hinnerk Juni / Juli 2021

blumediengruppe

05.2021 І JUNI • JULI І AUSGABE 415

HAMBURG І BREMEN І HANNOVER

VIP

MARCELLA

ROCKEFELLER

im exklusiven Gespräch

GESELLSCHAFT

POLEN:

Eine Community

in Angst

SZENE

FEHLER IM CISTEM:

25 Seiten skurrile

Minderheiten

05

4 194379 801903

1,90€

INTERVIEWS: JENDRIK, OWEN PALLETT, MARINA

TRANS*PHOBER FEMINISMUS / GENDERGAGA IM KINDERGARTEN


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INTRO 3

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GESELLSCHAFT

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Liebe Leser*innen,

Vor euch liegt die hoffentlich letzte hinnerk

Ausgabe, die unter dem Eindruck von

Kultur- und Szene-Shutdowns entstanden

ist. Wir haben uns dafür aber so richtig

ins Zeug gelegt, um euch im anlaufenden

Wahlkampf eine Debattengrundlage für

die heißen Eisen Identitätspolitik und

Genderideologie zu liefern. Victoria Forkel

ist lesbisch, trans* und nicht-binär und

war seit Januar studentische Praktikant*in

in der Redaktion. Auf über 20 Seiten

bekommt ihr von dey das Rüstzeug für die

Auseinandersetzung mit den alten weißen

Männern (Geschlecht egal) da draußen.

Kultur und Szene standen zwar zu Redaktionsschluss

schon in den Restartlöchern,

die konkreten Daten zum Wiedereröffnungsreigen

findet ihr aber regelmäßig

aktualisiert auf hinnerk.de.

Viel Spaß beim Lesen und Lernen

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4 SZENE

FOTO: MICHAEL LUCAN, LIZENZ: CC-BY 3.0, CC BY 3.0, WIKIMEDIA.ORG

Alice Schwarzer – Altfeministin und

Herausgeberin der Zeitschrift EMMA.

INTERVIEW

Alice Weidel, Alt-Right light, verewigt von Bernd Ertl

für ENOUGH is ENOUGH – OPEN YOUR MOUTH!

IDENTITÄTSPOLITIK:

Von TERFs über EMMA zur AfD

Identitätspolitik scheint im

beginnenden Bundestagswahlkampf

die Dauerbrenner Genderideologie

und Masseneinwanderung

auf die Plätze zu verweisen.

Wer Frau Wagenknecht, Wolfgang

Thierse oder eben Frau Weidel und

den TERFs (Trans-Exclusionary Radical

Feminists) beim diesjährigen

Lesbenfrühlingstreffen genau zuhört,

erkennt Zusammenhänge und

diskursive Mechanismen, die auf

den gleichen ideologischen Stammbaum

zurücklaufen: Das Patriachat

und seine Machtstruktur, die auf

Unterdrückung marginalisierter

Geschlechter ruht. Wir sprachen mit

der Aktivistin*, DJ* und Bildungsreferentin*

Mine Wenzel.

Wie bist du auf die Idee gekommen,

auf Instagram die Reihe „Femi - CIS

- mus - Sexismus- und Misogynieerfahrungen

aus nicht-cis Perspektive“

zu machen?

Die Wortschöpfung Femi-CIS-mus

ist natürlich kein offizieller Begriff,

sondern eine Beschreibung, die versucht,

feministische Räume in Worte zu fassen.

Viele trans*, inter und nicht-binäre

Menschen kennen feministische Gruppen,

die eigentlich nur Arbeit für endo I cis

Frauen machen. Das führt zu vielen

Frustrationsmomenten, die ich von mir

persönlich und anderen Aktivist*innen

kenne, die immer wieder dieselben Dinge

beschreiben: Mensch bekommt das

Gefühl, dass eins immer mehr als die

anderen arbeiten muss, bis die eigene Perspektive

anerkannt wird. Das liegt daran,

dass viele aktivistische Räume vor allem

von denjenigen geprägt sind, die näher an

einer gesellschaftlichen Norm dran sind.

Je weiter ich mich von dieser Norm wegbewege,

desto länger dauert es, bis diese

Perspektive ins Gespräch gebracht wird.

Als trans* und nicht-binäre Person erlebe

ich häufig, wie Feminismus als Kampf um

Geschlechtergerechtigkeit zuallererst aus

einer weißen II cis-weiblichen Perspektive

geführt wird. Konkret habe ich die Serie

Mitte März angefangen, weil mal wieder

am 8. März darüber diskutiert worden ist,

wie mensch den Tag nennt. Diese Frage

ist seit mindestens zehn Jahren geklärt.

Ein Sternchen hinter das Wort „Frauen“

macht es nicht inklusiver. Trans* Männer,

inter* und nicht-binäre Personen fallen

aus dem Begriff heraus. Ich muss zum

fünfzigsten Mal das Gleiche sagen und

es werden wieder die gleichen Leute

fragen: Was ist daran verkehrt? Was


GRAFIK: AUSGEZEICHNET.COM

mache ich stattdessen? Zusätzlich zu dem

elendigen Thema des Namens hat mich

die Demo zum feministischen Kampftag

in Berlin zur Serie inspiriert: Letztes Jahr

haben trans* Sexarbeiter*innen die unangenehme

Erfahrung gemacht, dass vom

„Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“

Terre de Femmes zur Demo eingeladen

worden sind. Terre des Femmes ist offen

trans*feindlich und das schreiben sie

auch offen in ihrem Manifest. Auf der

Demo haben sie sich diskriminierend

gegenüber trans* Personen und People

of Color (PoC) III verhalten. Das Demo-

Bündnis versicherte damals erst nach

einem öffentlichen Outcall, dass Terre de

Femmes nie wieder Teil des Bündnisses

sein wird. In diesem Jahr war Terre de

Femmes jedoch wieder Teil des Bündnisses!

Mensch reflektiert nicht, ob eine

feministische Gruppe trans*feindlich ist,

sondern denkt sich, weil da Feminismus

draufsteht, ist das schon in Ordnung.

Zusätzlich zu diesem Fiasko hat mich noch

der Umgang mit der Gruppe Trans*Fläche

zu der Serie bewegt. Trans*Fläche ist eine

Gruppe aus trans* Personen, die sichere

und selbstbestimmte Orte für trans*

Personen fordern und deshalb ein Haus

besetzt hatten. Dieses Jahr haben sie ein

Zine IV veröffentlicht, das durch linke Kreise

in den sozialen Medien gegangen ist. Das

Zine ist stellenweise kritisch zu lesen und

einzelne Texte darin sind debattierbar. Die

Gruppe hat jedoch selbst gesagt, dass sie

keine fachliche Abhandlung schreiben,

sondern ihren eigenen Marginalisierungserfahrungen

emotional und affektiv Luft

machen. Im Zuge dessen haben sich

Antifa-Gruppen und

TERFs zusammengetan

und in den

sozialen Medien gegen

die Trans*Fläche-

Gruppe gehetzt und

das Zine verrissen.

Dabei haben sie sich

mit trans*feindlichen,

teilweise rechtspopulistischen

Aussagen gegenseitig

übertroffen, sodass

selbst linke Gruppen

von Nazis nicht mehr unterscheidbar

waren. In einem breiteren feministischen

Kontext waren diese Angriffe jedoch kein

Thema: Es gab nur wenige Initiativen,

die Solidarität gezeigt haben. Gleichzeitig

sind am selben Tag das Haus der

Trans*Fläche geräumt und die Leute in

FOTO: RAIMOND SPEKKING / CC BY-SA 4.0 WIKIMEDIA.ORG

Sahra Wagenknecht – altlinke

Vorkämpferin, die die Marotten von

skurrilen Minderheiten nicht mehr versteht

SZENE 5

Polizeigewahrsam genommen worden.

So sieht trans* Solidarität aus: Sprich, sie

ist nicht vorhanden. Diese Momente sind

der Grund, warum ich mich entschied, auf

Instagram die Beitragsreihe zu starten.

Diese Frustration kann ich nachvollziehen.

Die Vereinnahmung von

Menschen mit Vulvas und Uteri

auf feministischen Demos ist so

eklig. Kannst du erklären, warum

Feminismus nicht nur den endo cis

Frauen gehört? Warum sind trans*,

inter* und nicht-binäre Personen kein

extra Thema, sondern gehören zum

Fundament von Feminismus?

Ich bin immer wieder überrascht, wie solche

eigentlich augenscheinlichen Tatsachen vergessen

werden, dass mensch sagt: Hey, wir

reden jetzt über Geschlechtergerechtigkeit,

aber im nächsten Beitrag geht es explizit

um FrauenTM. Meist wird sich auf reproduktive

Gerechtigkeit zurückgezogen und

damit die Konzentration auf endo cis Frauen

begründet. Doch es ist kein Frauenthema

und diesen Umstand zu bemerken, ist kein

Hexenwerk. Es ist offensichtlich, dass nicht

nur Frauen einen Uterus besitzen. Aber

alle Menschen mit Reproduktionsorganen

brauchen feministische Emanzipation: Bis

2011 waren beispielsweise Zwangssterilisationen

für trans* Personen noch gesetzlich

verpflichtend, wenn sie rechtlich anerkannt

werden wollten. Die Zugänge zu reproduktiver

Medizin werden für trans* Männlichkeiten

und nicht-binäre Personen bis

heute heftig beschnitten. Inter* Personen

werden regelmäßig bei nicht-konsensuellen

Operationen sterilisiert. Der Zugang zu solch

Sachen wie die Konservierung von Samen

und Eizellen ist für trans* Personen eingeschränkt.

Das sind alles Themen, die ebenso

mit reproduktiven Rechten zu tun haben.

Wenn mensch sich mit so einem Thema

auseinandersetzt, wie es Feministinnen

tun, dürfte es eigentlich nicht schwerfallen,

diese Problemfelder

zu bemerken. Doch

aufgrund der eigenen

Scheuklappen, die durch

bestimmte Privilegien

aufgesetzt werden, fällt

so was leider nicht auf.

Was ich dabei besonders

bemerke, ist, dass Feminismus

nicht als Mittel

für eine ganzheitliche

Bewegung für soziale

Gerechtigkeit begriffen

wird. Feminismus ist

wie Antirassismus oder Antifaschismus

ein Werkzeug neben vielen, um soziale

Gerechtigkeit zu erreichen. Wenn ich

versuche, mich mit Themen der sozialen

Gerechtigkeit auseinanderzusetzen,

muss ich Kategorien wie Klasse oder race

mitdenken. So was kommt leider häufig


6 SZENE

zu kurz. Dann wird gesagt: Im Feminismus

kümmern wir uns nur um Geschlechterverhältnisse.

Dabei wird nicht mitgedacht,

dass zum Beispiel die Erfahrung, die ich

aufgrund eines klassistischen Ausschlusses

mache, sich genauso auf die geschlechterspezifische

Diskriminierung, die ich erlebe,

auswirkt. Diese Kämpfe lassen sich nicht

trennen. Der Mainstream-Feminismus

arbeitet mit einer universellen Vorstellung

einer Frau, ohne festzustellen, dass es

die eine weibliche Perspektive gar nicht

gibt, sondern die behauptete universelle

Perspektive vor allem die Perspektive von

privilegierten weißen Frauen ist. Arme

Menschen, Menschen mit Behinderung

oder nicht-weiße Menschen erleben

andere soziale Ausschlüsse und benötigen

dementsprechend andere feministische

Strategien.

Mainstream-Feminismus vergisst

trans* Themen und will lieber einen

getrennten trans* Aktivismus. Doch

TERFs, also Trans-Exclusionary

Radical Feminists, legen ihren

ganzen Fokus auf trans* Personen

und ihre Auslöschung. Wie kommt

man auf so eine Verdrehung der

Gefahrenlage, wenn man sich diese

ganze sexistische Welt ansieht?

Na ja, wie mensch auf diese

Verdrehung der Gefahrenlage

kommt, frage

ich mich tatsächlich

auch. Häufig heißt

es, dass Frauen in einem feministischen

Kampf etwas erkämpft hätten und jetzt

Sorge haben, dass sie durch andere

Perspektiven etwas abtreten müssten. Das

ist eine schön klingende Entschuldigung für

privilegierte Fragilität.

Der Mechanismus

ist ähnlich, wie wenn

weiße Menschen

Abwehrreflexe

gegenüber antirassistischen

Bestrebungen

verspüren. Entweder

nutzt du dein

Privileg, um mich zu

beteiligen, oder du

trittst es ab. Ich als

weiße Person kenne

diesen Reflex sehr

gut, mich in die Abwehr zu flüchten und

zu sagen: Aber ich bin noch ein*e von den

Guten. Ich sehe eine ähnliche Dynamik,

wenn Feministinnen versuchen, ihren Feminismus

gegen neu erstarkende Perspektive

zu verteidigen. Diese Perspektiven wirken

neuartig, jedoch waren sie schon immer Teil

feministischer Bestrebungen. Sie wurden

aktiv kleingehalten und marginalisiert, um

sie aus sozialen Bewegungen herauszudrücken.

Der Versuch der Unsichtbarmachung

ist nicht neu. Es ist die alte Leier von

privilegierten Personen, die sich relativ nah

der gesellschaftlichen Mitte befinden

und versuchen, das bisschen, das

sie sich erkämpft haben, und

vor allem ihre gesellschaftlich

FOTO: PRIVAT

Mine Wenzel

privilegierte Position zu verteidigen. Gesellschaftliche

Veränderung und Bekämpfung

von Privilegien funktionieren am Ende nur,

wenn ich bestimmte Privilegien anfange

zu teilen. Damit ist ein Status quo nicht

aufrechtzuerhalten. Die

Abwehr ist durchaus

verständlich, weil die

privilegierte Position

bedroht wird. Was ich

gefährlich finde, ist, dass

dieser Verteidigungsreflex

nicht aufgrund einer vergangenen

feministischen

Bewegungserfahrung

ausgelöst wird, sondern

dass darin aktiv

Trans*Feindlichkeit

mitschwingt. Dieser

Hass ist verwurzelt in Texten wie „The

Transsexual Empire“ von Janice Raymond.

Diese Ideen und Bewegungen verfolgen das

Ziel, trans* Menschen aus der Gesellschaft

auszuschließen. In Form von Psycho-

Pathologisierung und von psychiatrischen

Einweisungen soll Trans*Geschlechtlichkeit

aus der Gesellschaft verbannt werden.

Diese Logik basiert auf Be_hindertenfeindlichkeit

V und Eugenik. Es wird argumentiert,

dass trans* Menschen den gesellschaftlichen

Zusammenhalt gefährden. Dabei

klingen Gedankenfiguren an, wie die

sogenannte Trans*Ideologie sei gefährlich

für unsere Kinder und für unsere Frauen.

Diese Argumentationslinie kennen wir:

Da kommen die bösen Invasor*innen, die

unseren gesellschaftlichen Zusammenhang

gefährden und versuchen, sich in unsere

Räume einzuschleichen und uns zu

korrumpieren. Diese Narrative sind sehr

alt und finden sich in antisemitischen

oder rassistischen Verschwörungsmythen

wieder. Diese Menschen bemerken nicht,

wie tief ihre Trans*Feindlichkeit reicht. Es

geht nicht darum, sich für Frauen stark zu

machen, sondern marginalisierten Personen

das Leben unmöglich zu machen. Das sind

aktive Auslöschungsversuche und das ist

brandgefährlich.

Mich erinnert die Rhetorik von

„Frauen schützen“ sehr stark an

Nazi-Argumentationen zum Schutze

der weißen blonden Frau als Bild der

Unschuld und Vertreterin des Volkes.

Absolut. TERFs sind mit ihren Forderungen

und ihrer Rhetorik Steigbügelhalterinnen

von neuen völkischen Bewegungen wie

AfD und Pegida. Rechte sagen: Wir wollen

unsere weißen Frauen und unser Vaterland

beschützen. Die Frau steht als Figur für das

Behüten und Aufziehen von Kindern und

sichert somit die nationalistisch-kapitalistische

Reproduktion für eine funktionierende

und verwertbare Gesellschaft. Einher geht

mit diesem Bild die Angst von Invasoren,

welche in der Regel nicht-weiße Menschen


SZENE 7

darstellen. Diese Argumentationsstruktur

wird auf alle trans* Personen übergestülpt,

insbesondere auf Trans*Weiblichkeiten.

Marginalisierte Gruppen werden immer

dann als Feindbilder inszeniert, wenn der

gesellschaftliche Status quo verteidigt

bzw. Privilegien weiter ausgebaut werden

sollen. Dieser Mechanismus passiert nicht

nur auf der ideologischen Ebene, sondern

auch auf der materiellen: Für bestimmte

Gruppen wird der gesellschaftliche Zugang

eingrenzt wie zum Beispiel zum Arbeitsoder

Wohnungsmarkt sowie zur Bildung.

Es ist kein Wunder, dass es zuallererst und

insbesondere diejenigen schwer trifft, die

eine mehrfache Marginalisierung erleben:

Undokumentierte Sexarbeiter*innen oder

nicht-weiße Queers sind von mehreren

dieser rassistischen und trans*feindlichen

Argumentation gleichzeitig betroffen.

Sie erleben die volle Härte einer Welt aus

weißer Vorherrschaft und Cisnormativität VI .

In Großbritannien und in den USA ist

die Ideologie von TERFs schon sehr

weit fortgeschritten. Um nicht von

TERFs überrannt zu werden müssten

sich cis Menschen aktiv für unsere

Sicherheit einsetzen? Wie kann die

cis Community uns schützen?

Für ein Ally Sein gehört es immer dazu,

die eigene Position mitzudenken. Ich als

weiße, nicht-be_hinderte trans* Person

versuche mich beispielsweise zu fragen:

Wessen Perspektive kann ich versuchen

zu stärken und ins Zentrum der Aufmerksamkeit

zu rücken? Wie kann ich die Möglichkeiten,

die ich habe, investieren, sodass

mehr Menschen teilhaben können? Wie

kann ich bereits bestehende Bewegungen

unterstützen und Ressourcen zukommen

lassen? Je weiter sich meine Identität in

der gesellschaftlichen Mitte wiederfindet,

desto mehr Einfluss besitze ich und kann

meine Privilegien für soziale Gerechtigkeit

nutzen. Wichtig dabei ist, nicht nur über

Menschen zu reden, sondern Möglichkeiten

schaffen, dass sich Menschen

selbst am Diskurs beteiligen können. In

Situationen, in denen marginalisierte Personen

nicht sprechen können oder wollen,

weil sie sich zum Beispiel angreifbar oder

verwundbar machen, kann ich ihnen meine

Stimme leihen. Wenn marginalisierte

Personen aber sprechen können, bin ich

dazu verpflichtet, die Bühne zu Räumen.

Für den Schutz von trans* Personen

reicht es nicht aus zu sagen, dass trans*

Frauen Frauen sind. Damit werde ich trans

Feind*innen nie überzeugen können. Wenn

Menschen von einem biologistischen

Geschlechterbild ausgehen, werde ich mit

„Trans* Frauen sind Frauen!“ nicht dagegen

vorgehen können. Das ist schlicht und

ergreifend nicht hilfreich. Ich brauche eine

tatsächliche Argumentation, die sich an

materiellen Realitäten orientiert. Ich muss

mich fragen, welcher Ideologie stehe ich

gegenüber, was hat sie für Auswirkungen?

Was haben Ausschlüsse aus dem

Gesundheitssystem für Auswirkungen?

Minderheitenstress, soziale Ausschlüsse,

Probleme auf dem Arbeitsmarkt,

Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt,

reproduktive Ungerechtigkeit sind nur

einige Beispiele. Ich kann im globalen

Zusammenhang schauen: Wer sind die

Personen, die die Reproduktionsarbeit für

weiße Kapitalist*innen leisten? Es sind

häufig osteuropäische oder nicht-weiße

Arbeiter*innen, die undokumentiert in den

Haushalten arbeiten und aufgrund ihrer

prekären Lage Schwierigkeiten haben, aus

diesen missbräuchlichen Verhältnissen

auszubrechen. Ich kann dann analysieren,

wie materielle Ungleichbehandlung sich

auf diese Communities auswirkt. Ich

muss als privilegierte Person anfangen zu

sehen, wie Diskriminierungsphänomene

Hand in Hand gehen. Wenn wir über TERFs

sprechen, sprechen wir häufig auch über

diejenigen, die sich gegen die Inklusion

von Sexarbeiter*innen aussprechen. Dann

sprechen wir häufig über diejenigen, die

mit anti-muslimischem Rassismus in die

Argumentation gehen und versuchen,

weiße Deutungshoheit und white

saviorism in Form von „Wir retten euch!“

durchzusetzen. Der Schutz von trans* Personen

ist somit untrennbar mit anderen

Diskriminierungsformen verbunden. Für

eine soziale Bewegung muss ich materielle

Realitäten analysieren: Wem und wie

werden Ressourcen in dieser Gesellschaft

verwehrt und wer profitiert davon?

Vielen Dank! Möchtest du noch

einen eigenen Punkt reinbringen, der

dir bisher noch gefehlt hat?

So viele Dinge, von denen ich spreche,

sind keine Sachen, die ich mir selbst

ausgedacht habe. Ich lerne viel von

anderen Geschwistern, die diese Arbeit

schon viel länger als ich machen. Gerade

was antirassistische und anti-ableistische VII

Diskurse angeht. Feminismus ist eine

Bewegung, die aus mehreren Perspektiven

besteht. Es ist wichtig, sich selbst immer

wieder einzuladen, dazuzulernen und

denjenigen zuzuhören, die einen anderen

Erfahrungsschatz haben als mensch selbst.

https://www.instagram.com/

mine_undclaudia/

*Interview: Victoria Forkel

I Endo(geschlechtlich) ist das Gegenstück zu inter*

(geschlechtlich). Das heißt, Menschen sind endo, wenn ihre

Körper nach dem westlichen medizinischen Modell in die

Kategorien von Mann und Frau passen und daher keine

Inter*Feindlichkeit erleben.

II Weiß wird klein und kursiv geschrieben, um zu markieren,

dass es sich nicht um eine Beschreibung von einer

Hautfarbe, sondern um die Markierung der von Rassismus

privilegierten Position handelt.

III People of Color ist eine politische Selbstbezeichnung

nicht-Schwarzer, negativ von Rassismus betroffener

Personen. Dabei handelt es sich nicht um eine Hautfarbenbeschreibung,

sondern um eine bewusste Positionierung in

einer auf Rassismus aufbauenden Gesellschaft.

IV Ein Zine ist eine Publikation in sehr kleiner Auflage.

V Der Unterstrich in „Be_hinderung“ soll verdeutlichen, dass

betroffene Menschen durch die Gesellschaft be_hindert

werden und nicht nur durch die Be_hinderung selbst.

VI Cisnormativität ist die Vorstellung, dass cis Menschen

normal und natürlich sind, während jede Abweichung davon

als unnormal und unnatürlich angesehen wird.

VII Ableistisch ist ein anderes Wort für be_hindertenfeindlich.

FOTO: GGAADD / CC0


8 SZENE

INTERVIEW

FOTO: ARNE WEYCHARDT (CHANGE - DAS MAGAZIN DER BERTELSMANN STIFTUNG)

GENDERGAGA

im Kindergarten: vorbildlich!

Der zur PEDIA-Gruppe gehörende

Deutsch-Chinesische-

Kindergarten in Hamburg hat mit

der PRIDE Kindergruppe ein kleines,

aber feines Pilotprojekt gestartet,

das zur Nachahmung empfohlen ist.

Wir sprachen mit dem Geschäftsführer

des Unternehmens, Stefan

Hensel.

Wie kamt ihr auf die Idee?

Vielen Menschen fehlt der zwischenmenschliche

Austausch. Entwicklungspsychologisch

gesehen verpassen Kinder eine

Menge, wenn sie nicht mit Gleichaltrigen

sozialisiert werden. Wir haben viele queere

Familien kennengelernt, die niemanden

anderen kannten oder vielleicht nur eine

andere gleichgesinnte Familie. Dabei ist

es sehr wichtig zu sehen, dass es andere

Familien mit ähnlichen Problemen gibt:

Ob sie ein Kind adoptiert haben, ein Kind

pflegen oder durch eine Leihmutterschaft

ein Kind bekommen haben – sie sitzen alle

im gleichen Boot, egal ob es sich um ein

lesbisches oder schwules Elternpaar oder

um andere Konstellationen handelt. Unsere

Grundidee war, diese Eltern und ihre Kinder

zusammenzubringen. Für die Zukunft

würde ich mir wünschen, dass es selbstverständlich

ist allen Eltern und Kindern

mit ihren Bedürfnissen gerecht Wir

machen jetzt kein großes Bohei und sagen,

dass wir schwulen- und lesbenfreundlich

sind. Für uns ist das selbstverständlich.

Ihr seid im Sommer 2020 gestartet,

mitten in der Pandemie. Wie läuft das

Angebot?

Wir treffen uns nach wie vor und halten

das Angebot unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen

aufrecht. Bewusst haben

wir uns dafür entschieden unser Angebot

nicht in eine digitale Form zu überführen,

das hätte gar keinen Sinn. Wir sind davon

überzeugt, das gerade für junge Kinder der

direkte Kontakt, auch bzw. gerade in der

Pandemie, unglaublich wichtig ist. In ihrem

ganzen Alltag in der Pandemie sind die Kinder

bereits drastisch eingeschränkt. In der

PRIDE Kindergruppe haben wir wenigsten

in eingeschränkter Form die Möglichkeit

etwas Normalität und Austausch mit

anderen Kindern und Familien zu bieten.

Wie groß ist der Andrang?

Normalerweise kommen zwischen vier

und sechs Eltern. Die Größe ermöglicht

es den Eltern zum einen eine Verbindung

untereinander einzugehen. Zum anderen

ist die Gruppengröße natürlich wichtig, um

unser Hygieneschutzkonzept umzusetzen.

Wir bekommen auch immer wieder

Beratungsanfragen. Diese leiten wir an pro

Familia oder an die Caritas weiter, diese

Initiativen können die Familien zielgerichtet

und gegebenenfalls längerfristig begleiten.

Welches Echo hattet ihr mit eurem

Kindertreff?

Wir hatten ein bisschen Zuspruch, aber

auch die schwul-lesbische Community hat

sich relativ zurückgehalten. Irgendwie freut


mich das auch, weil das bedeutet, dass

schwule und lesbische Eltern bereits die

Möglichkeit sehen, ihre Kinder einfach in die

Kita um die Ecke zu bringen. Andererseits

sind viele Eltern auf uns zugekommen

und haben gesagt, dass sie die Idee des

Austausches super finden, weil sie ihre

Lebensentwürfe in anderen organisierten

Angeboten nicht wiederfinden.

Eine spitze Frage: Braucht es eine

dezidiert lesbisch-schwule Gruppe in

unserer Gesellschaft noch?

Wir sind ein Unternehmen mit ca. 110 Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern. Obwohl sich

unsere homosexuellen Kolleginnen und

Kollegen bei uns wohlfühlen, erlebe ich es

oft, dass viele von ihnen in Bezug auf ihre

Sexualität sehr zurückhaltend sind. Denn

im frühkindlichen Bildungsbereich ist eine

größere Stigmatisierung homosexueller

Sexualität zu erleben als bei anderen Themen.

Wir durchbrechen bekannte Muster,

denn bei uns dürfen sich die Kinder beispielsweise

aussuchen, von wem sie gewickelt

werden möchten und von wem nicht.

Kinder spüren schon früh Präferenzen und

zeigen, wen sie mögen. Viele Kolleginnen

und Kollegen zeigen ihr privates Leben

nicht nach außen, weil sie Bedenken haben.

Das ist nicht nur bei uns so, sondern findet

sich in allen Berufsfeldern, die mit Kindern

und Jugendlichen zu tun haben, wieder.

Mit einer offen gelebten Homosexualität

macht man sich immer noch angreifbar,

da man schnell mit Missbrauch in

Verbindung gebracht wird.

Die Unterscheidung zwischen

Missbrauch und

sexueller Orientierung

ist nicht bei allen

angekommen. Hier

Bedarf es gesamtgesellschaftlich

gesehen weiterhin

Aufklärung.

Wie geht ihr an das

Thema Rollenbilder

ran, was würdet ihr euch

wünschen?

Ich glaube, dass es schon einen großen

Unterschied machen würden, wenn in

jeder Kita ein, zwei Bücher mit von dem

klassischen Rollenmodel abweichenden

Lebensentwürfen zu finden wären.

Konkret heißt das zum Beispiel auch,

dass man Kinder, wenn sie etwas aus der

Bekleidungskiste nehmen, machen lässt.

Die Betreuung von Kindern hat mittlerweile

einen höheren Stellenwert erlangt. Durch

gesellschaftspolitische Veränderungen,

SZENE 9

werden Kinder bereits unter drei Jahren in

Krippen betreut. Entsprechend prägend

sind Erfahrungen, die Kinder in unseren

Bildungseinrichtungen machen. Gerade

Diversität ist in bzw. durch Bilderbücher

sind super vermittelbar. So kann

gezeigt werden, dass Familien

auch zwei Väter haben können.

Bei einem lesbischen

Paar fragen wir das Kind:

Wo warst du mit Mama

und Mama im Urlaub?

Wenn Eltern oder Kinder

fragen, warum es keinen

Papa gibt, erklären wir auf

einfache Weise, dass, egal

wer das Kind gezeugt hat,

diese beiden Personen die Eltern

sind, weil sie sich um das Kind kümmern.

Bisher hat das immer funktioniert, denn

um das zu verstehen, reicht der gesunde

Menschenverstand aus.

FOTO: SHARON MCCUTCHEON / PEXELS

*Interview: Christian Knuth

Regenbogenfamilienstunde, jeden

zweiten Dienstag im Monat, 16:00–17:00

Uhr, Deutsch-Chinesischer-Kindergarten

Hamburg, Anmeldung über office@

chinesischer-kindergarten.de oder 040-

18071011, chinesischer-kindergarten.de


10 SZENE

INTERVIEW

FOTO: DELIA GIANDEINI/UNSPLASH/CC0

Im Vorhof der Genderhölle:

Sind Männer wirklich scheiße?

Hätten wir als Überschrift

„Gender und Queer Studies –

was ist das eigentlich?geschrieben,

wärt ihr jetzt vielleicht gar nicht bis

hier gekommen. Und wir warnen vor:

das wird wirklich deep: Joke Janssen

ist Dozent_ fürGender und Queer

Studies, aktuell promoviert er_ an der

Hamburger Hochschule für bildende-

Künste. Ein Gespräch über Grundlagen,

Strukturen und Perspektiven. *ck

Es gibt viele Rechte, die in Gender

und Queer Studies als Brutstätten

einer sogenannten Gender-Ideologie

ansehen. Was sind Gender und Queer

Studies überhaupt?

Es geht um die Zerstörung der Ehe, die

Pervertierung der Nation und die Zersetzung

des Abendlandes. Das ist das Basisprinzip

des Studiengangs. (lacht) Ich würde

erst mal zwischen Gender und Queer

Studies trennen, weil die unterschiedlich

gelagert sind. Gender Studies ist der größere

Studiengang der beiden und ist an vielen

Universitäten und Hochschulen vertreten.

Queer Studies als Studiengang gibt es

meines Wissens nur noch in Köln. Gender

Studies oder Geschlechterstudien sind aus

den Frauenstudien entstanden und diese

sind wiederum aus der Frauenbewegung

gewachsen. Sie behandeln Fragen von

gesellschaftlichen Machtverhältnissen

in Bezug auf Geschlecht. Queer Studies

bildeten sich in den USA der 1990er aus der

Schwulen- und Lesbenbewegung heraus

und sind u.a. durch die AIDS-Krise geprägt

worden. In den Queer Studies geht es sowohl

um Sexualität und Geschlecht als auch um

die Infragestellung von Kategorien. In den

Queer Studies haben wir es immer gleichzeitig

mit marginalisierten Identitäten und einer

Infragestellung von Identität zu tun. Queer

Studies sind stark vom Poststrukturalismus

geprägt worden. Diese Denkrichtung behandelt

gesellschaftliches Wissen, sogenanntes

diskursives Wissen. Was können wir zu einem

bestimmten Thema sagen? Was können wir

gar nicht sagen? Was bleibt außerhalb des

Denkbaren? Außerdem gibt es in den Queer

Studies eine durch psychoanalytische und

postkoloniale Theorien gespeiste Beschäftigung

mit dem Subjekt, also mit Subjektivierung.

Wie werden wir zu den Subjekten, die

wir innerhalb einer bestimmten Gesellschaft

sind? Queer Studies sind eine relativ

komplizierte akademische Richtung. Dieser

große Theoriehaufen führt dazu, dass Queer

Studies manchmal ein bisschen abgehoben

und entfernt von der Community sind.

„Es geht um die Zerstörung

der Ehe, die

Pervertierung der Nation

und die Zersetzung des

Abendlandes. Das ist

das Basisprinzip des

Studiengangs.“

Mein Verständnis ist, dass in den

Gender Studies nicht hinterfragt wird,

was überhaupt eine Frau ist. In den

Queer Studies schon. ...

Genau. Gender Studies können sehr gut

mit einem binären Geschlechterbild funktionieren.

Das heißt, dass ich nach wie vor

nur über Männer und Frauen forschen kann,

leider auch jetzt noch. Das ist in den Queer

Studies nicht möglich. Da ist klar, dass wir

mit der Konstruiertheit von Geschlecht

umgehen müssen und eine Vielfalt von

Geschlechtsidentitäten existieren.

Bei Vorwürfen Gegner*innen wird

ein Bild erschaffen, als würden wir

in Gender und Queer Studies drei

Stunden lang darüber reden, dass

Männer scheiße sind und Frauen

weniger Geld verdienen. Es entsteht

ein Bild, dass jede*r über das Fach

unterrichten könnte. Warum stimmt

das nicht?

Wir haben alle irgendwas mit Geschlecht

zu tun. Wir werden geboren und uns wird

ein Geschlecht zugesprochen. Mal mehr

und mal weniger gewaltvoll. Das führt zu

der Vorstellung, dass wir alle etwas zu

Geschlecht sagen können. Geschlecht und

Sexualität sind einerseits natürlich Alltagswissen,

aber eben nicht nur. Es ist auch ein

Lernbereich, indem wir uns spezialisieren

können, wie in anderen Fachbereichen

auch. Der Schritt von Geschlecht als

individueller Alltagserfahrung hin zu einer

Gesellschaft strukturierenden, machtvollen

Kategorie wird häufig nicht gemacht.


Wenn ich aus Gender und Queer Studies

mit der Botschaft rausgehe, dass Männer

scheiße sind und Frauen weniger Geld

verdienen, dann habe ich auf jeden Fall das

Falsche gelernt. Oder zu wenig. Oder ich

habe es nicht geschafft, von der individuellen

Ebene auf eine Strukturebene zu wechseln.

Bei den Gender und Queer Studies gehört

es dazu zu lernen Gesellschaft über

Machtverhältnisse strukturiert zu verstehen.

Geschlecht und Sexualität sind nur zwei

davon. Da kommen noch diverse andere

Diskriminierungsformen wie Rassismus,

Ableismus, Klassismus dazu. Diese greifen

ineinander: Ich kann Geschlecht z. B. nicht

von Rassifizierung oder von Körpern trennen.

Solche Themen kann ich mir nicht aus dem

Ärmel schütteln, sondern ich muss lernen,

wie ich auf Gesellschaft, Subjekt, Begehren

und Diskriminierung gucke. Um bei deinem

Beispiel zu bleiben „Männer sind scheiße“.

Ich kann das zwar so sagen, aber was bringt

mir das? Es wäre aus Sicht der Gender und

Queer Studies interessanter zu gucken, dass

unsere Gesellschaft über eine bestimmte

Form von Männlichkeit organisiert ist. Sie

ist ein Grundbaustein dieser Gesellschaft,

Nation und des westlichen Subjekts. Alles,

was wir lernen über uns und wie wir zu

denen, die wir sind, werden, ist über Männlichkeit

definiert. Diese Art von Männlichkeit

ist schädlich, sie ist kolonialistisch geprägt

und beruht auf der Vorstellung bestimmter

körperlicher und geistiger Verfassungen oder

Befähigungen. Diese Vorstellung ist in uns

allen, nicht nur in denjenigen, die Männer in

dieser Gesellschaft sind.

„Das Prinzip Männlichkeit

müssen wir

alle analysieren und in

seiner Schädlichkeit

bekämpfen.“

Es ist toxisch sowohl für individuelle Männer

als auch für unseren gesellschaftlichen

Umgang miteinander und Gesellschaft an

sich. Dein nächstes Beispiel mit dem Geldverdienen:

Dass Frauen weniger verdienen,

ist natürlich auf einer individuellen und

politischen Ebene wichtig und muss geändert

werden. Ich kann mich also hinsetzen

und politisch daran arbeiten, dass Frauen

genauso viel Geld verdienen wie Männer.

Aber aus einer queer-feministischen Perspektive

ist die Fragestellung zu kurzgefasst

und analytisch fehlerhaft. Und zwar aus

mehreren Gründen. Zum einen erfasst

die Statistik meistens nur die Kategorien

„Männer“ und „Frauen“, neuerdings vielleicht

noch „divers“. Aber wer kann sich eigentlich

unter divers einordnen? Dieses Konstrukt ist

ja nicht für alle zugänglich, die es vielleicht

füllen könnten.

Das heißt, wenn ich statistisch Männer

und Frauen in ihren Berufen erfasse, wen

erfasse ich eigentlich? Und wen erfasse

ich nicht? Wenn ich irgendwann an den

Punkt komme, dass ich sagen kann: Männer

und Frauen sind gleich bezahlt. Sind dann

alle Menschen gleich bezahlt oder sind

tatsächlich nur Männer und Frauen gleich

bezahlt? Bei solchen Statistiken liegt der

Fokus außerdem meist auf legalen bzw.

legalisierten Arbeitsverhältnissen. Das

heißt, ich habe innerhalb eines Staates

wie Deutschland eine große Menge von

Menschen, die in dieser Auflistung gar nicht

erfasst sind. Aus einer queer-feministischen

und intersektionalen Perspektive liegt mir

eher daran, dass alle Menschen eine gleiche

Lebensgrundlage erhalten oder dass ihre

Arbeit eine gleiche Wertigkeit erfährt. Beim

Fokus auf das Geldverdienen von Frauen

übersehe ich also sowohl verschiedene

Geschlechter als auch illegalisierte oder

undokumentierte Arbeitsverhältnisse. Wenn

ich auf eine Meta-Ebene gehe, kommt noch

hinzu, dass die Behebung der schlechteren

finanziellen Situation von Frauen nur ein

Pflaster für vergeschlechtlichte Machtverhältnisse

darstellt. Das Bild von Geschlecht

wird nicht dadurch verändert, dass Frauen

genauso viel verdienen wie Männer. In

den Gender und Queer Studies muss ich

begreifen, dass unsere Gesellschaft über

Geschlecht geordnet wird und das in der

Einteilung in ein binäres Geschlecht, in der

Hierarchisierung zwischen Männern und

Frauen und dann in dem Ausschluss aller

anderen Geschlechter, nicht nur individuelle

Diskriminierung liegt, sondern dass

da drin eine Ordnung liegt.

Diese Ordnung hält

Gesellschaft am Laufen

und diese Ordnung

hält eine bestimmte

Machtverteilung

aufrecht, sodass für

einzelne Gruppen

der Bevölkerung

eine privilegierte

Position gesichert

wird. Die Aufgabe von

Gender und Queer Studies

ist es, solche Zusammenhänge

herauszuarbeiten und dazu beizutragen,

die gesellschaftlichen Ungleichheiten zu

verändern bzw. abzuschaffen.

Queer Studies benötigt teilweise

so viel Vorwissen, dass eine Lücke

zwischen der queeren Community

und den Queer Studies entsteht.

Gleichzeitig kam mir der Gedanke,

dass die schlechte universitäre Lage

in Deutschland dazu führt, dass die

Community teilweise viel weiter ist

als das Wissen, was gerade in Universitäten

und Hochschulen angeboten

wird. Was sind deine Gedanken dazu?

SZENE 11

Ich würde Community und Academia nicht

unbedingt so scharf trennen wollen. Ich

bin z. B. selbst Teil von Community und Teil

von akademischer Forschung. Genauso

wie ich sind viele Leute, die akademisch

mit marginalisierten Themen zu tun

haben, selbst häufig marginalisiert. D.h.

es besteht ein Wechselbezug zwischen

akademischer Forschung und Diskussionen

in der Community. Akademische Forschung

und Community-Wissen sind in einem

Wechselspiel und beeinflussen sich immer

wieder gegenseitig. Mal ist das eine weiter

und mal das andere. Zum Teil kommen die

Themen, die an den Hochschulen erforscht

werden, ja direkt aus dem Leben der

Menschen. Wenn wir uns geschlechtliche

Identifizierung angucken, also z.B. welche

Wörter wir für uns benutzen, merken wir,

dass die sich teilweise so schnell ändern,

dass die Forschung nicht so schnell hinterherkommt.

Gleichzeitig bezieht Community

ihr Wissen aus akademischer Forschung

und entwickelt es weiter, beispielsweise

zu trans*queeren Körperlichkeiten und

Materialisierung von Körperwissen. Eine

Folge der universitären Unterfinanzierung

ist auf jeden Fall, dass sich Menschen in

Queer Studies an den Hochschulen nicht

wirklich weiterentwickeln können. Meine

Erfahrung aus der Lehre ist, dass ich in

jedem Semester, mit jedem Kurs von

vorne anfangen muss, weil es anderswo nie

Thema ist. In meiner Lehre kann ich so auch

nicht weitergehen, weil ich immer wieder die

Basics unterrichten muss. So kann sich an

den Universitäten kein Wissen in den Queer

Studies aufbauen und weiterentwickeln.

Mir ist aufgefallen, dass

wir Texte von vor 30,

40 Jahren gelesen

haben und der Inhalt

bahnbrechend neu

für mich war.

Für mich liegt darin

auch eine Traurigkeit,

dass ich immer wieder

an diesen Punkt komme,

Studierenden 30 Jahre alte

Texte zu geben und die sind so:

„Wow, noch nie gehört!“ Es ist tragisch,

dass marginalisiertes Wissen immer wieder

neu ist und dass es nicht schon längst

zu einer Art Kanon dazugehört. Dadurch,

dass das Wissen an den Universitäten

nicht gefestigt wird, fehlt den Communitys

dieses Wissen. Teil der Gender und Queer

Studies sind beispielsweise auch intersektionale

Denkrichtungen, also Schwarzes

feministisches Denken von vor 30 Jahren

und teilweise noch länger. Schwarzer Feminismus

hat sehr viel dazu beigetragen, wie

wir Mehrfachdiskriminierung verstehen und

wie wir inzwischen über Intersektionalität

und über Identitätspolitik sprechen können,

ohne darin essenzialistisch zu werden. Mein

FOTO: KARL BEWICK/UNSPLASH/CC0


12 SZENE

Erleben ist, dass in der deutschsprachigen

Community Intersektionalität als ein

Arbeitsbegriff langsam ankommt. Häufig

wird er aber ganz anders gefüllt als es damals

und auch immer noch die Idee der dahinterstehenden

Denker_innen des Combahee

River Collective oder Patricia Hill Collins,

Kimberlé Crenshaw und anderen war. Das

passiert dadurch, dass weder queere Theorie

noch Schwarze Theorie noch postkoloniale

Theorie oder sonstige marginalisierte Theorien

regelmäßig unterrichtet werden. So fehlt

der Transfer bestimmter schon lange existierender

Ideen, wie wir mit Essentialismus,

Kategorien und Identitäten umgehen können,

ohne dass es zu einem gegenseitigen

Ausschluss oder Oppression-Olympics wird.

Und Denkgebäude wie Intersektionalität

kommen ja auch aus den Communitys, denn

die Schwarzen Theoretiker_innen von vor

30 Jahren waren nicht von ihrer Community

losgelöst. Und Theorie schwappt dann

wieder zurück in Community. Dadurch, dass

die Basisarbeit fehlt, kommen aber dann

häufig nur noch Fetzen an und die werden

wiederum merkwürdig umgesetzt.

„Schwarzer Feminismus

hat sehr viel dazu

beigetragen, wie wir

Mehrfachdiskriminierung

verstehen und wie

wir inzwischen über

Intersektionalität und

über Identitätspolitik

sprechen können.“

Joke Janssen selbst studierte Mitte

der 2000er Gender und Queer

Studes in Hamburg als es den

Studiengang noch gab.

Wie kommst du als trans* Person im

universitären Raum klar?

Ich navigiere nicht – ich flaniere, kollidiere

und kollabiere. (lacht) Das, was ich als

studierende Person erlebt habe, war

wahrscheinlich sehr privilegiert. In meinem

Studiengang Gender und Queer Studies

war ein großes Bewusstsein für queere und

trans* Menschen da. Ich war damals auch in

Gruppen politisch aktiv und war so auch von

Leuten umgeben, die alle etwas mit Queer

Studies zu tun hatten oder mit anderen

kritischen Studien wie Disability Studies.

Wir haben uns gegenseitig sehr unterstützt.

Ich befand mich wie auf einer kleinen Insel,

deshalb kann ich nicht für trans* Personen

sprechen, die in ihrem Studiengang losgelöst

von Community sind. Als studierende

Person hatte ich großes Glück, weil ich, was

Verwaltungsangelegenheiten angeht, wenig

Stress hatte. Ich bezeichne mich als trans*,

das würde heute vielleicht unter non-binary

laufen. Meine Kämpfe waren woanders, mir

war es meist relativ Latte, wie mich offizielle

Stellen angesprochen haben, das hat mir

Stress erspart. Mittlerweile promoviere ich

und mache Lehre. Das ist noch mal ein

anderer Schnack. Inzwischen erlebe ich Diskriminierung

noch mal anders dadurch, dass

ich länger uneindeutig trans* und auch länger

be_hindert bin. Ich bin über vierzig. Ich muss

einerseits nicht mehr mit den Institutionen

über meine Identität kämpfen. Die ist für

mich in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit

gefestigt. In dieser Hinsicht fassen mich

Sachen nicht mehr so an, aber ich habe dafür

andererseits ganz stark das Gefühl, dass ich

an systemischen Ausschlüssen scheitere. Ich

merke, dass das Wissen, was ich mitbringe,

was ich erforschen möchte, nirgendwo

wirklich in der Tiefe ankommt. Ich kann mich

zum Beispiel nicht wirklich gut über mein

Dissertationsthema austauschen. Meine

Forschung handelt von Uneindeutigkeit und

Verkörperungen von trans* Menschen.

Wenn ich über meine Arbeit sprechen

möchte, muss ich immer wieder mit einer

Erklärung anfangen, was trans* eigentlich

bedeutet. Das ist auf Dauer

superfrustrierend. Ich habe durch

die universitäre Vereinzelung

kaum Austausch und kaum

Community. Je höher ich

komme, umso weniger trans*

Personen, be_hinderte oder

anders marginalisierte Leute

gibt es. Häufig werden

marginalisierte Theorien zu

einem Arbeitsgegenstand,

zu einer Analysekategorie,

die aber mit den Leben

der Lehrpersonen gar nicht

mehr viel zu tun hat. Ich

merke an mir und mit meinem

Körper, dass die Hochschulen

als Institutionen und in ihrer

Ausschlussfähigkeit stabil sind.

Universitäre Institutionen arbeiten aus

einem bestimmten Menschenbild heraus,

in dessen Wissen sie ja auch gegründet

wurden. Das sind richtig krass weiße hetero

cis klassistische Institutionen, die für nicht

marginalisierte Menschen ausgelegt sind.

Alle anderen Menschen werden subtil

ausgeschlossen. Dieser Umstand hängt

meist nicht an einzelnen Personen. Ich

habe immer wieder von einzelnen Personen

viel Unterstützung erfahren. Das ändert

aber nichts daran, dass die Hochschule

als System an sich Leute wie mich nicht

haben möchte. Das ist spürbar, es ist in die

Institution, die Gebäude, die Regeln und den

Kanon eingeschrieben. Daran habe ich stark

zu knabbern. Das findet sich auch in der

Lehre wieder, die ich mache. Ich unterrichte

in Lehraufträgen immer zu marginalisierten

Themen und das ohne feste Anstellung. Das

ist symptomatisch, weil viele marginalisierte

Personen keine feste Stelle haben, sondern

ebenso nur Semesterverträge haben. In

ihrer prekären Lehre übernehmen sie dann

wiederum auch prekäre, marginalisierte

Lehrinhalte. Ihre Studierenden kommen

häufig an und sagen: „Wow, großartig, ich

habe noch nie sowas gehört. Bitte mehr

davon!“ In der Lehre steckt für mich auch

eine zusätzliche Care-Arbeit drin, um für die

Studierenden da zu sein. Häufig bin ich die

erste offen queere, trans* oder be_hinderte

Person in der Lehre, die sie erleben. Da hängt

ein großes Begehren an meiner Person, weil

ich an der Stelle etwas verkörpere, was viele

Leute bisher noch nicht erlebt hatten. Die

Care-Arbeit bedeutet für mich eine große

emotionale Arbeit, die in Semesterverträgen

nicht aufgehoben ist. Das ist eine strukturelle

Verfasstheit von Universität, dass diejenigen,

die marginalisiert sind oder marginalisierte

Themen anbieten, oft ungesicherte und

prekäre Arbeitsverhältnisse haben. Marginalisierte

Personen werden auf solchen Stellen

ausgebrannt. Mein Erleben als marginalisierte

Person in der Hochschullandschaft ist nicht

positiv. Leider. Marginalisierten Personen, die

vorhaben, in diese Institutionen reinzugehen,

kann ich nur wünschen, dass sie sich vernetzen

und sich guten Rückhalt holen, damit

sie ein Leben außerhalb der Institutionen

haben. Worauf man sich als marginalisierte

Person auch gefasst machen muss: Man ist

ein krasses Token. Ich bin ein Aushängeschild

für Diversity und damit muss ich umgehen.

Das ist nicht schön, aber damit muss man

auf jeden Fall rechnen, wenn man in solche

Positionen geht.

*Interview: Victoria Forkel

INFO

Von Joke Janssen gemeinsam mit Anna Tautfest

und Studierenden der Experimentellen

Klasse, erscheint im Sommer/Herbst im

Argument-Verlag der Sammelband KANON

zu Machtverhältnissen und Care-Arbeit in

der Kunst.


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14 SZENE

SPRACHE

FOTOS: CC0

They/Them sind geschlechtsneutrale Pronomen, die seit dem

12. Jahrhundert in der englischen Sprache existieren. Doch auch in

Deutschland erfreuen sie sich immer größerer Beliebtheit.

In Workshops oder anderen Lehrveranstaltungen bietet

es sich an, für die ersten Treffen Namenschilder mit den

genutzten Pronomen zu verteilen.

Setzen, PRONOMENKUNDE!

Über die richtige Anwendung

von Pronomen wird neuerdings

nicht nur im Deutschunterricht,

sondern auch in der queeren Community

diskutiert. Obwohl das Thema

leidig ist, lohnt es sich, einen Durchblick

zu verschaffen. Keine Angst, wir

lernen alle zusammen und verteilen

auch keine Noten, versprochen!

Pronomen, Pronomen ... seit einiger Zeit

sind sie in aller Munde. Bei trans* und/oder

nicht-binären Personen schon lange, cis

Personen haben aber kürzlich aufgeholt.

Wenn erstere darüber reden, ist es meist

ein sehr emotionales Thema, geht es doch

um die Anerkennung ihres Geschlechts.

Letztere hingegen fühlen sich meist an

längst vergessene Deutschstunden erinnert

und sind oft eher genervt und verwirrt von

der Thematik. Das hat Gründe, denn cis Personen

werden schon ein ganzes Leben lang

mit dem richtigen Pronomen angesprochen.

Trans* und/oder nicht-binäre Menschen

müssen sich diese Selbstverständlichkeit

erst erkämpfen.

WARUM REDEN TRANS* PERSONEN

STÄNDIG VON PRONOMEN?

Wir nutzen Pronomen in einem Satz, um

Substantive abzukürzen. Wenn wir über

einen Menschen reden, wird dieser auch ein

Substantiv. Im Deutschen haben alle Substantive

ein grammatikalisches Geschlecht

(Maskulinum, Femininum, Neutrum) und

die meisten Menschen eine Geschlechtsidentität.

Personalpronomen in der dritten

Person, also er und sie sind die gängigsten

Pronomen, die für Menschen genutzt werden.

Das heißt, dass das grammatikalische

Geschlecht (er: männlich, sie: weiblich)

mit der Geschlechtsidentität (Mann oder

Frau) übereinstimmt. Die Verwendung des

richtigen Pronomens für einen Menschen

kann als Lappalie abgetan werden, doch jede

Person kennt das unangenehme Gefühl,

misgegendert zu werden: In der Schule von

einem Kind mit dem falschen Namen und

Pronomen gegängelt zu werden oder im

Supermarkt von hinten mit der falschen

Anrede angesprochen zu werden … die

Bedeutung von Pronomen wird den meisten

Menschen erst bewusst, wenn sie nicht

(mehr) stimmen.


Das ist aber nicht alles, oder? Nein, auf keinen

Fall. Für Menschen, die ausschließlich er

oder sie als Pronomen verwenden, könnten

wir hier schon aufhören, aber damit wäre die

gesellschaftliche Realität nicht abgedeckt.

Viele nicht-binäre Personen fühlen sich

mit er oder sie nicht adäquat repräsentiert.

Aus diesem Grund entwickelten sie in den

letzten Jahrzehnten Neopronomen.

TOP 6 NEOPRONOMEN

Deutsch ist eine sehr komplexe Sprache

mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten, doch

bei den Personalpronomen war sie bisher

nicht sehr kreativ. Nur zwei Pronomensets

für Menschen?! Dass das nicht schon früher

zu Beschwerden geführt hat, erstaunt uns.

Neopronomen bringen endlich die Lösung,

um Menschen nicht mehr über einen oder

besser gesagt zwei Kämme scheren zu

müssen. Neopronomen sind, wie der Name

schon andeutet, neue Pronomen und die

gibt es mittlerweile zu Haufe. Wir stellen

die sechs gängigsten vor und zeigen dir,

wie mensch sie in einem Satz verwendet.

Eine komplette Auflistung findest du auf

der Webseite Nibi.Space, das nicht-binäre

Wikipedia.

Pronomen und besonders Neopronomen

werden meist in einem Trio präsentiert, wenn

sich jemand mit ihnen vorstellt: Personalpronomen

in der 3. Person in Nominativ, Genitiv

und Dativ. So wird die prompte Anwendung

erleichtert, denn eins muss die gebeugten

Formen nicht selbst herausfinden. Für das

Pronomen er sehe das folgendermaßen aus:

Er/sein/ihm. In vollständigen Sätzen werden

sie so benutzt: Er gibt seinem Hund Futter.

Ich schaue ihm dabei zu.

BEISPIELE FÜR NEOPRONOMEN IN

ANWENDUNG

■ Dey/deren/dem: Dey gibt deren Hund

Futter. Ich schaue dem dabei zu.

■ Em/ems/em: Em gibt ems Hund Futter.

Ich schaue em dabei zu.

■ Per/pers/per: Per gibt pers Hund

Futter. Ich schaue per dabei zu.

■ Es/sein/ihm: Es gibt seinem Hund

Futter. Ich schaue ihm dabei zu.

■ Sier/sies/siem: Sier gibt sies Hund

Futter. Ich schaue siem dabei zu.

■ They/their/them: They gibt their Hund

Futter. Ich schaue them dabei zu.


Schön sehen sie aus, oder? Niemand

muss neidisch werden, denn (Neo-)

Pronomen sind wie Kleidung: Jedes

Geschlecht kann sie verwenden, egal

ob cis, trans*, binär oder nicht-binär.

Ein Pronomen sagt nichts über

das eigene Geschlecht aus. Es

muss sich auch nicht entschieden

werden: Mensch kann mehrere

Pronomensets verwenden … oder

auch gar keines. Manche wollen nur

ihren Namen an der Stelle eines

Pronomens nutzen. Das sieht mit

dem Namen Ella so aus: Ella gibt Ellas

Hund Futter. Ich schaue Ella dabei zu.

HOW TO BE AN ALLY

Unsere Gesellschaft prägt leider

ein grauenhafter Automatismus:

Menschen wird beim ersten Anblick

ein Geschlecht übergestülpt. Der

unbewusste Gedankengang sieht

meist so aus: Mensch steht vor mir,

sieht nach eigener Einschätzung

männlich oder weiblich aus, ist

somit ein Mann oder Frau und

benutzt entweder das Pronomen

er oder sie. Aus dieser Gleichung

fallen viele Menschen heraus.

Umso wichtiger, gegen die Unart

des Misgenderns vorzugehen:

Versuche, fremden Menschen nicht

sofort ein Geschlecht oder ein

Pronomen zuzuschreiben. Deine

Augen haben keine Superkräfte und

können nicht das Geschlecht einer

Person ablesen. Stelle dich lieber

bei persönlichen Begegnungen

nicht nur mit deinem Namen,

sondern auch mit deinen Pronomen

vor und frage im Gegenzug nach

den Namen und Pronomen

deiner Gesprächspartner*innen. In

sozialen Medien kannst du in deiner

Profilbeschreibung deine Pronomen

hinzufügen. Damit hilfst du trans*

und/oder nicht-binären Menschen,

von trans*feindlichen Trollen unerkannt

und somit sicher zu bleiben.

Gut möglich, dass du von der Menge

an Pronomina überfordert bist,

aber du musst nicht verzweifeln!

Menschen, die mit Deutsch aufgewachsen

sind, benutzen Pronomen

ganz selbstverständlich. Wenn du

dir den Artikel durchliest, wirst du

feststellen, dass viele Pronomen

verwendet worden sind. Jenen

Menschen, die nicht mit Deutsch

aufgewachsen sind, sprechen

wir unser herzliches Beileid aus.

Pronomen sind überbewertet. *vf

SZENE 15

INFO

Kleine Pronomen-Kunde

Pronomen sind wie Verben (schwimmen), Adjektive

(schön) und Substantive (Haus) eine Wortart.

Sie ersetzen entweder ein Substantiv in einem

Satz, etwa wenn das Haus zu es abgekürzt wird,

oder sie beschreiben ein Substantiv näher: mein

Haus statt das Haus.

Nerdmodus: Pronomen kann eins noch in Unterkategorien

sortieren:

■ Personalpronomen wie ich und du

■ Possessivpronomen wie mein oder dein

■ Reflexivpronomen wie mich und dich

■ Demonstrativpronomen wie dieser und jener

■ Relativpronomen wie welcher und deren


Tipp zum Merken: Wer Englisch

oder romanische Sprachen

wie Französisch oder

Italienisch beherrscht, kann

sich die Bedeutung der

Unterkategorien herleiten.

Der erste Teil des Wortes

Possessivpronomen hat

den gleichen Wortstamm wie

das englische Verb ‚to possess‘

(besitzen). Somit sind Worte wie mein

oder dein Possessivpronomen, weil sie den Besitz

anzeigen. Solche Eselsbrücken funktionieren für

die meisten Pronomentypen.

FOTO: AM DAN TRUONG /UNSPLASH/CC0


16 SZENE

INTERVIEW

FOTO: NATE ISAAC ADIT/UNSPLASH/CC0

TSEPO BOLLWINKEL:

„Schuld ist ein bescheuertes Konzept!“

Die Vorstellung von Queerness

als ein westliches Phänomen

ist weitverbreitet, doch könnte sie

nicht weiter von der Realität entfernt

sein. Tsepo Bollwinkel ist Experte und

klärt uns im „Salongespräch: BIPoC

Movements und Rassismus – auch in

der queeren Szene Thema“ über die

Zusammenhänge von Rassismus und

Queerness auf.

Was ist eine konstruktive Definition

von Rassismus?

Jetzt hast du mich etwas Schwieriges

gefragt. (lacht) Rassismus ist eine

Diskriminierungsform, aber auch ein

soziales System, in dem wir uns alle seit

Jahrhunderten bewegen. Dementsprechend

ist Rassismus nicht abhängig davon, ob

jemand absichtlich irgendetwas tut oder

nicht tut. Rassismus ist weniger das

Handeln von Einzelnen als ein System, auf

das man überall in unserer Gesellschaft

trifft. Das Bild von einem Neonazi mit

Baseballschläger, der mir auf den Schädel

schlägt, ist verkürzt. Rassistische Strukturen

können so nicht wahrgenommen werden.

Ich würde Rassismus lieber so definieren,

dass Rassismus eine Rechtfertigungsideologie

ist, um gesellschaftliche Zustände

zu legitimieren. Die Behauptung, die diese

Ideologie aufstellt, ist dreiteilig. Erstens seien

Menschen unterschiedlich viel wert. D.h. sie

seien unterschiedlich befähigt oder schlau

etc. Zweitens: Diese Unterschiede seien

genetisch bedingt und somit unveränderlich.

Drittens: Die Wertigkeit von einer Person

könne man an äußeren Merkmalen wie

Haut oder Haaren erkennen. Diese äußeren

Merkmale können aber auch Dinge wie die

Religionszugehörigkeit, Nationalität oder

schlicht und ergreifend der Name sein. Die

Zuweisung von verschiedenen Wertigkeiten

ist durch Rassismus zu einer sozialen

Realität in diesem Land und überall auf der

Welt geworden. Menschen verbringen, je

nachdem, wo sie in so einer hierarchischen

Idee von Wertigkeit angesiedelt werden, ein

sehr unterschiedliches Leben.

Auf der Internetseite der Initiative

Schwarze Menschen in Deutschland,

beschreibt die AG Black und Queer,

dass ihr unter anderem Queerness

erweitern möchtet. Was genau ist mit

Queerness erweitern gemeint?

Nächste komplexe Frage. (lacht) Queerness

wird gern an dem Buchstabensalat LGBTIQ*

festgemacht. Einerseits ist das nicht

verkehrt. Anderseits befinden wir uns aber

die ganze Zeit in Ideen und Konstruktionen

von Identitäten, die sich im globalen

Norden abspielen und somit spezifisch

weiß sind. Das heißt nicht, dass nur weiße

Menschen in dieser Form queer sind, aber

dass die Identitätskonstruktion aus dem

globalen Norden kommen. Der ISD und

besonders mir ist es wichtig, diesen Blick zu

erweitern. Es gibt noch viel mehr Arten von

Sexualitäten und Geschlechtsidentitäten als

die, die in dem westlichen Buchstabensalat

bedacht werden. Wir übersehen sonst

Millionen und Abermillionen von Menschen.

Ja, es gibt mehr als zwei Geschlechter auf

der ganzen Welt. Es gibt andere Ideen von

Zusammenleben als Monogamie. Es gibt

mehr als entweder gegengeschlechtliche

oder gleichgeschlechtliche Liebe. Meine

persönliche Behauptung ist immer, dass es

7,6 Milliarden Menschen gibt und genauso

viele Sexualitäten und Geschlechter. Die

Erweiterung des Begriffs queer bedeutet

auch, einen Blick darauf zu werfen, wie

Sexualität und Geschlechtlichkeit über sich

hinaus mit anderen sozialen Phänomenen

zusammenhängen. In der Kolonialgeschichte

ist beispielsweise viel Herrschaft

über das Ausleben von Sexualität und

Geschlecht verhandelt worden. Was ist die

richtige Körperlichkeit? Was ist die richtige

Sexualität? Was ist die richtige Form, eine

Familie zu gründen? In diesem Lebensbereich

ist sehr viel Macht ausgeübt, aber

auch viel Widerstand geübt worden. Solche

Zusammenhänge in den Blick zu nehmen

und Sexualität und Geschlechtlichkeit nicht

nur mit einem westlich-engen Blick zu

betrachten, ist der ISD wichtig. Wir würden

sogar sagen: Das finden wir spannend und

sexy.


SZENE 17

„Das heißt, dass ich ein

Geschlecht besitze, mit

dem ich hier gar nicht

rumlaufen kann, weil

kein Mensch dieses in

westlichen kulturellen

Zusammenhängen

versteht.“

(Lacht) Okay, das heißt es hat weniger

mit einem schwarzen Kontext

zu tun, als wirklich den Begriff

Queerness zu erweitern.

Mit Schwarzsein hat es etwas zu tun, weil

es sehr oft eine Schwarze Erfahrung ist. Ich

bin Südafrikaner und wir haben in meinem

Volk, einem der vielen Völker Südafrikas,

historisch andere Geschlechtervorstellungen

als im globalen Norden. Diese meinem

Volk spezifischen Geschlechter stehen

hier gar nicht zur Disposition. Das gilt für

unendlich viele andere Menschen auch. Das

heißt, dass ich ein Geschlecht besitze, mit

dem ich hier gar nicht rumlaufen kann, weil

kein Mensch dieses in westlichen kulturellen

Zusammenhängen versteht. Das ist eine

spezifisch Schwarze Erfahrung als queerer

Mensch in Deutschland. Von daher hat das

sehr viel mit Schwarzsein zu tun.

Hast du ein konkretes Beispiel für

mich? Ich kenne die südafrikanische

Kultur nicht sehr gut.

Ich nehme mich als Beispiel, weil ich

da weiß, was ich sage. Meine eigene

Herkunftskultur hat ein Geschlechterverständnis,

was von fünf Geschlechtern

ausgeht. Die Christianisierung hat

diesen kulturellen Aspekt fast vollständig

zerstört. Es sind nur Reste vorhanden. Die

Bedeutung der Geschlechter sind nicht

mit Wörtern aus europäischen Sprachen zu

übersetzen. Man könnte zwar sagen, dass

zwei Geschlechter ungefähr wie Mann und

Frau sind und zwei trans*geschlechtlich

wären. Aber das ist schon sehr ungenau und

nicht stimmig. Das fünfte Geschlecht ist

eins, welches geschlechtliche Gegensätze

in einer Person transzendiert oder aufhebt.

Wir, die wir uns noch in einem traditionellen

Verständnis von Geschlechtlichkeiten

identifizieren, werden immer weniger, weil

der kulturelle Druck so groß ist und die

Geschlechtervorstellung aus dem globalen

Norden dominant ist.

„Die Stonewall-

Aufstände wurden in der

Geschichtsschreibung

oft weißgewaschen.“

Wie sieht die Schwarze queere

Bewegung weltweit aber besonders

in Deutschland aus?

Queere Menschen gibt es überall, egal unter

welchen Namen. Für den Begriff Queerness

sind die berühmten Stonewall Riots ganz

wichtig. Die Aufstände wurden in der

Geschichtsschreibung oft weißgewaschen.

Das waren Schwarze, queere Menschen

und vor allen trans* Frauen, die sich damals

zur Wehr gesetzt haben. Es ärgert mich

unglaublich, wie wenig diese Realität

anerkannt wird. Ich denke an den Stonewall

Film, der vor ein paar Jahren erschienen ist

und hauptsächlich weiße schwule Männer

zeigte. Die waren aber nicht da. Die saßen

sicher in ihren Kneipen, weil ihnen nie etwas

passiert ist. Die hatten keine Polizeirazzia.

Die Polizei steckten bei ihren Razzien

Schwarze und Latinos für Prostitution

in den Knast. Diesen Teil der Geschichte

zu wissen ist wichtig. Die Stonewall Riots

waren nicht der Beginn von Queerness,

aber ab dann wurde es eine öffentliche

Tsepo Bollwinkel – AG Black & Queer – Trainer für u. a. Critical Whiteness

FOTO: REBECCA JÄGER

emanzipatorische Bewegung. Für den

deutschen Kontext finde ich es wichtig zu

erinnern, dass die neuere Schwarze Bewegung

durch queere Frauen in Gang gesetzt

wurde. Sie feiert dieses Jahr ihr 35-jähriges

Jubiläum. Diese queeren Frauen haben sich

im Verein adefra zusammengeschlossen

und ein gemeinsames Buch veröffentlicht:

„Farbe bekennen“. In dem Buch wurden als

erstes solche wichtigen Fragen aufgestellt

wie: Wie ist es, eine Schwarze Person in

Deutschland zu sein? Wie ist es, Schwarz

zu sein und sich auch mit Deutschland zu

identifizieren, also eine Schwarze deutsche

Person zu sein? Traurigerweise werden

diese queeren und weiblichen Wurzeln

immer wieder ausgeblendet. Außerhalb

von bestimmten Szenen ist Queerness

in Schwarzen Communitys durchaus

schwierig. In großen Städten ist das Thema

unter jungen Leuten zwar ok. Anderswo

und gerade da, wo sie landsmannschaftlich

organisiert sind, ist das immer noch ein

schwieriges Thema. Viele Menschen leben

eine Doppelidentität zwischen Schwarz sein

und gleichgeschlechtlich leben. Das Gefühl

ist: Ich kann beides nicht in denselben

Räumen tun, weil ich jeweils Ausschlüsse

erfahre. Das ist ein großer Schmerz für

Menschen und eine gottverdammte

Schweinerei, dass das immer noch so ist. So

langsam gibt es immer mehr sichere Orte,

wo sich diese Menschen treffen und ihre

Communitys und sich selbst feiern können.

Es ist unglaublich wichtig, dass es in diesem

Bereich ein Stück Heilung gibt. Es hat lange

gedauert. Auch ich bin erst mit verdeckten

Karten in dieser neueren Schwarzen

deutschen Bewegung durch die Gegend

gelaufen, weil es mir zu heiß und gefährlich

war. Nun hat sich das aber geändert.

1528 hat die erste deutsche Handelsfamilie

begonnen, mit versklavten

Menschen zu handeln. Rassismus

wurde als theoretische Rechtfertigung

für Sklaverei, Kolonialismus und

Genoziden genutzt. Inwiefern wirkt

sich die Geschichte des Rassismus auf

unsere heutige Lebensrealität aus?

Das Ärgerliche ist, dass wir immer noch in

gesellschaftlichen Erzählungen leben, die

sich der Rassismus ausgedacht hat. Ein

Beispiel von Tausenden, die ich erzählen

könnte: Wir bewegen uns immer noch in

der Erzählung, die aus der Versklavung

von Menschen kommt. Unter weißen

Menschen gab es in der frühen Geschichte

der USA Streit um die Behandlung von

versklavten Menschen. Sie hatten nichts

Grundsätzliches gegen Sklaverei, aber

die schreckliche Behandlung war Einigen

zu brutal. In diesem Streit spielte eine

ausschlaggebende Rolle ein sogenanntes

wissenschaftliches Werk: die Rassenlehre

von Carl von Linné in seinem Buch über

die Natur des Menschen. Linné wird heute


18 SZENE

noch als Vater der Anthropologie gelehrt

und geehrt. Ich finde das pervers, denn in

seinem Buch erfand Linné unser heutiges

System von Rassen. Er ist für diesen Quark

mit Rot und Gelb verantwortlich! Dabei hat

Linné in seinem Leben nie etwas anderes als

Bleichgesichter gesehen. Linné dachte sich

diese Klassifizierung aus und belegte diese

Gruppen mit verschiedenen Eigenschaften.

Bei Schwarzen Menschen schrieb er den

Satz hinein, dass sie keinen Schmerz empfinden

würden. Mit diesem Satz wurde in

den frühen USA für Sklaverei und inhumane

Behandlung argumentiert: Wenn wir sie

auspeitschen, weil sie nach unserer Meinung

Mist gebaut haben, tut ihnen das nicht weh.

Man könnte sagen, das sei schon lange her.

Doch 2014 ist in Großbritannien ein neues

Lehrbuch für künftige Krankenpfleger*innen

erschienen. Dort wurde im Kapitel zur

Schmerzmedizin nach verschiedenen

Menschengruppen aufgefächert, die sich

nach Linnés Klassifizierung richten. Da

steht drin, dass bei asiatischen Menschen,

wenn sie denen eine Spritze verabreichen

müssen, sie es ohne Bedenken tun können.

Die denken sowieso, dass alles Schicksal und

Karma sei, und somit ist es völlig egal, ob es

wehtut oder nicht. Bei Menschen indigener

Herkünfte könnte man auch einfach

losspritzen, da die sowieso eine Helden-

Nummer draufhätten. Bei Schwarzen

Menschen kann ich auch ohne zimperlich zu

sein spritzen, denn obwohl die wie verrückt

jammern, empfinden die keinen Schmerz.

Bei weißen Menschen steht in dem

Lehrbuch, dass ein Gespräch eingegangen

werden muss und die Verabreichung der

Spritze in Absprache geschehen soll. Denn

das seien Menschen, die ihr Schmerzempfinden

objektiv wiedergeben können! Dieses

Kapitel ist aufgeflogen, weil im englischen

Gesundheitssystem nur noch People

of Color arbeiten. Als sie

dieses Buch in die Hände

gekriegt haben, waren

die echt stinkig. In

der Neuauflage

ist das Kapitel nicht korrigiert, sondern

einfach rausgenommen worden. Alle diese

bescheuerten Erzählungen, die in dem

frühen Rassismus erfunden wurden, sind bis

heute lebendig. Als mein heute 18-jähriger

Sohn seine erste Impfung bei einer älteren

Kinderärztin bekam, wollte sie ihn erst mit

einem Eis-Spray behandeln, damit die

Stelle nicht so wehtut. Doch auf dem Weg

zu unserm Kind blieb sie stehen und sagte:

Ach, er braucht das ja nicht. Wir Eltern

haben uns danach eine andere Kinderärztin

gesucht. Die Ärztin hatte selbstverständlich

angenommen, dass dieser kleine Schwarze

Knirps kein Schmerz empfindet. Diese ganzen

Erzählungen sind immer noch präsent

in den Köpfen der Menschen. In der queeren

Szene, besonders in der Schwulenszene,

findet sich oft die Vorstellung von sexuell

überaktiven, nicht-weißen Männern mit

den großen Dödeln und so weiter. Diese

Narrative sind lebendig und kochen wie ein

historischer Schluckauf bei jeder Gelegenheit

wieder hoch. Sie werden benutzt, um zu

exotisieren, zu objektivieren, zu sexualisieren.

Sie kochen immer wieder hoch, weil sie noch

nicht gesehen und somit dekonstruiert

werden konnten.

„In der queeren Szene,

besonders in der

Schwulenszene, findet

sich oft die Vorstellung

von sexuell überaktiven,

nicht-weißen Männern

mit den großen Dödeln

und so weiter.“

An der Mittelmehr-Krise sieht man

auch strukturellen Rassismus. In diesen

Jahren sind bis zum 18. Juni 2020

bereits 339 Menschen im Mittelmeer

ertrunken und letztes Jahr waren es

1885 Menschen. Diese Zahlen sind

massiv und zeigen für mich, dass es

ein Rassismusproblem gibt. Welche

Rolle spielen diese Zahlen im öffentlichen

Diskurs über strukturellen

Rassismus?

Interessanterweise keine. Da wird nämlich

getrennt. Der Diskurs über die ermordeten

Menschen im Mittelmeer läuft unter

Migrationsdiskurs und wird nicht mit

Rassismus in Zusammenhang gebracht. Für

mich sieht das eindeutig anders aus. Es gibt

keine Abwehrschlacht gegenüber weißen

französischen oder britischen Menschen,

die ins Land einreisen und arbeiten wollen.

Es gibt auch keine Abwehrschlacht, wenn

eine weiße südafrikanische Person in

Deutschland leben und arbeiten will, aber

sehr wohl, wenn es eine Schwarze ist.

Kleine Geschichte von mir, die sich in der

deutschen Botschaft in Pretoria, Südafrika

abspielte: Ich habe einen Zwillingsbruder, der

in Südafrika lebt und eine südafrikanische

Staatsbürgerschaft besitzt. Um mich besuchen

zu können, wollte er mit mir an seiner

Seite ein Visum beantragen. Der wurde auf

Übelste abgefertigt. Das Verwandtschaftsverhältnis

zu meinem Zwillingsbruder (!)

wurde nicht geglaubt. Der nächste Mensch

in der Schlange war ein weißer Südafrikaner.

In fünf Minuten hatte er das Visum. Das

ist der kleine Unterschied, der Unterschied

der Rassifizierung. Er macht sich fest an

dem Äußeren eines Menschen, an nichts

anderem. Das heißt, es gibt einen Zusammenhang

damit, wer in dieses Land oder

wer in die EU kann. Dieser Zusammenhang

ist der, dass Leute mit dunkler Hautfarbe

nicht reinkommen sollen, und das ist ein

strukturelles rassistisches Problem. Dass es

nicht so benannt wird, regt mich wahnsinnig

auf. Menschen sterben nicht nur in Hanau

an den furchtbaren Anschlag. Menschen

FOTO: JULIETTE F/UNSPLASH/CC0


werden nicht nur jeden Tag beleidigt, getreten und verarscht,

sondern sterben auch an den Grenzen dieses Kontinents, der

sich der Menschenrechte rühmt und der Moralzuchtmeister für

den Rest der Welt sein möchte. Die verrecken aufs Elendeste

und der Rest, also die, die nicht ersaufen, sondern zurückgeschickt

werden, vegetieren in libyschen Lagern als Sklav*innen

oder verdursten in der Wüste. Die Zahlen sind gigantisch und

alle diese Körper, die dort verrecken oder ins Elend gebracht

werden, die weiblichen Körper, die vergewaltigt werden, haben

eine dunkle Hautfarbe. Die Toten in und um das Mittelmeer und

Rassismus haben etwas miteinander zu tun. Der Diskurs wird

aber getrennt, denn wenn wir das auch als Rassismus benennen,

wird klar, wie unmoralisch das ist. Dann könnte sich die Festung

Europa nicht mehr selbst in den Spiegel gucken.

„Die Aufgabe ist es aufzuhören,

Schaden anzurichten.“

Das muss ich erst mal schlucken. Denn obwohl ich

mich mit dem Thema kontinuierlich auseinandersetze,

ist es sehr entsetzend, dass noch mal so auseinandergenommen

zu hören. Ich habe die Erfahrung, dass da

sehr schnell diese Schuldfrage aufkommt. Denkst du,

dass es sinnvoll ist, wenn sich weiße Menschen für

Rassismus schuldig fühlen? Kann das was verändern?

Ach Quatsch, Schuld verändert gar nichts. Schuld ist ein

bescheuertes Konzept. Es geht nicht um Schuld, sondern um

Verantwortung. Ich habe keinen Bock auf Leute, die aufgrund

von irgendeinem schlechten Gewissen seit drei Wochen wild

herumrennen und sich Antirassist*innen nennen. Ich ehre die,

die angesichts des Grauens, das jetzt wieder in den USA passiert

ist, etwas bemerken. Ich hoffe aber, dass sie weitermachen

und sich daran erinnern, dass sie eine Verantwortung haben.

Es geht um Gerechtigkeit und nicht darum, milde Gaben

zu verstreuen oder das eigene Ego aufzurüsten. Ich bin kein

besonders guter Mensch, wenn ich gerecht sein will, sondern

ich bin ein anständiger Mensch. Von daher hilft das dusselige

schlechte Gewissen nicht. Weiße Menschen haben strukturell

mehr Vorteile als andere. Deshalb haben sie ein ordentliches

Maß an Verantwortung, an das ich sie gerne und auch beruflich

erinnere. Ich möchte nicht, dass sie aus irgendeinem schlechten

Gewissen sich gegen Rassismus engagieren, sondern weil sie

sich tierisch über Ungerechtigkeit aufregen.

Vielen Dank für das Gespräch. Liegt dir sonst noch

etwas auf den Herzen?

Es gibt gerade in den Diskussionen von Menschen, die sich

auf den Weg gemacht haben, Rassismus zu verstehen, in den

englischsprachigen Kontexten ein neues Wording. Weil ich es

sehr schön finde, will ich es in den deutschsprachigen Kontext

bringen. Da heißt es nämlich: Die Aufgabe ist es aufzuhören,

Schaden anzurichten. Jetzt, heute, in dieser Sekunde damit aufhören,

Schaden anzurichten. Wenn du nicht weißt, was Schaden

ist, kannst du Leute, die von diesem Schaden seit Generationen

betroffen sind, fragen, was sie als Schaden empfinden. Der

zweite Teil ist: Wenn du das geschafft hast, kannst du anfangen,

den angerichteten Schaden wiedergutmachen. Da ist einiges zu

tun. Es ist so viel Schaden angerichtet worden und Wiedergutmachung

nötig. In Deutschland kriegen alle gleiche Panik und

sehen Dollars vor sich. Eine Wiedergutmachung ist aber etwas

anderes. Den Schaden wiedergutmachen ist eine Aufgabe, die

wir als Einzelne und als Gesellschaft haben.

Nächster Anzeigenschluss

ist der 16.7.2021

Erscheinungstermin

ist der 29.7.2021

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Tel.: (040) 24 56 64

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SZENE 19

*Interview: Martin Lorenz / Transkript: Victoria Forkel

Mehr Infos: https://tsepo-bollwinkel-empowerment.de/


20 SZENE

Eine*e Femminiello in Italien

FOTO: PUBLIC DOMAIN COMMONS.WIKIMEDIA.ORG

Geschlechtsdiverse Menschen um 1865 in damaligen Britisch-Indien

ALLER GUTEN DINGE

Geschlechtersysteme, die rein

zweigeschlechtlich denken, sind die

Ausnahme, nicht die Regel.

SIND VIELE

Trans*geschlechtlichkeit ist ein westliches

Konzept, Menschen und ihre Geschlechtsidentität

zu verstehen. Trans* zu sein

bedeutet in der weitesten Definition,

dass das bei der Geburt zugewiesene

Geschlecht nicht (mehr) mit der eigenen

Geschlechtsidentität übereinstimmt. Cis

zeigt an, dass das Geschlecht mit dem

zugeteilten Geschlecht übereinstimmt.

Das heißt, dass Trans*- und Cisgeschlechtlichkeit

nur etwas darüber aussagen, wie

man zu seinem Geschlecht gekommen ist,

aber nichts darüber, welches Geschlecht

man hat. Das heißt, wenn einer Person

kein Geschlecht zugewiesen worden ist,

kann es auch nicht trans* oder cis sein. In

verschiedenen Kulturen und Religionen

der Welt werden Geschlechter anders

verstanden als in der westlichen Welt,

sodass diese theoretisch anmutende

Spielerei Realität ist.

Zweigeschlechtlichkeit, also die Idee, dass

es nur Männer oder Frauen gibt, ist ein

westliches und vergleichsweise junges

Konzept, Menschen mit ihren Körpern

und Geschlechtern zu verstehen. Erst

während der letzten Jahrhunderte wurde

das binäre Geschlechtersystem durch

die europäische Kolonisation gewaltvoll

anderen Bevölkerungen übergestülpt.

Jeder Lebensbereich wurde kolonisiert,

so auch das Verständnis und Ausleben

des eigenen Geschlechts. Die damalige

Inca-Bevölkerung im heutigen Peru

kannte beispielsweise das Geschlecht

der Quariwarmi, die eine wichtige Rolle im

spirituellen Leben des Volkes übernahmen.

Ab dem 16. Jahrhundert wurden sie von

spanischen Kolonisatoren als homosexuelle

Männer verfolgt. Im britischen Indien

wurden geschlechtsdiverse Menschen,

die bis dato gesellschaftlich respektiert

waren, 1871 durch den Criminal Tribes Act

(dt. Gesetz der kriminellen Stämme) als

Kriminelle klassifiziert: Sie wurden unter

anderem in einem polizeilichen Register

geführt und ihr Bewegungsfreiraum wurde

eingeschränkt.

Kultur- und religionsspezifische

Geschlechter sind an eine bestimmte

Kultur oder Religion gebunden und ergeben

nur in diesem Kontext Sinn. Aus den mehr

als 50 Geschlechtern, die wir gefunden

haben, werden wir sechs von ihnen näher

vorstellen.

RELIGION

Im Judentum gibt es sechs Geschlechter,

obwohl sie vielen Jüd*innen selbst nicht

mehr bekannt sind. Sie nennen sich

Zachar, Nekeivah, Androgynos, Tumtum,

Ay’lonit und Saris. In einer westlichchristlichen

Lesart könnten sie als Mann,

Frau, zwei inter Geschlechter und zwei

trans* Geschlechter verstanden werden.

Aus diesem Grund nannte die jüdische

Kolumnistin Debora Antmann das System

binär, ohne zweigeschlechtlich zu sein.

EUROPA

In und um Neapel herum existieren

Femminielli, die Menschen mit einer


femininen Geschlechtsidentität darstellen. Traditionell

wird ihr Geschlecht mit der griechischen Mythologie in

Zusammenhang gebracht. Bis zum 20. Jahrhundert waren

sie in einer privilegierten Position, da ihre Präsenz als

glückbringend verstanden wurde.

AFRIKA

In Madagaskar leben Sekrata: Kinder, aus denen später

Männer werden würden, werden, wenn sie früh in ihrer

Kindheit als feminin wahrgenommen werden, als Sekrata

erzogen. In der Bevölkerung werden sie als etwas Besonderes

und somit Schützenswertes angesehen.

ASIEN

Im muslimischen Indonesien werden fünf verschiedene

Geschlechter anerkannt: makkunrai, oroané, calalai, calabai

und bissu. Während die ersten beiden für Mann und Frau

stehen, sind die nächsten drei Geschlechter, die wir nicht

kennen. Die Geschlechtsidentität von bissu ist mit einer

spirituellen Tätigkeit verbunden.

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SZENE 21

AUSTRALIEN UND OZEANIEN

Auf den samoanischen Inseln in Ozeanien werden neben

Frauen und Männern noch Fa’afafine und Fa’afatama anerkannt.

Bei diesen beiden Geschlechtern werden die Kinder,

wenn sie sich feminin oder maskulin verhalten, als das

jeweilige Geschlecht großgezogen. Ähnliche Geschlechter

unter anderen Namen sind auf den Inseln Hawaii und

Tonga zu finden.

SÜD- UND NORDAMERIKA

Die indigene Bevölkerung Nordamerikas kennt je nach

Bevölkerungsgruppe viele verschiedene Geschlechter, die

oft unter dem Begriff Two-Spirit subsumiert werden: Das

Diné-Volk respektiert beispielsweise neben Frauen und

Männern auch nadleehi und dilbaa. Bei den Lakota gibt es

das dritte Geschlecht winkte. *vf

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22 SZENE

INTERVIEW

UKE-Covid-Studie zu trans*:

„Wir haben gefunden,was wir befürchtet hatten“

Wir alle erleben wegen der

Corona-Pandemie im Moment

erhebliche Einschränkungen. Sind

trans* Menschen von der Pandemie

besonders betroffen? Wie wirkt sich

die Pandemie auf die Gesundheitsversorgung

von trans* Menschen

aus? Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

hat gemeinsam mit

23 Community-Organisationen eine

Studie in 26 Sprachen durchgeführt,

an der über 5.000 trans* Menschen

aus 63 Ländern teilgenommen haben.

Wir sprachen mit Studienleiter

Andreas Köhler.

Warum könnten trans* Menschen

durch die Folgen der Corona-

Pandemie besonders gefährdet sein?

Trans* Menschen sind überall auf der

Welt, nicht nur in Deutschland, einer

Vielzahl von Diskriminierungen und

Marginalisierungen ausgesetzt. Das fängt

auf der staatlich-strukturellen Ebene an, wo

beispielsweise bestimmte Gesetzgebungen

die Änderung des Personenstandes und

des Vornamens unnötig erschweren. In

den USA oder Großbritannien sehen wir

außerdem momentan beunruhigende

Gesetzesinitiativen, die es z. B. trans*

Jugendlichen zum Teil unmöglich machen

würden, Zugang zu trans*-spezifischer

medizinischer Versorgung zu bekommen.

Hinzu kommen gesellschaftliche Stigmata

und Diskriminierungsmechanismen. Abweichende

Geschlechtsidentitäten werden

von großen Teilen der Gesellschaft infrage

gestellt oder gar pathologisiert, also als

krankhaft verstanden. Infolgedessen sind

trans* Menschen auch häufiger Opfer von

verbaler und physischer Gewalt. Die Zahlen

der Human Rights Campaign zur Hasskriminalität

gegenüber trans* Menschen sind

erschreckend. All diese Diskriminierungen

und Einschränkungen können eine große

gesundheitliche Belastung darstellen. So

berichten trans* Menschen beispielsweise

häufiger von Depressionen, Angstsymptomen

und Suchterkrankungen.

Wie sehen denn die Ergebnisse aus?

Unsere Studie ergab, dass trans* Menschen

in vielerlei Hinsicht Risikofaktoren

mitbringen, die mit einer schweren COVID-

19-Infektion einhergehen können. Das sind

z. B. gesundheitliche Risikofaktoren wie

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenerkrankungen,

aber auch Risikoverhalten wie

beispielsweise Rauchen. Darüber hinaus

hat sich gezeigt, dass trans* Menschen

beispielsweise aufgrund der Angst vor

Diskriminierung durch Ärzt*innen häufiger

keine Corona-Testungen in Anspruch

nehmen. Für die Gesundheit von trans*

Menschen kann dies ein großes Problem

sein. Des Weiteren fanden wir heraus,

dass der Zugang von trans* Menschen

zur trans*-spezifischen Gesundheitsversorgung

massiv eingeschränkt war. So

wurden Operationen ohne Alternativtermin

abgesagt. Der Zugang zu Hormonen

war aus unterschiedlichen Gründen

erschwert: Endokrinolog*innen, also

„Hormonärzt*innen“, haben z. B. wegen

der Pandemie zeitweise keine Termine

mehr vergeben. Auch die psychosoziale

Begleitbehandlung konnte aufgrund

von Kontaktbeschränkungen oft nicht

adäquat stattfinden. Das hat sich zum

Glück mittlerweile jedoch etwas eingespielt

und funktioniert besser, z. B. durch die

Möglichkeit der Online-Konsultationen

von Ärzt*innen. Hinzu kommt, dass der

Zugang zu Unterstützungsangeboten der

Community wie Selbsthilfegruppen zum

Teil stark eingeschränkt war und ist.

Was hat dich persönlich an den

Ergebnissen am meisten überrascht?

Leider haben wir nahezu das herausgefunden,

was wir erwartet oder besser gesagt

befürchtet haben, nämlich dass die COVID-

19-Pandemie einen massiv negativen

Einfluss auf die trans* Menschen hat und

mit einer Vielzahl von Einschränkungen

beim Zugang zur Gesundheitsversorgung

einhergeht.

Ich habe gesehen, dass ihr in

euren Ergebnissen sehr viele

Unterkategorien erfasst habt. Also

dass ihr nicht nur trans* Frauen oder

Männer, sondern auch nicht-binäre

oder inter* Personen gefragt habt.

Zusätzlich habt ihr nach vorhandenen

Behinderungen oder chronischen


Krankheiten gefragt. Warum sind

diese Unterscheidungen wichtig?

Zuerst einmal ist es wichtig, nicht nur

zwischen dem männlichen und weiblichen

Geschlecht zu unterscheiden, weil dies

nicht die gesellschaftliche Realität abbildet.

Geschlechter, die sich dem exklusiven

Mann-Frau-Schema widersetzen, sind

eine gesellschaftliche Wirklichkeit, auch

wenn es Menschen gibt, die diese nicht

anerkennen wollen. Aus der Wissenschaft

wissen wir, dass ungefähr 20 Prozent der

Menschen, die sich als trans* identifizieren,

sich auch als nicht-binär beschreiben.

Das heißt, wenn wir dieses Fünftel der

trans* Bevölkerung erfassen wollen, dann

sollten wir ihnen auch den Raum geben,

sich in unseren Studien wiederzufinden.

Dabei ist es auch wichtig herauszufinden,

ob ein nicht-binärer Mensch andere

Anforderungen an das Gesundheitssystem

stellt als eine binär identifizierte

Person und damit möglicherweise

während der COVID-19-Pandemie spezifische

Belastungen erlebt. Dazu kommt,

dass Aspekte wie race, Behinderung

oder die Zugehörigkeit zu einer religiösen

Gruppe Faktoren sind, die das Erleben der

Einschränkungen, die mit der Corona-

Pandemie einhergehen, beeinflussen

können. Beispielsweise erlebt ein rassifizierter

trans* Mensch sehr wahrscheinlich

Mehrfachdiskriminierungen als trans*

Mensch und als Person of Colour. Um

zu klären, welche Rolle diese vielfältigen

Aspekte, die einen Menschen ausmachen,

für die Trans*-Gesundheitsversorgung

in der Corona-Pandemie spielen, ist es

wichtig, diese unterschiedlichen Aspekte

auch zu erfragen.

Ihr habt auch danach gefragt, ob

die Person Sexarbeit nachgeht.

Warum?

Das ist ein guter Punkt. Eine Kollegin aus

Belgien hat die Daten aus unserer Studie

zu Sexarbeiter*innen ausgewertet. Es ist

so, dass trans* Sexarbeiter*innen spezifische

gesellschaftliche Herausforderungen

erleben. Unsere Annahme war, dass trans*

Sexworker*innen durch die Corona-Pandemie

besonders betroffen sein könnten.

Genau dies findet sich in unseren Ergebnissen

wieder. In der Gesamtstichprobe

nehmen z. B. ca. 20 Prozent der trans*

Menschen aus Angst vor Diskriminierung

keine Corona-bezogene Gesundheitsversorgung

in Anspruch (also beispielsweise

Testungen), unter den Sexarbeiter*innen

waren es jedoch 45 Prozent. Trans*

Sexarbeiter*innen waren zu fast

30 Prozent nicht krankenversichert.

Unter trans* Sexarbeiter*innen war die

HIV-Rate zehnmal höher als unter den

nicht-sexarbeitenden trans* Personen.

Sie waren stärker von Herz-Kreislauf-

Erkrankungen, Lungenerkrankungen und

infektiologischen Erkrankungen belastet.

Diese Ergebnisse, die bereits aus früheren

wissenschaftlichen Arbeiten bekannt

sind, stellen potenzielle Risikofaktoren für

Diskriminierungserfahrungen und daraus

folgende psychische Belastungen dar, die

im Zuge der Corona-Pandemie nochmals

verstärkt werden könnten.

So richtig und wichtig, dass ihr diese

Unterkategorie aufgemacht habt!

Wie sieht die Finanzierung der Studie

aus? Wer fördert das Projekt?

Es gab leider keine spezifische Finanzierung

für dieses Projekt, sodass wir die

Studie zusätzlich zu unserer bisherigen

Forschungsarbeit durchgeführt haben.

Zur Klarstellung: Ihr habt das praktisch

ehrenamtlich gemacht?!

Für das Projekt an sich bekommen

wir kein Geld. Wir sind aber in unterschiedlichen

Anstellungsverhältnissen

beschäftigt. Timo Nieder leitet am UKE

eine Spezialambulanz, Joz Motmans ist

Professor an der Uniklinik Gent in Belgien

und ich arbeite wissenschaftlich am

UKE. Ich werde über ein Stipendium der

Claussen-Simon-Stiftung finanziert und

die anderen beiden sind an ihren Kliniken

fest angestellt. Als die Pandemie begann,

haben wir dieses Projekt kurzfristig auf

die Beine gestellt, da wir es aus den

genannten Gründen sehr wichtig fanden,

dass ein solches Projekt existiert.

*Interview: Victoria Forkel

www.transcarecovid-19.com

Anm. d. Red.: Hier verwenden der Interviewpartner race

statt ‚Rasse‘, da im englischen Sprachraum durch Wissenschaft

und Aktivismus mittlerweile eine Umdeutung

und kritische Aneignung des Begriffes stattgefunden

hat. Sowohl Race als auch ‚Rasse‘ entstanden aus

biologistischen Forschungen im Westen, die (vermeintliche)

biologische Unterschiede als Begründung

für Kolonialismus und Sklaverei nutzten. Race steht

heute für die politischen und sozialen Folgen solcher

rassistischen Einteilungen und hat sich so von seinem

biologistischen Hintergrund gelöst. Da eine derart

sozialkonstruktivistische Umdeutung des Begriffs

‚Rasse‘ im deutschsprachigen Raum nie stattgefunden

hat, verzichten wir auf dessen Verwendung.

Alle 11 Minuten 1)

verliebt sich ein

Single mit

1) Hochrechnung aus Nutzerbefragung 2016, Deutschland


24 SZENE

TIPP

Trans*fabel

Ein Sammelplatz für moderne

deutschsprachige Bücher zu

geschlechtsdiversen Themen!

Im Trans*fabel-Online-Shop

kommen trans* Menschen

als Helden, Freund*innen und

Expert*innen in handausgewählten

Büchern zu Wort.

FOTO: EIGENES BILD ZUR VERFÜGUNG GESTELLT

„Trans*fabel - Jenseits des

2-Geschlechtersystems” ist

ein junger Online-Shop für

Bücher rund um die Themen

Trans*- und Intergeschlechtlichkeit

sowie nicht-binären

Geschlechtsidentitäten, der

2017 gegründet worden ist.

Katja Anton Cornauer ist der

Mensch hinter der Seite und

selbst trans*. Cornauer wollte

eigentlich nur ein Kinderbuch

schreiben, um altersgerecht

geschlechtsdiverse Themen

zu behandeln. Doch bei der

Recherche kam ihm die Idee

die gefundenen Schätze

in einem Online-Shop zu

versammeln und anzubieten.

Alle Bücher sind von ihm

ausgesucht, so dass man sich

der Qualität der Werke sicher

sein kann. Mittlerweile werden

über 300 Bücher angeboten,

die von Kinderbüchern und

Romanen bis Sachbüchern

reichen. Zusätzlich lassen sich

im Shop auch andere Kleinigkeiten

wie Buttons, Schmuck

oder Flaggen finden.

www.transfabel.de

FOTO: ANTON KATJA CRONAUER, PRIVAT UND AUTORISIERT

Transition oder Detransition

sind immer öfter in den Medien

zu finden. Oft werden die beiden

Begriffe mit Gefühlen wie Angst und

Ekel in Verbindung gebracht. Durch

neue Gesetze, die in den USA oder

Großbritannien jüngst verabschiedet

worden sind, sollen besonders Kinder

von diesen anscheinend schlimmen

Vorgängen beschützt werden. Es entsteht

der Eindruck, dass trans* Menschen

sich freiwillig Frankensteins

Operationen unterziehen wollen. Wir

möchten darüber reden, warum keines

der Wörter Angst einflößen muss

– weder cis noch trans* Menschen.

WAS IST EINE TRANSITION?

Transition kommt vom lateinischen Verb

„transire”, was hinübergehen bedeutet.

Im Kontext von trans* und nicht-binären

Menschen wird oft von einer Transition

gesprochen. Soziale oder medizinische

Veränderungen, die mit der Annahme der

eigenen Geschlechtsidentität einhergehen,

können Teil einer Transition sein. Wie

jemand konkret seine Transition begeht,

was dazu gehört und wie lange es dauert,

ist individuell. Für manche kann die stille

eigene Akzeptanz oder das Kaufen eines

Kleides eine Transition bedeuten, für andere

die Entfernung der Brüste. Entgegen der

medialen Darstellung ist es ein sehr fließender

Prozess, der keinen richtigen Start- und

Anfangspunkt besitzt. Die Auslebung des

Geschlechts ist an die eigene Persönlichkeit

und an die eigenen Lebensumstände

gebunden. Genauso wie diese sich stetig in

Bewegung befinden, verändern sich auch

WISSEN

Angstwort und Kampfbegriff:

(DE-)TRANSITION

Eli Kappo

über das ganze Leben die Gefühle zur

eigenen Geschlechtlichkeit. Egal ob bei cis

oder trans* Menschen.

DETRANSITION IST COOL – EIGENTLICH

Detransionieren bedeuten Schritte, die eine

Person in einer Transition unternommen hat,

zu verändern, rückgängig zu machen oder

in die Zukunft zu verschieben. Ein anderer

Kleidungsstil oder Name kann ein Teil von

einer Detransition bedeuten sowie die

Absetzung von einer hormonellen Ersatztherapie.

Ein solcher Vorgang sagt erst mal

nichts über das eigene Geschlechtsempfinden

aus. Jemand kann detransionieren

und sich immer noch mit dem gleichen

Geschlecht identifizieren. Gleichfalls

kann mensch nicht ohne Weiteres auf ein

Bereuen der vorherigen Entscheidungen

geschlossen werden. Transition und Detransition

sind für das Austesten und Finden

der eigenen geschlechtlichen Bedürfnisse

essenziell und somit zwei Seiten der

gleichen Medaille.

RECLAIMING VON DETRANSITION

Eli Kappo ist eine detransionierte nichtbinäre

Aktivistin. Sie nutzt den Begriff

bewusst für ihre geschlechtliche Entwicklung,

um ihn nicht weiter von trans* Feinden

instrumentalisieren zu lassen. Diese nutzen

gerne detransionierte Menschen, um gegen

trans* Menschen zu hetzen. Für Kappo war

die Transition von einer binären Identität zu

einer anderen und schließlich die Detransition

zu einem nicht-binären Geschlecht

wichtige Schritte in ihrer Selbstannahme.

Heute empfindet sie sich als Frau, die ihre

männliche Identität behalten konnte. Auf

ihrem Blog „she’s in detransition” erzählt sie

von ihrem Leben. *vf


KINDERBUCH

Wann ist der

richtige Zeitpunkt?

SZENE 25

Das „Problem“ für viele Eltern

ist, dass sie einfach nicht

wissen, wann der richtige

Zeitpunkt denn nun ist, mit

den lieben Kleinen über Trans*- und

Homosexualität zu sprechen. Wer Glück

hat, der hat ein homosexuelles oder

trans* Familienmitglied und kann anhand

von Beispielen und ohne das Thema Sex

anzutasten, über andere Lebensformen

sprechen.

Wer diesen Segen nicht erfahren hat, dem

kann dieses Buch helfen, den Kindern zu

zeigen, dass es nicht nur Mann und Frau

gibt. Yannick-Maria Reimers Buch „Das

Geheimnis hinter dem Regenbogen“ sei ein

„buntes Mutmach-Buch für alle Regenbogen-Menschen“.

Sprich: Ein Buch, das nicht

mit Sex erschreckt, sondern aufzeigt, dass

Vielfalt zur Welt und Gesellschaft gehört,

dass nichts besser oder schlechter ist.

Erzählt wird von Maxie und anderen

elfenähnlichen Wesen, die hinter dem

Regenbogen leben – in verschiedenen

Farben und Formen, sie denken und

fühlen unterschiedlich. Doch Maxie fühlt

sich in keiner der Farben dort wohl. Also

entschließt Maxie (bisher blau), einfach mal

eine andere Farbe zu wählen: Gelb. Doch

als die Farben sich vermischen wird Maxie

grün. Das war so nicht gewollt. Und jetzt

soll noch das eigene Verhalten geändert

werden! Maxi wird traurig, denn es gibt

nichts, wo Maxie dazugehört. Gut, dass

die weise Farbe Orange einen Rat hat (im

Buch optisch an eine liebenswerte Oma

erinnernd gemalt).

Farbenfroh umgesetzt, kluge Gedanken

schnell verständlich verarbeitet. Ein Buch,

das man verschenken kann (und fast

sollte). Ein Buch, das helfen wird. *rä

www.alibri.de


26 SZENE

OTO: INSTAGRAM

WISSEN

Dani Coyle ist eine intersexuelle Aktivist*in, die auch trans* ist.

Wie wahrscheinlich

bist du trans*?

Zwei Gruppen sind besonders

oft trans* und/oder

nicht-binär: inter oder autistische

Personen. Die Wahrscheinlichkeit

unter ihnen geschlechtsdivers

zu sein, ist bei beiden Gruppen

stark erhöht. Mit mehr Forschung

können zukünftig sicherlich weitere

Überschneidungen gefunden

werden.

INTER UND TRANS* SIND ZWEI SCHUH’,

DOCH VIELE TRAGEN BEIDE

Intersexualität beschreibt den Körper und

Trans*geschlechtlichkeit das Geschlecht

eines Menschen. Dieser Unterschied

ist für viele schwer begreifbar. Wir

erinnern uns an die schändlichen

Bemerkungen von Annegret Kramp-

Karrenbauer zum Karneval 2019. Ihr

„Witz“ machte sich über die Transition

von trans* Menschen lustig, doch wurden

Kramp-Karrenbauers Kommentare

hauptsächlich unter Interfeindlichkeit in

der Öffentlichkeit diskutiert. So falsch ein

Zusammenwerfen dieser beiden Eigenschaften

ist, so wäre eine komplette

Trennung der Communitys falsch: Neun

Prozent von intersexuellen Menschen

sich auch trans*geschlechtlich. Diese

Ergebnisse wurden in einer Studie der

Berliner Charité und einem schwedischen

und niederländischen Institut gefunden,

die 2018 veröffentlicht wurde. Ein Grund

für diese hohe Zahl ist sicherlich, dass

trans* Menschen die einzige Gruppe der

Bevölkerung sind, die häufig während

einer medizinischen Transition auf

Intersexualität getestet werden. Viele

Bereiche einer Diagnose der Variante

der Geschlechtsentwicklung (Fachwort

für Intersexualität) sind mit dem bloßen

Auge nicht erkennbar. Aus diesem Grund

wissen viele Menschen nichts über ihre

Intersexualität. Ein weiterer Grund kann

in den körperlichen Entwicklungen von

inter Menschen stecken: In unserer

Gesellschaft wird das Geschlecht so sehr

mit einem bestimmten Körperform in

Verbindung gebracht, dass körperliche

Abweichungen ebenso Einfluss auf die

eigene Geschlechtlichkeit nehmen.

GESCHLECHT IST KEIN HIRNGESPINST,

DOCH ES SPIELT SICH AUCH IM KOPF AB

Autistische Menschen erleben sich und

ihre Umwelt anders als neurotypische

Menschen. Nicht verwunderlich, dass

auch ihr Verständnis von Körpern und

Geschlechtern von der Mehrheitsgesellschaft

abweicht. In einer 2020

erschienen britischen Studie wurden über

600.000 Menschen zu diesem Thema

befragt. Damit ist es bis heute die größte

Studie, die eine Überlappung zwischen

autistischen und geschlechtsdiversen

Menschen beforscht. Unter den Befragten

identifizierten sich 36 Prozent der trans*

und/oder nicht-binäre Personen als

autistisch, im Gegensatz zu 16 Prozent der

cis Männer und 14 Prozent der cis Frauen.

Die Zahlen spiegeln den Umstand wider,

dass viele Beschreibungen, was einen

Mann oder eine Frau ausmacht, nur für

neurotypische Menschen Sinn ergeben.

Autistische Personen schütteln bei

vielen vermeintlich geschlechtsbasierten

Verhalten den Kopf und finden sich häufig

in den typischen Geschlechterrollen und

-Erwartungen nicht wieder. *vf


28 NORDDEUTSCHLAND

FOTOS: SENATSPRESSESTELLE

Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte

BREMEN

Finanzsenator Dietmar Strehl

#POSITIVARBEITEN:

Grundsätzlich diskriminierungsfrei

Eine HIV-Infektion ist für das

Arbeitsleben irrelevant. Dank

entsprechender Medikamente können

Menschen mit HIV leben und arbeiten wie

alle anderen ohne HIV. Im Alltag besteht

kein Übertragungsrisiko. Menschen mit

HIV erleben dennoch Diskriminierung. Die

Stadt Bremen will das in Zukunft als Arbeitgeberin

und Dienstherrin verhindern.

Mit der am 21. April von Bürgermeister Dr.

Andreas Bovenschulte und Finanzsenator

Dietmar Strehl unterzeichneten Deklaration

#positivarbeiten verpflichtet sich die

Freie Hansestadt Bremen als Arbeitgeberin

und Dienstherrin, Diskriminierung im

Umgang mit HIV-positiven Beschäftigten

entgegenzutreten.

Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte:

„Bremen ist eine liberale, weltoffene Stadt.

Mit dieser Deklaration verpflichten sich die

Unterzeichnenden, jeglicher Diskriminierung

von HIV-positiven Beschäftigten aktiv

entgegenzutreten. Wir wollen damit das

eindeutige Zeichen setzen, dass wir Diskriminierung

jeglicher Art am Arbeitsplatz

nicht dulden werden."

Die Erklärung unterstreicht die Achtung

der Rechte der HIV-positiven Beschäftigten

(z. B. der Verzicht auf HIV-Tests im

Rahmen von betrieblichen medizinischen

Untersuchungen) sowie das Bekenntnis

zur gelebten Vielfalt und Inklusion. Zur

Zeichnung der Deklaration kamen Arno

Oevermann und Christiane Kaufmann

vom Rat&Tat–Zentrum für queeres Leben

ins Rathaus. Oevermann zeigte sich

erfreut über das Engagement der Freien

Hansestadt Bremen:

„Neben der Freude über die gleiche

Haltung und Einstellung unserem

Anliegen gegenüber ist die Signalwirkung

von besonderer Bedeutung. Viele

Arbeitgeber*innen orientieren sich an

dem guten Beispiel der Stadt Bremen.

Das wird dem Anliegen guttun und ist

ein toller Push für unser Projekt," so

Oevermann. Das Zentrum mit Sitz in

Bremen ist als Mitglied der Deutschen

Aidshilfe Beratungs- und Anlaufstelle

bei allen Fragen zur sexuellen und

geschlechtlichen Orientierung, bei HIV

und AIDS.

Die Unterzeichnung der Deklaration

soll Betroffenen helfen, sich in ihrem

Arbeitsalltag angstfreier zu bewegen.

Zudem soll sie die Sichtbarkeit und

Offenheit gegenüber dem Thema HIV

und den Menschen mit HIV unterstützen:

Auch in Corona-Zeiten ist HIV

gegenwärtig.

HINTERGRUND

#positivarbeiten wurde in Deutschland

von der Deutschen Aidshilfe gemeinsam

mit IBM und SAP entwickelt. Aktuell gibt

es über 120 Unterzeichnende in Deutschland.

Die Freie Hansestadt Bremen ist

nach Radio Bremen und der Bremer

Straßenbahn die dritte Arbeitgeberin in

Bremen, die die Deklaration unterzeichnet

hat.

www.aidshilfe.de/positivarbeiten


AUSSTELLUNG

Sexualitäten und

Geschlechter im Spiegel

GESUNDHEIT

IN HAMBURG

Vielfalt wird im Alltag oft auf die jeweilige Herkunft (Migrationshintergrund)

oder körperliche Merkmale reduziert.

Die Vielfalt der Haltungen zu Sexualität und Geschlecht

wird dagegen oft thematisiert, wenn Kulturkreise gegeneinander

abgrenzt werden sollen. Im „Westen“ erst in den

letzten 150 Jahren entstandene Begriffe und Identitäten

werden zum Fortschritt erklärt, alternative Vorstellungen

werden nicht wahrgenommen oder vermittelt.

Mit der Ausstellung „Sexualitäten und Geschlechter

im Spiegel“ (SuGiS) will der Verein Niedersächsischer

Bildungsinitiativen (VNB) hier ansetzen. SuGiS zeigt, wie

unterschiedlich und auch wertschätzend der Umgang mit

der Vielfalt bei Sexualität und Geschlecht in anderen Kulturkreisen

war und ist. Gezeigt wird aber auch der Wandel

in unserer eigenen Kultur, in der bis vor fünfzig Jahren Sex

unter Männern vom Staatsanwalt verfolgt wurde.

Die Ausstellung umfasst 11 Rollups, die jeweils auf der

Vorder- und Rückseite eine Facette der sexuellen und

geschlechtlichen Vielfalt aufgreifen. Insgesamt werden

so 21 Themen und ein Einleitungstext präsentiert. Dazu

gibt es weitere Themen und vertiefende Informationen,

die auf der Internetseite des Projekts aufrufbar sind. Dazu

bietet der VNB an, zur Ausstellung passende Vorträge und

Führungen zu organisieren. In Planung ist derzeit, die Ausstellung

u.a. Wolfsburg, Göttingen, Oldenburg, Osnabrück

und Hannover zu zeigen. Zielgruppe sind sowohl Menschen

mit Migrationserfahrung als auch die queere Community.

Gefördert werden sollen Neugier auf und Wertschätzung

der Vielfalt, die bei uns zum Alltag geworden ist - sei es

durch die Zuwanderung von Menschen oder die Entfaltung

der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt in den letzten

30 Jahren.

Initiator und Träger des Projekts „SuGiS - Sexualitäten

und Geschlechter im Spiegel“ ist der VNB, eine vom

Land Niedersachsen finanzierte Landeseinrichtung der

Erwachsenenbildung, die in ganz Niedersachsen zusammen

mit 200 Mitgliedern und Kooperationspartner*innen in der

politischen Bildung tätig ist. Ermöglicht wurde das Projekt

durch eine Förderung des Nds. Sozialministeriums, die auch

die Kosten für Präsentationen bis Februar 2022 abdeckt.

Wer die Ausstellung in seine Stadt holen will, wendet sich

an sugis@vnb.de. Weitere Informationen gibt es unter

www.sugis.info.

ÄRZTE

■ Andreas Britz,

Dr. med.Praxisklinik am Rothenbaum,

Privatpraxis, Haut- und Geschlechtskrankheiten,

Lasertherapie, Kosm.-

ästhet. Behandlungen, Allergologie,

Heimhuder Str. 38, & 44809812,

www.dr-britz.de

■ Dammtorpraxis, Dr. Linnig,

Allgemeinmedizin, Reise-Medizin,

HIV, Hepatitis, STD,

Damnmtorstr. 27, & 35715638,

www.dammtorpraxis.de

■ ICH Grindel,

Dr. med. Thomas Buhk,

Dr. med. Stefan Fenske,

Prof. Dr. med. Hans-Jürgen

Stellbrink,

All gemeine und Innere Medizin,

HIV, Hepatitis, STD,

Grindelallee 35, & 4132 420,

www.ich-hamburg.de

■ ICH Stadtmitte,

Dr. med. Axel Adam,

Stefan Hansen,

PD Dr. med. Christian Hofmann,

Dr. med. Michael Sabranski,

Dr. med. Carl Knud Schewe,

Allgemeine und Innere Medizin,

HIV, Hepatitis, STD,

Glockengießerwall 1,

& 28004200,

www.ich-hamburg.de

■ Medizinisches Versorgungszentrum

Hamburg,

Prof. Andreas Plettenberg,

Dr. Albrecht Stoehr,

Prof. Jörg Petersen,

Dr. Peter Buggisch,

HIV, Hepatitis, STD, Infek tiologie,

Lohmühlenstr. 5, Am AK St. Georg

Haus L, & 28407600,

www.ifi-medizin.de

■ Urologische Praxis

Oliver Neubauer,

Facharzt für Urologie,

Herthastr. 12, & 64224500,

www.urologe-hamburg.com

■ Schwerpunktpraxis

Nerven-Psyche,

Dr. med. Hans Ramm,

Dr. med. Andrea Oster,

Neurologie, Psychiatrie,

Psychotherapie,

Kreuzweg 7, & 245464,

www.nervenarzt-hh.de

■ Ambulanzzentrum des UKE,

Bereich Infektiologie:

Dr. med. Olaf Degen,

Dr. med. Anja Hüfner,

Dr. med. Sabine Jordan,

Dr. med. Guido Schäfer,

Dr. med. Stefan Schmiedel,

Fachärzte für Innere Medizin, Allgemeinmedizin,

HIV, Hepatitis, STD,

Spezialsprechstunde PrEP, Impfungen,

Infektions- & Tropenkrankheiten,

Universitätsklinikum Hamburg-

Eppendorf, Martinistr. 52,

& 741052831, infektionen@uke.de,

www.uke-infektionen.de

ukeprep.de

■ Josef Stuch,Dr.

All gemeinmedizin,

Ida-Ehre-Platz 12, & 37510060

■ Dr. med. Martin Eichenlaub,

Facharzt für Neurologie,

Nervenheilkunde, Psychiatrie u.

Psychotherapie,

Elbgaustr. 112., & 841084,

www.nervenarzt-eichenlaub.de

■ Dr. Roy Heller,

Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin,

Suchtmedizin, Psychotherapie,

HIV, Hepatitis, STD, Juliusstr. 36,

& 4300890

■ Dr. med. Welf Prager & Partner,

Dermatologie,

ästhetische Dermatologie,

operative Dermatologie,

Allergologie, Phlebologie,

Lasermedizin,

Hemmingstedter Weg 168,

& 040 81 991 991

www.derma-hamburg.de

ZAHNÄRZTE

■ Martin Schuh,

Eidelstedter Platz 6a, & 5709385,

www.zahnaerzte-eidelstedt.de

■ Zahnarztpraxis Rainer Witt,

Holsteiner Chausee 267, & 55505962,

www.zahnaerzte-schnelsen.de

COACHING

■ Markus Bundschuh,

Gestalttherapeut-Psychotherapie

(HPG), Müggenkampstr. 29,

& (0179) 5270700,

www.therapie.de/psychotherapie/

bundschuh

■ Ruthemann Coaching,

Heilpraktiker f. Psychotherapie,

Professor-Brix-Weg 4, & 31171492,

www.ruthemann-coaching.de

■ Dipl Päd. Volkmar Suhr,

Systemischer Berater&Therapuet

DSGF, Neue Str. 24, 22942 Bargteheide,

& 04532-2045500,

www.familyspirits.de

APOTHEKEN

■ Apotheke am H auptbahnhof,

Steindamm 2, Ecke Adenauerallee,

& 241241

■ Apotheke Zum Ritter St. Georg,

Lange Reihe 39, & 245044

■ Epes Apotheke,

Lange Reihe 58, & 245664

■ Engel Apotheke,

Steindamm 32, 20099 Hamburg,

& 245350, info@engelapotheke.net

PSYCHOTHERAPIE

■ Markus Bundschuh,

Gestalttherapeut-Psychotherapie

(HPG), Müggenkampstr. 29,

& (0179) 5270700,

www.therapie .de/psychotherapie/

bundschuh

■ Christian Perro, Dr. med.,

Psychiatrie, Eppendorfer Landstr. 37,

& 464554

■ Kurt Strobeck,

Dr. med. Facharzt Psychiatrie und

Psychotherapie, Ferdinandstr. 35,

& 32527214

Buchen Sie ihren Listing Eintrag:

christian.fischer@blu.fm


30 ADVERTORIAL

NACHGEFRAGT

Axel Springer queerseite_

Wir trafen Nele Fritsche von

Diversity & Inclusion und

Simon Durchholz, Philipp Kaste und

Daniel Schulmann von queerseite_

im Axel-Springer-Neubau in Berlin.

Simon, wie bist du zum Netzwerk Axel

Springer queerseite_ gekommen?

Simon: Ich hatte bei meinem früheren

Arbeitgeber mit einer homophoben Kollegin

zu tun. Danach habe ich mir überlegt,

was mir zukünftig im Arbeitsumfeld wichtig

ist. Ein Punkt für mich ist: klare Stellung

zu LGBT+. Dabei bin ich auf queerseite_

gestoßen. Da war mir schnell klar, dass ich

zu Axel Springer will. Und so bin ich seit

meinem ersten Arbeitstag nun Mitglied der

queerseite_.

Wie war dein Start dort, wie engagierst

du dich bei der queerseite_?

Simon: Generell gibt es große Akzeptanz

im Konzern. Viele Kolleg*innen im Haus

unterstützen die queerseite_. Nach außen

ist es noch etwas anders. Wir haben auf

unseren Social Media Channels auch mit

Homophobie zu kämpfen. Aber größtenteils

ist das Feedback positiv.

Was sind die Ziele des Netzwerkes?

Daniel: Zum einen geht es um Vernetzung,

intern im Konzern, aber auch extern

mit anderen Netzwerken. Wir bieten

Plattformen zum Treffen und Austausch

an. Zum anderen wollen wir füreinander

über Firmengrenzen hinaus einstehen und

aufklären.

Nele, was machst du genau bei

Diversity & Inclusion?

Nele: Ich bin zuständig für alle 16.000

Mitarbeiter*innen über alle Länder und

Brands hinweg. Wir arbeiten an der Vision,

dass alle Menschen zu uns kommen

können und alle Mitarbeitenden sich

wohlfühlen, sich zugehörig fühlen und

ihr ganzes Potenzial am Arbeitsplatz

entfalten können.

Es ist dir also ein persönliches

Anliegen, dich in dieser Abteilung

zu engagieren?

Nele: Ja, absolut. Ich bin einhundertprozentig

davon überzeugt, dass alle

Menschen ein Recht darauf haben, sie

selbst zu sein. Es ist schön, das aktiv

mitzugestalten. Ich verstehe mich als

LGBTIQ+ Supporter!HR Philipp: Ja, seit

dem ersten Tag, also seit Gründung

2014. Wir und das Anliegen wurden mit

offenen Armen empfangen. Unser CEO

Mathias Döpfner unterstützt die Gruppe

persönlich.

Ihr seid auch in Ländern mit weniger

LGBTIQ*-freundlichen Gesetzen

aktiv. Wie unterstützt ihr die queeren

Netzwerke in diesen Ländern?

Philipp: Wir sind als Medien- und Tech-

Unternehmen beispielsweise auch in

Polen und Brasilien aktiv. Gemeinsam mit

dem Diversity & Inclusion Team machen

wir unsere Kolleg*innen weltweit sichtbar,

aktivieren Gruppen vor Ort und planen mit

ihnen verschiedene Aktionen wie die Safe

Zones.

Was versteht ihr unter den Safe

Zones?

Philipp: Es bedeutet, alle Menschen

bekommen Schutz – rechtlich und inhaltlich.

Ein Aufkleber am Eingang ist ein erster

Hinweis. Global wollen wir alle bei Axel

Springer aufrufen, unsere Büros für queere

Menschen zu Safe Zones zu erklären.

Wie geht ihr mit Hass von außen,

auch von Kunden, um?

Philipp: Im Geschäftskundenbereich erleben

wir wenig Hass. Im Customer-Bereich

bilden wir mit unseren Medien die gesamte

Gesellschaft jedoch ab. Hier lösen wir

den Umgang mit Hass intern durch einen

„News-Crawler“, der Nachrichten nach

queeren Gesichtspunkten durchsucht

und analysiert. Die Redaktionen sind

queer-offen.

Was sind deine Wünsche für die

Zukunft?

Simon: Dass wir als Netzwerk nicht mehr

gebraucht werden. Wenn irgendwann alle

Mitarbeiter*innen in den Unternehmen

gleichgestellt sind.

*Interview: Ulli Pridat


DHL hisst

Regenbogen

31

Bunt, groß und außergewöhnlich

ist der Auftrag, der bei der

Wuppertaler Firma Fahnen

Herold hereingeflattert ist: 750

Regenbogenfahnen sind in den Produktionshallen

angefertigt worden. Auftraggeber

war der Logistikkonzern Deutsche Post

DHL, der damit ein starkes Zeichen rund um

die Themen Diversität und Akzeptanz setzt.

Die Regenbogenfahnen wurden am

17. Mai, dem „Internationalen Tag gegen

Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie“ an

zahlreichen Betriebsstätten der Deutschen

Post in der gesamten Bundesrepublik

gehisst. „Wir setzen ein starkes Zeichen

für Diversität. Mir ist kein Unternehmen in

Deutschland bekannt, das je eine Diversity-

Aktion in solch einer Größenordnung

umgesetzt hat“, sagt Initiator Peter

Steinhoff von der Deutschen Post.

Das unternehmensinterne Netzwerk RainbowNet

wurde 2008 für LGBTI-Beschäftigte

gegründet. Es soll dazu beitragen, dass

alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung und

geschlechtlichen Identität unbelastet ihrer

Arbeit nachgehen können, um einen Raum

für Erfahrungsaustausch zu ermöglichen.

Das Netzwerk, das nicht nur in Europa,

sondern auch in Asien, Südamerika und den

USA Mitglieder hat, unterstützt Beschäftigte

und Führungskräfte in beratender Funktion.

Der Konzern vereint Menschen aus einer

Vielzahl von Kulturkreisen und kulturellen

Hintergründen. Dies spiegelt sich auch im

Motto des Diversity-Managements wider:

„Alle verschieden - gemeinsam erfolgreich“.

Der Konzern bekennt sich darüber hinaus

ausdrücklich zu Chancengleichheit, was

im Verhaltenskodex sowie in der konzerneigenen

Erklärung zu Vielfalt und Inklusion

hervorgehoben wird. Deutsche Post DHL

Group feiert seit mehreren Jahren im Monat

Mai eine gesamte Diversity Week.

www.dpdhl.com

SOLPURI BOXX

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ab 6.297,- €

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32 DESIGN

SPORTSWEAR

FIT IM PARK

Ob und wann du wieder im Fitnessstudio

oder im Sportkurs trainieren kannst, ist

derzeit schwer einzuschätzen. Also raus in

die Sonne und an die frische Luft!

Ob Laufen, Slacklining oder Stand-Up-

Paddling – die aktuelle Tchibo Kollek-tion

bietet hochwertige Funktions-kleidung und

praktisches Equipment für deinen Outdoor-

Sport. Und um noch mehr zu bewegen, werden

dafür nachhaltige Materialien genutzt.

www.tchibo.de

NATURHOLZ aus Österreich

TEAM 7 hat sich Nachhaltigkeit und Verantwortung auf die

Fahnen geschrieben. Die Liebe zum Holz und zum Design beginnt

daher mit nachhaltig bewirtschaftetem Wald in Europa

und der sorgfältigen und achtsamen Verarbeitung.

SIDEKICK

Du suchst einen vielseitig

verwendbaren Beistelltisch,

der dich von Raum zu Raum

begleitet? Dann hol dir den den

Allrounder sidekick! Ob flach

stehend als Couchtisch oder

aufrecht stehend als Beistelltisch

im Wohnzimmer oder als

Frühstückstablett am Sonntag

Morgen neben deinem Bett.

sidekick Beistelltisch

EIN STARKES STÜCK HOLZ

Diese Naturholzblöcke in

geräucherter Eiche machen

die lebendige Kraft des Holzes

spürbar. Sie können in allen

Wohnbereichen eingesetzt werden:

ob als Hocker, Couchtisch,

Ablage oder Nachttisch.

www.team7.de/team7-stores

Naturholzblöcke

HYGIENE IM AUTO

Wer sich ein Auto mietet, achtet gerade in Corona-Zeiten

besonders auf Hygiene und Sauberkeit. Der Autovermieter

Starcar versiegelt den Innenraum seiner Fahrzeuge jetzt

mit einem neuen Schutzmittel und bewirkt damit bakterien-

und virenfreie Kontaktflächen. Die Fahrzeuge werden

wie gewohnt innengereinigt, das zusätzliche Desinfizieren

ist aber nicht mehr notwendig. Der spezielle Schutz "That's

it" von der Nation-E Innovation soll ungefähr ein Jahr

wirken. Im Ergebnis werden mit dem Mittel Viren wie die

Erreger von Covid-19, Influenza, Masern oder Hepatitis

sowie auch einige Bakterien

unschädlich gemacht. Das

Schutzmittel wird mit

einem Putztuch aufgetragen.

So wird durch

wenige Handgriffe der

Fahrzeuginnenraum

geschützt.


Gemeinsam produzieren wir

Gartenträume.

livbe.de

draußen chillen, draußen schlafen

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34 DESIGN

TIPP

WAND UND RAUM

italienisch

DIE WÄSCHEREI hat unsere Nachfrage nach

ein paar schönen Tipps fürs Neueinrichten der

Wohn- und Schlafzimmer mit einem tollen

Italien-Paket beantwortet, das wir euch hier

aufschnüren:

Ein bisschen Wanddesign? Gerne: Die neuen

Motive von Wallpepper aus Italien versprühen

traumhaften mediterranen Flair und bringen

Wohn- oder Schlafzimmer auf ein neues

Designlevel. Die Tapeten sind absolute Premiumqualität

und werden auf die jeweilige Wand

zentimetergenau angepasst/maßgeschneidert.

Dazu passen vor allem Möbelstücke in dezenten

Farben oder Naturtönen, wie das Sofa Etienne

in Cremeweiß, die gemütliche Liegewiese

mit hohem Eleganz-Faktor. Der Bettrahmen

Kuno stammt ebenfalls aus Italien, allerdings

aus der Designerschmiede von Presotto. Die

Kopfpolster sind wundervoll weich und machen

das Kopfkissen beinahe überflüssig. Wenn

schon nicht Urlaub in Italien, dann wenigstens

italienisches Design zuhause! Ab in die City Nord

zur Wäscherei!

www.die-waescherei.de


DESIGN

BESTES AUS

ARCHITEKTUR

JAPAN

Der japanische Architekt Shigeru Ban ist ein Paradebeispiel dafür, dass man niemals

nur an die unmittelbaren Tätigkeiten des eigenen Berufs gebunden ist. Er hat bewiesen:

Der Blick über den professionellen Tellerrand kann die Karriere sogar vorantreiben.

Seine humanitären Bemühungen auf internationalem Boden haben ihm nicht nur den Ruf

eines engagierten Philanthropen eingebracht, sondern auch den wichtigsten Preis der

Architekturszene.

Shigeru Ban wurde 1957 in Tokio geboren. Er studierte am

Southern California Institute of Architecture in Los Angeles

und später an der Cooper Union’s School of Architecture in

New York. Das Resultat sowohl japanischer als auch westlicher

Stileinflüsse lässt sich heute gut an Bans Arbeiten ablesen.

Bekannt wurde er aber vor allem durch den Einsatz von Papier

und Pappe als Baumaterial. Papier wird aus nachwachsenden

Rohstoffen hergestellt und kann vollständig recycelt werden.

Ban wird deshalb auch zu den Vertretern des sogenannten

Ökologischen Bauens gezählt. So schuf er 2013 eine Kirche

in Neuseeland, die teilweise aus Karton besteht, und zeichnete

bereits im Jahr 2000 für den japanischen Pavillon auf

der Expo in Hannover verantwortlich, für das vornehmlich

die Ban-typischen Pappröhren verwendet wurden. Seit 1995

setzt er sich außerdem für die Katastrophenhilfe ein, für die er

ein eigenes Netzwerk von Architekten (Voluntary Architects’

Network) gründete. Mithilfe von simplen Materialien wie Papier,

Pappe, Bierkästen oder Sandsäcken hat Ban Notunterkünfte

in der ganzen Welt geschaffen, die schnell auf- und abzubauen

sind. Für seine Aktivitäten als Architekt und Wohltäter erhielt

er 2014 den Pritzker Architecture Prize. Der TASCHEN Verlag

hat Shigeru Ban ein Sammelwerk seiner wichtigsten Arbeiten

gewidmet. *fj

www.shigerubanarchitects.com / www.taschen.com

„Shigeru Ban. Das vollständige Werk 1985 – 2015“, Philip

Jodidio, Hardcover, 22,8 x 28,9 cm, 2,90 kg, 568 Seiten


ARCHITEKTUR

THE YORK

DESIGN

HOUSE

Architekt Alex Nerovnya erlangte dank dem ungewöhnlichen Einsatz von Glas und dem Spiel mit

geometrischen Formen Bekanntheit über die Grenzen seiner russischen Heimat hinaus. Das im letzten Jahr

von ihm konzipierte York House verbindet seine beiden großen Stärken auf ungewöhnliche Weise.

Eigentlich könnte das York

House ein ganz normales

Ferienhaus in irgendeinem

Tannenwald in Nordosteuropa

oder Kanada sein, wenn es nicht

mit einer Front daherkäme, die

anmutet, als hätte jemand das

Gebäude in der Mitte schlichtweg

durchgeschnitten und die

andere Hälfte weggeworfen.

Darüber hinaus hat Alex Nerovnya

die klassische Form des

Spitzdachhauses leicht entrückt

und die links und rechts vom

Mittelblock verlaufenden Seiten

einige Meter versetzt angelegt.

Das ausgefallene Design soll

zum einen die Interaktion mit

der natürlichen Umgebung

intensivieren und das Gefühl

aufkommen lassen, Innen- und

Außenbereiche würden verschwimmen.

Zum anderen will

Nerovnyas Entwurf einer bereits

unzähligen Male verwendeten

Form einen modernen Anstrich

verleihen. Insgesamt sollen auf

200 Quadratmetern bis zu acht

Personen in vier Schlafzimmern

Platz haben. *fj

en.alex-nerovnya.com


REISE

SPARTACUS CRUISE

die einzige deutschsprachige

Gay Cruise

Endlich ist es so weit: Die zweite Gay

Cruise der blu Mediengruppe sticht in See.

Termin ist der 8. bis 18. Februar 2022 mit

einer Route vor der afrikanischen Küste.

Bei deutlich über 20 Grad im Schatten und

acht Sonnenstunden pro Tag kann man

den Winter hinter sich lassen und Wärme

tanken. Gleichzeitig sind es angenehme

Temperaturen für Ausflüge. Die Cruise wird

ohne Social-Distancing-Maßnahmen und

Maskenpflicht durchgeführt. Daher muss

jeder Gast spätestens 14 Tage vor der

Abfahrt eine abgeschlossene Covid-Impfung

oder Immunitätsbescheinigung nachweisen.

Diese Kreuzfahrt kombiniert die unbekannteren

Inseln der Kanaren mit der

Blumeninsel Madeira. Damit auch Raum

für Erkundungen ohne Zeitdruck bleibt,

ist an mehreren Orten ein Overnight

eingeplant. Geplant ist folgende Route:

Neben diesen Anläufen sind zahlreiche

Highlights, die dem späteren Ausflugsprogramm

entnommen werden können,

geplant. Dazu gehört die kleine Schwester

Madeiras, Porto Santo, wo man wandern

oder edlen Wein verkosten kann.

Zurück auf den Kanaren lernt man

Lanzarotes imposante Vulkanlandschaft

kennen und besucht auch La Graciosa,

die kleinste der Kanarischen Inseln. Auf

Gomera warten in den Nebeln des hoch

gelegenen Nationalparks Garajonay dichte

Wälder aus Farnen und moosbedeckten

Bäumen. La Palma bietet neben engen

Gassen aus Kopfsteinpflaster und

Häusern mit Holzbalkonen in der

Hafenstadt Santa Cruz auch spektakuläre

Sehenswürdigkeiten der Natur wie den

Wasserfall der Farben oder den Idafe Rock

/ Roque Idafe im Nationalpark Caldera

de Taburiente. Wer seine Reise nicht

8. – 18. FEBRUAR 2022

8.2. LAS PALMAS (GRAN CANARIA) Abfahrt um 18 Uhr

9.2. FUNCHAL (MADEIRA) Ankunft um 15 Uhr (Overnight)

10.2. Abfahrt Funchal um 20 Uhr

11.2. At sea

12.2. ARRECIFE (LANZAROTE) Ankunft um 7 Uhr (Overnight)

13.2. Abfahrt Arrecife um 20 Uhr

14.2. At sea

15.2. SANTA CRUZ (LA PALMA) von 8 bis 24 Uhr

16.2. LA GOMERA von 8 bis 21 Uhr

17.2. LAS PALMAS (GRAN CANARIA) Ankunft um 8 Uhr (Overnight)

18.2. Ausschiffung


REISE

verlängern will, hat am vorletzten Tag die

Gelegenheit, die Dünen von Maspalomas

auf Gran Canaria zu besuchen. Zwei Seetage

an Bord der Vasco da Gama schaffen

eine echte Kreuzfahrtatmosphäre, die wir

mit Poolspielen verbringen werden.

DAS BORDPROGRAMM

Zusätzlich zum Bordprogramm des

Schiffes werden auf der Spartacus Cruise

wieder zahlreiche Künstler der Community

auftreten. Auf der Agenda stehen

außerdem zahlreiche Themenpartys am

Pool wie „White“, „Wig“ oder „Kinky“, bei

denen der Kreativität bei den Outfits

keine Grenzen gesetzt sind. Auch die

beliebten Pool Games mit der Wahl

zum „Mr. Cruise“ werden auf keinen Fall

fehlen. Alle Gäste sind natürlich wieder

herzlich eingeladen, ihre Türen individuell

zu gestalten, wobei die verrückteste Idee

prämiert wird. Die Details zu Künstlern

und DJs werden im Laufe der kommenden

Wochen ständig ergänzt. Zu den

Künstlern gehört Joel von Lerber, der die

Tea Times mit seinem Harfenprogramm

von Klassik bis Pop begleiten wird. Für

den fetten Sound sorgt u. a. Star-DJ Chris

Bekker.

SINGLE MATCH

Kreuzfahrten sind leider keine optimale

Reiseform für Singles, da sich die Preise

nach Kabinen in Zweierbelegung berechnen.

Das heißt, für die alleinige Nutzung

einer Kabine ist immer der Preis einer

Zweierbelegung zu entrichten. Auf der

letzten Cruise wurden erfolgreich

vierzig Singles verknüpft, die sich eine

Kabine geteilt haben. Auch dieses Mal

wird es in der Buchungsmaske wieder die

Option „Singlematch“ geben. Wer sich

dafür entscheidet, wird kontaktiert und

kann im persönlichen Gespräch ein paar

Anhaltspunkte zu seinem gewünschten

Match geben. Gesichtspunkte a) ähnliches

Alter, b) ähnlicher Tagesrhythmus

(Morgenmensch versus Nachtmensch),

c) gleiche Kabinenkategorie. Selbstverständlich

können sich auch Zweiermatches

melden, die sich bereits gefunden

haben. Dafür gibt es auf Romeo einen

Club unter dem Namen „mCruise“.

Mehr Infos unter

www.spartacus.cruises


GESELLSCHAFT

ZWEI

REPORT

GESICHTER

EINER STADT

LANGE WIRKTE KRAKAU WIE EIN SICHERER HAFEN DER LGBTIQ*-COMMUNITY IM

FEINDSELIG GESTIMMTEN POLEN. DOCH SEIT DIESEM JAHR MEHREN SICH AUCH

HIER DIE ANGRIFFE AUF DIE QUEERE GEMEINSCHAFT. NUN REGT SICH WIDERSTAND

GEGEN DEN HASS.

Eigentlich wollte Han nur seinen Freund

besuchen. Doch als er eine Straße

überquerte, bemerkte er, dass ein

parkender Autofahrer ihn beobachtete.

„Als er mich gesehen hat, hat er den Motor

angelassen – und ist in mich reingefahren“,

erzählt Han, friemelt eine Zigarette aus der

Packung und steckt sie sich zwischen die

Lippen. Er verharrt einen Moment, bevor

er sie anzündet, und blickt in die Ferne, als

sehe er dort die Situation, in der er vor ein

paar Monaten am Stadtrand von Krakau

war. „Der Typ machte das Fenster runter

und starrte mich böse an. Er sagte nichts,

bis ich weggerannt war.“

Das Auto hatte nicht genug Geschwindigkeit,

um Han ernsthaft zu verletzen.

Trotzdem ging an diesem Tag etwas

kaputt: Krakau ist Hans Heimat, hier

wurde er geboren. Und doch fühlt sich der

21-Jährige nun nicht mehr sicher, denn

Han möchte sich nicht festlegen, welchem

Geschlecht er sich zugehörig und von welchem

er sich angezogen fühlt. Bisexuell,

non-binär, queer – es gibt viele Labels, mit

denen er sich identifiziert. Jedes einzelne

ist gefährlich, wenn es die falsche Person

in der falschen Ecke Krakaus zur falschen

Uhrzeit erkennt – oder sich von seinen

auffälligen roten Haaren provoziert fühlt.

Es sind die zwei Seiten einer Stadt,

die damit ringt, wer sie ist und wer

sie sein möchte. Im Zentrum der

800.000-Einwohner-Metropole gibt es

queere Klubs, Regenbogenfahnen hängen

in den Fenstern. An den Stadträndern, wo

die Häuserblocks abgelöst werden von

Einfamilienhäusern mit Garten und Garage,

ist es für Han, als sei er in einer anderen

Stadt. „Wenn ich an die Stadtgrenze gehe,

bekomme ich seltsame Blicke, ich werde

angeschrien, auf mich wird gezeigt und

ich werde verfolgt“, sagt Han, setzt die

Zigarette an und nimmt einen tiefen Zug.

Krakau bei Nacht ist ein anderer Ort als

Krakau bei Tag. Sich bloß nicht von der

Gruppe trennen, nicht alleine unterwegs

sein, nicht auffallen: Han kennt die Regeln,

er erinnert seine Freunde daran, wenn sie

abends gemeinsam unterwegs sind. Muss

Han alleine los, hat er inzwischen eine

Dose Pfefferspray bei sich, „nur für den

Fall“. Außerdem trainiert er seit einigen

Monaten Selbstverteidigung, „weil viele

meiner Freunde angegriffen worden sind,

vor allem in letzter Zeit.“

MIT MESSERN GEJAGT

In diesem Jahr häufen sich die Angriffe auf

queere Menschen, beobachtet Mateusz

Gędźba. „Die Gewalt von Bürger*innen

gegenüber der LGBTIQ*-Community

wächst. Im Sommer hatten wir einige

besorgniserregende Vorfälle, bei denen

queere Menschen vor Schwulenbars

wie dem „Club Papuga“ mit Messern

gejagt wurden“, sagt er. Mateusz ist

Vorstandsvorsitzender von DOM EQ, einer

Föderation, die verschiedenste LGBTIQ*-

Gruppierungen zusammengebracht hat.

Gemeinsam versuchen sie, die Situation

für queere Menschen in Krakau zu verbessern.

Im vergangenen Jahr eröffnete

das Team ein Gemeinschaftszentrum: ein

altes Einfamilienhaus, mit Glitzer am Zaun

und Regenbogenlichterkette, umfunktioniert

zum queeren Hauptquartier Krakaus.

Hier treffen sich verschiedene Selbsthilfegruppen,

der queere Chor probt in den

Räumen und Literaturliebhaber*innen

organisieren Gedichtlesungen. Für

Mateusz mit am wichtigsten sind die

Beratungsangebote. Sowohl rechtlich

als auch psychologisch können sich


GESELLSCHAFT

LGBTIQ*-Personen hier helfen lassen:

„Wenn jemand selbstmordgefährdet ist,

lädst du ihn nicht auf ein Bier in einer Bar

ein“, sagt der 36-Jährige. Deshalb sei es so

wichtig gewesen, einen sicheren Ort wie

das DOM EQ zu schaffen.

Wie es scheint, ist DOM EQ gerade

zur rechten Zeit entstanden. Mateusz

erschreckt, wie schnell Szenen wie vor der

Schwulenbar Papuga Alltag geworden sind,

wie selbstverständlich die LGBTIQ*-Community

zur Zielscheibe wahlloser Angriffe.

Für ihn ist klar, wer dafür verantwortlich

ist: „Der Ton wird von oben angegeben,

das ist mehr als deutlich. Wenn hohe

Offizielle im Staat nach Aggression rufen,

sie rechtfertigen, die Täter*innen schützen,

dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis alle

anderen glauben, das sei normal.“

Auch Han hat bemerkt, wie sich die

Stimmung in Krakau seit der letzten Wahl

verändert hat. Trotzdem geht er weiter

feiern, Freunde besuchen, versteckt seine

roten Haare nicht unter der Kapuze: „Ich

will nicht so viel Angst haben, dass ich

nicht mehr mein Leben leben kann.“

„MEINE KIRCHE

HASST MICH“

Nicht nur die Politik ist Auslöser für die

wachsende LGBTIQ*-Feindlichkeit. Auch

die katholische Kirche ist eine treibende

Kraft des Hasses. Von einer „Regenbogenpest“

sprach der Erzbischof von Krakau,

Marek Jedraszewski, im Sommer 2019.

Nicht sein erster Kommentar gegen

die queere Community und nicht sein

letzter. Regelmäßig stellt er die LGBTIQ*-

Gemeinschaft als eine Ideologie des

„Wenn ich an die

Stadtgrenze gehe,

bekomme ich seltsame

Blicke, ich werde angeschrien,

auf mich wird

gezeigt und ich werde

verfolgt“

HAN


GESELLSCHAFT

KAROL

„Hier in Polen scheinen die Kirche und die LGBTIQ*-

Community das Gegenteil voneinander zu sein

und klar getrennt. Wir als queere Christ*innen wollen

zeigen, dass es möglich ist, diese beiden Identitäten

miteinander zu verbinden.“

Westens dar, die bekämpft werden müsse.

Was der Erzbischof sagt, hat Gewicht:

Etwa neunzig Prozent der polnischen

Bevölkerung sind katholisch.

„Meine Kirche hasst mich.“ So fasst Karol

Szymonik die aktuelle Situation zusammen.

Der 26-Jährige ist gläubiger Christ

– und schwul. „Ich habe zu Gott gebetet,

dass er das von mir nimmt“, sagt er, wenn

er an seine Schulzeit zurückdenkt. Karol

stammt aus der kleinen Stadt Oświęcim.

Dort kannte er keinen anderen schwulen

Mann. Sich zuzugestehen, homosexuell

zu sein, fiel ihm schwer. „Erst als ich für

mein Studium nach Krakau kam, habe

ich mich freier gefühlt.“ Dort hörte er das

erste Mal von anderen schwulen Männern

und vertraute sich seinen engsten

Freund*innen an. Nach und nach erzählte

er es mehr Kommiliton*innen, ehe er sich

schließlich outete. Am schwersten war

es für Karol, gegenüber seinen streng

katholischen Eltern offen zu sein: „Sie

waren sehr überrascht, sie haben nicht

einmal in Erwägung gezogen, dass so

etwas möglich ist.“ An das Gespräch

mit seiner Mutter kann er sich noch gut

erinnern, obwohl es inzwischen vier Jahre

her ist: „Als ich mich geoutet habe, hat

meine Mutter heftig geweint. Das war

eine schwierige Unterhaltung zwischen

uns. Danach wusste ich nicht, ob das für

sie in Ordnung ist oder nicht.“ Seit dem

Gespräch wird über Karols Sexualität in

der Familie geschwiegen.

Karol arbeitet inzwischen in Krakau als

Tierarzt. „Während meines Studiums

habe ich darüber nachgedacht, aufs

Land zu ziehen und Kühe zu behandeln.

Aber dann habe ich mir gedacht: Ich

bin schwul – so kann ich nicht leben.

Auf dem Land ist es viel gefährlicher für

mich.“ In Krakau fühlt sich Karol wohl,

zumindest bis zu einem gewissen Grad:

„Es gibt Orte, an denen wir uns gemeinsam

treffen können, es gibt Kirchen, in

die wir gehen können, wo wir akzeptiert

sind – es ist sehr viel angenehmer als

in den Dörfern. Aber trotzdem gibt es

überall Zeichen von Homophobie.“ Es

fällt Karol schwer, diese Ambivalenz in

Worte zu fassen. Auf der einen Seite eine

Freiheit, von der er in seinem Heimatdorf

nicht einmal träumen konnte, auf der

anderen Seite die ständige Angst, doch

auf die falschen Leute zu treffen. „Wenn

ich nachts mit meinen Freunden unterwegs

bin, habe ich diesen Gedanken im

Kopf, dass die Leute erkennen, dass wir

schwul sind, und uns deswegen zusammenschlagen

werden.“ Vieles könnte

besser sein in Krakau, „aber es ist gerade

nun einmal, was es ist“, sagt Karol..

ABLENKEN VOM MISS-

BRAUCHSSKANDAL

Karol redet ruhig und konzentriert, nur

wenn er über die Ungerechtigkeiten in

seinem Land spricht, wird er merklich

aufgebrachter, seine Stimme wird

schneller, er fängt an zu gestikulieren.

„Hier in Polen scheinen die Kirche und

die LGBTIQ*-Community das Gegenteil

voneinander zu sein und klar getrennt.“

Um das zu ändern, engagiert sich Karol in

der Initiative „Glaube und Regenbogen“.

„Wir als queere Christ*innen wollen

zeigen, dass es möglich ist, diese beiden

Identitäten miteinander zu verbinden.“

Mit der aktuellen Kirchenführung fällt das

nicht immer leicht, aber Karol hat einen

Weg für sich gefunden: „Die Bischöfe in

Polen sind die eine Sache, mein Glaube ist

etwas anderes. Ich höre nicht so genau hin,

worüber die Priester in ihrer Predigt reden

– denn das tut mir manchmal weh.“

Dass sich die Rhetorik der katholischen

Kirche in den vergangenen Monaten noch

einmal verschärft hat, ist für Karol kein

Zufall. Ähnlich wie in Deutschland erschütterte

auch in Polen ein Missbrauchsskandal


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Foto: istockphoto.com/vladorlov

Seit 20 Jahren in der Community bekannt unter ebab


GESELLSCHAFT

der katholischen Kirche die Öffentlichkeit.

Die Enthüllungsdokumentation „Aber

sag es nur keinem“ zeigte 2019, wie

Kirchenoberste missbrauchende Priester

schützten und sie beispielsweise in andere

Gemeinden versetzten, anstatt sie anzuzeigen.

Seitdem kämpft die katholische

Kirche mit Ablenkungsmanövern gegen

den Imageschaden. Weil mehr Jungen

als Mädchen vergewaltigt wurden, müsse

es einen Zusammenhang zwischen

Pädophilie und Homosexualität geben,

so die haltlose Behauptung der Kirche.

„Sie musste irgendetwas angreifen, und

wir als Minderheit in Polen sind leicht zu

fassen“, sagt Karol. Besonders für Teenager

sieht Karol die Rhetorik der Kirche als

große Gefahr. „Jugendliche, die gerade

erst verstehen, wer sie sind, die glauben,

vielleicht bin ich schwul ... Wenn sie Worte

wie ,Regenbogenpest‘ hören, was halten

die dann von sich selbst? Ich mag mir das

gar nicht vorstellen.“

100 „LGBTIQ*-

FREIE“ ZONEN

Besonders schwierig ist die Situation

für queere Jugendliche im ländlichen

Polen, sind sich Karol und Han einig. Dort

gibt es keine Klubs, keine Treffs, keine

Gemeinschaft wie in Krakau. „Wenn du

auf dem Land als LGBTIQ*-Person keine

Unterstützung deiner Familie hast, bist

du ziemlich allein“, sagt Han. Und auch

der Druck der Politik auf die LGBTIQ*-

Gemeinschaft ist stärker. Seit 2019 riefen

sich mehr als 100 Kommunen als frei von

„LGBTIQ*-Ideologie“ aus. „Du kannst doch

nicht einfach ein Gebiet für LGBTIQ*-frei

erklären und dann gibt es dort keine

queeren Menschen mehr“, sagt Han. „Die

Politiker erreichen nur eines: Sie verletzen

diese Personen.“ Rechtlich gesehen

haben die Deklarationen keine Wirkung

– bislang. Aber DOM-EQ-Leiter Mateusz

Gędźba blickt mit Bangen nach Russland,

wo zunächst ähnliche Erklärungen

verabschiedet und dann in einem zweiten

Schritt auch die Gesetze angepasst wurden.

„Wir befinden uns an einem ziemlich

traurigen und empfindlichen Moment,

der für ganz Europa gefährlich ist. Wenn

wir sagen: ‚Ach Werte, was bedeuten die

schon?‘, dann wird das einen Moment

lang funktionieren. Aber bald werden

die Probleme auch in anderen Ländern

losgehen. Es ist wie Krebs: Wenn wir nicht

früh genug dagegen kämpfen, wird es sich

weiter ausbreiten.“

Fünf der 16 polnischen Woiwodschaften,

vergleichbar mit den deutschen Bundesländern,

verabschiedeten inzwischen

eine entsprechende Deklaration. Darunter

auch Kleinpolen, die Woiwodschaft, in der

Krakau liegt. Doch Krakau machte bei der

homophoben Kampagne nicht mit. Stadtpräsident

Jacek Majchrowski betonte in

einem offenen Brief, dass Krakau eine

tolerante und weltoffene Stadt sei: „Alle,

darunter auch Vertreter der LGBTIQ*-

Community, sind hier willkommen. Wir alle

sollen uns in Krakau wie zu Hause fühlen“,

schrieb er darin.

Mateusz sieht Statements wie dieses

kritisch. Er glaubt, hinter der Erklärung

stecke vor allem politisches Kalkül. 2023

sollen in Krakau die Europaspiele stattfinden.

Das bedeutet viel Aufmerksamkeit

und viel Geld für die Stadt. Ausländische

Politiker*innen kritisierten den

Austragungsort aufgrund der Erklärung

Kleinpolens zur LGBTIQ*-freien Zone

und forderten, die Spiele nicht in Krakau

zu veranstalten: „Krakau profitiert enorm

von den europäischen Geldern. Wenn das

Geld zurückgehalten wird, steckt Krakau

in großen Schwierigkeiten. Das haben die

Politiker*innen recht schnell verstanden“,

sagt Mateusz. Mit Blick auf das Ausland

unterstütze man die Community, gehe

„Wenn hohe Offizielle Aggression

rechtfertigen, die Täter*-

innen schützen, dann ist es

nur eine Frage der Zeit,

bis alle anderen glauben,

das sei normal.“

MATEUSZ


GESELLSCHAFT

es aber um echte Bekenntnisse, etwa

finanzielle Unterstützung, halte sich die

Stadt zurück.

Gleichzeitig gehen kirchliche rechtskonservative

Gruppen immer aggressiver vor,

um auch die etwas besser geschützten

LGBTIQ*-Gemeinschaften in den Städten

anzugreifen – wie in Krakau. Regelmäßig

fahren Trucks mit großen Lautsprechern

durch die Städte des Landes und rufen

homophobe Propaganda aus. Damit

schüren sie in den Großstädten den Hass

und verunsichern queere Menschen. Vor

einigen Monaten hatte Han endgültig

genug davon. Mit ein paar anderen

queeren Aktivist*innen Krakaus schloss

er sich zur Bewegung „Der Regenbogen

ist nicht tot“ zusammen. Gemeinsam

starteten sie eine Petition, in der sie den

Stadtrat aufforderten, das Fahren dieser

Trucks durch Krakau zu verbieten. Dafür

sammelten sie Unterschriften, organisierten

Veranstaltungen und versuchten,

bei der Bevölkerung ein Gegengewicht

zur Homophobie von Politik, Kirche und

Medien zu sein: „Das Wichtigste ist, Aufmerksamkeit

zu erzeugen, die Bevölkerung

aufzuklären und ein Bewusstsein für

die LGBTIQ*-Community zu erzeugen“,

sagt Han. Große Erfolgschancen rechnet

sich DOM-EQ-Sprecher Mateusz Gędźba

für die Petition nicht aus: „Um ehrlich zu

sein, bin ich mir ziemlich sicher, dass der

Stadtrat den Bürgervorschlag ablehnen

wird – aber trotzdem hat es etwas Gutes:

Es wird eine Diskussion angestoßen, die

die Stadt weiter unter Druck setzen wird,

etwas gegen die Trucks zu unternehmen.“

OPTIMISTISCH

TROTZ ALLEM

Je stärker der Gegenwind, desto selbstbewusster

wird die Gemeinschaft, meint

Gędźba: „Vor ein paar Jahren waren wir

eine soziale Gruppe hier in Krakau. Aber wir

hatten kein Bewusstsein für unsere verschiedenen

Herkünfte, keine gemeinsame

Identität. Mein Eindruck ist, dass Initiativen

wie DOM EQ dabei geholfen haben, so

eine gemeinsame Identität entstehen zu

lassen.“

Wenn Han an die Zukunft denkt, ist er

vorsichtig optimistisch: „Es gibt viele junge

Personen, die aufstehen, ihre Stimme

erheben und Pride-Proteste organisieren

– mit 15 Jahren. Ich bin so stolz, dass sie

vieles in die eigene Hand nehmen und viel

motivierter sind, als ich es in ihrem Alter

war.“ Und nicht nur die Jugend macht ihm

Hoffnung für die Zukunft: „Ich sehe auch

Menschen über vierzig, die sich auf einmal

outen und sagen: ‚Ich habe genug von dem

Scheiß‘, die protestieren gehen und sich

zeigen.“

Auch Karol will sich nicht länger verstecken:

„Ich versuche, sehr extrovertiert zu

sein. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir

uns als LGBTIQ*-Personen den anderen

Menschen zeigen. Wenn sie uns nicht

sehen, dann denken sie auch nicht über

uns nach.“ Seit diesem Jahr bietet er in

Krakau Tanzkurse für gleichgeschlechtliche

Paare an und ist damit polenweit ein Vorreiter.

„Bei heterosexuellen Paaren ist klar,

der Mann führt. Aber wie ist das bei gleichgeschlechtlichen

Paaren? Das bringe ich

ihnen bei“, sagt er. Bis Karol coronabedingt

pausieren musste, betreute er zwölf Paare.

Das Feedback sei sehr positiv, berichtet

Karol. Wenn er von seinen Tanzkursen

spricht, erzählt er mit einer Freude, dass

man meinen könnte, als schwuler Christ

Tanzkurse für gleichgeschlechtliche Paare

im streng katholischen Krakau anzubieten,

sei das Normalste auf der Welt. Und

vielleicht ist es das bald auch. Aktuell ist in

Polen einiges in Bewegung. Die Menschen

gehen auf die Straße, um gegen das

Abtreibungsverbot zu demonstrieren, und

damit auch gegen die Regierung, gegen

die Einmischung der katholischen Kirche

in die Politik, für Menschenrechte. Karol

macht eine kurze Pause, als müsse er über

die nächsten Worte gut nachdenken. Als er

sich entschieden hat, bringt er diese Sätze

mit einer Überzeugung zum Ausdruck,

dass man ihm am liebsten glauben will:

„In den Köpfen der Leute passiert etwas –

langsam, aber es gibt eine Veränderung.“

*Astrid Benölken und Tobias Zuttmann

„In den Köpfen der Leute

passiert etwas – langsam,

aber es gibt eine

Veränderung.“


ADVERTORIAL

GABLE

das LGBTQ+ Netzwerk von P&G

Bei Procter & Gamble sind

Chancengleichheit, Vielfalt und

Inklusion zentrale Elemente der

Unternehmenskultur.

Procter & Gamble hat es sich zur Aufgabe

gemacht, gleiche und inklusive Arbeitsplätze

für alle Mitarbeitenden zu schaffen.

Dies schließt ganz ausdrücklich auch die

Gruppe der LGBTQ+-Gemeinschaft ein.

Die Unternehmenspolitik von Procter

& Gamble wendet sich sehr klar gegen

Diskriminierungen aufgrund sexueller Orientierung

oder geschlechtlicher Identität.

GABLE (GAY, ALLY, BISEXUAL,

LESBIAN AND TRANSGENDER

EMPLOYEES)

1996 gründete Procter & Gamble

das Netzwerk GABLE für LGBTQ+-

Mitarbeitende und ihre Unterstützer in

den USA. Im Jahr 2014 startete GABLE

in Deutschland und ist seither schnell

gewachsen. Inzwischen ist das Netzwerk

an zehn Standorten in der DACH-

Region, darunter acht in Deutschland,

aktiv – sowohl in städtischen als auch in

ländlichen Gegenden. Ziel des Netzwerks

ist es, eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen,

in der LGBTQ+-Menschen sich vollständig

und ohne Einschränkungen in ihre Arbeit

einbringen können. Ein wesentlicher

Faktor, um dieses Ziel zu erreichen, sind

Unterstützer – sogenannte „Allies“. Sie

sind ausgebildet, Verantwortung für ihr

eigenes Verhalten zu übernehmen und

einzugreifen, wenn sie in der Sprache oder

dem Verhalten anderer eine Diskriminierung

gegen LGBTQ+-Menschen erkennen.

Die Unterstützer erhalten außerdem

Sticker mit denen sie ihre Hilfe für die

LGBTQ+- Gemeinschaft visuell deutlich

machen können.

#WEAREUNIQUEANDUNITED

Jedes Jahr im März feiert Procter

& Gamble seine Equality&Inclusion

Woche – in diesem Jahr wurde daraus

ein ganzer Monat unter dem Motto

#WeAreUniqueAndUnited. Mitarbeitende

aus verschiedenen Netzwerken haben

Workshops, Vorträge und Mitmach-

Aktionen organisiert mit dem Ziel, das

Bewusstsein für Vielfalt zu fördern, für

dieses Thema weiter zu sensibilisieren und

Bias zu reduzieren. GABLE nutzt die Veranstaltungen,

um Informationen zu seinen

Zielen im Unternehmen vorzustellen, um

neue Mitglieder zu finden und als Allies

auszubilden.

CAN’T CANCEL PRIDE

Zusätzlich unterstützt das Netzwerk

Procter & Gamble dabei, sich auch extern

und weltweit gegen die Diskriminierung

der LGBTQ+-Community einzusetzen,

beispielsweise durch die Organisation

der Hilfsaktion „Can’t Cancel Pride“

mit iHeartRadio während der Corona-

Pandemie zur Unterstützung betroffener

LGBTQ+-Gemeinschaften oder durch

verschiedene LGBTQ-zentrischen

Marketing-Kampagnen.

AUSZEICHNUNGEN

Im letzten Jahr war das GABLE-Netzwerk

von P&G einer der Prout At Work-Award-

Gewinner in der Kategorie GLOBAL

LEADER NETWORK. Diese Würdigung

bezog sich auf diverse Aktivitäten, wie

der Produktion einer Film-Trilogie zur

Unternehmensgeschichte im Hinblick

auf LGBTQ+ -Inklusion. Die Filme,

die in Zusammenarbeit mit CNN

entstanden sind, erhielten internationale

Auszeichnungen.

Vor wenigen Wochen hatte P&G einen

weiteren Grund zum Feiern: Das Unternehmen

wurde mit dem PRIDE Champion

Arbeitgebersiegel in Silber ausgezeichnet.

Dieses wird von der UHLALA Group vergeben

und steht für eine offene, inklusive

und wertschätzende Unternehmens- oder

Organisationskultur. Das Siegel ist nicht

käuflich und kann nur durch Nachweise

und eine Prüfung in Form des PRIDE

Audits erhalten werden.

P&G freut sich über viele Bewerber:innen

aus der LGBTQ+-Community. Offene

Stellenangebote sind hier zu finden:

www.pgcareers.com


INTERVIEW

Die Sprache der Liebe entschlüsselt?

GESELLSCHAFT

FOTO: ELITE CONTACTS

Anita G. und ihr Sohn Philipp Schwarzenberg

bezeichnen sich mit einer

angemessenen Portion Stolz als Partnervermittler.

Wir trafen Philipp in Berlin und

hatten viele Fragen – denn er weitete das

Geschäft mit der Partnerschaftsvermittlung

auf die Liebe Homo-sexueller aus.

Wie kam es denn dazu?

Meine ersten Berührungspunkte mit homosexuellen

Paaren waren glückliche Männer in

langfristige Partnerschaften. Für mich war es

damals klar, dass da einfach ein Mann einen

Mann liebt und mit ihm zusammen ist. Erst

heute ist mir vollumfänglich bewusst, dass

das Thema offene Homosexualität damals

nicht so einfach war. In den 2010ern wurde

Liebe zu einem Konsumgut und unzählige

Menschen machten sich auf die Suche

nach einem kurzfristigen (gemeinsamen)

Endorphinrausch. Zurückzuführen ist

dies auf unsere Gesellschaft selbst, dem

menschlichen Streben nach Perfektion

sowie dem Trend der Digitalisierung durch

Smartphones und Apps. Das was wir dort

finden, ist aber etwas völlig anderes als das

sich in einer langfristigen Partnerschaft

entwickelnde Wir-Gefühl. Ich betone das

immer wieder: Egal, wer wen liebt, der

Kern des Ganzen und damit auch unserer

Arbeit, ist die Sprache der Liebe. Die hat mit

Hormonen und Geschlechtern erst einmal

nichts zu tun.

Es gibt moderne Formen von

Partnerschaften jenseits dem

„Standardmodell“ Zweierbeziehung.

Kommen auch zum Beispiel polyamore

Menschen zu euch?

Es ist spannend, wie sich der Mensch in

dieser Beziehung weiterentwickelt hat.

Das Gros unserer Klientel ist jedoch nach

wie vor auf der Suche nach einer stabilen

Zweierbeziehung mit den klassischen

Parametern Treue, Wir-Gefühl, Vertrauen

und emotionaler Identifikation.

Bemerkenswert finde ich, dass sich die

Wünsche und Ziele von heterosexuellen

und homosexuellen

Singles

in vielerlei Hinsicht

gleichen. Was mich auch noch

mal zu dem Satz bringt, dass es nicht

darum geht, wer wen liebt, sondern um

die Sprache der Liebe.

*Interview: Christian Knuth

www.elite-contacts.com

Das ganze Interview findet ihr auf

www.männer.media.

#Diversity

#Inventingforlove

MSD.PARTNER.HIV.

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Auf MSD Gesundheit finden Sie Informationen zu HIV: http://m.msd.de/rwQ

MSD Sharp & Dohme GmbH, Lindenplatz 1, 85540 Haar

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GESUNDHEIT

Welchen Einfluss eine

HIV-Therapie im Alltag hat

Mit HIV kann man heutzutage ein

gesundes und langes Leben führen.

Dennoch kann die Diagnose ein einschneidendes

Ereignis sein und viele neue

Fragen aufwerfen. Eine davon ist, wie man

die HIV-Therapie nun bestmöglich in den

eigenen Alltag integrieren kann.

Das erste, woran viele dabei denken, sind

klassische Einnahmevorschriften – wie

zum Beispiel die Einnahme zum Essen. Bei

der modernen HIV-Therapie sind solche

strikten Vorschriften mittlerweile eher

Ausnahme als Regel.

HERAUSFORDERUNG ARBEITSALLTAG

Es gibt aber auch einige Punkte, die

man vielleicht nicht gleich im Kopf hat.

Beispielsweise spielt der Arbeitsrhythmus

eine wichtige Rolle: Wenn man geregelte

Arbeitszeiten hat, lässt sich die täglich

etwa zeitgleiche Einnahme der Medikamente

deutlich leichter planen, als wenn

man in einem Beruf mit Schichtdienst

arbeitet. Selbst mit geregelten Arbeitszeiten

kann es zu Herausforderungen im

Arbeitsalltag kommen, etwa wenn eine

Dienstreise mit Zeitverschiebung ansteht.

DIE FREIZEIT GESTALTEN

Auf die Wahl der Freizeitaktivitäten hat

eine HIV-Therapie so gut wie keinen

Einfluss. Dennoch gibt es für HIV-positive

Menschen einige Punkte zu beachten,

um eine erfolgreiche Behandlung

sicherzustellen: Natürlich sollte man bei

Ausflügen immer daran denken, seine

Medikamente mit einzupacken, falls

es mal später wird. Aber auch Hobby-

Sportler*innen sollten bei der Einnahme

von Nahrungsergänzungsmitteln, um zum

Beispiel den Muskelaufbau zu fördern,

im Hinterkopf behalten: Nahrungsergänzungsmittel

können Wechselwirkungen

mit HIV-Medikamenten verursachen, die

im ungünstigsten Fall den Therapieerfolg

gefährden.

MUSS MAN SICH ALSO MIT HIV

EINSCHRÄNKEN?

Natürlich ist das jetzt nicht gleich ein

Grund, um mit dem Sport aufhören. Man

sollte allerdings mit seinem/r Ärzt*in

darüber sprechen, was es zu beachten

gilt. Das ist wichtig, um auch mit HIV-

Therapie den bisherigen Lebensrhythmus

beibehalten und vor allem die eigene

Lebensqualität hochhalten zu können.

Nur weil man HIV-positiv ist, muss sich

also nicht gleich der gesamte Alltag

ändern.

VERÄNDERUNGEN IM BLICK BEHALTEN

Viele Dinge im Alltag verändern sich ja

meist nicht über Nacht, sondern Stück für

Stück. Diese oft unbemerkten Veränderungen

sollte man im Blick behalten, denn

sie können zu Reibungspunkten mit der

HIV-Therapie führen. Gerade in solchen

Situationen ist ein offenes Gespräch mit

dem/r Ärzt*in sehr wichtig.

HIV ZU EINEM KLEINEN TEIL IM

LEBEN MACHEN

Es kann manchmal herausfordernd

sein, die eigene HIV-Therapie in den

persönlichen Tagesablauf zu integrieren.

Manchmal liegt das auch daran, dass die

momentan eingenommenen Medikamente

plötzlich nicht mehr in den eigenen

Alltag passen.

Es gibt für jeden Lebensrhythmus eine

geeignete individuelle Therapie. Wenn man

diese gemeinsam mit seinem/r Ärzt*in für

sich findet, wird HIV dadurch zu einem

kleineren Teil im eigenen Leben.

Weitere Infos sowie persönliche Geschichten

zum Leben mit HIV findest

du unter www.livlife.de.

Unterstützt von ViiV Healthcare


SCHLAU ZU HIV

Warum du an der IAS

teilnehmen solltest

Der alle zwei Jahre stattfindende

Kongress der IAS (International

AIDS Society) ist die weltgrößte

offene wissenschaftliche Konferenz

zum Thema HIV/Aids.

Ihre 11. Ausgabe findet vom

18. bis 21. Juli in Berlin und

erstmals auch online statt. Also

ist die Konferenz sogar aus dem

heimischen Wohnzimmer heraus

bequem zu besuchen.

DAS PROGRAMM

Fast alle namhaften Akteure

im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit

werden die

neuesten Erkenntnisse vorstellen

und die dringendsten aktuellen

Themen erörtern. Aufgeteilt in

vier Themenblöcke.

Im Block Grundlagenforschung

wird unter anderem über

den Stand der Forschung zur

Regulierung und Heilung der HIV-

Reservoirs diskutiert. Außerdem

soll über den Einfluss von

Geschlecht und Bevölkerungsdiversität

auf die Bekämpfung des

Virus gesprochen werden.

Der Block klinische Wissenschaft

hält eine für unsere Kernleserschaft

sicher besonders interessanten

Thematik vor: HIV und

sexuell übertragbare Krankheiten.

Es geht aber ausnahmsweise

nicht um die Aufforderung,

regelmäßig zum Test zu gehen,

sondern um das Ausloten von

Möglichkeiten, aus der HIV-

Therapie für den Umgang mit

Antibiotika-Resistenzbildungen

zu lernen.

Mehr Informationen zum

Programm und zur Anmeldung

unter ias2021.org!


GESUNDHEIT

Die Konferenz der

„International

Aids Society“,

kurz IAS ist

neben der

„Conference

on Retroviruses

and Opportunistic

Infections“

(CROI) die wichtigste

internationale Konferenz zu

HIV, bei der Wissenschaftler

aus aller Welt Ergebnisse aus

Grundlagenforschung und

Studien präsentieren.

Siegfried Schwarze, Aids-Aktivist

und Vorstand Projekt Information e.V.

(www.projektinfo.de)


# HIVersity

Weil wir mehr sind als nur HIV-positiv: LiVLife.de

NP-DE-HVU-ADVT-200009-11/2020


FILM

INTERVIEW

JAKOB M.

ERWA:

„Da habe ich

viel von mir und

meiner Welt

hineingepackt“

Panische Menschen, dichter Rauch

und ein Meer an Einsatzkräften:

Was für ein Unglück hat sich am Münchner

Hauptbahnhof ereignet? Diesem Ereignis

geht die brandneue Coming-of-Age-Serie

„Katakomben“ auf den Grund.

Jakob, „Katakomben“ ist Ihr erstes

Projekt seit dem Kinofilm „Die Mitte

der Welt“. Wie kam es dazu?

Nach der Verleihung des Bayerischen

Filmpreises, den ich für „Die Mitte der

Welt“ bekommen habe, haben mich die

Jungs von der Produktionsfirma NEUE-

SUPER angesprochen. Die mochten, was

ich da auf der Bühne gesagt hatte, und

fragten, ob wir nicht einmal zusammen

ein Projekt entwickeln wollen. So habe ich

dann angefangen, mit Florian Kamhuber

an einer Geschichte über moderne Liebe

zu arbeiten, an der wir auch nach wie

vor noch dran sind. Doch irgendwann

kam uns „Katakomben“ in die Quere,

weil Flo einen Zeitungsartikel über das

Tunnelsystem unter München gelesen

hatte und mich fragte, ob wir nicht schnell

mal eine Geschichte dazu pitchen wollen.

Wir haben uns dann drei Tage in Berlin

eingeschlossen, einen groben Plot überlegt

und die Figuren entwickelt.

Entstanden ist jetzt eine spannende

Mischung aus Coming-of-Age-

Geschichte und Sozialdrama mit

Gruselthriller-Elementen ...

Geschichten über junge Menschen finde

ich immer cool, denn über die sogenannte

First-Life-Krise kann man einfach spannende

Sachen erzählen. Aber besonders

interessant an unserer Idee fand ich

tatsächlich die soziale Komponente. Das

ist schließlich schon eine perfide Sache.

München ist einerseits diese schicke,

cleane, teure Stadt, in der es immer heißt,

dass es kein Drogenproblem gibt. Doch

andererseits gibt es eben diese Katakomben,

wo plötzlich eine Grauzone und

all die Leute akzeptiert werden, die oben

das saubere Stadtbild zerstören würden.

Also Drogensüchtige, Obdachlose oder

Sexarbeiter*innen. Das fand ich heftig. Und

ich wollte unbedingt einen Weg finden,

diese beiden Welten aufeinanderknallen zu

lassen und – bei aller Unterhaltung – etwas

Kritisches über unsere Gesellschaft zu

erzählen.

War von Anfang an klar, dass Sie

die Geschichte als Serie erzählen

wollen?

Ja, das war tatsächlich von Anfang an klar.

Da habe ich nie drüber nachgedacht, ob

man auch einen Film draus hätte machen

können. Mich hat diese Art des Erzählens

eh interessiert, und ich habe auch andere

serielle Ideen, an denen ich arbeite. Schon

damals in Österreich habe ich nach meinem

ersten Film „Heile Welt“ eine kleine

Miniserie gemacht: „Tschuschen:Power“.

Ich finde das Format einfach toll, weil man

viel länger und kleinteiliger erzählen und

sich tiefer auf Figuren einlassen kann.

Aber nicht zu früh freuen – ich werde auch

weiterhin Filme drehen. Hahaha.

Gibt es unter den vielen Figuren der

Serie welche, die Ihnen besonders

am Herzen liegen?

Janosch, der queere Influencer und beste

Freund der Protagonistin, ist auf jeden Fall

eine Figur, die mir sehr wichtig und nah

ist. Da habe ich viel von mir und meiner

Welt hineingepackt. Und an ihm Fragen

von Zugehörigkeit, Entwurzelung und dem

Zwiespalt, zwischen mehreren Welten

zu stehen, durchgespielt, die man nicht

zuletzt als queerer Mensch kennt. Mir war

sehr wichtig, dass er nicht nur schillernd

ist, sondern auch eine echte Breite und

Tiefe bekommt. Aus der eher oberflächlichen

Figur am Anfang wird schließlich

eine ganz traurige, feine und suchende.

Mit der ActOut-Aktion und

dem zugehörigen Manifest

hatten kürzlich 185 deutsche

Schauspieler*innen ihr öffentliches

Coming-out. Wie fanden Sie das?

Das war ein ganz großer, längst

überfälliger Schritt. Ich habe darüber

mit vielen Kolleg*innen vor und hinter

der Kamera in den letzten Jahren immer


FILM

FOTOS: JOYN / NEUESUPER / A. UHLIG

wieder gesprochen und mir genau so

etwas gewünscht. Eine breite Front,

die daherkommt und sagt: „Wir sind

hier und wir sind überall.“ Dass man die

Privatleben eines Schauspielers oder einer

Schauspielerin von ihrer Arbeit trennen

kann, sollte eigentlich kein Problem

sein. Aber auch das ist noch lange nicht

selbstverständlich, deswegen muss man

immer mal wieder solche großen Bretter

fahren.

Es geht in diesem Kontext immer

auch darum, wen man für welche

Rollen besetzt. In der neuen Serie

„It’s a Sin“ zum Beispiel werden alle

queeren Rollen auch von queeren

Schauspielern gespielt ...

Ich würde das jedes Mal als Einzelfall

behandeln. Ich arbeite seit Langem an

einem Film mit dem Titel „Valeska“ über

eine trans* Frau, den ich unter anderem

deswegen noch nicht umgesetzt habe,

weil ich einfach noch keine perfekte

trans* Schauspielerin für die sehr herausfordernde

Rolle gefunden habe. Da muss

man sich dann die Frage stellen, ob ein

Projekt gar nicht stattfinden soll, bloß weil

man nicht „politisch korrekt“ besetzen

kann? Ist das sinnvoll, wenn es gleichzeitig

bedeutet, dass die entsprechenden

Themen womöglich gar nicht auf der

Leinwand behandelt werden? Man kann

außerdem nicht unsere Situation hier im

deutschsprachigen Raum mit den USA

oder so vergleichen.

In welcher Hinsicht?

Englischsprachige Produktionen wie

gerade „It’s a Sin“ haben es natürlich

wesentlich leichter, alle queeren Rollen

mit queeren Schauspieler*innen zu

besetzen. Schon einfach, weil der Markt

riesig ist – und es gleichzeitig sehr viel

früher Role Models gab und sich das

Selbstbewusstsein entwickelt hat,

dass man queer sein und trotzdem als

Schauspieler*in zum Star werden kann. So

weit sind wir noch nicht. Weswegen eben

ActOut auch so ein Meilenstein war. Allein

um zu zeigen, was für einen großen Pool

an queeren Schauspieler*innen es gibt,

der einem zur Verfügung steht, wenn man

bewusst so besetzen und die Community

stärken will.

Kurz noch ein Blick zurück zu

Ihrem Film „Die Mitte der Welt“,

der in diesem Jahr seinen fünften

Geburtstag feiert. Wie haben Sie es

damals erlebt, dass der ganz große

Erfolg an der Kinokasse ausblieb?

Angesichts der wahnsinnig langen

Entstehungsgeschichte und der Tatsache,

dass die Vorlage ein Bestseller war, war ich

im ersten Moment schon sehr ernüchtert

und enttäuscht, dass die Sache nicht so

aufgegangen ist, wie ich es erhofft hatte.

Und war auch eifersüchtig auf Filme

wie „Love, Simon“ und „Call Me By Your

Name“, die als queere Filme groß und

aufwendig vermarktet wurden und stolz

riesige Banner gedruckt bekamen. Während

bei unserem Film die Thematik eher

versteckt wurde und man nicht wusste,

wie man damit umgehen soll. Das hat

mich schon sehr frustriert. Aber natürlich

freue ich mich auch, dass der Film dann

trotzdem noch ein kleines Eigenleben

entwickelt hat. Es gibt sehr viele Leute,

die den Film kennen, und denen er – so

wie mir damals das Buch – irgendwie

geholfen hat.

Würde er heute besser laufen?

Vielleicht. Gerade durch Streamer wie

Netflix ist die queere Community im

Moment ja wieder stärker vertreten in

den Geschichten, die erzählt werden.

Dadurch kommen diese Themen und

Figuren in der Gesellschaft stärker an

und werden selbstverständlicher. Und die

Leute wollen das scheinbar sehen. Es ist

traurig, das sagen zu müssen, aber wenn

ich im Moment einen queeren Stoff hätte,

würde ich damit vermutlich eher bei

einem Streamingdienst anklopfen als bei

einem Kinoverleih.

*Interview: Patrick Heidmann


FILM

FOTO: WARNER / HBO

STREAMING

SIE KOMMEN ZURÜCK

Seit Ende der 1990er war die US-Serie „Sex and the

City“ ein Muss für Frauen und Queers, wenn man sich

auch über die zum Teil klischeehafte Darstellung der

(queeren) Charaktere ärgern konnte. Trotzdem waren

die Serie und die beiden Kinofilme extrem lustig und sorgten

auch für den ein oder anderen Denkanstoß. Jetzt wird an der auf

der Original-TV-Serie und dem Buch basierenden Nachfolgeserie

„And Just Like That“ gearbeitet, so HBO Max, der Streamingdienst

von Warner.

Die in der weißen oberen Mittelschicht New Yorks angesiedelte

Glamour-Soap ließ uns teilhaben am geselligen Leben einer

Frauenclique und ihren Liebschaften. Lange bevor es Social Media

gab, wurde hier kommentiert, polarisiert und gelacht. Vor allem

Schauspielerin Sarah Jessica Parker wurde in Sachen Mode zur

Influencerin, die auch bestens mithalten konnte, als Social Media

dann den Ton angab. Waren die vier Freundinnen –Lifestyle- und

Modefachfrau Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker), Heimchen

Charlotte York (Kristin Davis), Vamp Samantha Jones (Kim Cattrall)

und Anwältin Miranda Hobbes (Cynthia Nixon) – zu Beginn

der Serie in ihren 30ern, Samantha schon damals wesentlich älter,

so können wir uns jetzt auf Damen freuen, die auf die sechzig

zugehen. Ein wichtiger und sicherlich unterhaltsamer Kontrapunkt

zum überall herrschenden Jugendwahn. Nicht mehr dabei sein

wird allerdings Kim Cattrall, die vor allem in den letzten Jahren ihre

Abneigung gegenüber Sarah Jessica Parker betonte.

In „Sex an the City“ ging es eigentlich immer um die Suche nach

der wahren Liebe in der hektischen und so extrem hippen Großstadt.

Darum, den einen Mann zu finden, für intensive Stunden

oder für immer. Aufs Amüsanteste unterbrochen wurde dieser,

bei aller etwaigen Melancholie immer lebensfroh umgesetzte,

rote Faden durch Episoden und Szenen, die mal ironisch, mal

traurig das Leben in seiner manchmal abstrusen Art abbildeten.

Gaststars waren unter anderem Bradley Cooper, Liza Minnelli,

Matthew McConaughey, Heidi Klum, Alanis Morissette und auch

David Duchovny. Und Dido sang im Soundtrack. *rä

Funfact: Donald Trump hatte ebenfalls einen Cameo-Auftritt in

„Sex and the City“. Gottlob nur kurz. Aber wo war er nicht?

FOTOS: ITV STUDIOS

SERIE

Ausgezeichneter Serienspaß:

„Schitt’s Creek“

Die kanadische Serienproduktion „Schitt’s Creek“ ist nicht nur extrem erfolgreich,

diese humorvolle Gesellschaftssatire zeigt auch, wie man queere Charaktere

sinnvoll und nicht nur als „skurrile Minderheit“ einsetzen kann. Dafür gab es zum

Beispiel den „GLAAD Media Award für herausragende Comedy-Serien“.

Autor, Regisseur und Schauspieler Daniel Levy, der gemeinsam mit seinem Vater

Eugene die Idee zur Serie hatte und auch als David und Johnny Rose zum Hauptcast

gehören, war dann auch sehr gerührt: „Ich möchte unseren Fans danken, die eine

Bewegung für das Gute geschaffen haben [...] Wir lieben euch alle. Ich kann mir keine bessere

Fanbase vorstellen – Menschen, die für die Botschaft unserer Serie einstehen, für Liebe, für

Akzeptanz und dafür, füreinander da zu sein. Die queeren Charaktere zu kreieren, war die größte

Freude meines Lebens [...] Diese Serie zu machen, war sechs Jahre lang mein absolutes Glück.“

Die Serie erzählt von einer einst reichen, dann verarmten Familie, die dorthin ziehen muss, wo sie noch

Besitz hat: in ein Motel nach Schitt’s Creek. Die exzentrische Großstadtfamilie Rose muss sich fortan

mit Rednecks und Dorfturbulenzen rumschlagen. Schreiend komisch! *rä


meine

gay

cruise

Gran Canaria - Madeira -

Lanzarote - La Palma - Gomera -

Gran Canaria FEBRUAR 2022

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MUSIK

INTERVIEW

MARCELLA

ROCKEFELLER

Seit über zehn Jahren ist Marcella in

der Szene und auch in den Medien

eine feste Größe. Was sie so besonders

macht, ist, dass sie eine Sängerin ist. Wir

sprachen mit La Rockefeller über ihr erstes

Album, Céline Dion, Rosenstolz und Drag.

Ein großer Einfluss war Rosenstolz.

Ja, ich fand das schon immer extrem

verblüffend, wie diese Texte mein Leben

repräsentiert haben. Zum Beispiel „Wenn

Du jetzt aufgibst“, was habe ich dieses

Lied nächtelang gehört, weil ich dachte,

es geht nicht mehr! Aber die Botschaft

ist: Du hast schon einen Riesenberg hinter

dir, du schaffst es. Diese Ehrlichkeit der

Texte!

Ein gutes Stichwort. Ist Ehrlichkeit

in der Musik wichtiger als Glamour

und Show?

Nun, ich sage mal so: Showbusiness ist

eben Show. Aber ich bin einfach eine

sensible Seele, die sehr viel Wert darauf

legt, dass Texte etwas ausdrücken, womit

man sich identifizieren kann. Oft hatte

ich etwas „Angst“, Stars kennenzulernen,

weil sich mitunter rausstellte, dass die gar

nicht so cool sind, dass da mehr Show

als Sein war … Und bei Peter und Ulf (von

Rosenstolz, Anm. d. Red.) ist das genau

das Gegenteil, da steht SO viel mehr

hinter der Musik.

Glaubst du, dass deine perfekte

Optik deiner „handgemachten“

Musik im Weg steht? Oder dass du

eine Dragqueen bist?

Ich mache mir aus der Erscheinung

überhaupt nichts. Aber ich habe

schon vor zwölf Jahren gemerkt, dass

Marcella ein viel größeres Sprachrohr

für mich ist, als wenn ich als Marcel

stehe und singe. Ich habe diesen Weg

und dass ich dieses Album machen

konnte, Marcella zu verdanken! Wenn

eine Dragqueen singt oder auf der Bühne

steht, dann schauen die Leute … Es ist

einfach schön, bei jungen Leuten, bei

Kindern, dieses Leuchten in den Augen

zu sehen. Ich bin es aber auch gewohnt,

von manchen Menschen Abneigung zu

erfahren. Authentischer als Marcella

kann ich nicht sein.

Glaubst du, es ist heute einfacher als

vor zehn Jahren, als Dragqueen ernst

genommen zu werden?

Ich muss sagen, dass ich selbst immer

wieder überrascht bin, wie ernst ich

genommen werde. Aber dafür kämpft

man ja als Musiker. Das macht mich

unendlich glücklich. Ich bin ja kein

Clown, der Stimmung macht! Meine

Musik ist auch nicht Drag-typisch, ich

breche die Erwartungen der Leute, die

Elektronisches oder Lady Gaga erwarten.

Ich mache melancholische Musik, aber

keine depressive …

Wie ist das Album entstanden?

Warst du in Drag?

Nein, ich habe die Lieder als ungeschminkter

Mann aufgenommen. (lacht)

Wobei, manchmal hatte ich tatsächlich


„Das hätten

noch 100

mehr werden

können“

MUSIK

eine Perücke auf, wenn wir danach noch

etwas gedreht haben. Entstanden ist

es mit Elias Kunz in Hannover, der zwar

etwas jünger als ich, aber auch eine

„alte Seele“ ist. Wir haben einige Songs

von Rosenstolz und von Peter Plates

Soloplatte überarbeitet. 2020 hatten wir

„Der größte Trick“ rausgebracht, eigentlich

war das nur ein Projekt, nachdem mich

Peter Plate zuvor auf Instagram mit

Sarah Connors „Vincent“ entdeckt hatte.

Dann kam „Der blaue Sonntag“ … Das hat

alles so Spaß gemacht, dass Peter mir

vorschlug, ein ganzes Album zu machen.

Wir hatten so viele Ideen … Das hätten

noch 100 Lieder mehr werden können.

Verzeih mir das Wort: „Verstellst“ du

deine Stimme beim Singen?

Alles gut, ich weiß, was du meinst. Heute

mache ich das nicht mehr. Tatsächlich

habe ich aber früher gedacht: „Ich muss

die Höhen von Céline Dion treffen, egal,

wie beschissen das nachher klingt.“ Ich

habe lange versucht, meine Stimme

zu verstellen, heute bin ich bei meiner

Stimme angekommen und fühle mich

sehr wohl so, wie ich singe.

Welches Lied sollte ein hektischer

Spotify-Hörer mal anhören, um

einen guten Eindruck vom Album zu

erhalten?

Hm, ich würde „Die Liebe kennt mich

nicht“ empfehlen, jeder hatte schon mal

das Gefühl, dass man an den Falschen

geraten ist, der es nicht gut mit einem

meint. Einfach eine wunderschöne

Nummer, und „Lass sie reden“, im Original

von Rosenstolz.

FOTOS: MIRKO PLENGEMEYER

Findest du deine Version besser?

Ich würde mich nie mit AnNa R. oder

Rosenstolz messen. Ich kann es nicht

vergleichen, ich möchte es auch nicht.

Meine Follower kennen die Lieder im

Original nicht, sie folgen mir, weil ich bin,

wie ich bin. Und ich freue mich, dass ich

einer neuen Generation die Message

von Rosenstolz, von Peter, AnNa und Ulf,

weitergeben kann.

Du bist ein sensibler Mensch. Ist

dann der Beruf im Showbusiness

eine Mutprobe?

Ich habe schon viel Schlimmes gelesen,

vor allem damals beim „Supertalent“, die

Kommentare kann man ja heute noch

lesen. Es ist mir eigentlich relativ egal.

Was mich damals getroffen hat, ist, dass

es meine Mutter getroffen hat, sie hatte

mich auf Facebook verteidigt … Ich habe

einen extrem festen und lieben Inner

Circle im Freundeskreis, auch Peter und

Ulf stehen voll und ganz hinter mir. Diese

Unterstützung stärkt. Aber ich war zwölf

Jahre lang Dragqueen, ich habe eine harte

Schule hinter mir! (lacht)

*Interview: Michael Rädel

www.facebook.com/

MarcellaRockefellerOfficial


MUSIK

NACHGEFRAGT

OWEN

FOTO: YUULA BENIVOLSKI

PALLETT

„Es ist so wichtig,

mit Fremden zu

reden“

Es hat lange gedauert, bis Owen

Palletts neustes Album „Island“

erscheinen konnte – der Vorgänger „In

Conflict“ stammt immerhin schon aus

dem Jahr 2014. Woran es lag? Zum Großteil

an ihm selbst.

Der Kanadier, der seine ersten Schritte

unter dem Namen Final Fantasy gemacht

hat und mittlerweile für seine Arbeit mit

Arcade Fire mit einem Grammy ausgezeichnet

wurde, hat einfach viel zu tun.

Ob Arrangements für Frank Ocean und

Christine and The Queens, Taylor Swift

oder die Pet Shop Boys oder die zahlreichen

Aufträge für Filmmusik. Es dauerte

einfach. „Dabei habe ich gar nicht hart

an dem Album arbeiten müssen, es kam

schnell zusammen. Sehr schnell. Es hat

sich nur lange hingezogen aufgrund all der

anderen Projekte.“ Selbst die Aufnahmen

mit dem London Contemporary Orchestra

in den Abbey Road Studios waren kein

Drama. „Das war ein symbiotisches

Verhältnis. Und es ist auch einfach meine

Aufgabe als Arrangeur, so zu schreiben,

dass man mich versteht.“

Zu seiner eigenen Überraschung setzt

Owen auf „Islands“ eine Geschichte fort,

die er mit seinem Solodebüt „Heartland“

2010 begonnen hat, und die von einem

Mann namens Lewis und seinem Ringen

mit einem Gott namens Owen handelt –

und die am Ende des neuen Albums dazu

führt, dass Lewis in den Weltraum gefickt

wird („Lewis Gets Fucked Into Space“

heißt dieses Lied dann auch bestechend

direkt). Erst als Owen mit dem Album

fast durch war, spürte er, wie gut er mit

diesen dunklen, intensiven Liedern Lewis’

Story fortsetzen konnte. „Ich hatte die

meisten Lyrics fertig, als mir auffiel, dass

es Sinn ergibt, wenn die Songs in sein

Narrativ eingepasst werden.“ Jetzt weiß

Owen auch, dass es irgendwann ein drittes

Album um diesen eigenartigen Charakter

geben wird, selbst wenn es unsicher ist,

wann es kommt. Bis dahin schwebt Lewis

einfach weiter im Weltraum umher.

Doch selbst so eine eigenartige Handlung

wie diese hat es schwer, mit unserer

Realität zu konkurrieren, denn es waren

auch für Owen Pallett sehr eigenartige

zwölf Monate. „Dabei hat sich mein

Leben weniger als das Leben anderer

Menschen geändert. Ich habe wie immer

zu Hause gearbeitet, mein Studio ist ja

auch hier. Irgendwo war es zwar schon

enttäuschend, nicht auf Tour zu sein –

andererseits war ich aber auch seit 2017

nicht mehr unterwegs.“ Was Owen am

meisten berührt, ist, wie sich die Pandemie

auf seine Freunde, Familie und Liebhaber

auswirkt: „Sie sind so gestresst, so einsam.“

Owen selbst fehlt es vor allem, neue

Menschen zu treffen. „Es ist so wichtig,

mit Fremden zu reden, für dich, für dein

Gehirn. Bei mir in Toronto begegne ich

normalerweise immer neuen Leuten.“

Inwieweit sich das alles auch auf ihn

auswirkt, kann er kaum sagen, er weiß nur,

dass er in diesen Monaten nichts Neues

geschrieben hat, „ich fühlte mich nicht

so. Aber ich habe Aufträge gesucht und

viele gefunden.“ Doch vor allem hat er die

Zeit genutzt, um an seinem Instrument

zu üben, der Violine. „Ich bin richtig gut

geworden!“, sagt er, obwohl er sie bereits

seit dem dritten Lebensjahr spielt und

am Anfang seiner Karriere gerade für sein

Geigen berühmt wurde. Doch jetzt habe er

ein ganz neues Niveau erreicht, berichtet

er stolz. „Wenn ich wieder auf der Bühne

bin, werde ich richtig spektakulär sein.

Diese Wochen waren wie musikalische

Push-ups für mich. Allerdings“, lacht er,

„habe ich dafür keine echten gemacht.

Ich bin in einer schlechteren körperlichen

Verfassung als jemals zuvor in meinem

Leben!“ Und er klingt dabei nicht, als würde

ihm das Sorgen bereiten. *fis


MUSIK

TIPP

Ungewöhnlich:

Charlotte Cardin

Hier ist es also, das Debütalbum der kanadischen Sängerin:

„Phoenix“. Für sie sei das stimmige Werk eine Befreiung

gewesen, „und wenn andere sich damit ebenfalls von Druck

und Erwartungen befreien können“, habe es seinen Zweck

erfüllt. Ganz wunderbarer Pop mit Kanten, Ecken und

Melodien einer großen

Singer-Songwriterin mit

starker und wandlungsfähiger

Stimme. Unsere

Anspieltipps sind

„XOXO“, „Meaningless“

sowie „Je quitte“ und

„Passive Aggressive“. *rä

JAZZ

ERIK LEUTHÄUSER:

„Gegen jede Art von

Depression hilft ja

bekanntlich Lachen“

Der queere Sänger ist einer DER Geheimtipps der Jazz-

Welt. Sein kommendes Album nimmt sich des Œuvre

eines weniger bekannten US-Songwriters an: Kent

Carlson.

Über sein neues Album „In The Land of Kent Carlson“

verrät der Künstler: „Kents Song-Lyrics erinnern mich

manchmal an die Direktheit und den Witz eines Dave

Frishberg oder Bob Dorough.“ In der Tat: Doppeldeutige

oder ungewöhnliche Geschichten scheinen in den Texten

immer durch. Etwa bei „The Obsessing-on-my-Baby

Blues“, darüber verrät Erik Leuthäuser: „Er erzählt von

einer Zeit, in der man die besessene Verrücktheit nach

einer Person noch durchaus poetisch als Krankheit

bezeichnen konnte, die einem den ,Blues‘ gibt. Aber

gegen jede Art von Depression hilft ja bekanntlich

Lachen. Und lachen musste ich zahlreich beim Lernen

dieses fast schon absurden Textes.“ „Alle Songs von Kent

haben die Zeitlosigkeit von Jazzstandards gemischt mit

tollen authentischen Texten. Bei ,You Never Have to Say

(I Love You)‘ speziell schätze ich sehr die Message: Liebe

braucht keine vielen Worte. Love is action!“ Das Album,

übrigens eingespielt

mit dem Pianisten

Wolfgang Köhler, soll

am 11. Juni erscheinen.

*rä

www.facebook.com/

erikleuthaeuserpage,

erik-leuthaeuser.de

IM NAMEN DER LIEBE TOUR 2022

MIT

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MUSIK

INTERVIEW

JENDRIK:

Auf einmal ist er da: Jendrik Sigwart,

26 Jahre alt, Hamburger und von

Beruf Musicaldarsteller, war ein komplett

unbeschriebenes Blatt, als er im Februar

von der zuständigen Jury zum deutschen

Teilnehmer am diesjährigen Eurovision

Song Contest am 22. Mai in Rotterdam

auserkoren wurde. Sein federleicht

klingender Popsong „I Don’t Feel Hate“

geht ohne Umwege in die Ohren, hat eine

sinnvolle Botschaft und eine Ukulele. Aber

wer ist dieser Typ überhaupt? Am Telefon

erlebten wir einen aufgeweckten, quirligen

und komplett sympathischen Jendrik.

Der Name Jendrik ist ziemlich

ungewöhnlich. Gibt es dazu eine

Geschichte?

Es ist einfach so, dass meine Eltern Namen

mögen, die ein bisschen besonders sind.

Oder sie haben herkömmlichere Namen

genommen und einfach einen Buchstaben

ausgetauscht. So wie bei mir. Oder bei

meinem älteren Bruder Marten. Tatsächlich

habe ich in meinem gesamten Leben

bisher nur einen einzigen anderen Jendrik

kennengelernt.

Wie viele Geschwister hast du?

Vier. Die fiebern jetzt natürlich alle mit

mir mit. Aber ich bin definitiv der einzige

richtige Mega-ESC-Fan in der Familie.

Wie sehr bestimmt die Teilnahme am

Eurovision Song Contest momentan

dein Leben?

Tatsächlich ist mein Leben aktuell noch

recht entspannt. Vorhin hatte ich sogar

noch Zeit zum Playstation-Spielen.

Was hast du gespielt?

„Dead by Daylight“. Das ist ein Horrorspiel,

das man online mit mehreren Leuten spielt.

So eine Art virtuelles Versteckspiel. Mir

macht das sehr viel Spaß, obwohl ich mir

Horrorfilme absolut nicht angucken kann.

Warum das nicht?

Weil ich vor ihnen Angst habe. (lacht) Ich

bin sehr schreckhaft, und einmal musste

ich während eines Gruselfilms im Kino laut

schreien. Ich konnte es nicht unterdrücken

und habe mich ein bisschen geschämt.

Obwohl du keine Horrorfilme guckst,

hast du dir also doch einen angeschaut.

Zwei Freunde und ich. Wir sind immer zu

einer ganz bestimmten Uhrzeit ins Kino

gegangen und haben dann grundsätzlich

den Film ausgesucht, der als Nächstes lief.

Warst du beliebt in der Schule?

Innerhalb unserer Klasse war ich einer von

den „coolen“ Kids, aber nach außen galten

wir komplett als die Loser- und Opferklasse.

Also ja und nein. Ich selbst war auch beides:

der Mobber und der Gemobbte.

Die Aussage deines ESC-Songs ist ja,

dass du auf Hass nicht mit Gegenhass,

sondern mit Gelassenheit und

Mitleid reagierst. Erinnerst du dich,

wann und warum du dieses Lied

geschrieben hast?

Als wäre es gestern gewesen! Das war im

Frühsommer 2019, nachdem mich eine

andere Person respektlos und von oben

herab behandelt hat. Ich dachte „Was

bist du für ein übler Mensch“, aber dann

beschloss ich, eben nicht aggressiv auf

diesen Angriff zu reagieren. Denn dadurch

lernt die oder der andere nichts. Stattdessen

habe ich der Person ganz ruhig gesagt,

dass ich ihr Verhalten respektlos finde.

Daraus ist dieser Song entstanden.

Funktioniert dieses Konzept?

Sehr häufig ja. Wobei es, grob gesagt, zwei

Arten von Anfeindungen gibt: Auf oberflächliche

Sprüche wie „Deine Frisur finde

ich scheiße“ reagiere ich überhaupt nicht.

So was ist mir echt egal, denn ich mag

meine Frisur ja. Bei wirklich diskriminierenden

Beleidigungen, bei Homophobie oder

Rassismus sollte man aber etwas sagen.

Man sollte dem anderen klarmachen, dass

das, was er sagt, absolut falsch ist. Diesen

Weg versuche ich in dem Song aufzuzeigen.

Auf eine sehr unterhaltsame Weise.

Klar. Ich habe „I Don’t Feel Hate“ ja auch

geschrieben, um gute Laune zu verbreiten

und negative Gefühle in etwas Positives zu

verwandeln.

Hast du persönlich Erfahrungen mit

Diskriminierung gemacht?

Natürlich. In letzter Zeit vor allem online.

Kommentare wie „Du Schwuchtel“ gibt es

immer wieder. Ich reagiere sachlich darauf

und antworte: „Das verletzt mich.“

*Interview: Steffen Rüth

Das ganze Interview findet ihr auf

männer.media. Mehr Features dieser Art

gibt es auf Instagram/blumediengruppe.


www.männer.media

immer aktuell

informiert


MUSIK

FOTO: WARNER MUSIC

NACHGEFRAGT

MARINA

Zoom-Interview mit Katze

Marina Diamandis plagen gleich

mehrere Allergien. Dauernd muss

sie niesen und schniefen, sie unterbricht

sogar kurzfristig das Gespräch, um sich

neue Taschentücher zu holen. Weil sie

nicht in Bestform ist, möchte die Sängerin

während des Zoom-Interviews die Kamera

lieber ausgeschaltet lassen.

Auch ohne Bildübertragung kriegt man

allerdings einiges von ihrem Leben in Los

Angeles mit. Eigentlich wollte sie dort

lediglich ihr fünftes Album „Ancient Dreams

in a Modern Land“ aufnehmen und dann

wieder nach London zurückkehren, doch

während des ersten Lockdowns beschloss

die Waliserin, ganz nach Kalifornien zu

ziehen. Mit ihrer schwarzen Katze, die sich

lautstark bemerkbar macht, nachdem sie

aufgewacht ist. Daran ist die 35-Jährige

gewöhnt, somit bringt sie das Miauen nicht

gleich aus der Fassung. Sie redet völlig

gelassen weiter über das Konzept ihres

jüngsten Langspielers. Im Grunde sei er in

zwei Teile geteilt, sagt sie: „Die erste Hälfte

fokussiert sich mehr auf das Sozialkritische,

dann kommen die Trennungssongs.“

Zu ihnen zählt zum Beispiel „I Love You,

But I Love Me More“. Mit diesem Lied

verabschiedet sich Marina, die ihren

Künstlernamen Marina and the Diamonds

schon mit ihrer letzten Platte „Love + Fear“

abgelegt hat, endgültig von ihrem Exfreund.

Es knüpft musikalisch zweifellos mit seinem

eingängigen Indie-Pop an das Debüt

„The Family Jewels“ an – was im Übrigen für

die meisten Nummern gilt. Eine bewusste

Entscheidung sei das aber nicht gewesen,

hält Marina dagegen: „Wahrscheinlich stellt

sich dieser Sound einfach ein, wenn ich

alleine schreibe.“

So entstanden Ohrwürmer wie „Purge

the Poison“. In dieser Powerpop-

Nummer bringt Marina allerlei Themen

von Rassismus über Frauenhass, #MeToo,

Quarantäne und Mutter Natur bis zu

Menschlichkeit aufs Tableau. „Es hat 91

Botschaften“, witzelt sie. „Im Ernst: Dieser

Track entstand zu Beginn der Pandemie,

also in einer äußerst verwirrenden Zeit.

Mein Ziel war es, Schnappschüsse des 21.

Jahrhunderts einzufangen.“ Mal erinnert

sie daran, wie sich Britney Spears 2007 ihre

Haare abrasiert hat. Mal beschwört sie den

Harvey-Weinstein-Missbrauchsskandal

herauf: „Letztlich wirft dieser Song die Frage

auf: Was ist eigentlich Weiblichkeit?“

Die Bedürfnisse der Frauen treiben

Marina auch in dem Stück „Man‘s World“,

für dessen Produktion sie sich ein rein

weibliches Team zur Seite stellte, um. Da

spricht sie mit der Zeile „I don‘t wanna live

in a man‘s world anymore“ Klartext. „Ich

kämpfe jeden Tag gegen das Patriarchat“,

erklärt sie. „Meiner Ansicht nach profitieren

Männer von Gleichberechtigung nicht

weniger als wir Frauen.“ Ginge es nach ihr,

dann dürfte sich niemand über andere

erheben. Insbesondere die Diskriminierung

von Minderheiten wie LGBTIQ*-Bewegung

geht ihr gegen den Strich. Nicht umsonst

spielt sie in „Man‘s World“ auf einen Sultan

an, der in seinem Land die Todesstrafe für

Homosexuelle eingeführt hat. Gemeint

ist Hassanal Bolkiah, ihm gehört das

„Beverly Hills Hotel“ in Los Angeles. „Wie

kann jemand auf der einen Seite ein

wunderschönes Hotel besitzen, das bei

der queeren Community extrem angesagt

ist und auf der anderen Seite homophob

sein“, empört sich Marina. „Ich habe gehört,

dass dieser Mann in seiner Heimat Schwule

zu Tode steinigen lässt.“ Nicht nur für die

Künstlerin ist das ein Verstoß gegen die

Menschenrechte: „Keiner sollte aufgrund

seiner Sexualität verurteilt werden.“

*Dagmar Leischow


POP

Lana Del Rey

Seit etwa zehn Jahren lässt die Sängerin uns

melancholisch werden – und das auch noch

genießen. Unlängst erschien ihr neues Album:

„Chemtrails over the Country Club“, das einmal

mehr chillen und träumen lässt. „Vielleicht war ich

mit meiner Geschichte und meinen Erlebnissen,

die ich in die Songs einfließen ließ, zu ehrlich? Komplexität im Pop ist immer noch verwirrend

für manche Menschen. Ich habe tatsächlich aus meinem Leben berichtet, und

nicht nur nichtssagende, freundliche Sommerliedchen geträllert.“ Vertonte Sehnsucht,

großer Pop. Lana Del Rey (geboren am 21. Juni 1985) haucht, singt und flüstert und

macht auch ihr siebtes Studioalbum „Chemtrails over the Country Club“ – erhältlich als

CD, Kassette, Download und auf Vinyl – zum großen Wurf. *rä

COMEBACK

KLEE trotz alledem

Das Kölner Pop-Duo KLEE meldet sich zurück!

2021 starten Suzie und Sten mit neuen Hits und

dem Album „TROTZALLEDEM“ wieder durch.

Gerade jetzt in der Pandemie machen sie Mut

und lenken ab von den alltäglich gewordenen

(Corona-)Hiobsbotschaften aus aller Welt.

Über KLEE: 2002 begann die Karriere der Band mit dem Klub-Hit „Erinner dich“,

einem melancholischen Rückblick auf eine Beziehung, umschmeichelt von sanften

Elektrobeats. 2005 gelang KLEE dann mit dem poppigen „Gold“ der erste richtige

Hit und 2008 mit „Zwei Herzen“ aus dem Album „Berge versetzen“ dann der bisher

größte Wurf in Sachen Vielfalt. 2011 folgte das bis dato erfolgreichste Album „Aus

lauter Liebe“. Musiziert hat die Band bereits schon ab 1997, damals nannte man sich

aber noch Ralley. 2015 erschien ihr letztes Album „Hello Again“ – Platz 23 war für die

neuinterpretierten Schlager drin. Unsere Anspieltipps auf „TROTZALLEDEM“ sind

„Kopfüber“, „Glitzer drauf“ und „Septembernebel“. *rä

www.kleemusik.de

EURODANCE

Retro-Freuden

auf Platte

In den 1990ern gab es unzählige Musikprojekte,

die mit wechselnden Sängerinnen sowie von Techno,

Trance und House inspirierten Beats und nicht mehr

als vier Sätzen pro Lied weltweit Hits landeten.

Nicht alle waren schlecht.

Zu den Guten gehört zum Beispiel Odyssey (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen

Soul-Disco-Formation). Dieses deutsche Eurodance-Projekt landete zwischen

1993 und 1998 diverse Hits und veröffentlichte zwei Alben – das eine gibt es jetzt

erstmals auf Vinyl: „Love Train“. Unsere Anspieltipps sind die Chart-Erfolge „Move

Your Body“, „Into The Light“ und „Riding on a Train“. Mit involviert bei Odyssey waren

unter anderem DJs wie Quicksilver und Projekte wie U.S.U.R.A., gesungen hat immer

die großartige Lisa Cash, die auch heute noch Erfolg hat – etwa mit und bei Nina

Hagen, den Brothers Keepers/Sisters Keepers oder Samy Deluxe. *rä

www.maschinarecords.com

CD, 2xLP & DIGITAL

“Unter all den großen

Werken, die uns Pallett in

den letzten anderthalb

Jahrzehnten geschenkt

hat, ist dies das größte,

berührendste - und

das verstörendste.“

ROLLING STONE GERMANY

JULY 2020


KUNST

FOTOGRAFIE

MÄNNER

AUS STOCKHOLM

Der Fotograf Jonas Norén war gerade einmal vier

Jahre alt, als er das erste Mal eine Kamera in den

Händen hielt.

Mittlerweile ist der Skandinavier einer der ganz

Populären in der queeren und homoerotischen

Fotografenszene. Wir haben einige seiner besten

Bilder für dich versammelt. „Ich finde meine Models

im Fitnessstudio, auf Facebook und auf Instagram.

Und manchmal finden sie mich ...“, verriet uns

Jonas Norén im Chat. Wer von dem schwedischen

Künstler abgelichtet werden will, der kann sich via

Social Media bei ihm melden. Vor Kurzem erschien

auch ein Buch von Jonas Norén (wir berichteten):

„Human Behind the Penis“. Schwule Kunst, die

durch das Können des Machers und ihre innewohnende

Erotik überzeugt. *rä

www.jonasnoren.se,

www.facebook.com/jonasnoren.se,

www.instagram.com/jonasnoren.se,

mehr Features dieser Art auf instagram.com/

blumediengruppe


MALEREI

ROSS

WATSON

Oft widmete sich der australische

Künstler Ross Watson der malerischen

Neuinterpretation von Stilen

und Werken alter Meister, momentan

erfreut er mit nackten Ansichten

und Uniformen.

KUNST

Unbekleidete Trainierte neben den

Wachen der Königshäuser! Das mag

den einen oder anderen sicher vor

den Kopf stoßen, schafft aber auch

eine Intensität, die sonst selten so

schnell beim Betrachter hervorgerufen

wird. Denn so verbindet sich

der erotische Muskelmann mit dem

ehrwürdigen Traditionellen, was ja

auch schon fast wieder etwas Sakrales

hat. Der 1962 geborene australische

Maler Ross Watson stellte

schon erfolgreich in London, Berlin

und Los Angeles aus und nahm an

Gruppenausstellungen zeitgenössischer

internationaler Künstler in

der australischen Nationalgalerie

und auf der Kunstmesse Toronto

teil. Weltstar Sir Ian McKellen ist Fan

und unser aller Piano-Meister Sir

Elton John hat auch schon Watsons

Kunst gekauft. *rä

www.rosswatson.com,

mehr Features dieser Art auf

instagram.com/blumediengruppe

3DVD

mit beiden

Halbfinals und

Finale

ab 25. Juni

erhältlich!

Album

mit allen

Teilnehmersongs

ab sofort als

2CD und

Download

erhältlich!

www.eurovision.tv · www.universal-music.de/eurovisionsongcontest


BUCH

ROMAN

Noch immer erleben Trans* Gewalt, werden umgebracht, verjagt, verspottet

und zur Prostitution gezwungen. Harter Tobak, thematisiert in

einem wunderbaren Buch.

Die 1982 in Argentinien geborene Autorin und Schauspielerin Camila Sosa Villada

erzählt in ihrem unlängst beim Berliner Suhrkamp Verlag erschienenen Roman „Im

Park der prächtigen Schwestern“ (im Original erschienen als „Las Malas (Tusquets

Editores, Planeta de Libros, Buenos Aires“) vom Zusammenhalt und dem Leid

einer Gruppe von Trans*-Prostituierten in einem Park in Córdoba, der nachts „zur

Wildnis“ wird. Hierher, in den Sarmiento, verschlägt es die junge Camila, als sie vor

familiärem Hass in die angebliche Anonymität der Stadt flüchten muss ... Hier

erlebt sie Fürsorge, Freundschaft und Akzeptanz. Sie alle wollen keine Opfer sein,

sie wollen leben. *rä

KINDER

ELIAS

LIEBT EINEN MÄRCHENPRINZEN

Gleichgeschlechtliche Liebe

kommt in den allermeisten

Geschichten nicht, kaum oder

nur am Rand vor. Schön, dass es

Bücher wie diese gibt: „Elias und

die Märchenrevolution“ und „Elias

und die Konferenz der Gefühle“.

Beide Bücher stammen aus der

Feder des in Bayern geborenen

Wahl-Wieners Harald Buresch,

der als Musical-Darsteller

tätig war und jetzt hinter den

Bühnenkulissen in der Kinder- und

Jugendpädagogik wirkt. Und

eben als Buchautor in diesen

belastenden Zeiten von Krisen-,

Pandemie- und Internet-Hass-

News ganz wunderbar ablenkt.

„ELIAS, ein moderner Held in Märchengeschichten,

die Klein und

Groß gleichermaßen begeistern.

Nicht zuletzt die Liebesgeschichte

zwischen ELIAS und dem

Märchenprinzen sowie viel Humor

machen die ELIAS-Bücher zu

etwas ganz Besonderem“, verrät

uns der Autor via E-Mail.

„Die altbekannten Märchen von

Rotkäppchen bis Aschenputtel

haben ausgedient: Kinder von

heute interessieren sich nicht

mehr für sie. Es herrscht Welt-

Märchen-Krise! Elias gibt ihnen

neue Botschaften und verhilft

den märchenhaften Held*innen

zu einem modernen und

zeitgemäßen Neuanfang“, so der

Wiener Queer. In seinen Büchern

treffen wir auch alte Bekannte,

doch Queerness scheint in dieser

Märchenwelt keine neue Erscheinung:

„Selbst Rotkäppchens

** Großmutter hat darüber die

ein oder andere Story parat“, so

Harald Buresch. *rä

www.maerchenheld.com

** Es gibt viel ältere Versionen als die der

Gebrüder Grimm. Nicht in allen hilft ein Jäger,

mitunter befreit sich Rotkäppchen selbst. Immer

schwingt aber mit, dass sich Mädchen nicht

auf fremde Männer einlassen, „nicht vom Weg

abkommen“ sollen.


DATES. FREUNDE. LIEBE.

Willkommen bei ROMEO, dem offensten Netzwerk weltweit für Schwule, Bi-Männer

und Transgender. Lade die App herunter oder logge dich in unsere Webseite ein.

app.planetromeo.com


BUCH

BILDBAND

ZWANZIG NACKEDEIS

IN DER NATUR

Und im Pool! Diese Jungs hatten dabei viel Spaß – und lassen dich dank

Salzgeber an ihren Erinnerungen teilhaben.

Die Macher der Vollerotikseite CockyBoys, Jake Jaxson und RJ Sebastian,

veröffentlichten gerade zusammen mit Salzgeber diesen äußerst

erotischen, aber nicht peinlichen, Bildband. „SUMMER BOYS“ bietet auf 160

Seiten farbenfrohe, schwule und vom Sommer geküsste Fotografie(-Erotik)

in Buchform. Entstanden seien diese Bilder in einem Camp im Wald samt

Ferienhütte und Pool ... Dort war der Sommer dann doch schöner als in

den überhitzten deutschen Großstädten mit zu wenigen Straßenbäumen,

oder? Zwanzig Models der Vollerotik-Seite CockyBoys waren dabei, hundert

Fotografien sind herausgekommen. Schwul! *rä

FOTOS: SALZGEBER


Vogel checkt: Liefern die auch das beste Klimapaket?

„Post und DHL setzen nicht nur auf eine umweltfreundliche Flotte – mit 15.000 E-Transportern und 16.000 E-Bikes

und -Trikes die grünste der Branche. Die versenden auch seit 10 Jahren unsere privaten Pakete komplett CO₂-neutral.

Und durch die bald über 12.000 Packstationen können wir alle dabei helfen, CO₂ zu sparen.“

LÄUFT.

Selber checken auf: VogelCheckt.de


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Moderne Diagnostik revolutioniert Prostatakrebs-Vorsorge

Eine große Chance für die

Männergesundheit

Die multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT) der Prostata eröffnet

bessere Möglichkeiten zur Früherkennung von Prostatakrebs. Sie liefert zuverlässigere

Ergebnisse als andere Untersuchungsmethoden – und das völlig schmerzfrei.

Anders als bei Frauen hat sich

für Männer das Thema Krebsfrüherkennung

nicht im gleichen

Maße etabliert. Viele scheuen

die Untersuchung ihrer Prostata.

Gängige Diagnoseverfahren

liefern zudem mitunter irreführende

Ergebnisse.

Die multiparametrische MRT

der Prostata bringt hier den

Durchbruch.

Prostatakrebs ist die häufigste

Krebserkrankung des Mannes.

Die Vorsorge erfolgt durch

eine Tastuntersuchung und eine

Bestimmung des PSA-Wertes

(prostataspezifisches Antigen)

im Blut. Dieser Wert allein ist

jedoch nicht immer eindeutig. Weder ist bei Werten im Normbereich

ein Prostatakrebs ausgeschlossen noch ist Krebs bei erhöhten PSA-

Werten bewiesen. Selbst bei einer Stanzbiopsie, bei der Gewebeproben

an mehreren zufällig ausgewählten Stellen entnommen werden,

können Krebsherde übersehen werden.

„Viel genauere Ergebnisse liefert die nicht-invasive und damit

schonendere Untersuchung mithilfe der multiparametrischen Magnetresonanztomographie

(mpMRT) der Prostata“, erklärt Dr. Jörg

Gellißen von der Radiologischen Allianz. „Die mpMRT ist aktuell

das sicherste und beste Verfahren zur biopsiefreien Diagnostik und

Früherkennung.“

Die Nachweisempfindlichkeit ist mit 85 Prozent anderen Verfahren

(Tastuntersuchung, transrektaler Ultraschall) weit überlegen. Mit

etwa 90-prozentiger Sicherheit können Radiologen Prostatakrebs

mit dieser neueren Methode ausschließen.

Die von der Radiologischen Allianz genutzten MRT-Geräte liefern

hochkontrast- und strukturauflösende Bilder, welche von erfahrenen

Experten interpretiert werden. „Wir können Erkrankungen so schon

Dr. Jörg Gellißen, Dr. Martin Simon und Dr. Stephan Schulz

vom Standort Radiologie am Rothenbaum in Hamburg

Sprechen Sie uns an: Wir beraten Sie gerne persönlich über

unser Spektrum an Diagnostik- und Früherkennungsleistungen.

im Frühstadium präzise erkennen,

so dass auf eine anschließende

Biopsie verzichtet werden kann“,

erläutert Dr. Stephan Schulz.

Bei Verdacht auf einen Tumor

können Lage, Größe und Ausdehnung

exakt bestimmt und auch der

Befall benachbarter Organe, der

Lymphknoten und Knochen abgeklärt

werden. Mithilfe der mpMRT

können auch Karzinome entdeckt

werden, die nicht lebensbedrohlich

sind und mittels regelmäßiger Kontrollen

überwacht werden können.

Im Fall einer Krebs-Diagnose ist

die Radiologische Allianz zudem

ein kompetenter Partner für die

Therapie. „Wir decken das gesamte

Spektrum von der Diagnostik über eine mögliche Strahlentherapie

bis hin zu Kontrollen in der Nachsorge ab und sind interdisziplinär

mit onkologischen und urologischen Partnern in Netzwerken verbunden.“,

so Dr. Martin Simon.

Die Kosten einer mpMRT werden von privaten Krankenkassen

in der Regel übernommen. Eine Krebsvorsorge und Abklärung des

Verdachts auf ein Prostatakarzinom mittels mpMRT (z.B. bei erhöhtem

PSA-Wert oder verdächtigem Tastbefund) bieten wir zudem als

individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) an. Tumorverlaufskontrollen

unter Therapie führen wir auch als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen

durch.

Die Radiologische Allianz bietet die mpMRT der Prostata und weitere Früherkennungsdiagnostik an diesen Standorten an:

Radiologie am Rothenbaum Radiologie am Rathausmarkt Radiologie am Blankeneser Bahnhof (Praxisgemeinschaft)

Hansastraße 2-3 Mönckebergstraße 31 Sülldorfer Kirchenweg 2a

20149 Hamburg 20095 Hamburg 22587 Hamburg

Tel.: (040) 32 55 52-109 Tel.: (040) 32 55 52-101 Tel.: (040) 32 55 52-110

Informieren Sie sich über unser umfassendes Portfolio an MRT (Kernspin), Nuklearmedizin und Strahlentherapie auf www.radiologische-allianz.de

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