ANDERE PERSPEKTIVEN!? - Eine Expedition zur Aussicht auf ein gutes Leben

afuw2017
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Andere Perspektiven!?

Eine Expedition zur Aussicht auf ein gutes Leben

gefördert von der


Andere Perspektiven!? Eine Expedition zur Aussicht auf ein gutes Leben

Inhaltsverzeichnis

Vorwort ................................................................................................... 3

Ausgangsgeschichte(n) ........................................................................... 4

Wie wäre es mit unserer eigenen Geschichte? ............................................................. 4

Was wird beleuchtet und was liegt im Dunkeln? .......................................................... 5

Wie können wir dem Erinnern Raum geben? ................................................................ 6

Weitergehende Geschichte(n) ............................................................... 8

Andere Perspektiven – Eine märchenhafte Vorstellung? .............................................. 8

Gut leben? – Eine Frage der Wertschätzung ................................................................. 9

Meine Welt in der Welt – Was für ein Spektakel? ....................................................... 11

Schlusswort ........................................................................................... 13

Anmerkungen ....................................................................................... 14

Eine Produktion der Aktionsforschungswerkstatt ANDERE PERSPEKTIVEN!?

Dieses Projekt wurde gefördert von der Baden-Württemberg Stiftung (April 2018 - März 2021).

Verantwortlich für den Inhalt ist die

AfuW - Agentur für unschätzbare Werte

gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt)

Gönninger Straße 112

72793 Pfullingen

Telefon: 0151-10710576

www.unschaetzbare-werte.de

Geschäftsführer: Harald Sickinger

Handelsregisternummer: HRB 748115

Registergericht: Amtsgericht Stuttgart

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Andere Perspektiven!? Eine Expedition zur Aussicht auf ein gutes Leben

Vorwort

„Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der

aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen

sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der

Geschichte muss so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine

Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die

unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl

verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht

vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, dass der Engel sie

nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den

Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den

Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.“

Walter Benjamin i

Arbeiten über den Engel der Geschichte im Projekt ANDERE PERSPEKTIVEN!? (Ausstellung im Kunstmuseum

Reutlingen / Druckwerkstatt. Standbild aus unseren Video-Aufnahmen). ii

Video: https://vimeo.com/afuw/engel-der-geschichte

Es kommt darauf an, wovon man ausgeht, wie man es betrachtet und was man daraus macht.

Je nachdem entsteht diese Geschichte oder jene Geschichte.

Wo nur als wertvoll gilt, was gerade verwertbar erscheint, dort fehlt es an Wertschätzung. Da

gibt es keine Aussicht auf ein gutes Leben. Das betrifft die Lebensgeschichte jedes einzelnen

Menschen und die Geschichte unseres (Zusammen-)Lebens auf der Erde insgesamt. Davon

gehen wir aus.

Davon ausgehend erkunden, entwickeln und vermitteln wir andere Perspektiven. Vor diesem

Hintergrund stellen wir Fragen in den Raum, damit sich etwas ändert: Wie war es früher? *

Wie ist es heutzutage? * Wie soll es in der Zukunft sein? * Welche Geschichte wird erzählt? *

Wie wäre es mit unserer eigenen Geschichte? * Was wird beleuchtet und was liegt im

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Andere Perspektiven!? Eine Expedition zur Aussicht auf ein gutes Leben

Dunkeln? * Wie können wir dem Erinnern Raum geben? * Andere Perspektiven – Eine

märchenhafte Vorstellung? * Gut leben? – Eine Frage der Wertschätzung * Meine Welt in der

Welt – Was für ein Spektakel? * Wie geht es jetzt weiter? *

Wir fragen, wie wir selbst Geschichte machen können. Dabei wirken auch Menschen mit, die

in unserer Gesellschaft durch unangemessene Wertvorstellungen behindert werden. iii

Ausgangsgeschichte(n)

Wie wäre es mit unserer eigenen Geschichte?

Unsere Expedition beginnt in einem alten Haus in einer kleinen Stadt. Dieses Haus gehörte

früher einem Mann aus diesem Ort. Hier sammelte er viele alte Dinge. Manche formte er auch

um und verband sie miteinander. So entstand ein Werk, vom dem mache Leute meinten: „Das

ist doch verrückt“. Andere Leute aber sagten: „Es kommt immer darauf an, wie man es

betrachtet...“.

Vor einigen Jahren starb der Mann. Das geschichtsträchtige Haus erbte seine Tochter. Sie

überlegte, was sie damit machen sollte und holte sich Rat. Nun entsteht hier Schritt für Schritt:

Das Schaffwerk – Ein Kulturbetrieb für andere Perspektiven. iv

Wir können das Haus auch als Denkmal betrachten. Aber an was können wir dabei denken?

Im Vordergrund steht zunächst einmal die Lebens- und Schaffensgeschichte von dem Mann,

der diese Dinge hinterlassen hat. Manches erinnert aber auch an früher, an unsere eigene

Geschichte. Wer erzählt eigentlich mein Leben? Wie wäre ein Museum über mich? ...

Video: https://vimeo.com/afuw/eigene-geschichte

Aktionsforschung rund um „Ein Museum über mich“ (Video-Standbild). v

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Andere Perspektiven!? Eine Expedition zur Aussicht auf ein gutes Leben

Was wird beleuchtet und was liegt im Dunkeln?

Wie wird eigentlich die Geschichte gemacht? Meine eigene Geschichte? Unsere Familiengeschichte?

Die Geschichte unserer Gruppe? Die Geschichte unserer Organisation? Die

Geschichte unserer Kommune? Die Geschichte unserer Gesellschaft? Unsere Weltgeschichte?

Wie macht man sich eigentlich ein Bild von den Dingen, die früher geschehen sind?

Wir stellen uns eine Zeitmaschine vor. So könnte man sich ein Bild von seiner Vergangenheit

machen und sich seine Geschichte erzählen. „Wie baut man eigentlich eine Zeitmaschine?“

fragen wir eine Internet-Suchmaschine. Durch diese Recherche bekommen wir Einblick in eine

Geschichtsproduktionsmaschinerie, die manche der Dinge, die geschehen sind, zu Geschichten

verarbeitet und andere Dinge aussortiert.

Wie wäre es, wenn wir auch aussortierte Dinge einbauen würden? Mit diesem Leitgedanken

bauen wir eine Zeitmaschine, die scheinbar nutzlose alte Dinge mit dem aktuellen Stand der

Forschung und mit moderner Medientechnologie verbindet.

Was wird in den Blick genommen und was bleibt (zunächst) verborgen? Was als Kulturgut gilt,

das erkennen wir auf den ersten Blick. Aber wir sehen (noch) nicht, was im Lichte dieser Kultur

nicht gut genug erschien. Was liegt hinter den Dingen, die im Vordergrund stehen? Da sind

die Geschichten von anderen Menschen. Das sind Geschichten von Verwandten.

Diese Dinge stehen in unserer Aktions-Forschungs-Ausstellung im Schaffwerk in Pfullingen (Video-Standbild).

Durch ein altes Familienbild stoßen wir auf die Geschichte einer Frau, von der wir (bisher noch)

kein Bild haben. Ihre Geschichte lag lange im Dunkeln.

Wie kann es sein, dass man diese Verwandte vergessen hat, deren Dasein als „unwert“ galt in

der Gesellschaft, in der sie lebte und von der sie ermordet wurde, genau wie 10653 andere

Menschen, im Jahr 1940, in Grafeneck auf der Schwäbischen Alb? Wie konnte das geschehen?

Video: https://vimeo.com/afuw/was-wird-beleuchtet

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Wie können wir dem Erinnern Raum geben?

Wie können wir uns daran erinnern, dass jeder Mensch unschätzbar wertvoll ist? Wir forschen

in unserem eigenen Innern und arbeiten an eigenen Bildern und Installationen. Davon ausgehend

versuchen uns auch in andere Menschen hineinzuversetzen.

Diese Aufnahme ist in unserer Aktionsforschungs-Ausstellung im Schaffwerk entstanden (Video-Standbild). vi

Wie war es eigentlich für den Opa, der von den damals Herrschenden entwertet, entrechtet,

mit dem Tod bedroht wurde und fliehen musste? Und wie hat diese fast vergessene

Verwandte, wie hat Marianne Schmid die Welt erlebt, nachdem sie am 6. September 1914 in

Pfullingen geboren worden war? Wie hat sie ihr Leben erlebt, nachdem ihr Vater Eugen

Schmid im August 1917 im ersten Weltkrieg getötet worden war? Wie war es für sie, als ihre

Mutter Sofie 1922 den Landwirt Ulrich Schlegel heiratete? Ob sie wohl in der Landwirtschaft

mitgeholfen hat? Welche Menschen und welche Aktivitäten waren ihr wichtig? Wie war es,

nachdem ihre Mutter 1923 eine Wäscherei gegründet hatte und sie dort immer wieder

mithalf? Ob sie bei dieser Arbeit schier vergangen ist vor Hitz´ oder ob´s affenkalt war? Wie

hat sie das Leben erlebt, als die Wäscherei 1927 um sieben Badekabinen mit Badewannen

erweitert wurde, wo die Leute nun auch sich selbst waschen konnten? Wie viele Menschen

wohl mit einer Badefüllung gebadet haben? Hat sie Lieblingsessen gehabt? Welche Gefühle

hat sie erlebt? Wie hat sie den Alltag und wie die besonderen Tage im Leben erlebt, zum

Beispiel mit ihren Eltern und mit ihren vier Geschwistern? Wie hat sie ihr Leben erlebt,

nachdem sie 1935 einige Zeit in der Tübinger Nervenklinik verbracht und die Diagnose

„Schizophrenie“ bekommen hatte? Wie hat sich das Leben für sie angefühlt, nachdem sie zu

einer Operation gezwungen worden war, damit sie keine Kinder bekommen konnte? Ob die

Marianne wohl geliebt wurde oder geliebt hat? Ja, ob die einen Freund hatte oder einen

Geliebten, vielleicht sogar auch ´ne Frau? Wie hat sie ihr Leben in den 1930er Jahren im

nationalsozialistischen Pfullingen erlebt? Was hat es für sie bedeutet, dass ihr Onkel ein

Nationalsozialist war? Wie war für sie der Beginn des Krieges 1939? Und als sie im April 1940

in die Heilanstalt Zwiefalten „verbracht“ wurde, wie es in den Patienten-Akten heißt? Und wie

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erlebte es Marianne Schmid, als sie am 9. Dezember 1940 in Zwiefalten von einem grauen Bus

abgeholt wurde, der sie nach Grafeneck brachte, wo man sie noch am selben Tag ermordete?

Wir stellen Fragen in den Raum. Das ist eine Aufnahme von unserer Ausstellung im Pfullinger Schaffwerk (Video-

Standbild). vii

Wie können wir dem Erinnern Raum geben? Sind wir von den Dingen, die damals geschehen

sind, wirklich so weit entfernt? Wie ist die Lage der Dinge heute? Was tun!?

Aktionsforschung mit dem Engel der Geschichte im Kunstmuseum Reutlingen (Video-Standbild). viii

Video: https://vimeo.com/afuw/fragen-zu-den-perspektiven-von-marianne

Video: https://vimeo.com/afuw/wie-koennen-wir-dem-erinnern-raum-geben

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Weitergehende Geschichte(n)

Andere Perspektiven – Eine märchenhafte Vorstellung?

„Es hatte ein Mann einen Esel, der ihm schon lange Jahre treu gedient, dessen Kräfte aber nun

zu Ende gingen, so dass er zur Arbeit immer untauglicher ward. Da wollt’ ihn der Herr aus dem

Futter schaffen, aber der Esel merkte, dass kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich

auf den Weg nach Bremen; dort, dachte er, kannst Du ja Stadtmusikant werden ...“

Die Bremer Stadtmusikanten (Märchen-Sammlung der Brüder Grimm)

Am Ende der Geschichte wird der Esel kein Stadtmusikant in Bremen sein, aber auf seinem

Weg dorthin trifft er einen Hund, eine Katze und einen Hahn. Auch ihre Leistungen wurden

nicht (mehr) geschätzt, auch ihr Leben wurde als „unwert“ betrachtet. Die vier Tiere tun sich

zusammen, entdecken im dunklen Wald ein Haus mit reichlich Lebensmitteln, verjagen die

Räuber, die das alles geraubt hatten, durch eine Inszenierung, bei der die Stimme von jedem

einzelnen zählt und (er)finden sich in dem frei gewordenen gesellschaftlichen Raum eine

Haushaltsgemeinschaft der etwas anderen Art – was für eine märchenhafte Vorstellung? ix

Hier wird eine märchenhafte Vorstellung inszeniert (Video-Standbild).

Mit unserer Zeitmaschine suchen wir Bilder von der Vergangenheit, aber auch Bilder von der

Zukunft, damit wir eine Vorstellung davon entwickeln: Wo wollen wir eigentlich hin? Wir

(er)finden diese Bilder in Märchen, in der Vergangenheit, in unseren Träumen und wenn wir

danach fragen, dann zeichnen sich manchmal sogar am hellen Tag ganz gute Aussichten ab.

Wie stellen wir uns das vor, wenn wir alle selbstverständlich dazu gehören? Wenn wir alle

gleich viel wert sind? Wenn ich ebenso wie Du und alle anderen Menschen, die Möglichkeit

habe, ich selber zu sein? Und die Möglichkeit, selbst über mein Leben zu bestimmen? Mir

Gehör zu verschaffen? Gleichberechtigt zu sein? So behandelt zu werden, wie es für mich

persönlich stimmt? Über passende Mittel zu verfügen, damit ich in der Welt unterwegs sein

kann? Freizeit in vielfältigen Gemeinschaften zu erleben? Mich weiter zu bilden? Meine

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Stärken im Arbeitsleben einzubringen? Auf meine Art etwas beizutragen? Ebenso wie alle

Menschen angemessene Zugänge (er)finden zu können, wenn es um die existenziellen Dinge

geht, die wir für ein gutes Leben brauchen? Wie stellen wir uns das vor?

Video: https://vimeo.com/afuw/maerchenhafte-vorstellungen

Gut leben? – Eine Frage der Wertschätzung

Wir stellen uns vor, wir würden Außerirdischen zeigen, wer wir Menschen sind und was ein

gutes Leben für uns ausmacht. So entdecken wir die Menschen und die Wunder der Erde.

Video: https://vimeo.com/afuw/eine-frage-des-menschenbildes

Das ist ein Bild der Erde aus der Weltraum-Perspektive (Foto: Weltraumagentur NASA). x

Unser Ausgangspunkt ist der Mittelpunkt der Erde. Bald stellen wir fest, dass der für jeden

Menschen woanders liegt. Von meinem Standpunkt aus betrachtet: Gibt es da eigentlich auch

Wunder der Erde? Wie wäre es mit mir selbst? Und mit Dir womöglich? Und mit Euch? Und

mit Ihnen? Und was macht überhaupt einen guten Ort für die Menschen aus?

Video: https://vimeo.com /afuw/eine-frage-des-weltbildes

Was braucht man für ein gutes Leben? Unsere Spurensuche dreht sich um genügend Geld,

ums Essen und Trinken und um vieles mehr. Vieles von dem, was man braucht, kann man mit

Geld nicht kaufen. Die Freund*innen zum Beispiel, mit denen man das gute Leben teilen

könnte, die sind ebenso unschätzbar wertvoll, wie die Erinnerung an die Kindheit, die

Gesundheit, der Fluss, der immer fließt, mal mehr und mal weniger, die Landschaft, die

Bienen, die Schmetterlinge und vieles, vieles mehr.

Was aber ist geschehen, wenn nun dort, wo die Menschen eigentlich so gut leben könnten,

die Insekten sterben, die Landschaften veröden, die Flüsse austrocknen und auch das Leben

der Menschen versiegt?

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Wie kann es sein, dass der unschätzbare Wert des menschlichen Lebens und der unschätzbare

Wert des Lebens auf der Erde insgesamt so vernachlässigt wird? Wie kann es sein, dass ein

Smarthone, ein Auto oder sogar ein Panzer als wertvoll gelten, während ein Baum kaum einen

Wert zu haben scheint? Könnte es sein, dass mit dem Wertmaßstab etwas nicht stimmt?

Könnten wir die Welt und auch uns selbst vielleicht auch ganz anders betrachten? Kann es

sein, dass wir etwas ganz Anderes aus unserem (Zusammen-)Leben machen könnten? Wie

baut man eigentlich eine Wertschätzerei? xi

Video: https://vimeo.com/afuw/auf-den-spuren-unschaetzbarer-werte

Unsere Aktionsforschung ist eine Art Schatzsuche. Wir gehen dem nach, was wir für ein gutes Leben brauchen.

Dafür sind wir auch im Biosphärengebiet Schwäbische Alb und darum herum unterwegs (Standbilder aus

Aktionsforschungs-Videos). xii

Es kommt darauf an, in welchem Rahmen wir uns bewegen. Je nachdem gilt etwas (bzw.

jemand) als wertvoll oder eben auch nicht.

Wie sehen eigentlich meine Rahmenbedingungen gerade aus? Und wie ist es bei Dir? Und in

dieser Welt, welche Bedingungen finden wir da vor? Wie sehen wir uns selbst und wie werden

gesehen, in diesem Rahmen? Und das Leben um uns herum? Welche Zugänge zu den

Lebensmitteln“, die wir für unseren Weg zur Aussicht auf ein gutes Leben brauchen, gibt es

hier eigentlich? Stärkt uns das hier? Können wir unsere Stärken unter diesen Voraussetzungen

einbringen? Gibt es eine angemessene Aufgabe für uns? Oder wäre es vielleicht besser, wir

würden einen anderen Rahmen (er)finden, der besser zu uns passt und vielleicht auch zur

Vielfalt des Lebens um uns herum? Wie könnte das gehen? xiii

Video: https://vimeo.com/afuw/eine-frage-der-rahmenbedingungen

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Meine Welt in der Welt – Was für ein Spektakel?

Das sind Aktionsforscher*innen mit Zeitmaschine unterwegs durch Zeit und Raum (Video-Standbild). xiv

Nach und nach sehen wir mehr und mehr von den Landkarten der Bedeutungen, mit denen

Menschen, Familien, Gemeinschaften – oder besser gesagt: Kulturen – sich orientieren, wenn

sie das für sie Wertvolle vom Wertlosem, das Wichtige vom Unwichtigen, das Erinnern vom

Vergessen trennen; wenn sie sich selbst und ihre Umwelt deuten, Bedeutungen festlegen und

Zeichen setzen, wenn sie ihre Lebensgeschichten und Weltgeschichte (be)schreiben.

Durch die Arbeit mit Landkarten der Bedeutungen erkunden, entwickeln und vermitteln wir andere Perspektiven

(Standbild aus unseren Filmaufnahmen). xv

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Andere Perspektiven!? Eine Expedition zur Aussicht auf ein gutes Leben

Wie die Landkarte der Bedeutungen unseres Gemeinwesens aussieht, das können wir als eine

Frage der Macht betrachten. Wer kann prägen, was als bedeutend gilt und was wie geschätzt

wird? Wer kann dabei (wieviel) mitbestimmen? Wie wäre es, wenn wir die geltende Landkarte

der Bedeutungen verändern würden? Wie wäre es, wenn wir beim Kartographieren mit den

Standpunkten von Menschen beginnen würden, deren Erfahrungen, Ansichten und Aussichten

im Rahmen der bisher vorherrschenden Kultur nicht (so) bedeutend erschienen waren?

Wie wäre es, wenn wir davon ausgehend die Perspektiven von mehr und mehr und schließlich

von allen Bewohner*innen (im Wohngebiet, in der Kommune, in der Region, ... auf der Erde,

in der Welt) einbeziehen würden? Wie wäre es, wenn durch diese Veränderungen andere

Betrachtungs- und Handlungsweisen vorherrschend würden, nämlich solche, die vielfältige

Perspektiven zu verstehen suchen und auf wechselseitige Verständigung abzielen? Wie wäre

es, wenn wir mehr Fragen stellen und weniger Behauptungen aufstellen würden, wenn wir

nicht mehr weiterwissen? Wie wäre es, wenn Expert*innen in eigener Sache und

Expert*innen für andere Sachen gleichermaßen gefragt wären? Wie wäre es, wenn wir soziale,

ökonomische und ökologische Fragen zusammenstellen und zusammen bearbeiten würden?

Wie wäre es, wenn Schritt für Schritt eine Kooperative für andere Perspektiven entstehen

würde? Wie wäre es, wenn wir auf eine derartige Art und Weise eine Umgebung (er)finden

würden, in der wir alle gut (miteinander) leben könnten?

In diesem Zusammenhang haben wir andere Perspektiven erkundet, entwickelt und vermittelt

– im Hinblick auf und im Umgang mit Dingen, die früher geschehen sind, im Hinblick auf und

im Umgang mit der Lage der Dinge heute und im Hinblick auf und im Umgang mit dem, was

noch in der Zukunft liegt. Der Ausgangspunkt unserer Aktionsforschung war der Mittelpunkt

der Erde. Davon ausgehend (er)finden wir nach und nach andere Selbstbilder, andere

Weltbilder und andere Geschichtsbilder. Auf unsere ganz eigene Art haben wir dabei schon

ein bisschen Geschichte geschrieben. Und das wollen wir auch weiterhin machen. Man könnte

das Ganze auch ein Spektakel nennen: Meine Welt in der Welt. xvi

Video: https://vimeo.com/afuw/meineweltinderwelt

Das ist ein Aktionsforschungs-Plakat bei einer Kundgebung für eine gute Zukunft (Video-Standbild). xvii

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Schlusswort

Andere Perspektiven!? Eine Expedition zur Aussicht auf ein gutes Leben

Ja, es war spektakulär, aber nachdenklich war es auch. Wir haben uns bewegt und wir haben

auch innegehalten. Aktion – Reflexion – Aktion – Reflexion – Aktion – Reflexion – ... so hin und

her schwingend zwischen experimentellen Aktivitäten und immer wieder anderen Betrachtungen,

so haben wir geforscht – Aktionsforschung xviii eben, zur Aussicht auf ein gutes Leben.

Im Frühling 2021 blicken wir zurück auf eine dreijährige Expedition mit vielen weiterführenden

Begegnungen und Kooperationen – zum Beispiel mit adis e. V., dem Arbeitskreis Selbstbestimmung

/ BAFF, dem Ausstellungsprojekt Alb Brut, der Baden-Württemberg Stiftung, der

Bergkirche in Talheim, dem Biosphärengebiet Schwäbische-Alb, CSP in Pfronstetten, der

Evangelischen Hochschule Ludwigsburg / Campus Reutlingen, Expert*innen in eigener Sache,

Expert*innen für andere Sachen, dem Forstrevier Pfronstetten, dem GWA-Fachtag „Rein ins

Vergnügen“ in Esslingen, der Gedenkstätte Grafeneck, der Habila GmbH in Rappertshofen,

Künstler*innen, dem Kulturbetrieb Schaffwerk, dem Kulturzentrum franz.K, dem Kunstmuseum

Reutlingen, Müller-Reisen in Bösingen, Passant*innen, Reporter*innen, der Schulsozialarbeit

von pro juventa, dem Stadtarchiv Pfullingen, dem Tag der Teilhabe in Münsingen,

dem Umweltbildungszentrum Listhof, Unterstützer*innenkreisen, der urbansupergroup,

Wertschätzer*innen, X-IGS e. V., Zeitmaschinenbauer*innen und vielen anderen.

Vielen Dank an alle! Es sollte ein Anfang sein. Wie können wir weiter (zusammen) schaffen?

Video: https://vimeo.com/afuw/noch-eine-art-rueckblick-und-ausblick

ANDERE PERSPEKTIVEN!? (Installation im Schaffwerk-Garten). xix

Harald Sickinger

Pfullingen, im Frühling 2021

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Anmerkungen

Andere Perspektiven!? Eine Expedition zur Aussicht auf ein gutes Leben

i

„Der Engel der Geschichte“ ist einer von diesen wichtigen Gedanken, die unsere Aktionsforschung inspiriert

haben und die schon vor uns da waren. Walter Benjamin: Über den Begriff der Geschichte (1940), These IX. In:

Gesammelte Schriften, herausgegeben von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser (Werkausgabe

edition suhrkamp), Frankfurt a. M. 1980, Band I.2: Abhandlungen, S. 697 f.

ii Die auf dem Foto zu sehenden Forschungsarbeiten mit künstlerischen Mitteln entstanden im Rahmen unserer

Kooperation mit dem Kunstmuseum Reutlingen. Geschaffen wurden diese Arbeiten von Eugen Blum (Der „Engel

der Geschichte im tiefen Herzen!!!!!!!“), Kerstin Rilling (die mit dem „Engel der Geschichte“-Text bedruckte Stoff-

Fahne) und Franziska Schiller (die anderen Arbeiten auf dem Foto). Am 4. Februar 2020 wurden diese Werke zum

Engel der Geschichte zusammen mit weiteren Projektarbeiten auch bei unserer Veranstaltung „Dem Erinnern

Raum“ im Reutlinger Kulturzentrum franz.K gezeigt.

iii Gefördert wurde das Projekt ANDERE PERSPEKTIVEN!? von der Baden-Württemberg Stiftung im Rahmen des

Programms „Inklusion gemeinsam gestalten“. In diesem Zusammenhang kam den Perspektiven von einzelnen

Menschen mit Behinderungserfahrungen als Expert*innen in eigener Sache für unsere Aktionsforschung eine

besondere Bedeutung zu. Insgesamt zehn dieser Expert*innen in eigener Sache (und natürlich auch für andere

Sachen) wirkten entweder über den gesamten Projektzeitraum von April 2018 bis März 2021 bei unserer

Aktionsforschung mit oder waren mindestens ein Jahr lang beteiligt. Sieben dieser Aktionsforscher*innen

arbeiteten in den beiden Kernteams (Montags-Team und Freitags-Team) mit dem Projektleiter und mit weiteren,

je nach Aktionsforschungskontext unterschiedlichen Mitwirkenden zusammen. Drei der oben genannten zehn

Expert*innen wirkten vorwiegen bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Teil-Expeditionen

mit, die in Verbindung mit ihrer jeweiligen Expertise standen (z. B. weil sie uns zu Orten führten, die aus der

Perspektive dieser Expert*innen eine besondere Bedeutung hatten). Gegen Ende des Projekts sind eine Reihe

von kurzen Videos entstanden, in denen neun der genannten zehn Expert*innen in eigener Sache über ihre

Erfahrungen im Projekt ANDERE PERSPEKTIVEN!? sprechen:

• Eugen Blum: https://vimeo.com/afuw/ap-eb

• Matthias Braun: https://vimeo.com/afuw/ap-mb

• Maria Eckert: https://vimeo.com/afuw/ap-me

• Christine Fuchs: https://vimeo.com/afuw/ap-cf

• Thomas Geprägs: https://vimeo.com/afuw/ap-tg

• Angelika Lotterer: https://vimeo.com/afuw/ap-al

• Rolf Rathfelder: https://vimeo.com/afuw/ap-rr

• Franziska Schiller: https://vimeo.com/afuw/ap-fs

• Lothar Siedlicki: https://vimeo.com/afuw/ap-ls

Unser Aktionsforschungs-Kollege Herbert Engelhardt, der unsere gemeinsame Arbeit ebenfalls sehr bereichert

hat, ist im Jahr 2019 gestorben.

Wie erwähnt, arbeiteten die oben genannten Expert*innen in eigener Sache mit weiteren Aktionsforscher*innen

und Unterstützer*innen zusammen. Über den gesamten Projektzeitraum hinweg waren das regelmäßig Sabine

Kramer vom Kulturbetrieb Schaffwerk, Kerstin Rilling vom Kunstmuseum Reutlingen und der Projektleiter Harald

Sickinger. Vorübergehend bzw. anlassbezogen waren im Lauf des Projekts zehn weitere Mitarbeiter*innen und

viele persönliche Unterstützer*innen einzelner Mitwirkender sowie Organisationen bzw. Institutionen beteiligt,

mit denen wir bei unserer Aktionsforschung zusammengearbeitet haben (siehe S. 13).

Bei unserer Aktionsforschung haben wir manchmal alleine und manchmal zu zweit, manchmal in kleinen und

manchmal in großen Gruppen, manchmal bei größeren Veranstaltungen und immer wieder auch draußen im

öffentlichen Raum gearbeitet. Zwei Jahre lang fanden unsere Begegnungen meistens im physischen Raum statt.

Durch die erheblichen pandemiebedingen Einschränkungen im letzten Projektjahr waren unsere Kommunikationsmöglichkeiten

in dieser letzten Zeit aber über längere Zeiträume hinweg weitgehend auf Telefon- und

Videokonferenzen reduziert (was mit vielen Schwierigkeiten verbunden war und sowohl unsere Arbeit als auch

uns persönlich sehr belastet hat (siehe auch: Video-Gespräch von franz-K-Mitarbeiter*innen mit Teilen unseres

Montags-Teams im Rahmen der franz.K-Reihe "TuVis": https://www.youtube.com/watch?v=osMlzT0iTn8).

.

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Andere Perspektiven!? Eine Expedition zur Aussicht auf ein gutes Leben

Bei unserer Arbeit haben wir viele verschiedene Hilfsmittel verwendet. Regelmäßig hatten wir Filmkameras und

Mikrofone dabei. Die Arbeit mit dem Medium Video hatte sowohl bei unserer Forschung selbst als auch bei der

Weitervermittlung unserer Erfahrungen eine besonders große Bedeutung. Darüber hinaus haben uns aber auch

noch viele weitere Mittel bzw. Medien beim Erkunden, Entwickeln und Vermitteln von anderen Perspektiven

geholfen (beispielsweise die Mittel der bildenden Kunst).

Mit unserer Aktionsforschung wollten wir erstens INDIVIDUELLE PERSPEKTIVEN ERKUNDEN, ENTWICKELN UND

VERMITTELN, zweitens UNTERSCHIEDLICHE PERSPEKTVEN VERBINDEN und dadurch den Blick und Handlungsmöglichkeiten

erweitern und schließlich wollten wir drittens dazu beitragen, dass sich SOLIDARISCHE

PERSPEKTIIVEN ENTWICKELN. Aus dieser Idee einer mehrdimensionalen Aktionsforschung ergaben sich vielfältige

Forschungen und Aktionen in diesen Dimensionen:

• INDIVIDUELLE PERSPEKTIVEN – u. a.: Biografiearbeit in einem jeweils möglichst angemessenen individuellen

Setting (mit Film- und Schreibgesprächen, persönlichen Inszenierungen zum Thema „ein

Museum über mich“ etc); persönliche Erkundungen an individuell bedeutenden Orten – siehe z. B. ein

Video mit persönlichen Perspektiven von Maria Eckert im Hinblick auf ihr Wohngebiet Reutlingen-

Orschel-Hagen: https://vimeo.com/afuw/maria-orschel-hagen; eine persönliche Zukunftswerkstatt und

eine persönliche Zukunftskonferenz jeweils mit Gästen, die von der Hauptperson selbst bestimmt

wurden; persönliche Aktionsforschung zum Thema „andere Wohnperspektiven“ ...

PERSPEKTIVEN VERBINDEN – u. a.: Mediengestützte Erkundungen und Reflexionen im Montags-Team,

im Freitags-Team, im Expeditionsteam und im Gesamtteam zu gemeinsamen Themen, Problemlagen

und Lösungsmöglichkeiten; Bau einer Zeitmaschine; Teil-Gruppen- Expeditionen in sozialen Nahräumen

(z.B. ins Reutlinger Ringelbach-Gebiet, nach Reutlingen Orschel-Hagen, ...); Teil-Gruppen-Expeditionen

zu Orten (bzw. Menschen) mit lebensgeschichtlicher Bedeutung für einzelne Expert*innen in eigener

Sache (z. B. nach Talheim und Mössingen, Pfronstetten und Zwiefalten) sowie Teil-Gruppen-Expeditionen

zu Orten, Informant*innen, potenziellen Bündnispartner*innen ... mit einer besonderen Bedeutung

für die Gestaltung inklusiver und solidarischerr bzw. sozial, ökonomisch und ökologisch

nachhaltiger Gemeinwesen (z. B. Erkundungen zum Abbau von Barrieren im Umfeld des Schaffwerks in

Pfullingen, auf dem Pfullinger Schönberg und in Bösingen; Erkundungen rund um entwertende bzw.

vernichtende Blickwinkel und Handlungen in unserer Geschichte bei Teil-Gruppen-Expeditionen zur

Gedenkstätte Grafeneck und zu Gedenk-Orten in Buttenhausen; Exkursionen zu Gedenk-Orten, die zum

Forschen und Nachdenken rund um ökologische Fragen einladen, wie beispielsweise das

Biosphärenzentrum in Münsingen und der Listhof in Reutlingen – siehe auch:

https://vimeo.com/afuw/biosphaerenzentrum und https://vimeo.com/afuw/listhof).

• SOLIDARISCHE PERSPEKTIVEN: U. a. durch Werkstattgespräche, Inter-Aktionen und Präsentationen

haben wir versucht, etwas von unseren Ansätzen, Erfahrungen und Erkenntnissen zur Gestaltung

solidarischer Gemeinwesen weiter zu geben, in einen größeren Zusammenhang zu stellen, darüber

hinaus von weiteren Perspektiven zu erfahren und Bündnispartner*innen für unsere Kooperative für

andere Perspektiven zu gewinnen (ein Werkstattgespräch rund um das Biosphärengebiet Schwäbische

Alb; ein Werkstattgespräch zum Thema „Ein Museum über mich“; ein Werkstattgespräch über „die

Trümmer der Geschichte“; ein Werkstattgespräch zum Thema „Ideen für die persönliche Zukunftsplanung“;

ein Werkstattgespräch zum Thema „Wo´s passt – gute Orte finden und erfinden“; ein

Workshop zum Thema „Empowerment und Powersharing“; bis zum Pandemie-Beginn halbjährlich

stattfindende Workshops im Rahmen des Förderprogramms „Inklusion gemeinsam gestalten“; multimediale

Inter-Aktionen mit Kamera und Mikrofon und je nach Thema unterschiedlichen „Inszenierungen“

zu Erinnerungsfragen; Mobilitätsfragen und vielen anderen Fragen rund um das gute Leben

– u. a. in den Wohngebieten von Expert*innen in eigener Sache, bei verschiedenen Aktionen auf dem

Pfullinger Marktplatz, bei einer „fridays for future“-Kundgebung vor der Stadthalle in Reutlingen, auf

dem Rutschenfelsen auf der Schwäbischen Alb, in der Mittagspause beim Tag der Teilhabe in Münsingen

– siehe auch: https://vimeo.com/afuw/2030-1; bei einer Tagung zum Thema Gemeinwesenarbeit im

Jugend- und Kulturzentrum Komma in Esslingen – siehe auch: https://vimeo.com/afuw/im-kommabeim-fachtag.

Darüber hinaus: Bis zum Pandemie-Beginn monatliche „Geschichten von unterwegs“ –

Präsentationen im Kulturpark Reutlingen Nord sowie fünf Multi-Media-Präsentationen „Das Haus der

unschätzbaren Werte“ im Schaffwerk in Pfullingen; je eine Multi-Media-Präsentation „auf den Spuren

unschätzbarer Werte“ im Begleitprogramm der Ausstellung „Alb Brut“ und im Arbeitskreis „Bildung für

nachhaltige Entwicklung“ im Biosphärenzentrum in Münsingen, eine Multi-Media-Präsentation „Gut

leben? – Eine Frage der Wertschätzung“ beim Tag der Teilhabe in der Zehntscheuer in Münsingen; je

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Andere Perspektiven!? Eine Expedition zur Aussicht auf ein gutes Leben

eine Multi-Media-Präsentation zum Thema „dem Erinnern Raum geben“ bei Gedenk-Veranstaltungen

in der Mehrzweckhalle in Reutlingen-Rappertshofen und im Reutlinger Kulturzentrum franz.K).

Aus den bei dieser letzten Veranstaltung vor Beginn der Pandemie im Februar 2020 präsentierten Ausstellungsstücken

und Filmaufnahmen sowie weiteren Mitbringseln von unserer Expedition zur Aussicht auf ein gutes

Leben haben wir im Lauf des letzten Projektjahres multimediale Bausteine für eine etwas andere Art von Bildungsprogramm

erstellt, mit dem wir zukünftig im Schaffwerk in Pfullingen, im Kunstmuseum Reutlingen, im

Kulturzentrum franz.K, an verschiedenen Orten in der Region und darum herum und nicht zuletzt auch im

virtuellen Raum noch viele Menschen zu einer Expedition durch Raum und Zeit einladen wollen. Unser nächster

Schritt in diese Richtung ist ein Projekt mit dem Titel „Was zählt? – Eine Frage steht im Raum“. Dieses

Weiterführungs-Vorhaben der Agentur für unschätzbare Werte wird von April bis September 2021 vom Fonds

Soziokultur gefördert und von Kooperationspartner*innen unterstützt. In diesem Zusammenhang arbeiten wir

unter anderem in Geschichtswerkstätten weiter für andere Persprektiven. Als Anregungs- bzw. Ausgangsmaterial

verwenden wir hierbei multimediale Bildungsmaterialen aus unserer Aktionsforschungswerkstatt. Einen

vielversprechenden „Vorversuch“ hierfür haben wir im Februar 2021 bei einem online-Werkstattgespräch rund

um den Engel der Geschichte mit daran anschließendem freiem Gestalten gemacht.

Für das ANDERE PERSPEKTIVEN!?-Kernteam war beim Übergang in die jetzt anbrechenden anderen Zeiten unser

Rückblick und Ausblick bei einer Abschluss-Videokonferenz im März 2021 sehr wichtig. Auch unser internes

„Steinsuppen“-Fest im Schaffwerk, das wir noch kurz vor dem erneuten pandemiebedingten Ausfall aller Vor-

Ort-Treffen feiern konnten, behalten wir als schönes und wichtiges Erlebnis in Erinnerung. Dabei kam dem

Märchen „Die Steinsuppe“ eine besondere Bedeutung zu. Diese Geschichte erzählt von einer Erfahrung, die wir

so ähnlich in unserem Projekt ANDERE PERSPETKIVEN!? Immer wieder gemacht haben und künftig wohl noch oft

machen werden, wenn alle auf ihre Art etwas beitragen, was sie beitragen können und dadurch auch alle etwas

unschätzbar Wertvolles bekommen, was sie für ein gutes Leben brauchen (siehe auch: Video:

https://vimeo.com/afuw/noch-eine-art-rueckblick-und-ausblick).

Der Förderzeitraum unseres Projekts wurde pandemiebedingt um vier Monate verlängert. Deshalb endete dieser

Zeitraum nicht, wie ursprünglich geplant im November 2020, sondern im März 2021.

iv

Entwicklungskonzept für den Kulturbetrieb Schaffwerk aus dem Jahr 2013: http://www.unschaetzbarewerte.de/wp-content/uploads/2014/11/Konzeption-Kulturbetrieb-Schaffwerk-2013.pdf.

v Auf dem Foto sieht man den Aktionsforscher und Experten in eigener Sache Matthias Braun bei der Arbeit an

einem Plakat über ein Matthias-Braun-Museum.

vi Die Figur auf dem Foto hat der Künstler Jochen Meyder gemacht. Sie stammt aus seinem Projekt „Grafeneck

10654“. Wir haben die Figur bei unserer Aktionsforschung auf den Spuren der ermordeten Marianne Schmid in

der Gedenkstätte Grafeneck mitnehmen dürfen und in unsere Aktionsforschungsausstellung im Schaffwerk in

Pfullingen aufgenommen.

vii Aus unseren Fragen zum Leben von Marianne Schmid (siehe auch das Video: https://vimeo.com/afuw/fragenzu-den-perspektiven-von-marianne)

sind im weiteren Verarbeitungsprozess u. a. auch zwei Stoffdrucke mit

diesen Fragen entstanden. Diese Drucke hat Kerstin Rilling gemacht. Die Fragen selbst waren davor bei der

mediengestützten Aktionsforschung von Christine Fuchs und Franziska Schiller mit Harald Sickinger entstanden.

Die Fragen auf dem weißen Stoff hat Sabine Kramer in den Raum gestellt. Diese Fragen drehen sich um das

Schweigen ihrer Familie über die Ermordung ihrer Verwandten. Der Wimpel mit dem Hakenkreuz ist ein Erbstück

aus dem Schaffwerk, mit dem wir nun im Kontext unserer Ausstellung im Schaffwerk an lange verschwiegene

Verbrechen erinnern wollen, die im Zeichen der nationalsozialistischen Ideologie hier bei uns begangen worden

sind.

Am 4. Februar 2020 waren die hier zu sehenden Ausstellungsstücke auch im Reutlinger Kulturzentrum franz.K zu

sehen (im Rahmen unserer Veranstaltung „Dem Erinnern Raum geben“).

viii Auf dem Video-Standbild sieht man Franziska Schiller bei der Arbeit.

ix Hier gibt es das ganze Märchen: https://vimeo.com/afuw/die-bremer-stadtmusikanten.

x Foto-Quelle: nasa/apollo 17 crew.

https://web.archive.org/web/20160112123725/http://grin.hq.nasa.gov/ABSTRACTS/GPN-2000-001138.html

(Abruf am 27. März 2021).

16


Andere Perspektiven!? Eine Expedition zur Aussicht auf ein gutes Leben

xi

Solchen Wertschätzungsfragen sind wir bei vielen unterschiedlichen Gelegenheiten nachgegangen. Dazu

gehörte beispielsweise ein Stadtspiel zum guten Leben mit der urbansupergroup in Reutlingen oder auch eine

Art „Wertschätzerei“ mit einer Mitarbeiterin der Geschäftsstelle des Biosphärengebiets Schwäbische Alb sowie

einigen weiteren Gästen in unserer Aktionsforschungs-Zentrale im Pfullinger Schaffwerk. Dabei haben wir uns

mit dem Wert des Waldes und mit vielen anderen unschätzbar wertvollen „Dingen“ beschäftigt.

xii Auf dem Foto sieht man eine Landkarte mit dem Biosphärengebiet Schwäbische-Alb und darum herum liegen

mehr oder weniger zufällig verstreut einige Fotos von einigen unserer Aktions-Forschungs-Stationen: Von

unserem Ausgangspunkt, dem Pfullinger Schaffwerk; von einer Inter-Aktion mit Tieren auf dem Reutlinger

Listhof; von einer Reportage auf dem Biolandbetrieb Gaisbühl in Reutlingen; von einer Bahnreise mit

Hindernissen und Umwegen nach Metzingen; von einer Art Demonstration auf dem Rutschenfelsen; von einer

Erkundungstour auf dem jüdischen Friedhof in Buttenhausen; von einer Erinnerungsreise zur Gedenkstätte

Grafeneck; von einer Präsentations-Tour „auf den Spuren unschätzbarer Werte“ zum alten Lager in Münsingen;

von einer Begegnung mit dem Lieblingsbaum des früheren Försters von Pfronstetten; vom Test eines

barrierefreien Reisebusses in Bösingen; von einer Exkursion zum Kloster Zwiefalten; von einer Besichtigung der

Stelle, wo früher einmal die Synagoge von Buttenhausen gestanden hat; von einer Aktionsforschungs-Fahrt zum

Biosphärenzentrum in Münsingen; von einer Tour zur Bergkirche in Talheim; von einer märchenhaften Begehung

auf dem Pfullinger Schönberg und von einer sagenhaften Tour zum Pfullinger Berg. Einige dieser Orte liegen im

Biosphärengebiet Schwäbische Alb.

xiii Infos zum Thema „Persönliche Zukunftskonferenz“: https://www.yumpu.com/s/qZvrYKG6sgJxfQwj

xiv Auf dem Foto sieht man einen Plan des Reutlinger Stadtteils Orschel-Hagen inklusive Heim für sogenannte

Menschen mit Behinderungen in Rappertshofen. An der Zeitmaschine arbeiten hier (von links nach rechts)

Franziska Schiller, Harald Sickinger und Eugen Blum gerade an anderen Zukunftsperspektiven für diese

Umgebung. Rappertshofen soll nach dem aktuellen Stand der Reutlinger Stadtplanung in Zukunft ein inklusives

Quartier werden.

xv Die Karte des „Heilig-Geist-Gebiets“ hat unser Aktionsforschungs-Kollege Thomas Geprägs ausgeschnitten, weil

ihm dieses Gebiet wichtig ist. Das hat er auch auf die Karte geschrieben (bzw. gedruckt). Damit ein Spielbrett

daraus werden konnte, hat uns Kerstin Rilling vom Kunstmuseum Reutlingen unterstützt. Die Memory-Karten

„erinnern“ an gute Orte im Heilig-Geist-Gebiet aus den Blickwinkeln von unterschiedlichen Expert*innen in

eigener Sache (Thomas Geprägs selbst, Freund*innen, wie Matthias Braun, Angelika Lotterer und Rolf Rathfelder,

die ebenfalls hier wohnen, aber auch Tagesgäste von außerhalb wie z. B. Christine Fuchs...). Auf der Rückseite

jeder Karte gibt es einen qr-code, mit dem man per smartphone oder per tablet ein kurzes Video dazu abrufen

kann.

Materialen wie diese werden wir zukünftig auch bei unserem Weiterentwicklungsprojekt „Was zählt? – Eine

Frage steht im Raum“ verwenden, wenn wir unterschiedliche Menschen im „Heilig-Geist-Gebiet“ fragen, was für

sie hier zählt.

xvi Die Formulierung „meine Welt in der Welt“ ist an eine Idee unseres Aktionsforschungs-Kollegen Eugen Blum

angelehnt. Bei einer Telefonkonferenz unseres Montags-Teams erzählte er über seine Idee, dass wir ein

Spektakel mit dem Titel „Eugens Welt in der Welt“ machen könnten.

xvii Das Plakat (und der darauf gedruckte Text) stammt von Eugen Blum. Das Foto entstand bei einer Kundgebung

von „fridays for future“, an der wir uns beteiligt haben.

xviii

Zum Verständnis von Aktionsforschung siehe z. B. auch: Lewin, Kurt (1948): Aktionsforschung und

Minderheitenprobleme. In: Lewin, Kurt (Hg.): Die Lösung sozialer Konflikte (S. 278 – 298). Bad Neuheim sowie

Freire, Paulo (1973): Pädagogik der Unterdrückten. Bildung als Praxis der Freiheit. Reinbek Hamburg.

xix Die Installation auf dem Foto stammt von Peter Kramer. Das Foto hat Ulla Schubert gemacht.

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