2021/06 | FRIZZ Magazin

suedwest.presse

JUNI 2021 · NR. 343 · UNBEZAHLBAR

STADTGESCHICHTEN

Unser Titelmodel Shanin ist ein

kreatives Multitalent. S. 20

STADTGESPRÄCH

ArtNight-Künstlerin Margitta

Nagel: „Jeder kann malen!“ S. 10

IN FARBE

UND BUNT

Was ist Kunst? Ulmer Künstler erzählen.

Und: Bilder, die sich selber malen S. 14


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FAHRZEUGPFLEGE

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INHALT

IM JUNI

SO VIELE FARBEN...

Ich hab im letzten Monat zwei Sachen

gelernt. Erstens: Ulm und Neu-Ulm

haben, was Kunst angeht, echt einige

spannende Sachen zu bieten. Zweitens:

für „bunt“ gibt es kaum Synonyme, die

ohne das Wort „Farbe“ auskommen.

Apropos. Genau darum dreht es sich in

der Juni-Ausgabe. Im Titelthema „In

Farbe und bunt“ geht es beispielsweise

um den Ulmer Künstler Vasile Bedreaga,

Bilder in Pixel-Art, Graffiti in der

Doppelstadt und die generative Kunst

von Sabine Wieluch alias bleeptrack.

Im Stadtgespräch erzählt die ArtNight-

Künstlerin Margitta Nagel von ihrem

Schaffen und warum grundsätzlich jeder

malen kann. Die Stadtgeschichten

drehen sich um Tätowiererin Shanin

Kanik, die neben der Haut von ihren

Kunden auch Wände mit der Sprühdose

verschönert und kürzlich ihre Street-

ware-Kollektion „Bauchfleisch“ an den

Start gebracht hat. Selbstverständlich

kommen auch sonst wieder zahlreiche

Menschen aus der Region zu Wort. Wir

haben bei euch nachgefragt: „Was ist

Kunst für dich?“

Natürlich war’s das noch lange nicht.

Wir werfen einen Blick in die Küche

von den „Illerbuben“, schauen uns

buntes Essen an, stellen euch das neue

„me and all hotel“ in Ulm vor und bei

unseren Studis geht es um das Thema

Skaten.

Ganz schön bunt das neue FRIZZ, um

nicht zu sagen farbenfroh, farbenreich

oder farbenprächtig …

Macht’s gut und bis demnächst,

Foto: me and all hotels Foto: K.Auernhammer

10

20

27

08

Foto: Jessy J. Photography

32

04 STADTLEBEN

Alles rund um die Doppelstadt

10 STADTGESPRÄCH

ArtNight-Künstlerin Margitta Nagel

erzählt, wie sie gerade über die

Runden kommt

14 IN FARBE UND BUNT

Von Ulmer Künstlern, grauen

Wänden, Pixel-Art und Bildern,

die sich selbst malen

20 STADTGESCHICHTEN

Shanin Kanik über Tattoos,

Street-Art und ihre neue

Modelinie „Bauchfleisch“

22 NACHGEFRAGT

„Was ist Kunst für dich?“

26 KÜCHENZAUBER

Auch Essen kann bunt sein – vier

farbenfrohe Beispiele. Und: zu

Besuch im Foodtruck der Illerbuben

28 FRIZZ-KIDS

Spannende und kreative Buchtipps.

Und: Die Stadt Neu-Ulm gibt’s jetzt

auch zum Ausmalen

30 REGIO-SPECIAL

Genuss aus der Region – Erdbeeren

und Spargel satt!

34 LETZTE SEITE

Das Letzte kommt zum Schluss |

Impressum

3

Foto: Matthias Kessler Foto: Petra Starzmann


STADTLEBEN

ULM/NEU-ULM

Was passiert in der Doppelstadt?! Wir informieren über

Neueröffnungen, bevorstehende Ereignisse, Veranstaltungen,

Kulinarisches, Gastronomen, Lifestyle, Fashion, Food, Musik,

Kultur und vieles mehr. Bleib mit FRIZZ auf dem neuesten Stand,

was in Ulm und Neu-Ulm passiert.

DOMINIK

WIEDERSEHEN MIT

PAULS BIERGARTEN

MEIN

STADTGEFLÜSTER

Entspannt im Liegestuhl liegen, dazu ein kühles Getränk, Musik

und die Donau fest im Blick – das war der Sommer 2020 in

Pauls Biergarten. Gute Nachrichten für alle Fans: Auch in diesem

Jahr wird es den Biergartenbetrieb beim ehemaligen Barfüßer

in der Neu-Ulmer Paulstraße am Donauufer geben. Die

Stadt hat den Pachtvertrag mit Oliver Loser (u.a. Brezel, Ulm)

und Michael Freudenberg (u.a. Wilder Mann, Ulm) für zwei

weitere Jahre verlängert.

Tonnenweise Sand aufgeschüttet

Sobald die rechtlichen Rahmenbedingungen es zulassen, wollen

die Betreiber loslegen und die Türen des Biergartens öffnen.

Im Mai wurde das Gelände bereits hergerichtet – unter

anderem mit tonnenweise Sand, der für Strandfeeling sorgen

soll. Bewirtschaftet wird ausschließlich draußen, wie im letzten

Jahr gilt Selbstbedienung. „Ich freue mich sehr, dass (...)

sich die Bürger auch in diesem Sommer auf einen Biergarten

am Donauufer freuen können. Außerdem ist es schön, dass die

Betreiber den Wunsch der Stadt, Kulturveranstaltungen in den

Betrieb des Biergartens zu integrieren, umsetzen werden“, sagt

Neu-Ulms Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger. So soll es eine

enge Kooperation mit dem Kultur-Casino Neu-Ulm geben,

das im vergangenen Jahr ebenfalls am Betrieb des Biergartens

interessiert gewesen war.

Mein Highlight: die

Brotsticks mit Sesam.

| Foto: Melicatessen

Ulm

Melicatessen bietet

ein umfangreiches

Sortiment. | Foto:

Archiv

Die Gerüchteküchen laufen aktuell eher

auf Sparflamme. Bis sich das wieder ändert,

präsentieren wir euch hier unsere

persönlichen Tipps für Ulm, Neu-Ulm

und die Region. Vielleicht ist da ja etwas

dabei, was ihr noch nicht so richtig auf

dem Schirm hattet. Los geht es mit einem

kleinen Geschäft, das mir übers letzte

Jahr richtig ans Herz gewachsen ist: Melicatessen

in der Kornhausgasse 11.

Der griechische Feinkostladen von Georgios

Papadopoulos hat Waren im Angebot,

die von kleinen Familienbetrieben aus

Griechenland stammen. Leckere Brotaufstriche

und Olivenöle, selbstgemachte

Seifen und Keramik-Artikel und noch viel

mehr. Mein persönliches Highlight sind

aber die Brotstangen mit Sesam aus Sfakia.

Dazu ein bisschen Mandarinenmarmelade

… da könnt‘ ich mich reinlegen!

4

Chill-Out in Pauls Biergarten direkt an der Donau. | Foto: Stefanie Müller

Text: Stefanie Müller

pauls-biergarten.de

Melicatessen

Kornhausgasse 11 | 89073 Ulm

melicatessen-ulm.de


KUNST MIT DER

KETTENSÄGE

AUF DER BURG

WIRD’S KREATIV

Rainer Steinemann macht Kunst und gibt Kettensägenkurse.

Ein riesiger Oktopus mit langen Tentakeln und dunklen Augenhöhlen,

ein kopfloser Mann dreht sich elegant um seine eigene

Achse – wenn Holzskulpteur Rainer Steinemann in seinem

Holzatelier in Harthausen werkelt, entstehen ganz besondere

Kunstwerke. Die Arbeit mit der Kettensäge findet im Freien

statt. Sein Atelier mit den fertigen Stücken ist im ehemaligen

Schweinestall untergebracht. „Jetzt ist es gerade eng im Stall,

es stehen zu viele Stücke rum, denn normalerweise wäre ich

damit um diese Zeit auf Messen und Ausstellungen“, sagt der

Kreative. Steinemann gibt auch Kurse, in denen er zeigt, wie

man Ideen mit der Kettensäge umsetzen kann. Natürlich beginnt

das Ganze erst mal mit der Theorie, damit die Teilnehmer

lernen, die Gefahren mit dem speziellen Werkzeug einzuschätzen.

Auch das Tragen von Schutzkleidung ist Voraussetzung.

„Unter den Teilnehmern sind erstaunlich viele Frauen, oft über

die Hälfte.“ Das Alter der Schüler liegt zwischen 18 und 80 Jahren.

Die meisten hatten noch nie eine Kettensäge in der Hand.

Demnächst soll es wieder losgehen mit den Kursen.

Stürmt die Burg – die ersten Programmpunkte stehen. | Foto: S. Müller

Das Sommerferienhighlight „Stürmt die Burg“ steht. Ab dem

29. Juli gibt es auf der Wilhelmsburg wieder vier Wochen Biergarten,

Bands und Bühnenprogramm. „Es wird intensiver als in

den Jahren davor, denn es gab Geld vom Gemeinderat, um regionale

Künstler stärker zu fördern“, sagt Sebastian Huber von

der Stadt Ulm. „Wir werden auch verschiedene Partner haben

wie das Zelt, das Donaufest oder das Literaturfest – da deren

Veranstaltungen abgesagt werden mussten.“ Sonntags gibt es

ein Kinderprogramm mit Märchenparcours. Außerdem finden

in der Burg Ausstellungen statt – „wir sind in diesem Jahr

richtig kreativ geworden“, freut sich Huber. Die Burg Bar XII

wird wieder unter der Leitung von Nadine Vogelmann von der

Eventfirma CPN dabei sein. Auch beim Theaterstück Dracula

im Juni auf der Burg übernimmt sie den gastronomischen Part.

„Wir machen einen Burg-Grill – dabei werden wir unter anderem

asiatisch angehauchte Küche anbieten. Und für die Theaterbesucher

soll es Snack-Körbchen geben, die man gut in die

Vorstellung mitnehmen kann“, verrät Vogelmann.

Text: Stefanie Müller

die-wilhelmsburg.de

KUNST

Ein Oktopus aus Holz?

Nicht unbedingt das, woran

man als erstes denkt.

Hier findet man allerhand

Außergewöhnliches.

WORTE

Worte aus Holz – kein Problem

für Steinemann! Ob

für Firmenslogans oder

Geburtstagsfeiern – alles

ist möglich.

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Text und Fotos: Ulrike Hoche

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Facebook/Instagram: AWO Württemberg

5


STADTLEBEN

ULM/NEU-ULM

DIENSTAG IST MARKTTAG

IN DER WESTSTADT

Foto: freepik.com

Ab sofort hat auch die Weststadt

einen eigenen Wochenmarkt:

immer dienstags von

14-18 Uhr auf dem Agathe-

Schultheiß-Platz vor dem

Weststadthaus. Händler aus der

Region bieten frische und saisonale

Produkte an – von Antipasti,

Backwaren und Brot über

Eier, Fleisch, Gemüse, Käse und

Obst bis hin zu Blumen, Pflanzen

und Wurst.

Man trifft sich auf dem

Agathe-Schultheiß-Platz

Die Idee zum Quartiersmarkt

kam von der AG West, umgesetzt

hat ihn die Ulm-Messe,

die die anderen Wochenmärkte

Text: Stefanie Müller

in Ulm organisiert. Banu Öner

vom Weststadthaus freut sich

über das neue Angebot: „Der

Markttag einmal in der Woche

macht den Platz nun noch mehr

zur Weststadtmitte.“ Für die

Ulm-Messe ist der kleine Markt

eine sinnvolle Ergänzung zur

örtlichen Nahversorgung. Der

Fokus liege auf Nachhaltigkeit,

kurzen Wegen sowie Waren aus

der Region. Messechef Jürgen

Eilts: „Uns hat die Idee der AG

West auf Anhieb gefallen. Sie

passt hervorragend in unser

Konzept dezentraler Marktplätze,

ergänzend zum großen

Wochenmarkt auf dem Münsterplatz.“

ulmer-wochenmarkt.de

6

Ausbildung zum Hauswirtschafter (m/w/d)

Du bist

• ein Organisationstalent und kreativ

• praktisch veranlagt

• belastbar, zuverlässig und verantwortungsbewusst

• und hast Interesse an Ernährungs-, Gesundheits- und

Umweltfragen?

Das kannst Du von uns erwarten

• arbeiten im Team

• nachhaltige Verarbeitung von Lebensmitteln

• Reinigung und Pflege verschiedener Textilien

• Gestaltung und Pflege von Wohnräumen

• organisieren von Veranstaltungen

• arbeiten mit modernsten Maschinen und Geräten

Du bringst mit

• mindestens einen Hauptschulabschluss

• Spaß am Arbeiten im Team

• Motivation

• eigenständiges Arbeiten

Darauf kannst Du zählen

• eine dreijährige Ausbildung im dualen System

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IM SOMMER

WIRD GETANZT

SOPHIE SCHOLL

AUF INSTAGRAM

„Shell Shock/Porzellan Haus“ konnte vom ursprünglichen „Ulm moves!“-Programm

übernommen werden. | Foto: Compagnie Marion Sparber

Dem Tanzfestival „Ulm moves!“ erging es wie so vielen Events

in den letzten Monaten. Es musste abgesagt werden. Doch die

Veranstalter haben reagiert und präsentieren mit „Ulm Summer

Moves“ nun ein verschlanktes Ersatzprogramm. Geplant

sind 13 Tanzabende zwischen dem 11. und 26. Juni, die im Roxy,

der Donaubastion und im Deutschhaus stattfinden.

Ein „vertikaler Tanzabend“ am Parkhaus

Vom ursprünglichen Programm konnten drei Veranstaltungen

übernommen werden: Susanna Curtis’ Tanz-Solo „Do

you contemporary dance?“, „Shell Shock/Porzellan Haus“

der Compagnie Marion Sparber und „Frida“ von der lokalen

Strado Compagnia Danza. Daneben erwarten die Besucher

verschiedene Uraufführungen und ein Open-Air-Vertical-

Dance-Abend am Parkhaus Deutschhaus – dabei werden die

gläsernen Fahrstühle zum Teil der Inszenierung.

Text: Dominik Schele

roxy.ulm.de

Der Instagramkanal #ichbinsophiescholl begleitet die letzten zehn Monate der

Widerstandskämpferin. | Foto: instagram.com/ichbinsophiescholl

Was wäre gewesen, wenn Sophie Scholl Instagram gehabt

hätte? Dieser Frage gehen SWR und BR mit dem Projekt

#ichbinsophiescholl nach. Zum 100. Geburtstag der Ulmer

Widerstandskämpferin am 9. Mai starteten sie den Instagramkanal,

auf dem man die letzten Monate Scholls live mitverfolgen

kann. Der Kanal spielt täglich kurze Episoden aus,

die historisch so authentisch wie möglich sein sollen. Enden

wird das Projekt nach zehn Monaten am 22. Februar – dem

Tag, an dem Sophie Scholl hingerichtet wurde.

Das Ganze soll vor allem junge Menschen erreichen. Daher

erleben die Nutzer auf dem Instagramkanal die Welt von Sophie

Scholl subjektiv und in Echtzeit – eben wie einen echten

Social-Media-Feed. Schauspielerin Luna Wendler schlüpft

in die Rolle Sophie Scholls und erzählt in Videos, Fotos und

Reels stets aus ihrer Perspektive. Der Kanal bekommt insbesondere

von jungen Menschen positives Feedback, so schreibt

eine Userin: „Krass, das fühlt sich total echt an.“

Text: Dominik Schele

instagram.com/ichbinsophiescholl

der guide für

ulm und die region

DAS

GEHEIMNIS

IST DIE

FLASCHEN-

GÄRUNG

FRISCHE HEFE

- FLASCHENGÄRUNG

frizz-ulm.de/magazin-wohin

guenzburger-weizen.de

7


STADTLEBEN

ULM/NEU-ULM

HOTEL MIT

GRÜNEM DAUMEN

SCHLANGE STEHEN

FÜR KRINGEL

Mitte Juni eröffnet am Bahnhofsvorplatz das „me and all

hotel ulm“. Durch „Urban Gardening“, das sich als Thema

durch das ganze Hotel zieht, soll es nicht nur Touristen,

sondern auch die Ulmer und Neu-Ulmer ansprechen.

Zum grünen Design zählen unter anderem eine

vertikal bepflanzte Wand im Eingangsbereich und die

große begrünte Dachterrasse samt Bar. Um Ulmer Flair

zu versprühen, wird hauptsächlich mit lokalen Partnern

aus Gastronomie, Kunst und Kultur zusammengearbeitet,

darunter Flotte Lotte, Rosebottle und der Ulmer Zuckerbäcker.

In den Zimmern findet man Illustrationen

des Ulmer Künstlers Letterbube.

Buntes und grünes Kulturprogramm

Sobald es wieder möglich ist, sollen in der Lounge und

der Rooftop-Bar regelmäßig Wohnzimmerkonzerte, Comedyabende,

Lesungen und weitere Events mit lokalen

Künstlern stattfinden. Passend zum grünen Thema des

Hotels sollen unter dem Motto #growanyspace zudem

Garten-Workshops angeboten werden.

Text: Dominik Schele

meandallhotels.com

Hier gibt’s Instagram-taugliche Donuts. | Foto: Stefanie Müller

Bei Royal Donuts in der Ulmer Lautengasse gibt es seit

1. Mai Kalorien satt. Ob mit ordentlich Vanillesauce,

Schokostreuseln, Smarties, Marshmellows oder mit

Erdnussbutter – rund 100 verschiedene Donuts sind im

Angebot. Lange Schlangen gibt es hier täglich, jeder will

etwas aus der bunten Zuckerwelt. Royal Donuts wurde

von Enes Seker aus Aachen gegründet. Die Donuts sind

inzwischen Stars auf Instagram, TikTok und Facebook.

Ein kleiner Laden in Köln machte 2018 den Anfang. Inzwischen

sind es 130 in ganz Deutschland, aber auch in

Österreich und der Schweiz. Je nachdem, was man auf

seinen Donut haben will, kostet der bunte Spaß zwischen

2 und 5,50 Euro.

Text: Stefanie Müller

royal-donuts.de

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ZGH 0076/48 · 06/2020 · Foto: Getty Images

Fotos: me and all hotels

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8


ADRENALINKICK

AUF VIER ROLLEN

Student Felix ist früher schon geskatet – dank Corona

hat er sein Hobby neu für sich entdeckt. Wo seine

Lieblingssports sind und was er Anfängern rät.

DIE STUDIS

VON NEBENAN

TEIL 4

Direkt neben der FRIZZ-Redaktion

wohnen die Studenten

Sabrina, Felix und Tobias. Was

die drei außer studieren noch

so alles treiben, verraten sie jeden

Monat im FRIZZ.

Felix Lieblingsplatz: unter der Brücke zwischen

Ulm und Blaustein.

Ich habe seit dem Lockdown das Skaten wieder

für mich entdeckt. Es ist ein guter Sport, um vom

Unistress etwas abzuschalten und rauszukommen.

Man kann entweder allein in den Ulmer Straßen

oder in Skateparks in und um Ulm skaten gehen.

Ich persönlich treffe mich meistens ein- bis zweimal

die Woche mit Freunden im Skatepark, um

dort für ein paar Stunden zu fahren. Es lohnt sich

draußen aber nur bei trockenem und halbwegs

gutem Wetter.

Wenn man mit dem Skateboardfahren anfängt,

braucht man Übung und Geduld, um Resultate zu

sehen. Ich würde damit beginnen viel zu fahren,

um Sicherheit auf dem Board zu bekommen. Wenn

man sich sicher beim Fahren, Beschleunigen und

Bremsen fühlt, kann man sich an die ersten Tricks

heranwagen. Die meisten Tricks haben Namen, der

Sprung mit dem Board heißt zum Beispiel Ollie.

Sabrina

Schattenseite des Skatens: „Irgendwie sind

gerade alle meine Schuhe kaputt.“

Ich würde damit beginnen

viel zu fahren, um Sicherheit

zu bekommen.

Es gibt viele Tricks, die man erlernen kann, ohne

einen Ollie können zu müssen. So kann man versuchen,

während des Fahrens auf seinem Skateboard

zu springen (Hippie Jump), das Board um 180 Grad

zu drehen oder nur auf zwei Rollen zu fahren (Manual).

Später kann man sich dann an schwierigere

Übungen wie Ollie, Shuvit oder Kickflip heranarbeiten.

Felix

Uuuuuund Sprung! Um wieder auf dem

Brett zu landen, muss man lange üben.

Es ist ein toller Sport, um seine Grenzen auszutesten

und diese mit jedem Fahren immer ein

Stückchen mehr auszureizen und zu erweitern.

NÄCHSTEN MONAT:

KLAUSURENPHASE!

Tobias

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STADT

GESPRÄCH

„JEDER KANN

MALEN!“

Margitta Nagel ist Künstlerin und hat in Ulm schon

dutzende „ArtNights“, Junggesellinnenabschiede und

Firmenevents angeboten. Momentan fällt fast alles aus.

Die 52-Jährige freut sich schon, wenn es wieder losgeht.

Zum Interview trifft FRIZZ

Margitta („Sag doch Maggie!“)

in ihrem Atelier in Andelfingen

hinter Riedlingen. Das Dorf

mit rund 1.200 Einwohnern

wirkt verschlafen, ländliche

Idylle. Direkt an der Durchgangsstraße

liegt die „Kreativ

Oase“. Im Erdgeschoss ein großer,

heller Raum mit zwei langen

Tischen. An den Wänden

stehen meterlange Regale mit

Kunstbüchern, Pinseln, Farben,

Pigmenten und Spachteln.

Von einer kleinen Küchenzeile

weht Kaffeeduft herüber. Und

überall steht, liegt und hängt

Kunst – Bilder in allen Größen,

sogar ein paar bemalte Kacheln

liegen herum.

FRIZZ: Wow, du bist aber

fleißig …

Maggie: (lacht) Keine Sorge,

die Bilder sind nicht alle von

mir. Ich teile mir das Atelier

mit zwei anderen Künstlern.

Das ist ganz praktisch, jeder

von uns kann kommen, wann

er will. Manchmal trifft man

sich und tauscht sich aus.

Gerade momentan ist das ja

echt praktisch. Kunstkurse

gibt es im Moment quasi

nicht – da ist das Malen

wahrscheinlich ein sehr einsames

Geschäft.

Ja, irgendwie schon. Ich meine,

ich habe früher mehrere

ArtNights die Woche gemacht,

dazu Unterricht an der Jugendkunstschule,

vhs-Kurse …

aber momentan: nichts. Es gibt

zwar Online-ArtNights, bei

denen die Teilnehmer am PC

gemeinsam malen, aber das ist

natürlich nicht dasselbe. Man

kann online halt nicht so auf

die Teilnehmer eingehen. Und

genau das ist es ja, was mir so

viel Spaß macht. Ich möchte

die Teilnehmer motivieren,

an ihre Kreativität zu glauben,

auch wenn die vielleicht noch

etwas „verschüttet“ ist.

Wann gibt es denn wieder

„richtige“ ArtNights?

Das ist momentan noch nicht

abzusehen. 15-20 Personen

in einem Lokal sind schon

schwierig. Und im Freien können

wir die ArtNights nicht

machen – dafür sind wir einfach

zu wetteranfällig. Tja, in

Ulm ist es sowieso ziemlich

schwierig …

Wieso?

In Ulm ist es wahnsinnig

schwer, Gastronomen zu finden.

Das Konzept der ArtNight

ist ja: Wir bringen die Kunden

in die Lokale und machen

Werbung für die. Dafür dürfen

wir die Räume benutzen. Miete

zahlen wir nicht – das wollen

viele aber. Und wir Künstler

müssen die Lokale selber

suchen, das macht nicht der

Veranstalter ArtNight für uns.

Am liebsten sind uns Lokale,

die einen extra Raum haben,

der in der Woche vielleicht oft

leer steht. Das wäre dann eine

Win-win-Situation.

Wo hast du schon gemalt?

Ich war oft im Museumscafé,

da es gleich einen Bezug zur

Kunst hat. Dort hat es mir gut

gefallen. Dann noch im Vapiano,

Shakerato, Ratskeller,

Parkcafé in Senden, Café Davina.

Einige davon gibt es leider

nicht mehr. Ja, und zum

Schluss nur noch im Orange-

Hotel ... da konnte man den

Abstand einhalten. Ab September

probiere ich das Café

Jam aus. Aber generell ist es so,

dass wir händeringend nach

Gastronomen suchen. Falls jemand

eurer Leser da Connections

hat, soll er sich gerne mal

melden.

Wie ist das denn so bei einer

ArtNight für dich als Künstlerin?

Das Verrückte ist, dass jedes

Mal Teilnehmer dabei sind,

die reinkommen und erstmal

10


11

Zur Person

Margitta Nagel, Jahrgang 1968, wurde in Hamburg geboren. Trotz Kunst-Abi entschied sie

sich für eine kaufmännische Ausbildung – auf Wunsch ihrer Eltern. Der Liebe wegen zog es

sie nach Augsburg, die Kunst geriet in Vergessenheit. Erst als sie merkte, wie viel Spaß es ihr

machte, die Malbücher ihrer Kinder auszumalen, entdeckte sie ihre Leidenschaft wieder. Zum

40. Geburtstag bekam sie dann einen Malkurs geschenkt und stieg wieder ins Künstlerleben

ein. Sie belegte viele Kurse und zeigte ihre Bilder in mehreren Ausstellungen. Seit 2018 ist sie

Gastgeberin bei ArtNights – zunächst in Augsburg, mittlerweile aber im kompletten süddeutschen

Raum und besonders oft in Ulm. 2019 bezog sie ihr Atelier in Oberschwaben, in dem

sie auch Kurse anbietet. Mehr auf: www.margittanagel.de

Foto: Kerstin Auernhammer


STADT

GESPRÄCH

sagen: „Also nur damit du es

weißt, ich kann ü-ber-haupt

nicht malen“. (lacht) Dabei

kann das gar nicht sein: Jeder

Mensch kann malen! Das finde

ich immer so schön, wenn

Teilnehmer dann am Schluss

rausgehen und man ihnen ansieht:

Da sind die jetzt richtig

stolz drauf.

Wer kommt denn so zu einer

ArtNight?

Das ist ganz unterschiedlich,

kommt auch aufs Motiv an.

Wobei ich sagen würde, dass

80 Prozent weiblich sind. Eigentlich

eine gute Chance für

Single-Männer! (lacht) Also

bei Motiven wie der „Tänzerin“

sind es eher jüngere

Frauen oder Mädels, die kommen.

Beim „Buddha“ haben

wir viele, die sich für Yoga

interessieren. Und bei den

Banksy-Motiven ist es bunt gemischt,

da sind auch die meisten

Männer mit an Bord.

Was ist Kunst für dich?

Boah, schwere Frage! (denkt

nach) Für mich persönlich ist

Kunst Lebensfreude. Wenn ich

meine Kreativität entdecken

kann – egal, ob es beim Anschauen

eines Gemäldes und

dem Nachdenken darüber ist

oder ob ich meine eigene Kreativität

in Gang setze. Ich kann

mich dabei selbst ausdrücken,

meine Stimmung. Es gibt auch

bei mir Tage, da kann ich nicht

malen. Da ist der Kopf so voll,

dass da nix geht. An manchen

Tagen tut es mir gut, mich erst

mal wild auszumalen. Kann

sein, dass das Bild dann nur

aus Schwarz und Rot besteht.

Danach geht‘s dann besser ...

Das Konzept der ArtNight: Das Material wird gestellt und die Teilnehmer malen nach Anleitung ein Motiv nach. | Foto: privat

Kannst du von deiner Kunst

leben?

Momentan nicht. Vor Corona

konnte ich gut davon leben,

überwiegend durch Kurse.

Manchmal hatte ich fünf Art-

Nights pro Woche, dann noch

vhs-Kurse. Ausstellungen gehen

ja gerade auch nicht, da

habe ich teilweise auch Bilder

verkauft. Nun arbeite ich 18

Stunden die Woche in einem

Büro. Da hat sich vielleicht der

Wunsch meiner Eltern nach

einer soliden kaufmännischen

Ausbildung bezahlt gemacht

– Mutti, du hast doch recht gehabt

mit „Mach was Gscheits!“

(lacht) Nein, im Ernst: Ich

bin mehr die Dozentin als die

Künstlerin. Ich glaube, andere

haben künstlerisch mehr drauf

– wobei das ja auch immer im

Auge des Betrachters liegt.

Aber generell gefällt es mir,

andere „ins Tun zu bringen“ –

einfach diejenige zu sein, die

den Anstoß gibt. Das kann ich

kaum erwarten!

Text: Kerstin Auernhammer

Lieblingskünstler?

Wie heißt denn nur dieser spanische Künstler …?

Ah, ich hab‘s: Joaquin Sorolla y Bastida.

Lieblingsmotiv?

Ich male am liebsten abstrakt.

Lieblingstechnik?

Mischtechnik, meist Acryl und Kreide.

Lieblingsmuseum?

Der Prado in Madrid.

Farbe bekennen:

Schnellfragerunde

Wo bekommst du deine Inspiration her?

Von anderen Künstlern – ich folge etlichen auf Instagram

und da sehe ich dann ab und zu was, was

ich unbedingt ausprobieren muss.

Lieblingsmotiv bei der ArtNight?

Der Banksy-Affe, der ist so herrlich frech.

Lieblingsfarbe?

Das ändert sich immer wieder, momentan Petrol

und Orange.

Illustrationen designed by macrovector/Freepik

12

Lieber kleine oder große Gemälde?

Große, weil ich mich da am ehesten austoben kann.


IN FARBE

UND BUNT

IN

FARBE

UND

BUNT

KUNST IN DER

DOPPELSTADT

14


Tattoo-Künstlerin Shanin Kanik (38) bei

ihrem aktuellen Graffiti-Projekt im Szene-

Biergarten „Liederkranz“ (Friedrichsau).

Als „Evil Kaneedle“ bereiste sie die Welt und

war unter anderem in den USA, Malaysien,

Singapur, Luxemburg und Belgien.

Mehr erfahrt ihr in der Reportage auf Seite 20.

„Bunt ist das Dasein

und granatenstark!“

Das war der Leitspruch im 80er-Jahre-

Kultfilm „Bill & Teds verrückte Reise

durch die Zeit“. Dass das Leben in der

Doppelstadt meist granatenstark ist, dürfte

klar sein. Aber „bunt“ ist vermutlich nicht

unbedingt das Erste, was man mit Ulm

und Neu-Ulm verbindet. Das täuscht allerdings.

Die Städte sind farbenfroher, als

man denkt. In erster Linie liegt das an den

Menschen, die hier leben und die durch ihre

Art und ihr künstlerisches Schaffen die

Städte ein Stück weit bunter machen.

15 Foto:

Jessy J. Photography


IN FARBE

UND BUNT

Generative Kunst: die sich selbst malenden Mittelfinger-

Bilder von Sabine Wieluch. | Bild: fuck.bleeptrack.de

Graffiti kann eine Stadt verschönern. Ulm und Neu-Ulm

fehlt es aber an legalen Flächen | Foto: Maria Eklind

Mal mehr, mal weniger detailreich. Pixel Art ist eine

ganz eigene Kunstform. | Bild: Julia Neumeister

16

Auch wenn Ulm und Neu-Ulm nicht als

Künstlerhochburgen bekannt sind, gab

es hier schon immer viele Menschen, die

ihrer Kreativität mit dem Pinsel freien

Lauf ließen und dadurch ihre Umwelt

bunter machten. Die Beispiele sind zahlreich.

Man denke nur an Hans Multscher,

Edwin Scharff oder die

Künstler der Ulmer Schule

rund um Martin Schaffner.

Auch heute hält

die Doppelstadt nach

wie vor den Pinsel

hoch, was man nicht

zuletzt an den zahlreichen

Galerien und

Museen erkennen kann.

Die Künstler selbst sind

heute vielleicht nicht ganz

so bekannt wie ihre historischen

Kollegen, aber das kann

sich ja noch ändern. Interessante Persönlichkeiten

sind sie allemal.

Da wäre zum Beispiel „Beva“, der mit

FUN FACT:

Zwischen Zingler- und

Donaubrücke sollen bald

neue legale Graffiti-

Flächen entstehen.

bürgerlichem Namen Vasile Bedreaga

heißt. Der 1953 im rumänischen Klausenburg

geborene Künstler floh Ende der

80er aus der rumänischen Diktatur unter

Nicolae Ceausescu und kam nach Ulm.

Sein erstes Atelier befand sich in einer

kleinen Ulmer Wohnung in der Küche.

„Hier malte ich nicht nur, unter

anderem ein Bühnenbild für

das Theater in der Westentasche,

sondern unterrichtete

auch erste

Schüler“, erinnert sich

der Künstler und fügt

lachend hinzu: „Damals

noch mit einem

sehr begrenzten

Wortschatz, der aus

‚So‘ und ‚So‘ bestand.“

Heute hat Vasile Bedreaga

sein Atelier im Garnisons-Arresthaus

in der Ulmer Frauenstraße und ist

nicht nur künstlerisch aktiv, sondern

auch in der Jugend- und Erwachsenen-

bildung tätig. Die Lehre der Kunst ist

im ein sehr wichtiges Anliegen. „Das ist

mein berufliches Leben. Ich habe große

Freude, meine Erfahrung, mein Wissen

und meine Begeisterung mit anderen interessierten

Menschen zu teilen“, so Vasile

Bedreaga.

PUNKT FÜR PUNKT

ZUR PIXEL-KUNST

Die Kunst an sich ist Julia Neumeister

nicht so wichtig. Sie hat einfach nur

Freude am Malen und Gestalten. Als

Künstlerin sieht sie sich nicht, auch wenn

einige ihrer Werke bereits des Öfteren

auf positive Resonanz stießen. Allerdings

weniger bei Kunstkritikern, sondern eher

bei Menschen aus der Gaming-Szene.

Die junge Frau aus Offenhausen entwirft

Videospielfiguren und Hintergründe

im Pixel-Art-Stil. „Ich hab schon immer

gerne gemalt. Egal ob mit Wasserfarben

Piktogramme designed by Freepik


in der Schule oder später auch mal mit

Acryl. Digital am Computer zu malen,

darauf kam ich aber erst vor ein paar Jahren,

als ich mit zwei Freunden bei einem

Game-Jam dabei war“, erinnert sich Julia.

Game-Jams sind Veranstaltungen,

bei denen verschiedene Teams innerhalb

von einer vorgegeben Zeit, z.B. innerhalb

von 48 Stunden, ein kleines Videospiel

von Grund auf herstellen. Dazu zählen

neben der Planung und Programmierung

auch Dinge wie das Erstellen der Musik

und eben der Grafiken.

FOTOS GEMALTER BILDER

IM RETRO-PIXEL-LOOK

Die Ulmer „Skyline“ im Pixel Art-Stil erinnert an FMV-Videospiele aus den 90ern. | Bild: Julia Neumeister

„Ich wusste am Anfang gar nicht so recht,

was ich da eigentlich soll. Computerspiele

haben mich nie wirklich interessiert.

Ich hab mich dann aber mit einem Grafiker

aus einem anderen Team ausgetauscht

und der hat mir gezeigt, an was er

gerade arbeitet: kleine, bunte Figürchen.

Das hat mich wahnsinnig fasziniert.

Obwohl die Figuren nur aus wenigen

Punkten bestanden, erkannte man was

das sein soll.“ Die anfängliche Faszination

sorgte dafür, dass Julia sich nach und

nach in die Themen digitale Bildbearbeitung

und Pixel-Art einarbeitete. Anfangs

beschäftigte sie sich hauptsächlich mit

der Erstellung von kleinen Pixel-Figuren.

Doch bald schon entdeckte sie, dass es ihr

mehr Spaß macht, große Hintergründe

zu erstellen. „Mittlerweile verbinde ich

die normale Malerei mit Pixel-Art. Zum

Beispiele male ich ein Bild auf Leinwand,

fotografiere es ab und bearbeite es dann

digital so nach, dass dieser typische Retro-Pixel-Look

entsteht.“ Ihre Figuren

und Hintergründe sind in einigen kleinen

Spielen zu finden, die unter anderem bei

Game-Jams wie dem Mini-Beans-Jam

in Hamburg erstellt wurden. Und auch

wenn bei Julia Neumeister der Spaß im

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17


IN FARBE

UND BUNT

Vordergrund steht, ist es immer wieder

schön, Bestätigung zu bekommen. „Es hat

schon was, wenn deine Bilder irgendwo

verewigt sind. Auch wenn es nur kleine

Spiele sind, die maximal 100 Leute zu

Gesicht bekommen. Wer weiß, vielleicht

geht ja irgendwann eins davon durch die

Decke und ich werde berühmt durch Pixel“,

lacht die junge Frau.

GRAUE WÄNDE

WERDEN BUNT

18

Die Kunst aus der Sprühdose ist eine Sache,

die gerne mal sauer aufstößt. Und

das, obwohl Graffiti und urbane Kunst

seit vielen Jahren zum Stadtbild dazugehören.

Viele nehmen die Bilder als

Schmierereien wahr. Und natürlich sind

krakelige Schimpfwörter, die an die Wände

von öffentlichen Gebäuden gesprüht

wurden, alles andere als toll. Was dabei

allerdings oft vergessen wird ist, dass gute

Bilder einen Mehrwert für das Stadtbild

bieten können. Graffiti-Artist Paul G.,

der seinen echten Namen nicht verraten

möchte, stimmt da zu. „Man sieht das

ganz gut am Roxy. Geh da mal außen

herum. Da sind so viele coole

Bilder von unterschiedlichen

Leuten mit unterschiedlichen

Stilen. Du

kannst mir nicht erzählen,

dass das nicht

besser aussieht als

’ne einfarbige Wand“,

meint der Ulmer Sprüher

und ergänzt: „Klar, beim

Roxy hat kaum jemand ein

Problem damit. Da passt das

schon. Ist ja eine Kultureinrichtung

und auch etwas ab vom Schuss. Aber

sobald es in Richtung Innenstadt geht,

wird es problematisch. Da ist die einzig

legale Möglichkeit die Wand auf der kleinen

Blauinsel. Das ist zu wenig.“

LEGALE FLÄCHEN?

FEHLANZEIGE

Tatsächlich gibt es in Ulm und Neu-Ulm

kaum Flächen, an denen sich jeder austoben

darf. Und so sind viele der Graffitis

illegale Kunstwerke. Doch die Städte und

verschiedene Gebäudebesitzer scheinen

immer öfter die Kunst darin zu sehen. Daher

gibt es immer mehr Bilder, die nach

Absprache in Form von Auftragsarbeiten

entstehen. Diese Entwicklung sieht Paul

allerdings mit gemischten Gefühlen. „Einerseits

ist es natürlich super für einzelne

Sprayer und Crews. Eine große Wand an

prominenter Stelle zu bearbeiten – und

FUN FACT:

Die beliebteste Farbe

der Deutschen ist Blau.

Danach folgen Grün

und Rot.

Künstler Vasile Bedreaga alias Beva teilt sein Wissen und seine Begeisterung gerne mit anderen. | Foto: Archiv

das auch noch offiziell –, ist ein Traum.

Allerdings werden für solche Aufträge

natürlich nur Profis in Betracht gezogen.

Für den Nachwuchs bleibt das Problem

bestehen. Um besser zu werden, musst

du üben. Aber üben kannst du hier nur

sehr eingeschränkt oder halt illegal“,

gibt der junge Mann zu

bedenken. „Ich find’s aber

trotzdem gut, dass es diese

Aufträge immer öfter

gibt. Die Bilder, die dabei

entstehen sind richtig

gut und verschönern

die Umgebung total. Ich

liebe zum Beispiel diese

riesigen Insektenbilder

in der Friedrichsau. Die

passen halt auch einfach

zur Örtlichkeit. Nur schade, dass

die mittlerweile auch schon wieder mit

Schmierereien verunstaltet wurden.“ Die

riesigen Insekten, die am alten Bärenzwinger

in der Friedrichsau zu bestaunen

sind, wurden 2019 vom Ulmer Graffiti-

Duo „Partners in Paint“ gemalt. In Absprache

mit der Stadt entwickelten Jonas

Seif und Christian Schindler die Idee. Die

Bilder, für die 150 Sprühdosen gebraucht

wurden, sollten nicht nur die Örtlichkeit

verschönern, sondern auch das Insektensterben

thematisieren.

BILDER, DIE SICH

SELBER MALEN

Ein recht unbekanntes Gebiet der Gestaltung

hat Sabine Wieluch betreten. Unter

ihrem Künstlernamen „bleeptrack“

geht die Doktorandin der Uni Ulm der

generativen Kunst nach. Dabei handelt

es sich um Kunst, die ganz oder teilweise

unter Zuhilfenahme eines autonomen,

nicht-menschlichen Systems erstellt

wird. Das Kunstwerk entsteht dadurch,

dass gewisse Regeln, etwa durch einen

Computercode, verarbeitet werden. Entscheidungen,

die eigentlich der Künstler

treffen würde, übernimmt der Code. Daher

steht bei der generativen Kunst auch

meist nicht das Endprodukt im Mittelpunkt,

sondern der Entstehungsprozess.

Sabine Wieluch hat mit ihrem generativen

Kunstprojekt Ende 2019 den Förderpreis

Junge Ulmer Kunst gewonnen.

Ihre Ausstellung Code/Kunst war daraufhin

im Ulmer Museum zu bewundern.

Ihre neueste Arbeit beschäftigt sich weitestgehend

mit dem Thema „Corona und

Kunstschaffende“. So hat das Land Bayern

im Januar Stipendien in Höhe von

5.000 Euro für junge Künstler versprochen.

Das Formular dazu ging aber erst

Ende März online. Herausgekommen

ist nach dem Ausfüllen allerdings bisher

noch nichts. Mit einem Projekt, das auch

etwas witzig ist, möchte die junge Frau

genau darauf aufmerksam machen – mit

einer Website, auf der jeder sein individuelles

Kunstwerk erstellen kann; ein

Kunstwerk aus Mittelfingern. Die Größe,

Farben und Formen der Finger lassen sich

durch einen Mausklick ändern. Am Ende

ist jedes neu generierte Bild ein Unikat.

Wer das selbst mal austesten möchte, findet

die Website unter fuck.bleeptrack.de

Da kann man abschließend doch nur sagen:

Ganz schön bunt die Doppelstadt,

oder?

Text: Dominik Schele


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STADT

GESCHICHTEN

TATTOO ART

UNTER DIE HAUT

„Evil Kaneedle“ – eine, die auszog, um

Tätowiererin zu werden. Zu Gast in der

verrückt-bunten Welt der Shanin Kanik.

Zwischen Körperkunst und Street Art,

Airbrush und „Bauchfleisch“, der neuen

Streetwear-Kollektion für Ulm.

Shanin Kanik hat etwas geschafft, das sich wahrscheinlich wenige

Tätowierer trauen. Sie hat sich das Tätowieren selbst beigebracht.

Nicht an Kunsthaut oder Schweinehälften – „Porky“

genannt – sondern an beiden Oberschenkeln. „Ich wollte meine

ersten Übungsversuche keinem anderen Menschen zumuten ...

so kam nur mein eigener Körper in Frage.“

Shanin Kaniks Kreativregister

Bauchfleisch das neue Klamottenlabel,

unter anderem mit Shirts, Hoodies,

Yoga leggings und Bauchtaschen – mit

frechen Sprüchen und Kaneedles Grafikund

Tattoodesigns: bauchfleisch.com,

Instagram: bauchfleisch_clothing

Im Szene-Biergarten „Liederkranz“

entsteht derzeit eine Graffiti-Installation.

Pächter Daniel Bürger plant in der kommenden

Saison einen Zusammenschluss

mit vielen Künstlern aus der Region.

Bock drauf, mal wieder zu tanzen? Dem

Lockdown-Kater hat Shanin aka Disko

Fox Electro, House und Drum ‘n‘ Bass-

Sets entgegenzusetzen:

soundcloud.com/DiskoFox

Ich habe gelernt, dass ich alles schaffen

kann, wenn ich nur will. Mit dieser

Erkenntnis habe ich angefangen, zu

tätowieren. Aber nicht auf Kunsthaut.

Zuerst auf mir selbst ...

20

Aus Shanin Kanik wird „Evil Kaneedle“

Shanin hat immer gewusst, dass sie Tattoos liebt. Dass sie aber

einmal Tätowiererin werden würde, zeichnete sich erst viel später

ab. Den ersten Entwurf zeichnete sie mit 16, um ihn dann bis

zum 18. Lebensjahr im Portemonnaie aufzubewahren: „ein asiatischer

Tribal-Drache“. Ihrem Vater musste sie versprechen, mit

der Körperkunst bis zur Volljährigkeit zu warten. „Mein bester

Freund machte eine Ausbildung zum Tätowierer. Überzeugt

davon, dass in mir Talente schlummern, überredete er mich,

es doch auch einmal zu versuchen.“ Nach 13 Jahren im Grafikdesign

ging es dann ab nach Berlin, „um in einem Shop den Tätowierern

über die Schulter zu schauen und eigene Designs zu

entwerfen.“ Der Liebe halber landete Shanin bald im Ruhrpott,

um enttäuscht feststellen zu müssen, „dort nicht wirklich etwas

über das Tätowieren zu lernen“. Stattdessen sollte sie Kundenberatungsgespräche

führen und Schmuck verkaufen. Die Beziehung

ging in die Brüche, ihr Partner hatte sie mehrfach betrogen.

Als sie ihn zur Rede stellte, versetzte er ihr einen Schlag. „Ich

holte aus, dann ging er k.o.“ Im Muay-Thai hatte Shanin zu diesem

Zeitpunkt bereits fünf Mal bei Wettkämpfen erfolgreich im

Ring gestanden. Beziehung zu Ende, kein Job, keine Perspektive.

Shanin kaufte sich von ihrem Ersparten drei Tätowiermaschinen

und heuerte bei einem Tätowiermaschinenbauer an, den sie auf

einer Messe kennengelernt hatte. „Ich bin handwerklich nicht

unbegabt. Das brachte mich über die Runden und verhalf mir zu

einem tieferen Verständnis über das Tätowierhandwerk.“ Tagsüber

schrauben, abends stechen! Nach Feierabend setzte sie dann

Stück für Stück das Gelernte am eigenen Körper um. Anker und

Symbole, ein „Ätsch Bätsch“ und eine Schwalbe zieren seither

Foto: Jessy J. Photography

Evil Kaneedle Tattoostudio

Frauenstraße 87 | 89073 Ulm

E-Mail: aua@evil-kaneedle.de

Instagram: evilkaneedletattoo


TATTOOVORLAGE

KOCH-OKTOPUS

ihren Körper. „Am Anfang

war ich zittrig,

konnte mich kaum

dazu überwinden, die

Nadel anzusetzen.“

Das erste Studio eröffnete

„Evil Kaneedle“

vor neun Jahren

in Vöhringen. 25 Quadratmeter.

Dann zog

sie im selben Gebäude

mehrfach um, zuletzt

in ein viermal so großes

Studio. Der Umzug in das

Ulmer Gebäude in der Frauenstraße

folgte 2020.

Zu Gast im Tattoo-Atelier

Heute will ich bei einer Tattoo-Session dabei

sein. Das Motiv: Ein Oktopus mit Kochmütze, Schneebesen

und Hackmesser. Auftragsarbeit für einen Ulmer Koch. Die Inzidenz

durchkreuzt unser Vorhaben. Immerhin kann ich einen

Blick in Shanins Tattoo-Atelier werfen. Als würde man eine Paralellwelt

betreten: „Der Schmerz kennt keine Indianer,“ prangt

da in auffälligen Lettern an der inneren gläsernen Fassade. Ein

Flügel mit einem riesigen Hirschschädel, surreal mittig auf der

Klaviatur platziert. Eine Lampe aus verschiedenen kleineren

Geweihen, hübsch mit Blattgold arrangiert, verbreitet schummriges

Licht. Im hinteren Bereich die Tätowier-Liege, die vorerst

nicht zum Einsatz kommen wird. Shanin steckt inmitten einer

Auftragsarbeit. Sie versteht sich auch in der Skulpturbildnerei.

Spachtel und Farbeimer, Lacke und Spraydosen reihen sich auf

der massiven Werkbank auf. Im Fokus: ein mannshoher, massiver

Ulmer Spatz. Kaneedle ist dabei, den Spatz mit einer Batman-

Maske zu schmücken. Um an den Vogel-Koloss ranzukommen,

steht sie auf einem Plastikhocker. Ein halbes Jahr hatte sie sich

auf die Eröffnung ihres Studios vorbereitet. Nächte damit zugebracht,

Wände zu bemalen, Türen anzubringen, persönliche

Schätze der Tättowierkunst in Nischen und Winkeln zu platzieren.

Es ist ein Tattoo-Atelier geworden, das den Betrachter in

bunte und verrückte Details abschweifen lässt. „Manche schlafen

bei längeren Sessions ein.“ Kaneedle lacht, wirkt stolz und verlegen

zugleich. „Ich muss wohl zärtlich sein.“

Shanin Kanik aka „Evil Kaneedle“ bei der Arbeit in ihrem eigenen

Studio beim Alten Friedhof. | Foto: Evil Kaneedle

Echt anziehend: im Lockdown zum Klamottenlabel

Keine Arbeit zu schwierig, kein Projekt zu nervenaufreibend,

als dass Shanin nicht den Sprung nach vorne wagen würde. Ihr

Stil: filigran, verspielt, comicartig, mal mit Asia-Elementen, Old

School oder New School, verschnörkelt. „Ich lege mich nicht fest.

Einige wünschen sich, dass ich immer beim gleichen Stil bleibe,

aber ich entwickle mich eben weiter.“ So auch, als Ulm vom

ersten Lockdown überrascht wurde und Tätowierer schließen

mussten. „Zwei Wochen nach meiner Neueröffnung!“ Evil Kaneedle

packte das Schicksal am Kragen und brachte ein eigenes

Fashion-Label heraus. Freche, teils provokante Sprüche („Fu**

you if you can“) und der ihr eigene Tattoo-Style zieren Bikinis,

Shirts und Hoodies. Manche haben Ulm-Bezug: „I love my Hood

– Ulm-Ost since 1982“ steht zum Beispiel auf einem Hoodie, in

Anspielung auf ihr Geburtsjahr. Alles entstand im Lockdown

innerhalb weniger Monate. Wie sie das geschafft hat? Shanin lächelt,

zuckt mit den Schultern: „Ich hab es einfach gemacht!“

Text: Julia Haaga

Zerrissenes Papier: picoStudio/fotolia.com

21


FRAGE?

ANTWORT!

WAS IST KUNST

FÜR DICH?

Kunst ist alles – und alles ist

Kunst. Für mich hat das sehr viel

mit sehen zu tun – auch in alltäglichen

Dingen das Besondere zu

sehen. Ich bin selbst im Verein

Kunstbauraum aktiv, male und

fotografiere. Dabei finde ich Perspektivwechsel

spannend – oft

belebt es ein Foto schon, wenn

man mal die Kamera leicht schräg

hält. Wobei ich auch viel mit dem

Handy fotografiere – um besondere

Momente einzufangen, brauche

ich nicht immer eine Profiausrüstung,

das kann jeder.

Faszinierend an Kunst finde ich,

dass sie etwas sehr Persönliches

ist, jeder empfindet das ja anders.

Jeder schaut anders auf ein

Kunstwerk, für jeden bedeutet es

etwas anderes. Gleichzeitig kann

Kunst auch politisch sein und auf

Missstände aufmerksam machen.

Auch das halte ich für sehr wichtig

in unserer Gesellschaft.

Aber am besten gefällt mir das

Zitat „Kunst ist Nahrung für die

Seele“ – ich finde das passt einfach!

Foto: privat

Caritt, 58

aus Ulm

„NAHRUNG

FÜR DIE SEELE.“

22


Ich halte es, was den Kunstbegriff

angeht, grundsätzlich mit

Joseph Beuys und Michael Ende,

auch was die anthroposophische

Ausrichtung angeht. Es geht um

Wirkung beim Rezipienten, und

davon hängt viel ab. Aber da ist es

wie mit der Religion. Bei jedem

Christen oder Moslem kommt

beim eigenen Glauben etwas sehr

Individuelles raus, was dann

wieder auf die eigenen Vorlieben

ankommt – der eine mag

Spaghetti mit Tomatensoße, der

andere nicht. So ist’s auch mit der

Kunst. Für den einen ist abstrakte

Malerei ‚Geschmiere‘, „was mei

Tochder mit viier Johra no besser

keinnt“ – ein Spruch, den ich auf

meiner Kunst-Messe in Ulm schon

oft gehört habe. Für den anderen

ist eine leere Leinwand, die im

richtigen Kontext ausgestellt

wird, hohe Kunst.

„JEDER MENSCH

IST EIN KÜNSTLER.“

Bei Kunst kommt es darauf an,

was sie bewirken will und bewirken

kann. Früher habe ich oft im

Wald bewusst ein paar einfache

Dinge verändert, und das war

nach dem Begriff der LandArt

auch schon Kunst. Oder was heißt

„auch schon“. Kunst ist Kunst,

ich würde da gar nicht zu groß

bewerten. Meine Kunst besteht

hauptsächlich aus Fotos und

Video-Installationen, aber auch

Mixed-Media, manchmal male

ich auch, schreibe oder mache

Skulpturen. Als Künstler sucht

man sich für seinen jeweiligen

Drang, für seine aktuelle innere

Kreation, die nach außen will,

immer ein passendes Ventil. Und

da muss jeder selber sein eigenes

finden – und ich meine wirklich

jeder, denn wie vorher schon

gesagt, halte ich es da mit Beuys,

der sagte: „Jeder Mensch ist ein

Künstler“.

Stefan

aus Neu-Ulm

Foto: privat

23


FRAGE?

ANTWORT!

Ich bin ein großer Fan von Andy

Warhol – besonders gefällt mir

seine Marilyn Monroe! Warhol

war einer, der die Gesellschaft

prägte, indem er den Kunstbegriff

für viele zugänglich gemacht hat.

Eines Tages hatte ich die Möglichkeit,

einen Original-Warhol

zu kaufen, habe mich dann aber

für einen alten Mercedes Ponton

entschieden. Ich habe eine Leidenschaft

für Oldtimer – Autos und

Motorräder. Heute wäre das Gemälde

das Vierfache wert, der Wagen

jedoch nicht. Der kostet nur

Geld (lacht). Die fotorealistischen

Kohlezeichnungen von Robert

Longo finde ich außerdem gigantisch.

Düster und schön zugleich!

Einige Freunde von mir sind

Kunstschaffende. Die Plexi-Art

von einem befreundeten Künstler

gefällt mir zum Beispiel sehr

gut! Er entwirft Frauenporträts

und Silhouetten aus Plexiglas. In

meinem Beruf, dem Friseurhandwerk,

sollte ein grundlegendes

Gefühl für Kunst vorhanden sein.

Die Kunst liegt darin, die richtige

Frisur für die individuelle Person

zu finden. Nicht nur zu beraten,

sondern auch die Vorstellung entsprechend

umzusetzen.

Foto: Julia Haaga

Kunst bedeutet für mich nicht nur

bunte Bilder oder Frisuren. Das

Leben auch in schwierigen Zeiten

zu meistern, darin erkenne ich

eine Kunst! Wir Friseure hatten

an den coronabedingten Schließungen

extrem zu knabbern. Deshalb

ist es auch eine Kunst, in der

derzeitigen Situation den Alltag

wirtschaftlich zu gestalten, anderen

ein Lächeln zu schenken und

sich selbst auch noch bei Laune zu

halten.

Elmas, 39

aus Ulm

24

„KUNST IST

DAS LEBEN!“

Hintergründe S. 22-25: mons.design / Freepik


„KUNST MUSS ETWAS

MIT MIR MACHEN.“

Kunst kann grundsätzlich alles

sein. Das hässlichste Bild, der

mieseste Film oder das schrecklichste

Lied. Das ist eine recht

langweilige Antwort, ich weiß.

Aber ich habe keine wirkliche

Definition von Kunst. Wenn mir

etwas gefällt, gefällt es mir und

wenn nicht, dann nicht. Ich liebe

zum Beispiel gute gemachte Graffiti

oder Dinge, bei denen ich das

Gefühl habe, dass da was dahintersteckt.

Im Ulmer Museum gab

es zum Beispiel die Ausstellung

„Transhuman – Von der Prothetik

zum Cyborg“. Die fand ich wahnsinnig

faszinierend.

Wovon ich überhaupt nichts halte

ist, wenn mir jemand beibringen

möchte, was Kunst ist und wie

sie zu sein hat. Das war schon in

der Schule so. Meine Lehrerin

wollte mir erzählen, wie wichtig

irgendwelche Renaissance-Maler

oder Impressionisten sind. Für

mich waren die Bilder, die wir

uns gegenseitig aufs Mäppchen

malten, aber immer viel wichtiger.

Es stimmt schon, da steckte kein

Anspruch dahinter. Sie hatten

aber eine echte Bedeutung und

das ist dann ein Stück weit Kunst

für mich – diese persönliche Komponente.

Egal, ob man Macher ist

oder nur Zuschauer, Kunst muss

etwas mit mir machen. Mich zum

Nachdenken anregen, mich staunen

lassen oder mich ganz kurz

zum Schmunzeln bringen.

Um es kurz zu machen: Kunst ist

für mich etwas Persönliches, dass

ich nicht konkret in Worte fassen

kann!

Lena, 26

aus Senden

MACH MIT!

Du möchtest auch dabei

sein? Dann schreib uns deine

Antwort mit Bild bis zum

10.06.2021 an mag@swp.de

mit dem Betreff

„NACHGEFRAGT“.

Foto: privat

Die nächste Frage:

„Was war dein bestes

Sommer-Erlebnis?“

25


KÜCHEN

ZAUBER

Maultaschen und Spätzle sind gelblich, Linsen

sind braun und saure Kutteln haben keine wirklich

definierte Farbe. Auch wenn sie natürlich

sehr lecker ist, so richtig farbenfroh ist die typisch

schwäbische Küche nicht. Da wir in Ulm

und Neu-Ulm aber eine erstklassige Gastrolandschaft

und tolle Läden haben, macht das

gar nichts. Essen und Trinken gibt es nicht nur

für jeden Geschmack, sondern auch in allen erdenklichen

Farben.

VIELE BUNTE

FABEN

FARBENFROH UND KÖSTLICH

BEI ABYSSINIA

Seit Ende 2020 ist das Abyssinia in der Kohlgasse zu finden. Die

Küche richtet sich nach den äthiopischen und eritreischen Spezialitäten,

das heißt, es wird mit den Händen gegessen. Wahnsinnig

lecker und so schön bunt! Tipp: Beya Netu und Chicken Wot.

Kohlgasse 21 | 89073 Ulm

abyssinia-ulm.de

Foto: Yasmin Tan

GRÜNE AUSWAHL IM

HANFLAGER

Foto: Abyssinia

Bei der bunten Auswahl darf eine Farbe natürlich

nicht fehlen: grün. Und wo geht man

in Ulm hin, wenn es hübsch grün sein soll?

Richtig, ins Hanflager. Diverse Hanfprodukte,

selbstverständlich ohne THC, dafür

aber mit dem besonderen Geschmack.

Zinglerstraße 1 | 89073 Ulm

Neue Straße 33 | 89073 Ulm

hanflager.de

Foto: Stefanie Müller

KNALLGELBE

PILZE VON DER BURG

Die strahlendgelben Limonenseitlinge

kommen nicht von irgendwoher.

Sie werden von den Ulmern

Jochen Rank und Sven Gastrock im

Keller der Wilhelmsburg angebaut.

Erhältlich sind die Austern- und

Limonenseitlinge auf dem Ulmer

Wochenmarkt.

burgpilz.de

Foto: Bobo Bubble Tea

BOBO BUBBLE TEA

DER BUNTE MIT DEN PERLEN

Jahrelang war er weg vom Fenster. Doch seit ein paar

Monaten ist der Bubble-Tea zurück in Ulm. Vielleicht

nicht sonderlich gesund, aber lecker und noch bunter

geht kaum.

Gemüse designed by pikisuperstar/Freepik

26

Deutschhausgasse 9 | 89073 Ulm

facebook.com/BoBoBubbleTea01


BLICK IN

DIE KÜCHE

ILLERBUBEN

FOOD & EVENT

TRUCK

REIHERWEG 8 | 89231 NEU-ULM

„#nachhaltig, #selbstgemacht,

#regional“, steht auf dem babyblauen

Foodtruck der Illerbuben.

Gemeint ist die Qualität

ihres Streetfoodangebots. Im

Mittelpunkt stehen dabei die

Burger. „Wir sind zur Mittagspausenzeit

an verschiedenen

Standorten“, erklärt Illerbube

Kevin Alizade. Auch an den

Wochenenden ist das Duo mit

dem Truck unterwegs, etwa um

in der Friedrichsau den Appetit

nach gutem Streetfood zu stillen.

Benny alias Benjamin Holzinger

ist der Koch im Team. In

der zehn Quadratmeter kleinen

Truck-Küche zaubert er die

Burger frisch auf Bestellung.

Info:

Während der

Corona-Zeit buchen

Firmenchefs gerne

die Illerbuben, um

ihre Mitarbeiter mit

den leckeren Burgerkreationen

zu erfreuen.

Aktuelle Standorte

und Öffnungszeiten

der Buben finden sich

auf www.illerbuben.de.

Bennys Allzweckwaffe:

das Santoku-Messer

Liebstes Utensil am Grill ist

ihm sein japanisches Messer:

„Ich arbeite nur mit Santoko-

Messern. Durch die hohe Klinge

kann man die sowohl als

Messer als auch als Palette nutzen“,

erklärt Benny, während

er flugs einen Burger mit dem

Santoko-Messer wendet. Ein

Schlenker um 90 Grad – und

schon schneidet er mit dem

Messer die Tomaten für die

Garnitur. Damit es den Burgerfreunden

nicht langweilig wird,

entwerfen die Illerbuben immer

neue Burger-Kreationen.

Zwei Wochen lang steht ein

Wochen-Burger jeweils auf der

Tafel. „Kommt er gut an, wird

er nach einiger Zeit wieder aufgelegt“,

lachen die Buben.

Oben: Benny ist der Küchenchef der Illerbuben | Unten: Gerade mal 10 Quadratmeter hat die Küche des Foodtrucks.

Text und Fotos: Petra Starzmann

27


FRIZZ

KIDS

28

MACH MIT!

Du möchtest auch dabei sein? Dann schreib

eine E-Mail an mag@swp.de mit dem Betreff

„Kids Fragebogen“.

X

X

X

...ICH HABE GESCHWISTER

...ICH MALE GERNE

...ICH MACHE GERNE SPORT

...ICH LESE GERNE

...ICH TEILE GERNE

...ICH HÖRE GERNE MUSIK

...ICH PUZZLE GERNE

...ICH MAG AUSFLÜGE

...ICH PUTZE GERNE ZÄHNE

...ICH VERKLEIDE MICH GERNE

X

X

X

X

Illustrationen: rawpixel.com / Freepik


Von Anfang an glücklich

KINDER

SCHMÖKERN

STADT NEU-ULM

ZUM AUSMALEN

Comic-Workshop:

Comics selbst zeichnen

und schreiben

Louie Stowell

ISBN: 978-1-782-32301-3

ab 10 Jahren

11,95 Euro

Kawummm! Der erste eigene Comic

Du wolltest schon immer einen Comic schreiben, weißt aber

nicht, wie du anfangen sollst? Hier ist deine Rettung! Denn

dieses Buch steckt voller Ideen für Comics – vom Abenteuer

eines Superhelden bis hin zu lustigen Tiercomics. Es bietet

viel Platz für deine eigenen Comicstrips und enthält praktische

Tipps fürs Schreiben und Zeichnen.

Schnapp dir das Buch, einen Stift und ein Blatt Papier und los

geht’s – deine eigene Comic-Geschichte wartet schon!

Total genial! Frida Kahlo

National Geographic Kids

ISBN: 978-8-854-04441-8

ab 6 Jahren

7,99 Euro

In dieser National-Geographic-Serie werden vergangene

Künstler und deren Geschichte kindgerecht erklärt. Dich erwarten

Bücher unter anderem mit Künstlern wie Leonardo

da Vinci, Vincent van Gogh, Pablo Picasso und mehr. Darunter

auch Frida Kahlo. Sie war eine Frau, die auffiel. Eigentlich

wollte die Mexikanerin Ärztin werden, doch es kam ganz

anders. Diese bunte Biografie erzählt dir, wie sie zur Malerei

fand, über ihr Leben und Leiden im Blauen Haus, über Politik

und ihre Erfolge. Mit ihren Bildern und Selbstporträts schuf

Frida Kahlo völlig Neuartiges und hat heute einen herausragenden

Platz in der Kunstgeschichte.

Kreativ-Set: Steine

bemalen für Kinder

Ilona Butterer, Claudia Fischer

ISBN: 978-3-772-44470-8

ab 6 Jahren

je 13,00 Euro

Du möchtest deinen gesammelten Steinen einen neuen Look

verleihen? Dann haben wir hier einen tollen Tipp, wie du deine

Steine verschönern kannst. Deiner Kreativität sind keine Grenzen

gesetzt. Dieses Kreativ-Set enthält alles, was du zum Steine

bemalen brauchst: echte Steine, vier Acrylstifte, einen Nachtleuchtstift

und ein Buch mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen,

tollen Inspirationen und Spieletipps. Du möchtest noch mehr

Steine bemalen? Dann halte beim nächsten Spaziergang die Augen

offen und sammle selbst welche!

Ja, wer malt denn da? Es ist die älteste Tochter von Neu-

Ulms Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger. Sie durfte das

neue Kindermalbuch der Stadt ausprobieren – und der Mama

ganz nebenbei Modell sitzen für einen Facebook-Post,

um für das Büchlein im A4-Format zu trommeln. Neben

Neu-Ulmer Motiven zum Ausmalen enthält es Geschichten

und Anekdoten über die Historie der Stadt in Reimform. Der

Neu-Ulmer Wasserturm führt als Erzähler durch das Malbuch

und gibt aus seiner Sicht Geschichten über wichtige

Orte in der Stadt zum Besten.

Das Malbuch kostet 6,90 Euro, es ist unter anderem im Rathaus,

in der Stadtbücherei, im Museumsshop des Edwin-

Scharff-Museums und bei „Wir in Neu-Ulm“ erhältlich.

Text: Kerstin Auernhammer

Freuen Sie sich auf:

- Individuelle Kundenbetreuung

- Babybekleidung ab Größe 44

- Kindermode bis Größe 104

- Große Spielwarenabteilung

- Vom Schnuller bis zum Kinderbett

- Autositze, Möbel, Reisebetten, Kinderwagen uvm.

H O P P A L A

nu.neu-ulm.de

Öffnungszeiten: Mo-Fr: 10.00 - 18.00 Uhr I Sa: 10.00 - 16.00 Uhr

Wegenerstr. 2 | 89231 Neu-Ulm | Tel. 0731 87400 | info@neher-hoppala.de | www.neher-hoppala.de

29


REGIO

SPECIAL

GENUSS

AUS DER

REGION

Wer Gutes aus der Region kauft,

weiß, woher die Lebensmittel kommen

und man punktet dabei auch

in Sachen Umweltbewusstsein.

Klar ist es bequem, im Supermarkt zu allem zu greifen, was günstig,

reichlich vorhanden und oft auch praktisch verpackt ist.

Häufig aber kommen die Produkte auf weiten Wegen aus aller

Herren Länder zu uns, anonym und mit hohem Energieaufwand.

In Treibhäusern gezogen, gegen Schädlinge gespritzt oder in

Kühlhäusern gelagert. Laut Nabu (Naturschutzbund Deutschland)

werden über 60 Prozent des Gemüses und etwa 80 Prozent

des Obstes, ohne Zitrusfrüchte, nach Deutschland importiert. In

jüngster Zeit setzen daher auch Supermärkte auf ein saisonales,

regionales und damit frischeres Angebot. Der Honig vom Imker

im nächsten Dorf, die Äpfel, Fruchtaufstriche und der Saft von

der Streuobstwiese oder Kräuter und Gemüse aus dem Bauerngarten.

Vorreiter sind hier Hofladenbetreiber und Direktvermarkter,

die das Ursprüngliche schätzen. Kurze Wege und damit

geringere Kosten, meist direkt vom Feld, gleich verarbeitete und

naturbelassene Produkte. So kommen die saisonalen Lebensmittel

mit vollem Vitamin- und Nährstoffgehalt direkt in unsere

Küche. Sie hatten reichlich Zeit, unter natürlichen Bedingungen

optimal zu reifen und wurden nicht vorab geerntet und mit großem

Aufwand in Hallen nachgelagert. Der bessere Geschmack,

das Aroma und die höhere Qualität sprechen für sich. Auch beim

Fleisch lohnt sich der Griff zu Regionalem. Bleibt der Transportweg

vom Bauernhof zum Schlachthof kurz, sind die Tiere weniger

Stress ausgesetzt und produzieren weniger Stresshormone.

Foto: Any Lane von Pexels

30


EIN HIMMEL VOLLER

ERDBEEREN

WUSSTEST DU

SCHON?

Piktogramme designed by macrovector/Freepik

Wer glaubt, Glück könne man nicht essen, der war wohl noch nie

in einem Erdbeerfeld und hat die prallen Früchte direkt nach

dem Pflücken in den Mund gesteckt und genossen.

Der Wonnemonat Mai hat ja seinem Namen dieses Jahr nicht

wirklich Ehre gemacht. Kühl und nass kam er eher wie ein März

daher. Das nervt zwar, hat aber auch seine guten Seiten. Zum

Beispiel für das Erdbeerjahr 2021. Dass die Region sich dieses

Jahr über leckere und süße Früchte freuen darf, davon ist Christine

Zott vom Obsthof Zott in Hittistetten überzeugt.

„Für die Fürchte ist das nicht so schlimm“, sagt sie. „Durch das

Wasser können die Wurzeln die Mineralien aus dem Boden besser

aufnehmen.“ Und das wiederum ist gut für den Geschmack.

Ein trockenes und heißes Frühjahr, in den die Erdbeeren dem

Trockenstress ausgesetzt sind, wäre dem Geschmack nicht so

zuträglich. Und: Lieber soll es jetzt regnen als während der Erntezeit.

„Wenn es bei der Ernte nasskalt ist, ist das schlecht“, so

Christine Zott. Dann bestehe die Gefahr, dass die Früchte von

Pilzen befallen werden.

Wir haben tolle späte

Sorten, die sich sehr gut

für Marmelade eignen.

Zwölf Erdbeerfelder zum Selbstpflücken gehören zum Obsthof.

Dazu kommen noch einige Vermarktungsflächen, auf denen die

Früchte von Pflückern geerntet werden. Um die ganze Saison

nutzen zu können, baut die Familie frühe, mittelspäte und späte

Sorten an. Christine Zotts ganz persönliche Lieblingssorte ist die

„Rumba“. Aber auch die italienische Sorte „Clery“ findet sie ganz

hervorragend. Diese gehört dieses Jahr allerdings nicht zum

Sortiment. Denn für sie wäre das Wetter eindeutig zu kalt.

Bei den Erdbeersorten wird auf dem Obsthof gerne mal durchgewechselt.

„Wir probieren jedes Jahr neue Sorten aus und kaufen

unsere Pflanzen bei verschiedenen Erzeugern.“ Bei Sorten, die

zum ersten Mal im Programm sind, ist natürlich der Geschmack

ein wichtiges Kriterium. Aber auch ihre Widerstandskraft gegen

Krankheitserreger spielt eine Rolle. Ebenso, wie sie mit unterschiedlichen

Böden zurechtkommen. Denn der Boden hat einen

nicht unwesentlichen Einfluss auf den Geschmack der Früchte.

Wenn die Region nicht spontan von einen Eis- und Schneesturm

heimgesucht wird, darf man eine tolle Erdbeerernte erwarten.

Perfekt für Kuchen, Marmelade und Daiquiri.

Schon Ende Mai öffnen die Erdbeer-Selbstpflückfelder

des Obsthofes Zott. Gepflückt

werden kann dann täglich zwischen 8 und

19 Uhr. Die Andressen der zwölf Felder gibt

es unter www.obsthof-zott.de

Zudem gibt es auch einen Hofladen:

Dorfstraße 45a | 89250 Hittistetten

Christine Zott schwört

auf Erdbeeren frisch

vom Feld. | Foto: Florian

Holley

Fakten:

3 Kilo Erdbeeren isst jeder Deutsche

durchschnittlich im Jahr.

Erdbeeren kann man ohne schlechtes

Gewissen naschen. Pro 100 Gramm

haben sie nur 35 Kaloiren.

Es gibt mehr als 600 verschiedene

Erdbeersorten, darunter auch weiße

Erdbeeren.

Erdbeeren enthalten mehr Vitamin C

als Zitrusfrüchte.

Ab aufs Feld! | Fotos: Müller/Tan

31


REGIO

SPECIAL

GEMÜSE VON DER

STANGE

Die Kohlen sind am Glühen, die Pfanne steht auf dem heißen Herd

und der grüne Spargel wartet nur darauf, gegrillt oder gebraten zu werden,

um als Gemüse oder Salat zur Gaumenfreude zu werden.

Weißer Spargel – der Klassiker – schmeckt immer, am besten mit Butter!

Erntehelfer Martin Weinstödter schneidet den Grünspargel dicht am Boden ab. | Foto: Matthias Kessler

Die Spargelfangemeinde ist im letzten Jahr wieder ein Stückchen

größer geworden. Das bestätigt Beate Thumm vom gleichnamigen

Spargelhof in Ulm-Grimmelfingen: „Die Leute haben

während der Pandemie das eigene Kochen neu entdeckt. Grüner

Spargel wird trendig vermarktet, ist mit einer kurzen Garzeit

unkompliziert in der Zubereitung und eine echte Vitaminbombe

– doppelt so viel Vitamin A, B, C und Folsäure, wie im weißen

Spargel steckt. Natürlich bauen wir aber auch den weißen an.“

Dessen Zubereitung im heißen Wasser ist auch kein Hexenwerk.

Mit zerlassener Butter oder Sauce Hollandaise und frischen Kartoffeln

ist auch er schlicht eine Delikatesse.

„Was vielleicht nicht jeder weiß, weißer und grüner Spargel

wachsen aus derselben Pflanze. Die weißen Stangen im Boden –

auf dem Feld sieht man die aufgeschütteten Erddämme, mit Folie

abgedeckt. Die Stangen sehen nie das Tageslicht, daher sind

sie weiß und nicht grün. Und sie sind nicht ganz so temperaturempfindlich

wie die grünen. Der grüne Spargel braucht mehr als

10 Grad Außentemperatur, damit das Wachstum einsetzt. Klettert

das Thermometer über 20 Grad kann er pro Tag sogar 10 bis

15 Zentimeter Länge zulegen“, erklärt Thumm.

Sonne, die man essen kann

Pünktlich zum 1. April hat die diesjährige Spargelsaison auf dem

Thumm’schen Hof begonnen. „Das war Glück, denn vor Ostern

hatten wir zehn gute Sonnentage, so dass die Ende März gesetzten

Spargelpflanzen drauflos wachsen konnten.“ Sogenannte

„Minitunnel“ über Reihen des grünen Spargels schaffen für ihn

eine Art Wohlfühlatmosphäre, besonders, wenn der Monat April

mit seinen launischen Wetterkapriolen aufwartet. „Grüner Spargel

wächst überirdisch. Seine gesunde grüne Farbe bekommt er

durch die Photosynthese und dafür braucht er Sonnenlicht. In einer

gewächshausähnlichen Umgebung hat er es etwas wärmer.“

Der Spargelanbau bei Thumms ist seit 25 Jahren Familientradition.

Beate Thumm erzählt: „Jeder in der Familie ist für den Spargelhof

im Einsatz. Wir schätzen es sehr, dass wir neben unseren

Piktogramme designed by Frimufilms/Freepik

32


Hauptberufen eine Aufgabe haben, die wir nur im Einklang mit

der Natur erfüllen können. Und, dass wir seit Jahren zuverlässige

Helfer haben, die uns jede Erntesaison unterstützen.“

Verordnungen und Naturgesetze

Die Erntehelfer aus Ungarn waren dabei dieses Jahr in Gruppen

im Einsatz. „Mitte Mai haben sich die ersten verabschiedet

und die nächsten zwölf Helfer sind mit dem Auto aus Ungarn

angereist – mit negativem Coronatest und Einreisemeldung an

diverse Behörden.“ Der bürokratische Aufwand lasse sich gut

bewältigen, inklusive der Umsetzung von Hygienekonzept und

Auflagen zur Unterbringung. Allen sei wichtig, dass man sich gegenseitig

gesundheitlich gut schütze. „Schade ist, dass man nicht

wie sonst mal gemeinsam beisammensitzen, sich unterhalten

und miteinander essen darf. Im nächsten Jahr ist es hoffentlich

wieder anders.“

Info:

Frischen Spargel bietet Familie Thumm auch in

ihrem Hofladen an – auch Sonn- und Feiertags.

Geöffnet ist er täglich von 8 bis 19 Uhr. Nach

telefonischer Vorbestellung unter 0731 382473

bekommt man den Spargel auch am Abholschalter

in der Schmiedackergasse 11, 89081

Ulm-Grimmelfingen.

Was Jahr für Jahr aber immer gleich ist: „Die Spargelernte wird

am 24. Juni – rund um den längsten Tag im Jahr – beendet.“ Aber

warum, wenn das Stangengemüse warme Temperaturen so gern

hat, und der Sommer doch dann erst so richtig aufdreht? Auch

das hängt mit den Gesetzten der Natur zusammen: „Nach Ernteende

braucht die Spargelpflanze gute hundert Sonnentage,

um Kraft zu sammeln. Den August über kann der Spargel Blätter

und Blüten treiben, an denen sich Insekten laben können. Bis

Ende September hat die Pflanze alle kraftspendenden Stoffe in

die Wurzel eingelagert. Den Herbst und Winter über kann sie

sich bis zur nächsten Spargelsaison regenerieren.“

Text: Heike Viefhaus

Erdbeeren

zum Selbstpflücken und

frisch gepflückt

Bild links: Betriebsleiterin Beate Thumm schält den Spargel nach, weil

die Schälmaschine nicht ganz so präzise arbeitet. | Foto: Matthias Kessler

Bild rechts: Frischer Spargel – vom Feld direkt auf den Teller. | Foto:

Shutterstock

Bild unten: An der Schälmaschine haben Martin und Lina Thumm mit

den Grimmelfinger Spargel alle Hände voll zu tun. | Foto: Petra Starzmann

Ein unvergleichlicher

Genuss !

Täglich von 8 – 19 Uhr auch an Sonn- und Feiertagen.

Besuchen Sie unseren neuen Regio-Online Shop.

• Langenau

Richtung A7

• Ulm/Lehr

Stuttgarter Str., neben MSZU

• Grimmelfingen

Rathausstraße/Kuhbergring

• Neu-Ulm

Ludwigsfeld/Alte Römer Straße

• Pfuhl

Schulzentrum, Leipheimer Str.

• Weißenhorn

Richtung Witzighausen

• Pfaffenhofen/Roth

gegenüber Fliederweg

• Illertissen-Tiefenbach

Graf-Kirchberg Str.

• Babenhausen

Kirchhaslacher Straße

Johann Zott · Dorfstraße 45 a · 89250 Senden

Telefon 07307/929195 · Fax 07307/929197 · www.obsthof-zott.de

33


LETZTE

SEITE

2018 hatte ich genug vom WG-Leben.

Eine Wohnung war schnell gefunden

und ich teilte meinen künftig ehemaligen

Mitbewohnern mit: „Freunde, in zwei

Monaten bin ich weg hier.“ Unter Tränen

nahmen sie die traurige Nachricht auf.

Großzügig wie ich bin, bot ich an, bei der

Suche nach einem Nachmieter behilflich

zu sein. Ein Fehler! Denn selbstverschuldet

war ich nun mittendrin statt nicht dabei ...

Ab in den Mülleimer

Man sollte glauben, dass sich so eine Suche

recht einfach gestaltet. Schließlich ist

Ulm eine Universitätsstadt und Studenten

gibt es viele. Also, auf geht’s! Im Internet

eine Anzeige aufgeben, ein paar Zeilen im

Sinne von: „Es werden ganz normale Leute

gesucht. Keine Partypeople und keine

Anzugheinis. Schreibt ein paar Sätze zu

euch. Tschüss!“ schreiben und noch ein

paar Fotos reinklatschen. Easy. Es dauerte

dann auch nicht lange, bis die ersten

E-Mails eintrudelten. Nehmen wir an, das

E-Mail-Postfach meldete sich ca. 20 Mal.

Zehn Mails gingen in Richtung: „hallo suche

wg. deine hab ich grad im internet gesehen.

meld dich wegen besichtigungstermin bei

mir.“ Unnötig zu sagen, dass diese Leute

direkt im virtuellen Mülleimer landeten.

Who the fuck is this?

Sechs Mails waren generische, einmal

verfasste, aber an zahlreiche Adressaten

rausgeschickte Nachrichten. Zwar waren

in diesen Informationen zur jeweiligen

Person enthalten, aber eben sehr allgemein

und gar nicht auf die Anzeige angepasst.

Vom Typen, der eigentlich jeden Tag Party

machen könnte, bis zur jungen Dame, die

sich bereits jetzt als Vorstandsvorsitzende

von mehreren DAX-Unternehmen sieht,

war alles dabei. Mein persönliches

Highlight war die Nachricht, die mit „Hallo

Enrico, Tabea und Laura“ begann. Bis

heute weiß ich nicht, wer Enrico, Tabea

und Laura sind und bis heute ist es mir

auch egal.

Kommen wir zu den Mails in denen

etwas mehr steckte. Acht Leute, die ich

schlussendlich auch zur Besichtigung

einlud. Den einen wollte ich unbedingt

aufgrund seines Namens kennenlernen,

denn er hieß Dieter Allerworden. Ich

musste einfach wissen, wer sich dahinter

verbirgt. Dieter kam und stellte sich vor. 22

Jahre alt, Biologiestudent und wahnsinnig

nervtötend. Nach diversen sehr, sehr

langweiligen Geschichten seinerseits

meinte ich, er hätte bestimmt schon jeden

NACHMIETER

GESUCHT

Witz über seinen Namen gehört. Verdutzt

starrte er mich an und ich sagte schlicht:

„Palim, Palim.“ Er wusste nicht, wovon

ich sprach. Ich war über alle Maßen

schockiert und warf ihn raus.

Gottgleiche Perfektion

Paul, Rene und Mirjam hatten sich für

den nächsten Tag angekündigt, sagten

allerdings jeweils kurz vorher ab. Man

habe nun schon eine WG gefunden. Macht

ja nix. Ist ja nicht so als hätte ich mir extra

den Nachmittag freigeschaufelt.

Tja, und dann war da noch Rayk. Ach, Rayk!

Was für ein netter und umsichtiger junger

Mann. Er stand pünktlich um 15 Uhr vor

der Tür. Ihm war sofort aufgefallen, dass

die Hausnummer einen Ticken zu klein

war. Beinahe hätte er sie übersehen. Danke

Rayk, wusste ich noch nicht. In der Küche

entging seinem Adlerauge nicht, dass dort

wohl auch mit Fleisch hantiert werden

würde. Für ihn als Flexitarier nur bedingt

ein Problem, sofern das Fleisch von einem

Tier stammt, welches er selbst großgezogen

hat und es in einer Extrapfanne zubereitet

werden würde. Im Wohnbereich bemerkte

er augenblicklich den etwas älteren

Fernseher, welcher wohl kaum Full-HDfähig

sei, und die falsche Anordnung der

Couchgarnitur. Sinnvoller sei es, die Couch

leicht schräg zu stellen, da so eine optimale

Nutzung des Raumes gewährleistet sei.

Im eigentlichen Zimmer merkte er direkt

an, dass das Fenster ja eigentlich auf der

falschen Seite sei. So hätte er gar nichts von

der Morgensonne. Zudem habe das Zimmer

mit Sicherheit keine 11,3 Quadratmeter.

Beschämt holte ich einen Meterstab und

maß nach. Zu meiner Bestürzung hatte

das Zimmer tatsächlich lediglich 11,1

Quadratmeter. Ich entschuldigte mich

unterwürfigst. Wenig später, als ich ihm

das Badezimmer zeigte, klärte Rayk mich

auf, dass man hier definitiv etwas draus

würde machen können. Einen kleinen

Unterschrank für das Waschbecken, einen

hübscheren Duschvorhang und auf jeden

Fall einen farblich darauf abgestimmten

Toilettendeckel. Ihr seht schon, worauf das

hinausläuft. Rayk war ein solch perfekter

Mensch, dass ich ihn nicht hier wohnen

lassen konnte. Für ihn, seine überragende

zwischenmenschliche Art und seine

schier gottgleiche Präsenz, war dieses

bescheidene Heim genau das: einfach zu

bescheiden!

Die Lösung

Erst nachdem ich mich mit diesem bunten

Potpourri an Minusmenschen rumgeärgert

hatte, fiel mir auf, was ich da für einen

Blödsinn trieb, gab die Suche ab und zog

einfach schon drei Wochen früher aus.

Dominik Schele

34

IMPRESSUM

FRIZZ, das monatliche Stadtmagazin,

Herausgeber:

Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG

Frauenstraße 77 • 89073 Ulm

Tel: 0731 156-529

E-Mail: info@frizz-ulm.de

Internet: frizz-ulm.de

Verlagsleitung:

Stefan Schaumburg (verantwortlich),

Anschrift wie Verlag,

Yasmin Tan (Objektleitung)

Redaktionsleitung:

Stefanie Müller (verantwortlich),

Dominik Schele

SVH GmbH & Co. KG

Frauenstraße 77 • 89073 Ulm

Gestaltung:

Tamara Saß (mediaservice ulm)

Titelbild:

Jessy J. Photography

Datenschutz:

datenschutz@swp.de

Druck:

fec - druck+medien GmbH & Co. KG

Zeissstraße 8 • 89264 Weißenhorn

Redaktionsschluss: 09.06.2021

Anzeigenschluss: 10.06.2021

Erscheinung: 01.07.2021

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Wenden Sie sich an:

Yasmin Tan

Tel: 0731 156-529

Mobil: 0151 24091787

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