Sportguide Bike 1/2020, vollständige Ausgabe

sportguide

Bikeneuheiten, Radsportathleten, Radsport Events 2020, Jenny Rissveds, Nino Schurter, Julian Alaphilippe, Test Haibike Flyon, Test Lapierre Overvolt GLP II, test Rossignol E-Track Trail, Rennrad Bregenzerwald, Mountainbiken in Gröder, Mountainbiken Norwegen

2020 - Ein Jahr mit

weiteren Veränderungen

Editorial

Die einzige Konstante im Leben

ist die Veränderung. Diese

Weisheit stammt nicht von

mir, sondern vom griechischen Philosophen

Heraklit aus der Antike. Dies bemerkt

jeder, der sein Geschäft schon einige

Jährchen führt, und insbesondere

jeder Produzent, der seine Produkte

laufend an die sich verändernden Bedürfnisse

und Trends anpassen muss.

Sportguide E-Paper

Einige dieser Veränderungen betrifft

die Erhältlichkeit und das Format des

Sportguides. Seit letztem Dezember bieten

wir unseren Lesern an, unsere Ausgaben

online zu kaufen und dies zu

einem günstigeren Preis. Mittlerweile

sind zahlreiche unserer Ausgabe online

kauf- und lesbar. Wir überlegen auch

eine Erweiterung bei den Sprachen.

Corona Virus

Leider trifft uns auch eine gesellschaftlich

weltweit schockierende Veränderung.

Ich bin grundsätzlich kein Freund

davon, dass Millionen von Artikeln in

Asien produziert werden, um sie dann

über riesige globale Transportwege in

den Westen zu verschicken, nur weil

sie dadurch günstiger sind. Nun erreicht

uns, und das nicht zum ersten

Male, wieder ein Virus aus China, der

verheerenden Schaden anrichten wird,

nicht nur weil Menschen krank werden

oder sogar sterben. Nein, die Angst vor

dem Virus hat zu Panik in der Politik

und an den Börsen geführt, wie wir es

noch nie erlebt haben. Die zahllosen

Sportveranstaltungen, die nun abgesagt

wurden oder ohne Zuschauer auskommen

müssen, erleiden nun einen

riesigen finanziellen Schaden. Vor

allem aber wird die Industrie die Folgen

des Corona Virus noch lange nach der

Seuche zu spüren bekommen, da die

Produktionsketten in China stillstehen

und dies zu riesigen Ausfällen führen

wird, welche die Hersteller, Importeure

und Händler in Europa noch lange spüren

werden.

Wir haben unser Magazin auch verändert

und arbeiten stetig dran zur Freude

unserer Leser. Ich hoffe, es gefällt.

Der Herausgeber

Rolf Fleckenstein

1


56

Julian Alaphilippe

Der kämpferischste Fahrer der Tour de

France 2019 wird auch heuer neu

angreifen. Im belgischen Team

Deceuninck-Quick-Step steht der

Franzose Julian Alaphilippe nach wie

vor für Angriffslust pur...

Jenny Rissveds

Jenny Rissveds hat einen sehr harten Weg

an die Weltspitze zurücklegen müssen.

Nach einem sagenhaften Hoch kam der

Absturz und 2019 das Comeback. Nun

wartet die Olympiade, ist sie bereit?

68

Test Rossignol E-

Track Trail

Das Rossignol E-Track Trail funktioniert

nach dem Prinzip „Aufsitzen und

Spass haben”. Es sieht toll aus, bietet

ein leichtes Handling und punktet mit

einem soliden Setting.

36

84

Test Haibike Flyon

Power beim Motor, Power im Design, Power auf

den Trails: Das Haibike Flyon steht für Power

beim E-Mountainbiken. Mit seinem Motor mit 20

Nm hat es die Aufmerksamkeit der Bikewelt

gewonnen, doch das Flyon überzeugt auch dank

seines Designs und seiner Stabilität.

2


MTB Gröden

In den Dolomiten kann man eigentlich

nichts falsch machen. Cir-Spitzen auf

der einen Seite, Schlern und Sella-Stock

auf der anderen Seite. Dazu noch

fantastische Trails und ein bikender

Sommelier garniert mit Craft-Bier.

90

Inhalt

4 Dies&Das

Allerlei Spannendes & Neues aus der

Welt des Radsports & der Bike-Industrie

6 ASSOS Equipe RS

Neue Frühjahr-/Herbst-Linie

für sportliche Fahrer

12 TransTirol BikeRallye

2 Mal quer durch die Dolomiten

15 Signature Trails Trophy

Entdecke die besten Trails der Alpen

16 Price Bikes

Schweizer Qualität zum minimalen Preis

22 Von Diavelo zu Protanium

Von der Importeurin zur Herstellerin - eine

180-Grad Wende

24 Bike-Neuheiten

Neueste E-Mountainbikes und E-Rennräder

& Besonderheiten

MTB Norwegen

Das für Norwegen typische Jedermannsrecht,

das Mountainbikern praktisch

uneingeschränkte Freiheit bietet, sich

seinen Pfad zu bahnen, wo es einem

gefällt, macht Norwegen als Destination

für Biker attraktiv.

98

36 Test Haibike Flyon

Power ohne Ende

44 Nino Schurter

Mr. Unbesiegbar

50 Test Lapierre Overvolt GLP II

leichtfüssige Balance-Königin

56 Jenny Rissveds

Der harte Weg zurück an die Spitze

64 Olympiade, WM 2020

Die 2020 grössten Radsport-Rennen der Welt

68 Julian Alaphilippe

Kämpfernatur

76 Rennrad Bregenzerwald

Entdecke zahllose verborgene Pässe

84 Test Rossignol E-Track Trail

Echt Easy-Going

90 Mountainbiken in Gröden

Im faszinierenden Reich der Dolomiten

98 Mountainbiken Norwegen

Ungeahnte Freiheiten im Land der Fjorde

112 Impressum

5


Dies&Das

Supacaz

Crazy Looks

Wir haben die kalifornische Marke Supacaz

schon letztes Jahr vorgestellt. Sie verbindet

bei ihren Produkten hohe Funktionalität mit

einem ästhetischen, sexy Look. Die Luftpumpe

SuaveAir hat nicht nur Dampf, sondern

sieht auch affenmässig aus. Preis für

das einzigartige Stück $ 200. Doch Supacaz

belässt es nicht bei der Pumpe, nein, die

Kalifornier bieten auch Pedalen in der Farbe

„Oil Slick (Ölteppich)” und andere Produkte.

Die Farbe erinnert mich eher an Regenbogen.

Supacaz verwandelt jeden gewöhnlichen

Radartikel zu einer Besonderheit und

das lieben nicht nur Tuning-Profis. In der

Schweiz bei der GPR www.gprag.ch zu finden

oder unter www.supacaz.com.

4


Bontrager WaceCel

Für einen

besseren Schutz

WaveCel ist eine revolutionäre Helmsicherheitstechnologie,

die exklusiv bei

Bontrager-Helmen erhältlich ist. Herkömmliche

Schaumhelme wurden für

den Schutz vor einem direkten, linearen

Aufprall entwickelt. Aber WaveCel

berücksichtigt, dass die meisten Unfälle

mit Drehbewegungen und einem

schrägen Aufprallwinkel ablaufen. Die

WaveCel-Helme bieten bei fahrradtypischen

Unfällen einen unglaublich

effektiven Schutz vor Gehirnerschütterungen.

Infos unter www.trekbikes.com.

Cycology

Exzentrisch

Cycology ist ein echtes krasses Label, das seit 2011

sein Unwesen treibt und seinen Angaben zufolge in

London domiziliert ist. Charakteristisch für diese

Marke sind echt exzentrische Sport- und Bikebekleidungen.

Cycology spricht von Kreativität, ja sogar

Besessenheit. Und umso etwas zu finden, muss man

lange Wege gehen. Es ist nichts, was man im klassischen

Radgeschäft finden wird, denn die verkaufen

klassische und funktionelle Radbekleidung, die den

Sportler unterstützen wollen. Hier gibt es keine

Funktion, sondern nur einen Nutzen: Einen unglaublichen

Style, der für die einen verrückt sein wird und

für die anderen cool und ausgeflippt. Mir persönlich

gefallen solche Artikel gut, denn sie heben sich vom

Normalen ab. Ob ich es tragen würde? Leider finden

sich unter reviews.io ziemlich arge Reklamationen und

Bewertungen. Wer hat nun Recht: Die 125’000 Follower

auf Facebook oder die Reviewer?

5


ASSOS Equipe RS

Neue Frühjahr-/

Herbst-Linie für

sportliche Fahrer

Die richtige Körpertemperatur und ein gesundes

Wohlbefinden auf dem Rad sind für Rennfahrer

unabdingbar, wollen sie Höchstleistungen abrufen.

Wenn es weder winterlich kalt noch sommerlich

warm ist, dann ist weder eine allzu warme noch

eine allzu leichte Bekleidung das Richtige. Die

Schweizer Premiummarke ASSOS bringt auf diesen

Frühling die neue Linie „Equipe RS” mit ausgesuchten

Stücken für Frühling/Herbst auf den

Markt, die mit neuen Features sportliche Fahrer

dabei unterstützt, erfolgreich zu sein.

von Rolf Fleckenstein


Kinder, Kinder, hilfe, hilfe,

hilfe! Was ist bloss mit

den Marketing-Leuten in

der Textilindustrie los? Gleich,

welche Marke man ins Auge

fasst, immer bemächtigen sie sich

selbst erschaffener Fachbegriffe,

die kein Mensch versteht, um die

Einzigartigkeit ihrer funktionellen

Bekleidung zu erläutern. Doch

die Verständlichkeit leidet unter

dem Wirrwarr an unverständlichen

Fachbegriffen. Da muss ein

Laie vorher einen Fachkurs in

Fachchinesisch für Bekleidungstechnologie

absolvieren, will er die

Detail-Angaben auf der Artikelbeschreibung

verstehen können.

Andererseits muss man den Entwicklern

insbesondere bei der

Marke ASSOS zugute halten, dass

sie ein extrem feines Auge für Details

bei der Radbekleidung haben,

an denen sie solange feilen,

bis ein Fortschritt entsteht. Diese

ausgefuchste Spezialisten sorgen

dafür, dass man sich bei Wind

und Regen auf dem Rad fühlt, als

läge man am Strand von Hawaii.

Okay, jetzt übertreibe ich, aber

diese Detailfokussierung hat einen

guten Grund: Das Ziel ist es, die

Radsportbekleidung zu optimieren

und auf ein neues Level zu heben,

um dafür zu sorgen, dass sich

jeder Radfahrer in jeder Sekunde

in seiner Bekleidung auf dem Rad

wohlfühlt. Dies gilt insbesonders

für den Premiumhersteller ASSOS

aus der Schweiz, der diese Saison

eine neue Frühjahr- und Herbstlinie

präsentiert: Die Equipe RS für

sportliche Fahrer. Ich habe mich

durch die Fachbegriffe durchgewälzt

und will versuchen, ihnen

die neue Linie und ihre Eigenschaften

verständlich zu erklären.

Drücken Sie mir dazu die Daumen!

8


Equipe RS: Spring/Fall Bib Shorts S9

Rutschfest, atmungsaktiv,

isolierend

Wenn es zu kalt für Sommershorts ist und zu

warm für lange Shorts, dann ist die neue

Spring/Fall Bib Shorts S9, die für kühle Wetterbedingungen

konzipiert ist, die richtige Wahl.

Das A-Lock-Engineering ist das neue System der

S9-Linie. Es handelt sich um eine Kombination

der ErgoBox (Stoffpanel um den Einsatz), der

RollBar (Träger, die bis zur ErgoBox reichen) und

der Carbon Xbib (gelbe A-förmige Kreuzung), die

für stabilen Halt sorgt und ein Verrutschen stoppt.

Die Stoffpartie um die Oberschenkel besteht

aus Osmos Heavy-Material. Deshalb ist die

Innenseite sehr weich auf der Haut, isolierend

und atmungsaktiv und die Aussenseite wirkt als

Hülle und bewirkt einen leichten Kompressions-

Effekt. Die Vorderseite wiederum wurde mit einer

2-lagigen TwinDeck-Struktur aus dem sehr leichten

und gut isolierenden Sphere Ultra-Material

versehen. Sie schützt vor eisiger Luft ist aber

noch atmungsaktiv. Der Gesässeinsatz in 3D-

Basaltfarben ohne kratercooler Luftlöcher auf der

Vorderseite wurde speziell für Rennen entwickelt.

Equipe RS: Spring/Fall Aero Gilet

Für den Wettkampf

Zu viele Schichten führen zur Überhitzung, zu wenige

Schichten zur Unterkühlung der Körpermitte. Hier ist oft

weniger mehr. Das neue Aero Gilet ist für den Einsatz im

Wettkampf konzipiert. Dabei wurden zwei Materialien

verwendet: Für die Vorderseite das 3-lagige Softshell

Material namens 2XS. Es schirmt Wind und Spirtzwasser

ab und schliesst die Köperwärme ein. Für die Rückseite

wurde der leichte und atmungsaktive PushPull-Soff verwendet.

Dadurch kann der Körper gut atmen und der

Schweiss wird leicht abtransportiert. Die Weste ist sehr

leicht, aerodynamisch und nahtlos mit Armlingen oder

anderen Kleidungsstücken kombinierbar.

9


Equipe RS: Spring/Fall Aero SS Jersey

Zum Schutz der Körpermitte

Zu Beginn und am Ende der Rennsaison kann es wieder

kühler werden und ein frischer Wind kann zusetzen.

Das neue Spring/Fall Aero SS Jersey schützt dann die

Körpermitte des Fahrers. Als Novum von ASSOS ist

dieses Trikot mit zwei „Ventilen” an den Schultern

ausgestattet, welche kühle Luft nach innen zwischen

die beiden Stoffschichten verteilt. Das

Trikot ist mit einem TwinDeck-Design versehen,

das aus zwei Schichten besteht. Das

Innenmaterial wärmt leicht, das Aussenmaterial

ist dehnbar. Die Kombination der

beiden macht das Trikot aerodynamisch

und leicht isolierend. Die Ärmel bestehen

aus SONIC-Material, einem elastischen

Ripp-Stoff, der sich an die Arme anschmiegt und

dank seiner aufgerauten Innenseite leicht isoliert.

Ein nützliches Feature ist der 2-Wege-Reissverschluss,

der es dem Fahrer ermöglicht, das Shirt

beim Hals geschlossen zu halten, damit die kühle

Luft nicht an die Brust gelangt, es aber am Bauch

zu öffnen, um etwas Kühlung zu verschaffen.

Equipe RS: Spring/Fall Jacket

Noch wärmender

Wenn das wärmende Jersey und Armlinge gegen die Kälte

nicht mehr reichen, dann ziehen sich Rennfahrer das neue

Spring Fall Jacket der Equipe RS-Kollektion über. Es

besteht aus einer atmungsaktivenund schnelltrocknenden

PushPull-Aussenschicht und dem Rhombus auf

der Innenseite, einem weichen Polypropylen-

Frottee, das den Schweiss abtransportiert

und isoliert. Das Jacket hält deshalb definitiv

die Kälte ab. Die beiden Ventile an

der Schulter (wie beim Jersey) sorgen für

Kühlung. Die einströmende Luft verteilt

sich zwischen den Schichten, weshalb

man nicht den Reissverschluss öffnen

muss, um sich Kühlung zu verschaffen.

Doch anders als beim Reissverschluss

bleibt die Aero-dynamik erhalten. Die

Ärmel sind aus SONIC-Material, das

sich anschmiegt und isoliert. Die

Ärmelabschlüsse sind offenkantig,

damit man sie nahtlos mit Handschuhen

kombinieren kann.

10


Equipe RS: Schlosshund Rain Jacket Evo

Weiter verbessert

Das Konzept ist nicht völlig neu, sondern wurde weiterentwickelt. Hergestellt wird die Jacke aus dem

Material Schloss Tex, ein rennerprobtes, wasserfestes 3L-Softshell-Material. Die Jacke verfügt über die

racingFit-Passform. Die 3-lagige Membran nimmt Feuchtigkeit auf und die Zusammensetzung ist

atmungsaktiv. Das gute Stück ist ein Leichtgewicht und wiegt nur 170 Gramm. Die Arm- und Halsabschlüsse

sind versiegelt, um die Reibung zu minimieren. Die Jacke verfügt über Taschenschlitze, um an

die Taschen des darunter liegenden Trikots zu gelangen. Der 2-Wege-Reissverschluss wurde überarbeitet

und handschuhfreundlich konzipiert. Der neue waterBlock-Saum weist Wasser ab und verhindert ein

Verrutschen der Regenjacke. Mit der neuen Farbversion Fluo Yellow ist der Fahrer bei Schlechtwetter

und Dunkelheit besonders gut sichtbar.

Weitere Informationen erhalten Sie bei ihrem Fachhändler oder bei ASSOS unter www.assos.com.

11


TransTirol BikeRallye

2 Mal quer durch die Dolomiten

Freunde der TransTirol BikeRallye dürfen sich 2020 ganz

besonders freuen. Das einzige Etappenrennen der Alpen

ohne Zeitnehmung geht in diesem Jahr nämlich gleich zweimal

über die Bühne. Im Juni und September treffen sich

motivierte Mountainbiker und E-Biker, um gemeinsam mit

den erfahrenen Guides die extra fürs Event beschilderten

Strecken in den Südtiroler Dolomiten zu erkunden. Dabei

immer im Vordergrund: Spaß am Biken, Naturerlebnis und

gemeinschaftliches Miteinander.

12


internationale Gruppe, die sich

einmal im Jahr trifft, um mit dem

Mountainbike durch die Alpen zu

fahren und dabei Spaß und Abenteuer

zu verbinden. 2020 bin ich

wieder dabei und kann es jetzt

schon kaum erwarten.“

Auf den Spuren der Kaiserjäger

Die erste TransTirol BikeRallye

2020 findet vom 28. Juni bis 4. Juli

statt. In 5 Etappen geht es dabei

durch das Herz der Dolomiten,

die von der UNESCO zum Weltnaturerbe

erklärt wurden. Startpunkt

ist wie bereits vergangenes

Jahr der Südtiroler Ort Niederdorf.

Von dort geht es über Cortina

d’Ampezzo, Falcade, San

Martino di Castrozza und den

Kurort Levico Terme bis an den

traumhaften Caldonazzo See.

Highlights dieser Tour sind die

Felstürme der Cinque Torri und

die Tour auf den Strudelkopf mit

Blick auf die berühmten Drei

Zinnen. Herrliche Blicke bieten

aber auch die typisch italienischen

Täler und Orte der südlichen

Dolomiten.

Die TransTirol BikeRallye

ist ein Etappenrennen

der etwas anderen Art.

Alle TeilnehmerInnen erhalten

Startnummern und es herrscht

die für Rennen typische Atmosphäre

vor. Der Unterschied ist

jedoch, dass das Rennen ohne

jeglichen Zeitdruck abläuft. Es

geht immer um den Spaß am

Biken, um Naturerlebnisse und

um gemeinschaftliches Miteinander.

Auch die eine oder andere Einkehr

in einer Almhütte gehört

ganz selbstverständlich dazu. So

verwandelt sich jede der fünf bis

sechs Etappen zu einem Ganztageserlebnis

unter Gleichgesinnten.

Damit der Genussfaktor auch

wirklich immer erhalten bleibt,

gibt es bei jedem der zwei Termine

eine „Classic“ und eine

„Challenge“ Tour. So wählt jeder

die für ihn passende Strecke.

Martin Budweiser, Chef-Guide

der TransTirol BikeRallye freut

sich schon jetzt auf den nächsten

Termin: „Eine eingeschworene,

Highlights der Dolomiten

Die zweite TransTirol BikeRallye

2020 findet vom 13. bis 19. September

statt. Die 6 Etappen dieser

Rallye führen auf derselben

Strecke wie vergangenes Jahr

von Niederdorf in Südtirol bis an

den wunderschönen Kalterer See.

Entlang der Strecke passieren die

TeilnehmerInnen die Orte St. Vigil,

Arabba, Moena und Deutschnofen.

Highlights der September-

Tour sind unter anderem die

Plätzwiese, die Armentara Wiesen,

die Sellaronda und der

„Signature Trail“ Carezza Trail.

Gewohnte Qualität

TeilnehmerInnen der TransTirol

BikeRallye erwartet eine Top

13


Organisation durch das Team von

FunActive Tours. Es besteht die

Möglichkeit, sich entweder einem

der erfahrenen MTB-Guides anzuschließen

und sich durch die

verschiedenen Landschaften und

über die unterschiedlichen Trails

führen zu lassen, oder auf eigene

Faust loszutreten und dabei die

Beschilderung, Streckenbeschreibung

und/oder GPS-Daten zu nutzen.

Darüber hinaus wird für Gepäcktransfer,

Übernachtung sowie

Bike-Service während der

Touren gesorgt. Zum Abschluss

gibt es noch eine tolle Abschlussfeier

mit Tombola.

Mit so vielen Bike-Leistungen und

Dolomiten-Highlights wird die

TransTirol BikeRallye 2020 bestimmt

wieder zu einem unvergesslichen

Erlebnis.

Anmelden kann man sich unter

www.transtirol-bikerallye.com.

14


Signature Trails Trophy

Entdecke die besten Trails der Alpen

Der Signature Trail ist DAS Aushängeschild

der „Mountain Bike

Holidays“ Regionen. Locals kennen

ihn wie ihre Westentasche,

alle anderen Mountainbiker haben

zumindest schon einmal von

ihm gehört. Die brandneue

Signature Trails Trophy ermöglicht

es, genau diese MTB-Trails

hautnah zu erleben. Ganz nebenbei

sammelt man Punkte und hat

so die Chance, attraktive Preise

zu gewinnen.

Das Repertoire der Signature

Trails ist umfangreich. Es reicht

von genussvollen Flowtrails, über

abwechslungsreiche Naturtrails

bis hin zu anspruchsvollen

Downhill Tracks. Dabei verteilen

sich die insgesamt 30 Trails über

die schönsten Bike-Regionen in

Österreich, Slowenien, Italien

und der Schweiz und versprechen

Abwechslung, verschiedene

Schwierigkeitsgrade sowie herrliche

Bergpanoramen. Das bedeutet,

es gibt Trails sowohl für

Anfänger als auch Profis.

Das Prinzip der Signature Trails

Trophy ist dabei ganz einfach:

Mit dem Mountainbike erkundet

man die Signature Trails der

„Mountain Bike Holidays“ Regionen.

Für jeden Trail, den man

fährt, gibt es Punkte. Durch das

Bewerten und Kommentieren der

Trails im Signature Trails Trophy

Konto kann man sein Punktekonto

zusätzlich aufbessern. Je

mehr Punkte man sammelt, desto

attraktivere Preise gibt es zu

gewinnen.

Alle Signature Trails inklusive

Foto- und Video-Storys, dazu

passende Trails Packages, eine

ausführliche Anleitung zum Ablauf

der Trophy sowie die zu gewinnenden

Preise und Belohnungen

gibt’s auf www.signaturetrails.com.

15


Price Bikes

Schweizer Qualität

zum minimalen Preis

Produkte, die in der Schweiz hergestellt werden, sind

in der Regel teurer als Produkte aus dem Ausland.

Günstige Produkte aus der Schweiz klingt wie ein

Widerspruch. Die Schweizer Bike-Marke „Price”

beweist jedoch seit Jahren, dass dies nicht der Fall

sein muss. An ihrem heutigen Standort im zürcherischen

Uster bauen die Macher von Price ihre Bikes

von Hand zusammen, verwenden hochwertige,

aufeinander abgestimmte Komponenten und

lackieren sie auf Wunsch mit einer der 33 wählbaren

Farben. Der Clou dabei ist, dass ein Price-Bike deutlich

günstiger ist als ein vergleichbares Bike einer

internationalen Marke.

von Rolf Fleckenstein


Es ist kein gottgegebenes

Naturgesetz, dass Produkte,

die in der Schweiz hergestellt

werden, in jedem Fall

deutlich teurer sind oder sein

müssen als vergleichbare Produkte

aus dem Ausland. Den

Beweis dafür, dass dies nicht so

ist, haben die Macher der

Schweizer Fahrradmarke „Price”

längst erbracht.

Die Geschichte der Marke „Price”

beginnt vor über 20 Jahren im

zürcherischen Mönchaltorf. Von

Grund auf verfolgte man das Ziel,

preislich attraktive Bikes anzubieten,

um dem Markennamen

gerecht zu werden, dies jedoch

nicht auf Kosten der Qualität.

Damit begann eine über 20-jährige

Erfolgsgeschichte.

Frei wählbare Komponentensets

Nicht nur die Verwendung von

Qualitätskomponenten zu günstigem

Verbraucherpreis hat sich

„Price” auf die Fahnen geschrieben,

nein auch das „Baukasten-

System” von „Price” lebt diese

Philosophie. Der Kunde kann bei

jedem Fahrradmodell aus verschiedenen

Komponenten und

ganzen Komponenten-Sets aussuchen

und sich sein Bike nach

Wunsch zusammenbauen lassen.

Kein Beschiss bei den

Komponenten

Hersteller von Komponenten wie

z.B. Shimano, Sram, usw. bieten

in ihren Portfolios ganze Bremssets

oder Schaltgruppen in verschiedenen

Qualitäts- und Preisklassen

an. die aufeinander abgestimmt

sind. Leider gibt es in der

Bikebranche viele Marken, die

aus Kostengründen nicht ganze

Sets verwenden, sondern Komponenten

von teuren Qualitätssets

mit Komponenten von günstigeren

Sets mischen, um den Profit

zu erhöhen, ohne dies dem Kunden

klar zu kommunizieren. Das

ist unfair, da der Kunde dies oft

gar nicht erkennt und häufig

weist der Hersteller das auch

nicht vollständig aus. Zum Beispiel

verweist eine Fahrradmarke

auf eine Shimano XT-Schaltung

beim angebotenen Modell, die

aber in Wahrheit eine billige

Kurbel eines anderes Sets verwendet,

eine günstigere Kette

oder die Schalthebel eines billigeren

Sets wie z.B. die von Deore.

Die Folge ist, dass man ein Bike

mit einem minderwertigen Mischsatz

erhält, der aber gegen aussen

mit den Qualitätskomponenten

verkauft wird.

Es ist deshalb wirklich erfreulich

zu hören, dass die Schweizer

Marke „Price” diesen Beschiss bewusst

nicht mitmacht, sondern

einheitliche Komponenten des

gleichen Sets verwendet, schliesslich

sind diese Komponenten vom

Hersteller perfekt aufeinander

abgestimmt.

18


Wunschfarbe gefällig?

Price setzt die Fahrräder am heutigen

Standort in Uster nicht nur

zusammen, sondern verfügt auch

über ein eigenes Lackwerk vor

Ort, weshalb der Kunde bei jedem

Bike aus 33 Farben frei auswählen

kann, welche Farbe der Rahmen

haben soll und dies für einen

geringen Aufpreis oder ohne Aufpreis,

wenn er eine der beiden

Standard-Farben wählt.

Made in Switzerland

Trotz des englischen Namens

handelt es sich bei „Price” um

eine reine Schweizer Marke, die

ihre Bikes selbst konzipiert und

in den modernen Produktionshallen

am heutigen Standort im

zürcherischen Uster von Hand

nach den Vorgaben der Kunden

sorgfältig zusammenbaut. Hier

arbeiten ausgebildete Schweizer

Mechaniker zu Schweizer Löhnen.

Wo möglich achtet der Hersteller

darauf, dass Schweizer Produkte

verwendet werden und einheimische

Partner beigezogen, um den

Werkplatz Schweiz zu stärken.

Bilder unten: Ausgebildete Mechanikerinnen und Mechaniker stellen mit grösster Sorgfalt von Hand das Fahrrad

bzw. E-Bike des Kunden in den modernen Produktionshallen in Uster zusammen.

19


Bilder: Die 33 frei wählbaren

Rahmenfarben werden von Hand in

Uster aufgetragen; die Bestellung

kann bequem online erfolgen.

Trotz der zahlreichen Sonder-

Aufwendungen, die der Schweizer

Hersteller schultern muss (höhere

Schweizer Löhne, höhere

Schweizer Infrastrukturkosten,

fairer Komponenten-Einbau, höhere

Einkaufskosten, usw.) bietet

„Price” seinen Kunden Fahrräder

und E-Bikes zu Preisen an, die

deutlich günstiger sind als diejenigen

der oft grossmundigen

Konkurrenz aus dem Ausland.

Bei „Price” erhält der Kunde

echte Schweizer Qualität zum minimalen

Preis.

Das Konzept von Price hat von

Grund auf funktioniert und die

Kunden, die zumindest davon

wussten, haben reihenweise zugeschlagen,

weshalb die Marke in

der Vergangenheit stetig wuchs.

Mit Engagements im Sport - als

bekanntester Vertreter ist wohl

Franco Marvulli zu nennen, der

auf „Price” zahlreiche Siege bei

Schweizer Meisterschaften oder

dem Zürcher 6-Tage-Rennen einfuhr

- wuchs die Bekanntheit der

Marke. Der frühe Erfolg zwang

die dahinter stehende Firma GPR

AG von Mönchaltorf nach Nänikon

und später nach Uster zu ziehen.

Seit 2007 arbeiten die Macher

von Price in einer eigenen

Liegenschaft in Uster an ihren

mitunter zahlreichen Modellen

und vertreiben dabei auch hochwertige

Komponenten namhafter

Hersteller. Mit einem schweizweiten

Netz von Fachhändlern erreicht

„Price” in fast allen Regionen

der Schweiz ihre Kunden.

Wer Price bereits kennt, wundert

sich nicht darüber, dass er für ein

modernes E-Mountainbike mit

hochwertigen Komponenten keine

CHF 5’000.00 zu berappen hat,

wogegen er bei namhaften Marken

aus dem Ausland schnell einmal

CHF 7’500.00 für ein gleichwertiges

E-Bike hinblättern muss.

Sie wollen mehr wissen? Schauen

Sie nach bei www.price-bikes.ch.

20


Bild: Price e-Pro STEPS ab CHF 4195.00

Bild: Price e-allmountain ab CHF 5095.00

Bild: Price e-marathon ab CHF 4895.00

21


Markt: Von Diavelo zu Protanium

Von der Importeurin zur Herstellerin -

eine 180-Grad Wende

Aus der Not eine Tugend machen, das ist die Kunst, welche Karin Vogelsanger

beherrscht. Vor drei Jahren lernten wir sie und ihre Geschäftspartnerin Edith Preinfalk

kennen, als sie damit begannen, die E-Bike-Marke Diavelo in die Schweiz zu importieren,

ein bestehendes Importgeschäft liessen sie zurück. Nach rund 2 1/2 Jahren und etlichen

Schwierigkeiten haben sie das Geschäft völlig umgekrempelt und starten nun in erster

Linie als Produzent von E-Bikes für Drittfirmen unter der neuen Firma Protanium.

von Rolf Fleckenstein

Mit viel Elan waren die

zwei Damen 2017 mit

Diavelo gestartet, doch

der Weg sollte steiniger werden

als erhofft. Zu Einzelheiten äussert

sich die frischgebackene Geschäftsführerin

der neuen Protanium

GmbH nicht, aber sie erzählt

mir, dass sie als Importeurin

der Marke Diavelo so manchen

Kampf auszutragen hatte. Eine

grosse Belastung für Nerven und

Finanzen stellte ein Händler mit

einem grossen und vertrauenserweckenden

Namen dar, der ihr

bis heute eine grosse (6-stellige)

Summe schuldig blieb. Solche Geschichten

können einem die Freude

an der Arbeit echt vermiesen.

Bilder: Karin Vogelsanger, Geschäftsführerin der Protanium GmbH (links)

und das Team der Diavelo Schweiz AG anno 2017 (oben)

Doch der Diavelo Schweiz fehlte

von Anfang an auch ein starkes

Netz von Fachhändlern, was in

der Schweiz ein wichtiger Punkt

für den erfolgreichen Vertrieb

von Fahrrädern und E-Bikes ist.

Der Jumbo-Markt alleine als Partner

in allen Ehren wird sicherlich

nicht reichen. Zudem setzte Diavelo

zu sehr auf das Luxus-

Modell „Pininfarina”, doch das

geplante und wirtschaftlich interessante

Segment der Elektro-

Mountainbikes war zwar angedacht,

aber nie in die Tat umgesetzt

worden. So kann man vermuten,

dass der Absatz schleppender

verlief als erhofft und ein

finanzieller Ausfall zusätzlich die

mutmasslich schwierige Situation

verschärfte.

Doch wozu sind schlechte Erfahrungen

nütze, wenn man es nicht

versteht, diese in Kapital umzumünzen.

Karin Vogelsanger scheint

mit solchen Situationen umgehen

zu können. Kurzerhand verstand

sie es, ihren chinesischen Partner

als Investor zu gewinnen, kaufte

der Accell Group die Firma Protanium

ab (Sachwerte, Marken)

gründete dafür die neue Firma

Protanium GmbH in Zürich, um

inskünftig für andere Bikehersteller

und Marken Bikes und E-Bikes

in China und Portugal zu produzieren.

Von der Importeurin anno

2017 hat sie in Rekordzeit den

Wandel zur Herstellerin geschafft.

Respekt vor so viel Anpassungsfähigkeit.

23


Bike-Neuheiten

Bianchi

Wieder im

Schweizer Markt

Die Traditionsmarke Bianchi, die in Italien 1885

gegründet wurde, hat ruhmreiche Zeiten hinter

sich und stand über Jahrzehnte für eine Qualität

der allerersten Güte. Doch mindestens in den

letzten 10 vergangenen Jahren, wenn nicht

noch länger, war die Vorzeigemarke aus dem

Schweizer Markt verschwunden. Nun vertritt

die Firma Trendissima Sàrl in der französischen

Schweiz die Marke wieder, auch wenn ich die

Leute dort telefonisch nie erreichen konnte. Die

neuen E-Bikes sind optisch eine Wucht, aber sie

bitten auch heftig zur Kasse, besonders die heissen

SUV-Modelle wie z.B. das E-SUV Racer mit

CHF 11’699.00 oder das E-SUV Rallye mit CHF

10’799.00 inkl. Shimano Steps E8000-Motor.

Preislich geht es bis auf CHF 2’799.00 runter

inkl. Bianchi-Motor mit 85 Nm.

Cilo

Erste Bilder

Vor zwei Jahren haben wir einen grossen Bericht

über die Schweizer Traditionsmarke Cilo und die beiden

damaligen Macher, die dahinter standen und welche

die Marke wieder lancieren wollten, publiziert. In

der Zwischenzeit hat sich viel getan, ein Finanzinvestor

ist eingestiegen und neue Leute sind mit am Ruder.

Bereits letztes Jahr versprach man mir einen

Prototypen, doch daraus wurde nichts. Dem Management

fehlt es vermutlich an profunder Erfahrung als

Hersteller, eine eigene Fabrik besteht nicht.

Mittlerweile hat man einen starken

Partner aufseiten der Produktion

gefunden und die ersten Modelle

sollen im März in die Läden kommen.

Was man sieht, wirkt echt

marktfähig, doch nun muss eine

Werbekampagne her. Ein grosser

Schritt ist getan, doch es braucht

noch weitere Schritte. Ob die alte

Marke wieder den Ruhm von früher

erlangt? Im Moment ist das noch fraglich,

doch ich drücke die Daumen.

24


ANOTHER BEST DAY

© AGENCY N-Z PROJECT

Photo ©

ENTDECKE

DAS NEU UE

E-TRACK

TRAIL

Für alle Abenteurer auf der Suche nach

dem grösstmöglichen Nervenkitzel in den

Bergen bietet das

E-Track Trail höchste

Leistungsfähigkeit, stabiles Handling

und dank 150mm Federweg komfortable

Fahreigenschaften. Die Shimano Steps

E8000 Einheit mit

einer integrierten 500

Wh Batterie sorgt bergauf für genügend

Power.

E-TRACK TRAIL


Wheeler i-Riser Speed 45

Einsatz leider beschränkt

Eigentlich ist es sehr erfreulich, dass es Hersteller

gibt, die den Mut haben, ein Elektro-Mountainbike

auf den Markt zu bringen, das mit einer Motoren-

Unterstützung bis 45 km/h ausgestattet ist. So ein

Speed-E-Mountainbike verspricht doch viel Spass.

Der Haken bei der Sache ist, dass man so ein schönes

Offroadteil nicht im Wald benutzen kann, was

im Klartext bedeutet, der Einsatz als Mountainbike

ist kaum möglich, es sei denn auf Privatgrund.

Sowohl das Waldgesetz, das Strassenverkehrsgesetz

§43 Abs. 1, als auch die Signalisationsverordnung

und die Verordnung über die technischen

Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS) schieben

dem Unterfangen gesetzlicherseits einen

Riegel vor. Es gibt 1001 gesetzliche Barrieren.

Zudem sind nicht alle glücklich mit den Speed E-

Bikes nicht einmal auf Velowegen, das ist schon

länger ein politisches Thema. Im Endresultat

bedeutet es bei heutiger Gesetzeslage: Ein Speed-

E-MTB kann man auf Trails nur ohne Motor fahren!

Ha, ha, wie witzig! In Deutschland ist es nicht

besser, sondern eher noch strenger. Das ist der

Grund, weshalb Hersteller kaum solche E-Bikes

produzieren, denn wer sollte die kaufen. Zudem

droht im Falle eines Unfalls oder Schadens der

Regress der Versicherung auf den Fahrzeugführer.

Das ist ärgerlich, aber solange sich niemand für

eine Veränderung der Gesetzgebung stark macht,

bleibt das vorerst so. Ein Mountainbike gehört auf

natürlichen Untergrund und nicht auf die Strasse,

das Modell hier ist aber fast „nur” auf der Strasse

einsetzbar.

Rafael Walter vom Productmanagement bei

Intercycle hat uns erklärt, weshalb man sich dazu

entschlossen hat, dieses E-Speed-MTB auf den

Markt zu bringen. „Es ist wie bei den Nutzern von

SUVs, die fährt man in der Stadt, weil sie mehr

Komfort bieten und nicht des Terraines wegen.

Unser Speed E-MTB richtet sich an eine Zielgruppe

wie Pendler und Städter, die das E-MTB auf der

Strasse und auf Velowegen einsetzen wie gesetzlich

zugelassen. Dabei gibt es auch zahlreiche

Velowege in der Schweiz, die nicht asphaltiert

sind, sondern mit Kies oder anderem Material

bedeckt. Auf solchen Untergründen ist unser i-

Riser Speed 45 zusätzlich im Vorteil.”

26


Colnago Arabesque

Vintage-

Schönheit

Colnago ist eine der italienischen

Fahrradschmieden, die sich dem

Rennrad und der Qualität

verschrieben haben und die

eine Geschichte haben.

Mountainbikes findet

man aktuell nicht in der

Kollektion. Nebst zwei

neuen E-Rennrädern findet

sich jedoch diese

Rennrad-Schönheit im Stile

der 70-er Jahre mit einem ultraschlanken

Rahmen, waagrechtem

Oberrohr, Schalthebeln am

Unterrohr, Kabel, die entlang des

Rahmens verlaufen, usw. Für

Nostalgiker und Vintage-Freunde

eine rundum gelungene Sache.

Kompliment zu so viel Schönheit!

BMC Alpenchallenge

Rückfall in die E-Bike-Steinzeit?

Die Marke, die gemäss Insidern zum Verkauf steht, hat sich

erst spät (2018) dazu entschlossen, E-Bikes auf den Markt zu

bringen zu teilweise völlig überteuerten Preisen (Trailfox

AMP LTD / Speedfox AMP LTD für 12/13000 CHF), nun treten

sie dieses Jahr mit E-Rennrädern auf, dessen Design an die

Urzeit der E-Bikes erinnert. Vor 5-10 Jahren klebte man noch

einen grossen Akku ans Rohr, das machen alle anderen Marken

heute stilvoller. Wo ist die Leidenschaft für das E-Bike und

ein schönes Design? Meiner Meinung nach ein Rückschritt.

27


Polygon Xquarone DH9

Abenteuer-DNA

Wahrscheinlich werden im deutschsprachigen Raum nur

wenige die indonesische Fahrradmarke Polygon kennen,

denn nach Händlern und Distributoren kann man suchen,

doch in der internationalen Downhillszene ist sie ein Begriff.

Tracey Hannah, aktuelle Nummer 1 der UCI Weltrangliste

bei den Downhill Damen fährt auf Polygon Sieg um Sieg

ein. Die eigentümliche Form des Downhillers sagt schon

alles. Doch das Bike ist nicht alleine als Racebike konzipiert,

sondern soll alle jene ansprechen, die das Abenteuer auf den

Trails suchen. Der Hersteller verspricht, dass der

Einsatzbereich breiter sei, denn die Tretleistung und das

Schaltverhältnis sollen mit einem Allmountainbike vergleichbar

sein, bloss dass dem Fahrer oder der Fahrerin hier

218 mm Federweg zur Verfügung stehen. Da kann man es

mit dem 16 Kilo- und 27.5-Zoll-Bike ordentlich krachen lassen.

Für USD 5499.00 ist das einzigartige Stück zu haben.

Mehr Infos unter www.polygonbikes.com.

28


Exess

Powerbike erstmals

25er Version

Die Marke Exess im deutschen

Göllheim produziert seit einigen Jahren

E-Mountainbikes für die Motocross-

Strecke. Der Motor mit 160 Nm schiebt

das E-Bike beim Treten bis auf 60-70

km/h an. Wie uns der Geschäftsführer

Jürgen Schulz von der zuständigen

Firma S-TECH Racing GmbH erklärt,

sind die E-Bikes aus gesetzlichen und

versicherungstechnischen Gründen

nicht für den Strassenverkehr oder den

Einsatz auf Trails zugelassen. Wer es

trotzdem tut, trägt das entsprechende

Risiko. Schon 2017 überlegte man eine

25 km/h-Version, nun soll sie diesen

Sommer tatsächlich auf den Markt kommen.

Man darf gespannt sein.

Canyon: Grand Canyon:ON AL 9.0

Endlich im E-Bike-Markt

Es hat einige Zeit gedauert, bis der deutsche Direktvertriebler

Canyon auf das „E-Bike-Pferd” gesetzt hat.

Und dass da konzeptionell und von den Leistungsdaten

her noch Luft nach oben ist, zeigt ein Blick auf

das aktuelle E-Bike-Sortiment. Wir stellen hier ein

optisches gelungenes E-Hardtail vor, das Grand

Canyon:ON AL 9.0, welches mit einem Shimano

Steps E8000-Motor mit max. 70 Nm und einem 504

Wh-Akku von Shimano ausgestattet ist. Die Fox

34 Rhythm Federgabel mit 120 mm Federweg

und die Shimano 4-/2-Kolben-Bremsanlage

gehören zu den Stärken des E-MTBs wie auch

die vom Lenker aus bedienbare Sattelstütze.

Das Gewicht ist mit rund 22 kg okay. Beim

Schaltwerk wird ein Mischsatz aus verschiedenen

Komponentensets verwendet, na ja. Die

grösste Stärke von Canyon ist sein Preis von CHF

3’549.00. Was die Ausstattung anbelangt insbesondere

beim Motor, Akku und Schaltwerk gibt es noch

Steigerungspotential vom aktuellen Look der Trailund

Allmountain-E-Bike-Modelle ganz zu schweigen.

29


Pinarello Maat

Bahn-Wundermaschine

Pünktlich auf die Olympiade 2020 hin, präsentiert

Pinarello seine neue Wunderwaffe für Bahnrekorde:

Das Pinarello Maat mit dem asymmetrischen Carbon

Torayca T1100 1K-Rahmen. In Anlehnung an den

Pinarello Bolide HR-Rahmen, der für Bradley Wiggins

Stundenrekord entwickelt wurde, ist er in erster Linie

als Plattform für Ausdauer- und Sprintfahrer gedacht.

Wie der Dogma F12-Straßenrahmen verfügt auch der

MAAT über ein radikal asymmetrisches Rahmendesign

und eckige Kettenstreben, die laut Pinarello „den beim

Treten erzeugten asymmetrischen Kräften optimal entgegenwirken,

um ein symmetrisches Verhalten beim

Fahren des Fahrrads zu gewährleisten“. Das Pinarello

Maat verkörpert eine Maximierung von Design,

Kinematik und Ingenieurskunst. Entwickelt wurde das

Maat mit Einbeziehung der italienischen Nationalmannschaft,

um Athleten der Disziplinen Omnium, Madison

und Sprintrennen zum Sieg zu verhelfen. Design

geglückt. Erfolge?

Husqvarna Exteme Cross 10

E-Downhiller

So etwas sieht man eher seltener, ein

Downhill-Bike mit Elektromotor.

Motocrosser kennen die exotische

Marke schon lange. Die noch junge

Firma Pexco, die heute zur Pierer-

Gruppe gehört, bringt seit jüngerer Zeit

Husqvarna E-Bikes auf den Markt.

Solch ein massives Teil Downhillern

zur Verfügung zu stellen, soll sie offensichtlich

dazu motivieren, das Ding

uphill einzusetzen. Das Design gefällt,

das Setting stimmt - 200 mm Federgabel

von Fox, 10-Gang-Schaltung und

4-Kolben-Bremsanlage von Shimano -,

doch beim Motor hätte man auch einen

stärkeren als den Shimano Steps E8000

wählen können. Das 26 Kilo-Teil ist

eine coole Sache. Wer greift zu?

30


Trek Domane+ LT9

Karbon E-Renner

Auch Trek bringt dieses Saison

Elektro-Rennräder auf den Markt,

darunter das Luxusmodell Domane+

LT9 in drei speziellen Farben. Es ist

das Highend-Karbon-Modell mit

Rahmen, Gabel und Rädern aus

Karbon. Zusätzlich ist das edle Stück

mit einer elektronischen Dura Ace

Di2-Schaltung und einem leichten

Fazua Motor ausgestattet. Die hochwertige

Ausstattung wirkt sich positiv

auf das Gewicht aus - 10.7 kg ohne

Motor und 13.6 kg mit Motor gemäss

Angaben des Herstellers - dafür negativ

auf den Preis: CHF 12’499.00.

31


Whistle

Ein Riesenschritt nach vorne

Vor bereits sechs Jahren haben wir in unserem E-Bike Guide die Marken Carraro, Whistle und Atala

vorgestellt, die im deutschsprachigen Raum wiederum nicht sehr bekannt sind. Die traditionellen italienischen

Fahrradmarken kennt man eher in Italien. Die Marken, die von der Firma Atala geführt werden,

gehören zur holländischen Accell Gruppe. Wer die aktuelle Palette anschaut, staunt nicht schlecht, wie

aus dem hässlichen Entlein von früher ein anschaulicher Schwan geworden ist. Als Beispiel zeigen wir

das neue E-Rennradmodell Flow Alloy mit Aluminiumrahmen, Karbongabel, Shimano Ultegra-Satz und

Fazua Elektromotor und einem Design, das sprachlos macht. Kompliment! Von den zahlreichen

Elektro-Enduro- und Allmountain-Modellen namens „B-Rush” mit hochwertigen Shimano- und Fox-

Kompenten und leistungsfähigem Bosch-Motor ganz zu schweigen.

32


R Raymon

Junge Marke

Susi Puello und ihr Ehemann

Felix waren lange Zeit

Geschäftsführer der deutschen

Marke Haibike. Im Zuge der

Veränderungen der Accell

Groupe, zu der die deutsche

Winora Gruppe mit ihrer

Marke Haibike gehört, haben

sich unterschiedliche Auffassungen

aufgetan,welche das

Ehepaar bewog, neue Wege zu

gehen. Entstanden ist dabei die

Firma Pexco und die Marke R

Raymon, die seit 2017 tätig ist.

Heute gehört die Firma zur

mächtigen Pierer-Gruppe. Es

verwundert daher nicht, dass

die Marke mit staatlichen

78 Fahrrädern und eindrucksvollen

74 E-Bike-Modellen

aufwartet. Das Design:1a.

34


Wilier e903 TRN

Eigenwillig

Wilier ist eine kleine italienische Marke aus

der Provinz Vicenza in der Region Venetien

mit sehr eigenwilligen Konzepten und Designs.

Leider kennen sie nur wenige Biker im

deutschsprachigen Europa. Leider tun weder

der Hersteller noch der Importeur etwas dafür,

die Bekanntheit der Marke zu steigern. Das

Modell e903 TRN ist das neue Elektro-

Allmountainbike mit einer 150 mm Federung

von RockShox in der 29 Zoll-Grösse, die für

ihre Traktions-Vorteile im Gelände bekannt

ist. Ein Shimano Steps-Motor unterstützt den

Fahrer nebst der 12-Gang-Schaltung von

Shimano, bei welcher ein Mischset vorliegt.

Der Hersteller spricht von 23.7 kg, was absolut

kompetitiv ist. Die abgebildete Farbmischung

gefällt, es gibt aber noch eine zweite

Farbvariante. Wie es sich fährt, muss ein Test

zeigen. Erst dann kann man sich über den

Preis von € 5’200.00 auslassen.

Pivot Shuttle

Bequem und leicht

Das Pivot Shuttle ist nicht ganz neu,

bereits vor drei Jahren wurde das

Modell vorgestellt, nun hat es einige

Änderungen erfahren und ein zweite,

leicht günstigere Ausführung erhalten.

Das Shuttle sieht aus wie ein normales

Enduro-Bike, denn die Geometrie ist

bewusst dieselbe. Die Sitzposition ist

bequem aufrecht. Die amerikanische

Edelmarke aus Tempe/Arizona verwendet

einen Karbonrahmen, wodurch das

E-Allmountainbike deutlich leichter

wird. Das 29er E-Bike gibt’s in der

Version „Team XTR” mit leichter 12-

Gang XTR-Schaltung von Shimano

oder in der Version „Race XT” mit einer

11-Gang XT-Schaltung für $ 10’499

bzw. $ 7’899. Bei beiden unterstützt ein

Shimano Steps E8000-Motor.

35


Test Haibike Flyon

Power ohne Ende

Power beim Motor, Power im Design,

Power auf den Trails: Das Haibike Flyon

steht für Power beim E-Mountainbiken.

Mit seinem integrierten TQ-Motor mit

max. 120 Nm hat es die Aufmerksamkeit

der Bikewelt gewonnen, doch das Flyon

überzeugt vor allem auch dank seines

fantastischen Designs und seiner

erstaunlichen Stabilität.

von Rolf Fleckenstein


Nur wenige E-Mountainbikes

geniessen eine solch

grosse Aufmerksamkeit,

wie sie aktuell dem Haibike Flyon

geschenkt wird. Das gesamte

Konzept, seine Architektur und

seine Leistung, beeindruckt E-

Bike-Fans auf der ganzen Welt

genau wie mich. Umso gespannter

war ich auf einen Test dieses E-

Bikes. Vor allem die 120 Nm und

was sie bedeuten, interessierten

mich, als auch das Verhalten des

Flyons auf den Trails. Noch vor

wenigen Jahren musste man sich

als E-Bike-Fahrer mit 40-50 Nm

Drehmoment herumschlagen und

alle Vertreter der E-Bike-Marken

jubelten, wie grossartig das sei,

doch in Wahrheit mangelte es an

befriedigender Leistung und Ausdauer.

Es gibt seit einigen Jahren

Motorenkits und E-Bikes, die mit

160 Nm und 70 Stundenkilometer

unterwegs sind, doch sind sie nicht

für den Verkehr zugelassen. Nun

bietet Haibike mit dem Flyon ein

auf Strassen und Trails zugelassenes

E-Bike mit 120 Nm und

damit das stärkste E-Bike im

Markt. Wie wird sich die Power

von 120 Nm bei dem E-Bike entfalten,

das mit seinen rund 28 kg

zu den schwersten gehört?

Ein echtes E-Bike

Und tatsächlich, wer das Haibike

Flyon am Sattel heben will, merkt,

wie schwer es ist, insbesondere

sein Hinterbau. Von seiner Gewichtsklasse

ist es kein Fahrrad

mehr, sondern eher ein Mofa.

Und bereits an diesem Punkt wird

klar, dass die Marke etwas wirklich

Neues geschaffen hat. Beim

Haibike Flyon handelt es sich

nicht wieder um ein Fahrrad, an

welchem ein Elektromotor angeklebt

wurde. Offensichtlich hat

man bei den Machern der Marke

verstanden, dass ein E-Bike eine

eigene neue Fahrzeugklasse ist,

die auch ein ganz eigenes Design

benötigt. Genau dies ist beim Haibike

Flyon vortrefflich gelungen.

Der Motor und der Rahmen sind

eins! Und etwas, das so viel Kraft

38


hat, darf und muss auch etwas

Gewicht haben, das sorgt schliesslich

für die notwendige Stabilität.

Sicherlich die Verteilung des Gewichtes

ist für das Verhalten des

E-Bikes fast noch wichtiger.

Sportlicher als gedacht

Einmal aufgesessen merke ich zu

meiner Überraschung, dass man

sportlich gestreckt auf dem Haibike

Flyon sitzt. Ganz offensichtlich

richtet sich das E-MTB an

eine sportliche Zielgruppe, die

weiss, was es bedeutet, mit einem

E-MTB sportlich auf Trails unterwegs

zu sein. Also nichts für Omas

und Opas, die gemütlich durch

den Wald trödeln wollen. Nun bin

ich gespannt. Ich stelle gleich einmal

die höchste Stufe des Motors

ein, um jetzt den Motor und dessen

Stärke zu testen, doch der

Parkplatz und die Strasse sind sicherlich

nicht das richtige Gelände

dazu. Eine ungewohnte Power

entwickelt der erste Pedaltritt

- ach, das war's, was die Entwickler

damit meinten! - doch ehrlich,

es ist auch sehr schnell Schluss

auf der Strasse, denn man ist im

Nu über der 25 km/h-Marke und

bei 28 km/h spürt man, dass die

Unterstützung nicht mehr da ist,

man kann treten, wie man will.

Auf der Strasse wird einem bewusst,

dass der Motor seine unglaubliche

Power gar nicht voll

ausleben kann, man ist blitzschnell

über dem Speedlimit, ein

Speed-E-Bike könnte die Wucht

des Motors besser ausleben. Doch

auf Trails in der Natur ist ein

Speed-E-Bike nichts, da würden

sich Viele den Hals brechen, abgesehen

davon, dass so ein E-

Bike für diesen Einsatz gesetzlich

gar nicht zugelassen ist. Doch den

Berg hinauf, erweist sich das Stahlpferd

als Kampfmaschine, auch

die steilste Neigung hoch bewege

ich mich je nach Pedaleinsatz

zwischen 18 und 24 km/h Geschwindigkeit.

Nach 3-4 km ständiger

Steigung beginnt der Puls

langsam stärker zu schlagen und,

wow, es geht noch weiter hoch.

39


Oh diese Zentralschweiz und ihre

Hügel und Berge! Ich bin froh, als

ich nach gefühlten 1000 Höhenmetern

in ein Waldstück einbiegen

kann, um die Flyon Powermaschine

auf den Trails zu testen.

Unglücklicherweise ist es am frühen

Vormittag im Februar in der

Höhe nicht nur frisch, sondern die

Steine und Wurzeln sind leicht

vereist, weshalb massive Rutschgefahr

besteht. Ich darf es jetzt

also nicht zu bunt treiben. Doch

zu meiner Überraschung verhält

sich das Flyon sehr ruhig, es fährt

sich sehr stabil und auch Sprünge

in der Luft sind ruhig, das Flyon

schluckt Schläge mühelos und

behält die Ruhe, dafür verantwortlich

sicher das grosse Gewicht.

Die Trails bergwärts sind

kein Problem, der Motor entwikkelt

auf der stärksten Stufe nach

Handbuch im besten Falle 840%

Unterstützung, das ist Rekord

und so fühlt es sich an, auch wenn

man nicht das Gefühl für eine 8-

fache Kraft der eigenen Tretkraft

verspürt. Dabei haben die Ingenieure

darauf geschaut, dass das

Flyon dank Anti-Squat uphill nicht

absackt. Bergaufwärts kann das

Haibike Flyon immer, solange man

tritt, vielleicht nicht die Eiger Nordwand

hoch, aber sein Einsatzradius

ist gross. Bergab zeigen sich

die 150 mm meines Allmountain-

Modells (Allmtn 8.0) als völlig ausreichend,

auch wenn Modelle mit

180 mm als Freeride-E-Bikes zur

Auswahl stehen und den Einsatz

im Downhillbereich möglich machen.

Das Haibike Flyon ist auf

den Trails kein Seiltänzer, kein

Trail-Motorrad, mit dem man

über die Steine tänzelt, sondern

eine schwere Powermaschine, die

sich wie ein zweirädriger Panzer

sicher durchs Gelände pflügt.

Unsicherheiten sind nicht auszumachen.

Dabei hilft natürlich

auch das massive Karbon-Chassis

für die vorteilhafte Steifigkeit des

E-MTBs. Bergauf verhindert das

Gewicht des Haibike Flyons, dass

man allzu leicht in den Wheelie-

Modus übergeht, das scheint eher

40


schwierig, wenn solches denn

überhaupt ein Bedürfnis ist. Das

wuchtige Gewicht des Flyons ist

nur in besonderen Situation ein

Thema, beispielsweise, wenn man

im Gelände unfreiwillig stecken

bleibt und man das E-Bike über

ein Hindernis heben muss oder

wenn man in die Gondel einsteigt

und das Flyon festmachen muss.

Abgesehen von diesen Ausnahmesituationen

ist das Gewicht des

Haibike Flyon nie ein Thema,

sondern es scheint sich beim

Biken sogar positiv auszuwirken.

sollte sich die Marke überlegen,

eine Speed-Version mit 45 km/h

für diese Linie auf den Markt zu

bringen, damit man den Motor

auf der Strasse voll ausleben kann.

Das Nonplusultra bildet das grosszügige

Display, das per Touchscreen

leicht bedient wird und

über die eConnect App Funktionen

wie einen Diebstahlschutz

mit GPS-Verfolgung, das Absenden

eines Notsignals bei Stürzen

oder das Aufzeichnen von Tourdaten

anbietet. Moderner geht's

nicht. Wer über das nötige Kleingeld

verfügt, darf sich darüber

freuen, ab diesem Frühjahr ein

Haibike Flyon-Modell erwerben

zu können.

Stabiles Powerbike

Alles in allem muss man den

Machern bei Haibike dankbar

sein, dass sie rund drei Jahre an

der Entwicklung eines neuen E-

Bikes gearbeitet haben, um den

Konsumenten so ein Prachtsteil

hinzustellen. Das Haibike Flyon

ist ein visueller Genuss, das Design

versprüht masslose Kraft,

damit liegt das Flyon klar an der

Spitze aller E-MTBs, wenngleich

Design immer auch Geschmacksache

ist. Die pure Kraft, mit welcher

der Motor das E-MTB anschiebt,

beglückt jeden E-Bikefahrer.

Diese Power braucht es

aber auch, um das höhere Gewicht

spielend hochzuschieben.

Auf den Trails zeigt sich das Haibike

Flyon souverän, gut lenkbar,

stabil, ruhig und sicher und überzeugt

mit einer hervorragenden

Federung. Es ist kein Seiltänzer

sondern ein Runner, der Höhen

schnell erklimmt und Abfahrten

sicher meistert. Abgesehen von

Ausnahmesituation ist das höhere

Gewicht kein Nachteil, sondern

sogar ein Vorteil insbesondere

auf den Trails. Nachdem

sich eine Trekking-Modellreihe

unter den vier Linien von Haibike

Flyon befindet, die vor allem auf

der Strasse ihren Einsatz findet,

41


Bild: Nduro 10.0

Bild: Nduro 5.0

Bild: Nduro 8.0

Bild: Allmtn 8.0

Bild: Allmtn 10.0

Bild: Allmtn 5.0

42


Bild: AllTrail 6.0

Bild: AllTrail 5.0

Bild: Adventr 6.0

Bild: Adventr 5.0

Haibike Flyon - Modellübersicht

Segment Modell Federung Motor/Akku Preis

Fully

Freeride

Fully

Allmountain

Hardtail

Trekking

Nduro 10.0 180 mm Flyon HPR120S, 120 Nm, 25 km/h, 630 Wh CHF 10’999.00

Nduro 8.0 180 mm Flyon HPR120S, 120 Nm, 25 km/h, 630 Wh CHF 8’499.00

Nduro 5.0 180 mm Flyon HPR120S, 120 Nm, 25 km/h, 630 Wh CHF 7’499.00

AllMtn 10.0 150 mm Flyon HPR120S, 120 Nm, 25 km/h, 630 Wh CHF 10’999.00

AllMtn 8.0 150 mm Flyon HPR120S, 120 Nm, 25 km/h, 630 Wh CHF 8’499.00

AllMtn 5.0 150 mm Flyon HPR120S, 120 Nm, 25 km/h, 630 Wh CHF 7’299.00

AllTrail 6.0 140mm Flyon HPR120S, 120 Nm, 25 km/h, 630 Wh CHF 7’299.00

AllTrail 5.0 140 mm Flyon HPR120S, 120 Nm, 25 km/h, 630 Wh CHF 5’999.00

Adventr 6.0 120mm Flyon HPR120S, 120 Nm, 25 km/h, 630 Wh CHF 7’299.00

Adventr 5.0 120mm Flyon HPR120S, 120 Nm, 25 km/h, 630 Wh CHF 5’999.00

43


Nino Schurter

Mr. Unbesiegbar

Acht gewonnene Weltmeisterschaften und ein kompletter olympischer

Medaillensatz: Wer denkt, das MTB-Ass Nino Schurter könnte sich

langsam zur Ruhe setzen, der irrt. Heuer will er in Tokio sein

Olympiagold und in Albstadt seinen WM-Titel verteidigen.

von Henning Heilmann

Nino nimmersatt? Auch

nach acht WM-Siegen im

Crosscountry will Schurter

weiter rasant die Regenbogenfarben

verteidigen. An der

Olympiade in Tokio will er die

Goldmedaille verteidigen. Wer

kann Nino Schurter dabei überhaupt

stoppen? Vielleicht nur die

Absage grosser Sportveranstaltungen

im Zuge des Coronavirus.

Schon früh war Nino Schurter

hungrig auf Siege. So holte er sich

in sämtlichen Nachwuchskategorien

im Mountainbiken die

Schweizer-Meistertitel: 2002 bei

den Kadetten, 2004 bei den Junioren,

2005, 2006, 2007 und 2008

bei den Espoirs (U23). Bei den

Junioren-Weltmeisterschaften

gewann er 2003 die Silbermedaille,

und schon 2004 holte er

den Titel. Die Stiftung Schweizer

Sporthilfe zeichnete Schurter daher

2004 als Nachwuchsathleten

des Jahres aus. Ein Jahr darauf

wurde er bei der Mountainbike-

Weltmeisterschaft in Livigno in

der Kategorie U23 Dritter.

2008 gewann Nino bei den Sommerspielen

in Peking seine erste

Olympiamedaille: Bronze. Absalon

und Péraud, die Franzosen, die

ihn damals überholten, sind heute

nicht mehr am Start, auch der damalige

Vierte Christoph Sauser

Bilder: Das 8. WM-Gold im kanadischen Mont Sainte Anne 2019 (links,

Bildquelle imago images/CTK) und der Sieg beim 6. Weltcuprennen 2019 in

Vallnord, Andorra (Bildquelle: Bartek Wolinski/Red Bull Content Pool).

fährt nicht mehr. Doch nun hatte

die Stunde von Sausers Teampartner

Jaroslav Kulhavý geschlagen.

2012 setzte er sich bei

der Olympiade in London Schurter

mit einer Sekunde Vorsprung

vor die Nase, sodass sich Nino mit

Olympia-Silber begnügen musste.

Auf dem heissen Sand von Rio

war es 2016 endlich soweit, Nino

setzte sich von Kulhavý ab und

gewann das ersehnte Olympia-

Gold mit deutlichem Vorsprung.

Stets fokussiert

Dass Nino ein Mountainbike-

Wettbewerb nach dem anderen

gewinnt, das liegt an seinem unbezwingbaren

Willen und an dem

kompromisslosen, minutiös geplanten

Training. Nino fokussiert

sich auf jede MTB-Saison und

45


jedes Rennen von Neuem. „Ich

bin sehr dankbar, dass ich heute

wieder so einen tollen Tag hatte

und dass ich die Regenbogenstreifen

eine weitere Saison tragen

kann“, erklärte 2019 in Mont

Sainte-Anne in Kanada. Schritt

für Schritt, Stein für Stein. „Man

glaubt, man kann sich daran gewöhnen,

eine Weltmeisterschaft

zu gewinnen. Aber ich muss sagen,

dieser Sieg fühlte sich genauso

gut an wie alle sieben zuvor“,

beschrieb der stolze Scott-

SRAM-Fahrer seine Gefühle, als

er das oberste Treppchen erneut

betrat. 2020 ist Nino Schurter

dank seinem strengen Wintertrainingsprogramm

schon wieder

voll in Form. Das ist auch zwingend

notwendig: Am 15. März

tritt er bei den Cape Epic an, den

„Man glaubt, man

sich daran gewöhnen,

eine Weltmeisterschaft

zu

gewinnen.”

Nino Schurter

46


Titel von 2019 gemeinsam mit

Lars Forster zu verteidigen: 647

Kilometer und 15’550 Höhenmeter

gilt es, schon zu Saisonstart zu

absolvieren.

Weiter hungrig

Nino hat die Lust, zu gewinnen,

noch nicht verloren, auch den

Spass daran nicht. Allerdings ist

Albstadt nicht das allerbeste

Bilder: Schurter holt sich den Sieg

des Weltcuprennen in Vallnord /

Andorra 2019 (links,Quelle: imago

images/CTK); Schurter im Kampf

mit Mathieu van der Poel beim

Weltcup in Nove Mesto 2019 (rechts

oben, Quelle: imago images/CTK);

Schurter beim Weltcup Lenzerheide

2019 (rechts unten, Quelle: imago

images/Rolf Simeon)

Pflaster, seinen WM-Sieg zu verteidigen

und erneut auf dem

obersten Treppchen zu stehen.

2019 wurde er beim Weltcup-

Auftakt hier nur sechster, stattdessen

triumphierte Mathias

Flückiger auf Platz 1. Auch wenn

das Kalkül nicht immer aufgeht:

Schurter ist ein gewiefter Taktiker,

der Risiken und Kräfte dosiert

einsetzt und es auch versteht,

sich die Schwächen seiner

Gegner zunutze zu machen. So

nutzte er gezielt Julien Absalons

Schwachstellen im Sprint aus,

der sich bis an sein Karriereende

an Schurter die Zähne ausbiss.

Die Rivalen

Wer sind die grössten Rivalen für

Schurters erneutes WM- und Olympia-Gold?

Ausgerechnet Landsmann

Mathias Flückiger ist ihm

dabei dicht auf den Fersen, der

heuer auch bei der WM in

Albstadt und in Tokio bei den

Sommerspielen antritt. Jaroslav

47


Bilder: Auf Olympia-Gold musste erlange

warten, 2016 in Riowar es soweit

(Bildquelle: imago images /

Action Plus, PanoramiC) Das 7. und

8. WM-Gold im 2018 / 2019 (rechts

oben, Bildquelle imago images/CTK)

Kulhavý, tschechischer Olympiasieger

2012 und Zweiter von Rio

2016, will sich die Goldmedaille

in Japan zurückerobern. Auch der

WM-Dritte von 2019 Stephane

Tempier, erst jüngst von Bianchi

zu Trek Factory gewechselt, wird

2020 ein Wörtchen bei den grossen

Saisonsiegen auf dem Mountainbike

mitreden wollen. Die

Konkurrenz schläft nicht, aber

ebenso wenig der Dominator

Nino Schurter.

Echter Kerl

Als Schweizer Mountainbike-

Trumpf rast Nino Schurter nicht

nur riskant die Trails hinunter,

sondern ist auch ein echter Kerl,

der mit seiner politischen Meinung

nicht hinterm Berg hält. Dem US-

Präsidenten Donald Trump zeigte

er 2019 sehr deutlich, was er von

seiner Regierung hält: Vor dem

Weissen Haus streckte er den

blanken Hintern in die Kamera.

Auf eine Audienz bei ihm kann er

gern verzichten.

Im Bündner Oberland aufgewachsen,

zog es Nino schon immer hinaus

in die Natur. Das Mountainbiken

faszinierte schon seinen

Vater, der ihn mit auf die Trails

nahm. Den Grossteil seiner Jugend

verbrachte er seine Frei-zeit

48


auf dem Mountainbike. 2003 gelang

ihm der Schritt in Thomas

Frischknechts professionelle Mannschaft,

dem SCOTT-SRAM Mountainbike

Racing Team, dem er

heute noch angehört und bei dem

er seine grossen Erfolge feierte.

Erfolge, die ihm keiner mehr nehmen

kann. Ebenso wenig wie

seine Partnerin Nina, welcher der

Topathlet 2014 das Ja-Wort gab.

Mit seiner typischen Mischung

aus Titelgier und Geistesblitz

wird Nino Schurter auch noch

viele weitere Siege für sein Team

und für die Eidgenossen rund um

die Welt einfahren.

Steckbrief

Name

Nino Schurter

Geburtsdatum

13. Mai 1986

Geburtsort

Tersnaus

Nationalität

Schweiz

Körpermasse

173 cm, 67 kg

Zivilstand

Seit 2014 verheiratet

mit Nina Schurter

Team

SCOTT-SRAM MTB

Racing-Team

49


50

Bild: Das Highend-Modell Lapierre Overvolt GLP II Team


Test Lapierre Overvolt GLP II

Die leichtfüssige

Balance-Königin

Die Franzosen sind ein stolzes Volk und

streben immer danach, Produkte zu erfinden,

die unvergleichlich einzigartig sind.

Vielleicht versteht man das neue Konzept

nicht auf Anhieb, doch den Akku über dem

Motor zu platzieren anstatt ihn im Unterrohr

einzubauen, verschafft dem Lapierre Overvolt

GLP II eine bis dato nicht gekannte zentrale

Gewichtsverteilung, was dem Fahrer eine

maximale Agilität gewährt. Das Konzept verleiht

dem E-Bike die Leichtigkeit und Balance

im Gelände wie bei einer professionellen

Trailmaschine.

von Rolf Fleckenstein

51


Als ich heute in Alpnach

ankam, um das Lapierre

Overvolt GLP II zu testen,

hatte ich keine Vorstellung

davon, was mich erwarten würde.

Was war der Gedanke hinter der

Konstruktion der beiden GLP-

Modelle, wodurch sollten sie sich

von den übrigen E-MTBs unterscheiden?

Eingestuft wurden sie

bei anderen Magazinen als Race-

E-Bikes.

Einzigartiges Rahmen-Konzept

Im Moment basieren die meisten

E-MTBs auf dem patentierten In-

Frame-Konzept, bei welchem der

Akku im Unterrohr verbaut ist.

Das gilt auch für Lapierre und

seine „Overvolt”-Serie. Schauen

Sie nur einmal genau hin, bei

zahlreichen E-MTBs unterschiedlichster

Marken sieht man dasselbe

Konzept: In einem grossen

Unterrohr ist ein herausnehmbarer

Akku verbaut. Genau deshalb

ähneln sich die E-MTBs verschiedenster

Bike-Marken so sehr, es

ist das gleiche Bike-Konzept. Die

Ausnahme bilden die Modelle

”Overvolt GLP II Team” und

„Overvolt GLP II Elite” der französischen

Marke Lapierre. Bei

der Entwicklung dieses neuen

Modelltyps war wie gewohnt der

mehrfache MTB-Downhill-Weltmeister

Nicolas Vuilloz federführend,

der mit seinem Team das

GLP-Konzept - GLP steht für Gravity

Logic Project (orientiert sich

also an der Schwerkraft) - entwickelt

hat. Sein Ziel war es, ein

E-MTB zu bauen, das wirklich

Fun macht und spielerisch zu fahren

ist. Die optimale Gewichtsverteilung

lag offensichtlich im

Fokus der Entwickler. Um dies zu

erreichen, hat man sich vom bestehenden

In-Frame-Konzept gelöst

und eine zentrale Gewichtsverteilung

angestrebt, indem der

Motor und der Akku zentral positioniert

werden. Dadurch verlagert

sich die Gewichtsverteilung

von den Rädern auf die Mitte des

Rahmens, wodurch die Räder „entlastet”

werden und das Bike an

Stabilität und Agilität gewinnt.

Diese Rahmenkonzept zentriert

nicht nur das Gewicht des Bikes -

schliesslich liefern Motor und Akku

das grösste Gewicht -, sondern

es macht das E-MTB auch leichter,

denn bereits der verwendete

500 Wh-Akku ist 1.3 kg leichter

als der üblicherweise verwendete

625 Wh-Akku im Unterrohr. Zum

einen wurde also das Gesamtgewicht

durch diese neue Konstruktion

deutlich reduziert und zum

anderen die Gewichtsverteilung

52


Bilder: Der Kern des Konzeptes beim Overvolt GLP II ist die Platzierung

eines offenen Akkus oberhalb des Motors im Zentrum des E-Bikes. Dieses

Konzept sorgt für eine zentrale Gewichtsverteilung und eine optimale

Balance und Agilität der beiden E-Enduro-Modelle.

für das Handling auf den Trails

optimiert, welche nun perfekt ausbalanciert

ist.

Weiterentwicklung Modell 2020

Im Unterschied zum letztjährigen

Modell wurde die Umlenkwippe

und die Ansteuerung des Hinterraddämpfers

verändert und direkter

konzipiert, was das E-

Enduro optisch aggressiver und

sportlicher macht und für zusätzliche

Agilität sorgt. Zudem wurden

Motor und Akku noch stärker

gegen das Hinterrad geschoben,

wodurch das Gewicht noch einmal

stärker zentriert wurde. Das

neue Design hat im Vergleich mit

dem letztjährigen Modell nochmals

klar gewonnen! Die Anordnung

mit einem 29-Zoll-Reifen

vorne und einem 27.5 Zoll-Reifen

hinten sorgt bergauf für bessere

Traktion. Die beiden Modelle GLP

II werden von Lapierre in der

schweren Enduro-Kategorie mit

160 mm Federweg geführt, bringen

aber lediglich 21.4 kg bzw. 22

Kilo auf die Waage. Damit sind

sie Leichtgewichte in ihrer Klasse.

Lapierres andere E-MTB-Modelle

im Segment Allmountain oder

Trail wiegen schnell einmal 24

und mehr Kilogramm. Elektro-

Enduros anderer Marken sind

auch mit 25 und mehr Kilogramm

anzutreffen, was bedeutet, das

Lapierre ein E-Enduro anbietet,

das bis zu 15% leichter ist als diejenigen

seiner Konkurrenz und

das alles trotz seiner relativ breiten

und damit schwereren Reifen

von 2.5 -2.8 Zoll Breite.

Erfahrung auf den Trails

Das Gewicht und die optimale

Reduktion dessen in allen Ehren,

doch was ist auf den Trails wichtiger,

geringeres Gewicht oder

optimales Handling? Ganz sicher

das Handling. Die Senkung des

Gewichts verstärkt den Effekt,

aber durch die Reduktion des

Gewichtes auf die Räder und die

Verlagerung dessen auf das Zentrum

des Bikes entsteht ein E-MTB,

das im Offroad-Bereich besonders

agil und ausbalanciert ist wie

kaum ein anderes. Bei der Fahrt

fühlt sich das E-MTB fast wie ein

Trail-Motorrad an. Man kann das

E-MTB sehr sauber und kontrolliert

über rutschige Steine und

Wurzeln führen, Passagen durch

Matsch, tiefen Dreck und Schnee

auffangen, als wäre es nichts, und

es auch im Schritttempo über gefährliche

Stellen wie z.B. vereiste

Steine und Wurzeln manövrieren

und hat das E-Bike dennoch immer

im Griff. Ich testete das E-

Enduro auf verschiedenen Untergründen

wie gesagt auf 20 cm tiefen

Matsch, nassem Waldboden

mit tiefen Furchen eines Traktors,

giftigen Passagen mit vereisten

Steinen - wir hatten heute Morgen

noch 2.5 Grad Celsius - und

rutschigen Wurzeln. Wo auch

immer ich das E-Bike testete, leistete

es hervorragende Arbeit, es

war leicht und perfekt kontrolliert

zu handeln. Dabei überzeugte

die spürbar ausgewogene Gewichtsverteilung,

was mir dabei

half, mich sicher über unwegsame

Kanten, Spitzen und Ecken

des Bodens zu manövrieren, ich

verlor nie die Balance. Aber man

muss auf den Trails immer wieder

mit den Motorstufen, den Gängen

und der Sattelstütze spielen und

fleissig rauf- und runter schalten,

je nachdem ob es bergauf oder

bergab geht und ob man schnell

oder langsam durch die Passagen

fahren kann und will. Gerade der

neue Bosch-Motor hat auf seiner

stärksten Stufe "Turbo" gewaltig

Kraft und kann in der Natur je

nach Bodenbeschaffenheit auch

zu stark anschieben, was den

Fahrer dazu zwingt, runter zu

schalten, will er nicht einen unfreiwilligen

Ausflug ins Gebüsch

machen. Da ist die einfache Handhabung

des Schaltvorganges sehr

53


Bild: Das abgespeckte Modell Lapierre Overvolt GLP II Elite

Lapierre Overvolt GLP II Team

Lapierre Overvolt GLP II Elite

Rahmen:

Antrieb:

Federgabel:

Dämpfer:

Schaltung:

Bremsen/

Scheiben:

Lenker:

Sattel:

Räder:

Radgrösse:

Preis:

Zubehör:

New OVERVOLT 160mm Integrated

BOSCH Carbone Boost

New BOSCH Performance CX GEN4

500Wh Powerpack Purion

ROCKSHOX Lyrik Ultimate RCT3

Charger 29'' Boost 15x110 160MM

42MM Offset

ROCKSHOX Super Deluxe Select+

RT Trunnion 205x60MM

SRAM AXS Eagle 12 Gänge, drahtlos

SRAM G2 RSC 4 Kolben; SRAM

Centerline 220mm/ 200mm

LAPIERRE Alloy 6061DB W: 760mm

R: 15mm Ø: 31.8mm

LAPIERRE by Velo

New LAPIERRE eAM+ Carbon vorne:

622x30c/hinten: 584x35c J-bend

29” vorne, 27.5” hinten

€ 8’499

BOSCH Charger 4A, zweite 300Wh

Powerpack Batterie, Lapierre Rucksack

Rahmen:

Antrieb:

Federgabel:

Dämpfer:

Schaltung:

Bremsen/

Scheiben:

Lenker:

Sattel:

Räder:

Grösse:

Preis:

Zubehör:

New OVERVOLT 160mm Integrated

BOSCH Carbone Boost

New BOSCH Performance CX GEN4

500Wh Powerpack Purion

ROCKSHOX Lyrik RC Charger 29''

Boost 15x110 160MM 42MM Offset

ROCKSHOX Super Deluxe Select+

RT Trunnion 205x60MM

SRAM GX Eagle 12-Gang mechanisch

SRAM Guide RE 4 Kolben; SRAM

Centerline 220mm/ 200mm

LAPIERRE Alloy 6061DB W: 760mm

R: 15mm Ø: 31.8mm

LAPIERRE by Velo

New LAPIERRE eAM+ Alloy 32H

vorne: 622x33c/hinten: 584x35c J-bend

29” vorne, 27.5” hinten

€ 5’999

BOSCH Charger 4A

54


Einsatzradius ziemlich hinaufschraubt.

Etwas ist sicher, der

Spass, den man als Fahrer mit

dem Bike auf den Trails hat, ist

ansteckend, davon hat man nicht

so schnell genug. Alles in allem

fühlt sich das Lapierre Overvolt

GLP II auf den Trails sehr leicht

und manövrierfreundlich an, es

ist agil, ruhig, stabil, leicht kontrollierbar

und so gut ausbalanciert,

dass man nie das Gefühl

hat, an irgendeiner Stelle überfordert

zu sein. Vielmehr macht das

E-Enduro auf den Trails immer

Lust auf mehr.

hilfreich. Die Kraft des Bosch-

Motors ist so gross, dass man

leicht ein Wheelie aus dem Stand

machen könnte, wenn man

wollte. Die Verringerung des Gewichtes

beim Vorderrad durch

die Zentrierung des Gewichtes

macht dies möglich. Je nachdem,

ob es rauf oder runter geht, verlagert

man sein Gewicht und ändert

laufend die Höhe der Sattelstütze,

den Gang und die Motorenunterstützung.

Mal ist mehr Power angesagt,

ein ander Mal mehr

"Piano, Piano". Bei all dem ständigen

Manövrieren, Lenken, Schalten

und Balancieren, fühlt es sich

an, als wär man ein Motocrossoder

Rallye-Fahrer, der laufend

herum schaltet und bei jeder

neuen Situation die beste Einstellung

wählt, um das Hindernis

optimal zu meistern. Das Overvolt

GLP II spornt einen an, alles

auszuprobieren, sich und seine eigenen

Fähigkeiten auf die Probe

zu stellen und auf Performance zu

gehen. Es klingt jetzt fast etwas

unglaubwürdig, aber man ist nach

einem erfolgreich absolvierten

Abschnitt fast ein bisschen stolz,

wenn man alle verschiedenen

Herausforderungen erfolgreich

gemeistert hat. Man fühlt sich wie

ein erfolgreicher Pilot, der eine

Etappe mit Bravour absolviert

hat. Tolles Gefühl! Man kann daher

schon verstehen, dass die

leichten Elektro-Enduros der Race-

Abteilung zugeschrieben werden,

wenngleich sich das Overvolt

GLP II ganz klar an alle Freizeitfahrer

wendet. Darüber hinaus

gewährleistet die grosszügige

Federung den Einsatz in praktisch

jedem Gelände, was den

GLP II Team oder GLP II Elite

Wer sich das Luxusmodell GLP II

Team für 8499 € leisten will, erhält

dafür als Plus Karbonräder

von Lapierre, eine SRAM AXS

Eagle 12-Gang Wireless-Schaltung,

die RockShox Lyrik Ultimate

RCT3 Federgabel mit der

Charger-Dämpfung, die noble

SRAM G2 RSC 4-Kolben-Bremsanlage

mit 220 mm/200 mm grossen

Bremsscheiben, eine Gewichtsersparnis

von 600 Gramm, ein Bosch-

Ladegerät und einen zusätzlichen

300 Wh-Akku, den man "bequem"

im Rucksack mitführen kann und

damit seine Reichweite deutlich

von 500 Wh auf 800 Wh erhöhen.

Für rund 2500 € weniger gibt's

das GLP II Elite in Gelb/Schwarz

mit mechanischer Schaltung,

Aluminiumrädern, durchwegs etwas

günstigeren Komponenten,

ohne zusätzliche Batterie jedoch

ebenfalls mit einem Bosch Ladegerät.

Eines aber gilt für beide E-

MTBs gleich: Sie garantieren einen

Mordspass auf den Trails

dank einer sagenhaften Agilität

und einem beeindruckenden Vorzeigehandling.

Power, Speed &

Balance are top - so let's roll!

55


Jenny Rissveds

Der harte Weg

zurück an die Spitze

Lange galt die schwedische Mountainbikerin

Jenny Rissveds als Vorzeige-Rennfahrerin, die

Medaille um Medaille einfuhr. Doch ihr fragiles

Wesen barg Gefahren. Unter dem Druck des

Erfolges, den Partner, Öffentlichkeit und

Verbände schon früh auf sie ausübten, schien

sie zu zerbrechen, bis sie aus dem Sport ausstieg

und während zweier Jahre nichts mehr damit zu

tun haben wollte. Letztes Jahr meldete sie sich

mit neuem, eigenen Team 31 zurück, arbeitete

sich von Rennen zu Rennen hoch, bis sie den

Weltcup Lenzerheide 2019 gewann. Ein

Heulkrampf im Ziel war die Folge. Sie hat damit

bewiesen, dass sie ein echter Champion ist,

denn ein echter Champion gibt nie auf. Nun

wartet die Olympiade auf sie. Kann und will sie

ihren Titel verteidigen?

von Rolf Fleckenstein


Es fühlt sich an, als wär

kaum Zeit verstrichen, seit

uns Jenny Rissveds vor

sechs Jahren von unserem Cover

der ersten Ausgabe 1/2014 anstrahlte.

Damals war sie in Feierlaune,

es ging ihr offensichtlich

gut, damals fuhr sie noch für das

Scott-Odlo Racing Team, eroberte

Podest um Podest und die grössten

Triumphe lagen noch vor ihr.

Die Welt der Jenny schien noch

völlig in Ordnung, doch eine dunkle

Macht lauerte in der Ferne

schon auf ihr Straucheln. Ihre Resultate

zwischen 2011 und 2016

sind ein Ausweis konstanten und

wachsenden Erfolges im Mountainbikesport

der jungen Schwedin:

Mehrfache schwedische Meisterin

in verschiedenen Disziplinen,

zahllose Podestplätze und

Siege im Weltcup, Führende der

Weltcup-Rangliste, Bronzemedaille

an der Weltmeisterschaft (U23)

und anno 2016 dann ihre grössten

Erfolge mit der Goldmedaille an

der Weltmeisterschaft (U23) und

Gold an der Olympiade 2016 in

Rio de Janeiro, womit sie die

höchstmöglichen Ziele ihres Sportes

erreichte. Alles schien perfekt,

das absolute Glück und das hätte

doch nun so weitergehen können,

Bilder: Cover Sportguide Bike 1/2014 (links oben), Jenny Rissveds beim

Weltcup in Albstadt im Mai 2016 (oben, Quelle: imago images / Laci Perenyi);

frisch gekürte U23-Weltmeisterin in Nove Mesto 3.07.2016 (rechts oben,

imago images / CTK Photo); Olympiasieg am 20.08.2016 in Rio de Janeiro

(rechts unten, imago images / Bildbyran)

doch dann der Zusammenbruch

und der Bruch mit dem internationalen

Wettkampf.

Der Bruch mit dem internationalen

Mountainbikesport

Zum Zeitpunkt der Weltmeisterschaften

und der Olympiade nahm

man im Hintergrund immer wieder

das nervtötende Gezeter wahr,

wie sich der schwedische Nationalverband

und Sponsoren, insbesondere

das damalige Scott-

Odlo Racing Team darum stritten,

welche Sponsoren Jenny Rissveds

an den internationalen Wettkämpfen

zu repräsentieren hatten,

z.B. welche Helmmarke und

welches Outfit sie tragen durfte

oder musste und dabei wurde

rücksichtlos und mächtig Druck

auf die zarte Sportlerin ausgeübt.

Mit Anfang 20 ist man psychisch

und mental noch nicht so stabil

wie ein Mensch mit geraumer

Lebenserfahrung, man ist beeinflussbar

und man kann sich noch

nicht so gut gegen den Druck, der

von Dritten ausgeübt wird, wehren.

Aufgrund der Ereignisse und

der heftigen Reaktion von Jenny

Rissveds - sie stieg aus dem Team

von Scott-Odlo trotz ihrer riesigen

Erfolge aus, was ja sehr viel

über die Beziehung mit diesem

Team aussagt - muss man den

Verdacht haben, dass vonseiten

der Sponsoren und Partner zu

viel Druck auf die junge Sportlerin

ausgeübt wurde, bis sie nicht

mehr konnte, als die Reissleine zu

ziehen.

Burnout?

Viele Informationen dringen von

Jenny selbst über die schwierige

Zeit nicht durch und ich denke, es

wäre vermessen, von einer Betroffenen

zu erwarten, dass sie die Hintergründe

für ihre Reaktion und

ihren Bruch mit dem Sport selbst

professionell zu analysieren vermag.

Aber wenn sich jemand von

einer Gruppe abwendet, muss ein

Konflikt zwischen beiden bestehen.

Doch war da noch mehr?

Heute spricht Jenny davon, dass

man den Kindern helfen soll, sich

entfalten zu können - liess man

ihr diesen Freiraum auch? Und

58


wie gross war der Druck, den sie

sich sogar selbst gemacht hatte,

um Gold zu erlangen. Heute spricht

Jenny davon, dass Pausen notwendig

sind und wie war es damals?

Sowohl der Körper als

auch die Psyche haben eine Belastungsgrenze,

wenn man diese

überschreitet, schadet man sich.

Erlitt Jenny ein Burn-Out? Vieles

spricht dafür, dass der Druck, der

von aussen kam, der Auslöser für

den Bruch mit dem Sport war,

doch die Konstellation lässt vermuten,

dass sich Jenny selbst auch

keine Erholung und zwar eine

psychische Erholung von diesem

ewigen Siegeszwang gönnte, was

zu einem Zusammenbruch geführt

haben könnte. Letztlich reagiert

auch jeder Mensch anders

auf Druck und das Verhalten von

Jenny Rissveds ist auch ein Ausdruck

ihrer Persönlichkeit, wie

sie in solchen Stresssituationen

umgeht.

Zu funktionieren wie eine Maschine,

kann einen Menschen leer

machen. Der Erfolg im Sport, der

alles aus einem herausfordert,

kann auch zerstörerisch sein, vor

allem wenn man sich keine Erholung

gönnt. Der Druck und der

Ehrgeiz können derart die Kontrolle

über einen Athleten gewinnen,

dass man als Athlet vergisst,

dass man nur ein Mensch ist, dass

man Pausen braucht und das man

sich anderen Dingen widmen

muss, als sich isoliert dem Sport

zu verschreiben und wie ein Sklave

hinzugeben, sonst geht man

daran zu Grunde. Jedes Training

braucht Pausen, jeder sportliche

Erfolg ebenso. Der Sport ist nicht

alles.

Gleich, welche Ursachen für ihren

Bruch mit dem internationalen

Wettkampfsport verantwort-

59


lich sind oder wer gar schuld daran

ist, Jenny Rissveds war verschwunden,

hatte dem internationalen

Mountainbikesport den Rükken

gekehrt, war fast untergetaucht,

das war tragisch, nicht nur für sie,

sondern auch für ihre Fans. Doch

den Sport gab sie nie auf, schliesslich

wurde sie 2017 und 2018 wiederholt

schwedische Meisterin im

Cross Country. Sie nahm auch an

anderen Rennen teil, doch den

Weltcup, die Weltmeisterschaft

und ein internationales Team mied

sie. Auch dieses Verhalten ist ein

klares Indiz dafür, dass die Zusammenarbeit

mit ihrem ehemaligen

Team so negativ für sie war,

dass sie das Vertrauen verlor,

dass es bei einem anderen Team

besser sein könnte. Offensichtlich

wollte sie solche Erfahrungen

nicht noch einmal machen.

stark macht? Sie riskiert sehr viel,

ohne starkes Team zurück zu

kommen, das macht die Rückkehr

zum Erfolg noch schwieriger.

Gerade als Olympiasiegerin

riskiert sie, ihren guten Ruf zu

verlieren, denn wenn sie es nicht

schafft, Erfolg im internationalen

Wettkampf zu haben, läuft sie

Gefahr, dem öffentlichen Spott

ausgesetzt zu werden.

Am 26. Mai 2019 schaffte sie es im

tschechischen Nove Mesto auf

den bescheidenen Platz 33 und

man musste sich fragen, ob sie es

ohne internationales Team überhaupt

schaffen könnte. Doch am

7. Juli 2019 setzte sie mit dem 5.

Platz in Vallnord/Andorra ein erstes

Ausrufezeichen. Man musste

mit ihr wieder rechnen. Nach einem

weiteren Top 10-Platz, dem

9. Rang im französischen Les Gets,

Der beschwerliche Weg zurück

Jenny hatte den Sport nie aufgegeben,

das beweisen die Siege der

schwedischen Meisterschaften anno

2017 und 2018, doch der Weg

ins internationale "Geschäft" musste

sie neu aufgleisen. Man kann

aufgrund der Krisensituation verstehen,

dass sie nun ihren eigenen

Weg gehen wollte und mit

einem Team antreten, bei welchem

ihr niemand reinredet und

Vorschriften macht. Daher verwundert

es nicht, als sie sich 2019

im internationalen Wettkampfgeschehen

mit ihrem eigenen

"Team31" zurück meldet, ohne

starken Rückhalt eines internationalen,

finanziell starken Teams,

das sie unterstützt. Der Name gründet

auf den § 31 der UN Kinderrechtskonvention,

der sich für

das Recht des Kindes auf Ruhe,

Freizeit, Spiel und Erholung einsetzt.

Hatte man Jenny solche

Rechte in ihrer Kindheit verwehrt,

weshalb sie sich jetzt dafür

60


holte sie am 4. August 2019 im italienischen

Vale di Sole ihren ersten

echten Podestplatz mit dem

dritten Rang. Und nur eine Woche

darauf schaffte sie, was wahrscheinlich

kaum einer erahnt hätte,

die Wiederholung des Weltcupsiegs

in der Lenzerheide von

vor drei Jahren und schob sich

damit wieder auf den MTB-Thron

bei der Frauen-Elite. Am 11. August

2019 gewann Jenny Rissveds

nach einem sportlichen Unterbruch

von zwei Saisons wieder

ein internationales Weltcuprennen,

das erste Mal nach drei Jahren.

Das grenzt fast an ein Wunder.

Das letzte Mal feierte sie

ihren Sieg ebenfalls in der Lenzerheide,

doch das war am 10.

Juli 2016 vor Annika Langvad

und Jolanda Neff. Was für ein

Comeback! Der Sieg in der Lenzerheide

war ein echter Befreiungsschlag

von dem mächtigen Druck,

zu versagen und es nicht mehr an

die Weltspitze zu schaffen. Es ist

verständlich, dass sie nach all

dem Leidensdruck, den sie mit

sich herumschleppte und der ständigen

Angst zu versagen, im Ziel

zusammenbrach und einen Heulkrampf

erlitt, bei dem all ihr Leid

der vergangenen 2-3 Jahren aus

ihr floss, doch am Ende stand sie

strahlend wieder auf dem Podest

und das ist eine wahre Freude.

Mit diesem Sieg schreibt Jenny

ein echtes Mountainbike-Märchen!

Jenny ist wieder zurück!

Wie geht es weiter?

Mit dem Sieg, der ein wichtiger

Durchbruch war, geht ein unendlich

beschwerlicher und persönlich

äusserst belastender Weg für

Jenny Rissveds zu Ende, der im

Herbst 2016 seinen Anfang nahm

und mit dem Sieg im August 2019

wieder endete. Das Comeback

der schwedischen Mountainbike-

Prinzessin ist vollends gelungen,

doch wie nachhaltig ist es? Der

sportliche Erfolg alleine füllt

Jenny Rissveds heute nicht mehr

aus, es gibt noch Wichtigeres im

Leben als der Erfolg im Sport, das

hat sie schmerzlich gelernt, aber

der Erfolg im Sport kann dazu

verhelfen, das Wichtigere zu unterstützen,

anderen Menschen zu

helfen und sie zu unterstützen.

Sie nutzt ihre sportlichen Erfolge

deshalb, um gemäss Ihrer politischen

Botschaft nach § 31 anderen

Kindern zu helfen. Doch die

ehrgeizige Schwedin war nicht

Bilder: Jenny Rissveds gelingt am

11. August 2019 nach zwei Jahren

Abwesenheit vomWeltcup der Sieg

des Weltcups in der Lenzerheide:

Einfach nur überwältigend! Es ist für

einen Moment zu viel Glück, sie

bricht in Tränen aus. (Quelle: imago

images / CTK Photo & Rolf Simeon)

61


umsonst Weltmeisterin und Olympiasiegerin,

das hat sie nicht vergessen.

Vielleicht sind die Umstände

heute anders, aber die sportlichen

Fähigkeiten hat sie nicht

verloren und ihren Ehrgeiz auch

nicht. Seit September 2019 ist sie

wieder im Training, läuft in den

Wald, legt eine harte Session im

Gym hin und erholt sich dann

auch wieder. Erstmals an der

Cape Epic in Südafrika im März

steigt sie wieder in die Saison ein.

Für die titelverteidigende Olympiasiegerin

steht der 28. Juli 2020 vor

der Tür. Dann treten sie, Langvad

„Die Cape Epic ist

ein guter Teil des

Gesamtplans für

das olympische

Jahr 2020

Jenny Rissveds

und die anderen weltbesten Cross-

Country-Fahrerinnen in Tokio an,

um für die Goldmedaille zu

kämpfen. “Ich habe mit meinen

Trainern und dem Rest des

Teams ausführlich darüber gesprochen,

wie das Absa Cape

Epic während eines olympischen

Jahres in meinen Zeitplan passen

würde”, sagte die schwedische

Cross-Country-Meisterin. “So wie

wir es sehen, glauben wir, dass es

ein wirklich guter Teil des Gesamtplans

sein kann. Ich ändere

nichts wirklich." Damit hat uns

sympathische Blondine aus dem

Norden etwas klar verraten: Die

Olympiade steht auf Ihrem Programm

und als Titelverteidigerin

hat sie keine Lust zu verlieren.

Doch wie stark ist ihr Wille zu

siegen, wir wissen es nicht, weiss

sie es selbst? Jenny Rissveds geht

2020 als neue, gereifte Athletin an

den Start und sie hat nach wie vor

das Zeug dazu, die Goldmedaille

an der Olympiade 2020 in Tokio

zu gewinnen. Wir sind gespannt,

wie es ausgehen wird.

Bilder: Jenny Rissveds (Quelle:

Joakim Rissveds / Team 31)

62


Olympiade, WM 2020

Die 2020 grössten

Radsport-Rennen der Welt

2020 ist der Kalender für Radsportprofis sowohl weltmeisterlich als

auch olympisch. Für MTB-Profis folgt auf die Crosscountry-WM im

Juni schon im Juli die Olympiade.

von Henning Heilmann

Zur Mountainbike-Crosscountry-WM

wird vom 25.

bis 28. Juni 2020 ins schwäbische

Albstadt eingeladen. Nach

25 Jahren kämpfen Mountainbiker

erstmals wieder in Deutschland

um WM-Medaillen. 30’000

Zuschauer werden heuer dazu erwartet.

Wer sich von den Top-

Athleten mitreißen lassen will,

kann noch Tickets erwerben.

Bei den Schweizer Herren kann

sich neben Nino Schurter auch

Mathias Flückiger auf der schwäbischen

Alb Medaillenhoffnungen

machen. Bei den Damen wäre

Jolanda Neff, die 2019 Silber holte,

für eine Medaille gut. Aber ob

Sie sich bis dahin von ihrem Horrorsturz

im Dezember erholen

kann, steht in den Sternen.

MTB olympisch in Japan

Bei den Olympischen Sommerspielen

in Japan kommt auf die Mountainbike-Elite

am 27. und 28. Juli

allerhand zu. Austragungsort ist

der Izu Mountain Bike Course,

ein Rundkurs, der es in sich hat:

Immer wieder sehr steile Anstiege,

Wurzeln, Dreck und Wald, bis

zu 85 Meter Höhenunterschied,

keine echten Flachabschnitte. Hinzu

kommen technisch schwierige

Steinfelder. Selbst Nino Schurter

meinte bei der Erstinspektion, der

Kurs sei zu hart. Die kurzen steilen

Abschnitte werden ihm aber

in die Hände spielen, da sie ihm

64


esser liegen als seinem Konkurrenten

Mathieu van der Poel, der

lange Anstiege bevorzugt. Im Oktober

testeten die Schweizer auf

einem Testrennen den Kurs, Jolanda

Neff und Nino Schurter

siegten. Bei den Olympischen

Sommerspielen in Rio holte das

Schweizer Mountainbike-Ass Nino

Schurter vor vier Jahren die 100.

Goldmedaille für die Eidgenossen.

Wird er daran anknüpfen

Bilder: MTB Rennen Albstadt (links)

mit der Siegerin 2019 Kate Courtney;

Visualisierung des MTB Rennen an

der Olympiade in Tokio (oben) und

Downhill Weltcup in Saalfelden /

Leogang (unten)

und seinen kompletten olympischen

Medaillensatz noch erweitern

können? Wird es ihm auch

gelingen, den neunten WM-Sieg

einzufahren? In seinem Rennkalender

sind jedenfalls beide Wettbewerbe

eingetragen. Schon Mitte

März ist Schurter bei den Cape

Epic in Südafrika am Start und

greift an.

Downhill zurück in Leogang

Die Downhill-WM findet von 4.-6.

September im österreichischen

Saalfelden-Leogang statt. Wer

siegt in der Downhill-WM? Bei

den Herren gelten Loïc Bruni und

Troy Brosnan als Favoriten, bei

den Damen werden heuer die

Australierin Tracey Hannah und

die britische Trek-Fahrerin Rachel

Atherton hoch gehandelt. Bei den

Deutschen macht sich heuer wieder

Nina Hoffmann Medaillenhoffnungen.

Mit von der Partie ist

auch der Saalbacher Shootingstar

der Downhill-Szene, Valentina

„Vali“ Höll. Die 17-jährige

fiebert ihrem ersten Jahr in der

Elite-Klasse entgegen und ist bei

der Heim WM in Leogang Österreichs

größte Hoffnung auf eine

Downhill-Medaille. „Natürlich

werde ich mich so gut wie möglich

vorbereiten, denn ich will

Österreich stolz machen“, erklärt

Vali Höll vollmundig.

65


Die von der Downhill-WM 2012

erprobte Speedster-Strecke im

Bikepark Leogang wird für die

Downhill-WM noch großzügig

adaptiert, rund eine Million Euro

wurde in die Hand genommen,

um mit neuen Trails und Lines erneut

zu begeistern.

Marathon-WM in der Türkei

Die Mountainbike Marathon Weltmeisterschaften

werden heuer

vom 24. bis 25. Oktober im türkischen

Sakarya ausgetragen. Hier

steht die Schweiz, im Gegensatz

zum Downhill, im ewigen Medaillenspiegel

noch auf Platz 1. Ausdauer

auf über 80 km liegt den

eidgenössischen Fahrern besser

als halsbrecherischer Downhill.

Medaillenchancen bestehen für

den amtierenden Schweizer Marathon

Meister Urs Huber, als Favorit

für Gold gilt aber eher der Kolumbianer

Héctor Leonardo Páez,

der das Rennen 2019 im schweizerischen

Grächen schon einmal

gewinnen konnte und der heuer

schon im heißen Wüstensand die

„Hero Dubai“ für sich entschied.

Bei den Damen gilt die MTB-

Marathon-Vorjahressiegerin Pauline

Ferrand-Prévot und Partnerin

von Julien Absalon aus Frankreich

als Favoritin der Marathon-

WM.

Schweizer Straßenmeister 2019

Sébastien Reichenbach, der in

Martigny geboren ist. Auch bei

„Flying Swisslander“ Marlen Reusser,

Straßenmeisterin und Zeitfahrmeisterin

2019, ist mit Medaillen

bei der Heim-WM zu rechnen.

Sie kündigte schon letztes Jahr

an, in der Schweiz Gold zu wollen.

Olympia-Straßenrennen

Die Straßenrennen der Olympischen

Spiele in Tokio finden am

25. und 26. Juli 2020 statt und

haben es in sich. Es sind nämlich

rund 1’100 Höhenmeter mehr als

beim letzten olympischen Kräftemessen

auf den Straßen von Rio

zu absolvieren. Die Herren starten

am Samstag. Dabei müssen

die Athleten ins Ziel 234 Kilometer

und insgesamt 4’865 Höhenmeter

überwinden. Highlights sind

der Yamanaka-See und die Überquerung

des Kagosaka-Passes,

auf die eine 15 km lange Abfahrt

folgt. Danach folgt ein Anstieg

von über 14 Kilometern am Fuji,

dem höchsten Berg Japans. Die

Steigung in diesem Abschnitt be-

Heim-WM auf der Strasse

Die bereits 12. UCI-Straßen-Weltmeisterschaften

in der Schweiz

finden vom 20. bis 27. September

in Aigle im Kanton Waadt und

Martigny im Kanton Wallis statt.

Start aller Rennen ist in Aigle. Je

nach Kategorie und Disziplin führen

die verschiedenen Strecken

durch das Rhônetal, die Weinberge

oder ins Gebirge. Alle Strassenrennen

enden mit einem spannenden

Rundkurs im Raum Martigny.

Ein Heimspiel für den

66


Bilder: Region und WM-Rennen in

Martigny/Aigle (links); Kurs Zeitfahren

Tokio (oben); Höhenprofile

Zeitfahren Frauen, Zeitfahren

Männer, Strassenrennen Frauen und

Strassenrennen Männer (von oben

nach unten)

trägt durchschnittlich sechs Prozent.

Mit dem Mikuni-Pass wird

der letzte Streckenteil erreicht.

Hier muss ein Anstieg mit 6,8 km

Länge, 1’159 Höhenmetern und

einer Steigung von über 10 Prozent

absolviert werden, zum Teil

sind sogar 20 Prozent Steigung zu

überwinden. Schließlich führt das

Rennen die Radathleten weiter

ins Ziel im Fuji Speedway. Die

Frauen treten auf 137 km an, bei

denen 2’692 Höhenmeter zu bewältigen

sind.

Welche Medaillenhoffnungen gibt

es beim olympischen Straßenrennen

in Tokio? Jakob Fuglsang,

der 2016 in Rio für Dänemark olympisches

Silber holte, tritt auch

heuer wieder an. Die schweren

Bergetappen dürften dem Pyrenäen-Etappensieger

der Tour 2019

Simon Yates liegen, der ebenfalls

am Start ist. Zu den weiteren großen

Stars, die antreten, zählt

Peter Sagan. Bei den Deutschen

macht sich neben John Degenkolb

auch Simon Geschke Hoffnungen.

Österreichs Medaillenhoffnung

ruht vor allem auf

Patrick Konrad. Aus der Schweiz

steht noch kein Radprofi fest.

Wer holt olympisches Gold bei

den Damen? Anna van der Breggen

will ihr Gold verteidigen und startet

heuer als große Favoritin in

das Straßenrennen, denn nach

Emma Johanssons Karriereende

ist schon eine Konkurrentin weniger

am Start.

67


Julian Alaphilippe

Kämpfernatur

Der kämpferischste Fahrer der Tour de

France 2019 wird auch heuer neu angreifen.

Im belgischen Team Deceuninck-Quick-Step

steht der Franzose Julian Alaphilippe nach

wie vor für Angriffslust pur und seine Rote

Rückennummer steht dem Klassiker-

Spezialist und Puncheur, der besonders die

harten Rennen in den Ardennen liebt, gut. Für

viele Franzosen ist Alaphilippe inzwischen ihr

neuer Hoffnungsträger, der sie vom langen

Warten auf einen neuen Toursieger aus der

Grande Nation erlösen könnte.

von Henning Heilmann


Lange trug Alaphilippe bei

der Tour de France 2019

das Gelbe Trikot. Sechs

Tage konnte er es zunächst verteidigen,

bis ihn Bernal und

Thomas erstmals einholten. Doch

bald fuhr er wieder in Gelb. Insgesamt

vierzehn Tage trug er das

Gelbe Trikot, zwei Etappen der

Tour konnte er für sich entscheiden.

Klar, dass der flinke Franzose

und Tour-Fünfte von 2019

auch 2020 wieder bei der Tour angreifen

will. Gleichzeitig riet er

zuletzt in Interviews, den Ball

flach zu halten. Er glaube nicht,

die Erfolge von 2019 wiederholen

zu können. Aber wehe, wenn er

losgelassen.

Wie alles begann

Mit 13 Jahren entdeckte Julian

Alaphilippe als Sohn eines Orchesterleiters

aus der französischen

Provinz das Radfahren.

Immer häufiger tauschte er das

Schlagzeug, das er heute noch

gern spielt, gegen seine neue

Liebe, das Velo ein. Als hyperaktives

Kind war Alaphilippe immer

auf Achse, sein Trainingsprogramm

soll ihm nie genug gewesen

sein. Auf dem Fahrrad war

ihm keine Distanz zu weit, kein

Pflaster zu hart, kein Wetter zu

schlecht. Sein Cousin und Trainer

Franck erklärte, dass er Julians

Übereifer öfter stoppen musste.

Später beim Militär landete Alaphilippe

in einer Sportkompanie.

Hier betrieb er Cyclocross, wo er

seine ersten Erfolge feierte. Zwar

führte Julians Weg zurück zum

Strassenradsport, aber seine Stärken

im welligen Gelände und sein

Bild: Julian Alaphilippe beim Einzelzeitfahren

der Tour de France 2019

über 27.2 km am 19. Juli 2019

(Quelle: imago images / Belga)

71


litzschneller Antritt sollten sich

später gerade bei den Ardennen-

Klassikern als ein unersetzbarer

Schatz herausstellen, sodass Alaphilippe

heute den Ruf als einer

der weltbesten Puncheure geniesst.

Beginn als Profi

In der Saison 2014 erhielt Alaphilippe

seinen ersten Vertrag bei

einem UCI World Team, der belgischen

Mannschaft Omega Pharma-Quick-Step,

Im Frühjahr 2015

sorgte Alaphilippe bei den Ardennen-Klassikern

für Aufsehen, indem

er beim Wallonischen Pfeil

und bei Lüttich–Bastogne–Lüttich

die zweiten Plätze belegte. In der

Saison 2016 verteidigte er seinen

zweiten Rang beim Wallonischen

Pfeil und wurde beim Olympischen

Strassenrennen in Rio de

Janeiro Vierter. 2017 gewann er

im Einzelzeitfahren der 4. Etappe

von Paris-Nizza sein erstes Rennen

der UCI World Tour. Als Gesamtfünfter

gewann er die Punkte-

und die Nachwuchswertung.

In der Lombardei-Rundfahrt wurde

er zweiter hinter Vincenzo

Nibali. 2018 gewann Alaphilippe

mit dem Wallonischen Pfeil seinen

ersten Klassiker. Bei der Tour

de France konnte er zwei schwere

72


Bergetappen für sich entscheiden.

2019 fuhr Julian Alaphilippe erneut

beim Wallonischen Pfeil als

erster über die Ziellinie.

Die Saison 2020

Beim Klassiker Paris-Nizza zeigte

sich Julian zuletzt noch nicht in

seiner Topform. Wie kann sich

Alaphilippe noch bis Juni auf die

Tour de France vorbereiten?

Bilder: Julian Alaphilippe des Teams

Deceuninck - Quick-Step im gelben

Trikot, der Kolumbianer Egan

Bernal im weissen Jersey und der

Brite Thomas Geraint, beide vom

Team Ineos, auf der 19. Etappe der

Tour de France 2019 von Saint-Jeande-Maurienne

126.5 km nach Tignes

(links oben); Alaphilippe bei der

Ankunft der 15. Etappe der Tour de

France 2019, von Limoux 185 km

nach Foix Prat d’Albis (links unten);

Enric Mas, Julian Alaphilippe und

Dries Devenyns. alle vom Team

Deceuninck-Quick-Step auf der 19.

Etappe der TdF 2019 (rechts oben),

(Quelle: imago images / Belga);

Alaphilippe gewinnt die 21. Etappe

der TdF 2019 bei Rambouillet (rechts

unten, Quelle: imago images / Sirotti)

Letztes Jahr gewann Julian

Alaphilippe Mailand - San Remo,

doch heuer fällt der Klas-siker

erstmals seit dem Zweiten

Weltkrieg wegen dem Corona-

Virus ganz aus. Dafür sieht es immerhin

bislang so aus, dass heuer

der belgische Radrennklassiker

Wallonischer Pfeil am 22. April

stattfindet, wo Alaphilippe seinen

Titeln von 2018 und 2019 einen

weiteren Sieg hinzufügen könnte,

aller guten Dinge sind ja Drei.

Auch an der Flandern-Rundfahrt

am 5. April ist Alaphilippe heuer

mit am Start. Das Criterium du

Dauphine Ende Mai findet

voraussichtlich ebenso statt. Bei

dem vielleicht wichtigsten Vorbereitungsrennen

zur Tour de

France ist Alaphilippe auch seit

vielen Jahren immer für einen

Etappensieg oder eine Top-Platzierung

gut.

73


Bilder: Julian Alaphilippe auf der 18.

etappe der TdF 2019 (links oben);

Alaphilippe bei der 2. Etappe Paris-

Nizza 9.03.2020 (rechts) (Quelle:

imago images / Panoramic

International); Alaphilippe bei der

Nacht des Rugby (links unten,

Quelle: imago images / PanoramiC);

Steckbrief

Wird es Alaphilippe gelingen, sich

an der Spitze einer neuen Generation

französischer Radprofis zu

behaupten, zu der auch Romain

Bardet, Warren Barguil und Thibaut

Pinot gehören? Die kommenden

grossen Radrennen werden

es zeigen.

Mit 29 schweren Bergen und nur

drei hügeligen Etappen ist die Tour

de France 2020 nicht auf Alaphilippe

zugeschnitten, stattdessen

sind eher Kletterer gefordert. So

schaut es nicht danach aus, als

könnte der erste französische Toursieger

nach Bernard Hinault 1985

heuer Julian Ala-philippe heissen.

Doch für Etap-pensiege ist er

gut. "Seine grösste Qualität ist seine

Explosivität“, erklärt Patrick

Lefévère, Teamleiter bei Quick-

Step. „Julian wird keine Tour,

aber viele Rennen gewinnen.“

Name

Julian Alaphilippe

Spitzname

Loulou

Geburtsdatum

11. Juni 1992

Geburtsort

Saint-Amand-Montrond

Nation

Frankreich

Körpermasse

173 cm, 62 kg

Disziplinen

Strasse

Team

Deceuninck-Quick-Step

Grösste Erfolge

2016

Nachwuchswertung Critérium

du Dauphiné

2017

Eine Etappe, Punkte- und

Nachwuchswertung Paris–

Nizza

2018

Erster Rang Wallonischer

Pfeil

Zwei Etappen und

Bergwertung Tour de France

2019

Erster Rang Wallonischer

Pfeil

Vierter Amstel Gold Race

Eine Etappe und Bergwertung

Critérium du Dauphiné

Zwei Etappen und Rote

Rückennummer Tour de

France

74


Rennrad Bregenzerwald

Entdecke zahllose

verborgene Pässe

Der Bregenzerwald liegt in Vorarlberg, im äußersten

Westen Österreichs. Das dortige

Landschaftsbild ist geprägt von kleinen Dörfern

und – allen voran – einer imposanten Bergkulisse.

Man kann also bereits erahnen, dass

Rennradfahrer hier vor allem eines erwartet:

Pässe, Pässe und noch mehr Pässe.

von Martin Budweiser


78


Seit vielen Jahren schon betreiben

meine Frau und ich

mit Leidenschaft den Rennradsport

und haben dabei viele

schöne Alpenpässe überquert.

Ein gänzlich weißer Fleck auf unserer

persönlichen Landkarte ist

immer noch das Bundesland

Vorarlberg. Eine ganz bestimmte

Tour lockt uns nun endlich in den

äußersten Westen von Österreich

– die 3-Pässe-Fahrt in der Rennradregion

Bregenzerwald.

Spät abends sind wir gestern im

Hotel Wirtshaus zum Gämsle in

Schoppernau angekommen und

haben uns noch von Isabella

Felder, Chefin des Hauses, eine

genaue Tourenbeschreibung geben

lassen. 106 Kilometer Strekkenlänge

und rund 2’600 Höhenmeter

werden unseren aktuellen

Trainingszustand auf die Probe

stellen, sollten aber machbar

sein. Beim reichhaltigen Frühstück

fällt es uns nicht schwer, die

Energiespeicher für die geplante

Runde ordentlich anzufüllen.

Die 3-Pässe-Fahrt

Von Schoppernau geht es bereits

nach fünf Kilometern bergauf. Es

heißt also kräftig in die Pedale

treten, am Weg zum Hochtannbergpass.

Fast 900 Höhenmeter

liegen schon hinter uns, als wir

uns gut gelaunt in die erste

Abfahrt stürzen. Dieses Vergnügen

währt allerdings nur kurz,

denn hinter dem berühmten

Nobelskiort Lech am Arlberg

geht es wieder bergauf Richtung

Flexenpass. Auch dieser Berg ist

rasch bezwungen – nun heißt es

Rücklicht an und durch die Flexengalerie

hinab ins wunderbare

Klostertal. Isabella hat uns gestern

noch den wertvollen Tipp mit

der Lampe gegeben. Gerade im

Tunnel wird man sonst von Autofahrern

leicht übersehen. Parallel

zur Arlberg-Schnellstraße führt

uns die längste Abfahrt des Tages

durch die Orte Klösterle und

Dalaas bis nach Bludenz. Wir finden

ein kleines Café im Zentrum

der Stadt und beschließen, eine

Mittagspause einzulegen. Cappuccino

und Kuchen schmecken

großartig, die Sonne scheint vom

strahlend blauen Himmel – es

fällt schwer, sich wieder auf den

Sattel zu schwingen. Für die notwendige

Motivation sorgt vor

allem die grandiose Landschaft.

79


80


Im Klostertal ragen links und

rechts die Berge bis zu 2’000 m

Höhe auf und sorgen für die Kulisse,

die man sich von einer Rennradtour

über Alpenpässe erwartet.

Mehr als die Hälfte der Strecke

haben wir zwar bereits geschafft,

es stehen aber noch jede Menge

Höhenmeter auf dem Programm.

Auch Isabella hat uns leise vorgewarnt,

dass der härteste Strekkenabschnitt

erst nach Bludenz

auf uns zukommen würde, wenn

es durch den Biosphärenpark

Großes Walsertal retour nach

Schoppernau geht. Nach 500

schweißtreibenden Höhenmetern

erreichen wir die Anhöhe in der

Ortschaft Raggal und stellen fest,

dass diese Tour eigentlich 4-Pässe-Fahrt

heißen müsste. Das ist

das Problem, wenn man in einem

Alpenland unterwegs ist – Hügel,

wenn sie auch noch so steil und

kräfteraubend sind, gelten hier

einfach nicht als Pass und schon

gar nicht als Berg. Ein Blick auf

den Fahrrad-Computer verrät uns,

dass jetzt immer noch 750 Höhenmeter

vor uns liegen. Glücklicherweise

leisten die Beine eine

hervorragende Arbeit, wir finden

abermals einen guten Rhythmus

81


und bewältigen die Kehren hinauf

zum Faschinajoch ohne Probleme.

Nun haben wir also auch

die letzte Bergwertung des Tages

erfolgreich absolviert. Was jetzt

noch folgt, ist pures Abfahrts-

Vergnügen. Vorbei an den Liftanlagen

des Skigebietes Damüls genießen

wir den finalen Downhill

nach Schoppernau bei überaus

zügigem Tempo und beenden die

3-Pässe-Fahrt über drei Berge

und einen Hügel beim Hotel

Wirtshaus zum Gämsle.

Die Tannheimer Tal Runde

Die Form stimmt also und wir

haben noch eine weitere Nacht

gebucht. Eine kleine Steigerung

wäre morgen noch drin. Wieder

beraten wir uns mit Gastgeberin

Isabella Felder, die, wie könnte es

anders sein, prompt den nächsten

Vorschlag parat hat. Die „Tannheimer

Tal“ Runde ist bei gleicher

Höhenmeter-Anzahl deutlich länger

als die heutige Tour, was bedeutet,

dass mehr Flachpassagen

zu erwarten sind. Außerdem führt

sie in eine ganz neue Richtung

und erst ganz am Ende treffen wir

am Hochtannbergpass auf bekanntes

Terrain. Herausforderung

angenommen!

Um auch morgen wieder bestens

vorbereitet an den Start zu gehen,

lassen wir uns das delikate 5-Gang

Abendmenü so richtig schmekken.

In Kombination mit einem

Glas Rotwein stellt dieses eine

ganz besondere Gaumenfreude

dar. Pünktlich um 8.30 Uhr rollen

wir vom Gämsle aus gemütlich

hinab nach Mellau und weiter

über Andelsbuch bis nach Egg.

Mit dem 1’406 Meter hohen Riedbergpass

steht nun der erste und

gleichzeitig auch längste Anstieg

des Tages auf dem Programm.

Wir fühlen uns gut, die Beine sind

Bilder: Das Wirtshaus Gämsle in Schoppernau lädt mit Bikekultur und schmackhaftem

Frühstück jeden Rennradfahrer zu sich ein.

locker, die gestrige Tour hat

scheinbar keinerlei Nachwirkungen

hinterlassen. Von Hittisau

führt ein wunderbares Hochtal

über die Grenze nach Deutschland

und weiter zur Passhöhe.

Überraschend steil präsentiert

sich die Abfahrt auf Allgäuer

Seite. Auch wenn zum Glück

keine engen Kehren zu durchfahren

sind, bin ich froh, in diesem

Jahr auf eine Bremsscheibe umgestiegen

zu sein. Meine Frau hat

mit dem deutlich geringeren Körpergewicht

und ihrer ausgezeichneten

Fahrtechnik sowieso kein

Problem mit diesem Streckenabschnitt.

Im Tal angekommen geht

82


ieten hat, reichen von entspannten

Touren an den Bodensee und

grenzüberschreitenden Runden

nach Deutschland, Liechtenstein

und in die Schweiz, bis hin zu

wahren Königsetappen über

traumhafte Alpenpässe mit mehreren

tausend Höhenmetern. Mit

Sicherheit lassen sich damit

gleich mehrere Urlaubswochen

füllen.

es vorbei an der Burg Sonthofen

ins Zentrum des gleichnamigen

Ortes und anschließend wieder

hinauf zum Oberjoch und wieder

zurück nach Österreich, genauer

gesagt ins Bundesland Tirol. Das

Tannheimer Tal ist erreicht, am

Haldensee zeigt der Tacho bereits

100 Kilometer an. Der Magen

knurrt und mittlerweile lässt auch

die Beinmuskulatur erste Ermüdungserscheinungen

erkennen.

Wir absolvieren noch die kurze

Abfahrt ins Lechtal und legen in

Weißenbach eine ausgedehnte

Mittagspause ein. Wie gestern

herrschen auch heute wieder

frühsommerliche Temperaturen –

es hat einfach Qualität, wenn man

im kurzen Rennrad-Dress im

Gastgarten sitzen kann.

Die nun folgenden 55 Kilometer

geht es stets bergauf, zunächst

noch gemächlich, dem Lech folgend,

bis Steeg und danach immer

steiler bis zum Dach der Tour

am Hochtannbergpass. Auf meinem

Radcomputer sehe ich, dass

ich immer noch ein gutes Tempo

fahre, aber locker fühlt sich das

keineswegs mehr an. Die Beine

schmerzen, der Schweiß läuft mir

über das Gesicht, allein die Berge

und meine Frau sind es zum wiederholten

Male, die mich motivieren

und antreiben. Das Schöne an

den Alpenpässen ist, dass man

auf den letzten Kilometern für gewöhnlich

keine Anzeige mehr

braucht. Die Straßen sind vollgeschrieben

mit den Namen der

Rennfahrer, die entweder kürzlich

diese Bergwertung unter sich

ausgemacht haben oder dies in

Bälde tun werden. Dazu findet

man auch Angaben zu den verbleibenden

Metern zum „Gipfel“.

Noch 500 m, noch 200 m, noch

100 m – geschafft! Wir halten

kurz inne, blicken über die traumhafte

Region im Grenzland zwischen

Tirol und Vorarlberg und

freuen uns auf eine rasante

Abfahrt zurück zum Ausgangspunkt

in Schoppernau.

Für den nächsten Aufenthalt im

Bregenzerwald werden wir definitiv

mehr Zeit einplanen. Die

vielen Möglichkeiten, die diese

Rennrad-Region in Vorarlberg zu

Bregenzerwald

Region

Im westlichen Zipfel Österreichs

nahe der Schweizer und der

Deutschen Grenze erstreckt sich

die malerische Region und bietet

Rennradlern viel Abwechslung.

Distanzen: 180 km/2.5Std. von

Zürich, 200 km/3 Std. von

München und 174 km/2.5 Std.

von Innsbruck entfernt.

Rennrad Region

22 Pässe kennzeichnen die

Region klar als Eldorado für

Höhenmeter-Freunde

Rennrad Hotels

Hotel Bären & Café Deli

Platz 66, 6881 Mellau

Tel. +43 5518 2207

hotel@baerenmellau.at

www.baerenmellau.at

Hotel & Wirtshaus Gämsle

Fr. Isabella Felder

Hinterm Stein 309, 6886

Schoppernau, Österreich

Tel. +43 5515 30062

hotel@gaemsle.at

www.gaemsle.at

Weitere Rennradregionen & -

hotels bei ROADBIKE HOLIDAYS

unter www.roadbikeholidays.com

Adressen

Bregenzerwald Tourismus GmbH

Gerbe 1135, 6863 Egg,

Vorarlberg, Österreich

T +43 (0) 5512 23 65

info@bregenzerwald.at

www.bregenzerwald.at

83


Test Rossignol

E-Track Trail

Echt Easy-Going

Das Rossignol E-Track Trail funktioniert

nach dem Prinzip „Aufsitzen und Spass

haben”. Es sieht toll aus, bietet ein leichtes

Handling und punktet mit einem soliden

Setting. Man stellt den Motor an, tritt

auf die Pedale und das Ding läuft wie von

alleine. Das E-Track Trail von Rossignol

ist durchwegs eine Runde Sache, um

Spass auf den Trails zu haben.

von Rolf Fleckenstein


Viele aktuelle E-Bikes und

E-Mountainbikes wollen

mit unglaublichen Eigenschaften

wie z.B. einer sackteuren

Ausstattung, einem Wahnsinns-Motor,

grenzenloser eConnectivity

oder anderen Features imponieren.

Das will das Rossignol

E-Track Trail nicht, es konzentriert

sich auf das Wesentliche,

nämlich dem Fahrer ein E-Bike

mit auf den Weg zu geben, das einfach

zu handhaben ist, das gut abgestimmt

ist und das auf den

Trails Spass macht.

Das stimmige Setting

Als ich mich heute Morgen beim

Treffpunkt einfinde, um das E-Bike

zu testen, steht mein Testbike

schon geschniegelt und gestriegelt

dort. Der erste Eindruck zaubert

mir ein Lächeln ins Gesicht,

denn das Design ist Rossignol

echt gelungen: Farben, Proportionen,

Schriftzug, so muss ein E-

Mountainbike heutzutage aussehen

und erst das mächtige Unterrohr,

das macht echt was her. Ich

heb das E-Bike am Sattel an, um

es auf meine Seite zu drehen und

denke mir, „Wow, wie leicht ist

denn das Hinterrad”. Es fühlt sich

an wie ein Fahrrad. Auch die Komponenten

überzeugen, nichts Übertriebenes

und nichts Billiges, kurzum

ein gelungenes Set: Bei der

Federung wurde eine ordentliche

Federgabel von RockShox mit 150

mm Federweg und ein gleichwertiger

Dämpfer derselben Marke

verbaut. Damit ist im Gelände genügend

Komfort vorhanden, selbst

leichte Sprünge liegen mit dem

Allmountain-E-Bike drin. Bei den

Bremsen setzt man auf ein Vier-

86


Kosten auf Teufel komm raus zulasten

des Käufers zu minimieren.

Das ist ein klares Plus für das

Rossignol E-Track Trail.

Angenehmes Fahrgefühl

Zuerst einmal den Motor einschalten.

Der Knopf dazu befindet sich

auf der oberen Unterseite des

Oberrohrs. Knopf drücken und

aufgesessen. Nein, halt, zurück,

zuerst Sattelhöhe einstellen. Das

E-Track Trail hat zwar eine vom

Lenker aus bedienbare hydraulische

Sattelstütze, sodass man

während der Fahrt die Höhe des

Sattels verändern kann, doch es

glänzt auch mit einem praktischen

Schnellspanner. Schnell ist

die passende Einstellung gefunden.

Nun aber aufgesessen. Sehr

angenehm fühlt sich auf Anhieb

die relativ aufrechte und deshalb

auch komfortable Sitzposition an.

Es stellt sich ein Gefühl von Gemütlichkeit

und Freizeitspass ein.

Kein Stress auf der Piste.

kolben-Modell von Shimano mit

hydraulischen Bremsscheiben, die

mit ihren satten 203 mm Durchmesser

starke Bremsleistung gewährleisten.

Bei der Schaltung

hat man sich für die SLX-Mountainbike-Schaltung

von Shimano

entschieden. Grosses Plus beim

Rossignol E-Track Trail und seinem

Setting: Die Komponentensets

werden weitestgehend eingehalten

und nicht mit Komponenten

von günstigeren Sets gemischt.

Feste Komponentensets

von Herstellern wie z.B. Shimano

SLX, Shimano XT, Shimano Deore,

Shimano XTR, usw. sollten

immer einheitlich verwendet und

nicht mit anderen Sets gemischtwerden.

Darunter leidet nämlich

eine gut funktionierende Abstimmung.

Viele Bike-Marken tun dies

dennoch, um Kosten zu senken

und den Profit zu erhöhen zulasten

der Qualität des Settings. Es

ist erfreulich zu sehen, dass

Rossignol zu den Herstellern gehört,

die mehr Wert darauf legen,

dass der Käufer ein perfekt abgestimmtes

Set bekommt als die

Kraft mit Muse

Trotzdem muss man hier auch

nicht einschlafen, dafür sorgt der

Steps E8000 Elektromotor von

Shimano, der als stärkster Motor

für E-MTBs von Shimano für den

Einsatz in den Bergen konzipiert

ist und den Fahrer mit max. 70

Nm und 300% der Tretleistung im

stärksten Boost-Modus unterstützt.

Die unteren Stufen wirken sanft,

schieben spürbar aber ohne allzu

grossen Druck an. Das E-Bike

fühlt sich leicht an, als könnte

man es auch ohne Motor fahren.

Das vom Lenker aus leicht bedienbare

Display ist relativ klein,

schon fast etwas mickrig, dafür

kann Rossignol nichts, das hat ja

Shimano so entwickelt. Mir persönlich

gefallen grössere Displays

besser. Es muss jetzt nicht so gross

wie ein Schminkspiegel sein, denn

87


gute Agilität gewährt, die man bei

engen Manövern schätzt. Die Federung

verrichtet auch auf gröberem

Untergrund wertvolle Dienste

und schluckt unangenehme Schläge

gut weg. Hier zahlt sich die

Qualität der Komponenten aus.

meistens schaut man bei der Fahrt

ja eh nicht hin, aber bei einem

Stopp ist man froh, wenn man

leicht und flink suchen kann und

da hilft ein grösseres Display.

Rauf- und Runterschalten ist ein

Kinderspiel, man braucht auf den

Trails auch nicht immer die volle

Leistung, je nachdem ob es steil

nach oben geht oder gerade aus.

Der Motor ist gefühlt leicht schwächer

als der Elektro-Motor von

Bosch, aber so unerheblich, dass

nichts gegen den Shimano Steps

spricht, denn die Unterstützung

ist kraftvoll genug. Das E-Bike ist

gut ausbalanciert, kaum Gewicht

auf dem Hinterrad, etwas mehr

auf dem Vorderrad, damit ist eine

88


Spezifikationen

Modell

Grössen

Radgrösse

Rahmen

Federgabel

Dämpfer

Schaltung

Bremsen

Motor

Akku

Zubehör

Preis

Rossignol E-Track Trail

S, M, L, XL

27.5”

Felt E-Track Full Suspension 140 mm travel

TockShox 35 Gold 150 mm, travel boost

RockShox Deluxe R, Debonair 185X52.5 Trunnion mt

Shimano SLX M7000, 11 Gänge

Shimano MT520 hyraulisch, 203 mm Scheiben

Shimano Steps E8000, 25 km/h, max. 70 Nm

Shimano E8020, 504 Wh, integrierter Akkusatz

Batterie Ladegerät

CHF 5299.00

Ein E-Bike für die Masse

Was mir am E-Track Trail von

Rossignol gut gefällt ist seine gute

Abstimmung und seine einfache

Handhabung. Motor starten, losfahren

und das Teil funktioniert

tadellos, sei es in Sachen Motorenunterstützung,

sei es in Sachen

Federung und Komfort oder sei es

in Sachen Handling. Es ist kein E-

Mountainbike, das Anforderung

von Extremsportlern erfüllt, sondern

ein E-Mountainbike für die

grosse Masse der E-Bike-Fahrer.

Nachdem die Sitzposition komfortabel

aufrecht ist, würde ich

persönlich einen etwas breiteren

Lenker wählen, denn dadurch

steigt die Lenkfreude und Agilität

des E-Bikes, schliesslich hat man

dadurch einen grösseren Hebel

und kann das E-Bike leichter auf

die Seite legen, aber so einen

Lenker kann man ja auch kaufen.

Bei allem anderen Punkten kann

man getrost ein Häkchen machen,

die Federung spricht sensibel an

und schluckt Steine und Wurzelpassagen

spielend, die Bremsen

sind wirklich kraftvoll und der

Motor schnurrt leise und effizient

bei jedem Pedaltritt und hievt das

E-Bike und mich problemlos in

die Höhe.

Fazit

Das Rossignol E-Track Trail ist

ein E-Mountainbike für die grosse

Masse der E-Mountainbiker,

dafür spricht das ansprechende

Design, die hochwertigen Komponenten

und die gute Abstimmung

der Komponenten für einen

alles in allem sehr fairen Preis.

Wer kein Extremist oder Tüftler

ist, wird mit diesem E-Bike viel

Spass auf den Trails haben; für

die meisten E-Biker ist dieses praktische,

schöne E-Mountainbike von

Rossignol wie geschaffen für den

Einsatz in der Freizeit.

89


Mountainbiken in Gröden

Im faszinierenden

Reich der Dolomiten

In den Dolomiten kann man eigentlich nichts

falsch machen. Cir-Spitzen auf der einen Seite,

Schlern und Sella-Stock auf der anderen Seite.

Dazu noch fantastische Trails und ein bikender

Sommelier garniert mit Craft-Bier. Das klingt

schon fast zu genussreich, doch sind es die

Zutaten eines einmaligen Bike Trips ins Val

Gardena.

Text: Norman Bielig, Fotos: David Karg


Wir sind mit unserem

Guide Andrea schon

sehr früh am Morgen

am Grödner Joch verabredet. Er

hat uns einen traumhaften Sonnenaufgang

versprochen, und

ehrlicherweise sind wir auch noch

leicht verträumt. Aber gut. So

schultern wir unsere Bikes und

steigen an der Passhöhe hinter

der Frara-Hütte gut 150 hm hinauf.

Wir befinden uns unterhalb

einer massiven Felswand mit

freiem Blick auf die Passstraße,

das Gadertal und die Cir-Spitzen.

Vor allem der darunterliegende

Trailverlauf hat es uns angetan.

In zahlreichen Kurven schlängelt

sich dieser zurück auf die Passhöhe

und unsere Vorfreude steigt.

Unseren Blick lenkt Andrea nun

aber erst einmal wieder in Richtung

Gadertal. Genau hinter dem

Fanes-Sennes-Massiv steigt die

92


Ab auf den Cir-Trail

Nun ist es aber an der Zeit zu unserem

eigentlichen Ziel zu radeln

– dem Cir-Trail. Natürlich nicht

ohne auf dem Weg einen kurzen

Zwischenstopp an der Frara-Hütte

einzulegen, um etwas Koffein

zu tanken. Das typische italienische

Passrestaurant ist der ideale

Ort für eine kurze Pause. Schließlich

kann man von hier aus das

bunte Treiben am Pass am besten

beobachten. Motorradfahrer, Autofahrer,

Rennradler, Wanderer und

Mountainbiker ganz gemischt und

alle wohl gleich beeindruckt vom

Panorama.

Wir lassen uns bequem mit dem

Lift bis knapp unter die Cir-

Spitzen transportieren. Noch 100

m einrollen und schließlich befinden

wir uns mitten drin im

Trailvergnügen. Was aus der Ferne

schon spaßig aussah, stellt sich

als genau das heraus. Eine wilde

Kurverei mit zahlreichen Wellen,

Anliegern und auch einigen

Sprüngen. Der Trail verläuft dabei

nicht stumpf über eine Skipiste,

sondern nutzt die Umgebung.

Immer wieder verschwindet

der Trail hinter massiven

Felsen oder kleineren Erhebungen.

Im mittleren Teil wurden

sogar einige Tables aufgebaut,

die für ordentlich Airtime sorgen.

Unsere erste Fahrt auf dem Cir-

Trail verläuft noch zurückhaltend.

Schließlich können unsere

Augen nicht so recht vom Panorama

ablassen. Wir brauchen sicher

2-3 Fahrten, um uns wirklich

ganz auf den Trail fokussieren zu

können – und selbst dann müssen

wir ab und an anhalten, um unser

Staunen zu befriedigen.

Sonne nun nach und nach in die

Höhe und erwärmt unsere Gesichter.

Er hatte nicht zu viel versprochen.

Erst dieses orangene

Leuchten, anschließend das helle

Licht, welches sich in den Nadeln

der Kiefern bricht.

Wein & Bike

Zur zweiten Espresso-Pause des

Tages erzählt uns Andrea ein wenig

von seiner spannenden Jobmischung

aus Bikeguide und

Sommelier. Im Winter arbeitet er

direkt in der Gastronomie und im

Sommer bietet er Weinverkostungstouren

an. Besonders amerikanische

Gäste nähmen dieses Angebot

wahr, meint er. Im Grunde

93


liegt es ja auch nah diese beiden

Formen von Genuss miteinander

zu mischen. Schließlich kommt

das Thema Genießen mehr und

mehr zurück ins Mountainbiken –

wo es vor einigen Jahren noch um

Schweiß und Qualen ging, wollen

Mountainbiker heute Erlebnisse,

Trails und eben auch lokalen Genuss.

Was bietet sich da in Italien

mehr an als Wein.

Doch neben den leiblichen Genüssen,

wollen wir die Bikenden

nicht vergessen. Der Cir-Trail ist

einer von zwei Trails, die unterhalb

der Cir-Spitzen auf uns Biker

warten. In Richtung Wolken-stein

verläuft noch ein zusätzlicher

Flowtrail unter der Dantercepies-

Bahn. Beiden Trails merkt man

das handwerkliche Geschick ihrer

Erbauer an. Der Linie des Berges

folgend wurden diese Wege in

den Untergrund gelegt. Handwerklich

wird es auch zum Abschluss

unseres Trailtages. Andrea nimmt

uns mit nach St. Christina, wo seit

2016 mittlerweile schon das Eguja-

Bier gebraut wird. Man wollte der

ladinischen Tradition und Kultur

treu bleiben und so heißt das Bier

eben nach dem Steinadler – diesem

kräftigen und für Freiheit

stehenden Tier, das hoch über

dem Grödner Tal schwebt.

Die Sellaronda, ein Klassiker

Am nächsten Tag unseres Bike-

94


Trips steht für uns ein wahrer

MTB-Klassiker auf dem Programm:

die Sellaronda. Wir starten

unsere Tour bei der Dantercepies-Bahn

in Wolkenstein. An

der Bergstation angekommen,

ziehen wir uns erstmal eine Jacke

über. Auf einer Seehöhe von

knapp 2'300 Meter ist es so früh

morgens noch richtig kalt – selbst

wenn die Sonne bereits vom

strahlend blauen Himmel lacht.

Die erste Abfahrt über das

Grödnerjoch Richtung Corvara

führt über eine flüssige Freeride-

Strecke, auf der nur einzelne

schwierige Abschnitte den Flow

unterbrechen. In Corvara steigen

wir gleich wieder in die Gondel,

um nach einer kurzen Abfahrt

mit einem weiteren Sessellift auf

eine wunderbare Hochebene zu

gelangen, die zwischen Naturpark

Fanes-Senes und Sella-Gebirgsstock

traumhafte Ausblicke auf

die schönsten Gipfel der Dolomiten

bietet. Die Jacke haben wir

mittlerweile wieder in unseren

Rucksäcken verstaut, da die Temperaturen

schon wieder weit in

den zweistelligen Bereich gestiegen

sind. Der wunderbare Jägersteig

steht nun auf dem Programm.

Der naturbelassene Pfad

entlässt uns direkt am Passo

Campolongo, wo nach Überque-

MTB-Tipp

Gröden

RIDE • COLLECT • WIN

Der Cir-Trail ist Teil der Signature

Trails Trophy! Die Trophy entführt

Biker auf die schönsten Trails der

Alpen. Dort sammeln sie Punkte

und haben so die Chance auf

tolle Preise.

Mehr Infos dazu gibt’s unter

www.signature-trails.com.

95


ung der Straße schon der nächste

Sessellift auf uns wartet.

Abermals erreichen wir mühelos

die Bergstation, um uns sogleich

wieder ins Vergnügen zu stürzen.

Unterschiedliche Varianten stehen

am Weg nach Arabba zur

Auswahl. Wir versuchen die

Schwierigste und kommen ganz

gut damit zurecht. Von der Porta

Vescovo Bahn geht es auf zum

Dach der Tour. Wir wurden zwar

bereits vorgewarnt, dennoch sind

wir erstaunt, als wir plötzlich direkt

gegenüber der Marmolada

stehen. Der höchste Dolomiten-

Gipfel mit seinem mächtigen

Gletscher ist ein echter Hingucker

und wird wohl täglich

hundertfach fotografiert. Wir machen

uns jedoch gleich auf den

Weg Richtung Pordoijoch. Der

erste Teil der nun folgenden

Abfahrt ist eine überaus steile,

grobe Schotterstraße, die unsere

Bremsen fast zum Glühen bringt.

Als Belohnung folgt im Anschluss

mit dem Weg Nr. 680, welcher in

leichtem Auf und Ab am Hang

entlang verläuft, ein weiteres

Highlight der Sellaronda. Nun

wird es Zeit für eine kurze Pause,

die wir an der Rifugio Fodom einlegen,

um bei strahlendem Sonnenschein

Apfelstrudel und Espresso

96


zu genießen, ehe wir, selbstverständlich

mit Liftunterstützung,

den Passo Pordoi bezwingen.

Die Abfahrt nach Canazei kann

wiederum auf mehreren Trails erfolgen.

Im Fassatal angekommen

stellt der gemütliche Radweg eine

willkommene Abwechslung dar.

Über diesen gelangen wir am

Fluss entlang zur letzten Aufstiegshilfe

des Tages in Cam-pitello

di Fassa. Am oberen Ende

der Col Rodella Bahn zeigt sich

ein weiteres atemberaubendes

Panorama. Langkofel, Plattkofel,

Grohmannspitze, Zahnkofel –

diese beeindruckenden Felsriesen

wirken fast bedrohlich, strahlen

aber auch jede Menge Energie

aus. Diese Kraft kommt uns sehr

gelegen, wartet doch zum

Abschluss die größte Herausforderung,

mit dem Downhill am

„Ciampinoi Freeride Trail“.

Das war’s für dieses Mal. Mit

Sicherheit kehren wir aber ins

Val Gardena zurück. Die Vielzahl

an Aufstiegshilfen, die abwechslungsreichen

Trails und vor allem

die einzigartige Bergwelt der Dolomiten

üben eine Anziehungskraft

aus, der wir uns einfach

nicht entziehen können.

Gröden

Region

Gröden liegt in den Südtiroler

Dolomiten und ist umgeben von

zahlreichen Bergen und Almen.

Die malerische Umgebung

spricht jeden Outdoor-Freund an.

Die Region ist geschaffen für

jede Art von Bergsport. Zahlreiche

wunderschöne Touren

locken Mountainbiker Jahr für

Jahr in die Region.

Gröden ist rund 400 km/5. Std.

von Zürich, 275 km/3.5 Std. von

München und 120 km/2 Std. von

Innsbruck entfernt.

Bike-Hotels der Region

Bikehotel Linder

Via Nives 36, 39048 Selva (BZ)

Südtirol - Italien

Tel. +39 0471 795242

info@valgardena-bike.com

www.dolomites-mtb.com/de/

Hotel Oswald

Meisules Str. 140

39048 Wolkenstein

Südtirol - Italien

Tel. +39 0471 795151

info@hoteloswald.com

www.hoteloswald.com/

Hotel Digon

Via Digon 22, 39046 Ortisei

Südtirol - Italien

Tel. +39 0471 797266

info@hoteldigon.com

www.hoteldigon.com

Weitere Bikeregionen & -hotels

bei Mountain Bike Holidays unter

www.bike-holidays.com

Adressen

Dolomites Val Gardena

Südtirol / Italien

Tel.: +39 0471 777777

E-Mail: info@valgardena.it

www.valgardena.it

97


Mountainbiken Norwegen

Ungeahnte Freiheiten

im Land der Fjorde

Nicht nur angesichts des sich seit Anfang Jahr

weltweit ausbreitenden Coronavirus, das aus China

stammt und Mittel- und Südeuropa erfasst hat,

macht das nördlich gelegene Norwegen, das davon

weitaus weniger betroffen ist, für Reisen attraktiv,

sondern vielmehr das für Norwegen typische

Jedermannsrecht, das Mountainbikern praktisch

uneingeschränkte Freiheit bietet, sich seinen Pfad

zu bahnen, wo es einem gefällt.

von Rolf Fleckenstein


Bild: Das Biken über riesige Grantifelsen

wie man es von den Lofoten kennt oder

wie hier in Narvik ist eine der zahlreichen

Einzigartigkeiten Norwegens als

Bikedestination. (Quelle: Visitnorway /

Kristin Folsland Olsen)


Wo im deutschsprachigen

Europa zahlreiche

"abgesteckte" Touren

und Pfade bereit gestellt sind, auf

denen sich Mountainbiker austoben

dürfen und eine gefühlte

Million Wald- Wiesen- und

Verkehrsgesetzte restriktiv vorschreiben,

was man alles nicht

darf, stehen Bikern in Norwegen

Tür und Tor offen, um tatsächlich

überall in der freien Natur zu

biken, wo und wie man Lust hat.

Das norwegische "Jedermannsrecht"

ermöglicht dies.

Das Jedermannsrecht: Uneingeschränkt

die Natur geniessen

Das Jedermannsrecht "allemannsretten"

gilt ausschliesslich für die

freie Natur, nicht für eingezäuntes

Land. Jeder soll die freie Natur

geniessen können, das ist Teil

der norwegischen Kultur und seit

1957 Teil der norwegischen Gesetze.

Man kann sich in Norwegen

frei in der Natur bewegen

und das auch mit dem Fahrrad.

Doch auch hier gelten ein paar

wenige und eigentlich selbstverständliche

Grundregeln. Man soll

sich rücksichtsvoll und umsichtig

verhalten, der Natur und der Umgebung

keinen Schaden zufügen

und die Landschaft hinterlassen,

wie man sie selbst gerne vorfin-

102


Bild: Der Lake Moskenes auf

den Lofoten (Quelle: Visitnorway

/ Manfred Stromberg)

den würde. Selbstverständlich gibt

es wie bei jeder Regel auch beim

Jedermannsrecht Ausnahmen.

Deshalb fragt man am besten die

Einheimischen, wenn man nicht

sicher ist, ob man ein Gebiet befahren

darf.

Der Preis der Freiheit

Wo wenige Regeln bestehen, ist

auch viel Eigeninitiative und Eigenverantwortung

gefragt. Wer sich

im deutschsprachigen Europa in

eine Ferienregion für Biker aufmacht,

findet eine perfekte Infrastruktur

mit vorgefassten Touren

und Anlagen vor, welche das Radler-Vergnügen

zwar vorgeben,

aber auch unterstützen. Wer sich

ins Land der Fjorde aufmacht,

findet sehr viel Natur und zwar

eine ausserordentliche schöne

Natur, frei, wild, ohne vorgestampfte

Trails, doch Liftanlagen,

um sich bequem in die Höhe hieven

zu lassen, finden sich dafür

nicht. Wer die Höhe nicht mit der

Pedale erklimmen mag, weil es zu

steil ist oder weil kein grosszügig

angelegter Weg vorhanden ist,

der muss sein Bike schieben und

häufig genug auch auf die

Schulter nehmen und in die Höhe

tragen. Das kostet viel Schweiss

und Kraft, der Lohn dafür ist

grenzenlose Freiheit in einer un-

103


erührten, wilden und faszinierenden

Natur. Ich kenne keinen

anderen Ort ausser den Lofoten

(Inselgruppe im Norden Norwegens),

an dem man eine Tour über

eine riesige Granitfelslandschaft

unternehmen kann, um von dort

mit einem sagenhaften Blick aufs

Meer ins Tal zu rollen. Man muss

es schon eingestehen, Norwegen

ist ein Naturschauspiel allererster

Güteklasse. Mächtige Berge, weite

Ebenen, grosse Wälder, Wasserfälle,

die aus dem Nichts auftauchen,

und dazu gesellen sich regelmässig

sensationelle Panoramen

wie aus einem Reiseführer

und dies alles fern von jedem

Massentourismus. Dieses Land

ist geschaffen für Biker und

Naturliebhaber.

Mountainbiken in Norwegen ist

daher nicht für jedermann geeig-

104


Bild: Was für eine Aussicht in

Andalsnes (Quelle: Visitnorway /

Mattias Fredriksson)

net, auch wenn jeder das Recht

dazu hat. Eine gute Fitness ist unbedingt

Voraussetzung. Wer nicht

in der Lage ist, 700-1000 Höhenmeter

am Tag zu schaffen, kann

kaum in den Genuss kommen,

den grenzenlosen Downhill durch

die unberührte Natur zu erleben.

Wer in Gruppen reist, sollte darauf

achten, dass alle Teilnehmer

der Gruppe in etwa denselben

Fitnesslevel haben und die Gruppe

nicht von einem einzelnen

Teilnehmer aufgehalten wird. In

einer von Tourismus relativ unberührten

Region frei unterwegs zu

sein, macht natürlich deutlich

mehr Spass in einer Gruppe, in

der man sich bei Problemen auch

gegenseitig helfen kann.

Zahlreiche Hotspots

Abgesehen davon, dass man als

Biker überall in der freien Natur

105


106


1 Oslo

2 Jotunheimen Nationalpark

3 Rondanen Nationalpark

4 Romsdalen

7

5 Hafjell

6 Trysil

7 Lofoten

2

4

3

5

1

6

Bild: Biken in Romsdalen

(Quelle: Visitnorway / Sverre

Hjørnevik, Mattias Fredriksson)

107


fahren kann, wo man Lust hat,

bietet das Land zahlreiche bekannte

Hotspots. Ein Land mit

einer Fläche von über 385'000

km2 - das also fast 10 Mal grösser

ist als die Schweiz, etwa 5 Mal

grösser als Österreich und etwa

so gross wie Deutschland - bietet

natürlich schier grenzenlose

Möglichkeiten, seinen Bikeurlaub

dort zu verbringen. Es gibt verschiedene

Reiseanbieter, die spezifische

Bikereisen nach Norwegen

anbieten und den Reisenden

die Organisation der Reise und

die Suche nach Hotsports abnehmen.

Weil es so wenige

Destinationen in Norwegen gibt,

bei denen Liftanlagen bestehen,

wollen wir hier die zwei folgenden

hervorheben:

Hafjell Park (hafjell.no)

Der Hafjell Park ist die führende

Destination in Norwegen, wenn

man mit der Gondel in die Höhe

gebracht werden will. 568 Meter

geht es mit der Gondola in die

Höhe. Dann warten 18 verschiedene

Trails auf die Downhiller,

die auf einer Länge von 25 km

Anfängern und Profis gleichermassen

die Möglichkeit bieten,

108


Bilder: Der Trysil Bikepark im Osten

Nordwegens gehört zu den wenigen

Anbietern des Landes mit Liftanlagen

und ausgebauten Strecken; links sieht

man den Magic Moose mit North Shore-

Elementen.

Norwegens will sich auch als

Bikespot etablieren, dafür bietet

es 100 km an Singletrails mit markierten

Touren durch Berge und

Wälder. Sehr beliebt ist der 7 km

lange Magic Moose, der als Flow

Trail mit North Shore-Elementen

und Rampen nur so gespickt ist

und dessen Benutzung völlig kostenlos

ist. Der Fjelleskspressen-

Lift hievt die Radfreunde samt

ihren "Maschinen" den ganzen

Sommer nach oben. Fahrtechnik-

Spass zu haben. Sehr praktisch

für Reisende: Es gibt Mountainbikes,

die man mieten kann.

Darüber hinaus bietet die Region

viele Möglichkeiten, um beim

Wandern die Natur zu erkunden

oder per Rad die Region kennenzulernen.

Trysil Bike Arena (trysil.com)

Das grösste Wintersportgebiet

109


kurse, Mieträder und Guides, welche

Touristen durch die Region

führen, gehören ebenfalls zum

Angebot.

Abgesehen von diesen liftunterstützten

Hotspots gibt es zahllose

Ziele, die man nennen könnte, die

man als Bikereisender unbedingt

ins Auge fassen sollte, sei es der

Rondane Nationalpark, sei es eine

Reise in den Jotunheimen Nationalpark,

seien es die Lofoten -

die Inselgruppe im Norden Norwegens

-, sei es die Nordmarka,

das riesige Waldgebiet in unmitelbarer

Nähe der Hauptstadt Oslo

oder seien es so traumhafte Fjord-

Regionen wie Romsdalen und

Fjørå. Es ist nicht schwierig, in

Norwegen eine geeignete Destination

für Biker zu finden, sondern

eher, sich für die eine oder

andere zu entscheiden.

Der Weg nach Norwegen ist vielleicht

weiter, als man annehmen

würde. Zürich liegt rund 1'700 km

von Oslo entfernt, Hamburg noch

etwa 800 km. Da liegt es nahe, das

Flugzeug zu nehmen, doch wer

Zeit und Lust hat, kann sich auch

mit dem eigenen Auto aufmachen.

110


DEIN URLAUBSFINDER

HOTELS | DESTINATIONEN | RENNRADREISEN

www.roadbike-holidays.com

#myRoadbikeMoment

Von Kiel setzt eine Fährt nach Oslo

über. Angenehmerweise sprechen

viele Norweger deutsch und englisch,

wo es nicht geht, muss man

sich mit Händen und Füssen verständigen.

Die Norweger sind sehr

hilfsbereit und freundlich. Den typischen

roten Fischerhäusern, für

die das skandinavische Land bekannt

ist, wird man sicherlich begegnen,

sie sind vereinzelt für

Touristen sogar echt komfortabel

umgebaut worden, wenngleich die

Häuser in Norwegen nicht alle rot

sind, sondern häufig genug weiss

oder gelb. Die norwegische Küche

bietet natürlich frischen Fisch,

nichts aus der Tiefkühltruhe und


Impressum

als Verpflegung empfehlen die

Einheimischen getrocknete Fisch-

Chips mitzunehmen, das sei ein

perfekter Power-Food. Wer seine

Reise im September oder Oktober

antritt hat gute Chancen, eine

Eigenheit des Nordens zu erleben:

Die berühmten Polarlichter, die

sich zu dieser Jahreszeit am häufigsten

zeigen. Jeder, der davon

träumt, sich mit seinem Bike frei in

der Natur bewegen zu können und

die Schönheit der Natur zu geniessen,

dem muss eine Reise nach

Norwegen ans Herz gelegt werden,

hier wird er finden, wonach er

schon lange sucht.

Verlag:

Rolf Fleckenstein Media

Alte Landstr. 168,

CH-8800 Thalwil, Schweiz

Tel. +41-44-720 99 55

Fax +41-44-721 00 35

Email: info@sportguide.ch

www.sportguide.ch

Herausgeber

Rolf Fleckenstein

Redaktionelle Mitarbeit:

Henning Heilmann, Martin

Budweiser, Norman Bielig,

Sabrina Bromann, Rolf

Fleckenstein

Fotos, Bildquellen:

Cover: Jenny Rissveds/imago

images/CTK Photo

Innenseiten:

TransTirolBike Rallye:

www.wisthaler.com; Signature

Trails Trophy: WOM Medien;

Haibike: Winora Group;

Rossignol: Stef Candé; Nino

Schurter: imago images/CTK,

Rolf Simeon, Action Plus

PanoramiC; Red Bull Content

Pool/Bartek Wolinski; Jenny

Rissveds: imago images/ Laci

Perenyi, Bildbyran, CTK;

Joakim Rissveds/Team31;

Olympiade/WM: imago images /

Michal Cerveny, Saalfelden /

Leogang Touristik/Moritz

Ablinger; Alaphilippe: imago

images / Belga, Sirotti,

PanoramiC, Panoramic

International; Bregenzer Wald:

Bregenzer Wald Tourismus /

Ludwig Berchtold, Boutiquehotel

Bären; Gröden: David

Karg; Norwegen: Visitnorway.com

/ Sverre Hjørnevik,

Mattias Fredriksson, Kristin

Folsland Olsen, Manfred

Stromberg, Gaute Bruvik

Wo nicht gesondert erwähnt

Bildarchive der Hersteller &

Marken; Archiv Verlag Rolf

Fleckenstein Media

Inserate

info@sportguide.ch

Abos, Bestellungen

info@sportguide.ch

Druck

Aumüller Druck GmbH

93001 Regensburg

Copyright

© Alle Beiträge und redaktionellen

Inhalte sind urheberrechtlich

geschützt und unterliegen dem

ausschliesslichen Copyright des

Verlages. Der Nachdruck oder

die Wiedergabe auch nur auszugsweise

ist nicht gestattet ausser

mit einer schriftlichen

Genehmigung des Verlages.

112

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine