Jahresbericht 2020

MuseumsvereinKlostertal

= Kleine Schriftenreihe des Museumsvereins Klostertal

Kleine Schriftenreihe des Museumsvereins Klostertal 25

Jahresbericht

2020

Christof Thöny (Hg.)

Museumsverein

KLOSTERTAL


Christof Thöny (Hg.), Jahresbericht 2020

(Kleine Schriftenreihe des Museumsvereins Klostertal 25)

Wald am Arlberg 2021

Museumsverein Klostertal

Haus Nr. 60a

A-6752 Wald am Arlberg

Tel: +43 664 4911474

info@museumsverein-klostertal.at

www.museumsverein-klostertal.at

+43 650 5200932

museumsverein.klostertal

klostertalmuseum

Gestaltung: Kathrin Novis, Christof Thöny

Druck: Druckerei Thurnher

© Museumsverein Klostertal. Wald am Arlberg 2021


Jahresbericht

2020

Christof Thöny (Hg.)

Kleine Schriftenreihe des Museumsvereins Klostertal 25

Wald am Arlberg 2021



Inhalt

Einleitung 4

Ausstellungen 6

Veranstaltungen 10

Öffentlichkeitsarbeit und Netzwerke 13

Archiv und Sammlung 14

Literatur 15

Projekte 17

Forschung 23

Finanzen 32

Museum 33

Kooperationspartner 34

Erhältliche Publikationen 38

Museumsverein Klostertal 39

Abbildungen 40


Einleitung

Das Jahr 2020 wird zweifellos als besonders speziell in die Geschichte

eingehen; als ein Jahr, dass von der schlimmsten Pandemie

seit dem Ausbruch der Spanischen Grippe nach dem Ersten

Weltkrieg geprägt war. Natürlich hat diese Entwicklung ab März

2020 auch das Jahresprogramm, das der Museumsverein Klostertal

wenige Wochen zuvor ausgearbeitet hatte, ordentlich durcheinander

gebracht.

Nachdem eine Öffnung des Klostertal Museum Anfang Mai aufgrund

des ersten Lockdowns (damals war noch nicht klar, dass wir diese

Art des Herunterfahrens des öffentlichen Lebens dereinst nummerieren

werden müssen) nicht möglich war, wurde das ursprünglich

geplante Programm mit drei Ausstellungen und zahlreichen Veranstaltungen

entsprechend adaptiert. Ab Juni konnte eine Ausstellung

zum Kriegsende 1945 im Klostertal umgesetzt werden. Trotz

der Einschränkungen beim Museumsbesuch durften wir uns über

großen Zuspruch freuen. Eine weitere Ausstellung zur Geschichte

des Wintersports im Klostertal folgte im Oktober. Die adaptierte

Präsentation an verschiedenen Standorten während der folgenden

Wintersaison wurde dann allerdings wiederum unmöglich gemacht.

Das Veranstaltungsprogramm im Klostertal war ebenfalls in gewisser

Weise improvisiert, wobei auch neue Formate (vor allem im

Freien) entwickelt wurden. Einen gewissen Nutzen konnten wir aus

den Einschränkungen des öffentlichen Lebens im vergangenen Jahr

dennoch ziehen. Nie zuvor haben wir so viele Schenkungen für unser

Archiv erhalten. Die freie Zeit wurden in zahlreichen Haushalten

offenbar dafür genutzt, längst fällige Aufräumarbeiten in Dachböden

und anderen Bereichen umzusetzen. Über die lokalhistorischen

Schätze, die dabei zum Vorschein gekommen sind, freuen wir uns

sehr. Das gilt auch für die Unterstützung unserer Arbeit durch die

Vereinsmitglieder, die öffentliche Hand und unsere Sponsoren.

Wald am Arlberg, April 2021

Christof Thöny

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Peter Madse


adsen und Verena Petrasch zu Besuch beim „Kulturpicknick“ vor dem Klostertal Museum


Ausstellungen

Klostertal. Mai 45

18. Juni bis 30. September 2020

Klostertal Museum, Wald am Arlberg

Kriegsberichterstatter der französischen Armee haben den Vormarsch

ihrer Truppen bei der Befreiung Österreichs von der nationalsozialistischen

Herrschaft 1945 dokumentiert. Bis dato weitgehend

unveröffentlichte Videoaufnahmen und Fotografien aus

Militärarchiven in Paris wurden in dieser Ausstellung präsentiert.

Besonderer Dank geht an dieser Stelle an Hermann Essig und Philipp

Kahr, die sich intensiv mit der Kriegsende 1945 im Klostertal

gefasst haben. Die Ergebnisse ihrer Archivrecherchen in Paris sind

in die Ausstellung eingeflossen.

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Eröffnung der Ausstellung im Anschluss an die Jahreshauptversammlung


Am 6. Mai erreichten die französischen Truppen Langen am Arlberg, wo sie auf ein von

den deutschen Soldaten hinterlassenes Chaos stießen.

Im Zentrum der Austellung stand die beeindruckende Dokumentation

der Kampfhandlungen im Klostertal im Mai 1945. Darüber

hinaus wurde aber auch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft

und ihre Auswirkungen im Klostertal zum Thema gemacht. 75 Jahre

nach Kriegsende war es ein wichtiges Anliegen, die Erinnerungen

der letzten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu dokumentieren, um

sie für die Nachwelt zu erhalten. Bei der Vermittlung des Themas

spielte die Kooperation mit der Mittelschule Klostertal eine wesentliche

Rolle.

Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit wurden in einem Film vermittelt,

der zur Ausstellung erschienen ist. Neben dem Historiker

Meinrad Pichler kommen darin vor allem Zeitzeuginnen und Zeitzeugen

der NS-Diktatur zu Wort, etwa eine ukrainische Zwansgarbeiterin,

die in den Kriegsjahren mit ihrer Familie nach Langen am

Arlberg verschleppt worden war. Beeindruckend sind auch die Erinnerungen

von René Asso und Herbert Traube, die beide 1945 als

Soldaten der französischen Armee an der Befreiung des Klostertals

beteiligt waren.

9


Wintersport im Klostertal

3. Oktober bis 31. Oktober 2020

Klostertal Museum, Wald am Arlberg

Von 3. Oktober bis 31. Oktober wurde im Klostertal Museum eine

Ausstellung präsentiert, welche die Ergebnisse der Forschungen

zur Geschichte des Wintersports zusammenfasste, die der Museumsverein

Klostertal in den vergangenen Jahren im Rahmen des

Interreg-Projekts „Virtuelles Geschichtsforum“ initiiert hat. Fotografien

und Filmaufnahmen, historische Dokumente, Objekte zur Geschichte

des Wintersports und die Erinnerungen von Zeitzeuginnen

und Zeitzeugen waren Bestandteil der Ausstellung. Die ursprünglichen

Pläne, diese in adaptierter Form während der Wintersaison

2020/21 an verschiedenen Standort im Klostertal zu präsentieren,

mussten wegen des erneuten Lockdowns verschoben werden.

10

Paluda-Skilift in Dalaas um 1960


Skiläufer der Sektion Freiburg vor der Roten Wand (um 1914)

Die Entwicklung des Wintersports im Klostertal begann im ausgehenden

19. Jahrhundert. Schon kurz nach der Eröffnung der Arlbergbahn

soll ein norwegischer Ingenieur 1885 ein Paar Ski nach

Langen am Arlberg gebracht haben, das versuchsweise auch von

drei Einheimischen für die Fortbewegung auf Schnee benutzt wurde.

Um 1900 wurden dann die ersten Skiläufer am Arlberg gesichtet.

Vor allem durch die Tätigkeit des Skipioniers Viktor Sohm

kamen auch Einheimische in Stuben am Arlberg mit dem neuen

Fortbewegungsmittel in Berührung. Postkaren und Fotografien sind

Zeugnisse dieser Pionierinnen und Pioniere. Schon seit Beginn der

Wintersaison 2019/20 wurde eine Ausstellung zum Skipionier Viktor

Sohm und der Familie Mathies in Stuben am Arlberg präsentiert.

Ergänzend dazu wurden im Klostertal Museum die Anfänge des

Skilaufs im Tal vor dem Ersten Weltkrieg, der beginnende Wintertourismus

in der Zwischenkriegszeit, die Geschichte der Skivereine

und die Errichtung von Aufstiegshilfen zum Thema gemacht. Eine

Publikation zu allen diesen Themen wird 2021 herausgegeben.

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Veranstaltungen

Termine 2020

10. Jänner

Eröffnung der Ausstellung „Lebenswege“ in Borgo, Italien

20. Februar

Vorstandssitzung

28. Februar

Projektbesprechung „Virtuelles Geschichtsforum“ in Damüls

7. März

Erzählcafé „Geschichte des Wintersports“

7. Juni

Vorstandssitzung

17. Juni

Jahreshauptversammlung mit anschließender Ausstellungseröffnung

„Klostertal. Mai 45“

14. Juli

Erzählcafé „Klostertal. Mai 45“

22. Juli

Eröffnung der Historischen Schauwerkstätte in Wald am Arlberg

28. Juli

Runder Tisch zum Projekt „500 Jahre Bauernkrieg“ in Eglofs im

Allgäu

21. August

Kulturpicknick mit Verena Petrasch und Peter Madsen

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5. und 6. September

Reiseziel Museum

6. September

Konzert mit der Gruppe „Of Horses and Men“

3. Oktober

Museumszeit

Eröffnung der Ausstellung „Geschichte des Wintersports im

Klostertal“

4. Oktober

Genusswanderung in Braz

10. bis 12. Oktober

#erasmusdays

18. Oktober

Konzert „Ein Thal“ mit dem Tantermauses Alphorn Quintett

24. Oktober

Kulturgeschichtliche Wanderung in Stuben am Arlberg im Rahmen

der Reihe „Sehnsuchtsorte“

7. & 13. November

Abgabestelle „Weihnachten im Schuhkarton“

13. Dezember

Buchpräsentation „Klostertaler Lebensbilder: Pater Anton Müller“

in der Pfarrkirche Braz

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Der Blick auf die Übersicht der Veranstaltungen zeigt, dass in dieser

Hinsicht gegenüber dem ursprünglich konzipierten Programm

zahlreiche Anpassungen gemacht werden mussten. Kurz vor dem

ersten Lockdown wurde in Dalaas noch ein Erzählcafé zur Geschichte

des Wintersports im Klostertal durchgeführt, als Bestandteil des

Projekts „Virtuelles Geschichtsforum“

In weiterer Folge konnten erst ab Mitte Juni Veranstaltungen im

Klostertal Museum erfolgen, allerdings mit zahlreichen Einschränkungen.

Die Jahreshauptversammlung wurde mit der Eröffnung der

Ausstellung „Klostertal. Mai 45“ kombiniert. Über sehr rege Beteiligung

durften wir uns bei einem Erzählcafé zum Kriegsende 1945

im Klostertal freuen, das am 14. Juli über die Bühne ging. Viele

wertvolle Erinnerungen an die Ereignisse vor 75 Jahren konnten in

diesem Zusammenhang dokumentiert werden.

Verschiedene Förderprogramme des Landes Vorarlberg („Kultur im

Jetzt“, „Kulturpicknick“ und „Sehnsuchtsorte“) ermöglichten dann

die Durchführung von neuen Formaten in der zweiten Jahreshälfte.

Dabei wurden einerseits Veranstaltungen im Freien durchgeführt

(Lesung mit Musik, Wanderung mit musikalischer Begleitung in

Stuben am Arlberg) und andererseits Künstlerinnen und Künstler

aus Vorarlberg zu Konzerten im Klostertal Museum eingeladen.

Die dabei gewonnenen Erfahrungen

mit neuen Formaten

und Möglichkeiten werden wir

auch bei der zukünftigen Planung

unseres Programms berücksichtigen.

Am 10. Jänner konnte die Ausstellung

„Lebenswege“ in Borgo, Italien eröffnet

werden.

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Öffentlichkeitsarbeit und Netzwerke

Seit Jahren haben wir es uns zur Gewohnheit gemacht, die Presseberichte

über die Arbeit des Museumsvereins Klostertal zu sammeln,

zu digitalisieren und jeweils am Jahresende in einem PDF-Dolument

zusammenzufassen. So entsteht jeweils eine übersichtliche

Darstellung der öffentlichen Wirksamkeit unserer Tätigkeiten. Dank

gilt an dieser Stelle allen Medien, die über unsere Tätigkeit berichten.

Eine Auswahl an Kooperationspartnern ist unten aufgelistet.

Diese spielen in unserer Arbeit eine wichtige Rolle, wofür wir uns

ebenso bedanken möchten.

2020 stellte sich das

Klostertal Museum

erstmals als Sammelstelle

für „Weihnachten

im Schuhkarton“

zur Verfügung und

konnte in Kooperation

mit dem Familienverband

Klostertal

mehr als 100 Schuhkartons

entgegen

nehmen.

Wichtige Kooperationspartner waren 2020 unter anderem

Regio Klostertal, Mittelschule Klostertal, Gemeinden Dalaas, Innerbraz

& Klösterle, Alpenregion Bludenz, Foundation Friends of Hannes

Schneider, Geschichtsverein Region Bludenz, Familienverband Klostertal,

Amt der Vorarlberger Landesregierung (Kultur- und Wissenschaftsabteilung),

Vorarlberger Landesarchiv, Vorarlberger Landesbibliothek,

vorarlberg museum, Vorarlberger Landesmuseumsverein,

Bauernhaus-Museum Wolfegg, Museum St. Anton a/A, Arbeitskreis

für interregionale Geschichte, Bundesdenkmalamt Landeskonservatorat

für Vorarlberg, IG Kultur Vorarlberg, Sektion Freiburg des Deutschen

Alpenvereins, Heimatschutzverein Montafon, Gemeinde Warth,

Heimatpflegeverein Großes Walsertal, Gemeinde Mittelberg

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Archiv und Sammlung

Durch Schenkungen und Ankäufe wird die Sammlung des

Museumsvereins Klostertal ständig erweitert.

Bedeutende Ankäufe waren 2020:

- Martin von Molitor: Aquatintaradierung von Stuben und der Arlbergstraße

von 1803

- Kolorierte Aquatintaradierung von Stuben am Arlberg um 1840

- Zwei Porträts einer Schweizer Paares, geschaffen vom aus Braz

stammenden Maler Franz Anton Leu (1858-1932)

- Zwei historische Skifilme aus der Arlbergregion

- ÖAV Jahresbericht 1927 mit Aufsatz „Im hintersten Lech“

- Landkarte des westlichen Teils der Lechtaler Alpen

- Holzstich: Arlberg-Lawine von 1888

- Zwei Paar historische Ski

Bedeutende Schenkungen waren 2020:

- Sammlung Fotoalben von Bahnmeister Wilhelm Purtscher (Annelies

Burtscher, Braz)

- Sammlung historischer Bücher aus dem Besitz der Barmherzigen

Schwestern in Klösterle (Wally Kirchler, Klösterle)

- Historisches Paar Skischuhe (Margreth Nessler,

Dalaas)

- Marienbild (Irmgard Day, Danöfen)

- Bild Skikurs in Zürs (Emma Wolf, Dalaas)

- Historische Münze (Silvia Fritz, Wald am Arlberg)

Unterlagen von Anton Müller

Im Zuge eines Projekts zum aus Braz stammenden

Jesuitenpater Anton Müller (1922-1995) erhielten

wir von seinem Neffen Willi Lorünser zahlreiche

Dokumente aus dem Nachlass seines Onkels. Sie

bildeten eine wichtige Grundlage der Lebensbeschreibung.

Pater Anton Müller in den Brazer Bergen

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Literatur

Klostertal-Bibliographie 2020 (Auswahl)

Rudolf Müller/Christof Thöny, Anton Müller: Jesuitenpater aus Braz.

Wald am Arlberg 2020. (= Klostertaler Lebensbilder, Band 1)

Andreas Praher/Christof Thöny, Pepi Jennewein und Willi Walch.

Zwei Spitzenläufer im NS-Machtgefüge. Bludenz 2020 (= Edition

Skispuren 3)

Christof Thöny (Hg.), Jahresbericht 2019. Wald am Arlberg 2020.

(= Kleine Schriftenreihe des Museumsvereins Klostertal 24)

Manfred Tschaikner, Die Wildgrube bei Klösterle - ein landesfürstliches

Lehen im Hochgebirge. In: Montfort. Zeitschrift für Geschichte

Vorarlbergs, Jahrgang 72 (2020), Band 1, Seite 105-107.

Mehrere kürzere Beiträge (Miszellen) zu Themen der Geschichte

und Gegenwart des Klostertals wurden auf der Webseite des Vereins

publiziert.

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Buchvorstellung

Huberta Weigl. Jakob Prandtauer (1660-1726). Das Werk des Klosterbaumeisters.

Zwei Bände. 928 Seiten. Zahlreiche Abbildungen.

Michael Imhof Verlag. Petersberg 2021.

ISBN 978-3-86568-031-0

Mit Anton Ospel ist in der Dauerausstellung ein Barockbaumeister

aus Klösterle präsent, der in Diensten der Habsburger in Spanien,

Wien und Tschechien ein umfangreiches Werk hinterlassen hat.

Dieses ist freilich noch nicht ausreichend erforscht, hier wäre für

Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker ein Betätigungsfeld für

zukünftige Arbeiten gegeben. Einem Zeitgenossen Ospels, dem aus

Stanz bei Landeck gebürtigen Jakob Prandtauer, hat Huberta Weigl

nun eine fast 1000-seitige Publikation in zwei Bänden gewidmet.

Das im wahrsten Sinne des Wortes gewichtige Werk (es hat immerhin

ca. sechs Kilogramm) ist in mehr als zwei Jahrzehnten Vorarbeit

entstanden und basiert auf der Dissertation der Autorin. Sie skizziert

den Lebensweg des Barockbaumeisters, dessen Geburtshaus

bis heute in Stanz steht, zu

einem der bedeutendsten

Meister seiner Zeit, dessen

Klosterbauten (am bekanntesten

sicherlich Stift

Melk) das Erscheinungsbild

Österreichs maßgeblich

prägen. Das Zeitalter

des Barock wird den Museumsverein

Klostertal in

den kommenden Jahren

beschäftigen. Wir freuen

uns daher besonders über

das profunde Werk zu dem

bedeutenden Baumeister

aus dem Nachbartal.

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Projekte

Historische ArchitekTouren

Im Rahmen des Projekts „Historische ArchitekTouren“ wurden historische

Bauwerke in und deren Nutzung in verschiedenen Regionen

Vorarlbergs dokumentiert sowie deren jeweilige Geschichte

aufgearbeitet. Dafür wurden historische Fotografien und Schriftquellen

ausgewertet, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen interviewt

und Forschungsarbeiten in Form Dendrochronologie sowie Bauforschung

in Auftrag gegeben.

Projektpartner waren der Stand Montafon, der Verein für Bildung,

Kultur und Heimatpflege im Montafon, der Heimatschutzverein

Montafon, die Gemeinde Mittelberg, der Heimatpflegeverein

Großes Walsertal, die Gemeinde Warth sowie der Museumsverein

Klostertal.

Das Dalberto-Haus zählt zu den ältesten Gebäuden im Klostertal

19


Die Projektpartner haben in den vergangenen Jahren ausgewählte

bauhistorische Objekte in den Regionen Montafon, Kleines

Walsertal, Großes Walsertal, Warth und Klostertal umfassend und

in einem interdisziplinären Ansatz untersucht. Dabei konnten viele

neue Erkenntnisse zur Baugeschichte gewonnen werden, die in ihrer

Gesamtheit auch wichtige Beiträge für die regionale Geschichte

darstellen.

Auf Basis der gesammelten Informationen wurden regionale und

regionsübergreifende Routen zu bestimmten Themen konzipiert.

Entlang derselben werden historische Bauwerke vorgestellt und

Geschichten dazu vermittelt. Einen ähnlichen Zweck erfüllt auch

eine Wanderausstellung, die in allen am Projekt beteiligten Regionen

präsentiert wird.

Die über Jahrhunderte gewachsene Baukultur im Klostertal ist von

verschiedenen Einflüssen geprägt. Als Durchzugstal spielte der

kulturelle Austausch seit vielen Jahrhunderten eine wichtige Rolle.

Nicht zuletzt prägte das Verkehrswesen auch den Baustil, etwa

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von Gasthäusern oder von großen Ställen, die dem Pferdewechsel

dienten. Diese zogen sich einst entlang der typischen Straßendörfer

von Bings bis nach Stuben am Arlberg. Der überwiegende Teil

der Wohngebäude des Taleswar einst in Holzbauweise errichtet.

Noch im Katasterplan von 1857 sind nur wenige teilweise

oder ganz gemauerte Gebäude zu finden. Besondere Gebäude

wie etwa das sogenannten „Johanniterhaus“ in Klösterle (das bis

in die 1820-er Jahre mit einem Torbogen die Straße überspannte)

bestanden schon seit Jahrhunderten in Steinbauweise.

Der größte Teil der landwirtschaftlichen Anwesen im Klostertal

waren Paarhöfe, d. h. Wohn- und Stallgebäude wurden getrennt

voneinander errichtet. Heute sind aber auch zahlreiche Einhöfe

vorhanden, die durch entsprechende Umbauten in den vergangenen

Jahrhunderten entstanden sind. Ein bemerkenswertes

Beispiel ist das heutige Klostertal Museum, das 1874 sein

markantes Aussehen erhielt. Getäfelte Stuben, oft mit kunstvoll

verzierten Decken, sind Zeugnisse der Wohnkultur der Barockzeit,

die heute leider selten geworden sind. Auch hier bildet das

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Klostertal Museum ein wichtiges Exempel, die dort vorhandenen

Deckengemälde in der Stube und der Stubenkammer sind eine

echte Rarität. Der Strukturwandel hat im 20. Jahrhundert dazu geführt,

dass sehr viele der einst landwirtschaftlich genutzten Gebäude

im Klostertal verschwunden sind. Dies gilt insbesondere für

Ställe und Heubargen außerhalb des Siedlungsgebietes. Von den

im 19. Jahrhundert noch zahlreich vorhandenen Maisäßen ist heute

nur noch ein Bruchteil vorhanden. Ein spezieller Teil der Baukultur

sind jene Objekte, die in Zusammenhang mit dem Bau der Arlbergbahn

1880 bis 1884 entstanden sind. Die Bahnhofgebäude

sind eindrucksvolle Zeugnisse alt-österreichischer Eisenbahnkultur.

Zahlreiche Wächterhäuser entlang der Bahnstrecke sind

mittlerweile leider verschwunden.


Schauwerkstätte in Wald am Arlberg

Ein neuer Ort zum Eintauchen in die Vergangenheit konnte 2020

in im Klostertal eröffnet werden. Ältere Bewohner von Wald am Arlberg

erinnern sich wahrscheinlich noch an Johann Keßler, gelernter

Wagner und Zimmermann. Seine Werkstatt befand sich in einem

Stallgebäude auf der Parzelle „Botta“ oberhalb der Arlbergstraße

und blieb auch nach seinem Tod und einem Besitzerwechsel so erhalten,

wie sie noch in den 1950er Jahren betrieben wurde. Sie gehört

heute zum wertvollen materiellen Kulturerbe des Klostertals.

Der Museumsverein Klostertal konnte die Werkzeuge von Johann

Keßler in seine Sammlung übernehmen. Da im Klostertal Museum

schon eine Werkstatt existiert und die Objekte nicht einfach nur im

Depot verschwinden sollten, wurde nach einer alternativen Verwendungsmöglichkeit

gesucht. Diese wurde in einer Schauwerkstätte

gefunden, denn auf diese Art und Weise kann das handwerkliche

Wissen vergangener Zeiten vermittelt werden, was vor allem auch

für junge Menschen von Interesse ist.

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Othmar Ganahl präsentiert historisches Handwerk

Im vergangenen Jahr konnte dieses Projekt dank der Unterstützung

der Alpenregion Bludenz GmbH und der Gemeinde Dalaas umgesetzt

werden. Mit den Räumlichkeiten der ehemaligen Werkstätte

von Felix Gantner in Außerwald wurde ein idealer Platz für die Umsetzung

der Schauwerkstätte gefunden. Der Ort ist historisch von

großem Interesse, befanden sich hier doch einst eine Zündhölzlefabrik

und später eine Tapetenfabrik und schließlich die Werkstätte

von Josef Fritsche. Felix Gantner, der bei Johann Keßler seine Lehrzeit

absolviert hatte, kaufte das Gebäude an und errichtete 1930

eine Zimmerei.

In diesen Räumlichkeiten können Besucherinnen und Besucher

nun historisches Handwerk entdecken. Vermittelt wird dieses durch

Norbert Gantner (den Sohn von Felix Gantner), Georg Gantner (seinen

Cousin) und Othmar Ganahl. Die Schauwerkstätte hat jeweils

am Mittwochnachmittag gegen Voranmeldung geöffnet und ist eine

willkommene Ergänzung zu einem Besuch im Klostertal Museum.

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Forschung

Familienforschung im Klostertal

Durch Auswertung der Matrikenbücher (Tauf-, Ehe- und Sterbebücher)

konnte der Museumsverein Klostertal in den vergangenen

Jahren eine umfassende Sammlung zur Geschichte der Familien

des Klostertals anlegen. Darüber hinaus sammeln wir auch laufend

Sterbbilder und Familienalben (auch leihweise zur Digitalisierung).

Als neues Angebot bietet der Verein Stammtafeln an, die bis ins

18. Jahrhundert zurückreichen, in manchen Fällen auch bis ins 17.

Jahrhundert. Dabei sind die verschiedenen Generationen ersichtlich,

außerdem wird jeweils eine Erklärung der Bedeutung des Familiennamens

beigefügt.

Muster für eine Stammtafel am Beispiel der Besitzerfamilie

des Klostertal Museums

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Flugzeugabsturz Eisentaler Gletscher

Roland Domanig

In der Tiroler Tageszeitung verfasste Roland Domanig einen Artikel

zum Thema „Fliegerabsturz in den Stubaier Bergen“. Daraufhin

meldete sich Arno Rettenbacher aus Kirchbichl mit einem Flugzeug-

Wrackfoto und stellte das Ansinnen (an Roland Domanig), die

unbekannten Umstände des abgebildeten Absturzereignisses nach

Möglichkeit herauszufinden.

Die Handschrift auf der Rückseite des Postkartenfotos gab missverständlich

in Kurrent den Absturzort an und führte zu allerlei Diskussionen.

Die persönliche Handschrift zeigt deutliche Freiheiten

im Schriftbild und bringt somit Leseschwierigkeiten für den Leser

von heute:

„Flugzeugunglück im Jahre 26 bei ……?.... (St. Anton)

auf dem Schneefeld der Schwarzen Wand“

Zu “Schwarze Wand“ gibt es im Internet eine Vielzahl an Treffern,

sie sollten aber mit St. Anton korrelieren. Welches St. Anton? Am

Arlberg, im Pflerschtal, in der Schweiz, im Montafon? Bei keiner

Schwarzen Wand konnte eine Übereinstimmung mit der auf der

Fotokarte präzise abgebildeten Felsenmauer bzw. Wand gefunden

werden.

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St. Anton am Arlberg war eine Option für die Identifizierung des

Wrackfotos. Es stürzte dort sehr wohl eine Militärmaschine am 17.

März 1944 in den Kuchenferner und hatte fünf Wehrmachtsangehörige

in den Tod gerissen. Ein weiteres Absturzereignis konnte

für St. Anton am Arlberg aber nicht in Erfahrung gebracht werden.

Der Flugzeughistoriker Gerhard Stemmer meinte, es handle sich,

dem Wrack auf dem Foto nach, eventuell um eine ungarische Maschine.

Für das Jahr 1926 verzeichnet das Aviation Safety Network

aber keinen Absturz im Alpen- oder Karpatenraum.

Frau Rosa Kapferer aus Sautens/Tirol hatte ebenfalls auf den TT-

Artikel reagiert, weil sie um ein Flugzeugwrack auf einem Ötztaler

Gletscher wusste. Da war es selbstverständlich, das Wrack auf Rettenbachers

Foto als das am Ötztaler Gletscher zu vermuten. So

unbeschreiblich viele Gletscherwracks würde es wohl doch nicht

geben. Aber schon bald musste diese Spur aufgegeben werden,

obwohl in den Ötztalern auch Schwarze Wände verzeichnet sind.

Frau Kapferer machte auch auf einen maschinellen Kleindruck auf

der Rückseite des Wrackfotos aufmerksam, lesbar unterhalb der

Kurrentschrift:

POSTKARTENVERLAG JOSEF HEGENBARTH BLUDENZ

Warum sollte das Flugzeug nicht in Vorarlberg abgestürzt sein?

Anruf bei der Gemeinde St. Anton im Montafon. Der dortige Gemeindesekretär

verwies auf Flieger-Informationen, die vielleicht in

Bludenz zu holen wären.

Bingo! Das Bludenzer Gemeindeamt vermittelt zu Christof Thöny,

dem Stadtarchivar. „Ja, von einem Absturz eines serbischen Flugzeugs

weiß ich!“, lautete seine klare Antwort auf das Thema Flugzeugabsturz.

„Es ist nahe der Reutlinger Hütte niedergegangen,

einst im sogenannten Eisentalergletscher. Es gibt ein Foto vom

Wrack und im Klostertal noch ein paar Wrackteile sowie einen Zeitungsbericht

dazu!“

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Herr Domanig hatte zwischenzeitlich

vom Flugzeugforum „12 o`clock high“

wichtige Hinweise zum Absturz erhalten,

Herr Rettenbacher fand in der österr.

Nationalbibliothek u.a. noch dazu

diesen Zeitungsartikel vom 24. Aug.

1927. Dort ist auch eine alte Bezeichnung

für die Absturzstelle genannt,

nämlich “Der Kalte Berg“.

Unbekannte Wrackgeschichte

geklärt?

Fast könnte nun für den

Hobby-Flugzeugarchäologen

Domanig das Ende der Wrackgeschichte

gekommen sein.

Nur noch schnell die genaue

Absturzstelle finden.

Das dunkle Felsenband hinter

dem Wrack ist scharf und signifikant

abgebildet. Google Earth, Ansichtskarten, Wanderkarten

– alles wird versucht, um in den erwähnten Eisentaler Bergen

den Absturzort des katastrophal verlaufenen Crashs zu lokalisieren.

Doch keine Chance, mit den bekannten Angaben den Absturzplatz

am Computer zu lokalisieren, die Berge verweigern dem neugierigen

und zugleich frustrierten Computertouristen aus Osttirol die

gesuchte Auskunft.

Entscheidende Hilfe liefert jetzt wieder Archivar Thöny und meldet

die Suche nach dem Absturzort einigen erfahrenen Bergsteigern

aus der Gegend: Dr. Josef Kaiser, Günter Wehinger, Christoph Küng

und Georg Gantner. Tatsächlich wird die Suche nach dem Absturzplatz

mit Hilfe der Bergexperten nun handfest, die Suche wäre

ohne sie niemals erfolgreich verlaufen.

Diese Herren stellen dankenswerter Weise in großzügiger Form

viele Fotos der Absturzgegend zur Verfügung und so konnte die genaue

Absturzstelle auf ihren Fotos rekonstruiert werden. Beispielhaft

dafür folgendes Foto: Baur, bearbeitet von Günter Wehinger.

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Der jüngste Fund

Ein jüngster Flugzeugteilfund aus dem Jahre 2017 bestätigt den

Absturz im hintersten Eisentale zwischen westlicher und östlicher

Eisentaler Spitze. Der Aufschlag könnte in ca. 2400 Meter erfolgt

sein. Bald darauf oder auch erst später durch Gletscherbewegung

dürfte das zerstörte Flugzeug vor das dunkle Felsenband getrieben

worden sein, wo es lange Zeit liegen geblieben ist.

2017 gefundenes Flugzeugteil

Die originale, ausführliche

Fliegerstory,

ausgehend

von Rettenbachers

Wrackfoto, können

Sie unter Publikationen/

Miszellen auf

der Homepage des

Museumsvereins

nachlesen.

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Nothelferkapelle in Langen am Arlberg

Joschi Kaiser

Im Jahre 1983 wurde von der ASTAG (Arlberg Straßentunnel AG

Innsbruck) in Langen am Arlberg beim Betriebsgebäude der AS-

FINAG (Autobahnen-und Schnellstraßen-Finanzierungsgesellschaft

Wien und Nachfolger der ASTAG) auf einem kleinen künstlichen

Hügel eine architektonisch besonders auffällige und gut sichtbare

Kapelle errichtet. Dies geschah zu Ehren bzw. im Gedenken an die

15 Bauarbeiter, die beim Bau des 14 km langen Arlbergstraßentunnels

zwischen 1974-1978 ihr Leben verloren haben. 1994 wurde die

Opferzahl mit drei Opfern an der gesamten Strecke ergänzt. Sie ist

die größte Kapelle des Klostertales.

Erwähnenswert ist, dass sich in diesem Bereich früher ein kleiner

Friedhof befand, auf welchem mehrere Opfer des Arlbergeisenbahntunnels,

welcher zwischen 1880-1884 erbaut wurde, bestattet wurden.

Hier stand früher schon eine kleine Kapelle der 14 Nothelfer.

Die neue Kapelle ist ebenfalls den 14 Nothelfern gewidmet und

wurde durch den damaligen Diözesanbischof DDr. Bruno Wechner

eingeweiht. Im Norden befindet sich eine kleine Sakristei. Die überdachte

Kapelle ist nach Westen offen und bietet mit dem Vorplatz

zusammen Platz für ca. 100 Gläubige. Es ist beachtenswert, dass

die ASTAG mit dieser Kapelle sowohl den Opfern als auch allen

Mitarbeitern ein Kulturdenkmal mit einem starken religiösen Bezug

errichtet hat.

Die 14 Nothelfer sind für viele Sorgen und Ängste zuständig, bei

welchen wir Schutz und Hilfe brauchen. Diese Kapelle soll eine

Gedächtnisstelle für die S16-Strecke zwischen Landeck und Bludenz

sein und zwar nicht nur in Erinnerung an die Opfer, die einen

wesentlichen Beitrag zu unserem Kulturraum beigetragen haben,

sondern auch an die Hinterbliebenen und um die Leistung unserer

Vorfahren zu würdigen und schätzen.

30


Dies sind die 14 Nothelfer von links nach rechts:

Hl. Barbara, Hl. Katharina, St. Blasius, St. Ägidius, St. Eustachius,

St. Christophorus, St. Vitus, St. Cyriacus, St. Pantaleon, Hl. Margaretha,

St. Achatius, St. Dionysius, St. Erasmus, St. Georg.

Beim Eingang im Westen wurde im Vorplatz auf einem Schiefergneisblock

aus dem Verwall im Jahr 1994 eine Messingtafel mit den

Namen der tödlich verunglückten Opfern angebracht.

Derzeit befindet sich die Kapelle mit dem Vorplatz dank der Betreuung

durch die Straßenmeisterei der ASFINAG in St. Jakob in einem

tadellosen Zustand.

Die originale, ausführliche Beschreibung der Nothelferkapelle finden

Sie unter Publikationen/ Miszellen auf der Homepage des Museumsvereins.

An der Sockelmauer sind

vier Messingtafeln mit den

Sponsoren angebracht. Sie

haben mit ihrer finanziellen

Unterstützung der Hinterglasbilder

einen großen

Beitrag zur Architektur der

Kapelle beigetragen.

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Wilhelm Walch: Ein Auswanderer nach Südtirol

Im bekannten Weindorf Tramin in Südtirol existiert das Weingut

Wilhelm Walch, das laut seiner Webseite 1869 gegründet wurde

und damit bereits sein 150jähriges Bestandsjubiläum feiern konnte.

Im Abschnitt „Geschichte“ erfahren wir, dass der Gründer – Wilhelm

Walch – einen Gastbetrieb samt Schnapsbrennerei in Vorarlberg

betrieben hatte. Als er diesen vergrößern wollte, dafür jedoch

keine Lizenz erhielt, sei er mit fünf Kindern nach Südtirol gezogen.

In Tramin erstand er ein ehemaliges Jesuitenkloster, in dem er das

Weingut begründete. 1 Wilhelm Walch stammte aus Klösterle, wo

er 1849 geboren wurde. Insofern ist seine Lebensgeschichte bemerkenswert,

als er aus unserer Region im 19. Jahrhundert nach

Südtirol auswanderte, in einer Zeit, als es während des Baus der

Arlbergbahn eine große Migrationsbewegung in umgekehrter Richtung

gab. Erste Forschungen zu seiner Herkunft und Biographie

werden an dieser Stelle zusammengefasst. Sie sind im Zuge des

Interreg-Projekts „Migrationen nach Oberschwaben und Vorarlberg

vom 19. bis zum 21. Jahrhundert“ entstanden, das in den vergangenen

Jahresberichten vorgestellt worden ist.

Die Eltern des Wilhelm Walch waren Alois Ignaz Walch (1812-1891)

und Maria Karolina Wiederin (1821-1864). Die beiden hatten 1844

geheiratet, wobei der Vater, der aus Stuben am Arlberg stammte

(seine Eltern waren Arbogast Walch und Maria Christina Assmann)

zuvor schon mit Maria Katharina Urich (1806-1842) verheiratet gewesen

war, die allerdings wenige Monate nach der Eheschließung

an „Nervenfieber“ verstarb. 2 In den folgenden Jahren wurden zwölf

Kinder geboren: Maria Cäcilia (1845-1849), Maria Karolina (1847-

1885), Johann Wilhelm (geb. 1849-1906), Franz Josef Anton (geb.

1850, verehelicht in Braz), Alois Albert (1852-1852), Alois Albert

Peter (1854-1887), Josef Andreas (geb. 1856, verehelicht 1882 mit

Christina Drißner), Gebhard (1857-1930), Maria Magdalena Katharina

(1858-1938, gestorben in Braz), Maria Adelheid (geb. 1860),

Klementin Engelbert (1861-1861) und Ludwig (1863-1872). Die Mutter

verstarb wenige Monate nach der Geburt des letzten Kindes an

32


einer Lungenkrankheit. Im Taufbuch ist beim Vater jeweils „Wirt“

oder „Adlerwirt“ als Berufsbezeichnung angegeben. Letztere Bezeichnung

hat Pfarrer Fusangel auch im Sterbebuch eingetragen,

wobei der Gasthof von Alois Albert geführt wurde, der allerdings

schon 1887 im Alter von 43 Jahren verstorben war.

Von den Geschwistern des Wilhelm Walch ist vor allem zur Biographie

des älteren Bruders Gebhard (1857-1930) Einiges bekannt. Er

ließ sich nach dem Bergsturz 1892, der die größten Teile seines

Anwesens in Unterlangen zerstört hatte, in Stuben am Arlberg nieder,

wo er Wirt im Gasthof Mondschein wurde. Mit seinen beiden

Ehefrauen Maria Fritz (1860-1895) und Ottilie Cavada (1865-1949)

wurde er Vater von 13 Kindern und Vorfahre der heutigen Walch-

Familien in Stuben. 3

Wilhelm Walch, dessen Biographie im nächsten Jahresbericht näher

vorgestellt wird, siedelte sich in den 1870er Jahren in Bludenz an,

wo er 1877 einen Weinhandel und 1878 einen Glas- und Porzellanhandel

eröffnete. Er verehelichte sich mit Berta Schädler aus

Nendeln und bewohnte ein heute noch bestehendes Haus in der

Vorstadt St. Jakob (damals Nr. 128,

heute Werdenbergerstraße 5). In

einem Inserat im Bludenzer Anzeiger

(Abb. rechts) vom 10. April 1889 bot

er sein Haus samt Geschäftslokal

und zahlreichen Geräten zum Verkauf

an. 4 Kurze Zeit später übersiedelte er

mit seiner Familie nach Südtirol.

Einstiger „Adler“ in Klösterle (links)

1 https://www.walch.it/geschichte/, aufgerufen

am 3. Mai 2021.

2 Die genealogischen Angaben sind den

Matrikenbüchern von Klösterle (online unter

findbuch.vla.net) sowie dem „Seelenbeschrieb“

von Klösterle aus dem Jahr 1874 (Kopie

im Archiv des Museumsvereins Klostertal)

entnommen.

3 Hans Thöni, Stuben am Arlberg, Geschichte

eines Bergdorfes. Dornbirn 2005, SX. 164-165.

4 Anzeiger für die Bezirke Bludenz und

Montafon, 10. April 1889, S. 4.

33


Finanzen

Kassabericht 2020

Erlöse

Steuerpflichtige Umsätze 20%

Erlöse Veranstaltungen 500,00

Erlöse Weiterverrechnungen 5.636,81

Steuerpflichtige Umsätze 10%

Erlöse Bücherverkauf 4.155,85

Nicht steuerbare Umsätze

Mitgliedsbeiträge 2.966,00

Spenden, Sponsoring 5.916,38

Öffentliche Subventionen 62.147,70

Rückerstattung Vorsteuern 2019 5.633,62

Zinserträge 0,70

Einnahmen gesamt 86.957,06

Aufwendungen

Ausstellungen 940,68

Veranstaltungen 377,53

Buchankäufe 1855,98

Mitgliedschaften 636,00

Honorare 10.564,43

Lohnkosten 32.849,44

Spesenabrechnung 3.419,28

Ankauf Museumsinventar 8.112,23

EDV, Webseite 1.102,16

Drucksorten, Publikationen, Büro 9.272,79

Bankspesen, Zinsen 187,79

Miete und Betriebskosten 9.250,56

Diverse Aufwendungen 90,00

Leaderprojekt Historische ArchitekTouren 8.735,49

Projekt MBox 392,00

Virtuelles Geschichtsforum 1.014,38

Beratungskosten 1.608,00

Aufwendungen gesamt 90.408,74

Abgang 2020 -3.451,68

34


Museum

Besucherstatistik Klostertal Museum 2020

Museumsbesucher

Erwachsene 75

Kinder und Jugendliche 5

Mitglieder Museumsverein 28

Erwachsene mit V-Card 66

Erwachsene mit Klostertal/ Montafon/ Brandnertal Card 54

Veranstal tungen

Veranstaltungen Museumsverein Klostertal 320

Weitere Veranstaltungen 0

Veranstaltungen des Vereins außerhalb des Museums 40

Gesamt 588

35


Kooperationspartner

Ohne die finanzielle Unterstützung der Gemeinden des Klostertals,

des Landes Vorarlberg, der Mitglieder des Museumsvereins sowie unserer

Kooperationspartner Raiffeisenbank Bludenz-Montafon, Tischlerei

Engstler, AXL Arlbergexpress Linienverkehr und VKW wäre das

ambitionierte Vereinsprogramm nicht umsetzbar. An dieser Stelle

gebührt den genannten Institutionen und Firmen daher großer

Dank. Dies gilt auch für die Förderung aus dem LEADER- und dem

Interreg-Programm.

36


T I S C H L E R E I

D a l a a s

» Mein Spezialgebiet

ist das Bauen von

schönen Möbeln.

Ich betreue die einzelnen

Projekte von der Holzauswahl

über die exakte

Produktion bis hin zum

sauberen Einbau.«

Ayhan Can ist seit 20 Jahren

als Tischler bei uns tätig.

Tel. 055 85/72 19 . www.tischlerei-engstler.at


Vorarlberg schöpft

seine Energie aus

erneuerbaren Quellen.

Wasserkraft ist sauber, erneuerbar und in Vorarlberg

reichlich vorhanden. Daher nutzt die illwerke vkw diese

Energiequelle ebenso innovativ wie nachhaltig – ein unverzichtbarer

Beitrag zu Vorarlbergs Energieautonomie

und zur europäischen Energiewende.



Erhältliche Publikationen

Klostertaler Lebensbilder

Band 1 (Anton Müller) € 12/ für Mitglieder € 10

Schriftenreihe des Museumsvereins Klostertal

Band 1 (Hinterglasmalerei) € 6/ für Mitglieder € 4,50

Band 2 (NS-Herrschaft) € 9/ für Mitglieder € 7

Band 3 (Schlossbühel) € 7/ für Mitglieder € 5

Band 4 (Klostertal Museum) € 12/ für Mitglieder € 10

Band 5 (Glong) € 15/ für Mitglieder € 13

Band 6 (Barockmalerei) € 18/ für Mitglieder € 16

Band 7 (Radonatobel) € 14/ für Mitglieder € 12

Band 8 (Christian Berthold) € 14/ für Mitglieder € 12

Band 9 (Gemeindegrenzen Dalaas) € 18/ für Mitglieder € 15

Band 10 (Thöny-Hof) € 18/ für Mitglieder € 15

Band 11 (Laura Amann) € 14/ für Mitglieder € 12

Band 12 (Barocke Kirchtürme) € 18/ für Mitglieder € 15

Kalender

Historische Architekturen € 14/ für Mitglieder € 12

Das Klostertal in alten Ansichten € 12/ für Mitglieder € 10

Wintersport im Klostertal € 14/ für Mitglieder € 12

Weitere Publikationen

Sichtbar. Fotografien am Arlberg und Hochtannberg (25,00 Euro)

Im Tal der Alfenz (34,90 Euro)

Franz Elsensohn, Sagenhaftes Klostertal (19,50 Euro)

Bildband „125 Jahre Arlbergbahn“ (18,90 Euro)

Arlbergbahn Lesebuch (19,50 Euro)

„Von schroffen Bergen eingeschlossen.“ Das Lechquellengebirge

und seine Erschließung. (25,90/ 22,90 Euro)

Alpe Mähren – Radonatobel (22,90/ 20,90 Euro)

14/15 Der Süden Vorarlbergs im Zeitalter der Extreme 1914-1945

(24,00/ 19,00 Euro)

Spullers. Geschichte einer Alpe (22,00/ 20,00 Euro)

Alte Wirtshäuser und Geschichten rund um die Ernährung in

Vorarlberg (17,00 Euro)

40


Museumsverein Klostertal

Museumsverein Klostertal

Haus Nr. 60a

A-6752 Wald am Arlberg

T +43 664 4911474

M christof.thoeny@museumsverein-klostertal.at

I www.museumsverein-klostertal.at

Vereinsmitglieder genießen folgende Vorteile

- Freier Eintritt ins Klostertal Museum

- Zusendung regelmäßiger Informationen zur Tätigkeit des Vereins

- Ermäßigter Eintritt bei Veranstaltungen

- Ermäßigung beim Bezug von Publikationen

- Möglichkeit zur Inanspruchnahme von Bibliothek und Archiv

Vorstandsmitglieder des Vereins:

Obmann

Obmann-Stv.

Schriftführerin

Kassierin

Beiräte

Christof Thöny (Bludenz)

Thomas Bargehr (Braz)

Judith Sauerwein (Dalaas)

Kathrin Novis (Wald am Arlberg)

Silvia Fritz (Wald am Arlberg)

Dr. Josef Kaiser (Wald am Arlberg)

Melanie Petschovnik (Wald am Arlberg)

Ida Strolz (Wald am Arlberg)

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 2020

Kathrin Novis (Büro), Silvia Fritz (Betreuung Museum), Anouk Pichler

(Ferialpraktikantin), Fabienne Rinderer (Ferialpraktikantin), Martin

Moser (Ferialpraktikant), Georg Gantner (Ausstellung), Arnold

Thöny (Ausstellung)

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Abbildungen

Alpenregion Bludenz

S. 22

Doris Burtscher

S. 33

Roland Domanig

S. 24, 26, 27

Joschi Kaiser

S. 29 li.

Museumsverein Klostertal

S. 7, 8, 9, 14, 17, 18, 19, 21, 23, 31

Rudolf Müller

s. 20

Kathrin Novis

Umschlag, S. 5, 6, 12, 13, 29 re.

Huberta Weigl

S. 16

42


43


44

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