BIBER 06_21 lr

dasbibermitscharf

Österreichische Post AG; PZ 18Z041372 P; Biber Verlagsgesellschaft mbH, Museumsplatz 1, E 1.4, 1070 Wien

www.dasbiber.at

MIT SCHARF

NEWCOMER

SCHOOL

EDITION

JUNI 2021

+

„ICH BIN NICHT

SO EINE“

+

AFGHANEN GEGEN

TSCHETSCHENEN

+

GRÜNES SHAMING

+

„ER SCHLÄGT DICH. DAS

BEDEUTET, ER LIEBT DICH“

Gewalt an Frauen in Österreich: Verharmlost bis zum Tod.


Da bi

zaključavanje

bilo

#svršeno.

3

minuten

mit

Habibi you

know

Da bi pandemija bila gotova.

Vakcinišite se i Vi.

www.Österreich-impft.at

© Simon Herret

Die Gründer des Mode-Labels

„Habibi you know“ haben eine

Mission: Arabische Schrift

in die europäische Popkultur

integrieren. Im Interview

erzählen Jessica und Imad von

IS-Verwechslungen, Drake als

Inspiration und dem Image der

arabischen Schrift.

Interview: Miriam Mayrhofer

BIBER: Wie kam es zur Idee und Gründung

von ‚Habibi you know‘?

IMAD EL RAYESS: Ich wollte für

meinen besten Kumpel einen Sweater

machen. Weil er sowas wie ein Habibi

für mich ist, habe ich das auf einen

Pulli gestickt. Das war 2016. Nach zwei

Wochen kam der dann auf mich zurück

und sagte: „Hey Imad, ich habe‘ viele

Blicke bekommen. Manche fanden es

cool, manche haben gefragt, ob ich

jetzt dem IS beigetreten bin.“ Habibi,

das ist ja was Schönes, was Liebevolles.

Da habe ich gecheckt: Alles klar,

da braucht‘s noch ein bisschen Aufklärungsarbeit.

Ich habe den Instagram-

Channel ‚Habibi you know‘ gestartet,

weil der Name Habibi schon vergeben

war. Es gab zu der Zeit auch ein Album

von Drake, und da gibt’s eine Line mit

„it’s a habibi thing, u know?“.

Welche Hürden musstet ihr überwinden?

IMAD EL RAYESS: Es ist immer eine

Hürde, wenn man einen neuen Launch

hat. Fragen wie: Wie gehe ich damit

um, dass der neue Produzent, eine

Familie in Tunesien mit der wir seit der

neuesten Kollektion zusammenarbeiten,

unsere Preise erhöht hat? Das hat so

Bauchschmerzen gemacht. Wir sind

nicht so preis- und profitorientiert. Wir

wollen einfach coolen Stuff machen,

mit einer geilen Message und was

Gutes beitragen, that’s it.

Wer ist eure Community?

JESSICA REES: Leute, die sich mit

dem Thema identifizieren können oder

es verstehen und unterstützen. Es

sind nicht Leute, die den Schriftzug

sehen und fragen: „Steht da ISIS?“ Wir

kennen viele aus unserer Community,

die solche Geschichten haben. Aber

dann auch süße Storys wie: „Ich habe

sieben Jahre nicht mit meinem Nachbarn

geredet, es kam nicht dazu und

dann hat er mich mit Habibi gesehen

und seitdem sind wir gut befreundet.“

Solche Geschichten zeigen: Hey, die

Message ist da, ist wichtig, verbindet.

Welche Ziele habt ihr für die Zukunft?

IMAD EL RAYESS: Unser Ziel ist es

natürlich, dass alle Habibi tragen.

JESSICA REES: Und vor allem auch die

arabische Schrift zu entstigmatisieren,

indem wir sie in die Popkultur integrieren.

/ 3 MINUTEN / 3



Liebe Leserinnen und Leser,

IMPRESSUM

MEDIENINHABER:

Biber Verlagsgesellschaft mbH, Quartier 21, Musuemsplatz 1, E-1.4,

1070 Wien

REDAKTIONSHUND:

Casper

BUSINESS DEVELOPMENT:

Andreas Wiesmüller

HERAUSGEBER

Simon Kravagna

GESCHÄFTSFÜHRUNG:

Wilfried Wiesinger

Montagmorgen, biber-Redaktionssitzung:

Jede Redakteurin

weiß ein anderes Beispiel zu

erzählen, kennt einen anderen

Spruch: „Sie hat ihn provoziert.“

„Ja mei, da is ihm die

Hand ausgerutscht“ „Musst

du darüber reden?“ Die jungen

„Ihr seid ja alle so arm!“ – „Bist du so faul?!“ – „Deine Matura ist nicht viel wert!“

– In ihren Newcomer-Blogs berichten 14-19 jährige Schüler:innen von Müttern,

die das Homeschooling dazu nutzen, die Tochter für Geschwister-Babysitting

und Geschirrspülen einzuteilen. Sie schreiben von Lehrer:innen, die sich über

psychischen Druck bei Jugendlichen lustig machen und davon, wie der Stempel

„Corona-Matura“ gefühlt eine ganze Schullaufbahn zunichte macht. Hello and

Welcome zur biber-Newcomer Edition 2021 – straight aus dem Klassen- bzw.

Kinderzimmern von Österreichs Schüler:innen, die bitteschön alle einen Einser mit

Sternchen im Hauptfach „Pandemie“ verdient haben. Lest ihre Beiträge auf den

Seiten 15, 30, 48 und 61.

Passend zum Schulalltag empfehlen wir das Interview mit Zwetelina Ortega auf

Seite 50, die unseren mehrsprachigen Biber-Redakteur:innen erklärt, warum so

viele Lehrer:innen in Österreich immer noch Türkisch am Gang unterbinden wollen

und wie Sprach-Rassismus in unserer Gesellschaft kultiviert wird.

Aber nicht nur mit Rassismus hat unsere Gesellschaft ein Strukturproblem,

leider auch mit Gewalt an Frauen. Österreich ist trauriger EU-Spitzenreiter, wenn

es um die Zahl der Femizide allein 2021 geht. Verwunderlich? Nun, vier biber-

Redakteurinnen geben Einblick in die tiefe Verwurzelung und „Normalität“ von

Gewalt gegen Frauen in Österreich – wurscht ob sie in einem Haus im Waldviertel

oder einem kurdischen Haushalt aufwuchsen. Mit Aussagen wie „Er schlägt dich,

das bedeutet er liebt dich“ kennt „frau“ sich seit ihrer Kindheit aus. Dass dieses

Phänomen keine Herkunft, aber ein Geschlecht kennt, beweist die starke Story auf

Seite 16.

Von der Gewalt daheim zum Straßenkampf: Chefreporterin Aleksandra Tulej

hat sich mit den Erzrivalen im „Bandenkrieg“ Wiens getroffen: Denn der Konflikt

zwischen jugendlichen Afghanen und Tschetschenen droht erneut zu eskalieren,

wie die beiden geläuterten Aussteiger ihr exklusiv erzählen. Dass es bei dem

ewigen Kampf um mehr als Religion, Drogen oder Mädchen geht, lest ihr ab Seite

24.

Entgeltliche Einschaltung

CHEFREDAKTEURIN:

Delna Antia-Tatić

STV. CHEFREDAKTEUR:

Amar Rajković

CHEFiN VOM DIENST:

Aleksandra Tulej

CHEFREPORTERIN:

Aleksandra Tulej

LEITUNG NEWCOMER:

Amar Rajković & Aleksandra Tulej

KOLUMNIST/IN:

Ivana Cucujkić-Panić, Todor Ovtcharov, Jad Turjman

LEKTORAT: Florian Haderer

REDAKTION & FOTOGRAFIE:

Adam Bezeczky, Nada El-Azar, Miriam Mayrhofer, Esra Gönülcan,

Victoria Dyadya, Anna Jandrisevits, Naz Kücüktekin, Zoe

Opratko, Simon Herret, Calimaat, Helena Wimmer, Susanne

Einzenberger, Stephan Wyckoff, Marko Mestrović

CONTENT CREATION, CAMPAIGN MANAGEMENT:

Aida Durić

SOCIAL MEDIA:

Weronika Korban

FOTOCHEFIN:

Zoe Opratko

ART DIRECTOR:

Dieter Auracher

KONTAKT: biber Verlagsgesellschaft mbH Quartier 21, Museumsplatz 1, E-1.4, 1070

Wien

Tel: +43/1/ 9577528 redaktion@dasbiber.at marketing@dasbiber.at abo@

dasbiber.at

WEBSITE: www.dasbiber.at

ÖAK GEPRÜFT laut Bericht über die Jahresprüfung im Jahresschnitt 2020:

Druckauflage: 78.856

verbreitete Auflage: 73.741k

Die Offenlegung gemäß §25 MedG ist unter www.dasbiber.at/impressum abrufbar

DRUCK: Druckerei Berger

Erklärung zu gendergerechter Sprache:

In welcher Form bei den Texten gegendert wird, entscheiden die jeweiligen Autoren

und Autorinnen selbst: Somit bleibt die Authentizität der Texte erhalten - wie immer

„mit scharf“.

Frauen haben ganz unterschiedliche

Herkünfte, aber ihre

Erfahrung ist gleich: Gewalt

gegen Frauen wird nicht nur

verharmlost, sie ist total normal.

In Österreich! S.16

Delna Antia-Tatić “

Chefredakteurin

Um Mädchen geht es dafür in dieser Geschichte: „Ich bin nicht so eine“ –

beteuern junge Migrantinnen immer wieder und verleugnen dabei nicht nur ihre

sexuelle Vergangenheit, sondern auch die sexuelle Freiheit von Frauen. Über

den Druck „rein“ zu sein, und sich ein „Clean Image“ zu erschaffen, damit sie als

„Heiratsmaterial“ durchgehen. Das Dilara-Dilemma ab Seite 32.

Auch stetig um ein „clean“ bzw. „green“ Image bemüht, sind die Hochgepriesenen

der Umweltbewegung: So erzählt etwa die Sinnfluencerin Dariadaria vom

„Shaming und Blaming“ im Land der Gutmenschen. Nur eine Süßkartoffel im

Ofen? Du bist mit dem Flugzeug geflogen? Dein Snack war vegetarisch und nicht

vegan? Der Shitstorm lässt nicht lange auf sich warten. Über den unmenschlichen

Druck „gut und grün“ zu sein: Seite 36

Wie ihr seht, in dieser Ausgabe gilt: Einmal alles und mit scharf!

Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen, die Redaktion

© Zoe Opratko

Jeder zweite Arbeitsplatz in Österreich hängt direkt oder indirekt

vom Export ab. Ob Klein- und Mittelbetrieb oder Großunternehmen –

Österreichs Betriebe schaffen Beschäftigung in unserem Land.

4 / MIT SCHARF /

WWW.LEBENVOMEXPORT.AT



3 3 MINUTEN MIT

„HABIBI, YOU KNOW“

8 WAS UNS BEWEGT

Was gerade in der Society-Welt Wellen schlägt,

präsentieren wir euch kurz und knackig.

12 BIBER SUMMERSCHOOL

Langeweile in den Ferien? Bewirb dich jetzt für

unsere biber Summerschool!

14 IVANAS WELT

Wo waren die Vesnas und Yusufs in der

Corona-Kampagne?

POLITIKA

15 SCHÜLERBLOGS

Mehr Hausarbeit für Mädchen durch Corona und

warum Schule neu gedacht werden muss.

16 ER SCHLÄGT DICH. DAS

BEDEUTET, ER LIEBT DICH.

Vier starke Stimmen aus verschiedenen

Communitys schreiben gegen Gewalt an Frauen.

22 „FRAU GEWESSLER, WIE OFT

WURDEN SIE VON EINEM

MANN BEDROHT?“

Biber fragt in Worten, Klimaministerin Leonore

Gewessler antwortet in Zahlen.

24 TSCHETSCHENEN VS.

AFGHANEN

Droht der Konflikt zwischen den Gangs zu

eskalieren? Eine Reportage von Aleksandra Tulej.

RAMBAZAMBA

30 DIE SUGARBABYS

VON TIKTOK

Wie auf der Plattform Sexarbeit glorifiziert wird

und welcher Nagellack wirklich hält.

31 SCHÜLERBLOGS

Aufwachsen zwischen den Kulturen und

Pornobrutalität.

32 „ICH BIN NICHT SO EINE“

Aleksandra Tulej über den dunklen Doppelboden

hinter den Dilara-Memes.

36 GRÜNER DRUCK

Delna Antia-Tatić sprach mit Grünmenschen über

den Druck, zu Heiligen zu werden.

42 ZUM HEMDSCHÄMEN?

Unser großes Nachhaltigkeitsspecial – inklusive

Secondhand-Guide und Klimaschutz-Tipps!

22

„FRAU GEWESSLER, WIE OFT WURDEN

SIE VON EINEM MANN GESCHLAGEN?“

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler im

aktuellen Interview in Zahlen.

16

GEGEN GEWALT

AN FRAUEN

Vier Stimmen aus

den Communitys

zeigen: Gewalt

gegen Frauen hat

keine Nationalität,

aber ein Geschlecht.

24

IN HALT JUNI

2021

„WIR REGELN

DAS UNTER UNS.“

Der Konflikt zwischen

Tschetschenen und

Afghanen in Wien

droht erneut zu

eskalieren.

32

„ICH BIN

NICHT SO

EINE“

Was steckt hinter

den Dilara-Memes

auf Social Media?

© Zoe Opratko, © Calimaat, Cover: © Zoe Opratko

TECHNIK

46 KRYPTO HIN, KRYPTO HER

Kolumnist Adam Bezeczky über den Krypto-

Geldmarkt und Chinas Weltraumstation.

47 XBOX ALS HIGHLIGHT IM

WOHNZIMMER

Florian Liwer im Interview über die Auswirkungen

der Pandemie auf’s Gaming und mehr.

KARRIERE

48 EIN LIEBESBRIEF AN DIE

GENERATION Z

Anna Jandrisevits ist stolz, zur „Generation

Thunberg“ zu gehören.

50 „DARF ICH MIT MEINEM

SOHN BOSNISCH

SPRECHEN?“

Mehrsprachigkeitsexpertin Zwetelina Ortega

im Interview.

54 DANKE

Biber dankt den Newcomer-Partnern. Ohne euch

würde es dieses Heft nicht geben!

56 „WIR HABEN JEDE

SCHULSTUNDE GESTREAMT“

Matthias Roland über fehlende Fantasie in

der Bildungspolitik und Streaming aus dem

Klassenzimmer.

58 SCHÜLERBLOGS

Machen LehrerInnen wirklich Mut in dieser Zeit?

Und ist die „Corona-Matura“ etwas wert?

59 SCHÜLERBLOGS

Über das Bundesheer und den ständigen Druck,

für Schönheit leiden zu müssen.

KULTUR

60 VIEL GUCKEN, NICHTS

ZAHLEN!

Aktuelle Kultur-Tipps, präsentiert von

Nada El-Azar.

62 HOMESTORY MIT

KURDWIN AYUB

Die Regisseurin spricht ganz privat über ihre

Karriere und ihren neuen Film „Sonne“.

65 TRAUMA UND RASSISMUS

Kolumnist Jad Turjman über die Krux mit der

sogenannten „confirmation bias“.

66 TODOR

Kolumnist Todor zweifelt am „World Happiness

Report” der UNO.

6 / MIT SCHARF /

/ MIT SCHARF / 7



AS UNS BEWEGT

Von Miriam Mayrhofer, Esra Gönülcan und Victoria Dyadya

10

TIKTOK-ACCOUNTS,

DENEN IHR

UNBEDINGT FOLGEN

SOLLTET

1.

@dein_sprachcoach

2.

@herranwalt

3.

@hatcetenekenemene

4.

@lisasfahrschule

5.

@emulution

6.

@psychologin_linda

7.

@frau_slobo

8.

@classninjas

9.

@daniel.jung

10.

@pamela_rf

SHIRIN DAVID

DARF DAS!

„Ob ich darf? Ja, ich darf das, Pech! Ob ich‘s

mach‘? Ja, ich mach‘ das echt. Ob ich‘s hab‘?

Ja, ich hab‘ das Recht, immer zu tun und zu

lassen, was ich will.“ Rapperin, Influencerin,

Self-Made Ikone, Empowerment-Aktivistin:

Shirin David darf das alles und mehr. Nachdem

sich ihr Debütalbum „Supersize“ über zehn

Wochen lang in den deutschen Charts gehalten

hat, meldet sich Shirin David mit neuer Video-

Single namens „Ich darf das“ zurück – und wie:

direkt auf Nummer 1! Der Titel steht für Stärke,

Selbstbestimmung, Emanzipation und Empowerment.

Das Musikvideo zeigt die Rapperin

gemeinsam mit anderen Frauen, wie sie tanzen,

ihr Können und ihr Aussehen feiern und sich

gegenseitig mit Farbe beschmieren.

Ja, du darfst das, Shirin.

8 / MIT SCHARF /

ROTE

KARTE

FÜR WEISSE

Oha, sie traut sich was!

Chicagos Bürgermeisterin

Lori Lightfoot gibt an

ihrem zweiten Jahrestag

im Amt nur „Nicht-weißen“

Journalist*innen Interviews.

Lightfoot ist Afroamerikanerin

und möchte mit

dieser Aktion auf die nicht

gegebene Vielfalt unter

Journalist*innen in Chicago

aufmerksam machen.

Besonders schockiert ist

sie über die Situation im

„eigenen Haus“, dem Rathaus.

Hier sind nur wenige

Journalist*innen „of

color“, also afroamerikanisch,

latino-stämmig, mit

asiatischen Wurzeln oder

Nachfahren von Ureinwohnern,

tätig. Im gesamten

Presseteam ist außerdem

nicht eine einzige nichtweiße

Person tätig. „Keine

einzige. Ich finde das inakzeptabel,

und ich hoffe, Sie

sehen das auch so.“

© instagram.com/shirindavid, Charles Rex Arbogast / AP / picturedesk.com, wikimedia commons/ Niels Freidel

MA48

MERO STÜRMT „THE VOICE“

„Es wird Zeit, baller' lo-lo-lo-lo-los“. Um

diese Zeile und ihn kommt man einfach

nicht herum: Enes Meral, aka Mero. Mit

seinem Song „Baller los“ knackte er

schon nach einem Tag Millionen Aufrufe.

Der 20-jährige Deutsche mit türkischen

Wurzeln ist nicht nur dank seiner Rap-

Lieder und Rekorde Gesprächsthema,

sondern auch, weil er sich einen von vier

Jury-Sesseln bei der türkischen Version

von „The Voice“ (auf Türkisch „O Ses

Türkiye“) gesichert hat. Die Feeds auf

Social-Media-Kanälen sind voll mit Show-

Ausschnitten und Zitaten von Mero.

Neben Mero sitzen Pop-Sängerin Hadise,

der türkische Rap-Star Eypio und der

niederländisch-türkische Rapper Murda

in der Jury.

KATE WINSLET SAGT

STOPP ZU PHOTOSHOP!

Mit dieser Aktion verdient sich die Schauspielerin

Kate Winslet Ehrenschwester-

Status: Die Hauptdarstellerin von „Titanic“

(für mehr Info, fragt eure Eltern) lässt sich

von jedem Fotografen schriftlich versichern,

dass ihre Fotos so bleiben, wie sie

sind: Echt, schön, mit Falten, Flecken oder

Dellen, aber Hauptsache ohne jegliche

Retusche oder irgendeinen Bildfilter! Winslet

setzt sich schon seit Jahren dafür ein,

Frauen realistisch abzubilden. Damit will

sie nicht nur ihrer Tochter ein Vorbild sein,

sondern auch jüngere Kolleg*innen dazu

ermutigen, sich dem Perfektionsdruck nicht

zu beugen. „Denn so perfekt sieht niemand

aus - auch kein Hollywood-Star.“

Schnäppchen wie einzigartige Vintage-Möbel, Geschirr,

Kleider, Bücher, Deko-Gegenstände, Sportgeräte und

vieles mehr. Jedes Teil, das verkauft wird, unterläuft

vorab einer Qualitätskontrolle. Erwerben kann man die

coolen Stücke dann oft zu echten Schnäppchenpreisen.

Das Sortiment wechselt ständig. Es

lohnt sich also, öfter vorbeizuschauen. Wo sonst

bekommt man einen Vintage-Polstersessel, den

sonst niemand hat, billig, umweltschonend und

auch noch abfallvermeidend? Oder ein altes

Puch-Fahrrad, das man sich sonst nie leisten

könnte? Oder einen wunderschönen goldenen

Kerzenständer, der eine Vorgeschichte hat? Alle

Erlöse aus dem Verkauf kommen übrigens Wiener

Sozial- und Hilfsprojekten zugute. Also, auf

gehts zur umweltschonenden Shoppingtour,

mit der man auch noch Gutes tut!

48ertandler.at

5., Siebenbrunnenfeldgasse 3

Mi - Sa, 10 - 18 Uhr (außer feiertags)

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VINTAGE-WARE VOM 48ER-TANDLER?

DER ALTWARENMARKT MACHT ES MÖGLICH

So etwas kann es nur in Wien geben. Ein Laden, in dem

besondere Altwaren, die auf Mistplätzen abgegeben

wurden, verkauft werden: Die Rede ist vom 48er-Tandler

in der Siebenbrunnenfeldgasse 3. Ihr findet dort coole

KOMM

VORBEI

!

/ POLITIKA / 9



AS UNS BEWEGT

Wer hilft mir

„Atlas oder Nada“

ŠVABA ORTAK

Neuer Stoff von Švaba Ortak. Der Landstraßen-Jugo,

der mit bürgerlichem Namen

Pavle Kometina heißt, haut am 2. Juli sein

neues Album „Atlas oder Nada“ raus! Darauf

sind 16 Tracks im Wiener Dialekt, in Frankfurter

Hochdeutsch und auf Montenegrinisch

zu hören. Zwei Singles samt Video aus

dem neuen Studioalbum sind bereits veröffentlicht.

Dieses stieg vor zwei Jahren auf

Platz #4 der österreichischen Albumcharts

und war auch im restlichen deutschsprachigen

Raum sehr beliebt!

rund um meine

Ausbildung?

NBA GOES FORTNITE

Fortnite geht mit dem nächsten großen Crossover-

Event an den Start. Diesmal gibt es eine Zusammenarbeit

mit der US-amerikanischen Basketballliga NBA.

Kurz vor den Ende Mai gestarteten Play-offs bekommt

jedes Basketball-Team seinen eigenen Fortnite-Skin.

Der Crossover ist im Item-Shop, Fortnite-Kreativmodus

und in Form von Teamkämpfen, einem neuen Spielmodus,

bei dem alle 30 NBA-Teams vorkommen, vertreten.

Es gab schon ähnliche Events mit der NFL (National

Football League) und auch mit diversen europäischen

Fußballvereinen. Hinter solchen Kollaborationen steckt

vor allem viel Geld, wie könnte es anders sein. Beim

NFL-Crossover machte Fortnite nach Angaben von

forbes.com innerhalb von zwei Monaten einen Umsatz

von über 50 Millionen US-Dollar.

LEAGUE OF LEGENDS: ABRÄUMER

In Reykjavik gewinnt “Royal Never Give Up” das internationale

League-of-Legends-Turnier “Mid-Season Invitational (MSI)”. Im

Finale besiegt das chinesische Team Weltmeister Damwon und

räumt das Preisgeld in Höhe von $75,000 ab. „Endlich konnten wir

die Trophäe und das Turnier gewinnen. Das ist das Ergebnis von

harter Arbeit und Sorgfalt“, sagt RNG-Midlaner Yuan „Cryin“ Cheng-

Wei im Interview nach dem Spiel. Es war eine hart umkämpfte

Serie im Spielmodus „best of five“. Im letzten Spiel kommt es zur

Entscheidung, RNG dominiert deutlich. Nach knapp 27 Minuten

steht das chinesische Team zum zweiten Mal nach 2018 als Gewinner

des MSI fest. Warum dieses Turnier auch für die kommende

Weltmeisterschaft im Herbst relevant ist? Da China und Korea hier

so erfolgreich waren, konnten sie sich für ihre Liga den vierten

Startplatz sichern. Leidtragende sind die Europäer, die einen Startplatz

einbüßten.

© Sony/Epic D, Christoph Soeder / dpa / picturedesk.com, 2021 NBA Properties, Inc.

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AN!

Die biber SUMMER SCHOOL –

Journalismus-Skills mit Aussicht

„Corona“ hat uns gelehrt: Keine Schule ist auch nicht

cool. Und ein Sommer ohne Plan macht das Leben nicht

besser. Acht Wochen können lang sein. We feel you.

Kontaktiere uns

auf Instagram.

DAS PROGRAMM DER BIBER

SUMMER-SCHOOL

Biber schafft Abhilfe: In der multimedialen biber

Summer-School lernst du Journalismus-Skills von

der schärfsten Redaktion des Landes.

In kleinen Klassen erfährst du, wie du deine Storyidee

in einer Redaktionssitzung pitchst, welche

Headline wie viele Klicks bringt und was guten Content

für Social-Media ausmacht. Du wirst recherchieren,

schreiben, bloggen und Videos machen.

In Workshops lernst du das „Mobile-Reporting“ kennen

und erfährst von Profis, wie der österreichische

Tagesjournalismus tickt. Das und vieles mehr.

LEITUNG DER BIBER SUMMER-SCHOOL

Aleksandra Tulej, Nada El-Azar (biber)

Melisa Erkurt (die_Chefredaktion)

Alexandra Stanić (freie Journalistin)

DIE TERMINE DER BIBER SUMMER-

SCHOOL

Die biber Summer-School findet in Blöcken im Juli

2021 statt. Jede Woche startet und endet eine

Klasse. Du hast also drei Terminblöcke zur Auswahl,

wann es eben für dich passt!

TERMINBLÖCKE

ZUR AUSWAHL:

12.–16. Juli 2021

19.–23. Juli 2021

26.-30. Juli 2021

Die Unterrichtszeit

ist von Montag

bis Freitag

jeweils vormittags,

von 10 bis

13 Uhr.

DIE KOSTEN UND VORAUSSETZUNGEN

DER BIBER SUMMER-SCHOOL

Die Summer-School kostet nix! Das Angebot gilt für

SchülerInnen ab einem Alter von 16 bis 19 Jahren.

Du brauchst ansonsten keine Voraussetzungen zu

erfüllen. Hauptsache, du bist engagiert dabei.

DEIN ZERTIFIKAT VON DER BIBER

SUMMER-SCHOOL

Uns ist natürlich klar: Nur zum Spaß stehst du in

den Ferien nicht vor Mittag auf. Daher erhältst du in

der Summer-School nicht nur Journalismus-Skills,

sondern wirst am Ende etwas für deine Bewerbungsmappe

zum Vorzeigen haben: Ob Blog, Video

oder Instagram-Content. Last but not least: Für eine

erfolgreiche Teilnahme gibt es ein Zertifikat.

DIE HYGIENE BEI DER BIBER

SUMMER-SCHOOL

Natürlich achten wir darauf, die TeilnehmerInnenzahl

klein zu halten, damit stets genügend Babyelefanten

zwischen euch Platz haben. Wer keinen

Laptop mitbringen kann, dem stellen wir gerne

einen Computer zur Verfügung.

PARTNER DER BIBER SUMMER-SCHOOL

forum journalismus & medien (fjum)

MEGA Bildungsstiftung

ANMELDUNG FÜR DIE BIBER SUMMER-

SCHOOL

Lust bekommen? Dann JETZT mit Wunschtermin

bei Programmkoordinatorin Hannah Jutz anmelden:

jutz@dasbiber.at

WIR FREUEN UNS AUF DICH!

Einfach QR-Code

mit deiner Smartphone-Kamera

abfotografieren!

© Zoe Opratko



In Ivanas WELT berichtet die biber-Redakteurin

Ivana Cucujkić über ihr daily life.

IVANAS WELT

Foto: Igor Minić

MEINUNG

WIR KINDER VOM „SIDBAHNHOF“

Sie sind unsere Helden der Pandemie. Denkmäler bekommen andere.

Sie war neunzehn, hochschwanger und wollte nicht

mehr alleine mit den Schwiegereltern abhängen, als

sie im Spätsommer `83 den Bus in der vlahischen

Provinz Serbiens bestieg. Fünfzehn Stunden später

stieg meine Mutter mit einem Koffer voller Hoffnung

am Wiener Südbahnhof aus. So begann unser Leben

in Österreich. So begannen unzählige Biografien von

GastarbeiterInnen, die in den letzten fünfzig Jahren

hierher kamen, um maßgeblich an der Gestaltung des

Landes mitzuwirken. Die Helden vom „Sidbahnhof“.

Dafür sollten sie heuer mit einem Denkmal auf dem

heutigen Hauptbahnhof geehrt werden. Die Pandemie

verschob den Termin auf irgendwann, brachte aber

neue HeldInnen hervor. Die Kinder dieser GastarbeiterInnen

haben in der Corona-Krise Österreich die Stange

gehalten mit ihren Berufen als BusfahrerIn, Reinigungskraft

oder SupermarktkassiererIn.

DAS A IM WORT „REGIERUNG“ STEHT FÜR

ANSTAND

Das offizielle Österreich bekommt aber einen chronischen

Krampf im Rückgrat, wenn es positiv über

Migration und zugewanderte Menschen reflektieren

oder ihnen applaudieren soll. Also – geklatscht wurde

schon. Letztes Jahr. Jeden Tag um 18 Uhr. Bravo

an unsere SystemerhalterInnen, die uns in die Arbeit

fahren, das Büro reinigen, das Gurkerl in die Wurstsemmel

schieben, uns die Amazon-Pakete bringen,

den Schnee vor unserer Haustüre wegpflügen. Österreichs

Heldinnen und Helden: Bravo, Boris, Danijela,

Vesna, Dusan, Ayla, Yusuf, Emir. Fleißige Tschuschen,

gute Tschuschen. Warad halt nice gewesen, diesen

Heroes, die das Land auf den Beinen hielten, während

cucujkic@dasbiber.at

die anderen Bananenbrot auf Instagram backten, auch

Gesicht und Namen zu geben.

„LIEBE ÖSTERREICHERINNEN, LIEBE

ÖSTERREICHER!“

In der von der Bundesregierung gestützten Infokampagne

„Schau auf mich, schau auf Dich“ zum Beispiel.

Wo waren sie da, die Vesnas und die Yusufs? Achjaaa,

die sind ja runtergefahren in die Heimatländer und haben

nebst Omas, Gartengemüse und Selbstgebranntem

das Virus wieder nach Österreich geschleppt.

Pfui, Vesna! Pfui Dusan! Pfui, ihr „alle Menschen, die

hier leben“, wie es oft in den Pressekonferenzen der

Bundesregierung im Appell zum Zusammenhalt hieß:

„Liebe Österreicherinnen und Österreicher und alle

Menschen, die hier leben…“. Viele schrien „Och, wie

toll!“ Dass da auch alle anderen angesprochen und ins

Solidaritätsboot genommen werden. Ganz super. Ach,

echt? Das ganze Land soll brüderlich zusammenhalten,

no matter what, weil schlimmste Krise ever, und

dann divergiert man die Bootsinsassen entlang des

Reisepasses nach StaatsbürgerInnen und eben all den

anderen, obwohl schlimmste Krise ever?!

IRGENDWANN ZERBRICHT DIE LIEBE

Sitzt der Krampf echt so tief? Würde es wirklich so

viele WählerInnenstimmen bei der einschlägigen Klientel

kosten, wenn ein kleiner Adnan den Babyelefanten

erklärt hätte? Sein Opa wäre bestimmt stolz

gewesen. Aber der wird ja auch um seine Anerkennung

gebracht.

Nein, die bauen uns kein Denkmal. Und jeder Vollidiot

weiß, dass das die Liebe versaut. ●

© Zoe Opratko

WARUM MÜSSEN MÄDCHEN

WÄHREND DER PANDEMIE

MEHR LEISTEN?

Durch Corona hat sich die Hausarbeit von Frauen und

ebenso Mädchen verstärkt. Ich bin eines dieser Mädchen,

die mehr im Haushalt helfen müssen als ihre Brüder. Ich

gehe in die 3.Klasse NMS. Durch die Pandemie sind wir

öfters nur zuhause, mit der ganzen Familie. Dadurch wird

mehr Geschirr und Schmutz verursacht. Die meisten

Frauen/Mädchen sind dafür verantwortlich, das Haus wieder

sauber zu bekommen – und das nicht nur am Balkan.

Das einzige Mädchen in der Familie zu sein bedeutet für

mich mehr Last. Ich kann die Zeit für das Homeschooling

nicht einhalten, weil ich währenddessen die ganze Zeit

für meine Familie erreichbar bin. In der Schule wäre das

anders. Meine Mutter stürmt in das Zimmer, in dem ich

gerade lerne, während mein älterer Bruder schläft. „Komm

und pass auf deinen kleinen Bruder auf oder räume auf.“,

befiehlt sie mir. Und das obwohl ich noch HÜs habe und

mein älterer Bruder neben mir laut schnarcht!

Meine Mutter ist wütend, weil ich anwesend bin und ihr

trotzdem nicht bei der Hausarbeit helfen kann. Während

des letzten Lockdowns musste ich auf meinen einjährigen

Bruder aufpassen, da meine Mutter zu einem wichtigen

Termin gehen musste. Der Kleine ist dann auf meiner

Schulter eingeschlafen. Bestimmt war er auch so gelangweilt

wie ich. Wäre ich da in der Schule gewesen, hätte

sie ihn nicht zu mir bringen können und ihren Termin

verschieben müssen. Ich habe noch einen Bruder, er ist

17 Jahre alt. Ja, das ist die Schnarchnase von weiter oben

im Text. Obwohl er älter ist als ich, verlangt keiner aus

meiner Familie, dass er beim Haushalt mithilft. Ich habe

meine Mutter gefragt warum das so sei. Sie meinte, dass

Frauen den Haushalt führen müssen und dass es nichts für

Männer sei. Ein anderes Mal hat sie mich gefragt, ob ich zu

faul bin, das alleine zu machen.

Pfff … wie kommt sie darauf, dass ich faul bin, obwohl ich

gerade Geschirr abwasche und mein Bruder auf seiner PS

zockt. So eine Frechheit.

Ionela Manole ist 14 Jahre alt und geht in die NMS Pfeilgasse.

WIESO WIR SCHULE NEU

DENKEN MÜSSEN

Ich habe die letzten zwölf Jahre meines Lebens in der

Schule verbracht und habe gerade meine Matura gemacht.

In dieser ganzen Zeit war ich wie viele andere Schüler*innen

Beobachter. Ich habe beobachtet, wie unser Schul- und Bildungssystem

funktioniert und in meinem Alltag mitbekommen,

wo seine Schwächen liegen. Nach zwölf Jahren kann

ich leider sagen, dass es ziemlich viele sind.

Nur in Ausnahmefällen sind diese jedoch auf die einzelnen

Lehrer*innen zurückzuführen.

Viel mehr liegt es am System und daran, was wir lernen,

aber auch daran, wie wir lernen. Nicht selten sind wir mit

Fragezeichen in der Klasse gesessen, ohne zu wissen, wieso

der vorgetragene Stoff jetzt nochmal genau wichtig für uns

sein soll. Auf der anderen Seite haben wir uns oft gewundert,

wieso unsere Schulbücher die Themen, die uns selbst

am meisten beschäftigt haben, auslassen. Diskussionen zu

Sexismus, Rassismus oder der neusten Innenpolitik fanden

deswegen in den Pausen statt. Wenn es dann doch anders

war, lag es am Engagement einzelner Lehrer*innen, die

aktuelle Themen aufgearbeitet haben um sie mit uns im

Unterricht zu besprechen. Leider lässt der sehr enge Lehrplan

dafür aber oft keinen Platz.

Noch weniger Platz wird jedoch für die individuellen

Bedürfnisse einzelner Schüler*innen gelassen. Und auch

hier liegt es wieder nicht an der fehlenden Bereitschaft der

Lehrer*innen, sondern an der Art und Weise, wie Schule

konzipiert ist. Alle sollen einen gewissen Standard in jedem

Fach erreichen und das am besten noch ohne dabei mehr

Unterstützung, die über den bloßen Unterricht hinausgeht,

zu verlangen. Das führt dazu, dass ein großer Teil meiner

Mitschüler*innen privat Nachhilfe in Anspruch genommen

hat oder Unterstützung von zu Hause benötigte.

Es ist deshalb notwendig, das Konzept Schule neu zu

denken. In dieser Debatte braucht es vor allem viele verschiedene

Schüler*innen am Tisch, die über ihre Wünsche

und Ideen, aber auch Probleme und Hürden, die ihnen im

Schulalltag begegnen, reden.

Lorenz Füsselberger ist 18 alt und besucht die GRG15 auf der Schmelz

14 / MIT SCHARF /

/ MIT SCHARF / 15



„ER SCHLÄGT DICH.

DAS BEDEUTET,

ER LIEBT DICH.“

„Du hast ihn provoziert.“ - “Er wird

seine Gründe gehabt haben.“ - „Bleib

bei ihm, den Kindern zuliebe.“

Schluss damit! Gewalt an Frauen ist

nie gerechtfertigt. Es gibt keine Ausreden,

egal ob du aus Yozgat, Kiew

oder dem Waldviertel kommst.

Von Nada El-Azar, Esra Gönülcan, Miriam Mayrhofer und Victoria Dyadya

Fotos: Zoe Opratko und Susanne Einzenberger

© Zoe Opratko

Das Foto wurde für die Story nachgestellt

16 / MIT / POLITIKA SCHARF / /

/ POLITIKA / 17



Land der Berge, Land der Femizide?

Der Ex-Partner einer

Wiener Trafikantin übergießt

sie mit Benzin und zündet sie

an. Sie stirbt. Der Mann einer Salzburgerin

schießt auf sie, weil sie sich von ihm

trennen will. Sie stirbt. Der sogenannte

„Bierwirt“ schießt auf seine Ex-Partnerin.

Sie stirbt. Die Femizide in unserem Land

scheinen nicht zu enden. Wir stehen

2021 bei elf Frauenmorden (Stand: Ende

Mai), das macht uns übrigens zu traurigen

Spitzenreitern im EU-Vergleich.

Bitte einmal wirken lassen: In keinem

anderen Land der Europäischen Union

werden so viele Frauen von Männern

ermordet.

Während die Politik lange genug weggeschaut

hat, legen wir den Finger in die

Wunde. Traditionell geleugnete Gewalt

im ländlichen Raum, Ehrenvorstellungen

in der arabischen Community oder die

Täter-Opfer-Umkehr unter ukrainischen

Männern sind einige der Aspekte, die

von unseren vier RedakteurInnen auf

den Tisch gelegt werden. Das zeigt:

Gewalt an Frauen ist Allgegenwärtig. Sie

hat keine Herkunft, aber ein Geschlecht.

DU BIST VON PSYCHISCHER ODER

PHYSISCHER GEWALT BETROFFEN?

HIER FINDEST DU HILFE:

Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800/222 555

24-Stunden Frauennotruf: 01/71 71 9

Netzwerk Frauenberatung: 01/5953760

Opfer-Notruf: 0800 112 112

Die G‘sunde Watschn

Von Miriam Mayrhofer

Früher haben’s sich da nicht so angestellt, heute sind’s

alle so zimperlich.“ „Ohne ihn lebst auf der Straße.“

„Jetzt sei ned so undankbar, was leistest du schon?“

„Was die Leute von dir denken werden.“

Willkommen im Landleben, wo jede*r jede*n kennt und

Freund oder Familie nennt. Das ist schön, wenn man Zusammenhalt

und Gemeinschaft erlebt. Viel weniger schön ist es,

wenn man Probleme hat, finanzielle Schwierigkeiten, ein Alkoholproblem

oder eben einen rabiaten Mann.

Rabiat ist die Verharmlosung für wild, aggressiv, gewalttätig.

Dann steht Frau am Land nämlich plötzlich allein da und

obwohl es viele wissen und zum Dorfklatsch machen, hilft man

ihr nicht. Warum nicht? Na, weil man sich doch nicht in die

privaten Angelegenheiten anderer Leute einmischt. Das gehört

© Susanne Einzenberger

© Susanne Einzenberger

sich nicht. Aber gehört es sich, dass ein Mann seiner Frau eine

g’sunde Watschn gibt? Gehört es sich, dass man sie unter

Druck setzt bei ihm zu bleiben, obwohl er sie schlecht behandelt,

niedermacht, „wertlos“ macht? Die Rolle der Frau am Land

ist konservativ geprägt und verlangt neben Ehefrauen- und

Mamadasein oft auch, dass sie sich nicht zu viel beschwert und

traditionsbewusst ist.

Gewalt an Frauen ist auch am Land ein strukturelles

Problem und eine traurige Tradition. Frau schämt sich, Hilfe

bei öffentlichen Stellen zu suchen, wo sie doch jede*n kennt

und jede*r sie. Es wird verharmlost, dass viele Männer gern

einen „über den Durst trinken“, sich betrinken, und dann halt

„Er liebt mich.

Er wird sich ändern.“

Von Esra Gönulcan

Er liebt mich. Er wird sich ändern.“ Mit diesem Satz

kehrte sogar meine 20 Jahre junge Freundin Gewalt

unter den Teppich.

Das ist in meiner kurdisch-türkischen Community keine

Seltenheit. Diese leeren Argumente werden tatsächlich

gebracht, um Gewalt gegenüber Frauen zu normalisieren. Dir

wird vorgeschrieben, dass du einfach den Mund halten musst,

wenn es um Gewalt in der Familie geht. Manche definieren das

als Respekt und Anstand, wenn du gegenüber Frauengewalt

nicht aufschreist.

Stempelt mich als respektlos und anstandslos ab, aber ich

halte bei diesem Thema ganz bestimmt nicht meinen Mund.

Denn ich sehe den Ursprung von diesem Problem genau in

diesen kulturellen Gewohnheiten. Ich habe einen gesunden

Menschenverstand und Gerechtigkeitssinn. Gewalt darf nicht

heruntergespielt werden. Wir dürfen Frauen nicht den Mund

zubinden und Frauenschlägern den Rücken stärken. Kein

Mensch darf einem anderen Mensch Schaden oder Leid zufügen.

Diese Grundwerte müssen endlich alle begreifen.

Liebe Männer! Wenn ihr dieses menschliche Grundwissen

in eurer familiären Erziehung nicht erworben habt, dann erzieht

euch doch selber. Stellt in Frage, warum manche unter euch

den Drang haben, ihre Männlichkeit und Stärke mit Gewalt

zu beweisen. Seit wann gilt man als unmännlich, wenn man

Frauen respektvoll gegenübersteht?

Esra Gönülcan ist 20 Jahre alt, Wienerin und

hat kurdisch-türkischen Background. Sie hat die

Rechtfertigungen à la „Schweige, wenn er dich schlägt.

Das zeug von Anstand“ innerhalb ihrer Community

satt.

ein „bisserl rabiat“ mit ihrer Frau umgehen. Klar sieht man das

beim Dorffest, hört man es, wenn beim Nachbarn herumgeschrien

wird. Aber man ist froh, dass man es selbst nicht fühlt,

nicht fühlen muss. Keinen Schlag und kein verletzendes Wort,

weil auch das Gewalt ist. Was die Leute am Land zu Gewalt an

Frauen denken? „Jo, mei, was soll ma duan?“

Miram Mayrhofer ist 24 Jahre alt und ist in einem

kleinen Dorf in Oberösterreich aufgewachsen. Dort

wird Gewalt an Frauen schon seit Generationen mit

einem „Stell dich doch nicht so an“ abgewunken und

verharmlost.

18 / POLITIKA /

/ POLITIKA / 19



Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung

ihren Schultern lastet. Jedoch sind Selbstbestimmung über

den eigenen Körper, wie der Zugang zu Verhütungsmitteln

und die freie Entscheidung über ihre Karriere und ihre Partner

wichtig, das Selbstbewusstsein von Mädchen zu stärken

– auch in ihren späteren Beziehungen. Gewalt wird über den

Schutz der „Familienehre“ gerechtfertigt und wird leider erst

dann verurteilt, wenn sie in ihrer extremsten Form enden: dem

Ehrenmord. Diese Vorstellungen schaden nicht nur den Frauen,

sondern auch den Männern, denen eingetrichtert wird, dass sie

gefälligst ihren Schwestern und Frauen „ihre Grenzen zeigen“

sollen. Es ist Zeit, diese Vorstellungen zu durchbrechen und

laut zu sein!

Nada El-Azar ist 25 Jahre alt und hat arabische

Wurzeln. Sie hat es satt, dass es erst dann einen

Aufschrei gibt, wenn es zu einem „Ehrenmord“ kommt.

Die Vorstellung von einer „Familienehre“ muss endlich

ein Ende haben.

„Er schlägt dich. Das

bedeutet, er liebt dich“

Von Victoria Dyadya

In meiner Heimat, der Ukraine, bekommen Frauen oft den

Spruch „Er schlägt dich – das bedeutet, er liebt dich. Das

heißt, dass du ihm nicht egal bist.“ zu hören. In postsowjetischen

Ländern ist diese Mentalität noch tief verankert.

Dort gilt das Credo, dass familiäre Streitigkeiten nicht nach

außen gelangen sollten. Ganz nach dem Motto: „Man wäscht

Schmutzwäsche nicht in der Öffentlichkeit.“ Zur Polizei zu

gehen, wenn dein Mann dich geschlagen hat, ist verpönt.

Deshalb schweigen die Frauen. In den post-sowjetischen

Ländern sind die Rollen von Mann und Frau immer noch stark

vorgegeben. Während der Mann arbeitet und das Geld nach

Hause bringt, kümmert sich die Frau um die Kinder. Wenn sie

mit dem Verhalten des Mannes nicht zufrieden ist oder wenn

eine lebensbedrohende Situation entsteht, hat sie oft keinen

Ausweg. Sie würde auf der Straße landen und den Kontakt zu

ihrer Familie verlieren, ganz nach dem Spruch „Was würden

die anderen sagen?“ Es ist schwierig für die Opfer, ihre

Ehemänner anzuzeigen, weil sie die Ernährer der Familie nicht

verlieren wollen. Manchmal nimmt die Polizei keine Anzeige

an. Das bedeutet: Der Streit ist irgendwann vorbei, die Familie

wird aber „umsonst“ zerstört. Die Polizei unternimmt nur dann

etwas, wenn es bereits Tote gibt. Mittlerweile ist die emotionale

und physische Gewalt gegenüber Frauen in der Ukraine zu

einer sozialen Norm geworden. Ich habe auch schon mitbekommen,

dass Männer darüber scherzen, dass sie selbst die

Opfer seien, wenn die Frauen sie mit „ihren kurzen Röcken

provozieren würden“. Die Männer haben Angst vor starken

Frauen, die ihnen die Position des Hauptverdieners der Familie

streitig machen würden. Dabei vergessen diese Männer, die

sich oft als „echter Mann“ bezeichnen, was es wirklich bedeutet,

ein „echter Mann“ zu sein: Einfach respektvoll mit Frauen

umzugehen.

Victoria Dyadya ist 27 Jahre alt und ist in der Ukraine

aufgewachsen. In post-sowjetischen Staaten gibt es

oft noch ein veraltetes Verständnis von Rollenbildern,

die oftmals zu Gewalt innerhalb der Familie führen. Zu

Lasten der Frau, natürlich.

bmbwf.gv.at

Nicht im Namen der

Familienehre!

Von Nada El-Azar

Er hat sie ja nicht umsonst geschlagen.“ „Sicherlich hat sie

ihn provoziert.“ „Er bringt ihr halt ein bisschen Ehre bei.“

Solche Aussagen gehören leider zur Realität vieler junger

Frauen, die aus konservativen Familien kommen. Jedoch beginnt

Gewalt nicht erst dann, wenn „die Hand ausrutscht“. Finanzielle

Abhängigkeit vom (zukünftigen) Ehemann, Kleidervorschriften,

ständige Kontrolle darüber, wie man sich als Frau in der Öffentlichkeit

zu bewegen hat und Überwachung der Sexualität – das

sind alles Formen von versteckter Gewalt, die nicht zu unterschätzen

sind. Diese Fremdbestimmung wird auch durch wichtige

weibliche Bezugspersonen wie ihre Mütter ausgeübt, die es leider

häufig selbst nicht anders kennen. Viele Mädchen hinterfragen

gar nicht, warum sie anders erzogen werden als ihre Brüder und

finden sich mit der Vorstellung der „Familienehre“ ab, die auf

© Susanne Einzenberger

Mit dem Corona-

Testpass zum

Freizeitvergnügen!

Der Corona-Testpass gilt für alle Schülerinnen und Schüler als Nachweis ihres negativen Testergebnisses

im Rahmen der Antigen-Selbsttestungen in der Schule. Er dient zur Vorlage im Restaurant,

Schwimmbad oder beim Frisör beziehungsweise an allen Orten, an denen von Personen

ab einem Alter von 10 Jahren die Vorlage eines negativen Testergebnisses verlangt wird.

www.bmbwf.gv.at/coronatestpass

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

Zur Glaubhaftmachung gemäß § 20 der COVID-19-Öffnungsverordnung, BGBl Nr. II/214, ist das Mitführen eines Schülerausweises,

eines Freifahrtscheins, eines Personalausweises o.ä. sinnvoll.

20 / POLITIKA /



Frau Gewessler,

wie oft wurden Sie

von einem Mann

geschlagen?

Wie viele

Tassen

schwarzen Tee

trinken Sie

täglich?

Wie oft am Tag

checken Sie

ihren Twitteraccount?

Wie viele aktuelle

Regierungsmitglieder

sollten

nach jetzigem

Stand Ihrer

Meinung nach

zurücktreten?

Wie viele

Male haben

Sie darüber

nachgedacht,

ob diese

Koalition noch

Sinn macht?

Auf einer Skala

von 0–100,

wie viele Meter

rechts von der

Mitte steht

Sebastian

Kurz?

Auf einer Skala

von 0–100,

wie viele Meter

links von der

Mitte steht

Werner Kogler?

Wie viele Menschen

in Ihrem

direkten Umfeld

sind seit ihrer

Amtszeit zu

Grünen-Wählern

geworden?

Wie oft haben

Sie kaufhaus.at

besucht?

Interview in Zahlen:

In der Politik wird genug geredet.

Biber fragt in Worten, Umwelt- und

Klimaschutzministerin Leonore

Gewessler antwortet mit einer Zahl.

10

15

0

3

35

35

15

0

Von Miriam Mayrhofer, Amar Rajković

Fotos: Zoe Opratko

2 Mal in ihrem Leben wurde die gebürtige Grazerin von

Männern körperlich bedroht.

4 Mal marschierte die Umwelt- und Klimaschutzministerin mit

den AktivistInnen von „Fridays For Future“.

0 Mal besuchte Gewessler das missglückte Projekt des

türkisen Koalitionspartners kaufhaus.at.

3 Mal hat die gelernte Politikwissenschaftlerin den Sinn der

Koalition hinterfragt.

Wie viele

Hasskommentare

haben

Sie gestern

erhalten?

In welchem

Jahr wird es

spätestens

eine Grüne

Kanzlerin in

Österreich

geben?

Was ist die

Kilometergrenze,

unter

der es keinen

Flugverkehr

geben sollte?

Wie viele

Monate dauert

es noch bis zur

Einführung des

1,2,3-Tickets?

Bis zu welchem

Jahr wird in

Österreich

das letzte

Benzinauto

von der Straße

verschwinden?

Bei wie vielen

Fridays-For-

Future Demos

waren sie

anwesend?

Wie viele

Müllsäcke

werden bei

Ihnen in einer

Woche voll?

Wie oft

wurden Sie in

ihrem Leben

schon von

einem Mann

geschlagen?

Wie oft wurden

Sie in Ihrem

Leben schon

von einem

Mann bedroht?

Wie viele

Frauen kennen

Sie, die Opfer

männlicher

Gewalt

geworden sind?

20

2028

400

5

2040

4

1

0

2

1

22 / POLITIKA /

/ POLITIKA / 23



WIR

REGELN DAS

UNTER UNS“

Der Konflikt zwischen Afghanen und Tschetschenen in Wien

droht erneut zu eskalieren. Magomed und Navid sind ehemalige

Rivalen, die einst eng in den ewigen „Straßenkampf“ verwickelt

waren. Heute zeigen sie sich geläutert aber warnen:

In beiden Communities brodelt es wieder.

Von Aleksandra Tulej, Illustrationen: Calimaat

Auf einmal kam eine Horde Afghanen mit Messern

und Eisenstangen auf uns zu gerannt. Fünf von

uns wurden niedergestochen, zwei sind auf der

Intensivstation gelandet. Wir waren zehn Leute

und hatten nicht einmal einen Nagelzwicker dabei“, erzählt der

22-jährige Tschetschene Magomed* emotionslos.

„Ja weil ihr vorher mehr wart, darum haben unsere Leute

Verstärkung geholt“, entgegnet der 24-jährige Afghane

Navid*. „Außerdem, ihr beginnt mit fünf Jahren, Kampfsport zu

machen. Deshalb ist es klar, dass ihr uns oft körperlich überlegen

seid“, zuckt er mit den Schultern. „Wir mussten uns halt

anders helfen, deshalb haben wir damals zu Waffen gegriffen.

Kampf ist Kampf. Wenn ich eine Faust in die Fresse bekomme,

verliere ich ja auch meine Zähne. Dann ist auch schon egal, ob

man mit einem Messer zurücksticht.“

„STRASSENKAMPF DER

JUGENDBANDEN“

Österreichische Boulevardmedien titeln seit Jahren Schlagzeilen

wie „Bandenkrieg“, „bewaffnete Schlägerei am Praterstern“,

„Straßenkampf der Jugendbanden“ – darin in den

meisten Fällen verwickelt: Afghanen und Tschetschenen. Der

Konflikt zwischen den beiden Volksgruppen ist gefundenes

Fressen für Rechtsgesinnte und Boulevard, auch innerhalb

der Communities wächst der Zorn. Die beiden Volksgruppen

stehen unter Generalverdacht. In Österreich leben derzeit

immerhin 43.000 Menschen mit afghanischer Staatsbürgerschaft

und rund 40.000 Menschen tschetschenischer Herkunft.

Die Kriminellen wie so oft die lautesten. In den Konflikt sind

genauso Jugendliche albanischer, somalischer, österreichischer,

rumänischer oder polnischer Herkunft involviert – den

Ton geben aber die Afghanen und Tschetschenen an.

Mediale Aufmerksamkeit erlangte 2015 die tschetschenische

Goldenberg-Bande, deren Kern damals zerschlagen

wurde, und die Massenschlägerei im März 2016 am Handelskai,

bei der es mehrere Schwerverletzte gab. Die Vorfälle liegen

also einige Jahre zurück. Wie auch die ORF-Reportage „Kampf

im Park“, die den Konflikt beleuchtet und 2016 gesendet

wurde. Einfache Antworten, die die österreichische Justiz

und vor allem der Boulevard gerne hätten, gibt es hier nicht.

Der jüngste Vorfall Mitte März in Wien Floridsdorf, bei dem

eine Schlägerei zwischen Afghanen und Tschetschenen einen

WEGA-Großeinsatz forderte, zeigt: Auf Wiens Straßen lebt der

Konflikt weiter.

Das bestätigt auch Sozialarbeiter Fabian Reicher von

der Beratungsstelle Extremismus: „Coronabedingt steigt die

Perspektivlosigkeit unter den jungen Menschen. Besonders

diejenigen, die zuhause in kleinen Wohnungen sitzen brauchen

den öffentlichen Raum – und werden dort von der Polizei

vertrieben. Viele sind wütend und frustriert, anderen ist einfach

richtig fad und da sind Anlässe, bei denen es Action gibt,

natürlich spannend. Mich wundert es ehrlich gesagt, dass es

nicht zu mehr Vorfällen wie jenem zu Silvester in Favoriten

gekommen ist.“

„VIELE GLAUBEN, DASS

DIESER KONFLIKT ETWAS

MIT RELIGION, DROGEN,

ODER MÄDCHEN ZU TUN HAT

– DAS STIMMT ALLES NICHT“

Magomed und Navid kennen sich „von früher.“ Vor genau fünf

Jahren waren die beiden in der bisher größten Messerstecherei

am Wiener Handelskai, bei der rund 40 Jugendliche aufeinander

losgegangen sind, beteiligt. Sie waren damals eng in

den tschetschenisch-afghanischen Konflikt auf Wiens Straßen

verwickelt.

Heute sitzen sich die einstigen Feinde gegenüber und

beteuern: „Uns unterscheidet heute nichts mehr. Wir sind

beide Muslime. Wir haben dieselbe Vergangenheit und wissen

jetzt, dass das alles einfach nur kompletter Blödsinn gewesen

ist.“

Aufgrund ihrer Vorgeschichte sind die beiden vorsichtig.

Beide sind keine unbeschriebenen Blätter. Sie wollen nicht

erkannt werden deshalb muss ihre Identität für die Geschichte

unkenntlich gemacht werden.

Magomed ist der Selbstbewusste der beiden: Er spricht

offen und klar, achtet aber auf jedes Wort, das aus seinem

Mund kommt. Navid ist vorerst zögerlich, blickt mir nicht in die

Augen. Er möchte nicht, dass ich ihn beim Interview aufnehme

– er könne ja nicht wissen, ob ich ihn nicht bei der Polizei

„verrate.“ Aufgrund seiner Vergangenheit fällt es ihm schwer,

Fremden zu vertrauen. Trotzdem sagen sie nach einigen klärenden

Gesprächen mit ihrem Sozialarbeiter unserem Treffen

zu.

24 / POLITIKA /

/ POLITIKA / 25



Dass sich die beiden locker miteinander unterhalten, sich

gegenseitig „Bruder“ nennen, und über ihre – paradoxerweise

gemeinsame - Vergangenheit sprechen, wäre vor einigen

Jahren noch undenkbar gewesen. Damals waren sie Rivalen

– nicht, weil sie persönlich was gegeneinander hatten, sondern

weil sie den verfeindeten Gruppen angehörten. Ob die Afghanen

oder die Tschetschenen „begonnen haben“? Das wissen

die beiden nicht, und es hat auch nie eine Rolle gespielt. Klar

ist, dass die Landesgeschichte beider Volksgruppen durch

Kriege geprägt ist. Kriege, vor denen sie nach Österreich

geflohen sind und nun meinen, ihren eigenen vermeintlichen

„Krieg“, wie er oft betitelt wird, auf Wiens Straßen austragen

zu müssen. „Das ist ja immer dasselbe Kräftemessen zwischen

den Afghanen und den Tschetschenen: Wer hat mehr Krieg

gesehen, wer ist stärker, wer ist ein Feigling? Und wir haben

uns als Jugendliche einfach verarschen lassen und sind da

reingeraten“, resümiert Magomed. „Man will sich behaupten

und sich nicht unterkriegen lassen. Da geht es nur um eines:

Wer ist stärker“, pflichtet ihm Navid bei.

„KLOPF NICHT AN

DIE GEFÄNGNISTÜR –

IRGENDWANN MACHEN

SIE DIR AUF.“

„Es handelt sich hier oft um junge Männer, die hier in Österreich

sozial marginalisiert und entwurzelt sind. Ihre Familiengeschichte

ist geprägt durch Krieg und Zerstörung. Und

Jugendliche gehen viel exzessiver damit um. Wenn die Gesellschaft

sie nicht annimmt, holen sie sich ihr Selbstwertgefühl

eben woanders“, so Soziologe Kenan Güngör. Jene, die dafür

empfänglich sind, würden sich laut Güngör bei jedem noch so

kleinen Knistern in ihrem Stolz verletzt fühlen und dann ginge

es darum, ihre Männlichkeit und Kampfbereitschaft zu beweisen.

„Dazu kommt noch der räumliche Konflikt: Diese Jugendlichen

hängen oft an denselben Orten ab, in Jugendzentren

oder in Parks. Es handelt sich auch um Revierstreitigkeiten,

darum, das eigene Revier zu markieren.“ Güngör merkt an,

dass die Gewaltkurve bei jungen Männern im Alter von 14-23

am höchsten sei, danach flache sie aber wieder ab. „Insgesamt

geht die Gewalt in Österreich zurück. Es fällt uns hier nur

so stark auf, da in unserer Gesellschaft Gewalt stark geächtet

wird.“ Dazu kommt laut Güngör noch die Tatsache, dass viele

Afghanen hier ohne ihre Familien nach Österreich kommen –

und hier durch ihre Peer-Gruppe in diese Konflikte gezogen

werden. Bei tschetschenischen Jugendlichen seien die Eltern

oft besorgt, aber auch machtlos.

„Die Tschetschenen waren zuerst da. Die sind aber mit

ihren Familien hier. Die können noch jemanden enttäuschen.

Wir Afghanen kommen oft alleine, ohne Eltern. Ich musste

schauen, wie ich zu Geld komme.“ Navid selbst ist mit als Kind

alleine aus Afghanistan zu Fuß nach Österreich gekommen

und ist hier schnell in falsche Kreise geraten. „Ich war aber

auch kein unbeschriebenes Blatt, bevor ich in diese Afghanen-

Tschetschenen-Sache reingeraten bin“, gibt Magomed zu, der

schon Jahre zuvor mit seiner Familie aus dem Tschetschenienkrieg

nach Österreich gekommen war. „Mein Vater hat mir

damals gesagt: Klopf nicht an die Gefängnistür – irgendwann

machen sie dir auf.“ Und genau das ist passiert – Magomed

landete für mehrere Monate im Jugendarrest. Schlägereien

und Anzeigen wegen Körperverletzung standen in seiner

Jugendzeit an der Tagesordnung.

„UNS WAR KLAR, DASS ES EIN

NACHSPIEL GEBEN WIRD.“

So auch beim Eklat 2016. Auslöser der Massenschlägerei

war ein Streit zwischen einem Araber und einem Afghanen.

Es kam zu einem verbalen Austausch, in dem sie gegenseitig

ihre Mütter beschimpft hatten. Daraufhin wollten die beiden

Jugendlichen Kräfte messen und haben sich zu einem Einsgegen-eins

in einem Park in Brigittenau verabredet. Zu dem

Zeitpunkt waren die Tschetschenen in der Überzahl, insgesamt

waren ungefähr 30 tschetschenische und zehn afghanische

Jugendliche vor Ort, die anfangs zugeschaut hatten. Der

Afghane gewann den Kampf. Das wiederum hat einem tschetschenischen

Freund des Unterlegenen nicht gefallen und ging

daraufhin auf einen anderen Afghanen los, brach ihm die Nase

und dann begann das Chaos. Über Whatsapp und Mundpropaganda

verbreitete sich schnell die Nachricht von der Massenschlägerei.

Immer mehr Jugendliche kamen hinzu. Der Kampf

ging in die zweite Runde.

Navid war gerade in der Millennium City, als er erfuhr, was

gerade los war. „Da gab es viel hin und her, irgendwann standen

dann ur viele Leute da.“

Und dann eskalierte der Konflikt komplett: Es flogen Fäuste,

Messer, Eisenstangen. „Einer von uns hat einen Messerstich

in die Lunge bekommen, und bei dem anderen wurde das

Herz knapp verfehlt. Die Afghanen sind abgehauen, bevor die

Polizei gekommen ist.“ Magomed und seine Freunde haben die

Schwerverletzten in ein nahegelegenes Jugendzentrum getragen.

Es gab keinen Gewinner und keinen Verlierer, die Anzahl

der Beteiligten auf beiden Seiten änderte sich laufend. Es

wurde schwer, die Übersicht zu bewahren. Auch für die Polizei.

„Uns war aber klar, dass es ein Nachspiel geben wird“, erklärt

Magomed. „Wir wollten das aber unter uns regeln.“

EIN „UNBETEILIGT“ GAB

ES AB DA NICHT MEHR

Vor allem deshalb, weil die Täter nur milde Bewährungsstrafen

erhalten hatten, und das, obwohl fast Menschen gestorben

sind, die an dem ursprünglichen Konflikt gar nicht beteiligt

waren.

Ein „unbeteiligt“ gab es ab dem Vorfall am Handelskai dann

aber nicht mehr: Du stehst entweder auf der einen oder auf

der anderen Seite. Die Gruppen stachelten sich immer weiter

an: „Meine Freunde und ich haben unsere Probleme früher

mit Fäusten geregelt. Das war unser Ehrenkodex damals.

Irgendwann habe ich mich in Wien durch diese ganze Szene,

in der ich war, aber nicht mehr sicher gefühlt und habe

mir eine Pistole besorgt, die ich immer dabei hatte, wenn ich

rausgegangen bin“, gibt Magomed zu. „Das war aus heutiger

Sicht komplett behindert, ich wäre für mein halbes Leben ins

Gefängnis gewandert, wenn man mich damit erwischt hätte“,

schüttelt er den Kopf. Eingesetzt hat er die Waffe nie. Er hat die

Kurve gekratzt, genau wie Navid.

Der Konflikt eskalierte komplett:

Es flogen Fäuste, Messer, Eisenstangen.

Bei beiden war ihre Religion, der Islam, ein Faktor, der sie

von ihren Fehlern weggebracht hat. „Gewiss, das Gebet hält

davon ab, das Schändliche und das Verwerfliche zu tun. Diese

Sure (29 Vers 45) aus dem Koran hat Navid damals zum Nachdenken

gebracht und ihn wieder auf die richtige Bahn geleitet.

So war es auch bei Magomed, der einen Hadith (anm. d. Red:

Hadithe sind Überlieferungen über die Lebensweise des Propheten

Mohammed) zitiert, auf den er sich bis heute bezieht:

„Der wahre Starke ist nicht derjenige, der im Zweikampf siegt,

sondern der, der die Kontrolle über sich selbst bewahrt.“

Aber in der Szene dreht sich das Rad immer weiter: Ehre,

Stolz und Kräftemessen stehen über jeglicher Vernunft. Zumindest

bei den Jugendlichen. Der afghanische Kulturverein hat

nach dem Eklat 2016 mit dem tschetschenischen Kulturverein

Kontakt aufgenommen. Es wurde versucht, zu deeskalieren,

den Jugendlichen klarzumachen, dass sie ein schlechtes Licht

auf ihre Volksgruppen werfen. Eltern haben mit anderen Eltern

versucht zu vermitteln. „Das war für uns aber nur Gelaber. Wir

wollten damals nicht auf die Älteren hören“, so Magomed.

Tatsächlich gibt es innerhalb der beiden Communities sogenannte

Streitschlichter, die gerufen werden, wenn es Konflikte

gibt, die unlösbar scheinen. Da geht es viel um die Perspektive

der Opfer und Wiedergutmachung durch Entschuldigungen,

aber auch Entschädigungszahlungen, wenn es beispielsweise

Arztkosten gibt. „Die Vorgehensweise ist eigentlich sehr nahe

an dem, was wir in Österreich als außergerichtlichen Tatausgleich

kennen“, so der Sozialarbeiter Reicher. „Um diesen

Konflikt zu lösen, müssen wir aktiv mit den Communities

zusammenarbeiten.“

Und das wünschen sich die Älteren in den Communities

auch: „Dieser Konflikt hat uns früher viele Sorgen bereitet, deshalb

haben wir versucht, dass sich die Jugendlichen auf eine

positive Art näher kommen“, erzählt Ghoussudin Mir, Vorstand

des afghanischen Kulturvereins AKIS. Gemeinsam mit dem

tschetschenischen Kulturverein Ichkeria wurden Sportveranstaltungen,

gemeinsame Essen und Gespräche mit Gelehrten

angeboten, bei denen sich die Jugendlichen von beiden

„Seiten“ begegnet sind. Aber Hussein Iskhanov von Ichkeria

weiß, dass das allein nicht ausreicht: „Wir dürfen aber keine

Zeit verlieren. Es wächst mittlerweile eine neue Generation

heran, die gute Vorbilder braucht und keine solchen, die ihnen

mit Beispielen wie Drogendealen und Schlägereien im Park

vorangehen“, so Iskhanov.

„DIESER KINDERGARTEN,

DEN WIR DA AUFGEFÜHRT

HABEN, BEREITET UNS BIS

HEUTE PROBLEME.“

Magomed aber ist sich sicher, dass die Jugendlichen, die

heutzutage in den Konflikt verstrickt sind, genauso wenig auf

die Erwachsenen aus ihren Communitys hören wollen: „Wenn

sie auf jemanden, der ihre Kultur oder das, was sie da glauben

zu repräsentieren, hören werden, dann auf uns. Und ich kann

nur sagen: Diese Scheiße wirkt sich negativ auf das restliche

26 / POLITIKA /

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Bezahlte Anzeige

Leben aus: Studium, Lehre, Arbeit – wer soll dich mit so einer

Vergangenheit nehmen?“ Er selbst hatte Schwierigkeiten,

aufgrund seines Leumundszeugnisses und seiner Vorstrafen,

einen Job zu finden.

„Du musst wie der ärgste Bettler herumlaufen, bis dich

jemand nimmt.“ Navid sieht das genauso: „Dieser Kindergarten,

den wir da aufgeführt haben, bereitet uns bis heute

Probleme. Es zahlt sich einfach nicht aus. Dazu kommt noch,

dass die meisten Afghanen hier nur subsidiär schutzberechtigt

sind – es ist ja jedem klar, was das heißt.“ Ein Fehltritt führt

zurück in die Heimat. Die rivalisierenden Jugendlichen sind

sich ähnlicher, als sie glauben: Beiden Gruppen droht in so

einem Fall die Abschiebung. Dort erwartet sie Krieg, Terror,

Elend und Aussichtslosigkeit – Kabul und Grozny sind nicht

vergleichbar mit dem, was hier in Wien als „Krieg“ betitelt wird.

Abschiebungen nach Tschetschenien und Afghanistan stehen

in Österreich an der Tagesordnung. Sitzblockaden und Solidaritätsdemos

nützen dann auch herzlich wenig. Dazu kommt,

dass die rivalisierenden Gruppen beiden Communities in Wien

das Leben schwer machen, indem sie Vorurteile bestätigen

und nicht mit sich reden lassen. Das führt wiederum dazu, dass

immer neue Jugendliche in diesen Konflikt hineingezogen werden.

Auseinandersetzungen werden sich häufen und mit ihnen

negative Schlagzeilen, Asylanträge werden abgelehnt werden,

die Wut der Jugendlichen und der Unmut in den Communities

wird steigen.

„DIE SOLLEN MIT UNS REDEN,

ANSTATT IMMER NUR ÜBER UNS“

Deshalb wollen Magomed und Navid in den eigenen Reihen für

Ordnung sorgen. Wenn Jugendliche nicht auf die Erwachsenen

hören oder sich nicht an Gesetze halten wollen, kommen

sie als „große Brüder“ ins Spiel. „Die beiden versuchen heute

gemeinsam mit Sozialarbeitern Jüngere aufzuklären, damit

diese nicht dieselben Fehler machen, wie sie. „Ich frage mich

dann, was so einem Jugendlichen fehlt. Fehlt es ihm an Adrenalin?

Dann sage ich ihm: „Passt, dann geh ins Gym und zeig,

was du drauf hast. Fehlt es dir an Geld? Dann frag ältere Leute,

ob du ihnen im Garten aushelfen darfst. Es gibt immer einen

Weg“, sagt Magomed selbstbewusst.

Damit es aber funktioniert, braucht es doch noch die Hilfe

von Außen.

Magomed hat deshalb einen klaren Appell an die österreichische

Politik. Denn das Verhalten der Jugendlichen ist seiner

Ansicht nach eine Reaktion auf die Aktionen von oben. „Anstatt

gegen bestimmte Ethnien zu arbeiten, würde es viel mehr

bringen, mit ihnen zusammen zu arbeiten.“ Nach Magomed

bräuchte es Experten aus den Communities, die mit der Politik

und der Polizei kooperieren und „denen mal erklären, wie

manche Dinge in den Communities wahrgenommen werden.

Anstatt dass die noch mehr in Abschiebeflugzeuge investieren“,

wie er resümiert.

„Die sollen einfach mit uns reden, anstatt immer nur über

uns“, fügt Navid leise und zustimmend hinzu. Solange es aber

zu keinem Austausch kommt, versuchen sie das Versagen der

Politik auf eigene Faust wieder wettzumachen. Wenn keiner

genau hinschaut, dann eben alleine. „Wir regeln das unter

uns“, meint Magomed, blickt kurz rüber zu Navid, der ihm

zustimmend zunickt. Aber diesmal bedeutet dieser Satz nicht,

gegeneinander zu kämpfen, sondern als geschlossene Front

zusammenzuwirken und zu appellieren, dass diese sinnlosen

Machtkämpfe aufhören müssen. Denn schlussendlich gehen

beide Seiten als Verlierer aus diesem ewigen, nutzlosen Straßenkampf

hervor. ●

* Namen von der Redaktion geändert

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„Uns unterscheidet heute nichts mehr. Wir sind beide Muslime.

Wir haben dieselbe Vergangenheit und wissen jetzt, dass das

alles einfach nur kompletter Blödsinn gewesen ist.“

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28 / POLITIKA /

jobs.wien.gv.at



LIFE & STYLE

Mache mir die Welt,

wie sie mir gefällt

MEINUNG

Aleksandra Tulej

MEINUNG

Die Sugar-Daddies von Tik-

Tok: Bitte nicht

„How to get a Sugar Daddy,“ „This is

how much I make as a stripper“, “I quit

my job and made an Onlyfans” – solche

Videos häufen sich auf meiner FY-Page.

Ich bin auf der dunklen Seite von TikTok

gelandet. Tausende Frauen stellen

den Lifestyle, den sie durch Sexarbeit

oder das, was in die Richtung geht,

erreicht haben, prachtvoll zur Schau:

Geldscheine, Markentaschen, Yachten,

Champagner – die Liste ist lang. Über die

Schattenseiten klären aber die wenigsten

auf. Gut, es ist alles im Bereich des Legalen,

und wenn du dich als volljährige Person

dafür entschieden hast, dann spricht

ja nichts dagegen? Eigentlich nicht. Aber

was mir Sorge bereitet: Die vielen, vielen

Kommentare von jungen Mädchen, die

es kaum erwarten können, endlich 18 zu

sein, bis sie auch in dieses „Business“

einsteigen können. Wir dürfen nicht vergessen,

dass die Plattform mehrheitlich

ein sehr junges Publikum hat. Dass Tik-

Tok Videos sperrt, in denen Wörter wie

„Sex“ vorkommen, bringt das genaue

Gegenteil. Mit der Schreibweise $€X hat

der Algorithmus nämlich kein Problem

mehr. Nennt mich die Heilige Maria von

TikTok, aber die dortige Glorifizierung

von Sexarbeit ist gefährlich. Denn das,

was hinter den Kulissen passiert, würde

TikTok auf alle Fälle sperren.

tulej@dasbiber.at

Nagellack-Tipp

DER EINE

ODER KEINER

Ich liebe Nagellack. Ich hasse Nägel

lackieren. Ich bin zu ungeduldig, tollpatschig

und mehrere Schichten

aufzutragen, dauert mir einfach

viel zu lange. Endlich habe ich

ihn gefunden, den einen, der

mich nie im Stich lässt. Der „All

in 1 Step“- Nagellack von LOOK

by BIPA. Er splittert nicht ab,

eine Schicht reicht und er

trocknet wirklich schnell. Meine

Lieblingsfarbe: Royal Blue.

2,25 € bei BIPA.

Lecker Tipp

FLEISCH OHNE FLEISCH

Ich esse ohnehin nicht viel Fleisch, deshalb bin

ich immer auf der Suche nach vegetarischen oder

veganen Alternativen. Das Problem: Die schmecken

oft einfach nach nix oder ich kann sie nicht richtig

zubereiten. Ich durfte letztens die Produkte von

„Beyond Meat“ kosten. Soll nach Fleisch schmecken,

ohne Fleisch zu beinhalten, steht auf der Verpackung.

Ich war skeptisch. Aber schon nach dem ersten

Bissen wurde ich eines Besseren belehrt: Die veganen

Patties und Würstchen schmecken halt wirklich

genau wie herkömmliche Burger und Fleischprodukte.

Dabei sind sie zu 100 % pflanzlich, beinhalten kein

Soja, kein Gluten und sind zudem noch koscher- und

halalzertifiziert. Sie bestehen aus Erbsen, Roter Bete

und Kartoffelstärke. Außerdem habe ich es geschafft,

sie ohne großes Tam-Tam oder ohne einen

Brand auszulösen, anzubraten, was bei mir an

ein Wunder grenzt. Ich weiß nicht genau, was

für eine Magie dahintersteckt, aber probiert es

einfach selbst. Ich kann euch bezeugen: Der

Beyond-Burger wird sogar den ärgsten Fleischliebhaber

vom Hocker hauen. Ich persönlich

wäre ja dafür, dass Beyond Meat als nächstes

veganes Dönerfleisch anbietet – dann brauche

ich wirklich nie wieder Fleisch zu essen. Die

Produkte bekommt ihr bei BILLA und bei BILLA

Plus.

2000er Throwback

des Monats:

WHO THE FUCK

SIND GINA,

GEORGE & LUCY?

Wir schreiben das Jahr 2007.

Du bist zu cool für Schultaschen

geworden. Jedes jugendliche Mädchen,

das in Wien etwas auf sich

hält, zu arm für Louis Vuitton, aber

zu edgy für Longchamps ist, trägt

sie gerade: die hässliche Tasche

mit dem komischen Karabiner-Verschluss

und der riesigen Aufschrift

„Gina, George & Lucy“. Wer die

drei sind, wirst du nie erfahren. Du

musst das IT-Piece aber einfach

haben. Du überzeugst deine Mutter

mit dem Argument, dass die Tasche

funktional ist und ihr sie ja abwechselnd

tragen könnt. Nach einigen

Wochen stolzen Herumtragens

schüttest du dann flüssigen Tippex

darin aus. Tränen, Wut. Nach über

zehn Jahren findet sich die lang

verloren geglaubte Tasche in deiner

Wohnung in Polen wieder. Gemeinsam

mit allen anderen Stücken, die

zu abgenutzt für die Großstadt sind.

Deine Mutter verwendet sie mittlerweile

zum Einkaufen im Dorf. Euer

Dorf ist immerhin in den Bergen,

also könnte man den Karabiner ja

notfalls bei einem Sturz von einer

Klippe irgendwie verwerten. Siehst

du Mama, es hat sich ausgezahlt.

© Zoe Opratko, REWE/BIPA, BEYOND MEAT, George Gina & Lucy

© Zoe Opratko

WIE ES SICH ANFÜHLT, ZU

KEINER KULTUR ZU GEHÖREN

Ich, Maryam Shehadeh, bin Palästinenserin und

Deutsche. Ich bin allerdings in Österreich geboren

und aufgewachsen. Mich begleitet eine Frage schon

seit meiner Kindheit: Zu welcher Kultur gehöre ich?

Welches Land nenne ich meine Heimat?

In Österreich werde ich als die Ausländerin, die Araberin,

die mit einer anderen Herkunft und Kultur angesehen

und somit ausgegrenzt. In Deutschland habe ich

dasselbe Problem. Dort kommt aber noch dazu, dass

ich seit zehn Jahren nicht mehr in dem Land war - das

letzte Mal, da war ich vier Jahre alt. Nun bleibt mir

ja nichts anderes mehr übrig als Palästina als mein

Heimatland zu bezeichnen. In Österreich bin ich ,,zu

arabisch“, in Palästina oder generell in einem arabischen

Land bin ich jedoch ,,zu europäisch“. Palästina

kommt also ebenfalls nicht in Frage. Keines der drei

Länder nimmt mich mit offenen Armen auf. Ich würde

mich persönlich als eine kulturelle Mischung aus den

Ländern nennen. Das stellt für mich aber ein weiteres

Problem dar: Wo finde ich Freunde, mit denen ich

mich identifiziere? Gerade in der Schule spielt dieses

Problem eine große Rolle. Nicht nur meine Herkunft

trägt dazu bei, auch meine Religion. Es ist schwierig,

in einem mehrheitlich christlichen Land, als Muslimin

zu leben. Vor allem, da es viele Vorurteile gegenüber

Musliminnen und Muslime gibt, da der Kontakt zu solchen

fehlt und zu wenig über den Islam gelehrt wird.

Ich musste aufgrund dessen schon mit jungen Jahren

viele Erfahrungen mit Vorurteilen machen.

Ich bin sicherlich nicht die Einzige, die dieses Problem

begleitet. Wir können allerdings alle gemeinsam

helfen, dieses Problem zu lösen, indem wir versuchen,

betroffenen Personen das Gefühl zu geben, willkommen

zu sein. Wir sollten mehr über verschiedene

Kulturen und Religionen reden. Wir sollten offener sein,

diese kennenzulernen. So wird sich Österreich für uns

alle mehr nach Heimat und Zuhause anfühlen.

Maryam Shehadeh ist 14 Jahre alt und besucht die

4. Klasse der AHS Heustadelgasse in Wien.

BRUTAL, BRUTALER, PORNO

Der letzte Schultag ist geschafft und die Ferien stehen vor

der Tür. Um den gelungenen Tag zu zelebrieren, treffe ich

mich mit meiner Clique in einem Café unseres Vertrauens.

Ein Freund umklammert seinen Stuhl und rückt näher heran.

„Wusstet ihr, dass er sich Pornos ansieht, in denen Frauen

vergewaltigt werden?“ Damit ist ein Freund gemeint, der uns

heute ausnahmsweise keine Gesellschaft leistet. Ich stehe

den ganzen Abend lang unter Schock und versuche, den

Abscheu, den ich verspüre, auch nicht zu verbergen. Im Laufe

des Abends nennt er, in der Hoffnung mich zu besänftigen,

weitere Freunde, die ebenfalls Fans dieser „Kategorie“ sind,

also Lust empfinden, wenn Frauen wie Dreck behandelt werden.

Ich erfahre außerdem, dass sie zierliche, kleine Frauen

bevorzugen, da diese kaum in der Lage wären, die Schmerzen

auszuhalten. Kurz gesagt, Frauen die aussehen wie ich. Innerlich

verfluche ich ihn dafür, dass er mich mit dieser dunklen

Seite bekannt gemacht hat, weil sie mich bloß darin bestärkt,

Männern noch weniger zu trauen und mich zudem an unserer

Freundschaft zweifeln lässt. Ich kann förmlich spüren, wie

mein Herz und mein Kopf einen wirren Kampf ausfechten. Da

ist einerseits mein Herz, das mir unsere schönsten gemeinsamen

Freundschaftsmomente filmisch vorführt - als einziges

Mädchen unter Jungen habe ich Sicherheit und Geborgenheit

genossen. Die Angst, sexualisiert zu werden, war nie ein

Bestandteil meiner Gedanken – bis jetzt. Mein Kopf hingegen

erinnert mich an die Warnungen meiner konservativen Großeltern

und gibt mir die Schuld für meine „Naivität“. Werde ich

jemals wieder in der Lage sein, die Nähe meiner männlichen

Freunde wertzuschätzen, oder werde ich sie stets hinterfragen,

weil sie mir zuwider sind? „Aber wenn man dich sieht,

denkt man sich halt wirklich, dass du leichte Beute wärst. Du

wiegst fast nichts und bist winzig klein“, erwidert er schulterzuckend.

Fast schon, als wäre es meine eigene Schuld. Aber

Hand aufs Herz: Hat man als weibliches Individuum überhaupt

eine Chance, der Objektifizierung zu entfliehen? Ich verbringe

den restlichen Abend damit, darüber nachzudenken, ob ich

ignorieren kann, dass ich mich mit Menschen abgebe, die

Vergewaltigung aktiv unterstützen und meine Seele damit

verkaufe, oder aber für meine Prinzipien einzustehen und

dafür wieder alleine zu sein… Porno macht einsam.

Jelena Obradović ist 19 Jahre alt und besucht die HLW 10.

30 / LIFESTYLE /

/ MIT SCHARF / 31



„ICH BIN

NICHT

SO EINE“

Kaum ein Satz löst unter jungen Menschen mehr Unbehagen

aus als: „Ich schwöre, ich bin nicht so eine.“ Doch zwischen

Dilara-Memes und lustigen TikTok-Videos verbirgt

sich der traurige Ursprung: Sexismus und eine Doppelmoral,

von der niemand profitiert.

Von Aleksandra Tulej, Fotos: Zoe Opratko

32 / RAMBAZAMBA /

Frauen, die mit ‚Ich bin nicht so eine!‘ ankommen,

sind dann im Endeffekt genau so eine“, erzählt

der 25-Jährige Aziz * augenrollend. „Sie macht

einen auf heilig und dann lutscht sie eh“, lacht er.

Er ist genervt davon, dass Frauen, die er datet, nicht einfach

ehrlich sein können, was ihre sexuelle Vergangenheit angeht.

Aber er zeigt sich auch schnell einsichtig: „Im Ernst jetzt: Ich

weiß ja, dass viele Frauen diesen Satz sagen, um sich selber

ein reines Gewissen zu machen. Sex wird gesellschaftlich als

etwas Schmutziges bei der Frau angesehen – anders als bei

Männern. Und wegen dieses Duktus der Gesellschaft wollen

sich Frauen dann eben davon distanzieren.“

WAS IST DENN

„SO EINE“?

„Bitch, ist klar. Du bist ein Engel und ich nur ein Wichser.

Sag, was du willst, aber red keine Scheiße ‚ey, ich schwör:

Ich bin nicht so eine!‘“, singt der Deutschrapper Fard in seiner

Single mit dem klingenden Titel „ich bin nicht so eine.“

Rapperin Shirin David hingegen reimt in ihrem Song „90-60-

111““ die Zeilen: "Ich bin nicht so eine - doch, genau so eine

bin ich.“

Dieser Konflikt ist alt wie die Menschheit. Oder zumindest

so alt, wie Frauen offen über ihre Sexualität sprechen. Was

damit einhergeht: Slut-Shaming ist überall präsent. Erwachsene

Frauen kennen es ebenso wie jugendliche Mädchen.

Frauen werden auch im Jahr 2021

noch in die „Heilige oder Hure“-Schubladen

gesteckt. Doch vor allem unter

jungen Menschen in migrantischen

Communities wird diese Schiene noch

einmal stärker bedient.

Seit Monaten erobern Dilara-

Memes deutschsprachige Instagramund

TikTok-Kanäle. Zur Erklärung: Der

Name Dilara wurde durch das Internet

zum überspitzten und humoristischen

Prototyp einer migrantischen Frau, die

stark geschminkt in der Shisha-Bar

abhängt, auf Typen mit Mercedes-AMG

abfährt und vor allem lautstark skandiert,

dass sie „nicht so eine“ sei.

Man setzt mit

diesem Satz

voraus, dass

andere Frauen

‚billig‘ und somit

‚schlecht‘ sind.

„So eine“ ist eine Frau, die bereits mit mehreren Männern

Sex hatte. Eine Frau, die One-Night-Stands hat, und die

laut Männern „leicht zu haben“ ist. Indem Frauen diesen Satz

sagen, wollen sie sich rechtfertigen, dass sie eben nicht „so

eine“ sind.

Männer sind von dieser Aussage genervt, Frauen genauso.

Was beide Geschlechter aber oft nicht erkennen, ist,

dass sie unter einem Konstrukt leiden, an das sie von klein

auf gewöhnt wurden. Denn hinter dem Augenrollen und der

humoristischen Verarbeitung steckt etwas viel Tieferes.

„Das ist ja nichts anderes als internalisierte Misogynie“,

erklärt Sexualpädagogin Magdalena Heinzl. „Man setzt mit

diesem Satz voraus, dass andere Frauen ‚billig‘ und somit

‚schlecht‘ sind, und man sich deshalb von ihnen abgrenzen

müsse – und sich damit als eine Art Superfrau darstellen

kann.“ Im selben Atemzug werden Frauen, die Sex vor

der Ehe hatten, aber dann auch in manchen Kreisen nicht

mehr als „Heiratsmaterial“ angesehen werden. Daran sind

laut Heinzl Geschlechterrollen schuld, die in konservativen

Gesellschaften verinnerlicht sind – und das durchaus auch in

autochthonen Kreisen. „Glaubenssätze wie: ‚Ein Mann muss

eine Frau erobern – oder: Was macht Männlichkeit und Weiblichkeit

aus?‘ sind da einfach sehr tief verankert“, erklärt

Heinzl. Es braucht laut der Sexualpädagogin Diskursräume, in

denen man diese Glaubenssätze dekonstruieren kann, gute

Vorbilder und generelle Akzeptanz von Lebensentwürfen, die

nicht die eigenen sind.

DER DRUCK, „REIN“

ZU SEIN

In der Praxis sieht es vor allem unter

jungen Menschen aber anders aus.

Der Satz „ich bin nicht so eine“ wird

als eine Art Schutzschild aufgebaut.

„Dieser Satz wurde schon so ins

Lächerliche gezogen“, erzählt die 22 *

Jährige Shirin. „In Wahrheit ist das aber

einfach der Druck, dass man „rein“

bleiben muss. Das hat irgendwann dazu

geführt, dass vor allem junge Migrantinnen

ihre Reinheit beweisen müssen.“

Shirin ist Maghrebi – nähere Angaben

/ RAMBAZAMBA / 33



zu ihrer Herkunft möchte sie nicht

machen, die Community ist zu stark

vernetzt. Und zeigt sich ein weiterer

verhängnisvoller Konflikt. Shirin war

seit ihrer frühen Jugend bewusst, dass

sie so wenig wie möglich von ihrem

Leben preisgeben darf. „Deshalb habe

ich dann begonnen, ein Doppelleben

zu führen.“ Shirin hat seit drei Jahren

einen österreichischen Freund, ihre

Eltern wissen nichts von ihm. „Ich

denke aber, dass wenn sie es herausfinden

würden, das größte Problem für

meine Eltern wäre, dass in unserer Community viel geredet

wird.“ Shirin * ist genervt von der stetigen Doppelmoral:

Männer verurteilen Frauen, wenn diese mehrere Sexpartner

hatten, Alkohol trinken oder eben Dinge tun, die innerhalb

der Community verpönt sind. Sie hinterfragen aber nicht ihr

eigenes Verhalten.

Es ist einfach der

Druck, dass man

„rein“ bleiben

muss.

mit ihrem Freund geschlafen haben,

und diesen dann damit erpressen

wollten, damit er sie heiratet. Und

somit schließt sich der Kreis.

Der 27-jährige Cem * zeigt sich verständnisvoll,

obwohl auch er den Satz

schon mehr als einmal zu oft gehört

hat, wie er sagt. „Ich kenne viele von

solchen Dilaras. Die wollen dir den

Engel vorspielen, aber dann können die

im Bett Sachen, wo du dich echt fragst:

Woher hast du das?“, lacht er und kritisiert

weiter: „Wir wissen ja alle, wie das

ist: Wenn du als Frau mit vielen Männern was hattest, dann

wirst du als Hure abgestempelt. Das ist traurig und sollte

nicht so sein.“ Cem zeigt sich einsichtig: „Wenn ich mich in

so eine ‚ich bin nicht so eine‘-Frau hineinversetze, kann ich

das durchaus nachvollziehen. Sie wollen sich ja nur selbst

schützen.“

„Hast du gehört? Sie ist keine Jungfrau mehr!“

Slut-Shaming ist auch unter Frauen weit verbreitet.

NIEMAND SPRICHT ÜBER DIE

MÄNNER.

Davon kann die 20-Jährige Mariam ein Lied singen. Mariam

kommt aus einem strengen arabischen Haushalt, wie sie

selbst sagt. Sie selbst bezeichnet sich als liberal, weiß aber,

wie die Regeln innerhalb ihrer Community sind. „Wenn du

keine Jungfrau bist, wird dich keiner heiraten.“ Dieser Satz

wurde Mariam immer eingebläut. Sie betont aber, dass das

kulturell stärker bedingt ist, als religiös. Eigentlich sollte das

ja für beide Geschlechter gelten, aber „das betrifft wieder

einmal nur uns Frauen“, erzählt Shirin genervt, „denn über

die Männer spricht eben keiner.“ Deshalb kann Mariam

nicht viel mit Männern aus ihren eigenen Kreisen anfangen.

„Die wollen wissen, ob du eh Jungfrau bist, aber dass

sie selber schon mit vielen Frauen geschlafen haben, wird

verschwiegen oder als irrelevant betrachtet.“ Mariam hat

einen österreichischen Freund, mit dem sie auch Sex hat.

Davon weiß in ihrer Familie aber niemand. Über Sex spricht

Mariam innerhalb ihrer Community nicht. Auch nicht mit ihrer

Schwester. „Wenn sie das wissen würde, würde sie mich

eklig finden, das weiß ich“, gibt sie zu. Mariam erinnert sich

an Gespräche mit Freunden aus ihrer eigenen Community,

als in der Runde Aussagen wie: „Hast du gehört, die und die

ist keine Jungfrau mehr!“, getroffen und abwertend über

‚solche‘ Frauen geredet wurde. „Und ich sitze dann da und

denke mir ‚Ja, und? Ich auch nicht. Ich könnte diese Person

sein‘“, so Mariam achselzuckend.

Mariam zeigt sich genervt davon, dass viele einfach

uninformiert sind, was das Thema Jungfräulichkeit und den

Mythos des Jungfernhäutchens anbelangt. Sie selbst wurde

von ihrer Mutter zum Frauenarzt geschickt, der nachprüfen

sollte, ob sie „eh noch Jungfrau“ ist, obwohl sie Tampons

verwendet.

Aber genau deshalb bringt sie Verständnis für Frauen

auf, die sich mit der „ich bin nicht so eine“-Aussage rechtfertigen

wollen. „Man versucht, sich mit diesem Satz rein zu

waschen.“ Mariam kennt aber auch Frauen, die vor der Ehe

FRAUEN WOLLEN EIN „CLEAN-IMAGE“

SCHAFFEN

Es gibt aber eben auch Frauen, die diese Normen gar nicht

erst hinterfragen. Das kennt die 26-jährige Semsa nur allzu

gut aus ihrer mazedonischen Community. Sie kennt Frauen,

die vor potentiellen Anwärtern frühere Beziehungen und vor

allem aber lockere Affären verheimlichen.

„Aus Angst, sie würden sich dann von ihnen trennen

oder sie nicht mehr als „so wertvoll“ betrachten, wenn sie

die Wahrheit kennen.“ Die Absicht dahinter ist laut Semsa

ganz klar ein „Clean-Image“ zu schaffen, so wie sie es eben

durch die Community und Erziehung gelernt haben. Dass es

oft nicht der Wahrheit entspricht, unfair und sexistisch ist,

weil Männer diese Sorgen nicht haben, ist ihnen klar, aber

sie bleiben eben in diesen Strukturen gefangen und sehen

sich praktisch zum Lügen gezwungen, erklärt Semsa.

„Andere Frauen abzuwerten um sich selbst aufzuwerten

ist das Ergebnis von konservativen und sexistischen Erziehungsmethoden

in bestimmten Communities“, fasst sie

zusammen. Das komme nicht von ungefähr: „Eine ‚gute‘ Frau

soll nur mit ihrem Ehemann geschlafen haben, sich nicht

freizügig kleiden, keine Partys, nicht zu viele Dates - damit

sie die Ehre der Familie ja nicht beschämt.“

Schuld daran sind laut Semsa der in der Community tief

verankerte Sexismus und die noch immer bestehenden alten

Rollenbilder. „Viele Frauen, die Sätze wie diese verwenden,

sind vielleicht „nicht so eine“, aber hinterfragen nicht, warum

sie das überhaupt zu Typen sagen müssen und ein falsches

„Clean-Image“ von sich vorheucheln, in der Hoffnung,

besser behandelt zu werden.“ Sie akzeptieren, dass Männer

vor ihnen andere Dates oder sexuelle Erfahrungen gemacht

haben. Das macht Semsa stutzig: „Warum verlangt niemand,

dass das auch umgekehrt so ist?“ ●

*Namen von der Redaktion geändert

Alle Bilder wurden für die Geschichte nachgestellt. Es handelt sich auf den

Fotos nicht um die Protagonistinnen aus dem Artikel.

34 / RAMBAZAMBA /

/ RAMBAZAMBA / 35



GRÜNER DRUCK:

Shaming und Blaming

im Land der Guten

Inside Green: Im Land der Grünmenschen herrscht ein unbarmherziger

Druck, es wird geshamed und geshitstormed. Der Flug

in den Urlaub, das falsche Joghurt oder die echte Lederjacke –

in der grünen Community müssen selbst Umweltaktivisten und

Sinnfluencer mehr heilig als menschlich sein.

Von Delna Antia-Tatić, Collagen: Zoe Opratko

36 / RAMBAZAMBA /

© unsplash.com/ Felipe Bustillo/ Tyler Nix/ Abdulla M, cleanpng.com/Raniyakka/ Daijana/ Amscot/ Vaudelia/ Government/ Guardzilla/ Ok3se3/ Choicee, pixabay.com/Alexandra Koch

Die Sache mit der Süßkartoffel

sei lächerlich gewesen. Und

entschuldigen wollte sie sich

dafür auch nicht. Österreichs erfolgreichste

Umweltaktivistin und Sinnfluencerin

Dariadaria erntete auf ihrem

Instagram-Kanal einen Shitstorm, weil sie

sich eine Süßkartoffel im Ofen gemacht

hatte – die Betonung liegt hier auf EINE.

„Was für eine Stromverschwendung!“, so

die Kritik.

Madeleine Darya Alizadeh, wie sie

mit echtem Namen heißt, setzt sich seit

elf Jahren für eine gute und grüne Welt

ein. So betreibt die Unternehmerin und

Influencerin auf Instagram vor allem

„sinnfluencing“: Sie macht sich seit Jahren

für Flüchtlinge stark, schreibt über

Feminismus, Body Neutrality und Rassismus

ebenso wie über Veganismus und

Fair-Fashion. 2019 ist sie für die Grünen

bei der Nationalratswahl angetreten. Und

im Frühjahr dieses Jahres schaffte es ihr

eigenes Fairfashion-Label Dariadéh sogar

in die Vogue. Natürlich ließ sie die Stücke

ihrer Kollektion nicht von herkömmlichen

Models präsentieren, sondern von

Frauen unterschiedlichen Typs, Gewichts

und Alters. Kein Wunder also, dass eine

Journalistin sie unlängst als die „Gutfrau

von Instagram“ bezeichnete. Und

dennoch wird Madeleine „geshamed“

– das heißt, im Internet an den Pranger

gestellt, sobald ihr vermeintlich grüne

„Fehler“ unterlaufen.

Per Zoom spreche ich mit ihr über

Shaming und Blaming in der scheinbar

heilen Welt der Gutmensch-Community.

„Gibt es einen grünen Druck?“, will ich

wissen. „Auf jeden Fall. Spätestens seit

es das Wort „Flugscham“ gibt, ist vielen

Menschen klargeworden, dass es diesen

Druck gibt.“ Und obwohl die 32-Jährige

sich dessen bewusst ist und ständig

evaluiert, wie transparent sie ihr Leben

machen solle, hat die Sache mit der

Süßkartoffel sie doch überrascht. „Es gibt

immer Personen, die noch etwas finden.

Was dazu führt, dass viele Menschen in

der Umweltbewegung das Gefühl haben,

sie schaffen es eh nicht, sie sind nicht

gut genug und können es eh niemandem

recht machen. Du musst quasi zu einer

Heiligen mutieren.“

BIN ICH GUT GENUG?

Auch Flora * kennt diese Frage: Bin ich

gut genug? Die 38-jährige Deutsche

arbeitet seit vier Jahren bei einer der

größten, internationalen Umweltorganisationen

und erklärt, dass der Druck

natürlich zunächst auch von einem selbst

ausgeht. Hätte man nicht von Grund auf

ein ökologisches Bewusstsein und hohe

Ansprüche, würde man sich die Branche

nicht aussuchen. Es gehört dabei dazu,

sich ständig selbst zu hinterfragen. Flora

kommt aus einer umweltbewussten

Familie, Fleisch gab es so gut wie nie

daheim. Ein ökologischer Lebensstil war

Du musst quasi

zu einer Heiligen

mutieren.

der jungen Frau immer schon wichtig.

„Aber in dem Moment, wo ich dort

angefangen habe, bekam ich absurderweise

Selbstzweifel und fragte mich: Bin

ich öko genug?“ Ihr Umfeld potenziert

ihr Bewusstsein – und ja, es macht auch

Druck. „Früher, in meinem alten Job,

hat man ganz happy erzählt, dass man

in Urlaub fährt. Das ist jetzt anders.“

Als sie einmal von einem Portugalurlaub

zurückgekommen war, erntete sie den

Kommentar: Da könne man aber nicht

mit dem Zug hinfahren. Ein Scherz, aber

gesessen hat er trotzdem. Durch ihren

neuen Job hat sich ihr Reiseverhalten

noch mal verändert. So hat sie beim

Freundinnentrip nach Barcelona gesagt:

„Sorry, da müssen wir in Zukunft mehr

Zeit einplanen, denn solche Strecken

fliege ich nicht mehr.“

Flora beteuert zwar, dass es kein

Wettbewerb sei – aber die grüne

Kolleg:innenschaft beobachtet, beurteilt

und vergleicht sich dennoch. „Da gibt es

natürlich die Kollegin, die alles gefühlt

perfekt macht und man selbst ist noch

die Person, die irgendwo hinfliegt. Oder

man ist diejenige, die nicht extra durch

die halbe Stadt fährt, um eine Gurke

unverpackt zu kaufen, weil es im Supermarkt

am Heimweg das Bio-Gemüse nur

in Plastik foliert gibt.“ Auf der anderen

Seite wird Flora zugutegehalten, dass sie

sich komplett vegan ernährt, während

manche ihrer Kolleg:innen immer noch

Bio-Fleisch essen oder nur vegetarisch

leben. „Jede:r tut, was er oder sie kann“,

so Flora. Weil die Bandbreite eines ökologischen

Lebensstils eben so weit ist – ob

es um Plastik, Ernährung oder Klima

geht.

/ RAMBAZAMBA / 37



WAS DENKEN DIE

ANDEREN?

Trotzdem spürt sie die allgegenwärtige

Wertung von anderen „Grünen“ auch

außerhalb ihres Jobs. Etwa im veganen

Shop um die Ecke. Als die Veganerin dort

das erste Mal mit ihrer neuen Second-

Hand-Lederjacke einkaufte, schämte sie

sich. „Die Verkäuferin hat zwar überhaupt

nichts gesagt, aber es war ein

Gefühl da, dass sie das jetzt scheiße

findet. Also, dass ich zwar Tiere nicht

konsumiere, aber sie trage.“ Dabei war

die neue Lederjacke kein Zufallskauf.

Im Gegenteil, Flora hatte sich lange mit

ihrer „top-veganen“ Kollegin beraten,

was besser sei: eine neue und vegane

Lederjacke oder eine aus zweiter Hand.

Letztere, ihrer Meinung nach. „Leder ist

ein super Produkt, weil es natürlich ist

und sich wieder zu Erde zersetzen wird.

Das hast du natürlich auch bei einer

Mushroom-veganen Lederjacke, also

bei einer aus Pilzen gemachten, aber

Second-Hand-Leder ist eben schon in

der Welt und muss nicht erst produziert

werden.“

Blöderweise klebt an Floras Jacke

nur kein Label: Das ist Second-Hand! Für

die grüne Vorreiterin spielt nicht nur die

eigene Gewissheit eine Rolle, sondern

auch das Gesehenwerden. So habe eine

Freundin einmal ein nicht-öko Spülmittel

gekauft und in Floras Wohnung gestellt,

als sie für ein paar Tage zu Besuch war.

„Da stand auf einmal normales Spülmittel

in meiner Küche und ich habe mich

gefragt, was mache ich denn jetzt. Ich

will nicht, dass jemand reinkommt und

denkt: Oh, die Flora benützt normales

Spülmittel!“, lacht sie über sich. Aber es

ist ernst. Dasselbe Phänomen erlebe sie

häufig im Zug, wenn sie ihr Sandwich

auspackt, selbst zubereitet mit toller

veganer Wurst, veganem Käse und

veganer Mayo. „Aber plötzlich merke

ich, wie ich schaue und mir denke: Oh

Gott, die Leute sollen nicht denken, dass

In meinem alten

Job, hat man ganz

happy erzählt,

dass man in Urlaub

fährt. Das ist jetzt

anders.“

ich Wurst esse! Ich will doch ein gutes

Beispiel sein.“

Das grüne Leben ist zweifellos ein

gutes Leben. Aber selbst ich, die Journalistin,

spüre beim Zuhören den Druck,

der von innen wie von außen ausgeht.

All das bislang „Normale“ im Leben, ob

Sandwich, Jacke oder Urlaub, wird hier

in Frage gestellt, meist für nicht gut

genug befunden und ein Reset verlangt.

Umdenken, neu handeln – das ist

richtig, aber auch anstrengend. Ist ein

perfektes grünes Leben auf allen Ebenen

überhaupt schaffbar – vom Strom bis

zu Zero-Waste über Veganismus bis

zur Fair-Fashion? Kann man fehlerfrei

grün leben – ohne Angst, kritisiert und –

schlimmer – geshamed zu werden, will

ich wissen.

KEIN VEGANES DIVENTUM

Die Influencerin Madeleine hat diese

Unschaffbarkeitsspirale am eigenen

Leib erfahren. Und geht heute bewusst

entspannter mit den eigenen Werten

um. „Am Anfang, als ich noch strikt

vegan war“, erzählt sie, „habe ich auf

Reisen teilweise nur Brot und Salat

gegessen, weil es nichts Veganes gab.

Irgendwann habe ich mir allerdings

gedacht: Sag mal, bist du doof?!“ Heute

isst Madeleine vegetarisch auf Reisen.

So proklamiert sie in ihrem Kodex auf

ihrer Website nicht nur, was sie nicht

unterstützt – etwa die Milchindustrie,

Fast-Fashion oder Mineralölunternehmen,

sondern erklärt auch, warum

sie manchmal von ihrem Lebensstil

abweicht. Zum Beispiel bei Reisen in

@ cleanpng.com/Caos/ Lindalin, unsplash.com/Tyler Nix

©unsplash.com/Kam Idris/ Alice Esmeralda/ Nathan Bingle

Länder, in denen es nur eine limitierte

Auswahl an Speisen gibt. Aber nicht alle

ihrer über 300 Tausend Follower:innen

haben dafür Verständnis. Madeleine

erinnert sich gut an den Shitstorm, den

sie erhielt, als sie auf einer Reise mit

der Caritas innerhalb der Ukraine eine

vegetarische Speise aß. „Wir fuhren im

Zug und lernten eine binnen-geflüchtete

Frau aus der Pufferzone kennen. Sie bot

unserer Gruppe Blinis an, die sie selbst

mit ihrer Mutter zubereitet hatte. Ich aß

auch eines und postete das.“ Selbst die

hardcore-vegane Community müsse

verstehen, dass sie das aus Höflichkeit

nicht ablehnen könne, dachte Madeleine.

Doch im Gegenteil folgte krasse Kritik.

Follower:innen schrieben ihre Enttäuschung

und entfolgten sie.

Hier fehle es der grünen Community

an intersektionalem Denken, findet

die Influencerin. Also, dass es auch

manchmal angebracht sei, die streng

moralischen Vorschriften hintanzustellen

und stattdessen kulturell zu agieren. In

jenem Moment im Zug hätte sie „kein

veganes Diventum“ heraushängen

lassen wollen. Sie habe keine moralische

Hoheit gepachtet, beteuert sie mir. Aber

als Dariadaria wird sie dennoch auf ein

Podest gestellt – die moralische Erhabenheit

wird von ihr kompromisslos erwartet.

„Die Leute glauben, wenn du dich für ein

bestimmtes Thema einsetzt, dass du 360

Grad fehlerfrei Regenbogen scheißt –

aber das ist halt nicht so.“

WELTLICHE GELÜSTE

Während Madeleine innerhalb ihrer professionellen

Agenda einen Bildungsauftrag

verfolgt, will sie privat niemanden

missionieren. Trotzdem werden der

vermeintlich Heiligen regelmäßig und

ungefragt die Sünden gebeichtet. Wenn

ihr etwa veganes Essen bei einer Hochzeitsgesellschaft

serviert wird, beginnt

sich die Person neben ihr automatisch

zu rechtfertigen: „Ich esse eh gar nicht

so oft Fleisch!“ Oder wenn sie einer

Bekannten ein Kompliment zu ihrem Pulli

macht, antwortet die beschämt: „Ja,

ähhh, danke. Ist aber von Zara.“ Dabei

sei Madeleine auch nur ein Mensch – wie

sie selbst sagt. Und will das auch sein.

„Man darf weltliche Gelüste haben! Man

kann von niemandem erwarten, nur

glutenfreien Haferschleim zu essen und

nur im eigenen Land Urlaub zu machen.“

Man dürfe das Leben genießen, sagt

sie. Und daher macht sie ihre (Un-)Taten

auch transparent – selbst wenn sie,

wie kürzlich, für den einen Flug im Jahr

mal wieder geshamed wurde. Die harte

grüne Community scheint zwar anbeten

zu wollen, aber vergeben will sie nicht.

Entweder man ist gut oder böse, so die

Logik: „Satan oder Engel“, wie Madeleine

pointiert.

Doch so sehr irdisches Verhalten

bei einer Ikone auch enttäuschen

mag, es gibt auch eine Kehrseite: Den

Erleichterungseffekt! Flora kennt dieses

Gefühl von Erleichterung spätestens,

seit sie ihre Karriere bei der Umweltorganisation

startete. Einmal, als sie den

stinknormalen Joghurt einer Billigmarke

im Bürokühlschrank entdeckte – und

ganz erstaunt über ihre eigene Reaktion

war: Sie, die Veganerin, verdrehte nicht

empört die Augen über ihren Fund – im

Gegenteil, sie war total erleichtert und

freute sich: „Hier machen Menschen

Fehler – ökologisch gesehen. Wie

schön!“ Und auch die Tatsache, dass in

dieser Küche der Grünmenschen eine

Mikrowelle stand, sichtlich benützt,

erleichterte sie zudem. Auf einmal schien

die Kolleg:innenschaft, zu der sie so

aufschaute, nicht mehr unerreichbar

perfekt, sondern normal und menschlich.

Das tat gut.

Dennoch sieht die Deutsche auch

einen positiven Effekt im Schämen.

Nämlich als regulierendes Moment:

„Schämen kann eine unglaubliche

Kraft entfalten, aber auch unglaublich

destruktiv sein – nämlich dann, wenn

aus Shaming Shitstorm wird.“ Es gibt

eben einen Unterschied zwischen sich

selbst schämen und beschämt werden.

Der spürbare Druck gehöre trotzdem zur

Pionierarbeit der grünen Bewegung dazu:

Ohne ihn würde Flora beispielsweise

nicht so überzeugt vegan leben, Second-

Hand kaufen und komplett auf Kurztrips

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Bezahlte Anzeige

verzichten. „Ich will ja den Change – ich

will, dass Tiere nicht weiter so gehalten

werden und unser Planet drauf geht.“

Bloß dürfe es nicht elitär werden, ergänzt

sie.

Stichwort grüner Wandel: Ich rufe

noch kurz bei Emir Dizdarević von der

Partei „Die Grünen“ an. Der junge Politiker

ist Bezirksrat in der Wiener Josefstadt.

Erlebt er als Umwelt-Politiker auch

einen Druck im Umfeld? „Nicht im negativen

Sinn“, antwortet Emir. „Bewusstseinsbildung

muss nicht Kritik sein – es

shamed mich keiner.“ Man könne grüne

Werte lustvoll leben. „Ich fahre zum Beispiel

mit dem Fahrrad, koche oft vegan

Die Leute glauben,

wenn du dich für

ein bestimmtes

Thema einsetzt,

dass du 360

Grad fehlerfrei

Regenbogen

scheißt.“

und meine neue Jacke besteht aus recycelten

PET-Flaschen.“ Bei ihm klingt es in

der Tat ganz leicht. „Wir als Partei leben

die Werte vor, das Individuum ist etwas

anderes. Da geht es nicht um Druck,

sondern um Dialog.“ Und überhaupt, vor

allem gehe es aus Emirs Sicht darum,

einmal die CO2-Emmissionen zu senken

– ganz Wiener Grüner ist das eine Frage

des Verkehrs: „Wir müssen den Verkehr

in den Griff kriegen!“

In der Tat, auch die beiden Frauen

betonen, dass die Verhältnismäßigkeit oft

abhandenkommt. Die grüne Diskussion

führt schnell am Ziel vorbei. „Nach dem

Motto: Wenn du jetzt aufhörst, Plastikstrohhalme

zu verwenden, dann ist die

Welt gerettet. Aber die strukturellen und

politischen Probleme werden dabei gar

nicht angegriffen, sondern es beschränkt

sich auf eine Beschämung von Individuen“,

findet Madeleine. Immerhin seien

für den Großteil des CO2-Fußabdrucks

auf unserem Planeten lediglich eine

Handvoll von Unternehmen verantwortlich.

„Da ist es dann total lächerlich,

jemanden wegen eines Flugs zu shamen

oder weil man das falsche Waschmittel

gekauft hat. Es macht das Kraut nicht

fett.“ Die Sinnfluencerin sieht daher

auch kein Problem darin, ihren eigenen

ökologischen Kodex privat manchmal zu

durchbrechen. Während des Corona-

Lockdowns habe sie sich zum Beispiel

einen neuen Lippenstift von L’oreal bei

dm gekauft – einfach, weil sie einen

neuen Lippenstift haben wollte. „Man

darf auch mal Mensch sein!“, appelliert

sie. Aber Gelassenheit und Wohlwollen

scheinen auf dem grünen Missionspfad

nicht vorgesehen, stattdessen herrscht

das Gefühl von Sündenbeichte und

Selbstkasteiung, als stünde man vor

einem Grünsten Gericht. „Dabei es geht

ja auch darum, unser inneres Ökosystem

zu schützen“, so Flora zum Ende. ●

*Name von der Redaktion geändert

© unsplash.com/James Dryden/ Dose Juice/ Cason Asher/ Charles Deluvio/ Mockup Graphics/ Christine Siracusa, cleanpng.com/Yadira

Kinder- und Jugendhilfe

01 4000 8011 (Mo – Fr, 8 – 18 Uhr)

Kinder- und Jugendanwaltschaft

01 70 77 000 (Mo, Mi, Do, Fr: 9 – 16 Uhr, Di: 13 – 16 Uhr)

Corona-Sorgenhotline Wien

01 4000 53000 (tgl. 8 – 20 Uhr)

Du fühlst dich zerknittert?

Die Corona-Pandemie hinterlässt bei allen ihre Spuren – von Niedergeschlagenheit

bis zu ernsthaften Depressionen. Aber du bist nicht allein: Die Stadt Wien ist mit

ihren Service-Angeboten für dich da. Ruf uns an, wenn du Hilfe brauchst!

40 / RAMBAZAMBA /

wienkuemmerts.wien.gv.at



YALLA KLIMASCHUTZ

Stylisch von Kopf bis Fuß mit Secondhand-Looks. Unsere beiden Models Ajdin und Miriam haben ihre Outfits

bei „Marlo Vintage“ gefunden. Egal ob Hemd oder Hose, Schal oder Schuh, T-Shirt oder Tasche: Für jede

Jahreszeit kommt man für wenig Geld auf ein cooles Outfit. Wir sagen: Kein „Hemdscham“-Alarm!

ZUM

HEMDSCHÄMEN?

Secondhand-Boutiquen boomen

in den letzten Jahren.

Jedoch herrscht in migrantischen

Communities immer

noch ein Stigma gegen den

Kauf von gebrauchter Kleidung.

Über Sauberkeitswahn und

Armutsvorurteile.

Text: Nada El-Azar, Fotos: Zoe Opratko

Ein Elternbesuch in Wien-Favoriten. Zum Mittagessen

trage ich meine „neue“ Lieblingsbluse im 70s-Look,

die ich wenige Tage zuvor in einem Secondhand-Shop

gekauft habe. Meiner Mutter fällt das Stück sofort auf. „Schöne

Bluse! So eine ähnliche hatte ich vor Ewigkeiten auch“, kommentiert

sie. „Danke“, entgegne ich, „die habe ich für 12 Euro

gebraucht gekauft.“ Sofort verzieht Mama das Gesicht. „Warum

kaufst du denn gebrauchte Sachen? Das hatte vorher schon

jemand an! Brauchst du Geld?“, ist ihre Antwort.

DER SECONDHAND-BOOM KOMMT

BEI MIGRA-ELTERN NICHT AN

Kaum eine Industrie ist in den letzten Jahren so stark gewachsen

wie die Bekleidungsindustrie. Statistiken zeigen, dass

jährlich mehr als 55 Millionen Tonnen Kleidung verkauft

werden – viel davon landet ungetragen wieder im Müll. Der

Boom fordert Opfer auf vielen Ebenen: Die Arbeitsbedingungen

in den Textilfabriken, die sich häufig in Ländern im Globalen

Süden befinden, verschlechtern sich stetig. Man erinnert sich

mit Schrecken an den Gebäudeeinsturz des Rana Plaza in

Bangladesch, bei dem 1000 Menschen starben. Deswegen

ist es wichtig, Kleidung bewusst zu kaufen und bereits getragenen

Stücken eine zweite Chance zu geben. Die Vorbehalte

um Secondhand-Fashion sind vor allem bei jungen Menschen

viel schwächer geworden – jedoch in migrantischen Familien

überzeugt dieser Trend oft nicht. Woran liegt das?

BURBERRY-SCHAL FÜR EINEN EURO

Ähnliche Begebenheiten, wie sie ich mit meinen Eltern erlebt

habe, schildert auch die Polin Aneta. Während sie und ihre

FreundInnen regelmäßig in Wien in Shops nach coolen Teilen

aus zweiter Hand stöbern, wollen ihre Cousinen in ihrem kleinen

Heimatort in Polen gar nicht erst gesehen werden, wie sie

mit Aneta einen Secondhandshop betreten. Zu groß ist Scham.

„Man glaubt, dass nur arme Leute in einen Secondhand-Shop

gehen und dass die Kleidung nicht sauber sei“, so die 27-jährige

Aneta. Auch ihre Eltern betrachten ihre Leidenschaft für

das „thriften“ argwöhnisch. „Die Generation unserer Eltern und

Großeltern versteht den Sinn dahinter gar nicht. Sie verbinden

das noch zu stark mit dem Sozialismus und der Armut. In

Großstädten wie Warschau sieht es anders aus, aber in den

kleinen Orten ist das Stigma noch sehr groß“, so die Studentin.

Dass die Secondhandshops vielerorts gemieden werden, ist

zu einem Vorteil für Aneta geworden. „Ich habe einmal einen

echten Burberry-Schal für einen Euro bekommen!“, erzählt sie

stolz.

SECONDHAND WIRD ZU

UNRECHT ABGEWERTET

„In der Balkan-Community ist allgemein bekannt, dass es

eine gewisse 24/7-Eitelkeit und einen Hang zum Protzen gibt.

Secondhand klingt dort alles andere als glamourös“, sagt die

Studentin Zora. Sie hat ihre Wurzeln in Nordmazedonien und

wurde über Social Media beim Kauf neuer Kleidung zunehmend

verantwortungsbewusster. „Ich habe beim Einkaufen das

Motto: ‚Hey, du brauchst nicht jeden Monat ein neues Oberteil,

das Frauen in Entwicklungsländern für einen Niedriglohn

produziert haben!‘“, so die 26-Jährige. Ihr ist es ein wenig

peinlich, wie ihre Verwandten auf Instagram mit den neuesten

Markenklamotten posen. Trotzdem versteht sie, was die

Gründe dafür sein könnten. „Ich denke, dass der Drang, teure

Marken zu kaufen und herzuzeigen, bei vielen im Kern auch mit

sozioökonomischen Komplexen zusammenhängt. Vor allem in

Arbeiterfamilien will man sich oft ‚das Gegenteil beweisen‘ und

zieht sich dafür extra neu und teuer an und gibt das auch an

die Kinder weiter“, erklärt Zora. Gleichzeitig hat sie bei vielen

migrantischen Müttern aus ihrem Umfeld einen regelrechten

Sauberkeitswahn beobachtet. „Getragene Kleidung wird nur

innerhalb der Familie weitergegeben, aber Secondhand-Shops

werden total abgewertet. Man wisse ja nicht, wer vorher die

Kleidung getragen habe, ist häufig das Argument“, lacht sie.

Dabei wird Kleidung in Secondhand-Shop selbstverständlich

immer gewaschen verkauft. Wieso nicht diese alten Muster

aufbrechen und den Gang zum Secondhand-Shop wagen?

Vielleicht wird jemandes altes Hemd dort zu deinem neuen

Lieblingsstück. ●

42 / SPECIAL /

/ SPECIAL / 43



7 TIPPS

FÜR EIN NACHHALTIGERES LEBEN

Klimaschutz ist keine Rocket-Science. Hier haben wir sieben knackige

Tipps, mit denen du deinen Alltag umkrempeln kannst!

„EIN OLDTIMER IST IMMER NOCH

NACHHALTIGER ALS EIN NEUER AMG“

YALLA KLIMASCHUTZ

Wird für Tofu der Regenwald gerodet? Ist Fleischersatz

immer die bessere Alternative? Martin Wildenberg ist

Nachhaltigkeitsexperte bei Global2000 und kann die

größten Nachhaltigkeitsmythen entlarven.

1.

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5.

6.

7.

Verschwende keine Lebensmittel

Landet bei dir wöchentlich Essen im Müll? Dann verzichte

auf große Wocheneinkäufe und kaufe gezielt für deinen

Hunger ein. Nutze auch Apps wie „Too Good To Go“ um

Lebensmittel vor der Verschwendung zu bewahren.

Hausmittel statt chemischer Reiniger

Essig, Zitronensäure, Soda und Natron sind, mit etwas

warmem Wasser verdünnt, die perfekten Alternativen zu

aggressiven chemischen Reinigern. Deinen Wasserkocher

kannst du so beispielsweise mit einer ausgepressten

Zitronenhälfte entkalken, indem du sie einmal aufkochen

lässt. Eine Schale Kaffeesatz kann unangenehme Gerüche

im Kühlschrank bekämpfen.

Natürliche Schönmacher

In vielen Peelings für das Gesicht steckt Mikroplastik.

Verwende stattdessen Kaffeesatz, um deine Haut von

überflüssigen Schüppchen zu befreien. Steige auf Naturseife

aus Olivenöl um. In vielen Drogerien werden auch

feste Shampoos und Duschgels verkauft, das spart eine

Menge Plastikmüll.

Kaufe regional und saisonal

Erdbeeren im Jänner kaufen? So nicht! Checke regelmäßig,

wann welches Obst und Gemüse Saison hat. Nutze

hierzu zum Beispiel den Bio-Saisonkalender von Global2000

online und vermeide so Schadstoffe.

Secondhand-Möbel kaufen

Tische, Regale und Schränke werden häufig in gutem

Zustand aus Platzgründen weggegeben. Checke regelmäßig

Flohmärkte oder Seiten wie Willhaben.at oder durchsuche

Gruppen auf Social Media nach Stücken, die sonst

im Müll landen würden. Das spart nicht nur Geld – deine

Wohnung sieht sicherlich origineller aus!

Organisiere einen Kleidertausch mit Freunden

Keine Lust mehr auf immer dieselben Outfits? Vielleicht

geht es deinen Freunden genauso. Organisiere einen

Tausch und komme so an neue Kleidung, statt neue zu

kaufen!

Lerne Kochen

Zuhause frisch und selber zu kochen spart nicht nur Müll,

es ist auch gesünder für dich. Koche in größeren Mengen,

damit du noch Proviant für Büro und Schule hast. Das

große Angebot an Kochbüchern und Videos auf YouTube

und Co. macht dir dein neues Hobby sicher schmackhaft.

SECONDHAND

IN WIEN

Ob Kleidung, Möbel, oder Kleinkram

aller Art – wir haben vier heiße Tipps

für alle, die Secondhand lieben oder

lieben wollen:

Marlo Vintage Second Hand

Stylische Kleidungsstücke für Damen

und Herren, sowie Accessoires sind hier

erhältlich!

Währinger Straße 27

1090 Wien

Flohmarkt am Wienerberg

Bei vielen Thrift-Profis die Nummer Eins

für Kleidung, Taschen, Möbel, Haushaltsartikel

und Elektro. Findet immer

sonntags statt.

Parkplatz der Billa Plus Filiale Wienerberg

1100 Wien

Volkshilfe

Mit mehreren Standorten in der ganzen

Stadt vertreten. Möbel, Kleidung,

Geschirr, Bücher und vieles mehr gibt es

zum Beispiel in Floridsdorf.

Scheydgasse 21-25

1210 Wien

Babäm Secondhand

Ausgewählte Kleidung aus zweiter Hand

für Herren, Damen und Kinder. Reinerlös

wird dabei an die SOS Kinderdörfer

gespendet. Online-Shop vorhanden!

Lindengasse 7

1070 Wien

Mehr Shops findet ihr beim Seconhand-

Guide von Global2000: https://www.

global2000.at/second-hand-guide-wien

© Zoe Opratko, unsplash.com/ Liuba Bilyk/ Crema Joe/ Haryo Setyadi/ Edgar Castrejon/ Eduard Militaru/ Annisa Ica/ Kalos Skincare, cleanpng.com/Daa3/ Omobolanle/ Teete

© Stephan Wyckoff

Interview: Nada El-Azar

BIBER: Welche einfachen Dinge kann jeder von uns in seinem

Alltag ändern, um sofort nachhaltiger zu leben?

MARTIN WILDENBERG: Bewusster Konsum ist die beste

Lösung für ein nachhaltigeres Leben. So sollte man unbedingt

überlegen, ob man die Sachen, die man kauft, auch

wirklich braucht. Bei Lebensmitteln macht tatsächlich die

Reduktion von tierischen Produkten wie Fleisch, Milch und

Käse schon einen Unterschied - und immer auf Bio-Produkte

achten!

Ist Fleischersatz immer besser für die Umwelt?

Prinzipiell würde ich sagen, ja. Pflanzliche Produkte haben

in der Regel einen geringeren Ressourcenverbrauch als tierische.

Man muss einem Tier 10 Kalorien zufüttern, um eine

Kalorie im Fleisch zu bekommen. Verhältnismäßig ist es dann

besser, gleich pflanzliche Produkte zu konsumieren.

Was ist der wahre Preis eines 5-Euro-T-Shirts?

Da steckt natürlich sehr viel Ausbeutung drin. Billige Mode

wird auf dem Rücken der ArbeiterInnen der Textilbranche

produziert, deren Arbeitsbedingungen unter moderne

Sklaverei fallen. Viele arbeiten sechs oder sieben Tage

pro Woche, ohne Krankenversicherung und müssen ihren

Arbeitgebern noch etwas von ihrem Hungerlohn für ihre

Unterkunft abgeben. An den Folgen der Pestizidbelastung

auf Baumwollfeldern sterben jährlich zwei bis drei Millionen

Menschen. Das sind die sozialen Aspekte der Fast-Fashion,

mal abgesehen von den Umweltschäden, die jedem bewusst

sein sollten.

Wie kann man trotz Flugreise möglichst nachhaltig Urlaub

machen?

Am besten wäre es natürlich nicht zu fliegen (lacht). Aber

man sollte auch vor Ort möglichst die lokale Wirtschaft

unterstützen und beim Einkaufen dieselben Regeln beachten

wie zuhause.

Ist AMG oder Oldtimer in der Stadt fahren notwendig?

Natürlich ist es nicht notwendig. Aber wenn man schon

protzen will, ist der Oldtimer nachhaltiger als der AMG, weil

er einfach länger genutzt wird. Der Energieaufwand um ein

Auto zu produzieren ist enorm, daher zahlt sich der Oldtimer

eher aus – wenn man dabei die Feinstaubbelastung auslässt.

Wie kann man die ältere Generation davon überzeugen

nachhaltiger zu leben?

Unsere Omas und Opas leben nachhaltiger, als wir glauben.

Bei vielen älteren Menschen ist zum Beispiel Lebensmittelverschwendung

eine entsetzliche Sache. Die gute alte

Hausmannskost, bei der kein Produkt verschwendet wird,

wurde dieser Generation noch nahegelegt. Problematischer

ist eher die Boomer-Generation, die im Wirtschaftswachstum

groß geworden ist und die schwerer davon zu überzeugen

ist, ihr Verhalten zu ändern. Ein gutes Argument kann dabei

immer sein, dass sie die Welt für die Nachfolgegenerationen

schützen sollten.

Welcher Nachhaltigkeitsmythos ist besonders weit verbreitet

und gehört aufgeklärt?

Oft höre ich über Sojaprodukte wie Tofu, dass dafür der

Regenwald in Brasilien gerodet wird. Das stimmt so nicht,

denn das Soja, das für die allermeisten heimischen Produkte

verwendet wird, stammt aus Europa. Der Großteil der Sojaproduktion

in Südamerika geht in die Tiernahrung.

Wer sind die größten Klimasünder?

Ganz klar sind die Schwerindustrie, Rohstoffabbau fossiler

Brennstoffe und die Zementproduktion ganz weit oben auf

der Liste der Klimasünder. Im Vergleich dazu sticht sogar die

Textilbranche nicht wirklich heraus.

Inwiefern kann das Konsumverhalten von uns als Einzelpersonen

das Klima schützen? Welche Dinge müsste beispielsweise

der Staat noch besser regeln?

Unser Konsumverhalten beeinflusst den Markt enorm,

speziell bei Lebensmitteln. Man braucht sich nur anzusehen,

wie viel mehr an Bio-Produkten, vegetarischen und veganen

Alternativen jetzt im Supermarkt verkauft werden als noch

vor einigen Jahren. In Österreich wird mehr Geld für Werbung

ausgegeben als für das Bildungssystem. Was der Staat

besser regeln könnte wären Probleme wie „Greenwashing“

und fehlende Transparenz beim ökologischen Fußabdruck

von Produkten. Sogenannte „Superfoods“ wie Jackfruit, Goji-

Beeren und Co. sind meistens Marketingschmähs.

Dieses Nachhaltigkeitsspecial ist Teil des Projekts „Yalla Klimaschutz - Umweltbildung für alle!“ von GLOBAL 2000, das vom Bundesministerium

für Klimaschutz und Umwelt gefördert wird. Die redaktionelle Verantwortung liegt bei BIBER.

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TECHNIK & MOBIL

Alt+F4 und der Tag gehört dir.

Von Adam Bezeczky

„DIE XBOX SOLL WEITERHIN EIN

HIGHLIGHT IM WOHNZIMMER BLEIBEN“

Florian Liwer, Director

Xbox Gaming DACH, hat

mit biber über die Auswirkungen

der Pandemie, die

aktuelle Konsolengeneration

und über das Gaming

der Zukunft gesprochen.

MEINUNG

Krypto hin,

krypto her

Das digitale Schürfen von Krypto-

Währungen läuft seit Jahren.

Inzwischen verbrauchen Mining-

Farmen soviel Energie wie ganze

Staaten. Der Gier nach schürffähiger

Hardware erstreckt sich

nicht nur mehr auf elektrische

Energie, auch Grafikkarten sind

betroffen, neuerdings auch Festplatten.

Ein Preisanstieg bei diesen

Speichermedien wird ebenso

erfolgen wie eine Knappheit in der

Verfügbarkeit. Digitale Währungen

waren eine tolle Idee, sind aber

ähnlich aus den Fugen geraten

wie Desinformation über Social

Media. Regulierungsversuche

werden also kommen, fragt sich

nur in welcher Form: ein Totalverbot

oder doch nur eine staatliche

Überwachung? Jedenfalls wird der

Crypto-Geldmarkt es in Zukunft

schwer haben, das Image des

Zukunftsgelds aufrecht zu erhalten,

wenn das Bezahlen zu einem

Strafverfahren führen könnte.

bezeczky@dasbiber.at

paprikap0w3r

FLUT IM BUNKER

Schlechte Neuigkeiten vom Saatgutbunker

in der Arktis: eigentlich als

Notfallreserve angelegt, könnte der

Klimawandel die ganze Anlage auftauen

und überfluten. Im norwegischen

Spitzbergen musste das „Global Seed

Vault“ bereits nach weniger Jahren

saniert werden. Das Erbauerunternehmen

beschwichtigt zwar, doch zeigt der

Vorfall, dass der Mensch beständigt

jenen Ast sägt, auf dem er sitzt.

CHINA BAUT

WELTRAUM­

STATION

Die Volksrepublik China hat

im Mai das erste Modul der

chinesischen Weltraumstation

Tiangong (Himmlischer

Palast) mit einer Rakete in die

Erdumlaufbahn gestartet. Das

Tianhe-Zentralmodul wird der

Ausgangspunkt für den weiteren

Ausbau der Station werden, die

später drei Astronauten Platz

bieten soll.

Weiße Farbe für

Klimaschutz

ForscherInnen der Purdue Universität

in den USA haben eine

weiße Farbe entwickelt, die 98

% der Lichteinstrahlung zurückwirft.

Die patentierte

Farbmischung besteht

aus Barium Sulphat

und könnte, wenn es

im großen Maßstab

angewendet wird,

Gebäude passiv, also

ohne zusätzlichen

Einsatz von Energie

kühl halten. Die Farbe

soll in ein bis zwei

Jahren auf den Markt

kommen.

© Marko Mestrovic, China Manned Space Engineering Office, Riccardo Gangale, Jared Pike

© 2021 Microsoft

Von Adam Bezeczky

BIBER: Florian, die Xbox Series X und Series S sind

gelauncht. Was sind die Highlights?

FLORIAN LIWER: Der Launch war für die MitarbeiterInnen

eine anspruchsvolle Geschichte, auf die wir sehr stolz sind.

Menschen haben auf die Konsolen hingefiebert, die Nachfrage

ist weiterhin hoch. Die zwei Konsolenstrategie mit Series

S für Gelegenheitsspieler und ein High-End Modell mit der

Series X für höchste Ansprüche war goldrichtig. Und es zeigt

sich, dass gerade in der Pandemie die Series S ein gutes Einstiegsmodell

ist für Menschen, die sich ins Gaming vorwagen

wollen.

BIBER: Wie haben sich Lockdowns und die Pandemie ausgewirkt?

FLORIAN LIWER: Gaming wurde durch die Pandemie natürlich

verstärkt nachgefragt, nicht nur als Unterhaltungsmöglichkeit,

sondern um einfach mit den Freunden in Kontakt

zu bleiben oder zu treten. Das sehen wir an unseren ganz

starken Aktivitätenzahlen.

BIBER: Werden wir zwischen MS-Teams und Xbox in Zukunft

Verbindungen sehen? Immerhin ist Teams die Lernplattform

in Österreich.

FLORIAN LIWER: Es ist wissenschaftlich belegt, wie gut

digitale Lerninhalte das Lernen verbessern können. Xbox ist

für Microsoft der Ort, an dem Menschen Spaß haben sollen.

Aber die Minecraft Education Edition oder Age of Empires

sind gute Beispiele, die zeigen, dass man spielend Englisch

oder Geschichte lernen kann.

BIBER: Du sprichst über die hohe Nachfrage, die Pandemie

hat ja weltweit für einen Mangel an Chips und Halbleitern,

die für die Konsolen gebraucht werden, gesorgt.

FLORIAN LIWER: Ja nicht nur wir, ganz viele Branchen

kämpfen mit der Problematik. Wir arbeiten eng mit dem

Chiphersteller AMD zusammen, damit diese Engpässe rasch

beseitigt werden können.

BIBER: Gehen wir über zum Thema Gaming der Zukunft.

Welches Ziel verfolgt Xbox?

FLORIAN LIWER: Auf der Welt gibt es 3 Milliarden Menschen,

die regelmäßig spielen, 500 Millionen spielen auf

Konsolen. Auf unser Ökosystem kann man über Handy,

Tablet, PC und die Konsole zugreifen. Verbesserte Jugendschutzeinstellungen

sorgen dafür, dass die Eltern immer den

Überblick haben. Unser inklusiver Ansatz ist, dass alle, auch

Menschen mit Beeinträchtigungen, zum Beispiel mit dem

Adaptive-Controller am Spielen teilhaben können.

BIBER: Ist dies die letzte Generation der physischen Konsolen?

Werden wir in Zukunft alles aus der Cloud streamen?

FLORIAN LIWER: Microsoft investiert ganz stark weiterhin in

die Xbox als Gerät, es soll weiterhin das Highlight des Wohnzimmers

bleiben. Es bietet einfach die beste Spielerfahrung,

aber in den Emerging-Markets ist das Cloud-Gaming sicherlich

eine interessante Möglichkeit, Menschen das Spielen

zu ermöglichen, ohne dass sie gleich 500 Euro ausgeben

müssen.

BIBER: Apple und Epic Games streiten sich wegen dem

übergreifenden Spielen (Crossplay) zwischen den Plattformen

und Spielekonsolen. Wie steht ihr dazu?

FLORIAN LIWER: Microsoft und Xbox hat da eine ganz klare

Stellung dazu. Wir sind offen für Crossplay und fördern das

ganz stark. Wir sind der Meinung, dass man Communities

nicht trennen sollte, sondern ihnen die Chance bieten soll,

gemeinsam Spaß zu haben, egal auf welchem Gerät.

BIBER: Werden wir weiterhin Xbox in Österreich bei Events

vor Ort treffen?

FLORIAN LIWER: Österreich ist ein Markt mit fünf Millionen

Spielern, also 6 von 10 Österreichern spielen wöchentlich.

Und Events wie zum Beispiel Game City sind Highlights. Wir

finden es sehr schön, dass Schulklassen dort eingebunden

werden.

Series S für Gelegenheitsspieler und das High-End Modell Series X

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KARRIERE & KOHLE

Para gut, alles gut

Von Anna Jandrisevits

LEHRLINGE GESUCHT!

MEINUNG

Ein Liebesbrief an

die Generation Z

Ich bin auf wenig so stolz, wie auf die Tatsache,

dass ich zur Generation Z gehöre. Mit

meiner Geburt 1997 habe ich gerade noch

die Kurve gekratzt, mich von den Millennials

abgekapselt und bin in eine Elite aufgestiegen.

Ich mache keine Witze: Gen Z wird

die Welt verändern, langsam aber doch. Es

sind die Greta Thunbergs dieser Welt, die

mehr für den Klimaschutz machen als ganze

Regierungen. Es sind die jungen Leute, die

rechtsextremen Parteien meist keine Stimme

geben, wie das Wahlverhalten zeigt. Es

sind Theo Haas und Tierra Rigby, die gegen

die Abschiebung ihrer Mitschüler*innen

mobilisierten und den Ute-Bock-Preis für

Zivilcourage erhielten. Es war die Gen Z,

die mithilfe von TikTok Tickets für Donald

Trumps Wahlkampf kaufte, damit die Ränge

leer blieben. Diese Generation benutzt das

Gendersternchen, ohne eine Diskussion

darüber zu führen. Sie setzt sich kritisch

mit Kapitalismus auseinander, hinterfragt

die 40-Stunden-Woche und priorisiert ihre

mentale Gesundheit. Alles Schlechte in der

Welt wird sich durch diese Generation nicht

in Luft auflösen. Und doch setzen gerade

viele junge Menschen Himmel und Hölle

in Bewegung, damit sich etwas verändert.

Liebe Gen Z, ihr macht jetzt schon mehr als

die meisten alten, weißen Männer je getan

haben. Weiter so.

jandrisevits@dasbiber.at

MAILAB:

Auf ihrem YouTube-

Kanal macht die

Chemikerin Mai Thi

Nguyen-Kim wissenschaftliche

Themen

mit coolen Videos

zugänglich für junge

Menschen.

Was ist WoMentor?

WoMentor bietet persönliche

Weiterentwicklung

durch Mentoring

und Coaching mit der

Mission, Frauen zu

inspirieren, ihr Potential

zu erkennen und ihren

individuellen Berufsweg

zu gestalten.

Wieso brauchen wir

Mentoring für Frauen?

Frauen erleben immer

noch Diskriminierung

am Arbeitsplatz

aufgrund ihres

Geschlechts. Durch

erfahrene Mentor:innen

erhalten Frauen wertvolle

Kontakte und

Tipps, die ihnen dabei

helfen, ihre beruflichen

Ziele zu erreichen.

Welche Rolle spielt Diversität im Mentoring?

Intersektionalität ist für unser Mentoring

48 / KARRIERE /

ERKLÄR

MIR MAL:

Mit kreativen Posts

erklärt der Instagram-

Account Begriffe und

Sachverhalte der

Gegenwart, etwa aus

den Bereichen Queer,

Feminismus, Politik

oder Rassismus.

3

FRAGEN AN:

ELHAM RIEFAIE

Pharmazeutin und Social

Media Managerin von

WoMentor

1,5 GRAD:

Der Klima-Podcast von

Luisa Neubauer setzt

sich verständlich mit

der globalen Klimakrise

auseinander und zeigt,

wie sich die Jugend

dieser Herausforderung

stellen kann.

Netzwerk sehr wichtig.

Eine weiße Frau, die

keine Marginalisierung

und Diskriminierung

aufgrund ihrer Herkunft,

Religion oder

Sprache erlebt, wird

einer BIPOC Frau bei

der Verwirklichung ihrer

Karriereziele nur bedingt

helfen können. Natürlich

kann sie ihr mit Rat und

Tat zur Seite stehen,

aber kennt sie die

Herausforderungen, die

nicht-weiße Frauen im

Arbeitsmarkt erleben? Es

ist eine komplett andere

Lebensrealität, die die

Mehrheitsgesellschaft

nur bedingt nachvollziehen

kann. Deswegen ist

mein Appell an BIPOC-Personen: Nutzt

eure Stimme als Mentor:innen, um eure

Erfahrung und Expertise mit euren Mentees

und unserer Community zu teilen!

© Zoe Opratko, privat, funk/maiLab

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der gesetzlichen Lehrzeit.

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FRAU ORTEGA,

DARF ICH MIT

MEINEM SOHN

BOSNISCH

SPRECHEN?

Amar Rajković, Redakteur,

Vater eines dreisprachigen

Dreijährigen.

Zwetelina Ortega, Expertin

für Mehrsprachigkeit, spricht

drei Sprachen daheim.

50 / KARRIERE /

CLARO QUE

DEBERÍAS HABLAR

CON TU HIJO EN

BOSNIO.

Darf ich mit meinem Sohn in der Straßen bahn auf Bosnisch

sprechen? Ist es mit 20 zu spät, meine Muttersprache

Zazaki zu lernen? Die Redakteure Esra Gönülcan und Amar

Rajković holen sich von der Expertin für Mehrsprachigkeit

Zwetelina Ortega Tipps für ihren Alltag.

Fotos: Zoe Opratko

AMAR RAJKOVIĆ: Wie viele Sprachen

werden bei dir zu Hause gesprochen?

ZWETELINA ORTEGA: Bulgarisch,

Spanisch und Deutsch. Meine Tochter

ist acht Jahre alt, mein Sohn sechs. Mit

ihnen spreche ich Bulgarisch, mein Mann

spricht mit ihnen Spanisch. Ich kommuniziere

mit meinem Mann auf Spanisch. Die

Kinder wiederum sprechen untereinander

auf Deutsch.

AMAR RAJKOVIĆ: Warum sollten Eltern

ihre Kinder mehrsprachig erziehen?

Weil die Sprache der Eltern ihre eigene

Erstsprache ist, in der sie Emotionen

am besten vermitteln können. Das ist

viel schwieriger, wenn man in einer

Fremdsprache mit dem Kind redet, in

der man nicht selbst sozialisiert wurde.

Mit welchen Worten wurde ich als Kind

getröstet oder mit welchen Liedern in

den Schlaf gesungen? Das sind nicht nur

Worte, sondern ganz wichtige Emotionen,

die wir brauchen, um in der Welt

anzukommen und Geborgenheit und

Liebe zu spüren. Eine weitere Sprache

öffnet uns Tür und Tor in eine andere

Gesellschaft, eine andere Mentalität. Sie

bestimmt, wie man die Welt wahrnimmt

und interpretiert.

AMAR RAJKOVIĆ: Als 12-Jähriger war

es mir peinlich, mit meiner Mutter in der

Bim auf Bosnisch zu reden. Wie kann

man diese Beklemmung der eigenen

Muttersprache gegenüber erklären?

Das hängt von der gesellschaftlichen

Wahrnehmung der Sprache ab. Sprachen

wie Bosnisch, Serbisch, Türkisch werden

direkt mit Menschen assoziiert, die

kein hohes Bildungsniveau haben oder

wirtschaftlich schwach sind. Überspitzt

formuliert sind das die Sprachen der

Bauarbeiter und der Putzfrauen. Diese

Abwertung hast du als Kind mitbekommen.

Das Abwerten der SprecherInnen

führt zum Abwerten der Sprache. Es

ist wichtig, dass wir den Kindern die

Botschaft vermitteln, dass ihre Mehrsprachigkeit

wertvoll ist. Das kann ich

nicht vermitteln, wenn ich meinem Kind

in meiner Erstsprache etwas ins Ohr

flüstere, damit es ja keiner hört und

komisch schaut. Jede Sprache ist wertvoll

und wert gesprochen zu werden.

AMAR RAJKOVIĆ: Ist das eine Form von

latentem Sprachenrassismus?

Ja. Die Sprachen werden mit weniger

prestigevollen SprecherInnen assoziiert.

Ich habe das auch in der Praxis bei den

Eltern beobachtet, die ihre Kinder mit

Sprachen großziehen, die kein gesellschaftliches

Prestige haben. Sie fragen

mich, wie sie das in der Öffentlichkeit

machen sollen. Ich verorte dabei die

Angst, bei anderen Menschen schlecht

anzukommen. Eine Mutter, die mit ihren

Kindern Französisch oder Englisch

spricht, stellt sich diese Frage nicht.

Denselben Trugschluss erlebe ich auch

bei PädagogInnen, die zu mir kommen.

„Die türkischsprachige Mutter kann

nach fünf Jahren immer noch kein Wort

Deutsch. Wie gibt‘s denn das? Sie soll

sich bitte anpassen. Integrieren. Sie

soll schnell Deutsch lernen.“ Bei einer

Eine weitere Sprache

öffnet uns Tür und

Tor in eine andere

Gesellschaft, eine

andere Mentalität.

englischsprachigen Mutter hört sich das

plötzlich ganz anders an: „Das ist ja gar

kein Problem. Ich kann mich ja mit ihr

auch gerne auf Englisch unterhalten.“

AMAR RAJKOVIĆ: Gibt es einen Zeitraum,

der sich für das Sprachenlernen

besonders eignet?

In Wirklichkeit entwickeln wir uns ein

Leben lang. Aber im Laufe der ersten

zehn Jahre entwickeln wir uns sprachlich

anders, weil man als Kind intuitiv

und spielerisch lernt. Den Zeitabschnitt,

in dem eine Sprache besonders effektiv

erworben werden kann, nennt man

„Critical Period“, der dauert ungefähr

bis zur Pubertät. Bis dahin können wir

Muttersprachenniveau in verschiedenen

Sprachen erreichen.

ESRA GÖNÜLCAN: Meine Eltern sind

Kurden aus der Türkei. Wir haben zu

Hause vorrangig Türkisch gesprochen.

Meine eigentliche Muttersprache „Zazaki“

kam dabei zu kurz. Wie kann ich als

20-Jährige meine Muttersprache neu

erlernen?

Natürlich ist es wichtig, zu sprechen und

zu versuchen, die Sprache aktiv zu verwenden.

Wenn du aber keinen aktiven

Wortschatz hast, dann wirst du auch

nicht sprechen können. Das heißt, du

musst einen aktiven Wortschatz aufbauen

und damit man sprechen kann, muss

man Sätze bauen und dafür braucht man

die Grammatik. Das ist das Problem,

wenn man erwachsen ist, dann muss

das alles parallel passieren, und zwar

in einem aktiven Lernprozess. Hierfür

eignen sich Kurse gut, denn im Regelfall

sind Eltern keine PädagogInnen.

ESRA GÖNÜLCAN: Ein Problem ist, dass

es für „Zazaki“ wenig Literatur gibt und

die regionalen Unterschiede groß sind.

/ KARRIERE / 51



Oft geben kurdische Eltern ihre Sprache

an die Kinder nicht weiter, weil sie schon

die Unterdrückung der Minderheitensprache

im Ursprungsland erfahren haben.

Dann ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich

gering, dass diese Sprache in Österreich

an die Kinder weitergegeben wird. Das

Problem bei „Zazaki“ ist, dass sie keine

verschriftlichte Sprache ist und dadurch

das Erlernen dieser Sprache umso

schwerer fällt.

ESRA GÖNÜLCAN: Wie kann man

Kinder motivieren, die nicht-deutsche

Familiensprache zu sprechen?

Es ist eine Herausforderung, weil

Deutsch irgendwann sehr dominant

wird. Verschiedene Menschen wie die

Oma oder der Freund deiner Schwester,

die die gleiche Sprache sprechen,

motivieren die Kinder, weil die Kinder

merken: „Ah, nicht nur Papa und Mama

sprechen diese Sprache, sondern auch

andere Menschen.“ Es ist entscheidend,

dass man wirklich konsequent bleibt. Als

Hilfe könnten Eltern Medien wie Hörbücher,

Bücher und Filme einsetzen. Es ist

wichtig, sich dabei nicht zu verkrampfen

und das Kind mit Lob und Anerkennung

zu motivieren. Auch Reisen in die

Heimatländer können dabei helfen. Das

Kind merkt dann, dass diese Sprache

von allen gesprochen wird, und wertet

sie auf.

AMAR RAJKOVIĆ: Darf man als Elternteil

mit den Kindern auch zwischen den

Sprachen switchen?

Es gibt das Prinzip „Eine Person, eine

Sprache“ und das ist absolut sinnvoll.

Durch diese Konsequenz hat die

Sprache, die von der Umgebung nicht

gesprochen wird, erst überhaupt eine

Chance, sich beim Kind zu festigen.

Dennoch ist das Alltagsleben nicht

schwarz-weiß. Manchmal, wenn ich

meiner Tochter bei den Schulaufgaben

helfe, dann erkläre ich ihr die Dinge auf

Deutsch, damit sie nicht noch einmal den

Umweg machen muss.

AMAR RAJKOVIĆ: Du bietest Seminare

und Kurse für mehrsprachige Eltern

und PädagogInnen an, die mit vielen

Sprachen im Klassenzimmer „konfrontiert“

sind. Wie läuft das Geschäft trotz

Corona?

Überraschenderweise gut.

AMAR RAJKOVIĆ: Warum überraschenderweise?

Ich bin überrascht, weil wir seit Jahrzehnten

in einer sprachlich vielfältigen

Gesellschaft leben und diese Tatsache

sollte schon längst in die Ausbildung der

PädagogInnen eingeflossen sein. Das

tat es aber nicht und die PädagogInnen

stehen vor einer mehrsprachigen Klasse.

Ich höre oft, dass sie nicht wissen, wie

sie mit der Mehrsprachigkeit umgehen

sollen.

52 / KARRIERE /

biber-Redakteurin

Esra Gönülcan hat Ihre

Mutterspache Zazaki

nie gelernt.

Ist es damit mit 20

Jahren zu spät?

AMAR RAJKOVIĆ: Das österreichische

Bildungssystem hinkt in puncto Mehrsprachigkeitsförderung

hinterher?

Es hinkt nicht nur, es fährt einen Rollator,

weil die politischen Maßnahmen nur

einseitig und allein auf die Förderung

der deutschen Sprache fokussiert sind.

Hierbei werden die Erstsprachen ausgeblendet.

Nach dem Motto: Kannst du gut

Deutsch, bist du gut genug für dieses

Schulsystem. Mit der Einführung von

Deutschförderklassen und dem Deutsch-

Eingangstest in das Bildungssystem

belastet man die Eltern und die nicht

ausreichend vorbereiteten PädagogInnen

zusätzlich. Das ist schrecklich, wenn die

Kinder diesen Druck mitbekommen und

sich als unzureichend fühlen.

AMAR RAJKOVIĆ: Wie lautet die von

PädagogInnen am häufigsten gestellte

Frage?

„Wie gehe ich damit um, wenn Kinder

untereinander eine andere Sprache

sprechen?“, bzw. „Wie kann ich das

unterbinden?“.

AMAR RAJKOVIĆ: Was ist deine Antwort?

Das Ziel ist, Möglichkeiten zu eröffnen, in

denen die Kinder ihre Sprache verwenden

können. Wie kann ich mit ihnen

auf eine wertschätzende Art und Weise

diese Arbeitssprache Deutsch vereinbaren,

wenn Sie für meinen Unterricht

wichtig ist? Wenn ich mit der Mehrsprachigkeit

didaktisch arbeite, gelingt es

mir besser, als wenn ich mich nur auf

Deutsch begrenze. Es ist kein entweder

oder, sondern es ist beides wichtig und

beides kann miteinander funktionieren.

Die Sprachen der Kinder müssen dafür

zugelassen werden, dann kann ich diese

Mehrsprachigkeit kanalisieren und mit

ihr arbeiten. Wenn ich nur Verbote und

Gebote mache, dann gibt es Widerstand

und Ängste.

AMAR RAJKOVIĆ: Gibt es konkrete

didaktische Anwendungsbeispiele, um

mehrsprachige Kinder und Jugendliche

zu fördern?

Es ist sinnvoll, im Unterricht mit allen

Sprachkompetenzen der Kinder zu

arbeiten und als Lehrperson die Sprachbiografie

der Kinder in den Unterricht

einzubinden. Wenn die Kinder im

Unterricht Vorträge halten, könnten sie das zum Beispiel

zwischendurch auch in ihren Erstsprachen machen. Ich habe

schon einmal einem Kind, dem es schwerfiel, auf Deutsch

ein Referat zu halten, den Auftrag gegeben den Vortragstext

zuerst auf seiner Erstsprache zu schreiben. Im Anschluss

hat er versucht das Ganze auf Deutsch zu erzählen. Auf

diesem Weg haben wir Deutsch erreicht und Blockaden im

Kopf gelöst. Somit hat er sich getraut, das Referat zu halten,

und hat auch bemerkt, dass er diesen Text auch auf Deutsch

schreiben könnte.

AMAR RAJKOVIĆ: Mein Sohn wächst mit Deutsch, Bosnisch

und Türkisch auf. Das bedeutet, dass er die Sprache von

rund einer halben Million Menschen in Wien spricht. Wieso

wird er eines Tages Französisch und nicht Türkisch oder

Bosnisch in der Schule lernen?

Frage nicht mich! (lächelt) Wieso gibt es diese Fächer in der

Schule nicht? Warum lernen PädagogInnen in ihrer Ausbildung

nicht eine dieser Sprachen? Dann würden sie auch in

der Klasse besser zurechtkommen. Ich habe mir beispielsweise

Bücher geholt, die Sprachen vergleichen, um zu

verstehen, wie verschiedene Sprachen funktionieren. Somit

kann man Kinder in ihrem Deutscherwerb besser begleiten.

Ich habe nicht 40 Sprachen gelernt, aber es genügt, wenn

ich verstehe, wie eine Sprache aufgebaut ist.

Gönn dir ein

Upgrade in der

#Sommerschule 2021

Sprache ist nicht gleich Sprache

Der Ausdruck Muttersprache macht eine starke Gedankenverbindung

mit der Mutter, obwohl die Sprache vom Vater

des Kindes auch die Muttersprache sein kann. Der Ausdruck

gilt in der Sprachwissenschaft deswegen als überholt.

Stattdessen verwendet man den Begriff Erstsprache.

Das ist die Sprache, mit der das Kind ab seinem Lebensanfang

in Berührung kommt und mit dieser sozialisiert wird.

Ein Kind kann auch mehrere Erstsprachen haben. Beispiel:

Wenn ein Kind in Österreich geboren ist, zu Hause Rumänisch

spricht und mit 1,5 Jahren in den Kindergarten geht,

dann spricht man von doppeltem Erstspracherwerb Rumänisch

und Deutsch. Wenn ein vierjähriges Kind, das als Erstsprache

Rumänisch gelernt hat, nach Österreich kommt,

dann sprechen wir von Deutsch als Zweitsprache. Je älter

das Kind ist, desto eher ist Deutsch die Zweitsprache. Die

Amtssprache ist die offizielle Sprache eines Staates, die

in Ämtern und von den Behörden gesprochen wird. Die

Begegnungssprachen sind Sprachen, die innerhalb einer

Gesellschaft integriert sind. Denn viele Menschen sprechen

in ihrem Alltag neben der Amtssprache eine oder mehrere

andere Sprachen. In Österreich haben viele Kinder und

Jugendliche andere Erstsprachen als Deutsch, von A wie

armenisch bis Z wie Zazaki.

Anmeldung bis

21.6. möglich.

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Platz sichern!

Die Sommerschule ist ein Erfolgsprojekt zur individuellen und gezielten Förderung von

Schülerinnen und Schülern, um einen Aufholbedarf, der durch die COVID-19 Krise entstanden

ist, zu kompensieren. Um gut vorbereitet ins neue Schuljahr zu starten, melde dich

jetzt in deiner Schule an!

www.sommerschule.gv.at

ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

FOTOCREDIT: 123RF/DEAN DROBOT



DIE PARTNER DE R „NEWCOMER“

„In Zeiten des Internets und der

Sozialen Netzwerke ist es wichtig, sich

mit Journalismus und der Qualität von

Nachrichten auseinanderzusetzen.

biber macht Schülerinnen und

Schüler zu Redakteuren.

Das unterstütze ich sehr gerne.“

Heinz Faßmann

Bildungsminister

„Das Projekt Newcomer vermittelt

die demokratiepolitische

Bedeutung des Journalismus

und fördert durch Text- und

Videoworkshops die Kreativität

der Jugendlichen. LUKOIL ist mit

Freude Partner des Newcomers. “

Robert Gulla

Geschäftsführer LUKOIL-Holding

„Die biber-Redakteur:innen engagieren

sich im Newcomer-Projekt, um

Jugendlichen neue Perspektiven und

Selbstbewusstsein zu geben. Das ist eine

Idee, die die ÖBB gerne unterstützen.

Denn unsere Gesellschaft braucht eine

starke, mündige Jugend.“

Andreas Matthä

Vorstandsvorsitzender

ÖBB-Holding AG

Wenn gerade keine Pandemie herrscht, touren biber-

RedakteurInnen im Rahmen des Projekts „Newcomer“ durch

Wiener Schulen und geben im Jahr rund 100 Jugendlichen

eine Projektwoche lang die Chance, ihre Medienkompetenz

und Persönlichkeit zu stärken und neue (Job-)Perspektiven

zu sehen. Auch in Zeiten von Corona läuft das Projekt weiter

- mittels digitaler Kommunikation. Der biber-Newcomer wird

von Menschen gestaltet, die selbst aus zugewanderten Familien

kommen und daher wissen, mit welchen Schwierigkeiten

die Jugendlichen auf dem Weg ins Arbeitsleben konfrontiert

sind. Wenn wir es geschafft haben, können sie es auch!

„Guter Journalismus schafft Verständnis:

Indem er Einblicke in das Leben anderer

vermittelt, berührt, verbindet, Probleme

und Lösungen aufzeigt und eine Basis für

die Demokratie und das Zusammenleben

bildet. Es ist super, wenn sich junge

Menschen dafür begeistern.“

Renate Anderl

AK Präsidentin

BMBWF/Lusser, Martin Lusser, SSR / Johannes Zinner, Mario Aigner, SPAR/Johannes Brunnbauer, Georg Hochmuth, ÖBB Hauswirth

Robert Staudinger / Petra Spiola, Markus PRANTL, HBF/ Franz HARTL, Andreas Jakwerth, AK/Sebastian Philipp, Thomas Ramstorfer / ORF

Um Österreichs größte Schülerredaktion aufzubauen,

braucht es mehr als nur guten Willen. Es braucht enorm viel

Zeit, Geld und Know-how sowie verlässliche Partner, die das

Projekt begleiten. Wir danken unseren vielen Leserinnen

und Lesern, die unsere Crowdfunding-Kampagne unterstützt

haben, um das Projekt zu finanzieren.

Wir danken zudem folgenden Institutionen und Firmen für

die Unterstützung des „Newcomer“-Projekts: Bundesministerium

für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF),

ÖBB, Arbeiterkammer, SPAR, LUKOIL und ORF.

„Wien steht für Vielfalt.

SPAR steht für Vielfalt.

biber steht für Vielfalt. Es

ist schön, Partner für ein

Jugendprojekt zu sein, das

diese Vielfalt auch abbildet.“

Alois Huber

SPAR-Geschäftsführer

„Das Projekt ,Newcomer‘ ist für den ORF

besonders spannend. Denn für unsere

Entwicklung von starken klassischen

TV- und Radioprogrammen in Richtung

multimediale, digitale Plattform und

Social Media ist es notwendig, eine neue

Generation von jungen Mitarbeiterinnen

und Mitarbeitern mit digitalen Skills ins

Unternehmen zu holen.“

Alexander Wrabetz

ORF-Generaldirektor

54 / NEWCOMER /

/ NEWCOMER / 55



„Wir haben seit 18.3.

2020 jede Schulstunde

gestreamt.“

Matthias Roland ist Leiter der Maturaschule

Dr. Roland. Der Magister in

Rechtswissenschaften über die fehlende

Fantasie in der Bildungspolitik,

schnelles Internet und Streaming aus

dem Klassenzimmer.

Text: Naz Kücüktekin, Foto: Helena Wimmer

BIBER: Wenn Sie sich an den ersten Lockdown im März 2020

zurückerinnern: Wie hat Ihre Schule auf die nie zuvor da gewesene

Situation reagiert?

MATTHIAS ROLAND: Wir haben die Auswirkungen der Pandemie

natürlich nicht voraussehen können. Wir haben am

Wochenende, als die Schulschließungen bekannt gegeben

wurden, ein System über Moodle aufgesetzt. Montag und

Dienstag wurde das Lehrpersonal – teilweise schon per Videokonferenz

– eingeschult. Ab Mittwoch, den 18. März 2020,

zwei Tage nach Beginn des ersten Lockdowns, haben wir mit

dem Onlineunterricht begonnen. Seither wurde jede einzelne

Unterrichtsstunde bei Dr. Roland online gestreamt. Wir haben

am Anfang der Pandemie dafür in eine neue Standleitung für

ein schnelleres Internet investiert.

Wer ist er?

Name:

Matthias Roland

Alter: 50

Beruf: Schulleiter

Besonderes: Teilt

sich sein Büro mit

drei Leopardengeckos

namens

Picasso, Van Gogh

und Monet.

Wie ist das bei den SchülerInnen angekommen?

Bei 95 Prozent der SchülerInnen unglaublich positiv. Natürlich

hat nicht alles von Anfang an perfekt funktioniert. Für uns als

private Schule gab es nie klare Weisungen, wie wir zu agieren

hätten. Ich habe mich mehrfach an das Bildungsministerium

gewandt, da kam aber immer nur stilles Schweigen zurück. Ich

würde sagen, dass es alles in allem gut funktioniert hat.

Das war nicht in allen Schulen so.

Ich glaube, in Bezug auf öffentliche Schulen lässt sich sagen:

Auch da gibt es großartige Institutionen, mit super Mitarbeitern.

Und da, wo es vorher schon gut funktioniert hat, hat es

während der Pandemie genauso funktioniert. Unser System ist

ganz anders aufgebaut. Die Schüler kommen freiwillig zu uns.

Wir bereiten uns zusammen auf gemeinsame Ziele vor. „Dr.

Roland“ ist ein Dienstleistungsunternehmen, das sich keine

Ruhepausen erlauben kann.

Welche Lehren haben Sie aus der Pandemie in Bezug auf Ihre

Arbeit gezogen?

Für einen qualitativ hochwertigen Unterricht, egal ob online

oder direkt, braucht es Menschen. Das Lernen komplett zu

verselbstständigen, wird niemals funktionieren, auch wenn

manche Methoden ihre Vorteile haben, weil sie etwa Barrieren

aufheben. Wovor ich Angst habe, sind die psychischen Folgen

der Pandemie für junge Menschen. Im Bereich der sozialen Einsamkeit

vermisse ich von der Politik jeglichen Einsatz, irgendeine

Lösung zu finden, damit junge Menschen sich begegnen

können. Es hätte bestimmt Möglichkeiten gegeben, leerstehende

Sportplätze oder Parks zu nutzen. Auch hätte man sich

einen Schichtbetrieb in kleinen Gruppen überlegen können, mit

Unterricht am Vormittag, Nachmittag und Abend. Ein Großteil

der Lehrer und Eltern hätte sicher dabei mitgemacht. Es hätte

nur mehr Fantasie gebraucht.

Was waren für Sie die größten Herausforderungen in der Krise?

Man hat in der Krisenzeit viele schwierige Entscheidungen treffen

müssen, oft auch proaktiv, weil die Verordnungen erst viel

später kamen. Finanziell war es ebenfalls eine Herausforderung,

da unsere Anzahl an neuen Schülern gesunken ist. Aber

wir leben dennoch und sind sehr privilegiert, den Betrieb auch

während der Krise weiterführen zu können.

Seit 26. April ist regulärer Unterricht wieder möglich. Wie läuft

es bis jetzt?

Wir haben für die Phase nach dem offiziellen Lockdown ein

Programm wieder aufleben lassen, dass sich letztes Jahr schon

bewährt hatte. Wir bieten unseren SchülerInnen die Möglichkeit,

an allen fünf Wochentagen in den Unterricht zu kommen

– natürlich nur, wenn sie wollen. Jene, die Angst haben, am

Unterricht teilzunehmen, weil sie vielleicht mit einem Risikopatienten

in einem Haushalt leben, können am selben Unterricht

online teilnehmen. Wir streamen dafür die Unterrichtstafel aus

den Klassen und übertragen die Stimme der Lehrkraft.

Wie viele SchülerInnen nehmen am direkten Unterricht teil?

Im Bereich der AHS-Matura sind es 25 bis 30 Prozent. Im

Bereich der Berufsreifeprüfung sind es knapp über 50 Prozent,

die am Präsenzunterricht teilnehmen. Dort kann das Schulziel,

die Matura, schon nach einem Jahr erreicht werden. Dementsprechend

ist jede Unterrichtsstunde wichtig.

Eine Welt, die sich laufend verändert, verlangt nach neuen Lösungen. Aus diesem Grund forciert die neue

OMV die Verarbeitung von Öl zu hochwertigen Kunststoffen. Kunststoffe, die in medizinischen Bereichen

und für unsere Gesundheit unerlässlich sind. Dies ist eine von vielen Maßnahmen, durch die wir zu einer

CO 2-ärmeren Zukunft beitragen.

Mehr dazu: omv.com/neue-omv

56 / KARRIERE /



MEINUNG

MEINUNG

WARUM MUSS ICH

EIGENTLICH ZUR STELLUNG?

„WER SCHÖN SEIN WILL, MUSS

LEIDEN“ - ABER WIESO?

WIESO GLAUBEN DIE LEHRER

NICHT AN UNS?

DIE „CORONA MATURA“ –

NICHT GLEICH VIEL WERT?

Der Alptraum ist passiert: Post vom Bundesheer, bald

ist es soweit mit der Stellung. Dabei wollte ich doch

ein Jahr lang vor dem Studium (was soll ich überhaupt

studieren?) die Welt bereisen und überhaupt ist das

jetzt auch schwierig, weil die Erde gerade stillsteht.

Praktikum? Freiwilligenarbeit im Ausland? Wer wird mich

informieren, wie das alles abläuft, und muss ich überhaupt

zur Stellung, wenn ich doch eigentlich gar nicht

will? Wer ist meine Kontaktperson, wenn ich keinen Plan

habe?

Zwar weiß ich jetzt, wie man eine ordentliche Gedichtanalyse

schreibt, aber was nach der Schule passiert, das

wird im Verborgenen gehalten. Außer Mann muss eben

zur Stellung oder hat eine andere Pflicht zu erfüllen.

Rund 60% der Wählenden sprachen sich 2013 für eine

Beibehaltung der Wehrpflicht aus, das sind bei etwa

50% Wahlbeteiligung beinahe ein Drittel der Wahlberechtigten.

Und wegen dem einen Drittel muss jeder

volljährige Österreicher zur Stellung? 2019 wurde in

Wien beinahe jeder Dritte in der Stellung für untauglich

erklärt. Feldwebel erklären sich das durch schlechten

Lebensstil der Jugendlichen, ich erkläre das mit teilweise

beabsichtigter Manipulation: Manche wollen nicht

und finden ihren Weg hinaus. Die Antwort darauf war

die Teiltauglichkeit. Spoiler: Auch das erfreut höchstens

die, die schon lange über der 35-Jahres-Grenze sind.

Immerhin gibt es noch das SFJ. Oder das Umweltjahr.

Dauert auch nur paar Monate länger. Und wo gibt es

dazu Infos? Die eigenen Recherchefähigkeiten sind hier

gefragt, die Infos spärlich, der Aufwand hoch (wenn

man sich nicht für den Easy Life of Bundesheer entscheidet.)

Noch einmal: Wann soll ich studieren? Oder

arbeiten? Oder reisen?

Liebe Schulen, warum erzählt ihr uns nicht einfach, wie

das eigentlich geht? Berufstests sind ja ganz schön,

aber gibt es nicht auch nützlichere Informationen? Und

liebes Österreich: Warum muss ich das eigentlich alles

mitmachen, wenn ich doch was ganz Anderes, anfangen

könnte mit all der kostbaren Zeit?

Ernad Bradarić ist 17 Jahre alt und besucht die

BRG Fadingerstraße in Linz.

Schon immer wurde von Frauen erwartet, dass sie möglichst

„ideal” aussehen. Jede Epoche hatte ihre eigenen Trends

und wir befinden uns in einem Zeitalter, in dem es heißt,

eine Frau muss schlank oder durch Fitness geformt sein, um

wirklich schön zu sein.

Die meisten jungen Frauen kennen es: Man öffnet Social

Media und egal, wo man hinsieht, sind Frauen, die eine

schlanke und/oder trainierte und geformte Figur haben. Wie

soll man sich da schön fühlen, wenn das Einzige, was das

Internet herzeigen will, dasselbe Stereotyp der „perfekten“

Frau ist? Dieses Bild prägt sich bei uns allen ein und so hört

man auch von Freunden, Familie und manchmal auch von

Lehrern Kommentare zum eigenen Körper: zu dick, zu dünn,

zu flach, zu rundlich. So greift man zu verschiedenen Mitteln

wie Sport oder Diäten, um endlich von der Gesellschaft

akzeptiert zu werden. Leider erproben einige junge Menschen

auch Strategien, die am Ende zu einem verletzenden

Umgang mit sich selbst, wie zum Beispiel Essstörungen,

führen können. Laut dem Institut für Suchtprävention sind

vor allem junge Frauen meiner Altersgruppe, also zwischen

16 und 17 Jahren, betroffen. Denn mit diesem Alter ist man

fast erwachsen und der Körper verändert sich stark.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Wenn man einmal

mit Diäten, fraglichen Abnehmmethoden etc. beginnt, führt

dort kein leichter Weg raus. Was außen für einige „ideal“

erscheint, trügt. Der Weg aus dem ungesunden Essverhalten

und Ablehnung des eigenen Körpers spielt sich

vor allem im Kopf ab. Bulimie, Anorexia und Co. bringen

außerdem viele Nebenwirkungen mit sich, einige von ihnen

bleiben sogar ein Leben lang. Auch Rückfälle sind keine

Seltenheit. Es braucht lange, bis man sich entscheidet, aufzuhören

und man schafft es oft nicht alleine raus.

Aber wie kann man andere junge Frauen davon überzeugen,

diese Stereotype loszuwerden und Körper aller Art zu feiern

und zu akzeptieren? Es braucht vor allem ein bestärkendes

Umfeld, mehr Körperdiversität in den Medien und eine Veränderung

darin, wie wir Körper beurteilen, damit sich junge

Frauen wohl in ihrer Haut fühlen. Alle Körper sind schön

und „perfekt“ gibt es nicht. Denn wie schön kann Schönheit

sein, wenn erwartet wird, dass man für diese leidet?

Alina Rachimova ist 16 Jahre alt und besucht

das Döblinger Gymnasium in Wien

© privat, Zoe Opratko

@ Zoe Opratko, Maria Danklmayer

„Man sagt ja, dass ihr alle so arm seid und psychisch belastet“,

machen sich die meisten LehrerInnen zurzeit lustig

und erwarten Höchstleistung von vielen SchülerInnen. Seit

der Corona-Krise hat sich der Alltag von vielen Kindern und

Jugendlichen drastisch verändert. Laut einer Studie der

Medizin-Uni Wien habt sich die psychische Gesundheit von

SchülerInnen massiv verschlechtert. Der Druck von den LehrerInnen

hilft meiner Meinung nach nicht wirklich weiter. Die

meisten LehrerInnen denken wahrscheinlich, dass wir kein

eigenes Leben haben. Viele SchülerInnen fühlen sich von

unseren PädagogInnen missverstanden.

Die Noten haben sich auch sehr verschlechtert, weil die

Jugendlichen keine Hoffnung haben, in deren Traumschule

oder -lehre einen Platz zu bekommen und haben dadurch

jeden Antrieb und jede Motivation verloren, weiter für die

Schule zu arbeiten. Ich bezweifle sehr, dass die Lehrer uns

wirklich weiterhelfen mit dem Ganzen und uns wirklich

Hoffnung geben. „Ausreden und sonst nichts!“, meinen die

Pädagogen und beschuldigen die Schüler, einfach nur faul

zu sein und nichts machen zu wollen. Das sind nicht wirklich

die ermutigenden Worte, die man von einem Lehrer / einer

Lehrerin in dieser Zeit hören möchte. Ich zu meinem Teil

musste auch solche Worte zu hören bekommen. Na klar, die

LehrerInnen machen ja auch ihren Job, aber es gehört doch

nicht dazu, jemanden vor einer ganzen Klasse herunterzumachen,

in manchen Fällen sogar anzuschreien und zu sagen:

„Du wirst es nicht mit der Einstellung schaffen!“ Das kann

einen echt großen Schaden bei SchülerInnen anrichten und

noch mehr Kinder unmotivierter und weniger selbstsicher

machen.

Woran liegt es wohl, dass die Einstellung von Schülern sich

so verschlechtert hat bzw. so negativ ist? Es liegt daran, dass

man alle SchülerInnen in einen Topf wirft und behauptet,

dass es nur an denen liegt und nicht daran denkt, wie sich

die SchülerInnen fühlen. Es kommt am Ende auf die Kommunikation

zwischen den Lehrern und Schülern an. Egal wie

anstrengend und hoffnungslos die Zeit sein mag, man sollte

immer andere ermutigen und helfen, wo es auch nur geht,

und nicht an einer Person zweifeln. Weil wenn nicht die Lehrer

an uns glauben, wer sonst?

Fatima Sarwari ist 16 Jahre alt und besucht die F1 in der

fms Wintzingerodestraße in Wien

„2021 wird die Matura eh nur hergeschenkt.“ „Das ist ja

nicht mal ein richtiger Schulabschluss.“ „Ihr habt’s so ein

Glück, heuer zu maturieren. So einfach wird’s in eurem

Leben nicht mehr.“

Einen dieser Sätze hat man als Maturant:in des Jahrgangs

2021 sicherlich schon mal gehört. Verständlich: Im Vergleich

zu den Jahrgängen davor mussten wir nicht so oft in die

Schule, durften Tests streichen und Deadlines verlängern.

Doch war alles so einfach? Das Leben durch den Bildschirm

zu betrachten, allein zu sein, das Fehlen sozialer Kontakte,

innere Leere und Angst. Man fühlt sich hoffnungslos, haltlos

– nein, die vergangenen zwei Schuljahre waren nicht nur

einfach.

Für mich waren die Erleichterungen für Maturant:innen mehr

als nachvollziehbar: Viele Jugendliche leiden und litten an

psychischen Krankheiten, kämpften mit den Folgen der Einsamkeit

und hatten Existenzängste. Stundenlanges Arbeiten

vor dem Bildschirm und das Selbststudium ganzer Themengebiete

waren keine Seltenheit: Das Arbeitspensum erhöhte

sich, die Selbstmotivation schwand.

Vergangenes Semester hörte ich dann folgenden Satz im

Präsenzunterricht: „Machts jetzt a g‘scheite Matura, macht’s

die Mündliche freiwillig. Strengt euch an, dass ihr einen halbwegs

echten Abschluss bekommt, dann kann euch später

niemand sagen, dass ihr nur die „Corona Matura“ gemacht

habt.“

Ein minderwertiger Schulabschluss, verursacht durch einen

Zustand, der außerhalb meines Einflussbereiches lag und

liegt? Die Schulzeit nichts mehr wert? Nur zu retten, wenn

ich nicht zwingend notwendige Prüfungen doch mache, um

stolz mein „Extrapickerl“ auf dem Zeugnis herzuzeigen? Kein

Maturaball, keine Klassengemeinschaft, wahrscheinlich auch

kein „typischer“ Studienalltag im Herbst – alles halb so wild.

Doch niemand sollte auf das Recht, zukünftig gleich behandelt

zu werden, verzichten müssen. Ist die Matura 2021

genauso viel Wert wie die „Normale“? Ja. In meinen Augen

sogar viel mehr. Mit Stolz werde ich mir den Stempel „Corona

Matura“ aufdrücken, während einer Pandemie maturiert zu

haben und dabei, obwohl mir oft die Luft weggenommen

wurde, nie aufgegeben zu haben.

Bernadette Danklmayer ist 18 Jahre alt und Maturantin

des BG/BRG Stainach in der Steiermark

58 / / RAMBAZAMBA MIT SCHARF //

/ MIT SCHARF / 59



KULTURA NEWS

Klappe zu und Vorhang auf!

Von Nada El-Azar

Podcast-Tipp:

WIENER

FESTWOCHEN

PODCAST

Die Wiener Festwochen

starten 2021 erstmals

einen begleitenden

Podcast zum Programm!

Ausgewählte KünstlerInnen

werden von den

Journalistinnen Clarissa

Stadler und Nada El-

Azar (ja, das bin ich!)

in spannenden Gesprächen

vorgestellt. Mehr

Informationen gibt es

unter: www.festwochen.

at/podcast

MEINUNG

SOLIDARITÄT:

NUR EIN TREND?

MEINUNG

Viel gucken,

nix zahlen!

Erwachsenwerden ist ja ziemlich

cool, aber einige Dinge aus meinem

Teenie-Leben vermisse ich schon.

Die Zeit, in der Steuererklärungen

und Stromrechnungen noch gar kein

Thema für mich waren, verbrachte

ich am liebsten in Museen. Warum?

Weil der Besuch vieler Museen in

Wien für Jugendliche unter 19 Jahren

kostenlos ist! Zu Schulzeiten war

ich bestimmt einmal pro Woche im

Kunsthistorischen Museum, bin durch

die Gemäldegalerie flaniert oder in der

Ägyptischen Sammlung auf die Suche

nach Reliefs gegangen, die ich zuvor

vielleicht übersehen hatte. Die knarrenden

Böden und der Ölfarbengeruch

haben sich so stark in mein Gedächtnis

eingebrannt, dass ich mich jedes

Mal wieder wie 17 fühle, wenn ich

eine Ausstellung dort sehe. Auch noch

als „Erstie“ an der Uni nutzte ich die

Nachmittage zwischen den Kursen, um

in einer Ausstellung neue Eindrücke zu

sammeln. Gerade im Sommer ist ein

Museumsbesuch eine willkommene

Abkühlung und gleichzeitig ein Druck

auf den inneren „Reset“-Knopf. Deshalb

mein Appell an alle U19-Jährigen:

Verschwendet dieses Angebot nicht!

el-azar@dasbiber.at

ARAKI

Nobuyoshi Araki ist ohne Zweifel

einer der bekanntesten,

aber auch kontroversesten

zeitgenössischen Fotografen

Japans. Die Albertina Modern

widmet dem 1940 geborenen

Künstler eine Ausstellung, die

sich seinem Frühwerk widmet,

sowie den 2017 vollendeten

Fotozyklus „Sentimental

Journey“ in den Fokus stellt,

in der Araki unter anderem die

Hochzeitsreise und den frühen

Tod seiner Ehefrau Yoko dokumentiert.

Bis 29. August 2021 in der

Albertina Modern zu sehen.

Buchtipp:

„Möge Allah dich in

die tiefste Hölle

schicken“

Hassan Geuad kam als Flüchtlingskind

aus dem Irak nach Deutschland.

Der studierte Germanist ist Gründer

der Aktion „12thMemoRise“, die mit

kontroversen Straßenaktionen auf

islamistischen Terror aufmerksam

machen soll. Mit seinem ersten Buch

bricht er Tabus innerhalb der muslimischen

Community und kämpft für

einen weltoffeneren und modernen

Islam.

Erschienen beim

Westend Verlag.

© Christoph Liebentritt, ALBERTINA/The JABLONKA Collection/Nobuyoshi Araki, Westend, Filmladen Filmverleih, Netflix, Zoe Opratko, Stefan Oláh

ENDLICH

WIEDER KINO!

KISS ME

KOSHER

Netflix-Tipp:

MEIN

40-JÄHRIGES ICH

Bei einem Urlaub in Israel

verliebt sich die Deutsche

Maria innig in eine Barkeeperin

namens Shira. Schon bald

möchten die zwei heiraten

– jedoch stößt das Vorhaben

auf Widerstand - und

zwar von Shiras jüdischer

Großmutter Berta. Für sie

ist eine Ehe zwischen einer

Deutschen und einer Israelin

ein Ding der Unmöglichkeit.

„Kiss Me Koscher“ ist eine

leichte Komödie, die mit allen

möglichen Rollenbildern und

Vorurteilen auf eine humorvolle

Art spielt. Ein Film von

Shirel Peleg.

Die 40-jährige Dramatikerin

Radha erlebt eine kreative

Wiederbelebung, als sie

eine Gruppe junger Erwachsener

unterrichtet. Jedoch

fällt es ihr schwer, an ihren

anfänglichen Ruhm nach

einer Auszeichnung, die sie

vor mehr als zehn Jahren

bekommen hatte, heranzukommen.

Heimgesucht

von ihrer nicht erfüllten

Karriere und dem Drang,

ein gewisses Publikum zu

erreichen, sucht sie nach

einem neuen Outlet für ihre

Kunst – und das findet sie

im Rap. Regisseurin Radha

Blank spielt die Hauptrolle

in ihrem autobiografisch

angehauchten Film.

© Zoe Opratko

Abstand halten und Maske tragen - Solidarität wurde

in der Pandemie immer und immer wieder gepredigt.

Vor allem uns Jugendlichen: Wir tragen schließlich die

Verantwortung gegenüber den Älteren. Doch mit der

Impfung scheint in Vergessenheit geraten zu sein, dass

aufeinander weiterhin geachtet werden soll.

Jugendliche leiden besonders stark unter dem

Lockdown und den Beschränkungen. Wenn ich

Freund*innen frage, haben wir alle dasselbe Gefühl: Wir

verlieren gerade einen Teil unserer Jugend. Die Zeit,

in der ich mich so viel verändere und Erfahrungen und

Eindrücke sammeln sollte, verbringe ich überwiegend

zu Hause. Aber jammern bringt nichts. Erstens befinde

ich mich in einer äußerst privilegierten Situation und

zweitens gibt es keinen Ausweg. Wir müssen uns und

unsere Mitmenschen schützen, damit unser Leben so

schnell wie möglich zur „Normalität“ zurückkehrt.

Obwohl es auch zu schweren Verläufen bei der jüngeren

Generation kommen kann, wird immerzu betont,

dass wir als Gesellschaft vor allem auf die Älteren

aufpassen müssen. Noch vor einem Jahr zeigte man

Solidarität durch das Minimieren von sozialen Kontakten.

Mittlerweile haben wir eine angenehmere und effizientere

Möglichkeit: die Impfung. Doch mir kommt vor,

dass viele Erwachsene vergessen, dass sie in dieser

Pandemie auch eine Verantwortung gegenüber Kindern

und Jugendlichen haben. Wieso müssen Jugendliche

auf die älteren Generationen Rücksicht nehmen, aber

umgekehrt gilt das nicht? Mit der Entscheidung, sich

nicht impfen zu lassen, gefährdet man nicht nur sein

eigenes Leben. Schulkinder, beispielsweise, können

sich noch nicht impfen lassen – ihre Lehrer*innen aber

schon.

Dass Jugendlichen am Schluss geimpft werden, ist

nachvollziehbar und ich will mich keinesfalls vordrängen.

Es bleibt uns, während wir auf unseren Termin

warten und Jahre unserer Jugend „verlieren“, nichts

anderes übrig, außer zu hoffen, dass die Erwachsenen

in unserem Umfeld uns auch schützen wollen. Deswegen

ist meine Bitte: Hört nicht jetzt auf solidarisch

zu sein. Einfach den zugeteilten Termin abwarten und

impfen gehen.

Zoe Kujawa ist 16 Jahre alt und besucht das Wiedner Gymnasium

60 / KULTURA /



„Ich hätte Medizin studieren

und irgendeinen Prinzen aus

Jordanien heiraten sollen.“

Kurdwin Ayubs Eltern

wollten mit allen Mitteln

verhindern, dass sie

Filmemacherin wird.

Nun spielen die beiden

Hauptrollen in ihrem neuen

Film „Sonne“. Die Wiener

Regisseurin verrät uns bei

einem Besuch ganz privat,

wie sie das geschafft hat –

und mehr.

Text: Nada El-Azar,

Fotos: Marko Mestrović

Als junges Ding

denkt man

immer, dass man

nicht cool oder

geil genug wäre.

Meine erste Kamera hab‘ ich mit

14 Jahren bekommen, mit der

hab‘ ich gern die Burschen aus

meiner Klasse gefilmt, wie sie sich ausziehen.“

Kurdwin Ayub erzählt dies mit

einem kleinen spitzbübischen Lächeln.

„In meiner Klasse gab es Punker-Jungs,

die sich immer ausgezogen haben und

sich gegenseitig angefurzt und angekotzt

haben, das war immer sehr spannend

zu filmen“, erinnert sich die Regisseurin.

Ihre Eltern zu überzeugen, ihr diese

erste Kamera zu schenken, hat einiges

an Überzeugungsarbeit verlangt. Und

sie erinnert sich auch daran, wie gut

ihr Vater darin gewesen ist, heimlich

die Aufnahmen zu sehen. „Ihm hat das

natürlich gar nicht gefallen“, so Kurdwin,

und zupft den mit glitzernden Blutstropfen

dekorierten Rock ihres Moschino-

Kostüms zurecht. (Das Designerstück hat

sie sich vergangenes Jahr zum Geburtstag

selbst geschenkt – für eine Überraschungsparty,

von der sie wusste, dass

sie stattfinden würde.)

KEINE KURDIN,

SONDERN

SIMMERINGERIN

Kurdwin Ayub kam als einjähriges Baby

nach Österreich, ihre Eltern flohen mit

ihr im Jahr 1991 vor dem Krieg aus dem

Irak. In Wien mussten Mutter und Vater

erneut Medizin studieren. Ganze acht

Jahre dauerte es, bis sie wieder ihre

Berufe ausüben konnten. „Bis ich 18

war hatte ich nie daran gedacht, dass

ich Ausländerin bin. Ich war einfach ich.

Erst später bin ich draufgekommen, wie

mich andere Leute sehen. Eigentlich

dachte ich immer, dass ich wie meine

Freundinnen bin“, so die 30-Jährige. Ihre

beste Freundin im Gemeindebau hieß

Sandra und hatte eine „tschickende,

rothaarige Mutter“, wie Kurdwin sie

beschreibt. „Obwohl sie Österreicherin

war hatte Sandra dieselben Konflikte

wie ich, ihre Mutter war streng.“ Sie

empfand sich zu dieser Zeit nie als

Kurdin, sondern als Simmeringerin. Bis

Kurdwin 18 Jahre alt war, lebte sie mit

ihren Eltern und zwei jüngeren Geschwistern

in einer Gemeindebauwohnung in

Wien-Simmering. Dann ging es für sie

in den Bobo-Bezirk Neubau, wo sie mit

einer Freundin hinzog. Für Kurdwin ein

kleiner Kulturschock. „Wir haben in der

Westbahnstraße gewohnt, ich hab’s dort

Regisseurin Kurdwin Ayub posiert vor einigen ihrer Gemälde,

die aus ihrer Studienzeit stammen.

gar nicht gepackt. Meine Freundin war ja

tatsächlich bobo aufgewachsen, aber für

mich war das alles neu. Ich bin erst nach

und nach in diese Szene gelangt“, so die

Filmemacherin.

Heute wohnt die Regisseurin in ihrer

Traumgegend: Dem Arsenal im 3. Wiener

Gemeindebezirk, unweit des Heeresgeschichtlichen

Museums. Zwischen

unausgepackten Umzugskisten lehnen

einige Gemälde an den Wänden, die

aus der Zeit ihres Malereistudiums an

der Universität für Angewandte Kunst

stammen. Kurdwin bewarb sich damals

dort, ohne die Erwartung tatsächlich aufgenommen

zu werden. Doch die Zusage

kam, sehr zum Missfallen ihrer Eltern.

„Mein Vater sagte mir natürlich 20 Jahre

lang auf gut Kurdisch: ‚Nein, du blöde

B*itch, geh‘ gefälligst Medizin studieren‘.

Aber ich habe mich durchsetzen können.“

Während des Studiums begann sie

kleine Videos zu machen, mit ihr selbst

62 / KULTURA /

/ KULTURA / 63



Filmemacher sind

sind gescheit, die

tun alle nur so.

Malen tut Kurdwin Ayub heute nur noch selten. Einer ihrer liebsten Orte in

ihrer Wohnung ist diese Kommode mit einem alten Familienfoto darauf.

als Akteurin. „Performancekünstlerin“

nannte man sie daraufhin schnell. „Ich

wollte immer schon Filme machen, hab‘

mich aber nie getraut mich auf der Filmakademie

zu bewerben. Wenn man ein

junges Ding ist, denkt man immer, dass

man keine Persönlichkeit hätte oder nicht

cool oder geil genug wäre. Ich wusste

halt, dass ich gut malen und zeichnen

kann.“ Heute weiß Kurdwin, dass die

Coolness in der Film-Bubble meistens

heiße Luft ist. „Filmemacher sind nicht

gescheit, die tun alle nur so“, verrät sie.

„MEIN VATER WAR DIE

KURDWIN IN SEINER

FAMILIE.“

Mit ihrem Dokumentarfilm „Paradies!

Paradies!“ von 2016 schlug Kurdwin

Ayub gleich zwei Fliegen mit einer

Klappe. Einerseits machte sie sich einen

Namen als Regisseurin und gewann unter

anderem einen Preis für „Beste Bildgestaltung“

auf der Diagonale. Andererseits

gelang es ihr, ihren Vater endgültig von

ihrer Leidenschaft zu überzeugen. „Ich

hatte das große Glück, dass mein Vater

unterschwellig schauspielerische Ambitionen

hatte“, sagt Kurdwin. Der Film handelte

von einer gemeinsamen Reise mit

ihrem Vater in die kurdische Stadt Erbil

im Irak, wo er sich eine Wohnung kaufen

wollte. Regie und Kamera führte Kurdwin

selbst. Nachdem der Film erschien und

Anerkennung bekam änderte sich die

Einstellung von Kurdwins Eltern gegenüber

ihren Ambitionen als Filmemacherin.

Die Sache war kein Hobby mehr.

„Mein Vater verstand plötzlich, dass er

in seiner Familie die Kurdwin war. Im Irak

hat er früher sogar für Amateurfotos

posiert, lustiger weise sogar recht freizügig“,

lacht sie. So schließt sich wohl der

Kreis zwischen den sich vor ihrer ersten

Kamera ausziehenden Punker-Jungs aus

Simmering und ihrem strengen Vater.

Nun spielen Kurdwins Mutter und

Vater Hauptrollen in ihrem neuen Film

„Sonne“. Der Film, der von Ulrich

Seidl produziert wurde, handelt von

drei Freundinnen, die mit Kopftüchern

verhüllt mit einem Cover des Songs

„Losing my religion“ zum viralen Hit im

Internet werden. Eine der Freundinnen

ist Kurdin, während die zwei anderen

Österreicherinnen sind. Inspiration für

das Drehbuch war, Kurdwins Angaben

nach, eine englische Girlgroup, die schiitische

Gebetslieder auf Englisch sangen.

„Ich habe versucht, die Klischees im Film

ein bisschen umzudrehen. Die Mutter

der Kurdin fand das nicht so toll, dafür

aber der Vater. Die beiden werden von

meinen Eltern verkörpert“, so die Regisseurin.

Von ihrer eigenen Jugend stecke

nicht viel in dem Film – außer einzelner

Szenen, in denen beispielsweise die

kurdische Protagonistin alkoholisiert von

ihren Eltern abgeholt werden musste.

Die Dreharbeiten für „Sonne“ begannen

wenige Wochen vor dem ersten

Lockdown im März 2020 und mussten

aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt

werden. „Erst im Herbst konnten wir wieder

drehen, aber bis dahin steckten viele

Akteure aber schon in neuen Projekten.

Ich habe praktisch wieder von vorne

anfangen müssen. Aber am Ende hat das

dem Film sehr gut getan“, so Kurdwin.

Kommenden Sommer sollte „Sonne“

fertiggestellt werden. Der Kinostart ist

aufgrund der Pandemie noch nicht klar.

Zum Abschluss unserer Home-Story

wechselt die Regisseurin das Outfit und

posiert neben einem ihrer Lieblingsorte

in der Wohnung: Der Kommode mit dem

Foto von ihr mit ihren Eltern und ihren

zwei jüngeren Geschwistern am Flughafen

Wien-Schwechat. „Ich hätte Medizin

studieren sollen, irgendeinen Prinzen

aus Jordanien heiraten und eine Familie

haben müssen, wenn es nach meinen

Eltern gegangen wäre“, so Kurdwin. Ihre

jüngeren Geschwister sind tatsächlich

Medizinstudenten - trotzdem hält sich in

der Familie das Gerücht, dass Kurdwin

das Lieblingskind sei. „Vielleicht einfach,

weil ich das erste Kind bin. Oder auch

vielleicht, weil ich jetzt die Dinge mache,

die meinen Vater eigentlich am meisten

interessiert hätten“, spekuliert sie. ●

Robert Herbe

KOLUMNE

Trauma und Rassismus

Nach einer langjährigen Traumatherapie,

vielen Ausbildungen über Traumata

durch namhafte Expert*innen und

dem Begleiten von vielen Menschen auf

ihrem Heilungsweg von traumatischen

Erfahrungen weiß ich genau, welch zerstörerische

Kombination Traumata und

rassistische Erfahrungen sind.

Ein Aspekt, der in unserer Gesellschaft

kaum beachtet wird. Wenn traumatisierte

Individuen rassistisch behandelt werden,

schnürt einen der Griff des Traumas

noch fester zu. Ein häufiges Symptom ist

dabei das ständig vorhandene Gefühl des

Selbsthasses und der Schuld. Traumatisierte

Individuen versuchen meistens, ihre inneren

Quälereien zu stillen, indem sie sich die Schuld an

dem Erlebten zuweisen. Damit geht der Glaubenssatz

einher, dass sie nicht liebenswert seien, weswegen

haben sie auch das Schreckliche erlebt hätten. Und

das ist der Beginn eines Teufelskreises. Ein negativer

Glaubenssatz bedient den anderen und umgekehrt.

Grundsätzlich ist die Trauma-Aufarbeitung für die

Betroffenen eine äußerst schwierige Angelegenheit,

aber bei Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund

gibt es eine weitere Hürde. Und zwar

Rassismus, Diskriminierung und Fremdenhass. Wenn

Menschen mit einer schweren emotionalen Belastung

rassistisch behandelt und diskriminiert werden,

entsteht der sogenannte „Confirmation Bias“, der

Bestätigungsfehler, und damit geht eine wichtige

Ressource für Heilung kaputt, und zwar „sich mit sich

selbst zu versöhnen“. Es genügen oft die ablehnenden

Blicke im Supermarkt. Alleine in den sozialen

Medien zu sehen, wie Menschen, die ähnliche Biografien

haben, rassistischen Angriffen ausgesetzt sind,

kann großen Schaden verursachen. Dazu kommt

turjman@dasbiber.at

Jad Turjman

ist Poetry-Slammer,

Buch-Autor und

Flüchtling aus

Syrien. In seiner

Kolumne schreibt

er über sein Leben

in Österreich.

auch das unmenschliche Narrativ vieler

PolitikerInnen und JournalistInnen, das

zum Beispiel in Begriffen wie „Asylantenvirus“

oder in dem „Ratten-Gedicht“

ihren Ausdruck gefunden hat. Auch die

Ohnmacht, die man durch den bestehenden

institutionalisierten Rassismus erlebt,

kränkt und macht krank.

„HIER HABE ICH STÄNDIG ANGST,

ATTACKIERT ZU WERDEN“

Ich durfte vor kurzem ein Mädchen aus

Nigeria, das 2015 geflüchtet war, bei

einem Seminar mit vielen Jugendlichen

mit Fluchthintergrund begleiten. Nach

einer Übung, bei der wir den Teilnehmenden Anerkennung

und Wertschätzung zu vermitteln versuchten,

fragte ich sie, warum sie sich schwergetan

hatte, diese Gefühle der Wertschätzung anzunehmen.

Sie meinte: „Als ich in Nigeria war, hatte ich ein sehr

starkes Selbstbewusstsein. Seit ich hier bin, hat das

massiv abgenommen. In der Schule, im Bus und auf

der Straße bekomme ich das Gefühl, unerwünscht

und anders zu sein. Ich habe meinen Papa mehrmals

gebeten zurückzukehren, egal was auf uns dort wartet.

Hier habe ich ständig Angst, dass ich irgendwann

von hinten attackiert werde. Auch Angst, ob mir die

Menschen dann helfen werden oder mich am Boden

liegen lassen.“

Ihre Worte haben alle im Raum im Herzen

berührt. Viele Teilnehmende bestätigten ihre Worte.

Sie hatten auch schon dasselbe gefühlt und erlebt.

Laut der Weltgesundheitsorganisation zählt ein

Mensch erst als gesund, wenn er sich seelisch,

körperlich und sozial wohl fühlt. So ist die Wahrscheinlichkeit

sehr gering, auf Geflüchtete und

Immigrant*innen zu treffen, die gesund sind.

64 / KULTURA /

/ MIT SCHARF / 65



Hits, Infos & Comedy! Mo–Fr, 5–9 Uhr

„Die Leiden des jungen Todors“

Von Todor Ovtcharov

passiert.

Bist du glücklich?

nicht

Wenn man dem „World Happiness

Report“ glauben kann, der jedes

Jahr von der UNO publiziert wird,

ist Österreich im Jahr 2020 das

neuntglücklichste Land der Welt. Das heißt, dass

es auf der Welt hunderte andere Völker gibt, die

unglücklicher als ihr sind. Falls ihr euch gerade

traurig fühlt, dann wart ihr wahrscheinlich kein Teil

der Umfrage.

Ganz vorne in diesem „Welt-Glücks-Bericht“

stehen skandinavische Länder. Das lässt mich

zweifeln. An zweiter Stelle ist Dänemark. Ich habe

befreundete Dänen, die niemals lächeln. Selbst

bei ihrer Hochzeit haben sie so ernst ausgeschaut,

als ob sie schon an ihrem Scheidungsanwalt denken

würden. Aber vielleicht sagt der Drang zum

Lächeln nichts über dein Glück aus.

Das glücklichste Volk der Welt sollen die

Finnen sein. Ich kenne Finnen, die sich wirklich

glücklich fühlen, wenn sie nach Russland fahren

um sich mit billigem russischen Vodka zu betrinken.

Das verstehe ich, das ist wahres Glück! Nur

der Kater danach ist ein bisschen nervig. Aber

wenn man so verkatert ist, hat man vielleicht keine

Zeit den polaren Winter zu bemerken.

Ganz vorne in diesem Bericht ist auch Kanada.

Das verstehe ich. Kanada ist ein Riesenland und

man hat Platz, die Seele baumeln zu lassen. Nur

eines verstehe ich nicht – warum werden in einem

anderen Bericht so viele Plätze in Kanada angeführt,

an denen man Suizid begehen kann? So viel

Glück ist vielleicht auch nicht gut.

In einem anderen Bericht – Über Länder, die

die größte Hoffnung in die Zukunft haben, sind

Ghana und Bangladesch ganz an der Spitze. Wenn

man gerade nichts hat, kann man eigentlich eh

nur auf die Zukunft hoffen.

Österreich ist eines der glücklichsten Länder

der Welt. Ich schaue mir meine Nachbarn an und

suche den Funken Glück in ihren Augen. Die meisten

sehen aus wie schlechte Schauspieler aus

einem Film über Spione. Sie blicken sich an und

verdächtigen sich gegenseitig des Staatsverrats.

Vielleicht wurden meine Nachbarn nicht für diese

Studie interviewt.

Ich weiß, aber wer die Menschen sind, die

Österreich ganz vorne in dieses Rating gebracht

haben. Das seid ihr, liebe „Biber“ Leserinnen und

Leser. Denn wenn man dieses Magazin liest, kann

man nur glücklich sein. ●

Mit dem

Ö3-Wecker

wäre das

66 / MIT SCHARF /



Das nächste Kapitel beim Klimaschutz:

Mehr Platz für

unsere Bienen.

Foto: © Illustrator/3D-Artist Christo Penev

Deshalb werden ausgewählte Bahngrünflächen ab sofort als

Blühwiesen genutzt. So fördern wir nicht nur Artenvielfalt,

sondern produzieren auch köstlichen Honig!

Mehr Infos unter infrastruktur.oebb.at/schienenbienen

ÖBB

Schienenbienen

HEUTE. FÜR MORGEN. FÜR UNS.


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