FINDORFF GLEICH NEBENAN Nr. 18

FINDORFF.GLEICH.NEBENAN

FINDORFF GLEICH NEBENAN ist das Stadtteilmagazin für Findorff und Bremen für Handel, Dienstleistung, Kultur & Politik

Im Frühling 2021 | Ausgabe 18 | Kostenlos, aber nicht umsonst

GLEICH NEBENAN

Handel, Dienstleistung, Kultur & Politik im Stadtteil

®

MERLIN

IM STUDIO

PETRA VON MINDEN 155 Ideen, das Richtige zu tun STEFAN GRÄFE Gäste-Wohlfühl-

Macher im »Lugger« PHIL PORTER Bremen aus der Sicht eines Flaneurs THEMA

Sechs Legenden über Bewohnerparken MAHLZEIT »Prime Burger« an der Ecke


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FINDORFF GLEICH NEBENAN | 03


» Morgen ist heute schon gestern.«

q AUS FINDORFF. FÜR FINDORFF

Z

u der trostlosen Situation in der

Bremer Innenstadt postet auf

»facebook« jemand online:

»Die Obernstraße ist nicht

leer, weil Parkplätze fehlen,

sondern weil sie öde ist und

langweilig. Das widerum hat zu

tun mit Leuten, die glauben, dass

das, was man in den Siebzigerjahren für Zukunft

gehalten hat, heute noch etwas mit Zukunft zu tun hat.«

Ist das so ? Wie sieht es mit einer solchen »Denkweise« in Findorff

aus ? Vorweg: Unser Stadtteil wird jünger. Das Durchschnittsalter

sinkt. Es lag mit 44,7 Jahren knapp über dem Durchschnitt

in Bremen. Aber: Vereine im Stadtteil haben Nachwuchssorgen.

Bereits vor zehn Jahren klagte die 1. Vorsitzende des Findorffer

Bürgervereins in der Lokalpresse, ihre größte Sorge sei es, dass

»leider zu wenig junge Menschen die verstorbenen Mitglieder

ersetzen.« Ihr Wunsch: Es sollten sich in Zukunft mehr FindorfferInnen

finden lassen, um »in gemeinnütziger Weise und zum

Wohle Bremens und besonders der Einwohner des Stadtteils

Findorff zu wirken.« Nett gewünscht, aber ist ein staatstragend

und pathetisch formulierter Aufruf in der Zeitung im digitalen

Zeitalter irgendwie ausreichend motivierend, damit sich jüngere

Generationen für den traditionsreichen Verein »finden lassen« ?

Was lesen wir noch in der Vereinssatzung ? »Der Bürgerverein

strebt außerdem die Pflege nachbarlicher Verbundenheit, die

Schaffung eines regen Gemeindelebens an und vertritt die

Angelegenheiten der Einwohnerschaft des Stadtteils. Er ist

partei- und gesellschaftspolitisch und religiös neutral.«

Damit keine Mißverständnisse entstehen: Diese

Philosophie ist zeitlos gut. Aber reichen gute

Absichten aus ? Wie und mit wem repräsentiert

sich dieser Verein intern und nach außen ? Wo

bleiben attraktive Angebote für Jüngere ? Der

Vorstand könnte sich fragen, ob man zum Beispiel

die Lebenswelten von jungen Familien noch abbildet

– und warum es nicht nur diesem Verein seit Jahren nicht

gelingt, für den zunehmenden »Leerstand« mehr Mitglieder zu

gewinnen. Positiv hingegen sieht es für die im Beirat Findorff

vertretenen Parteien aus: Es gibt politischen Nachwuchs, der sich

engagiert und mit älteren Mitgliedern gut zusammenarbeitet.

Der Schwachpunkt heißt: »Jugendbeirat«. Für den ist seit 2017

»die Party geplatzt« – und einen neu gewählten gibt es bis

heute nicht. Man fragt sich, warum das seitdem so ist.

Wie sieht die Altersfrage für FINDORFF GLEICH NEBENAN

aus ? Knallhart recherchiert: Der Herausgeber dieses Stadtteilmagazins

ist aus Sicht seiner Tochter ein »Oldie«, aber die

gute Nachricht ist: Auf den folgenden Seiten kommt er seinem

Anspruch, mit diesem Stadtteilmagazin das vielfältige Findorff

von und für unterschiedliche Generationen abzubilden, so nah

wie nie zuvor – durch »Sichtweisen« von verschiedenen AutorInnen

und FotografInnen aller Altersgruppen – und bei einem

jungen Blogger wie Tim Lösekann, der »seine« Szene gut kennt,

ist beispielsweise ein Interview mit Merlin bestens aufgehoben.

Morgen ist heute schon gestern: Nostalgie kann schön sein, aber

das Zurücksehnen nach alten Zeiten bringt nicht voran. Living

in a bubble ? Die Siebziger- und Achtzigerjahre sind lange vorbei.

Vielleicht sogar in Bremen, vielleicht sogar in Findorff.

GLEICH NEBENAN

06 l MERLIN JANOWSKY

Der Soundmagier aus Findorff über seinen Traum, als DJ

durch Clubs zu touren und von Musik leben zu können

10 l PETRA VON MINDEN

Die Buchautorin über 155 Techniken zur Selbstbehauptung

16 l PHIL PORTER

Buchtipp: Bremen aus der Sicht eines Flaneurs

17 l AKTIV VOR ORT

Nachaltig und digital: die Sparkasse Bremen in Findorff

20 l STEFAN »KIMBO« GRÄFE

Vor Ort im »Lugger«, der neuen Kneipe im Schlachthof

23 l HARTWIG KOMAR

Der Promoter über die Zukunft von Live-Konzerten

24 l DR. OLAF DILLING

Sechs Legenden über »Bewohnerparken«

29 l STADTTEILMARKETING

Mathias Rätsch über (k)ein Logo für Findorff

30 l DORFFKLATSCH

32 l MAHLZEIT

Nicole Henze über »Prime Burger«

34 l SUPERSUSE

»Parkplatzvernichtung durch Bewohnerparken«: Fakten statt Fakes !

Anwalt Dr. Olaf Dilling kennt sich als Experte aus und klärt auf. FINDORFF GLEICH NEBENAN | 05


PROFILE

q MERLIN JANOWSKY NIMMT SONGS IN SEINEM FINDORFFER STUDIO AUF

» Für meinen Traum gebe ich aktuell alles. «

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 06

MERLIN

SOUNDMAGIER

M

oin Merlin, Du bist Butenbremer:

Deine Wurzeln liegen in einem

ziemlich kleinen Dorf im Landkreis

Oldenburg. Was hat Dich

dazu verleitet, nach Findorff

zu ziehen ?

Findorff ist einfach der schönste

Stadtteil in Bremen. Du bist auf kurzen

Wegen schnell im Zentrum und

dort mitten im Geschehen. Zudem hast Du den Bürgerpark so

gut wie vor der Tür. Trotzdem ist es im Stadtteil sehr ruhig. Ich

kann mich hier ohne Störungen, abgesehen von dem Klingeln

des Paketdiensts, voll und ganz auf meine Musik konzentrieren.

Das ist aber nicht der einzige Grund, der Dich nach Findorff

verschlagen hat, oder ?

Genau ! Neben meiner Tätigkeit als Musikproduzent studiere

ich in Bremen an der Universität Musik- und Kommunikationswissenschaften.

Als Student ist es sehr praktisch in Findorff zu

wohnen: Ich brauche mit dem Rad zehn Minuten bis zur Uni.

Hilft das Studium Dir bei Deiner Arbeit als Produzent und

Songwriter ?

Man lernt schon sehr viel, insbesondere was die Theorie und

frühere musikalische Stile und Epochen angeht. Ich habe zum

Beispiel kürzlich die klassische Musik für mich entdeckt und

werde versuchen, diesen Einfluss in einem meiner nächsten

Songs mitzuverarbeiten. Allerdings muss ich ehrlich zugeben,

dass es langfristig gesehen mein Traum ist, als DJ zu arbeiten,

durch die Clubs zu touren und von meiner Musik leben zu

können. Für meinen Traum gebe ich aktuell alles. Da kommt

mir das Studium leider manchmal ein bisschen in die Quere.

Solange ich noch nicht von meiner Musik leben kann, werde

ich aber erst einmal weiter studieren.

An Deinem Traum arbeitest Du in Deinem eigenen Studio am

Standort Findorff. Wie kann man sich ungefähr vorstellen,

wie es in Deinem Studio aussieht ?

Das Studio ist im Obergeschoss meiner Wohnung. Ich habe

auf beiden Seiten zwar eine Dachschräge, aber trotzdem noch

genug Platz für alles, was ich als Produzent brauche. Natürlich

habe ich ein Computer-Setup. Das brauche ich als grundlegende

Basis, um meine verschiedenen Instrumente einzuspielen.

Außerdem habe ich verschiedene Keyboards und Gitarren, mit

denen ich meiner Kreativität beim Produzieren freien Lauf

lassen kann. Es gibt natürlich ein Mikrofon, um meine Stimme

aufzunehmen. Studiolautsprecher und -kopfhörer sind natürlich

auch mit von der Partie – sonst könnte ich meine Musik ja nicht

hören. Für einen besseren Raumklang habe ich noch sogenannte

»Absorber« an meiner Wand. Für Gäste und Pausen zwischendurch

steht noch eine chillige Couch in meinem Studio. Das

war es dann aber auch.

Du sprichst von Keyboards und Gitarren. Kannst Du beide

Instrumente spielen ?

Ja, genau, seit meinem sechsten Lebensjahr spiele ich Gitarre.

Mit 17 habe ich dann angefangen mir selbst Klavier spielen

beizubringen. Ich habe mich schon immer für Musik interessiert.

Dieses frühzeitige Interesse kommt mir natürlich jetzt

bei den eigenen Produktionen zugute.

Apropos eigene Produktion: Mit über einer Million Streams

Deiner ersten Single »All That She Wants« bist Du auf dem

Weg, Deinen Traum wahr werden zu lassen. Wie kam es zu

Deiner Remix-Version dieses Kulthits aus den Neunzigern ?

Ich wollte einen Song aus den Achtzigern oder Neunzigern neu

interpretieren, weil das aktuell gut funktioniert und ich die

Musik aus der Zeit sehr mag. Ich habe mir vieles aus dieser Zeit

angehört und bin irgendwann auf den Song gestoßen. Ich habe

eine Demo-Version entworfen und meinem Manager geschickt.

Er fand die Demo »cool«, hat vorgeschlagen, dass wir das Lied

mit einer Sängerin aufnehmen sollten und den Kontakt zu

Emma Louise Stansall aufgenommen, um sie für die Aufnahme

zu gewinnen. Sie hat ihre Vocals im Studio in England

aufgenommen und mir zugeschickt. Ich habe ihre Vocals nach

meinen Vorstellungen bearbeitet, sodass sie zum Song passen.

Hast du die Bearbeitung und finale Version des Songs komplett

allein gemeistert oder hattest du Unterstützung ?

Tatsächlich hat mich »ToneNation«, mein ehemaliger Dozent,

unterstützt, den Song abzurunden, den Mix fertig zu stellen und

richtig gut klingen zu lassen. Irgendwann war alles fertig.

Bist Du mit dem Ergebnis zufrieden ?

Zwischendurch hatten wir zwar das Gefühl, wir sollten den

Song nicht veröffentlichen, weil wir ihn sehr oft angehört

hatten. Ich bin aber heute sehr zufrieden, wie es gelaufen ist.

Damals habe ich zu einem guten Kumpel gesagt, dass es cool

wäre, wenn ich mit dem ersten Song 250.000 Streams erreiche.

Das erschien mir in Wahrheit aber damals absolut utopisch.

Jetzt habe ich deutlich mehr erreicht. Eine Million Streams –

das ist fast vierunddreißig mal ein ausverkauftes Weserstadion.

Das ist echt super viel.

Kommt es zu so vielen Streams, weil Dein Song einfach sehr

gut ist – oder was steckt da alles hinter ?

So einfach geht es leider nicht. Ich habe sehr viele Musikportale

angeschrieben, die meinen Song netterweise in ihre Playlists

gepackt haben. Es steckt schon sehr viel Arbeit dahinter. Wenn

man dranbleibt, läuft es irgendwann von allein – und Dein Song

erreicht immer mehr Aufmerksamkeit.

Gibt es sonst noch Faktoren, die die große Aufmerksamkeit

von »All That She Wants« ermöglicht haben ?

Der Faktor Social-Media spielt auf jeden Fall eine große Rolle.

Es ist schon arbeitsintensiv, auf »Instagram« und anderen u

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 07


q MERLIN JANOWSKY IM INTERVIEW

» Man muss keine Angst haben: einfach machen ... «

Plattformen aktiv zu sein und täglich neuen Content zu liefern.

Allein würde ich das auch nicht bewerkstelligt bekommen. Ich

habe zum Glück FreundInnen, die mich bei meinen Projekten

unterstützen. Der Aufwand für Social-Media lohnt sich, da

sich mir dadurch die Chance ergibt, viele Menschen und somit

potenzielle HörerInnen zu erreichen.

Du sprichst von FreundInnen, die Dich unterstützen. Ist es

schwierig für Dich, die verschiedenen Social-Media-Kanäle

gleichzeitig allein zu bedienen ?

Ja, auf jeden Fall ! Man unterschätzt doch sehr, wieviel Arbeit

dahintersteckt. Umso glücklicher bin ich über die Unterstützung,

die ich erhalte. Wenn ich das allein machen würde, wüsste ich

gar nicht, wie das gehen soll. Musikproduzent ist ganz klar ein

Hauptberuf. Wenn man den in Vollzeit machen möchte, kommt

man mit Sicherheit zeitlich über eine 40-Stunden-Woche.

Welche MusikerInnen sind für Dich Vorbilder ?

Mein allergrößtes Vorbild ist Calvin Harris. Calvin ist ein

Songwriter und Produzent aus Großbritannien – und einer der

größten und bestbezahlten DJs weltweit. Der macht alles selbst,

manchmal singt er sogar auch. Er ist ein bisschen wie ich: Auch

er mag seine Stimme nicht, hat er einmal in einem Interview

verraten. Aber in den Songs, die am erfolgreichsten sind, singt

er selbst – total geil !

Auf Deinem ersten Song singst Du nicht selbst. Wie sieht es

mit Deiner zweiten Single »This Ain’t What You Wanted« aus ?

Singst Du diesmal selbst ?

Ja, tatsächlich. Allerdings habe ich »nur« die Backing-Vocals

aufgenommen. Ich unterstütze mit meinem Begleitgesang im

Hintergrund die Hauptstimme. Dadurch kann man der Stimme

von Emma Louise, die wieder die Hauptstimme ist, mehr Fülle

und Durchsetzungskraft gegenüber den Instrumenten verleihen.

War der Ablauf also ähnlich wie bei Deiner ersten Single ?

Teils, teils. Meine zweite Single habe ich selbst geschrieben.

Selbst Komponist zu sein ist ein großer Unterschied – im

Gegensatz zu dem Remix der Neuinterpretation von »All That

She Wants«. Ansonsten lief es wie beim ersten Song ab. Ich habe

wieder eine Demo-Version an meinen Manager geschickt und

später hat Emma ihre Vocals eingesungen, die ich auch diesmal

bearbeitet und mit meinen Backing-Vocals ergänzt habe.

Aber es gab ein neues »Highlight«: Zum Abmischen, also dem

Zusammenfügen aller Einzelspuren zu einer Einheit, mit dem

Ziel eines ausgewogenen Gesamtklangs des Songs, bin ich zu

meinem Manager ins Tonstudio nach Hamburg gefahren. Das

Studio war sehr imposant. Dort hängen noch Platin-Schallplatten

von früher. Sowas sieht man wirklich nicht alle Tage – und

es wirkt alles sehr surreal. Wenn man weiß, wie viel Arbeit

dahintersteckt und es früher noch viel schwerer war, mit Musik

Erfolg zu haben, dann hat jede Platin-Schallplatte als Beweis für

viele verkaufte Tonträger schon eine große Bedeutung.

Wird man irgendwann »taub«, wenn man die ganze Zeit im

Studio sitzt und die gleiche Umgebung um sich hat ?

Ja, auf jeden Fall ! Zwischendurch muss man einfach ab und zu

rausgehen und den Song an einem anderen Ort hören. Mit der

nötigen Entfernung fallen einem noch Kleinigkeiten auf. Was

auch immer sehr wichtig ist, ist ein Autotest.

Was ist ein »Autotest« und warum ist der so wichtig ?

»Autotest« bedeutet einfach, dass man sich zum finalen Hören

in ein Auto setzt und den Sound voll aufdreht. Wenn es dann

gut klingt, ist es wie einen Haken hinter den Song zu setzen –

und man kann sicher sein, dass er funktioniert.

Nach dem Autotest habt Ihr den Song fertig gestellt. Hattest

Du Bedenken, da es Dein erster selbstgeschriebener Song ist ?

Bedenken hatte ich nicht unbedingt, aber nervös war ich schon.

Der erste selbstgeschriebene Song macht einen natürlich noch

ein bisschen angreifbarer. Wenn HörerInnen die erste Single

nicht gefallen hat, konnte ich sagen: »Ja, das Original habe ich

ja nicht selbst geschrieben«. Aber bei meiner zweiten Single

kann ich das nun nicht mehr sagen. Ich stehe dadurch noch ein

bisschen mehr in der Verantwortung. Einerseits bin ich sehr

stolz, andererseits nimmst Du es dir ein bisschen mehr zu

Herzen, wenn andere etwas über »deinen« Song sagen.

Wie fällt das Feedback bisher aus ?

Im Nachhinein war meine Nervosität eher nicht gerechtfertigt,

da ich durchweg positives Feedback zu »This Ain’t What You

Wanted« bekommen habe. Dennoch glaube ich, es ist normal,

ein bisschen nervös zu sein. Man muss die Meinung der ZuhörerInnen

ernst nehmen – denn nur ihnen muss der fertige Song

am Ende gefallen. Nicht mir. Prinzipiell lautet meine Devise:

Man muss keine Angst haben, einfach machen, den Song

veröffentlichen und abwarten, was passiert.

Das Jahr hat zwar schon ein paar Monate auf dem Buckel,

dennoch die Frage: Was sind Deine ganz persönlichen und

musikalischen Ziele für 2021 ?

Auf jeden Fall möchte ich noch mehr Singles veröffentlichen.

Bislang bin ich auf einem sehr guten Weg. Außerdem möchte

ich es schaffen, von meiner Musik leben zu können. Bis dahin

studiere ich weiter, bis es nicht mehr geht. Natürlich muss ich

weiterhin Social-Media betreiben und Musikvideos produzieren.

Alles läuft bisher ganz gut und macht mir sehr viel Spaß.

▼ ÜBER MERLIN JANOWSKY

Merlin ist ein junger Producer und Songwriter aus Bremen. Er

hat bereits mit seiner ersten Single über eine Million Streams erreicht.

Dieser bemerkenswerte Erfolg kommt nicht von irgendwo

her – er kommt aus Findorff, dort wo der 22-Jährige lebt und

täglich hart in seinem Musikstudio für seine Karriere arbeitet.

Interview: Tim Lösekann, Fotos: Phil Porter ▲

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 08


PROFILE

q DIE PSYCHOLOGISCHE BERATERIN AUS FINDORFF GIBT 155 TIPPS ZUR SELBSTBEHAUPTUNG

» Wir fühlen uns in Findorff pudelwohl. «

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 10

PETRA VON MINDEN

RATGEBERIN

F

rau von Minden, Sie sind seit 25 Jahren

selbstständig als psychologische Beraterin,

Coach, Supervisorin und Dozentin in der

Erwachsenenbildung tätig. Das klingt nach

einer ziemlich vielseitigen Karriere. Wie sah

Ihr beruflicher Weg dahin aus und wie war

der Start in die Selbstständigkeit für Sie ?

Mein Lebensweg war nicht ganz gerade.

Ich wusste nach dem Abitur überhaupt nicht,

wo es lang gehen sollte. Ich habe erstmal nach dem Prinzip

»Lust« alles Mögliche ausprobiert. Ich habe zunächst für das

Lehramt studiert – mit meinen Lieblingsfächern. Das hat nichts

mehr mit dem zu tun, was ich heute mache. Ich habe dann vieles

ausprobiert und gemerkt, dass der gemeinsame Faktor die Arbeit

und Begegnung, der intensive Kontakt mit Menschen ist. Erst

ziemlich spät, im Alter von ungefähr 35 Jahren, haben sich die

unterschiedlichen Erfahrungen, inklusive einer eigenen Therapie,

zusammengefügt zu dem, was ich heute beruflich mache.

Die Selbstständigkeit war nicht ganz freiwillig. Die kam, weil

ich einfach nicht den idealen Job gefunden hatte und meine

Fähigkeiten einfach auf eigene Faust angeboten habe.

Vielleicht sollte es so sein.

Heute arbeiten Sie in ganz verschiedenen Bereichen. Wie

vereinen Sie die unterschiedlichen Tätigkeiten – und gibt es

etwas, was Sie besonders gerne machen ? Oder liegt der Reiz

gerade darin, in verschiedenen Kontexten tätig zu sein ?

Ja, diese Vielfältigkeit gefällt mir. Die Lehrerin steckt immer

noch in mir. Die Arbeit an der Schule war aber nicht das Richtige

für mich. Heute unterrichte ich Kommunikation, Beratungsarbeit

etc. in der Erwachsenenbildung, in Ausbildungen und an

der Universität. Für mich steht aber die beratende Tätigkeit im

Vordergrund. Ich berate Menschen in allen Lebenssituationen

und diesen intensiven und ehrlichen Kontakt schätze ich sehr.

Beratung und Coaching biete ich als Supervisorin auch für

Gruppen und Arbeitsteams an. Was ich besonders an meinem

Beruf schätze, ist, dass die Menschen freiwillig und gerne zu

mir kommen. Letztlich ist es das Gesamtbild, welches den Reiz

für mich ausmacht. Unterschiedliche Aufträge mit immer wieder

anderen, herausfordernden Aufgabenstellungen zu haben,

macht mir Spaß. Es ist jeden Tag wieder neu, bunt und immer

wieder überraschend. Ich kann von allem das Beste in meinen

Tätigkeiten vereinen und bleibe dabei flexibel und unabhängig.

Was für Menschen sind es, die Ihr psychologisches Fachwissen

in Anspruch nehmen ?

Ich arbeite in diesem Bereich jetzt seit 25 Jahren und früher

waren es tatsächlich überwiegend Frauen. Aber das stimmt

heute nicht mehr. Jetzt nehmen auch viele Männer Seminarund

Beratungsangebote wahr. Ich berate Menschen aus allen

Bevölkerungsschichten. Viele kommen aus sozialpädagogischen

Berufen. Das liegt aber daran, dass ich in dem Bereich entsprechend

viele Kontakte habe und man mich dort kennt. Auch in

den Kursen, beispielsweise an der Volkshochschule, lernen mich

Menschen kennen, die danach zu mir kommen.

Sich psychologische Unterstützung zu suchen hatte lange einen

schlechten Ruf. Es wurde als Schwäche gesehen und war mit

Scham behaftet. Gibt es solche Vorbehalte immer noch oder

hat sich die gesellschaftliche Meinung da verändert ?

Ich habe das nie so erlebt. Das mag aber auch an mir liegen.

Für mich ist das eher eine Auszeichnung. Ich liebe und schätze

Menschen, die an sich arbeiten und sagen: »Ich will das nicht

alles so hinnehmen, wie es ist. Es soll sich etwas ändern und

ich möchte etwas dafür tun.« Das vertrete ich offenbar so klar,

dass ich noch nie erlebt habe, dass jemand psychologische Unterstützung

als Schwäche gesehen hat. Die meisten, die zu mir

kommen, haben damit kein Problem. Sie reden mit Freunden

und Kollegen durchaus darüber, dass sie zu mir kommen. Es ist

natürlich von Person zu Person unterschiedlich. Aber psychologische

Hilfe ist definitiv kein Tabuthema mehr. Gott sei Dank !

Ich habe selbst Psychologie studiert und erlebt, dass man als

Psychologin oft mit Respekt, aber auch einer gewissen Vorsicht

behandelt wird. Es gibt zum Beispiel das berühmte PsychologInnen-Klischee,

man würde immer alle in seinem Umfeld

analysieren. Trifft das bei Ihnen zu ?

Ich kann da wieder nur für mich sprechen. Man kann nicht in

die Köpfe anderer gucken. Schon möglich, dass jemand sich

solche Sorgen macht, wenn er oder sie hört, was ich beruflich

mache. Natürlich würden sie sich mit mir unwohl fühlen, wenn

ich mich ihnen gegenüber wie eine Therapeutin benehme. Diese

Personen werden dann ganz genau hinschauen und nachspüren,

wie sie sich mit mir fühlen. Fühlen sie sich analysiert ? Wenn das

von mir nicht kommt, dann wird diese Sorge ganz schnell abgelegt.

Ich frage mich gerade, ob ich wohl durch meinen Beruf

im normalen Alltag anders als andere kommuniziere ? Komplett

weglassen kann ich meine Fähigkeiten wohl nicht. Ich achte viel

auf Nuancen der Kommunikation und auf Körpersprache. Solche

Dinge fallen mir natürlich viel leichter auf, als anderen, einfach,

weil ich das so oft mache. Sicherlich bin ich durch meine

beruflichen Fähigkeiten ein wenig sensibler. Ich merke beispielsweise

schnell, wenn jemand sich zurückziehen und ein Thema

beenden will. Das respektiere ich natürlich immer. Aber bei der

Arbeit habe so etwas wie einen Knopf, den ich anschalte. Damit

fokussiere ich meine Aufmerksamkeit dann ganz stark. Das

mache ich im privaten Kontext nicht so, da bin ich vollkommen

normal. Das gehört sich auch so, finde ich. Tatsächlich habe ich

eher erlebt, dass die Tatsache, dass ich als Psychologin arbeite,

als eine Chance gesehen und mir mehr erzählt wird, nach dem

Motto: »Dann kann ich dich ja gleich mal etwas fragen.«

Neben Ihrer sonstigen Arbeit sind Sie zudem auch Autorin

des Ratgebers »Meine Grenzen erweitern: 155 Techniken zur

Selbstbehauptung und zum Abbau innerer Blockaden«. u

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 11


q PETRA VON MINDEN IM INTERVIEW

» 155 Ideen, um für sich das Richtige zu finden. «

Ihr Buch richtet sich an Menschen, die quasi zu hilfsbereit sind

und schwer »nein« sagen können. Wie kam es dazu, dass sie

gerade dieses Thema für ihr erstes Buch ausgewählt haben ?

Das ist aus der Arbeit heraus entstanden, weil ich in den Seminaren,

die ich an der Volkshochschule und in anderen Einrichtungen

gebe, immer wieder darüber stolpern musste. Wenn dort

eine Person gesagt hat, dass sie sich nicht richtig abgrenzen kann,

hat der überwiegende Teil der Gruppe ebenfalls ein großes

persönliches Interesse an diesem Thema gezeigt. Immer gab

es dazu viele Fragen, wurde eine Vertiefung des Themas gewünscht.

Die meisten Menschen haben auf die eine oder andere

Weise ein Problem mit der richtigen Grenze. Irgendwann war

dann die Idee da: Wenn so ein großer Bedarf vorhanden ist,

kann ich doch in Buchform die vielen Fragen beantworten. Ich

habe mich aber zunächst auf dem Buchmarkt orientiert. In den

Jahren 2017/2018 gab es erstaunlicherweise noch gar nicht viele

praktische Ratgeber zu diesem Thema. Die vorhandenen haben

einen anderen Fokus gesetzt. Was mich bei einigen Büchern

immer wieder ärgert, ist der schnelle Tipp: »Du musst einfach

mal ›nein‹ sagen«. Genau das können die Ratsuchenden ja

nicht. Natürlich ist das eine Möglichkeit, aber die reicht für die

meisten Menschen nicht. Zudem muss jeder eine andere Form

finden, die für ihn ganz persönlich geeignet ist. Für hilfsbereite

Menschen ist es einfach gar nicht machbar, so abrupt »nein«

oder »stopp« zu sagen und sein Gegenüber damit im Regen

stehen zu lassen. Sie brauchen z.B. dezentere Formen. Am Ende

sind irre viele Techniken entstanden: 155 Ideen, damit jedeR

für sich das Richtige finden kann. Insgesamt fand ich, dass die

Problematik der Abgrenzung zu oberflächlich behandelt wurde.

Sie setzte nicht dort an, wo das Problem anfängt: teilweise bei

der Erziehung und tief verwurzelt im Unterbewusstsein, in Form

von Mustern und Grundsätzen. Dazu fand ich nicht ausreichend

Informationen. Dieses Thema wollte ich vertiefen. Mittlerweile

sind aber zahlreiche Bücher zu dem gleichen Thema auf den

Markt gekommen. Mein Buch zeichnet sich meines Erachtens

jedoch besonders durch die tiefgehende Betrachtung der

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 12

Problematik aus, als auch durch die Menge der praktischen

Hinweise.

Im Vorgespräch zu unserem Interview hatten Sie erwähnt,

ein wichtiger Aspekt Ihres Buches sei, dass Grenzen im Kopf

entstehen. Was meinen Sie damit ?

Vielleicht sollte ich dazu ein Beispiel bringen. Sobald wir

denken: »Ich kann das nicht.«, oder: »Das wird Ärger geben.

Sie wird sauer sein.«, laufen entsprechende chemische Vorgänge

in unserem Körper ab. Das heißt, der Organismus stellt

sich schon auf die vorgestellte Situation ein, er ›wappnet‹ sich.

Muskeln spannen sich z.B. an, wenn ich an eine Auseinandersetzung

denke. Die ganze Chemie des Organismus verändert

sich entsprechend dieses Gedankens: die Mimik, die Haltung,

die Körperspannung, das Denken, die Wahrnehmung. Genau

das strahle ich dann auch aus. Das sehen die anderen. Unbewusst

wird das ständig wahrgenommen. Dominante Menschen

sehen das als Chance und haben dann leicht die Oberhand.

Die spüren automatisch: Mit der Person kann ich es machen.

Insofern fängt Abgrenzung in unserem Denken an. Wie denken

wir über uns selbst ? Wie beurteilen wir andere oder uns selbst,

unsere Fähigkeiten ? Das meiste davon ist uns gar nicht bewusst:

warum wir bestimmte Dinge machen und wie wir Situationen

beurteilen. Diese Vorgänge sind vollkommen normal und bei allen

Menschen so. Dort wollte ich ansetzen. Was haben die Menschen

für ein Verhältnis zu sich selbst, zu ihrem Körper, zu ihren

Fähigkeiten, zu ihrem Selbstbild ? Der erste Teil des Buches ist

Theorie, weil ich möchte, dass man versteht, was da abläuft.

So kann jeder Verständnis für sich selbst aufbringen und es ist

durchaus auch möglich, etwas zu verändern, zu verbessern, um

dann positiver, selbstbewusster und aufrechter aufzutreten.

Was empfehlen Sie jemandem, der oder die darunter leidet,

sich nicht ausreichend abgrenzen zu können ?

Man kann das sehr kurz zusammenfassen: Das Hauptthema

ist »Abstand«. Das ist das grundsätzliche Thema, um das es die

ganze Zeit geht. Wenn uns jemand im direkten wie im übertragenen

Sinne »zu nahe« tritt, dann läuft in unserem Organismus

dasselbe Programm ab wie bei tatsächlicher Gefahr. Wir

können nicht mehr richtig denken, wir möchten am liebsten

weglaufen und wir können nicht mehr rational agieren. Diesen

emotionalen Stress benutzen einige Menschen. Auch Machtspiele

laufen auf dieser Ebene ab. Also haben alle empfohlenen

Techniken mit dem richtigen Abstand zu tun. Immer ! Diesen

Abstand kann ich sehr unterschiedlich gestalten. Zwei Beispiele:

Einerseits, wenn ich schon vorher weiß, dass mein Grenze überschritten

wird, und andererseits die Situation, wenn so etwas

plötzlich und unerwartet passiert. Da gibt es unterschiedliche

Herangehensweisen. Wenn ich zum Beispiel zur Arbeit muss

und weiß, da ist wieder der Kollege Roth, der meine Einwände

einfach beiseite schiebt und nicht beachtet, dann kann ich

mich vorbereiten, indem ich mir klar mache: Ich kenne meine

Aufgabe und werde meine Bedenken ganz ruhig vertreten. u

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q PETRA VON MINDEN IM INTERVIEW

» Ich schreibe schon mein ganzes Leben lang gern. «

In Findorff seit 1989

Zu Hause und mit einem sicheren Abstand, kann ich mich

gut darauf konzentrieren. Dazu würde ich empfehlen, schon

im Voraus einen sicheren Abstand zu visualisieren. Das heißt,

ich stelle mir zum Beispiel eine Glaswand vor. Ich sehe diese

Glaswand, auch wenn sie gar nicht existiert. Die richte ich dann

in einem angemessen sicheren Abstand ein und sage damit:

»Bis hierhin kannst Du kommen und nicht weiter !« Diesen

Abstand stelle ich mir zwar nur vor, aber in meinem Organismus

verändert diese Vorstellung etwas: Ich fühle mich deutlich

geschützter. Diesen Tipp habe ich in Supervisionen schon ganz

oft weitergegeben. Ich weiß, der klingt verrückt, aber er ist für

die meisten Menschen hochwirksam. Durch diese Technik bin

ich relativ geschützt: Ich weiß, wer ich bin, was ich will und

ich habe mir eine klare Grenze eingerichtet. Es ist erstaunlich,

wie andere Menschen diese Grenze zu spüren scheinen und

darauf prompt reagieren, das ist irre. Dann der zweite Fall: In

einer Situation werde ich verbal überfahren, konnte also meinen

Schutz vorher gar nicht mobilisieren. Keiner ist davor gefeit,

dass jemand plötzlich unsere Grenze überschreitet. Das kann

übrigens auch mit Blicken oder Worten geschehen. Ein abschätziger

Blick ist auch schon eine Grenzüberschreitung. Wieder

geht es um Abstand. Manchmal reicht es tatsächlich, einfach

nur einen kleinen Schritt zurückzugehen, um sich körperlich ein

paar Zentimeter zu entfernen, den Abstand zu vergrößern. Sie

können auch einen Gegenstand, ein Buch oder eine Tasse zur

Hand zu nehmen und so eine »Barriere« zum anderen schaffen.

Auch zeitlich oder inhaltlich können Sie für sich sorgen. Bevor

Sie eine Zusage machen, die Ihnen hinterher wieder leid tut,

könnten Sie sagen: »Darüber werde ich mal nachdenken. Ich

gebe Ihnen nachher Bescheid.« Wenn das nicht geht, weil der

andere Sie bedrängt, bleibt immer noch eine letzte (Notfall-)

Technik, die immer funktioniert: Der Gang auf die Toilette,

eine tatsächlich gesellschaftlich akzeptierte Flucht. Ich gehe

räumlich raus aus der Situation, auf das »stille Örtchen«, und

kann mich sortieren. Ich habe ein bisschen Zeit, ich habe räumlichen

Abstand und kann überlegen, was ich eigentlich wirklich

will. Ich kann meinen Schutz, zum Beispiel die Glaswand,

wieder mobilisieren. Ich kann überlegen, wie ich in die Situation

zurückgehen will und was ich dann sage. Das sind ein paar

Techniken, die man auch gut kombinieren kann.

Über welche Themen würden Sie noch gerne schreiben ?

Ich schreibe schon mein ganzes Leben lang gern – und es fällt

mir relativ leicht. Momentan schreibe ich an einem Buch über

beratende Situationen, wie sie im Alltag zwischen Menschen

stattfinden. Es geht um Grundlagen für beratende Gespräche,

für Laien und für angehende Profis. Ich bin noch ein bisschen

am korrigieren, aber dieser Ratgeber kommt dann wohl Mitte

Juni beim »epubli-Verlag« raus.

Sie arbeiten in Bremen und leben privat in Findorff. Gibt es

bei uns vielleicht mehr potenzielle KlientInnen als anderswo ?

Nein, das sicher nicht, meine KlientInnen kommen aus allen

Berufsgruppen und auch aus allen Herkunftsländern. Ich lebe

schon länger in Findorff, als ich im psychologischen Bereich

arbeite. Der Stadtteil ist zentrumsnah, »multikulti« und es gibt

tolle Geschäfte. Mir gefällt auch die Nähe zum Bürgerpark.

Wir fühlen uns hier einfach pudelwohl.

▼ ÜBER PETRA VON MINDEN

Petra von Minden arbeitet selbständig als Psychologische

Beraterin, Coach, Supervisorin und Dozentin in der Erwachsenenbildung.

Ihre Schwerpunkte sind Kommunikation und

Gesprächsführung, Konfliktbewältigung und Selbstbehauptung.

Privat lebt die 63-Jährige gemeinsam mit ihrem Mann, der als

Rechtsanwalt tätig ist, seit über 30 Jahren in Findorff. Für alle

interessierten FindorfferInnen und natürlich auch alle anderen

gibt es die Möglichkeit, ein Exemplar des Buches »Meine Grenzen

erweitern: 155 Techniken zur Selbstbehauptung und zum

Abbau innerer Blockaden« direkt bei der Autorin zu erwerben

– gern auch mit persönlicher Widmung. Bei Interesse kann

man sich melden unter Telefon 0421 /35 49 85 oder per E-Mail

petravm@freenet.de

Interview: Leona Ilgner, Foto: Martin Bockhacker ▲

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FINDORFF GLEICH NEBENAN | 14


q BREMEN AUS DER SICHT EINES FLANEURS

q DIE SPARKASSE BREMEN IN FINDORFF

Nachhaltig und digital

Rom des Nordens: ein Versprechen

V

on unseren nachhaltigen Geldanlagen,

wie BremenKapital

FairInvest oder Smavesto,

haben Sie bestimmt

schon gehört. Neu ist

bei uns ein nachhaltiges

Girokonto für junge Menschen,

das als CO 2 -neutral

zertifiziert ist. Dafür kompensieren

wir alle Emissionen, die rund ums

Girokonto anfallen. So unterstützen

wir über einen Klimafonds unter anderem

soziale und kulturelle Einrichtungen

in der Region beim Klimaschutz.

Alle, die sich in Schule, Ausbildung oder Studium befinden

und unter 30 Jahre als sind, erhalten unser Bremer Konto Start

kostenlos. Also, am besten gleich online abschließen ...

Klimaschutz beginnt aber schon zu Hause. Wie das geht, verraten

sogenannte »grüne Apps«. Diese Anwendungen helfen

dabei, ökologischer zu leben. Sie reichen vom Saisonkalender

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Abgabestelle für Elektroschrott. Schauen Sie doch einfach

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Um Geld ausgeben geht es bei der nächsten

Neuerung. Unter dem Namen »giropay« bündeln

Banken und Sparkassen ihre Online-Bezahlsysteme,

zu denen auch unsere Angebote

paydirekt und Kwitt gehören. Das ist einfach, aber

auch im Hinblick auf Datenschutz und Käuferschutz

eine gute Nachricht. Zahlungen laufen

über das Girokonto. Der Händler erhält

keine Daten, sondern nur die Bezahlbestätigung

durch die Sparkasse.

In einem persönlichen Gespräch erzählen wir Ihnen gerne mehr

dazu. Mein Tipp: Rufen Sie uns an, wenn Sie eine Serviceanfrage

oder einen Beratungswunsch haben. Unter 179-2627 oder per

E-Mail an Filiale27@sparkasse-bremen.de erreichen Sie uns.

Bleiben Sie gesund !

Herzlichst, Saskia Döring, Kundenberaterin

Text: Sakia Döring, Foto: Kerstin Rolfes ▲

A

ls dieses Stadtteilmagazin vor vier Jahren

Simone Stöbel, Inhaberin von »modisign«,

in einem Interview befragte, warum sie für

ihr erstes Ladengeschäft die Admiralstraße

123 gewählt hat, sagte sie: »Ich habe vorab

gehorcht, was die Miete wohl

so kosten würde. Dann hat

der Inhaber gewechselt – das

war vorher in meinen heutigen

Räumlichkeiten der bekannte Fotograf Phil Porter. Im

Rückblick betrachtet war er es, der für diese Adresse ein positives

Image aufgebaut hat. Der Standort war durch ihn schon

positiv besetzt; sonst hätte ich das Geschäft nicht übernehmen

können.« Simone Stöbel hat inzwischen ihre Ladenfläche

vergrößert und ist mit »modisign« in die Admiralstraße 158 gezogen.

Nicht nur sie hat expandiert: Auch Phil Porter hat seine

künstlerischen Aktivitäten multimedial massiv ausgebaut und

sein einstiges Findorffer »Revier« auf ganz Bremen ausgeweitet.

Der in eigener Selbsteinschätzung »Hedonist, Voyeur, Ästhet«

ist nach wie vor ein hervorragender Fotograf, aber eben nicht

nur: Porter hat sich größere »Handlungsspielräume« eröffnet

und als personifiziert inszenierte »Marke« konsequent verfolgt.

Wenn es in der Zeit nach »Corona« wieder geht, lädt er demnächst

beispielsweise wieder ein zur »La Rebelión: Maskenball«

mit den Shows »Götter & Gestalten« und »Tanz der Toten« im

BUCHTIPP

»Park Hotel«, veranstaltet »What the Hell« für »Hellfish Tattoo«

als Bremens galanteste Freakshow im »Schuppen 1« und organisiert

für das geneigte Publikum Stadtführungen durch die Bremer

Altstadt als famosen Ritt durch das »Rom des Nordens«. So

empfindet er Bremen und so betitelt er auch ein kleines, feines

gedrucktes Werk, in dem Porter, hier als Literat,

ausgesuchte Sehenswürdigkeiten aus seiner

speziellen Perspektive betrachtet – derartig

interessant geschrieben und neu entdeckt, dass

öde, schnöde Broschüren, mit denen sich Marketingprofis seit

Jahren bemühen, für Bremen zu begeistern, plötzlich ziemlich

hausbacken aussehen. Als begnadeter Selbstinszenierer weiß er,

wie man eine positive Außendarstellung aufbaut und bewirbt

sein Buch wie folgt: »Sex kann man überall auf der Welt haben

– doch nur in Bremen fühlt es sich auch wie Liebe an. Nicht

nur deshalb ist der Titel »Rom des Nordens« kein zufällig gewählter:

Er ist ein Versprechen.« Kann man noch verheißungsvoller

formulieren ? Nein, kann man nicht. Wer sich nicht spätestens

jetzt und sofort unter www.phil-porter.de inspirieren lassen

möchte und »by the way« dieses famose Büchlein bestellt, dem

ist nicht zu helfen. Die 56 Seiten Seiten mit Fotografien von Ben

Drücker gibt es übrigens im Findorffer Bücherfenster und unter

www.philporter.de/shop – und Simone Stöbel hat das besondere

Talent des Bremer Flaneurs von Anfang an erkannt.

Text: Mathias Rätsch, Foto: Soul Chasing Photography ▲

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 16

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PROFILE

q STEFAN »KIMBO« GRÄFE IM INTERVIEW

» Ich bin als Pöks hinter dem Tresen herumgelaufen. «

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 20

STEFAN »KIMBO« GRÄFE

KNEIPENWIRT

M

oin Kimbo ! Du betreibst mit Deinen

Partnern Buddle und Madde

seit Anfang 2021 unter dem neuen

Namen »Lugger« die Kneipe im

und den Biergarten am Schlachthof.

Was bedeutet »Lugger« ?

Lugger ist das Segel oder die Segelform

der alten Torfkähne, die auf

dem Torfkanal herum geschippert sind. Wir haben uns für den

Namen entschieden, weil wir einen Bezug zu Findorff und zum

Maritimen wollten, weil wir ein Weltreisekonzept haben. Außerdem

kann man mit »Lugger« tolle Wortspiele machen, so wie

»luggerbleiben«. Auch unsere DJ-Reihe heißt »Luggerrythmus«.

Der Biergarten auf dem Außengelände heißt jetzt »Bierhaven«.

Die Holzhütten sind weg. Was hat sich verändert »drinnen

und draußen« ?

Ich würde sagen: So ziemlich alles. Wir haben den Biergarten

»Bierhaven« genannt, weil wir maritim sind – und auch zwei

Bremerhavener dabeihaben. Madde und ich kommen dort

her und wir nennen Bremerhaven immer »B-haven« (englisch

ausgesprochen, Anmerkung der Reaktion). Das fanden wir

schön, weil es sich ähnlich anhört und wir dazu auch einen

persönlichen Bezug haben. Bei uns gibt es auch keine simplen

Bierbänke. Wir haben alles sehr individuell vom wunderbaren

Immo Wischhusen bauen und entwerfen lassen. Es gibt »Hingucker-Möbel«,

wie es sie bislang in Bremen so noch nicht gab und

die eine andere Art von Gemütlichkeit erzeugen. In der Kneipe

im Schlachthof ist auch fast alles neu. Fast alles ist selbstgebaut,

selbst »gekünstelt«. Der ebenfalls wunderbare Olaf Kock zeichnet

sich zum Beispiel für die Wandgestaltung verantwortlich.

Du bist begeisterter Wahl-Findorffer und im »Lugger« der

Mann vor Ort der »Gäste-Wohlfühl-Macher«. Welche bisherigen

gastronomischen Erfahrungen bringst Du mit ?

Ich bin Quereinsteiger mit dem schon fast üblichen Werdegang

für Gastronomen. Nach Bremen zum Studieren gekommen,

dass dann auch 22 Semester getan und ganz viel nebenher gejobbt.

Dann hatte irgendwann Christoph Lottes, der ein Freund

von mir ist, die Idee, das »Fehrfeld« im Viertel zu eröffnen und

mich als Barchef einzustellen. Von da an ging es richtig los. Erst

habe ich das »Fehrfeld« mit aufgebaut und über fünf Jahre dort

gearbeitet. Dann bin ich ins »PAPP« in die Neustadt gewechselt,

habe es mit aufgebaut und war dort auch der Barchef. Zuletzt

habe ich das »Café Sylvette« in der Kunsthalle mit eröffnet und

mich dort in die Welt des Kaffees verliebt. Ich hatte vorher nie

einen Schluck Kaffee getrunken und fand die neuen Erfahrungen

rund um die braune Bohne sehr spannend. Ich hatte auch

das große Glück, dass ich immer für Freunde in den Läden gearbeitet

habe. Ich war immer mit dabei, wenn es galt, einen neuen

Laden mit anzuschieben. Jetzt möchte ich »Lugger« anschieben,

auf jeden Fall aber weiter drin sitzenbleiben. Es ist anstrengend,

einen Laden mit aufzubauen und bekannt zu machen. Das ist

viel Arbeit, aber auch eine sehr schöne Arbeit. In Findorff im

»Lugger« habe ich meinen »Hafen« gefunden. Der Weg in die

Gastronomie war bei mir insofern auch vorgezeichnet, da meine

Oma immer in Kneipen in Bremerhaven gearbeitet hat und

Kneipen hatte, genau wie meine Mutter. Und da ich ein »Mama-Kind«

war, ist der Weg in die Gastronomie eigentlich klar

gewesen. Rückblickend betrachtet hätte ich gar nicht unbedingt

studieren müssen. (lacht). Ich bin schon als Pöks hinter dem

Tresen herumgelaufen.

Welche Aufgaben haben Buddle und Madde als Betreiber ?

Madde kenne ich mittlerweile seit 35 Jahren. Er gehört zu

meinen allerbesten Freunden. Madde hat lange im Süden für

»Adidas« und »Puma« gearbeitet. Er ist aus unserem Trio derjenige,

der wahnsinnig viel betriebswirtschaftliches Know-how

hat. Er sagt mir, wie viel Budget wir zur Verfügung haben. Er

macht das als Herr der Zahlen nach dem Motto »Nun flipp‘

mal nicht aus.« – denn wenn ich mir die super teuren Kaffeemaschinen

leisten würde, die ich für oben und unten in meiner

Wunschvorstellung gern hätte, dann wäre quasi der ganze

Laden schon bezahlt. Madde ist zudem sehr stilsicher. Buddle

hingegen ist bei uns der »Meister der Veranstaltungstechnik«.

Er ist wahnsinnig stark in technischen Abläufen, in Skizierungen

und sehr genau in Planungsgeschichten. Da ich etwas chaotisch

bin ergänzt sich alles gut. Und Buddle macht die ganzen

buchhalterischen Sachen wie beispielsweise die Personalkosten.

Das muss ich zum Glück nicht machen. Ich kann die ganze

Zeit da sein und mich auch auf das konzentrieren, was ich

gern machen möchte. Beide Partner stehen voll hinter mir. u

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FINDORFF GLEICH NEBENAN | 21


q STEFAN »KIMBO« GRÄFE IM INTERVIEW

» Unbedingt die Gräfe-Fischfrikadellen probieren. «

q PROMOTER HARTWIG KOMAR AUS FINDORFF

»Optimistisch bleiben ! «

KULTUR

Du bist auch bei den »KulturKraken« aktiv und einer der

Macher von »Lichter der Neustadt«. Haben Du und Deine

Partner mit diesem Background vor, auch Findorff mit

größeren Veranstaltungen kulturell neu zu beleben ?

Ja, so etwas wie »Lichter Findorffs« zu veranstalten kann ich

mir total gut vorstellen; auch um damit gewisse Synergien zu

erzeugen. Toll ist, dass ich mit dem Verein »Kulturzentrum

Schlachthof« einen erstklassigen Veranstalter mit im Haus habe.

Es ist natürlich so, dass ich das Hauptaugenmerk auf die Gastronomie

lege und mich darauf konzentriere. Es wäre darüber

hinaus großartig, mit dem Schlachthof e.V. Hand in Hand neue

Konzepte zu entwickeln. Ein solche Kooperation wäre schön

und als »KulturKraken« würden wir uns darüber sehr freuen.

Doch das ist Hoheitsgebiet des Schlachthofs. Auch im Außenbereich

im »Kolosseum« im Sommer etwas zu veranstalten,

wäre sehr reizvoll. Ich empfehle für Neuigkeiten unsere

Internetseite oder die des Schlachthofs zu besuchen.

Im »Lugger« soll es auch eine Plattform für lokale KünstlerInnen

geben, die von Euch eingeladen sind, mit guten Ideen die

Atmosphäre mitzugestalten. Wie wird das konkret aussehen ?

Wir sind offen für MalerInnen und FotografInnen – und

möchten im »Lugger« optimalerweise alle zwei bis drei Monate

wechselnde Ausstellungen realisieren.

Wie wird die Speisekarte aussehen ?

Ich würde unser Angebot norddeutsch angehauchte, solide

Küche nennen – mit bestimmten »Twists«. Wir haben zum

Beispiel Labskaus auf der Karte. Labskaus machen wir mit

geräucherter Ente statt mit Corned Beef. Christian Macha ist

unser Chefkoch, für uns ist er unser »Leckermacha« ! Er hat

lange im »Canova« gekocht, war im »Chapeau La Vache«, im

»Flagman« in Oberneuland und auch bei »Jan Tabac« in Bremen

Nord. Christian ist ein Koch, der richtig Geschmack in den Fingern

hat und zugleich ein wahnsinnig toller Mensch ist. »Icke«

ist sein Spitzname. Er lebt seit über 20 Jahren in Bremen und

weigert sich weiterhin Hochdeutsch zu sprechen. Er berlinert

immer noch wie ein »waschechter«. Es wird auf der Speisekarte

auch Currywurst geben. Die gehört für uns zu einem Biergarten

einfach dazu. Wir haben eine ehrliche, nachhaltige Küche.

Der Veggie und Vegan-Anteil ist in etwa Hälfte-Hälfte im

Vergleich zum Fleischanteil. Sich vegan oder vegetarisch zu

ernähren macht einfach immer mehr Sinn. Das Fleisch kommt

von einem regionalen Anbieter. Man kann tatsächlich die

Tiere besuchen und gucken wie sie gehalten werden. Darauf

werden wir aber auch in der Karte und im Internet hinweisen.

Es gibt auf unserer Karte außerdem Fisch und auch verschiedene

Fischbrötchen mit einer unschlagbar leckeren Fischfrikadelle.

Die ist handgemacht nach einem alten Rezept meiner

Familie. Die Speisekarte besteht aus etwa zwölf Gerichten und

sogenannten »Trinkbegleitern«. Und da wir mit der »Lugger«

eine Weltreise machen, steuern wir kulinarisch ca. alle zwei

Monate einem anderen Hafen an. Je nachdem wo wir gerade

angelegt haben, gibt es in Tel Aviv zum Beispiel Falafel und

Shakshuka, sowie einen israelischen Wein und auch einen

speziellen Cocktail.

Gibt es kulinarische Angebote, die man nur bei Euch findet ?

Auf jeden Fall unbedingt die Gräfe-Fischfrikadellen probieren.

Wir werden das Rad nicht komplett neu erfinden, aber es vielleicht

nur ein wenig runder machen.

Dein persönliches »Highlight« als Empfehlung ?

H

allo, Hartwig ! Nahezu das gesamte Business

Deiner Branche ist weggebrochen. Wie hat

»ON STAGE« diese Zeit überstanden ?

Mit Leeraufwand für mehrfach verschobene

Tourneen. Wir haben uns auf die Entwicklung

des Label-Geschäfts von »ON STAGE

records« und die Restrukturierung und Erweiterung

des Unternehmens konzentriert.

Kannst Du die Einnahmeverluste prozentual beziffern ?

Die Verluste betragen tatsächlich 100 Prozent. Rein gar nichts

ging mehr. Zum Glück gab es die staatlichen Hilfen.

Deine Agentur in Findorff arbeitet viel mit älteren MusikerInnen

zusammen. Wie gehen MusikerInnen mit dem

Stillstand um, die sonst dafür »brennen«, live vor Publikum

zu spielen ?

Sie üben sich in Geduld und nutzen die Zeit, um neue Alben

zu produzieren. Einige haben sich verständlicherweise aus dem

Live-Geschäft in den Ruhestand zurückgezogen.

Siehst Du Licht am Ende des dunklen Corona-Tunnels ?

Ja, aber ich teile die Euphorie nicht, die in der Branche zum

Teil herrscht, dass gleich nach Öffnung der Clubs und Konzerthallen

ein ausgehungerter »Run« auf die Konzerte entsteht.

Eher glaube ich, dass es zaghaft und langsam wieder startet.

»ON STAGE tour & concert promotion« kündigt Konzerte

ab dem Herbst 2021 an. Wird es »live« wie früher werden ?

Ich denke nicht, dass das Vorniveau jemals wieder erreicht

wird. Wohin die Entwicklung geht, kann man noch nicht

sagen. Nur eines ist sicher: Die Ticketkosten werden steigen.

Kann man Euch durch frühzeitigen Ticketkauf unterstützen ?

Ein frühzeitiger Ticketkauf wird in Zukunft für die Besucher-

Innen noch wichtiger, da noch lange Begrenzungen der

BesucherInnenzahlen bestehen bleiben werden.

Was passiert, wenn Konzerte nicht stattfinden, weil die Pandemie

doch länger andauert oder sich erneut verschärft ?

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 22

Glasklar: Lecker »Flötzinger Helles« oder einen von unseren

leckeren Cocktail-Kreationen oder vielleicht doch einen Wein ?

▼ ÜBER »LUGGER«

Betreiber der Kneipe im Schlachthof und des Biergartens

»Bierhaven« im Außenbereich in der Findorffstraße 51 ist die

Mecking, Ladehoff GbR. Geöffnet ist an sieben Tagen die

Woche. An Sonntagen wird Frühstück und Frühschoppen angeboten.

Der »Bierhaven« ist ab 15:00 Uhr geöffnet. Warme Küche

gibt es ab 17:00 Uhr. Speisen können auch zu den Öffnungszeiten

telefonisch vorbestellt und abgeholt werden. Infos und die

Speisekarte des »Lugger« gibt es auf www.luggerbleiben.de

Interview: Nicole Henze, Foto: Norman Böttger ▲

Dann »gute Nacht Marie«. Natürlich werden wie bisher

gekaufte Tickets erstattet, beziehungsweise behalten die

Gültigkeit für Nachholtermine. An dieser Stelle ein großes

Dankeschön an alle Geduldigen für ihr Verständnis.

Welche Highlights kannst Du für demnächst ankündigen ?

Wir wollen optimistisch bleiben und freuen uns für den

»Neustart« live auf WATERSHED, Carl Palmer’s ELP, Laura

Cox, Nektar, Stan Webb’s Chicken Shack; Véronique Gayot,

als Newcomerin, gehört ebenfalls zu den Highlights. Auch

interessante Tribute Shows wie die Jack Moore Band und die

CCR Revival Band sind im Programm. Einige der verschobenen

Shows finden sich aber erst im Programm 2022 wieder.

Vielen Dank für das Gespräch. Wir sehen uns live vor Ort.

Mehr Informationen unter www.onstage-promotion.de

Interview: Mathias Rätsch, Foto: Thomas Borchardt ▲

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 23


THEMA

q FAKTEN STATT LEGENDEN: ANWALT DR. OLAF DILLING KLÄRT ÜBER BEWOHNERPARKEN AUF

» Halb aufgesetztes Parken auf Gehwegen ist illegal.«

H

ändlerInnen warnen angesichts der geplanten

Einführung von Bewohnerparken in

Findorff vor Parkchaos: »Protest gegen das

geplante Bewohnerparken in Findorff /

Angst um Kunden« war in einem Artikel

im »Weser Report« zu lesen. Zitat: »Das

Parkchaos wäre programmiert. Eine Verödung

des Stadtteils könnte folgen«, warnt

der Verein Findorffer Geschäftsleute e.V.,

dem ca. 20 Prozent der Unternehmen im Stadtteil angehören.

Fakten statt Vermutungen sind gefragt – und das Wissen des

Experten: Wir haben Rechtsanwalt Dr. Olaf Dilling gebeten,

über die sechs beliebtesten Legenden zum »Bewohnerparken«

aufzuklären. Bitte sachlich einsteigen – und los geht es !

mit mehr als einem Auto. Auf den Punkt gebracht: Der ohnehin

knappe Platz wird seit Jahren immer ungerechter verteilt.

Halb aufgesetztes

Parken ist auf

Gehwegen erlaubt.

Es fallen hunderte

an vorhandenen

Parkplätzen weg.

Starten wir gleich direkt mit der beliebtesten Legende im Protest

gegen das Bewohnerparken: Tatsächlich werden in Findorff

genauso wenig Parkplätze wegfallen, wie in den anderen Quartieren,

in denen das Bewohnerparken bereits eingeführt wurde.

Denn schon aktuell gibt es in Bremer Wohnquartieren fast doppelt

so viele Kraftfahrzeuge wie vorhandene legale Parkplätze.

Dies ist bisher vielen AutofahrerInnen nur nicht aufgefallen.

Warum ? Bisher wurden von der Bremer Verwaltung die Regeln

für das Halten und Parken, wie sie in der Straßenverkehrsordnung

vorgesehen sind, nicht durchgesetzt. Deshalb sind in

vielen Straßen zahlreiche illegale »Parkmöglichkeiten« entstanden.

Dass dagegen nicht vorgegangen wird, beruht zum Teil auf

mangelnder Ausstattung mit Personal, zum Teil auf politisch

motiviertem Opportunismus. Legal ist es ganz bestimmt nicht.

Darüber hinaus verstößt das Falschparken auf Rad- und Gehwegen

auch gegen die Rechte anderer VerkehrsteilnehmerInnen,

die genauso wie AutofahrerInnen Bedarf an gleichberechtigter

Teilhabe am öffentlichen Raum haben. Und das sind gar nicht

so wenige: Inzwischen verzichten in den innenstadtnahen Vierteln

in Bremen knapp die Hälfte der Haushalte auf das eigene

Kraftfahrzeug. Allerdings steigt auch die Zahl der Haushalte

Auch wenn ganze Straßenzüge betroffen sind: Das halb aufgesetzte

Parken auf Gehwegen ist auf den engen Bremer Gehwegen

illegal und führt zu erheblicher Behinderung des Fußverkehrs.

Insofern unterscheidet es sich nicht viel von anderen, oft auch

massenhaft begangenen Verkehrsverstößen, wie bei »rot« über

eine Ampel zu gehen. Im Unterschied zu regelwidrig laufenden

FußgängerInnen, die ganz schnell wieder von der Fahrbahn

sind, steht das falsch geparkte Auto oft über Wochen oder sogar

Monate falsch da, ohne dass der Halter des Fahrzeuges für die

dadurch behinderten FußgängerInnen ansprechbar wäre.

Tatsächlich sieht die Straßenverkehrsordnung vor, dass am

rechten Rand der Fahrbahn geparkt wird. Nur wenn es ausdrücklich

durch ein Verkehrsschild oder durch Markierungen

ausgewiesen ist, ist das aufgesetzte Parken auf Gehwegen

erlaubt. Das setzt aber erst einmal voraus, dass überhaupt

genug Platz vorhanden ist. In Bremer Wohnvierteln ist dies bei

typischen Straßenbreiten von zehn Metern fast nirgendwo der

Fall. Selbst dort, wo das Gehwegparken in Bremen angeordnet

wurde, entspricht es so gut wie nie den rechtlichen Vorgaben:

Die aktuellen Vorschriften sehen eine Restbreite des Gehwegs

von mindestens 1,80 m zuzüglich Sicherheitsabständen vor.

Ansonsten kommen Menschen mit Kinderwagen oder in Rollstühlen

nicht aneinander vorbei. Das heißt, dass zum Beispiel

gehbehinderte Menschen auf die Fahrbahn ausweichen oder –

unter Umständen mehrfach – die Straße queren müssen. Gerade

für mobilitätseingeschränkte Personen oder Familien mit kleinen

Kindern ist das ein »No-Go«. Schlimm ist es an Tagen, an denen

die Müllabfuhr kommt. Dann passt auch ein einzelner Kinderwagen

nicht mehr an den auf den Gehweg gestellten Tonnen vorbei.

Auf der Fahrbahn muss überall eine Durchfahrt von gut drei

Metern frei bleiben. Sonst kommt die Feuerwehr nicht durch.

Als in Bremen die Schilder in den 1970er Jahren aufgestellt

wurden, waren die Autos noch wesentlich schmaler. u

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FINDORFF GLEICH NEBENAN | 25


q FAKTEN STATT LEGENDEN: ANWALT DR. OLAF DILLING KLÄRT ÜBER BEWOHNERPARKEN AUF

» Öffentliche Straßen sind für alle da ! «

So war der VW Golf 1978 noch knapp 1,60 m breit. Heute ist

nicht nur dieses Modell noch 20 cm breiter. Mit Spiegeln ist

er sogar mehr als zwei Meter breit, wie übrigens mehr als die

Hälfte der heute zugelassenen Kraftfahrzeuge. Zulässig sind

Breiten bis 2,55 m, ein Maß, das vor allem von Wohnmobilen

auch ausgereizt wird. Diese Entwicklung zeigt: Für die heutigen

Kraftfahrzeuge ist auf Gehwegen schlicht kein Platz mehr.

Einen individuellen Anspruch auf einen Parkplatz in Wohnortnähe

gibt es im deutschen Recht nicht. Es sei denn, der befindet

sich im eigenen Keller, der zur Tiefgarage ausgebaut worden ist.

Nur dann gibt es an dem Parkplatz Privateigentum. Alle anderen

Parkplätze befinden sich im öffentlichen Verkehrsraum. Alle

dort liegenden Parkplätze dienen dem Gemeingebrauch. JedeR

kann sie beanspruchen – aber niemand individuell. Es hängt

daher von der Zahl und Größe der im Quartier vorhandenen

Autos ab, ob der Wunsch nach einem Parkplatz in Wohnortnähe

erfüllt werden kann. Deshalb ließe sich das Versprechen,

dass individuelle Parkplätze garantiert werden, auch beim

besten Willen nicht einhalten. Es reicht, dass sich jemand für

die Sommerferien ein Wohnmobil kauft, oder eine Familie, die

bisher auf ein Auto verzichtet hatte, aus Frust über die illegal

zugeparkten Gehwege sich doch wieder ein neues Fahrzeug

anschafft. Und schon fehlt ein weiterer Parkplatz.

Eine andere Frage ist, ob insgesamt genug Parkplätze zur Verfügung

stehen, um potentiell alle vorhandenen Kraftfahrzeuge im

Quartier aufzunehmen. So wünschenswert das für AutofahrerInnen

sein mag: Es geht im urbanen Umfeld immer zu Lasten

anderer VerkehrsteilnehmerInnen. Und – auch wenn manche

sich erfolgreich gegen die Einsicht wehren – öffentliche Straßen

sind für alle da ! Unabhängig davon, ob jemand mit dem Auto,

dem Fahrrad, zu Fuß oder mit Bus und Bahn unterwegs ist.

Bereits jetzt stellen die Kommunen für den Kraftfahrzeugverkehr

überproportional viel öffentlichen Verkehrsraum zur

Verfügung; in Form von Flächen für den fließenden, wie für

den ruhenden Verkehr. Dabei werden inzwischen ein Großteil

der Wege in der Stadt per Fahrrad, zu Fuß oder mit dem

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 26

JedeR bekommt

einen Parkplatz

vor der Tür.

ÖPNV zurückgelegt. Rein theoretisch wäre es schon möglich,

wohnortnahe Parkplätze zu schaffen, damit jeder Familie auch

für Zweit- und Drittwagen, für Wohnmobile und Bullis legale

Parkmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Dafür müssten für

den Kfz-Verkehr weitere Flächen in Anspruch genommen und

kostspielig bebaut werden. Angesichts der Wohnungsnot ist das

keine wirklich attraktive Option. Zudem wird angesichts der

aktuellen Immobilienpreise deutlich, wie wertvoll die Flächen

sind, die auch bisher schon für Parkplätze zur Verfügung

stehen. Können Haushalte mit eigenen Autos erwarten, diese

Flächen auch weiterhin umsonst zu bekommen ?

Bewohnerparken

wird bis zu 600

Euro kosten.

Bisher ist das Parken von Kraftfahrzeugen in deutschen Städten

bei Weitem nicht kostendeckend. Das heißt, dass aus öffentlichen

Haushalten kräftig dazu gebuttert wird. Die bislang gratis

zur Verfügung gestellten Parkplätze werden von allen SteuerzahlerInnen

gleichermaßen bezahlt. Egal ob sie selbst vorhandene

»Carsharing«-Angebote nutzen, mit dem Rad fahren oder

öffentliche Verkehrsmittel benutzen.

Dass manche ohne Gegenleistung einen großen Teil des

Verkehrsraums in Beschlag nehmen dürfen und andere dafür

bezahlen, ist ungerecht und außerdem sozial unausgewogen.

Denn gerade sozial Schwache oder alte Menschen haben oft

kein Auto. Die sind dann oft jedoch auch besonders von dem

Parkdruck auf den Gehwegen betroffen.

Bis vor kurzem waren die Gebühren für das Bewohnerparken

gesetzlich bei 30 Euro im Jahr gedeckelt. Das hatte zur Folge,

dass die Kommunen noch nicht einmal die Verwaltungskosten

davon bezahlen konnten – also beispielsweise die Kosten für die

Ausstellung der Parkausweise und die Parkraumüberwachung.

Hinzu kommt noch die Instandhaltung der Infrastruktur, denn

die immer schwereren Autos beschädigen die Bordsteine und

darunter liegende Leitungen. Entgegen der Vorstellung mancher

AutofahrerInnen reicht die Kfz-Steuer bei weitem nicht,

um diese Kosten zu decken. Aus Sicht der Kommunen ist es

daher nachvollziehbar, dass für die Bewohnerausweise die u

Café Werkstatt

Neu: BioEis bey Kaemena, Eisdiele im »Lederi« Hemmstr. 202

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 27


q FAKTEN STATT LEGENDEN: ANWALT DR. OLAF DILLING KLÄRT ÜBER BEWOHNERPARKEN AUF

» Aufenthaltsqualität macht Geschäftsviertel attraktiv.«

q MATHIAS RÄTSCH ÜBER EIN WIEDERKEHRENDES THEMA IN DER LOKALPOLITIK

» (K)ein Logo für Findorff ? «

Gebühren erhöht werden müssen. Es besteht in Bremen jedoch

unter den politischen Parteien Konsens, dass DurchschnittsverdienerInnen,

RentnerInnen oder HandwerkerInnen »sozialverträglich«

belastet werden sollen. Aktuell im Gespräch sind

zwischen 100 und 365 Euro im Jahr. Diese Summen liegen

mit unter einem Euro am Tag deutlich unter dem Betrag, den

NutzerInnen des ÖPNV täglich für ihre Tickets ausgeben.

Die Vorstellung, dass es so etwas wie ein Gewohnheitsrecht auf

Gehwegparken gibt, wird immer wieder geäußert. Aber sie wird

durch die häufige Wiederholung nicht richtiger. So ist es auch mit

dem Gehwegparken: Es wird dadurch, dass es seit Jahren in Bremen

zu Unrecht praktiziert wird, nicht legal. Es gibt in Deutschland

zwar Fälle von Gewohnheitsrecht, Voraussetzung ist dabei

aber stets eine Praxis, bei der nicht gegen bereits gesetzlich oder

per Verordnung geregelte Normen verstoßen wird. Dies ist aber

nicht der Fall. Da die Regelungen über das Halten und Parken

Bundesrecht sind, kann Bremen diese nicht per Gesetz oder Verordnung

neu regeln. Zudem würde dies gegen völkerrechtliche

Verpflichtungen Deutschlands zur Barrierefreiheit und Teilhabe

nach der UN-Behindertenrechtskonvention verstoßen.

Wo es einen gewissen Spielraum gibt, ist bei der Verfolgung

des Falschparkens. Da es sich nicht um Straftaten, sondern nur

um Ordnungswidrigkeiten handelt, kann die Verwaltung im

Einzelfall von der Verfolgung absehen. Allerdings darf die Verwaltung

Rechtsverstöße nicht systematisch dulden, so dass die

Wertungen des Gesetz- und Verordnungsgebers leer laufen. Dies

ist bisher in Bremen der Fall gewesen. Deswegen ist bereits ein

Verfahren beim Verwaltungsgericht anhängig, in dem BewohnerInnen

geklagt haben, weil sie wegen der FalschparkerInnen die

Gehwege vor ihren Häusern nicht mehr benutzen können. Aller

Voraussicht nach wird der Klage stattgegeben. Dann werden die

Behörden die Rechte von FußgängerInnen auch ohne Einführung

des Bewohnerparkens durchsetzen müssen. Mit der Folge, dass

die BewohnerInnen mit ortsfremden AutofahrerInnen um die

dann noch knapperen Parkplätze konkurrieren.

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 28

Die Straßenverkehrsordnung

ist

verhandelbar.

Ich gebe zu: Ich wohne in Peterswerder – und kaufe überwiegend

in »meinem« Stadtteil, im Viertel und in der Innenstadt

ein. Es ist in Bremen überwiegend so, dass man lokal vor Ort

einkauft. Ich denke, dass es auch ohne Bewohnerparken keine

gute Idee wäre, für den Einkauf mit dem Auto nach Findorff zu

fahren. Ich würde mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln

hinfahren. FindorfferInnen berichten, dass den Einzelhandel

dort seine Erreichbarkeit zu Fuß oder mit dem Fahrrad

attraktiv macht – und die leidet unter zugeparkten Gehwegen.

Dass der Einfluss der Erreichbarkeit mit dem Auto auf den Umsatz

systematisch überschätzt wird, zeigen mehrere Studien, bei

denen die Einführung von Fußgängerzonen oder verkehrsberuhigten

Geschäftsbereichen ausgewertet wurde. Städte, die

Parkraummanagement etabliert haben, haben laut Aussagen

dieser Studien eine große Zufriedenheit bei Einzelhandel und

AnwohnerInnen. Wichtig sind zwei Faktoren: Durch Parkraumbewirtschaftung

können DauerparkerInnen verdrängt werden,

so dass KurzzeitparkerInnen eher einen Parkplatz finden.

Voraussetzung sind Parkplätze, die auch für Auswärtige durch

Entrichtung von Parkgebühren benutzt werden können. Das

Fazit: Aufenthaltsqualität macht Geschäftsviertel attraktiv

und erhöht die Kundennachfrage.

▼ ÜBER DR. OLAF DILLING

Unternehmen in

Findorff verlieren

KundInnen.

Dr. Olaf Dilling ist seit 2018 als Rechtsanwalt aktiv. Er blickt

auf mehr als 15 Jahre wissenschaftliche und beratende Tätigkeit

im Verwaltungsrecht, vor allem im Umweltrecht, zurück. Seine

Schwerpunkte liegen in verwaltungsrechtlichen, chemikalien‐,

abfall- und naturschutzrechtlichen sowie immissionsschutzrechtlichen

Fragen. Dr. Dilling hat an umfangreichen Gutachten

für Ministerien und Bundesbehörden mitgewirkt und internationale

Erfahrungen im Bereich der umweltrechtlichen Politikberatung.

Er verfügt über umfangreiche Lehr- und Vortragsexpertise.

Neben dem Umweltrecht engagiert sich Dr. Dilling

im Kitarecht. www.re-rechtsanwaelte.de/dr-olaf-dilling

Text: Dr. Olaf Dilling, Foto und Illustrationen: Shutterstock ▲

B

raucht Findorff ein eigenes Logo ?« Diese

Frage ist seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit

ein beliebter Tagesordnungspunkt für den

Beirat Findorff – zuletzt gestellt im Fachausschuss

»Wirtschaft, Kultur, Inneres und Sport«

Ende 2020. Die bisherigen Diskussionen über

ein Stadtteillogo sind vergleichbar mit Fachsimpeleien

von Fans über Werder Bremen:

Alle können irgendwie mitreden, aber

kaum jemand hat tatsächlich fundierte fachliche

Kompetenzen. »Fachsimpelei« trifft es daher

gut: Die dient als lockeres, informelles

Gespräch nicht der Lösung einer bestimmten

Aufgabe in einem Lern- oder

Arbeitsprozess, sondern hat oft eine

andere Funktion. Aber auch lokalpolitische

Profilierungsversuche über

ein »weiches« Thema sind keineswegs

verboten. Zielgerichtet eine Lösung zu

entwickeln sieht allerdings anders aus.

Der Höhepunkt der Logo-Diskussionen war

damals im Mai 2015 erreicht.

Am runden Tisch »Wirtschaftszentrum

Findorff – Leben und

Einkaufen« wurden mehrere

Logos präsentiert. Wilde

Diskussionen entbrannten. Eine Entscheidung gab es nicht.

Gudrun Goldmann, Chefredakteurin des »Zett Magazins«,

Bremens Zeitschrift für Stadtkultur, brachte es damals in einem

Kommentar online in einem Gästebuch gut auf den Punkt: »Ein

Logo zu entwickeln ist schwierig, zumal wenn der Stadtteil

keine klare Definition hat... man kann ein gutes Logo nur

entwickeln, wenn man weiß, was es ausdrücken soll. Zurück

auf Los und gemeinsam darüber nachdenken, was Findorff

ausmacht, was soll ein Logo aussagen über den Ort, an dem

wir leben.« Absolut richtig: Ohne Zielsetzungen kein Konzept;

ohne Konzept keine Positionierung; ohne Positionierung keine

Bewertungskriterien; ohne Bewertungskriterien keine Grundlage

für die Bewertung und Entscheidung über einen Logoentwurf.

Für Gestaltungsprofis unverzichtbar vor dem Designprozess:

die Erarbeitung einer Konzeption. Eine systematische Vorgehensweise

ist gefordert. Es sind dafür folgende Fragen zu klären:

• Warum und wofür braucht Findorff Stadtteilmarketing –

und damit verbunden: ein eigenes Logo ?

• Welche Zielsetzungen hat das Stadtteilmarketing ?

• Wie ist Findorff als Stadtteil zu positionieren ?

• Welche kommunikativen Maßnahmen folgen daraus ?

• Welcher Etat ist für nachhaltige Lösungen notwendig ?

Wenn es auf Basis der Konzeption soweit ist, ein Logo

STADTEILMARKETING

entwickeln zu lassen, sollten übergeordnet folgende Kriterien

gelten: Ziel im Gestaltungsprozess ist nicht vorrangig die Darstellung

der Dinge, wie sie sind, sondern die Darstellung einer

idealtypischen Realität. Ein Logo ist daher kein von der Identität

und Positionierung des Absenders los gelöstes Dekorelement, kein

Abbild einer »Laune«, die man ständig wechselt, kein Ersatz für

ein einheitlich gestaltetes Corporate Design und keine Antwort

auf persönliche »Geschmacksfragen«. Ein Logo hat eine klare

Funktion: Es soll subjektive Wahrheiten visuell gestaltet »objektivieren«

sowie die Vision der Identität des Absenders

individuell codieren.

Auch wichtig: Wenn die FindorfferInnen sich

mit »ihrem« Logo identifizieren sollen, sind

die Entwürfe und Kriterien öffentlich zu

kommunizieren. – auch um durch Transparenz

eine breite Akzeptanz zu schaffen.

Was aber ist, wenn es nicht gelingen sollte,

ein überzeugendes Konzept für ein professionelles

Stadtteilmarketing und Logo in Findorff

zu realisieren? Dann wird der Stadtteil weiterhin

in seiner Identität durch die vielen, unterschiedlichen

Aktivitäten, Initiativen und

Vereine mit vielen, individuellen

Logos repräsentiert: Die Einheit liegt

dann, wie bisher auch, in der bunten

Vielfalt Findorffs – und ein eigenes

»Logo für Findorff« bleibt »nice to have«, ist aber auch nicht

zwingend erforderlich – zumal FINDORFF GLEICH NEBENAN

als professionell realisiertes Stadtteilmagazin seit Jahren viel für

die Identifikation der FindorfferInnen mit ihrem Stadtteil leistet.

Mathias Rätsch ist Diplom-Designer, Texter, Kommunikationswirt

und Herausgeber. Mit »rätsch Communications« entwickelt

er für seine AuftraggeberInnen intelligente Lösungen für

die Unternehmenskommunikation. Mehr auf www.raetsch.de

Foto: Africa Studio, www.shutterstock.com ▲

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 29


q WER, WIE, WAS, WIESO, WESHALB, WARUM

+++ Der SKATERPLATZ am SCHLACHTHOF soll einen

Namen bekommen. Der Fachausschuss »Wirtschaft, Kultur, Inneres

und Sport« des Beirats Findorff hat einstimmig den Beschluss

gefasst, eine Benennung des Platzes vor dem Schlachthof zu

unterstützen. Mit dem Namen »Familie Schwarz-Platz« verbindet

sich die Erinnerung an die schrecklichen Leiden der Sinti und

Roma während der NS-Zeit und an ihre Deportation im März

1943, die auf dem Gelände des Schlachthofs in Bremen begann.

Mit der Namensgebung soll die Verbindung zu der bereits auf

dem Platz aufgestellten Erinnerungs-Stele hergestellt werden, an

der jährliche Gedenkveranstaltungen durchgeführt werden.

+++ Das FINDORFFER GESCHICHTSBUCH lässt uns

die spannende Geschichte unseres »Dorffes« erleben.

Wissen Sie schon, was vorher auf dem Gelände

der Messehallen stand und kurze Zeit später

wieder abgerissen wurde ? Kennen Sie schon

die Geschichte hinter der Jan-Reiners-

Bahn ? Ist Ihnen bewusst, dass auf dem

Findorff-Grund früher Torfbauern ihr täglich

Brot erwirtschaften mussten ? All diese

Fragen beantwortete Hans-Peter Mester

kurz vor seinem Tod 2016 mit historischem

Hintergrundwissen und fast 300 Bildern der

Vergangenheit. Das Buch gibt es im »Findorffer

Bücherfenster« oder online im Shop über

www.kellnerverlag.de

+++ Darf es ein spannender Krimi von

Henning Mankell, ein fantasievolles

Jugendbuch von Phillip Kerr oder eine

amüsante Satire von Horst Evers sein ? Im

Vorgarten der Zwickauer Straße 19 steht ein knallroter Bücherschrank

in Findorff, der in Corona-Zeiten hungrigen LeserInnen

seitenweise besten »Lesestoff« bietet. Nicht gewusst ? Man kann

aus dem Schrank mit dem Schriftzug BÜCHERDORF vorhandene

Bücher einfach mitnehmen oder aber mitgebrachte Bücher neu

einstellen. Neben Belletristik gibt es auch eine Menge Sachbücher,

Kinderbücher und sogar englischsprachige Bücher. Die Idee

dazu hatte vor Jahren Hausbewohner ULLI HAHNDORF, der

zugleich der Initiator von »Bücherdorf« ist. Es hat damals etwas

gedauert, bis ein passender Schrank gefunden war, welcher im

DORFFKLATSCH

Außenbereich allen Wetterbedingungen Stand hält. Die etwas

längere Suche hat sich gelohnt: Der perfekt lackierte und für

seinen Zweck bestens gewählte Metallschrank ist auch optisch

ein wahres Schmuckstück, in dem Tag und Nacht an die zweihundert

Bücher verschiedener Genres und für jeden Geschmack

bereitgehalten werden – kostenlos für Leserinnen und Leser aller

Altersgruppen. Ulli Hahndorf freut sich übrigens über Nachschub

an guten, zeitlosen Gebrauchtbüchern, die mehr als nur eine/n

LeserIn verdient haben. Wer interessante Bücher abzugeben hat,

kann sie gern vorbeibringen und einstellen. Alles, was es an Büchern

nicht im Schrank gibt, gibt es im Findorffer Bücherfenster

als aktuellen »Lesestoff« frischgedruckt zu kaufen. Kontakt zum

Initiator des Bücherschranks in der Zwickauer Straße 19

gibt es per E-Mail unter buecher@hahndorf.de

+++ Wie steht es um die Öffnungszeiten

und Angebote der RECYCLINGSTATION

FINDORFF ? Die Stadtteilbeiräte Findorff,

Walle und Gröpelingen im Bremer Westen

haben ihre Arbeit getan und sich mit einer

überwältigenden Zustimmung für einen

gemeinsamen Beschluss zum Entwicklungsplan

2024 ausgesprochen. Sie fordern in

diesem Beschluss die wieder rekommunalisierte

Bremer Stadtreinigung auf, den »Entwicklungsplan

2024 zur Neuorganisation der Bremer

Recyclingstationen« zu überarbeiten – und

setzen sich dafür ein, dass die Recyclingstationen

Findorff und Oslebshausen mit

ihrem breiten Entsorgungsangebot erhalten

bleiben müssen. Unterstützt wurde und

wird die Forderung u. a. von »Leben in Findorff«, dem Bürgerverein

Findorff und der Klimazone Bremen-Findorff. Auch

FINDORFF GLEICH NEBENAN war dabei. Ausschlaggebend

für das Stimmungsbild im Bremer Westen sind aber nicht nur alle

Beiräte im Bremer Westen, sondern in erster Linie die EinwohnerInnen

in den drei Stadtteilen. Über 6.400 BürgerInnen haben mit

einer in Bremen in den letzten Jahren beispiellos hohen Zahl an

Unterschriften ihren Protest zu den Plänen manifestiert – mittels

einer Petition, die man analog und online zeichnen konnte.

Textredaktion: Mathias Rätsch, Foto: Ulli Hahndorf ▲

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FINDORFF GLEICH NEBENAN | 30


▼ GASTROAUTORIN NICOLE HENZE ÜBER »PRIME BURGER« IN DER FINDORFFSTR. 54

Findorff ? Ein burgerlicher Stadtteil !

R

amadan Uzunkaya kommt

ursprünglich aus dem

nordwestlichen Bremer

Stadtteil Oslebshausen.

Aber sein komplett neu

gestaltetes Burgerrestaurant

hat er Anfang 2021

aus guten Gründen in

Findorff eröffnet. Der Standort

befindet sich gleich gegenüber dem Schlachthof

in der Findorffstraße 54 und (wie passend) in

fußläufiger Nähe zum Bürgerpark – und diese

Ortswahl erweist sich trotz Corona und auch

ohne die in normalen Zeiten stattfindenden

Veranstaltungen mit vielen BesucherInnen im Kulturzentrum

gegenüber bereits jetzt als eine ausgezeichnete Entscheidung:

Vor allem die Jugendlichen im Stadtteil haben »Prime Burger«

passend zu ihren Ernährungsweisen als geschmacklich einwandfreie

Anlaufstelle für schnelles Essen (Neudeutsch: »Fast

Food») für sich entdeckt und sofort gut angenommen: An der

neu geklinkerten Ecke des sanierten Wohnhauses, in dem sich

»Prime Burger« befindet, herrscht seitdem das rege Leben.

Die Karte von Ramadan Uzunkaya besteht aus neun Burgern,

die zwischen 4,70 € bis 6,90 € kosten, zwei Salaten, sieben

Snacks mit neun Saucen, sechs verschiedenen Milchshakes,

Getränken und einem Kids-Menü – wahlweise mit Chicken

Sticks oder Nuggets sowie Pommes, Capri Sonne und einer

tollen Kinderüberraschung für 5,99 €.

Die Patties werden täglich aus frischem, gehacktem Halal-

Rindersteak hergestellt und haben im Geschmack eine leicht

pfeffrige Note. Diesen Patty gibt es auf Burgern in der Variante

Classic, Cheese oder Chili Cheese. Man kann wählen zwischen

einem 130 g oder 150 g Patty. Auch Burger mit Pastirma (türkischer

Rinderschinken), mit Ei und Käse, mit Hähnchenbrustfilet,

Hähnchenbrust in Knusper-Panade sowie einer mit vegetarischem

Gemüsepatty stehen zur Auswahl. Alle Burger werden

MAHLZEIT

mit frischem Salat, Gewürzgurken, roten Zwiebeln,

Tomaten und der speziellen »Prime Burger«-Sauce

zubereitet. Fleischlos ist bei Ramadan Uzunkaya

nicht angesagt: Einen veganen Burger sucht man

im Angebot vergeblich.

Jeder Burger kann mit Extras, wie einem zweiten

Patty, Cheddar, Pastirma oder extra Japalenos,

gepimpt werden. Die Karte ist übersichtlich

strukturiert und hat ein ansprechendes Layout. Die

Wahl kann sofort erfolgen für einen Burger-

Single, als Menü mit Fritten und Getränk oder

als Big-Menü mit größerem Patty, Fritten und

Getränk. Fazit: Findorff wird immer mehr

zum »burgerlichen« Stadtteil, allerdings bei

»Prime Burger« mit einer kleinen, aber feinen Auswahl zu

bezahlbaren Preisen. Gut so.

▼ ÜBER »PRIME BURGER«

»Prime Burger« hat sieben Tage die Woche geöffnet: Montag

bis Donnerstag von 14:00 bis 22:30 Uhr, Freitag und Samstag

von 14:00 bis 23:00 Uhr und Sonntag von 15:00 bis 22:00 Uhr.

Bestellungen können direkt vor Ort in der Findorffstraße 54

abgeholt oder geordert werden – und werden ab einem Bestellwert

von 10,00 € gegen einen kleinen Aufpreis auch online über

Lieferando in Findorff und Umgebung ausgeliefert – in nahezu

alle Bremer Stadtteile zu unterschiedlichen Mindestbestellwerten.

Order sind unter Telefon 0421/175 333 88 möglich. Die

Speisekarte liegt zum Mitnehmen im Restaurant aus. Sie ist

zudem online einsehbar unter www.lieferando.de sowie unter

www.instagram.com/primeburger.bremen. Es gibt bisher eine

Internetpräsenz, deren kryptische Adresse so lang ist, das es

für die Autorin dieser Gastrokritik extra Zeilengeld gab. Aber

mit den Begriffen »Prime«, »Burger« und »Findorff« lässt sich

die folgende Adresse auch problemlos googeln. https://website-214152944066075475225-hamburgerrestaurant.business.site

Text: Nicole Henze, Foto: Engin Akyurt, www.pixabay.com ▲

www.raetsch.de, Foto: »Eiswaffel Sommer« © Schmidsi, www.pixabay.com

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®

IMPRESSUM

AUTOR/INN/EN

Nils Andresen, Dr. Olaf Dilling, Saskia Döring, Nicole Henze,

Tim Lösekann, Suse Lübker, Mathias Rätsch, © Nutzung durch

Nachdruck oder digital, auch auszugsweise, sind nur mit vorheriger

Genehmigung gestattet. Sämtliche Rechte der Vervielfältigung

liegen beim Findorff Verlag. Zuwiderhandlungen in Form

von Urheberrechtsverletzungen werden strafrechtlich verfolgt.

FOTOGRAFIE

Martin Bockhacker, www.bildplantage13.de

Norman Böttger, www.herr-boettger.com

Phil Porter, www.phil-porter.de

Kerstin Rolfes, www.kerstinrolfes.de

ILLUSTRATION

Bettina Bexte, www.bettina-bexte.de

ART DIRECTION

Mathias Rätsch, www.raetsch.de

LEKTORAT

Emily Vanessa Pöthke

BILDNACHWEIS

Seite 5 »The eleventh hour«« © Alexas, www.pixabay.com,

Dilling © www.dasguteportrait.de, Seite 6: Merlin, © Phil

Porter, Seite 10: v. Minden © Bockhacker, Seite 16: Porter ©

Soul Chasing Photography, www.instagram.com, 17: Döring

© KerstinRolfes, Seite 20: Gräfe © Norman Böttger, Seite 23:

Komar © Thomas Borchardt, www.fotocommunity.de, Seite

20-24: »Silly man« © Ezume Images, »Quiz Players« © ONYXprj,

alle www.shutterstock.com, Seite 29: »Tätowierung« ©

Africa Studio, www.shutterstock.com, Seite 30: »Bücherschrank«

© Ulli Hahndorf, Seite 30: »Burger« © Engin Akyurt,

www.pixabay.com, Seite 34: Supersuse © Rainer Pleyer

DRUCK

BerlinDruck GmbH + Co KG,

www.berlindruck.de, FSC ® -mixed

produziert. Es wurden Materialien

aus FSC-zertifizierten Wäldern

und/oder Recyclingmaterial sowie

Material aus kontrollierten

Quellen verwendet.

DRUCKAUFLAGE

10.000 Exemplare

ERSCHEINUNGSWEISE

Alle Erscheinungstermine 2021/22 auf www.findorff.info

DISTRIBUTION

Verteilung in ca. 7.000 Briefkästen von ausgesuchten Haushalten

in Findorff sowie über ca. 50 »Hotspots« im Stadtteil.

Infos unter »Distribution« auf www.findorff.info

ANZEIGENBUCHUNG

Beratung per Telefon 0421 / 579 55 52 oder E-Mail unter

kontakt@findorff.info. Ansprechpartner ist Herr Rätsch.

Mehr Infos auf www.findorff.info/anzeige/online-buchen

Ausgabe 19 erscheint ab dem 18. September 2021. Anzeigenschluss

ist der 3. September 2021. Ausgabe 20 erscheint ab

dem 06. November 2021. Anzeigenschluss ist der 22. Oktober

2021. Änderungen vorbehalten. Unser Dank gilt allen treuen

und neuen AnzeigenkundInnen aus und um Findorff, ohne

die diese Ausgabe so nicht möglich gewesen wäre.

HERAUSGEBER

Mathias Rätsch

VERLAG

Findorff Verlag

Magdeburger Str. 7, 28215 Bremen

Telefon 0421 / 579 55 52

Telefax 0421 / 579 55 53

E-Mail kontakt@findorff.info

®

KOOPERATIONEN

Der Findorff Verlag kooperiert mit der Stadtteilinitiative

»Leben in Findorff«. Wir betreuen ehrenamtlich das Portal

www.findorffaktuell.de sowie den www.findorff-finder.de

Findorffstraße 114 · 28215 Bremen

Alle Informatione zu Bestellservice, Mittagstisch,

Sonntagsbuffet und Speisekarte finden Sie

unter www.maharani-bremen.de

Tagesfrische Posts über Findorff auf

www.facebook.com/FindorffVerlag

MITGLIEDSCHAFT

Der Findorff Verlag ist Mitglied in der Handelskammer

Bremen. Infos unter www.handelskammer-bremen.de

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LESERBRIEFE

Wir freuen uns über Leserbriefe zu den Themen in dieser

Ausgabe auf www.findorff-gleich-nebenan.de/leserbriefe

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 32

FINDORFF GLEICH NEBENAN | 33


q SUPERSUSE MAG ES GRÜN. DAS WAR NICHT IMMER SO.

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» Der grüne Zeigefinger «

M

ein Vater war ein Blumenstreichler

und Vogelflüsterer. Auf unserer winzigen

Terrasse in Hamburg-Barmbek

blühte und grünte es in alle

Richtungen, grüner Daumen halt.

Ich erinnere mich an blau-gemusterte

Iris, kunterbunte Primeln und

Phlox. Falls ihr denkt, die kennt

sich ja aus: Ich hab das grad

mal nachgeschlagen, bisher dachte ich die heißen

Flocks. Aber egal. Sein Minibiotop wurde also

gehegt und gepflegt und natürlich mussten

wir das Grünzeugs gebührend bestaunen:

»Sind die nicht schön ? Schau mal, da

kommt schon wieder eine neue Blüte !«.

Ich dachte damals: Na ja, Blumen halt.

Und dann die Vögel. Fraßen ihm aus der

Hand, ganz ehrlich. Er saß auf seinem Liegestuhl

und die Meisen und Spatzen kamen

angeflogen. Sogar ein Wellensittich war mal

dabei, hatte sich wohl herumgesprochen,

das mit dem Vogelfutter. Der konnte sogar

seinen Namen sagen, also blieb er einfach bei

uns und knabberte sich jahrelang durch unsere

Wohnzimmergardinen.

Meine Mutter hatte es eher so mit den Rosen.

Gleiche Verzückung, gleicher Versuch, unsere Leidenschaft

zu entfachen. Klappte nur bedingt. Naja, Blumen halt. Dabei

hatten wir inzwischen einen riesigen Garten mit Apfelbäumen,

Gemüsebeeten, Kompost – alles von meiner Großmutter bewirtschaftet.

Und die wiederum fand, dass wir uns doch alle mehr

begeistern sollten. Klappte wieder nicht. Die Stachelbeeren

waren zu stachlig, die Kartoffeln zu erdig, der Kompost stank.

Und ich durfte ständig Rasen mähen und harken, natürlich

nicht elektrisch. Das war sehr viel Rasen.

Meine Gartenbegeisterung ließ also auf sich warten. In meiner

ersten Wohnung gab es immerhin einen Balkon. Aber der war

bewohnt von unseren WG-Kaninchen. Drei Quadratmeter

Betonfläche voller Köttel – ein paar wehten manchmal zu den

Nachbarn. Irgendwann hatten wir Erbarmen und suchten einen

Bauernhof, so eine Art Altersruhesitz für die Hoppelchen. Der

Balkon wurde danach nicht begrünt, ich zog aus. In meiner

nächsten Wohnung standen immerhin Kräuter auf der Fensterbank,

einen Balkon gab es nicht.

Nun könnte man denken, das war es jetzt, ist nichts hängengeblieben

von den grünen Genen meiner Eltern und Großeltern.

Weit gefehlt: In Bremen wurde alles anders ! Wir zogen in die

Hochparterrewohnung eines Altbremer Hauses und wir durften

den kleinen Garten mitbenutzen. Plötzlich … ihr ahnt es schon …

träumte ich von bunten Sommerblumen, vielleicht auch ein paar

Rosen oder gar ein Kräuterbeet ? Leider gab es einen Haken.

Unsere Vermieter aus der ersten Etage hatten einen Mops (einäugig

übrigens, nach einer Auseinandersetzung mit einem Kampfhund)

und der durfte den Garten täglich umbuddeln. Und als

Klo benutzen. Wir verzichteten auf die Grünflächennutzung.

Jahre später zogen unsere Vermieter in eine andere Stadt – jetzt

waren wir wirklich GartenbesitzerInnen eines winzigen

Nordgartens. Das erste Mal in meinem Leben griff

ich freiwillig zu Rechen und Rosenschere und

machte das Unmögliche möglich: Das mopspipiverseuchte

Erdreich wurde zu einer

dichten Rasenfläche, wild wuchernde

Riesenhecken machten Platz für

Schattenblüher und einmal im Jahr

erntete ich ein paar Blaubeeren, die

ich meinem Liebsten stolz präsentierte.

Der hätte damals schon ein bisschen

mehr Begeisterung zeigen können.

Die Geschichte könnte jetzt zu Ende sein.

Aber nein, wiederum ein paar Jahre später

zogen wir den absoluten Hauptgewinn:

Haus mit riesigem Stadtgarten, wunderbar

verwildert und idyllisch und kein Vergleich

zu unserem Mopsgarten. Im letzten Jahr

fing ich an zu gärtnern, grub Beete um,

pflanzte Gemüse. Mein Liebster schafft seitdem säckeweise

Blumenerde her, baut Hochbeete und denkt über Kompost

nach. Manchmal braucht er Hinweise, wo etwas zu tun ist,

aber da hilft mein grüner Zeigefinger.

SUPERSUSE

Ich habe ihm vorgeschlagen, ein eigenes Beet anzulegen, vielleicht

mit Lieblingsbohnen. Er ist nicht interessiert. Als Kind

wurde ihm ein Beet aufgezwungen, das war nicht schön.

Unsere Kaninchen haben es übrigens richtig gut. Rosen sind

auch schon da, ich könnte mal Phlox aussäen. Mal schauen,

wie die Kinder das finden.

q ÜBER SUSE LÜBKER

Suse »Supersuse« Lübker lebt mit Kindern und Ehemann im

schönen Findorff. Die freiberufliche Texterin und Trainerin

konzipiert, schreibt und redigiert Texte für Verlage, Vereine,

Verbände und Soloselbstständige, online und offline. Zudem

veranstaltet sie Kommunikations- und Schreibworkshops. 2015

erschien ihr Buch »Das Bremer Kinderlexikon. Von Achterdiek

bis Ziegenmarkt« – für alle kleinen und großen BremerInnen,

die Lust haben, ihre Stadt (neu) zu entdecken. In ihrem Blog

berichtet sie über Alltagsabenteuer und gibt Tipps zum Thema

Zeitmanagement. Der Blog auf www.suseluebker.de/blog

Text: Suse Lübker, Illustration: Rainer Pleyer ▲

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