Jahresbericht 2020 SMZ Oberwallis

smzoberwallis

Das Sozialmedizinische Zentrum Oberwallis (SMZO) leistet einen grundsätzlichen Versorgungsauftrag im pflegerischen und sozialen Bereich. Das SMZO bedient die Gemeinden des Oberwallis und verfügt einerseits über kompetentes Fachpersonal vor Ort (Standorte), andererseits über eine gemeinsame Leitung in Brig (Organisation).

SOZIALPÄDAGOGISCHE FAMILIENBEGLEITUNG

Bericht von Marc Kalbermatter

BEREICH RESSOURCEN

Die Auswirkungen von COVID-19 haben auch die Sozialpädagogische

Familienbegleitung (SpFO) Oberwallis vor sehr schwierige

Fragestellungen und Entscheidungen gestellt. So war zu Beginn

des Lockdowns eine grosse Unsicherheit vorhanden, ob und wie

die Arbeit der SpFO weitergeführt werden kann, und welche Auswirkungen

dies für die Dienstleistung haben wird.

Die Einschränkungen der Kontakte beim ersten Lockdown hatten

zur Folge, dass die Familien mit ihren Kindern und Jugendlichen,

welche aufgrund von belasteten Lebenssituationen durch die Sozialpädagogische

Familienbegleitung betreut wurden, ab Mitte

März für eine längere Zeit nicht mehr vor Ort besucht werden

konnten. Zudem waren die Kinder aufgrund der Schulschliessungen

den ganzen Tag über zuhause. Um diese schwierige Situation

etwas zu mildern, standen die sozialpädagogischen Familienbegleiter/innen

regelmässig über Videoanrufe in Kontakt mit den Eltern

und den Kindern. In den ersten Wochen zum Teil fast täglich,

da eine grosse Verunsicherung herrschte. Passende Betreuungsangebote

und die Unterstützung für die Bewältigung der schulischen

Herausforderungen wurden gemeinsam mit den Schulen

und den Kindertagesstätten gesucht. Die Erleichterung war bei

allen Beteiligten gross, als die ersten Lockerungen im Verlauf

des Monats Mai persönliche Kontakte wieder möglich machten.

Dies galt umso mehr, als dass die vorübergehenden Begleitungen

mittels Videotelefonie nur einen sehr eingeschränkten Ersatz für

die Begleitungen vor Ort darstellten. Im Herbst hatten die Massnahmen

zur Eindämmung von COVID-19 einen deutlich weniger

SCHULSOZIALARBEIT

Die durch die COVID-19 bedingten Schulschliessungen während

des ersten Lockdowns zwang die Schulsozialarbeit (SSA) neue

Wege der Kontaktaufnahme zu erschliessen. So wurde eine Hotline

eingerichtet, die Beratungen wurden vorwiegend über Online-

Kanäle durchgeführt und zudem Zeitgestaltungstipps erarbeitet.

Alle Akteure in der Schule waren froh, als nach acht Wochen der

Präsenzunterricht wieder aufgenommen und damit der schulische

Alltag unter Einhaltung der jeweiligen Hygiene- und Schutzbestimmungen

wieder einkehren konnte. Es waren selbst die Schüler

froh, wieder zur Schule gehen zu können, welche die Schule sonst

vorzugsweise eher nur von aussen betrachten. Heute ist bekannt,

dass die Bildungsschere mit den Schulschliessungen weiter auseinandergegangen

ist. Dies manifestiert sich auch in der Arbeit

der Schulsozialarbeit. Es gibt deutlich mehr Schüler, welche

grossen Einfluss auf die Arbeit der SpFO, da die Familien unter

Einhaltung der Schutzmassnahmen weiterhin zu Hause begleitet

werden konnten. Die Erfahrung, Begleitungen über Videoanrufe

zu führen, erwies sich allerdings z.B. in Quarantänesituationen

als sehr hilfreich und führten so zu einer wertvollen Ergänzung

unserer Arbeit.

Im Jahr 2020 konnte die SpFO 45 Familien mit insgesamt 85

Kindern und zwei junge Erwachsene begleiten. Im Durchschnitt

wurden 33 Familien gleichzeitig betreut, dies im gesamten Oberwallis.

Es konnten 14 Familienbegleitungen abgeschlossen und

17 neue Familien aufgenommen werden. Diese Zahlen zeigen auf,

dass die Auslastung der SpFO analog der Vorjahre auch im Jahr

2020 sehr hoch war. Aufgrund des Bedarfs an sozialpädagogischer

Familienbegleitung zur Unterstützung von Familien hat der

Kanton das jährliche Budget erhöht. Die positiven Rückmeldungen

seitens der kantonalen Dienststelle für die Jugend und die Erhöhung

des Budgets bestätigen die Wichtigkeit und Relevanz der

Arbeit im sozialpädagogischen Sektor.

Im Jahr 2020 haben 18 Familien das niederschwellige Zusatzangebot

«Family Coaching & Beratung» genutzt. Davon nahmen

12 Familien einen einzelnen Termin und 6 Familien mehrere Termine

wahr. Die neu überarbeitete Webseite konnte im Verlauf des

Monats Februar aufgeschaltet werden. Die Einbettung ins SMZO

ist damit auch optisch durch das neue Logo klar erkennbar. Das

Angebot findet bei Familien und Fachkreisen zunehmend mehr Beachtung.

Mühe bekunden, ihre Leistungen in der Schule zu erbringen und

unter dieser Situation leiden. Es stellt auch die Eltern vor grosse

Herausforderungen, wie sie ihren Kindern in dieser angespannten

Situation begegnen sollen. Hier setzt die Schulsozialarbeit an, in

dem sie Kindern, Jugendlichen, Eltern und Lehrpersonen einen

Ort zum Innehalten, nachdenken und sich neu orientieren bietet.

Als Ausblick auf das Jahr 2021, in dem die Schulsozialarbeit ihr

zehnjähriges Bestehen feiern darf, wurde im TV Sendegefäss

«Brennpunkt Gesundheit & Soziales» des SMZO eine Sondersendung

zum Jubiläum produziert und ausgestrahlt. Weitere Projekte

und Anlässe, mit denen das Jubiläum gefeiert werden soll,

sind geplant und sollen realisiert werden, sobald die allgemeine

Situation sich wieder normalisiert hat.

Das Jahr 2020, so harmonisch die Zahl im ersten Augenblick daherkommt, wird den wenigsten

Menschen in überwiegend harmonischer bzw. positiver Erinnerung bleiben. Für den Bereich

Ressourcen war angedacht, dass das Jahr 2020 ganz unter dem Vorzeichen der Optimierung

und Konsolidierung einiger wichtiger Projektvorhaben (z.B. digitales Personaldossier) sowie

Aufgabenbereiche (z.B. IKS, Archivierung) hätte stehen sollen. Daher waren explizit auch keine

grösseren neuen Projekte vorgesehen.

Erstens kommt es anders…

In mehrfacher Hinsicht hat sich diese Planung aufgrund von CO-

VID-19 zerschlagen. Für das SMZO galt es, kurzfristig eine Krisenorganisation

zu schaffen, die Auswirkungen auf die Dienstleistungen

für die Kunden, aber auch auf die Mitarbeitenden zu

analysieren und entsprechende Vorkehrungen und Massnahmen

zu treffen. Information und Kommunikation waren die Gebote der

Stunde, um klare Regeln und Schutzmassnahmen für diese neue

Situation zu erarbeiten und Sicherheit zu geben. Ziel war, die

Dienstleistungen für die Kunden möglichst immer anbieten zu

können, ggf. auch aus der Distanz, wo dies möglich war.

Da die IT-Abteilung entsprechend gerüstet war, konnte schon in

der ersten Welle relativ rasch für die Mitarbeitenden verschiedener

Bereiche das Arbeiten von zu Hause ermöglicht werden.

Dadurch waren sämtliche Dienstleistungen trotz Einschränkungen

während der Lockdowns immer verfügbar – mindestens

telefonisch, per E-Mail oder per Webmeeting. Dank des grossen

Engagements des IT Teams und der Flexibilität der Mitarbeitenden

erwies sich die Infrastruktur für ein sinnvolles Arbeiten von

zuhause aus jederzeit als ausreichend aus.

Als Positives kann aus der Krise mitgenommen werden, dass sich

Webmeetings durchaus für einen Teil der Besprechungen eignen

und damit zukünftig Reiseaufwand eingespart werden kann.

Ebenso lehren die Erfahrungen im «Home Office», wie gut oder

nicht der Einzelne mit der Arbeit von zu Hause aus klarkommt,

und was es für ein effizientes Arbeiten von zu Hause braucht. Es

ist davon auszugehen, dass die tageweise Arbeit im Home Office

auch nach COVID-19 für einige Bereiche und Funktionen dauerhaft

ein Thema bleiben wird.

Gleichzeitig zeigen die Ermüdungserscheinungen insbesondere

in den Spitex-Teams, dass die hohe Arbeitslast und der erhöhte

psychologische Druck in dieser Krise doch signifikante Spuren

hinterlassen haben. Der informelle Austausch in den Teams, in

anderen Zeiten Mittel zur Psychohygiene, wurde durch die Einschränkungen

zur Eindämmung des Virus nahezu verunmöglicht

oder deutlich erschwert. Im 2021 wird darauf Wert zu legen sein,

dies zu ermöglichen. Aus diesem Grund werden alle Arbeitsstationen

mit Kameras und die Tablets mit der nötigen Software

ausgerüstet.

…und zweitens als man/frau denkt

Die Einführung des neuen Pflegedossiers carefolio@home hat sich als

grösseres und komplexeres Projekt entpuppt, als es ursprünglich geplant

war. Der Pilotstandort SMZO hat es zusammen mit dem neuen

Projektleiter trotz ungünstigster Vorzeichen und Rahmenbedingungen

doch noch geschafft, eine pluridisziplinäre Projektorganisation ins Leben

zu rufen, in der auch der Bereich Ressourcen stark involviert war.

In wenigen Monaten wurde teilweise parallel das System konfiguriert,

durch viel Handarbeit mit Daten gefüttert, Superuser wurden geschult,

welche ihr Wissen an über 200 Mitarbeitende weitergegeben haben,

und es wurden Vorbereitungen getroffen für den Start im November

2020. Schliesslich war das GO LIVE als Pilot ein herausragender Erfolg,

auch, wenn noch nicht alles perfekt läuft. Die Digitalisierung des

Pflegedossiers schafft mehr Übersicht für die Mitarbeitenden und wird

hoffentlich auch zu einer Effizienzsteigerung in der Leistungserfassung

wie in der Führung der Pflegedokumentation führen.

Die positive Erfahrung aus diesem Projekt war: alle Beteiligten haben

bereichsübergreifend Hand in Hand gearbeitet, Verantwortung übernommen

und spürbare Mehrarbeiten in Kauf genommen. Miteinander,

füreinander! Zusammen geht vieles.

Unsichere Aussichten – Herausforderung

für die Personalgewinnung

Wie oben erwähnt, hat die Krise mit den vermehrten Ausfällen (v.a.

Quarantäne) und wachsendem Pflegebedarf nicht nur aber insbesondere

beim Pflegepersonal Spuren hinterlassen. Die Rekrutierung und

der Erhalt von qualifiziertem Personal wird auch in Zukunft sehr wichtig

bleiben.

Das SMZO investiert weiterhin in die Ausbildung auf sekundärer und

tertiärer Stufe, um den Beitrag zu leisten, einen Pflegenotstand zu

verhindern und damit auch in Zukunft die Bevölkerung flächendeckend

betreuen zu können.

Auf der anderen Seite wurden die Anstrengungen intensiviert, um

Mitarbeitende mit mehrfachen oder längeren Absenzen angemessen

begleiten zu können. Eine interne Case Managerin steht den

kranken oder verunfallten Mitarbeitenden unterstützend zur Seite,

um chronische Verläufe zu vermeiden, die Rückkehr zu planen und

mit den Betroffenen in ggf. angepasster Tätigkeit eine berufliche

Perspektive zu erarbeiten.

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