Deutsche Botschaften

JovisVerlag

ISBN 978-3-86859-652-6

Christiane Fülscher

Deutsche Botschaften

Zwischen Anpassung

und Abgrenzung

research 2

3


Inhalt

8 Einleitung

18 Grundlagen einer auswärtigen Staatsarchitektur

20 Anfänge des deutschen Gesandtschaftsbaus

30 Das Repräsentationsverständnis des Diplomatischen Korps

33 Bautypologische Vorbilder

38 Deutsche Auslandsvertretungen 1871–1945

40 Deutsches Kaiserreich

43 Erhalt des Status Quo

53 Streben nach einem »Platz an der Sonne«

59 Späte Manifestation staatlicher Annäherung

69 Die auswärtige Baupolitik des Deutschen Kaiserreichs

76 Weimarer Republik

77 Neuanfang der Ministerien unter demokratischen

Vorzeichen

80 Die Auslandsvertretungen der Weimarer Republik

89 Im Kontext einer Staatsarchitektur

101 Nationalsozialismus

103 Botschaftsbauten und Agitation

116 Projekte der Reichsbaudirektion Berlin

130 Das nationalsozialistische Moment in den

Auslandsvertretungen

134 Zwei deutsche Staaten 1949–1990

144 Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

145 Neuanfang trotz aller Kontinuitäten

155 Bauten für die Besatzungsmächte

167 Visitenkarten im Ausland

169 Orientierung | 1953

184 New Delhi (WB 1954 | 1956–1960): Internationale

Reminiszenz

198 Stockholm (WB 1955 | 1958–1960): Selbstverständliche

Einfachheit

212 Gegensätze und Parallelen

214 Haltung der Zurückhaltung | 1958

217 Washington (1962–1964): Effizienter Funktionalismus

232 Wien (WB 1958/59 | 1962–1965): Kunst im Bau

249 Rezeption und Eigenständigkeit

270 Etablierung | 1963

275 Brasília (1963 | 1968–1971): Eins mit der Landschaft

290 Vermächtnis und Fortschreibung

307 Botschaftsbauten als kulturelles Phänomen


312 Botschaften der Deutschen Demokratischen Republik

313 Aufbau diplomatischer Missionen

319 Architektur, Kulturpolitik und sozialistische Ideologie

330 Planen und Bauen: Akteure und Projekte zur Auswärtigen Repräsentation

337 Instruierter Auftakt | 1950

338 Warschau (1950–1961): Der lange Weg vom Realismus

zum Funktionalismus

358 Konzepte mit Vorbildcharakter

365 Paradigmenwechsel | 1960

371 Budapest (1965–1968): »Ein modernes Haus«

386 Helsinki (1966–1968): Prinzip der Gleichartigkeit und Ebenbürtigkeit

392 Die Vierflügelanlage als Status Quo

395 Annäherung | 1969

400 Brüssel (1966–1973): Ensemble mit Eigensinn

410 Anerkennung! Und dann?

415 Abbilder baukünstlerischen Schaffens

Inhalt

420 Visuelle Rhetorik deutscher Botschaften

428 Zwei deutsche Botschaften sind eine zu viel

434 Projektliste

466 Endnoten

508 Abkürzungen

510 Archive

511 Personenregister

518 Standortregister

520 Literaturverzeichnis


Einleitung


Am Abend des 30. September 1989 trat Bundesaußenminister Dietrich Genscher

auf den Balkon im ersten Obergeschoss der Deutschen Botschaft in Prag und verkündete

den tausenden DDR-Bürgern, die in den vorangegangenen Wochen auf

dem Gelände der diplomatischen Vertretung im Palais Lobkowitz Schutz gesucht

hatten, dass mit den Regierungen der Deutschen Demokratischen Republik und der

Tschechoslowakei eine Einigung zu ihrer Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland

erzielt worden sei. In derselben Nacht wurden die ersten Flüchtlinge mit Zügen

über das Territorium der DDR in die Bundesrepublik gebracht. Nur wenige Wochen

später fiel die Berliner Mauer und besiegelte das Ende der Teilung Deutschlands.

Genschers Verhandlungen mit DDR-Außenminister Oskar Fischer waren ein Glanzstück

der Diplomatie. Seine Rede auf dem gartenseitigen Balkon des Palais Lobkowitz,

die den Anfang vom Ende der DDR markierte, ging in das weltweite kollektive

Gedächtnis ein. Die Symbiose von Raum und Ereignis ist seitdem untrennbar: die

rückwärtige Botschaftsfassade wurde zu einem der architektonischen Symbole der

Deutschen Einheit. Gleichwohl bleibt hierbei unbeachtet, dass allein die Existenz

einer bundesdeutschen Botschaft in der damaligen Tschechoslowakei bereits ein

Zeichen der Annäherung zwischen der Bundesrepublik und der DDR etwa zwanzig

Jahre zuvor gewesen war. Sie kennzeichnete eine Entspannung im internationalen

Ost-West-Konflikt und dokumentierte die bundesdeutsche staatliche Anerkennung

der DDR, die deren außenpolitische Isolation beendete. Der Bundesrepublik eröffnete

im Gegenzug der Verzicht auf ihren Alleinvertretungsanspruch die Möglichkeit,

diplomatische Beziehungen zu Warschauer-Pakt-Staaten aufzunehmen. Ein Jahr

nach Unterzeichnung des deutsch-deutschen Grundlagenvertrags im Dezember

1972 erhob die Bundesrepublik ihre Handelsvertretung in Prag zur Botschaft. Sie

residiert seit 1974 im Palais Lobkowitz.1

Seit Gründung beider deutschen Staaten im Herbst 1949 hatte die internationale

Nachkriegsordnung die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland und

der Deutschen Demokratischen Republik bestimmt. Zusammen mit der deutschen

Teilung war sie die Basis ihres jeweiligen innen- und außenpolitischen Handelns. In

den ersten Jahren orientierten sich sowohl die Bundesrepublik als auch die DDR in

allen Bereichen von Kultur und Gesellschaft an den jeweiligen Besatzungsmächten,

die die außenpolitischen Entscheidungskompetenzen beider Staaten erheblich einschränkten.

Erst mit Erlangung der staatlichen Souveränität rückte das gegenseitige

Verhältnis in den Vordergrund. Die Bundesrepublik erlangte nun schrittweise mehr

Entscheidungskompetenz und internationale Reputation, während der DDR zu keiner

Zeit ein umfassend autonomes Handeln möglich war und ihre Außenpolitik stets

zwischen bundesdeutscher Nichtanerkennungspolitik und Abhängigkeit von der

UdSSR oszillierte. Außen- und Deutschlandpolitik standen jederzeit in einem wechselseitigen

Spannungsverhältnis, bei dem die Errichtung von diplomatischen Vertretungen

herausragende Bedeutung erlangte. Jede einzelne diplomatische Vertretung

kennzeichnet zunächst die gegenseitige staatliche Anerkennung zweier Staaten, doch

der Verbund aller diplomatischen Vertretungen in einem Land, das Diplomatische

Korps, bildet die internationale Staatengemeinschaft mikrokosmisch ab. Bereits 1956

verzeichnete das Auswärtige Amt der Bundesrepublik knapp 170 diplomatische Auslandvertretungen,

darunter 34 Botschaften, 31 Gesandtschaften, 33 Generalkonsulate

Einleitung

9


10 Einleitung

und 70 Konsulate.2 Im Vergleich hierzu konnte die DDR im gleichen Zeitraum nur zu

elf Staaten diplomatische Beziehungen aufnehmen und dort Botschaften errichten.

Bis zur deutsch-deutschen Annäherung erweiterte sich der Kreis der Staaten, die dem

ostdeutschen Staat die diplomatische Anerkennung aussprachen, nur marginal.3

Bis heute haben diplomatische Vertretungen als Instrumente des zwischenstaatlichen

Dialogs vielfältige Aufgaben und bündeln eine Vielzahl staatlicher Kompetenzen.

Als feste stellvertretende Institutionen wirken sie in allen Gebieten bi- bzw.

multilateraler Beziehungen und agieren in den Bereichen der Politik, Wirtschaft,

Kultur, Presse und Öffentlichkeitsarbeit sowie im Rechts- und Konsularwesen.4 Konsulate,

Gesandtschaften und Botschaften sind als Amtssitze zunächst Plattformen

dieser diplomatischen Tätigkeit, die erforderlichen Liegenschaften werden gemietet,

gekauft oder neu erbaut. Die Bauwerke müssen den Anforderungen an Zweckdienlichkeit,

Repräsentation und Sicherheit funktional, wirtschaftlich und ästhetisch Genüge

leisten. So wie die beim Gastland akkreditierten Gesandten bzw. Botschafter:innen

das Staatsoberhaupt ihres Heimatlandes vertreten, repräsentieren die Bauwerke,

in denen die diplomatischen Vertretungen residieren, exterritorial den jeweiligen

Staat. Als stellvertretende Niederlassungen bilden diplomatische Vertretungen die

bilateralen Beziehungen zwischen zwei Staaten ab. Als vor Ort materiell erfahrbare

Staatsbauten werden sie allerdings wiederholt Ziel von Aggressionen, die dem

Heimatstaat gelten.5 Die Liegenschaften für diplomatische Vertretungen werden

dementsprechend sorgfältig ausgewählt, häufig fällt die Wahl auf repräsentative

historische Altbauten wie das Palais Lobkowitz. Demgegenüber sind Neubauten von

Botschaften prestigeträchtig und identitätsstiftend zugleich. Sie sind Spiegelbilder

der jeweiligen Gesellschaft, ihres Staats- und Selbstverständnisses, während sie

gleichzeitig, den Regeln der Diplomatie entsprechend, auf örtliche Gegebenheiten

und Wünsche bzw. Anforderungen des Gastlandes Rücksicht nehmen sollten. Die

Neubauten diplomatischer Vertretungen bilden in mehrfachem Sinn Kultur ab: die

der Nation, der Diplomatie, der Repräsentation, der Kunst und der Architektur. Bereits

etymologisch ist der Zusammenhang zwischen der Bauaufgabe Botschaft und

ihrem Ursprung als Behausung des herrschaftlichen Stellvertreters, der die Botschaft

überbrachte oder annahm, verankert. Die Einrichtung und noch mehr der Neubau

jeder einzelnen Botschaft ist das Resultat komplexer politischer Prozesse. Weit über

ihre per se politische Funktion und Nutzung sowie über den allgemeinen Zusammenhang

von Politik und Architektur hinaus6 haben Botschaftsbauten und -projekte eine

hohe politische Symbolkraft. Sie sind aus ikonologischer Sicht durch und durch als

Politische Architektur7 zu klassifizieren. Folgerichtig ist der architektonische Ausdruck

einer diplomatischen Vertretung ein relevanter Bestandteil der Außenpolitik, ebenso

bilden Diplomatie und Außenpolitik die Basis für die architektonische Form.

Im geteilten Deutschland prägte der Wettstreit der Systeme Kapitalismus und

Sozialismus bzw. der Gegensatz der Hegemonialmächte USA und UdSSR den jeweiligen

Aufbau von Staat, Gesellschaft und Städten nach dem Zweiten Weltkrieg. Der

Ost-West-Konflikt kulminierte im Zusammenwirken von Architektur und Gesellschaft,

während beide Staaten sich vom Nationalsozialismus abgrenzten. Die DDR

formulierte deutlich die Aufgaben und Inhalte von Architektur für die nationale

Identität, die einen Pluralismus ausschlossen. In der Bundesrepublik wurde ein of-


fener Diskurs zur Findung eines architektonischen Konsens’ initiiert, der dennoch

eine Vielfalt zuließ. Beide deutsche Staaten vermittelten über ihre Architektur jeweils

ein politisches und gesellschaftliches Selbstverständnis, das im wechselseitigen Verhältnis

zu den deutsch-deutschen Beziehungen und der jeweiligen Anlehnung an die

Besatzungsmächte zwischen Anpassung und Abgrenzung changierte. Eine Wertung

der Nachkriegsarchitektur ist daher ohne Einbezug der politischen Umstände, in

denen sie entstanden ist, kaum möglich. Die grundsätzlich herausragende außenpolitische

Bedeutung der diplomatischen Auslandsvertretungen zur Erlangung internationaler

Reputation steht außer Frage. Darüber hinaus wirkten sich die komplexen

Abhängigkeiten von Diplomatie, Ost-West-Konflikt und Deutschlandfrage direkt auf

die ost- und westdeutschen Neubauvorhaben von Auslandsvertretungen aus. Der

jeweilige außenpolitische Handlungsspielraum lenkte zwangsläufig die jeweilige

Architektur. Dieses betrifft nicht nur die grundsätzliche Notwendigkeit eines jeden

Neubaus, sondern auch die Wahl der Grundstücke, der Größe der Bauvorhaben und

nicht zuletzt des Formenvokabulars. In der Suche nach einer geeigneten auswärtigen

Staatsarchitektur nahmen sowohl die Bundesrepublik als auch die DDR ihre Möglichkeiten

wahr, mittels Architektur eine Haltung zu kommunizieren.8 Der sich aus der

fortwährenden Deutschlandfrage ergebende und mitschwingende innenpolitische

Faktor war hierbei für beide Staaten von größter Wichtigkeit. Während die Bundesrepublik

angesichts der Hauptstadtfrage bzw. des provisorischen Charakters der vorläufigen

Bundeshauptstadt Bonn kaum eine allgemeingültige und identitätsstiftende

Staatsarchitektur entwickeln konnte, bediente sich die DDR trotz ihres geringen

Gestaltungsspielraums jedes architektonischen Mittels, ihrem Ziel der staatlichen

Anerkennung näher zu kommen und die staatliche Existenz abzusichern. Beide

Staaten nutzten dementsprechend das Medium Architektur zur Durchsetzung ihrer

außen- und innenpolitischen Ziele. Gezielt betrieben sie mit dem jeweils gewählten

architektonischen Ausdruck ihrer visuell erfahrbaren auswärtigen Neubauten sowohl

Außen- als auch Deutschlandpolitik.

Im Verlauf der vierzigjährigen deutschen Teilung haben sowohl die DDR als

auch die Bundesrepublik eine Reihe von Neubauten für diplomatische Vertretungen

errichtet. Sie dokumentieren ein bedeutendes Kapitel der deutschen Geschichte,

die das Selbstverständnis der heutigen Bundesrepublik und ihren gegenwärtigen

auswärtigen Repräsentationsbau immer noch prägen. Gerade diese Bauwerke vergegenständlichen

die enge Verknüpfung von politischen, kulturellen und personellen

Entscheidungen sowie deren Rahmenbedingungen und ermöglichen aus ihrer

exterritorialen Position heraus einen erweiterten Blick auf die deutsche Architekturgeschichtsschreibung.

Obwohl die vorliegende Untersuchung im Wesentlichen

die deutsch-deutsche Entwicklung der Bauaufgabe von 1949 bis 1990 nachvollzieht,

liegt ihr Schwerpunkt auf den Bauwerken, die bis zur gegenseitigen Anerkennung

1972 entstanden oder projektiert wurden. Sie lieferten die Grundlage für die gesamte

Zeitspanne und kennzeichneten die kontinuierliche Suche beider deutschen Staaten

nach einem geeigneten architektonischen Ausdruck. Danach entfiel die Notwendigkeit,

über die auswärtige Architektur Deutschlandpolitik zu betreiben, gleichwohl

beobachteten beide deutsche Staaten die Aktivitäten des jeweils anderen nach wie

vor argwöhnisch.

Einleitung

11


26 Grundlagen einer auswärtigen Staatsarchitektur

▶ 5

Louis Ferdinand Dutert, Un palais

d’ambassade Française dans la

capitale d’un puissant État (1869),

Hauptansicht. RMN / Guérinet

1850–1904, pl. 104

▶ 6

Louis Ferdinand Dutert, Un palais

d’ambassade Française dans la

capitale d’un puissant État (1869),

Eingangsebene. RMN / Guérinet

1850–1904, pl. 107

zum Ehrenhof und zum Garten. In der Beletage liegen oberhalb der diplomatischen

Abteilung die Wohnungen des Ersten und Zweiten Botschaftssekretärs und über

der Konsularischen Abteilung die Wohnungen des Konsuls (sieben Räume) und

des Kanzlers (sechs Räume). In dem darüber angeordneten Mezzaningeschoss sind

Unterkünfte für die Mitarbeiter beider Abteilungen angeordnet, die über Diensttreppen

mit den Büros verbunden sind. Der zum Empfang geladene Besucher fährt

mit seinem Fahrzeug bis in den Ehrenhof vor, um von dort in den salle de garde einzutreten.

Dieser wird im Erdgeschoss im Westen von den Gemächern des Hausvorstands

und den prunkvollen Paradezimmern im Osten flankiert.35 Die im westlichen

Pavillon angeordnete Kapelle sollte laut Raumprogramm den im Ausland lebenden

Staatsangehörigen die Ausübung der eigenen Konfession ermöglichen,36 ihre Not-


wendigkeit ergab sich aus den Persönlichkeitsrechten des Botschafters und seiner

Mitarbeiter.37 Im Zwischenraum zum hintersten Flügel liegt ein sehr großes und

repräsentatives Treppenhaus. Dieses führt in die zum Ehrenhof orientierten appartements

de grande réception, zwei großen Festsäle und einen ausgedehnten Speisesaal.

Erst dahinter liegen die für den Botschafter vorgesehenen Räumlichkeiten mit dem

Arbeitszimmer nebst kleiner Salons und Büroräume für die beiden Botschaftssekretäre

im Erdgeschoss und den privaten Wohnräumen im Obergeschoss. Letztere

flankiert zusammen mit den Gast- und Empfangszimmern für den herrschaftlichen

Besuch den zentralen Thronsaal mit einer Reiterstatue Napoleons III.38 Obwohl die

Disposition der Bauvolumina dem traditionellen höfischen Profanbau entspringt,

trennt Dutert die Baukörpern nach Funktionen. In den beiden communs sind der

diplomatische und der konsularische Dienst untergebracht, im Hauptkörper gruppieren

sich die öffentlichen Repräsentationsräume, während sich der Flügel mit den

privaten Wohnräumen zum rückwärtigen Garten absetzt. Einzig der Thronsaal bricht

diese klare Struktur, er ist wiederum mit den Gastzimmern verbunden. Insbesondere

dieser Residenzflügel veranschaulicht Duterts Adaption barocker Raumabfolgen: die

symmetrische Disposition der Wohnbereiche mit identischen Raumproportionen

sowie einem zentralen Repräsentationsraum in der Mitte findet ihr Vorbild in dem

appartement double, das erstmals von Louis Le Vau (1612–1670) beim Château de Vaux

le Vicomte (1656–1661) verwendet wurde.

Donald Drew Egbert betont in seiner Untersuchung zur Geschichte des Prix de

Rome den fiktiven Charakter des jährlich ausgeschriebenen Wettbewerbs. Doch obwohl

die eingereichten Studentenentwürfe keine Rücksicht auf ökonomische Vorgaben

oder praktische Erfahrungswerte nehmen mussten, war der Einfluss der prämierten

Arbeiten auf die zeitgenössische Architektur auch weit über Frankreichs Grenzen hinaus

immens.39 Egbert begründet dies mit drei Faktoren: Erstens galt der Grand Prix

de Rome als Höhepunkt der Lehre der ohnehin einflussreichen École des Beaux-Arts.40

Die Teilnahme an der Konkurrenz war nur einer beschränkten Studentenzahl möglich.

Einem Schüler ohne Mitgliedschaft eines der führenden Ateliers war es nahezu

unmöglich, Preisträger zu werden, da die Professoren die Teilnehmer aussuchten, die

für ihr Atelier bei dem Wettbewerb anträten und der Erfolg eines Preisträgers auf das

jeweilige Atelier zurückfiel. Entsprechend groß war der Einfluss der Professoren auf die

Ergebnisse, so dass diese deren akademischen Ideale und architektonische Haltung

in reiner Form wiedergegeben hätten.41 Zweitens wurden die Entwürfe der Preisträger

des Prix de Rome zeitnah publiziert und erreichten so ein größeres Publikum.42 Der

Weg dieser architektonischen Konzepte in das Deutsche Kaiserreich war über die Veröffentlichung

aller Preisträger in dem fünfbändigen Bildband Concurrenzen der Ecole

des Beaux-Arts in Paris. Le Grand Prix de Rome von Pierre Lampué nachzuvollziehen, der

1881 zeitgleich mit der französischen Ausgabe im Wasmuth Verlag in Berlin erschien.43

Drittens war der Prix de Rome von politischen Umständen stark abhängig.44 Aufgaben,

die sich mit Bauten in der Größe eines Privathauses beschäftigten, waren zu klein,

um die herausragenden Qualitäten der Teilnehmer erkennen zu können, und die

akademischen Architekten der École des Beaux-Arts klassifizierten öffentliche Monumentalbauten

als die nobelsten und universell kennzeichnendsten Bauaufgaben. Von

der Adcádemie des Beaux-Arts wurde als königliche bzw. staatliche Institution stets

Grundlagen einer auswärtigen Staatsarchitektur

27


34 Grundlagen einer auswärtigen Staatsarchitektur

▶ 7 Germain Boffrand, Palais Beauharnais (1667–

1757), Eingangsansicht um 1945. bpk / RMN - Grand

Palais / René-Jacques

▶ 8 John Nash, Carlton House Terrace (1826/27–1832).

Stahlstich: Thomas Hosmer Shepherd 1831. Nash

1839–1849, pl. 178.


Napoleons, bewohnt;78 während die Carlton House Terrace (▶8) an der Stelle der ehemaligen

Residenz des Prince of Wales, dem Carlton House, errichtet wurde, nachdem

Georg VI. nach seiner Thronbesteigung in den Buckingham Palace umgezogen war.79

Insbesondere über die Gestaltung einer Residenz offenbaren sich deren architektonische

Vorbilder. Mit diesen wurden die Schlüsselbegriffe Hof und Zeremoniell

verbunden, die wiederum die Disposition der Räume gemäß eines Herrschaftssitzes

prägten.80 Im 17. und 18. Jahrhundert etablierte sich europaweit die französische

Form der Diplomatie. Französisch wurde allerorts zur offiziellen Amtssprache und

das diplomatische Zeremoniell orientierte sich am barocken Hofzeremoniell Frankreichs.

Folgerichtig stützte sich die Architektur auf das Vorbild des Pariser hôtels, das

die Dualität im Handeln der Diplomaten vor Ort wiedergab und sowohl die Aufgabe

des Repräsentierens eines Staates als auch den individuellen Einsatz innerhalb der

eigenständigen Körperschaft abbildete. Das hôtel oder hôtel particulier bezeichnet

die städtische Residenz der Angehörigen des französischen Adels und des Klerus

im 17. und 18. Jahrhundert, die sie bezogen, solange der französische König in Paris

residierte. Während ein palais ausschließlich den königlichen Familienmitgliedern

und königlichen Geistlichen mit Hofhaltung vorbehalten war, ordnete sich das hôtel

diesem qualitativ und quantitativ unter. Auf den oft unregelmäßigen und engen Pariser

Grundstücken entwickelte sich mit dem hôtel eine europaweit kopierte architektonische

Erscheinungsform, die es ermöglichte, die inneren Räume so anzuordnen, dass sie trotz

festgelegter Raumabfolgen und -funktionen für verschiedene Ansprüche nutzbar und

komfortabel waren.81 Um den Anforderungen der Gesellschaft an die Mitglieder des

Adels zu entsprechen, übernahm das Gebäude zwei unterschiedliche Funktionen, die

sich im Raumprogramm niederschlugen. Das appartement de parade erfüllte die Funktion

des Repräsentierens und hatte einen öffentlichen Charakter, während das appartement

privée den Bewohnern die Möglichkeit des Rückzugs in ihre privaten Wohnräume

bot. Im Idealfall bestand ein barockes hôtels aus einer symmetrischen Dreiflügelanlage

mit erhöhtem corps de logis und untergeordneten seitlichen communs, die einen cour

d’honneur umschlossen. Eine Mauer trennte den Hof von der angrenzenden Straße, in

wenigen Fällen war hier ein vierter Flügel angeordnet. An die rückwärtige Seite des corps

de logis schloss sich ein Garten an. Die zentralen Elemente der inneren Raumstruktur

waren das Vestibül und das repräsentative Treppenhaus. Entsprechend der Wertigkeit

waren die Repräsentationsräume des appartement de parade im Hauptkörper angeordnet,

während die zwei appartements privées des Hausherrn und der Hausdame jeweils

in einem der seitlichen Flügel lagen und als appartement double angelegt waren. Der

Bezug zum höfischen Zeremoniell wurde über die Raumabfolge im gesellschaftlichen

und privaten Bereich hergestellt.82 Vor den Schlafzimmern fanden sich stets ein bis

zwei antichambres, als Symbole »der höfischen guten Gesellschaft des ancien régime«.83

Im Einklang mit der hierarchischen Ständegesellschaft des Absolutismus bildete das

hôtel den Rang seiner Bauherren in Größe, Ausschmückung und Ausstattung ab.84 Die

von Denis Diderot (1713–1784) und Jean Baptiste le Rond d’Alembert (1717–1783) erstmals

1751 herausgegebene Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts

et des métiers enthält einen Entwurf eines idealen hôtel von Jacques-François Blondel

(1705–1774),85 den Norbert Elias in seiner Charakterisierung der höfischen Gesellschaft

trotz seiner immensen Ausmaße als mustergültig benennt (▶9).86

Grundlagen einer auswärtigen Staatsarchitektur

35


50 Deutsche Auslandsvertretungen 1871–1945

▶ 22

Jules Lescasse, Kaiserlich

Deutsche Gesandtschaft in Tokyo

(1878–1880). Pantzer und Saaler

2007a, Abb. 119 (III/20), 266

▶ 23

Deutsche Gesandtschaft Peking

(1875–1879). Foto 1907–1914. BArch,

Bild 137-005683

▶ 24

Empfangsraum des deutschen

Gesandten in Peking um 1900.

Mumm von Schwarzenstein 1902,

150


China gelangte ab Mitte des 19. Jahrhunderts in den Fokus westlicher Expansionspolitik

zur Ausweitung des Machtbereichs und des Zugriffes auf Rohstoffe sowie Öffnung

weiterer Absatzmärkte für westliche Exporte. Der Abschluss von Freihandelsabkommen

bzw. der »Ungleichen Verträge« eröffnete den Großmächten, zu denen auch Japan

gehörte, einseitige Privilegien, die neben geringen Einfuhrzöllen auch »das Recht der

Niederlassung und Geschäftstätigkeit in vielen chinesischen Städten, den treaty ports

oder offenen Häfen, rechtliche Exterritorialität von Ausländern, Missionsfreiheit im

gesamten [chinesischen] Reich« umfassten.37 Das Königreich Preußen schloss 1861/62

mit China ein den »Ungleichen Verträgen« entsprechendes Friedens- und Handelsabkommen

ab. Um die Vormachtstellung Preußens innerhalb der deutschen Staaten

auch außenpolitisch zu demonstrieren, versuchte Bismarck bis zum deutsch-französischen

Krieg 1870/71 bei den Chinesen, in Analogie zur Aneignung Hongkongs durch

die Briten, die Einrichtung eines deutschen Marinestützpunkts durchzusetzen. Nach

der Reichseinigung ließ er von dem Vorhaben ab und verfolgte in China ausschließlich

handelspolitische Interessen.38 Entsprechend ist die Ausformulierung des Bauvorhabens

in Peking weniger mit einem deutschen Repräsentationswillen als vielmehr

mit chinesischen Lebensgewohnheiten zu erklären, die von den europäischen stark

differierten. Die Unterschiede in der Wohnkultur reichten von einer abweichenden

Schlaf-, Ess- und Kochkultur bis zu Gesetzmäßigkeiten des chinesischen Ahnenkults

und der Geomantik (Feng Shui) in der Anordnung der Räume. Demzufolge lebten

nur wenige Ausländer in chinesischen Häusern.39

Der Häusergruppe auf dem Grundstück des Deutschen Reichs im Gesandtschaftsviertel

von Peking wohnte in erster Linie ein funktioneller Charakter inne.

Europäischen Maßstäben entsprechend entstanden einzelne Bauten für die Unterkunft

des Gesandten und die diplomatische Abteilung bzw. die Kanzlei (▶23). Das

allgemeine Raumprogramm für Gesandtschaftsbauten des Deutsche Reichs sah

grundsätzlich kleinere Wohneinheiten für die Repräsentanten und weder Festsäle

noch Thronsaal vor. Bezeichnend ist daher der Vermerk des Gesandten Albert von

Oberndorff in Sofia, dass »anders als unsere Botschaften die Gesandtschaften keine

innere Ausstattung – auch nicht der Repräsentationsräume – aus Reichsmitteln erhalten«.40

Die Ausstattung bestritt der Gesandte gewöhnlich mit seinem privaten Mobiliar

(▶24). Dessen ungeachtet glich sich der Aufbau der deutschen Gesandtschaft in Peking

der traditionellen chinesischen Bauweise an,41 über eine Melange aus europäischen

und chinesischen Architekturformen wurde der örtliche Bezug mit der staatlichen

Bauaufgabe verwoben. Diese Haltung ist ebenso an der bereits genannten deutschen

Sommerresidenz in Tarabya abzulesen, die sich auf das Yalı, dem üblichen türkischen

Haustyp der Sommerresidenzen am Bosporus, bezieht.42

Ähnliches gilt für den zweiten Neubau einer Gesandtschaft in Tokyo (1894–1898),

der als erstes Bauvorhaben einer auswärtigen Vertretung unter der Regentschaft

Wilhelms II. realisiert wurde, nachdem das erst 1880 fertiggestellte Gesandtschaftsgebäude

1894 während des Meiji-Erdbebens vollständig zerstört worden war.43 Der

Entwurf stammt vom britischen Architekten Josiah Conder (1852–1920), der in der

Meiji-Epoche unter der Regierung des Kaisers Mutsuhito in Japan zahlreiche Projekte

für westliche Kunden, aber auch einige für die japanische Regierung realisiert

hatte. Die für Conders Bauten charakteristische Anwendung eines eklektizistischen

Deutsche Auslandsvertretungen 1871–1945

51


64 Deutsche Auslandsvertretungen 1871–1945

▶ 41

Leon Benois, Skizzenentwurf für die

Neugestaltung des Michalski Palast zur Kaiserlich

Deutschen Botschaft (1909). PA AA, KS-15

Das Debakel von St. Petersburg hatte deutliche Auswirkungen auf das zweite Neubauvorhaben

einer Botschaft kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Noch in den Jahren 1909 und

1910 lehnte das Reichsschatzamt den Vorentwurf des New Yorker Architekturbüros

Carrère & Hastings für die Kaiserlich Deutsche Botschaft in Washington mit der Begründung

ab, dass der Reichshaushalt durch den Neubau der Botschaft in St. Petersburg

bereits arg belastet wäre. Der Neubau in Russland genoss einen deutlichen Vorrang vor

dem seit 1893 vorbereiteten Projekt in den Vereinigten Staaten von Amerika. Nach der

Fertigstellung der St. Petersburger Botschaft wurde Peter Behrens’ Angebot, Entwürfe

für den Neubau in Washington zu verfassen, abgelehnt, stattdessen berief man ihn

in das konservativ besetzte Preisgericht eines im Mai 1913 ausgeschriebenen Ideenwettbewerbs.75

Insgesamt 272 Beiträge gingen bis August 1913 bei der Geschäftsstelle

des Architektenvereins in Berlin ein.76 In der vergleichenden Zusammenfassung der

publizierten Wettbewerbsbeiträge erkennt Niederwöhrmeier zwei Strömungen an

Entwürfen, die den Bruch zwischen den Architektengenerationen darstellen würden.

Die Majorität der Eingaben war der eher konservativ geprägten älteren Architektengeneration

bzw. dem Bestreben zuzuschreiben, traditionelle Wertvorstellungen in

eine neue Bauaufgabe zu übertragen. Nur eine Minderheit den jüngeren Vertretern

der Architektenschaft zuzuzählenden Beiträge stellten sich genau gegen diese überkommenen

Herrschaftsbilder und traten für eine moderne Architekturauffassung ein.77


▶ 42 Zerstörung der Kaiserlich Deutschen Botschaft in

St. Petersburg am 4. August 1914. PA AA, R 13109,

Bild 2

Deutsche Auslandsvertretungen 1871–1945

▶ 43

Wettbewerb Kaiserlich Deutsche Botschaft

Washington (1913). 1. Preis, Entwurf Bruno

Möhring. Berliner Architekturwelten 1914, 308,

Abb. 377

▶ 44 2. Preis, Entwurf Franz Thyriot. Berliner

Architekturwelten 1914, 311, Abb. 381

65


82 Deutsche Auslandsvertretungen 1871–1945

▶ 59 Heinrich Listmann, Deutsche Botschaft

in Angora, Gesamtansicht Auffahrt zum

Kanzleigebäude vom 24. Januar 1927. PA AA,

KS-266b

Auch der Neubau eines Kanzleigebäudes für die Deutsche Botschaft beim Heiligen

Stuhl orientiert sich an dessen Umfeld (▶56). Das das Botschaftsgrundstück entlang

der Via Piave begrenzende Bauwerk bedient sich des Formenrepertoires eines neobarocken

italienischen Stadtpalastes. Der dreiteilige Baukörper zeigt einen zweigeschossigen

Mitteltrakt, der durch eingeschossige Seitenteile fast die gesamte Grundstückskante

einnimmt. Bossierte Ecken betonen die Vertikale und die differierende

Geschossigkeit, während Friese, Gesimse und Balustraden die Horizontale des Baukörpers

unterstreichen. Der Eingang erfolgt über eine seitliche, ebenfalls bossierte Tordurchfahrt

zum Grundstück. Die regelmäßig angeordneten, hochrechteckigen Fenster

erhalten profilierte Leibungen und Dreiecksgiebel im Obergeschoss; ein Kranzgesims

bildet den Übergang zum gestauchten Walmdach. Alle Elemente verweisen auf den

städtebaulichen Kontext, auch wenn die dahinterliegende, als Botschaftsresidenz

dienende Villa Bonaparte (1750) im schlichten römischen Klassizismus gehalten

ist. Der ausgeführte Kanzleitrakt unterscheidet sich deutlich von Zeichnungen der

Reichsbauverwaltung für die Reichsministerien, die Gross 1925 freigegeben hatte (▶57).

Der Entwurf eines schlichten, über die gesamte Länge zweigeschossigen Riegels mit

gleichmäßig getakteter Fensterreihung und flachem Walmdach vermeidet durch versetzt

angeordnete Eingänge das Aufkommen einer Symmetrie. Eine Tordurchfahrt,

hohe Halbrundfenster im Obergeschoss und ein schmales horizontales Gesims als

Geschosskante sind die einzigen Hinweise auf den italienischen Kontext. Die charakteristischen

Veränderungen an Kubatur und Fassade im realisierten Projekt gehen

auf den maßgeblichen Einfluss der italienischen Denkmalschutzbehörde zurück, die


▶ 60

Lageplan M 1:1000 vom 24. Januar

1927. PA AA, KS-266a

Deutsche Auslandsvertretungen 1871–1945

der Reichbauverwaltung die zu wählenden Formen quasi diktierte (▶58).141 Das Neubauvorhaben

der Kanzlei beim Heiligen Stuhl veranschaulicht dementsprechend in

aller Deutlichkeit, wie stark die Weimarer Republik sich örtlichen Gepflogenheiten

annähern musste und in Italien keinesfalls die Durchsetzungskraft für eigene Gestaltungsvorstellungen

innehatte.

Ebenfalls 1927 begann die Reichsbauverwaltung für die Ministerien mit den konkreten

Planungen für den Neubau der Botschaft in Angora, das Mustafa Kemal Paça

Atatürk vier Jahre zuvor zur zentralen neuen Hauptstadt der unabhängigen Türkischen

Republik bestimmt hatte. Mit ein Jahr später folgenden Erwerb eines Grundstücks in

unmittelbarer Nähe zum Regierungsviertel signalisierte die Weimarer Republik ihre

Anerkennung der Legitimität der neuen türkischen Regierung.142 Im Januar entwarf

Regierungsbaurat Listmann für liegende ausgedehnte Hanggrundstück mehrere Varianten

einer teils orthogonalen, teils frei angeordneten Häusergruppe in Anlehnung

an die Ideale der Gartenstadtbewegung (▶59). Ein auf der Hangkuppe positioniertes

zweigeschossiges Kanzleigebäude mit Mittelrisalit, Dreiecksgiebel und Altan steht

im Zentrum einer Hofanlage, die seitlich von zwei langgestreckten Wohngebäuden

für mittlere Beamte flankiert wird und zur Straße mit zwei eingeschossigen Pförtnerhäuschen

mit Zeltdach ihren Abschluss findet. In dem weitläufigen, als Parkanlage

geplanten Areal verteilte Listmann zwanglos drei unterschiedlich gestaltete Einzelhäuser

für höhere Beamte und den Botschaftsrat sowie ein Kawassen-Wohngebäude

(▶60). Das Wohnhaus des Botschafters war nicht Bestandteil der Planung, es sollte zu

einem späteren Zeitpunkt auf dem oberhalb angrenzenden Nachbargrundstück – eine

Schenkung der türkischen Regierung an das Deutsche Reich – errichtet werden.143 Im

Juli 1927 überarbeitete Listmann noch einmal die Entwürfe, die daraufhin zur Grundlage

der Ausführung wurden. Hierbei veränderte er insbesondere die Größe und den

83


158 Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

bereits ein Jahr später fertiggestellt wurde (▶123). Das erste französische Kulturinstitut

in Deutschland zeigt einen U-förmig angeordneten Komplex dreier eingeschossiger

aber unterschiedlich hoher Pavillonbauten, die ebenfalls eine Leihbücherei, Lesesäle

und Seminarräume beherbergen. Darüber hinaus beteiligte sich Riphahn 1953, wenn

auch erfolglos, am Wettbewerb für das Italienische Kulturinstitut in Köln.88

Insbesondere mit den frühen Neubauten der US-amerikanischen Regierung

konnotierte die deutsche Bevölkerung eine optimistische Zukunft, befördert durch

zielgerichtete Investitionen der US-Regierung und US-amerikanischer Stiftungen in

den Wiederaufbau und Neuaufbau sozialer sowie prestigeträchtiger Bauvorhaben.

Demgemäß übten diese großen Einfluss auf die westdeutsche Nachkriegsarchitektur

aus.89 Das US-amerikanische Office of Foreign Buildings Operations (FBO)90 ging

grundsätzlich von der Annahme aus, dass die Errichtung von Appartementhäusern

und Administrationsgebäuden in Bonn in Eigenregie für die US-Regierung am kostengünstigsten

wäre. Es engagierte hierfür den Frankfurter Architekten Otto Apel

(1906–1966),91 der 1950–1951 in einer Arbeitsgemeinschaft mit Rudolf Letocha, Wilhelm

Rohrer, Martin Herdt und Sep Ruf die drei HICOG–Siedlungen Muffendorf, Plittersdorf

und Tannenbusch in Bonn und Bad-Godesberg sowie den Verwaltungssitz des

Amerikanischen Hohen Kommissars in Bonn-Mehlem umsetzte.92 Die spätere USamerikanische

Botschaft entstand auf dem Areal des Schlosses Deichmannsaue, das

am südlichen Ende des Grundstücks gelegen zur Residenz hergerichtet wurde.93 In

seiner Ausdehnung demonstriert die direkt anschließende Verwaltung die damalige

Superiorität der Vereinigten Staaten. Vier viergeschossige Flügel reihen sich, den

Zinken eines Kammes gleich, aneinander, während sie einen leichten Bogen beschreiben

(▶124). Der zum Rheinufer ausgerichtete Rücken ist zweigeschossig und dient als

Verteiler. Alle Baukörper sind verputzt und basieren auf einer Skelettkonstruktion,

bei der die Umwandung des Erdgeschosses hinter die tragenden Pfeiler rückt. Der

Komplex tritt trotz seiner Ausmaße betont schlicht und zurückhaltend auf. Die gerasterte

Lochfassade weist eine ausgeprägte Flächigkeit auf. Nur die rückwärtigen,

voll verglasten Treppenhäuser treten aus der Kubatur heraus. Die zweihüftige Organisation

der Binnenstruktur zeigt sich an den Fensterelementen an den Stirnseiten.

Die geschwungene Anordnung der Flügel lässt Angelika Schyma den Vergleich zu

dem 1928–1931 nach Entwürfen von Hans Poelzig errichteten Verwaltungsbau für I.G.

Farben in Frankfurt ziehen, der nach 1945 als Hauptsitz der Amerikanischen Militäradministration

diente.94

Als nachhaltigere Vorbilder sollten sich allerdings die Entwürfe des New Yorker

Architekturbüros Skidmore, Owings & Merrill (SOM) ab 1952 für zahlreiche Neubauten

von Generalkonsulaten und Apartmenthäusern des diplomatischen Dienstes sowie

Amerika-Häusern im Rahmen eines $19-Millionen-Programms des FBO erweisen. Die

Beauftragung folgte unmittelbar auf die Besichtigung des von SOM just fertiggestellten

Firmenhauptsitzes des britischen Drogerieartikelproduzenten Lever Brothers in

New York durch den FBO-Direktor Frederick Larkin sowie seines Stellvertreters und

leitenden Architekten Leland W. King.95 Dieses als Lever House in die Architekturgeschichtsschreibung

eingegangene Wahrzeichen der Moderne bezeichnet Nerdinger

als »das einflussreichste Bauwerk der 50er Jahre«, da es »die entscheidenden Anstöße«

für die curtain wall und ihre Verwendung insbesondere an Verwaltungs- und Bürobau-


▶ 122

Wilhelm Riphahn, Britisches

Informationszentrum „Die

Brücke“ in Köln (1948–1950). Foto

um 1960. © Rheinisches Bildarchiv,

rba_mf089628

▶ 123

Wilhelm Riphahn, Institut

Française in Köln (1952). Foto

1953. © Rheinisches Bildarchiv,

rba_ _mfL000174_5

Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

▶ 124

Verwaltungssitz des

Amerikanischen Hohen

Kommissars (1950–1951), später

US-Amerikanische Botschaft in

Bonn-Mehlem. SHSB / USIS Press-

Unit 1955

159


160 Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

▶ 125

Harrison & Abramovitz, Modell

der US-Botschaft Rio de Janeiro

(1948–1952), 1950. National

Archives (59-OBO-034-CSP_942)

▶ 126

Harrison & Abramovitz, US-

Botschaft Havanna (1950–1952).

National Archives (59-OBO-171-

HIS_1585)

▶ 127

US-Botschaft Havanna,

Eingangshalle 1953. National

Archives (59-OBO-212-HIS_3075)


ten lieferte.96 Verantwortlich für den Entwurf zeichnete Gordon Bunshaft (1909–1990),

mit dessen Arbeiten sich vor allem das wirtschaftliche Amerika identifizierte.97 Diese

waren beispielhaft für die Fusion architektonischer Gestalt und Firmenidentität, die

die US-Architektur der Nachkriegszeit prägte und besonders bei den Hochhäusern

von Harrison & Abramovitz für die Firmen Alcoa oder US Steel zum Ausdruck kam.98

Nachdem Wallace K. Harrison (1895–1981) und Max Abramovitz (1908–2004) mit ihren

Entwürfen für die US-Botschaften in Rio de Janeiro (1948–1952) (▶125) und Havanna

(1950–1952) (▶126) die allerersten diplomatischen US-Vertretungen im modernen Gewand

geliefert hatten, erhoffte sich King mit der Beauftragung von SOM, insbesondere

unter der Beteiligung Bunshafts, einen neuen, klaren, spektakulären und amerikanischen

Ausdruck der auswärtigen US-Architektur, der mediale Aufmerksamkeit erzielen

sollte. Gleichwohl sah King hierin eine Geste des guten Willens gegenüber

Deutschland, indem das »Bauhaus idiom«, nun zum »American icon« transformiert,

zur offiziellen Architektursprache der US-amerikanischen Staatsbauten in der Bundesrepublik

wurde. Das ursprüngliche Programm des FBO sah insgesamt 40 neue Gebäude

vor, darunter sieben Konsulate, sieben Wohnhäuser für die Missionschefs, sechs

Informationszentren, einen Verwaltungssitz für den amerikanischen Sender Voice

of America in München sowie 275 Wohneinheiten verteilt auf neunzehn Wohnhäuser.

Eine wichtige Prämisse für ihre Ausführung galt der Wahrung eines provisorischen

Charakters, um auch seitens der USA das Ziel der deutschen Wiedervereinigung architektonisch

nicht in Frage zu stellen. Das Problem der Standorte unterlag hingegen dem

föderalen System der Bundesrepublik, das mehrere Konsulatsstandorte erforderte,

und der anhaltenden Truppenpräsenz der US-Amerikaner.99

Zur Umsetzung von Bunshafts Entwürfen richtete SOM eine Zweigstelle im

Verwaltungsgebäude der US-amerikanischen Hochkommission in Bad Godesberg

ein, besetzt mit David Hughes (1918–2007) als Projektmanager, Nathalie de Blois (1921–

2013) als Chefdesignerin sowie den Mitarbeitern Dale Byrd, Paul Pippin, Sherwood

Smith und Ed Petrazio. Für die Umsetzung arbeiteten sie mit Otto Apel zusammen,

der mit seinen rund 40 Mitarbeitern die angrenzenden Büroräume belegte und für

die Ausführungsplanung und Bauleitung zuständig war.100 Bunshafts Beteiligung

bei den einzelnen Projekten variierte, da einige im Verlauf des Planungsfortschritts

stark verändert oder niemals ausgeführt wurden.101 Noch 1952 kreierte Bunshaft für

die fünf realisierten Konsulatsbauten in Bremen, Düsseldorf, Stuttgart, Frankfurt

und München ein einheitliches gestalterisches Grundthema.102 Bei allen fünf Generalkonsulaten

dominierte der einzigartige künstlerische Ausdruck der Form, der

städtebauliche Kontext blieb unbeachtet.103 Bis auf Stuttgart zeigen alle Bauten einen

zweiteiligen Baukörper, bestehend aus einem aufgeständerten höheren Riegel für

Büronutzung, der sich mit einem flachen, eingeschossigen Baukörper für den Empfangsbereich

verschneidet. Das Motiv orientierte sich am Ideal des US-amerikanischen

Botschaftsbaus um 1950 und fand erstmals bei der Botschaft in Havanna von Harrison

& Abramovitz Anwendung, das auch die Ausstattung der Empfangsbereiche mit Möbeln

von Knoll International – u. a. Mies van der Rohes Barcelona Chair – etablierte

(▶127).104 Die Kombination von horizontaler und vertikaler Scheibe bildet ebenfalls

das Grundthema des Lever House, aber auch das des UN-Hauptquartiers in New York

(1949–1951), bei dem Harrsion & Abramovitz entscheidenden Anteil hatten, aber Le

Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

161


170 Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

▶ 135

Generalkonsulat London,

Residenz am Belgrave Square,

Empfangssäle (Umbau 1953–

1954). Bildarchiv BBR / Maltby

▶ 136

Horst-Peter Oltmanns (BBD),

Kanzlei des Generalkonsulats

London (1954–1956). Bildarchiv

BBR / Walter Marmorek


Schenkel zur Chesham Place orientiert und mit dem kürzeren an die Belgrave Mews

West grenzt. Regelmäßig angeordnete Fensteröffnungen sind schier in den im Blockverband

gesetzten Klinker hineingeschnitten, nur die Sohlbänke treten leicht hervor,

das flache Dachgesims kragt hingegen aus. An der südlichen Ecke, flankiert von

einem historischen Torbogen, sitzt der erhöht liegende und in weißem Putz gefasste

Kanzleieingang zum Chesham Place.

Mit seiner betont schlichten Fassadengestaltung gibt sich die Kanzlei deutlich

als Verwaltungsbau zu erkennen und lässt, der funktionalen Rangfolge entsprechend,

der historischen Residenz den Vorrang. Die 1955 zur Botschaft erhobene Gebäudegruppe

folgte hiermit der Repräsentanz des Hohen Kommissars respektive des Botschafters

des Vereinigten Königreichs in Bonn in zweifacher Hinsicht: sie nahm erstens

nicht nur die regelmäßige Gliederung der Lochfassade am dortigen Verwaltungssitz

zum Vorbild, sondern orientierte sich zweitens auch an deren Residenz, die, einem

traditionellen Repräsentationsverständnis nachkommend, in einer historischen

Villa am Rheinufer untergebracht war. Das Gleiche galt für die Residenzen der USA

in Bonn im Schloss Deichmannsaue und später in der Rolandstraße sowie die von

Frankreich im Schloss Ernich (▶137).138

Die Präferenz der Besatzungsmächte in der Wahl eines historischen Gebäudes

für die Residenz und eines erkennbaren Verwaltungsbaus für die Kanzlei dokumentiert

die elementare Wertung einer als repräsentativ konnotierten Architektur. Die

sich hier aufzeigende Diskrepanz lässt das Fehlen einer eindeutigen, nationalen

Selbstdarstellung über Architektur erkennen. Die klare Unterscheidung der Baugestalt

nach Funktionen entspricht zwar den Grundlagen des International Style, zeigt aber

die damals noch bestehende Unvereinbarkeit der modernen Architektursprache mit

einer einheitlichen nationalen Repräsentation für die duale Funktion einer Auslandsvertretung.

Gleichwohl veranschaulicht die Segregation der Auslandsvertretungen in

einen Baukörper für die Residenz und einen für die Kanzlei eine damals noch recht

junge Entwicklung im Botschaftsbau, die im Deutschen Reich erstmals beim Neubau

der Botschaftskanzlei beim Heiligen Stuhl (1927) in Erscheinung getreten war. Doch

dort hatte sich die Größe der Kanzlei quantitativ der der Residenz untergeordnet. Eine

Umkehrung der Baumassenverteilung demonstrierte zu Beginn der 1950er Jahre die

Verwaltung des US-Generalkonsulats in Bonn-Mehlem. Schon zuvor hatte sie sich in

Paul Bonatz’ Entwurf für die Kanzlei der Deutschen Botschaft in Rom-Quirinal von

1943 gezeigt. Der Gegensatz zwischen der im Bezug aufs Volumen größeren Kanzlei

sowie der einem tradierten Repräsentationsverständnis verpflichteten und für die

Außendarstellung bedeutenderen Residenz fand in den unmittelbar folgenden Projekten

der Bundesrepublik Niederschlag und beeinflusst die auswärtigen Liegenschaften

bis heute.

1954, zeitgleich mit Beginn der Baumaßnahme in London, erwarb die Bundesrepublik

fünf Grundstücke für die Neubauten auswärtiger Vertretungen in Tokyo,

Ottawa, Canberra, New Delhi und Stockholm. Ein Jahr später folgte der Kauf eines

Grundstücks in Rio de Janeiro. Die Ankäufe wurden stets mit den Schwierigkeiten

begründet, geeignete Objekte für die Kanzlei, die Residenz oder die gesamte Botschaft

zur Anmietung bzw. zum Ankauf zu finden und weniger mit der außenpolitischen

Bedeutung des jeweiligen Gastlandes für die Bundesrepublik. Abgesehen von den

Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

171


180 Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

▶ 148 Schmidt + van Dorp, Kanzlei der Botschaft Rio de

Janeiro (1958–1960) von Südwesten. Bildarchiv BBR

Wohnungen für Hausmeister und Fahrer in einem Mezzaningeschoss. Der zentrale

Treppenhauskern erschließt den 41 Meter langen Kanzleiriegel an seiner breitesten

Stelle von 19 Metern (▶150). Der Korridor des als Zweibund organisierten Bürobaus

folgt den sich zu den Stirnseiten verjüngenden Längsfassaden, so dass dieser am Erschließungskern

eine Aufweitung erfährt, die dem Knotenpunkt um Treppenpodest,

Versorgungs- und Sanitärräumen zugutekommt. Die Tragkonstruktion ist eine abgewandelte

Pilzkonstruktion, bei der die tragenden Stützen in der Korridorwandebene

liegen und die Kräfte in den Unterzug überleiten, während die Deckenplatten zu den

Außenwänden hin auskragen. Folgerichtig erhalten die entlang der flachen Längsseiten

aneinandergereihten Büroflächen durchgehende, bündige Fensterbänder aus

Aluminiumprofilen, die als Vorhangfassade konzipiert wie der stützenfreie Grundriss

eine variable Raumaufteilung zulassen. Die eine leichte Schwalbenschwanzform aufweisenden

Stirnseiten sind hingegen vollständig mit weißem Carrara-Marmor verkleidet.

Das Staffelgeschoss war als Kanzlerwohnung vorgesehen, sollte aber bis zum

Umzug der Botschaft nach Brasília vom Botschafter als Dienstzimmer genutzt werden.162

In dem progressiven Entwurf für die Kanzlei der Botschaft in Rio de Janeiro sehen

Asendorf, Voigt und Wang »spürbare Anklänge an die damals viel beachtete Architektur

der brasilianischen Moderne, insbesondere an die Bauten Oscar Niemeyers […]«

sowie das deutliche Bemühen »[…] lokale Bautradition aufzunehmen.«163 Tatsächlich


▶ 149

Blick vom Haupteingang zur

Vorfahrt. Bildarchiv BBR

▶ 150

Treppenhauskern in der

Botschaftskanzlei Rio de Janeiro.

Bildarchiv BBR

Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

ermöglichte die »moderne Architekturauffassung in Brasilien«164 erst die Option eines

kristallinen Baukörpers. Ob es sich dabei allerdings ausschließlich um eine Reaktion

auf die örtliche Baukultur handelte, ist anzuzweifeln. Mit Lúcio Costa, seinem Schüler

Oscar Niemeyer und Lina Bo Bardi seien nur die auch in Europa bekanntesten Köpfe

einer brasilianischen Avantgarde genannt. Niemeyers Regierungsbauten waren bei

Fertigstellung der Kanzlei zwar schon vollendet, doch begannen auch dort erst 1956

die Ausführungsarbeiten, also zwei Jahre nach den ersten Zeichnungen von Schmidt

+ Van Dorp. Der schon früh, insbesondere durch seine Zusammenarbeit mit Le Corbusier

international bekannte Niemeyer gilt unter anderem als einer der Verfasser des

181


192 Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

▶ 163

Botschaft New Delhi, Wohnung

für deutsche Beamte und Kanzlei.

Bildarchiv BBR / Hans Schafgans

▶ 164

Eingangshalle der Residenz.

Bildarchiv BBR

▶ 165

Empfangssaal mit »Krahn’scher«

Stuckdecken. Bildarchiv BBR


Konferenzsaal sowie Lager- und Archivräume, Treppenhauskern und angrenzende

Sanitäranlagen zum Botschaftsgarten ausgerichtet sind. Die Raumaufteilung des

anschließenden Dienstwohngebäudes, das neben einer 5-Zimmer-Wohnung für den

Kanzler, jeweils eine 2 ½ -Zimmer-Wohnung für den Hausmeister und einen Mitarbeiter

des unteren Dienstes sowie zwei 1-Zimmer-Wohnungen für Kuriere aufnimmt, 193

gleicht sich der der Kanzlei an, allerdings orientieren sich hier die Wohnräume nach

Osten und Küchen, Bäder, Schlafzimmer sowie das interne Treppenhaus nach Westen.

Entsprechend öffnen sich Loggien mit tiefliegenden deckenhohen Fensterelementen

zum rückwärtigen Botschaftsgarten, während an der geschlossenen Straßenfassade

regelmäßig angeordnete Blendrahmen den dahinterliegenden viereckigen Fenstern

den Charakter von Guckkästen verleihen. An der ebenfalls geschlossenen Stirnseite

bricht ein zweigeschossiger, versetzt sitzender Erker mit der klaren Fassadenordnung.

Der fein abgestimmte Einsatz kleiner Strukturen wie eine Gitterverkleidung vor dem

Erker oder die Oberflächengestaltung der Sockelzone bricht die Strenge der Baukörper.

Ebenso bilden auskragende Geschossdecken und Sichtkanten einen Kontrast zu

den geschlossenen Fassadenelementen. Hiermit nutzte Krahn gezielt das Spiel von

Lichteinfall und Schattenwurf sowie Fläche und Tiefenwirkung zur Steigerung der

Plastizität der Baukörper.194

Auch bei der Residenz setzte Krahn die Öffnungsflächen an deren Eingangsseite

sehr sparsam und stanzte sie pointiert in die Oberfläche ein, zur Kanzleiseite

wiederholt sich das Motiv der quadratischen Blendfenster. Beides hebt umso mehr

die vollständige Öffnung der Stirnseite des Repräsentationsbereichs hervor, eingeleitet

durch ein skulpturales, freistehendes Vordach zur Vorfahrt und eine Freitreppe

zur Überwindung der Sockelzone. Zum rückwärtigen Botschaftsgarten erhalten die

Fassaden beider Baukörper einen einladenden aber auch privaten Charakter, indem

überdachte Galerien bzw. Veranden und raumhohe Wandöffnungen die Verbindung

von Innen und Außenraum herstellen. Die mit den Fassaden korrelierenden Grundrisse

weisen die sich nach innen verjüngende Eingangshalle als öffentlichsten aller

Bereiche der Residenz aus (▶164). Von hier aus gelangt der Besucher in den großen

Empfangsraum, das Damenzimmer und in den flankierenden Speiseraum für 24

Personen.195 Der unmittelbar angrenzende Küchentrakt ist rundum geschlossen und

wird über einen innenliegenden Wirtschaftshof belichtet und belüftet. Die Anordnung

der Repräsentationsräume folgt den Erfordernissen des Protokolls bei Empfängen,

sie ermöglicht unter anderem die Zirkulation der Gäste bei Empfängen wie auch des

Dienstpersonals beim Servieren. Ebenfalls über die Eingangshalle erfolgt über das

auch als Herrenzimmer fungierende Arbeitszimmer der Zugang zum Wohnbereich

des Botschafters und seiner Familie. An dieses reihen sich die privaten Wohn- und

Speisezimmer sowie zwei Gästezimmer mit jeweils eigenem Bad. Die Integration

eines amtlichen und eines privaten Gästezimmers in den privaten Wohnbereich des

Repräsentanten spiegelt den halboffiziellen Charakter des Erdgeschossbereichs

wider. Eine Treppe führt zu den Schlaf- und Kinderzimmern sowie einem Hausangestelltenzimmer

im Obergeschoss.

Sowohl die Residenz als auch die Kanzlei wurden mit einem indischen weißgrauen

Marmor verkleidet. Seinen hohen repräsentativen Charakter versuchte die

Bundesbaudirektion mit dem praktischen Aspekt der geringeren Verunreinigung

Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

193


200 Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

▶ 172

Ralph Rapson und John van Meulen, Kanzlei der US-

Botschaft in Stockholm (1951–1954). Sune Sundahl,

Tekniska museet/National museum of Science and

Technology

▶ 171

Knut Knutsen, Norwegische

Botschaft in Stockholm (1949–

1952). Sune Sundahl, Tekniska

museet/National museum of

Science and Technology

▶ 173

Gio Ponti, Italienisches Kulturinstitut in Stockholm

(1954–1957?) Sune Sundahl, Tekniska museet/National

museum of Science and Technology


Der herausfordernde Kontext der diplomatischen Vertretungen, die nach Ansicht

Badbergers »alle deutlich das Gesicht ihres Herkunftslandes tragen«,224 war sicherlich

ausschlaggebend für die Ausschreibung eines Wettbewerbes zur Erlangung von

Vorentwürfen für den Neubau der bundesdeutschen Gesandtschaft in Stockholm. Die

aufgeschlossene Haltung Schwedens gegenüber der modernen Architektur zeigte sich

unter anderem in der Bewunderung der schwedischen Architekten für die Kanzlei der

US-Botschaft, diese sei eine »architectural Marilyn Monroe«.225 Ähnliches galt für Pontis

Projekt, das der mit dem Grundstücksgutachten befasste Mertz als »sehr modern,

in einem Stil, der in dieser Form erst noch seine Existenzberechtigung wird beweisen

müssen«226, charakterisierte. Rasmus Wærn unterteilt die schwedische Nachkriegsarchitektur

in zwei primäre Strömungen: der erste »liberale Zweig« speiste sich sowohl

aus dem Neuen Bauen der 1920er Jahre als auch einem Neoklassizismus der 1930er Jahre

und entwickle die Philosophien Heinrich Tessenows und Gunnar Asplunds (1885–1940)

weiter; der zweite, »intellektuellere« Zweig stehe dem International Style näher, vereinte

diesen jedoch mit der »schwedischen Schlichtheit« kongruent zu einer »schwedischen

Armut«. Während andernorts vielfältige, hochwertige Materialien in Kontrast zueinander

gesetzt worden wären, käme in Schweden vor allem Holz und Farbe zum Einsatz. Die

teils unausweichliche Reduktion der Mittel beförderte einen gesteigerten ästhetischen

Ausdruck,227 der auch Knutsens norwegische Vertretung zu eigen ist.

In diesem Sinne konstatierte der bundesdeutsche Gesandte in Stockholm Kurt

Sieveking, gerade ein moderner Zweckbau würde »dem Ansehen der Bundesrepublik

in Schweden dienen. Da man hier der modernen Bauweise sehr freundlich gegenübersteht,

könnten jeder falsche Pomp und alle überflüssige Repräsentation vermieden

werden.«228 Sieveking befürwortete die Ausschreibung eines Wettbewerbes, seine

vorgeschlagene Liste für potentielle Teilnehmer führte mit den Gebrüdern Luckhardt,

Egon Eiermann, Friedrich Wilhelm Krämer, Dieter Oesterlen, Bernhard Hermkes

und Ferdinand Streb die Avantgarde der bundesdeutschen Nachkriegsmoderne auf.229

Die Bundesbaudirektion übertrug die Forderung nach einem modernen architektonischen

Ausdruck auch auf den Neubau einer Residenz, da der Grundstückserwerb

nur mit dem gleichzeitigen Neubau von Kanzlei und Residenz gerechtfertigt werden

konnte.230 Gerade ein Architektenwettbewerb sollte jene Grundlage liefern, »um am

Schluß der örtlichen Kritik, deren Berechtigung man den Schweden auf Grund ihrer

starken architektonischen Leistungen jederzeit zusprechen müsste, standhalten zu

können.«231 Entsprechend forderte der Ausschreibungstext für den engeren Wettbewerb

zur Erlangung von Vorentwürfen für die Deutsche Gesandtschaft in Stockholm

vom 19. März 1955 die Errichtung eines Kanzleigebäudes als »übliches Bürogebäude,

das im Innern keinen Anspruch auf Repräsentation zu erheben braucht« und eines

Residenzgebäudes mit den privaten Wohnräumen für den Gesandten, Gästezimmern

und den Repräsentationsräumen, für deren »Lage und Ausstattung […] ein gewisser,

wenn auch zurückhaltender Aufwand gewünscht« wurde.232 Zur Teilnahme wurden

die Architekten Otto von Estorff und Gerhard Winkler, Godber Nissen, Alfred Roth

und Ferdinand Streb und Wilhelm Riphahn aufgefordert; letzter trat jedoch vom

Verfahren zurück. Des Weiteren war eine Arbeitsgruppe der Bundesbaudirektion

(Nagel, Ruppert, Erat) zugelassen. Um letzteres zu ermöglichen übernahm das Bundesministerium

für Finanzen neben der Ausschreibung des Wettbewerbs auch die

Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

201


222 Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

▶ 192 Kanzlei der Botschaft Washington (1962–1964).

saai, Werkarchiv Eiermann, Foto: J. Alexander Studio

Die im März 1961 gefällte Entscheidung zugunsten einer verkürzten Kanzleivariante

mit quadratischer Residenz war bereits einen Monat später obsolet, da Bundeskanzler

Konrad Adenauer und Bundesaußenminister Heinrich von Brentano die gemeinsame

Errichtung von Kanzlei und Residenz auf dem Grundstück ablehnten. Beide

Baukörper würden zu nah beieinanderstehen, darüber hinaus sollte das Gelände an

der nördlichen Foxhall Road für eine spätere Erweiterung der Kanzlei vorgehalten

werden. Ins Gewicht fiel sicherlich auch eine Aussage Adenauers, in der dieser »insbesondere

auch den ausserordentlich stoerenden flugverkehr ueber dem gegenwaertigen

residenzgarten als negatives moment bewertet.«328 Wenige später votierte der

Haushaltsausschuss des Bundestags gegen einen weiteren Ankauf bzw. den Neubau

einer Residenz, da dieser angesichts der Qualität der bestehenden Residenz nicht

vertretbar wäre. Vielmehr sollte der Entwurf nach den Erkenntnissen in Wien, bei der

die Residenz als Stadtwohnung interpretiert wurde, überarbeitet werden. Gleichzeitig

wären aber die veranschlagten Kosten von 15–16 Millionen DM um rund ein Viertel

zu reduzieren.329 Auch Botschafter Grewe zog den zügigen Neubau der Kanzlei vor

und wollte lieber noch einige Jahre auf einen Residenzneubau verzichten.330 Die

Bauarbeiten an der Botschaftskanzlei Washington begannen am 16. Januar 1962, die

offizielle Eröffnung fand am 11. April 1964 statt.331 Sowohl die Planungs- als auch die

Ausführungsphase wurden durch den zeitweiligen Ausfall des schwer erkrankten

Architekten verzögert.332 Sein Fernbleiben konnte in beiden Fällen der von Eiermann

gegenüber der Bundesbaudirektion als Partner benannte Eberhard Brandl zumindest

ein Stück weit kompensieren.333


▶ 193

Egon Eiermann, Duplexhaus

(1966). saai, Werkarchiv Eiermann,

Foto: J. Alexander Studio

Zur Ausführung kam ein langgestreckter Kanzleiriegel, der sich am westlichen Grundstücksrand

in Nord-Südrichtung in den Hang hineinschiebt. Das Gebäude richtet sich

im rechten Winkel zum Altbau der Residenz aus. Die Anordnung beider Baukörper im

Zusammenspiel mit der »stark abfallenden, muldenförmigen Struktur«334 des Geländes

teilt das Grundstück in eine tieferliegende Ebene und ein höher liegendes Plateau

mit der Residenz als Krönung. Ersterer Mittelpunkt bildet eine kreisrunde Vorfahrt,

über die die Kanzlei von der Reservoir Road aus erschlossen wird (▶192). Unterhalb

des Rondells liegt eine Garage, die Pkw-Stellplätze sowohl für Mitarbeiter als auch

für Besucher aufnimmt, da die örtlichen Behörden das Parken an der Reservoir Road

untersagten.335 Nördlich der Vorfahrt wurde das zweigeschossige Duplex-Haus (▶193)

mit Wohnungen »für den Hausmeister und den Maschinenmeister«336 positioniert.

Es wurde allerdings erst Ende 1966 fertiggestellt.337

Der sechsgeschossige Kanzleitrakt mit Untergeschoss erstreckt sich mit einer

Breite von 15 Metern über eine Länge von rund 90 Metern.338 Der Baukörper stuft

sich zu den Stirnseiten an der niedriger gelegenen, südlichen Reservoir Road und

der höheren, nördlichen Foxhall Road ab. Geschickt verringerte der Architekt mit

dieser Maßnahme das große Volumen des Baukörpers optisch und reagierte sowohl

auf die Vorbehalte der umliegenden Eigentümer gegenüber einem diplomatischen

Verwaltungsbau in einem reinen Wohnviertel als auch auf die Auflagen der Behörden,

nach denen der Neubau zu beiden Straßen nicht höher als drei Geschosse erscheinen

durfte. Eiermann münzte diese Zwänge zum Grundthema des Entwurfes um und

passte das Gebäude regelrecht in die topographischen Gegebenheiten des Geländes

ein, so dass es die Gestalt einer »akzentuierte[n] Bodenwelle« annahm.339 Eiermann

äußerte sich hierzu wie folgt:

»Lage und Richtung der Neubauten entsprechen hier primär nicht der Absicht

des Architekten, sondern sie resultieren aus Zwang und Notwendigkeit. Die –

ich möchte sagen – Verhügelung des Hauses begegnet dem Wunsch, sich der

Topografie des Gebäudes anzupassen und wegen der umliegenden Bauten die

beide Terrassen berührenden Giebelseiten so niedrig wie möglich zu halten.«340

Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

223


236 Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

▶ 208

Botschaft Wien (1962–1965),

Ansicht Kanzleieingang an der

Metternichgasse. saai, Werkarchiv

Gutbrod, Foto: Lucca Chmel

▶ 209

Vorfahrt zur Residenz an der

Jaurésgasse. saai, Werkarchiv

Gutbrod, Foto: Lucca Chmel

▶ 210

Empfangshalle in der Residenz.

Christiane Fülscher 2011


Botschaft war der erste moderne Neubau im historischen Diplomatenviertel,407 dessen

Bebauung weitestgehend einheitlich im Stil einer internationalen Neorenaissance

des ausgehenden 19. Jahrhunderts errichtet wurde. In der Regel schließen drei- bis

fünfgeschossige Stadtpaläste und Mehrfamilienhäuser den Blockrand ab, so auch

die der bundesdeutschen Repräsentanz gegenüberliegenden Botschaften des Vereinigten

Königreichs und der Volksrepublik China an der Metternichgasse. Nur die

an der Reisnerstraße gelegenen Botschaftspaläste der Russischen Föderation und der

Islamischen Republik Iran sind um wenige Meter nach hinten versetzt. Die zurückgesetzte

und teils niedrige Bebauung der Botschaft der Bundesrepublik öffnet und

belebt den Straßenraum, insbesondere an der Jaurésgasse mit ihrem alten Baumbestand.

Die Weite und das Grün auf dem Gelände der bundesdeutschen Botschaft

kommen der umliegenden historischen Bebauung zugute und steigern seit seiner

Errichtung deren Wirkung.

Das Bauwerk rückt weitestgehend von der Straßenkante zurück und folgt den

Außenkanten des kaiserzeitlichen Altbaus, gliedert sich aber deutlich in die drei Gebäudeteile

Kanzlei, Residenz und Wohnhaus. Hierbei verbinden sich Kanzlei und

Residenz zu einer einen Innenhof umschließenden Vierflügelanlage, während der

eigenständige Wohntrakt von dieser abrückt. Zwischen der L-förmigen Kanzlei, die

sich zur Metternichgasse öffnet und dort einen Vorhof bildet, und der ebenfalls L-förmigen

Residenz an der Jaurésgasse, die den rückwärtigen Innenhof einfasst, besteht

eine beträchtliche Höhendifferenz. Entsprechend leitet bei dem Kanzleitrakt ein

kürzerer, sechsgeschossiger Schenkel entlang der Brandwand in eine aufgeständerte,

viergeschossige und parallel zur Straßenkante verlaufende Spange über (▶208). Beide

Baukörper sind im Split-Level zueinander versetzt, der Eingang zur Kanzlei und

das Treppenhaus bilden den gemeinsamen Schnittpunkt beider Baukörper. Beide

Kanzleitrakte sind als Einbund ausgebildet, die Büroräume reihen sich jeweils entlang

der Fassade zur Metternichgasse, die Korridore schließen einem Rücken gleich

zum Innenhof und zur Nachbarbebauung ab. An der Stirnseite im Übergang zur

Kanzlei liegen jeweils die größeren Büroräume des Botschafters und des Kanzlers.

Rückwärtig schließt der dreigeschossige Residenztrakt an, der über die Ecke zur

Reisnerstraße leitet (▶209). Die Residenz unterteilt sich in einen zweigeschossigen

Repräsentationsbereich und die abgeschlossene Botschafterwohnung nebst Gästezimmern

im zweiten Obergeschoss. Ein leichtes Vordach vor dem Haupteingang an

der Jaurésgasse überdeckt die Vorfahrt, von der aus die Botschaftsgäste über einen

eingeschobenen Windfang in die zweigeschossige Eingangshalle gelangen (▶210).

Diese erschließt ebenerdig einen großen Empfangssaal und einen variabel zuschaltbaren

Konferenzraum sowie die im Untergeschoss angesiedelten Garderobenräume.

Von der Eingangshalle führt eine einläufige freistehende Treppe auf die Galerie im

ersten Obergeschoss, von der aus die kleineren Repräsentationsräume wie Speisesaal,

Damen- und Herrenzimmer sowie die Küche zugänglich sind (▶211). Darüber hinaus

bietet die Galerie den Anschluss an das Arbeitszimmer des Botschafters im Kanzleiflügel.

An der Reisnerstraße setzt sich das erneut sechsgeschossige Wohnhaus von

der Vierflügelanlage ab und stellt gleichzeitig als Hochpunkt eine Verbindung zur

angrenzenden Wohnbebauung her (▶212). In dem kleinteilig geschichteten Wohnhaus

sind pro Geschoss ein bis zwei Wohnungen untergebracht.

Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

237


250 Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

▶ 221

W.S. Bryant, Britische Botschaft

Madrid (1966). © Historic England

Archive

▶ 222

Bogdan Ignjatović und Komgrap,

Botschaft Belgrad (1971–1972).

Bildarchiv BBR

▶ 223

Heinz Seidlitz (BBD), Kanzlei

der Botschaft Montevideo

(1971–1974). Künstlerische

Gestaltung Otto Herbert Hajek

1974. Bildarchiv BBR


in der Bedeutung geschwächten Residenz zugunsten der Kanzlei. Diese zeichnet sich

räumlich ab in der baukörperlichen Verschmelzung von Kanzlei und Residenz, dem

damit einhergehenden Andocken der Repräsentationsräume an die Kanzlei sowie

dem Separieren der privaten Wohnräume des Botschafters. Gutbrods Konzept nimmt

hier eine Vorbildfunktion für bundesdeutsche auswärtige Vertretungen ein, gleichwohl

diese bei Folgeprojekten weitaus weniger offensichtlich ist als der Einfluss der

Fassadengestaltung Eiermanns in Washington. Dessen Leitidee einer aufgelösten

Strenge, einer rundum gleichwertigen Fassade und deren optischer Verlängerung

über die Außenhaut hinaus machte die Kanzlei zum Schlüsselbauwerk für nachkommende

Entwürfe der Bundesbaudirektion. Nichtsdestoweniger stützen nur einige

dieser Projekte Hackelsbergers folgenden Vorwurf:

»Die Überwindung des konservativ betonten und vor allem behördengepflegten

Traditionalismus geschieht nicht grundsätzlich durch intellektuell-künstlerische

Bewältigung, sondern auf dem Weg formaler Übernahme, ja formalistischer

Überwältigung.«451

Stattdessen bezeugen vorrangig die Arbeiten der Architekten Kurt Sadewasser und

Heinz Seidlitz, aus deren Feder der Großteil der Entwürfe der von der Bundesbaudirektion

in Eigenregie durchgeführten Auslandsvertretungen in dem betrachteten

Zeitraum stammten, ein Gespür für aktuelle Entwicklungen. Für ihre Arbeiten übernahmen

beide Architekten zentrale Grundgedanken aus den Beiträgen der impulsgebenden

freien Architekten und entwickelten vielfach eigenständige Lösungen

von hoher gestalterischer Qualität, die sich im zeitgenössischen Architekturdiskurs

durchaus behaupten konnten. Die Umsetzung bis ins Detail war freilich von diversen

Eigenheiten der auswärtigen Projekte und der Behördenstrukturen abhängig.

Erste Anklänge an Wien und Washington deuteten sich mit den von Heinz

Seidlitz entworfenen Botschaften auf dem afrikanischen Kontinent in der liberianischen

Hauptstadt Monrovia (1962–1964) und in Lagos (1963–1964), der ehemaligen

Hauptstadt Nigerias, an. Die Gebäude kennzeichneten die Gründung vieler neuer

Staaten in Afrika, die allerdings nicht die »befürchtete Neubauwelle« ausländischer

Vertretungen nach sich zog, da der Bund mehrheitlich geeignete Liegenschaften

erwerben konnte.452 Der im November 1964 fertiggestellte Neubau der Botschaft in

Monrovia entstand auf einem 46.000 qm großen Areal weit außerhalb des Stadtzentrums

im Stadtteil Congo-Town.453 Das langgezogene Grundstück grenzt mit seiner

Stirnseite direkt an den Atlantik, wo Seidlitz die eingeschossige Residenz auf einer

vorgelagerten Sanddüne positionierte (▶224). Ein Wasserlauf durchzieht das Grundstück

und nimmt etwas mehr als ein Drittel der Fläche ein, so dass die Residenz von

der zum nördlichen Tubman Boulevard orientierten Hauptgrundstücksfläche ausschließlich

über einen Damm zu erreichen ist. Parallel zur Hauptstraße erstreckt sich

ein zweigeschossiger Kanzleiriegel. Über ein Meer von Flachdächern ist dieser mit

fünf eingeschossigen Bungalowbauten für Dienstwohnungen, Garagen und Serviceräume

verbunden, die ihn an der Süd- und Westseite flankieren. Da alle Baumaterialien

bis auf Sand und Kies aus Europa eingeführt werden mussten, fiel die Wahl auf eine

vorgefertigte Stahlskelettkonstruktion.454 Diese gestattete den filigranen Aufbau der

eingeschossigen Wohnbauten mit einer leicht erhöhten Bodenplatte und einem weit

auskragendem Flachdach an der Südseite. Den klimatischen Bedingungen des tropi-

Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

251


252 Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

▶ 224

Heinz Seidlitz (BBD), Botschaft

Monrovia (1962–1964). Bildarchiv

BBR

▶ 225

Botschaft Monrovia, Residenz.

Bildarchiv BBR

▶ 226

Botschaft Monrovia, Kanzlei am

Tubman Boulevard. Bildarchiv

BBR


schen Liberias angepasst treten die Außenwände aus Glas- und roten Ziegelwänden

allseitig zurück und lassen Raum für einen Umgang, der an West-, Ost- und in weiten

Teilen an der Nordfassade mittels horizontaler weißer Alulamellen, die dunkelgraue

Haltestangen kontern, geschlossen wird. Dieser abgerückte Lamellenvorhang lässt

die kühlenden Seewinde passieren und vermindert, neben einem Kaltdach sowie

kleinen Fensteröffnungen, durch Verschattung das Erhitzen der Außenwände (▶225).455

Gleiches gilt für die aufgeständerte Kanzlei an der Hauptstraße, deren Erdgeschoss

vornehmlich als Parkfläche genutzt wird, wie auch für die Wände aus Lochsteinen,

die zur räumlichen Zonierung eingesetzt wurden. Dieser konstruktive Sonnenschutz

ermöglichte es, den Einsatz an Haustechnik und deren laufende Unterhaltskosten

auf ein Minimum zu reduzieren (▶226).456

Der Botschaftsneubau in Monrovia zeigt eindringlich, dass sich Seidlitz nicht

eines einzelnen Vorbildes bediente. Die Anwendung einer Stahlkonstruktion ist keineswegs

zwangsläufig ein Verweis auf die Botschaftskanzlei Eiermanns in Washington,

doch diese lieferte eine Legitimation für den auswärtigen Repräsentationsbau. Nahe

liegt auch der Vergleich zu dem zeitgleich entstehenden und von Sep Ruf entworfenen

Kanzlerbungalow (1963–1964); auch bei der Bonner Stahlkonstruktion kragen die

markanten Deckenplatten aus und finden ihre Entsprechung im Fußbodenbelag, der

hier ebenerdig ins Erdreich übergeht (▶254). Die Erhöhung der Erdgeschossebene wie

auch die Umgänge sind eine zeitgemäße Interpretation der kolonialen Loggia, die

in Monrovia bereits an dem in der Weimarer Republik errichteten Konsulatsbau zu

sehen waren. Wie die Verwendung der Aluminium-Lamellen resultierten diese aus

der Suche nach einem leicht zu unterhaltenden konstruktiven Sonnenschutz, der in

west- und südafrikanischen Staaten durchaus üblich war.457 Die allseitige Loggia fand

sich in den Konsulatsbauten des Deutschen Reichs beispielsweise in China, aber eben

auch im Neubau der Kanzlei in Washington. Nichtsdestoweniger verweist ihr Einsatz

als ausdruckgebendes Fassadenmaterial eines staatlichen Repräsentationsgebäudes

sehr deutlich auf Krahns endgültige Fassadengestaltung in New Delhi. Weitere Analogien

zu dieser Vertretung finden sich in der Aufständerung der Kanzlei sowie in

den Lochsteinwänden.

Die Vorbildfunktion der Botschaft in Indien ist noch deutlicher am Neubau der

Botschaft in Lagos458 abzulesen. Da die Bundesrepublik kein geeignetes Mietobjekt

zur Nutzung als Botschaft fand, erwarb es 1961 ein 1.400 qm großes Grundstück auf 99

Jahre Erbpacht auf Victoria Island, einer künstlich aufgeschütteten Insel in der Lagune

von Lagos. Eine Brücke verband das von der nigerianischen Regierung als Diplomatenviertel

ausgewiesene Gebiet mit dem Festland. Der instabile Baugrund machte eine

aufwendige Pfahlgründung erforderlich, so dass sich die Planer für die Konzentration

der Baumassen auf kleinstmöglicher Fläche entschieden.459 Das Ergebnis zeigt

einen fünfgeschossigen Baukörper, der sich parallel zu dem südwestlich gelegenen

Ahmandu Bello Way erstreckt und Kanzlei, Residenz und drei Dienstwohnungen in

sich vereint. Die Erschließung erfolgt von Nord-Osten über die Nebenstraße Walter

Carrington Crescent. Über einem, in einigen Bereichen aufgeständerten Sockelgeschoss

mit teils eingerückten Eingangs-, Lager- sowie Stellplatzflächen erhebt sich ein

zweigeschossiger Riegel, der sich im Südosten mit einem kürzeren Block verschränkt.

Zwei Drittel der Fläche nimmt die im Zweibund organisierte Kanzlei ein. Der promi-

Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

253


262 Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

▶ 240

Alexander Freiherr von Branca,

Botschaft Madrid (1963–1968),

Lageplan. Bildarchiv BBR

▶ 241

Alexander Freiherr von Branca,

Botschaft Madrid, Ostansicht

vom 25. Mai 1962. AM TUM,

bra-67-3

▶ 242

Botschaftskanzlei an der Calle

Fortuny. Bildarchiv BBR


▶ 243

Treppenlauf in den

Erschließungsflächen der

Botschaftskanzlei. AM TUM,

bra-67-1002

Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

▶ 244

Residenz der Botschaft Madrid.

AM TUM, bra-67-1001

263


280 Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

Planungen prägten sowohl den östlichen als auch den westlichen Teil der Stadt. Auf

Scharouns Initiative entwickelte die unabhängige Berliner Planungsgruppe 1946 den

sogenannten Kollektivplan für den sektorenübergreifenden Wiederaufbau Berlins, den

Idealen der organischen Stadtlandschaft und der Bandstadt folgend. 1947 übernahm

der Architekt die Leitung des Instituts für Bauwesen (IfB) der Deutschen Akademie der

Wissenschaften zu Berlin.554 Als Hauptprojekt der auf die Grundlagenforschung ausgerichteten

Institution entstand 1949/50 die Planung für die Wohnzelle Friedrichshain,

die den Aufbau eines Viertels im gleichnamigen Bezirk vorsieht. Aus dieser Planung

entstanden als Fragmente lediglich zwei Laubenganghäuser entlang der Frankfurter

Allee sowie einige Zeilenbauten im Hintergrund,555 planerisch durchgearbeitet vom

Kollektiv Ludmilla Herzenstein.556 Sie bildeten indirekt den Auftakt für den späteren

Ausbau der Stalinallee, auch wenn sich dieser dem Leitbild des Sozialistischen Realismus

unterordnete. Ende 1950 wurde das Institut für Bauwesen aus der Deutschen

Akademie der Wissenschaften herausgelöst und zusammen mit dem Institut für Städtebau

und Hochbau des Ministeriums für Aufbau in die Deutsche Bauakademie unter

der Leitung von Kurt Liebknecht (1905–1994) überführt.557 Scharoun konnte sich mit

der Umwandlung in eine Bauakademie und deren angestrebten Zielsetzungen nicht

identifizieren,558 seine Tätigkeit für das Institut für Bauwesen endete 1950. Bereits

1946 erhielt er einen Ruf für die Professur für Städtebau an der TH Berlin. 1955 bis 1968

lenkte Scharoun als Präsident der westlichen Berliner Akademie der Künste deren

Geschicke.559 Seine Neubauten der Philharmonie (1960–1963) sowie der Staatsbibliothek

(1967–1978) unmittelbar an der Grenzmauer hatten aufgrund der städtebaulichen

Brache rund um das Kulturforum eine weit sichtbare Präsenz. Der Konzertsaalsaal

für die Berliner Philharmoniker war Scharouns erster Wettbewerbserfolg nach dem

Zweiten Weltkrieg, den er auch tatsächlich umsetzen konnte (▶262).560 Mit seinem

Entwurf wollte der Architekt einen »Ort des Musizierens und des gemeinsamen Erlebens

von Musik« schaffen, bei dem Musik sowohl »räumlich« als auch »optisch den

Mittelpunkt« des Bauwerks und des Konzertsaals einnehmen sollte. Emblematisch

ist daher die auf das Konzerterlebnis reduzierte Bühne im Zentrum terrassierter Zuschauerränge,

die eine gewisse Privatheit suggerieren. Nach Scharoun vermochte erst

diese Intimität »das unmittelbare Musikgeschehen, die individuelle, mitschöpferische

Aktivität in Gang zu setzen.«561 Analog zu den Lehren Hugo Härings, mit dem Scharoun

im regen Austausch stand,562 passte der Berliner seine Entwürfe der übergreifenden

Idee und dem Nutzer an. Er entwickelte hierbei phantasievolle und dennoch differenzierte

Raumfolgen, bei denen der Mensch stets der Maßstab jeder Planung blieb. Der

Standortwechsel für die Durchführung der Philharmonie563 ist hierfür bezeichnend,

obgleich Scharoun diese Eigenschaft auch bei weiteren Projekten der Nachkriegszeit

deutlich herausstellte. Der Architekt entwickelte seine Projekte stets von innen nach

außen. Dies gilt sowohl für seine Neubauten in der Zwischenkriegszeit wie das Wohnhaus

auf dem Weißenhof, das Ledigenwohnheim in Breslau, das Haus Schminke in

Löbau (▶263) und seine Mehrfamilienhäuser in der Weißen Stadt in Berlin als auch sein

Spätwerk des Deutschen Schifffahrtsmuseums in seiner Heimatstadt Bremerhaven

(▶264). Doch nicht nur Scharouns unnachgiebiges Streben nach der perfekten Form

für die geforderte Nutzung, sondern auch seine besondere Sensibilität für das Umfeld

machten ihn zu einer Lichtgestalt unter den Bauschaffenden.564 Diese Fähigkeit,


▶ 262

Hans Scharoun, Philharmonie

Berlin (1960–1963). AdK, Hans-

Scharoun-Archiv, 3834, 222-103 /

Heinz Köster

▶ 263

Hans Scharoun, Haus Schminke

(1932/33). Christiane Fülscher 2014

Botschaften der Bundesrepublik Deutschland

▶ 264

Hans Scharoun,

Schifffahrtsmuseum

Bremerhaven (1969–1975).

Christiane Fülscher 2020

281


328 Botschaften der Deutschen Demokratischen Republik

▶ 304

Hanns Hopp und Josef Kaiser,

Kulturhaus Maxhütte, (1952–

1954). BArch, Bild 183-30267-0010 /

Helmut Wittig

▶ 305

Kollektiv Herbert Schneider,

Haus der Kultur in Dresden

(1953). DA 3/1954, 128

▶ 306

Iris Dullin-Grund, Haus

der Kultur und Bildung,

Neubrandenburg. SLUB / Deutsche

Fotothek, Jürgen May 1971


▶ 307

Kollektiv Leopold Wiel,

Wettbewerb Haus der

sozialistischen Kultur in

Dresden, Anerkennung (1958).

Archiv Leopold Wiel

▶ 308

Heinz Graffunder (VEB Berlin-

Projekt), Palast der Republik

(1973–1976). SLUB / Deutsche

Fotothek, Regine Richter 1978

Botschaften der Deutschen Demokratischen Republik

die Zentralen Gebäude als »künftige Mittelpunkt[e]«. Zunächst als Repräsentationsbauten

von Staat und Kommune vorgesehen, wurde recht bald das Volk in den Mittelpunkt

der Selbstdarstellung gerückt. In Dresden wandelten sich die ursprünglichen

Entwürfe für das Haus der Partei oder Haus für den Rat des Bezirkes zum Haus des Volkes

und wenig später, eng angelehnt an das Warschauer Vorbild des Palastes für Kultur

und Wissenschaft, zum Haus der Kultur (▶305).125 Als zentrale Hochpunkte sollten die

Häuser des Volkes bzw. der Kultur das Stadtbild beherrschen und die Idee des Sozialismus

weit ausstrahlen. In den späten 1950er Jahren war die Abkehr vom Sozialistischen

Realismus in den Entwürfen für die in den Stadtmittelpunkten vorgesehenen

Kulturhäusern fast ausschließlich an der gewählten Rasterfassade zu erkennen; die

Hochhausdominante als städtebauliches Charakteristikum hielt sich hartnäckig und

transformierte nun zu einem additiven Turmbau. Seine ideelle Überhöhung stand

allerdings im Gegensatz zu den tatsächlichen Nutzungsmöglichkeiten. Das Haus für

Kultur und Bildung in Neubrandenburg (1963–1965) von Iris Dullin-Grund (*1933) ist der

einzige realisierte Neubau dieses Diskurses. Sein hochaufragender Turmbau konnte

329


402 Botschaften der Deutschen Demokratischen Republik

▶ 371

Kammer für Außenhandel

Brüssel (1966–1973), veränderte

Gartenansicht des Haupthauses.

Christiane Fülscher 2014

der rechten Seite über den Haupteingang in die Ausstellungshalle der Vertretung gelangt,

flankiert von der Autozufahrt in den Innenhof auf der linken Seite. Das erste

Obergeschoss duckt sich unter dem vorgezogenen zweiten und dritten Obergeschoss.

Dort brechen zu den Gebäudekanten versetzte Erker auf asymmetrischer dreieckiger

Grundfläche nach vorne aus, während in der Mitte eine zweigeschossige Ziegelfläche

Ruhe bringt. Im vierten bis sechsten Obergeschoss dominieren die Betonbrüstungsflächen,

hinter die die vollflächige Verglasung rückt. Das siebte und letzte Obergeschoss

nimmt hingegen mit zwei weiteren Erkern die Vorderkante und die Gestaltung des

zweiten und dritten Obergeschosses wieder auf. Zum rückwärtigen Innenhof zeigt das

Gebäude oberhalb der gläsernen Eingangshalle eine fünfachsige Betongitterstruktur,

deren Leibungen sich im ersten bis dritten Obergeschoss prismatisch nach innen

verbreitern. Plastisch werden hier Brüstungsflächen und Seitenwangen an die weiter

hinten sitzende Fensterebene herangeführt. Dieser Zwischenraum dient im vierten bis

sechsten Obergeschoss als Balkonfläche, während das siebte Obergeschoss als Staffelgeschoss

zurückspringt (▶371). Die gestalterische Differenzierung der Rückseite geht

auf die ursprüngliche Wohnnutzung des vierten bis sechsten Obergeschosses zurück,

allerdings wurden mit wachsender Relevanz des Brüsseler Standorts die Wohnungen

für Mitarbeiter der Vertretung in zusätzliche Verwaltungsflächen umgewandelt. Im

Staffelgeschoss waren eine Bibliothek, ein Speiseraum und eine Küche eingerichtet.456

Von der Eingangshalle, in der ostdeutsche Erzeugnisse aus Industrie und Kunsthandwerk

dauerhaft präsentiert wurden, führt seitlich ein Korridortrakt entlang des

gepflasterten Innenhofs mit runder Garageneinfahrt zu dem in der Mitte der Liegenschaft

liegenden Veranstaltungssaal mit Schulanbau. Der eingeschossige Mehrzwecksaal

aus raugeschaltem Sichtbeton richtet sich parallel zum Dienstgebäude aus, seine

markante Form entwickelt sich durch eine Mischung aus Walm- und Satteldach, aus

deren Längsseiten mittig zwei großformatige, zweigeschossige Fensterflächen als

Gauben heraus klappen (▶372). Diese prägen den Innenraum entscheidend und vergrößern

den Lichteinfall in den tiefen Raum um ein Vielfaches. Konisch zulaufende


Botschaften der Deutschen Demokratischen Republik

▶ 372 Hofansicht des Mehrzwecksaals (1973). Stiftung

Bauhaus Dessau [I 012620_F] / © (Ehrlich, Franz)

Erbengemeinschaft nach Franz Ehrlich

▶ 373

Innenraum des Mehrzwecksaals

(1973). Stiftung Bauhaus Dessau

[I 012900_F] / © (Ehrlich, Franz)

Erbengemeinschaft nach Franz

Ehrlich

403


536 Endnoten

Impressum

Gedruckt mit freundlicher Unterstützung des Förderungsfonds

Wissenschaft der VG Wort und der Geschwister Boehringer

Ingelheim Stiftung für Geisteswissenschaften in Ingelheim

am Rhein.

Zugleich: Dissertation an der Universität Stuttgart, Fakultät

Architektur und Stadtplanung, D93

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Das Copyright für die Texte liegt bei der Autorin.

Das Copyright für die Abbildungen liegt bei den

Fotograf:innen/Inhaber:innen der Bildrechte.

Alle Rechte vorbehalten.

Verlag und Autorin danken den Archiven, Fotograf:innen und

Eigentümer:innen für die Reproduktionsgenehmigungen.

Trotz umfassender Anstrengungen war es nicht in allen Fällen

möglich, die Rechteinhaber:innen ausfindig zu machen.

Entsprechende Hinweise sind an die Autorin zu richten und

können bei Neuauflagen berücksichtigt werden.

Umschlagmotiv: Heinz Graffunder, Botschaft der DDR an der

Nepstadion út in Budapest. AdK, Heinz-Graffunder-Archiv,

FK 18, Mappe 11, Foto 11

Gestaltung und Satz: Felix Holler, Stoffers Graphik-Design,

Leipzig

Lithografie: Stefan Rolle, Stoffers Graphik-Design, Leipzig

Gedruckt in der Europäischen Union

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