möbel kultur 5/2021

holzmannverlag

ZKZ 4937

5 I 2021

MAGAZIN FÜR DAS MÖBEL-BUSINESS

Grenzenlos

handeln!

Hermes Einrichtungs

Service kooperiert

mit französischer

Logistik-Größe

Fotomontage: Hermes Einrichtungs Service, Kaspars Grinvalds/Sarunyu_foto/Mr. Claret Red/titoOnz/shutterstock.com

Unter

Druck

So meistern die Filialisten

die aktuelle Lage

KÜCHE PREMIUM

TRADING-UP

AUF 32 SEITEN

AMK: „Krisen-Anker“ Küche

AEG-Kampagne: Neues Niveau

V-Zug: Magisch bis ins Detail

Möbel Schuster: Baut Kollektionshaus

Hülsta & Rolf Benz: Gemeinsame Pläne

GFK-Panel: Lockdown & Shoppinglust


PERSÖNLICHMEIKE FEHR

Frau Fehr, seit wann betreiben Sie mit

1 Ihrem Mann Genja Fehr „Stilraumberlin“?

Was ist der Schwerpunkt des Geschäfts?

Meike Fehr: Wir sind mit unserem

Laden im Juni 2010 gestartet.

Hauptsächlich verkaufen wir aufgearbeitete,

meist skandinavische

Vintagemöbel aus den 50er bis 70er

Jahren. Seit 2019 gibt es bei uns

auch Neuware, hauptsächlich Leuchten,

Wohn- und Küchenaccessoires,

aber auch dänisches Lakritz und

Köstlichkeiten der Berliner Firma

P-Stash.

Unser Geschäft hat zwei Verkaufsräume

mit einer Fläche von

130 qm. Angegliedert ist noch ein

Werkstattbereich, in dem wir die

Möbel aufarbeiten. In unserem

Showroom befindet sich darüber

hinaus das Lampenschirmatelier der

Firma Lukkizzi. Hier werden Lampenschirme

auf Kund:innenwunsch

gefertigt. In unmittelbarer Nähe gibt

es außerdem ein Lager.

konnten wir den Effekt des Cocoonings

definitiv bemerken, der jetzt

in Zeiten der Coronakrise eingetreten

ist.

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Seit wann verkaufen Sie auch online?

Und wie sehr hat es Ihnen, gerade in

dieser Zeit, geholfen, auch über Ebay zu

verkaufen?

Meike Fehr: Wir sind 2009 mit unserem

Business online gestartet, haben

anfangs ausschließlich über Ebay

aus unserem Wohnzimmer heraus

verkauft. Daher haben wir schon vor

der Krise langjährige Erfahrungen

sammeln können und mussten nicht

von Null aus starten.

Ebay war und ist immer ein

wichtiger Bestandteil unseres Unternehmens

gewesen. Und als wir im

März 2020 unseren Laden schließen

mussten, war Ebay ein wichtiger

Verkaufskanal, den wir trotzdem

bedienen und sogar intensivieren

konnten.

Meike Fehr: Ich empfinde die

Schwelle, mit dem Programm bei

Ebay zu starten, als sehr niedrig. Der

Marktplatz bietet einen vorgefertigten

Shop mit vielen Tools, einen

weltweiten potenziellen Kund:innenkreis

und mit dem eigenen Youtube-Kanal

eine Menge an Informationen,

wie man Schritt für Schritt

im E-Commerce startet und zum

erfolgreichen Verkaufen kommt.

Dabei ist der Aufwand von Sortiment

zu Sortiment natürlich

unterschiedlich. Wir beispielsweise

verkaufen in der Regel Einzelstücke,

die wir alle fotografieren

und dann einstellen. Das braucht

schon Zeit. Vor allem das Erstellen

der Fotos dauert länger, als man

erstmal glaubt. Jedoch bietet Ebay

auch einige Tools, mit denen man

das Einstellen und den Ablauf nach

dem Verkauf vereinfachen und somit

auch zum Abschluss des Deals viel

Zeit sparen kann.

vorher darauf gesessen zu haben.

Daher ist für uns auch der Offline-Verkauf

wichtig. Aber da wir

schon seit nun 12 Jahren online

Möbel verkaufen, können wir auch

sagen: Es funktioniert im Vintagebereich

auf jeden Fall. Und das

nicht erst seit 12 Monaten. Aber

seit einem Jahr eben besonders gut.

Wichtig sind sicher aussagekräftige

Fotos und exakte Beschreibungen

der Ware. Fakt ist, wir haben nur

sehr wenige Rückgaben der Möbel,

die online bei uns gekauft werden.

9

Sind die Kund:innen derzeit eher bereit,

mehr Geld für hochwertigere Möbel

auszugeben?

Meike Fehr: In der Krise ist das eigene

Zuhause sehr viel wichtiger geworden.

Das spüren wir auf jeden Fall.

Auch Nachhaltigkeit gewinnt zunehmend

an Bedeutung. Und für ein

nachhaltiges, hochwertiges und

vor allem langlebiges und zeitloses

Stilraumberlin: Gute Erfahrungen mit E-Commerce

Wie der lokale Handel

und Ebay harmonieren

Meike und Genja Fehr von „Stilraumberlin“ verkaufen ihre skandinavischen Möbel bereits seit

über zehn Jahren in ihrem kleinen Ladengeschäft im Stadtteil Friedrichshain. Zusätzlich sind

sie seit Beginn auch bei Ebay aktiv. Da der Marktplatz jetzt gemeinsam mit dem HDE und zehn

deutschen Städten ein Projekt zur Stärkung des lokalen Handels gestartet hat, haben wir nachgefragt,

wie gut der stationäre Point of Sale und Ebay in der aktuellen Lage zusammenpassen.

2

Wer ist Ihre Zielgruppe?

Meike Fehr: Unsere Zielgruppe ist

in Bezug auf das Alter sehr gemischt,

die meisten sind jedoch zwischen

30 und 50 Jahre alt. Es sind vorwiegend

Menschen, die weg vom

schnelllebigen Konsum hin zu nachhaltigen

Möbeln möchten.

3

Wie sind Sie bislang durch die Corona-

Krise mit den verschiedenen Lockdowns

gekommen?

Meike Fehr: Bisher ist es für uns wirklich

gut gelaufen. Viele Menschen

haben die Lockdowns genutzt, um

ihr Zuhause neu zu gestalten und

zu renovieren. Auch einige Homeoffices

durften wir in den letzten

Monaten mitgestalten. Insgesamt

5

Inwieweit ist es Ihnen dadurch gelungen,

Ihren Kund:innenkreis auszuweiten? Und

wie sehr konnten Sie insgesamt Ihre Sichtbarkeit

im Netz verbessern?

Meike Fehr: Wir haben bereits von

Anfang an deutschland-, europaund

weltweit Kund:innen für uns

gewinnen können. Schon einer

unserer ersten Verkäufe ging nach

Japan. Wir haben vom Start weg

sehr viele Kund:innen auch außerhalb

Berlins gehabt. Unser Auftritt

bei Ebay hilft natürlich für die

Sichtbarkeit online.

6

Wie bewerten Sie die Initiative von Ebay?

Wie einfach ist es hier wirklich für die

Händler:innen online zu verkaufen bzw. wie

groß ist der Aufwand?

7

Was könnte noch verbessert werden?

Haben Sie Anregungen für Ebay?

Meike Fehr: Die neue Zahlungsabwicklung

könnte übersichtlicher

und zusammengefasster sein.

Darüber hören wir von unseren

Kund:innen, dass sie zum Teil nicht

gut damit zurechtkommen und sich

Zahlungen dadurch verzögern.

8

Lange hieß es, dass Verbraucher:innen

Möbel sehen und anfassen wollen, bevor

sie kaufen. Der stark gestiegene Anteil des

Möbel-E-Commerce in den letzten 12 Monaten

zeigt jedoch, dass das so nicht mehr

stimmt. Wie ist Ihre Erfahrung?

Meike Fehr: Wir kennen beide Seiten.

Es gibt Verbraucher:innen, die niemals

ein Sofa kaufen würden, ohne

Möbelstück geben die Kund:innen

auch gerne mehr Geld aus.

Und wie sehr spüren Sie, dass die

10Kund:innen lokal kaufen wollen?

Meike Fehr: Viele aus unserer Kundschaft

betonen neuerdings, dass es

ihnen wichtig war, bei uns zu kaufen

– damit wir weiterhin hier im

Kiez bleiben können. Das haben wir

vor Corona nicht so häufig gehört,

obwohl das sicher für viele schon

immer ein Kriterium war. Aber es

hat sich in den letzten Monaten eben

gezeigt, wie viele Läden schließen

mussten und wie schnell das gehen

kann. EVELYNE BECKMANN

www.stilraumberlin.de

18 möbel kultur 5/2021


Meike Fehr betreibt mit

Ihrem Mann Genja Fehr

seit 2009 „Stilraumberlin“,

vorerst nur

online, seit 2010 auch

stationär. Sie setzen

seit Beginn auch auf den

Verkauf via Ebay.

„Ebay Deine Stadt“

In Kooperation mit dem Handelsverband

Deutschland (HDE) hat Ebay die

Einzelhandelsplattform „Ebay Deine

Stadt“ gestartet. Ziel des Projektes ist

die Stärkung des lokalen Handels,

indem die teilnehmenden Unternehmen

die Möglichkeit erhalten, ihre Waren

zusätzlich zum Verkauf im Laden auch

online anzubieten. Die Plattform

ermöglicht es Städten und Kommunen,

lokale Online-Marktplätze einzurichten.

Allen Händler:innen, die über die

Initiative neu zu Ebay kommen, wird

der Einstieg in den Online-Handel

durch das „Ebay-Durchstarter“-

Programm erleichtert.

Das Besondere der Initiative: Die

Angebote der regionalen Unternehmen

sind nicht nur auf der lokalen

Plattform verfügbar, sondern auch auf

dem nationalen Ebay-Marktplatz

(www.ebay.de) zu finden.

Zum Start beteiligen sich mit Nürn -

berg, Lübeck, Chemnitz, Potsdam,

Mönchengladbach, Moers, Gummersbach,

Diepholz, Bad Kreuznach und der

Region Ortenau zehn Städte und

Kommunen an dem Projekt, das Modell -

charakter hat. Bis zum Ende des Jahres

möchten Ebay und der HDE noch viele

weitere Städte und Kommunen für die

Initiative gewinnen. Zudem loben sie

den „Lokalen Handel Award 2021“ aus.

In der Jury sitzt u.a. Meike Fehr.

https://cloud.forbusiness.ebay.

com/durchstarter

5/2021 möbel kultur 19


TOP-THEMA/HANDEL IM LOCKDOWN

Filialisten

unter Druck

Lockdown, Lockerungen, Testpflicht, Öffnungs-

Perspektiven, „Click & Meet“: Der Handel hat

es nicht leicht. Schon seit Monaten müssen

die Unternehmen flexibel auf die jeweils

jüngsten Verordnungen reagieren. Filialisten

mit Standorten in unterschiedlichen Regionen

und Bundesländern treffen die Auswirkungen

der Pandemie besonders hart. Wir haben bei

den führenden Einrichtungsketten nachgefragt

was derzeit, wo, noch geht – und wie sie aktuell

durch die Krise kommen.

Foto: Ikea, Wallau

„Click & Collect“ wird bei Ikea sehr gut

angenommen, erfordert aber auch einen hohen

Einsatz, wenn die Warenkörbe von den Mitarbeiter:innen

zusammengestellt werden müssen.

,Click & Collect‘ ist bei

unseren Kund:innen sehr beliebt.

Claudia Seibert, Ikea

20 möbel kultur 5/2021


Den Geschäftsführer:innen und

Hausleiter:innen der Möbel-

Filialisten werden schon seit

Wochen und Monaten ganz neue

Skills abverlangt. Ging es früher vor

allem um vertriebliche Themen, so

müssen sie sich heutzutage mit

Inzidenzwerten auskennen, die

Bundes-Notbremse verstehen und

umsetzen, lokale Verordnungen zur

Corona-Pandemie tagesaktuell studieren

und am besten gleich die

Luca-App runterladen. Stets im

Blick: die Sicherheit der Kund:innen

und Mitarbeiter:innen, letztere

müssen zudem der jeweiligen Lage

entsprechend eingeteilt werden.

Denn Umsatz soll natürlich auch

in dieser Situation geschrieben werden,

trotz Lieferengpässen und einer

angespannten Logistik-Situation.

Nicht ganz einfach. Und während

die einen Händler zumindest einige

Häuser aufgrund geringer Inzidenzwerte

zum Teil öffnen durften oder

dürfen, so kann beispielsweise Rieger-

Geschäftsführer Jürgen Schönicke

auf die Frage danach nur antworten:

„Derzeit alles geschlossen.“ Denn

in beiden Bundesländern, in denen

das Familienunternehmen präsent ist

– Baden-Württemberg und Thüringen

– lagen die Inzidenzen bis dato

über 100. Der Webshop ist selbstverständlich

online, auch Video- und

Telefonberatung sowie „Click & Collect“

kann das Familienunternehmen

anbieten, aber andere, die zumindest

zusätzlich „Click & Meet“, also das

Einkaufen mit Terminvereinbarung,

ermöglichen dürfen, stehen schon

besser da.

„,Click & Meet‘ wird deutlich

besser angenommen, da die

Kund:innen natürlich gern vor Ort

stöbern und sich persönlich beraten

lassen möchten, und nicht einfach

nur Ware abholen wollen, die man

nur aus dem Online-Shop kennt“,

sagt Christian Schirmer, Country

Manager Deutschland des Dänischen

Bettenlagers. Dabei gehen

die befragten Filialisten davon aus,

dass vor allem diese Form des Einkaufens

auch nach der Pandemie

von Bedeutung sein wird. „Das ist

ja fast die Buchung eines ,Personal

Shopping‘“, so Schirmer weiter.

„Die Küchenberatungstermine

haben wir auch schon vor der Pandemie

vereinbart. Das wird selbstverständlich

bleiben“, ist sich auch

Christof Gerpheide, Gesamtvertriebsleiter

und Sprecher bei Segmüller

deshalb sicher.

Ikea setzt wiederum stark auf

„Click & Collect“. „Das ist bei

unseren Kund:innen sehr beliebt“,

bestätigt Unternehmenssprecherin

Claudia Seibert. Wobei der Ablauf

auch beim Marktführer nicht mal

eben so funktioniert hat. Bereits

im März sagte Deutschland-Chef

Dennis Balslev gegenüber der

„Wirtschaftswoche“, dass „Click &

Collect“ sehr viel Zeit in Anspruch

nehme, viel mehr Zeit pro Kunde

als sonst, weil jedes Produkt in

der Filiale herausgesucht werden

müsse. Genau dieses Zusammensuchen

übernehmen in normalen Zeiten

ja auch die Kund:innen selbst,

weshalb Ikea aktuell pauschal 10

Euro für das „Sammeln“ berechnet.

Doch in Spitzenzeiten verzeichneten

die Schweden trotzdem immerhin

160.000 „Click & Collect“-Bestellungen

pro Woche, erläuterte Balslev.

Auch der Möbel-E-Commerce

hat definitiv einen Schub bekommen

und der Anteil wird künftig

höher angesiedelt sein, als vor der

Pandemie. „Wir stellen fest, dass

viele Menschen, die vor Corona

nicht wirklich onlineaffin waren,

nun erste positive Erfahrungen

gesammelt und Gefallen an der

Vielzahl an Möglichkeiten gefunden

haben. Diese neue Gruppe wird

dem Online-Geschäft erhalten bleiben“,

sagt dazu Volker Michels, Sprecher

XXXLutz Deutschland. Auch

bei Rieger geht man davon aus,

dass ein gewisser Anteil dauerhaft

zum E-Commerce wechseln wird.

Gleichwohl könnte dieser derzeit

die Umsatzausfälle im stationären

Geschäft „nicht ansatzweise“ ausgleichen,

heißt es u. a. aus der Porta

Unternehmensgruppe. Begros-

Kollege Möbel Martin freut sich

über hohe Zuwachsraten via Web,

geht zudem davon aus, dass nach der

Krise der stationäre Bereich ebenfalls

durch eine gute Verknüpfung

der Off- und Online-Kanäle stark

profitieren werde.

Am besten nachgefragt werden

derzeit Küchen, da sind alle Befragten

einer Meinung. Auch Out door-

Möbel und solche fürs Homeoffice

werden stärker gekauft. Also typische

„Pandemie-Themen“. Man

kann nicht Essen gehen, also wird

zuhause gekocht. Statt Urlaubsreisen

sind Ferien im eigenen Garten

oder auf Balkonien angesagt und

Die Entscheidung, wie

wir unsere Beschäftigten

disponieren, müssen wir

oft innerhalb weniger

Stunden treffen. Porta-Unternehmensgruppe

wenn gearbeitet wird, dann möglichst

zuhause.

Darüber hinaus stimmt ein nachhaltiger

Trend für das Thema Wohnen

und Einrichten die Filialisten für die

nächste Zeit positiv. „Verschiedene

Studien, wie auch der aktuelle ,Ikea

Life at Home Report‘ belegen, dass

die Menschen ein neues Bewusstsein

für ihr eigenes Zuhause entwickelt

haben. Dieses war und ist

zentraler Lebensmittelpunkt, in dem

Fotos: Porta

Auf alles vorbereitet

ist man auch bei der

Porta-Unternehmensgruppe,

die nicht nur in

Deutschland, sondern

auch in Tschechien und

der Slowakei Einrichtungshäuser

betreibt

und sich entsprechend

umfänglich darüber

informieren muss, wo,

wann und wie geöffnet

werden darf.

5/2021 möbel kultur 21


VERBÄNDE

möbel kultur: Herr Schuster, jemand der

Sie nicht kennt, könnte meinen, Experimente

seien nichts für einen in der Region

derart verwurzelten Mittelständler. Und

dann das: Ein reines Kollektionshaus zu

gestalten, ist revolutionär für die Branche.

Patrick Schuster: Wir sind ein echtes

Familienunternehmen, das seit über

55 Jahren in 4. Generation existiert.

Wir sind verantwortlich für 50 Mitarbeiter:innen.

Mein Vater ist noch

im Unternehmen und meine beiden

Brüder arbeiten auch mit – einer

im Verkauf, der andere hat sich auf

das Thema Küchen spezialisiert.

Meine Frau ist für das Personal und

das Recruiting verantwortlich und

managt darüber hinaus gemeinsam

wir eine Größe von 3.000 qm und

waren im Übrigen auch schon Mitglied

im Vorgänger-Verband des EMV,

dem DMV. Vor einigen Jahren haben

wir dann noch ein 3.000 qm großes

Lager gebaut. Nun ist es Zeit für den

nächsten großen Schritt.

möbel kultur: Was sagt Ihr Vater über all

das, was im Unternehmen passiert?

Patrick Schuster: Der fiebert total

mit. Gestern war er sogar zwei Mal

auf der Baustelle. Aber auch unsere

Mitarbeiter:innen sind Feuer und

Flamme. Denn was sehr positiv ist:

Für unsere Angestellten bieten sich

Möglichkeiten, sich für das neue

Haus oder eine neue Kollektion zu

möbel kultur: Herr Klessinger, Sie kennen

viele Möbelhändler. Aber was Sie bei

Familie Schuster erleben, ist schon Mittelstand

at its best, nicht wahr?

Michael Klessinger: Das ist noch mehr.

Weil wir hier nicht nur die mittelständischen

Tugenden live erleben

können, sondern weil der strategische

Mut und die strategische Vision,

ein komplettes Kollektionshaus zu

realisieren, herausragen. Zumal sich

die Familie so ganz bewusst die letzte

Sortimentsentscheidung nimmt, mit

freier Ware ergänzen zu können. Das

spricht für das große Vertrauen in

die Kollektionsarbeit des Verbandes

und dass wir mit unserer Markenführung

der letzten Jahre richtig

gelegen haben.

möbel kultur: Wann nahm das Projekt des

Kollektionshauses Formen an?

Michael Klessinger: Herr Schuster

kam Anfang 2020 auf uns zu und

Gastgeber

der Kollektionen

Ein Mittelständler baut neu und stattet sein Möbelhaus komplett

mit Verbandsmarken aus – das ist ein Novum in der Branche. Realität

wird dieses Projekt in Gummersbach, wo Möbel Schuster die erste

Zweigstelle nach dem Waldbröler Stammhaus eröffnet und ausnahmslos

auf Labels des Europa Möbel-Verbunds setzt. Und als wäre das

noch nicht genug, zeigt die Familie vollendete Gastgeberquali täten –

als dauerhafter Kollektions-Showroom für die Mitgesell schafter. Über

das spektakuläre Vorhaben sprach die „möbel kultur“ mit Patrick

Schuster und EMV-Vertriebsleiter Michael Klessinger.

mit meiner Mutter die Fachsortimente.

Insofern ist es sicher nicht

Teil unserer DNA, Geschäftsrisiken

einzugehen

Deshalb sehen wir das Kollektionshaus

auch nicht als plötzlichen

Akt, sondern als konsequente

Weiterentwicklung. Wir haben uns

vor 22 Jahren schon einmal für den

großen Schritt entschieden, auf der

grünen Wiese ein komplett neues,

groß flächiges Möbelhaus mit integriertem

Abholmarkt auf 10.000 qm

Fläche zu bauen. Bis dahin hatten

entscheiden. Eine solche Chance

zur Veränderung kann man seinen

Mitarbeiter:innen nicht oft bieten.

Wir haben in allen Bereichen großes

Interesse und Begeisterung unserer

Einrichtungsberater:innen für die

jeweiligen Marken gespürt.

äußerte erstmals die Idee zu einem

Kollektionshaus. Für mich klang das

schier unglaublich. Ich weiß, was es

bedeutet ein Haus zu planen und zu

bestücken und ich weiß, was es heißt,

eine Kollektionspräsentation zu organisieren.

Und von beidem wollte er

sich nicht abbringen lassen. Als wir

uns damals die Immobilie in Gummersbach

angeschaut haben, brachte

Herr Schuster das ganze Projekt auf

den Punkt, indem er sagte: „Wir

wollen Gastgeber der Kollektionen

sein.“ Das hat mich beeindruckt und

sehr gefreut.

Patrick Schuster: Dieser Entschluss hat

eine lange Vorgeschichte. Wir wissen

aus Erfahrung, dass wir auf die Kollektionen

bauen können. Ich kenne

viele Handelsmarken sehr gut, weil

ich in einigen Einkaufskommissionen

mitarbeite. Für uns stand deshalb

fest, dass wir diesen Weg in dieser

Konsequenz gehen können, denn der

Querschnitt der Kollektionen trifft

den Geschmack unsere Zielgruppe.

Zudem liegen die beiden Häuser

nah genug beieinander, sodass

wir Kund:innen auch weiterreichen

können, wenn es im jeweils anderen

26 möbel kultur 5/2021


Haus Produkte gibt, die für sie in

Frage kommen. Unser Ansatz ist

schlüssig: Wir haben im Verband

eine Vielzahl von leistungsstarken

Kollektionen. Und es gibt noch

niemanden, der sie an einem Ort

auf einer Fläche zusammengeführt

hat. Wir haben alles da, also nutzen

wir es.

möbel kultur: Wie viele neue Mitarbeiter:innen

benötigen Sie?

Patrick Schuster: Etwa 25 bis 30 für

beide Häuser, weil einige aus dem

bestehenden Team nach Gummersbach

wechseln möchten. Das Recruiting

wird uns die nächsten Wochen

und Monate sicher beschäftigen.

Allerdings haben wir noch eine

kleine Schonfrist, weil wir den neuen

Standort bis Anfang Juli für die Kollektionspräsentation

fertig machen

und erst im Oktober für die Endkund:innen

öffnen wollen.

möbel kultur: Wie definieren Sie Ihr

Einzugsgebiet?

Patrick Schuster: Die oberbergische

Region ist ländlich geprägt und

umfasst etwa 100.000 Haushalte.

Mit unserem Haus in Waldbröl zielen

wir eher auf den Südkreis ab, hier

konnten wir unsere Marktposition

in den letzten Jahren ausbauen. Nun

nehmen wir mit einem neuen Haus

auch den Nordkreis ins Visier. Das

war im Prinzip unsere ursprüngliche

Motivation, denn anders gelingt es

uns nicht, die künstliche Grenze der

Autobahn A4, die den Nord- und den

Südkreis trennt, zu überwinden. Und

dennoch liegen die beiden Standorte

mit 22 km nah genug beieinander,

um Synergien nutzen zu können.

Als sich deshalb vor einigen Jahren

die Möglichkeit bot, einen ehemaligen

Verbrauchermarkt mit 7.000 qm

in zentraler Lage in Gummersbach

zu übernehmen, haben wir vorsorglich

zugeschlagen. Was uns außerdem

in die Karten spielt: Die Großstadt

Köln liegt nicht weit entfernt und

viele Stadtbewohner:innen möchten

raus aufs Land ziehen. Das belebt die

Bautätigkeit und die Zuzügler haben

eine überdurchschnittliche Kaufkraft.

Corona hat diesen Trend natürlich

noch verstärkt.

möbel kultur: Das sind gute Voraussetzungen

für die nächsten 55 Jahre. Und dennoch

ist das ein großer Schritt für Ihre Familie.

Patrick Schuster: Das stimmt. Aber

wir waren uns einig, dass das unsere

große Challenge sein würde, zwei

Standorte zu schaffen. Nun liegt die

Herausforderung darin, dafür zu

sorgen, dass die Häuser nicht austauschbar

werden, sondern jedes mit

einem eigenen Profil die Kund:innen

anspricht. Deshalb bleibt in

Waldbröl der große „TrendStore“,

hinter dem auch Lager und Logistik

hängen, bestehen. Auch die konventionelle

Fläche inklusive Küchenstudio

werden erhalten. In Gummersbach

entsteht nun ein rein

konventionelles Möbelhaus inklusive

Küchenabteilung.

möbel kultur: Sprechen Sie denn unterschiedliche

Kund:innen an oder dieselben?

Patrick Schuster: Wir versuchen an

unserem bisherigen Standort ein sehr

durchlässiges Sortiment zu realisieren.

Und durch den „TrendStore“

spiegeln wir auch eine Preiswürdigkeit

wider, die auf unser gesamtes

Sortiment ausstrahlt. Deswegen platzieren

wir in Waldbröl auch gezielt

Kollektionen, die preislich und stilistisch

den Preisunterbau und die

höherpreisigen Modelle miteinander

verbinden. Dabei helfen uns die

Verbandskollektionen, auf die wir

zuletzt immer stärker gesetzt haben –

„Natura“, „Lebensart“ und „Global“

in allen Facetten, also auch „Select“

und „Comfort“. Nun wollen wir in

Gummersbach auch die weiteren

Verbands-Kollektionen aufnehmen.

möbel kultur: Warum soll es Küchen an

beiden Standorten geben?

Die Compagnons des

Kollektionshauses (v.l.):

EMV-Vertriebsleiter

Michael Klessinger, Architekt

Werner Quadt sowie die

Familienunternehmer Patrick

Schuster, Hermann Schuster,

Manuel Schuster und Florian

Schuster.

5/2021 möbel kultur 27


VERBÄNDE

Melanie Rocksien-Riad

ist Mittelständlerin

per excellence. In der

Krise war sie besonders

gefordert, dafür hat sie

mit ihrem Team aber

auch viele neue Projekte

angeschoben – wie einen

Pop-up-Store in der

Greifswalder Innenstadt.

möbel kultur: Frau Rocksien-Riad, Herr

Lahmer, die Corona-Lage ist weiterhin

angespannt. Wie sind Sie durch die letzten

Wochen gekommen?

Melanie Rocksien-Riad: Es ist ein bisschen

wie der Tanz auf dem Drahtseil.

In meiner Zeit als Unternehmerin,

musste ich noch nie so schnell Dinge

denken und mein Geschäftsmodell

an neue Situationen anpassen wie

aktuell. Das macht es einerseits

spektakulär aufregend, andererseits

habe ich ständig das Gefühl, auf

der Hut sein zu müssen, um keine

Fehler zu machen.

Wir haben die Zeit des Lockdowns

aber genutzt, um neue Dinge

auszuprobieren – zum Beispiel

haben wir in einem leerstehenden

Ladengeschäft in der Greifswalder

Innenstadt für zwei Monate einen

Pop-Up-Store eröffnet. Es war spannend

zu sehen, wie unsere Marke an

einem solchen Ort wirkt. Es gab viel

positive Resonanz und es haben sich

interessante Kooperationen daraus

entwickelt.

Jetzt planen wir mit einigen lokalen

Händlern einen Pop-Up-Zirkus

in den Mittelstädten. Solche Ideen

wären ohne die Zwangspause vielleicht

nicht entstanden.

Aber ich muss auch ganz deutlich

sagen: Den politischen Zick-Zack-

Kurs, der mit uns Möbelhändlern

gefahren wird, ist schwer auszuhalten.

So habe ich mich mehrfach

an die Judikative gewandt und beim

zuständigen OVG um Überprüfung

der politischen Entscheidungen

gebeten. Denn die Ungleichbehandlung

der Branchen macht mich

wütend.

Einrichtungspartnerring VME: Unternehmer:innen im Interview

Die richtigen Mittel

gegen Zick-Zack-Kurse

Melanie Rocksien-Riad, Geschäftsführerin von MMZ Interliving in Greifswald, und Patrick

Lahmer, Geschäftsführer von Interliving Heka in Nienburg, sind echte Vollblut-Mittelständler

– die in den letzten Lockdown-Monaten schwer gefordert waren. Beide zeichnen

sich dadurch aus, dass sie sich nicht entmutigen lassen. Wie die beiden mit der Unterstützung

des Verbandes durch die Corona-Krise navigieren und positiv nach vorn

schauen, berichten sie im Interview mit der „möbel kultur“.

Patrick Lahmer: Den politischen

Umgang mit dem großflächigen

Möbelhandel haben wir insgesamt

ebenfalls als sehr unbefriedigend

empfunden. In unserem Landkreis

Nienburg sind wir aber noch ganz

passabel durch die ersten Monate

2021 gekommen. Für uns steht

fest: Click & Collect funktioniert

im Möbelhandel nicht, Click & Meet

dagegen sehr gut. Fakt ist aber auch,

dass wir schnell wieder zum Normalbetrieb

zurückkehren müssen.

möbel kultur: Welche Verbandsleistungen

haben Ihnen am stärksten weitergeholfen?

Patrick Lahmer: Als erstes ist der Einkauf

der neuen Modelle zu nennen,

der ja ohne Pause fortgesetzt

wurde. So hatten wir im Lockdown

die Möglichkeit, eine ansprechende

neue Interliving-Fläche für Küchen

und Wohnen zu schaffen.

Zweitens sind es die Services in

puncto Digitalisierung. So haben wir

das neue After-Sales-Tool in unserer

Verwaltung implementiert. Die

automatisierte Kundeninformation

über den Auftragsstatus stellt eine

äußerst professionelle Kommunikation

nach dem Kauf bis hin zur

Lieferung sicher – wahlweise per

SMS, E-Mail oder Brief. Das entlastet

unsere Verwaltung extrem

und kommt hervorragend bei den

Kund:innen an.

Melanie Rocksien-Riad: Bemerkenswert

war, wie es dem Verband mit

dem Einkauf und dem Marketing

gelungen ist, in kürzester Zeit eine

digitale Messe zu organisieren. Bis

auf den fehlenden persönlichen Austausch,

konnten wir wirklich perfekt

einkaufen. Und als Mehrwert sind

viele professionelle Produktvideos

entstanden, die sehr wertvoll für

die Kommunikation mit unseren

Mitarbeiter:innen gewesen sind.

Am stärksten hat mir in der

Krisenzeit aber das größte Pfund

des VME geholfen: Und das ist der

freundschaftliche und ehrliche

Austausch mit Kolleg:innen, ganz

besonders im Kreis der Interliving

Partner. Ich bin eine große Verfechterin

von physischen Treffen, weil

ich bisher der festen Überzeugung

war, dass es immer die Zwischentöne

und das Gespräch am Rande

braucht, um wahre Kreativität zu

entwickeln. Insofern bin ich wirklich

positiv überrascht, wie es uns

gelungen ist, mit kreativen Formaten,

viele gute digitale Erlebnisse

zu schaffen.

32 möbel kultur 5/2021


möbel kultur: Wie haben Sie Ihr Unternehmen

weiter digitalisiert?

Melanie Rocksien-Riad: Gleich zu

Beginn haben wir für die interne

Kommunikation „Beekeeper“ als

Tool eingeführt. Überhaupt wurde

durch die vielen Mitarbeiter:innen

im Homeoffice schnell klar, dass

Postmappen durch die Gegend zu

schicken, nicht der Weg sein kann.

Also haben wir angefangen, unsere

gesamte Kommunikation auf papierlos

umzustellen.

Auch unseren Onlineshop haben

wir überarbeitet, denn der zeigte

gar nicht, was bei uns im Laden

tatsächlich für Möbel stehen. Also

haben wir ein digitales Schaufenster

eingerichtet. Vieles von dem, was

wir immer schon tun wollten, haben

wir nun angepackt. An vielen Stellen

waren wir vorher schon ganz gut.

Vor allem die Prozesse im Hintergrund

haben wir aber entscheidend

verbessern können.

Patrick Lahmer: Ich möchte noch folgende

Punkte nennen, die wir in

Angriff genommen haben: die digitale

Archivierung, eine neue Lagerorganisation

und eine modernere

Artikelanlage, die auch gut am POS

zum Einsatz kommen kann. Das

hat uns im Geschäftsalltag enorm

weitergebracht.

möbel kultur: Welche Erfahrungen haben

Sie mit Online-Beratung gemacht?

Melanie Rocksien-Riad: Inzwischen

haben wir in jeder unserer Filialen

eine Koje zum Filmstudio umgebaut.

Dort sitzt der oder die Berater:in

mit allerlei Technik, der richtigen

Beleuchtung und einem Headset

auf dem Kopf und kann gemeinsam

mit den Kund:innen planen.

Dazu wird der Bildschirm geteilt

und bei Bedarf mit einem Gimble

und einem kleinen Stativ direkt an

der Ware gearbeitet. Wir haben die

Erfahrung gemacht, dass es während

des Lockdowns ein großes Interesse

an diesem Format gab. Nachdem wir

dann wieder geöffnet waren, hat

es sich dann auf die Warengruppe

Küche konzentriert. Da sehe ich

langfristig auch den größten Bedarf.

Modellen, was wir mit den Verbandsmarken

in der Vergangenheit so nicht

erlebt haben. Täglich sind Aufträge

mit Interliving-Modellen dabei. Im

Polstermöbelbereich sind inzwischen

zwei Modelle unter unseren Top 3.

Auch die Interliving-Küche bringt aus

dem Stand schöne Aufträge.

Melanie Rocksien-Riad: Sowohl Herr

Lahmer als auch wir haben ja nicht

nur das gebrandete Sortiment. Wir

haben uns für die große Lösung entschieden

und tragen Interliving auch

in unseren Namen. Aus unserer Sicht

war das die richtige Entscheidung.

Das schlägt sich bei uns auch

im Umsatzanteil der Warenmarke

nieder: Während im Verbandsdurchschnitt

inzwischen 8 Prozent des

Gesamtumsatzes mit Interliving

gemacht wird, sind es bei uns gut

14 Prozent. Um diese Quote zu

erreichen, hat uns insbesondere die

Warengruppe Küche geholfen. Aber

eben auch das ganze perfekte Marketing

und die vielen Tools, die uns

der Verband zur Verfügung stellt. In

meiner Unternehmensgröße ist es

ein entscheidender Unterschied, ob

man sich um alles selber kümmern

muss oder der Verband einem eine

so gute Lösung zur Verfügung stellt,

dass sie 1:1 zu übernehmen ist.

Patrick Lahmer betreibt

in Nienburg an der

Weser das Interliving-

Heka-Haus mit 20.000 qm

Verkaufsfläche und 80

Mitarbeiter:innen.

möbel kultur: Was muss ein Verband leisten,

um die Gesellschafter wettbewerbsfähig

zu machen?

Patrick Lahmer: Das ist relativ einfach

auf den Punkt zu bringen: Der Verband

muss den Gesellschafter da

unterstützen, wo diesem die Power

oder das Know-How fehlt.

Im Detail sehe ich drei große

Handlungsbereiche für die Zentrale.

Erstens: der Einkauf und die Konditionen,

denn nach wie vor ist das

eine elementare Aufgabe eines Verbandes.

Zweitens: die Dachmarken

bzw. Händlermarken, denn diese

geben dem Mittelstand die Alleinstellung,

um sich von den großen

Wettbewerbern abzugrenzen. Und

drittens: die Digitalisierung inklusive

der Pflege der sozialen Medienkanäle

und Marketing, denn wir

müssen mit der jungen Zielgruppe

kommunikativ Schritt halten.

möbel kultur: Warum sind Sie davon überzeugt,

im richtigen Verband zu sein?

Patrick Lahmer: Der VME bietet aus

meiner Sicht das beste Paket für

den Mittelstand in der Verbandslandschaft

und die höchste Geschwindigkeit

in der Umsetzung der Ideen.

möbel kultur: Von welchen Verbandsprojekten

versprechen Sie sich zukünftig

noch besonders viel Potenzial?

Melanie Rocksien-Riad: Ein großer

Schwerpunkt ist die Digitalisierung.

Da haben wir im Verband einen

unglaublichen Sprung gemacht. Der

Fokus lag schon vor Corona bei dem

Thema. Aber die Pandemie hat wie

ein Brandbeschleuniger gewirkt. Ich

darf im Digitalausschuss an einigen

Projekten mitarbeiten und kann

schon bald die ersten tollen sichtbaren

Ergebnisse für die Kolleg:innen

versprechen.

Die Customer Journey verändert

sich gerade rasant. Und mit

den Projekten, die wir entwickeln,

entstehen gute Strategien, um das

veränderte Kundenverhalten optimal

begleiten zu können.

möbel kultur: Wie schauen Sie nach den

vielen schwierigen Monaten insgesamt

in die Zukunft?

Patrick Lahmer: Ich bin davon überzeugt,

dass unsere Branche als einer

der Profiteure aus der schwierigen

Zeit hervorgehen wird. Urlaub,

Event und Reisen werden es auch

im Sommer 2021 schwer haben.

Heim, Hof, Haus und Garten werden

zukünftig einen noch höheren

Stellenwert beim Konsumenten einnehmen.

Ich rechne deshalb auch

mit einem guten Spätsommer- und

Herbstgeschäft 2021.

Melanie Rocksien-Riad: Mein Mann

und ich kommen beide gebürtig

aus Westfalen. Bei solchen Fragen

schauen wir uns tief in die Augen

und sagen und denken beide das

gleiche: „Nützt ja nix!“ Die aktuelle

Situation fordert uns auf, unser

Geschäftsmodell zu überdenken. So

sind eben Krisen. Es wäre vermessen

zu glauben, dass die Rahmenbedingungen

immer gleichbleiben.

SASCHA TAPKEN

www.einrichtungspartnerring.com

möbel kultur: Wie performt das Interliving-Sortiment

in der Krise?

Patrick Lahmer: Die Marke Interliving

sehe ich als großen Gewinn für unser

Warensortiment und unser Haus insgesamt.

Das zeigt sich auch in der

Krise: Die Kund:innen kommen

und fragen explizit nach Interliving-

5/2021 möbel kultur 33


HANDEL

Hermes Einrichtungs Service: Mit starkem Partner in Frankreich

Grenzenlos handeln!

Während die Pandemie auf schmerzvolle Weise die Bedeutung von Ländergrenzen

aufgezeigt hat, kam der internationale Handel zu keiner Zeit zum

Stillstand. Doch wer als Händler grenzüberschreitend verkaufen möchte,

benötigt zuverlässige Logistik-Partner. Mit ihrer gemeinsamen Kompetenz

als Zwei-Mann-Handling-Spezialisten bieten der Hermes Einrichtungs

Service (HES) und Agediss ihren Auftraggebern nun die Möglichkeit,

das große Potenzial des französischen Marktes abzuschöpfen.

Europaweit boomt der Onlinehandel

wie nie zuvor. Die Pandemie

hat den schon länger

bestehenden Trend zum Shopping

im Internet noch einmal stark

beschleunigt. Damit nimmt auch

das grenzüberschreitende Bestellvolumen

zu, denn im Netz sind

alle Informationen und Produkte

zugänglich – ganz gleich, aus welchem

europäischen Land sie kommen.

Zudem ist in einer von Reisebeschränkungen

geprägten Zeit

die Sehnsucht nach ausländischen

Produkten und Marken gestiegen.

Dennoch beschränken sich

viele – insbesondere mittelständische

– deutsche Händler auf ihren

Heimat markt. Und das, obwohl der

EU-Raum doch möglichst viele Hindernisse

im grenzüberschreitenden

Handel ausräumen sollte. Warum

lassen sich Anbieter dann dieses

große Potenzial entgehen? Sicherlich

sind es oft sprachliche Hürden,

die den Einstieg verhindern, schwerer

wiegen aber die logistischen

Herausforderungen.

Dieses Problem hat der Hermes

Einrichtungs Service erkannt und

eine Lösung bzw. einen starken

Partner für einen der größten europäischen

B2C-Märkte gefunden:

Frankreich.

In unserem Nachbarland mit 67

Mio. Einwohnern sind die Absatzmöglichkeiten

verlockend. Das

Marktforschungsinstitut eMarketer

taxiert das E-Commerce- Volumen

auf aktuell 63,9 Mrd. Euro (2020).

Bis 2023 könnte der im Internet

getätigte B2C-Umsatz (inklusive

Dienstleistungen) an der

80- Milliarden-Euro Grenze kratzen

– nach Deutschland und UK ist

Frankreich damit die klare Nummer

drei im europäischen Raum.

Das Shopping-Niveau ist hoch,

weil unsere Nachbarnation eine lange

Tradition im Distanzhandel hat. Noch

heute lassen sich die Franzosen gern

von Katalogen zum Shoppen inspirieren.

Dabei sind ihre Gewohnheiten

gar nicht so anders als die der Deutschen.

Sie kaufen online gern Mode-

Foto: Kaspars Grinvalds/shutterstock.com Fotos: Sarunyu_foto/Mr. Claret Red/titoOnz/shutterstock.com

Immer volle Transparenz

über den Lieferstatus – ganz

gleich ob in Deutschland

oder in Frankreich. Das

stellen die beiden Kooperationspartner,

der Hermes

Einrichtungs Service und

Agediss, sicher.

36 möbel kultur 5/2021


Quelle: eMarketer May 2020, Grafik: möbel kultur

Jens-Uwe Sander, Vertriebsleiter

des Hermes Einrichtungs

Service, kann den deutschen

Handelspartnern einen Zugang

nach Frankreich bieten.

und Beauty-Artikel, aber mit Vorliebe

auch DIY-Waren. Und im Zuge der

Pandemie natürlich auch zunehmend

Möbel, Einrichtungsgegenstände und

Hausgeräte für das Heim und den

Garten. Und ein weiteres großes Pro:

Unsere Nachbarn retournieren nicht

so viel wie wir.

„Es sprechen sehr viele Argumente

dafür, in Frankreich zu verkaufen.

Doch wir haben verstanden,

dass ein deutsches Handelsunternehmen

oft nicht eigenständig dazu

in der Lage ist, alle Fragen, die sich

bei einem Markteinstieg stellen, zu

beantworten. Deshalb haben wir die

logistische Verantwortung übernommen

und einen Partner gefunden,

der dieselben hohen Ansprüche

entlang der gesamten Lieferkette

ansetzt wie wir und den unsere

Handelspartner von uns gewohnt

sind“, erläutert Jens-Uwe Sander,

HES-Vertriebsleiter.

Wie der HES in Deutschland ist

Agediss im Nachbarland Frankreich

der führende Zwei-Mann-Handling-Spezialist.

Darüber hinaus sind

die beiden Unternehmen über die

gemeinsame Muttergesellschaft, die

Otto Group, verbunden.

Obwohl diese glückliche Konstellation

die Realisation der grenzüberschreitenden

Logistiklösung

mit Sicherheit erleichterte, waren

aufwendige und komplexe Schritte

notwendig, um den Waren- und

Datenfluss in beide Richtungen optimal

und kundenorientiert zu gestalten.

Jens-Uwe Sander erklärt hierzu:

„Zwei individuelle Logistiksysteme

und Softwarelandschaften miteinander

zu verbinden und damit sowohl

französischen als auch deutschen

Versendern ein erweitertes neues

internationales Liefergebiet zu bieten,

war eine durchaus anspruchsvolle

Aufgabe. Das gemeinsame

Projektteam hat hier hervorragend

zusammengearbeitet, wofür ich sehr

dankbar bin.“

Das gemeinsame Projekt hat die

Schwestergesellschaften enger aneinander

gebunden und ein schlagkräftiges

Netzwerk ist entstanden.

Zukünftig beabsichtigen die beiden

Firmen noch intensiver in den Austausch

zu Trends, Innovationen und

Erfolgsmodellen zu gehen.

Für einen deutschen Anbieter löst

die HES-Agediss-Kooperation somit

viele Knackpunkte. Und das logistische

Prozedere ist für den Händler

so einfach wie möglich gestaltet,

denn die in Frankreich bestellte

Ware wird über das Cross-Docking

in den beiden HES-HUBs in Löhne

und Ansbach eingespeist und in das

Agediss-Zentrallager gebracht.

Der E-Commerce-Boom im Nachbarland

Handelsumsätze im E-Commerce

Anteil am Einzelhandel in Prozent

54,6

Mrd. €

11,7%

9,2%

63,9

Mrd. €

17,1%

12,2%

69,3

Mrd. €

11,9%

8,4%

Veränderung in Prozent

74,8

Mrd. €

79,8

Mrd. €

12,4% 13,0%

7,9% 6,7%

2019 2020 2021 2022 2023

Nach dem Corona-Jahr

werden die Wachstumsraten

im französischen

E-Commerce laut dem

Marktforscher eMarketer

etwas abflauen, aber

der Anteil am gesamten

Einzelhandelsvolumen

nimmt weiter zu.

AGEDISS IM PORTRÄT

Eine feste Bande haben der Hermes Einrichtungs

Service und Agediss geknüpft. Dabei setzen beide

auf lückenlose Informationen über den Bestellstatus

entlang der gesamten Lieferkette.

Die Logistik-Größe in Frankreich

• Agediss Home Deliveries France verfügt über 60 Jahre

Erfahrung in der Auslieferung von Konsumgütern und stellt

jährlich 1,1 Mio. Sendungen in Frankreich und Belgien zu.

• Der 57.000 qm große HUB-Standort liegt zentral in Mer

(südlich von Paris in der Region Centre-Val de Loire).

Zusätzliche 37 Depots im ganzen Land sorgen für eine

engmaschige Logistik-Infrastruktur.

• Das Leistungsspektrum umfasst die Lieferung frei Verwendungsstelle,

2-Stunden-Lieferzeitfenster, Altmöbelund

Altgeräteentsorgung, Möbelmontage und den Geräteanschluss,

Zustellung der Ware mit 2-Mann-Teams,

Avisierung per SMS und E-Mail, fünf- bis achttägige

Lieferzeit und Retourenmanagement.

• Die Kund:innen haben durch einen voll digitalisierten

Lieferprozess Transparenz über den Sendungsstatus:

Die Packstücke werden beim Laden gescannt und dabei

eine SMS an den Endkunden ausgelöst. Mit Echtzeit-

Infos und Live-Tracking über Web-Anwendungen können

die Kund:innen den Weg ihrer Ware verfolgen. Wenn das

Lieferteam am Zielort ankommt, wird eine Nachricht übermittelt:

„Bonjour, je suis arrivé“.

• Zur Sicherstellung

der hohen

Service-Qualität

erhalten

die Kund:innen

nach Abschluss

des gesamten

Lieferprozesses

eine Zufriedenheitsumfrage.

Foto: peterschreiber.media/shutterstock.com

5/2021 möbel kultur 37


ZKZ 4937

5 I 2021

MAGAZIN FÜR DAS MÖBEL-BUSINESS

Foto: V-Zug

SPECIAL

KÜCHE

PREMIUM

DAS SPECIAL FÜRS TRADING-UP

RUND UM KÜCHE & ZUBEHÖR


KÜCHE PREMIUM

Lifestyle in hochwertigem Design: Um

36 Prozent ist 2020 allein der Umsatz

mit Deckenhauben, parallel zum

offenen Wohnen, gestiegen (links:

„Skyline Frame“ von Berbel).

*Umsatz ohne Mitnahme/SB

Offen für alles

Besondere

Mit 9,9 Prozent Umsatzplus hat sich laut GfK die Küche

2020 einmal mehr als „Mittelpunkt des Lebens“ bewiesen.

Verbraucher erkennen, dass es sich lohnt, mehr Geld zu

investieren. Dies bestätigen ebenso die überall steigenden

Auftragswerte. Im Durchschnitt kletterten diese im vergangenen

Jahr auf 9.678 Euro*. Bei den Musterhaus Küchen

Fachgeschäften sind es mittlerweile sogar 14.588 Euro.

„Vom Social Cocooning zum pandemie-getriebenen

Cocooning 2.0“ überschreibt GfK die Expertise über die

Entwicklung im Verkauf zu Corona-Zeiten. Dabei ist für die

höhere Wertigkeit nicht nur die Wertschätzung der Verbraucher

ausschlaggebend, sondern auch der langfristige

Trend zur Verschmelzung von Kochen, Essen und Wohnen.

Umso mehr ein Raum genutzt wird, gut aussieht und gesellschaftsfähig

wird, desto größer die Bereitschaft, für das

Equipment mehr auszugeben. Furnier, Naturstein, Keramik

oder ultramatte Farben, dazu ein Side-by-Side und viel

wohnliche Accessoires: Dies alles sorgt für ein hyggeliges

Ambiente – als Ausdruck des individuellen Lebensstils.

#Stay Home ist die Reise zum Ich und den eigenen Werten.

Die Suche nach dem Besonderen hat Hochkonjunktur.

Ein Trend mit nachhaltigem Effekt, so wie es scheint.

HEIKE LORENZ

Top-Themen

in diesem Premium-Special:

AEG-Interview: Push-up

fürs Look & Feel

Gaggenau: Auszeichnung

für verwandte Seelen

Möbel Schuh:

Der besondere Lifestyle

MHK: Mit Hashtags und Corona-

Hilfen durch den Lockdown

AMK/GfK-Analyse:

„Krisen-Anker“ Küche

V-Zug: Magisch bis ins Detail

Küchenwohntrends.at:

Digital inspirierend

TITELFOTO: V-ZUG

5/2021 möbel kultur 45


KÜCHE PREMIUM

AEG: WIE SICH DIE MARKE AUF NEUEM NIVEAU PRÄSENTIERT

Push-up fürs Look & Feel

Mit einem Paukenschlag ist die neue AEG-Kampagne ins Jahr 2021 gestartet. Mit hohem Invest in

TV-, Print- und Social Media-Werbung unterstreicht dabei der Slogan „Für alle die mehr erwarten“

die Premium qualitäten der Traditionsmarke. Vorausgegangen sind Managementwechsel, die auch

frische Energien im Teamwork von Vertrieb und Marketing freisetzen. Wie nicht zuletzt der Handel

davon profitiert, erläutern Ralf Birk, Sales Director Kitchen Retail, Heidi Zucker, Head of Marketing

und Christian Beidatsch als Head of Trade Marketing Operations.

möbel kultur: Herr Birk, Sie sind jetzt etwas über ein Jahr bei AEG

Vertriebsdirektor für den Küchenkanal. Wie haben Sie Ihren Einstieg

erlebt, der so schnell unter dem Einfluss der Corona-Krise stand?

Ralf Birk: Nach meinem Start im Januar 2020 kam gleich im

März der Lockdown. Dies sorgte zunächst für sehr unklare

Perspektiven, was die Auswirkungen der Pandemie und

auch die Verfügbarkeit unserer Geräte vor allem aus den

italienischen Werken anging. Aber das Geschäft hat im zweiten

Halbjahr schnell und stark angezogen und wir konnten

nicht nur die Vorjahresumsätze, sondern sogar unsere Ziele

für 2020 übertreffen.

möbel kultur: Wie stark ist die Lieferfähigkeit der Geräte durch die

aktuellen Materialengpässe eingeschränkt?

Ralf Birk: Das globale Problem der Versorgung mit Zulieferteilen

wird uns wie die gesamte Branche in diesem Jahr

weiterhin begleiten. Bekanntlich sind Geschirrspüler von

der Situation am härtesten betroffen. Da bei der Küche

ganze Kommissionen in Frage stehen, haben wir besonderes

Augenmerk auf den Küchenhandel gelegt. So konnten wir

Terminpläne oft besser einhalten. Schwierig ist es momentan

noch bei Bauteilen für höherwertige Backöfen. Je komplexer

die Technik, desto länger die Beschaffungsfristen: So

lässt es sich auf eine einfache Formel bringen. Die Aussichten

bleiben zwar unklar, doch entwickeln sich die Umsätze

auch im laufenden Jahr auf einem guten Niveau und wir

können schon von einer echten Hauskonjunktur sprechen.

möbel kultur: Für die Sie ja auch einiges getan haben, wenn man an

die große Kampagne denkt, mit der AEG in diesem Jahr durchgestartet

ist. Konnten denn auch die im Herbst vorgestellten Neuheiten wie die

„MattBlack Range“ gut platziert werden oder sind die Händler jetzt

eher zurückhaltend?

Ralf Birk: Wir haben mit der Auslieferung der „MattBlack

Range“ schon im vierten Quartal begonnen, als das Geschäft

überall gut lief. Aber auch nach dem zweiten Lockdown

haben viele Handelspartner die Gelegenheit genutzt, die Ausstellung

zu erneuern und Geräte parallel zum Inkrafttreten

des neuen EU-Labels auszutauschen. Es erstaunt mich selbst,

wie viele Händler schon die „MattBlack“-Geräte platziert

haben. Aber sie sind einfach auch etwas ganz Besonderes.

Und die Kampagne hilft uns natürlich, dass sich noch mehr

Handelspartner für AEG einsetzen.

möbel kultur: Nach dem Restart von „AEG Reloaded“ wurde es um

die Markenpräsenz deutlich ruhiger, vielleicht auch bedingt durch die

Personalwechsel. Wird es jetzt wieder lauter?

Heidi Zucker: Als wir 2016 mit „AEG Reloaded“ gestartet

sind, haben wir nicht nur die Marke mit einem neuen Logo

modernisiert, sondern auch die Premiumziele neu definiert.

Hier setzen wir nun weiter auf. Dazu gehört, dass wir in der

Kommunikation eine visuelle Identität schaffen und Zielgruppen

adäquat ansprechen, die zur Marke passen. Aber

ohne uns ganz neu zu erfinden.

möbel kultur: Die Marke steht jetzt offenbar mehr im Vordergrund als

die Produkte. Warum war Ihnen das wichtig?

Heidi Zucker: Wir haben zwar in der Kampagne unsere Produktheros

integriert, aber ja, es geht auch darum, das Markenbild

zu schärfen. Wir haben in Verbraucherumfragen

46 möbel kultur 5/2021


2021 entwickelt sich für

AEG zur Hauskonjunktur“.

Mit mehr als 30 Jahre

Hausgeräteerfahrung kam

Ralf Birk Anfang 2020 zu

Electrolux Deutschland,

um die Position als Sales

Director Kitchen Retail zu

übernehmen.

Nach über zweijährigem

Engagement für AEG-Kleingeräte

bringt Christian

Beidatsch, Head of Trade

Marketing Operations, seit

Oktober frischen Schwung ins

AEG-Handelsmarketing.

festgestellt, dass dies nicht mehr klar genug war. Und eine

Marke wird ja erst dann begehrlich, wenn sie eine klare

Ausstrahlung und Konsistenz hat. Die Kampagne mit dem

Slogan „Für alle die mehr erwarten“ ist letztlich die Antwort

darauf, stärker auf Konsumentenbedürfnisse einzugehen.

möbel kultur: Welche Werte wollten Sie mit den neuen Bildwelten

vermitteln?

Heidi Zucker: Das Keyvisual für die Küche ist ein vegetarisches

Buffet, das sehr üppig mit Obst und Gemüse ausgestattet ist.

Dahinter steckt die Aufforderung: Hinterfragt eure Gewohnheiten!

Zum Beispiel die Ernährung als Teil einer nachhaltigen

Lebensweise. Wie kann ich vermeiden, Lebensmittel

wegzuwerfen, woher kommen sie und welche Ressourcen

werden für ihre Herstellung verbraucht? Innovation und

Nachhaltigkeit sind dabei die zentralen Werte, die wir im

Look & Feel der neuen AEG-Kampagne verdichten.

Christian Beidatsch: Innovation und Nachhaltigkeit wollen

wir natürlich auch an den POS tragen. Dazu haben wir

schon letztes Jahr einen Rollout mit entsprechendem Mobiliar

umgesetzt und Händler mit Aufstellern, Displays und

dem neuen Leuchtlogo ausgestattet. Wobei wir bewusst auf

eine hochwertige Gestaltung geachtet haben. Gerade bei

Schwerpunkthändlern setzen wir auf eine deutliche Markenpräsenz,

auf Screens oder Plakatflächen. Außerdem haben

wir zur Unterstützung des Fachhandels ein Content-Paket

zusammengestellt: mit Bannern, Text- und Bildmaterial

für Instagram-Posts und Facebook-Stories, in denen es um

einzelne Gerätehighlights wie den SteamPro, ComfortLift

oder SensePro-Kochfelder geht.

möbel kultur: Der Händler ist ja ein wichtiger Part für die Customer

Journey. Wie aktiv spielt dieser in puncto Social Media mit?

Ralf Birk: Großartige Kampagnen zu fahren, reicht allein

nicht. Es muss auch die Verbindung zum Handel hergestellt

werden, der die Geräte letztlich verkaufen soll. Wir

haben das Paket einem Handelsverband vorgestellt, der

selbst sehr onlineaffin ist und wirklich begeistert war von

dem Angebot, das wir ihm bieten konnten. Das war eine

Bestätigung für uns, dass wir alles richtig gemacht haben.

Und gerade jetzt wird dieser Content stark nachgefragt.

möbel kultur: Welche Aussage und welche emotionale Story sollen

die Endkunden ansprechen?

Christian Beidatsch: Die Imagekampagne soll die Marke strahlen

lassen, den Appetit wecken. Die Information kommt im

zweiten Step, vor allem am POS. Unsere Bildwelten grenzen

sich dabei klar ab, sind Hingucker und stoßen den Dialog

an. Mit Fragen wie „Warum über Temperatur nachdenken?“

zum SteamPro oder „Warum nicht auf Ihrem Level die

Geschirrschublade hochziehen, ohne Bücken?“ beim Beispiel

Comfortlift.

möbel kultur: Wie selektiv gehen Sie beim Handelsmarketing vor?

Christian Beidatsch: Unser Ziel ist, alle unsere Top-Händler

mit dem Marketingpaket auszustatten. Den POS-Rollout

haben wir im vergangenen Jahr bei 800 Händlern umgesetzt,

was wir in diesem Jahr auf 1.200 Händler steigern wollen.

Darüber hinaus wollen wir an einzelnen Verkaufspunkten

noch einmal ein Ausrufezeichen setzen.

möbel kultur: Zum Selektivvertrieb hat gerade das Bundeskartellamt

eine Entscheidung getroffen, wonach stationäre Händler nicht

Will mit der bislang größten

Kampagne Tradition und

Innovation auf einen Nenner

bringen: Seit Mai 2020

macht sich Heidi Zucker als

Head of Marketing stark für

AEG, ist aber schon über

zehn Jahre im Trade Marketing

der Electrolux-Tochter

in Nürnberg aktiv gewesen.

5/2021 möbel kultur 47


KÜCHE PREMIUM

„RESPECTED BY GAGGENAU“: DIE PREISTRÄGER STEHEN FEST

Auszeichnung für

verwandte Seelen

Bereits 2019 traf Gaggenau Vorbereitungen für einen Wettbewerb besonderer Art: Mit Hilfe

von internationalen Kuratoren wurden außergewöhnliche Persönlichkeiten und Unternehmen

aus den Bereichen Kulinarik, Weinkultur und Design gesucht, deren Arbeit als visionär und

inspirierend gelten. Jetzt stehen die drei Sieger und künftigen Markenpartner mit dem ehrenvollen

Titel „Respected by Gaggenau“ fest.

Der erste Funke wurde 2019 im Palais Brongniart in

Paris gezündet, als Gaggenau die Initiative einem

Publikum von 600 international führenden Köchen,

Restaurantbetreibern und Tastemakern auf einem Event

vorstellte. Daraufhin machten sich 25 Kuratoren

europaweit auf die Suche nach passenden Kandidaten,

die den Ansprüchen an Exzellenz im

Produkt und Markenauftritt gerecht werden.

Aus 60 Nominierten wählte ein internationales

Gremium wiederum die 15 Besten aus

den Bereichen Kulinarik, Weinkultur und

Design aus. Im März erfolgte nun endlich

die Bekanntgabe der drei Sieger. Sie werden fortan nicht nur

die Auszeichnung „Respected by Gaggenau 2021“ tragen,

sondern ein Jahr lang auch mit einem Kommunikationspaket

unterstützt und als offizielle Partner in speziellen Projekten

mit der BSH-Marke zusammenarbeiten.

Progressive Denkweisen, eine gewisse Raffinesse und

Qualität sowie Leidenschaft für Exzellenz: In diesem Sinne

dürfen sich die drei Auserwählten nun als „Seelenverwandte“

der Gerätemarke fühlen. Für den Bereich Kulinarik steht

dabei der Italiener Salumi Bettella, der mit seiner naturnahen

Schweinezucht auf der Azienda Agricola Bettella vorbildlich

agiert. Tradition und Nachhaltigkeit verbindet auch Elías

Progressive Denkweisen, Raffinesse

und Qualität verbinden die

drei Ausgezeichneten „Respected

by Gaggenau“ mit den Werten der

BSH-Marke. Einer der Sieger ist

der italienische Züchter Salumi

Bettella mit seinem Konzept

„Maiale Tranquillo“ (r.), bei dem

Schweine naturnah und stressfrei

aufwachsen. In stiller Harmonie

können so Mensch, Tier und

Prosciutto vorbildlich gedeihen.

50 möbel kultur 5/2021


In der Kategorie Weinkultur

erlangte der spanische Winzer

Elías López Montero den

Sieg, weil er seine Trauben

der Bodegas Verum ohne

Bewässerung anbaut und sie

dann in Amphoren aus Ton

heranreifen lässt.

López Montero, Gründer der Bodegas Verum im spanischen

La Mancha, indem er seine Trauben ohne Bewässerung

anbaut und sie dann in Amphoren aus Ton heranreifen lässt.

Und mit einzigartigem Design hat sich das Keramikstudio

Apparatu von Xavier Moñosa aus der Nähe von Barcelona

profiliert – mit Töpferwaren, deren unregelmäßige Formen

außergewöhnliches Kunst-Handwerk repräsentieren.

„Als wir 2019 mit der Initiative gestartet sind, gab es

bereits eine Tendenz zur Regionalität und zur Wertschätzung

von qualitativ hochwertigen außergewöhnlichen Produkten.

Die Pandemie hat diesen Trend verstärkt und die Initiative hat

noch weiter an Bedeutung gewonnen“, erklärt dazu Karin

Stengle, Marketingleiterin bei Gaggenau. Jetzt gilt es, alsbald

Gelegenheiten zu finden, um gemeinsam in die Öffentlichkeit

zu treten und damit die verborgenen Bande zwischen

den „exzellenten Brüdern im Geiste“ sichtbar zu machen.

HEIKE LORENZ

www.gaggenau.com

Respekt für hochwertiges

Design: Dies verdient zudem

das Keramikstudio Apparatu

von Xavier Moñosa aus der

Nähe von Barcelona, dessen

Töpferwaren in unregelmäßigen

Formen außergewöhnliches

Kunst-Handwerk hervorbringen.

5/2021 möbel kultur 51


KÜCHE PREMIUM

„Ganz viel Neues gibt es bei

Kühlschränken“, erklärte

„Yvis Küchen-Glück“-Bloggerin

Yvonne Zahn, die ihre

persönlichen Favoriten während

ihrer beiden virtuellen

Messerundgänge, ebenso

begeistert wie sachkundig

vorstellte. Darunter der

„GlasdraftAir“-Dunstabzug

von Bosch (r.).

KÜCHENWOHNTRENDS.AT: 7.405 BESUCHE

Digital

inspirierend

Kurzweilig und informativ: Bis auf die haptische Dimension

gelang es den 131 Teilnehmern des digitalen

Messedoppels Küchenwohntrends und Möbel Austria,

ihre Neuheiten mit Videos und im Gespräch erlebbar zu

machen. 7.405 Visits von 1.662 Besucher:innen zählten

die Veranstalter. Viele Erwartungen wurden erfüllt und

zahlreiche Aussteller freuten sich über Neukundenkontakte.

Inspiration bot das Live-Programm mit Top-Vorträgen

zu Megatrends wie Nachhaltigkeit und Wohnen in

Nach-Corona-Zeiten.

Links: Nach Anweisung

lecker kochen – Oliver

Deimling, Vertriebschef von

Cuciniale, demonstrierte

live, wie einfach das mit der

weiterentwickelten App geht.

Es macht einfach Spaß, Helmut Weikhart von Miele

zuzuhören“, versprach Michael Rambach von Veranstalter

Trendfairs beim morgendlichen Update für das

Messedoppel Küchenwohntrends und Möbel Austria. Doch

auch der virtuelle Messerundgang von Bloggerin Yvonne

Zahn oder das „intelligente“ Livekochen via Cuciniale-App

waren kurzweilig, sodass man als Besucher:in dabeiblieb.

Hier kurz oder auch mal etwas länger gechattet und dort

auf ein verlinktes YouTube-Produktvideo geklickt. Top, wie

beispielsweise Berbel seinen smarten, selbstreinigenden

„Permalyt“-Umluftfilter inszenierte – und die Zeit verging

wie im Flug.

Insgesamt 7.405 Visits von 1.662 eindeutig personalisierten

Besucher:innen auf den Präsentationen der Aussteller

zählte Trendfairs und wertet das als Erfolg, zumal 95 Prozent

der Besucher:innen die Benutzerfreundlichkeit des neuen

Online-Messe-Formats mit 5-6 von 6 möglichen Sternen

bewerteten und die Hälfte der Besucher:innen die eigenen

Erwartungen an die Digitalmesse mit 5-6 Sternen von 6

möglichen Sternen als voll erfüllt sah. Besonders die Tools

„Highlights und Neuheiten“, die Chat-Funktionen sowie

die „Themenwelten“ sind gut angekommen.

„Grünes Wohnen“ und mehr smarte Features waren

die Topthemen. Der „Plantcube“ von Agrilution (gehört

inzwischen zu Miele)vereint beides perfekt. Vertriebsleiter

Maximilian Ott verstand es, den Garten im Schrank als etwas

Besonderes anzupreisen. Optimales Licht und eine Steuerung

der Nährstoffzufuhr per App machen nur alle zwei bis drei

Wochen ein Nachfüllen des Wassertanks notwendig. Absolute

Frische, kein Einkaufen, keine Verpackung, keine Schadstoffe

und immer die richtige Menge.

Mit Extras für mehr Frische wartet auch die neue Kühlschrankgeneration

auf: Miele beschwadet Obst und Gemüse

mit „Perfect Fresh Aktiv“, „HydroBreeze“ heißt der kalte

Nebel bei Liebherr. Lebensmittel kommen auf Tablaren „vorgefahren“

und ein „BottleTimer“ erinnert an vergessene

Getränke. Ein Beispiel für den gestiegenen Stellenwert von

Design, unabhängig von verbesserter Funktionalität, ist die

„GlasdraftAir“-Serie der BSH-Gruppe. Bei den Dunstabzügen

fährt eine Glasscheibe in die Höhe, sobald er in Betrieb ist.

Multifunktionsspülen, Luftreiniger und die Einsatzmöglichkeiten

von LED-Licht wurden aufgezeigt. Als Material

bleibt Echtholz wegen seiner Ausstrahlung beim Einrichten

unverzichtbar. Wie man den Charakter gekonnt heraus-

58 möbel kultur 5/2021


Nach Corona werde es kein

Zurück zu geschlossenen

Räumen geben, erklärte

Oona Horx Strathern.

Allerdings werde ein Platz,

wo man „dem Strudel des

Lebens“ entfliehen könne,

wichtig.

Oben: It‘s „TreeTime“ – dass

Holz viel Charakter hat,

zeigten sechs neue Echtholzfronten

von Bauformat.

Sehr zufrieden war Messemacher

Michael Rambach.

Er versprach: „Die nächste

Online-Ausgabe wird noch

profilierter, leistungsstärker

und geschäftsorientierter.“

Miele hatte ein „großes Paket“

am Start: Schulungsleiter

Helmut Weikhart stellte die

„K 7000“- Kühlschränke vor (o.).

Sehenswertes gab es auch zu

Kochfeldern. Ein Highlight war

der „Plantcube“ von Agrilution.

arbeitet, zeigten Altholz, Anrei, Bax, Bauformat oder auch

Wimmer.

Viele der 131 Aussteller und Marken überraschte die Zahl

der Neukundenkontakte positiv, zumal sie nicht mit einem

solch intensiven, virtuellen Austausch gerechnet hatten.

Summiert wurden während der gesamten Messezeit laut

Veranstalter insgesamt 807 Visitenkarten bzw. Datensätze

der Besucher aktiv an die Aussteller übertragen.

Ein Erfolgsgeheimnis sieht Michael Rambach neben

der technischen Professionalität des Internetauftritts im

frühen Mai-Termin. „Obwohl wir jetzt für unsere Gäste

bereits für eine starke Performance gesorgt haben, wird die

nächste Online-Ausgabe noch profilierter, leistungsstärker

und geschäftsorientierter“, versichert er, der physische Veranstaltungen

dennoch für unverzichtbar hält.

Für den Herbst wird für das bewährte Messedoppel

Küchenwohntrends und Möbel Austria bereits zweigleisig

geplant: Eine Präsenzveranstaltung gibt es vom 6. bis 8.

Oktober in Salzburg und parallel dazu ein Online-Event

vom 4. bis 8. Oktober.

SUSANNE KRAFT

www.kuechenwohntrends.at

5/2021 möbel kultur 59


KÜCHE PREMIUM

AMK: MARKT-BILANZ 2020, ZUVERSICHT FÜR 2021

„Krisen-Anker“ Küche

Der Stay-at-Home-Effekt rückte die Küche 2020 in den Mittelpunkt des Lebens

und führte dazu, dass die Branche zu den Gewinnern des Corona-Krisenjahres gehörte.

Alle Zahlen dazu gab es auf der virtuellen AMK-Wirtschaftspressekonferenz,

dazu viel Zuversicht für 2021, wobei instabile Lieferketten und Materialengpässe

zunehmend Probleme bereiten.

NACHHALTIGKEITS-UMFRAGE

Eine hohe Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit,

Klima-/Umweltschutz für die Branche förderte eine

Umfrage unter den 147 AMK-Mitgliedern zutage, so

AMK-Geschäftsführer Volker Irle. Einige Beispiele.

• Zertifiziert nach ISO 14001 (Umweltmanagement)

sind 56 % der Küchenmöbel-, 100 % der Hausgeräteund

70 % der Zubehörhersteller und nach ISO 50001

(Energiemanagement) 67 % der Küchenmöbel-, 100 %

der Hausgeräte- und 60 % der Zubehörhersteller.

• Ihren CO2-Fußabdruck bezeichnen als „gut“

33 % der Firmen aus der Küchenmöbel-, 40 % aus

der Hausgeräte- und 30 % aus der Zubehörindustrie

• Wichtigste Nachhaltigkeitsziele bis 2025 sind

bei der Küchenmöbelindustrie: klimaneutrale

Produktion, komplette Umstellung auf E-Fahrzeuge;

bei der Hausgeräteindustrie: Zertifizierungen nach ISO

50001 für alle Produktionsstätten, führende Position

beim Umweltschutz in der Branche und weltweit und

bei der Zubehörindustrie: Optimierung des Energie-

Monitorings und mehr regionale Wertschöpfung

Die Bedeutung des Home Cooking

und die Bereitschaft zu Investitionen

in die eigenen vier Wände sind in der

Corona-Krise deutlich gestiegen“, stellte Roland

Hagenbucher, Vorstandssprecher der Arbeitsgemeinschaft

Die Moderne Küche e.V. (AMK), auf der AMK-Wirtschaftspressekonferenz

am 26. April fest. „Das Interesse und

der Bedarf an individuell geplanten Einbauküchen haben

spürbar zugelegt – und tun dies auch weiterhin.“

2020 kostete eine Küche laut GfK durchschnittlich 9.678

Euro* und damit 4,6 Prozent mehr als 2019. Nachgefragt

werde eine immer hochwertigere Ausstattung

der Küche im Hinblick auf die Materialien, die

Funktionalitäten und die Elektrogeräte, erklärte

AMK-Vorstandssprecher Markus Sander. Es sind die

Küchen im Premiumsegment, die Wachstumtreiber

waren. Während Küchen im Bereich 5.000 bis

10.000 Euro nur um 6,4 Prozent zulegten,

betrug die Steigerung im Bereich

10.000 bis 20.000 Euro 15,2 Prozent und

über 20.000 Euro 13,6 Prozent. So wuchs

die Nachfrage nach Designmaterialien wie

dem Beton-Look um 34 Prozent, Stein

um 58 Prozent und Keramik sogar um

100 Prozent. Zur Aufwertung trugen auch

Abzugshauben bei. So stieg der Absatz der

Deckenhauben 2020 auf 42,6 Mio. Euro

(+39 % im Vergleich zu 2019) und der

bei Kopffreihauben auf 245 Mio. Euro

(+9 % im Vergleich zu 2019).

Die Zufriedenheit der deutschen

Küchenindustrie mit dem Geschäftsverlauf

2020 verwundert nicht, zumal auch

der Wohnungsbau positive Impulse beisteuerte

und das weiterhin der Fall ist.

Jede neue Wohnung – genehmigt wurde

2020 der Bau von 368.400 (+8.000

gegenüber 2019) – ziehe im Schnitt vier

Umzüge nach sich mit entsprechendem

Bedarf an Küchen und Geräten, erläuterte

Hagenbucher.

Die Küchenmöbelproduzenten konnten

ihren Umsatz laut Zahlen vom Verband

VdDK 2020 bekanntermaßen um 4,5 Pro-

*Endverbraucherpreis ohne Mitnahme/SB.

Die AMK-Vorstandssprecher

Roland

Hagenbucher – „2020

war die Küche ein Anker

in der Krise“ – und

Markus Sander sehen

für 2021 viele Chancen,

jedoch auch Risiken durch

instabile Lieferketten und

rasant steigende Rohstoffpreise.

zent auf 5,26 Mrd. Euro steigern, wobei der Inlandsmarkt mit

plus 7,76 Prozent besser abschnitt als der Export (+ 0,06 %).

Die Handelsumsätze mit Elektrogeräten, darunter denen für

die Küche, stiegen analog dazu laut GfK um 10,4 Prozent auf

10 Mrd. Euro. Elektrogroßgeräte boomten und die Kleingeräte

sogar noch stärker. Die beeindruckenden Wachstumszahlen

lieferte Markus Wagenhäuser, GfK Market Intelligence. Kühlund

Gefriergeräte, besonders großvolumige, liefen bedingt

durch die Lebensmittel-Hamsterkäufe zu Beginn der Pandemie

bestens. So verzeichneten NoFrost-Kombinationen ein Plus

von 14,3 Prozent und Side-by-Side-Geräte eines von 34,5

Prozent. Multidoor-Geräte legten sogar um 70,9 Prozent zu.

Ähnlich stark nachgefragt waren von Mai bis November 2020

Küchenmaschinen mit plus 70 Prozent, Roboterstaubsauger

mit plus 47 Prozent und Kaffeevollautomaten mit plus 38 Prozent.

28 Prozent des Umsatzes mit Elektrogroßgeräten wurde

online generiert, wobei die stationären Händler erfolgreicher

zulegten als Online Pure Player.

Besonders der Küchenfachhandel schaffte es, besser in

Kontakt mit Kunden:innen zu bleiben und profitierte stärker

Wie sehr die Küche zu Mittelpunkt des Wohnen geworden ist,

zeigt die Umsatzentwicklung im Zeitverlauf.

Fotos: AMK

62 möbel kultur 5/2021


Der Energie-

Champion mit

Effizienzklasse A.

als die Großfläche. Während die Verkaufsmenge der Küchenmöbel

um 5,0 Prozent stieg, kletterte der Verkaufsumsatz

laut GfK um knapp 10 Prozent und der Auftragswert legte

um 4,6 Prozent zu.

Für das laufende Jahr zeigt sich die deutsche Küchenbranche

trotz der Unsicherheiten infolge der Pandemie

zuversichtlich gestimmt. „Angesichts der weiterhin starken

Baukonjunktur und des nachhaltigen Interesses der Konsumenten

an höherwertigen Küchen bieten sich auch im Jahr

2021 Wachstumschancen“, skizzierte AMK-Vorstandssprecher

Markus Sander die Erwartungen. Allerdings dürften die mit

der Corona-Krise verbundenen Risiken nicht aus dem Blick

geraten, die sich unter anderem aus instabilen Lieferketten

ergäben. So seien etwa zwei Drittel der Unternehmen negativ

vom Spanplatten-Engpass betroffen, hinzu kämen Erhöhungen

bei den Rohstoffpreisen. Auch sei der Auftragseingang gemessen

an Schrank-Stückzahlen bei der Küchenmöbelindustrie

bis März um 7,8 Prozent zurückgegangen, im Inland um 19

Prozent. Dass die realisierten Umsätze trotzdem über dem

Vorjahr liegen, sei nur dem guten Auftragsbestand zu verdanken,

der im Dezember 2020 um 30 (!) Prozent über dem

des Vorjahresmonats lag.

SUSANNE KRAFT

www.amk.de

Markus Wagenhäuser, GfK,

nannte starke Verkaufszahlen

für Elektrogeräte.

Besonders gefragt:

groß volumige Kühl- und

vor allem auch Gefriergeräte

zum Verstauen

der „Hamster käufe“. Der

Trend zum Homeoffice sei

nachhaltig und werde sich

auf den Immobiliensektor

auswirken. „Da wird was in

Bewegung geraten“, ist er

überzeugt.

Stay@Home heißt Cook@Home

Hauptsache großvolumig und gern auch mehrtürig, hieß die Devise bei Kühlgeräten.

Wir bei Beko investieren sehr viel Energie in

Geräte, die mit Ressourcen und Energie möglichst

schonend umgehen. Wie erfolgreich wir

dabei sind, hat sich bei der Einführung der neuen,

strengeren Energieeffizienzklassen gezeigt:

Bereits jetzt erfüllen viele unserer Produkte die

Kriterien für die oberste Energieeffizienzklasse,

die dunkelgrüne A-Klasse.

Investiert wurde besonders stark in Kühlgeräte. Mit Kochfeldern ließen sich deutlich höhere Verkaufspreise erzielen.

Kaffeevollautomaten waren 2020 ein Renner. Weil häufiger gekocht wurde, saß das Geld für moderne Geräte „locker“.

Quelle: GfK Retail Panel Deutschland / Elektrogroßgeräte

Unsere Kunden wussten das natürlich schon

längst: Unsere Waschmaschinen sind echte

Energiesparwunder, die nicht nur den Geldbeutel

schonen, sondern darüber hinaus mit zahlreichen

umweltfreund lichen, hygienischen und

textilschonenden Technologien punkten.

www.beko.com/de-de


GLOBAL BRANDS

Jürgen Mauß,

Vorstand Rolf Benz,

im Leder-Lager im

Nagolder Werk.

Im Ausland sind

Mono-Brand-Stores

schon viel weiter als

bei uns. Diese Tendenz

wird zunehmen.

Hülsta Sofa: Dr. Thomas Knecht und Jürgen Mauß

Aufeinander

abgestimmte

Markenwelt

2016 starteten Hülsta und Rolf Benz mit Hülsta Sofa.

Inzwischen hat sich die Polstermöbel-Marke etabliert.

Doch das Potenzial ist noch lange nicht ausgereizt. Die

möbel kultur“ fragte bei Dr. Thomas Knecht, geschäftsführender

Gesellschafter von Hülsta, und Jürgen Mauß,

Vorstand Rolf Benz, nach ihren gemeinsamen Plänen.

möbel kultur: Wie viele Vertriebspartner

gibt es aktuell für Hülsta Sofa im In- und

Ausland?

Jürgen Mauß: Es sind ca. 100 Partner

in Deutschland. Im Ausland, mal

abgesehen vom deutschsprachigen

Raum, liegt das Feld in Bezug auf

den Vertrieb als Einrichtungsmarke

mehr oder weniger brach.

möbel kultur: Bislang tritt Hülsta Sofa solo

am Markt auf – auch in der Bildsprache.

Soll sich daran etwas ändern?

Dr. Thomas Knecht: Es ist naheliegend,

dass wir zu unseren Kastenmöbeln

auch die entsprechenden Hülsta-

Sofa-Modelle mit anbieten. Unser

Ziel ist es, die Anzahl der POS-Platzierungen

dadurch nach oben zu

bringen. Vor dem Hintergrund, dass

Hülsta über 500 Point-of-Sales verfügt,

ist schnell erkennbar, welches

Potenzial wir noch haben, ohne

überhaupt an neue Händler zu denken,

die wir zusätzlich ansprechen

könnten. Es gibt viele Ideen, wie wir

Themen gemeinschaftlich befeuern

können.

Jürgen Mauß: Genau darin liegt der

Hebel. Je besser Hülsta und Rolf Benz

eng zusammenarbeiten, umso mehr

Output kann sich daraus ergeben.

möbel kultur: Den Willen dazu hatten Sie

doch auch schon vor drei Jahren. Woran

hat es denn bisher gehapert?

Jürgen Mauß: Gerade bei einer Marke

wie Hülsta, die in Deutschland die

stärkste Möbelmarke aus Endkundensicht

ist, kommt es darauf an, die

Marketingstärke besser auszuspielen.

Deshalb muss dieser Part aus Stadtlohn

und nicht aus Nagold kommen.

Nicht Hülsta Sofa, sondern

die Dachmarke Hülsta zieht. Deshalb

haben wir auch ganz klar beschlossen,

dass die Markenführung wieder

an Hülsta übergeben wird.

Dr. Thomas Knecht: Also Markenführung,

Markenauftritt, Kataloge

etc. werden künftig in Stadtlohn

konzipiert, natürlich in enger

Abstimmung mit Rolf Benz. Die

Sortimentszusammensetzung wird

allerdings unter der Leitung von Rolf

Benz erfolgen in Kooperationen mit

unserer Sortiments- und Produktentwicklungsabteilung.

Und so können

wir von vornherein abstimmen,

ob das Kastenmöbel auch zum Polster

passt und umgekehrt.

möbel kultur: Die Harmonie zwischen

Kasten- und Polstermöbel hat also in der

Vergangenheit gefehlt?

76 möbel kultur 5/2021


Dr. Thomas Knecht: Das ist richtig.

Jürgen Mauß: Wenn man das passende

Polster zum Kastenmöbel stellt, wird

die gesamte Einrichtungswelt von

Hülsta auch verständlich für den

Endkunden.

möbel kultur: Welche Händler haben Sie

besonders im Fokus?

Jürgen Mauß: Wo Hülsta steht, sollte

künftig auch Hülsta Sofa präsent

sein.

Dr. Thomas Knecht: Wir müssen sicherlich

differenzieren zwischen Hülsta

und Now by Hülsta. Now braucht

definitiv andere Polstermöbel als

das konventionelle Sortiment. Das

muss auch preislich aufeinander

abgestimmt sein.

möbel kultur: So differenziert haben Sie

die Hülsta Sofa-Kollektion bisher nicht

betrachtet?

Jürgen Mauß: Das stimmt. Wir waren

bislang ein freies Radikal. Früher

wäre die Abstimmung eigentlich viel

einfacher gewesen und schnell in

einer Holding-Sitzung beschlossen

worden. Heute sind wir in einer

unterschiedlichen Konzernstruktur

und trotzdem waren wir uns in der

künftigen Ausrichtung von Hülsta

Sofa sehr schnell einig. Ich danke

Herrn Dr. Knecht für die offene Art

des Umgangs damit. Und zumindest

auf dem Papier steht das Konzept

bereits.

Dr. Thomas Knecht: Vielen Dank, das

kann ich nur zurückgeben, die

Gespräche waren sehr konstruktiv

und kurzweilig.

möbel kultur: Gibt es denn die erste fertige

Kollektion schon?

Jürgen Mauß: Es sind Neuheiten in

der Pipeline, die wir schon bald

präsentieren können.

möbel kultur: Und wann werden die Newcomer

gelauncht?

Jürgen Mauß: Je nachdem, wann wir

wieder eine reale Plattform haben.

Wir wissen ja, dass ein Launch nur

über Bilder nicht so spannend ist,

wenn das Touch and Feel fehlt. Deshalb

lauern wir auf eine Möglichkeit,

dem Handel die Neuheiten zu präsentieren.

Wir haben natürlich vor

dem Hintergrund, dass ein Polstermöbel

ca. ein Jahr Entwicklungszeit

hat, im Hintergrund weitergearbeitet,

sodass wir zwei Produktneuheiten

bringen werden.

möbel kultur: Und die Innovationen

werden bereits mit Hülsta-Neuheiten

korrespondieren?

Jürgen Mauß: An dem Entwicklungsprozess

waren aktuell beide Firmen

gleichermaßen beteiligt.

möbel kultur: Wie wird Hülsta Sofa in

Zukunft am POS präsentiert? In den

Hülsta-Studios?

Jürgen Mauß: Das wäre für uns die

Ideal-Vorstellung. Wir wollen dann

nicht mehr von Kojen, sondern von

Wohn- und Erlebniswelten reden.

Vor dem Hintergrund,

dass Hülsta über 500

Point-of-Sales verfügt,

ist schnell erkennbar,

welches Potenzial wir

noch mit Hülsta Sofa

haben.

Dr. Thomas Knecht,

geschäftsführender

Gesllschafter von

Hülsta, möchte

Schritt für Schritt

eine durchgängige

Handschrift für

die Marke Hülsta

aufbauen.

5/2021 möbel kultur 77


GLOBAL BRANDS

Team 7: Auf dem Weg zur „grünen Fabrik“

Größte Investition der

Firmengeschichte

Die Team 7-

Geschäftsführer

Hermann Pretzl und

Dr. Georg Emprechtinger

(v.l.) .

Um sich fit für die Zukunft zu machen und noch nachhaltiger agieren zu

können, will Team 7 bis 2024 insgesamt 35 Mio. Euro in die Hand nehmen. Das

Geld soll in verschiedene Projektbausteine fließen. Ein Großteil davon ist für

eine neue „Team 7 Welt“ am Standort in Ried geplant. Außerdem werden die

österreichischen Produktionswerke neu gestaltet und ausgerichtet. Der Startschuss

für das ehrgeizige Projekt soll schon im August dieses Jahres fallen.

Positive Entwicklung: Mit einem

Umsatz von 101 Mio. Euro hat

Team 7 das vergangene Jahr

abgeschlossen. Verglichen mit 2019

ist das ein Plus von sieben Prozent

– obwohl das Werk aufgrund der

Corona-Pandemie im März 2020 für

vier Wochen komplett geschlossen

war. Insgesamt ist der österreichische

Hersteller in 34 Ländern erfolgreich

tätig. Die Exportquote liegt aktuell bei

86 Prozent.

Auch im ersten Quartal 2021

konnte Team 7 ein deutliches

Umsatzplus verzeichnen. Gleichwohl

gingen die Auftragseingänge aufgrund

der geschlossenen Geschäfte

im Januar und Februar um bis zu

40 Prozent zurück. Parallel zu den

Lockerungen verlief der März dann

aber wieder besser.

Ein aussagekräftiger Vergleich der

Zahlen ist aufgrund der Corona-Pandemie

und den damit verbundenen

Lockdowns in verschiedenen Ländern

allerdings schwierig, betonte

Inhaber und Geschäftsführer Dr.

Georg Emprechtinger im Rahmen

einer virtuellen Pressekonferenz.

„Wir sind gelassener geworden und

für 2021 optimistisch“, erklärte er.

Entsprechend verfolgt der Hersteller

große Pläne, um seine Leistungsfähigkeit

weiter zu optimieren. „Wer

sich weiterentwickeln möchte, muss

etwas tun. Das war schon immer

meine Maxime und mein Antrieb“,

erklärte Emprechtinger. „Ich möchte

mehr als nur Möbel bauen. Mir geht

es darum, mit unseren nach Maß

gefertigten Naturholzmöbeln zu

überzeugen, Ökologie mit Ästhetik

zu verbinden und den grünen Gedanken

in die Welt zu tragen. Zudem

ist es uns ein Anliegen, die heimischen

Arbeitsplätze unserer exzellenten

Fachkräfte zu erhalten und

auszubauen.“

So kündigten er und Geschäftsführer

Hermann Pretzl an, bis 2024

auf dem Weg zur „grünen Fabrik“

35 Mio. Euro in verschiedene Projektbausteine

zu investieren. Dazu

zählen beispielsweise am Stammsitz

in Ried der Neubau der „Team 7

Welt“, eine hochmoderne Werkshalle,

eine Holz-Heizzentrale sowie

eine umfassende Digitalisierung. „Es

ist die bisher größte Investition in der

Team 7 Firmengeschichte“, unterstreicht

Emprechtinger. „Wir wollen

die Kraft der Marke stärken, unsere

Prozesse noch effizienter gestalten

und damit unseren auch international

einzigartigen ökologischen Weg

mutig fortsetzen. Außerdem geht es

uns darum, in der neuen ,Team 7

Welt‘ sowie mit dem Ausbau der

grünen Fabrik am Standort in Ried

unsere Kunden zu inspirieren und

zu begeistern.“

Erst vor kurzem hatte Team 7

die Logistik auf den neusten Stand

gebracht. Von 2017 bis 2019 hatte

der Hersteller dafür bereits rund

25 Mio. Euro in die Hand genommen.

Das Resultat: An den Standorten

Ried und Pram ist der Durchlauf

nun deutlich höher. Möglich

werden die Investitionen durch ein

solides Fundament. Denn seit 2001

kann der Hersteller ein kontinuierliches

Wachstum verzeichnen. Der

Umsatz hat sich seitdem sogar mehr

als verdreifacht.

Mit dem Bau der „Team 7 Welt“

soll bereits im August dieses Jahres

80 möbel kultur 5/2021


egonnen werden. Für 20 Mio. Euro

entsteht nach den Entwürfen des

Architekturbüros Matulik ein viergeschossiger

Holzskelettbau mit 6.100

qm Nutzfläche. Hinzu kommt eine

3.000 qm große Tiefgarage. Im Erdgeschoss

sollen ein 380 qm großer Veranstaltungsraum

sowie ein Restaurant

von David Gattringer und Partner für

Mitarbeiter und Besucher entstehen.

In den ersten beiden Obergeschossen

sind Open-Space-Arbeitsplätze vorgesehen.

Für die dritte Etage sind

Kommunikationsflächen, eine

Show-Küche eine Sky-Bar mit Blick

über Ried, ein multifunktionaler

Konferenzraum, eine Dachterrasse

und ein 1.200 qm umfassender Team

7 Store geplant. Als Low-Tech-Gebäude

verfügt die „Team 7 Welt“ über

eine einfach zu bedienende und zu

wartende Technik. Daneben liegt

der Fokus auf Energieeffizienz, Ressourcenschonung,

Wirtschaftlichkeit

sowie eine behagliche Atmosphäre.

Im Sinne der Umwelt erfolgen das

Heizen und Kühlen ohne fossile

Primärenergie. Begrünte Dächer

und Innenhöfe, Bäume als Filter zur

Straße und Wasser im Hof zur Verbesserung

des Mikroklimas runden

das Projekt ab. Spätestens im Frühjahr

2023 soll die „Team 7 Welt“

fertig sein.

Bis 2024 ist darüber hinaus die

Neugestaltung und -ausrichtung der

Produktionswerke in Oberösterreich

vorgesehen. Ziel ist es, die Handwerkskunst

des Herstellers mit der

zunehmenden Digitalisierung und

Automatisierung in Einklang zu bringen.

„Dank der Investitionen können

wir den Ausbau der Werkshalle um

2.000 qm und die Produktionsschritte

noch effizienter aufeinander

abstimmen“, sagte Pretzl. Ein neues

Heizhaus generiert zudem eine

autarke Wärmeversorgung für den

kompletten Standort Ried. Darüber

hinaus wird die Photovoltaikanlage

an beiden Standorten auf insgesamt

1000 kWp ausgebaut. „Bei all diesen

Maßnahmen leitet uns stets unsere

Mission der grünen Fabrik. Dort sind

wir klimaneutral. Mit der Fertigung

unserer Möbel ebenso wie mit der

benötigten Energie und unseren Produkten

als CO2-Speicher.“

Erreicht werden soll das ehrgeizige

Vorhaben durch drei wesentliche

Säulen. Dabei stehen die nachhaltigen

Produkte von Team 7 an erster

Stelle. Als Kernmaterial wird für

alle Möbel nur der nachwachsende

Rohstoff Holz verwendet. Dank der

Fotos: Team 7, Matulik Architekten

Es ist die bisher größte

Investition in der Team 7-

Firmengeschichte. Dr. Georg Emprechtinger

langen Nutzungsdauer der Einrichtungsgegenstände

bindet das Holz

über Jahrzehnte CO2 und wirkt damit

als langfristiger Kohlenstoffspeicher

dem Klimawandel entgegen.

Als zweites Standbein der „grünen

Fabrik“ wurde die nachhaltige und

ressourcenschonende Fertigung definiert.

Team 7 produziert die Möbel

rein auftragsbezogen und unter Verwendung

des gesamten Rohmaterials.

Darüber hinaus bewirtschaftet

das Unternehmen einen 77 Hektar

großen Wald und pflanzt für jeden

gefällten Baum mindestens einen

neuen. Dadurch können den Angaben

zufolge jährlich 930 Tonnen CO2

gebunden werden.

Das Thema der Energieversorgung

bildet die dritte Säule. „Durch eine

Links: So soll die „grüne

Fabrik“ mit Werkshalle,

Holz-Heizzentrale und „Team

7 Welt“ aussehen. In der

neuen Erlebniswelt (u.) ist

unter anderem ein Store

geplant, in dem das ganze

Produktspektrum des Herstellers

abgebildet wird.

Vielzahl an Energieeffizienzmaßnahmen

konnten wir in der vergangenen

Dekade den Gesamtenergieverbrauch,

trotz des stetig steigenden Umsatzes,

um 12 Prozent senken“, bilanzierte

Pretzl. So verfügen die Österreicher

bereits jetzt über Photovoltaikanlagen

in Pram und Ried. Zudem werden

beide Standorte nur mit Ökostrom

versorgt und auch Solartankstellen

sind vor Ort zu finden. Durch eine

Biomasse-Heizung kann zudem das

gesamte Rohmaterial zur umweltfreundlichen

Wärmeerzeugung ge -

nutzt werden. Positiver Nebeneffekt:

„Wir sind an beiden Standorten

wärme autark.“ Für noch mehr Energie-

und Ressourceneffizienz werden

die Entstehungsprozesse der Team 7-

Möbel stetig analysiert und optimiert.

Für das Engagement wurde der

Hersteller schon mit verschiedenen

Umweltsiegeln ausgezeichnet.

Nicht zuletzt legt Team 7 ein großes

Augenmerk auf seine Mitarbeiter.

Ihr Wohlbefinden im Blick, planen

Emprechtinger und Pretzl am Standort

in Ried, moderne Arbeitsplätze

inklusive flexiblerer Arbeitszeitmodelle

für eine bessere Work-Life-Balance.

„Auf diese Weise erhalten wir

attraktive Arbeitsplätze für die nächsten

Generationen in Oberösterreich

und stärken nachhaltig die Marke

Team 7. Darüber hinaus leisten wir

auch einen wertvollen Beitrag für

Möbel made in Austria“, unterstrich

Pretzl.

DORIS SCHMIDT

www.team7.at

5/2021 möbel kultur 81


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