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GOING
Magazin
25
365
Tage im Herzen von Going
www.wilderkaiser.info
32
35 JAHRE
HANDWERKS
KUNSTMARKT
GOING
The Goinger
handicraft market:
35 years of tradition
and craftsmanship.
116
UNSERE
VERANSTAL
TUNGEN
IM WINTER
Our winter events
24
SOMMER IN
GOING: EVENTS,
TOUREN UND
GEHEIMTIPPS
ZU SCHÖNEN
PLÄTZEN
Summer in Going: events, tours,
and insider tips for beautiful places
GOING
stärkt!
126
REIN INS
SCHNEE-
VERGNÜGEN
Into the snow fun
50
STRATEGIE 2028
Inhalt
IMPRESSUM
Herausgeber: Tourismusverband Wilder Kaiser
Bilder: Felbert-Reiter, Carmen Huter, Stefan Leitner, Martin Lifka, Roland Defrancesco,
Manuel Bialucha, Sebastian Hasenauer, C. Boettcher, Marcel Laemmerhirt, Frank Stolle,
Jessica Kassener, TVB Wilder Kaiser, Claudia Ziegler, Mathäus Gartner, BB Wilder Kaiser,
Emanuel Adensam, Jan Hetfleisch, Christian Mey, Martin Raffeiner, Marie Jose Sombeek
Die Bilder wurden von den jeweiligen Inserenten und Musikgruppen zur Verfügung gestellt.
Texte: Tourismusverband Wilder Kaiser, Katie Tropper, Lena Sponring
6 Herzlich Willkommen
8 Going Facts
10 Willkommen in Going
12 Dein Urlaubsort
16 Die Goinger Ursaat
20 Die Lebenshilfe Tirol
22 Das Kräuter 1×1
24 Sommer
26 Gästeprogramm
28 Sommerabende
30 Goinglive
32 Handwerkskunstmarkt
40 Abenteuerland
46 Die Retter in der Bergnot
50 Strategie 2028
52 Goinger Badesee
56 Moor & more Erlebniswelt
58 SoKo Moor & more
62 Auf des Kaisers Spuren
68 Die Wegewarte des
Wilden Kaisers
74 Naturschutzhof
78 Brauchtum &
Geschichte
80 Marktplatz Wilder Kaiser
84 Der Traum vom
großen Glück
88 Die Pfarrkirche zum
Heiligen Kreuz in Going
93 Mosbeernocken Rezept
94 Mystische Refugien
100 A Gewand für die Ewigkeit
104 Stammgäste
106 Der „Sheriff“ des
Wilden Kaisers
110 Sage: Das Venedigermandl
vom Goldtropf
114 Winter
116 Gästeprogramm
118 Die Rauhnächte
122 Goinglive
126 Rein ins Schneevergnügen
134 Unterwegs im
Winterwanderland
138 Goings Lonesome Rider
140 Der Goinger Eislaufplatz
142 Von starken Männern
und sanften Gestaltern
Grafische Gestaltung: himmel. Studio für Design und Kommunikation Scheffau/Innsbruck
Druck: RB Druck GmbH
Änderungen, Druck- und Satzfehler vorbehalten. © 03.2025
365 Tage Going am Wilden Kaiser 5
AUFTAKT
»JEDER TAG IST EINE CHANCE,
DAS ZU TUN, WAS DU MÖCHTEST.«
6 GOING MAGAZIN 25
365 Tage Going am Wilden Kaiser 7
GOINGFACTS
Hättest du das gedacht: Interessante Zahlen, Daten und
Fakten aus unserem Ort und der Region Wilder Kaiser.
19
Staffeln von der
beliebten Fernsehserie
„Der Bergdoktor“ wurden
seit Serienbeginn 2008 in
der Region WilderKaiser
gedreht. — 19 seasons of
the popular TV series “The
Moutnain Doctor” have
been filmed in the Wilder
Kaiser region since the
series began in 2008.
8
Kapellen befinden sich
im Gemeindegebiet von
Going am Wilden Kaiser.
— 8 chapels are situated at
the municipality of Going
at the Wilder Kaiser.
40 KM
präparierte Loipen gibt es in Going und
über 100 km präparierte Loipen in den vier
Kaiser Orten Going, Scheffau, Ellmau und
Söll. — 40 km of groomed cross country
tracks are availabe in Going and over
100 km of tracks in the four Kaiser towns
of Going, Ellmau, Scheffau and Söll
14
GOINGlive Kaiserabende finden im
Sommer auf der Freiluftbühne am Kirchplatz
in Going statt. — 14 GOING live Kaiser
evenings are taking place at the oudoor stage
at the church square of Going
46,3 KM
Winterwanderwege liegen eingebettet in
Going vor dem majestätisch herabblickenden
Gebirgsmassiv Wilden Kaiser. —
46,3 km of winter hiking trails are nestled
in Going in front of the majestically descending
Wilder Kaiser mountain range.
ÜBER
60
Ausflugsziele sind in und um
die Region Wilder Kaiser zu
finden, davon auch zahlreiche
barrierefreie Wanderwege und
Ausflugsziele. — More than 60
excursion destinations can be
found in and around the Wilder
Kaiser Region, including numerous
barrier-free hiking trails
and excursion destinations.
8 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 9
GOING AM WILDEN KAISER
WILLKOMMEN
IN GOING
Going, der Ruhepol
der Region Wilder Kaiser!
Going, der Ruhepol am Wilden Kaiser.
Going am Wilden Kaiser
ist ein malerisches Dorf
in Tirol, das für seine
natürliche Schönheit, seine Ruhe
und seine entspannte Atmosphäre
bekannt ist. Das Dorf liegt am Fuße
des imposanten Wilden Kaisers, ein
markanter Gebirgszug, der zu den
schönsten und beeindruckendsten
in den österreichischen Alpen zählt.
Der Ort ist ein beliebtes Ziel für
Naturliebhaber, Wanderer und Erholungssuchende,
die die unberührte
Landschaft und die Ruhe
der Region schätzen. Das Dorf bietet
Sommer wie Winter eine Vielzahl
von Aktivitäten in der Natur,
von gemütlichen Spaziergängen bis
hin zu anspruchsvollen Bergtouren,
schöne Pisten und traumhafte Winterwanderwege
und Loipen.
Darüber hinaus ist Going für
seine traditionelle Tiroler Architektur
und seine authentische Atmosphäre
bekannt. Besucher können
die malerischen Bauernhäuser,
die liebevoll gepflegten Gärten und
die herzliche Gastfreundschaft der
Einheimischen erleben.
Insgesamt ist Going ein Ort, an dem
man dem Alltag entfliehen, die Natur
in vollen Zügen genießen und
neue Energie tanken kann. Es ist ein
wahrer Ruhepol inmitten der atemberaubenden
Berglandschaft Tirols.
»DAS DORF
LIEGT AM FUSSE
DES IMPOSAN
TEN WILDEN
KAISERS, EIN
MARKANTER
GEBIRGSZUG,
DER ZU DEN
SCHÖNSTEN
UND BEEINDRU
CKENDSTEN IN
DEN ÖSTERREI
CHISCHEN
ALPEN ZÄHLT.«
*
Welcome in Going. The haven of
peace in the Wilder Kaiser region!
— Going at the Wilden Kaiser
is a picturesque village in Tyrol
known for its natural beauty, tranquillity
and relaxed atmosphere. The
village lies at the foot of the imposing
Wilder Kaiser Mountain, a striking
mountain range that is one of
the most beautiful and impressive
in the Austrian Alps.
Going is a popular destination
for nature lovers, hikers and those
seeking relaxation who appreciate
the unspoiled landscape and tranquillity
of the region. The village
offers a variety of outdoor activities
in both summer and winter,
from leisurely walks to challenging
mountain tours, beautiful slopes
and fantastic winter hiking and
cross-country trails.
The village is also known for
its traditional Tyrolean architecture
and authentic atmosphere. All
in all, Going is a place where you
can escape from everyday life, enjoy
nature to the full and recharge
your batteries. It is a true haven of
peace amidst of Tyrol’s breathtaking
mountain landscape.
10 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 11
GOING UND SEINE WERTE
ICH STELLE
MICH VOR
Going ist mehr als ein Dorf in den Bergen.
Es ist das Urlaubsziel vieler Gäste, die
hier die schönsten Tage im Jahr verbringen.
Du hast den Weg zu mir
gefunden, wie wunderbar.
Ich fühle mich geehrt
und wenn ich ein Mensch wär,
dann würde ich dir jetzt zur Begrüßung
die Hand reichen. Aber das bin
ich nicht, sondern ich bin der Ort, an
dem du deinen Urlaub verbringst.
Das macht mich stolz und erhaben,
so wie der Wilde Kaiser es ist
– er gehört einfach zu mir. Seine
schroffen Felsen und seine unsagbare
Kraft begeistern einen jeden.
Und ich rate dir, besuche ihn. Am
besten machst du dich an einem
Sommermorgen auf zum Bergsteigergrab.
Dort oben scheint die
Freiheit schier grenzenlos zu sein
und du kannst mich und das ganze
Tal genüsslich bestaunen.
Der Sommer …
Vielleicht ist aber auch der Schleierwasserfall
etwas für dich. Hier
wachsen viele über sich hinaus, denn
in dieser Gegend sind Profikletterer
am Werk. Aber auch wenn du
die Wand nicht selbst erklimmst, so
ist es beeindruckend. Über sechzig
Meter fällt ein Gebirgsbach als feiner
Schleier in die Tiefe. Gib Acht,
denn wenn ein Lüftchen weht, dann
kann es für dich schon einmal spritzig
nass werden.
Wenn wir schon beim Wasser
sind, da gibt es noch viel mehr davon.
Keine Sorge, es geht nicht um
Regentropfen. Viel mehr um meinen
Badesee, gespeist mit frischem
Wasser aus glasklaren Gebirgsbächen.
Das muss auch der Grund dafür
sein, das sich der Kaiser so klar
darin spiegelt. Hier geht es schon
mal richtig abenteuerlich zur Sache
und das darf es auch. Ein großes Piratenschiff
mit tollen Spielstationen,
die Wellenrutsche und der spritzige
Spielbereich sorgen für Kinderlachen.
Welches Kind kann dem schon
widerstehen? Für die Großen, da
hab ich auch noch etwas. Nämlich
eine Liegewiese die so groß ist, dass
man immer einen ruhigen Platz fin-
Klettern am
Schleierwasserfall
Sonnenaufgang am
Bergsteigergrab
det – ich verspreche es dir! Wenn du
gerne mein atemberaubendes Spiegelbild
im Wasser sehen möchtest,
besuche doch den Astbergsee – du
wirst es nicht bereuen.
Bitte sei aufmerksam und achte
auf mich. Ein Teil von mir ist ganz
besonders schützenswert. Mein
Schatz ist ein Moor, mitten im Natur-
und Ramsar Schutzgebiet. Wir
nennen es auch unseren Tiroler Urwald,
weil hier die Natur noch in
Ordnung ist. Verschiedene Touren
führen umher, auch ein Erlebnisweg
für Kinder. Weil Naturschutz
von klein auf gelernt werden soll.
Unsere Moorführer*innen nehmen
dich gerne auf ihre geführte
Tour mit.
Mach dich aber auch auf zum
Kirchplatz. Hier sind Tradition und
mein Ursprung daheim. Die anmutige
Kirche wacht über ihn und gibt
ein Gefühl der wohligen Sicherheit.
Ein jeder ist willkommen, der Gast
trifft hier auf den Einheimischen –
und auf den Bergdoktor. Man kann
es ihm nicht verübeln, einen schöneren
Dorfplatz wird man wohl
kaum finden.
Zwei meiner liebsten Begleiter
sind Brauchtum und Musik. Beim
Handwerkskunstmarkt ist beides so
lebendig und echt. Aber auch beim
Sommerabend GOING live haben
Musiker aus allen Richtungen eine
Bühne. Besuche mich, es wird dir
gefallen!
Im Winter …
Besonders meine kleinsten Besucher
liegen mir sehr am Herzen.
Eigens dafür gibt es einen Eislaufplatz
ganz am Waldesrand gelegen.
Eine kleine Blockhütte dient zum
Aufwärmen und die Erwachsenen
sind bei einer lustigen Eisstockpartie
bestens beschäftigt.
Wenn du einen Platz zum Staunen
und Kaisergipfel bewundern
suchst, dann empfehle ich dir das
Hollenauer Kreuz. Egal ob zu Fuß
oder mit den Skiern, der Weg lohnt
12 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 13
GOING UND SEINE WERTE
sich. Seit ich mich erinnern kann,
steht dort oben schon eine alte Bank.
Dort angekommen liegt dir dann
nämlich nicht nur der Wilde Kaiser
zu Füßen, sondern der ganze Talboden
von St. Johann bis nach Söll.
Auch wenn ich im Grunde
gerne die Ruhe und die Tradition
mag, so gehört zum Urlaub in Going
eine lustige Rodelpartie einfach
dazu. Mit der Astbergbahn hoch
hinaus und dann schnurstracks die
4,5 Kilometer ins Tal gebraust. Keine
Sorge, wenn der Tag dafür zu kurz
sein mag. Die Astbergrodelbahn hat
auch am Abend geöffnet.
Vor allem rate ich dir, dass du
deinen Freiraum findest. Ein jeder
Mensch braucht seinen Platz,
drum nimm das Angebot an und
finde auch du deinen. Ich gebe dir
gern ein Stück von mir, um zur Ruhe
zu kommen und Kraft zu tanken.
Entspann dich, wo auch immer du
möchtest.
»DAS GEFÜHL
DER FREUND
SCHAFT UND
DEM DAZU
GEHÖREN, DAS
GEBEN DIR
DIE GOINGER
SELBST.«
Mein Herzstück sind aber die Bewohner
von Going. Denn ich kann
dir die Landschaft und wunderbare
Plätze bieten. Das Gefühl der
Freundschaft und dem Dazugehören,
das geben dir die Goinger
selbst. Schätze ihre Ehrlichkeit und
Verbundenheit. Sie wissen nämlich
was verwurzelt sein und Heimat
bedeuten.
Ich wünsche mir, dass du all das
erleben darfst und deinen Bergmoment
findest. Es geht in Going
nicht um höher, schneller und
weiter, sondern nur um dich, deine
Ruhe und deine Kraft. Und jetzt
mach dich auf und erkunde mich!
Dein Urlaub. Deine Erlebnisse.
Dein Going.
*
What I can offer you. Going is so
much more than just a village in the
mountains. It is a holiday destination
for many visitors who spend the best
days of the year here. — How wonderful
that you’ve found your way to
me. I’m honoured and, if I were human,
I would welcome you here by
extending a hand to shake yours. But
I’m not. I’m the place you’re spending
your holiday.
This makes me proud and even a
little grand – much like the Wilder
Kaiser. After all, it’s part of me. Its
craggy cliffs and ineffable force inspire
everyone who claps eyes on
it. And I highly recommend a visit.
Perhaps you’d like to see the
Schleier Waterfall. Many people
surpass themselves here – you’ll
find a lot of professional climbers
in this area. Even if you’re not
one for climbing the cliffs yourself,
it’s still an impressive experience.
A mountain waterfall forms a watery
veil that tumbles more than 60
metres into its depths. Take care – all
it takes is one good breeze to turn
your airy mountain adventure into
a bubbly one.
Please enjoy me with care and
attention. Part of me is particularly
worthy of protection. The treasure
I hold is my moor, at the heart of
the nature reserve. We call it our
Tyrolean jungle because, here, nature
is still intact. There are a number
of different tours through this
area, and there’s even an adventure
trail for kids.
Let me tell you, you’re sure to
find space for yourself. Every one of
us needs their space. Take the opportunity
presented here to find your
own. I’m happy to lend you a piece
of myself to find a bit of peace and
regain your strength. Relax, wherever
you want. If you’re looking
for a place where you can marvel
in wonder at the peaks of the
Kaiser Mountains, I would recommend
Hollenauer Kreuz. Whether
you travel by foot or on skis, the
journey is worth it. There has been
an old bench up there for as long
as I can remember. Once you get
there, you’ll not only have the Wilder
Kaiser range at your feet, you’ll also
be treated to a view of an expansive
valley plain extending from
St. Johann to Söll.
Even though I actually prefer
peace and quiet and tradition, no
holiday in Going would be complete
without a fun-filled toboggan
ride. Take the Astberg chairlift
up the mountain and then race
down the 4.5 kilometre runs into
the valley. And not to worry if the
day simply isn’t long enough. The
Astberg toboggan run is also open
in the evening.
But my heart is truly the inhabitants
of Going. I can only offer you
scenery and lovely places. But the
feeling of friendship and belonging
you get here comes from the
people of Going themselves. Treasure
their honesty and loyalty. They
know what being rooted and what
home means.
I hope you’re able to get the most
out of your experience here and that
you find your own mountain moment.
It’s not about higher, faster
and further in Going. It’s just about
you, your peace and quiet as well as
your strength. So, get to it and come
discover me!
Your holiday. Your adventures.
Your Going.
Sonnenuntergangsstimmung im Winter am Wilden Kaiser
14 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 15
GOINGER URSAAT
DIE URKRÄFTE
DER NATUR
Auf der Sonnenseite von Going, am Fuße
des Wilden Kaisers, heißt es, sind die Urkräfte
der Natur besonders stark.
Do heroben is’ scho a gonz
a besonderes Platzerl“,
sagt er, der Biobauer
Franz Wallner und auch, dass das
mit der Urkraft schon seine Bedeutung
hat. Eigentlich ist es ja ganz
einfach: Mit der Entstehung unserer
Erde wurde plötzlich jede Menge
Energie frei – Urkraft, wenn man so
will. Und die, die dauert bis heute an.
„In jeder Pflanze, in jedem Grashalm
und in jedem Tier, überall is’ die Urkraft
drin. Und des spürt man auch“,
ist der Franz überzeugt. Schon als
Kind hatte er die Fähigkeit, besondere
Plätze zu spüren, auf denen gebaut
oder gesät werden sollte. Auch
mit dem Wasser kennt er sich aus
und hat seine hofeigene Quelle biologisch
aktiviert. Laut dürfte man
das allerdings nicht sagen, da würde
man gleich als Spinner abgestempelt.
Aber irgendeinen Grund muss
es wohl haben, dass rund um den
600 Jahre alten Bio-Hof alles bestens
blüht und gedeiht. Der Franz
war schon immer etwas anders als
die anderen. Vielleicht auch wegen
der Umstände. Bereits mit 18 musste
er nach einem tragischen Unglück
den Hof seines Vaters übernehmen.
Seitdem ist viel Zeit vergangen. Zeit,
BESUCH
BEI BIOBAUER
FRANZ:
Jeden Freitag
von 10–12 Uhr
die Franz genützt hat, seinen konventionellen
Bauernhof in einen
Bio-Hof mit Rinderzucht, Milchund
Waldwirtschaft sowie Ackerbau
zu verwandeln. À la Selbstversorger,
wenn man so will, denn
am Blaikenhof werden unter anderem
auch Erdäpfel, Getreide und
Kräuter angebaut. So war es kein
Zufall, dass vor einigen Jahren das
Projekt Goinger Ursaat an diesem
Ort entstand.
In Zusammenarbeit mit dem
Tourismus verband Going und der
Kräuterexpertin Cornelia Miedler
wurden sieben Samen aus dem
Bestand der Bio Austria Saatgut
und der Arche Noah ausgewählt.
„Die waren ganz schön knausrig,
da hab’ i grade mal 500 Gramm bekommen“,
lacht Franz. Beides sind
Vereinigungen, die sich dem Erhalt
rarer Gemüse-, Obst- und Getreidesorten
verschrieben haben und
diese wie einen Schatz bewahren.
»ALLES IST
MIT ALLEM
VERBUNDEN. DIE
GOINGER UR
KRAFT IST
EIN TEIL DES
GANZEN.
GEWACHSEN
AUS DER KRAFT
DER NATUR.«
FRANZ
WALLNER
Franz und seine Frau Luise haben
diesem Schatz wieder Leben eingehaucht
und bauen auf Kleinstfeldern
– jedes nur so groß wie ein
mittelgroßes Zimmer – Phacelia,
Ringelblume, Mais, Sonnenblume,
Schwarzhafer, Gerste und Schlangenknoblauch
an. Die Wahl fiel dabei
nicht zufällig auf die zum Teil
exotisch klingenden Sorten. Jede hat
ihre eigene, ganz besondere Wirkung
– ob als Tee, Heilblume, Getreide
oder Bienenweide.
Im Zeichen
des Mondes
In mühevoller Handarbeit wird
gejätet und geerntet. „Hier muss
man auf den richtigen Zeitpunkt
schauen. Die Samen dürfen nicht
zu reif sein, sonst fallen sie gleich
aus der Blüte. Jede Pflanze hat ihre
eigene Zeit. Die erste Ernte beginnt
bereits zur Egascht, zur ersten Mahd
im Juli. Der Mond spielt auch eine
große Rolle und natürlich das Wetter.“
Luise Wallner ist die perfekte
Ergänzung zu ihrem Mann. Auch
die Pädagogin beschäftigt sich mit
dem weiten Feld der Urkraft. „Früher
habe ich alles genau ausgependelt.
Heute spüre ich einfach, welches
Getreide wo angebaut werden
soll.“ Die Wallners betreiben Fruchtfolge-Wirtschaft.
Das bedeutet, dass
jedes Jahr eine andere Sorte am Feld
angebaut wird. Diese Methode steht
ganz im Gegensatz zur Monokultur
und sorgt für ideale Wachstumsbedingungen
und Bodenfruchtbarkeit.
Ein Stück Urkraft
geht auf Reisen
Die Idee hinter der Goinger Ursaat
war es, ein Stück Urkraft in
die Welt zu schicken. Die Samen
werden geerntet, getrocknet und in
der Lebenshilfe in Oberndorf liebevoll
verpackt – bereit, um Kraft
und Energie zu verbreiten. Denn
das Besondere an diesen Samen
ist, dass sie sich vermehren. Eine
seltene Angelegenheit in der heutigen
Zeit. Säht man sie, entsteht
Gartenschätze
die Frucht, die abgeerntet wird, um
die Samen im nächsten Jahr erneut
gedeihen zu lassen. Ein Weitergeben
der Energie, der Kraft der Natur.
Aus Liebe zur Heimat, ein Stück
Going für die Welt.
TIPP Holt euch die
Goinger Ursaat kostenlos
in der Tourismus
Info Going. Alle Goinger
Gäste können sich in der
Tourismus Info Going ein
Glas Ursaat kostenlos
abholen und zuhause
ein klein bisschen Going
einpflanzen.
*
From the primal forces of nature.
On the sunny side of Going, at the foot
of the Wilder Kaiser, the primal forces
of nature are particularly strong. —
And they even take up travelling on
occasion, packaged as small gifts.
“Up there is a really special place”,
says organic farmer Franz Wallner,
adding how important these primal
forces are. It’s actually quite simple.
16 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 17
GOINGER URSAAT
Die Goinger Ursaat –
ein Stück Urkraft zum
Hinaustragen in die Welt
Biobauer Franz Wallner mit seiner Frau Luise
When the Earth was created, a great
deal of energy was released – what
we might call primal energy. And
this energy remains to this day.
“These primal forces are in every
plant, every blade of grass and every
animal everywhere. And you can feel
it”, says Franz confidently. Even as a
child he had the ability to recognise,
even feel, that certain places were
special and should be built upon or
sown. His powers extend to water
as well, and his farm has its own biologically
activated water source.
This is something that is best left
unsaid – unless you want people
to think you’re a little crazy. But
there must be a reason for the success
of this 600-year-old organic
farm. It’s thriving.
As part of a collaboration between
the Going tourism office
and herbal expert Cornelia Miedler,
seven seeds were selected
from the Bio Austria and Noah’s
Ark seed vaults. Both of these are
organisations dedicated to conserving
rare vegetables, fruits and
grains and guarding them like treasure.
Franz and his wife, Luise, have
breathed life back into this treasure
trove and are sowing lacy scorpionweed,
calendula, corn, sunflowers,
black oats, native wheat and Chesnok
Red garlic in small fields.
»EVERYTHING
IS CONNECTED.
THE PRIMAL
FORCES IN
GOING ARE
PART OF A BIG
GER WHOLE.
GROWN FROM
THE POWER
OF NATURE.«
FRANZ
WALLNER
It is weeded and harvested with laborious
manual labour. “You have
to look out for the right time. The
seeds should not be too ripe, otherwise
they’ll immediately fall from
the flower.” The Wallners use crop
rotation on their farm. This means
that a different variety is grown on
each field every year. This method
stands in contrast to monoculture
methods, and provides ideal growing
conditions and soil fertility.
The idea behind the Going native
seed project was to send a bit of primal
energy out into the world. The
seeds are harvested, dried and lovingly
packed at the Lebenshilfe centre
in Oberndorf – ready to spread
power and energy. What’s so special
about these seeds is that they multiply
– something that’s exceedingly
rare these days. For the love of home,
a piece of Going for the world.
Tip Get the Goinger
Ursaat free of charge
at the tourist office in
Going. All guests from
Going can get a free a
glass of Ursaat free of
charge and plant a little
bit of Wilder Kaiser at
home.
18 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 19
GOINGER URSAAT
DIE LEBENSHILFE TIROL
Menschen mit Behinderungen, die am
Wilden Kaiser wertvolle Aufgaben erledigen.
Die Lebenshilfe Tirol ist
eine beherzte Wegbegleiterin
von Menschen
mit Behinderungen bei einem barrierefreien,
selbst bestimmten und
erfüllten Leben. Dabei spielen Kooperationen
vor Ort in den Gemeinden
eine wesentliche Rolle, neben
neuen Tätigkeitsfeldern auch Begegnungen
für alle im Alltagsleben
möglich und erlebbar zu machen.
Wenn uns das Team der Lebenshilfe
aus Oberndorf in der Tourismus
Info in Going besucht, dann
geht nicht nur die Tür weit auf.
Nein, es ist vor allem das Herz,
welches dann mit viel Freundlichkeit
und guter Laune regelrecht
überschüttet wird. „Wir holen die
Goinger Ursaat. Wir haben nämlich
keine mehr“, wird uns dabei berichtet.
Und schon schnappt sich jeder
einen Sack der unsortierten Saat
und lädt ihn in den Bus der Lebenshilfe.
Die Kolleg*innen in Oberndorf
warten schon auf die Lieferung,
um dann richtig Hand anzulegen.
In einem Projekt für den Tourismusverband
sortieren Menschen
mit Behinderungen das wertvolle
Saatgut und füllen es in Reagenzgläser,
die als originelle Geschenke
an Gäste weitergegeben werden.
Wir im TVB haben bereits beim
Probe-Sortieren aufgegeben und
sind deshalb über diese Unterstützung
froh. Für Menschen mit Behinderungen
stärken Aufträge wie
diese zudem das Selbstwertgefühl,
etwas für die Gemeinschaft leisten
und sich beteiligen zu können.
Fertig abgefüllt wird dann alles wieder
zu uns nach Going gebracht und
freudig angekündigt: „Nachschub
ist da. Damit ihr wieder was verschenken
könnt!“ Und mit dem
Nachschub an Saatgut wird auch
ganz selbstverständlich eine kräftige
Portion Fröhlichkeit und Heiterkeit
mitgeliefert. Nicht nur bei
diesem Projekt ist die Lebenshilfe
mit ihrem Team ein wichtiger Partner
für uns. Zum Beispiel die Erlebniswelt
des Moor&more wird
von Menschen mit Behinderungen
sauber gehalten und die Spielstationen
werden betreut und getestet.
Aber das ist wiederum eine andere
Geschichte …
*
Lebenshilfe Tirol. People with
special needs who carry out special
work in the Wilder Kaiser region. —
Lebenshilfe Tirol, a Tyrol-based
lifestyle support organisation, is
a steadfast companion to people
with disabilities, helping them lead
fulfilling, self-determined lives
without barriers.
When Franz comes to visit us at
the tourism office with his friends
from Oberndorf, it’s not just the
doors that are opened wide. It’s
rather our hearts that are positively
overcome with the friendliness
and good spirits they bring along
with them. “Some Going Ursaat
seeds, please – we’re all out”, they tell
us. And then each of them grabs a
bag of unsorted seeds, loading them
onto the Lebenshilfe bus. Their
colleagues are already waiting for
them in Oberndorf. Here they literally
lend a hand, separating out the
seeds and packaging them up. All
Josef has to say is, “Wonderful! Wonderful!”
Once everything has been
packaged, it’s brought back to us
here in Going. “The refills are here.
Now you can give some more away!”
»ZEIT, DIE WIR UNS
NEHMEN, IST DIE ZEIT, DIE
UNS ETWAS GIBT.«
20 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 21
KRÄUTER 1×1
Gewachsen aus der Kraft der Natur.
Die sieben Ursaaten im Detail.
Mais: DAS URALTE HAUPTNAHRUNGSMITTEL,
EIN WICHTIGER BASENTEE — Im Grunde
genommen wird der Mais heutzutage vor allem
als Futterpflanze genutzt. Allerdings bietet das
schmackhafte Getreide Mais auch als Heilpflanze
für den Menschen mit seinen zahlreichen Nährstoffen
und Vitaminen viele positive gesundheitliche
Wirkungen.
Schlangenknoblauch: EINE ALTE
GEMÜSEPFLANZE — Der auch als Rockenbolle
bekannte Schlangenknoblauch begeistert durch
seine außergewöhnliche Wuchsform. Die Brutknolle
wächst oberirdisch an einem geringelten
Blütenstengel. Das Aroma von Knoblauch ist in
der Küche sehr gefragt, denn er bereichert den
Geschmack vieler Gerichte. Im Garten angebaut
macht er sogar optisch, mit seinem in sich
schlängelnden Blütenstängel und den zahlreichen
kleinen Brutzwiebeln, eine gute Figur.
Phacelia: EINE KOSTBARE
BIENENWEIDE UND TEEBLUME —
Gartenliebhaber kennen die pflegeleichte
Phacelia auch unter dem Namen
Büschelschön, Büchelblume, Bienenweide
oder Bienenfreund. Die bläuliche
Blume ist so beliebt, weil sie in einem
Garten viele Funktionen übernehmen
kann.Die Phacelia ist eine echte
Allzweckwaffe unter den Gartenblumen.
Die vielseitige Pflanze versorgt Bienen
und Insekten mit ihrem süßen Nektar.
Sie eignet sich als vitalisierender
Gründünger und unterdrückt Unkraut.
Gerste: EIN GETREIDE,
DAS DEM WEIZEN ODER REIS
ÄHNELT — Die reifen Ähren stehen
waagrecht oder neigen sich
nach unten. Sie ist eine wertvolle
Nahrungsquelle, die wichtige
Nährstoffe wie Niacin, Phosphor
und Zink enthält. Der Geschmack
der Gerste ist fein und nussig,
was sie sowohl für herzhafte,
als auch süße Gerichte geeignet
macht. Außerdem fördert Gerste
den Stoffwechsel und unterstützt
die Regulierung des Blutzucker
und Cholesterinspiegels.
Sonnenblume: EINE ÖLSAAT UND
NAHRUNGSMITTEL MIT TEEBLÜTE —
Die Sonnenblume, die zur Familie der Korbblütler
gehört, ist eine recht anspruchslose Pflanze.
Als Heilpflanze ist die Sonnenblume weniger
bekannt. Für die Gesundheit sind hauptsächlich
die Kerne und das daraus gewonnene Öl von
Bedeutung.
Ringelblume: EINE ESSBARE
BLÜTE UND HEILBLUME IN DER
MEDIZIN — Die Ringelblume ist eine
der ältesten Gartenpflanzen. Sie sorgt
für Farbe im Blumenbeet und hat auch
als Heilpflanze eine lange Tradition.
Ringelblumen sind sehr gute Heilpflanzen
und eine Salbe aus den geernteten
Blüten kann wahre Wunder wirken.
Schwarzhafer: EIN URALTES GETREIDE UND EINE
TEEPFLANZE — Schwarzhafer unterscheidet sich nicht nur
wegen der dunklen Körner vom herkömmlichen Gelbhafer,
sondern auch durch seinen süßeren Geschmack. Auch stellt
diese alte Getreidesorte keine hohen Ansprüche an den Boden,
weist eine vergleichsweise hohen Toleranz gegenüber Trockenheit
auf und gedeiht somit auch auf sandigen Böden.
22 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 23
AUFTAKT
SOM
MER
Sonne & Wandern — Tipps für
Veranstaltungen, die schönsten
Touren und Plätze. All das und
noch vieles mehr.
Summer, Sun & Hiking — Tips for events,
the most beautiful tours and places to visit.
All that and much more.
24 GOING MAGAZIN 25
365 Tage Going am Wilden Kaiser 25
GOINGkalendarium
Unsere wöchentlichen Veranstaltungen im Sommer 2025.
Going gemeinsam erkunden – lerne Deinen Urlaubsort kennen.
Our weekly events in summer 2025. Explore Going together –
get to know your vacation destination.
DIE AKTUELLEN INFOS ZU ALLEN
VERANSTALTUNGEN FINDEST
DU UNTER FOLGENDEM LINK:
Scan me!
MONTAG
DIENSTAG
Familie
Sommerliche
Fackelwanderung
02.06./09.06./16.06.
& 07.07.–25.08.2025
TORCHLIGHT HIKE
Im Schein der Fackel spaziert
ihr gemeinsam mit Carina
durch das Dörfchen Going
und genießen den besonderen
abendlichen Flair.
Treffpunkt: Tourismus Info Going
Uhrzeit: 20–22 Uhr
Anmeldung: bis Sonntag 17 Uhr
kostenlos – nur mit gültiger
GästeCard
Familie
Lipizzaner
Gestütsführung
DIENSTAG, 9.00–9:30 UHR
& SAMSTAG 18:15–18:45 UHR
LIPIZZANER STUD FARM
TOUR AT STANGLWIRT
Bei einer exklusiven Führung
durch die Stallungen der Stanglwirt
Reitschule und deren
privaten Lipizzanergestüts
tauchen Sie ein in die edle Welt
der Barockpferderasse.
Treffpunkt: Reitstall Stanglwirt
Anmeldung: bis zum Vortag 17 Uhr
Familie
Wiesenaction mit
Gisela Gänseblümchen
08.07.–26.08.2025
ACTION WITH GISELA
Ob Fangalex oder Blumenraten,
bei lustigen Wiesenspielen und
Action im Grünen ist der Sommerspaß
garantiert. Wer versteckt
sich in der blühenden Sommerwiese?
Und welche spannenden
Aufgaben gibt es zu lösen? Macht
euch gemeinsam auf den Weg und
ihr werdet des Rätsels Lösung
entdecken – auf der Blumenwiese
von Gisela Gänseblümchen in
Going.
Treffpunkt: Tourismus Info Going
Uhrzeit: 10–16 Uhr
Verpflegung ist selber mitzubringen
Anmeldung: bis Montag 17 Uhr
Genuss
Genussvolle
Momente –
Ein kulinarischer
Spaziergang
GANZJÄHRIG
CULINARY HIKE
Bei diesem „Genussspaziergang“
zwischen Going und Ellmau
erzählt Tourismusmanagerin
Tanja allerlei Wissenswertes
über regionale Kreisläufe und
heimische Produkte. Natürlich
werden die lokalen Spezialitäten
auch verkostet.
Treffpunkt: 10 Uhr bei der Tourismus
Info Going, oder: 10:30 Uhr beim
Bauernladen Wilder Käser in Ellmau
Anmeldung: bis 17 Uhr am Vortag
Freitag Mittwoch
wandern
Wanderung am
Morgen – mit Bergfrühstück
11.06.–27.08.2025
GUIDED HIKING TOUR –
“BREAKFAST ON THE
MOUNTAIN”
Nach der Sonnenaufgangswanderung
durch taunasses Gras,
wartet auf der Blattlalm beim
Astbergsee schon ein Frühstück
auf die ersten Wanderer.
Treffpunkt: Tourismus Info Going
Uhrzeit: 7:30–13:30 Uhr
Anmeldung: bis Dienstag 12 Uhr
Brauchtum
Besuch bei Biobauer
Franz – auf den
Spuren der Goinger
Ursaat
16.05.–12.09.2025
VISIT BIO-FARMER FRANZ
ON HIS FARM
Auf den Feldern rund um den
urigen Hof von Biobauer Franz
hat die Goinger Ursaat ihren
Ursprung. Franz erklärt alles über
die Urkraft der Pflanzen, deren
Anbau und Heilkräfte. Als Dank
erhält jeder Gast seine eigene
„Goinger Ursaat“ zum mitnehmen
und selbst anpflanzen.
Treffpunkt: Biobauer Franz Wallner
(Blaikenweg 33, Going), 10–12 Uhr
nur mit gültiger GästeCard
Anmeldung: bis Vortag 17 Uhr
Familie
Ein Vormittag am
Naturschutzhof
Artenreich*
28.05.–01.10.2025
A MORNING AT THE CONSER
VATION FARM ARTENREICH
Entdecke die Vielfalt am Naturschutzhof.
Das Produkt des
Bauernhofs ist die Artenvielfalt.
Diese reicht von bunten Blumen
über heimische Hecken bis zu
Schmetterlingen und Fledermäusen.
Der Naturschutzhof
hat das Ziel Lebensräume zu
erhalten und neu zu schaffen.
Uhrzeit: 10:20–ca. 11:30 Uhr
Anmeldung: bis Vortag 15 Uhr
Familie
Sommerkonzert der
Bundesmusikkapelle
Going
13.06.–19.09.2025
AUSGENOMMEN 20.06.
CONCERT OF THE
BRASS BAND GOING
Die Goinger Bundesmusikkapelle
präsentiert ein bunt
gemischtes Programm für
alle Musikliebhaber.
Treffpunkt: Kirchplatz Going
kostenlos; keine Anmeldung
erforderlich
Familie
Bau von
Wildbienenhäusern
NACH JEDER FÜHRUNG
AM NATURSCHUTZHOF
CONSTRUCTION
OF WILD BEE HOUSES
Kinder können in diesem spannenden
Workshop kreativ werden
und gleichzeitig etwas für die
Natur tun! Gemeinsam bauen
wir Wildbienenhäuser, die
den kleinen Bestäubern einen
sicheren Unterschlupf bieten.
Ein tolles Erlebnis für kleine
Handwerker und Naturliebhaber!
Dauer: ca. 30–40 Minuten
Materialkosten: € 12
*IM ANSCHLUSS
AN DIE HOFFÜH
RUNG GIBT ES NOCH
OPTIONAL EINEN
WORKSHOP FÜR
KINDER:
26 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 27
WAS SOLL ICH HEUTE TUN?
ELLMAUER SOMMERNACHT
jeden Dienstag, 27. Mai – 2. September
Ellmau
HÖHEPUNKTE
AM ABEND
Musik, Tradition und Unterhaltung findet man
reichlich am Wilden Kaiser. Die Sommerabende
sind auf alle Fälle einen Besuch wert.
Going live
Termine und weitere Informationen ab Seite 30 | Dates and further information from page 30
going
SCHEFFAUER DORFABEND
jeden Donnerstag, 3. Juli – 11. September
In Ellmau geht’s jeden Dienstagabend lustig zu, wenn verschiedene
Live Gruppen ab 18 Uhr im autofreien Ortszentrum für Unterhaltung
sorgen. Die Bummelzone mit lockerer Marktatmosphäre und die zahlreichen
Verpflegungsstände laden in der lauen Sommernacht am
Wilden Kaiser zum Flanieren und Verweilen ein.
Ellmau’s Summer Night
Every tuesday in summer starting at 6pm the entire village center
in Ellmau turns into a car-free strolling area. Shopping until 9pm,
Tyrolean specialities and other delicacies, traditional handicrafts as
well as attractions for the little ones promise an atmospheric evening.
Locals and visitors enjoy the relaxed market atmosphere with live
music and the convivial gathering at the Wilder Kaiser.
Scheffau
Direkt unterhalb der Kirche mitten im Dorfkern mit traumhaftem Blick
auf den Wilden Kaiser treffen sich Einheimische und Gäste am Donnerstag
zum wöchentlichen Dorfabend und Platzkonzert der Bundesmusikkapelle.
Ab 19 Uhr werden an den Standl’n Getränke & lokale Spezialitäten
angeboten und ab 19:30 beginnt das musikalische Programm.
Scheffau Village Evening
Directly below the church in the middle of the village centre, locals and
guests meet on Thursdays for the weekly village square concert of the
Bundesmusikkapelle brass band with a fantastic backdrop of the Wilder
Kaiser mountain range. From 7 pm, drinks and local specialities are
offered at the food stalls, the musical programme begins at 8 pm.
Richtig spannend wird’s, wenn in Going der Kirchplatz
zur Freiluftbühne für ganz besondere Künstler
wird. So findet in den Wochen ohne Handwerkskunstmarkt
immer donnerstags GOING live – ein sommerlicher
Kaiserabend statt. Live am Kirchplatz, und somit
den Wilden Kaiser stets im Blick, sorgen Musiker
aus nah und fern für Ihr ganz besonderes Abendprogramm.
Falls dem Wettergott ein Wetterumbruch einmal
lieber ist, informieren wir auf unserer Facebook
Seite Goinger Kaiserin. Eintritt frei.
The “Emperor evening” in summer — Every Thursday
in summer, in the weeks with no handicraft market,
the emperor evening takes place. Artists and musicians
from near and far travel to Going to display their
talents in front of the Wilder Kaiser. If the weather
god prefers a change in the weather for once we will
inform you on our Facebook page Goinger Kaiserin.
Admission free!
SÖLLER FREITAG
jeden Freitag, 6. Juni – 5. September
Söll
Wenn der Sommer in Söll im Zeichen von gemütlichem Beisammensein,
Live-Musik und Kulinarik steht: Der Söller Freitag lädt wöchentlich
unter dem Motto „Summer Chill“ zum Genießen ein. Ab 18:30 Uhr
öffnen die teilnehmenden Gastgeber*innen im Dorfzentrum die Türen
für Sie und zaubern besondere Gerichte und Getränke. Live-Musik
begleitet Sie stimmungsvoll durch den Abend.
Söller Friday
A summer in Söll, under the sign of the cozy get-together stands, live music
and culinary delights: the Söller Friday invites weekly under the the
slogan “Summer Chill” to enjoy. From 7 pm the local gastronomy in the
village center open their doors for you with special dishes and drinks.
Live music will accompany you through the evening.
28 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 29
GOINGlive
Kaiserabende im Sommer. Auf der Freiluftbühne am Kirchplatz
und somit den Wilden Kaiser immer im Blick, sorgen Künstlerinnen
und Künstler aus nah und fern für das besondere Abendprogramm.
— Live music in summer. On the open-air stage at
the Kirchplatz and thus always in view of the Wilder Kaiser, artists
from near and far provide a special evening program.
SINGENDER
PATER MANUEL
10.07.2025, 20 UHR
Pater Sandesh Manuel ist
ein singender Priester. Seine
Lieder führen in die Tiefe und
berühren. — Father Sandesh
Manuel is a singing priest. His
songs are profound and touching.
DIE SCHNEIDIG’N
24.07.2025, 20 UHR
Ein buntes Repertoire aus
verschiedenen Genres und
mehrstimmigem Gesang.
A colorful repertoire of different
genres and polyphonic singing.
Rodscha und Tom
07.08.2025, 19:30 UHR
Die neue Tanz- und Musikshow
mit den tierischen
Freunden Affe und Rastazebra.
The new dance and music show
with the animal friends monkey
and zebra.
EABOCH MUSI
22.05.2025, 20 UHR
Von fidelen Inntalern über
Ebbser Kaiserklang bis hin
zu Eigenkompositionen.
Die Eaboch Musig bietet ein
abwechslungsreiches Programm.
— From cheerful Inntalers
to Ebbser Kaiserklang and
original compositions. The Eaboch
Musi offers a varied program.
INSANITY SAUCE
30.05.2025 (FREITAG),
20 UHR
Das Repertoire von Insanity
Sauce umfasst Rock und Pop
und zudem zahlreiche eigene
Songs. — Insanity Sauce’s repertoire
includes rock and pop as
well as numerous original songs.
HIGH SOUTH
05.06.2025, 20 UHR
Die Mischung aus Folk, Blues,
Country und Southern Rock,
kombiniert mit dreistimmigem
Gesang weckt starke
Emotionen bei den Zuhörern.
The mixture of folk, blues, country
and southern rock, combined
with three-part vocals arouses
strong emotions in the listeners.
EARCATCHER
14.08.2025, 20 UHR
Zeitlose Klassiker der Musikgeschichte,
begleitet von virtuosem
Saiten- und Tastenspiel.
Timeless classics of music
history, accompanied by virtuoso
string and keyboard playing.
TAKE TWO
28.08.2025, 20 UHR
Mit einer Mischung aus Pop,
Rock, Schlager und Oldies
lässt TAKE TWO keine Musikwünsche
offen. — With a mixture
of pop, rock, hits and oldies,
TAKE TWO leaves nothing to
be desired.
Xandi & Guy
20.06.2025 (FREITAG),
20 UHR
Gefühlvoller Gesang, handgemachte
Musik und mitreißende
Melodien für einen
unvergesslichen Abend!
Soulful vocals, hand made music,
and captivating melodies for an
unforgettable evening!
AKUSTIK ON THE ROCKS
26.06.2025, 20 UHR
Das Powertrio spielt Rockklassiker
im akkustischen
Gewand, hat aber auch ein
paar sorgfältig ausgewählte
Überraschungen im Repertoire.
— The power trio plays
rock classics in an acoustic guise,
but also has a few carefully
selected surprises in its repertoire.
THE WESTERN
COUNTRY BAND
03.07.2025, 20 UHR
Gespielt werden Originale
und die größten Country
Hits aller Zeiten! — Originals
and the greatest country hits
of all time will be played!
I’MPRESSED
11.09.2025, 19:30 UHR
I’mpressed ist die 5-köpfige
Rock & Pop-Partyband aus
Alpbach. — I’mpressed is the
5-piece rock & pop party band
from Alpbach.
PLUSVIERDREI
18.09.2025, 19:30 UHR
Die Austropop-Coverband
bringt Klassiker und moderne
Hits mit frischer Interpretation
und Humor auf die Bühne.
The Austropop cover band brings
classics and modern hits to the
stage with fresh interpretation
and humor.
UNTERLAND 4
25.09.2025, 19:30 UHR
Unterland 4 steht für musikalische
Vielfalt: vom Oberkrainer
bis zum Rock. — Unterland 4
represents musical diversity:
from Oberkrainer to Rock.
30 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 31
HANDWERKSKUNSTMARKT
DER HAND
WERKSKUNST
MARKT IN GOING
Seit 35 Jahren zeigt dieser nun jeden Sommer, wie in Going
das Handwerk zur Kunst wird. Ein Markt an dem sich
Tradition, Kultur und Handwerk stimmig vereinen. An fünf
Freitagabenden erwachen auf dem malerischen Kirchplatz
fast vergessene Fertigkeiten zu neuem Leben.
Handwerk
Wenn die Handwerker am Goinger
Dorfplatz ihren Platz einnehmen,
dann wird das alte Brauchtum wieder
zum Leben erweckt. Hier steht
nämlich nicht der Verkauf im Vordergrund,
sondern die Weitergabe
des Handwerks. Bei diesem Markt
haben Sie die Möglichkeit, dem Sebastian
wie er an einem Korb flechtet
oder den Wallner-Brüdern, die
das jahrhundertealte Drechselrad
wieder in Schwung bringen, über
die Schulter zu schauen. Außerdem
gibt es immer wieder die Möglichkeit,
sogar selbst Hand anzulegen.
Musik
Beständig hört man melodische
Gesänge und alte Tiroler Volksmusik.
Einen Verstärker wird man
jedoch vergeblich suchen, denn auch
hier ist man seinen Wurzeln treu geblieben
und nur die sanften Töne
von Harfe, Weisenbläser, Hackbrett
oder der Ziehharmonika sind zu
hören. Dazu treten Trachtentanzgruppen
und Schuhplattler auf und
zeigen die althergebrachten Tänze,
ganz wie in früheren Zeiten.
Kulinarik
Der Genuss, der darf natürlich nicht
fehlen. Sie werden mit heimischen
Köstlichkeiten verwöhnt. Gekocht
wird natürlich mit regionalen Produkten
und nach alten Familienrezepten
direkt vor den Augen der
Besucher.
Und dann um 20 Uhr, mit Einbruch
der Dämmerung, zieht die
Bundesmusikkapelle Going am
Kirchplatz ein und gibt ein musikalisch
anspruchsvolles Programm
von traditionellen und modernen
Stücken zum Besten.
Info Der Handwerkskunstmarkt
findet an
folgenden Terminen jeweils
von 17–21 Uhr statt:
13. Juni, 18. Juli, 1. &
22. August, 5. September;
35-Jahre-Jubiläums-
Handwerkskunstmarkt
am 3. Oktober, 13–18 Uhr
*
Handicraftmarket Going.
A market which combines tradition,
culture and crafts.
Crafts — Once the craftsmen take
their place on the village square of
Going, the old customs are brought
back to life for five Friday evenings
in the summer.
In this market the sale of the
product is not the most important
thing – it’s the preservation of the
handicraft. Because here you have
the unique possibility to watch
while Sebastian is braiding a basket.
Sometimes you also have the
chance to help out.
Music — No matter where you are
at the market, melodic chants and
traditional Tyrolean folk music will
follow you everywhere. However,
you will not see an amplifier anywhere
because we are true to our
roots and only the melody of the
harp, dulcimer or accordion can be
heard. Also enjoy the performance
of the national costume group.
Culinary — The indulgence can’t
be missed. You will be spoiled with
local delicacies. The chefs certainly
only cook with regional products
and the dishes are based on old family
recipes.
And at 8 pm before it starts to
dawn, the brass band of Going arrives
at the church square and will
entertain you with their traditional
and modern music programme.
Entry is free and the handicraf
market is held rain or shine.
Info The handicraft
market is held between
5 pm and 9 pm on
the following dates:
13 June, 18 July, 1 &
22 August, 5 September;
35th anniversary
handicraft market
on 3 October, 1–6 pm
Der Eintritt ist frei. Die Handwerkskunstmärkte
finden bei
jeder Witterung statt.
Gestickte Ver zierungen machen den Ranzen zu etwas ganz Besonderem.
32 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 33
HANDWERKSKUNSTMARKT
35 JAHRE HAND-
WERKS KUNST
MARKT GOING
Seit 1987 ist der Handwerkskunstmarkt ein
fester Bestandteil der Region und begeistert mit
seiner Vielfalt an traditionellem Kunsthandwerk,
regionalen Gaumenfreuden und musikalischer
Unterhaltung Besucher*innen aus nah und fern.
Es braucht große Träume
und Visionen, um derartiges
auf die Beine zu
stellen. Toni Pirchl, damals Vorsitzender
des Tourismusverbands
Going, hatte beides. Mit der Umsetzung
seiner Idee betraute er
Josef Adelsberger. Im Interview geben
beide spannende Einblicke in
die Anfangszeit und erinnern sich
an Herausforderungen und besondere
Momente zum Jubiläum des
Goinger Handwerkskunstmarkts.
Wie kam es zu der
Idee, in Going einen
Handwerkskunstmarkt
zu veranstalten?
Toni Pirchl: Ich war 1987 Vorsitzender
des Tourismusverbands
Going und suchte stetig nach Inspirationen
für Veranstaltungen,
für die wir Gäste und Einheimische
begeistern könnten. Fündig wurde
ich schließlich während eines
Spanienurlaubs, bei dem ich mallorquinische
Handwerkskunst auf
einem Markt in Valldemossa bewundern
konnte. Ich war sofort
begeistert und wollte etwas Derartiges
auch in Going auf die Beine
stellen.
Also ging es mit der
Idee im Gepäck zurück
aus dem Urlaub?
Toni Pirchl: Genau. Zurück daheim
in Going gab es nicht nur
Zustimmung, sondern auch viele
zweifelnde Stimmen, ob ein Handwerkskunstmarkt
realisierbar wäre
und Anklang finden würde. Aber
ich war fest entschlossen und habe
sofort Josef mit der Organisation
und den Vorbereitungen beauftragt.
Josef, du warst damals
erst Anfang 20. Wie
sind deine Erinnerungen
an diese Zeit?
Ein Ranzen mit
persönlicher Note.
Josef Adelsberger: Noch bevor ich
genau wusste, was da auf mich zukommt,
war ich eigentlich schon
mittendrin. Toni erzählte mir im
März von seiner Idee und bereits
im Sommer sollte der Handwerkskunstmarkt
stattfinden. Wenig Zeit
also. Ich habe mich umgehend auf
die Suche nach passenden Handwerken
begeben und Treffen mit
den Bäuer*innen organisiert,
schließlich wollten wir unseren
Besucher*innen auch kulinarisch
etwas bieten und Einblicke in unsere
Esskultur geben.
War es leicht, geeignete
Aussteller*innen und
Handwerke zu finden?
Josef Adelsberger: Das Interesse
war da, allerdings hatten einige
Hemmungen, ihre Kunstart zu zeigen.
Hier galt es von meiner Seite
aus zu überzeugen und auch zu unterstützen.
Ich habe in dieser Zeit
viel über den Umgang mit unterschiedlichsten
Menschen gelernt.
Das hat mich auch für mein weiteres
Leben sehr geprägt.
Ob Glockenstuhlbau, die Herstellung
von Rechenzähnen oder
Korbflechten – langsam stellten
wir ein buntes Angebot zusammen.
Schlussendlich waren beim
ersten Handwerkskunstmarkt 50
Aussteller*innen vertreten. Uns war
von Anfang an wichtig, die Wertigkeit
des Handwerks und die Tradition
zu vermitteln. Diesen Ansatz
haben Gäste und Einheimische
honoriert und genau das machte
uns erfolgreich.
Wie war er denn dann,
der erste Handwerkskunstmarkt
im August 1987?
Josef Adelsberger: Ein paar schlaflose
Nächte hatte ich in den Wochen
vorher schon hinter mir. Die
Aufregung war groß. Am Tag selbst
war ich erstmal erleichtert, dass es
auch der Wettergott gut mit uns
meinte und der Aufbau gut funktioniert
hatte. Dann ging es auch
schon los: Jede*r Besucher*in bekam
nach der Bezahlung von 20
Schilling ein Holzscheit, welche von
den Goinger Schützen verteilt wurden.
Ich wollte bewusst keine klassischen
Eintrittstickets, sondern den
Besucher*innen etwas Wertiges geben,
das auch sofort für Gesprächsstoff
sorgte.
34 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 35
HANDWERKSKUNSTMARKT
Was hatte es
damit auf sich?
Josef Adelsberger: Die Holzscheite
wurden später aufgeschichtet und
damit ein großes Feuer entfacht.
Wir haben die Besucher*innen also
interaktiv eingebunden und teilnehmen
lassen. 2000 Stück hatten
wir vorbereitet. Schon um 19 Uhr
waren diese aufgebraucht, doch
der Besucherstrom riss nicht ab.
Ein voller Erfolg!
Toni Pirchl: Auch ich erinnere
mich noch gut an den Veranstaltungstag.
Ich kam nach einem Termin
zurück nach Going und konnte
meinen Augen kaum glauben. Mit
dieser Anzahl an geparkten Autos,
The Goinger handicraft market:
35 years of tradition and craftsmanship.
Since 1987, the Goinger
handicraft market has been an integral
part of the region. This event offers
a variety of traditional arts and
crafts, regional delicacies and musidie
vom Stangl bis hin zur Blattlbrücke
reichte, hatte ich nicht gerechnet.
Natürlich bin ich sofort
eine Runde über den Handwerkskunstmarkt
geschlendert, habe mir
ein Bild gemacht und mich umgehört,
wie er denn so ankommt. Da
wusste ich, wir haben es geschafft!
Was macht den Handwerkskunstmarkt
eurer Meinung
nach so besonders?
Drechseln –
ein Handwerk
mit Tradition.
cal entertainment, attracting visitors
from near and far. — Toni Pirchl,
at the time chairman of the Going
tourism association, had the vision
and dream of establishing such a
market. Together with Josef Adelsberger,
who was commissioned with
the organization, they put this idea
into practice.
During a vacation in Spain,
Pirchl was inspired by the Mallorcan
craftsmanship in Valldemossa and
wanted to create something similar
in Going. On his return, he was
met with both approval and doubts.
Nevertheless, he pushed through
his idea and commissioned Adelsberger,
who was only in his early 20s
at the time, with the preparations.
Despite the short preparation time,
Adelsberger managed to find suitable
craftsmen and organize meetings
with the farmers’ wives to offer
visitors culinary insights.
At the first craft market in August
1987, 50 exhibitors were represented.
The event was a success right
from the start. A special moment of
the first market was the distribution
of logs to the visitors, which were
later piled up and lit into a large
fire. This interactive involvement
of the visitors contributed to the
special atmosphere of the market.
The success of the handicraft maranstaltung
gemeinsam auf die Beine
zu stellen und auch in den Folgejahren
zu sehen, wie die Entwicklung
voranschreitet – das ist schon
etwas, worauf ich noch heute stolz
bin.
Toni Pirchl: Die Idee und das Konzept
haben überzeugt. Noch dazu
haben wir mit dem Goinger Marktplatz
den perfekten Veranstaltungsort,
der dem Ganzen ein besonderes
und authentisches Ambiente verleiht.
In den darauffolgenden Jahren
haben viele Gemeinden versucht,
unseren Handwerkskunstmarkt zu
kopieren. Da wir unser Hauptaugenmerk
aber wirklich auf die Regionalität
gelegt haben, konnten wir
uns immer abheben.
35 Jahr-Jubiläum: Habt
ihr – als politischer Vater
und als Organisator des
Handwerkskunstmarkts
– Wünsche, was dessen
Zukunft angeht?
Toni Pirchl: Dass er sich seine
Authentizität möglichst bewahrt,
Tradition und Handwerk im Mittelpunkt
stehen und möglichst unverfälscht
weitergetragen werden.
Josef Adelsberger: Ich würde mir
wünschen, dass es gelingt, auch jüngere
Generationen für die Handwerke
und deren Wertigkeit zu begeistern.
Sowohl bei den Gästen als
auch bei Einheimischen. Und, dass
die Veranstaltung allen Beteiligten
weiterhin so viel Freude macht, wie
uns damals!
Info Der Goinger
Handwerkskunstmarkt
findet mittlerweile an
fünf Freitagen von Juni
bis September statt.
Durchschnittlich 60
Aussteller und Handwerker
zeigen dabei
ihre Kunstfertigkeiten
und Traditionen. Auch
Feinschmecker kommen
auf ihre Kosten und
können aus einer Reihe
an regionalen Schmankerln
auswählen. Für
die perfekte Stimmung
sorgen unterschiedliche
Musikgruppen und
junge Tänzer*innen und
Schuhplattler*innen.
2025 feiert der beliebte
Handwerkskunstmarkt
sein 35-Jahre-Jubiläum.
*
Josef Adelsberger: Die Idee war
einfach so genial: diese Symbiose
aus Handwerk, traditionellen
Schmankerln und geschichtlichem
Hintergrund in Kombination
mit der Zusammenarbeit mit
Bauern und Landjugend. Diese Ver-
Spinnen mit
dem Spinnrad.
ket was based on the ingenious idea
of combining handicrafts, traditional
delicacies and historical
background. Cooperation with
farmers and rural youth was an important
aspect of this. The Goinger
market square also provided the
perfect venue, giving the whole
event an authentic ambience.
Today, the Goinger handicraft
market takes place on five Fridays
from June to September. An average
of 60 exhibitors presents their
crafts and traditions. Visitors can
enjoy regional delicacies and experience
various music groups as
well as young dancers and “Schuhplattler”.
On the 35th anniversary of
the market, Pirchl and Adelsberger
look back proudly on the development
and success of the event.
For the future, both hope that the
craft market will retain its authenticity,
and that tradition and craftsmanship
will continue to take center
stage. They hope that younger generations
can also be inspired by the
value of craftsmanship. They want
everyone involved to continue to
enjoy the event.
Over the years, the Goinger
handicraft market has developed
into an important cultural event
in the region that delights visitors
and locals alike.
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Seit über 400 Jahren steht der Traditions-Gasthof
Stanglwirt für Tiroler
Gastlichkeit und mehrfach ausgezeichnete
Kulinarik. Knarrende
Treppen, raues Altholz und die gemütliche
Atmosphäre schaffen ein
unverwechselbares Ambiente, das
Gäste immer wieder fasziniert. Die
Gastgeberfamilie Hauser sorgt mit
Herz und Hingabe dafür, dass Traditionen
lebendig bleiben und besondere
Momente gefeiert werden.
Ein sommerliches Highlight ist
das Frühschoppen, das jeden ersten
Sonntag im Monat von Mai bis
September unter dem Kastanienbaum
auf der Gasthof-Terrasse statt-
findet. In geselliger Runde genießen
Gäste zünftige Musik und urige
Wirtshauskultur – ein echtes Stück
Tiroler Lebensfreude.
Ein Höhepunkt des Jahres ist das
Sängertreffen, bei dem die besten
Sänger und Musikanten des Alpenraums
zusammenkommen. Dieses
besondere Event, das bereits zum
137. Mal am 15. November 2025 stattfindet,
ist eine Herzensangelegenheit
der Familie Hauser und verbindet
Volksmusik, Tradition und
Lebensfreude.
In der Adventszeit lockt der beliebte,
urig-romantische Christkindlmarkt
mit Glühweinduft,
stimmungsvoller Musik und traditionellem
Handwerk – ein besinnlicher
Jahresausklang für Groß
und Klein.
Ob kulinarisch, musikalisch
oder gesellig – dieses Traditionshaus
vereint gelebte Bräuche und
herzliche Gastfreundschaft. Erleben
Sie unvergessliche Momente,
daheim beim Stanglwirt.
BIO-HOTEL
Stanglwirt
Kaiserweg 1
6353 Going am Wilden Kaiser
T: +43 5358 2000,
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38 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 39
FÜR DIE GANZE FAMILIE
REIT’ MIT MIR INS
ABENTEUERLAND
Hoch oben, erwarten einen nicht nur ein fesselndes
Naturkino-Panorama, sondern auch 22 Shetlandponys.
LEHRPFAD AM
ASTBERGSEE
Unscheinbar sieht sie aus,
die Talstation der Astbergbahn,
die sich mitten
im Wohngebiet in Going harmonisch
in die grüne Wiese einfügt.
Fast, als habe sie immer schon dort
gestanden. Bereits in den frühen
Morgenstunden, wenn der Wilde
Kaiser von der gegenüberliegenden
Seite herüberblinzelt, lässt sich ein
atemberaubendes, fast kitschiges
Alpenpanorama erahnen.
Zwischen Himmel
und Erde
Nicht ohne Grund wurde an diesem
besonderen Fleckchen Erde
eine Sesselbahn errichtet. Denn
wer sich einmal gefragt hat, wie es
sich anfühlen mag fliegen zu können,
der kommt dem Gefühl auf der
Astbergbahn sehr nahe. Gemütlich
schaukelt man über Wiesen und Felder,
Bäche und Baumwipfel, die zum
Greifen nahe scheinen. Immer eine
leichte Brise duftender Bergluft in
der Nase. 1.500 m ist sie lang, die
1961 errichtete und 2020 generalüberholte
4er-Sesselbahn auf den
Astberg. Sie überwindet in 10 Minuten
mühelos die 470 m Höhendifferenz.
Eine Zeit, in der sie ihre
Mitfahrer in eine andere Welt entführt,
entschleunigt und beruhigt.
Eine Reise fast wie in die Vergangenheit,
in der Augenblicke zu Erlebnissen
werden und Urlaub genau
das ist, was er sein sollte: erholsam
und das Gefühl, mit der Natur eins
zu sein. Im Rücken liegt das Massiv
des Wilden Kaisers, fast als wollt’ es
seine Besucher bis nach oben begleiten
und seine Pracht auf jedem
Höhenmeter erneut demonstrieren.
Starkino in
der Natur
Sie gelten als Plätze der Inspiration,
der Heilung – voll von Mystik
und Geheimnissen. Seit Jahrtausenden
ziehen sie die Menschen
in ihren Bann. Es heißt, die Berge
Die Ponys
genießen ebenfalls
den Sommer und
die Streicheleinheiten
auf der Pony Alm.
der Alpen strahlen eine ganz besondere
Energie aus. Hier heroben
am Kamm des Astberges zeigt
das Massiv des Wilden Kaisers endgültig
stolz seine wahre Größe. Ob
im geheimnisvollen Morgennebel
oder im glamourös, goldglänzenden
Abendlicht, hier wird die
Natur zum Kinoerlebnis und der
Wilde Kaiser zum Hauptdarsteller.
Am besten lässt sich das Schauspiel
von einer der gemütlichen Holzliegen
auf den Plateaus unterhalb des
Astbergsees bewundern. Apropos
bewundern, wer seinen ganz persönlichen
Urlaubsstreifen drehen
möchte, der ist hier genau richtig.
Denn das Kaiserkino ist einer der
zahlreichen Instagram Spots der
Region. Also Film ab!
Die Naturkräfte
der Berge
Auf der gegenüberliegenden Seite
des Wilden Kaisers, in südlicher
Richtung eröffnet sich das Panorama
der Kitzbüheler Alpen mit dem
markanten Kitzbüheler Horn. Die
Grasberge sind es, die diese Landschaft
prägen und ganz im Kontrast
zu den steilen und felsigen Hängen
des Wilden Kaisers stehen. Von
Weitem grüßt Österreichs höchster
Berg, der Großglockner inmitten
der Hohen Tauern. Der Astbergsee
gibt die Schönheit der Berge wieder
und wird deshalb nicht ohne
Grund des „Kaisers Spiegel“ genannt.
Er bildet die Grenze zwischen
den zwei Welten, zwischen
steilen Felsen und sanften Hügeln.
Ein besonderer Energieplatz mit
360° Rundumblick.
Hü und Hott
Unweit der Astbergbahn Bergstation
haben die Ponys den besten
Ausblick. Die Shetlandponys
genießen hier gemeinsam mit
ihren Fohlen die Sommerfrische
auf der Alm. Sobald die Wiesen auf
der Pony Alm ihre feinsten Gräser
und Kräuter wachsen lassen, gibt
es für die Frischluftpferde aber
kein Halt mehr. Hier auf 1.250 Metern
fühlen sie sich wohl, ob auf
ihrer Koppel oder in den gemütlichen
Holzunterständen. Somit ist
für Mensch und Tier eine weitere
einzigartige Erlebniswelt geschaffen
worden. Denn nicht nur die
Ponys, sondern auch die restlichen
tierischen Bewohner der Alm, wie
Schafe und Ziegen genießen die
zahlreichen Streicheleinheiten
der kleinen Besucher. Kinder lernen
hier spielerisch den Umgang
mit Umwelt, Natur und Tier. Zu-
40 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 41
FÜR DIE GANZE FAMILIE
traulich schnuppern die Shettys mal
hier und mal dort. Fertig gesattelt
geht es ab auf den Rücken der Pferde
entlang der gut befestigten Trabwege.
Während die Eltern die Ponys
den Fußweg entlangführen, lassen
die kleinen Pferdefreunde die Beine
baumeln. Hinter der nächsten Kurve
bietet der Fotopoint mit überdimensionalem
Hufeisen und Ausblick
auf die Bergwelt eine gute Gelegenheit,
die Kamera auszupacken.
Die gutmütigen Ponys halten still,
die kleinen Reiter strahlen stolz. Am
Ende des Trails nehmen die Mitarbeiter
der Pony Alm die vierbeinigen
Freunde wieder in Empfang.
Zum Abschied gibt es noch ein paar
Streicheleinheiten und eine ordentliche
Portion Bergheu.
Frühstück
am Berg
Auch zweibeinige Besucher können
beim sonntäglichen Bergfrühstück
auf der Blattlalm mit frischer Kuhmilch
und hausgemachten Produkten
aus der eigenen Landwirtschaft
Naturkraft tanken. Es ist erstaunlich,
wie anders so ein Frühstück
fernab von jeglicher Hektik inmit-
ten der wunderschönen Bergwelt
schmeckt. Neben dem Frühstück
bietet Familie Oberleitner auch viele
andere kulinarische Schmankerln.
Ein Geheimtipp ist die täglich frische
Buttermilch von den Kühen
der umliegenden Almen.
Mit leichten
Schritten den
Horizont entlang
Gestärkt geht es weiter rund um
den Astberg. Die leichte, auch für
Familien bestens geeignete Wanderung,
führt gut beschildert durch ein
kleines Waldstück, später über eine
Forststraße, vorbei an sanften Bergwiesen
direkt zum jezz AlmResort
oder zum Treichlhof. Von hier aus
hat man einen großartigen Blick auf
die westliche Seite des Wilden Kaisers
und das nahe Inntal. Über einen
Wald- und Wiesenweg führt der
Weg zurück zum Ausgangspunkt.
Wer mag, kann die 470 Höhenmeter
Richtung Tal zu Fuß erledigen.
Oder man gönnt sich die Talfahrt
mit der Astbergbahn. Dann
kann dem Wilden Kaiser noch einmal
Tribut gezollt werden. Dieses
Mal von Angesicht zu Angesicht mit
der südlichen Flanke des majestätischen
Massivs zu Tal schwebend in
der abendlichen Sonne. Ein Ausflug
der einem einmal mehr die Großartigkeit
der Natur gezeigt und die
Stärke in einem selbst genährt hat.
„Adieu, lieber Astberg, wir sehen
uns bestimmt wieder!“
*
Ride with me into a land of
adventure! — It’s not just a captivating,
panoramic natural cinema
that awaits those venturing high
above Going am Wilden Kaiser.
Since 2019, there are also 22 Shetland
ponies! These small, shaggy-coated
horses are the pride of the Pony Alm:
the seventh of SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental’s
themed parks.
Up here on the Astberg ridge,
the Wilder Kaiser massif proudly
reveals its true scale. This is a place
of inspiration and healing, full of
mysticism and secrets, which has
held people in its thrall for thousands
of years.
Between heaven and earth —
Whether in the mysterious morning
mist or the glamorous, golden light of
evening, here nature becomes a cinematic
experience with the Wilder
Kaiser in the leading role. The top
spot to admire the spectacle is from
one of the comfy wooden loungers
on the plateau below Astberg’s lake.
Admiring the scenery, while anyone
who wants to film their own holiday
feature has come to the right place,
because the “Kaiserkino” cinema is
one of the region’s most Instagrammable
locations. So get shooting!
22 Shetland ponies are waiting
for you at the mountain station
— Not far from the Astberg mountain
railway station, the ponies have
the best view. The Shetlands and
their foals enjoy their summer
holidays on the mountain pasture.
They feel at home up here at 1,250
metres, whether in their paddock
or in their cosy wooden shelters.
With the Pony Alm, SkiWelt Wilder
Kaiser-Brixental has added another
unique themed park on the mountain.
Here, children have fun learning
how to interact with the environment,
nature and animals. The
ponies snuffle around confidently.
Once saddled up, the ponies carry
youngsters along the well-surfaced
pony trails. While parents lead the
ponies, little pony pals get to swing
their legs. Around the next bend,
the photo point with its gigantic
horseshoe and view of the mountain
landscape provides a great opportunity
to get cameras out. The
good-natured ponies stand still, and
little riders beam proudly. When the
Pony Alm staff collect the four-legged
friends at the end of the trail
there is time for some hugs and a
Spiel und Spaß auf
der Pony Alm – Zwei
kleine Abenteurer toben
fröhlich am Astberg
hearty portion of mountain hay to
say goodbye.
With light steps along the hiking
trail — An easy, well-signposted
hike that’s also perfect for families
leads through a small patch of
woodland and then along a forest
track past gentle mountain meadows
directly to the jezz AlmResort
or Treichlhof. From here, visitors
can enjoy an amazing view of the
western side of the Wilder Kaiser
and the nearby Inn Valley. The path
then passes through forest and
meadows back to the start.
The 470-metre descent towards
the valley can be tackled on foot. Or
simply take the Astberg mountain
railway for another chance to pay
tribute to the Wilder Kaiser – this
time face to face with the southern
flank of the majestic massif as
you glide down into the valley in
the evening sun. The ticket can be
bought only at the valley station. It’s
a trip that once again highlights the
magnificence of nature and nourishes
your inner strength. “Farewell,
dear Astberg – we’ll definitely return!”
Bergbahn GOING
ASTBERGBAHN
Marchstraße 53
6353 Going am Wilden Kaiser
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42 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 43
SOMMER
»DIE BESTEN DINGE IM
LEBEN SIND NICHT DIE, DIE MAN
FÜR GELD BEKOMMT.«
44 GOING MAGAZIN 25
365 Tage Going am Wilden Kaiser 45
DAS ALPINE EHRENAMT
DIE RETTER
IN DER BERGNOT
Die Bergrettung St. Johann: Die Region Wilder Kaiser
ist ein Schlaraffenland für Natur- und Bergbegeisterte,
Sommer wie Winter. Der Grundton, der dabei zu
jeder Zeit mitschwingt? Der Berg ist größer und stärker
als der Mensch. Immer.
In den Bergen Tirols kann man
sich – unter Vorbehalt der
Alpin-Ethik – frei bewegen.
„Für mich privat ist das alpine
Gelände der letzte Ort, der absolute
Freiheit garantiert“, sagt
Markus Prantl, Ortsstellenleiter
der Bergrettung St. Johann, ehrfürchtig.
Sollte man sich beim Genuss
der Freiheit in eine kritische
Situation begeben, kann man darauf
vertrauen, dass einem geholfen
wird. Das ist Markus Prantl, seinem
Team und der gesamten Bergrettung
Tirol zu verdanken.
Profession
mit Passion
Die Bergrettung St. Johann wuchs
im Jahr 1947 aus dem Alpenverein
heraus und bestand primär aus
Bergführern. „Sie haben sich einfach
dazu berufen gefühlt“, erzählt
Markus Prantl. Heute findet man
einen professionellen Verein vor,
der 24/7 abrufbereit ist.
In Tirol gibt es 91 Ortsstellen mit
rund 4.600 Mitgliedern, die größtenteils
ehrenamtlich agieren. Unter
dem 63-köpfigen Team der Ortsstelle
St. Johann befinden sich sechs
Bergführer, sechs Ärzte und zwei
Hundeführer, die mit ihren Hunden
pro Jahr jeweils 500 Ausbildungsstunden
für Lawineneinsätze investieren.
Das gesamte Team nimmt
jährlich bis zu 40 Schulungen wahr
– dafür wird unentgeltlich eigene
Freizeit aufgewendet. Die Entlohnung
erfolgt auf andere Weise, so
Markus Prantl: „Unser Antrieb ist
eine unglaublich ehrliche und tiefgründige
Dankbarkeit, die uns entgegengebracht
wird. Man weiß, wie
schnell es passieren kann, dass man
sich in einer misslichen Lage wiederfindet.
Der Dank für unseren geleisteten
Einsatz ist sehr viel wert.“
Schritt für Schritt ans Ziel.
Am Wilden Kaiser
„dahoam“
„Wir setzen unsere Standards
selbst“, so Markus Prantl. Nämlich
nach den Anforderungen des eigenen
Gebiets, das Flexibilität verlangt.
Das Haupteinsatzgebiet der
Bergrettung St. Johann umfasst den
Wilden Kaiser und die Grasberge
der Kitzbüheler Alpen und erstreckt
sich über vier Gemeinden: Going,
Kirchdorf, Oberndorf und St. Johann
– wobei jedoch weniger die
Gemeindegrenzen als vielmehr die
Zugänglichkeit zum Unfallort ausschlaggebend
ist. „Bei Schönwetter
macht vieles der Hubschrauber,
nur bei Dunkelheit und Schlechtwetter
wird es schwieriger“, erzählt
der Ortsstellenleiter.
Für diese und andere Fälle ist die
Bergrettung St. Johann einzigartig
ausgestattet. Sie verfügt neben modernster
Canyoning- und Kletter-
Ausrüstung über zwei Einsatzfahrzeuge
und zwei der drei in Tirol
verfügbaren Dampfsonden, die bei
besonders schneereichen Lawinenunfällen
eingesetzt werden. Die private
Ausrüstung obliegt jeder und
jedem selbst und beinhaltet persönliche
Gegenstände wie Bekleidung,
Helm, Klettergurt, LVS und
Ski-Equipment.
Mit vollem
Einsatz
Im Schnitt sind es ca. 50 Einsätze pro
Jahr, die in einem zeitlich begrenzten
Rahmen stattfinden. Zwischen
Mai und September ist „Hochsaison“
mit etwa einem Einsatz an jedem
dritten Tag. Im Jahr 2024 waren
es 15 % mehr Einsätze als im Vorjahr
– ein Trend, der sich abzeichnet.
Vom Eingang des Notrufs bis
zum Start des Einsatzes vergehen
zur wenige Minuten – bis die Bergrettung
am Einsatzort ist, dauert es
meist länger. Die Einsatzorte sind
häufig sehr abgelegen, was die Bergungen
erschwert. An jedem Einsatz
sind eine Einsatzleitung, die sogenannte
Bergemannschaft und das
medizinische Team beteiligt. Die
Größe des Einsatzteams wird da-
46 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 47
DAS ALPINE EHRENAMT
Grenzenlose Weite!
bei maßgeblich durch die Art des
Einsatzes und die Verfügbarkeit der
freiwilligen Mitglieder bestimmt.
Ein essenzieller Bestandteil eines
Einsatzes ist die Einsatznachbesprechung.
Vor allem dann, wenn
mehrere Organisationen an einer
Bergung beteiligt waren. Erlebtes
wird direkt nachbesprochen.
Es geht dabei auch um die mentale
Verarbeitung, manchmal benötigt
es psychologische Nachbetreuung
mit einem geschulten „Peer
Team“. „Es hat sich bei uns so etabliert,
dass wir miteinander sprechen
und nichts runterschlucken.
Wir möchten nicht hart sein, sondern
einen offenen und ehrlichen
Umgang pflegen“, so Markus Prantl.
Er erinnert sich auch an seinen ersten
Einsatz: „Leider konnten wir die
Person nur noch tot bergen. Mein
damaliger Einsatzleiter hat mich am
selben Abend noch angerufen und
gefragt, wie es mir geht. Er hat mir
ein offenes Ohr angeboten. Das hat
in mir ein schönes und wichtiges
Gefühl der Geborgenheit ausgelöst.
Das habe ich mir auch als Mantra
für meine Leute mitgenommen.“
»WIR MÖCHTEN
NICHT HART
SEIN, SONDERN
EINEN OFFENEN
UND EHRLICHEN
UMGANG
PFLEGEN«
Quartalsmäßig findet auch ein übergreifendes
Meeting der Bergrettung
Tirol statt, wo ein Austausch über
erprobte Methoden stattfindet und
über schwierige Einsätze gesprochen
wird – und was man hätte besser
machen können.
Aus-Bildung
„Die Bergrettung Tirol bildet niemanden
zum Alpinisten aus, das
muss die Person schon sein“, erklärt
Markus Prantl den Einstieg
in die Bergrettung. Zudem müssen
Resilienz und Teamfähigkeit als Eigenschaften
mitgebracht werden.
Interessierte melden sich bei der
Ortsstelle und füllen einen Bericht
über absolvierte Kletter-, Ski- und
Hochtouren aus, der im Anschluss
intern in Bezug auf Erfahrungen
und Leistung besprochen wird.
Wird beschlossen, dass eine Person
als Mitglied geeignet ist, wird
sie ein Jahr lang in Anwartschaft
aufgenommen und zur bedingten
Mithilfe bei Einsätzen herangezogen.
In diesem ersten Jahr gilt es
Prüfungen und Kurse zu absolvieren,
erst dann dürfen Sommer- und
Winterkurse, die sich über mehrere
intensive Tage erstrecken, angetreten
werden. Im Schnitt dauert es
2,5 Jahre bis zur abgeschlossenen
Ausbildung.
Rettung schafft
Verbindung
Auch über Ländergrenzen hinaus
bleiben Freiwilligkeit und Hilfsbereitschaft
bestehen. Es werden
nachhaltige Verbindungen geschaffen,
erinnert sich Markus an einen
privaten Urlaub im Iran mit spontanem
Rettungseinsatz: „Wir haben
eine Frau über einen Notausstieg
aus einem Canyon gerettet. Mehr als
24 Stunden hat sie dort verbracht –
inklusive gescheitertem Hubschraubereinsatz.
Wir sind bis heute mit
der Familie in Kontakt.“
Denn laut Markus gibt es keinen
Fleck, von dem eine in alpine
Notlage geratene Person nicht weggebracht
werden kann. „Wir haben
das Können und die passende Ausrüstung.
Und solange es sich mit
dem Risiko – auch für einen selbst
– vereinbaren lässt, sind wir da.“
Die Devise lautet Eigenschutz vor
Fremdschutz, auch wenn ein unkalkulierbares
Restrisiko bleibt.
Daher der Appell an die Eigenverantwortung:
Auch wenn Hilfe bereitsteht,
die Prävention aus eigener
Hand bleibt.
Info Europäische
Notrufnummer: 112
Bergrettung: 140
*
The Alpine Rescue Service: Your
Local Mountain Rescue Team
in St. Johann. “The alpine terrain
is the last place that guarantees freedom”,
says Markus Prantl, head of the
St. Johann Alpine Rescue Team. However,
he also knows: “It happens easily
to find yourself in a critical situation.”
Trusting that someone is there
to help is only guaranteed because
of him, his team, and the Tyrolean
Alpine Rescue Service.
Passionate Professionals —
Tyrol counts 91 local teams in total
with about 4.600 voluntary members,
from which 63 are active 24/7
in St. Johann. The local team includes
six mountain guides, six doctors
and two dog-guides, for whom
trainings are especially important.
That is why the team invests their
unpaid spare time to participate in
up to 40 training events per year.
Compensation takes on a different
form, explains Markus Prantl: “The
open and honest gratitude people
and patients share with us is what
keeps us going!”
At home — “We define our own
standards”, says Markus Prantl,
“which are based on the needs of
the terrain.” The main area of their
rescue missions includes the region
of The Wilder Kaiser, parts of the
Kitzbüheler Alps and the four towns
of Going, Kirchdorf, Oberndorf, and
St. Johann – whereas their area is
much more about the accessibility
of the terrain. When it is clear
sky, the helicopter is there to support,
however, when it gets dark
or weather turns bad, the team has
unique equipment and knowledge
available.
Total Commitment — The team
is active in about 50 rescue missions
per year that happen mostly
between May and September. In
2024, the team has served in 15 %
more operations than the year before.
Only a few minutes pass between
an emergency call and the
start of a mission, however, until
the team reaches the place of emergency,
it mostly takes a lot of time
due to the remoteness of the terrain.
The debriefing is an essential
part of each rescue mission – especially
in case multiple teams were
active. “We want to foster open and
honest communication and not
Die Weite und
Schönheit der Berge auf
sich wirken lassen.
hold back”, says Markus Prantl. He
also remembers his very first mission:
“Unfortunately, my first mission
was one of fatal ending. My
teammate called me the same day
to ask about how I feel. He offered
me to talk about what happened and
to process what I saw. This led to
a feeling of safety, which is what
I took with me for my team today.”
A plea for sanity — There is no
place Markus Prantl and his team
cannot reach to rescue a person in
need: “We have the know-how and
the right equipment. As long as we
can mitigate the risks, we are there
to support.” However, prevention
needs
Info European
Emergency Number: 112
Alpine Rescue Service: 140
48 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 49
Alle vier Jahre schärft der
Tourismusverband Wilder
Kaiser seinen Fokus
und adaptiert seine strategische
Ausrichtung. So können wir bestmöglich
auf veränderte Rahmenbedingungen
und Ansprüche von Gästen,
Mitgliedern und Partner*innen
reagieren. Ausgehende von unserer
Positionierung haben wir uns für
2028 elf Ziele in drei Wirkungsbereichen
(ökologisch, ökonomisch
und gesellschaftlich) vorgenommen,
an denen wir in den nächsten
Jahren arbeiten möchten.
Ökologischer
Wirkungsbereich
Mit unserem Angebot der Grünen
Anreise fördern wir die Anreise mit
der Bahn. So können unsere Gäste
umweltfreundlich an den Wilden
Kaiser reisen und in den vier Kaiserorten
unsere vielen kostenlosen
Mobilitätsangebote nutzen.
Die Elektrifizierung unserer Skiund
Wanderbusse, neue Kursführungen
und attraktive Bushaltestellen
sind ebenfalls in den nächsten
vier Jahren geplant. Mithilfe unserer
regionalen Mobilitätsangebote
und -maßnahmen ist es unser Ziel,
den CO2-Fußabdruck unserer Urlaubsgäste
deutlich zu verringern.
Ökonomischer
Wirkungsbereich
Mit attraktiven Angeboten und
zielgerichtetem Marketing möchten
wir die Nachfrage in Saisonzeiten
mit geringerer Auslastung verlagern.
Mit zusätzlichen Angeboten
und weiteren Investitionen in die
Infrastruktur reagieren wir auf die
Chancen und Risiken der klimatischen
Veränderungen.
Mit den neuen Angeboten
JÄNNERplus und MÄRZplus
starten wir bereits 2025 durch.
JÄNNERplus
Das JÄNNERplus beinhaltet ein exklusives
und großteils kostenloses
Programm, das keine Wünsche offenlässt.
Ob Schneeschuhwanderung,
Lamatrekking, ein Rodelabend
oder Skiguiding in der SkiWelt
Wilder Kaiser Brixental (inklusive
Geheimtipps der Profis) – das vielseitige
JÄNNERplus-Angebot bietet
eine große Auswahl an Aktivitäten,
auf und abseits der Pisten.
MÄRZplus
Während unsere schneesicheren
Pisten noch zum Skifahren einladen,
beginnt es am Fuße des Wilden
Kaisers bereits nach Frühling
zu duften. Der März verbindet das
Beste aus beiden Jahreszeiten und
ermöglicht dadurch einen Urlaub,
der wohl vielseitiger nicht sein kann.
Das abwechslungsreiche MÄRZplus
Programm bietet Erlebnisse für die
ganze Familie, sportliche Herausforderungen,
Event-Highlights und
Kaiserliche Genusskultur.
Gesellschaftlicher
Wirkungsbereich
Was wäre die Region Wilder Kaiser
ohne die Menschen, die tagtäglich
zu deren Charakter und Attraktivität
beitragen? Als Tourismusverband
liegt es uns am Herzen, junge
Menschen für unterschiedlichste
Berufe im Tourismusbereich zu begeistern
und die Bindung der Mitarbeitenden
zur Region zu pflegen
und stärken. Als Mitglied des Vereins
„Kaiserschaft“ arbeiten wir daran,
das Arbeiten im Tourismus fair,
wertschätzend und vor allem attraktiv
zu gestalten.
Als Tourismusverband wollen wir
sicherstellen, dass der Tourismus
weiterhin die treibende Kraft für
die Entwicklung des Lebens- und
Erlebnisraums Wilder Kaiser sein
kann und auch als solche wahrgenommen
wird. Daher fördern wir
Regionalität, Kultur und Traditionen,
um die Identität der Region zu
erhalten und zu entwickeln. Auch
bei den Einheimischen gilt es das regionale
Tourismusbewusstsein zu
vermitteln, und aufzuzeigen, dass
ein funktionierender Tourismus die
Basis ist, um positiv zur Lebensqualität
am Wilden Kaiser beitragen zu
können. Dies gelingt nur durch ein
vertrauensvolles Miteinander und
intensive Kooperationen mit den
Gemeinden – unseren wichtigsten
Lebensraumpartnern – und den
Bergbahnen – unseren wichtigsten
Infrastrukturpartnern. Dabei ist uns
als Tourismusverband wichtig, dass
der Respekt für die lokale Identität
und den Lebensraum weiterhin die
Grundlage unseres Wirkens bildet.
INFO Mehr zu unseren
neuen Angeboten unter
www.wilderkaiser.info
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FÜR DIE GANZE FAMILIE
GOINGER
BADESEE
Badespaß mit Panoramablick.
Zwischen grünen Wiesen am Fuße
des Wilden Kaisers befindet sich ein
wahres Naturjuwel – Der Goinger
Badesee. Der mit frischem Quellwasser
gespeiste See ist ein Ort
der Begegnung und sein weitläufiges
Areal hat viel zu bieten. Groß
und Klein kommen hier voll auf
ihre Kosten.
Für Kinder ist der Wasserspielplatz
mit Piratenschiff und Klettergerüst
das absolute Highlight. Doch
die hundert Meter lange Breitwellenrutsche,
die direkt ins Kaiserwasser
und den Nichtschwimmerbereich
führt, steht dem in nichts
nach. Sportler können sich nicht nur
im Wasser austoben. Die größte Beachvolleyballanlage
Westösterreichs
mit 4 turnierfähigen Plätzen lädt
zum spannenden Match ein. Genießer
finden auf der 50.000 m² großen
Liegewiese das ideale Plätzchen
zum Entspannen oder stärken sich
am Seebuffet.
Am Goinger Badesee, wo Erholung
auf Unterhaltung trifft, ist Badespaß
für jedermann garantiert!
*
Bathing Lake Going – a gem of
nature with a spectacular view.
— Whether you enjoy sunbathing
or you want some family or quiet
time – everyone is in search of refreshment
in summer. Situated in
the midst of green meadows, with
the Wilder Kaiser just nearby and
fed from fresh spring water, the
bathing lake Going with its wide
area has lots to offer.
The water playground with the
pirate ship and a jungle gym is an
absolute highlight for the kids. Definitely
worth mentioning as well is
the 100 m long open air slide, which
leads directly into the non-swimmers
area. Athletes can run riot either
in the water or on the largest
beach volleyball facility in West Austria.
The 50.000 m² big lawn for sunbathing
invites you to relax after
you have had a bite to eat at the buffet.
The bathing lake Going, where
recreation meets entertainment and
fun is guaranteed.
Preise 2025
PRICE LIST
Erwachsene • ADULTS
Ohne GästeCard
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Mit GästeCard
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Kinder • CHILDREN
Ohne GästeCard
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Mit GästeCard
with guestcard
Tageskarte — day ticket € 7,00 € 6,50 € 3,50 € 3,00
Nachmittagskarte (ab 14 Uhr) — afternoon ticket € 4,50 € 2,50
Abendkarte (ab 17 Uhr) — evening ticket € 3,00 € 1,50
10er Block — pack of 10 € 50,00 € 25,00
Saisonkarte — ticket for the whole season € 75,00 € 33,00
Familiensaisonkarte — family season ticket € 155,00
Rein ins kühle Nass –
am Goinger Badesee!
52 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 53
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@kaiserbad_ellmau
»WUNDER BEGINNEN DANN,
WENN WIR UNSEREN TRÄUMEN
MEHR ENERGIE GEBEN
ALS UNSEREN ÄNGSTEN.«
54 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 55
GOINGER MOOR & MORE
MOOR & MORE
Eine Erlebniswelt inmitten versteckter
Bergmoore. Mit Rocky und Törfchen auf
Entdeckungstour in der Natur.
Einst lag in den Alpen eine
kilometerhohe Eisdecke.
Erst als sich gegen Ende
der letzten Eiszeit, vor ca. 10.000
Jahren, die Erde wieder allmählich
erwärmte, schmolzen Schnee
und Eis. Zurück blieben Seen, Teiche
und Tümpel. Heute finden wir
an diesen Stellen unsere Moore –
eine bizarre, faszinierende und geheimnisvolle
Landschaft.
Die Moor & more
Erlebniswelt am
Wilden Kaiser
In der Moor & more Erlebniswelt
am Wilden Kaiser tauchen die Besucher
in eine wahre Zauberwelt
ein, die viele Geheimnisse birgt.
Törfchen, die kleine Elfe, die mit
ihren Eltern im Moor zwischen
Going und St. Johann lebt, hat gerade
Langeweile und geht mit ihrem
Freund Rocky, Oma Grusela und
Opa Schneggi auf Entdeckungsreise
im Sumpfgebiet. Dabei lernen alle
so einiges über die Pflanzen- und
Tierwelt.
Die verschiedenen Spiel-, und
Rätselstationen klären auf kindgerechte
Weise über die Entstehung
der Moore auf, und warum diese so
wichtig für Natur und Umwelt sind.
Dabei bieten zwei Rätselwanderungen
für alle Altersstufen viel Abwechslung.
Die Wege auf der Törfchen
Runde zwischen Rummlerhof
und Römerhof sind breit und einfach
angelegt. Auf dem Rocky Weg
in Going wird es etwas steiler und
steiniger, aber alle 15 Minuten erreicht
man mühelos einen Rastplatz.
Hier kann man sich auch die selbst
mitgebrachte Jause schmecken lassen.
Und danach geht es weiter zum
Libellenflug, Kaiserpendel, 3 verkehrte
Bäume und Spinnennetz.
Unterwegs
mit unseren
Moorexperten
Wer nicht alleine auf Entdeckungsreise
gehen möchte, lässt sich am
besten von einer unserer Naturpädagoginnen
begleiten. Sie sind
Expertinnen für das Goinger Hüttlmoos
und nehmen sich auf private
Reservierungen viel Zeit, um Natur
und Tiere des Moores zu erklären.
Ausgerüstet mit selbstgebasteltem
Casher, Lupe und Döschen geht es
mit der gesamten Familie auf eine
spannende Tour durchs Moor. Beim
Verkosten der Heidelbeeren und
Plantschen im Bach wird das „Gespür
für die Natur“ neu entdeckt.
Geschützte
Landschaft
Dass sich die Natur rund um die
Moorlandschaft in Going wieder so
rasch erholen konnte, ist der schonenden
Renaturierung zu verdanken.
Auch hier zu Lande wurden bis
in die späten 70er die vermeintlich
unnützen „sauren Wiesen“ entwässert
und daraus brauchbare Wälder
und Felder gemacht. Ebenso war
Torf, da kostengünstig, ein beliebtes
Heizmaterial für die alpine Bevölkerung.
Der wahren Bedeutung
der Moore wurde man sich erst in
den letzten Jahren bewusst und so
stellte man 2012 das Goinger Hüttlmoor
unter Naturschutz. Seitdem
gilt einmal mehr: Natur erleben –
Natur genießen. Unverfälscht und
echt am Fuße des Wilden Kaisers,
dort wo die Eiszeit die Natur geformt
hat, wie sie heute ist.
Tipp Alle Moorforscher,
die auf dem Rocky oder
Törfchen-Weg alle Rätselfelder
auflösen, bekommen
in der Tourismus
Info Going eine kleine
Überraschung.
*
Spielerisch über das Moor lernen
In a land before our time — The
Alps were once covered in a layer
of ice that stretched to a full kilometer
in height, holding the Kaiser
Mountains in its clutches. It was
only towards the end of the last ice
age around 10,000 years ago that the
Earth gradually warmed up again,
and the snow and ice slowly began to
melt, revealing what had been hidden
beneath all those years: lakes,
ponds and pools – areas which today
make up our moors. This is a
landscape that’s equally as bizarre
as it is fascinating, shrouded in
legend and mystery. At the Wilder
Kaiser Moor & more adventure
park, visitors will delve into a truly
magical world that holds surprises
for even the most experienced naturalists.
Hidden marshy pools, newly
discovered insects and even the
moor’s former inhabitants, fairies
and elves, who found refuge in
these swampy meadows, occasionally
peek out from behind the cotton
grass. This includes Törfchen, the
little elf who lives with her parents
on the moor between Going and St.
Johann. Plagued by boredom, she
spontaneously sets out on a journey
with her friend Rocky, her granny
Grusela and grandpa Schneggi to
discover the marsh. They all learn
new things about the flora and fauna
along the way. The stations playfully
wend their way through the Wilder
Kaiser’s landscape and use a childfriendly
approach to explain the origin
of the moors and why they are
so important to nature and the environment.
The two mystery hikes
are ideal excursions that let visitors
keep cool right in the valley on hot
days. There are rest stops located
around every 15 minutes, where you
can sit and enjoy any snacks you
have brought along.
56 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 57
GOINGER MOOR & MORE
SOKO
MOOR & MORE
Törfchen und Rocky sind die guten Elfen der
Moor & more Erlebniswelt in Going am Wilden Kaiser.
Wer hier allerdings die tatsächliche Arbeit erledigt,
sieht man oft erst auf den zweiten Blick.
Wahre
Naturtalente
Eifrig wird geschaufelt, der Laubrechen
geschwungen, da und dort eine
Schraube zurück an ihren Platz gedreht.
Wenn das Gartenteam der Lebenshilfe
aus St. Johann unterwegs
ist, dann wird fleißig gearbeitet und
alle sind mit vollem Einsatz und voller
Freude bei der Sache. Alle ein
bis zwei Wochen schaut die Crew
in den Südhängen des Wilden Kaisers
in „ihrem“ Moor & more nach
dem Rechten. „Für uns ist jeder Einsatz
in der Erlebniswelt ein absolutes
Highlight“, weiß Assistent Franz
Lanthaler. „Das sind genau die Aufträge,
die wir suchen, weil wir hier
wertvolle Arbeit leisten und etwas
für das Gemeinwohl und die Natur
tun können.“
Leidenschaft
und Können
Bereits seit 2013 ist das Lebenshilfe-Team
fixer Bestandteil der
Erlebniswelt und führt visuelle Routeninspektionen
und kleinere Reparaturen
selbstständig durch. Laut
Arbeitsprotokoll gehören auch das
Einstreuen von Hackschnitzel auf
den Wanderwegen und die allgemeine
Kontrolle der Sauberkeit zu
den regelmäßigen Aufgaben. „Wir
sind ein eingespieltes Team, jeder
kennt seine Handgriffe und weiß
was wann und wo zu tun ist“, so der
Lebenshilfe Mitarbeiter. Größere
Arbeiten werden an den zuständigen
Bauhof weitergeleitet.
„Normale“ Arbeiter
Gelb-Orange leuchten die Sicherheitswesten
aus dem Dickicht.
Regelmäßig bleiben auch Wanderer
stehen und erkundigen sich
interessiert nach dem Tun der
Mitarbeiter*innen. „So entstehen
immer wieder schöne Gespräche“,
zeigt sich Franz Lanthaler begeistert.
Es seien die Anerkennung und
Wertschätzung die das Team noch
zusätzlich motiviere und ein erster
Schritt in Richtung Normalität –
für beide Seiten. Berührungsängste
gäbe es hier keine.
»WIR SIND EIN
EINGESPIELTES
TEAM, JEDER
KENNT SEINE
HANDGRIFFE
UND WEISS WAS
WANN UND WO
ZU TUN IST.«
Auch die Tätigkeiten am Wilden
Kaiser gingen weit über die frühere
Arbeit in einer Werkstätte hinaus.
„Wir wollen als Lebenshilfe dort arbeiten,
wo wir gebraucht werden.
Hier sind wir ‚normale‘ Arbeiter und
gehören einfach dazu.“ Dies symbolisieren
nicht nur die gelb-orangen
Westen, sondern auch das „Einsatzfahrzeug“
mit Rundumleuchte.
Mit diesem seien sie auch in anderen
Regionen unterwegs – selbstverständlich
zum handelsüblichen
Stundensatz.
Die Gruppe hat den ersten Teilabschnitt
des Weges fertig mit Hackgut
bestreut. Nun sitzen sie gemütlich
auf einem Bankerl. Genießen
die Ruhe des Waldes, die frische
Luft, die warmen Sonnenstrahlen
und ihre Jause. Alle sind sich einig
– ein herrlicher Tag, so ein Arbeitstag
im Moor & more in Going am
Wilden Kaiser!
Die Lebenshilfe
Tirol
Menschen mit Behinderungen, die
am Wilden Kaiser wertvolle Aufgaben
erledigen.
Die Lebenshilfe Tirol ist eine beherzte
Wegbegleiterin von Menschen
mit Behinderungen bei einem
barrierefreien, selbst bestimmten
und erfüllten Leben. Dabei spielen
Kooperationen vor Ort in den Gemeinden
eine wesentliche Rolle, neben
neuen Tätigkeitsfeldern auch
Begegnungen für alle im Alltagsleben
möglich und erlebbar zu
machen. Wenn uns das Team der
Lebens hilfe aus Oberndorf in der
Tourismus Info Going besucht,
dann geht nicht nur die Tür weit auf.
Nein, es ist vor allem das Herz, welches
dann mit viel Freundlichkeit
und guter Laune regelrecht überschüttet
wird. Die Lebenshilfe unterstützt
die Tourismus Info Going
nicht nur im Bereich Moor &
more – nein, auch in einem Projekt
für den Tourismusverband sortieren
die fleißigen Arbeiter der Lebenshilfe
das wertvolle Saatgut und
füllen es in Reagenzgläser, die als
originelle Geschenke an die Gäste
weitergegeben werden.
Wo es Arbeit gibt,
wird angepackt
*
The Moor & more task force.
Törfchen and Rocky are the good elves
at the Moor & more adventure world
in Going am Wilden Kaiser. But it’s
often only at second glance that you see
who’s doing the actual work. — When
the gardening team from the St.
Johann’s Lebenshilfe disability support
organisation are in action, they
throw themselves into their work
with enthusiasm. “Every session at
the park is a real highlight”, says assistant
Franz Lanthaler. The Lebenshilfe
team have been regulars
at Moor & more since 2013, independently
carrying out visual inspections
of the paths and minor
repairs. Hikers also often stop and
enquire with interest about the
work they’re doing. It’s the acceptance
and appreciation that boosts
the team’s motivation and is a first
step towards normality – for both
sides. “As part of Lebenshilfe, we
want to work where we’re needed.
We’re ‘normal’ workers here, and we
simply belong.” The group has finished
spreading wood chips over the
first section of the path. Now they
sit comfortably on a bench, enjoying
the peace and quiet of the forest,
the fresh air, the warm rays of
sunshine and their snack. Everyone
agrees – it’s a wonderful day to be
working at Moor & more in Going
am Wilden Kaiser!
58 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 59
AUSFLUGSZIELE
REIN IN DIE
GONDEL – RAUF
IN DIE URZEIT!
Noch mehr Dino-tastische
Attraktionen!
Der Triassic Park lockt mit besonderen Attraktionen
für Saurier-Fans jeden Alters: Das Augmented Reality
Rätsel bringt für die etwas älteren Kinder neues Leben
in die Millionen Jahre alten Urzeit-Bewohner, direkt
durch die eigene Handy-Kamera. Für die Kleineren
bieten die „Triassic Wasserspiele“ mit dem spannenden
Wasserlauf und einem komplett neuen Spielplatz
viele Gelegenheiten zum Abkühlen, Plantschen und
Spielen. Darüber hinaus erkunden junge und junggebliebene
Dino-Detektive den Triassic Trail, graben am
Triassic Beach nach Fossilien oder bestaunen das Panorama
von der 70m hohen Aussichtsplattform. Sollte
sich das Bergwetter einmal nicht von seiner Sonnenseite
zeigen, öffnet das Triassic Center und die Tropfsteinhöhle
bei jeder Witterung allen Urzeit-Forschern
die Türen. Die neue Panorama Muschel aus Lärchenholz
bietet einen barrierefreien Ruhebereich mit spektakulärem
Ausblick auf die Umgebung und sorgt für
ein unvergessliches, erholsames Natur-Kino-Erlebnis.
ÖFFNUNGSZEITEN
Ende Mai bis Anfang Oktober
täglich durchgehend von 9:00 bis 16.45 Uhr
Rollstuhl- und kinderwagentauglich
Der Eintritt in den Park ist frei.
FAMILIENSKIGEBIET
STEINPLATTE &
TRIASSICPARK
Skivergnügen, Winterspaß und
Erholung für Groß und Klein
Im Drei-Länder-Eck zwischen Tirol, Salzburg und
Bayern gelegen, ist es besonders leicht und bequem
zu erreichen. Für Familien und Kinder bietet die Steinplatte-Winklmoosalm
eine bunte Vielfalt an Attraktionen:
Die Funline mit lustigen Dino-Elementen sorgt
für strahlende Gesichter, während das Triassic Kinderland
am Hausberg in Waidring speziell auf kleine
Skizwerge zugeschnitten ist. Der 1,5 Kilometer lange
Snowpark Steinplatte mit seinen drei Sektionen garantiert
Action und Freestyle-Spaß für alle Könnerstufen.
Die breiten und perfekt präparierten Pisten in
allen Schwierigkeitsgraden sorgen für ein traumhaftes
alpines Ski- und Snowboarderlebnis, welches definitiv
in Erinnerung bleibt, während abseits urige Hütten
zum Genießen und Verweilen einladen.
Doch auch für Nichtskifahrer gibt es viel zu entdecken:
Der Winterwanderweg auf der Steinplatte führt
zur beeindruckenden Aussichtsplattform und einer
geheimnisvollen Tropfsteinhöhle. Kinder werden bei
der Triassic Kinderbetreuung liebevoll umsorgt und
können sich auf spannende Events freuen.
ÖFFNUNGSZEITEN
Anfang Dezember bis Anfang April
täglich von 8:30 bis 16:30 Uhr
ALPINOLINO & ALPINORAMA
ALPINORAMA - Raufkommen zum Runterkommen
Eine Rundwanderung durch die Natur und zu sich selbst begeistert mit Kraftplätzen,
Erholung und ganz viel Aussicht. Entdecken Sie herrliche Ruheplatzerl sowie den
Kreuzjöchlsee, um die Seele baumeln zu lassen, die Stille
zu hören, ganz bewusst das majestätische Panorama
zu genießen und völlig im Hier und Jetzt zu sein.
ALPINOLINO - Spannende Entdeckungsreise
Schlau Füchse, flinke Wiesel und echte Forschergeister
gehen auf eine spannende Entdeckungsreise. Über
Himmelsteig, Adlerhorst, Holzwurmweg und mit der
längsten Kugelbahn Tirols dem „SPOGGOLINO“
warten viele tierische Rätsel & jede Menge Spaß.
Alpinolino Kinderspieltage
Jeden Montag vom 07.07. bis 01.09.2025
Öffnungszeiten:
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60 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 61
WANDERN
AUF DES
KAISERS SPUREN
Hoch erhobenen Hauptes grüßt seine Majestät
von ferne. Die Schönheit des Wilden Kaiser erlebt
man am besten zu Fuße – ganz früh am Morgen
bei Kaiserwetter.
Es ist 6 Uhr 30 und müde
reiben wir uns den letzten
Schlaf aus den Augen. Um
dem ehrwürdigen Kaiser standesgemäß
gegenüber zu treten, sollte man
früh aufstehen. So sieht das zumindest
unser Bergführer Sepp. Er ist
hier am Wilden Kaiser aufgewachsen
und ein echter Bergfex. Heute
wagen wir uns gemeinsam mit ihm
hinauf. Mit im Gepäck sind Klettersteigset,
festes Schuhwerk und
jede Menge Proviant. Nach kurzem
Check der Ausrüstung und einem
etwas längerem, prüfenden Blick
auf unsere Fitness zeigt uns Sepp
die geplante Route für heute. Unser
erstes Ziel – das Bergsteigergrab
des Wieser Much. „Ungefähr zwei
Stunden sind es bis zum Baumgartenköpfl,
das packt ihr zwei ganz locker,
da bin ich mir sicher“, meint
der Experte. Die Höhenlinien in
der Wanderkarte verraten, dass
wir vom Parkplatz Tannbichl bis auf
den Brennenden Palven knapp 715
Höhenmeter überwinden müssen.
Und da bin ich mir bei Sepps Fitnesseinschätzung
für mich nicht mehr
ganz so sicher mit „locker packen“.
»IN DEN
FRÜHEN ANFÄN
GEN DES BERG
STEIGERTOURIS
MUS WAREN ES
FLASCHEN MIT
NACHRICHTEN
UND SPÄTER
VISITENKARTEN
AUS ALUMINI
UM, DIE DEN
NÄCHSTEN
GIPFELSTÜRMER
ÜBER DEN
VORGÄNGER
INFORMIEREN
SOLLTEN.«
Vorerst führt ein bequemer Forstweg
relativ flach durch den Wald.
Gemütlich plaudern wir über dies
und das, über Sepps Anfänge bei der
Bergrettung und seine skurrilsten
Einsätze. Als der Weg steiler wird
und in einen Pfad mündet, verstummen
unsere Kommentare.
Knapp über der Baumgrenze eröffnet
sich zum ersten Mal das Panorama
des Wilden Kaisers. Elegant
grüßt uns seine Majestät von
links und stellt im frühmorgendlichen
Licht seine markanten Felswände
zur Schau. Ein Anblick, der
uns diesmal nicht vor Anstrengung,
sondern vor lauter Schönheit den
Atem raubt. Vorbei geht es an einigen
privaten Hütten die hier in
der zauberhaften Landschaft wie
harmonisch eingegossen wirken.
Als wir das Bergsteigergrab erreichen
ist es früher Vormittag und die
Sonne erweist dem Wieser Much
gerade seine letzte Ehre. Mit richtigem
Namen hieß der Much eigentlich
Michael und war seines
Zeichens Schuldirektor aus Kitzbühel.
Er erwies sich als unentwegter
Bergsteiger und Kaiseridealist,
erschloss Wege und stellte auf verschiedensten
Gipfeln Gipfeldosen
mit Büchern auf. In den frühen Anfängen
des Bergsteigertourismus
waren es Flaschen mit Nachrichten
und später Visitenkarten aus Aluminium,
die den nächsten Gipfelstürmer
über den Vorgänger informieren
sollten. Bis zu seinem Tod war
der Much ein treuer Kaiserfreund
und so senkten ihn seine Kameraden
auf eigenen Wunsch nach seinem
Ableben am 27. Oktober 1952
in das Grab am Baumgartenköpfl.
Nur wenige Höhenmeter oberhalb
liegt die Wilderer Kanzel, die
ihren Namen nicht von ungefähr
trägt. Und obwohl es ein kleiner
Umweg ist, wollen wir uns das Versteck
unterhalb des Kleinen Törls
näher ansehen. Sofort fällt auf, von
hier aus hat man einen besonders
guten Blick auf die umliegenden
Felsen und wahrscheinlich auch
auf die nicht ganz abschusswilligen
Gämsen.
„Haltet die Berge
sauber! Lasst keine
Abfälle zurück!“
Unser weiterer Weg führt unterhalb
der Berggipfel relativ eben entlang
des Much-Wieser-Steiges bis
zum Jubiläumssteig – einem Klettersteig
mit traumhafter Felskulisse.
Während Sepp uns mental auf die
nächsten Höhenmeter vorbereitet,
packen wir den mitgebrachten
Proviant aus. „Haltet die Berge
Das Bergsteigergrab.
sauber! Lasst keine Abfälle zurück!“
Früher stand dieses Schild an jeder
Ecke und wies den Wanderer darauf
hin seinen Müll wieder zurück
mit ins Tal zu nehmen. Selbst bei
modernster Technik – eine Müllabfuhr
von den Gipfeln des Wilden
Kaisers macht wohl wenig Sinn
und soviel Respekt vor der Natur
sollte wohl jeder Bergfreund mitbringen.
Mittlerweile hat Sepp unser
Klettersteigset vorbereitet und
zeigt uns wie wir sicher verschnürt
die nächsten Passagen antreten dürfen.
„Karabiner einhängen, bei den
Anschlussstellen nach und nach umhängen,
nie beide Karabiner gleichzeitig
aus dem Seil aushängen“, klar
und deutlich haben wir Sepps Anweisungen
verstanden und versuchen
diese nun so gut als möglich
umzusetzen. Schlotter – links geht
es ziemlich steil bergab und obwohl
wir eigentlich Klettersteigerprobt
sind, gehört es doch nicht zu unserer
täglichen Routine. Da und dort rieseln
immer wieder kleinere Steinchen
in die Tiefe. Zum Glück sind
wir mit unseren Helmen gut geschützt.
Sepp bewegt sich wie eine
Gämse, leichtfüßig durch den Felsen,
über Leitern und Vorsprünge.
Und nach anfänglich zitternden
Knien können auch wir bald das
unglaubliche Panorama genießen.
Bis zu den, auch im Hochsommer
noch mit Schnee bedeckten, Hohen
Tauern reicht unser Blick und auch
62 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 63
WANDERN
den bereits gemeisterten Weg bis
hier her kann man gut erkennen.
Beim Ausstieg, kurz vor der
Gruttenhütte, kommt leichte Ruhelosigkeit
beim ansonsten so ruhigen
Bergführer auf. „Ich glaub, da
drüben gibt es einen Bergrettungseinsatz,
da schau i mal schnell hin
ob ich helfen kann.“ Wir sind froh
um die Rast und warten im weichen
Almgras bis Sepp kurze Zeit
später wieder zurückkommt. „Alles
in Ordnung. Die Rettung ist bereits
abgeschlossen!“ Wir sind auch
froh dass nicht mehr passiert ist.
Denn die Gefahren am Wilden Kaiser
werden oft unterbewertet und
nicht selten muss die Bergrettung
verirrte Wanderer und überschätzte
Bergsteiger aus den Felsen bergen.
Bei uns ist für heute auch Schluss
mit Kraxeln, wir wandern auf normalem
Wege durch das Klamml
zur Gaudeamushütte und hinunter
ins Tal. Zehn Stunden sind
wir unterwegs gewesen. Zehn unglaublich
faszinierende Stunden
auf du und du mit seiner Majestät.
Ich werfe einen wehmütigen Blick
hinauf auf die Gipfel des Wilden
Kaisers und denke mir „… aber
wo, i fohr’ no net z’haus, i bleib’ am
Montog a no do!“
Sepp, unser Bergführer.
Tipp Die Kaiserkrone
und der Adlerweg,
zwei herausragende
Weitwanderwege mit
unterschiedlichen Routen
führen durch die Bergwelt
des Wilden Kaisers.
So erspart man sich
die täglichen Zu- und
Abstiege.
In the footsteps of the Kaiser.
With its head held high, the majestic
ridge beckons from afar. A natural
gem and a mountain where destinies
unfold – precisely what makes
it such a popular hiking destination.
The beauty of the Wilder Kaiser mountain
range is best experienced on foot,
very early in the morning and with
glorious weather. — You need to get
up early to stand face-to-face with
the venerable Kaiser. At least that’s
what our guide, Sepp, thinks. Today,
we’ve accepted the challenge
to venture up the mountain with
him. We’ve got our via ferrata kit,
sturdy footwear and plenty of provisions
packed.
To begin with, the path wends its
way comfortably through the forest
at a relatively low incline. Just above
the tree line, we are treated to our
first panoramic view of the Wilder
Kaiser. The trail leads past a few private
cabins that blend in perfectly
with the enchanting landscape. It’s
late morning when we reach the site
of the mountaineer’s grave, and the
sun is shining brightly, seeming to
honour the final resting place of
Much Wieser. Much’s real name was
actually Michael, and he worked as
a school teacher in Kitzbühel. He
proved to be a stalwart mountain
climber and Kaiser visionary, forging
paths and building cairns on various
peaks with caches of books.
Much remained a true friend of the
Kaiser all his life. When he died on
27 October 1952, he was buried at his
request by his friends in the grave
on the Baumgartenköpfl peak.
We continue on our route on
a relatively flat stretch below the
mountain peaks along the Much-
Wieser-Steig to Jubiläumssteig –
a via ferrata with a breathtaking
craggy backdrop. Every now and
then, small stones tumble down
into the depths. Luckily, we are
well protected with our helmets
on. Our view extends to the High
Tauern range, which is covered in
snow, even in summer, and we have
a good view of the route we have
taken thus far.
That’s it for climbing today.
From here, we simply hike along
the normal paths to the Gaudeamus
Hut through the Klamml gully and
down into the valley. We’ve been
trekking for ten hours. Ten incredibly
thrilling hours up close and personal
with His Majesty.
Tip The Kaiserkrone and
Adlerweg paths, two outstanding
long-distance
hiking trails following
different routes, lead
through the mountains
of the Wilder Kaiser. That
saves you climbing up
and down each day.
Beim Anlegen
der Ausrüstung.
Die neu
errichtete
Gruttenhütte.
64 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 65
SOMMERLANDSCHAFT
»ALLE TRÄUME KÖNNEN WAHR
WERDEN, WENN WIR DEN MUT HABEN,
IHNEN ZU FOLGEN.«
66 GOING MAGAZIN 25
365 Tage Going am Wilden Kaiser 67
GEMEINSAM UNTERWEGS
DIE WEGEWARTE
DES WILDEN KAISERS
Wer sorgt eigentlich dafür, dass am Wilden Kaiser hunderte
Kilometer mehrfach ausgezeichnete Wanderwege
mit der dazugehörigen Beschilderung und Markierung
zur Verfügung stehen? Es sind des „Kaisers Wegewarte“,
deren Arbeit gar nicht genug wertgeschätzt werden kann.
Ein Portrait über die „Berg-Helden“ im Hintergrund …
Wenn man sich mit diesen
vier Herren zu einer
kleinen Tour am
Wilden Kaiser verabredet, begibt
man sich nicht nur mit 286 Jahren
geballter Erfahrung, sondern auch
mit ebenso vielen Jahren geballtem
Charme auf den Weg. Und damit
wären wir schon beim Grund, warum
wir mit Bascht Niedermühlbichler
und drei seiner Kollegen, die
der 75-Jährige gerne als „junge Rentner“
bezeichnet, unterwegs waren.
Sie sind allesamt Wegewarte am
Wilden Kaiser und das heißt: Ihnen
und ihren Kollegen haben wir es
zu verdanken, dass uns nicht nur
rund 350 Kilometer hervorragend
gepflegte, sondern vor allem auch
sichere Wanderwege und Steige am
und rund um den Wilden Kaiser zur
Verfügung stehen. Und das machen
sie extrem gut: Nicht umsonst ist
die Region Wilder Kaiser die einzige
Österreichs, die gleich mit drei
Gütesiegeln ausgezeichnet ist. Dem
Tiroler Bergwege-Gütesiegel, dem
Österreichischen Wandergütesigel
und dem Europäischen Wandergütesiegel.
»WIR KOMMEN
JA AUCH
VIEL HERUM,
ABER SO
TOLL WIE DIE
WEGE BEI UNS
BEINAND’ SIND,
DAS SIEHT
MAN SONST
NIRGENDS.«
Der Qualität ihrer Arbeit sind sich
Franz Embacher (83) aus Söll, Herbert
Heuberger (62) aus St. Johann,
Alois Höflinger (66) aus Scheffau
und Bascht Niedermühlbichler (75)
aus Going durchaus bewusst: „Wir
kommen ja auch viel herum, aber
so toll wie die Wege bei uns beinand’
sind, das sieht man sonst nirgends“,
sagt Lois aus Scheffau. Dabei
hört man schon heraus, dass sie
ihre „Arbeit“ nie los lässt, auch nicht,
wenn sie „außer Dienst“ unterwegs
sind. „Wir gehen privat unsere Wege
und schauen, was zu tun ist“, erklärt
Herbert. Kleinere Werkzeuge haben
sie sowieso immer dabei um
einfache Arbeiten sofort erledigen
zu können, größere Vorhaben werden
vorher mit Bascht und den anderen
abgesprochen, damit alle wissen
was bereits erledigt wurde und
was noch offen ist.
Vom „Ostoanan“
bis zur Stahlseil-
Montage
Die Tätigkeiten, die ihnen dabei ins
Auge stechen, reichen vom „Ostoanan“
(Steine, die sich in Bewegung
setzen und gefährlich werden können,
wegräumen) über das Erneuern
und Montieren von Seilversiche-
rungen, das Pflegen und Befestigen
von Wegen, Bäume und Sträucher
schneiden bis hin zu Arbeiten
mit Hubschrauber-Unterstützung
und schwerem Gerät. Und natürlich
ganz zentral: die Montage und Wartung
der gelben Schilder, die uns allen
am Berg den Weg weisen. Und
das sind am Wilden Kaiser viele –
rund 1.000 gelbe Richtungsschilder
und dazu noch 582 weiße Standorttafeln,
die Auskunft darüber geben,
wo man sich gerade befindet. Ob
die Wanderer und Bergsteigerinnen
überhaupt wissen, wem sie es zu
verdanken haben, dass Wege sicher
und Gipfel erreichbar sind? „Die, die
uns begegnen wissen es schon, die
anderen nicht“, sagen die vier Herren.
Wenn die Leute ihre Arbeit allerdings
live mitbekommen, wäre
die Überraschung und Begeisterung
enorm – auch wenn „sie leider nie
einen Schnaps dabei haben“, wie der
83-jährige Franz mit einem lausbübischen
Lächeln scherzt.
Das brauchts aber gar nicht unbedingt,
wie folgendes Erlebnis von
Unterwegs
mit unseren
Wegewarten!
Bascht zeigt: „Einmal, als wir gerade
beim Arbeiten waren, kamen Wanderer
vorbei und haben gefragt, was
wir da tun. Als wir es ihnen erklärt
haben, sagten sie: ‚So, packts zam,
wir gehen jetzt runter zur Gaudeamushütte!‘
Dort haben sie dann jedem
von uns ein Bier und eine Jause
gezahlt!“ Das ist natürlich nicht die
Regel, aber eine nette Anekdote (und
guter Verhaltens-Tipp für alle, die
die rüstigen Herren auch einmal bei
der Arbeit antreffen!)
„Passen auf
und helfen
zusammen.“
Die objektiven Gefahren am Berg
– und dazu gehört natürlich auch
Steinschlag – zu beachten und
einzuschätzen, hat aber ohnehin
oberste Priorität bei ihrer Arbeit.
Eine spezielle Ausbildung haben sie
nicht, auch wenn vom Alpenverein
Kurse angeboten würden – „aber
jeder Weg hat andere Bedürfnisse,
wir kennen unseren Berg einfach
68 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 69
GEMEINSAM UNTERWEGS
sehr gut und wissen, was wir machen
und was nicht.“ Wenn etwa ein
Baum nicht selbst geschnitten werden
kann, weil es zu gefährlich ist,
holen sie einen Profi, der das übernehmen
kann. „Wir haben kaum mit
Verletzungen zu tun, weil wir gut
aufpassen, zusammen helfen und
uns gegenseitig sichern, wenn nötig.“
Und ihre Jahrzehnte lange Erfahrung
sowohl als Bergsteiger, als
auch als Handwerker, kann ihnen
auch keiner nehmen.
Tipp Weitere Informationen
und Details zur Fortsetzung
der Geschichte
Rund um die Wegewarte
am Wilden Kaiser
findet ihr über diesen
QR-Code! Viel Spaß
beim Lesen!
Scan me!
They are all trail wardens on the
Wilder Kaiser, which means that we
have them and their colleagues to
thank for the fact that we not only
have around 350 kilometres of excellently
maintained, but above all
safe hiking trails and paths on and
around the Wilder Kaiser. And they
do this extremely well: it is not for
nothing that the Wilder Kaiser region
is the only one in Austria to
have been awarded three seals of
approval. The Tyrolean Mountain
Trail Seal of Quality, the Austrian
Hiking Seal of Quality and the
European Hiking Seal of Quality.
Franz Embacher (83) from
Söll, Herbert Heuberger (62) from
St. Johann, Alois Höflinger (66) from
Scheffau and Bascht Niedermühlbichler
(75) from Going are well
aware of the quality of their work:
“We get around a lot, but you don’t
see anywhere else as great as the
paths here”, says Lois from Scheffau.
You can tell that they never let
go of their “work”, even when they
are travelling “off duty”. “We go our
separate ways and see what needs
to be done”, explains Herbert. They
always have small tools with them
anyway so that they can complete
simple jobs straight away, while
larger projects are discussed with
Bascht and the others beforehand
so that everyone knows what has
already been done and what is still
outstanding.
From “Ostoanan” to steel cable
installation — The activities that
catch their eye range from “ostoanan”
(clearing away stones that move and
can become dangerous) to renewing
and installing rope safety devices,
maintaining and fixing paths, cutting
trees and bushes and working
with helicopter support and heavy
equipment. And, of course, the installation
and maintenance of the
yellow signs that show us the way
on the mountain. And there are a
Die vielfältige Arbeit
eines Wegewart.
*
The trail wardens of the Wilder
Kaiser. Who actually ensures that
hundreds of kilometres of multiaward-winning
hiking trails with the
corresponding signposting and markings
are available on the Wilder Kaiser?
They are the “Kaiser’s trail wardens”,
whose work cannot be appreciated
enough. A portrait of the “mountain
heroes” in the background … — When
you make an appointment with
these four gentlemen for a short
tour on the Wilder Kaiser, you are
not only setting off with 286 years
of concentrated experience, but also
with just as many years of concentrated
charm. And that brings us
to the reason why we were out and
about with Bascht Niedermühlbichler
and three of his colleagues,
whom the 75-year-old likes to call
“young pensioners”.
Perfekte
Beschilderung!
lot of them on the Wilder Kaiser –
around 1,000 yellow direction signs
and 582 white location boards that
provide information about where
you are.
»WE GET
AROUND A
LOT, BUT YOU
DON’T SEE
ANYWHERE
ELSE AS GREAT
AS THE
PATHS HERE«
Do hikers and mountaineers even
know who they have to thank for the
fact that paths are safe and summits
are accessible? “Those who meet us
already know, the others don’t”, say
the four men. However, if people
were to witness their work live, the
surprise and enthusiasm would be
enormous – even if “unfortunately
they never have a schnapps with
them”, as 83-year-old Franz jokes
with a mischievous smile.
But you don’t necessarily need
to, as the following experience by
Bascht shows: “Once, when we were
working, hikers came by and asked
what we were doing. When we explained
it to them, they said: ‘So,
pack it up, we’re going down to the
Gaudeamushütte now!’ There they
paid for a beer and a snack for each
of us!” That’s not the rule, of course,
but it’s a nice anecdote (and a good
behavioural tip for anyone who encounters
these sprightly gentlemen
at work!)
“Watch out and help together” —
Paying attention to and assessing the
objective dangers on the mountain
– including rockfall, of course – is a
top priority in their work anyway.
They don’t have any special training,
even though the Alpine Club offers
courses – “but every route has
different requirements, we simply
know our mountain very well and
know what we can and can’t do.”
For example, if they can’t cut a tree
themselves because it’s too dangerous,
they call in a professional to
do it. “We hardly ever have to deal
with injuries because we take good
care, help each other and secure each
other if necessary.” And no one can
take away their decades of experience,
both as mountaineers and as
craftsmen.
Many thanks to our path maintainers
for their valuable work and
dedication! Your efforts make a significant
contribution to ensuring
that our paths are safe and well
maintained. We appreciate your
commitment and are very grateful
to you!
70 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 71
QUALITÄT AUS TRADITION & INNOVATION
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72 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 73
ALLES FÜR DIE BIODIVERSITÄT
NATURSCHUTZHOF
ARTENREICH
Maria und Harald leben seit 11 Jahren auf einem alten
Bauernhof in Going. Das Konzept dahinter ist in der Region
Wilder Kaiser einzigartig und auf jeden Fall einen Besuch
wert. Denn hier steht alles ganz im Zeichen der Artenvielfalt.
Wie aus dem Bedürfnis, eine artenreiche Wiese zu
schaffen, ein ganzer Naturschutzhof wurde, erzählt Maria
im Interview.
Zu einer Landwirtschaft
gehören Tiere, so die
gängige Vorstellung davon,
was ein Bauernhof ist. Auch
am Hof von Maria und Harald gibt
es Tiere – aber eben nicht so, wie
wir das kennen. Denn auch wenn
alles auf ihrem Hof darauf ausgelegt
ist, Tieren einen Lebensraum
zu bieten, geht es dabei nicht etwa
um Kuh und Co, sondern vorrangig
um Vögel und Insekten. Hasen,
Hühner, Schafe und Katzen gibt es
zwar auch, für sie ist der Artenreich
Hof quasi eine „Seniorenresidenz“,
denn neben dem Fokus auf Artenvielfalt
und Naturschutz, ist es auch
ein „Lebenshof“. Seien es die Hühner,
die nicht mehr genug Eier für
eine konventionelle Haltung legen
oder eben die süßen Schwarznasenschafe,
die auch schon ein paar Jahre
auf dem Fell haben – sie alle haben
den Weg auf den Hof in Going gefunden
und leben dort ein wunderbares
Leben. Anlässlich der „ersten
Mahd“, die am Naturschutzhof in
Going rund um den 20. Juli und damit
sehr spät stattfindet, haben wir
Maria am Hof besucht und sie zu
Beweg- und Hintergründen des Naturschutzhofes
befragt.
Wer das ausgezeichnete Projekt
gerne mit eigenen Augen sehen
möchte, hat im Rahmen des Aktivprogramm
immer mittwochs die
Möglichkeit dazu!
Was genau ist ein „Naturschutzhof“
und wie seid
ihr auf die Idee gekommen,
genau das zu machen?
Maria: Ein Naturschutzhof ist ein
Hof, der den Fokus darauf legt, die
Biodiversität zu fördern. Also die
Natur zu schützen, Lebensräume zu
bewahren aber auch Neue zu schaffen
– für eine möglichst hohe Artenvielfalt.
Wir bringen natürlich
keine neuen Arten ein, aber mit den
verschiedenen Maßnahmen, die wir
hier setzen, siedeln sich ganz automatisch
wieder viele Tiere an. Das
war keine fertige Idee a la „Jetzt
schaffen wir einen Naturschutzhof“.
Das war viel mehr ein Prozess.
Wie ist dieser
Prozess verlaufen?
Maria: Wir sind vor 11 Jahren hierher
gekommen und haben eine sehr
stark genutzte Wiese vorgefunden.
Es ist ausschließlich Hahnenfuß und
Löwenzahn gewachsen. Da hatten
wir das starke Bedürfnis, eine artenreiche
Wiese zu schaffen – für
die Tiere, aber auch für uns. Und
plötzlich waren wieder viel mehr
Insekten da. Dann kamen immer
mehr Vögel, inzwischen haben wir
sogar Bodenbrüter. Also haben wir
uns überlegt, was wir denen anbieten
können und haben die Hecke gesetzt.
Danach haben wir einen Naturteich
für die Frösche angelegt.
Für die vielen Eidechsen haben wir
74 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 75
ALLES FÜR DIE BIODIVERSITÄT
eine Trockensteinmauer gemacht
und so ist das Projekt Jahr für Jahr
mit jedem Tier, das dazu gekommen
ist, gewachsen. Und heute ist es ein
ganzer Naturschutzhof.
Wie schaut ein
klassischer Arbeitstag
bei euch am Hof aus?
Maria: Unsere Arbeitsteilung
schaut so aus, dass mein Mann Harald
so um 5.30 Uhr aufsteht und sich
um die Tiere kümmert. Das heißt, er
lässt die Hühner raus, mistet bei den
Schafen aus und füttert die Tiere.
Wenn es sehr heiß und trocken ist,
gießen wir auch manchmal in der
Früh, ansonsten mulchen wir nur.
Unter Tags sind wir beide im Büro,
am Abend stehen die gleichen Arbeiten
noch mal an – dazu kommen
noch die tägliche „Schneckenrunde“
bei den Gemüsebeeten und
andere kleinere Arbeiten. Das ist jeden
Tag ca. eine Stunde, wenn wir
neue Projekte umsetzen, dann natürlich
viel mehr.
Bei euch wird die Wiese
spät gemäht, wieso ist eine
späte Mahd so wichtig
für euch?
Maria: Dadurch, dass wir den Fokus
auf Blühwiesen, Insekten und
die Artenvielfalt legen, macht dieser
sehr späte Zeitpunkt für unseren
Hof total Sinn. Man sieht erst,
was eigentlich alles auf der Wiese
wächst, wenn man sie lang genug
stehen lässt. Etwa die Blaublütler,
die sieht man in gewöhnlichen Wiesen
nicht, weil die vorher gemäht
werden. Grundsätzlich gibt es zwei
Gründe, warum wir so spät mähen.
Erstens, wir haben hier in Zusammenarbeit
mit der Tiroler Umweltanwaltschaft
vor zehn Jahren
eine Blühwiese angelegt. Das heißt
wir haben mit verschiedenen Methoden
Saatgut eingebracht, vor
allem heimische Wiesenkräuter,
die für unsere Spezialistinnen, die
Wildbienen relevant sind. Damit
die Blüten aussamen können und
eben jedes Jahr wiederkommen,
müssen wir so lange warten.
Der Naturschutzhof
am Wilden Kaiser.
Der zweite Grund ist, dass wir den
Fokus neben Insekten auch auf Vögel
legen. Für sie haben wir mehr als
1.000 Wildhecken rund um den Hof
gepflanzt, da inzwischen sogar Bodenbrüter
bei uns beheimatet sind.
Wir haben Goldammern, Neuntöter,
Stiglize und viele mehr. Die Vogelbabies
werden für gewöhnlich
zwischen 15. und 20. Juli flügge, insofern
mähen wir auch deshalb so
spät, damit die nicht zu Schaden
kommen. Das zweite mal mähen
wir dann im Herbst.
Tipp Wer sich Tipps –
ob für den Balkon, einen
kleinen Garten oder eine
große Landwirtschaft –
aus erster Hand holen
will, ist am Naturschutzhof
Artenreich in Going
herzlich willkommen. Ihr
könnt bei der wöchentlichen
Führung im Rahmen
des Aktivprogramms
immer mittwochs teilnehmen.
Anmeldungen
entweder online oder in
einer Tourismus Info der
Region Wilder Kaiser.
Artenreich nature conservation
farm. Maria and Harald have been
living on an old farm in Going for 11
years. The concept behind it is unique in
the Wilder Kaiser region and definitely
worth a visit. Because everything here is
all about biodiversity. In this interview,
Maria explains how the need to create
a species-rich meadow turned into
an entire nature conservation farm. —
Farming involves animals, according
to the common perception of
what a farm is. Maria and Harald’s
farm also has animals – but not as
we know it. Even though everything
on their farm is designed to provide
a habitat for animals, it’s not about
cows and other “farm animals”, but
primarily about birds and insects.
Although there are also rabbits,
chickens, sheep and cats, the Artenreich
farm is more or less a “retirement
home” for them, because
in addition to the focus on biodiversity
and nature conservation, it is
also a “living farm”. Whether it’s the
chickens that no longer lay enough
eggs for conventional farming or the
cute, black-nosed sheep that have already
had a few years on their coat
– they have all found their way to
the farm in Going and live a wonderful
life there. On the occasion of
the “first mowing”, which takes place
at the nature conservation farm in
Going around July 20th and therefore
very late, we visited Maria at
the farm and asked her about the
motives and background of the nature
conservation farm.
If you would like to see the excellent
project with your own eyes,
you can do so every Wednesday as
part of the activity program!
What exactly is a “nature
conservation farm” and
how did you come up with
the idea of doing just that?
Maria: A nature conservation farm
is a farm that focuses on promoting
biodiversity. In other words, protecting
nature, preserving habitats
but also creating new ones – to maximize
biodiversity. Of course, we
don’t introduce any new species,
but with the various measures we
take here, many animals automatically
settle here again. It wasn’t a
ready-made idea along the lines of
“Now we’re creating a nature conservation
farm”. It was much more
of a process.
How did this process go?
Maria: We came here 11 years ago
and found a very heavily used
meadow. Only buttercups and
dandelions had grown. We felt a
strong need to create a species-rich
meadow – for the animals, but also
for us. And suddenly there were a
lot more insects again. Then more
and more birds arrived, and we
now even have ground nesting
birds. So we thought about what
we could offer them and planted
the hedge. Then we created a natural
pond for the frogs. We made
a dry stone wall for the many lizards
and so the project has grown
year on year with every animal that
has been added. And today it is
a whole nature conservation farm.
Tip If you want to get
first-hand tips – whether
for your balcony, a small
garden or a large farm
– you are very welcome
at the Artenreich nature
conservation farm in
Going. You can take part
in the weekly guided tour
as part of the activity
program every Wednesday.
Register either
online or at a tourist
information office in the
Wilder Kaiser region.
76 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 77
AUFTAKT
BRAUCHTUM
& GESCHICHTE
Im Wandel der Zeit den
Mut zur Tradition zu haben.
Das ist eine unserer Stärken.
Custom & History — Embracing tradition in
times of change. That is one of our strengths.
78 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 79
REGIONAL
MARKTPLATZ
WILDER KAISER
Regionale Kreisläufe am Wilden Kaiser
naler Kreisläufe wollen wir die heimischen
Produzent*innen unterstützen
und einen weiteren Schritt
in Richtung nachhaltigen Tourismus
gehen.
Was ist der
Wilder Kaiser
Marktplatz?
In einem ersten Schritt wurden die
regionalen Anbieter*innen mit ihren
Erzeugnissen vor den Vorhang
geholt. Oft weiß man zwar, was der
direkte Nachbar herstellt – dass die
Bäuerin zwei Orte weiter nicht nur
guten Speck, sondern auch feine
Filzpatschen hat, schon weniger.
Daher war klar: Basis des Projekts
ist ein Verzeichnis der erzeugenden
und verkaufenden Betriebe.
Tipp Hier kann man
sich online informieren:
Scan me!
Die Plattform ist nicht abgeschlossen
und weiterhin offen für alle
regionalen Erzeuger*innen bzw.
Anbieter*innen, die sich und ihre
Produkte dort präsentieren wollen.
„Flüssiges Gold“
Honig beim Söllnhof
Hoch thronend auf 835 Metern mit
Blick auf den Wilden Kaiser und das
Kitzbüheler Horn befindet sich der
Söllnhof. Bereits 1416 wurde dieser
erstmalig urkundlich erwähnt, seit
1889 befindet er sich in Besitz der
Familie Recheis. Mit dieser hielten
auch die Bienen Einzug auf dem
Bauernhof. Mittlerweile ist es Toni
Recheis, der sich dort um die fleißigen
Insekten kümmert, die Honig
produzieren – flüssiges Gold eben.
Zwischen 50 und 80 Bienenvölker
hegt und pflegt er pro Jahr, wobei
ein einzelnes Volk aus 40.000 bis
50.000 Tieren besteht. Mit Bienen
ist er groß geworden. Schon seine
Urgroßmutter hat mit den fleißigen
Insekten gearbeitet und ihr umfangreiches
Wissen wurde von Generation
zu Generation weitergegeben.
„Die Tiere haben mich schon immer
fasziniert und die Arbeit mit ihnen
hat etwas sehr Beruhigendes und erdet
mich“, erklärt der passionierte
Imker. Die Wichtigkeit der Bienen
ist nicht zu unterschätzen. Ca. 80
Prozent der heimischen Kultur- und
Wildpflanzen werden durch Honigbienen
bestäubt. Ihr Stellenwert für
unser Ökosystem ist unbezahlbar.
„Ich beschäftige mich seit etwa 15
Jahren sehr intensiv mit der Imkerei
und muss sagen, dass mich die Tiere
mit ihrem Sozialverhalten und ihrer
Organisation noch immer begeistern
und erstaunen“, ergänzt
Toni Recheis.
Bio Wald-, Blüten-, Frühlings-,
Almblüten-, Hochgebirgs-, Almrosen-
und Cremehonig findet man
im reichen Sortiment des Söllnhofs.
Hier wird wirklich jede*r fündig:
Ob intensiver Geschmack oder
doch lieber mild – mit Tonis fachmännischer
Beratung findet jede*r
den passenden Honig. Der Hausherr
selbst bevorzugt Hochgebirgsoder
Almrosenhonig, zwei Sorten,
die auch bei Gästen viel Anklang finden.
Auch Bio-Blütenpollen kann
Die vier Kaiser-Orte Ellmau,
Going, Scheffau
und Söll sind Heimat
vieler regionaler Produzent*innen.
Das Angebot ist dabei besonders
vielfältig und reicht von Fleisch
in BIO-Qualität bis hin zu Edelbränden,
diversen Lebensmitteln,
Handwerks-Erzeugnissen und noch
vieles mehr. Die Produkte aus der
Region überzeugen mit einer schonenden
Herstellung, ausgezeichneter
Qualität und individuellen
Geschmack.
Wo, wann und vor allem bei wem
kann ich diese qualitativ hochwertigen
Produkte aus der Region kaufen?
Darüber gibt die Plattform „Marktplatz
Wilder Kaiser“ Auskunft.
„Regional“ liegt im Trend, das
steht außer Frage. Während so
manche*r erst durch Corona, Lockdown
und eingeschränkten Zugang
zum Handel das „Hofladl“ ums Eck
so richtig zu schätzen gelernt hat,
wissen wir in die Region Wilder Kaiser
schon lange, was wir an unseren
zahlreichen und unterschiedlichen
Produzent*innen haben. Mit
den Initiativen zur Förderung regioman
beim Söllnhof erwerben. Reich
an Vitaminen, Eiweiß und Mineralien
lassen sich diese ideal in Müsli
oder Joghurt mischen und sind ein
Quell der Gesundheit.
Doch nicht nur Bienen tummeln
sich am Söllnhof. Seit 2016 findet
man auch Krainer Steinschafe
auf dem Goinger Bauernhof. Neben
Honig kann man daher auch
Bio Milchlammfleisch am Hof erwerben.
Von Schnitzel über Kotelett
bis hin zu Braten oder auch als
Mischpaket ist das Lammfleisch
erhältlich. Wer sich vom Angebot
des Söllnhofs überzeugen möchte,
der schaut am besten nach telefonischer
Voranmeldung einfach vorbei!
Toni Recheis und seine Familie
freuen sich!
*
Marketplace Wilder Kaiser —
The four villages of Ellmau, Going,
Scheffau and Söll are home to
many regional producers. The offer
is very divers and ranges from
meat in BIO quality to noble brandies,
various foodstuffs, handicraft
products and much more. The products
from the region convince with
a gentle production, excellent quality
and individual taste.
Where, when and above all with
whom can I buy these high-quality
products from the region? The platform
“Marketplace Wilder Kaiser”
provides information about this.
What is the Wilder Kaiser Marketplace?
— In a first step, the regional
suppliers and their products
are brought in front the curtain. You
often you know what your immediate
neighbour produces – but not
so much that the farmer’s wife two
towns away not only offers good
bacon, but also fine felt slippers. It
was therefore clear that the project
would be based on a directory of
producing and selling farms.
In the portrait: The Söllnhof —
The Söllnhof is located high up at
835 meters with a view of the Wilder
Kaiser and the Kitzbüheler Horn.
It was first mentioned in a document
in 1416 and has been owned
by the Recheis family since 1889.
80 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 81
REGIONAL
MOUNTAIN HIGH
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㔀 夀 䔀 䄀 刀 匀 ℀
With them, bees also found their
way onto the farm. It is now Toni
Recheis who looks after the industrious
insects that produce honey
– the so-called liquid gold.
He looks after between 50 and
80 bee colonies a year, with a single
colony consisting of 40,000 to
50,000 animals. He grew up with
bees. Even his great-grandmother
worked with the industrious insects
and her extensive knowledge
was passed down from generation
to generation. “The animals have
always fascinated me and working
with them is very calming and
grounding”, explains the passionate
beekeeper. The importance of
bees should not be underestimated.
Around 80 percent of domestic cultivated
and wild plants are pollinated
by honeybees. Their importance
for our ecosystem is priceless.
“I have been intensively involved
in beekeeping for around 15 years,
and I have to say that I am still fascinated
and amazed by the animals
and their social behavior and organization”,
adds Toni Recheis.
Organic forest, blossom, spring,
alpine blossom, high mountain, alpine
rose and creamed honey can be
found in the Söllnhof’s rich assortment.
There really is something for
everyone here: whether you prefer
an intense taste or a mild one – with
Toni’s expert advice, everyone will
find the right honey. The host himself
prefers high mountain or alpine
rose honey, two varieties that are
also very popular with guests. Organic
pollen can also be purchased
at Söllnhof. Rich in vitamins, protein
and minerals, they are ideal for
mixing into muesli or yoghurt and
are a source of health.
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82 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 83
GESCHICHTE
DER TRAUM VOM
GROSSEN GLÜCK
Von tiefen Stollen, Goldgräberstimmung, harter Arbeit
und einem Selbstmord, der so gar nie hätte sein müssen.
Es waren einmal drei Bauern,
die auf dem Rückweg
vom Kirchweihfest ihren
Rausch ausschliefen und im Traum
einen großen Schatz zu ihren Füßen
sahen. Als sie erwachten, scharrten
sie den Boden auf und fanden Kupfer
und Silber. Ob die Sage wirklich
stimmt, sehen Historiker eher skeptisch.
Dass aber „das bedeutendste
und wertvollste Erzvorkommen des
ganzen Bezirkes und einer der größten
und großartigsten Bergbaue der
Alpenländer“ einst in Going war, ist
sich zumindest Georg Mutschlechner
im Stadtbuch von Kitzbühel sicher.
Überlieferungen aus dem Jahr
1539 zufolge wurde unter dem heutigen
Astberg so einiges an Silber
und Kupfer gefunden. Rasch kam
– nicht nur im Bezirk, sondern weit
über die Landesgrenzen hinaus –
Goldgräberstimmung auf. Vor allem
aus der nahen Bergwerkstadt
Schwaz stammten die Knappen, aber
auch aus Bayern zog es die Bergleute
in das kleine Dorf.
Stollen bis
zum Meer
Die Abbaurechte wurden damals
vom Landesfürsten an Unternehmerfamilien
bzw. -zusammenschlüsse
vergeben. Kostenlos war
diese Ehre natürlich nicht und
so mussten sich die sogenannten
„Gewerken“ mittels ertragsabhängiger
Abgaben beim obersten Herrn
revanchieren. Alles in allem muss
es wohl doch ein sehr lukratives
Geschäft gewesen sein, denn auch
die Fugger und der Herzog von Bayern
waren unter den schürfenden
Genossenschaften. Das Abbaugebiet
am Röhrerbichl im nahen Oberndorf
spielte ebenso eine wichtige
Rolle wie der oberhalb der Reither
Ache liegende Fuggerbau, das sogenannte
Abendgebirge. Dieses bestand
aus Schächten, die zum Teil
bis in 890-Meter-Tiefe und somit
unter Meeresniveau reichten. 1540
zählten sie zu den tiefsten in ganz
Europa.
Wasser und
Selbstmord
Der Stollenbau war wegen des flachen
Geländes nicht möglich und so
musste mit Bergbarten, auf Knien,
teils im eiskalten Gebirgswasser in
steilen Schächten nach Fahlerz gegraben
werden. Um das Grundwasser
heben zu können und das Arbeiten
überhaupt möglich zu machen,
baute man Wasserhebe maschinen.
Diese benötigten für den Betrieb
jedoch Oberflächenwasser, welches
aus Seen oder über Rinnen
zugeführt wurde. Als die Grabungen
immer tiefer wurden, brauchte
es noch mehr Wasser. Ein gewisser
Herr Gabl setzte sich für einen
neuen, 1.055 Meter langen Zufluss
von der Weißache in Ellmau zum
St. Georgschacht in Going ein. Als
der Durchfluss nicht auf Anhieb
klappen wollte, nahm sich Gabl
das Leben. Er bedachte dabei nicht,
dass das Wasser einige Zeit benötigt,
um seinen neuen Weg zu finden.
Wenige Monate später wurde der
„Gabl graben“ in Betrieb genommen.
Die Verseuchung
des Glaubens
Die heutigen Reste
des Gablgrabens.
Zur Blütezeit arbeiten mehr als
1.500 Mann in den Schächten auf
der Südseite von Going. Dies stellte
Arbeitgeber, die heimische Bevölkerung
und selbst die katholische Kirche
vor neue Herausforderungen.
In der Prama, einem Ortsteil von
Going, entstanden einfache Knappensiedlungen,
in denen die Bergleute
teils unter widrigsten Umständen
auf engstem Wohnraum, mit
schlechter Hygiene und einfachster
Nahrung hausten. An sie erinnern
heute nur mehr fünf Knappenhäuser,
eines davon das Haus Gattern.
Die katholischen Oberhäupter waren
nicht sehr erfreut, als sich mit
dem Zuzug aus dem Ausland auch
der Protestantismus und die Sekte
der Wieder täufer verbreiteten. In
der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts
wurde mit aller Kraft von Kirche
und Landesfürsten gegen die
„Verseuchung des Glaubens“ vorgegangen.
Aufstände und Rebellionen
blieben nicht aus und führten
letztlich zu einem wesentlichen
Rückgang der Erträge und Einnahmen
aus dem Bergwesen.
Von Glanzzeiten
und Untergang
Geschwächt aus der Mitte und mit
allmählich schwindenden Ressourcen
der Natur zeichnete sich um
1700 bald das Ende der Bergbauzeit
ab. Die Fugger bauten als alleinig
übriggebliebene „Gewerke“ in
den darauffolgenden Jahren noch
Salz und letzte Reste von Kupfer
und Silber ab. Doch die Hochzeit
konnte nie wieder erreicht werden.
Als die Verluste im 18. Jahrhundert
fast alljährlich anstiegen,
wurde der Betrieb am 24. Dezember
1774 von Maria Theresia eingestellt
und die Abbaurechte auf die ehemaligen
Bergknappen übertragen.
Seit jener Zeit gab es immer wieder
Untersuchungen auf Resterze,
das letzte Mal 1970 durch die südafrikanische
Union Corporation.
Aber auch sie musste bald feststellen,
dass die Glanzzeiten mit jährlich
12.000 kg Kupfer und 70.000 kg
Silber längst der Vergangenheit
angehören. Heute erinnern nur
mehr wenige Überreste des Gablgrabens,
vereinzelte Knappenhäu-
84 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 85
GESCHICHTE
ser und ein im Jahr 2003 errichteter
Gedenkbrunnen an die ehemalige
Goldgräberzeit von Going. Wer sich
aber auf den Spuren der Bergleute
begeben möchte, der findet den
einen oder anderen verlassenen
Weg und geheimnisvollen Stollen
etwas versteckt beschrieben in der
Dorfchronik.
*
The dream of great happiness.
— There once were three farmers
sleeping off their drunkenness on
the way home from the church festival
who dreamt they saw a great
treasure at their feet. When they
awoke, they shuffled around on the
ground and found copper and silver.
Of course, historians are sceptical
of whether this legend rings true.
But one thing is certain – “the most
significant and valuable mineral deposits
of silver and copper in the entire
district and one of the largest
Der Knappenbrunnen
in der
Prama.
and most magnificent mines of all
the alpine countries” was once in
Going, in 1539. This quickly brought
about a gold rush, not only in the
district but far beyond the country’s
borders as well. The mining
area here was comprised of shafts,
some of which going down 890 metres,
extending below sea level. By
1540, they were among the deepest
in Europe.
The flat terrain meant tunnel
construction was impossible, steep
fahlerz shafts had to be dug out using
mining axes by miners working
on their knees, sometimes in icy
mountain water. They built water
lifting machines to lift the ground
water to make the job possible in
the first place. A certain Mr Gabl
campaigned for a new 1,055-metre-long
tributary to be built from
the Weissache in Ellmau to the
St. George’s shaft in Going. When
the water failed to flow straight
away, Gabl took his own life. What
he failed to consider was that water
takes time to find its new route.
“Gabl’s Grave” was put into operation
just a few months later.
In its heyday, more than 1,500
men worked in the shafts on the
southern side of Going. This posed
new challenges for employers, the
local population and even the Catholic
Church. Miners’ settlements
cropped up in Prama, a district of
Going, where miners sometimes
lived under arduous conditions in
confined living spaces, with poor
hygiene and only basic food. Catholic
leaders were not pleased when
arrivals from abroad saw the spread
of Protestantism and the Anabaptist
sect. The full might of the church
and local sovereigns was brought to
bear against the “contamination of
the faith” in the second half of the
16th century. Insurrections and rebellions
were inevitable and eventually
led to a substantial decline in
income and revenue from mining.
Weakened from the centre and
faced with gradually diminishing
natural resources, the turn of the
18th century was characterised as
the beginning of the end of the mining
period. As losses increased almost
annually during the 18th century,
operations were finally halted
on 24 December 1774 by Maria Theresa
and the mining rights were
transferred to the former miners.
Today what remains are only a few
remnants of Gabl’s Grave, a smattering
of miners’ settlements and
a memorial fountain honouring
Going’s erstwhile gold rush, which
was erected in 2003. Yet anyone
looking to follow in the footsteps
of the miners themselves can find
some abandoned route or other or
one of the mysterious tunnels hidden
away in the village chronicle.
1970 wurde zum letzten Mal nach Erz gesucht – erfolglos.
86 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 87
250 JAHRE PFARRKIRCHE
DIE PFARRKIRCHE
ZUM HEILIGEN KREUZ
IN GOING
Der Kirchturm einer jeden Tiroler Gemeinde prägt
das Ortsbild wie kaum ein anderes Gebäude. Was fehlen
würde, wenn es die Kirche in Going nicht gäbe? Der
Mittelpunkt des Dorfes, der Kirchplatz als Ort der
Zusammenkunft und ein Anker für den christlichen
Glauben. Dieses Jahr feiert die Kirche ihr 250-jähriges
Bestehen. Mindestens.
Die Geburtsstunde
der Kirche
Die Pfarrkirche in ihrer heutigen
Form wurde zwischen 1772 und 1775
erbaut und am 20. Oktober 1777 vom
Chiemseer Bischof geweiht. Am Bau
beteiligt waren geschickte Handwerker
und Künstler aus der Region
– im Archiv namentlich erwähnt
werden der Baumeister, der
Bauleiter, der Freskomaler, der Stuckateur
und Bildhauer, der Schmied,
der Schlosser und der Maurermeister,
der den Fußboden aus Marmor
ausführte.
»DIE ALLER-
ERSTE UR
KUNDLICHE
ERWÄHNUNG
DER DORFKIR
CHE FAND […]
SCHON IM
JAHR 1398
S TAT T. «
Neben diesen Informationen gibt
es in den Chroniken der Goinger
Pfarrkirche nicht viel zu finden:
einige Rechnungen und Beschreibungen
der Pfarrer, Einträge im Kirchenbuch
zu Geburten, Todestagen
und Hochzeiten und den Hinweis
darauf, dass die Diözese wohl einst
gegen die Goinger Bauern prozessierte.
Die allererste urkundliche Erwähnung
der Dorfkirche fand jedoch
schon im Jahr 1398 statt. Am 11.
November dieses Jahres wurde die
Bedingung formuliert, dass mit der
Weihe der Kirche in Going finanzielle
Zuwendungen erfolgen sollten.
Diese Urkundenausstellung gilt
als Beweis, dass bereits Ende des 14.
Jahrhunderts eine Kirche in Going
erbaut wurde oder ein Bau bereits
in Planung war.
Zu klein – oder zu unmodern –
wurde die gotische Kirche im Laufe
der Zeit. So wurde in den Jahren
1723 und 1724 eine Barockisierung
vorgenommen. Die Schubkräfte des
neuen Stichkappengewölbes wurden
dabei jedoch falsch berechnet,
was bereits nach kurzer Zeit zu erheblichen
Bauschäden führte und
zu einem Neubau Ende des 18. Jahrhunderts
drängte. Die Kirche wurde
über die Jahre hinweg laufend erweitert
und im Jahre 1957 aufwendig
restauriert – in den beiden Seitenwänden
wurden prunkvolle Beichtstühle
eingelassen.
Die Weitergabe
von Wissen
Noch heute ist die Bildsprache in
Form von Symbolen, Deckenmalereien
und Dekorationen ausschlaggebend
für die Wirkung
einer Kirche. Früher diente die visuelle
Ausgestaltung einer Kirche
neben dessen Verschönerung vielmehr
der Wissensweitergabe: Wie
wollte man sonst die Inhalte der Bibel
weitergeben? Wenige konnten
lesen und schreiben. Die Symbole
und Zeichnungen in den Kirchen
waren und sind das Trägermedium,
um biblische Geschichten und zum
Teil längst vergessene Legenden zu
übertragen.
Die barocke
Symbolik
Schon an der Fassade der Kirche
lässt sich erkennen, dass die Pfarrkirche
zum Heiligen Kreuz ein Beispiel
der barocken Gestaltung und
der dazugehörigen Symbolsprache
ist. Fünf Nischen lassen sich am
Haupteingang erkennen, so auch
eine fünfblättrige Rose als Schnitzerei
an der rechten Flügeltür. Die
Zahl Fünf steht in der christlichen
Symbolik für die Passion Christi
und die fünf Wunden Christis.
Zählt man die Eingangstür zu den
Nischen, so ergibt sich die Zahl
Sechs, die sich auch in der sechsblättrigen
Rose auf der linken Flügeltür
wiederfindet. Sechs Tage dauerte
die Schöpfung der Erde. Auch
vier Blätter lassen sich bei genauem
Hinsehen finden – Vier steht für die
vier Evangelisten, die vier Weltreligionen,
die vier Elemente. Die Zahl
Drei, die Dreieinigkeit der Tugenden
Glaube, Liebe und Hoffnung,
findet sich auch an vielen Stellen
wieder. So zieht sich die barocke
Symbolik über die Frontfassade in
den Innenraum und durch die gesamte
Pfarrkirche.
In voller Pracht
Direkt über dem Haupteingang
weist das Heilige Kreuz auf das Patrozinium
der Kirche hin. Umgeben
wird es von den Aposteln Petrus und
Paulus, die wohl im 19. Jahrhundert
ergänzt wurden. Im Innenraum, als
Fresko in den Gewölbezwickeln, ist
der Hl. Laurentius als zweiter Patron
der Kirche zu sehen – mit ihm
noch der Hl. Martin, abgebildet wie
er mit Schwert seinen Mantel teilt,
der Drachentöter Hl. Georg und der
Hl. Sebastian. Dem Hl. Georg wurde
zudem eine lebensgroße Statue auf
dem linken Portal des Hochaltars
gewidmet. Die meiste Aufmerksamkeit
wird jedoch dem aufwendig
gestalteten, in sich geschlossenen
Kuppelfresko geschenkt. Über
dem Hauptraum und dem Kuppelkranz
sind die vier Szenen der
Kreuzeslegende aneinandergereiht
dargestellt. Die einzelnen Darstellungen
werden weder durch Stuckbänder
noch Rahmen voneinander
getrennt – lediglich deren Inhalt,
der ikonografische Gehalt, trennt
die Szenen thematisch voneinander.
Zentral findet sich die Kreuzigung
Christi, im Uhrzeigersinn folgt die
Rückführung des Heiligen Kreuzes
nach der Plünderung Jerusalems, die
alttestamentarische Szene von Moses
und der ehernen Schlange und
zuletzt die Kreuzauffindung, die
Prüfung des wahren Kreuzes und
das Auferstehungswunder.
88 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 89
250 JAHRE PFARRKIRCHE
Bei einem Besuch der Kirche fallen
auch die bunten Fenster auf, durch
die sich das Sonnenlicht ganz raffiniert
bricht. Die Fenster wurden
zwischen den Jahren 1936 und
1944 von einheimischen Familien
gespendet.
Alleinig durch die Schönheit der
Kirche wird dessen Wert hochgehalten.
Früher, wie heute, ist sie eine
beliebte Kirche für Hochzeiten –
sie wirkt luftig, nicht schwer, man
fühlt sich in ihr wohl. Dieses Wohlgefühl
ist hauptsächlich den Künstlern,
die an der Ausstattung der Kirche
beteiligt waren, zu verdanken.
*
250 Years: The Parish Church
of Going. The tower of a church is
what shapes the townscape like no
Das Ostergrab
other building. What would be missing,
if the local church would not exist?
The center of the town, the place
where people connect, the anchor for
Christian faith. This year, the parish
church of Going celebrates its 250th
birthday. At least.
The Hour of Birth — The church
in its today’s form was built between
1772 and 1775 and consecrated on
October 20th in 1777. Besides this information
and the names of the people
who participated in its construction,
not a lot can be found in its
chronicles. Some receipts, information
about births, deaths, and marriages,
as well as alleged court proceedings
between the diocese and
local farmers.
However, the church – or at least
the intention for its construction
– was very first mentioned in 1398.
The church became too small – or
too out of date – this is why in 1723
and 1724 the church was converted
to Baroque style. Soon some structural
damages emerged, which led
to a complete reconstruction at the
end of the 18th century. The church
has ever since been enhanced regularly
and restored in 1957 – two
confessionals were added.
The Transfer of Knowledge
Through Symbols — Until today,
symbols, ceiling frescos, and decoration
are key instruments to transfer
knowledge, stories and legends.
How else would people have been
able to share biblical stories with
people unable to read or write? On
the outside of the church one can
already see the Baroque style and
the church’s patrocinium: the Holy
Crucifix. Further symbols share a
lot of Christian knowledge, such as
a Rose with five petals – symbolizing
the stigmata – and six niches on
the front of the church – symbolizing
the six days of creation. Just like
on the outside, the inside carries a
lot of knowledge in form of decoration
and symbols. Statues and frescos
tell the stories of saints and the
Holy Crucifix: from the crucifixion
of Christ, to the bringing back of the
crucifix after it was stolen from Jerusalem,
to the story of Moses and
the brazen snake, and a story about
a resurrection. On a sunny day, the
inside of the church is finley illuminated
through colourful windows
that were donated by local families
between 1936 and 1944.
The beauty of the church is
what draws people inside to celebrate
weddings and special days.
Its airy ambient is what makes one
feel comfortable – thanks to all the
artists that were responsible for the
visual appeal of the church – still
visible today.
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MOOSBEER
NOCKEN
Rezept von Luise Wallner
aus Going, Bäuerin
Zutaten
250 g frische Moosbeeren • 1 EL Zucker
250 ml Milch • 100 g Mehl • Eine Prise Salz
2 EL Butter • 4 EL Staubzucker zum Bestreuen
1 Zitrone (in Scheiben geschnitten)
• In einer großen Schüssel das Mehl mit dem
Zucker und einer Prise Salz vermengen. Nach
und nach die Milch hinzufügen und alles mit
einem Schneebesen zu einem glatten Teig rühren,
bis keine Klümpchen mehr vorhanden sind.
Die frischen Moosbeeren vorsichtig unter den
Teig heben, damit sie nicht zerdrückt werden
und ihren fruchtigen Geschmack bewahren.
• In einer großen Pfanne die Butter bei mittlerer
Hitze schmelzen, bis sie leicht schäumt. Mit einem
Löffel kleine Portionen des Teiges in die heiße
Pfanne geben und sanft flach drücken, sodass
kleine, runde Nockerl entstehen. Die Nockerln
auf jeder Seite goldbraun anbraten, dabei darauf
achten, dass sie gleichmäßig durchgebraten
sind und eine knusprige Kruste bekommen.
• Die fertigen Nockerln aus der Pfanne nehmen
und auf einem Teller anrichten. Mit einer großzügigen
Prise Staubzucker bestreuen.
Tipp: Für ein erfrischendes Finish und
um blaue Zähne von den Moosbeeren
vorzubeugen, eine Scheibe Zitrone
zum Gericht servieren.
Ingredients
250 g fresh Tyrolean bilberries • 1 tbsp sugar
250 ml milk • 100 g flour • A pinch of salt
2 tbsp butter • 4 tbsp icing sugar for sprinkling
1 lemon (cut into slices)
• In a large bowl, mix the flour with the sugar
and a pinch of salt. Gradually add the milk and
mix everything with a whisk to form a smooth
batter until there are no more lumps. Carefully
fold the fresh cranberries into the batter so
that they are not crushed and retain their fruity
flavour.
• Melt the butter in a large pan over a medium
heat until it foams slightly. Using a spoon,
scoop small portions of the batter into the hot
pan and gently press flat to form small, round
dumplings. Fry the dumplings until golden
brown on each side, making sure they are evenly
cooked and have a crispy crust.
• Remove the finished dumplings from the
pan and arrange on a plate. Sprinkle with
a generous pinch of icing sugar.
Tip: For a refreshing finish and to
prevent blue teeth from the cranberries,
serve a slice of lemon with the dish.
365 Tage Going am Wilden Kaiser 93
GOINGER KRAFTPLÄTZE
MYSTISCHE
REFUGIEN
Die Kraftplätze in Going am Wilden Kaiser
In den Tiefen der Natur und in
den verborgenen Ecken unserer
Welt gibt es Orte, die
mehr sind als einfach nur geografische
Koordinaten. Sie tragen eine
Energie in sich, die über das Materielle
hinausgeht und eine Verbindung
zu etwas Größerem herstellt.
Wir bezeichnen sie als „Kraftplätze“
– geheimnisvolle Orte, die Geschichten
erzählen, wenn man bereit
ist, ihnen zuzuhören. Lass uns
gemeinsam auf eine faszinierende
Reise durch die Geschichten und
Legenden der Kraftorte in Going
am Wilden Kaiser gehen.
Die Sonne taucht die historischen
Mauern der Kirche in Going
in ein warmes, goldenes Licht, als
wir den Kirchplatz betreten. Die
barocke Architektur der Kirche
verleiht dem Ort eine faszinierende
Aura. Gekonnt schafft das
sakrale Bauwerk den Spagat zwischen
Prunk und Eleganz. Es wirkt
ruhmreich und prachtvoll zugleich,
nicht jedoch einschüchternd. Hier,
umgeben von alten Steinen, wird
die Verbindung zwischen Himmel
und Erde spürbar. So manch über-
raschend Skurriles und Verblüffendes
findet man im Inneren. Trotz alledem
ist es ein Ort der Stille und
des Gebets, aber auch ein Ort, an
dem die Geschichte der Gemeinschaft
eingraviert ist. Die Kirche in
Going ist nicht nur eine religiöse
Stätte; sie ist ein Zeuge vergangener
Zeiten und ein Kraftort für all jene,
die nach innerer Einkehr suchen.
Vom Kirchplatz führt uns unsere
Reise zum Badesee in Going.
Dieser idyllische Ort bietet nicht
nur Erfrischung an warmen Tagen,
sondern birgt auch eine ganz eigene
Energie. Die sanften Ufer des
Sees laden zum Verweilen ein, während
das glasklare Wasser die umliegende
Berglandschaft widerspiegelt.
Viele glauben, dass die ruhige
Atmosphäre des Badesee Goings
nicht nur den Körper erfrischt, sondern
auch die Seele nährt. Einige
erzählen von spirituellen Erlebnissen
und erneuernder Kraft, die sie
am Ufer dieses Sees erfahren haben.
Der Badesee Going wird so zu
einem Ort der ganzheitlichen Erholung,
an dem Körper, Geist und
Seele in Einklang kommen.
Unsere Reise setzt sich fort zum
Schleier Wasserfall, einer natürlichen
Pracht am Fuße des Wilden
Kaisers. Das Wasser stürzt in
schwindelerregender Höhe über
die Felsen, bildet einen feinen Nebel
und erzeugt so den namensgebenden
„Schleier“. Der Klang des
Wassers, das auf die Steine prallt, ist
wie eine Melodie der Natur, die die
Sinne berührt. Der Schleier Wasserfall
ist nicht nur ein visuelles Spektakel,
sondern auch ein Ort der Erfrischung
und Kraft. Umgeben von
der kühlen Gischt des Wasserfalls,
kann man hier die natürlichen Energien
in ihrer reinsten Form erleben.
Einige Erhebung weiter führt
uns unser Pfad zum Bergsteigergrab,
einem stillen Ort der Erinnerung
an den „Wieser Much“ der
hier seine letzte Ruhestätte fand. Bis
zu seinem Tod war der Much ein
treuer Kaiserfreund, der einst nach
»VIELE, DIE DEN
BESCHWERLI
CHEN WEG AUF
SICH NEHMEN,
BERICHTEN VON
EINER TIEFEN
INNEREN RUHE
UND DEM GE
FÜHL, DEM HIM
MEL EIN STÜCK
NÄHER ZU
SEIN.«
den höchsten Gipfeln des Wilden
Kaisers strebte. So senkten ihn seine
Kameraden auf eigenen Wunsch
nach seinem Ableben im Jahr 1952
in das Grab am Baumgartenköpfl.
Das Grabmal erinnert daran, dass
die Berge nicht nur eine majestätische
Kulisse sind, sondern auch
Herausforderungen und Opfer mit
sich bringen. Hier, zwischen Himmel
und Erde, wird die Verbundenheit
der Bergsteiger mit den Kräften
der Natur greifbar.
Nun geleitet uns unser Weg auf
die andere Seite des Tales, zum
Die Goinger
Pfarrkirche – nicht
nur für unsere Erna
ein Kraftplatz.
Hollenauer Kreuz, das hoch oben,
gegenüber des Wilden Kaisers
thront. Der Aufstieg zu diesem markanten
Kreuz ist nicht nur körperlich
herausfordernd, sondern auch
eine spirituelle Pilgerreise. Das
Kreuz ist mehr als nur ein religiöses
Symbol; es ist ein Ort der Einkehr
und Reflexion. Von hier oben
aus erstreckt sich der Blick über das
gesamte Gebirge. Viele, die den beschwerlichen
Weg auf sich nehmen,
berichten von einer tiefen inneren
Ruhe und dem Gefühl, dem Himmel
ein Stück näher zu sein.
Der Weg lenkt uns jetzt zum Astberg,
einem weiteren beeindruckenden
Fleckchen Erde. Erreichen kann
man ihn mit der Seilbahn oder zu
Fuß. Der Astberg ist nicht nur ein
Aussichtspunkt; er ist ein Ort der
Erhebung und des Perspektivenwechsels
– nicht nur zwischen den
zwei Gebirgen, dem „Wilden Kaiser“
und den „Kitzbüheler Alpen“.
Hier oben, hoch über den Alltagssorgen,
wird der Geist befreit.
Die Freiheit der Berge, die Weite
des Himmels – all das vermittelt ein
Gefühl der Leichtigkeit und Unbeschwertheit.
94 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 95
GOINGER KRAFTPLÄTZE
Unsere Reise durch die Geschichten
der Kraftorte in Going am Wilden
Kaiser führt uns schließlich wieder
hinunter ins Tal zum „Moor and
More“, einem einzigartigen Naturschutzgebiet
am Rande der majestätischen
Bergkette. Das Moor ist
nicht nur ein Ort der Ruhe, sondern
auch ein Platz der Heilung. Die Luft
hat eine beruhigende Wirkung auf
Körper und Geist. Die Menschen
kommen hierher, um die Erdverbundenheit
zu spüren und sich von
den heilenden Kräften der Natur
durchdringen zu lassen. So wird
das Moor zu einem Rückzugsort,
an dem die Sinne geschärft und die
Verbindung zu den natürlichen Elementen
vertieft wird.
Auf unserer Reise durch die Geschichten
des Wilden Kaisers erkennen
wir, dass die Natur nicht nur
eine Kulisse ist, sondern ein lebendiger
Akteur in den Geschichten unseres
Lebens. Diese Kraftorte dienen
als Portale zu einer tieferen Verbindung
mit der Natur und schenken
uns die Möglichkeit, unsere eigene
innere Reise anzutreten. Der Wilde
Kaiser wird so zu einem Buch der
Natur, dessen Seiten mit den Geschichten
und Legenden derjenigen
gefüllt sind, die sich auf die Reise zu
seinen Kraftorten begeben.
*
Mystical hideaways. The places of
power in Going am Wilden Kaiser —
In the depths of nature and in the
hidden corners of our world, there
are places that are more than just
geographical coordinates. They
carry an energy that goes beyond
the material. We call them “places
of power”. Let’s go on a fascinating
journey together through the
stories and legends of the places of
power in Going am Wilden Kaiser.
The sun touches the historic
walls of the church in Going in a
warm, golden light as we enter the
church square. The baroque architecture
of the church lends the place
a fascinating aura. The sacred building
skillfully manages the balancing
act between pomp and elegance.
Many a surprisingly bizarre and astonishing
thing can be found inside.
Despite all this, it is a place of silence
and prayer, but also a place
where the history of the community
is engraved.
From the church square, our
journey takes us to the bathing lake
in Going. This idyllic place not only
offers refreshment on warm days,
but also has an energy all of its own.
Many believe that the tranquil atmosphere
of the Going bathing
lake not only refreshes the body,
but also nourishes the soul. Some
tell of spiritual experiences and renewing
power that they have experienced
on the shores of this lake.
The bathing lake becomes a place
of holistic relaxation, where body,
mind and soul come into harmony.
Our journey continues to the
Schleier waterfall, a natural wonder
at the foot of the Wilder Kaiser.
The water cascades over the rocks
at a dizzying height, forming a fine
mist and creating the eponymous
“veil”. Surrounded by the cool spray
of the waterfall, you can experience
natural energy in its purest form.
A few elevations further on, our
path leads us to the mountaineer’s
grave, a quiet place of remembrance
for the “Wieser Much” who found
his final resting place here. Until his
death, Much was a loyal friend of
the Kaiser who once strove for the
highest peaks of the Wilder Kaiser.
After his death in 1952, his comrades
lowered him into the grave on the
Baumgartenköpfl at his own request.
Here, between heaven and
earth, the connection between the
mountaineers and the force of nature
becomes tangible.
Now our path leads us to the
other side of the valley, to the Hollenau
Cross, which is enthroned
high above, opposite the Wilder
Kaiser. The ascent to this striking
cross is not only physically challenging,
but also a spiritual pilgrimage.
From up here, the view extends over
the entire mountain range. Many
who take on the arduous path report
a deep inner peace and the feeling
of being a little closer to heaven.
The path now leads us to the
Astberg, another impressive piece
of earth. The Astberg is not just a
vantage point; it is a place of elevation
and a change of perspective.
Up here, high above the worries
of everyday life, the spirit is liberated.
The freedom of the mountains,
the vastness of the sky – all
this conveys a feeling of lightness
and light-heartedness.
Our journey through the stories
of the places of power in Going am
Wilden Kaiser finally leads us back
down into the valley to the Moor
and more, a unique nature reserve
on the edge of the majestic mountain
range. People come here to feel
their connection to the earth and to
be pervaded by the healing powers
of nature. In this way, the moor becomes
a retreat where the senses are
heightened and the connection to
the natural elements is deepened.
On our journey through the stories
of the Wilder Kaiser, we realize
that nature is not just a backdrop,
but a living actor in the stories of our
lives. These places of power serve
as portals to a deeper connection
with nature and give us the opportunity
to embark on our own inner
journey. The Wilder Kaiser thus becomes
a book of nature whose pages
are filled with the stories and legends
of those who embark on the
journey to its places of power.
Wild & kraftvoll
96 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 97
GESCHICHTEN
»ACHTE AUF DEINE GEDANKEN,
DENN SIE SIND DER ANFANG
DER TATEN.«
98 GOING MAGAZIN 24
365 Tage Going am Wilden Kaiser 99
TRADITION
A GEWAND
FÜR DIE EWIGKEIT
Nur zu ganz bestimmten kirchlichen Festtagen wird es
aus den heimischen Kästen und Schränken hervorgeholt –
das Kasettl. Goings Ortsbäuerin Maria-Luise Mayr ist
eine von den Röcklgwandträgerinnen und weiß, was es
braucht fürs fesche Gewand und den Auftritt darin.
Schnurlhut
Ich hab’ mein Kasettl von der
Schwiegermutter bekommen
und die wiederum von ihrer
Großmutter“, erzählt die Flugberg-
Bäuerin. So ein Röcklgwand ist in
der Herstellung eine aufwendige Sache
und somit weder einfach noch
alltäglich. Daher werden die meisten
Kasettl-Trachten von Generation
zu Generation, meist bei der
Hochzeit, weitergegeben. „Meines
war zu kurz“, sagt Maria-Luise.
Aber was nicht passt, wird passend
gemacht. Und so wird häufig
da und dort der aus dicker Schurwolle
bestehende Rock – maximal
bis zur Knöchellänge verlängert,
Abnäher und Knöpfe versetzt und
die Ärmel angepasst.
Neben dem Rock ist es primär
das Oberteil, welches dem Kasettel
seinen Namen gibt, besonders. Es ist
aus schwarzem Samt oder Schurwolle
gefertigt und mit prachtvollen
Seidenstickereien und Blumenmustern
einfarbig bestickt und mit
Perlen und Borten verziert, die Ärmel
gesmokt und eng anliegend, mit
kleinen Samt-Knöpfen. Darunter
steckt kunstvoll drapiert, statt einer
Bluse, ein Tuch. Das je nach
Anlass die Farbe wechselt. Bei der
Hochzeit unbedingt in Weiß und
bei Begräbnissen in Schwarz. Die
gleichlange Schürze besteht aus Seidenbrokat.
Auch sie trägt traditionell
Blumenmuster, welches nach
Geschmack von Blau über Rot bis
Rosa, bei Hochzeiten in Weiß und
Beerdigungen in Schwarz ausfällt.
Die Schürzenbändern werden, wie
auch beim „normalen“ Dirndl bei
verheirateten Frauen rechts und bei
ledigen links gebunden.
Was bei keiner verheirateten Kasettelträgerin
fehlen darf, ist der
zylinderförmige Hut. Er besteht
aus Seidenfilz mit zwei goldenen
Quasten und ist entweder mit echter
Goldstickerei oder Goldborte
verziert. Die im Nacken gebundenen
Samtbänder sollten die Ohren
und die restlichen Haare bedecken
und geben so dem Hut den perfekten
Sitz. Als Accessoires bedarf es
eine Kropf-kette mit prachtvoller
Schließe, eine Brosche für das Tuch,
Ohrringe bzw. eine Haarspange für
die zusammengebundenen Haare.
Manche Damen tragen auch eine
Kette mit oder ohne Uhr, die ins
Kasettel gesteckt wird.
»ES GEHÖRT
ZU UNSERER
REGION UND
UNTER DIE
LEUTE,
DENN ZUM
VERSTAUBEN
IST ES
ZU SCHADE.«
Neben einem Beutel und einem
dazu passenden schwarzen eleganten
Kasettelschirm, dürfen ein paar
schwarze Lederschuhe mit niedrigem
Blockabsatz und schwarze
Strümpfe nicht fehlen. In der kalten
Jahreszeit kommt noch eine Blüschjacke
oder, wer hat, der bekannten
Doppelschal zum Einsatz. Ganz
wichtig sei aber eine rote oder rosarote
Blume im Ausschnitt, mit etwas
stacheligem Grün dazu – beispielsweise
Asparaguts.
Bei alldem braucht es dann schon
einen Mann oder eine Röcklgwandkollegin,
die anpackt und einem
hilft, die zahlreichen Haken und
Häkchen im Kasettel ordnungsgemäß
zuschließen und die Accessoires
fingerfertig anzubringen,
denn die sollten auf alle Fälle akkurat
sitzen.
Seit mehr als 150 Jahren wird die
traditionelle Kasettel-Tracht im Unterland
und Umgebung getragen.
Und obwohl man bis zu € 3.000,–
für ein neues Kasettel und für ein
komplettes Outfit sogar bis zu
100 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 101
TRADITION
Kassettlfrauen
€ 10.000,– hinlegen muss, ist das
Gewand angesagt wie schon lange
nicht mehr. „Es gehört zu unserer
Region und unter die Leute, denn
zum Verstauben ist es zu schade.
Also Damen, auf die Kästen und rein
ins Röcklgwand!“ appelliert Maria-
Luise. Denn dass das Kasettel nur
für Bäuerinnen und deren Töchter
bestimmt sei, sei schon längst verjährt,
so die Goinger Ortsbäuerin.
*
A garment for eternity. Only on
very special church holidays is it
brought out of the boxes and cupboards
at home – the Kasettl. Maria-Luise
Mayr, a local farmer in Going, is one
of those who wears a skirt and knows
what it takes to put on a stylish garment
and make an entrance in it. —
“I got my Kasettl from my mother-in-law,
who in turn got it from
her grandmother”, says Maria Luise.
Such a “Röcklgwand” (as we call
it in Austria) is an elaborate thing
in the production and thus neither
simple nor every day. That’s why
most Kasettl costumes are passed
down from generation to generation,
usually at the wedding. And so,
the skirt, which is made of thick virgin
wool, is often lengthened here
and there – at most to ankle length,
darts and buttons are moved and
the sleeves are adjusted.
Besides the skirt, it is primarily the
» IT BELONGS
TO OUR
REGION AND
AMONG THE
PEOPLE,
BECAUSE TO
GATHER DUST
IT IS TOO
BAD.«
top that gives the Kasettel its name,
especially. It is made of black velvet
or virgin wool and embroidered
with magnificent silk embroidery
and floral patterns in one color and
decorated with beads and braids, the
sleeves smocked and tight-fitting,
with small velvet buttons. Underneath
is artfully draped, instead of a
blouse, a shawl. The apron is made
of silk brocade. She also traditionally
wears floral patterns, which, according
to taste, ranges from blue
to red to pink, white for weddings
and black for funerals.
What should not be missing from
any married wearer is the cylindrical
hat. It is made of silk felt with
two golden tassels and is decorated
with either real gold embroidery or
gold braid.
Accessories include a choker
necklace with a magnificent clasp,
a brooch for the scarf, earrings or
a barrette for the tied hair. Some
ladies also wear a necklace with or
without a watch, which is put into
the choker. Very important, however,
is a red or pink flower in the
neckline with some spiky greenery.
For more than 150 years, the traditional
Kasettel costume has been
worn in the Tiroler region Unterland.
And although you have to pay
up to € 3,000 for a new Kasettel and
even up to € 10,000 for a complete
outfit, the garment is more popular
than it has been for a long time. “It
belongs to our region and among
the people, because to gather dust
it is too bad.”
102 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 103
STAMMGÄSTE
Familie Hüttner
40 Jahre im Stadlhof
IN TIROL WIRD
GASTFREUND-
SCHAFT GELEBT
Mit der Zeit entwickeln sich besondere Bindungen.
Unsere Stammgäste erzählen uns von ihren Abenteuern,
von Familienfeiern und von den kleinen Momenten,
die ihren Aufenthalt unvergesslich machen. Diese
Geschichten – sei es von einem Bergwanderung, einem
romantischen Abend oder einer geselligen Runde –
sind die Seele unserer Gastfreundschaft.
Vor 40 Jahren kam eine
junge Gruppe aus Nürnberg
zu uns auf den
Stadlhof und erlebte unvergessliche
Tage beim Skifahren in Going
und Ellmau. Die Familie Hüttner
war ebenfalls Teil dieser fröhlichen
Truppe und entwickelte sich schnell
zu unseren treuen Stammgästen.
Im Sommer genossen sie die malerischen
Wanderungen, während
sie im Winter die Pisten unsicher
machten. Klaus wagte sich sogar bis
zur majestätischen Ellmauer Halt
und erkundete viele weitere beeindruckende
Touren.
Im Winter hatten sie stets die
Saisonkarte, denn sie besuchten
uns fünf bis sechs Mal in der kalten
Jahreszeit. Auch der Sommerurlaub
war für sie etwas ganz Besonderes:
Wandern, Bergsteigen und
die geselligen Grillabende vor unserem
Haus schufen unvergessliche
Erinnerungen.
Schließlich fiel der Entschluss, dass
die Familie Hüttner in Going den
Bund fürs Leben schließen sollte.
Gesagt, getan! Wir, Hermann und
Grete, hatten die Ehre, als Trauzeugen
dabei zu sein. So wurden
aus Gästen liebe, gute Freunde. Seit
nunmehr 40 Jahren kommen sie regelmäßig
nach Going, meist zu uns
auf den Stadlhof. Sie sagen, hier am
Wilden Kaiser sei ihre zweite Heimat.
Klaus und Petra wir freuen uns
auf viele weitere gemeinsame Jahre!
*
Tyrolean hospitality. Forty years
ago, a youthful group from Nuremberg
arrived at the Stadlhof and experienced
unforgettable days skiing in
Going. — Among this group was the
Hüttner family, who quickly became
our loyal regular guests. In summer,
they relished the picturesque hikes,
while in winter, they enjoyed the
slopes. Klaus even ventured as far as
the majestic Ellmauer Halt, exploring
many other impressive tours.
Every winter, they had season tickets,
as they visited five to six times
during the winter season. The summer
vacation was something very
special for them: hiking, mountain
climbing, and the sociable barbecue
evenings in front of our house created
unforgettable memories. Ultimately,
the Hüttner family decided
to get married in Going. The host
family, Hermann and Grete, had the
honor of being witnesses. This is
how guests became good friends.
For 40 years now, they have been
coming regularly to Going, mostly
to the Stadlhof. They say that the
Wilder Kaiser feels like their second
home.
104 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 105
UMWELT
DER „SHERIFF“
DES WILDEN KAISERS
Im Auftrag
#wirzusammen
Auch wenn die Weste von Flurwächter Gerhard Wurnig
eigentlich nicht weiß, sondern neongelb ist, setzt er sich
für eine saubere Umwelt und ein respektvolles Miteinander
in der Kaiser-Region ein. Wir haben den sympathischen
Kufsteiner einen Vormittag lang begleitet und ihm bei
seiner Arbeit über die Schultern geschaut ...
Beruf als Berufung
Während Gerhard Wurnig früher
in der (Personen-)Pflege tätig war,
pflegt er nun die wunderschöne
Natur und ein respektvolles Miteinander
hier in der Region Wilder
Kaiser. Denn Gerhard Wurnig
ist das, was man hierzulande auch
als „Flurwächter“ bezeichnet. Oder
anders gesagt: Er ist sowas wie der
„Sheriff“ des Wilden Kaisers.
„Bewaffnet“ mit Holzzange,
Hundekotsackerln, Mülltüten und
jeder Menge guter Absichten, dreht
er fast täglich seine Runden in den
vier Kaiser-Gemeinden Ellmau,
Scheffau, Söll und Going. Stets mit
dem Ziel, die Natur sauberer, die
Wander- und Spazierwege sicherer,
und die Campingverbote oder
Parksünden kleiner, zu halten.
Heißt also, er kontrolliert im
Auftrag der Gemeinden und Tourismusverbände
die allgemein gültige
Leinenpflicht, die richtige Hundekot-Entsorgung,
die Einhaltung der
in ganz Tirol geltenden Wild-Campingverbote
oder auch die Entrichtung
von Parkgebühren bzw. das
korrekte Abstellen der Fahrzeuge.
Und weil das alles noch nicht genug
ist, sammelt Gerhard auf seinen
Routen auch herumliegenden
Müll auf und entsorgt diesen.
Be-reden statt
be-strafen
Wer nun Angst hat, von Gerhard irgendwann
einmal „in flagranti erwischt“
zu werden, kann so gleich
auch wieder beruhigt werden. Denn,
statt mit saftigen Strafen, versucht
es der Flurwächter erstmals mit
freundlichen Hinweisen. „Drüber
reden bringt oft mehr, als drüberzufahren“
meint er und betont: „Mehr
als 90 % der ‚Überführten‘ sind sehr
einsichtig und kooperieren. Ein paar
schwarze Schafe gibt es leider immer
wieder, aber dann versuche ich
sie eben noch einmal aufzuklären
und noch einmal ...“
Gerade die Einhaltung der Leinenpflicht
ist dem Flurwächter ein
großes und auch sehr persönliches
Anliegen. „Da kann nämlich leider
echt viel passieren und auch wenn
sicherlich niemand in böser Absicht
handelt, ist hier wirklich oft
Gefahr in Verzug. Denn nicht nur,
dass manche Menschen einfach
panische Angst vor freilaufenden
Hunden haben, auch Kollisionen
mit Radfahrern, Wanderern oder
auch mit anderen Tieren sind nie
ganz auszuschließen. Und das müssen
noch nicht einmal Kühe, Schafe,
Enten oder Hühner sein, auch das
Wild ist bei uns in der Region oftmals
relativ ‚weit unten‘ unterwegs,
und da ist es eben wirklich gefährlich,
die Hunde frei laufen zu lassen.
Von den Verunreinigungen der
Wiesen und Felder jetzt mal ganz
abgesehen“, erklärt uns Gerhard.
Mehr „Freund
und Helfer“ als
„Geldeintreiber“
Auf unserer gemeinsamen Tour mit
dem Flurwächter – die uns an diesem
Vormittag durch Going führt
– merken wir schnell, dass Gerhard
viel mehr der „gute“ als der „böse
Bulle“ ist. Denn neben einem einzigen
notwendigen Hinweis auf die
hiesige Leinenpflicht, hat Gerhard
in diesen zwei Stunden vor allem
eines gemacht: Uns begeistert von
seiner Arbeit erzählt und den herumliegenden
Müll eingesammelt –
von Hundekot bis Baby-Windeln,
denn eine saubere und intakte Umwelt
ist für den Kufsteiner das Allerwichtigste.
„Schließlich leben wir in
einer der schönsten Regionen und
dafür mach’ ich mir gern’ die Hände
schmutzig“, meint er augenzwinkernd
und erzählt weiter, „wenn
sich jemand nach meinen Hinweisen
immer noch nicht an die Vorschriften
hält, melde ich dies zumeist
an die Gemeinden weiter, die
dann die nächsten Schritte einleiten.
Falsch- oder Freiparker kann
ich schon mal mit einem Strafzettel
versehen; wenn es aber zum Beispiel
um die Behinderung der Zufahrt
für Rettungskräfte oder ähnliches
» SCHLIESSLICH
LEBEN WIR
IN EINER DER
SCHÖNSTEN
REGIONEN UND
DAFÜR MACH’
ICH MIR GERN’
DIE HÄNDE
SCHMUTZIG.«
geht, dann informiere auch ich die
Polizei, die hier natürlich nochmals
ganz andere Befugnisse hat,
als ich. Aber da geht’s ja dann auch
um Menschenleben!“
Immer „on
tour & duty“
Besonders schön findet Gerhard,
dass Menschen ihn mittlerweile
immer öfter auch einfach nur nach
dem Weg fragen. „Ich glaubʼ, es gibt
hier nicht mehr viele Wege, die ich
noch nicht abgegangen bin“, erzählt
er uns stolz. „Da kommen schon so
um 12 bis 16 km pro Tag zusammen.
Und manchmal bin auch mit dem
E-Bike unterwegs, das mir der Tourismusverband
zur Verfügung stellt,
da geht natürlich alles noch ein bisschen
schneller“, so der Flurwächter.
Übrigens: Alle, die jetzt hoffen,
Gerhard auch mal „live“ anzutreffen,
müssen wir an dieser Stelle leider
vertrösten, denn fixe Routen oder
Arbeitszeiten gibt es für den Flurwächter
nicht. „Vor mir ist man
eben nie ganz sicher; weder am frühen
Morgen, noch am Abend oder
am Wochenende“, lacht er und er-
106 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 107
UMWELT
gänzt, „ich freu mich aber über jeden,
der mir über den Weg läuft.“
*
The “Sheriff” of the Wild Kaiser:
Gerahrd Wurnig — Even though
Gerhard Wurnig’s vest is actually
not white but neon yellow, he
is committed to a clean environment
and respectful coexistence in
the Kaiser region. We accompanied
the likeable man from Kufstein for
a morning and looked over his
shoulders at his work ...
Profession as a vocation — While
Gerhard Wurnig used to work in
(personal) care, he now cares for
beautiful nature and respectful togetherness
here in the Wilder Kaiser
region. For Gerhard Wurnig is
what is also known in this country
as a “corridor guardian”. Or in
other words: he is something like
the “Sheriff” of the Wilder Kaiser.
“Armed” with wooden tongs, dog
excrement bags, garbage bags and
lots of good intentions, he makes his
rounds almost daily in the four Kaiser
communities of Ellmau, Scheffau,
Söll and Going. Always with
the goal of keeping nature cleaner,
hiking and walking trails safer, and
camping bans or park sins smaller.
This means that, on behalf of the
municipalities and tourism associations,
he monitors the generally
applicable leash requirement, the
correct disposal of dog excrement,
compliance with the game camping
bans that apply throughout Tyrol,
or even the payment of parking
fees or the correct parking of
vehicles. And because all this is not
yet enough, Gerhard collects on its
routes also lying around garbage on
and disposes this.
Talking instead of punishing —
Who has now fear to be caught by
Gerhard sometime once “in flagranti”,
can be calmed down in such
a way also again immediately. Because,
instead of with juicy punishments,
the hall guard tries it for the
first time with friendly references.
“Talking about it often brings more
than driving over it”, he says and
emphasizes, “more than 90 % of the
ʻconvictedʼ are very reasonable and
cooperate. A few black sheep there
are unfortunately always again, but
then I try to enlighten them just
again and again ...”
Especially the compliance with
the leash requirement is a great and
also very personal concern of the
hall guard: “Unfortunately, a lot
can happen and even if certainly
no one acts with malicious intent,
there is often danger ahead. Because
not only that some humans have
simply panic fear of free-running
dogs, also collisions with cyclists,
hikers or also with other animals
are never completely to be excluded.
And this does not even have to be
cows, sheep, ducks or chickens,
also the game is often relatively
‘far down’ in our region, and there
it is just really dangerous to let the
dogs run free. From the contamination
of the meadows and fields
now times completely apart”, explains
Gerhard.
»AFTER ALL, WE
LIVE IN ONE
OF THE MOST
BEAUTIFUL RE
GIONS AND I
LIKE TO GET MY
HANDS DIRTY
FOR THAT.«
More “friend and helper” than
“bill collector” — On our common
tour with Gerhard – which leads us
this morning by Going – we notice
fast that he is much more the
“good” than the “bad cop”. Because
apart from a single necessary reference
to the local leash requirement,
Gerhard has done one thing above
all in these two hours: enthusiastically
telling us about his work and
collected the garbage lying around
– from dog excrement to baby diapers,
because a clean and intact environment
is the most important
thing for the man from Kufstein.
“After all, we live in one of the most
beautiful regions and I like to get my
hands dirty for that”, he says with
a wink and continues, “if someone
still doesnʼt comply with the regulations
after Iʼve pointed them out,
I usually report this to the municipalities,
which then take the next
steps. I can sometimes issue a ticket
for parking the wrong way or for
parking in the open, but if itʼs a matter
of obstructing access for emergency
services or something similar,
then I also inform the police, who
of course have completely different
powers than I do. But then itʼs also
a matter of human life!”
Always “on tour & duty” — Gerhard
is particularly pleased that people
are now increasingly asking him
for directions. “I don’t think there
are many paths here that I haven’t
walked yet”, he tells us proudly.
“That adds up to about 12 to 16 km
a day. And sometimes Iʼm also on
the road with the e-bike, which the
tourist board provides me with, so of
course everything goes a bit faster”,
says the field warden.
By the way, all those who are now
hoping to meet Gerhard “live”, we
must unfortunately put off at this
point: there are no fixed routes or
working hours for the field warden.
“Youʼre never completely safe from
me, neither in the early morning,
nor in the evening or at the weekend”,
he laughs and adds, “but Iʼm
happy about everyone who crosses
my path.”
108 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 109
SAGEN VOM WILDEN KAISER
DAS VENEDIGER
MANDL VOM
GOLDTROPF
Damals, als das Wünschen noch geholfen hat und
den Menschen so manches Zaubermittel geschenkt
wurde, damals, als viele in der Natur wie in einem
Buch lesen konnten und einige Auserwählte
mächtige, magische Sprüche wussten, da lebte in
Going am Wilden Kaiser ein armer Bauernbursch,
der rechtschaffen und fleißig war, aber keinen
Kreuzer in der Tasche hatte.
Als jüngstes und zehntes
Kind vom Hüttlinger
schlug sich der Karli so
recht und schlecht mit Gelegenheitsarbeiten
durch und verbrachte
jede freie Minute in seinem geliebten
Koasagebirge. Durchs Hüttlmoos
oberhalb von seinem elterlichen
Hof gelangte er schnell hinauf
zur Niederen Regalm und weiter
durch steil ansteigendes Gelände
zum Schleierwasserfall. Dort schritt
Karli durch den dünnen Wasservorhang,
der von der leicht überhängenden
Wand herabperlte und setzte
sich in den Raum dahinter an den
kühlen Felsen.
Die drei seltsamen
Gestalten
So kam es, dass er hinter der Wasserwand
verborgen drei seltsame Gestalten
vor dem Schleierfall Rast einlegen
sah. Die drei Männer waren,
von kleinem Wuchs mit dunklem,
wirrem Kopfhaar. Sie sahen südländisch
aus mit ihren sonnengebräunten
Gesichtern und sprachen
ein unverständliches Kauderwelsch.
Gern hätte sich der Karli zu ihnen
gesetzt, aber er traute sich nicht und
so folgte er ihnen leise und unbemerkt,
als die drei Gesellen ihren
Weg fortsetzten.
Sie kraxelten vom Wasserfall hinauf
bis sie zur Granderalm gelangten.
Auf dem Rücken trug jeder einen
großen Sack und eine Keilhaue.
„Aha, Stoasuacher sand die Mander“,
dachte der Karli bei sich, als er
ihnen vorsichtig nachschlich.
Als wäre ihnen der Weg schon vertraut
marschierten die drei Fremden
weiter, bis sie zum Ursprung
des Schleierfalls kamen. Dort legten
die Wanderer ihr Gepäck ab. Karli
beobachtete, wie die Gruppe allerhand
Gerätschaften auspackte. Kein
Zweifel, es waren die Kaisererze,
auf die sie es abgesehen hatten. Mit
ihrem Werkzeug machten sich die
Drei nun wieder auf den Weg und
Karli wurde Zeuge, wie die Wünschelrute
der Männer plötzlich an
einer Stelle im Felsen heftig ausschlug.
Da strich einer von ihnen
mit einem großen Schlüssel über die
Wand und Karli konnte es aus dem
Stein aufblitzen sehen. Dort setzten
die Erzsucher nun ihre Hauen
und Hämmerchen an und schlugen
eine Gesteinsader frei.
Karli hatte fürs Erste genug gesehen.
Tief in seinen Gedanken stieg
er hinunter ins Tal und überlegte,
wie er es anstellen sollte, um auch an
die Schätze des Berges zu gelangen.
Geschichten von
der fernen Stadt
Bei seinem nächsten Besuch auf
der Lichtung über der Granderalm
machte er sich gar keine Mühe, unbemerkt
zu bleiben, im Gegenteil,
er schlenderte schnurstracks auf
die überraschten Fremden zu, die
zuerst den Karli und dann den toten
Hasen anstarrten, den er an den
Läufen hielt.
„Griaß enk mitanand“, sagte
Karli laut und deutlich in die Runde,
„kun oana von enk deitsch?“ „Sí, un
pocco, a bissl wenig“, gab einer der
drei Mander zurück. „I hob enk an
Braten mitbracht“, sagte er und hielt
den zugereisten Bergbewohnern das
tote Tier hin.
Die griffen schnell danach und
stellten sie sich dem Karli vor. „Gianluca,
Pietro und Salvatore, wir kommen
über den Berg von Venetia.“
Im Gold der Abendsonne nahm
Karli inmitten der Männer Platz
Sagen und Mythen
vom Wilden Kaiser.
und ließ sich von ihnen funkelnde
Geschichten erzählen von der fernen
Stadt am Meer, wo die besten
Goldschmiede, feinsten Edelsteinschleifer
und begabtesten Glasbläser
am Werk waren. Für die Herstellung
brauchten die Künstler
Edelsteine. Um diese edlen Steine
zu beschaffen, zogen Steinschürfer
wie sie durch ihre heimatlichen Dolomiten,
aber auch weiter über die
Hohen Tauern ins Salzburger und
Tiroler Land. Im Vorjahr waren
sie, von den Einheimischen unbemerkt,
auch erstmals ins Kaisergebirge
eingestiegen und hatten hier
droben diesen Kraftplatz entdeckt.
„A Kroftplotz?“, rief der Karli verwundert
und kratzte sich ungläubig
am Schädel. „Sí, sí!“, beeilte sich
Salvatore zu erklären, „schau, diese
Goldbrunnen ist wie ein Tor in Berg
hinein. Musst du haben Schlüssel
zum Aufmachen.“
„Komm morgen zu Plenilunio,
zu volle Mond, dann Berg zeigt dir
sein Geheimnis“
110 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 111
SAGEN VOM WILDEN KAISER
Der Zauberstein
Am folgenden Abend kletterte Karli
rechtzeitig vor Sonnenuntergang eilig
den steilen Weg hinauf. Diesmal
erwarteten ihn die Steinsucher bereits.
Als sich die Sonne im Westen
senkte und ihre funkelnden Strahlen
auf den kleinen Quellwasserfall
trafen, gab Salvatore dem staunenden
Karli einen klaren, gezackten
Bergkristall in die Hand. „Ist Geschenk
für dich, Zauberstein, zum
in Berg schauen“, erklärte er dem
verdutzten Karli. „Jetzt du sagen
eine Spruch, dann Kristallo hört
und hilft suchen.“
Das orange leuchtende Licht
hüllte die Männer verheißungsvoll
ein, da drehte sich Karli um,
hielt den Bergkristall auf den Wasserstrahl
gerichtet, der wie flüssiges
Gold schimmerte, und sagte mit
lauter Stimme:
„Goldtropf, Goldtropf
rinnst aus dem Stein,
führst mi hinein
geschwind, geschwind,
wo i deine Schätze find!“
Als der Vollmond sich über ihren
Köpfen über die Maukspitze schob,
brach die kleine Truppe auf. Bald
erreichten sie eine felsige Stelle, wo
Pietros Wünschelrute ausschlug. Gianluca
strich mit einem großen goldenen
Schlüssel über die Wand. Augenblicklich
zeichneten sich darauf
feine Adern, die im Mondlicht hell
funkelten. Dann machten sich die
drei Schürfer ans Werk, um die Erze
herauszuschlagen. Karli gingen fast
die Augen über und als er selbst, seinen
Kristall über den Felsen streifte,
konnte er, wie durch ein Fenster in
den Stein hineinschauen und sah,
wo die Quarzadern verliefen.
In dieser Nacht lernte der junge
Goinger von den Venetianern nicht
nur das Handwerk des Steinschürfens,
sondern er erhielt als einziger
Einheimischer am Wilden Kaiser
mit dem Kristall einen Zauberschlüssel
ins Innere des großen
Berges.
Der „Stoana Karl“
Seit dieser Nacht verschrieb sich
Karli mit Haut und Haar dem Steinsuchen,
das ihm bald gutes Geld
einbrachte und unter den Dörflern,
Bewunderung und Respekt
verschaffte. Freilich wusste keiner
von dem einzigartigen Werkzeug,
das dem Stoana Karl, wie er nun
anerkennend genannt wurde, den
Weg zu den Bodenschätzen wies.
Seine Freunde aus Venedig waren
im Herbst so heimlich wieder
nach Süden verschwunden, wie
sie gekommen waren und kehrten
auch nicht mehr ans Kaisergebirge
zurück. Karl aber verbrachte
noch viele Sonnenuntergänge allein
beim Goldtropf, wenn er von
seinen Streifzügen zurückkehrte.
Als er schließlich hochbetagt
das Ende seiner Tage nahen spürte,
stieg er ein letztes Mal langsam hinauf,
vorbei am Schleierfall zu dessen
Quelle, wo er sich im Licht der
Abendsonne im Gras niederließ und
den Bergkristall zu den Gipfeln des
Wilden Kaisers emporhielt.
„Goldtropf, Goldtropf
rinnst aus dem Stein,
lass mi hinein und für
immer drinnen sein!“
Dann streckte er sich aus, legte sich
den Stein auf die Brust und schloss
seine Augen. Karl kehrte nicht mehr
ins Tal zurück und als man ihn auch
nach langer Suche weder im Dorf
noch am Berg fand, hieß es, der Stoana
sei wohl bei seinem letzten Ausflug
abgestürzt.
Doch tatsächlich hatte sich der
Karl in einen Berggeist verwandelt,
in ein kleines, graues „Venedigermandl“,
dass die Schätze im Inneren
seines geliebten „Koasas“ hütet
und beschützt. Und wenn man
es genau bedenkt, waren vielleicht
auch Gianluca, Pietro und Salvatore
solche Venedigermandl und guten
Geister, die sich dem armen Karli
gezeigt haben und zu seinem Glück
verhalfen.
Hört liebe Leut’
die Moral von der
Geschicht:
Gold und Silber, Edelstein |
machen reich und funkeln
fein. | Doch ein gutes Herz
wiegt mehr, | schenkt allen
Freude und leuchtet sehr!
The Little Venetian from the
Gold Drop — Once upon a time,
when wishes still helped and magic
remedies were given to people, a
poor farmer’s boy called Karli lived
in Going am Wilden Kaiser. The
youngest of ten children, he eked
out a living with odd jobs and spent
every spare minute in the mountains.
One day, Karli discovered
three strange figures behind the
Schleier Waterfall. They were small,
had dark, tangled hair and spoke an
incomprehensible language. He secretly
followed them to the Granderalm,
where they put down their
luggage and searched for ore.
The three men, who came from
Veneto, discovered a vein of ore in
the rock. Karli, fascinated by what
they were doing, thought about how
he could also get hold of the mountain’s
treasures. At the next meeting,
he introduced himself to the men,
brought them a hare and heard stories
from the distant city of Venice.
Der Schleierwasserfall
rieselt vor den überhängenden
Felswänden herunter.
This city was known for its goldsmiths,
gem cutters and glass blowers
who needed precious stones. The
men were looking for these stones in
the Dolomites and had now reached
the Kaiser Mountains.
One evening at full moon, they
gave Karli a rock crystal and told
him that it was a magic stone for
looking into the mountain. With
the crystal in his hand and a magic
spell on his lips, Karli led the men to
a rocky spot where Pietro’s divining
rod struck out. Gianluca stroked
the wall with a large golden key and
fine veins were visible in the moonlight.
The men began to extract the
ores and Karli learned the craft of
stone digging. With the magic crystal,
he could look into the stone as
if through a window and see the
quartz veins.
Karli soon became known as
“Stoana Karl” and earned good
money by digging for stones. His
Venetian friends disappeared again,
and Karli was left alone. He spent
many evenings at the gold drip and
thought about his experiences.
When he grew old and felt his end
approaching, he returned to the gold
drip one last time. He lay down in
the light of the evening sun, held
the rock crystal up to the peaks of
the Wilder Kaiser and cast his last
spell. Karli turned into a mountain
spirit, a small, gray “Venedigermandl”,
who guards the treasures
inside the mountain.
The moral
of the story:
Gold and silver, precious
stones make you rich and
sparkle finely. But a good
heart weighs more, gives joy
to all and shines brightly!
112 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 113
GESCHICHTE
WIN-
TER
Es warten perfekte Pisten,
Rodelgaudi und Wanderfreuden
– und vielleicht
sogar das ein oder andere
Schneespektakel.
Winter in Going — Perfect slopes, tobogganing
fun and beautiful hikes await. And maybe even
a snowstorm or two.
114 GOING MAGAZIN 25
365 Tage Going am Wilden Kaiser 115
GOINGkalendarium
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Schneeschuhwanderung
„Schwendterdörfl“
30.12.2025–24.03.2026
SNOWSHOEING
“SCHWENDTERDÖRFL”
Eine ideale Einstiegstour zum
Schneeschuhwandern. Wanderführer
Hans begleitet durch die
tiefverschneite Winterlandschaft
am Fuße des Wilden Kaisers
rund um das Schwendterdörfl.
Treffpunkt: Tourismus Info Going
Uhrzeit: 13–15 Uhr
Anmeldung erforderlich
Genussvolle
Momente –
Ein kulinarischer
Spaziergang
GANZJÄHRIG DIENSTAGS
CULINARY HIKE
Bei diesem „Genussspaziergang“
zwischen Going und Ellmau
erzählt Tourismusmanagerin
Tanja allerlei Wissenswertes
über regionale Kreisläufe und
heimische Produkte. Natürlich
werden die lokalen Spezialitäten
auch verkostet.
Treffpunkt: 10:00 Uhr bei der Tourismus
Info Going, oder: 10:30 Uhr beim
Bauernladen Wilder Käser in Ellmau
Anmeldung: bis 17:00 Uhr am Vortag
wöchentlich
Eisstockschießen
am Eislaufplatz
JE NACH WETTERLAGE
VON DEZEMBER 2025 BIS
MÄRZ 2026
CURLING AT THE ICE
SKATING RINK
Sei bei einer spannenden
Eisstockschießpartie dabei!
Egal ob Profi oder Anfänger –
einem lustigen Abend mit vielen
anderen Urlauben steht nichts
mehr im Weg.
Treffpunkt: Eislaufplatz Going
Uhrzeit: 20 – 22 Uhr
Anmeldung erforderlich
116 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 117
ALTE TRADITIONEN NEU ERLEBEN
DIE RAUH NÄCHTE
Über Jahrhunderte hinweg sind die Traditionen
der Rauhnächte lebendig geblieben. Heute, wie
früher, verbinden sie spirituelle, gesellschaftliche
und kulturelle Aspekte und laden dazu ein,
innezuhalten und Altes loszulassen. Über regionale
Unterschiede hinweg bleibt eine Botschaft bestehen:
Die Rauhnächte sind eine besondere Zeit der
Besinnung, der Reinigung und des Neuanfangs.
Zwischen
den Jahren
Die Rauhnächte, auch „Raunächte“
oder „Rauchnächte“, werden als
Schwellen- und Übergangszeit gesehen.
In dieser Zeit sei laut alten
Übertragungen die Grenze zwischen
unserer irdischen Welt und
der der Ahnen, Geister und Verstorbenen
besonders dünn. Diese
Annahme und damit verbundene
Traditionen wurzeln in einer Zeit,
in der Germanen und Kelten nach
dem Mondkalender lebten: ein Monat
hatte 29,5 Tage, ein Mondjahr
354 Tage. Zum Sonnenjahr mit 365
Tagen ergibt sich dabei eine Differenz
von elf Tagen und zwölf Nächten.
Genau diese zwölf Nächte sind
es, die zwischen Weihnachten und
dem Tag der Heiligen Drei Könige
als Rauhnächte begangen werden.
In Tirol finden diese traditionell
zwischen dem 24. Dezember
und dem 5. Januar statt. In manchen
Kulturen starten diese Tage
bereits mit der Wintersonnwende
am 21. Dezember. Die längste und
dunkelste Nacht des Jahres war es,
die früher als Wendepunkt gefeiert
wurde – ein Ausblick auf längere,
mildere Tage.
Der mystische
Ursprung
Der Begriff „Rauhnacht“ hat eine
ungeklärte Herkunft. Möglich
Ursprünge liegen in den Wörtern
„rauh“ (wild) und „Rauch“ oder im
Mittelhochdeutschen „rûch“, was
haarig und pelzig bedeutet und sich
auf Dämonen und teuflische Gestalten
bezieht, die sich zu dieser Zeit
umhertreiben sollen. Im Volksglauben
werden die Rauhnächte stark
mit der Legende der „Wilden Jagd“
verbunden – ein Geisterheer angeführt
durch die Göttin Percht soll
zwischen Weihnachten und dem
Dreikönigstag über den Himmel
preschen. Mit verschiedensten Traditionen
und Gaben zu dieser Zeit
soll Schutz bewahrt und die Göttin
milde gestimmt werden.
Alte Traditionen
Die Rauhnächte sind mit Bräuchen,
Bauernregeln und Geistesaustreibungen
verbunden. Auch mit Dingen,
die man während dieser Tage
unterlassen sollte – gewaschene Wäsche
aufhängen, zum Beispiel, darin
könnten sich nämlich Geister verfangen.
Die Nächte gelten als eine
besonders mystische und kraftvolle
Zeit der Reflexion, der Orakel und
der Manifestation durch Wünsche.
»AUCH WENN
DIESE BRÄU
CHE UND DEREN
HINTERGRÜN
DE HÄUFIG ALS
„ABERGLAUBE”
ABGETAN WER
DEN, IST DIE
ZEIT DER RAU
HNÄCHTE EIN
MYSTISCHER
ÜBERGANG, DER
TIEF IN DER HIE
SIGEN TRADI
TION VERWUR
ZELT IST. «
Es existieren nur wenige schriftliche
Hinterlassenschaften von Ritualen,
die die Zeit nach der längsten
Nacht des Jahres beschreiben – Traditionen
wurden in Familien zelebriert,
verinnerlicht und mündlich
weitergegeben. Durch die enge Verbindung
zu den christlichen Feiertagen
rund um Weihnachten, ergeben
sich drei besondere Rauhnächte: der
Heilige Abend, die Silvesternacht
und die Nacht auf den Dreikönigstag.
Traditionell werden in diesen
Nächten Haus und Stall mit Rauch
gereinigt – das „Rachn“ findet statt.
Dafür werden ausgewählte Kräuter
zum Verglimmen gebracht und
bei einem Rundgang so das gemsamte
Haus „ausgeräuchert“, um
Böses aus anderen Welten zu vertreiben.
Die Kräuter, die dabei zum
Einsatz kommen, sind von Haus zu
Haus und Hof zu Hof unterschiedlich:
Von Weihrauch über Spitzwegerich
bis hin zu Johanniskraut wird
den Räucherwerken unterschiedliche
Kraft zugesprochen.
Die Vorausschau
Die Zeit der Rauhnächte gilt auch
als besondere Zeit für Orakel und
Vorausschau, in der verschiedene
Bräuche Hinweise auf die Zukunft
geben sollen. So waren es früher das
Deuten von Ofengeräuschen oder
das Werfen von Schuhen, die einen
Anhaltspunkt gaben. Auch die Annahme,
dass Tiere in dieser Nacht
sprechen können, trug früher zur
mystischen Atmosphäre bei. Heute
finden wir zum Beispiel noch das
Wachs- oder Bleigießen in der Silvesternacht
als Überbleibsel früherer
Zeiten. Auch neuer Beliebtheit
erfreut sich das Formulieren
von 13 Wünschen, die man am ersten
Tag auf gefaltenten Zetteln festhält.
Traditionell wird in jeder Rauhnacht
ein Zettel – ohne ihn zu lesen
– verbrannt. Um die Erfüllung dieses
Wunsches kümmert sich eine
höhere Macht. Den 13. Wunsch,
der am Ende übrig belibt, gilt es
im neuen Jahr selbst zu erfüllen.
Auch wenn diese Bräuche und
deren Hintergründe häufig als
„Aberglaube“ abgetan werden, ist
die Zeit der Rauhnächte ein mystischer
Übergang, der tief in der
hiesigen Tradition verwurzelt ist.
Die Nächte laden dazu ein, innezuhalten,
Vergangenes zu reflektieren
und mit Ritualen wie dem Räuchern
für Reinigung und Ordnung
zu sorgen, oder sich durch Orakel
auf Neues vorzubereiten. Diese Zeit
schafft eine besondere Verbindung
118 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 119
ALTE TRADITIONEN NEU ERLEBEN
von Mensch zu Natur, alten Bräuchen
und spirtiuellen Dimensionen
des Lebens und ist eine Erinnerung
daran, wie bedeutsam es ist, achtsam
durch Zeiten des Wandels zu gehen.
Dabei Raum für Besinnung, Schutz
und Neuanfang zu schaffen, gilt als
Essenz der Rauhnächte.
INFO Die Rauhnächte
finden in Tirol zwischen
dem 24. Dezember und
dem 5. Januar statt. Sie
gelten als traditionelle
Zeit der Besinnung, des
Innehaltens und des
Neuanfangs, die mit
Bräuchen zelebriert wird.
Die wichtigsten Tage:
• In manchen Regionen
die Nacht der Wintersonnwende
• Der Heilige Abend
• Die Silvesternacht
• Die Nacht auf den
Dreikönigstag
*
The Tyrolean “Rauhnächte”. Old
traditions, new celebrations — For
centuries the traditions connected
to the “Rauhnächte” have
been kept alive, where “Rauh” most
likely stands for “Rauch”, the German
word for smoke, and “Nächte”
stands for nights. It is said that during
these times the barriers between
our world and the otherworld are
especially thin. Today, just like in
earlier days, these special nights
combine spiritual, social, and cultural
aspects. They are an invitation
to look within, to stop and reflect,
and to let go of the old. Even
though the traditions vary from region
to region, one central message
is true for all: the “Rauhnächte” are
a special time for cleansing and new
beginnings.
In between the old and new — The
origin of those special nights, just
like their naming, has not yet been
resolved. However, the nights are
seen as an in-between-time, based
on a time where the Teutons and
the Celts lived by the lunar calendar,
where one month counted 29.5
days, and a year counted 354 days.
In comparison to the solar calendar
with 365 days per year, there
is a difference of eleven days and
twelve nights. These twelve nights
between Christmas and Epiphany
are considered the “Rauhnächte”. In
Tyrol, those are celebrated between
the 24th of December and the 5th
of January – in other regions the
Winter Solstice marks their start.
Mystic Traditions — The nights
are mystical and powerful times of
reflection, prophesies and manifestation
and are filled with special
rites, folk sayings and also things
one must not do. Traditions have
ever since been celebrated within
families and transported verbally –
only a few written transcriptions exist.
Through the close connection to
Christian holidays, there are three
special nights: Christmas Eve, New
Year’s Eve, and Epiphany. These are
the days, where houses and connected
stables are cleansed by burning
incense and other herbs. The act
of cleansing with smoke is said to
disperse the bad and unwanted energies.
Another traditional rite is to
consult oracles such as the sounds
of the fireplace to get insights into
what the future might bring. Today,
most often special wishes – 13 in total
– are written down on folded
pieces of paper. Every night of the
“Rauhnächte”, one piece of paper is
being burnt without taking a look.
The fulfilling of the wish is said to
be taken care of by higher forces.
The remaining 13th wish should be
taken care of by oneself.
120 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 121
GOINGlive
Kaiserabende im Winter.
Was gibt es schöneres als ein Konzert mit toller Musik
und guter Stimmung unter freiem Himmel? Aber
gibt es das nicht nur im Sommer? In Going lassen wir
uns auch von winterlichen Temperaturen und glasklarer
Winterluft nicht davon abhalten, den Kirchplatz
in eine Freiluftbühne zu verwandeln! Genießen
Sie an fünf Abenden Ohrenschmaus vom Feinsten in
unterschiedlichen Musikrichtungen und lassen sich
dabei von einem guten Glühwein wärmen. Nach einer
herrlich anstrengenden Winterwanderung oder
einem Skitag sorgt GOING live für einen unterhaltsamen
Ausklang. Gönnen Sie den Ohren eine Kur an
verschiedenen Rhythmen, Melodien und Takten.
GOING live — What could be better than an openair
concert with great music and a great atmosphere?
But isn’t that just something for the summertime? In
Going, we don’t let wintry temperatures and crisp winter
air stop us from transforming the church square into
an open-air stage! Enjoy five evenings of the finest ear
candy in different music styles, and let a good mulled
wine warm you up. After a wonderfully strenuous winter
hike or a skiing day, GOING live provides an entertaining
finale. The ears a cure at different rhythms,
melodies and beats.
ROAD CHICKS
05.03.2026, 19:30 UHR
Echte und authentische Country Musik mit der
als mittlerweile erfolgreichsten „New-Country“
Band in Tirol. Ausgezeichnet als „Best Newcomer
& New Country“ garantieren die „Road Chicks“
ein stimmliches und musikalisches Feuerwerk vor
der Kulisse des Wilden Kaiser. ― Genuine and
authentic country music with what is now the most
successful “new country” band in Tyrol. Awarded
“Best Newcomer & New Country”, the “Road Chicks”
guarantee vocal and musical fireworks against the
backdrop of the Wilder Kaiser.
MOES ELEVEN
15.01.2026, 19:30 UHR
Die vier versierten Tiroler Musiker haben sich
das Motto „weniger Klassiker, mehr klasse Songs“
auf die Fahnen geschrieben. Die Musik kommt
dabei nicht vom Band, sondern zu 100 Prozent von
der Band. Mit ihrem breit gefächerten Repertoire
wollen die Burschen den Begriff „Coverband“
entstauben und neu definieren. ― The four accomplished
Tyrolean musicians have adopted the motto “less
classics, more great songs”. The music does not come
from a tape, but 100 percent from the band. With their
wide-ranging the boys want to dust off the term
“cover band” and redefine it.
DIE TOTEN LEDERHOSEN
12.03.2026, 19:30 UHR
Eine Band, wie es keine Zweite gibt. Sie kreuzen
jegliche Musik-Stilistiken – Rock, Pop, Country
und Volksmusik – mit ihrem Markenzeichen, der
„Zugin“ (steirische Harmonika). Selber nennen sie
diese Art von Musik den Alpenrock. Um es genauer
auszudrücken – Volksmusik wird rockiger und
Rockmusik bleibt rockig. ― A band like there is no
other. They cross all music styles – rock, pop, country
and folk music – with their trademark, the „Zugin“
(styrian harmonica). They call this kind of music
the alpine rock. To put it more precisely – folk music
becomes more rocky and rock music stays rocky.
WILDKOGEL BUAM
19.02.2026, 19:30 UHR
Die Wildkogel Buam aus Salzburg – zwei Burschen
aus dem Pinzgau, bei denen sich die Musik in das
Herz gebrannt hat. Beste Stimmung & super Laune
ist das Motto bei jeder Veranstaltung. Das Markenzeichen
der zwei Burschen aus dem Pinzgau sind
die Steirische Harmonika und die Trompete.
The Wildkogel Buam from Salzburg – two guys
from the Pinzgau region who have music burned into
their hearts. The best atmosphere and a great mood
is the motto at every event. The trademark of the two
lads from Pinzgau is the Styrian harmonica and
the trumpet.
RAT BAT BLUE
19.03.2026, 19:30 UHR
Die sechs köpfige Coverband begeistert ihre
Zuhörer mit einer geballten Ladung fetziger Hits.
Nicht nur Rock-Pop steht auf ihrem Programm,
sondern auch die topaktuellsten Chartbreaker der
Hitparade. Mit dieser Mischung an Musikrichtungen
wird der Goinger Kirchplatz von der Band
in Partystimmung versetzt. ― The six-piece cover
band delights its listeners with a concentrated load of
racy hits. Not only rock-pop is on their program, but
also the most up-to-date chart breakers of the hit parade.
With this mixture of music styles, the band puts
the Goinger Kirchplatz in a party mood.
122 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 123
WINTER
»MANCHMAL ZEIGT SICH
DER WEG ERST, WENN MAN
ANFÄNGT IHN ZU GEHEN.«
124 GOING MAGAZIN 25
365 Tage Going am Wilden Kaiser 125
OUTDOOR
REIN INS SCHNEE
VERGNÜGEN
Sechs Tipps für viel Spaß abseits der Pisten.
Es gibt 1000 Dinge, die man
in seinem Leben einmal
erlebt haben sollte. Sechs
davon aus der Region rund um den
Wilden Kaiser stellen wir vor. Denn
abseits der Pisten wird in Going
auch so einiges geboten.
1. Eisstockschießen
– Ein eiskaltes
Vergnügen.
Der beliebte Gesellschaftssport
an der frischen Luft. Das eiskalte
Vergnügen ist ein fester Bestandteil
der ländlichen Region und erfreut
sich höchster Beliebtheit. Konzentration,
Gefühl und Zielvermögen
braucht’s, um möglichst nahe an die
Daube, oder auch „Hasei“ genannt,
zu kommen. Einen Anlass brauchen
die allerwenigsten zum Eisstockschießen
– denn geschossen werden
kann nach Lust und Laune und
natürlich je nach Eislage. Diese hat
der Goinger Eismeister aber von
Weihnachten bis Mitte März bestens
im Griff.
Tipp Probieren Sie
eine spannende Partie
Eisstockschießen auf den
zwei Eisstockbahnen.
Einmal wöchentlich findet
ein lustiger Abend in
netter Gesellschaft beim
Eisstockschießen statt.
Termine online ersichtlich;
Anmeldung unter
www.wilderkaiser.info
2. Rodeln –
Kufenreich durch
den Schnee
Mit einem „Bockerl“ unterm Hintern
lässt sich herrlich die Gegend
erkunden. Auf der sportlich präparierten
und gut gesicherten Rodelstrecke
am Astberg ist ein tolles
Vergnügen garantiert! Ein eigener
Mitarbeiter der Bergbahn Going
kümmert sich um die 4,5 km lange
Strecke. Das Tiroler Gütesiegel für
Naturrodelbahnen zeugt zudem von
der perfekten Qualität. Neben einer
besonderen Maschine braucht
es vor allen Dingen Zeit und Geduld
bis die Rodelbahn kufensicher
ist. Dafür bringt die Astbergbahn
täglich bequem ihre Besucher zum
Start auf 1.267 Metern. Die Rodel
sollte man sich allerdings schon davor,
beispielsweise bei Going Sport
im Tal, besorgt haben. Auch einer
abendlichen Partie steht nichts im
Wege. Bestens beleuchtet kann man
sich ordentlich in die Kurven legen.
Nur aufgepasst, dass man vor lauter
Adrenalin und Freuden-Juchitzer
nicht die falsche Abzweigung
nimmt. Dann landet man nämlich
in Ellmau. Und ein guter Tipp noch
zum Schluss: Wird einem das Bockerl
zu schnell, dann gibt’s nur eins:
mit beiden Füßen kräftig bremsen
und die Rodel vorne fest anheben.
Tipp Die Astbergbahn
ist tagsüber täglich
in Betrieb. Zu bestimmten
Zeiten ist die Bahn
auch abends für eine
Rodelpartie geöffnet
(Beleuchtet bis 24:00
Uhr). Weitere Informationen
entnehmen Sie
bitte der Website
www.wilderkaiser.info
oder scannen Sie den
QR-Code:
Scan me!
3. Eislaufen –
Auf des Eismeisters
Bahn
Wenn das Wetter es zulässt, schreitet
der Eismeister bereits im November
zur Tat und verwandelt eine gewöhnliche
Schotterfläche in einen
perfekten Natureislaufplatz. Zuerst
muss jede Menge Schnee planiert
werden, um danach mit dem Auftragen
des Wassers beginnen zu
können. Schicht um Schicht bildet
sich eine feine Eisdecke. Erst
wenn diese ca. 10 cm dick ist, kann
darauf Schlittschuh gefahren werden.
Das kann schon mal bis zu
3 Wochen dauern.
Dazwischen wird das Eis regelmäßig
abgezogen um Klümpchen
und Kratzer zu vermeiden. Sobald
die Fläche perfekt vereist ist, können
zu beschwingter Musik leichtfüßige
Schwünge gezogen werden. Dafür
lagern in der gemütlichen, warmen
Hütte direkt neben dem Platz bestens
gepflegte Schlittschuhe und
Helme in verschiedenen Größen.
Hier kann man auch verschnaufen,
sich aufwärmen und einen heißen
Kaffee, Kinderpunsch oder Glühwein
zu sich nehmen.
Nach einem ereignisreichen Tag
auf dem Eis startet für den Wächter
des Eis erneut eine Nacht, in der
er als Eismeister wiederum eine
Schicht gefrorenes Wasser auf seinen
Platz zaubert.
Tipp Je nach Wetterlage
ist der Natur-Eislaufplatz
von Ende Dezember
bis März tagsüber, an
manchen Tagen auch
Abends, geöffnet. Die
genauen Öffnungszeiten
finden Sie unter
www.wilderkaiser.info
oder über den QR-Code:
Scan me!
4. Schneeschuhwandern
–
Auf leisen Sohlen
durch die Natur
Bereits vor Ötzis Zeiten wurden
Schneeschuhe im alpinen Gelände
benützt. Damals noch um auf die
Jagd zu gehen. Heutzutage wird der
Schneeschuh eher als Sport gerät angesehen
und seit Mitte der 1990er
Jahre ist das Schneeschuhwandern
zur Trendsportart geworden. Das
Praktische daran: Es braucht nahezu
keine Vorkenntnisse, um in
den großen „Latschen“ laufen zu
können, und der Sport kann bei
jeder Schneedicke und Schneeart
betrieben werden.
126 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 127
OUTDOOR
Die Bewegung an der frischen
Luft tut gut und das meditative
Stapfen durch den Schnee lässt
ganz schnell alle Anspannung verschwinden.
Auch abends ist Schneeschuhwandern
möglich. Beim Anblick
des Vollmondes, der den
Wilden Kaiser noch mächtiger erscheinen
lässt, ist auch das letzte
bisschen Alltagsstress vergessen.
Selbst der Atem stockt einem
beim Anblick solcher Schönheit.
Ein unvergessliches Erlebnis, das
einmal im Monat gemeinsam mit
einem ausgebildeten Wanderführer
in Going erlebt werden kann.
Tipp Vollmondschneeschuhwanderung:
Samstag, 03.01.2026
Sonntag, 01.02.2026
Dienstag, 03.03.2026
jeweils von 20–22 Uhr.
Anmeldung bis 12 Uhr
desselben Tages in der
Tourismus Info Going.
Genaue Preise und
Informationen unter
www.wilderkaiser.info
5. Pferdekutschen
fahren – Mit 2 PS
durch den Winter
Wer es lieber ganz gemütlich hat,
lässt sich mit einer sogenannten
Droschke durch die verschneite
Winterlandschaft kutschieren.
Der Inbegriff eines romantischen
Winterurlaubs. Besonders schön
ist dieses Erlebnis in der Abenddämmerung,
wenn man dick eingepackt
unter warmen Fell decken
in einer Kutsche zum Klang von
Pferde hufen und leisem Glockengeläut
fährt. So mancher Heiratsantrag
wurde auf diese Weise bereits
gemacht – und man kann davon
ausgehen, stets mit Erfolg.
Tipp Dieses besondere
Erlebnis kann direkt in
einer Tourismus Info der
Region gebucht werden.
Die Kutschenfahrten
finden einmal pro Woche
nachmittags statt. Die
genauen Tage und
Abfahrtszeit finden Sie
auf Seite 116 beim Going
Kalendarium oder unter
www.wilderkaiser.info.
6. Langlaufen – Auf
zwei Bretteln durch
den Winterwald
Ob Anfänger oder Könner, Klassisch
oder Skating – in Going warten
über 40 Kilometer darauf, befahren
zu werden. Andi, der Goinger
Loipenfahrer, und seine Kollegen
spuren von Going bis Söll fast rund
um die Uhr, um sowohl Gästen als
auch Einheimischen bestmögliche
Streckenverhältnisse bieten zu können.
Dabei ziehen sie ihre Runden
über die sanft hügelige Landschaft
am Fuße des Kaisergebirges. Wer
jetzt noch nicht überzeugt ist, der
sollte es einfach probieren. Rein in
die warmen Wintersachen und ab
auf die Loipe –gerne auch bei Flutlicht
in Scheffau, das geht nämlich
auch.
Tipp Langlaufausrüstung
gibt’s bei Going Sport
oder bei der Skischule
Schwaiger.
*
Winter with a twist. Of the on
thousand things you should experience
in your life, we’d like to present
you with five from the Wilder Kaiser
region. After all, Going is much more
than just ski slopes!
1. Bavarian curling — This icy cold
activity has been an integral part of
this rural region for more than 100
years and enjoys great popularity.
There are nearly as many rules and
variants on the game as there are
stocks. Bavarian curling is perfect
for any occasion, as the fancy takes
you and, of course, depending on
the state of the ice. However, the
ice is best between Christmas time
and mid-March in the capable hands
of Going’s master ice technician.
After enjoying a nice drink to warm
your bones in the cosy hut, you’ll
soon hit the target, known as the
“Hasei” or “Daube”.
Tip Experience Bavarian
curling at the skating
rink in Going. You can
find the exact dates
online. Registration
required under
www.wilderkaiser.info
2. Tobogganing — One of the
best ways to explore the area is to
take a ride on a “Bockerl”, a threewheeled
miniature scooter. On the
well groomed and well secured toboggan
run on the Astberg – great
fun is guaranteed! A dedicated employee
of the chair lift of Going takes
care of the 4.5 km long route. And
there’s nothing to stand in the way of
an evening outing either. The welllit
curves are easily manoeuvred.
Just be careful that the excitement
of your adrenaline rush doesn’t lead
you down a wrong turn – you’ll end
up in Ellmau.
Tip The Astberg chair
lift operates daily during
the day. On certain
evenings the track is
also open for a great
tobogganing fun at night
(Lighting daily until
midnight). Find further
information under
www.wilderkaiser.info
Rodelspaß am
Astebrg in Going –
für Groß und Klein!
3. Ice skating – Rinkside with
the ice master — The Goinger
zamboni operator gets to work as
early as the weather allows it, transforming
an ordinary gravel surface
into a perfect, natural ice rink. First,
a lot of snow has to be added and
levelled before he can start applying
water. Layer by layer, this forms a fine
covering of ice. When everything
is perfect, the rink opens for ice
skaters to come and show off their
moves to the lively music. The cosy,
warm hut right next to the rink
houses well-maintained skates and
helmets in various sizes for just this
purpose. The hut is also a nice place
to take a breather, warm up and enjoy
a cup of coffee, children’s punch
or mulled wine.
Tip Depending on the
weather, the natural ice
rink is open from end of
December until March
during the day, on some
days also in the evening.
You can find the exact
opening times under
www.wilderkaiser.info
4. Snowshoeing — Getting out in
the fresh air is good for you, and
trudging meditatively through the
snow will soon have a relaxing
effect. The only sound is the soft
crunch of the snow under your feet.
Snowshoeing is also possible in
the evening. You’ll forget the last
tendrils of stress that cling to you
at the sight of the full moon, which
makes the Wilder Kaiser seem even
more mighty. Such a sight is sure
to take your breath away. An unforgettable
experience that can be
enjoyed once a month with one of
the region’s trained guides.
Tip Full moon snowshoe
hike: 8 – 10 pm on
03.01.2026, 01.02.2026,
03.03.2026. Prices and
further information under
www.wilderkaiser.info
5. Horse-drawn carriage rides
— Those who prefer things downright
cosy will enjoy a carriage ride
through the snow-covered fairytale
landscape. It’s the epitome of a romantic
winter holiday and a particularly
lovely experience at dusk,
nestled under warm fur blankets,
enjoying the sound of horses’ hooves
and soft bells ringing over the fields.
Many a question has already been
popped this way – and it’s safe to
assume the answer is always “yes”.
Tip This special experience
can be booked
directly at any tourist
office of the region Wilder
Kaiser. The carriage rides
take place once a week in
the afternoon. The exact
days and departure times
can be found on page 112
or at www.wilderkaiser.info
128 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 129
6b
270 KM PISTENSPASS
82 BAHNEN & LIFTE
80 URIGE HÜTTEN
www.skiwelt.at
108
107
102
100
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4
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100
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100 d
4
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98
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80
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82
BLAIKEN
81
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84
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4
86
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60
90
61
61
8
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88
60
63
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10
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6
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51 42
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2
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33
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18
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W
130 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 131
WINTER
»DIE STERNE SIND STUMME
GEFÄHRTEN, DIE UNS DURCH
DIE NACHT DES LEBENS LEITEN.«
132 GOING MAGAZIN 25
365 Tage Going am Wilden Kaiser 133
SCHNEESCHUHWANDERN
UNTERWEGS
IM WINTER
WANDERLAND
(Schneeschuh-)Wandern für jedermann.
Die verschneiten Traumlandschaften
von Going
kennt der Bergwanderführer
Hans Widmoser wie seine
Westentasche. Was für ein Glück,
dass er sein Wissen teilt und uns auf
seinen Schneeschuhwanderungen
die schönsten Ecken am Fuße des
Wilden Kaisers zeigt und Tipps für
Wanderungen auf eigene Faust gibt.
Wer beim Wintersport nur ans
Skifahren denkt, dem sei verraten:
Auch abseits der Pisten ist einiges
geboten. Der Winter in der Region
Wilder Kaiser hat viele faszinierende
Facetten. So hat sich Schneeschuhwandern
in Tirol längst zur
äußerst beliebten, alternativen Wintersportart
entwickelt. Was früher
eine Notwendigkeit in schneereichen
und unwegsamen Gebieten
war, um voranzukommen, dient
heute in erster Linie der Erholung.
Beim beschaulichen Schneeschuhwandern
werden fernab von
präparierten Hängen Eindrücke gesammelt,
die unten im Tal verborgen
bleiben: glitzernde Schneefelder,
der märchenhafte Winterwald
oder ein scheues Wildtier, das im
nächsten Augenblick zwischen den
Bäumen verschwindet. Ganz weit
weg vom hektischen Alltag und mittendrin
im wildromantischen Naturidyll
kommt auch jede noch so
gestresste Seele zur Ruhe.
Meditativer
Winterzauber
„Das leise, ruhige Stapfen durch den
Pulverschnee abseits des Trubels,
das ist es, was die Magie beim Winterwandern
ausmacht“, sagt Wanderführer
Hans Widmoser. „Am
schönsten ist es, wenn noch keiner
vor dir da war und du durch
die unberührte, glitzernde Winterlandschaft
gehst.“
Die Liebe zu Natur und Ruhe
brachte ihn schon vor langer Zeit
zum Wandern. Vor vielen Jahren
hat Hans sein Hobby dann zum
(Neben-)Beruf gemacht. Der Ellmauer
liebt es, fernab der Skipisten,
einfach eins mit der Natur zu werden
und die Stille und Einsamkeit
zu genießen. Das Einatmen der frischen,
klaren Winterluft tut einfach
gut und beim achtsamen Wandern
entlang eingeschneiter Berghänge
stellt sich schnell Entspannung ein.
Und dann sind da die ganz besonderen
Momente: „Vor einigen
Jahren habe ich mit einer Wandergruppe
ein Rudel Gämsen gesehen.
Das war ein echtes Highlight!“,
schwärmt Hans heute noch.
Eine einzigartige Stimmung bieten
auch Wanderungen bei Vollmond.
Wenn der Schnee unter den Schuhen
knirscht, die Sterne am abendlichen
Himmel glitzern und der
Wilde Kaiser im Mondlicht erscheint,
dann verschlägt es einem
schon mal den Atem. Darum betont
der Guide: „Jede Tageszeit hat etwas
zu bieten. Ich sage meinen Gästen
immer: Wandert nicht nur bei
Sonnenschein, auch die Morgenstunden
und die Abenddämmerung
haben ihren Reiz.“ Besonders beeindruckend
sind auch Wanderungen
auf Höhenrundwegen: Nach der
gemütlichen Liftfahrt, einfach die
Schneeschuhe anschnallen und das
weite Bergpanorama und die Wintersonnenstrahlen
von ganz oben
genießen.
Mit dem Profi
wandern
Die vier Kaiser-Orte Ellmau, Going,
Scheffau und Söll lassen sich im
Winter auf einem weit verzweigten
Netz an Winterwanderrouten ausgiebig
erkunden. Auch wenn es besonders
reizvoll erscheint, alleine
durch Tirols verschneite Wälder
und Wiesen zu streifen, macht es
Sinn, gemeinsam mit einem Wanderführer
die Winterlandschaften
zu entdecken. Denn er kann sich
bei eingeschneiten Routen orientieren
und kann einschätzen welche
Wege lawinensicher sind und
führt an geheime, einsame Plätze,
die die schönsten Blickwinkel auf
Schneeschuhwanderer
unter
dem Vollmond
die wildromantische Natur bieten.
In Going begleitet Hans Gäste
und Einheimische im Rahmen eines
wöchentlichen Programms, zum
Beispiel rundum das Schwendterdörfl,
oder bei einer Abendschneeschuhwanderung
entlang von
Goings Waldwegen. Egal ob lieber
gemütlich oder flotter, der Guide
passt dabei die Intensität der Wanderung
immer den Wünschen der
Gruppe an und macht auch mal
Pause mit Glühwein oder einem
Schnapserl. Das Gesellige gefällt
Hans besonders an seinem Job als
Wanderführer: „Ich liebe es, den
Menschen einen schönen Tag zu bereiten,
sie zum Lachen zu bringen
und ihnen meine Heimat zu zeigen.“
Schneeschuhwandern
kann jeder
Wer am Wochenprogramm nicht
teilnehmen kann oder sich lieber
ganz individuell auf den Weg durch
die winterliche Idylle macht, für den
hat Hans einige Tipps parat.
Das Gute am Winterwandern
ist, es braucht keine Vorkenntnisse
und es wird wenig Ausrüstung benötigt.
Die Schneeschuhe und Wanderstöcke
kann man sich gegen eine
geringe Gebühr in örtlichen Sport-
134 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 135
SCHNEESCHUHWANDERN
Hiking with a pro — Exploring the
wintry landscapes with an experienced
guide makes sense. Guides
can better orientate themselves on
snow-covered hiking routes, determine
which paths are safe from avalanches
and lead you to wild and
romantic secluded places.
In Going, Hans offers visitors
and locals a weekly schedule of
guided snowshoe hikes, includgeschäften
ausleihen. Die historischen
Schneeschuhe, die optisch an
Tennisschläger erinnern, sind längst
von modernen, schlankeren Modellen
abgelöst worden. Sie verteilen
das Körpergewicht ebenso gut und
ermöglichen das Wandern durch
unberührte Winterlandschaften.
Auch wenn es in gemächlichem
Tempo dahin geht: „Beim Winterwandern
wird einem schneller
warm als gedacht“, erklärt Hans.
Darum ist es empfehlenswert anstatt
der dicken Skijacke und Hose
lieber mehrere atmungsaktive Kleidungsschichten
übereinander sowie
eine wasserabweisende Hose
anzuziehen. Die Schneeschuhe
werden am besten an gut imprägniertem
Schuhwerk befestigt. Bei
Nachtwanderungen sollte man die
Stirnlampe nicht vergessen.
Wie bei jeder Wanderung ist es auch
hier wichtig, die Zeit richtig einzukalkulieren
und die Ausdauer
sowie die eigene Leistungsfähigkeit
richtig einzuschätzen. Anfänger
sollten, laut Hans, mit einer
der schönen, kürzeren Touren in
der Region beginnen. Dabei sollten
immer Natur und Tiere respektiert
und Wild nicht aufgescheucht
werden, so Hans.
Egal ob alleine oder gemeinsam
mit einem Bergwanderführer – eines
ist gewiss: Wenn der Schnee unter
den Schuhen knirscht und sich
die eingeschneiten Bergspitzen des
Wilden Kaisers wie zum Angreifen
nahe präsentieren, das ist ein ganz
besonderes Erlebnis!
Winterliche Pfarrkiche
von Going
vor schneebedeckter
Landschaft
Schneeschuhwanderung
durch
den frischen
Pulverschnee
Tipp Hans empfiehlt:
Auch bei kurzen
Winterwanderungen
sollte immer etwas zum
Trinken sowie eine
Winterwanderkarte mit
dabei sein. Auch die
Wetter-und Schneeverhältnisse
sind vorher zu
prüfen, so dass man
sicher unterwegs ist.
Winterwanderwege mit
Tourenbeschreibung
unter:
Scan me!
Tipp Interesse an einer
geführten Schneeschuhwanderung
mit Bergwanderführer
Hans? Eine
Anmeldung zu seinen
Touren ist online oder
in einer Tourismus Info
der Region möglich. Der
Spaß kommt keinesfalls
zu kurz! Mehr unter
www.wilderkaiser.info
*
Walking in a winter wonderland
— Hillwalking guide Hans
Widmoser knows the dreamy,
snow-covered landscapes of Going
like the back of his hand. Lucky for
us, he is happy to share his knowledge
of the area on his guided snowshoe
hikes, showing us the most
beautiful spots to be found at the
foot of the Wilder Kaiser mountain
range and offering tips for hikes of
our own.
Snowshoeing has long been an
extremely popular alternative winter
sport in Tyrol. Far away from the
pristinely groomed ski slopes, hikers
enjoy experiences that otherwise
remain hidden down in the valley:
glittering fields of snow, fairytale
Romantisch
verschneites
Örtchen Going
wintry forests and rarely seen wild
animals. At the heart of this natural
idyll, even the most stressed among
us will find peace.
Meditative winter charm — “Quietly
trudging through the powdery
snow far away from the everyday
hustle and bustle is what makes
winter hiking so magical”, says
hiking- and snowshoe guide Hans
Widmoser. His love of nature and
the tranquillity it offers led him to
hiking a long time ago. But Hans
also enjoys the more sociable aspects
of his job as a guide, including
the uniquely Austrian Hüttengaudi
culture of visiting mountain huts.
In his own words, “I love making
sure, people have a nice day, making
them laugh and showing them
the place I call home.”
ing routes around the charming
little village of Schwendterdörfl
and evening snowshoe hikes along
Going’s forest paths.
Snowshoeing is for everyone
— Hans has a few tips for those
who are unable to join him on his
scheduled weekly snowshoe hikes
or would prefer to make their own
way through the idyllic winter landscape.
The good thing about winter
hiking is that you don’t need any
previous knowledge and very little
equipment is required. Snowshoes
and hiking poles can be rented from
sports shops for a small fee.
“Winter hiking warms you up
more quickly than you’d think”,
explains Hans. That’s why he recommends
wearing several breathable
layers of clothing and a pair of
waterproof trousers. Well-waterproofed
footwear is best for attaching
snowshoes to. If you’re venturing
off on a night-time hike, don’t
forget your head torch. It’s also important
to calculate your timings
correctly and make a realistic assessment
of your own capabilities. Hans
says beginners should start with one
of the region’s shorter hikes.
Whether you opt to head out on
your own or with a guide, one thing
is certain: the snow crunching under
your feet and the feeling that the
snow-covered peaks of the Wilder
Kaiser mountains are close enough
to touch make for a very special experience
indeed.
Tip Hans recommends
always taking along
something to drink and
carrying a winter hiking
map with you, even on
short winter hikes. You
should also always check
the weather forecast and
snow conditions before
setting out in order to
stay safe outdoors.
Winter hiking trails with
tour descriptions at:
Scan me!
Tip Interested in a
guided snowshoe hike
with mountain guide
Hans? You can register
for his tours online or
in one of the tourismus
offices of the region.
More information:
www.wilderkaiser.info
136 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 137
LANGLAUFEN AM FUSSE DES WILDEN KAISERS
GOINGS
LONESOME RIDER
Bei den Hubers gehört das Pistenraupe fahren schon fast
zur Familientradition. Was Opa Johann in 28 Einsatzjahren
bereits im kleinen Finger hatte, musste sich Enkel Andi erst
langsam aneignen. Heute ist er selbst stolzer Spuren-Shaper
der 40 Langlaufkilometer in Going am Wilden Kaiser.
Altes Wissen –
neue Technik
Um 6:00 Uhr morgens heißt es Tagwache
für den gelernten Zimmerer.
Und obwohl es draußen noch stock-
len, schwingt er sich auf seine 210
PS Maschine und los geht’s. Sein
neues „Spitzen-Gerät“, wie es der
Loipenprofi liebevoll betitelt, unterscheidet
sogar zwischen den verschiedenen
Schneearten. Dies sei
wichtig und eine Wissenschaft für
sich. Naturschnee könne mal trocken
und pulvrig oder mal nass und
klebrig sein bzw. sämtliche Stufen
dazwischen annehmen. Was Opa
Johann bei seiner alten Maschine
noch aus dem Bauchgefühl heraus
entscheiden musste, schafft Andi
heute mit technischem Können,
Feinadjustierung und Fingerspitzengefühl.
Unabhängig von Wetterlage
und Schneebeschaffenheit
zieht er so stets die perfekte Spur in
die Landschaft. Bei schönem, sonnigem
Winterwetter dreht Andi
abends seine Runden. So kann der
angetaute Schnee wieder bestmöglich
zusammenfrieren.
Spurensuche
ohne GPS
Bis alle Loipen gespurt und die parallel
dazu verlaufenden Wanderwege
präpariert sind, vergehen acht
bis neun Stunden. So lange cruist
Andi Huber als „Lonesome Rider“
durch die verschneiten Landstriche
Goings. Wo genau er seine Kreise
ziehen muss, das habe er vom Opa
gelernt. Bereits Mitte November
werden in den Wiesen die Routen
mit langen Holzpfählen abgesteckt,
sowie Beschilderungen und
Hinweistafeln angebracht. Ist der
erste Schnee gefallen, weisen Andi
die Pfosten seinen Weg, ganz ohne
Navi und GPS.
Dabei müssen stets die Anbindungen
an die benachbarten Loipennetze
im Auge behalten werden.
So etwa nach Ellmau. Mit Patrick,
dem Loipenfahrer aus der Nachbargemeinde,
steht Andi regelmäßig im
Kontakt. Und obwohl die Art der
Präparierung je nach Gelände variiert,
so verbindet die beiden der einheitlich
hohe Qualitätsanspruch an
die Spur. Darum sei an dieser Stelle
eine Bitte angebracht, die beschilderten
Winterwanderwege einzuhalten
und die gespurten Loipen den
Langläufern zu überlassen.
Draußen
zu Hause
Die frische Luft, der Fahrspaß und
die Liebe zur Technik, sind es,
die Andi täglich begeistern. Das
Schönste an seiner Arbeit aber sei
der Austausch und das Miteinander
mit seinen „bärigen“ Kollegen. Und
so ziehen die Loipenfahrer Andi, Patrick
aus Ellmau, Matthias aus Söll
und Hansi aus Scheffau tagtäglich
und unermüdlich ihre Spuren in den
Schnee. Bis die Sonne Eiskristalle
in Schmelzwasser verwandelt und
sich der nahende Frühling wieder
die Landschaft zurückerobert.
Tipp Die über 100 gespurten
Loipenkilometer
der Region Wilder Kaiser
lassen das Herz jedes
Langlaufbegeisterten
höherschlagen. Dabei ist
für jeden Geschmack
etwas dabei: ob Klassisch
oder Skating, simple
Einsteigerrunden oder
herausfordernde Naturerlebnisrouten.
*
Going’s lonesome rider. For the
Hubers, driving the snowcat is almost a
family tradition. It took grandson Andi
a long time just to scrape the surface
of the knowledge his grandpa, Johann,
had built up over 28 years of service.
Today, it’s Andi who proudly shapes
the 40 kilometres of cross-country ski
Loipenfahrer Andi
mit seinem Opa.
dunkle Nacht ist, geht der erste Blick
aus dem Fenster. Prüfend ob und
wie viel Schnee über Nacht zusammengekommen
ist. Bei 15 bis 20 cm
gibt es für Andi dann kein Halten
mehr. Ist der letzte Schnee gefaltrails
in Going am Wilden Kaiser.
— With 15 to 20 cm of fresh snow,
there’s no stopping him. Once the
last snowflake has fallen, Andi jumps
aboard his 210 hp machine and gets
started. His new “top model”, as he
lovingly calls it, can even tell the
difference between various types
of snow. What grandpa Johann on
his old machine had to decide based
on gut instinct, Andi achieves today
with technical skill, fine-tuning
and intuition.
It takes eight or nine hours to
set all the ski tracks and prepare the
hiking trails that run alongside. His
grandfather taught him where to
lay the routes. As early as mid-November,
they’re marked out in the
meadows with tall wooden poles,
and signs and information boards
are put up. Once the first snows have
fallen, Andi is guided by the posts,
with no need for a sat nav or GPS.
It’s the fresh air, the fun of driving
the machine and his love of the
technology that motivate Andi every
day – until the sun melts the ice crystals
and the approaching spring reconquers
the landscape.
Tip The over 100
kilometres of prepared
trails in the Wilder Kaiser
region are enough to
make the heart of every
cross-country skiing
fan skip a beat. There’s
something for everyone
here – whether it’s classic
skiing or skating.
138 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 139
FÜR DIE GANZE FAMILIE
DER GOINGER
EISLAUFPLATZ
Eislaufen für Klein und Groß, von gemächlich bis
sportlich. Während die Kleinsten mit Eispinguinen
das Eislaufen üben, die Größeren ihre Runden drehen
oder ein lustiges Eishockeyspiel eröffnen, können
die Erwachsenen bei einem Becher Glühwein ihren
Winterurlaub genießen.
Heuer wird’s aft a guate
Bohn“, sagt der Eismeister
und seine Augen
strahlen dabei mit der eisigen
Fläche um die Wette. An einem fast
unscheinbaren Platz direkt in Going
wird alljährlich, sofern es die Temperaturen
zulassen, aus einer gewöhnlichen
Schotterfläche ein perfekter
Natureislaufplatz. War Petrus
dem Eismeister hold, haben die kalten
Temperaturen das Wasser ordentlich
anziehen lassen und eine
Eisfläche ist entstanden.
Aber noch mal auf Anfang: Am
Anfang ist die Schotter fläche und
dann „muas i zuerst an Schnee aufbringen
und planieren, danach die
Banden aufstell’n und erst zum
Schluss konn i mit’n Aufspritzen
beginnen.“ Sobald das Wetter es
zulässt schreitet der Goinger Eismeister
zur Tat und verwandelt
den Schnee in eine ebene Fläche.
In warmen Wintern oft gar keine
so leichte Sache. Sind die Schneefläche
geschafft und die Banden
aufgestellt, kann mit dem Auftragen
des Wassers begonnen werden.
Schicht um Schicht bildet sich
dann eine feine Eisdecke. Erst wenn
diese ca. 10 cm dick ist, kann darauf
Schlittschuh gefahren werden.
Das dauert dann schon mal an die
3 Wochen. „Dazwischen is’ wichtig,
dass ma immer wieder as Eis
oziag“. Was früher mit einem Eisenschieber
mühselig per Hand vom
Eis gekratzt werden musste, erledigt
heute eine kleine Maschine.
Zuerst wird gekehrt, dann abgezogen.
Und dann folgt das Wasser.
„Wasser marsch!“ Mit einem Feuerwehrschlauch
wird vom hinteren
Ende der Bahn „aufgegossen“.
Mit bloßen Händen versteht sich
– so ein Eismeister ist nun mal abgehärtet.
Wer ihm diesen Namen
ursprünglich verlieh, weiß heute
keiner mehr, aber, dass er ein Meister
seines Fachs ist, das sieht man.
In der gemütlichen, warmen
Hütte direkt neben dem Platz lagern
bestens gepflegte Schlittschuhe
und Helme in verschiedenen
Größen. Hier kann man auch
verschnaufen, sich aufwärmen und
einen heißen Kaffee, Kinderpunsch
oder Glühwein zu sich nehmen. Der
könnte beispielsweise hilfreich fürs
Eisstock-schießen sein. Denn auf
der Bahn direkt nebenan braucht’s
Ziel vermögen um möglichst nah an
das „Hasei“, die Daube, zu kommen.
Und wenn dann noch der Kollege
vom anderen Ende der Bahn herüberschreit
„Der hot!“ weiß man:
Es passt – gewonnen! Die Kinder
haben ihrerseits ihre Schwünge
zu beschwingter Musik in das Eis
ge zogen und abermals geht ein ereignisreicher
Tag am Goinger Eisplatz
zu Ende. Für den Wächter des
Goinger Eislaufplatzes startet
erneut eine Nacht, in der er als
Eismeister wiederum eine Schicht
gefrorenes Wasser auf seinen Platz
zaubert.
Eislaufplatz
Going
Dorfstraße 43,
6353 Going am
Wilden Kaiser
Scan me!
Eislaufen –
ein Spaß für die
ganze Familie
Öffnungszeiten:
Je nach Wetterlage ist
der Natur-Eislaufplatz
von Ende Dezember
bis März geöffnet.
Die genauen Öffnungszeiten
finden Sie unter
www.wilderkaiser.info
oder über den QR Code.
*
Going’s Master of the Ice. A loyal
man and his flair for ice. — Every
year, an ordinary gravel surface in
Going, is transformed into a natural
ice rink, if the temperatures
allow it. The rink starts off as a simple
gravel surface and then “I first
have to apply and flatten the snow,
then set up the sides – only then
can I start spraying.” The ice master
gets to work as early as the weather
allows it, turning the snow into a
level surface, which is often no easy
task when the winters are warm.
Once the bed of snow is finished
and the sides have been set up, he
can start adding the water. Layer
by layer, this then forms a fine covering
of ice. The rink can only be
skated on once the ice is around
10 cm thick. This takes around three
weeks.
The cosy, warm hut right next
to the rink houses well-maintained
skates and helmets in various sizes.
The hut is also a nice place to take
a breather, warm up and enjoy a
hot cup of coffee, children’s punch
or mulled wine. The latter may be
beneficial for curling, for example,
since the stretch of ice alongside
demands some accuracy. Another
eventful day at the Going
ice rink draws to a close. And the
guardian of the ice, the master ice
technician begins another night
conjuring up a layer of frozen water
on his rink.
Going
skating rink
Dorfstraße 43,
6353 Going am
Wilden Kaiser
Opening hours:
The natural ice rink
is open from end of
December to middle
of March, depending
on the weather. You
can find the exact
opening times at
www.wilderkaiser.info
or via the QR Code.
Scan me!
140 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 141
DER ASTBERG – DIE PERLE DER SKIWELT
VON STARKEN
MÄNNERN
UND SANFTEN
GESTALTERN
Die Pistenprofis vom Astberg.
Nachts auf Goings Skipisten
wenn im Tal unten
die letzten Skischuhe
ihre Bindungen verlassen machen
sich die Profis der SkiWelt Wilder
Kaiser – Brixental ans Werk. Ein
Blick hinter die Pistenkulissen lässt
erahnen, wie viel Arbeit im „Perfekten
Weiß“ steckt.
Die Legende dass die Sprache
der Eskimos wesentlich mehr Begriffe
für Schnee parat hätte als sie
in den Alpen bekannt sind, wurde
bereits vor einigen Jahren widerlegt.
Tatsächlich gibt es auch hier
zu Lande rund zwanzig Ausdrücke
für das kühle Nass. Es wird unter
anderem über Harsch, Firn, Sulz,
Locker-, Neu-, Wild- und Pappschnee
gefachsimpelt. Die, die sie
alle kennen sind Alois Horngacher
und Norbert Pletzer, Betriebsleiter
der Bergbahn Going und ihres
Zeichens Schneeexperten. Gemeinsam
mit ihrem Team sind sie für
die perfekten Pistenverhältnisse im
Gebiet rund um Going zuständig.
„Ihr“ Berg ist der Astberg, der dem
Wilden Kaiser gegenüberliegt. Mit
seinen 1.250 Metern ist er der Hausberg
der Goinger und zugleich ein
wahrer Skigebiets-Geheimtipp.
Nicht nur für sein atemberaubendes
Panorama auf den Wilden
Kaiser und die umliegenden
Berge der Kitzbüheler Alpen ist
das kleinste Skigebiet der SkiWelt
Wilder Kaiser – Brixental bekannt.
Während viele Hänge der Skiregion
nach Westen oder Süden hin ausgerichtet
sind, liegen Goings Pisten
im Norden. Sonnenschäden und
apere Stellen gibt es hier während
der Saison nahezu nie. Wo andere
Orte ihre Gäste bereits mittels Bahn
zu Tale manövrieren müssen, zieht
man in Going noch bis Ende März
seine Spuren in den weißen Teppich.
Die Pisten sind vorwiegend
blau und rot und perfekt für das Genussskilaufen
geeignet – dafür sorgen
Norbert, Alois und Co.
Die Blattlalm
– direkt am
Astberg.
Goings „Schneiber“
Der Zufall war es, der in den 1940er
Jahren in Kanada das Grundprinzip
der heutigen Schneekanone
entdecken ließ. Seither wurde viel
geforscht und entwickelt, die Methode
ist jedoch stets dieselbe geblieben:
Wassertropfen werden bei
–2,5 Grad bis –3 Grad Celsius durch
einen Windkanal gesprüht. Hier in
der Region stammt das verwendete
Wasser aus Speicherseen, wie dem
Astbergsee auf 1.200 Metern, der
über den Sommer gut mit Regenwasser
gefüllt worden ist. Die Güte
des kühlen Nass ist so hoch, dass es
sogar Trinkwasserqualität aufweist.
Ob Propellerkanone oder
Schneelanze, dies hängt ganz vom
Einsatzgebiet ab. In der SkiWelt
Wilder Kaiser – Brixental kümmern
sich darum die „Schneiber“. Ausgebildete
Fachmänner, die genau
wissen wann und wo beschneit werden
soll. Trotz technischen Messinstrumenten
am Gerät ist Fingerspitzengefühl
und Know-How
wichtig, denn jede noch so kleine
Temperaturschwankung und Änderung
der Windrichtung hat Einfluss
auf die Schneequalität. Deshalb wird
hier in der Region auch im Zweischichtbetrieb
gearbeitet um nichts
dem Zufall zu überlassen.
3 × 500 PS
im Einsatz
Ist der Schnee erst mal da, ob echt
oder technisch erzeugt, beginnt allabendlich
der Tanz der Pistenraupen.
Der beim Blick in die Fakten erstaunlich
leichtfüßig erscheint. Bis
zu 13 Tonnen wiegt der rote Pisten-
Ferrari und Michael, einer der Pistenraupenfahrer,
steuert ihn galant
über Hang und Hügel. Im November
muss zuerst „angeschoben“ werden
und eine Grundpräparierung erfolgen,
das garantiert dann winterliche
Bedingungen bis in den Frühling.
Es beginnt zu dämmern. Das Skigebiet
hat vor einer halben Stunde
geschlossen und die letzten Skifahrer
machen sich auf Richtung
Tal. Bevor präpariert werden kann,
muss noch mal die Piste nach eventuell
gestürzten Abfahrern abgesucht
werden. Ist dann wirklich keiner
mehr zu sehen, heißt es: „Bahn
frei!“ Von der Ferne sieht das Schauspiel
aus, als wollten kleine Roboter
142 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 143
DER ASTBERG – DIE PERLE DER SKIWELT
den Berg fegen. In Wahrheit muss
zuerst einmal der ganze abgefahrene
Schnee von unten wieder nach
oben. Wo früher nur jahrelange Erfahrung
half, assistiert nun Hightech.
Seit kurzem sind alle Pistengeräte
mit GPS ausgestattet, das die
exakte Schneehöhe auf der Piste und
die gefahrene Route des Pistenbullys
vermisst. Die Arbeit bleibt trotzdem
nicht aus. Bis alle Pisten zusammengeschoben,
angebracht und gefinisht
sind ist es Mitternacht. Fällt in der
Nacht Schnee, beginnt das Prozedere
bis in das Morgengrauen erneut
von vorn.
Sicherheit ist
oberstes Gebot
„Kann man mit diesem Gerät eigentlich
abstürzen?“, ist wohl die häufigste
Frage, die einem Pistenkreateur
gestellt wird. „Klar, wenn man
nicht aufpasst!“ Ein dickes Stahlseil
und einbetonierte Haken am
Rand der Piste geben Sicherheit und
schützen genau vor eben diesem.
Eingehängt geht es bergabwärts
und die Nasenspitze wandert verdächtig
nahe an die Windschutzscheibe.
Zum Glück halten die Sicherheitsgurte
Nase und Frontglas
voneinander fern. Unten angekommen
wird einmal kehrt gemacht und
es geht wieder nach oben. An steilen
Hängen hilft die angebrachte
Winde dabei. Das erklärt auch,
warum Tourengeher auf den Pisten
nicht geduldet werden. Blitzschnell
kann das zuvor nicht sichtbare
Drahtseil nach oben schnellen
und lebens gefährliche Verletzungen
hervor rufen. Darum, im Sinne
der eigenen Gesundheit: Skitourenerlebnis
im Skigebiet nur auf ausdrücklich
ausgeschilderten Strecken
und zu genehmigten Zeiten.
Vor Sonnenaufgang, und lange
bevor die ersten Autos der Skifahrer
den Parkplatz erreichen, sind die
Liftbediensteten bereits auf den Beinen
und nehmen Stellung im Skigebiet.
Meditativ klingt das leise
Surren der Bergbahn während die
„Präparierer“ ihre roten Pistengeräte
ordentlich in Reih und Glied
geparkt haben, und gemeinsam mit
den „Schneibern“ noch einmal „aufe
schau’n auf’n Berg“. Abermals liegt
eine arbeitsame Nacht hinter ihnen,
eine Nacht in der sie wie so oft das
„Perfekte Weiß“ gezaubert haben.
Langsam schiebt sich der morgendliche
Schatten über dem Wilden
Kaiser talwärts und die ersten
Sonnenstrahlen lassen das majestätische
Massiv in goldenem Licht
erscheinen. Ein neuer Skitag beginnt
und für die Pistenprofis aus
Going ein paar Stunden Ruhe vor
der nächsten Nacht.
*
A tale of strong men gently
shaping the slopes. The piste pros
of Astberg. — It’s night-time on the
ski slopes of Going, and the last
ski boots have left their bindings
in the valley below. This is when
the pros at Wilder Kaiser-Bixental
get to work. A look behind the
scenes gives an idea of how much
work is involved keeping the slopes
perfectly white.
They talk shop about snow crust,
névé, “Sulz”, loose, new, wild and
sticky snow. Alois Horngacher
and Norbert Pletzer, managers of
the Going mountain railway and
its resident snow experts, are the
ones who know everything there is
to know. Together with their team,
they are responsible for maintaining
perfect conditions on the slopes in
the area surrounding Going. “Their”
mountain is Astberg, which lies opposite
the Wilder Kaiser. At 1,250 m,
it is Going’s landmark mountain
as well as a beloved secret spot
for skiing. The smallest ski area in
Wilder Kaiser-Brixental is known
for more than just its breathtaking
panoramic views over the Wilder
Kaiser and the surrounding mountains
of the Kitzbühel Alps. While
many of the region’s slopes face
west or south, Going’s face north.
Sun damage or snow-free patches
Perfekte Erreichbarkeit
– bei jedem Wetter.
almost never occur here during the
season. While other places must use
trains to get their guests to the valleys,
Going’s carpet of white snow
remains until late March. The slopes
are predominantly blue and red, and
Norbert, Alois and their team make
sure they are the perfect place for
recreational skiing.
Going’s “Schneiber” — The choice
between a propeller cannon and a
snow gun depends entirely on where
they are to be used. At Wilder Kaiser-Brixental,
this job falls to the
“Schneiber”. These are trained specialists
who know exactly when and
where snow should be made. Even
though the equipment is fitted with
technical measuring tools, intuition
and expertise are important since
every little temperature fluctuation
and change in wind direction affects
snow quality. That’s why work on
the slopes in this region is done on
a two-shift basis, so nothing is left
to chance.
3 × 500 HP at play — Once the snow
has arrived, be it through natural
snowfall or snowmaking, the dance
of the snowcat vehicles begins every
evening. A look at the specifications
makes it seem astonishingly lightfooted.
The red piste Ferrari weighs
up to 13 tonnes, and Michael, one of
the snowcat drivers, boldly steers
it over the slopes and hills. The sun
begins to set. The ski resort closed
half an hour ago and the last skiers
are making their way to the valley.
Before the team can begin their
work of preparing the snow, a final
search of the area must be undertaken
for any skiers who may have
fallen. Once there really is no one
left out on the slopes, it’s time to get
a move on! While this job once relied
on years of experience, it’s now supported
by high-tech equipment. All
piste equipment has recently been
fitted with GPS that measures the
exact snow depth on the slopes and
the route taken by the PistenBully
snow groomer. But there’s still no
shortage of work to be done. It takes
until midnight for all of the slopes
to be pushed together, arranged and
finished. If it snows during the night,
the procedure will begin again and
last until daybreak.
Before dawn, and long before the
first skiers arrive at the car park,
the lift operators are already up and
getting to their posts at the resort.
The mountain railway has a meditative
effect, whirring quietly on
while the “groomers” carefully park
their red piste equipment. Together,
the “Schneiber” take one last look at
the mountain. Another busy night
is behind them – a night in which,
as often is the case, they have conjured
up perfectly white slopes. The
morning shadows slowly make their
way over the Wilder Kaiser toward
the valley, and the first rays of sun
cast the majestic mountain in golden
light. A new day of skiing dawns,
and Going’s piste pros retire for a
few hours of rest before the next
night begins.
144 GOING MAGAZIN 25 365 Tage Going am Wilden Kaiser 145
AUSKLANG
»REISEN IST DIE
SEHNSUCHT NACH
DEM LEBEN.«
146 GOING MAGAZIN 25
365 Tage Going am Wilden Kaiser 147
Wien (380 km)
Salzburg (80 km)
Wilder Kaiser
Innsbruck (80 km)
München (120 km)
DE
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Wien (380 km) CH
Salzburg (80 km)
Wilder Kaiser
Innsbruck (80 km)
München (120 km)
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Kufstein
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Wörgl Söll
Innsbruck
München
Kufstein
Scheffau Going
Ellmau
SkiWelt
Kitzbühel
Salzburg
St. Johann in Tirol
Fieberbrunn
Lienz
Salzburg
Tourismusverband
Wilder Kaiser
6352 Ellmau · Dorf 35
Tirol · Austria
T: +43 (0) 50509
office@wilderkaiser.info
www.wilderkaiser.info
Wörgl
Innsbruck
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Söll
Scheffau Going
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