Jahresbericht 2020 SMZ Oberwallis

smzoberwallis

Das Sozialmedizinische Zentrum Oberwallis (SMZO) leistet einen grundsätzlichen Versorgungsauftrag im pflegerischen und sozialen Bereich. Das SMZO bedient die Gemeinden des Oberwallis und verfügt einerseits über kompetentes Fachpersonal vor Ort (Standorte), andererseits über eine gemeinsame Leitung in Brig (Organisation).

Bericht von Janine Heldner

BEREICH SOZIALES

COVID-19 zum Trotz: Auch in dieser schwierigen und anspruchsvollen Phase konnte der Bereich Soziales

seinen Auftrag erfüllen, wenn auch in angepasster Form. So war die (telefonische) Erreichbarkeit zu den

ordentlichen Bürozeiten garantiert. Wer einen direkten Beratungsauftrag hatte, bewältigte die Aufgaben

auch aus dem Home Office. Die Möglichkeiten der Digitalisierung (Videotelefonie/Videokonferenzen)

wurden, wo immer möglich, als Unterstützungsinstrument eingesetzt.

SOZIALDIENST

Neben dem eingangs erwähnten, prägenden Dauerthema COVID-19

befasste sich der Bereich Soziales im Geschäftsjahr 2020 intensiv

mit folgenden Themen:

Sozialhilfe als letztes Netz in der sozialen

Sicherheit

Gegenüber 2019 verzeichnete der Sozialdienst 5 % mehr offene

Fälle (924 offene Fälle / Stand Dezember 2020). Diese Zunahme

betrifft vor allem zwei Personengruppen: Zum einen sind dies

die selbständig Erwerbstätigen, welche aufgrund der wirtschaftlichen

Folgen von COVID-19 Sozialhilfe beantragen mussten. Zum

andern betrifft dies Personen, welche Ansprüche von Sozialversicherungen

geltend machten, die allerdings noch nicht flossen.

Die Sozialhilfe hat in diesen Fällen die Gelder bevorschusst.

Gesetzliche Grundlagen der Sozialhilfe im Wandel

Die Sozialhilfe erhielt per 1.1.21 ein teilrevidiertes Gesetz über

die Eingliederung und Sozialhilfe. Die Mitarbeitenden des Sozialdienstes

haben sich im vergangenen Jahr aktiv mit den Neuerungen

auseinandergesetzt und konnten im Rahmen einer Vernehmlassung

ihre Gedanken und Anliegen einbringen. Weitere gesetzliche

Anpassungen wurden im Alltag implementiert und zeitnah umgesetzt

(bspw. neue Weisung Berechnung des Sozialhilfebudgets per

1.7.2020 oder die Grundbedarfsanpassung an die Teuerung).

Wechsel in der Führung

Auf Dieter Müller, welcher Ende 2019 pensioniert wurde, folgte

Janine Heldner als neue Bereichsleiterin Ressort Soziales. Zudem

erfuhr die Teamleitung in der Langzeitberatung eine Veränderung:

Kevin Lerjen übernahm die Leitung per Oktober 2020.

Der Sozialdienst als aktiver Anbieter von Ausbildungsplätzen im

Bereich der Sozialen Arbeit konnte im vergangenen Jahr konstant

jeweils zwei Praktikantenstellen besetzen und junge angehende

Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter aktiv und praxisnah in

ihrer Ausbildung unterstützen.

Optimierung des An- und Aufnahmeprozesses

Während im Anmeldeprozess (Intake) primär subsidiäre Themen

im Vordergrund stehen, konzentriert sich der Auftrag des

Sozialdienstes im Rahmen der Langzeitberatung um eine zeitnahe

(Re)Integration in den ersten Arbeitsmarkt mit dem Ziel,

die finanzielle Selbstständigkeit gewährleisten zu können. Die

bestehenden internen Abläufe wurden überprüft, optimiert und

konzeptionell verankert.

Monatliche Deklaration der Bedürftigkeit

Die Sozialhilfe richtet sich an Personen, die einen Bedarf an

materieller Unterstützung und persönlicher Beratung haben. Im

vergangenen Jahr wurde die monatliche Selbstdeklaration eingeführt.

Personen, welche Sozialhilfe erhalten, müssen nunmehr

monatlich ihre Einkommens- und Vermögenssituation schriftlich

deklarieren. Auf der Grundlage dieser Angaben wird der jeweilige

Sozialhilfebedarf vom Sozialdienst überprüft und gegebenenfalls

angepasst. Ziel der Deklaration ist es, den Anspruch auf

Sozialhilfegelder zu überprüfen und Missbrauch zu verhindern.

Öffentlichkeitsarbeit

Tue Gutes und sprich darüber! Gemäss diesem Grundsatz nutzte

der Bereich Soziales auch die Möglichkeiten, seine Arbeit und die

Herausforderungen im Sozialbereich der Öffentlichkeit vorzustellen.

Zum «Tag der Armut» wurde die Oberwalliser Bevölkerung auf die

Armutsproblematik sensibilisiert: Dank der Unterstützung der Oberwalliser

Medien konnte die Oberwalliser Bevölkerung zwei Familien

aus der Region während einer Woche beim Einkaufen alltäglicher

Verbrauchswaren begleiten. Zudem wurde das TV Format «Brennpunkt

Gesundheit & Soziales» des SMZO genutzt, um die Menschen

aus der Region über Themen der Sozialhilfe zu informieren.

Bessere Vernetzung in der Sozialhilfe

Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung der Dienststelle für Sozialwesen

ist damit beauftragt, eine Softwarelösung zu entwickeln,

mit welcher alle Beteiligten in der Sozialhilfe im Kanton Wallis

(Kanton, Städte und Gemeinden, regionale SMZ) untereinander

besser vernetzt und effizienter arbeiten können werden. Die geplante

Einführung soll u. a. die Anspruchsprüfung und den Bewilligungsprozess

vereinfachen und so alle Beteiligten administrativ

Sozialhilfekosten 2014–2020

50 000 000

45 000 000

40 000 000

35 000 000

30 000 000

25 000 000

20 000 000

50 000 000

10 000 000

5 000 000

0

2014

Sozialhilfekosten

Kanton Wallis

2015

2016

entlasten. Mitarbeitende des Sozialdienstes sind ebenfalls Teil

dieser Arbeitsgruppe und setzen sich für praxisnahe Lösungen ein.

Dauerthematik: Raumbedarf

Der Sozialdienst stösst am jetzigen Standort immer mehr an seine

räumlichen Grenzen. Die Gründe sind vielfältig: der Bedarf

an Fachpersonal in der Sachbearbeitung und Sozialarbeit nimmt

stetig zu und wird bedingt durch die Folgen von COVID-19 noch

steigen. Dazu kommen die gestiegenen Anforderungen an die

Arbeitsplatzgestaltung. Einerseits müssen die Hygienemassnahmen

berücksichtigt werden und andererseits sind die Vorgaben

zum Datenschutz und zur Arbeitsplatzsicherheit einzuhalten. Die

Digitalisierungsinstrumente werden bestmöglich eingesetzt, doch

das Arbeitsinstrument der Sozialarbeit, nämlich das persönliche

Gespräch ist nur zum Teil durch Videokonferenzen ersetzbar. Die

Bereichsleiterin ist mit ihrem Team mit Nachdruck daran, geeignete

Anschlusslösungen zu finden, die den aktuellen und künftigen

Raumbedarf abdecken, finanziell tragbar sind und zeitliche Perspektiven

bieten. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, das im

kommenden Vereinsjahr weiter an Intensität gewinnen wird.

Erläuterung: Während die Aufwendungen für die Sozialhilfe im Oberwallis seit 2014 relativ stabil sind (6,5 Mio. CHF im Jahr 2020), steigen die Sozialhilfekosten

im Unterwallis wie im gesamten Kanton seit 2016 an. Im Jahr 2020 kostete die Sozialhilfe für den Kanton Wallis 41 Mio. CHF. Von diesen

Kosten übernimmt der Kanton 70 % und 30 % übernehmen die Gemeinden.

2017

Sozialhilfekosten

VS-Romand

2018

2019

2020

Sozialhilfekosten

Gebiet SMZO

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Sozialdienst

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