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Spiegel»-Affäre

Spiegel»-Affäre

Vorwort Liebe Leserinnen

Vorwort Liebe Leserinnen und Leser, Der Funkstreifenwagen im Jahr 2012 transportiert nicht mehr nur Personen von einem Ort zum anderen, sondern ist ein vollwertiger Arbeitsplatz auf Rädern. Er ist nicht mehr zu vergleichen mit dem BMW 501, mit dem die beiden Wachtmeister der Funkstreife „Isar 12“ in den 1960-Jahren im Fernsehen auf Verbrecherjagd gingen. Der Streifenwagen heutigen Zuschnitts ersetzt insbesondere in ländlichen Regionen den Weg zur Polizeiwache und dient somit als Ersatzbüro. Mit Blick auf die technische Weiterentwicklung im Zeitalter moderner Kommunikationstechniken muss der mobilen PC-Technik (Car-PC) besondere Beachtung geschenkt werden. Ziel eines Interaktiven Funkstreifenwagens (IFStW) ist es, die polizeiliche Aufgabenwahrnehmung noch effizienter zu gestalten. Die Streifenwagenbesatzungen werden dadurch unabhängiger von den stationären Desktop- Anwendungen in den Polizeirevieren. Es kann auf die polizeilichen Datenverarbeitungssysteme mobil zugegriffen werden. Diese direkte IT-Anbindung in den Fahrzeugen optimiert auch die übergreifende Einsatzkoordinierung durch die Leitstellen. Der unmittelbare Zugriff auf Informationssysteme und -dienste erhöht zudem die Eigensicherung der Mitarbeiter im Streifenwagendienst. Und nicht zuletzt wird die vom Bürger gewünschte Flächenpräsenz der Polizei durch erheblich reduzierte Protokoll- und Schreibarbeiten auf den Polizeidienststellen sichergestellt. Der für die Interaktiven Funkstreifenwagen erforderliche mobile Software- Client des Einsatzleitsystems wird von verschiedenen Firmen auf dem Markt angeboten und ist zum Beispiel in dem Projekt des Interaktiven Funkstreifenwagens des Landes Brandenburg realisiert. Die Beschreibung dieses Projekts und dessen Umsetzung ist auf der Seite 5 nachzulesen. Glaubt man einer Untersuchung des TÜV Rheinland, so ließen sich die schweren Verkehrsunfälle bei Nacht um bis zu 50 Prozent senken, wenn alle Fahrzeuge mit Xenon-Licht ausgestattet wären. Verkehrsteilnehmer, die von einem Fahrzeug mit Xenon-Licht auf eines mit Halogen-Licht wechseln, kennen 4 DAS BEHÖRDENMAGAZIN Dezember/2012 das Problem. Sie glauben, es würden nur noch zwei Kerzen vorne am Auto brennen. Noch beeindruckender wird der Unterschied, wenn eine adaptive Lichtsteuerung hinzukommt. Sie passt die Scheinwerfer an Straßenverlauf, Fahrsituation und teils sogar an das Verkehrsgeschehen an. Lesen Sie einen Test von Fahrzeugen mit adaptivem Lichtsystem auf Seite 9. Das Führen eines Funkstreifenwagens im Einsatzfall unter Verwendung von Sondersignalen ist besonders problematisch. Ein wichtiger Faktor ist hierbei, wie rechtzeitig erkennen andere Verkehrsteilnehmer das blaue Blinklicht und das Martinshorn und wie stellen sie sich darauf ein. In Auswertung von Unfällen und Videomitschnitten bei Einsatzfahrten unter Verwendung von Sondersignalen hat ein Gesprächskreis der Landesverkehrswacht Niedersachsen, der Feuerwehr Hannover, der Polizeidirektion Hannover und des ADAC eine Broschüre für Verkehrsteilnehmer über das richtige Verhalten beim Herannahen eines Einsatzfahrtzeuges aufgelegt. Das Ergebnis ist auf Seite 10 dargestellt. Mal kurz alle Computer und Server runterfahren, weil Soft- oder Hardware ausgetauscht werden muss? Was schon in Unternehmen oder Organisationen keine Begeisterung auslöst, ist bei Sicherheitsbehörden einfach unmöglich. Welche technischen Möglichkeiten vorhanden sind, um Wartungen am System unter Beibehaltung des laufenden Betriebes des Einsatzmanagements sicherzustellen, stellt Herr Müller von MR-Systeme Hannover in seinem Beitrag auf Seite 16 vor. Seit einigen Jahren konsumieren immer mehr junge Leute die sogenannte „Modedroge“ Chrystal Meth. Die Zusammensetzung, Wirkungsweise und die besondere Problematik der schnellen Abhängigkeit ist von Herrn Dr. Hentschel, Leiter des Giftinformationszentrums Erfurt, auf Seite 18 beschrieben. Wo wird dieses verbotene Betäubungsmittel produziert, und über welche Wege gelangt es nach Deutschland. Hierzu führte die Redaktion ein Interview mit dem Pressesprecher des Hauptzollamtes Re- gensburg, Herrn Lochner. Die Antworten können Sie auf Seite 20 nachlesen. Jugendkulturen in Deutschland gibt es seit den 1950-Jahren. Halbstarke, Rock'n' Rollund Beat-Fans, um Gammler, Provos und Hippies, um Skinheads und Hooligans und einige mehr. Also nicht um die Jugend, sondern um Minderheiten? In der Tat: Nicht mehr als 20 bis 25 Prozent der Jugendlichen schließen sich wirklich Jugendkulturen an, werden also mit ganzem Herzen Punk oder Skinhead, Grufti oder Skateboarder. Doch der Einfluss dieser Wenigen (nun ja, immerhin knapp ein Viertel der Jugend) sollte nicht unterschätzt werden. In seinem Beitrag stellt Klaus Farin in dieser Ausgabe die „1950er“ vor. Die Serie wird in den folgenden Ausgaben des Behördenmagazins fortgesetzt. Die sogenannten Olympischen Spiele der Feuerwehren „Firefigther Games 2012“ fanden in diesem Jahr in Sydney statt. Welche Erfolge die deutsche Mannschaft erringen konnte, ist vom Pressesprecher Ralf Siegelmann auf Seite 33 dargestellt. „Spiegel-Affäre“ – Was ist das? Es sollte ein Schlag gegen die freie Presse werden, doch es wurde eine Sternstunde der Pressefreiheit: Ein maßloses Vorgehen gegen investigative Journalisten führte vor 50 Jahren zur «Spiegel»-Affäre. Und die junge Bundesrepublik lernte, wie wertvoll Journalismus ist. Die Hintergründe und Aussagen von Zeitzeugen, u.a. Altbundeskanzler Helmut Schmidt, können Sie auf Seite 36 nachlesen. Wir wünschen Ihnen viel Spaß, informative Unterhaltung und Vergnügen beim Lesen; bei Bedarf können wir Ihnen weitere Exemplare dieser Ausgabe zur Verfügung stellen. Teilen Sie bitte dem Verlag die Anzahl der noch benötigten Hefte mit. Über Meinungsäußerungen und Leserbriefe würden wir uns sehr freuen. Ihr Redaktionsteam

1. Ausgangssituation Bereits vor mehr als sechs Jahren beauftragte das Ministerium des Innern des Landes Brandenburg den Zentraldienst der Polizei Brandenburg (ZDPol) zu evaluieren, welche technischen Möglichkeiten für den Einsatz moderner Informationstechnologie in den Einsatzfahrzeugen der Polizei existieren. Hierzu wurde vom ZDPol das „Projekt interaktiver Funkstreifenwagen“ oder kurz „PiaF“ initiiert. Die Anforderungsanalyse der Projektgruppe begann mit der Bewertung der zum Betrachtungszeitpunkt verfügbaren, handelsüblichen Hardware. Die ersten Feldversuche zeigten sehr schnell, dass die im Jahr 2006 erhältlichen Rechensysteme noch weit davon entfernt waren, den harten Anforderungen des täglichen Polizeieinsatzes standhalten zu können. Neben Problemen beim sachgerechten Einbau der Hardware in die Einsatzfahrzeuge, waren es die im Jahresverlauf auftretenden Temperaturschwankungen und die während der Fahrt vorkommenden Erschütterungen, die den verfügbaren Rechnern zu schaffen machten. Selbst damals erhältliche Notebooks, die für erschwerte Einsatzbedingungen ausgerichtet waren, konnten nicht sämtlichen Anforderungen gerecht werden und dies nicht zuletzt aufgrund des damals noch recht hohen Strombedarfs. Neben der Prüfung verfügbarer Hardware wurde ebenfalls nach Softwaresystemen gesucht, die sinnvoll in die Arbeitsprozesse der polizeilichen Aufgabenwahrnehmung integriert werden konnten. Es lag nahe, die Prüfung mit einer Software zum Flottenmanagement zu beginnen, wie sie beispielsweise von Logistikunternehmen verwendet wird. Jedoch blieb der Mehrwert, den die Nutzung dieser Systeme für den Polizeiein- Der interaktive Funkstreifenwagen Thomas Haase, Tarent AG satz brachte, deutlich hinter den Erwartungen zurück. Handelsübliche Software zum Flottenmanagement ist in ihrer Aufgabenstellung primär auf die Verwaltung der Fahrzeuge ausgerichtet, fokussiert sich auf das Management von Wartungszyklen und gegebenenfalls noch auf die Lokalisierung der Fahrzeuge mittels GPS-Sendern. Die Anforderungen, welche mit der Einführung eines interaktiven Funkstreifenwagens verbunden sind, konnten damit nicht erfüllt werden, da diese Systeme sich nur unzureichend in die bestehende IT-Infrastruktur der Polizei integrieren ließen und somit als Insellösung keine dauerhafte Perspektive darstellten. Als Ergebnis zeigte sich, dass Standardsysteme hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit noch unzureichend waren bzw. kaum mit den spezifischen Aufgaben und Anforderungen der polizeilichen Aufgabenwahrnehmung vereinbar waren. Außerdem zeichnete sich bereits in dieser Evaluationsphase ab, dass die zu erwartenden Kosten für die benötigten Softwarelizenzen bei der Umsetzung in großem Maßstab schnell jeden vernünftigen Rahmen sprengen würden. Ausgehend von diesen Erfahrungen wurde 2009 die T-Systems Enterprise und Service GmbH vom ZDPol beauftragt als Generalunternehmer, ein System zu entwickeln, welches anforderungsgerechte Hardware bereitstellt und durch Nutzung von Open-Source Software die Folgekosten für die zu integrierenden IT-Systeme beherrschbar macht. Als ein international tätiger Dienstleister im Bereich der Informations- und Kommunikations-technologie betreut die T-Systems rund 200 multinationale Konzerne sowie öffentliche Institutionen und verfügt dementsprechend über enorme Erfahrung bei der Umsetzung großer Innovationsprojekte. Entsprechend der geschilderten Einsatzbedingungen unter denen die Hardware im täglichen Polizeieinsatz zu bestehen hat war die Titelthema - Arbeitsplatz Funkstreifenwagen Car-PC als Mobile Einsatzzentrale Entwicklung eines maßgeschneidertem Rechners die logische Konsequenz. Daher wurde die xyco technologies AG von der T-Systems mit der Entwicklung einer skalierbaren MultiPC-Plattform beauftragt, bestehend aus einem modularen Bordrechner in einem so genanntem MicroTCA (auch: µTCA) Gehäuse, welcher bis zu sechs verschiedene Funktionsmodule aufnehmen kann. Das dazugehörigem Display-System wird vorne im Armaturenbrett des Fahrzeuges, im Doppel- DIN-Schacht, eingebaut. Als langjähriger OEM-Partner im Automobilbereich und ISO DAS BEHÖRDENMAGAZIN Dezember/2012 5

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