Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft - Technik Steiermark

technik.steiermark.at

Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft - Technik Steiermark

PersPektive 2020/2030

26 Maßnahmenbündel für eine zukunftssichernde klimapolitik in der steiermark

Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

Ausgabe 2010


Die Autorinnen und Autoren

Barbara Amon Institut für Landtechnik, BOKU Wien Landwirtschaft

Gabriel Bachner

Andrea Damm

Brigitte Gebetsroither

Wolf Grossmann

Maximilian Lauer

Lukas Liebmann

Gottfried Kirchengast

Angelika Kufleitner

Raimund Kurzmann

Franz Prettenthaler

Stefan Schleicher

Thomas Schinko

Hans Schnitzer

Daniel Steiner

Karl Steininger

Wegener Zentrum für Klima und Globalen

Wandel, Universität Graz

Wegener Zentrum für Klima und Globalen

Wandel, Universität Graz

Wegener Zentrum für Klima und Globalen

Wandel, Universität Graz

Wegener Zentrum für Klima und Globalen

Wandel, Universität Graz

Institut für Energieforschung, Joanneum

Research

Wegener Zentrum für Klima und Globalen

Wandel, Universität Graz

Wegener Zentrum für Klima und Globalen

Wandel, Universität Graz

Wegener Zentrum für Klima und Globalen

Wandel, Universität Graz

Institut für Technologie- und Regionalpolitik,

Joanneum Research

Institut für Technologie- und Regionalpolitik,

Joanneum Research

Wegener Zentrum für Klima und Globalen

Wandel, Universität Graz

Wegener Zentrum für Klima und Globalen

Wandel, Universität Graz

Institut für Prozess- und Partikeltechnik,

TU Graz

Institut für Energieforschung, Joanneum

Research

Wegener Zentrum für Klima und Globalen

Wandel, Universität Graz

Mobilität

Mobilität

Gesamt-Projektmanagement

und Mobilität

Systemanalyse

Energiebereitstellung

Mobilität

Wissenschaftlicher Sprecher

Mobilität

Ökonomische Wirkungen

Ökonomische Wirkungen

Wissenschaftliche Leitung

Emissionsbilanzen, Landwirtschaft

Produktion

Energiebereitstellung

Projektleitung

Wolfgang Streicher Institut für Wärmetechnik, TU Graz Gebäude

Florian Tatzber Institut für Wärmetechnik, TU Graz Gebäude

Michaela Titz

Andreas Türk

Institut für Prozess- und Partikeltechnik,

TU Graz

Wegener Zentrum für Klima und Globalen

Wandel, Universität Graz und Institut

für Energieforschung, JR

Produktion

Energiebereitstellung und

Emissionsbilanzen

Redaktionelle Verantwortung Erläuterungen zum Klimaschutzplan Steiermark 2010 Teil 4 – Land-

und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

Barbara Amon, Universität für Bodenkultur, Wien, Department für Nachhaltige Agrarsysteme, Institut für

Landtechnik

Thomas Schinko und Karl Steininger, Karl-Franzens Universität Graz, Wegener Zentrum für Klima und

Globalen Wandel

Zitationshinweis:

Wegener Zentrum, TU Graz, Joanneum Research (2010), Erläuterungen zum Klimaschutzplan Steiermark

2010, Teil 4: Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft, Studie im Auftrag der Steiermärkischen

Landesregierung, Graz, Mai 2010

Erläuterung 4: Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

3


4

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 6

2. Landwirtschaft 10

2.1. Bestandsaufnahme und Ausgangssituation 10

2.2. Referenzszenario Landwirtschaft 11

2.3. Handlungsoptionen für die Landwirtschaft 12

2.4. Die Konkretisierung in Maßnahmenbündel 16

2.4.1. Verstärkte Nutzung von Boden und Wald als positiver Klimafaktor 16

2.4.2. Reduktion der Methanemissionen aus der Landwirtschaft 16

2.4.3. Reduktion der Stickstoffemissionen aus der Landwirtschaft 17

2.5. Emissionspfad Landwirtschaft 17

2.6. Umsetzungsplan Landwirtschaft 19

3. Forstwirtschaft 22

3.1. Der Beitrag der Forstwirtschaft zur Treibhausgas-Emissionsminderung 22

4. Abfallwirtschaft 24

4.1. Bestandsaufnahme und Ausgangssituation 24

4.2. Handlungsoptionen für die Abfallwirtschaft 25

4.3. Konkretisierung in Maßnahmenbündel 26

4.3.1. Reduktion der Treibhausgasemissionen aus der Abfallwirtschaft 26

4.3.2. Verankerung eines nachhaltigen Ressourcenmanagements in der

Gesellschaft 26

4.4. Emissionspfad im Sektor Sonstige (insb. Abfallwirtschaft) 27

4.5. Umsetzungsplan im Bereich Abfallwirtschaft 27

Literatur 30


Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1-1: Aufbau des Klimaschutzplan Steiermark ............................................................................7

Abbildung 2-1: THG-Emissionen der steirischen Landwirtschaft 2000 - 2007 [kt CO 2e] .........................10

Abbildung 2-2: Spezifisches Referenzszenario Landwirtschaft.................................................................11

Abbildung 2-3: Treibhausgasreduktionsszenario für die Steiermark im Bereich Landwirtschaft ............17

Abbildung 4-1: THG-Emissionen des Sektors „Sonstige" .........................................................................24

Abbildung 4-2: Treibhausgasreduktionsszenario im Bereich Sonstige (insbes. Abfall) für 2020 und 2030

im Vergleich zum Ausgangsniveau 2005 ..........................................................................................27

Tabellenverzeichnis

Tabelle 2-1: Entwicklung des steirischen Viehbestandes 1970 – 2008.....................................................11

Tabelle 2-2: Entwicklung des steirischen Viehbestandes..........................................................................18

Erläuterung 4: Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

5


EINLEITUNG

6

1. Einleitung

Die Einbettung in das Gesamtprojekt

Die vorliegenden Erläuterungen zum Klimaschutzplan Steiermark Teil 4 sind folgendermaßen

in das Gesamtprojekt eingebettet. Der Klimaschutzplan Steiermark

gibt einen Gesamtüberblick über die Klimaschutzmaßnahmen der Steiermark. Teil

1 der Erläuterungen zum Klimaschutzplan zeigt Hintergründe, Ziele sowie Gestaltungsmöglichkeiten

des Landes im Bereich Klimaschutz insgesamt auf. Detaildaten,

zu Grunde liegende Analysen und Berechnungen sowie detaillierte Hintergrundinformationen

in den untersuchten Bereichen sind in den Teilen 2-7 der Erläuterungen

zum Klimaschutzplan angeführt. Die Erläuterungen können jederzeit

über die Klimaschutzkoordination FA17A angefordert werden.

� Klimaschutzplan Steiermark 2010

� Erläuterungen Teil 1: Hintergrund, Ziele und Gestaltungsmöglichkeiten des

Landes

� Erläuterungen Teil 2: Gebäude

� Erläuterungen Teil 3: Mobilität

� Erläuterungen Teil 4: Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

� Erläuterungen Teil 5: Produktion

� Erläuterungen Teil 6: Energiebereitstellung

� Erläuterungen Teil 7: Klimastil – Ein Lebensstil für unsere Zukunft

Die Schritte des Klimaschutzplans

Der Ablauf für die Entwicklung des Klimaschutzplan Steiermark umfasst die in

Abbildung 1-1 dargestellten Schritte. Das im ersten Schritt auf Basis der Zielvorgaben

der europäischen und internationalen Klimapolitik dargestellte Basisziel-

und das Innovationszielszenario beschreiben jene Emissionspfade die bis 2020

und 2030 zu gehen sind. Im zweiten Schritt wurden in den einzelnen Gestaltungsbereichen

Emissionsreduktionspotenziale für unterschiedliche Handlungsoptionen

ermittelt. Im Schritt 3 wurden diesen Handlungsoptionen noch Maßnahmen zugeordnet

und deren Treibhausgasemissions- und Energieeinsparungen ermittelt.

Schritt 4 beinhaltet den Umsetzungsplan in dem die Maßnahmen weiter konkretisiert

wurden. Ein projektbegleitendes Monitoring ist nach Beschluss des Klimaschutzplans

vorgesehen. Dieser Teil der Erläuterungen folgt in Analogie zu den

Erläuterungen der anderen Bereiche dem Aufbau des Klimaschutzplans Steiermark.


Abbildung 1-1: Aufbau des Klimaschutzplan Steiermark

Die Land-, Forst- und Abfallwirtschaft im Klimaschutzplan Steiermark

Die Landwirtschaft wird in den nächsten Jahrzehnten stärker als andere Sektoren

von den direkten Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein und daher zahlreiche

Anpassungen vornehmen müssen. Sei es durch den Einsatz neuer Kulturarten

im Pflanzenbau, welche bessere Trockenheits- und Hitzeresistenzen aufweisen,

durch Boden bzw. wasserschonende Bewirtschaftungsmethoden oder in

ihrem Umgang mit Extremwetterereignissen. Dies stellt eine große Herausforderung

für die Forschung, Politik, die zuständigen Institutionen und im Speziellen die

Landwirte dar. Zudem gilt es auch, die wesentlichen Potenziale in der Landwirtschaft

zur Reduzierung ihrer THG-Emissionen auszuloten und zu realisieren. Die

Hauptbereiche dafür sind: effizienter Einsatz von Stickstoffdünger, schonende

Methoden zur Bodenbearbeitung, Reduktion der tierbestandsabhängigen Emissionen,

Landnutzungsänderung (beispielsweise weist Grünland wesentlich geringere

THG-Emissionen auf als Ackerland) und verbessertes Wirtschaftsdüngermanagement

bei Lagerung und Ausbringung. Darüber hinaus können auch die Ökologische

Landwirtschaft und die Stärkung von regionalen Vermarktungsinitiativen

einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Die Forstwirtschaft stellt gerade in der Steiermark (61,1% der Fläche der steirischen

Landesfläche sind mit Wald bedeckt; Land Steiermark 2008) ein Potenzial

für den Klimaschutz in mehreren Dimensionen dar. Zum einen stehen derzeit noch

ungenützte Mengen nachwachsender Rohstoffe für den Einsatz als erneuerbare

Energieträger zur Verfügung. Auf diesen Aspekt gehen – wie auch für die diesbezüglichen

agrarischen Potenziale – die Erläuterungen zum Klimaschutzplan im Teil

6 Energiebereitstellung ein. Zum anderen bieten forstwirtschaftliche Rohstoffe

aber auch die Möglichkeit als materieller Rohstoff ein nachhaltiger Ersatz für bisher

Kohlenstoff-intensiv hergestellte Einsatzstoffe zu sein. Etwa gilt es im Bereich

der Gebäude nicht nur die im Betrieb der Gebäude verursachten THG-Emissionen

zu senken bzw. überhaupt zu eliminieren, sondern langfristig auch die THG-

Erläuterung 4: Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

7


EINLEITUNG

8

Emissionen in der Herstellung der Baustoffe selbst zu verringern bzw. zu eliminieren.

Holz als Baustoff kann hier Stahl, Beton, Ziegel, Zement ganz oder teilweise

ersetzen. Bereits jetzt gibt es in Österreich in sonst keiner Region eine solche große

Dichte etwa an Fertighausherstellern, die auf Basis von Holzkonstruktionen

arbeiten. Ähnlich gibt es Möglichkeiten in anderen Anwendungen, wie z.B. in der

Herstellung und Gestaltung von Möbeln. Dieser Aspekt wird im vorliegenden Band

der Erläuterungen zum Klimaschutzplan Steiermark kurz angesprochen. Zum dritten

gilt es auch in der Forstwirtschaft den Produktionsprozess selbst so weit als

möglich THG-frei zu gestalten. Dieser Aspekt wird – wie die Produktion insgesamt

– in den Erläuterungen zum Klimaschutzplan Steiermark Teil 5 Produktion behandelt.

Die separat in der Treibhausgasbilanz ausgewiesenen THG-Emissionen für die

Bereiche Kleinverbrauch (im Wesentlichen Gebäude), Mobilität, Produktion und

Energiebereitstellung werden in den jeweiligen Teilen der Erläuterungen behandelt,

die Emissionen aus der Landwirtschaft im vorliegenden Teil. Die darüber

hinaus noch verbleibenden THG-Emissionen werden in der UNFCCC Bilanzierungskategorie

„Sonstige“ zusammengefasst. Darin sind hauptsächlich Emissionen

aus der Abfallwirtschaft und aus der Anwendung von Lösungsmitteln ausgewiesen.

Lösungsmittelemissionen (CxHy-Dämpfe) sind in der Regel nur sehr eingeschränkt

klimaschädlich. Deshalb wird im Weiteren aus dem Bereich „Sonstige“

nur auf die Abfallwirtschaft eingegangen.


Erläuterung 4: Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

9


LANDWIRTSCHAFT

10

2. Landwirtschaft

2.1. Bestandsaufnahme und Ausgangssituation

Die Landwirtschaft war im Jahr 2007 mit 1.363 kt CO 2e für 9,6% der steirischen

Treibhausgas-Emissionen verantwortlich (Umweltbundesamt, 2009b). Wie in

Abbildung 2-1 dargestellt, stammen davon wiederum 748 ktCO 2e aus CH 4-

Emissionen und 615 kt CO 2e aus N 2O-Emissionen 1 (Umweltbundesamt, 2009b).

1.000t CO2e

1.600

1.400

1.200

1.000

800

600

400

200

0

N2O

CH4

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007

Abbildung 2-1: THG-Emissionen der steirischen Landwirtschaft 2000 - 2007

[kt CO 2e]

Quelle: Umweltbundesamt (2009b)

Die wichtigsten Quellen landwirtschaftlicher Treibhausgasemissionen im Jahr

2007 stellen mit einem Anteil von 55% die direkten verdauungsbedingten CH 4-

Emissionen aus der Viehhaltung, sowie die CH 4-Emissionen aus dem Wirtschaftsdüngermanagement

dar, welche kausal von den Tierbestandszahlen abhängig

sind (vergleiche Tabelle 2-1).

Die zweite wichtige Quelle für landwirtschaftliche Treibhausgas-Emissionen stellen

die N 2O-Emissionen aus dem Wirtschaftsdüngermanagement sowie der Bewirtschaftung

landwirtschaftlicher Böden dar. Sie repräsentieren im Jahr 2007 knapp

45% der landwirtschaftlichen Treibhausgas-Emissionen. In den Bereich Bodenbewirtschaftung

fallen die Düngung mit organischem Stickstoffdünger, die chemische

Stickstoffdüngung sowie sonstige direkte und indirekte Emissionen aus der

Bodenbewirtschaftung, wie etwa Stickstoffauswaschung, Stickstoff fixierende

1

Global Warming Potential (GWP) relativ zu CO2 von 21 für CH4 und 310 für N2O (Umweltbundesamt, 2009b)


Pflanzen (Leguminosen), Ernterückstände, Ausbringung von Klärschlamm, atmosphärische

Deposition von Stickstoff und Gülle von Weidetieren.

Jahr Rinder gesamt Schweine Schafe Ziegen

1970 461.074 613.415 16.017 6.795

1980 454.640 817.338 27.032 4.212

1990 444.522 960.992 51.251 5.299

2000 363.341 867.757 58.237 7.782

2008 337.420 835.944 52.722 6.668

Tabelle 2-1: Entwicklung des steirischen Viehbestandes 1970 – 2008

Quelle: Statistik Austria und Bundesanstalt für Agrarwirtschaft (2009)

2.2. Referenzszenario Landwirtschaft

Für die zukünftige Entwicklung der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen

erweisen sich die Entwicklung der Tierbestände (vor allem die Rinderzahlen), die

damit einhergehenden Wirtschaftsdüngermengen, sowie die Art und Weise der

Bodenbewirtschaftung (hauptsächlich der Einsatz an organischem und mineralischem

Stickstoffdünger) als kritische Einflussfaktoren. Im Folgenden werden die

erwarteten Entwicklungstendenzen für diese Faktoren kurz zusammengefasst und

auf ein modellhaftes Emissionsszenario für die steirische Landwirtschaft umgelegt.

1.000 t CO2e

1,800

1,600

1,400

1,200

1,000

800

600

400

200

0

1,580

1990

1,339 1,363

2005

1,332

1,333

2020

2007 2030

1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 2030

Abbildung 2-2: Spezifisches Referenzszenario Landwirtschaft

Aufbauend auf der Entwicklung dieser Haupteinflussfaktoren (basierend auf Amon

und Hörtenhuber, 2010) und den in der Bundesländer-Luftschadstoff-Inventur

(Umweltbundesamt, 2009b) veröffentlichten Mengen an emittierten Treibhausgasen,

wurde für den Landwirtschaftssektor in der Steiermark ein Emissionsszenario

Erläuterung 4: Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

11


LANDWIRTSCHAFT

12

2030 erstellt (vgl. Abbildung 2-2). Als Ausgangswert wurden die Emissionen des

Jahres 2007 verwendet, mit Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft in der

Steiermark von 1.363 kt CO 2e.

Aus Abbildung 2-2 wird deutlich, dass unter den angenommen Szenario-

Rahmenbedingungen die Treibhausgas-Emissionen der steirischen Landwirtschaft

in den kommenden Jahren leicht zurück gehen werden und sich danach auf ein

etwas geringeres Niveau als 2007 einpendeln werden, nämlich im Jahr 2030 auf

etwa 1.333 kt CO 2e. Diese Entwicklungstendenzen sind im Wesentlichen auf konstant

sinkende CH 4- und N 2O-Emissionen aus den Emissionsbereichen Verdauung

und Wirtschaftsdüngermanagement zurückzuführen, die wiederum auf sinkenden

Tierbestandszahlen bis 2030 basieren. Die sinkende Tendenz im Bereich der Verdauungs-

und Wirtschaftsdüngermanagement bedingten CH 4–Emissionen und der

durch den Einsatz von organischem Stickstoffdünger initiierten N 2O-Emissionen

kann auch von den jeweils steigenden Emissionsfaktoren pro Nutztier nicht konterkariert

werden. Der steigende Emissionsfaktor je Nutztier ergibt sich aus Leistungssteigerungen

insbesondere bei Milchkühen. Der leicht fallenden Tendenz

stehen andererseits leicht steigende direkte und indirekte N 2O-Emissionen aus der

Bodenbewirtschaftung gegenüber, die auf einen vermehrten Einsatz von mineralischem

Stickstoffdünger zurückzuführen sind.

Zusammenfassend lässt sich somit für die Entwicklung der Treibhausgasemissionen

der steirischen Landwirtschaft festhalten, dass die prognostizierten Mengenänderungen

der Tierbestände sowie der Einsatz von chemischem Stickstoffdünger

die treibenden Faktoren für die stagnierende Tendenz des Emissionspfades

darstellen.

2.3. Handlungsoptionen für die Landwirtschaft

Emissionen aus der enterogenen Fermentation von Wiederkäuern

Als enterogene Fermentation bezeichnet man die Methanemissionen, die während

der Verdauung bei Wiederkäuern entstehen. Die Emissionen aus der enterogenen

Fermentation werden wesentlich von den Tierbestandszahlen bestimmt, dennoch

gibt es neben der Reduzierung der Tierzahlen auch noch andere Möglichkeiten,

um die THG-Emissionen in diesem Bereich zu senken. Methanemissionen aus der

enterogenen Fermentation nehmen mit zunehmender Milchleistung ab. Je höher

die Milchleistung pro Kuh, desto geringer die THG-Emissionen je erzeugtem Liter

Milch. Ein moderater Anstieg der Milchleistung pro Kuh ist somit eine Maßnahme,

um CH 4-Emissionen zu senken. Bei dieser Maßnahme ist dringend zu beachten,

dass kein linearer Zusammenhang besteht, sondern die THG-Einsparung mit zunehmender

Milchleistungssteigerung sinkt. Auf die spezifischen Ernährungserfordernisse

der Kühe ist unbedingt Rücksicht zu nehmen. Auch muss die Maßnahme

im gesamt-ökologischen Zusammenhang gesehen werden. Beispielsweise verwerten

Milchkühe Pflanzen, die der menschlichen Ernährung nicht zugänglich

sind. Eine zunehmende Milchleistungssteigerung sollte also durch eine verbesser-


te Grundfutterqualität und erhöhte Grundfutteraufnahme erreicht werden und nur

bedingt durch eine vermehrte Kraftfutteraufnahme. Ein weiterer wichtiger Aspekt

bei Milchkühen ist deren Milchlebensleistung. Je höher diese ist, desto geringer

sind die Emissionen pro Liter Milch, da die Emissionen, die während der Aufzuchtphase

entstehen über einen längeren Zeitraum aufgerechnet werden können.

(Hörtenhuber & Zollitsch, 2009; Winiwarter et al., 2009) Die Ökologische

Landwirtschaft kann hierbei einen wichtigen Beitrag durch eine verbesserte Tiergesundheit

leisten.

Verminderung der Stickstoff-Ausscheidung bei Schweinen

Der Bereich der Fütterung von Schweinen ist ein sehr wesentlicher Faktor für die

nachhaltige Reduzierung von N 2O-Emissionen aus dem Witschaftsdüngermanagement

und aus Böden. Stickstoffeinträge, die bereits am Beginn der Verfahrenskette

eingespart werden, belasten nachfolgend nicht die Umwelt. Es ist von außerordentlich

hoher Bedeutung, N-Überschüsse bei der Fütterung zu vermeiden.

Im Bereich der Schweinehaltung geschieht dies durch die Einführung der Phasenfütterung,

die den N-Gehalt im Futter an den variierenden N-Bedarf im Lauf der

Mast anpasst. Gemäß der repräsentativen Umfrage „TIHALO“ (Amon et al. 2007)

wurden im Jahr 2005 62 % der Mastschweine in Österreich in der Endmast eiweißarm

gefüttert. Hier bestehen noch deutliche Potenziale, den Anteil der Phasenfütterung

zu erhöhen. Die Studie „reclip:tom“ (Winiwarter et al. 2009) geht von

einem möglichen Reduktionspotenzial für N 2O-Emissionen durch Phasenfütterung

von 12 % der gesamten N 2O-Emissionen aus dem Wirtschaftsdüngermanagement

aus. Der große Vorteil dieser Maßnahme ist ihre Kostenneutralität.

Biogas

Die Nutzung von Biogas beeinflusst die Treibhausgasemissionen direkt durch

reduzierte Methanemissionen bei der Lagerung von Wirtschaftsdüngern und indirekt

durch die Substitution von fossilen Energieträgern. Biogas besteht zu circa 60

% aus Methan und zu circa 40 % aus Kohlendioxid und kann zur Strom- und

Wärmeproduktion in einem Blockheizkraftwerk, als Treibstoff für gasbetriebene

Fahrzeuge oder zur direkten Einspeisung in das Gasnetz genutzt werden. Das

Ausbaupotenzial der Biogasnutzung für die Steiermark auf Basis von Flüssig- und

Festmist beträgt basierend auf den Annahmen von Pressl et al. (2009) etwa 5 MW

elektrische Leistung im Zeithorizont bis 2030. Dabei wird angenommen, dass 25 %

der Wirtschaftsdünger von Betrieben mit mehr als 30 Großvieheinheiten genutzt

werden. Dies entspricht je nach Anlagengröße circa 10 bis 50 neuen Biogasanlagen

mit einer Gesamtleistung von circa 40.000 MWh el. pro Jahr. Die damit erzeugte

Strommenge würde reichen, um etwa 9.000 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Zusätzlich werden 50.000 MWh Wärme produziert. Zum derzeitigen Stand

wird von der produzierten Wärme meist nur ein Teil genutzt. Hier bestehen ebenfalls

große Verbesserungspotenziale. Das Projekt „EU Agro Biogas“ (Amon et al.)

führte zum Bereich der Wärmenutzung umfangreiche Demonstrationen in Österreich

durch und schlägt konkrete Verbesserungsmöglichkeiten vor. Die Investiti-

Erläuterung 4: Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

13


LANDWIRTSCHAFT

14

onskosten je KW installierter Leistung sinken mit der Anlagengröße. Sie liegen bei

etwa 5000 Euro/ KW bei Anlagen bis zu einer Leistung von 100 KW und können

auf 3000 Euro/ KW bei Anlagen mit einer Leistung von mehr als 250 KW sinken

(FNR, 2006; Walla, 2003). Daraus ergeben sich Investitionskosten in der Höhe von

15 – 25 Millionen Euro um das gesamte Biogaspotenzial aus Flüssigmist und

Festmist für die Steiermark zu nützen. Die garantierten Einspeistarife ersetzen

einen Teil dieser Kosten.

Durch diese Maßnahme ließen sich die Treibhausgasemissionen aus der Lagerung

und Ausbringung von Wirtschaftsdüngern um bis zu 50 kt CO 2e / Jahr reduzieren.

Durch die Substitution von fossilen Energieträgern könnten weitere 20 kt

CO 2e eingespart werden, wobei als Referenzsystem zur Stromerzeugung ein mit

Erdgas betriebenes Gas- und Dampfturbinen Kraftwerk (GuD-KW) und zur Raumheizung

Öl- bzw. Holzheizungen dienen (vgl. Woess-Gallasch et al., 2007).

Das Potenzial zur Energiegewinnung aus Biogas kann durch den Einsatz von Co-

Substraten wie Grassilage, Maissilage, Bioabfällen, organischen Reststoffen usw.

noch weiter erhöht werden. Würden zusätzlich 5.000 ha Grünland und 3.000 ha

Ackerland für die Bereitstellung von Substraten für die Biogasproduktion verwendet,

könnten weitere 10 MW elektrische Leistung realisiert werden (Pressl et al.,

2009). Es wird angenommen, dass das volle Ausbaupotenzial bis 2030 umgesetzt

werden kann. Bis dorthin werden zudem auch Änderungen in der Wahl der eingesetzten

Substrate notwendig sein. Der Schwerpunkt wird auf der Verwertung organischer

Reststoffe in der Biogasanlage liegen, da eine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion

vermieden werden muss.

Die Biogasproduktion bietet zusätzlich positive Nebeneffekte, wie einen homogeneren

Flüssigmist mit höherem NH 4-Anteil und geringerem Trockensubstanzgehalt,

was gerade bei bodennahen Ausbringungsverfahren von Vorteil ist und auch

zu einer geringeren Geruchsbelästigung bei der Ausbringung führt.

Düngung

Der Einsatz von Mineraldünger führt einerseits zu erhöhten Lachgasemissionen

landwirtschaftlich genutzter Böden, andererseits ist die Produktion von Mineraldünger

ein sehr energieintensiver Prozess, der mit hohen CO 2-Emissionen verbunden

ist.

Die Lachgasemissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden sind in Österreich

seit 1990 um 11 % zurückgegangen (Umweltbundesamt 2009b). Dies liegt unter

anderem am deutlich reduzierten Einsatz von Mineraldünger (-24,4 %) und Wirtschaftsdünger

(-10,3 %). Für die Steiermark verfügbar sind hier nur Daten zur Teilnahme

der steirischen Landwirtschaft an den Extensivierungsmaßnahmen, aber

keine auf dieses Bundesland herunter gebrochene Verbrauchsstatistik für Handelsdünger.

Durch Fördermaßnahmen im Rahmen des ÖPUL Programms, die

eine Reduktion des Düngemitteleinsatzes forcieren, konnten bereits Verbesserungen

in diesem Bereich erzielt werden. Das größte Potenzial besteht im Erkennen

überdüngter Böden und einer an den Nährstoffbedarf der Pflanzen angepassten


Stickstoffdüngung. Deswegen wird die bodennahe Ausbringung des Düngers,

durch Schleppschuh- oder Schleppschlauchverfahren empfohlen. Das Land Steiermark

fördert Geräte zur bodennahen Flüssigmistausbringung inkl. Verschlauchung

mit 20 % der Investitionskosten. Eine verlässliche quantitative Abschätzung

des Potenzials zur Emissionsreduzierung in diesem Bereich ist noch nicht möglich,

da die Emissionen nicht nur von der Stickstoffzufuhr sondern auch von anderen

Faktoren wie dem Wasserhaushalt der Böden, der Temperatur und der Vegetation

abhängen (Gärtner et al., 2002). Grundsätzlich ist das Vermeiden von Stickstoff-Überschüssen

die nachhaltigste und effizienteste Maßnahme, um sowohl

N 2O- als auch NH 3-Emissionen zu vermindern.

Einfacher zu quantifizieren sind die potentiellen CO 2-Reduktionen bei der Düngemittelproduktion.

Würde man beispielsweise durch eine Vollumstellung auf Ökologische

Landwirtschaft komplett auf mineralischen Stickstoffdünger verzichten,

könnten etwa 135 kt CO 2 pro Jahr (Zeithorizont 2030) vermieden werden, die nur

beim Herstellen des Mineraldüngers entstehen (vgl. Freyer, 2009).

Bodenbearbeitung

Die Landwirtschaft nimmt im Vergleich zu anderen Sektoren eine Schlüsselrolle

ein, da nicht nur direkte Emissionsreduktionen möglich sind, sondern durch gezielte

Maßnahmen auch Kohlenstoff aus der Atmosphäre im Boden gebunden

werden kann. Smith (2004) bezeichnet diese Strategie jedoch im Vergleich zu

normalen Emissionsreduktionen als riskanter, da es nur ein beschränktes Potenzial

gibt und die Bindung nicht permanent ist. Dennoch können Maßnahmen zur

Kohlenstoffbindung einen positiven Einfluss auf die kurzfristige Konzentrationsentwicklung

haben. Zusätzlich haben Maßnahmen zur Kohlenstoffbindung häufig

positive Nebeneffekte wie die Verbesserung der Bodenstruktur, Erhöhung der

Wasserrückhaltekapazität und Bodenfruchtbarkeit. Es kann aber auch mit einfachen

Maßnahmen dazu beigetragen werden die Emissionen zumindest zu reduzieren.

So verbessert beispielsweise eine reduzierte Bodenbearbeitung von Ackerflächen

die Wasserverfügbarkeit, senkt die Kosten und führt gleichzeitig zu einer

Reduktion der THG-Emissionen. Ein verstärkter Aufbau von Humus, wie in der

Ökoregion Kaindorf im Rahmen eines Pilotprojektes durchgeführt, kann bis zu 10t

CO 2 pro Hektar und Jahr einsparen. Es gibt aber bislang kaum Mechanismen, die

gewährleisten, dass das gebundene CO 2 nicht später wieder freigesetzt wird. Da

sich das dauerhafte Reduktionspotenzial in diesem Bereich somit noch nicht genau

quantifizieren lässt – denn die komplexen Zusammenhänge bei den bodenbürtigen

Emissionen sind noch nicht vollständig geklärt – sollten Pilotprojekte

dieser Art forciert werden, um hier bessere Erkenntnis zu erzielen.

Neue Herausforderungen und die durch sie bedingten strukturelle

Änderungen

Die EU gibt – über die Lenkungsinstrumente Marktordnung und ländliche Entwicklung

– neue Herausforderungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik vor:

Erläuterung 4: Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

15


LANDWIRTSCHAFT

16

Erhaltung der Biodiversität, Erosionsschutz, Grundwasserschutz und klimapolitische

Ziele. Die damit verbundenen Umsetzungsmaßnahmen in der Steiermark

haben durchaus Potenzial für relevante THG-Emissionsminderungen aus den

Bereichen Rücknahme der Stickstoffintensität, Überführung bisheriger Problemflächen

in Bezug auf Erosion in Flächen unter Vertragsnaturschutz, Erhöhung des

Anteils des biologischen Landbaus, sowie zwingende Fruchtfolgeerweiterungen.

Es ist wahrscheinlich, dass dadurch die in diesem Kapitel angesprochenen Gesamt-Reduktionspotenziale

der Landwirtschaft noch erhöht werden.

2.4. Die Konkretisierung in Maßnahmenbündel

Die Hauptbereiche zur Emissionsreduktion in der Landwirtschaft sind: effizienter

Einsatz von Stickstoff, schonende Methoden zur Bodenbearbeitung, Reduktion

der tierbestandsabhängigen Emissionen, Landnutzungsänderung (beispielsweise

weist Grünland wesentlich geringere THG-Emissionen auf als Ackerland) und verbessertes

Wirtschaftsdüngermanagement bei Lagerung und Ausbringung. Darüber

hinaus können auch die Ökologische Landwirtschaft und die Stärkung von

regionalen Vermarktungsinitiativen, sowie der Einsatz von Biomasse aus der Land-

und Forstwirtschaft als materieller Rohstoff (Gras für die Bioraffinerie; Holz als

Bau- und Werkstoff) einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

2.4.1. Verstärkte Nutzung von Boden und Wald als positiver Klimafaktor

Die Landwirtschaft nimmt im Vergleich zu anderen Sektoren eine Schlüsselrolle

ein, da nicht nur direkte Emissionsreduktionen möglich sind, sondern durch gezielte

Maßnahmen auch Kohlenstoff aus der Atmosphäre im Boden gebunden

werden kann. Durch verbesserte Bodenbewirtschaftung ist mehr Kohlenstoff im

Boden zu binden. Zusätzlich haben Maßnahmen zur Kohlenstoffbindung häufig

positive Nebeneffekte wie die Verbesserung der Bodenstruktur, Erhöhung der

Wasserrückhaltekapazität und Bodenfruchtbarkeit. So verbessert beispielsweise

eine reduzierte Bodenbearbeitung von Ackerflächen die Wasserverfügbarkeit,

senkt die Kosten und führt gleichzeitig zu einer Reduktion der THG-Emissionen.

2.4.2. Reduktion der Methanemissionen aus der Landwirtschaft

Die Nutzung von Biogas beeinflusst die Treibhausgasemissionen direkt durch

reduzierte Methanemissionen bei der Lagerung von Wirtschaftsdünger (Flüssigmist

und Festmist) und indirekt durch die Substitution von fossilen Energieträgern.

Biogas besteht zu circa 60 % aus Methan und zu circa 40 % aus Kohlendioxid und

kann zur Strom- und Wärmeproduktion in einem Blockheizkraftwerk, als Treibstoff

für gasbetriebene Fahrzeuge oder zur Einspeisung in das Gasnetz genutzt werden.

Durch den Einsatz von Flüssigmist und Festmist in Biogasanlagen könnte in

der Steiermark Strom für etwa 9.000 Haushalte produziert werden.


Die Emissionen aus der enterogenen Fermentation werden wesentlich von den

Tierbestandszahlen bestimmt. Dennoch gibt es neben der Reduzierung der Tierzahlen

auch noch andere Möglichkeiten, um die THG-Emissionen in diesem Bereich

zu senken. Insbesondere sind die Emissionen durch eine optimale Grundfutterqualität

zu reduzieren. Dazu ist auf eine an den Standort angepasste Bewirtschaftungsintensität

zu achten.

2.4.3. Reduktion der Stickstoffemissionen aus der Landwirtschaft

Bei hoher Stickstoff-Düngung steigen die direkten wie indirekten N 2O-Emissionen.

Ein reduzierter Stickstoff-Einsatz – beginnend möglichst früh in der Verfahrenskette

– ist die wirksamste Maßnahme, um N 2O-Emissionen zu senken. Im Hinblick auf

Wirtschaftsdüngerarten und Managementmaßnahmen sind Faktoren wie Festmist/Flüssigmist,

Weidehaltung, Biogaserzeugung, Flüssigmistbelüftung und Festmistkompostierung

zu gestalten. Dies betrifft auch den Bereich der Fütterung.

Gerade bei Stickstoff-Emissionen ist es wichtig, Stickstoff-Überschüsse von Beginn

der Verfahrenskette an zu vermeiden. Dies kann vor allem durch eine bedarfsgerechte

Versorgung bei Schweinen und Geflügel erfolgen, da diese direkt

auf die Stickstoff-Ausscheidung und damit auch in weiterer Folge die N 2O-

Emissionen durchschlägt. Die Phasenfütterung ist in ihrem Reduktionspotenzial

für N 2O-Emissionen zu nutzen, wobei ihre Kostenneutralität einen großen Vorteil

dieser Maßnahme darstellt.

2.5. Emissionspfad Landwirtschaft

Abbildung 2-3 zeigt eine mögliche Entwicklung der THG-Emissionen im Sektor

Landwirtschaft für die Jahre 2020 und 2030 und stellt dieses dem Basisjahr 2005

gegenüber. Die Emissionsreduktionen in diesem Treibhausgasreduktionsszenario

für die steirische Landwirtschaft lassen sich auf unterschiedliche Faktoren zurückführen.

2030

2020

2005

0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 1.600

THG Emissionen im Bereich Landwirtschaft [kt CO2e]

Abbildung 2-3: Treibhausgasreduktionsszenario für die Steiermark im Bereich

Landwirtschaft

Erläuterung 4: Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

17


LANDWIRTSCHAFT

18

Zunächst basiert die Berechnung dieses Szenarios auf einer Viehbestandsprognose

der steirischen Landwirtschaftskammer, die als Basis für den Klimaschutzplan

Steiermark übermittelt wurde, welche vor allem der Entwicklung der Rinderzahlen

einen deutlich sinkenden Trend unterstellt (vgl. Tabelle 2-2). Da Rinder die

höchsten Emissionsfaktoren aufweisen, spielt vor allem deren zukünftige Bestandsentwicklung

eine gravierende Rolle. Für den Rinderbestand wird eine Abnahme

in Höhe von 10% pro Dekade prognostiziert und somit in etwa eine Fortschreibung

der Tendenzen der letzten Jahrzehnte, gleichmäßig aufgeteilt auf den

Milchkuhbestand sowie den Bestand anderer Rinder (Statistik Austria, 2009).

Durch den Zuchtfortschritt, eine verbesserte Grundfutterqualität und eine leistungsbezogene

Kraftfutterzuteilung steigt jedoch, wie bereits in Abschnitt 2.2 erwähnt,

die Leistung der Milchkühe an. Dies führt wiederum zu höheren enterogenen

CH 4-Emissionen pro Kuh, sowie auch zu höheren CH 4- und N 2O-Emissionen

im Rahmen des Wirtschaftsdüngermanagements, weshalb nicht von einer direkt

proportionalen Reduktion der Treibhausgas-Emissionen ausgegangen werden

darf. Daher muss in die Berechnung des Emissionspfades der Nutztierhaltung

auch eine Änderung der spezifischen Emissionskoeffizienten mit einbezogen werden,

welche wiederum auf Berechnungen von Amon und Hörtenhuber (2010)

beruhen. Dennoch weist dieses Szenario in Summe ein Sinken der Treibhausgasemissionen

durch stark abnehmende Rinderbestände auf.

Jahr Rinder gesamt Schweine Schafe Ziegen

1970 461.074 613.415 16.017 6.795

1980 454.640 817.338 27.032 4.212

1990 444.522 960.992 51.251 5.299

2000 363.341 867.757 58.237 7.782

2010 327.007 832.611 52.722 6.668

2015 310.226 824.336 52.722 6.668

2020 294.306 816.143 52.722 6.668

2025 279.203 808.031 52.722 6.668

2030 264.876 800.000 52.722 6.668

Tabelle 2-2: Entwicklung des steirischen Viehbestandes

Anm.: Werte ab 2010 stellen ein erwartetes Szenario auf Basis von Prognosen der

steirischen Landwirtschaftskammer dar.

Einbezogen wurden weiters die Handlungsoptionen für die Landwirtschaft gemäß

Abschnitt 2.2, insofern sie auch in der Treibhausgasemissionsbilanzierung der

Landwirtschaft zugerechnet werden, somit: Düngung, Bodenbearbeitung, strukturelle

Änderungen, enterogene Fermentation von Wiederkäuern, Biogas (Methanvermeidung).

In jenen Bereichen, wo die Quantifizierungen derzeit noch unsicher

sind wurden konservative Werte angesetzt, bzw. wurde kein Reduktionspotenzial

quantifizierend angesetzt (Bodenbearbeitung). Weiters erfolgt im Bereich der

THG-Emissionen der Landwirtschaft derzeit eine Revision der THG-

Emissionsfaktoren. Diese ist in der Dimensionierung durchaus dergestalt, dass sie

die Wirkung einiger Maßnahmenpakete übertreffen dürfte. Daher sind in diesem


Bereich das Monitoring und eine Revision der aktuell verwendeten Emissionskennzahlen

von besonderer Bedeutung.

2.6. Umsetzungsplan Landwirtschaft

Emissionen aus der enterogenen Fermentation von Wiederkäuern

Die Emissionen sind durch eine optimale Grundfutterqualität zu reduzieren. Dazu

ist auf eine an den Standort angepasste Bewirtschaftungsintensität zu achten.

Beispielsweise verwerten Milchkühe Pflanzen, die der menschlichen Ernährung

nicht zugänglich sind. Eine zunehmende Milchleistungssteigerung sollte also

durch eine verbesserte Grundfutterqualität und erhöhte Grundfutteraufnahme erreicht

werden und nur bedingt durch eine vermehrte Kraftfutteraufnahme. Auch die

ökologische Landwirtschaft kann hierbei einen wichtigen Beitrag durch eine verbesserte

Tiergesundheit leisten.

Verminderung der Stickstoff-Ausscheidung bei Schweinen

Der Bereich der Fütterung von Schweinen ist ein sehr wesentlicher Faktor für die

nachhaltige Reduzierung von N 2O-Emissionen aus dem Witschaftsdüngermanagement

und aus Böden. Stickstoffeinträge, die bereits am Beginn der Verfahrenskette

eingespart werden, belasten nachfolgend nicht die Umwelt. Es ist von außerordentlich

hoher Bedeutung, N-Überschüsse bei der Fütterung zu vermeiden.

Im Bereich der Schweinehaltung geschieht dies durch die Einführung der Phasenfütterung,

die den N-Gehalt im Futter an den variierenden N-Bedarf im Lauf der

Mast anpasst.

Biogas

Die diesbezüglichen Maßnahmen sind im Abschnitt „Energiebereitstellung“ enthalten.

Durch den Einsatz von Flüssigmist und Festmist in Biogasanlagen könnte in

der Steiermark Strom für etwa 9.000 Haushalte produziert werden.

Wirtschaftsdüngermanagement

Im Hinblick auf Wirtschaftsdüngerarten und Managementmaßnahmen sind folgende

Faktoren zu gestalten:

� Festmist / Flüssigmist

� Weidehaltung

� Biogaserzeugung

� Füllstand der Flüssigmistgruben im Jahresverlauf

� Flüssigmistbelüftung

� Festmistkompostierung

Im Bereich der Tierhaltung beeinflusst vor allem das Haltungssystem den Umfang

an THG-Emissionen. CH 4-Emissionen sind bei Flüssigmistsystemen erheblich

Erläuterung 4: Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

19


LANDWIRTSCHAFT

20

höher als bei Festmistsystemen. Festmistsysteme hingegen weisen höhere N 2O-

Emissionen auf. In Summe sind THG-Emissionen aus Flüssigmistsystemen höher

als aus Festmistsystemen. Auch Konsumenten verlangen aus Gründen des Tierschutzes

zunehmend nach eingestreuten Haltungssystemen. Diese Maßnahme

kann aus Kostengründen nur für Neubauten umgesetzt werden.

CH 4-Emissionen aus dem Wirtschaftsdüngermanagement sind bei Weidehaltung

deutlich geringer als bei Stallhaltung. Ein geringer Füllstand von Flüssigmistgruben

während der warmen Sommermonate reduziert Methanemissionen während

der Flüssigmistlagerung. Dies sollte unbedingt im THG-Inventar abgebildet werden.

Düngung

Ein reduzierter N-Einsatz – beginnend möglichst früh in der Verfahrenskette – ist

die wirksamste Maßnahme, um N 2O-Emissionen zu senken. Zudem haben N-

Überschüsse in vielen Bereichen negative Auswirkungen weshalb sich deren Vermeidung

in vielfacher Hinsicht positiv auswirkt.

Bodenbearbeitung

Durch verbesserte Bodenbewirtschaftung ist mehr Kohlenstoff im Boden zu binden.

Zusätzlich haben Maßnahmen zur Kohlenstoffbindung häufig positive Nebeneffekte

wie die Verbesserung der Bodenstruktur, Erhöhung der Wasserrückhaltekapazität

und Bodenfruchtbarkeit. So verbessert beispielsweise eine reduzierte

Bodenbearbeitung von Ackerflächen die Wasserverfügbarkeit, senkt die Kosten

und führt gleichzeitig zu einer Reduktion der THG-Emissionen.

„Neue Herausforderungen“ und damit verbundene strukturelle Änderungen

Mit der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union gibt es bereits konkrete

Festlegungen für die nächstfolgende Ziel-Periode von 2014 – 2020. Darüber

hinaus sind sich die Interessenträger weitgehend über die Kernpunkte des neuen

langfristigen Biodiversitätskonzeptes bis 2050 einig. Alle verfügbaren Informationen

zeigen, dass über die Regelungen der Marktordnung und der Ländlichen

Entwicklung ein deutlicher Anreiz zur weiteren Extensivierung der Produktion erfolgen

soll. Ziel der für die Landwirtschaft unerlässlichen und einkommenswirksamen

Förderprogramme ist eine Erhöhung der Anstrengungen für die so genannten

„Neuen Herausforderungen“ Naturschutz, Grundwasserschutz, Erosionsschutz

und Klimaschutz. Maßgeblich ist dabei der Rückgang des Einsatzes von

chemischen Düngemitteln, der durch attraktivere Extensivierungsangebote, die

Umwandlung von Acker- und Grünlandflächen zu Biodiversitätsflächen, das verstärkte

Angebot für Vertragsnaturschutz in den Europaschutzgebieten und der

natürliche Flächenabgang, der durch Verbauung zu erklären ist.


Erläuterung 4: Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

21


FORSTWIRTSCHAFT

22

3. Forstwirtschaft

3.1. Der Beitrag der Forstwirtschaft zur Treibhausgas-

Emissionsminderung

Die Forstwirtschaft wird in der Bundesländer-Schadstoffinventur (UBA 2009b)

nicht als eigener THG-emissionsbilanzierender Wirtschaftszweig geführt. Demgemäß

werden die THG-Emissionen dieses Wirtschaftszweiges und deren Minderungsoptionen

auch im Klimaschutzplan Steiermark in den jeweils bilanzierenden

Bereichen behandelt. Diese sind:

� betreffend die Treibhausgasemissionen der holzverarbeitenden Industrie: Erläuterungen

zum Klimaschutzplan Steiermark 2010, Teil 5 Produktion

� betreffend die Treibhausgasemissionen der forstwirtschaftlichen Geräte – als

Bestandteil des Sektors Kleinverbrauch mit einberechnet in den Mengen wie sie

behandelt werden in den Erläuterungen zum Klimaschutzplan Steiermark 2010,

Teil 2 Gebäude

Ein weiteres wesentliches Potenzial stellt die steirische Forstwirtschaft im Hinblick

auf den Ausbau der Erneuerbaren in der Energieversorgung dar. Diesbezüglich

wird auf die Erläuterungen zum Klimaschutzplan Steiermark 2010 – Teil 6 Energiebereitstellung

verwiesen.

Zum dritten jedoch zeichnet sich die Forstwirtschaft vor allem dadurch aus, dass

Holz nicht nur ein wichtiger Energieträger sondern auch ein wichtiger Baustoff und

Rohstoff für die weitere stoffliche Nutzung ist. Gerade durch die Kopplung von

Holz als Baustoff und als Energieträger werden langfristig nachhaltige Lösungen

geschaffen. Etwa gilt es im Bereich der Gebäude nicht nur die im Betrieb der Gebäude

verursachten THG-Emissionen zu senken bzw. überhaupt zu eliminieren,

sondern langfristig auch die THG-Emissionen in der Herstellung der Baustoffe

selbst zu verringern bzw. zu eliminieren. Holz als Baustoff kann hier Stahl, Beton,

Ziegel, Zement ganz oder teilweise ersetzen. Bereits jetzt gibt es in Österreich in

sonst keiner Region eine solche große Dichte etwa an Fertighausherstellern, die

auf Basis von Holzkonstruktionen arbeiten. Ähnlich gibt es Potenziale in anderen

Anwendungen, wie zB in der Herstellung und Gestaltung von Möbeln.

Somit stellt die Forstwirtschaft gerade in der Steiermark (61,1% der Fläche der

steirischen Landesfläche sind mit Wald bedeckt; Land Steiermark 2008) ein Potenzial

für den Klimaschutz in mehreren Dimensionen dar. Zum einen stehen derzeit

noch ungenützte Mengen nachwachsender Rohstoffe für den Einsatz als erneuerbare

Energieträger zur Verfügung. Zum anderen bieten forstwirtschaftliche

Rohstoffe die Möglichkeit als Rohstoff ein nachhaltiger Ersatz für bisher Kohlenstoff-intensiv

hergestellte Einsatzstoffe zu sein. Beide Aspekte müssen für eine

funktionierende, d.h. wirtschaftliche und nachhaltige Rohstoffbereitstellung, immer

gemeinsam betrachtet und weiterentwickelt werden.


Erläuterung 4: Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

23


ABFALLWIRTSCHAFT

24

4. Abfallwirtschaft

4.1. Bestandsaufnahme und Ausgangssituation

Jene THG-Emissionen, welche nicht den Bereichen Energieversorgung, Kleinverbrauch,

Industrie, Verkehr oder Landwirtschaft zugerechnet werden können,

sind in der Bundesländer-Luftschadstoff-Inventur (Umweltbundesamt, 2009a und

2009b) nach den UNFCCC Bilanzierungsregeln für die Steiermark im Sektor Sonstige

enthalten. Dieser Sektor umfasst neben der Abfallwirtschaft auch Emissionen

aus der Anwendung von Lösungsmitteln (CxHy-Dämpfe). Letztere sind jedoch in

der Regel eingeschränkt klimaschädlich. Der Fokus in unserer Arbeit liegt daher

im Sektor Sonstige auf der Abfallwirtschaft. Da die Emissionen beider Entstehungsarten

nicht getrennt ausgewiesen werden, ist in Abbildung 4-1 der Verlauf

der THG-Emissionen des gesamten Sektors „ Sonstige“ dargestellt.

1.000t CO2e

700

600

500

400

300

200

100

0

CO2

N2O

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007

Abbildung 4-1: THG-Emissionen des Sektors „Sonstige"

Quelle: Umweltbundesamt (2009b)

Die wirksamste Emissionskomponente aus der Abfallwirtschaft ist das bei Faulprozessen

entstehende Methan (CH 4) mit 384 kt CO 2e im Jahr 2007. Die gesamten

THG Emissionen des Sektors Sonstige sind seit 2000 gesunken. Dem steht ein

Anstieg der kommunalen Abfälle zwischen 2003 und 2008 um 18% also von

362 kg/EW auf 421 kg/EW gegenüber. Bei gesamthaftem Anstieg der Abfallmengen

ist der Anteil des Restmülls von 31,3% auf 29,1% gesunken.

Insgesamt setzt sich das kommunale Abfallaufkommen 2008 aus folgenden Abfallfraktionen

zusammen: Verpackungen und kommunale Altstoffe (ca. 41%), Rest-

und Sperrmüll (ca. 38%), biogene Abfälle (ca. 19%) sowie Elektro- und Elektroaltgeräte,

Problemstoffe und Straßenkehricht. (ca. 2% ) (Land Steiermark, 2010).

Trotz dieser steigenden kommunalen Abfallmengen in der Steiermark, beobachten

wir jedoch in diesem Jahrzehnt erstmals ein Sinken der Treibhausgasemissionen.

Dies weist auf eine zielgerichtete und erfolgreiche Abfallbehandlung hin (Ab-

CH4


fallwirtschaftspläne des Landes; Land Steiermark, 2010). Die anfallenden Restmüllmengen

in der Steiermark können durch die Behandlung in mechanischbiologischen

Anlagen und Splittinganlagen zu 46% einer thermischen Verwertung

zugeführt, zu 26% auf Massenabfalldeponien abgelagert und zu 4% einer stofflichen

Verwertung zugeführt. Dies reduziert den zu deponierenden Abfall, vermeidet

Gewässer- und Bodenverunreinigung, und reduziert Treibhausgase (Methanvermeidung).

Durch den Ersatz von fossilen Energieträgern werden in der Steiermark

derzeit jährlich zudem rund 7.000 t CO 2e eingespart.

4.2. Handlungsoptionen für die Abfallwirtschaft

Die Vorgaben der Deponieverordnung 1996 wurden in der Steiermark flächendeckend

eingehalten, seit 1.1.2004 werden in der Steiermark nur mehr mechanischbiologisch

vorbehandelte gemischte Siedlungsabfälle auf Massenabfalldeponien

abgelagert. Die heizwertreiche Fraktion wird dabei thermisch verwertet. Neben

der Reduzierung des zu deponierenden Abfalls bedeutet das eine Vermeidung

von Gewässer- und Bodenverunreinigung, und eine Reduzierung von Treibhausgasen

(Methanvermeidung).

Die Steiermark nutzt das Energiepotenzial von gemischten Siedlungsabfällen

(Restmüll) mit entsprechenden Qualitäten als Ersatz fossiler Energieträger. Das

Ziel des Landes-Abfallwirtschaftsplans (Land Steiermark, 2010) ist es diese Nutzung

bis 2015 zu mehr als 60% durchzuführen. Unter anderem durch die Verwertung

der Methanproduktion in Deponien soll der Anteil der Treibhausgasemissionen

aus Deponien bis zum Jahr 2015 gegenüber dem Jahr 1990 um mehr als 80%

bzw. gegenüber 2003 um mehr als 70% gesenkt werden.

Einen Anteil an der weiteren Abnahme der THG-Emissionen im Bereich Abfallwirtschaft

werden auch die Inbetriebnahme der thermischen Abfallverwertung Niklasdorf

sowie die verstärkte Auslastung der mechanisch-biologischen Abfallbehandlung

haben.

Zukünftige Emissionsminderungen im Bereich der Abfallwirtschaft könnten beispielsweise

noch durch eine Verstärkung der getrennten Sammlung, dem Trennen

von Gewerbeabfällen und Hausmüll sowie der energetischen Nutzung von Ersatzbrennstoffen

in besonders energieeffizienten Anlagen erreicht werden. Weitere

Maßnahmen sind die Verbesserung der Entsorgungslogistik, die aber dem Sektor

Verkehr zugerechnet werden muss, die Einführung des e-goverments (Vermeidung

von Papier), sowie eine verstärkte Nutzung von Biogas aus biogenen, nichtholzigen

Müllbestandteilen, die in speziellen Biogasanlagen vergoren werden. Das

gewonnene Biogas kann ähnlich wie Erdgas eingesetzt werden und Emissionen

z.B. aus dem Einsatz von Erdgas vermeiden. Bei derartigen Biogasanlagen ist

jedoch besonders sorgfältig auf die Vermeidung von Methanemissionen zu achten,

damit nicht durch die Emission von Methan aus dem Prozess (Lagerung und

Ausbringung des ausgefaulten Substrates) oder aus der Biogasnutzung (Methanschlupf

bei Motor-BHKW’s) die treibhausgas-reduzierende Wirkung verringert oder

Erläuterung 4: Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

25


ABFALLWIRTSCHAFT

26

sogar ins Gegenteil verkehrt wird (Projekt Biogasanlagenmonitoring der FA19D

des Landes Steiermark).

Die Verwertung von biogenen Abfallbestandteilen in Verbrennungsanlagen und in

Biogasanlagen ist in der Potenzialabschätzung der erneuerbaren Energieträger im

Kapitel Energiebereitstellung berücksichtigt.

Für die Abfallwirtschaft werden mit der EU-Abfallrahmenrichtlinie (RL 2008/98/EG;

Europäisches Parlament, 2003) weiterführende Anstrengungen der EU-

Mitgliedsstaaten in Richtung einer „Recycling-Gesellschaft“ definiert. Diese wird

aufbauend auf die langjährige Vorbildwirkung der Steiermark im Landes-

Abfallwirtschaftsplan (Land Steiermark, 2010) konsequent umgesetzt.

Damit ergeben sich für den Bereich Abfallwirtschaft folgende übergreifende Ziele

� Weitere Reduktion der Abfallmengen und

� Nutzung vorhandener energetischer Potenziale von Abfällen

4.3. Konkretisierung in Maßnahmenbündel

Der parallel zum Klimaschutzplan Steiermark in Fertigstellung befindliche Abfallwirtschaftsplan

Steiermark 2010 geht im Detail auf das Maßnahmenbündel Treibhausgasreduktion

ein, geht jedoch über dieses hinaus. Hier wurden nur die unmittelbar

treibhauswirksamen Maßnahmen aufgenommen.

4.3.1. Reduktion der Treibhausgasemissionen aus der Abfallwirtschaft

Die wesentlichen Elemente zur Reduktion der Treibhausgasse aus der Abfallwirtschaft

selbst sind insbesondere:

� Erhebung vorhandener Ressourcen und Effizienzpotenziale für Erneuerbare im

Bereich biogener Abfälle

� Steigerung der Energieeffizienz bei Abfallbehandlungsanlagen

� Reduktion der THG-Emissionen bei der biologischen Abfallbehandlung

� Nutzung vorhandener energetischer Potenziale von Abfällen

� Evaluation von Emissionen aus der Abfallsammlung und dem Abfalltransport

� Nutzung organischer Abfälle zur Kohlenstoff-Immobilisierung und zum Humusaufbau

4.3.2. Verankerung eines nachhaltigen Ressourcenmanagements in

der Gesellschaft

Auch hier definiert der parallel zum Klimaschutzplan Steiermark in Fertigstellung

befindliche Abfallwirtschaftsplan Steiermark 2010 das Maßnahmenbündel mit seinen

Elementen:

� Erhöhung des Bewusstseins zur Ressourcenschonung und Abfallvermeidung

� Umsetzung von lokalen und regionalen Agenda 21-Prozessen


Getrennte Sammlung als Voraussetzung zur Wiederverwendung und Verwertung

4.4. Emissionspfad im Sektor Sonstige (insb. Abfallwirtschaft)

Abbildung 4-2 zeigt eine mögliche Entwicklung der THG-Emissionen im Sektor

Sonstige, insbesondere beeinflusst durch die Entwicklungen in der Abfallwirtschaft

für die Jahre 2020 und 2030 und stellt dieses dem Basisjahr 2005 gegenüber. Die

Szenario-Ergebnisse für 2020 bzw. 2030 spiegeln eine Fortschreibung des Trends

für die Treibhausgasemissionen der Abfallwirtschaft der vergangenen Jahre wieder

(Vgl. Abschnitt 4.1). Die Erfüllbarkeit eines solchen Verlaufs hängt stark von

der Umsetzung der zuvor vorgestellten Maßnahmen ab. Nur durch die Ausschöpfung

dieser Potenziale kann der sinkende Trend der Treibhausgas-Emissionen der

Abfallwirtschaft weiterhin aufrechterhalten werden. Das Abfallwirtschaftsgesetz mit

seinen Fachverordnungen (u.a. die Deponieverordnung) hat bereits die Weichen

für solch eine positive Entwicklung gestellt und der sich zurzeit in Ausarbeitung

befindliche Abfallwirtschaftsplan 2010 des Landes Steiermark kann seines dazu

beitragen, diese Tendenzen zu verstärken.

2030

2020

2005

0 100 200 300 400 500 600

THG Emissionen im Bereich Sonstige [kt CO2e]

Abbildung 4-2: Treibhausgasreduktionsszenario im Bereich Sonstige (insbes.

Abfall) für 2020 und 2030 im Vergleich zum Ausgangsniveau 2005

4.5. Umsetzungsplan im Bereich Abfallwirtschaft

Im Abfallwirtschaftsplan 2010 des Landes Steiermark ist die Ausrichtung dargestellt

wie die Abfallwirtschaft zu einer Reduktion der Abfallmengen und damit einer

Reduktion der THG-Emissionen aus dem Abfall beitragen soll.

Mit der EU-Abfallrahmenrichtlinie (RL 2008/98/EG; Europäisches Parlament, 2008)

werden weiterführende Anstrengungen der EU-Mitgliedsstaaten in Richtung einer

„Recycling-Gesellschaft“ definiert. Unter Berücksichtigung dieser Rahmenbedingungen

und bisher nicht erreichter Ziele wird im Landes-Abfallwirtschaftsplan (L-

AWP) 2010 eine Neuausrichtung der Strategien für den Planungszeitraum 2010

und 2020 definiert. Die Strategien orientieren sich an den 3 Säulen der Nachhaltigkeit

Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft. Im Folgenden werden jene Ziele und

Erläuterung 4: Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

27


ABFALLWIRTSCHAFT

28

dazugehörigen Maßnahmen aus den drei Strategien hervorgehoben, die besondere

Klimarelevanz aufweisen:

Strategie 1: Nachhaltiges Ressourcenmanagement zum Schutz der

Umwelt

Ziel 1: Klimaschutz und Vermeidung von schädlichen Emissionen

� Erhebung vorhandener Ressourcen und Effizienzpotenziale für erneuerbare im

Bereich biogener Abfälle

� Steigerung der Energieeffizienz bei Abfallbehandlungsanlagen

� Reduktion der THG-Emissionen bei der biologischen Abfallbehandlung

� Nutzung vorhandener energetischer Potenziale von Abfällen

� Evaluation von Emissionen aus der Abfallsammlung und dem Abfalltransport

� Nutzung organischer Abfälle zur Kohlenstoff-Immobilisierung und zum Humusaufbau

Strategie 2: Nachhaltiges Ressourcenmanagement in der Gesellschaft

Ziel 1: Erhöhung des Bewusstseins zur Ressourcenschonung und Abfallvermeidung

� Informations- und Qualifizierungsinitiativen auf allen Bildungsebenen

� Förderung eines ressourcenschonenden Konsums

� Durchführung eines aktiven Wissensmanagements

Ziel 2: Umsetzung von lokalen und regionalen Agenda 21-Prozessen

� Bis 2015 ist der Anteil der in der Agenda 21 Prozessen involvierten Gemeinden

auf mehr als 50 % zu erhöhen

Ziel 3: Getrennte Sammlung als Voraussetzung zur Wiederverwendung und

Verwertung

� Benutzerfreundlichkeit bei Sammelbehältern

� Mitgestaltungsmöglichkeiten für Kommunen

� Abfallbilanzierung

� Schulung des Übernahmepersonals

� Übernahmebereiche für wiederverwendbare und reparaturfähige Gebrauchtgüter

bis 2015 in allen Verbandsbereichen verfügbar

� Pro Regio-Next Region steht bis 2015 ein Reuse-Shop zur Verfügung

Ziel 4: Umsetzung des Verursacherprinzips im gesellschaftlichen Bereich

� Kostendeckende Müllgebührengestaltung


Strategie 3: Nachhaltiges Ressourcenmanagement in der Wirtschaft

Ziel 1: Etablierung der Stoffbuchhaltung als Grundlage für Nachhaltigkeit in

Unternehmen

Ziel 2: Umsetzung einer nachhaltigen Ressourcenschonung unter Berücksichtigung

der sozialen Verantwortung in Unternehmen

Ziel 3: Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Verwertung bei Produktionsprozessen

Erläuterung 4: Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

29


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Erläuterung 4: Land- und Forstwirtschaft, Abfallwirtschaft

31


IMPRESSUM

Herausgeber:

Amt der Steiermärkischen Landesregierung,

Fachabteilung 17A,

Energiewirtschaft und allgemeine technische Angelegenheiten

Landhausgasse 7/5

8010 Graz

Telefon: 0316/877-4124

Fax: 0316/877-4569

E-Mail: fa17a@stmk.gv.at

Web: www.klimaschutz.steiermark.at

Gesamtkoordination: Mag.a Andrea Gössinger-Wieser, FA17A

Satz, Layout

Institut für Geografie und Raumforschung, Mag. Daniel Blazej

Heinrichstraße 36, A - 8010 Graz

Bildquellen: Für die freundliche Überlassung der Fotos und deren Benutzungsrechte bedanken wir uns

ganz herzlich bei:

ÖBB – Österreichische Bundesbahnen

Andritz AG

Landwirtschaftskammer Steiermark

FA17A – DI Wolfgang Jilek

FA19D

fotolia

Graz, Juni 2010

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