke waren uns egal, die vorwurfsvollen oder die “würde ich

auch gerne, trau mich aber nicht”-Blicke. Das vertraute Gefühl von Nähe. Sie

ist wieder da. Dann der kurze Abschied “bis nächste Woche” und ab nach Hause.

Was bleibt ist das tiefe Gefühl von Glück, lang vermisst.

Gisela Stotzka

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Paula Maria Boochs

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Anonym

111


Nicole Wirtz

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Stille

Ich öffne die Haustüre und schaue mich um.

Die Straße ist verwaist. Ich höre nichts.

Die Kinder sind verstummt.

Nur der Mops von gegenüber ist fidel, erledigt

sein Geschäft, schnüffelt hier und schnüffelt

da und diese Nacht wird er vielleicht von einer

Hundedame träumen, von einer mit einem

super süßen Po. Sein Herrchen steht stickum

hinter dem Vorhang und belauert die Bienen

beim Schauspiel d‘amour.

Seine Hummel ist vermutlich in der Küche und

bereitet das Mittagessen zu.

Jutta Chrisanth (Text) - Brigitte Böckels (Bilder)

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Brigitte Schneider

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Sean Piere

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Maksim

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CORONA

VS.

CORONA

Chaos

Ohne

Ruhe

Oder

Nähe

Angst

C

O

R

O

N

A

Chance

Orientierung

Rückblick

Offenbarung

Neuanfang

Alternative

Brigitte Böckels

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Katharina Ihlefeld

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Luzi Mathilde Weidmann

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Elmedina

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Meist kommt sie

zuerst kribbelt es

auf unserer Zunge

gemeinsam leben

aus MIR und DIR

eise ja fast lautlos zu uns

m Bauch wie Brausepulver

intauchen in eine neue Welt

eisammen bis zum Schluss

rwächst eine Einheit – WIR

Annette Fitzen

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Elmedina

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Paula Maria Boochs

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sind die einzige HOFFNUNG

auf eine bessere ZUKUNFT

für unsere

Ildikó Naszvadi

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WELT


Wir fürchten uns nicht nur vor dem Tod.

Wir fürchten uns noch mehr vor dem Licht.

Denn es gibt eine Quelle der Schöpfung.

Ihr Licht ist für unser Ego furchterregend,

gleißend, absolut, unermesslich…

Wir müssen uns in Demut nähern.

Die Liebe, die diese Quelle transmittiert,

lässt sich nicht mit menschlicher

Liebe vergleichen.

Sie ist absolut und bedingungslos.

Egal, was wir je verbockt haben,

all unsere Erfahrungen sind ein Tropfen

im Ozean ihrer Gnade.

[Genesis, 2021]

Veit Lindau

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Die Weisheit sagt, dass ich NICHTS bin.

Die Liebe sagt, dass ich ALLES bin.

Monika Otto (Bild) - Wolfgang Ruske (Eingebung)

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Sandra Giersch

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Sandra Giersch


Eines Tages machte sich ein Mann auf, die Liebe zu befragen, wer

sie wirklich sei. Er traf sie auf einem Hügel. Sie saß auf einer

Schaukel, und lies sich die Sonne ins Gesicht scheinen.

„Gut, dass ich dich hier treffe, du bist also die Liebe, richtig? “

Die Liebe blinzelte dem Mann entgegen: „Stimmt, das bin ich! “

„Und sie sagen du brauchst nichts um zu SEIN?“

„Auch das ist wahr!“ lachte die Liebe. „Kann ich dir gar nichts geben?“

„Nein, danke ich habe alles!“ „Gibt es wirklich nichts was ich

dir geben könnte, damit ich deiner würdig bin?“ wollte der

Mann wissen. „Nein, nichts, du bist meiner immer würdig.“

„Einfach so?“ „Ja, einfach so.“ lachte die Liebe nochmals.

„Ja, und deshalb kannst du jeden einfach so lieben?“

„Ja, das tue ich ja auch. “

Leicht gestresst erwiderte der Mann:

„Und deshalb liebst du mich?“ „Ja ich liebe dich.“

„Ja, aber dann bin ich ja in deinen Augen gar nichts Besonderes für dich,

wenn du jeden so liebst.“ „Warum glaubst du musst du etwas besonderes

sein, um geliebt zu werden?“ „Na weil man doch wohl einen Grund

braucht, jemanden zu lieben.“ „Nein, braucht es nicht, die Liebe liebt

einfach.“ „Nein, so ist das doch keine echte Liebe“, stieß der Mann hervor.

„Ich will dass mich jemand so liebt wie keinen anderen.“ Die Liebe holte

noch mal fröhlich Schwung auf ihrer Schaukel und rief dem Mann

entgegen: „Nun, mit Wollen hat Lieben schon mal nichts zu tun, mit SEIN

hat es zu tun. Du bist es nur so sehr gewohnt, so zu denken, dass es einen

Grund braucht, um geliebt zu werden. Das ist das Denken der Menschen

und obwohl sie tausendmal gehört haben, dass wahre Liebe nichts will,

denken sie immer noch, es muss Gründe geben. Sie wollen es einfach

nicht glauben. Denn dann würde auffallen, dass sie gar nicht wirklich

wissen, wer und wie ich bin, ha ha.“

Die Liebe schwang immer höher auf ihrer Schaukel und rief dem

Mann zu: „Ich liebe dich weil du BIST, nicht weil du „etwas“ bist.

Das war immer so und wird immer so sein. Nimm das bitte mit

und verteile es als Handzettel an all die armen Seelen, die der Angst

immer noch auf den Leim gehen.

Schreib groß drauf: Die Liebe liebt, weil sie es zu lieben liebt.

Und wer liebt, wird unwiderstehlich, wer von euch also unwiderstehlich

sein möchte, sollte ganz schnell anfangen zu lieben, alles und jeden.

Ich wünsche dir eine wunderbare Heimreise,“ rief die Liebe dem Mann

ein letztes Mal zu und verschwand mit einem letzten großen Schwung

und einem lauten Lachen in den Wolken.

Baghira (Text) - Bianca van Dijk (Bild)

134


Wir alle sind als Licht geboren,

und alle werden sich wieder daran erinnern,

dass sie Licht sind.

Das wird unsere Zukunft.

Es wird ein großes Licht geben,

und dieses Licht bist du.

Es wird große Heilung geben,

und diese Heilung bist du.

Es wird eine Wende zur Liebe geben,

und diese Wende bist du.

Christina von Dreien

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IMPRESSUM

Herausgeber:

Atelier Wolfgang Ruske

Seidenweberstraße 35

D-41189 Mönchengladbach

wolfgang@ruske-kunst-art.de

www.ruske-kunst-art.de

2021

Gefördert vom Ministerium

für Kultur und Wissenschaft NRW

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