LKZ_20210424_Themenabo_Bogenschießen

gruenkaeppchen

Bogenschießen mit Seil & Bogen

24./25. APRIL 2021

■■■■■■ SAMSTAG/SONNTAG WWW.LKZ.DE

Serie 21

AKTIV IM FRÜHLING – Unsere Tipps für Sie!

Christine Volk-Uhlmann (in Grün) erklärt Autorin Stephanie Nagel (in Blau) auf einer Wiese in Korntal, worauf es beim Schießen mit dem Langbogen ankommt.

Fotos: Andreas Becker

INTUITIVES BOGENSCHIEßEN

Das Ziel ist nicht das Ziel

Take-Down-, Lang- und Recurve-Bogen.

Der Pfeil liegt auf der Hand auf.

VORSCHAU

Lesen Sie

am Montag:

Gartentipps von

Volker Kugel

Beim Zuschauen wirkt es ganz einfach.

Doch sobald man den Bogen selbst in

der Hand hat, will der Pfeil zumindest

am Anfang die Zielscheibe einfach nicht

treffen. Spaß macht es trotzdem. Denn

bei Technik und Haltung gibt es vieles zu

beachten, so dass man sich richtig vertiefen

und alles andere vergessen kann.

Auf einer Hotelanlage hatte Christine

Volk-Uhlmann wie viele andere Touristen

zum ersten Mal mit einem Bogen geschossen.

Das habe sie zwar schon damals

cool gefunden, sich aber erst mal

nicht weiter damit beschäftigt. Bis sie eine

Weiterbildung in Erlebnis- und Umweltpädagogik

machte und dadurch das

Bogenschießen Einzug in ihr Leben erhielt.

Inzwischen gibt sie unter dem Namen

„Seil & Bogen – Erlebnispädagogik

Korntal“ Kurse für Kinder, Erwachsene

und Gruppen und entwickelt das Angebot

stets weiter. Für eine Probestunde

treffen wir uns an einem kühlen Freitagmorgen

auf einer Wiese in Korntal.

Vierzehn Bögen besitzt Christine Volk-

Uhlmann inzwischen, von denen sie vier

mitgebracht hat: Einen selbst gebauten

Langbogen aus Eschenholz, einen kleineren

Langbogen, der sich besonders für

Frauen eignet, einen Recurve-Bogen, der

bei gleichem Kraftaufwand eine stärkere

Wurfkraft entfaltet, sowie einen Take-

Down-Recurve-Bogen, der sich für den

Transport zerlegen lässt. Für diese Stunde

wählen wir die Langbögen aus – und

schon kann es losgehen.

Stephanie Nagel

Kreisredaktion

Unter Anleitung stelle ich mich im

rechten Winkel zur Zielscheibe auf, lege

den Pfeil ein, spanne mit drei Fingern die

Sehne und halte dabei den Bogen leicht

schräg. Was es alles zu beachten gibt, erklärt

Christine Volk-Uhlmann sehr anschaulich.

So soll ich etwa für die aufrechte

Haltung an einen Polizisten denken,

der den Verkehr regelt. Beim ersten

Versuch kneife ich gleich mal ein Auge

zu, wovon sie mir abrät. Denn dadurch

geht die Fähigkeit zum dreidimensionalen

Sehen verloren und man kann die

Entfernung nicht mehr richtig einschätzen.

Vor allem beim intuitiven Bogenschießen,

mit dem man das Körpergefühl

schulen will, ist das aber wichtig. „Man

merkt oft schon während des Schusses,

dass das Käse war“, sagt die Expertin. Mit

der Zeit bekomme man ein gutes Gefühl

für den Bogen. Und bis dahin wachse die

Frustrationstoleranz. Die Bogenschieß-

Community sei dabei sehr wohlmeinend.

Anstatt blöder Sprüche rege man sich

eher zusammen auf oder tröste sich.

Auf das Schießen folgt das Suchen.

„Die Pfeile landen gern mal da, wo sie

niemand vermutet“, weiß Christine

STEPHANIE NAGEL

stephanie.nagel

@lkz.de

und Tiere aufhalten.

Volk-Uhlmann aus Erfahrung. Bereits im

sehr kurzen Gras sind die Pfeile nicht einfach

zu finden, wenn sie sich hineinbohren.

Deshalb hat sie sogar einen Metalldetektor

angeschafft. Wegen der Unberechenbarkeit

ist es auch wichtig, dass sich

im gesamten Schussfeld keine Menschen

Die Schüler von „Seil & Bogen“ machen

den Sport aus ganz unterschiedlichen

Gründen: Der eine wolle sich einfach

draußen bewegen, der andere die bewusste

Wahrnehmung schulen oder zur

Ruhe kommen. „Das Ziel ist nicht unbedingt

das Ziel. Manche wollen aber auch

tatsächlich ins Gelbe treffen“, so Christine

Volk-Uhlmann. Für Frauen könne zudem

interessant sein, es mal mit einer

Waffe zu tun zu haben: „Das hat ja etwas

sehr Archaisches.“

Auch der Transfer ist wichtig, also was

man vom Bogenschießen für den Alltag

mitnimmt. Dabei kann es um weit mehr

gehen als das Erreichen von Zielen. So

hat Christine Volk-Uhlmann etwa beobachtet,

dass sich manche Frauen schwertun,

die gespannte Sehne loszulassen. Da

könne man sich fragen, warum das so ist,

ob man etwa zu Perfektionismus neige.

Auch wer Angst habe, den Bogen im

wahrsten Sinne des Wortes zu überspannen,

könne sich Gedanken machen, was

dahintersteckt. Denn so leicht breche der

Bogen nicht.

INFO: Aufgrund der Coronasituation kann

Christine Volk-Uhlmann derzeit nur Einzelunterricht

geben. Sonst umfasst das Angebot

auch Kindergeburtstage, Kurse zur Selbstreflexion,

Team-Events und mehr. Näheres unter

www.erlebnispaedagogik-korntal.de.

Das Pfeilende wird eingelegt …

… und die Sehne mit drei Fingern gespannt.

Daneben, aber immerhin einheitlich.

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Durch eine Glaskugel blickt LKZ-Leser Joachim Ludwig aus Hessigheim auf die Neckarschleife

bei Mundelsheim. Das Foto passt ganz unbeabsichtigt zum nebenstehenden Lesergedicht.

Erinnerungen an eine Kindheit

in Mundelsheim

Müd‘ geworden vom Tage legt sich

die Abendsonne in den Schoß des

Horizonts. Und ich bemerke meine eigene

Müdigkeit von dieser Reise, diesem

Kreisen, das sich Leben nennt.

Alles was mich umgibt, sei es die Kanzel,

der Käsberg, das Königshäusle,

die Weinreben, der Neckar, spricht in

einer Sprache zu mir, doch ich verstehe

sie nicht.

Als einsamer Zuschauer sitze ich auf

den Rängen dieser Weinbergtribüne

und sehe wie der Neckar, gleich einem

Filmband, mein Leben abspielt.

Meine Kindheit, meine Jugend, meine

Sorgen und Träume treiben gemeinsam

mit meinen Papierschiffen

den Neckar hinunter.

Wie liebevoll Mundelsheim eingerichtet

ist, gleich einem Kinderzimmer

von werdenden Eltern, die ihrem

Säugling mit allem sagen möchten:

„Wir lieben dich!“.

Gott, deine Welt ist mein Kinderzimmer,

deine leuchtenden Sterne meine

Zimmerdecke.

Gott, an deinem Geist hänge ich wie

die Traube am Weinstock. An deiner

Wahrhaftigkeit will ich reifen, mich

veredeln, um nach deiner Lese in deinem

Kelch zu sterben.

Von der Kanzel hinunterblickend, sehe

ich, wie sich die Welt im Neckar

spiegelt.

Auf diesem großen Bild kann ich mich

nicht entdecken, als würde es mich

verleugnen, doch ich weiß, dass ich

dort irgendwo sein muss, denn ohne

mich wäre es unvollkommen, unwahr.

So, wie ich nur einen Tropfen Wahrheit

spiegeln kann, so spiegelt mich

das große Bild auch nur mit einem

Tropfen. Sanfte Wellen gehen durch

den Neckar, gehen über in Zeilen, gehen

über in ein Gedicht, doch ich

kann es nicht lesen.

So bleibt mir nur wie ein Säugling in

den Armen seiner Mutter, auf die Betonung

der Sprache zu achten, denn

dann fühle ich die Sprache, die zu mir

spricht, dann fühle ich Liebe und erkenne,

mein Leben ist eine einzige

Berührung der Liebe.

Haydar Krönner, Deggendorf

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