10.06.2021 Aufrufe

dPV Journal Ausgabe Nr. 21 Frühjahr/Sommer 2021

Das Magazin für JUPA, MSA-, PSP- und THS-Patienten der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V.

Das Magazin für JUPA, MSA-, PSP- und THS-Patienten der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V.

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Heft Nr. 21| Frühjahr/ Sommer 2021

dPV JOURNAL

Zeitschrift für JUPA, MSA-, PSP- und THS-Patienten

JUPA

Parkinson-Informationen für junge

und alte Menschen

MSA

Neue Therapiestrategien bei

atypischen Parkinson-Syndromen

PSP

Eigentraining für Patient/-innen mit PSP

THS

Parkinson und Bewegung


UNSER BEITRAG

ZUR VERBESSERUNG

DER GESUNDHEIT.

Forschung

Service

Entwicklung

Innovationen

Zambon – Partner in

der Parkinson-Therapie.

Zambon GmbH | Lietzenburger Str. 99 | 10707 Berlin | www.zambon.de


Editorial 1

Editorial Ausgabe Frühjahr/Sommer 2021

dPV JOURNAL

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wie geht es Ihnen?

Wie geht es Ihnen heute mit

Corona?

Was macht die Pandemie mit

Ihnen? Spüren Sie inzwischen

auch mehr und mehr die

Auswirkungen der Pandemie?

Mir scheint es, als ob die

Pandemie mich irgendwie in

meinem Alltag lähmt.

Die Gründe, wie wir diese Zeit

erleben, sind sicherlich

unterschiedlich. Von den

Einschränkungen betroffen sind

wir aber alle.

Wir sind pandemiemüde, aber ein

absehbares Ende ist nicht in Sicht.

Unser soziales Gehirn ist

angewiesen auf Begegnung, auf

Gespräch, auf Austausch, auf

regelmäßiges Treffen mit

Familienangehörigen, mit

Freunden und natürlich mit Treffen

in den dPV – Gruppen.

All das ist verloren gegangen,

schon vor einem Jahr.

Wie sehr wir das alles vermissen,

machen die vielen

Telefonanrufe, die täglich bei mir

eingehen, deutlich.

Und dies zum Trost:

Die dPV bemüht sich, eine kraftvolle

Gemeinschaft in der Pandemie

Krise zu bleiben.

Wir lassen nicht locker im

politischen Bereich. Wir sind

entsetzt über die mangelhafte

Organisation beim Impfen und

jetzt auch beim Testen, nicht

zuletzt in den Schulen.

So hat die dPV für Sie eine

Impftermin-Vermittlungshilfe

eingerichtet, denn Immer noch

gibt es Probleme bei der

Impfterminvergabe.

Montags und mittwochs, in der

Zeit von 08:30 – 11:30 Uhr, steht

Ihnen Britta Meyer zur Seite, einen

Impftermin zu bekommen.

Scheuen Sie sich nicht, Britta

Meyer unter der Telefonnummer

02131 740 2725 anzurufen.

Wegen der Aufhebung der

Priorisierung am 07.06.2021 entfällt

dann die Terminvermittlung.

Zudem ist die dPV Ihr

verlässlichster Partner, wenn Sie

interessiert an Informationen sind.

Unsere Homepage

www.parkinson-vereinigung.de

macht auf die verschiedensten

Seminare/ Webinare bekannter

Kliniken und deren neurologisch

arbeitender Ärzte aufmerksam.

Schauen Sie einfach mal rein, Sie

werden überrascht sein, zu

welchen Parkinson Themen sich

dort Ihnen bekannte Ärzte

melden.

Und das Gleiche gilt natürlich

auch für die von der dPV

zukünftig in jedem Monat

veröffentlichten Podcasts. Ja, die

Digitalisierung nimmt ihren Lauf.

Hören Sie seit Februar, was

Frau Dr. med. Pantea Pape,

St. Marien-Hospital in Köln, zur

„Multimodale Komplextherapie

bei der Parkinson Krankheit“

berichtet“.

Ab März können Sie „Parkinson

und Corona“ hören mit

PD Dr. med. Weise, Fachklinikum

Stadtroda, und Prof. Dr. med.

Liebert Virologe am Universitätsklinikum

Leipzig und ab April erwarten

Sie Prof. Dr. med. Vesper,

Uni-Klinik Düsseldorf und Neurologe

Dr. med. Lorrain, Düsseldorf-Gerresheim,

mit dem Thema

„Die tiefe Hirnstimulation“

Bleiben Sie zuversichtlich und vor

allen Dingen gesund! Es kommen

auch wieder bessere Zeiten und

Tage. Da bin ich mir ganz sicher.

Herzliche Frühlingsgrüße, wie

freuen wir uns über blühende

Magnolien, Osterglocken und

Narzissen.

Ihre Magdalene Kaminski,

1. Vorsitzende


Rufen

Sie uns an

und informieren

Sie sich über

unser Angebot.

IN DEUTSCHLANDS

NORDEN UND SÜDEN:

› Zertifizierte

Parkinson-Spezialklinik

Schön Klinik Neustadt

T +49 4561 54-457400

› Zertifizierte

Parkinson-Spezialklinik

Schön Klinik München Schwabing

T +49 89 36087-124

› Schön Klinik

Bad Aibling Harthausen

T +49 8061 903-1020

www.schoen-klinik.de/

parkinson-behandlung

Am Leben teilhaben – auch mit Parkinson

Selbst aktiv und beweglich bleiben –

das ist bei einer Erkrankung wie

Morbus Parkinson das A & O. Ein

individuelles Behandlungskonzept

hilft außerdem dabei, Lebensqua lität

zu erhalten oder wieder zu gewinnen.

Unsere erfahrenen Parkinson-Experten

setzen auf innovative Therapieformen

sowie einen individuellen Mix aus medikamentöser,

therapeutischer und pflegerischer

Behandlung. Das Ziel unserer

Spezialisten ist dabei immer, das für Sie

optimale Ergebnis mit einer möglichst

dauerhaften hohen Lebensqualität zu

erreichen.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

für Sie

„Da die Parkinson-Symptome vielfältig

und individuell sind, ist das persönliche

Behandlungspaket umso wichtiger für

die Betroffenen“, erklärt Prof. Klaus Jahn,

Chefarzt des Fachzentrums Neurologie

der Schön Klinik Bad Aibling Harthausen.

So leiden zum Beispiel viele Patienten an

Rücken- und Gelenk beschwerden, ausgelöst

durch die typischen Symptome der

Parkinson- Erkrankung: Versteifung der

Muskeln, verlangsamte und verkleinerte

Bewegungen, Gleichgewichtsstörungen

oder Zittern. „Diese orthopädischen Probleme

nehmen im Zeitverlauf deutlich zu

und können zu irreversiblen Gelenk- oder

Rückenschädigungen führen“, erklärt Dr.

Uwe Jahnke, Chefarzt der zertifizierten

Parkinson-Spezialklinik der Schön Klinik

Neustadt. Deshalb arbeiten neurologische,

orthopädische und wirbelsäulenchirurgische

Experten hier eng zusammen.

Wenn Sie also Prob leme am Bewegungsapparat

haben, können die Spezialisten

in Neustadt an der Ostsee und in Bad

Aibling Sie frühzeitig bestmöglich versorgen

– ob konservativ oder operativ.

Innovative Therapieformen – physisch,

digital, elektronisch

Die Behandlungsmethoden und deren

Erfolge haben sich in den letzten Jahren

deutlich weiterentwickelt: von Spielekonsolen

über Apps, Pumpen therapie

und tiefe Hirnstimulation bis hin zu

Bewegungstherapien, die nicht zum

Standard-Paket eines Krankenhauses

gehören (Tanzen, Tai-Chi, Yoga). Die

Parkinson-Experten der Schön Klinik

sind an derartigen Entwicklungen maßgeblich

beteiligt und treiben sie aktiv

voran. Spielekonsolen wie Kinect Xbox

oder Wii werden bereits als Standard

eingesetzt. Untersuchungen zeigen, dass

Parkinson-Patienten ihr Gleichgewicht

bei Spielen auf diesen Konsolen, wie Skislalom

oder Tennis, spürbar verbessern

konnten. „Auch Apps zum Gangtraining

testen wir. Zudem ist die Pumpentherapie

für sehr viele unserer Patienten eine

große Erleichterung für ihren Alltag“,

so Prof. Andrés Ceballos-Baumann,

Chefarzt der zertifizierten Parkinson-

Spezialklinik Schön Klinik München

Schwabing.

Nicht zuletzt gehört die tiefe Hirnstimulation

mit zu den fortschrittlichsten und

für bestimmte Patientengruppen sehr

effektiven Behandlungsmethoden.

„Die tiefe Hirnstimulation wird sich

weiter verbreiten. Möglicherweise so,

wie das der Herzschrittmacher seit den

70ern getan hat“, so die Einschätzung

von Prof. Ceballos-Baumann.

Die Parkinson-Experten der

Schön Klinik – von Nord bis Süd

Dr. Uwe Jahnke

Chefarzt Parkinson-

Fachklinik

Schön Klinik Neustadt

(direkt an der Ostsee)

Prof. Andrés

Ceballos-Baumann

Chefarzt Parkinson-

Fachklinik

Schön Klinik

München Schwabing

Prof. Klaus Jahn

Chefarzt Fachzentrum

Neurologie

Schön Klinik

Bad Aibling Harthausen


Inhalt 3

Inhalt

Editorial ......................................................................................... 1

Impressum .................................................................................... 36

Machen Sie mit! ......................................................................... 36

JUPA

Parkinson - Informationen für junge

und alte Menschen ................................................................... 4 - 5

Psychosoziale Beratung für Mitglieder der dPV .................... 6 - 7

MSA

Neue Therapiestrategien bei

atypischen Parkinson-Syndromen ........................................ 8 - 10

Alexianer Klinik Bosse Wittenberg

– Zehn Jahre Parkinsonfachklinik ................................................ 25

Perioperative Vorgehensweise unter

Therapie mit Apomorphin ................................................... 26 - 27

Parkinson und Arbeitswelt e. V. ................................................ 28

Tremor

Ich zittere – habe ich einen Morbus Parkinson ? .......... 29 - 30

Die D-mine® Pumpe ........................................................... 32 - 33

Patientensicherheit während Corona .............................. 34 - 35

PSP

Eigentraining für Patient/-innen mit PSP ............................. 11 - 13

Neue Erkenntnisse aus klinischer PSP-Studie ...................... 13 - 14

THS

Parkinson und Bewegung ................................................... 15 - 16

THS-Telefonsprechstunde ............................................................. 16

Parkinson – eine Erkrankung des älteren Menschen?! ............ 18

Weitere Themen

Videodiagnose in den eigenen vier Wänden .......................... 19

Kennenlern-Plattform für Menschen mit Parkinson .................. 20

Parkinson-Komplexbehandlung

im Passauer Wolf Bad Gögging .............................................. 21

Die Neurologische Klinik Sorpesee:

Weiterbehandlung nach Krankenhausaufenthalt ............ 22 - 23

Parkinson-Komplexbehandlung .................................................. 24

Klinik für Neurologie,

Parkinson und

Bewegungsstörungen

Chefarzt Dr. med. Philipp Feige

Die Klinik für Neurologie behandelt das komplette Spektrum

neurologischer Erkrankungen.

Als zertifizierte Fachklinik für Parkinson und Bewegungsstörungen

empfängt sie ihre Patienten zur Erstdiagnostik, Neueinstellung, medikamentösen

Umstellung, Ein- und Umstellung einer Medikamentenpumpe

und zu umfassenden nichtmedikamentösen Therapien im Rahmen der

Parkinson-Komplexbehandlung.

Wir sind an 365 Tagen rund um die Uhr für Sie da.

Klinik Bosse Wittenberg, Hans-Lufft-Str. 5, 06886 Lutherstadt Wittenberg

Tel.: (03491) 476 0, Fax: (03491) 476 372 E-Mail: Klinik.Bosse@alexianer.de

Weiter Informationen finden Sie unter www.alexianer-sachsen-anhalt.de

MENSCHLICH MOTIVIERTE

MEDIZIN

ZERTIFIZIERT

SEIT 1997

MORBUS PARKINSON, MSA,

PSP UND ANDERE

EXTRAPYRAMIDALE BEWE-

GUNGSSTÖRUNGEN

ÜBER

20 JAHRE

ERFAHRUNG

IN DER AKUT- UND REHABI-

LITATIONSMEDIZINISCHEN,

THERAPEUTISCHEN UND

PFLEGERISCHEN BEHAND-

LUNG VON PARKINSON-

PATIENTEN.

Krumbacher Str. 45 · 89335 Ichenhausen · Telefon 08223 99-1034

■ Medikamentöse Neueinstellung

■ Schrittmachereinstellungen und

Kontrollen bei Tiefenhirnstimulation

■ Einstellung von Medikamentenpumpen + (Duodopa)

■ Behandlung in einem interdisziplinären Team

(neurologisch/orthopädisch/internistisch)

■ Interdisziplinäres Schlaflabor

■ Physiotherapeutische Behandlung (insbesondere Bobath,

Manuelle Therapie, E-Technik)

■ Diagnostik und Therapie von Schluckstörungen

■ Neuropsychologie mit Fahreignungsüberprüfung

■ Individuelle Angehörigenberatung

■ Parkinson-Ambulanz

www.fachklinik-ichenhausen.de


4

JUPA - Parkinson-Informationen für junge und alte Menschen

JuPa: Parkinson-Informationen für junge

und alte Menschen

Hilfe und Hintergrundwissen für

Parkinson-Erkrankte

In diesem Bereich sammeln wir alle

Informationen zur Krankheit, geben

Tipps zum Umgang damit und klären,

wie diese sich auf alle Lebensbereiche

und jedes Alter auswirkt.

Die Hintergrundartikel in „Parkinson

Erklärt“ beschäftigen sich besonders

intensiv mit den brennendsten Fragen

zur Krankheit.

Unsere FAQ wächst weiter! Ständig

kommen neue Spezialisten hinzu. Momentan

sind es 27 Experten, die sich

Euren Fragen stellen. Über 100 Fragen

wurden bisher beantwortet. Reinschauen

lohnt sich!

In unserem monatlichen „Email-Newsletter“

findet ihr spannende Themen

ganz aktuell rund um Parkinson, Alltagsbewältigung

und Selbsthilfe.

Die Erweiterung unseres „JuPa RLP-

Süd Shop“ bietet eine einfache Bestellmöglichkeit

für Infomaterialien

(DVD‘s, Broschüren, Infoflyer, Begleitbroschüren,

Infomappen, Aufkleber,

Trinkhalmhalter, Buttons, Anstecker,

Kapselheber, Schlüsselanhänger).

Mit einem Einkauf im Shop könnt Ihr

uns unterstützen. Jeder Euro zählt!

Bei den Preisen handelt es sich um

Schutzgebühren. Diese werden zu

Gunsten unserer Projekttätigkeiten für

Parkinson-Betroffene eingesetzt.

Parkinson erklärt

Antworten auf die brennendsten

Fragen zum Thema Parkinson

In diesem Bereich veröffentlichen wir

eigene Artikel von JuPa RLP-Süd zum

Thema Parkinson.

Wir haben uns viele Gedanken gemacht,

welche Themen am interessantesten

sind und was von Betroffenen

am meisten gesucht wird. Dabei

wollen wir auch insbesondere Themen

aufgreifen, die noch nicht von anderen

Seiten detailliert aufbereitet wurden.

Alle Informationen wurden sorgfältig

recherchiert und von Dr. Thomas Vaterrodt,

Chefarzt der Neurologischen

Klinik Sonnenberg in Saarbrücken auf

Ihre Aktualität und medizinische Relevanz

geprüft.

Schau öfter mal vorbei oder abonniere

unseren Newsletter, wenn Du

benachrichtigt werden willst wenn es

einen neuen Artikel gibt!

www.jupa-rlp.de/parkinson-erklaert/


JUPA - Parkinson-Informationen für junge und alte Menschen 5

Experten-FAQ

„Erkrankte fragen – Spezialisten

antworten“

Hier sammeln wir Eure Fragen zu Parkinson.

Jeder kann eine Frage stellen

und wir wählen dann aus den Einsendung

die interessantesten Fragen aus

und lassen Sie von einem geeigneten

Experten beantworten.

Ein Team von ca. 30 Spezialisten aus

verschiedenen Bereichen hat sich bereit

erklärt die Fragen zu beantworten.

Alle Experten sind mit Foto kurz vorgestellt

und bereits beantwortete Fragen

werden aufgelistet und sind nach Begriffen

und Bereiche gefi ltert.

Wenn ihr also neue Fragen habt, könnt

ihr diese über das Formular einreichen.

Es werden keine persönlichen Daten

abgefragt, sondern werden komplett

anonym bei uns verarbeitet.

Ihr erhaltet daher auch keine direkte

Rückmeldung von uns zu Eurer Frage.

Schaut einfach öfter mal rein, ob Eure

Frage veröffentlicht und beantwortet

worden ist.

www.jupa-rlp.de/

parkinson-experten-faq/

Parkinson Newsletter

… bleib auf dem Laufenden!

Unser JuPa-Newsletter erscheint monatlich

mit spannenden Themen rund

um Parkinson, Alltagsbewältigung und

Selbsthilfe.

Wenn Du aktuelle News für junge Parkinsonkranke

und Angehörige oder

sonstige Neuigkeiten von JuPa erhalten

möchtest, melde Dich einfach mit

deiner E-Mail-Adresse an!

www.jupa-rlp.de/

parkinson-newsletter/

Ausgabe verpasst?

Das Archiv unserer vergangenen

Newsletter kann man nach der Anmeldung

einsehen.

Kontakt:

Bundesbeauftragter JuPa

Wilfried Scholl

Gartenstraße 11

67699 Schneckenhausen

E-Mail: kontakt@jupa-rlp.de


6

JUPA - Psychosoziale Beratung für Mitglieder der dPV

Parkinson in jungen Jahren:

„Grenzen setzen, Freiräume nutzen!“

Psychosoziale Beratung für Mitglieder der dPV

Liebe dPV-Mitglieder!

„Parkinson – ist das nicht eher

eine Erkrankung älterer Menschen?“

– so stieß es aus mir heraus,

als ich erstmals davon erfuhr, dass

ich möglicherweise von der Krankheit

betroffen bin, die ich bis dato nur aus

dem Fernsehen oder aus Geschichten

von Nachbarn kannte, die mir berichteten,

wie die Ältesten der Familien an

der „Schüttellähmung“ litten.

Tatsächlich riss es mir nahezu den Boden

unter den Füßen weg, als ich mit

der Verdachtsdiagnose konfrontiert

wurde: Ein atypisches Parkinson-Syndrom,

das sich in erster Linie weniger

durch das obligate Zittern von Armen,

Beinen oder Kopf auszeichnete, sondern

in meinem Fall besonders auf die

Geschwindigkeit der Bewegungen

Auswirkungen hatte. Über Jahre merkte

ich bereits, dass ich beim Laufen

wie ein Zahnrad funktionierte.

Runde Bewegungsabläufe wurden

immer schwieriger, den Muskeln fehlte

es an Geschmeidigkeit. Sie waren viel

eher verkrampft, wurden zunehmend

steif und bereiteten mir in der Schulter-Nacken-Region

heftige Schmerzen.

Zunächst wurde ich deshalb auch

beim Orthopäden vorstellig, die Überlegung

einer Fibromyalgie stand im

Raum. Aber auch ein „extrapyramidales

Syndrom“ machte bereits bei meinem

Hausarzt von sich reden, weshalb

ich gleichzeitig beim Neurologen angemeldet

war.

Er untersuchte mich mit allen gängigen

Methoden, denn meine Krankheitsgeschichte

war bereits sehr lang:

Von einer Zwangsstörung über schwere

Depressionen, eine Psychose und

neurologische Gebrechen wie einer

Halbseitenschwäche, einem Restless-Legs-Syndrom,

einer genetisch

bedingten Muskelerkrankung und einer

Small-fibre-Polyneuropathie hatte

sich mit der Zeit so Einiges angehäuft.

Im Finger-Nase-Versuch und bei den

restlichen Übungen, die ich schlussendlich

bei mehreren Ärzten, unter

anderem auch in der Uniklinik, vorführen

sollte, war eine Bradydiadochokinese

auffällig, ein langsamer, kleinschrittiger

Gang, ein Ausbleiben des

Armschwingens beim Laufen, Probleme

beim Umdrehen, Standschwierigkeiten

und nicht zuletzt ein Tremor

linksseitig, der allerdings unter allen

Symptomen die geringsten Auswirkungen

im Alltag zeigte.

Bereits früh war jedoch aufgefallen,

dass zu den allseits bekannten Symptomen

auch autonome Funktionsstörungen

hinzukamen, die den Verdacht

erhärteten, es könnte sich um

eine Variante der Erkrankung handeln,

die beispielsweise auch zu Miktionsstörungen

mit häufigem Harndrang, Harninkontinenz

und kleinen Urinportionen

führt, zu einer posturalen Instabilität,

Gedächtnisschwierigkeiten, einem

Orthostase-Syndrom mit stark schwankendem

Blutdruck beim Aufstehen aus

der Sitzposition, zu wiederkehrendem

Verschlucken, Störungen von Stimme

und Sprache, Halluzinationen oder

Schlafstörungen. Im PET-CT zeigte sich

eine Auffälligkeit im Striatum, im MRT

eine Hirnatrophie. Und auch darüber

hinaus ergaben die neurologischen

Funktionstests – nicht zuletzt aus Gründen

der zahlreichen Begleiterkrankungen

– ein insgesamt auffälliges Bild.

Immer und immer wieder wurden die

Diagnosen gestellt und anschließend

andernorts wieder einkassiert. Diese

Ungewissheit hat mich viele Tage

und Nächte umgetrieben, denn auch

wenn die Wahrheit schwer zu verkraften

ist, bleibt die Unsicherheit die

größte Bürde, die Menschen aufgelastet

werden kann.

Mittlerweile bin ich 35 Jahre alt und

denke, die Krankheit ist bei mir bereits

völlig ausgeprägt.

Wenngleich lange Zeit um die abschließende

Diagnose gerungen wurde,

ist doch deutlich geworden, dass

jene des atypischen Parkinsons am

ehesten zu dem passt, was ich in all

den klinischen Begutachtungen dargeboten

habe. Entsprechend rieten

mir gerade meine psychiatrisch betreuenden

Mediziner, meine „stoische

Gelassenheit“ beizubehalten, denn

mir selbst ist klar: An den Einschränkungen

im Alltag kann ich nichts ändern.

Es heißt nun, sich auf die weiteren

Beeinträchtigungen einzustellen und

ihnen mit einem gewissen Selbstbewusstsein

zu begegnen. Schließlich

sind die Prüfungen unseres Lebens

zwar ungerecht verteilt, trotzdem bleiben

sie Ansporn, das Sein mit ihnen zu

gestalten.

Mitte 2020 hat die universitäre Einschätzung

abschließend bestätigt,

dass bei mir ein Parkinson-Syndrom

vorliegt – weshalb es jetzt darum geht,

Grenzen anzuerkennen und die gebliebenen

Freiräume mit Freude, Mut

und Zufriedenheit zu genießen. Nicht

der Blick zu den Gesunden richtet auf,

sondern das Wissen darum, dass es

mich allemal schlechter treffen könnte.

Mit einer L-Dopa-Therapie habe ich

Besserungen erzielen können, die vor

allem meine Langsamkeit weniger

werden lässt und zu einem geschmeidigeren

Gangbild beiträgt. Ich bin ein

optimistischer Mensch, der sich selten

vom Schicksal unterkriegen lässt

– auch wenn sie das eigene Leben

betrifft. Denn solange ich meinen Alltag

mit sinnstiftenden Aufgaben füllen

kann, gibt es keinen Anlass, mich in

den Schaukelstuhl zurückzulehnen.

Ich war über viele Jahre in der Selbsthilfearbeit

aktiv, habe Gruppen geleitet,

Engagierte fortgebildet, war

Sprecherrat im örtlichen Netzwerk und

vertrat die Anliegen der Betroffenen in

politischen und sozialen Gremien.

Darüber hinaus habe ich mich ständig

fortgebildet: Beruflich war ich als

Psychologischer Berater tätig, habe

mich in zertifizierten Hochschulkursen

in Digitaler Prävention und Gesundheitsförderung,

Sozialrecht und

Gerontologie qualifiziert, biete in der

Nachbarschaftshilfe eine Sozial- und

Pflegesprechstunde an und will meine

Fertigkeiten auch gerne den Mitgliedern

der „deutschen Parkinson Vereinigung“

zur Verfügung stellen:


JUPA - Psychosoziale Beratung für Mitglieder der dPV 7

Nicht nur, dass ich mich als Ansprechpartner

gerade für junge Betroffene

anbieten möchte, bin ich mittlerweile

auch mit der Erkrankung des atypischen

Parkinson-Syndroms derart umfassend

vertraut, dass ich beistehen

kann, wenn es zu diesem Krankheitsbild

Fragen von Betroffenen oder Angehörigen

an mich gibt.

Melden Sie sich bei mir:

Beratung@Riehle-Dennis.de.

Meine ehrenamtliche Tätigkeit ist für

Sie selbstverständlich kostenlos.

Sie ersetzt keine professionelle Beratung,

soll aber ein Erstkontakt sein, der

im Zweifel an die zuständigen Stellen

vermittelt.

Eine Haftung ist ausgeschlossen, Verschwiegenheit

wird garantiert. Neben

Anliegen zur Krankheit berate ich Sie

auch zu Leistungen bei Arbeitslosigkeit

(ALG I und II/“Hartz IV“), Sozialhilfe

(Grundsicherung, Sozialgeld u.a.),

Leistungen bei Erwerbsminderung

und im Alter, Leistungen der Pflegeversicherung

(Pflegegrade, Verhinderungs-

und Kurzzeitpflege, Pflegegeld

und Pflegesachleistungen...), Barrierefreiheit,

Wohnraumanpassung, pflegerische

Hilfsmittel, Entlastung für pflegende

Angehörige, Hilfe bei Krankheit

oder Behinderung, Leistungen der

Krankenversicherung und anderer

Sozialträger, Anrecht und Leistungen

bei Schwerbehinderung, Fragen zu

Gebrechen des Alters, Hilfe und Unterstützung

bei Migrationshintergrund,

für Flüchtlinge und Asylsuchende, Fragen

in der Erziehung, Leistungen für

Familien (Kindergeld...), im Studium

(„BAföG“ usw.), Seelsorge in alltäglichen

Krisen und beim Umgang mit

Erkrankung, Fragen zu Rehabilitation

und Wiedereingliederung, zu Vorsorge-/Betreuungsvollmacht

und Patientenverfügung

sowie Hilfe bei Antragsstellung

und dem Ausfüllen von

Formularen oder Widersprüchen.

Ich freue mich auf den Kontakt mit

Ihnen!

Ihr Dennis Riehle

Deutsche Parkinson Vereinigung e.V.

- Bundesverband -

Warum Mitglied werden?

Erfahrungsaustausch mit anderen Erkrankten

Hilfe bei:

Rentenfragen, Fragen zum Grad der Behinderung

(Versorgungsamt), Fragen zur Pflege und dem

Medizinischen Dienst,

Fragen zu den Krankenkassen sowie zu Heilverfahren

und vieles mehr ...

Wir sind offen für alle an der Krankheit Interessierten.

Schauen Sie einfach mal herein.

Kontakt:

Deutsche Parkinson Vereinigung e.V. - Bundesverband -

Tel.: 0 21 31 / 740 270, www.parkinson-vereinigung.de


8

MSA - Neue Therapiestrategien bei atypischen Parkinson-Syndromen

Neue Therapiestrategien bei atypischen

Parkinson-Syndromen

Beim 2. Ruhr-Symposium für Parkinsonerkrankungen

und Bewegungsstörungen

am 27.Februar 2021 referierte

Dr. Eun-Hae Kwon über das Thema

Krankheitsmodifi zierende Therapiestrategien

bei atypischen PS.

Meine Gespräche mit PSP-Betroffenen

und MSA-Erkrankten sowie deren

Angehörige zeigen mir jeweils deren

Bedarf an Informationen zu diesem

besonderen Krankheitsbild.

Darum habe ich Dr. Kwon um Hilfe gebeten.

Die Leserinnen und Leser des DPV-Journals

danken Dr. Kwon für ihre Bereitschaft,

einen Beitrag zur Therapie der

atypischen Parkinson-Syndrome, MSA

und PSP, zu schreiben.

Es ist die Kernaussage ihres Beitrags,

den Betroffenen aufzuzeigen, dass

auch zu den atypischen Parkinson

Syndromen fl eißig geforscht wird.

Ohne Forschung kein Fortschritt, und

darüber lesen Sie in Dr. Kwons Artikel

„Neue Therapiestrategien bei APS“.

Und mir ist es ein wichtiges Anliegen,

Ihnen dies aus berufenem Mund mitteilen

zu dürfen, mit Hoffnungsansätzen

für verschiedene Therapieansätze.

Dr. Kwon arbeitet als Prüfärztin im Klinischen

Forschungszentrum für Neurodegeneration

an der Klinik für Neurologie,

St. Josef-Hospital, Klinikum der

Ruhr-Universität Bochum.

Magdalene Kaminski

Die Diagnose eines atypischen

Parkinson-Syndroms

stellt sowohl den Erkrankten

als auch den Behandler

vor große Herausforderungen.

Im Allgemeinen handelt es sich

um einen eher raschen Erkrankungsverlauf

mit meist unzureichendem

Ansprechen auf die herkömmliche

Dopamin-Therapie. Neben den „klassischen“

Parkinson-Symptomen prägen

zusätzliche „atypische“ Merkmale das

Krankheitsbild wie z.B. eine früh einsetzende

Gangunsicherheit mit Stürzen,

Störungen des vegetativen Nervensystems

oder Kleinhirnzeichen.

Aufgrund der vielseitigen, sich teils

überlappenden Symptome und fehlenden

diagnostischen Marker ist

eine frühe Diagnosestellung oftmals

schwierig.

Die Behandlungsoptionen sind noch

stark eingeschränkt, eine etablierte

kurative Therapie existiert bisher nicht.

Allerdings laufen intensive Forschungsaktivitäten

zur Entwicklung von neuen

Therapieansätzen, die in die Mechanismen

der Krankheitsentstehung eingreifen

und den Zelluntergang verhindern

sollen, und auch in unserem

klinischen Forschungszentrum am St.

Josef-Hospital Bochum durchgeführt

werden.

Zwei Vertreter der atypischen Parkinson-Syndrome,

die progressive supranukleäre

Blickparese (PSP) und die

Multisystematrophie (MSA), stehen

besonders im Fokus der Therapieentwicklung.

PSP

Hintergrund

Die PSP geht mit einer Fehlablagerung

des Tau-Proteins in Nervenzellen

in bestimmten Hirnregionen einher

und zählt, wie die Alzheimer-Krankheit,

zur Gruppe der Tauopathien. Das

Tau-Protein ist ein Eiweißstoff, welches

in menschlichen Zellen an Stützproteinen

(Mikrotubuli) bindet und deren Zusammenbau

reguliert.

Eine Fehlregulierung des Zusammenspiels

zwischen Tau und Mikrotubuli

führt zu krankhaften Veränderungen,

die letztlich zum Absterben von Neuronen

führen können. Das Tau-Protein

leitet sich von dem MAPT (Mikrotubuli-assoziiertes

Protein Tau)-Gen ab. Obwohl

die Erkrankung in der Regel nicht

vererbbar ist, gelten Veränderungen

auf dem MAPT-Gen als Risikofaktor für

die PSP.

Nach der Proteinbildung unterliegt

das Tau-Protein weiteren Stoffwechselveränderungen,

die seine Ansammlung

und Ablagerung in Nervenzellen

begünstigen sowie seinen Abbau

hemmen. Ebenfalls wird diskutiert,

dass krankhaft veränderte Tau-Proteine

sich im gesunden Hirngewebe

ausbreiten können. Ausgehend von

dieser spezifi schen Tau-Veränderung

resultiert ein breites vielfältiges Spektrum

an klinischen Symptomen. Diese

umfassen neben der namenprägenden

Blicklähmung, Gleichgewichtsstörung,

Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen,

Verhaltensveränderungen

und Gedächtnisstörungen. Im Jahr

2017 wurden von der Fachgesellschaft

Movement Disorder Society (MDS)

neue PSP-Diagnosekriterien herausgegeben.

Diese berücksichtigen die unterschiedlichen

PSP-Arten.

Die neu eingeführte Kategorie „suggestiv

für PSP“ soll Patienten möglichst im

Frühstadium identifi zieren, um sie engmaschig

zu betreuen, weil sie in das in

das klinische Bild der PSP-Erkrankung

konvertieren können. Dann können sie

Kandidaten für eine frühe Teilnahme

an klinischen Therapie-Studien sein.

Therapien

Angesichts der engen Verknüpfung

des Nervenzelluntergangs mit krankhaften

Tau-Veränderungen sind die

aktuellen Therapiestrategien primär

auf das Tau-Protein ausgerichtet. Im

Wesentlichen besteht das Therapieziel

darin, entweder die toxischen Eigenschaften

des Tau-Proteins zu reduzieren

bzw. die normale Funktion des

Tau-Proteins wiederherzustellen.

Bild 1: Tau-gerichtete Therapiestrategien


MSA - Neue Therapiestrategien bei atypischen Parkinson-Syndromen 9

Das Tau-Protein wird nach seiner Neubildung

durch verschiedene Enzyme

verstoffwechselt. Diesen Prozess bezeichnet

man als „posttranslationale

Veränderungen“. Eine wichtige

Weiterverarbeitung ist die Phosphorylierung

des Tau-Proteins. Wenn das

Tau-Protein zu stark phosphoryliert ist,

wird das Protein unlöslich und lagert

sich in den Zellen ab, was zum Zelltod

führt.

Die Glykogen-Synthase-Kinase (GSK)

ist ein Enzym, welches das Tau-Protein

phosphoryliert. Das Präparat Tideglusib

hemmt dieses Enzym und wurde

bei PSP-Patienten eingesetzt. Leider

zeigte sich keine ausreichende Wirksamkeit,

was die motorischen und

Alltags-relevanten Funktionen betrifft.

In der behandelten Gruppe zeichnete

sich jedoch der Trend ab, dass die

Hirnvolumenminderung geringer ausfiel

als in der Kontrollgruppe (Höglinger

et al., 2014). Ein weiterer Wirkstoff aus

dem Bereich des Tau-Stoffwechsels

wird derzeit an PSP-Patienten untersucht,

der das Enzym O-GlcNAcase

(OGA) hemmt. Dadurch sollen die

Zellen vor vermehrter Tau-Phosphorylierung

und -Ablagerung geschützt

werden. Anhand von bildgebenden

Verfahren soll außerdem die Bindung

des Wirkstoffs im Hirngewebe demonstriert

werden.

Ein weiterer Therapieansatz greift an

der Bildung des Tau-Proteins auf Genebene

an. Antisense-Oligonukleotide

(ASOs) sind kleine Nukleinsäureketten,

die an die Vorläufer des Tau-Proteins

binden und dessen Neubildung verhindern.

Auf diese Weise kann die Menge

an Tau-Protein reduziert werden. Um

ins Gehirn zu gelangen, müssen ASOs

über das Nervenwasser eingegeben

werden. Eine Studie mit ASOs zur Prüfung

der Sicherheit und Verträglichkeit

ist bei der PSP in Deutschland gestartet.

Die Therapie mit Tau-Antikörpern beruht

auf der Überlegung, dass Antikörper

die zirkulierenden Tau-Proteine

abfangen und dem Abbau zuführen

sowie die Ausbreitung von Tau-Proteinen

in Nervenzellen verhindern. Nun

wurde erstmals eine große, internationale

Studie mit dem monoklonalen

Antikörper Tilavonemab veröffentlicht.

Die Studie hat gezeigt, dass die Antikörper-Therapie

in der Verträglichkeit

sicher ist.

Im Nervenwasser war auch eine Reduktion

des Tau-Proteins messbar.

Allerdings ließ sich nach 1-jähriger

Behandlung kein klinisch signifikanter

Unterschied im Erkrankungsverlauf

zwischen der Behandlungs- und

Kontrollgruppe beobachten. Ein weiterer,

derzeit geprüfter Tau-Antikörper

(Bepranemab, UCB0107) richtet

sich gegen den mittleren Bereich des

Tau-Proteins, was die Tau-Ablagerung

möglicherweise effektiver verhindern

könnte. Diese Studie läuft derzeit

an einer kleinen Patientengruppe in

Deutschland, erste Ergebnisse sind für

2022 zu erwarten.

Eine weitere Strategie besteht darin,

die Zerstörung der Mikrotubuli zu verhindern

und somit das Zellgerüst und

die Zellfunktion zu stabilisieren. TPI-287

ist ein Mikrotubuli-Stabilisator. An zwei

Zentren in den USA wurde diese Substanz

kürzlich bei Patienten mit PSP

und weiteren Tauopathien (Alzheimer-Krankheit,

kortikobasale Degeneration)

untersucht.

Die Infusionen wurden

jedoch schlecht vertragen

(vermehrt Stürze

und Gedächtnisstörung),

die klinische

Wirksamkeit blieb aus

(Tsai et al. 2020).

MSA

Hintergrund

Die MSA zeichnet sich

durch eine abnormale Fehlfaltung und

Ablagerung des Proteins α-Synuklein in

Form von Einschlusskörper im Zellkörper

von sogenannten Oligodendrozyten

(Papp-Lantos-Einschlüsse) aus. Wie die

idiopathische Parkinson-Erkrankung

gehört sie zur Gruppe der Synukleinopathien.

Anders als bei der idiopathischen

Parkinson-Erkrankung spielen

allerdings die Oligodendrozyten, die

die Myelinscheide um die Nervenfortsätze

bilden, eine vorrangige Rolle in

der Krankheitsentstehung.

Der Ursprung von α-Synuklein in den

Oligodendrozyten ist nicht ganz geklärt,

ob Oligodendrozyten selbst das

α-Synuklein bilden oder von benachbarten

Nervenzellen aufnehmen.

Veränderungen im α-Synuklein-Stoffwechsel

zusammen mit einem reduzierten

Abbau dieses Proteins können

zu einem Absterben der Nervenzellen

führen. Diese Prozesse werden begleitet

von Entzündungsreaktionen mit Aktivierung

von Abwehrzellen (Mikroglia)

und Produktion von Entzündungsbotenstoffen.

Das klinische Bild gestaltet sich auch

bei der MSA vielseitig. Motorisch

unterscheidet man den Parkinson-Typ

(MSA-P) und den Kleinhirn-Typ

(MSA-C). Bei beiden Formen ist das

vegetative Nervensystem (Blutdruckregulation,

Blasenfunktion) frühzeitig

beeinträchtigt. Die Diagnosekriterien

für MSA werden derzeit überarbeitet,

um sie den neuen Forschungserkenntnissen

anzupassen. Anders als zuvor

angenommen, können bis zu 30% der

Patienten auch kognitive Störungen

entwickeln, was derzeit noch als nicht

unterstützendes Merkmal gilt.

Therapien

Die aktuellen Therapiestrategien bei

der MSA fokussieren sich auf die Reduktion

von α-Synuklein, Eindämmung

der Entzündungsreaktion und Verhinderung

des Zelltods.

Die aktive Immunisierung mit Impfstoffen

soll dazu verhelfen, die gezielte

Antikörper-Bildung gegen α-Synuklein

anzuregen und dadurch α-Synuklein

vermehrt abzubauen. Die Impfstoffe

PD01A und PD03A wurden MSA-Patienten

im Frühstadium subkutan verabreicht.

Abgesehen von unproblematischen

lokalen Hautreaktionen wurden

die Präparate gut vertragen. Insbesondere

der Impfstoff PD01A konnte

eine im Blut messbare Immunantwort

gegen α-Synuklein bewirken (Meissner

et al., 2020). Dieser Therapieansatz

wird im Rahmen einer erweiterten

Studie weiterverfolgt. Aktuell werden

MSA-Patienten auch in Deutschland

für die Erprobung von Antisense-Oligonukleotiden

(BIIB101) rekrutiert, die

durch genetische Veränderungen die

Bildung von α-Synuklein verhindern

will. In Großbritannien wird derzeit das

Sicherheitsprofil eines kleinen Moleküls,

Anle138b, in Tablettenform an gesunden

Probanden getestet.

Im Tierexperiment konnte gezeigt werden,

dass dieser Wirkstoff an das krankhaft

veränderte α-Synuklein bindet

und dessen Ablagerung verhindert.


10

MSA - Neue Therapiestrategien bei atypischen Parkinson-Syndromen

Vor dem Hintergrund, dass bei der MSA

eine begleitende Entzündungsreaktion

den Nervenabbauprozess unterhält,

läuft derzeit eine Studie mit einem

Myeloperoxidase-Hemmer (Verdiperstat,

BHV-3241), welcher zweimal täglich

als Tablette eingenommen wird.

Durch die Hemmung des Enzyms soll

die Aktivität der Abwehrzellen verringert

und dadurch Entzündungsprozesse

eingedämmt werden. Das Ziel der

Studie ist die motorische Verbesserung

nach 48-wöchiger Behandlung.

Die bislang einzige Studie, die eine signifi

kante Wirksamkeit erbracht hat, ist

die mesenchymale Stammzelltherapie.

Der Wirkmechanismus ist komplex

und nicht genau verstanden. Grundsätzlich

besitzen Stammzellen das Potenzial,

sich in verschiedene Zelltypen

einschließlich Nervenzellen zu entwickeln

und die Fähigkeit, einen Überschuss

an Nervenzell-schützenden

Wachstumsfaktoren zu produzieren. In

einem südkoreanischen Studienzentrum

wurden mesenchymale Stammzellen

in die Halsarterie und -vene von

Patienten mit ausschließlich MSA-C infundiert

(Choi et al., 2014).

Allerdings ergaben sich Sicherheitsbedenken

aufgrund von kleinen

Durchblutungsstörungen im Gehirn

bei einem Drittel der Patienten. Die

Verabreichung der mesenchymalen

Stammzellen ins Nervenwasser über

eine Lumbalpunktion wurde bis auf lokale

Schmerzen in höherer Dosierung

gut vertragen (Singer et al., 2019).

Zusammenfassung

Trotz intensiver Forschung und einigen

vielversprechenden Studien fehlt auch

bei den atypischen Parkinson-Syndrom

ein therapeutischer Durchbruch

mit krankheitsmodifi zierender

Wirksamkeit. Obwohl das Verständnis

über die Krankheitsentstehung zunehmend

gewachsen ist, müssen zugrunde

liegende Krankheitsmechanismen

tiefergehend geklärt werden, um die

richtigen Zielstrukturen zu fi nden. Dabei

darf man die neurobiologischen

Unterschiede zwischen Tiermodell und

Mensch nicht außer Acht lassen, die

die Übertragung der Forschungsergebnisse

aus Tierexperimenten auf die

Anwendung beim Menschen zusätzlich

erschweren.

Ein frühzeitiger Therapiebeginn ist entscheidend,

um den Krankheitsverlauf

wirksam beeinfl ussen zu können, bevor

ein irreversibler Schaden eintritt. Hierfür

ist die frühe Diagnosestellung mithilfe

von frühen Diagnosemarkern unerlässlich.

Auch sind klinische Skalen, die

für den Beleg der Wirksamkeit einer

Prüfsubstanz entscheidend sind, optimierungsbedürftig

und sollten für den

Patienten relevante Veränderungen

im Erkrankungsverlauf sensitiv erfassen.

Vielversprechend und ausbaufähig

sind Immuntherapien mit aktiver und

passiver Immunisierung.

Der gentherapeutische Ansatz mit

Antisense-Oligonukleotiden hat nun

auch Eingang bei den atypischen

Parkinson-Syndromen gefunden und

erweitert das Spektrum an therapeutischen

Möglichkeiten. Diese Fortschritte

geben Patienten und Angehörigen

begründeten Anlass zur Hoffnung für

eine effektive Therapie der Grunderkrankung.

Quellen:

Höglinger GU, Huppertz HJ, Wagenpfeil S, Andrés MV,

Belloch V, León T, Del Ser T; TAUROS MRI Investigators.

Tideglusib reduces progression of brain atrophy in

progressive supranuclear palsy in a randomized trial. Mov

Disord. 2014; 29: 479-487.

Höglinger GU, Litvan I, Mendonca N, et al. Safety and

effi cacy of tilavonemab in progressive supranuclear

palsy: a phase 2, randomised, placebo-controlled trial.

The Lancet. Neurology. 2021; 20: 182-192.

Meissner WG, Traon AP-L, Foubert-Samier A et al., A

Phase 1 Randomized Trial of Specifi c Active α-Synuclein

Immunotherapies PD01A and PD03A in Multiple System

Atrophy. Mov Disord. 2020; 35: 1957-1965.

Choi SW, Park KB, Woo SK, Kang SK, Ra JC. Treatment of

progressive supranuclear palsy with autologous adipose

tissue-derived mesenchymal stem cells: a case report. J

Med Case Rep. 2014; 8:87.

Singer W, Dietz AB, Zeller AD, Gehrking TL, Schmelzer JD

et al., Intrathecal administration of autologous mesenchymal

stem cells in multiple system atrophy. Neurology.

2019; 93: e77-e87.

Dr. med. Eun Hae Kwon

Fachärztin für Neurologie/

Studienärztin

Klinisches Forschungszentrum

für Neurodegeneration Neurologie

St. Josef Hospital Bochum

Gudrunstraße 56

44791 Bochum


PSP - Eigentraining für Patient/-innen mit PSP 11

Eigentraining für Patient/-innen mit progressiver

supranukleärer Paralyse (PSP)

Die progressive supranukleäre

Paralyse kurz PSP, ist eine

Unterform der Parkinson

Syndrome. Da sie anders

als die klassische Parkinson

Erkrankung verläuft und sich auch in

einigen Punkten in der Krankheitsentstehung

unterscheidet, wird sie zu den

atypischen Parkinson Syndromen gerechnet.

Insgesamt schätzt man weltweit eine

Zahl von einer Million Betroffener. Besonders

häufig treten bei PSP Betroffenen

Beschwerden im Bereich des

Gleichgewichts, der Mobilität, insbesondere

des Gehens aber auch allgemein

der Bewegungen und der Blickfolge

auf.

Dies führt bei vielen Betroffenen im

Krankheitsverlauf zu Stürzen. Als weitere

Beschwerden können auch Ängste,

Depressionen und vorzeitige Erschöpfbarkeit

bzw. Ermüdung auftreten.

Leider ist auch diese Form der Parkinson

Syndrome nicht heilbar und auch

die medikamentöse Therapie lindert

die Beschwerden nicht immer zureichend.

Umso größere Bedeutung haben

in diesem Kontext übende Verfahren.

Aufgrund der nicht so großen

Grundgesamtheit der Betroffenen sind

diese häufig an kleinen Patientengruppen

durchgeführt. Es gibt jedoch

Hinweise, dass positive Effekte in den

Bereichen Kraft, Mobilität, Gleichgewicht

zu verzeichnen sind. Dabei wurden

sehr unterschiedliche Techniken

untersucht, neben reinem Gangtraining

kamen zum Beispiel musikalisch

unterstütze Bewegungen, Tanz, Fahrradfahren

zum Einsatz. Neben Physiotherapeut/-innen

bzw. Krankengymnast/-innen

beteiligten sich auch

Ergotherapeut/-innen und Sprach-,

Sprech- und Schlucktherapeut/-innen

an diesen Untersuchungen.

Gerne möchten wir heute aus unserer

Erfahrung geeignete Übungen berichten,

die PSP Betroffene gut nutzen können,

insbesondere um ihr Sturzrisiko zu

lindern.

Wir möchten uns an dieser Stelle auch

bei einem unserer PSP Betroffenen bedanken,

den wir bei Erstellung dieses

Artikels mit eingebunden haben und

der seine ganz persönlichen Eindrücke

und Anschauungen einfließen lassen

konnte. Zusammengefasst war für

ihn die Physiotherapie die hilfreichste

Methode. Er betonte darüber hinaus

auch die große Auswirkung der regelmäßigen

körperlichen Therapie auf

seine Stimmung und Unterstützung

durch diese Therapie auch in seiner

Krankheitsbewältigung. Dies ist natürlich

auch für die motorisch fokussierten

Therapeut/-innen eine wichtige

Information und bestärkte uns in der

Betonung auch dieser wichtigen Gesichtspunkte.

Unsere Übungen sind geeignet für Fußgänger/-innen,

die zu Stürzen neigen.

Grundsätzlich sollten Sie Nahe an Ihrer

Leistungsgrenze üben. Sie wählen

Übungen, die Ihnen schwerfallen bzw.

von denen Sie denken, dass Sie in diesem

Bereich Defizite haben. Nur wenn

Sie an Ihrer Leistungsgrenze üben, können

Erfolge erzielt werden.

Diese von uns beschriebenen Übungen

sind nur Beispiele. Sollten Sie in

physiotherapeutischer Betreuung

sein, fragen sie Ihre Physiotherapeutin/

Ihren Physiotherapeuten nach für

Sie angepassten speziellen Übungen

oder bitten Sie sie/ihn, um notwenige

Korrekturen.

Sollten Sie sich bei den Übungen unsicher

fühlen, stellen Sie sich einen Stuhl

oder eine andere Haltemöglichkeit in

die Nähe, so dass Sie sich jeder Zeit an

dieser halten können, um das Gleichgewicht

wieder zu finden.

Führen Sie alle Übungen kontrolliert

und nicht zu hastig durch.

Wir stellen Ihnen hier die drei –wie wir

finden- wichtigsten Trainingsbereiche

vor.

1 Gleichgewichtstraining

Das Gleichgewicht wird in drei Bereiche

unterteilt. Am besten Sie üben in

allen drei Gleichgewichtsbereichen.

Gleichgewichtstraining können Sie

täglich durchführen und es wird von

unserem Patienten als besonders wertvoll

empfunden.

1.1 Proaktives Gleichgewichtstraining

Sprunggelenkstrategie: Bei dieser

Übung wird reflektorisch und schnell

die Muskulatur im Wadenbereich und

an der Schienbeinvorderkante angespannt

und somit trainiert. Diese Fähigkeit

benötigt die Muskulatur, um

bei einem Gleichgewichtsverlust die

Standstabilität zu halten und beugt somit

Stürzen vor.

Die Übung (5 min)

Stehen Sie in bequemer Fußposition

und verlagern Sie das Gewicht im

Wechsel nach vorne und nach hinten,

die Hüfte und der Oberkörper sollten

dabei in einer Linie bleiben. Sie können

dabei spüren wie die Muskulatur

um Ihre Sprunggelenke arbeitet und

dadurch trainiert wird. Loten Sie Ihre

Grenzen aus. Verlagern Sie das Gewicht

so weit nach vorne und hinten,

dass Sie das Gleichgewicht gerade

noch halten können. Als Ergänzung

können Sie versuchen mit den Händen

einen Gegenstand zu erreichen,

der ein bis zwei Meter von Ihnen entfernt

ist. So müssen Sie ihr Gleichgewicht

in Richtung des Gegenstandes

verlagern, womit Ihre Stabilitätsgrenze

weiter verschoben wird.

1.2 Kontinuierliches

Gleichgewichtstraining

Standübung (3 min)

Versuchen Sie, mit wenig Unterstützungsfläche

ruhig stehen zu bleiben

(Füße stehen eng beieinander, Schrittstellung,

Schrittstellung auf einer Linie,

Schrittstellung auf einer Linie Fersen

und Zehenspitzen berühren sich).

Gangvariationen (5 min)

Variieren Sie zum Üben Ihren Gang.

Sie können langsam gehen, schnell

gehen, stampfen, breite Schritte machen,

enge Schritte machen, seitwärtsgehen.

Sie können auch das

Rückwärtsgehen versuchen. Machen

Sie Schritte in Zeitlupe.


12

PSP - Eigentraining für Patient/-innen mit PSP

1.3 Reaktives Gleichgewichtstraining

Schutzschrittübung (5 min)

Machen Sie schnelle Ausgleichsschritte

aus dem Stehen oder Gehen heraus

nach rechts und links, nach vorne

und vor allem nach hinten. Sie können

diese sogenannten Schutzschritte

nach vorne und hinten mit rechts

und links üben oder Ihren Körper selbst

entscheiden lassen, welche Seite ihm

leichter fällt.

Unser Patient beschreibt, dass ihm die

Schritte nach vorne und hinten besonders

gut helfen, vor allem wenn

er sie groß durchführt. Sie können zur

Unterstützung als Ziel auch einen Gegenstand

hinter sich legen und versuchen,

die Ausgleichsschritte so groß zu

machen, dass Sie diesen Gegenstand

erreichen (z. B. Notizzettel)

Die Übung (5 min)

Üben Sie erst im Stehen. Stehen Sie

in einer Position, in der Sie sich gerade

noch sicher fühlen (siehe Standübungen

bei kontinuierliches Gleichgewicht),

nun fügen Sie zusätzliche

Aufgaben hinzu. Das kann Kopfdrehen

nach rechts und links sein oder

das wechselhafte Beugen und Strecken

der Arme zur Decke. Machen

Sie Fingerspiele oder führen Sie andere,

alltägliche Tätigkeiten mit Ihren

Händen aus. Zum Beispiel können Sie

Wasser von der einen Tasse in die andere

schütten. Sie können auch eine

Denksportaufgabe lösen. Zum Beispiel

zählen Sie von 100 in dreier Schritten

rückwärts. Alle diese Zusatzaufgaben

können Sie dann auch im Gehen machen.

Als zusätzliche Steigerung können

Sie nun auch Ihren Gang variieren:

Gehen Sie dabei mal schnell, mal

langsam, gehen Sie zur Seite. Wenn

Sie sich sicher fühlen, können Sie versuchen

sich währenddessen umzudrehen

um die Gehrichtung zu wechseln

oder Sie versuchen rückwärts zu gehen.

Herdplatte ist, welche Sie nicht berühren

wollen. Aus dem Stand lassen Sie

Ihr Gesäß langsam Richtung Sitzfläche

sinken. Kurz bevor Ihr Gesäß die „heiße

Herdplatte“ berührt, gehen Sie schnell

wieder nach oben. Dies trainiert Ihre

vordere und hintere Oberschenkelmuskulatur.

Zum Training der seitlichen Oberschenkelmuskulatur

stehen Sie hinter einem

Stuhl, so dass Sie sich an dessen Rückenlehne

festhalten können, und

bewegen im Wechsel die Beine in ausgestreckter

Position zur Seite. (10 Wiederholungen

je Seite empfohlen)

2 Training für geteilte Aufmerksamkeit

Auch diese Übungen können Sie täglich

durchführen und werden als Koordinationstraining

von unserem Patienten

empfohlen.

Im Alltag können wir uns selten auf nur

eine einzige Sache konzentrieren. Zum

Beispiel während dem Gehen haben

wir immer ein Ziel vor Augen, auf das

wir uns konzentrieren oder zu dem wir

etwas transportieren. Somit ist unsere

Konzentration automatisch von dem

eigentlichen Gehen abgelenkt. Wir

benötigen geteilte Aufmerksamkeit,

damit wir während des Gehens noch

eine zusätzliche Aufgabe durchführen

können, ohne das Gleichgewicht zu

verlieren.

3 Krafttraining

Führen Sie Kraftübungen nur zwei- bis

dreimal in der Woche durch und machen

Sie zwischen den Kraftübungen

ein bis zwei Tage Pause.

Um bei einem Gleichgewichtsverlust

einen Sturz verhindern zu können, benötigt

der Körper nicht nur das Gleichgewicht

und eine schnelle Reaktion

der Muskulatur, die Muskulatur muss

auch kräftig sein.

Die Übungen für die Oberschenkel

Stehen Sie 10x explosiv von einem Stuhl

auf. Als Steigerung können Sie sich vorstellen,

dass auf dem Stuhl eine heiße

Die Übungen für die Unterschenkel

Drücken Sie sich aus dem Stand 10x in

den Zehenspitzenstand, lassen Sie dabei

Ihre Knie gestreckt und „wachsen“

nach oben. Dies trainiert Ihre Waden.

Zur Steigerung können Sie entweder

die Anzahl der Wiederholungen erhöhen

oder die Übung jeweils auf nur einem

Bein stehend durchführen.

Für das Training der vorderen Unterschenkel

setzen Sie sich auf einen

Stuhl, die Füße auf dem Boden, summen

ihr Lieblingslied und tippen im

Takt mit beiden Fußballen mit (das gesamte

Lied lang).

Übung für den Oberkörper und

die Arme

Stellen Sie sich mit dem Gesicht zu einer

Wand, so dass mit ausgetreckten

Armen die Handflächen an der Wand

anliegen. Aus dieser Position heraus

können Sie „Wandliegestützen“ machen.

Halten Sie Ihre Beine gestreckt

und versuchen mit der Nasenspitze


PSP - Eigentraining für Patient/-innen mit PSP / Neue Erkenntnisse aus klinischer Studie 13

die Wand zu berühren, dann drücken

Sie sich wieder weg. Umso weiter Ihre

Füße von der Wand weg positioniert

sind, umso schwerer wird dieses Training.

(15 Wiederholungen empfohlen)

Wenn Sie eher unsicher zu Fuß sind,

empfehlen wir als Hilfsmittel für einen

sicheren Gang neben dem klassischen

Rollator einen Posterior Walker.

Im Gegensatz zum klassischen Rollator

schiebt man diesen nicht vor sich, sondern

führt ihn hinter sich her. Die Mechanik

verhindert ein Rollen nach hinten,

was einem Gleichgewichtsverlust

nach hinten vorbeugt.

zu einer bestimmten Uhrzeit des Tages

absolvieren und idealerweise dies mit

einem Trainingspartner tun, fällt das

Durchhalten etwas leichter. Der wichtigste

Tipp ist aber, Bewegung kann

auch Freude machen, versuchen Sie

das Training positiv zu belegen, spüren

Sie die positive Wirkung des Trainings

auf Ihren Körper und belohnen Sie sich

regelmäßig für die Durchführung der

Übungen.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß, Motivation

und Erfolg bei Ihrem Training.

Prof. Dr. M. Jöbges, M. Speh

Kliniken Schmieder (Stiftung & Co.) KG

Zum Tafelholz 8

78476 Allensbach

www.kliniken.schmieder.de

Zur allgemeinen Kräftigung geht unser

Patient zum Eigentraining oft Treppen.

Nutzen Sie, wo und wann immer es

geht, die Treppen und vermeiden Sie

den Aufzug oder die Rolltreppe. Um

dies mit einem Gleichgewichtstraining

zu kombinieren, versuchen Sie,

wenn Sie sich sicher fühlen, die Treppen

ohne Festhalten am Geländer zu

gehen.

Einige nützliche Tipps möchten wir Ihnen

noch mit auf den Weg geben. Natürlich

ist es nicht leicht, sich jeden Tag

aufs Neue zu den Übungen aufzuraffen.

Wenn Sie diese Übungen immer

Tau-Antikörper gegen neurodegenerative Erkrankungen:

neue Erkenntnisse aus weltweiter klinischer PSP-Studie

Die Progressive Supranukleäre

Blickparese (PSP) ist

eine chronisch-fortschreitende

neurodegenerative

Erkrankung, die wie die Alzheimer-Erkrankung

zu den sogenannten

Tauopathien zählt. Bislang sind

diese Erkrankungen nicht ursächlich

behandelbar. Monoklonale Antikörper

gegen das Tau-Protein gelten als

vielversprechende Therapiestrategie.

Eine heute in Lancet Neurology publizierte

weltweite Phase-II-Studie [1] mit

dem monoklonalen Antikörper Tilavonemab

zeigt die Möglichkeiten und

Herausforderungen auf: „Wir konnten

zeigen, dass der Antikörper sicher ist

und er das Tau-Protein im zentralen

Nervensystem erreicht. Diese Ergebnisse

sind wichtig, um in weiteren Studien

mit modifiziertem Antikörper-Design

nun die therapeutische Wirkung zu

aktivieren“, so Studienleiter Professor

Günter Höglinger, Direktor der Klinik

für Neurologie an der Medizinschen

Hochschule Hannover und erster Vorsitzender

der Deutschen Gesellschaft

für Parkinson und Bewegungsstörungen

(DPG).

Allen Tauopathien gemeinsam ist die

Ablagerung eines pathologischen Eiweißes

(Tau-Protein) in bestimmten

Gehirnregionen (Tau-Aggregate bzw.

-Fibrillen); auch im Nervenwasser (Liquor

cerebrospinalis) ist das Tau-Protein

meist nachweisbar. Tauopathien

unterscheiden sich teilweise recht

deutlich in Bezug auf biochemische

Mechanismen und klinische Symptome;

es gibt aber auch Überschneidungen.

Die Klinik der Progressiven

Supranukleären Blickparese (PSP)

ähnelt teilweise der klassischen Parkinson-Erkrankung,

weshalb sie auch

als atypisches Parkinson-Syndrom bezeichnet

wird. Es kommt zu Störungen

der Bewegungsabläufe (Bewegungs-


14

PSP - Neue Erkenntnisse aus klinischer Studie

verarmung, Gangunsicherheit) oder

geistiger Funktionen (kognitive Störung).

Bei der PSP stehen außerdem

eine Blicklähmung sowie Sprech- und

Schluckstörungen im Vordergrund. Aktuell

besteht die Behandlung der PSP

nur im Symptom-Management; durch

die Erforschung der komplexen genetischen,

molekularen bzw. biochemischen

Krankheitsmechanismen gibt

es aber inzwischen verschiedene kausale

Therapieansätze. Bislang konnte

jedoch für kein Medikament eine klinische

Wirksamkeit belegt werden.

Nun wurde in Lancet Neurology erstmals

eine internationale Phase-II-Studie

publiziert [1], die bei PSP-Patienten

die Therapie mit einem monoklonalen

Antikörper (Tilavonemab) gegen das

Tau-Protein untersucht hat. In acht

Ländern (Australien, Kanada, Frankreich,

Deutschland, Italien, Japan,

Spanien, USA) wurden an 66 Kliniken

fast 500 Teilnehmer gescreent, 378

wurden randomisiert in die Studie eingeschlossen

und 120 konnten gemäß

den definierten Studienkriterien ausgewertet

werden.

Die Randomisierung erfolgte doppelblind

in drei gleichgroße Gruppen. Die

Patienten erhielten intravenös entweder

2000 mg (n=126) oder 4000 mg

(n=125) Tilavonemab oder Placebo

(n=126) an den Tagen 1, 15 und 29;

danach alle 28 Tage für insgesamt 52

Wochen. Zu Studienbeginn war der

Symptom-Score PSPRS (“Progressive

Supranuclear Palsy Rating Scale”) der

Patienten in den drei Gruppen ähnlich;

die Veränderung des PSPRS-Scores

nach 52 Wochen war der primäre

Studienendpunkt.

Die Studie wurde nach 52 Wochen (mit

120 Auswertungen) entsprechend den

vordefinierten „Futility-Kriterien“ (zu

geringer bzw. kein Behandlungseffekt)

vorzeitig beendet; im Ergebnis waren

zwischen Verum und Placebo keine

signifikanten Gruppenunterschiede

beim PSPRS-Score festzustellen.

Die meisten Teilnehmer berichteten

von mindestens einem unerwünschten

Ereignis während der Studiendauer:

jeweils 111 Patienten in der

2000-mg-Gruppe (88%) sowie in der

4000-mg-Gruppe (89%), aber auch

108 Probanden der Placebogruppe

(86%). Dabei waren Stürze (als typisches

Ereignis bei PSP) am häufigsten

(42 in der 2000-mg-Gruppe; 54 in der

4000-mg-Gruppe und 49 in der Placebogruppe).

Substanz-assoziierte Nebenwirkungen

waren in den Behandlungsgruppen

ähnlich. Es verstarben

jeweils neun Patienten in der 2000-mgund

in der 4000-mg-Gruppe und acht

in der Placebogruppe – die Todesfälle

standen nicht im Zusammenhang mit

der Studienmedikation.

In beiden Tilavonemab-Gruppen sank

gegenüber der Placebobehandlung

die Konzentration des freien Tau-Proteins

im Nervenwasser signifikant ab

(-38% mit 2000 mg und -46,3% mit 4000

mg). „Obwohl über die Studiendauer

von 52 Wochen kein klinischer Therapieeffekt

gezeigt werden konnte, zeigte

sich eine biologische Wirksamkeit;

d. h. der Antikörper erreichte offensichtlich

sein molekulares Ziel“, erklärt

Professor Dr. Günter Höglinger, Direktor

der Klinik für Neurologie an der Medizinischen

Hochschule Hannover, Erster

Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft

für Parkinson und Bewegungsstörungen

e.V. (DPG) und Autor der

Studie.

Für die fehlende klinische Effektivität

von Tilavonemab in dieser Studie

diskutieren Experten verschiedene

Gründe. Der Antikörper war zunächst

im Tauopathie-Mausmodell erforscht

worden, möglicherweise gelangt er

nicht in ausreichender Menge in das

humane Gehirn, um die Übertragung

des extrazellulären Tau Proteins zwischen

den Nervenzellen ausreichend

zu unterbinden.

Möglicherweise muss der Antikörper-Angriff

bei der PSP auf andere

Molekülstrukturen (Epitope) der Tau-Fibrillen

ausgerichtet werden als es bei

Tilavonemab der Fall ist, der an das

N-terminale Ende des Tau-Proteins bindet.

„Auf jeden Fall sollte der immunologische

Therapieansatz trotz fehlender

klinischer Wirksamkeit nicht als

gescheitert ansehen“, konstatiert Prof.

Höglinger. „Die PSP-Patienten der Studie

waren möglicherweise schon in zu

weit fortgeschrittenen Erkrankungsstadien,

die Behandlungsdauer war möglicherweise

zu kurz, die Tau-Reduktion

möglicherweise zu niedrig, um klinisch

relevante therapeutische Effekte zu

erzielen; bei früherem Therapiebeginn

und längerer Behandlungsdauer mit

höherer Dosis und geeigneterem Epitop

könnte womöglich eine klinische

Wirkung erzielt werden.“ Zusammenfassend

ließen sich somit wichtige Erkenntnisse

für die weitere Forschung

ableiten. Zudem wurde das Sicherheitsprofil

bestätigt.

Pressestelle der Deutschen

Gesellschaft für Neurologie (DGN)

Dr. Bettina Albers

c/o albersconcept, Jakobstraße 38,

99423 Weimar

Pressesprecher: Prof. Dr. med.

Hans-Christoph Diener, Essen

Literatur

[1] Höglinger GU, Litvan I, Mendonca N et al. Safety

and efficacy of tilavonemab in progressive supranuclear

palsy: a phase 2, randomised, placebo-controlled,

multicentre trial. Lancet Neurol 2021. DOI: https://doi.

org/10.1016/S1474-4422(20)30489-0


THS - Parkinson und Bewegung 15

Parkinson und Bewegung

Die Parkinson-Erkrankung ist

die zweithäufigste neurodegenerative

Erkrankung

(Verlust von Nervenzellen

und Zellfunktion) und gilt

noch immer als eine Erkrankung des

höheren Lebensalters. Die Parkinsonpatienten

sind bei Erstdiagnose im

Durchschnitt 60 Jahre alt. Circa 10%

aller Erkrankten sind jedoch jünger als

40 Jahre. Im Alter nimmt mit einer Lebensdekade

das Risiko an Parkinson zu

erkranken um ca. 1% zu (1% von 60jährigen,

3% von 80jährigen).

Insgesamt gibt es ca. 6,1 Millionen

Parkinsonpatienten weltweit; in der

BRD sind ca. 400.000 Menschen

erkrankt (Männer erkranken 1,5-2 x

häufiger als Frauen).

Die Palette der Behandlungsmöglichkeiten

für Menschen mit einer Parkinsonerkrankung

wurde in den letzten

20 Jahren bedeutend erweitert und

die Methoden verbessert. Neben

einer Reihe von Medikamenten die

zur Verfügung stehen, gibt es auch

ausgewählte, wissenschaftlich überprüfte,

nichtmedikamentöse Therapieverfahren,

wie aktivierende Therapien

in Physiotherapie, Sporttherapie

und Ergotherapie oder auch Sprach-,

Sprech- und Schlucktherapien.

Die gängige Behandlung der Parkinson’schen

Erkrankung bestand viele

Jahrzehnte überwiegend aus der

Verabreichung von entsprechenden

Medikamenten.

die nicht medikamentösen Therapien

sowohl auf Verbesserung aber auch

Erhalt motorischer Fertigkeiten.

Wir erleben aber im Alltag noch immer,

dass diese Erkenntnisse nicht ausreichend

umgesetzt werden und den

Patienten diese wirkungsvollen Therapien

nicht in ausreichendem Maße zur

Verfügung gestellt werden.

Wir wissen heute, dass ein zentrales

Element eines modernen Therapieansatzes

das aktive, repetitive Üben

einer zu erlernenden Fertigkeit oder

einer Funktion mit kontinuierlicher Steigerung

der Anforderung ist (2).

In einer Metaanalyse von 100 Studien

konnte gezeigt werden, dass Sport

Kraft und Beweglichkeit sowie kognitive

und physische Funktionen verbessert,

psychosoziale Vorteile bringt

und in der Lage ist, parkinsontypische

Symptome wie Tremor, Rigor und

posturale Instabilität zu verbessern (3).

Viele weitere gute Gründe sprechen

dafür, aktivierende Therapien einzusetzen.

So konnte gezeigt werden,

dass man damit Inaktivität vorbeugen

konnte, die körperliche Leistungsfähigkeit

steigern sowie die Bewegungsarmut

und die oft damit verbundenen

Stürze vermeiden konnte (4).

Besondere Bedeutung kommt in

diesem Kontext der Physiotherapie zu.

Es sollten nicht nur klassische Konzepte

zum Einsatz kommen. Vielmehr gibt es

heute eine große Zahl wissenschaftlich

bestätigter Therapien, die angewendet

werden können. So ist es sinnvoll,

in frühen Phasen der Erkrankung Therapien

einzusetzen, die großamplitudige

Bewegungen erfordern. Auch sollte

in dieser Phase Wert auf Schnelligkeit

und Rhythmus der Bewegung gelegt

werden. Hierzu zählen z. B. das Nordic

Walking, das LSVT-BIG, aber auch Tanz

(argentinischer Tango) oder Tai-Chi.

SRH KLINIKEN

Es hat lange gedauert, bis man

erkannt hatte, dass neben der medikamentösen

Therapie die Bewegung

einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt

und zur Verbesserung der Beweglichkeit

und somit auch der Lebensqualität

beiträgt.

Die S3-Leitlinie zum idiopathischen

Parkinsonsyndrom der DGN (Deutsche

Gesellschaft für Neurologie) fordert

für alle Parkinsonpatienten in allen

Stadien der Erkrankung Zugang zu

einer zeitlich ausreichenden Physiotherapie.

Der Empfehlungsgrad

in diesen Leitlinien entspricht dem

höchsten Empfehlungs- und Evidenzgrad

(1). Daraus ist abzuleiten, dass

es neben der medikamentösen Therapie

eine weitere sehr effektive Säule

der Behandlung gibt. Dabei zielen

REHA BEI TIEFEN HIRNSTIMULATION

Unser interdisziplinäres Team aus Medizin, Pflege und Therapie bringt Sie

wieder in Bewegung.

Ihre Vorteile bei einer THS-Einstellung während Ihres Reha-Aufenthalts:

❙ Betreuung durch einen spezialisierten Neurochirurgen mit THS-Erfahrung

❙ Einstellung mit Blick auf den Tages- und Nachtverlauf

❙ Interdisziplinäre Therapien z. B. DSI-Therapie (Dynamische Symptomorientierte

Individualtherapie)

❙ Vorbereitung auf den Alltag

SRH Gesundheitszentrum Dobel

Sekretariat Neurologie | Stephanie Pfeiffer

Telefon +49 (0) 7083 747-3703 | info@gns.srh.de

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16

THS - Parkinson und Bewegung / THS-Telefonberatung

In späteren Phasen der Erkrankung

sollte zusätzlich die Verbesserung oder

zumindest der Erhalt der posturalen

Stabilität (Halte- und Stellrefl exe) ein

wichtiger therapeutischer Auftrag

sein. Außerdem sind Sturzprophylaxe

und Aufstehtraining sehr hilfreich. Hier

kommen unterschiedliche Techniken

zum Einsatz.

Diese Therapien, rechtzeitig eingesetzt,

vermitteln dem Patienten das

Gefühl, aktiv etwas gegen die zunehmende

Bewegungseinschränkungen

und damit den Verlust von Alltagskompetenz

tun zu können.

Aber nicht nur therapeutisch begleitete

Therapien können positive Effekte

erzielen. So verbessert 3x 30-45 Minuten

pro Woche Ausdauertraining auf

einem Hometrainer über 6 Monate die

Beweglichkeit von Parkinsonpatienten

im Off (5).

Insgesamt kann man jedoch festhalten,

dass jeder Parkinsonpatient mit

seinem spezifi schen Defi zit auch spezifi

sche Wünsche an die Therapie hat.

Das Störungsmuster der verschiedenen

Patienten erscheint auf den ersten

Blick ähnlich, die Bedürfnisse, die

daraus für den einzelnen erwachsen,

sind jedoch oft sehr unterschiedlich.

Deshalb ist es sehr wichtig, dass die

Therapeuten/Innen aus dem ihnen zur

Verfügung stehenden großen Portfolio

an Therapiemöglichkeiten die geeigneten

auswählen, um den einzelnen

Patienten individuell unterstützen zu

können.

Um dem Rechnung zu tragen, haben

wir im SRH-Gesundheitszentrum Dobel

eine eigene Therapieform entwickelt,

die genau die individuellen Bedürfnisse

und die dynamisch sich verändernden

Fähigkeiten im Rahmen der

Therapie berücksichtigt. Die DSI®-Therapie

(Dynamisch Symptomorientierte

Individualtherapie) ist für alle motorischen

Störungen auf dem Boden einer

zentralnervösen Schädigung geeignet.

Sie orientiert sich ausschließlich an

den Grundprinzipien des motorischen

Lernens. Neben den oben genannten

nichtmedikamentösen Therapieverfahren,

und den bekannten medikamentösen

Therapien bedienen wir

auch die Medikamenten-Pumpensysteme

(Levodopa, Apomorphin)

und sind in der Lage, alle gängigen

Stimulationssysteme im Rahmen der

TiefeHirnStimulation (THS) zu programmieren.

Zusammengefasst kann man sagen,

dass nach heutigem Wissensstand

die aktive Bewegung im Alltag eines

Parkinsonpatienten eine zentrale

Rolle für das Wohlbefi nden und damit

auch für die Kompetenz zur Teilhabe

darstellt. Jeder Parkinsonpatient sollte

dies verinnerlichen und seinen Alltag

entsprechend „bewegt“ gestalten.

Prof. Dr. Werner Nickels

Chefarzt Neurologie

SRH Gesundheitszentrum Dobel

Literatur:

DGN Leitlinie Idiopathisches Parkinsonsyndrom, S3_Leitlinie

vom 01.01.2016

Rehabilitation von sensomotorischen Störungen; S2k-Leitlinie

vom 06.11.2017

Christian Duval, Journal of Parkinson‘s disease 2016; doi:

10.3233/JPD-160790

Ceballos-Baumann A. O. et al: Aktivierende Therapien

bei Parkinsonsyndrom ; Nervenheilkunde 2018; 37:264-271

Van der Kolk NM, de Vries NM,. Kessels RPC et al. Effectiveness

of home-based an remotely supervised aerobic

exercise in Parkinson‘s disease: a double-blind, randomised

contolled trial. Lancet Neurol 2019; 18:998-1008

Neurochirurgische

THS-Telefonberatung

mit Dr. Donatus Cyron

Seit Januar 2020 berät der Facharzt für Neurochirurgie,

Dr. Donatus Cyron, interessierte Mitglieder der

dPV rund um das Thema Tiefe Hirnstimulation (THS).

Am Telefon beantwortet der Karlsruher Experte für

die Einstellung der Tiefen Hirnstimulation Ihre Fragen

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Tel. 0174 - 85 97 993

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zweiten Donnerstag im Monat von 13.30 bis 14.30 Uhr erreichbar.


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sind bei Ganzkörper-MRTs bedingt MR-sicher. Eine MRT Untersuchung kann sicher durchgeführt werden, wenn alle Anweisungen

im ergänzenden Handbuch ImageReady MRT Richtlinien für DBS-Systeme von Boston Scientific befolgt werden.

Alle genannten Marken sind Eigentum der jeweiligen Inhaber. VORSICHT: Diese Produkte dürfen von Gesetzes wegen nur von einem

Arzt oder auf Anweisung eines Arztes verkauft werden. Indikationen, Kontraindikationen, Warnhinweise und Gebrauchsanweisungen

sind der dem Produkt beiliegenden Packungsbeilage zu entnehmen. Gebrauchshinweise nur für Länder mit Produktregistrierung

bei den entsprechenden Gesundheitsbehörden. Produkt nur im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) erhältlich.

Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrem örtlichen Vertriebsmitarbeiter oder Kundendienst.

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18

THS - Parkinson – eine Erkrankung des älteren Menschen?!

Parkinson – eine Erkrankung des älteren Menschen?!

Behandlungsmöglichkeiten für junge Parkinsonpatienten

Im ersten Moment mag man bei

Parkinsonpatienten an ältere Menschen

denken und in der Tat treten

bei den meisten Patienten die ersten

Symptome zwischen dem 50.

und dem 60. Lebensjahr auf. Deutschlandweit

gibt es ca. 300.000 Parkinsonpatienten.

Bei rund 10% der Betroffenen

beginnt die Krankheit vor dem 40.

Lebensjahr.

Dr. Ralph Lehrke, Chefarzt der Klinik

für Stereotaktische Neurochirurgie an

der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen,

betreut viele jüngere Patienten und

beantwortet im Interview häufi ge

Fragen seiner Patienten.

Dr. Ralph Lehrke / Bild: Sabrina Feige

Wie unterscheidet sich die Parkinson-Erkrankung

bei jüngeren und älteren

Patienten?

Dr. Lehrke: Jüngere Patienten sind

häufi g länger als 10 Jahre, vorwiegend

rein motorisch, betroffen. Das bedeutet,

dass bei ihnen Symptome wie Steifi

gkeit oder Verlangsamung der Bewegungen

die Krankheit bestimmen und

dadurch die Lebensqualität erheblich

einschränken.

Für welche Patienten ist die Tiefe Hirnstimulation

eine Behandlungsoption?

Dr. Lehrke: Es gibt Patienten, die

stark unter den Nebenwirkungen der

Parkinson-Medikamente leiden. Oder

die mit einem ständigen Auf und Ab

hinsichtlich der Wirksamkeit der Medikamente

zu kämpfen haben. Für diese

Patienten stellt die Tiefe Hirnstimulation

eine gute Behandlungsalternative dar.

Meist können dann die Medikamente

erheblich reduziert werden. Gute

Erfolge zeigen sich durch die Operation

auch bei Patienten, die unter starkem

Zittern leiden. Das gilt auch für

ältere Patienten.

Welche vorbereitenden Untersuchungen

sind für eine Tiefe Hirnstimulation

notwendig?

Dr. Lehrke: Zunächst ist ein ausführliches

Gespräch zur genauen Erhebung

der Krankengeschichte wichtig, um zu

wissen, welche Symptome die Erkrankung

vorrangig bestimmen. Wichtig

ist für uns auch, welche Therapiemöglichkeiten

bereits ausgeschöpft sind

und welche Effekte die verschiedenen

Medikamente bei den Patienten

erreicht haben. Zusätzlich werden in

CT- und MRT-Untersuchungen detaillierte

Schichtaufnahmen gemacht,

anhand deren geplant wird, wo die

Elektroden im Hirn platziert werden,

um eine bestmögliche Wirkung zu

entfalten.

Was passiert bei der Operation?

Dr. Lehrke: Die Patienten erhalten

zunächst ein leichtes Narkose-Medikament.

Während des kurzen Schlafes

wird ein Ring am Kopf befestigt, der

wichtig ist, um die richtige Präzision

gewährleisten zu können. Wie vorher

durch die Schichtaufnahmen festgelegt,

führen wir dann über einen kleinen

Eintrittspunkt Elektroden in das

Gehirn ein. Kurz bevor der Zielpunkt

der Elektrode erreicht ist, wird im

wachen Zustand die Wirkung der Elektrode

getestet. Dieser Schritt zeigt, wie

gut die Krankheitssymptome durch die

Neurostimulation unterdrückt werden

und welche Nebenwirkungen ggf.

auftreten. Sind die Elektroden platziert,

werden die Patienten zurück in eine

tiefe Narkose versetzt und die Elektroden

werden mit einem Neurostimulator

verbunden, der unterhalb vom

Schlüsselbein eingesetzt wird. Über

diesen Neurostimulator erfolgt später

die Steuerung der Elektroden.

Wie geht es nach dem Eingriff weiter?

Dr. Lehrke: Nach der Operation

werden die Patienten ca. eine Woche

stationär beobachtet. Bei unkompliziertem

Verlauf wechseln sie danach

in eine Rehabilitationsbehandlung,

die zwischen zwei und vier Wochen

dauert. Dort wird der Neurostimulator

feinjustiert und die Patienten lernen,

wie sie mit der verbesserten Beweglichkeit

umgehen können. In der Regel

müssen auch die Medikamente neu

eingestellt werden. In regelmäßigen

Kontrollen in der stereotaktischen

Ambulanz wird später im Alltag sichergestellt,

dass der Neurostimulator

optimal funktioniert und den Patienten

eine bestmögliche Erleichterung

bietet.

Unterscheidet sich die Behandlungsstrategie

bei jüngeren und älteren

Patienten?

Dr. Lehrke: Je nach Symptomatik

beginnt man bei jüngeren Patienten

erst deutlich später nach Ausbruch

der Erkrankung mit der Levo-Dopa-Behandlung.

Häufi g kann man zunächst

auf Medikamente zurückgreifen, die

ähnlich wie Levo-Dopa wirken und

erzielt vergleichsweise gute Effekte.

Bei vielen jüngeren Patienten kommt

eine Tiefe Hirnstimulation bereits nach

5-6 Jahren in Betracht.

St. Barbara-Klinik Hamm GmbH

Klinik für Stereotaktische Neurochirurgie

Am Heessener Wald 1 | 59073 Hamm

Tel. 02381 681-1520

www.barbaraklinik.de

stereotaxie@barbaraklinik.de

St. Barbara-Klinik in Hamm

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Tiefe Hirnstimulation


Videodiagnose in den eigenen vier Wänden 19

Die Zukunft der Parkinson-Therapie:

Videodiagnose in den eigenen vier Wänden

Die medikamentöse Einstellung von

Menschen, die unter Morbus Parkinson

leiden, stellt Neurologen und andere

Mediziner auch heute noch vor große

Herausforderungen. Denn im Gegensatz

zu Krankheiten wie Diabetes, bei

denen der Blutzuckerwert gemessen

und entsprechend Insulin verabreicht

werden kann, ist der Dopamin-Bedarf

bei Parkinson nicht messbar, sondern

„nur“ sichtbar: Medikamente können

ausschließlich anhand auftretender

Symptome dosiert werden. Und diese

variieren nicht nur von Patient zu Patient,

sondern können sich im Laufe des

Tages auch erheblich verändern.

Das hat zur Folge, dass der klassische

„Quartalsbesuch“ beim Arzt oft nicht

ausreicht, um den Patienten medikamentös

einzustellen. Gleiches gilt

auch für Klinikaufenthalte, denn die

Zahl der Untersuchungen kann hier

aus Zeitgründen nur selten auf den

Patientenbedarf abgestimmt werden

und richtet sich zumeist nach den Visiten

der Ärzte. Genau hier setzt mvb

telemed an. Das Unternehmen hat mit

dem elektronischen Videoassistenten

„EVA“ eine smarte Lösung entwickelt,

die Medizinern und Patienten neue

Möglichkeiten eröffnet.

Das innovative System erlaubt es

dem Parkinsonpatienten, kurze Videosequenzen

seiner Beweglichkeit

aufzuzeichnen und über eine sichere

Datenverbindung an den behandelnden

Arzt zu übermitteln. Dabei sind

Aufnahmen nicht nur zu vereinbarten

Uhrzeiten möglich: bei verstärkter

Symp-tomatik oder einer akuten Verschlechterung

der Beweglichkeit kann

der Patient jederzeit Videos aufzeichnen

und sie dem behandelnden Arzt

zur Verfügung stellen.

So kann sich der Neurologe ein umfassendes

Bild vom Gesamtzustand des

Patienten machen und die Medikation

optimal anpassen. Und das ohne

zusätzliche Praxisbesuche oder längere

Krankenhausaufenthalte, denn EVA

lässt sich bequem in den eigenen vier

Wänden nutzen. Per Fernbedienung

wird der intuitiv bedienbare Videoassistent

gesteuert und führt den Patienten

mit entsprechenden Ansagen

durch die jeweilige Aufzeichnung. Dabei

werden vor der laufenden Kamera

kurze Bewegungsübungen durchgeführt,

die die Patienten bereits vom

klassischen Arztbesuch kennen. Besonders

wichtig: spezielle Datenverbindungen

sind nicht notwendig, denn

EVA verfügt über unterschiedlichste

Möglichkeiten der Übertragung.

„Unser Ziel ist es, Patienten und Medizinern

die Behandlung von Morbus

Parkinson so einfach wie möglich zu

gestalten“, erklärt Dr. Stefan Bohle,

Geschäftsführer der in Koblenz beheimateten

mvb telemed GmbH, die

seit fast 20 Jahren innovative Lösungen

zur Parkinson-Therapie entwickelt.

Damit dies gelingt, arbeitet mvb seit

geraumer Zeit mit einer Vielzahl von

spezialisierten Neurologen zusammen,

die für das Unternehmen beratend

tätig sind. Und das nicht nur bei der

Entwicklung des Videoassistenten: auf

der eigens entwickelten Ärzte-und-Patienten-Plattform

stehen sie auch dem

behandelnden Mediziner mit ihrem Expertenwissen

zur Seite und unterstützen

ihn so bei der individuellen Therapie.

„Vor allem bei Morbus Parkinson ist

das besonders wichtig“, fährt Dr. Bohle

fort, „denn die Krankheit ist extrem

komplex. Da ist es sinnvoll, wenn sich

mehrere Ärzte auf Augenhöhe austauschen.“

Die Kosten für den Videoassistenten

„EVA“ werden von einigen Krankenkassen

übernommen. Außerdem kann

das System selbstverständlich auch

von Privatpatienten oder Selbstzahlern

genutzt werden.

Kontaktieren Sie uns

Telefon: 0800 / 46 36 682

(gebührenfrei)

Mail: info@mvb-parkinson.de

Adresse: Am Berg 5

56070 Koblenz

www.mvb-telemed.de


dPV_154_Herbst V2.qxp_dPV 18.01.21 13:30 Seite 2

20

Kennenlern-Plattform für Menschen mit Parkinson

© PV productions / Shutterstock.com

M I T - P A R K I N S O N . D E

Kennenlernen & helfen

MITMACHEN &

REGISTRIEREN

www.mit-parkinson.de

+

mit-parkinson.de

Menschen zusammenbringen – so lautet

das Ziel einer neuen, kostenlosen

und digitalen Plattform, auf der sich Betroffene,

Angehörige und Parkinson-Interessierte

in einem geschützten Raum

ohne Vorbehalte über alle Themen

rund um die Krankheit untereinander

austauschen können. Gerade in Zeiten

des Social Distancing und vor dem Hintergrund

der Corona-Pandemie mit eingeschränkten

Kontaktmöglichkeiten

bietet das Internetportal unter der

Adresse www.mit-parkinson.de die

Möglichkeit, in Kontakt zu bleiben. Entwickelt

wurde die Kennenlern-Plattform

von der dPV und der Agentur

Cocomore mit Unterstützung der Techniker

Krankenkasse (TK). Die Kontaktaufnahme

erfolgt zunächst anonym. In

späteren Kennenlernphasen können

sich Teilnehmer dann auch privat und

mit Klarnamen austauschen. Inhaltlich

betreut die dPV die Plattform und beantwortet

auch die Nutzeranfragen. Die

Plattform www.mit-parkinson.de steht

ab sofort zur Verfügung. n

Sicherheit Privatsphäre Vernetzung

mit-parkinson.de ist nicht öffentlich.

Im Gegenteil: Die Nutzer der

neuen Online-Plattform bewegen

sich in einem geschützten Raum.

Um die Nutzergruppe homogen zu

halten und einen themenzentrierten

Austausch von Betroffenen,

Angehörigen und interessierten

Menschen zu ermöglichen, sind

alle Mitglieder der dPV teilnahmeberechtigt.

Interessierte Nichtmitglieder

unserer Selbsthilfegruppe

werden nach der Registrierung von

der dPV authentifiziert und vollständig

freigeschaltet. n

mit-parkinson.de ist die ideale

Plattform, um Menschen kennenzulernen:

Parkinson-Erkrankte, Angehörige

oder Interessierte finden auf

digitalem Wege zueinander. Und

das Beste daran: Sie behalten nicht

nur die volle Kontrolle über Ihre

Daten, sondern entscheiden ganz

alleine, was andere Mitglieder über

Sie erfahren dürfen. Insgesamt drei

verschiedene Vertraulichkeitsstufen

schützen Ihre Privatsphäre und bieten

Ihnen die Möglichkeit, in jedem

Einzelfall über die Nähe zu einem

Mitglied zu entscheiden. n

mit-parkinson.de bietet Ihnen ungeahnte

Möglichkeiten: Die digitale

Plattform ermöglicht Ihnen

über das Kennenlernen hinaus die

Möglichkeit, sich über Therapien,

Behandlungsmöglichkeiten, Medikamente,

Jobs oder Hobbys auszutauschen.

Bilden Sie Ihr eigenes

Parkinson-Netzwerk und lassen Sie

andere Betroffene an Ihren persönlichen

Erfahrungen teilhaben.

Gleichzeitig profitieren Sie von den

Informationen anderer Menschen

im Umgang mit ihrer Parkinson-

Erkrankung.

n

Leben mit Zukunft | Nr. 154 – 3/2020 | 2


Parkinson-Komplexbehandlung in der Passauer Wolf Fachklinik Bad Gögging 21

Parkinson-Komplexbehandlung in der Passauer Wolf

Fachklinik Bad Gögging: Spezialisierte, bewährte und

neue Behandlungsverfahren ideal kombiniert

In der 2019 neu eröffneten Passauer

Wolf Fachklinik Bad Gögging sind wir

auf die akutstationäre und rehabilitative

Behandlung von Morbus Parkinson

spezialisiert. »Wir haben uns bei diesem

Neubau die Kraft der Natur ins Haus

geholt«, erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Tobias

Wächter, Chefarzt der Neurologie

im Passauer Wolf Bad Gögging.

Sonnenlicht, viel Grün in Form von bepflanzten

Wänden oder echten Bäumen,

eine Brunnenanlage und viele

kleine Details, die die Handschrift der

Natur tragen, bestätigen das. Eine

konsequente behindertengerechte

Ausführung wurde ebenso berücksichtigt

wie Aspekte des demenzsensiblen

Designs. Kurze Wege zu den Therapien

sind sichergestellt.

Parkinson-Behandlung während der

Corona-Pandemie

Regelmäßige ärztliche Kontrollen,

Bewegungs- und Sprachtraining, gewohnte

Tagesabläufe und soziale

Kontakte sind für Erkrankte wichtige

Bestandteile des Alltags. Die Sorge sich

bei diesen Kontakten mit COVID-19 zu

infizieren, ist bei vielen Parkinson-Patienten

präsent. Eine Unterbrechung

der Therapie kann den Verlauf der

Erkrankung jedoch negativ beeinflussen.

Im Neurologischen Zentrum für

Bewegungsstörungen in der Passauer

Wolf Fachklinik Bad Gögging haben

wir unsere Infrastruktur so angepasst,

dass eine effektive Therapie in einem

Umfeld mit maximaler Sicherheit erfolgen

kann. Das etablierte Hygiene- und

Schutzkonzept wird dynamisch an alle

Infektionslagen adaptiert.

Multimodal in der Akutphase

– und darüber hinaus

Das Team unter der Leitung von Priv.-

Doz. Dr. med. Tobias Wächter setzt

auf wissenschaftlich fundierte Behandlungsverfahren.

Die multimodale

Komplexbehandlung ermöglicht es,

medikamentös-therapeutische und

nicht-medikamentöse Behandlungskonzepte

miteinander zu kombinieren.

Um modernste Therapien anbieten

zu können, beteiligt sich der Passauer

Wolf Bad Gögging an wissenschaftlichen

Projekten, insbesondere mit dem

Ziel, die Behandlungsmöglichkeiten

bei Morbus Parkinson für die Patienten

zu verbessern. Dabei haben wir auch

die Zeit nach der Akut- oder Rehabilitationsphase

im Blick. Beispielsweise

entwickeln wir gemeinsam mit dem

Fraunhofer-Institut in Berlin ein Computerprogramm,

welches das Training

zu Hause erleichtert. Parkinson-Patienten

können damit Bewegungselemente

aus der LSVT-BIG-Therapie®

- einem wissenschaftlich etablierten

Priv.-Doz. Dr. med. Tobias Wächter

Chefarzt Neurologie

Passauer Wolf Bad Gögging

Konzept – selbständig, aber kontrolliert,

am Computer durchführen. Darüber

hinaus steigert der hochmoderne

Gangtrainer »Lyra« die Chancen Betroffener,

die Gehfähigkeit wieder zu

erlangen oder zu verbessern.

Voraussetzung für die Aufnahme zur

Parkinson-Komplexbehandlung

Für die Aufnahme zur Akutbehandlung

in unserem Neurologischen Zentrum

für Bewegungsstörungen ist eine Krankenhauseinweisung

des Haus- oder

Facharztes für gesetzlich Versicherte

Voraussetzung. Privatversicherten Patienten

empfehlen wir, wie bei jeder

akutstationären Aufnahme, die Kostenübernahme

ggf. mit der Krankenkasse

im Vorfeld zu klären.

NEUROLOGISCHE AKUTBEHANDLUNG

NEUROLOGISCHE REHABILITATION

Neurologische Akutbehandlung und Rehabilitation

bei Morbus Parkinson

Mehr Lebenskraft !

Im Neurologischen Zentrum für Bewegungsstörungen in der Passauer Wolf Fachklinik

Bad Gögging sind wir auf die Behandlung von Patienten mit Morbus Parkinson spezialisiert.

Die Parkinson-Komplexbehandlung ermöglicht in der Akutphase eine individuell

auf die Beschwerden abgestimmte Therapie. Bei Bedarf kann im Anschluss direkt eine

rehabilitative Weiterbehandlung erfolgen. Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte verfügen

über spezielle Zusatzausbildungen und Qualifikationen. Mehr dazu erfahren Sie

online und im persönlichen Gespräch. Wir beraten Sie gerne.

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22

Die Neurologische Klinik Sorpesee

Neurologische Klinik Sorpesee: Zertifizierte Parkinson-Spezialklinik im Sauerland

Weiterbehandlung nach Krankenhausaufenthalt

Egal ob ein komplizierter Bruch, der Einsatz eines neuen

Hüftgelenkes oder ein Bandscheibenvorfall: größere Operationen

oder Unfälle bedeuten fast immer einen längeren

Krankenhausaufenthalt. In vielen Fällen folgt im Anschluss

noch eine mehrwöchige Reha. Für die meisten Patienten

ist diese eher unschöne Zeit im Anschluss aber schnell

wieder vergessen und der Alltag hält Einzug.

Dies sieht bei vielen Parkinson-Patienten ganz anders aus.

Für sie bedeutet ein Krankenhausaufenthalt oftmals eine

große Herausforderung. Von der anschließenden Reha ganz

zu schweigen. Schließlich sind die wenigsten Allgemeinkrankenhäuser

und Reha-Einrichtungen auf die besonderen

Bedürfnisse von Parkinson-Patienten vorbereitet.

Häufig wird nicht ausreichend auf die Medikation geachtet

oder es gibt keinen Facharzt der die Parkinsonmedikamente

wieder richtig einstellen kann.

Als Fachkrankenhaus tritt die Neurologische Klinik Sorpesee

diesem Problem entgegen und bietet eine spezielle

Parkinson-Komplexbehandlung an. Damit werden Parkinson-Patienten

nach Operationen oder anderen akuten

Ereignissen optimal weiterbehandelt. „Bereits wenige Tage

nach einer OP kann ein Patient in unsere Klinik verlegt

werden“, erklärt Dr. Özkan Günes, Neurologe und leitender

Oberarzt der Klinik. „Ein Rehaantrag ist hierzu nicht

notwendig. Es kann problemlos eine Verlegung über den

Sozialdienst eingeleitet werden.“ Die Neurologische Klinik

Sorpesee ist zertifizierte Parkinson-Spezialklinik und erfüllt

alle Behandlungsvoraussetzungen nach den Richtlinien der

Deutschen Parkinson Vereinigung e.V. (dPV).

Multimodale Komplexbehandlung –

mehr als Medikamente

Die Parkinsonkomplexbehandlung ist für den Patienten

deutlich vorteilhafter als es beispielweise eine orthopädische

Reha sein kann, da sie eine Kombination aus fachärztlicher

und therapeutischer Behandlung darstellt. Der

Neurologischen Klinik Sorpesee stehen neben Fachärzten

für Neurologie und Schmerzmedizin auch zwei Fachärzte


Die Neurologische Klinik Sorpesee 23


24

Parkinson-Komplexbehandlung

Parkinson-Komplexbehandlung

„Qualität ist nicht, wenn man Kriterien erfüllt, sondern diese bietet“

Über die multimodale Parkinson-Komplexbehandlung

im Zentrum für Parkinsontherapie

der Klinik für Neurologie

am Alexianer St. Joseph-Krankenhaus

Berlin-Weißensee berichtet Chefarzt

Prof. Dr. med. Thomas Müller:

Was versteht man unter einer

Parkinson-Komplexbehandlung?

„Die Parkinson-Komplextherapie ist ein

stationäres Behandlungskonzept, das

auf mindestens 14 Tage angelegt ist,

häufig aber länger läuft. Sie beinhaltet

auch aktivierende Therapien mit

mindestens siebeneinhalb Stunden

pro Woche. Über dieses Limit gehen

wir hinaus, um in Ergänzung zur Optimierung

der medikamentösen Einstellung,

das Beste für den Patienten

herauszuholen. Jeder Patient erhält

eine dem Verlauf der Erkrankung entsprechende

und an seine Bedürfnisse

angepasste Therapie. Standardisierte

Vorgaben, wie beispielsweise Leitlinien

zur Therapie der idiopathischen, sehr

heterogenen Parkinson-Krankheit, sind

für dieses personalisierte Therapiekonzept

kontraproduktiv.

Für welche Patienten ist eine

Komplexbehandlung sinnvoll?

„Je weiter fortgeschritten die Erkrankung

ist, desto effektiver wirkt die Parkinson-Komplexbehandlung.

Für den

Zeitraum des stationären Aufenthalts

werden zudem pflegende Angehörige

entlastet. Aber auch für Patienten,

bei denen erst kürzlich Parkinson diagnostiziert

wurde, ist sie sinnvoll, denn

gerade zu Beginn der Erkrankung benötigen

diese Patienten häufig psychotherapeutische

Begleitung durch

erfahrene Fachärzte.“

Nach welchen Kriterien wird das

individuelle Therapieziel festgelegt?

„Wir verfügen über erfahrene Teams in

den einzelnen Fachbereichen, so dass

persönliche Problemfelder der Patienten

rasch erkannt werden. In unseren

regelmäßigen, fachübergreifenden

Besprechungen legen wir die bestmögliche,

individuelle Therapie fest,

um für unsere Patienten die optimale

Lebensqualität zu erreichen.“

Basiert die Parkinson-

Komplextherapie auf Einzeloder

Gruppentherapien?

„Logopädie, Ergotherapie,

„BIG Training“,

Sporttherapie, Bogenschießen

und Physiotherapie

finden als

Einzeltherapie komplementiert

durch Angebote

in Gruppentherapie

statt. Weitere

aktivierende Programme

wie beispielsweise

Yoga, Tanzen oder Tai

Chi finden meist in der

Gruppe statt.“

Wie gut bekommen Sie

die Symptome innerhalb

weniger Wochen

in den Griff?

„Parkinson äußert sich

nicht nur in den nach

außen sichtbaren motorischen

Störungen.

Eine ganzheitliche

Betrachtung ist wichtig.

Die motorischen

Symptome kann man

durch die optimale

Einstellung der Parkinsonmedikamente

gut in

den Griff bekommen.

Aufgrund der Schwere der Erkrankung

leiden viele Patienten auch unter nicht

nichtmotorischen Symptomen, wie

zum Beispiel Depressionen oder Angststörungen.

Diese müssen erkannt und

behandelt werden.

Wie sind die Erfolgsaussichten der

Parkinson-Komplextherapie?

Prof. Müller: „Die Parkinson-Komplexbehandlung

hat eine erfreulich hohe

Ansprechrate. Erfahrung ist eines der

entscheidenden Kriterien für den Erfolg.

In unserer Klinik setzen wir nur

Originalpräparate zur medikamentösen

Parkinsontherapie ein – keine Generika.

Zwar haben diese denselben

Wirkstoff, aber die Zubereitung, zum

Beispiel die Freisetzung im Körper, ist

schlechter und anders, so dass andere

Wirkspiegel im Vergleich zu den

Originalpräparaten entstehen. Ein oft

in Apotheken durchgeführter, unbedachter

Wechsel zu Generika unter

dem Gebot der Wirtschaftlichkeit kann

den Erfolg einer Komplexbehandlung

schnell zunichte machen. Hier muss

zukünftig ambulante Versorgung und

Pflege im gesundheitspolitischen Bereich

noch einiges verbessern, damit

Therapieerfolge möglichst lange erhalten

bleiben. Um die Lebensqualität

der Parkinson-Erkrankten immer

wieder anzuheben und ihre Angehörigen

zu entlasten, kann und sollte die

Komplexbehandlung regelmäßig wiederholt

werden. Ein Limit für die Anzahl

der Parkinson-Komplextherapien gibt

es nicht.“

Weiterführende Literatur:

Müller T, Öhm G, Eilert K, Möhr K, Rotter S,

Haas T, Küchler M, Lütge S, Marg M, Rothe

H. Benefit on motor and non-motor behavior

in a specialized unit for Parkinson‘s

disease. J Neural Transm (Vienna). 2017

Jun;124(6):715-720

Müller T. Medikamentöse Therapie des Morbus

Parkinson 2020. 6. Auflage UNI-MED

Kontakt

Alexianer St. Joseph-Krankenhaus

Berlin-Weißensee

Klinik für Neurologie

Prof. Dr. med. Thomas Müller

Telefon: 030 92790-301

Fax: 030 92790-703

E-Mail: th.mueller@alexianer.de

Foto: Heymach


Alexianer Klinik Bosse Wittenberg – Zehn Jahre Parkinsonfachklinik 25

Alexianer Klinik Bosse Wittenberg

Zehn Jahre Parkinsonfachklinik

Die Alexianer Klinik Bosse Wittenberg

ist seit 2010 eine von der Deutschen

Parkinson Vereinigung e. V. (dPV) zertifizierte

Fachklinik für Parkinson und Bewegungsstörungen

mit überregionaler

Bedeutung. Die Klinik befindet sich in

der durch die Reformation bekannten

Lutherstadt Wittenberg, im Osten

Sachsen-Anhalts, mit guter ICE- und

Straßenanbindung.

Die Parkinsonfachklinik ist ein in sich

abgeschlossener Bereich innerhalb

der Klinik für Neurologie, die wiederum

das gesamte Spektrum neurologischer

Erkrankungen diagnostiziert und therapiert,

wovon auch unsere Parkinsonpatienten

profitieren.

So verfügt die Klinik über 24 Stunden,

an allen Werktagen der Woche, Zugang

zur bildgebenden Diagnostik

und betreibt gemeinsam mit der Klinik

für Innere Medizin der Paul-Gerhardt-Diakonie

eine Schlaganfallstation.

Parkinsonpatienten erhalten eine optimal

auf sie abgestimmte Behandlung.

Parkinson und andere Bewegungsstörungen

sind chronische Erkrankungen,

die einer jahrzehntelangen komplexen

Therapie bedürfen. Oft lässt sich erst

über einen längeren Zeitraum hinweg

beurteilen, ob medikamentöse Therapien

wirksam sind und welche Komplikationen

auftreten.

Ein umfassendes regionales und überregionales

Netzwerk nutzt den spezifischen

Bedürfnissen unserer Parkinsonpatienten.

Diesen gehören neben

ambulant tätigen Neurologen auch

Universitätskliniken und zahlreiche

Selbsthilfegruppen an.

Bei komplizierten diagnostischen Fragestellungen

sind eine Diagnoseüberprüfung,

eine Differentialdiagnostik

und ein guter Kontakt zu den kooperierenden

Universitätskliniken hilfreich.

So können therapie- und prognoseentscheidende

Untersuchungen zeitnah

durchgeführt werden.

Über die Selbsthilfegruppen erfahren

die Ärzte von den Alltagsproblemen

der Patienten. Die Betroffenen können

Erfahrungen austauschen und im Rahmen

fachspezifischer Veranstaltungen

Fragen zu modernen Parkinsontherapien

und zum Klinikangebot stellen.

Seien Sie willkommen in unserer

Klinik für Neurologie,

wir stellen Sie auf den Kopf…..

Regelmäßig findet ein fachlicher

Austausch zwischen allen Netzwerkpartnern

statt. Sei es durch Angehörigensprechstunden

in unserer Klinik,

Vorträge unserer Ärzte in den Selbsthilfegruppen,

Fachvorträge für Ärzte,

Pflegende und Therapeuten oder als

Höhepunkt sei der (alle zwei Jahre

stattfindende) Parkinsontag in unserer

Klinik mit über 200 Gästen genannt.

Manchmal zeigt ein kurzer Anruf beim

ambulanten Neurologen, ob zum Beispiel

eine „Tiefenhirnstimulation“ oder

der „Einbau“ einer Medikamentenpumpe

durch uns gewünscht wird

oder nicht.

Unsere Klinik behandelt alle Formen

der Parkinsonerkrankung, sei es der

idiopathische Morbus Parkinson oder

atypische Parkinsonsyndrome, sei

es eine begleitende Demenz oder

schmerzbedingte Gehbehinderungen,

die unseren Patienten die Mobilisierung

zusätzlich erschweren.

Im Rahmen der Parkinsonkomplexbehandlung

wird jeder mobilisierbare

Patient intensiv physiotherapeutisch,

zum Beispiel auch im Rahmen der

„BIG-Therapie“, ergotherapeutisch,

künstlerisch und logopädisch, zum Beispiel

nach „Silverman Voice“ einzeln

und in Gruppentherapien beübt.

Wir führen eine Erstdiagnostik durch,

optimieren die Medikation während

wiederkehrender Aufenthalte und implementieren,

wenn notwendig, auch

eine Medikamentenpumpe (Apomorphin,

Duodopa, Lecigon), um unsere

Patienten optimal während ihres Aufenthaltes

bei uns zu versorgen. Gern

nehmen wir auch einen Angehörigen

mit auf und halten in der hotelartig

eingerichteten Station zahlreiche Einund

Zweibettzimmer bereit. Unsere Patienten

werden in unserem modernen

Therapiezentrum mit Bewegungsbad

behandelt. Der große Klinikgarten ist

ruhig gelegen und bietet die Möglichkeit

für angenehme Aufenthalte im

Freien und auch für die Therapie auf

der Gangstrecke.

Kontakt

Dr. med. Philipp Feige

Chefarzt der Klinik für Neurologie

Telefon: (03491) 476 571

Fax: (03491) 476 222 571

E-Mail: Sekretariat.Neurologie.KBW@

alexianer.de


26

Perioperative Vorgehensweise unter Therapie mit Apomorphin

Perioperative Vorgehensweise unter Therapie mit

Apomorphin bei M. Parkinson

Einleitung

Einige Parkinson-Patienten in fortgeschrittenen

Krankheitsstadien mit Wirkungsfluktuationen

und damit verbundenen

langen off-Phasen, welche sich

mit einer oralen oder transdermalen

Medikation nur unzureichend kontrollieren

lassen, werden zusätzlich mit

Apomorphin behan-delt. Apomorphin

wird parenteral verabreicht, also unter

Umgehung des Magen-Darm-Traktes,

da dieser bei Parkinson-Patienten sehr

verzögert arbeitet.

Ist ein operativer Eingriff erforderlich,

muss entschieden werden, ob die medikamentöse

The-rapie unterbrochen

oder fortgeführt werden kann. Bei einer

Fortführung der Medikation be-steht

möglicherweise ein erhöhtes Risiko für

Interaktionen mit den Narkosemitteln,

deren Ausmaß und Auswirkungen für

viele Substanzen bisher nicht vollständig

geklärt sind. Eine Unterbrechung

kann eine Verschlechterung der Parkinson-Symptome

zur Folge haben,

wel-che ihrerseits den postoperativen

Heilungsverlauf erschweren kann.

Die folgenden Empfehlungen zur perioperativen

Vorgehensweise unter einer

Therapie mit Apomorphin dienen

als Orientierungshilfe für eine individuelle

Handhabung, wenn ein elekti-ver

Eingriff unter einer bestehenden Therapie

erfolgen soll. Dabei wird auf die

vorhandene Literatur zu dieser Fragestellung

zurückgegriffen.

Erfolgt eine perioperative Unterbrechung

der oralen medikamentösen

Therapie wird für alle Substanzen

eine sofortige Wiederaufnahme bei

vorhandenem Schluckvermö-gen

postoperativ empfohlen.

Allgemeine Empfehlung und Risikoeinschätzung

Die perioperative medikamentöse

Therapie mit oralen Parkinson-Medikamenten

sollte nach einer individuellen

Einschätzung des Risikoprofils des

Patienten und unter Berücksichtigung

der Empfehlungen zu den einzelnen

Substanzen in den Hinweisen zur Anästhesie

bei M. Par-kinson (siehe dort)

erfolgen.

Art des Eingriffs

Idealerweise kann Apomorphin Narkose-begleitend

(intraoperativ) verabreicht

werden, da es über eine dünne

Nadel subkutan (unter die Haut)

verabreicht wird. Aufgrund seiner

geringen Bioverfügbarkeit bei oraler

Einnahme (als Tablette geschluckt),

eignet es sich nur für diese Art der Verabreichung

(parenteral) [1]. Es kann

entweder als subkutane Bolusinjektion

über einen Pen-Injektor oder als Dauerinfusion

über ein Pumpensystem verabreicht

werden [2].

Durch die Vielfalt der möglichen operativen

Eingriffe und die unterschiedlichen

Faktoren, die das Anwenden

von Apomorphin über einen Pen oder

eine Pumpe beeinflussen, ist jedoch

eine Risikoeinschätzung vorzunehmen.

So ist zum Beispiel die Lokalisation der

Operation eine Einflussgröße. Handelt

es sich um eine Katarakt-Operation

(grauer Star), kann die Apomorphin-Therapie

unverändert weitergeführt

werden. Liegt die Operation

dagegen im Infusionsgebiet der Nadel

(Pumpensystem), muss diese entweder

versetzt werden oder es erfolgt

intraoperativ ersatzweise eine subkutane

Injektionsbehandlung mit Apomorphin

über einen Pen. In diesem

Fall sollte der Pen alternativ am Oberschenkel

(Außenseite) zur An-wendung

kommen (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1:

mögliche Einstichstellen für die subkutane

Gabe von Apomorphin [3]

Besonderheiten von Apomorphin

Die Wirkung von Apomorphin auf die

Beweglichkeit ähnelt der von L-DOPA,

im Unterschied dazu ist sie jedoch unabhängig

von der Magenfunktion und

seine Wirkung tritt wesentlich schneller

ein (nach ca. 2 – 16 Minuten). Allerdings

hält diese nur 45 bis 60 Minuten

an [4]. Die Halbwertszeit von Apomorphin

beträgt 45 Minuten, und das Minimum,

die empfohlene kür-zeste Zeit

zwischen den Injektionen beträgt 60

Minuten. Wird während der Operation

auf die orale Parkinson-Medikation

verzichtet, kann die nötige Apomorphindosis

wie folgte berechnet werden:

die Levodopa-Äquivalenzdosis

soll durch 240 geteilt werden, um die

mg-Dosierung von Apomorphin/h zu

erhalten [5]. Idealerweise wird dafür

ein Neurologe hinzugezogen, da die

nötige Apomorphin-Dosis hohe interindividuelle

Unterschiede aufweist. Meist

wird man mit 20 – 40 mg/Tag ausreichend

hoch dosieren, maximal 10 mg

pro Bolus [5]. Eine Maximaldosis voll

100 mg pro Tag sollte laut Fachinformation

nicht überschritten werden [6].

Apomorphin über Pen:

Bolus Dosis von 1 – 10 mg Apomorphin,

Auswahl vor Injektion nach Größe, Gewicht

und dopaminerger Vorstimulation.

Beispiel: intraoperativ regelmäßige

subkutane Injektionen von 2 – 4 mg aller

3 Stunden.

Apomorphin über Pumpe:

Besteht bereits eine Apomorphin-Infusionstherapie

über ein Pumpensystem,

kann diese nach Kontrolle der Nadellage

fortgeführt werden, eventuell

muss die Flussrate angepasst werden,

um die fehlende orale dopaminerge

Therapie zu ersetzen.

Auch eine Neuanlage einer bisher

nicht genutzten Pumpe als vorübergehender

Ersatz der oralen Medikation

ist möglich. Diese sollte bereits 1 - 2

Tage präoperativ angelegt werden.

Die Flussrate richtet sich nach der zu

ersetzenden dopaminergen oralen

Medikation und liegt zwi-schen 0,1 –

15 mg/Stunde, mögliche Bolusgaben

sind von 1 – 10 mg möglich.

Beispiel: Flussrate 1 – 4 mg/h, Bolus 3

mg.


Perioperative Vorgehensweise unter Therapie mit Apomorphin 27

Welche Medikamente dürfen nicht

gemeinsam mit Apomorphin verabreicht

werden?

Verboten ist die gemeinsame Gabe

mit Dopamin-Gegenspielern (Antagonisten),

wie z. B. Metoclopramid (MCP)

oder Phenothiazine, z.B. Prochloperazin.

Auch die Kombination mit dem

Serotonin-Rezeptor-Antagonisten Ondansetron

ist kontraindiziert, weil es

aufgrund von Wechselwirkungen zu

starkem Blutdruckabfall und Bewusstseinsverlust

kommen kann [7]. Allerdings

verbieten sich diese Medikamente

ohnehin bereits aufgrund der

Grunderkrankung M. Parkinson.

Gegen periphere dopaminerge Nebenwirkungen

oder postoperative

Übelkeit bei Gastropare-se kann Domperidon

unter EKG-Überwachung

(QT-Zeit) zum Einsatz kommen (10 –

20 mg dreimal täglich bzw. prä- und

postoperativ). Die Gabe von Metoclopramid

ist bei Parkinson-Patienten kontraindiziert.

Zusammenfassung

Der perioperative Einsatz von Apomorphin

kann zu einer Verbesserung der

Symptomkontrol-le bei Patienten mit

Parkinson-Syndromen führen. In einigen

Zentren wird diese Therapie bereits

genutzt und wurde in den dortigen

präoperativen Leitlinien eingefügt

[8, 9].

Da jedoch nur wenige Daten mit ausreichend

hoher Evidenz vorliegen, ist

die vorliegende Empfehlung als hinweisgebend

einzuordnen, es ist stets

eine individuelle Risikoeinschätzung

vorzunehmen.

Literatur:

1. Aschenberg S, Barbe M. Apomorphin-Pumpen-Therapie.

In: Fink, Gereon R. et al.:

2018 SOPs Neurologie, III SOPs bei Langzeittherapien.

DOI: 10.1055/b-0038-164108

2. Hilker R, Sixel-Döring F. Erfahrungen

zum perioperativen Einsatz von Apomorphin bei

Patienten mit idiopathischem Parkinsonsyndrom.

Akt Neurol 2011; 38, S1: S43–S45. DOI: http://

dx.doi.org/10.1055/s-0030-1265969

3. Licher MT, persönliche Mitteilung, August

2020.

4. Deleu D, Hanssens Y, Northway MG.

Subcutaneous apomorphine. An evidence-based

review of its use in Parkinson´s disease. Drugs

Aging 2004; 21: 687–709.

5. Reichmann H. Perioperatives Management

von Parkinson-Patienten. Fortschr Neurol

Psychiatr 2016; 84: 14–17. DOI: http://dx.doi.org/10.1055/s-0042-102454

6. Fachinformation Dacepton, Lichter

MT, Juli 2016

7. Zimmermann L. Ondansetron: Kontraindikationen

und Wechselwirkungen bei

gleich-zeitiger Anwendung mit Apomorphin.

BfArM 30.10.2015. Risikobewertungsverfahren. Bescheid

im nationalen Stufenplanverfahren.

https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RV_STP/m-r/ondansetron.html

8. Schlesinger I, Erikh I, Zaaroor M. Dopamine

agonist withdrawal syndrome: the apo-morphine

solution. Arch Neurol. 2010;67(9):1155–6.

https://doi.org/10.1001/archneurol.2010.220.

9. Slotty PJ, Wille C, Kinfe TM, Vesper J.

Continuous perioperative apomorphine in deep

brain stimulation surgery for Parkinson’s disease.

Br J Neurosurg. 2014;28(3):378–82.

Dr. med. Ilona Csoti

Ärztliche Direktorin

FÄ f. Neurologie & Psychiatrie Master

of Science Geriatrie GERTRUDISKLINIK

BISKIRCHEN

Karl-Ferdinand-Broll-Str. 2-4

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logopädisches Stimm-, Sprech- und Schlucktraining, Krankengymnastik, balneophysikalische Maßnahmen)

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28

Parkinson und Arbeitswelt e. V.

PARKINSON UND ARBEITSWELT E. V. – EIN PRAXISBEISPIEL

„Parkinson und Arbeitswelt“ – Der Film mit Jens

Burfeind

Die Idee ...

Wie kommt man eigentlich auf die

Idee einen Film über Parkinson und

die Arbeitswelt zu drehen? Welche

Intensionen stecken dahinter und wer

sind die Macher? ... Die Idee kam in

Gesprächen mit Betroffenen, ihrer

Verzweifl ung, was geschieht ... nach

der Diagnose ... durch eigene Erfahrungen

und Ereignisse, ... durch den

Austausch mit der dPV, und durch Beobachtungen

von Situationen im normalen

Alltag, wie z.B. bei der Arbeit.

Wir stellten schnell fest, ein Film würde

für Aufklärung sorgen!

Recherche - der Film bekommt

Inhalt

Faktensammlung ... aus persönlichen

Gesprächen mit Betroffenen, mit der

Familie, mit dem Unternehmen. ...

Wie werde ich als Betroffener in der

Arbeitswelt gesehen? ... Interview mit

Mitgliedern von Selbsthilfegruppen.

Festlegen der Darsteller und des Drehortes.

Exposé

Jens Burfeind, Parkinsonbetroffener!

Keiner sollte es wahrnehmen. Er möchte

weiterhin normal am Leben teilnehmen

und erzählt zunächst nur wenigen

von seiner Diagnose. Doch es kommt

der Zeitpunkt wo sich das ZITTERN und

die STEIFHEIT nicht mehr verbergen

lassen. Angst kommt auf ... und eine

Unsumme von Fragen: warum, wie,

was, wo, wer, ...?

Dramaturgie

Jens B. hat - im Berufsleben stehend

- die schreckliche Diagnose Morbus

Parkinson erhalten. ... Weiterleben

oder sterben…? ... Trauer oder neue

Lebensaufgabe? ... Wie geht’s weiter

mit Familie, Arbeit, ... droht sozialer Abstieg?

Befl ügelt von all diesen Fragen arbeiteten

wir weiter daran den Film realisieren

zu können.

Sponsor, Hauptdarsteller, weitere Akteure

und der Drehort wurden dank

einem guten Team rasch gesucht und

gefunden. Björn Kempa von Carasana.tv

war begeistert und setzte sich

sofort ans Drehbuch.

Der Film…

Spiegel TV … ein Vorbild als Arbeitgeber.

Jens B. seit 20

Jahre im Team ... für

beide eine neue Situation

... aber: Gemeinsam

schaffen wir

das!

Jens B. zeigt in welchen

Situationen man

im Alltag zurechtkommen

muss und welche

Akteure in einem

Unternehmen informiert

werden müssen

und an einem Strang

ziehen sollten.

Wie ein Arbeitsumfeld und der Arbeitsplatz

angepasst werden kann, und

welche Hilfsmittel einem das Leben erleichtern

können.

Der Film soll zeigen, dass es sich lohnt

weiterzuleben und nicht aufzugeben.

Der offene und ehrliche Austausch

schafft Vertrauen zwischen dem AG

und dem betroffenen Mitarbeiter.

So z.B. sollte eine Verschlechterung

des Gesundheitszustandes frühzeitig

mitgeteilt werden können, um die Akteure,

wie z.B. Betriebsarzt, mit einzubeziehen,

um gemeinsam eine „optimale“

Lösung zu fi nden.

Jens Burfeind erzählt …

Es gibt selbstverständlich auch Berufsfelder,

die sich mit der Erkrankung

nicht mehr vereinbaren lassen. Hier

sind die Flexibilität und der Wille zwischen

dem AG und dem Betroffenen

gleichermaßen gefragt:

„... gibt es andere Aufgaben im Betrieb

für mich? ... kann ich an einer

anderen Stelle eingesetzt werden,

oder könn-ten HILFSMITTEL wie z.B. höhenverstellbarer

Schreibtisch, fl exible

Arbeitszeiten oder Homeoffi ce, ... usw.

meinen Arbeitsplatz noch verbessern,

sodass es weiterhin für mich möglich

ist, jeden Morgen gerne zur Arbeit zu

gehen.

Ganz wichtig sind auch die sozialen

Aspekte! Diese darf man nicht außer

Acht lassen. Die Psyche, mein Kopf

Kino, ... was wird „wer“ über mich

denken? Akzeptieren mich die Kollegen*innen?

Können sie mit dieser neuen

Situation umgehen? Jens B. zeig

uns, dass es auch möglich ist, sich dem

zu stellen und sich in den Pausen frei

von diesen Gedanken zu machen.

Hier kommt das wichtige Thema „Inklusion“

ins Spiel. Denn gemeinsam

können alle am Arbeitsleben und in

der Freizeit mit FREUDE teilnehmen.

Vor der Arbeit … nach der Arbeit

Die Familie, das soziale Umfeld, der

Sport und die Freude an schönen Dingen

sind lebensbejahende Einheiten,

und nicht nur für einen an Parkinson

Erkrankten wichtig.

Parkinson ist eine Krankheit, die nicht

mich beherrschen sollte, sondern ich

SIE! … Also steh‘ auf und tue was dafür!

Wenn du Hilfe brauchst, genier

dich nicht, hole sie dir! Denn sie steht

dir zu!

An dieser Stelle bedanken wir uns

nochmals recht herzlich für die Bereitschaft

und die großartige Umsetzung

bei Spiegel TV, ... bei Jens Burfeind, ...

bei der dPV und unserem Hauptsponsor

UCB Pharma GmbH. Ohne sie wäre

dieser Filmbeitrag niemals zustande

gekommen.

Der Verein Parkinson und Arbeitswelt

e.V. ist gerne für euch/für dich da! Wir

setzen Zeichen in der Öffentlichkeit!

Rike Sonnenschein

Vorsitzende PuA e. V.

Telefon: 06831 / 76 49 277

E-Mail: kontakt@pua-ev.de


Tremor 29

Ich zittere – habe ich einen Morbus Parkinson ?

Viele Menschen haben die Sorge, dass

ein Zittern einer Körperregion das erste

Symptom eines Morbus Parkinson sein

könnte. Schließlich wurde der Morbus

Parkinson früher auch als „Schüttellähmung“

bezeichnet. Dieser Begriff

ist aber eigentlich falsch: Denn es gibt

einerseits eine Form des Morbus Parkinson,

bei der gar kein Zittern auftritt;

andererseits gibt es zahlreiche andere

Gründe, warum ein Zittern auftreten

kann, ohne dass sich dahinter ein Morbus

Parkinson verbirgt.

Im folgenden Text soll das „Zittern“ (der

medizinische Fachbegriff ist „Tremor“)

genauer betrachtet und in seiner Bedeutung

als Symptom einer neurologischen

Erkrankung dargestellt werden.

Tremor – was bedeutet das

eigentlich ?

„Tremor“ heißt, dass eine Körperregion

unwillkürliche, regelmäßige Bewegungen

vollführt, die eine einigermaßen

gleichmäßige Geschwindigkeit und

Amplitude haben und willkürlich nicht

(oder nur kurzzeitig) unterdrückt werden

können. Ein Tremor kann die Hände

und/oder Arme, die Beine, aber

auch den Kopf, die Lippen oder die

Stimme betreffen.

Der Tremor selbst ist zunächst erst einmal

ein Symptom, d.h. eine einzelne

Krankheitserscheinung – es gilt nun im

weiteren Verlauf herauszufinden, welche

Erkrankung sich dahinter verbirgt.

Tremor: vom Symptom zur

Diagnose – eine Aufgabe für den

Neurologen

Zunächst muss eine möglichst genaue

Krankengeschichte/ Anamnese erhoben

werden, mit den Fragen, wie sich

der Tremor entwickelt hat (z.B. plötzlich

oder langsam zunehmend), welche

Körperregionen in welcher Reihenfolge

betroffen waren/ sind, ob zeitgleich

noch weitere Störungen aufgetreten

sind, ob der Tremor durch bestimmte

Bewegungen oder Körperhaltungen

verstärkbar oder unterdrückbar ist.

Ebenso muss die erfragt werden, welche

Medikamente eingenommen

werden (zahlreiche Medikamente

können z.B. als Nebenwirkung einen

Tremor verursachen) und welche

Vorerkrankungen bestehen (so können

z.B. Stoffwechselstörungen wie

eine Schilddrüsenüberfunktion einen

Tremor hervorrufen).

Manche neurologischen Tremor-Erkrankungen

haben eine genetische

Grundlage, so dass auch erfragt werden

muss, ob und wer in der blutsverwandten

Familie auch unter einem

Tremor leidet.

Nach einer solchen sorgfältigen

Anamnese muss der Tremor genau

betrachtet und beschrieben werden.

Für die Zuordnung des Tremors ist es

wichtig, ob er nur oder vorrangig in

Ruhe auftritt oder bei Halte- und Aktionsbewegungen.

Ebenso ist es wichtig

welche Körperregionen (z.B. Hände,

Arme, Beine, Kopf, Kinn, Stimme) betroffen

sind, ob er symmetrisch oder

streng einseitig ist und ob er sich im

Laufe der Zeit von einer Körperregion

auf andere „ausgebreitet“ hat.

Des weiteren muss in einer subtilen

neurologischen Untersuchung überprüft

werden ob es außer dem Tremor

noch weitere (vom Betroffenen möglicherweise

gar nicht bemerkte) neurologische

Auffälligkeiten gibt (z.B. eine

Steifigkeit bestimmter Muskelgruppen,

eine Feinmotorikstörung, Gangstörung

etc.).

Nach einer solchen sorgfältigen Erhebung

der Krankengeschichte, der Medikation

und Familienanamnese sowie

einer vollständigen neurologischen

körperlichen Untersuchung und genauen

Betrachtung und Beschreibung

des Tremors kann in den meisten Fällen

bereits eine Diagnose gestellt werden,

zumindest aber kann die zugrundeliegende

Erkrankung weiter eingegrenzt

werden.

Nur in Einzelfällen ist eine weitere

apparativ-technische Diagnostik

erforderlich, je nach Fragestellung

z.B. ein MRT des Gehirns, eine sog.

DatScan-Untersuchung und/oder eine

Tremoranalyse.

häufigste Tremorerkrankungen:

Morbus Parkinson und essentieller

Tremor

Wie bereits erwähnt gibt es zahlreiche

Ursachen für einen Tremor. Im Folgenden

sollen nun beispielhaft die zwei

häufigsten neurologischen Erkrankungen,

bei denen ein Tremor vorkommen

kann, vorgestellt und die Tremor-Arten

verglichen werden.

Tremor bei Morbus Parkinson:

Der Tremor bei einem Morbus Parkinson

beginnt in den meisten Fällen an

einer Hand, oftmals an den Fingern,

seltener auch an einem Bein. Im Laufe

von vielen Monaten kommt es zu

einer Zunahme des Tremors, der sich

dann auch auf andere Körperregionen

ausbreiten kann, aber fast immer

asymmetrisch bleibt. Typischerweise

ist es ein Tremor, der in Ruhe auftritt,

z.B., wenn die Hand beim Gehen locker

herunterhängt oder entspannt im

Schoß liegt. Bei manchen Patienten

kann aber auch zusätzlich, oft erst im

Verlauf der Zeit, ein Halte-/ Aktionstremor

hinzukommen.

Die Art des Tremors ist so typisch, dass

man anhand der Ausprägung und

Verteilung als erfahrener Neurologe

oftmals schon die Verdachtsdiagnose

„Parkinson“ treffen kann. Allerdings

gibt es bei einem Morbus Parkinson außer

einem Tremor noch weitere Symptome

wie z.B. eine Bewegungsverlangsamung

(Hypokinese) oder vermehrte

Muskelsteifikeit (Rigor), was oftmals nur

in der subtilen neurologischen Untersuchung

auffällt. Schwierig kann es sein,

wenn zu Beginn einer Parkinson-Erkrankung

ausschließlich ein Tremor vorliegt.

Dann kann das Vorliegen weiterer Parkinsontypischer

sog. nicht-motorischer

Symptome (wie z.B. eine Riechstörung

oder eine besondere Form von Schlafstörungen,

die sog. REM-Schlaf-Verhaltensstörung)

die Verdachtsdiagnose

eines Morbus Parkinson unterstützen.

Wie bereits erwähnt gibt es aber auch

Parkinson-Formen, bei denen kein Tremor

vorkommt.

essentieller Tremor:

Der essentielle Tremor beginnt in weitgehend

symmetrischer Ausprägung

an den Händen und ist – anders als

der Parkinson-Tremor – üblicherweise

ein Halte- und Aktionstremor, der

also die zielgerichteten Bewegungen

erheblich stören kann. Im Verlauf der

Erkrankung wird der Tremor typischerweise

stärker, er kann sich auf andere

Körperregionen wie z.B. Kopf, Beine

und auch die Stimme ausbreiten, und

es kann ein Ruhetremor hinzukommen.

Ein essentieller Tremor kann sich bereits


30

Tremor

im Jugend- oder jungen

Erwachsenenalter manifestieren

und zeigt dann meist

eine familiäre Häufung; ein

zweiter Altersgipfel liegt im

späten Erwachsenenalter.

Bei manchen Betroffenen

spricht der Tremor gut auf

eine geringe Menge Alkoholkonsum

an (was natürlich

nicht als Therapie genutzt

werden soll).

Trotz mancher Unterschiede

(siehe Tabelle) gibt es auch

eine Reihe von Gemeinsamkeiten

zwischen Parkinson-Tremor

und essentiellem

Tremor: Bei beiden Erkrankungen

nimmt das Zittern bei

Streß oder Aufregung – wie eigentlich

jede Form von Tremor – vorübergehend

zu. Beide Störungen beginnen

schleichend und verschlimmern sich

im Laufe von Jahren. Bei beiden Erkrankungen

kann im Verlauf die Kombination

eines Ruhe- mit einem Halte-/

Aktionstremor vorliegen. Somit kann es

in Einzelfällen erforderlich sein, auch,

um ggf. noch andere, seltenere Tremorerkrankungen

abzugrenzen, technische

Untersuchungen zur Diagnosefindung

einzusetzen. Beispielhaft sei

hier die DatScan-Untersuchung erläutert:

die Dopamin-Produktion im Gehirn

verringert ist. Beim Morbus Parkinson ist

das der Fall, beim essentiellen Tremor

hingegen ist der DatScan® unauffällig

(siehe Bild).

Therapieprinzipien:

Die Zuordnung des Symptoms „Tremor“

zu einem bestimmten Krankheitsbild

ist auch deshalb von Bedeutung,

weil die Therapie von der zugrundeliegenden

Krankheit abhängt. Allerdings

lässt sich ein Tremor, der durch

eine Erkrankung wie Morbus Parkinson

oder essentiellem Tremor ausgelöst

wird, nicht wirklich heilen; durch eine

Therapie (die dauerhaft

erfolgen muss) kann das

Ausmaß des Tremors aber

gelindert werden.

Tabelle: Gegenüberstellung von Parkinson-Tremor und essentiellem Tremor

Zusammengefasst ist der „Tremor“

zunächst einmal nur ein Symptom.

Durch genaue Analyse des Tremors,

eine neurologische Untersuchung und

detaillierte Erhebung der Krankengeschichte

kann der erfahrene Neurologe

oft bereits eine wahrscheinliche

Diagnose stellen, die dann im Einzelfall

mittels weiterer technischer Untersuchungen

bestätigt werden kann. Die

symptomatische Behandlung richtet

sich nach der zugrundeliegenden Erkrankung,

dem individuellen Ausmaß

der Beschwerden und der daraus resultierenden

Behinderung sowie nach

der Verträglichkeit der Therapie.

DatScan®:

Dabei handelt es sich um eine nuklearnedizinische

Untersuchung, bei der

dem Patienten ein ganz leicht radioaktiv

markierter Stoff gespritzt wird,

der sich (vereinfacht ausgedrückt)

vorübergehend an den Strukturen im

Gehirn anlagert, die an der Produktion

des chemischen Botenstoffes Dopamin

beteiligt sind. Mit einer sog. Gammakamera,

die dann um den Kopf

fährt, kann die Verteilung des Stoffes

im Gehirn erkannt werden, und man

kann Rückschlüsse darauf ziehen, ob

Bild: DatScan®-Untersuchung

So wird der Parkinson-Tremor

(wie auch die anderen

motorischen Symptome

des Morbus Parkinson)

üblicherweise mit dopaminartig

wirkenden Medikamenten

behandelt. Erwähnenswert

ist, dass der

Parkinson-Tremor manchmal

nur schlecht auf diese

Medikation anspricht.

Im Gegensatz dazu wird

der essentielle Tremor mit

anderen Medikamenten behandelt

(z.B. einem Beta-Blocker). Wenn die

eingesetzte Medikation nicht den gewünschten

Effekt erbringt oder ihr Einsatz

durch Nebenwirkungen limitiert ist,

kann auch eine Tiefe Hirnstimulation

zur Behandlung eines behindernden

Tremors eingesetzt werden.

Priv.-Doz.

Dr. Sabine Skodda

Ltd. Oberärztin

Neurologische Klinik /

Universitätsklinikum

Knappschaftskrankenhaus Bochum

Hinweis:

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird

im Text auf die gleichzeitige Verwendung

weiblicher und männlicher Sprachformen

verzichtet und das generische Maskulinum

verwendet. Sämtliche Personenbezeichnungen

gelten gleichermaßen für beide

Geschlechter.


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32

Die D-mine® Pumpe

Kontinuierliche dopaminerge Stimulation

beim Morbus Parkinson mit der D-mine® Pumpe

– ein bedeutender Fortschritt im Alltag

Störungen der Beweglichkeit sind charakteristische

Kennzeichnen des Morbus

Parkinson.

Nicht immer aber lassen sich diese

Störungen mit oralen Arzneimitteln zufriedenstellend

behandeln, auch weil

die Magenentleerung kein kontinuierlicher

Prozess ist, sondern abhängig von

Art und Umfang der Mahlzeiten und

häufig zufällig abläuft.

Schwankungen der Arzneimittel-Wirkspiegel

und damit verbundene

Schwankungen der Beweglichkeit sind

somit zwangsläufige Folge.

Ziel einer effizienten Behandlung ist jedoch

eine kontinuierliche Zufuhr des

benötigten Botenstoffs und eine bedarfsgerechte

Zurverfügungstellung

am Wirkort. Dies wird als kontinuierliche

dopaminerge Stimulation (CDS)

bezeichnet.

Hierfür sind Arzneimittelpumpen ein

gut geeignetes Mittel.

Mit einer programmierbaren Pumpe

kann das Arzneimittel kontinuierlich zugeführt

werden.

Das geschieht z. B. bei der Apomorphin-Infusionslösung

über die Haut

(subkutane Applikation). Damit lässt

sich auch die Menge des Arzneimittels

dem individuellen Bedarf sehr genau

anpassen. Auf Schwankungen der Beweglichkeit

– wie z. B. Nachlassen der

Beweglichkeit (Hypokinese) nach einer

größeren, eiweißreichen Mahlzeit

– kann im Einzelfall durch die Gabe

einer Extradosis oder durch an die Tageszeit

angepasste Dosierungen über

ein im Programm der Pumpe hinterlegtes

Zeitraster reagiert werden.

Was bedeutet das für den Patienten?

Im Allgemeinen nehmen bei einer

Pumpentherapie die Phasen guter

Beweglichkeit deutlich zu, ebenso reduziert

sich die Dauer der OFF-Phasen.

Damit gewinnt der Patient an Autonomie.

Ob das Verfahren die Erwartungen erfüllt,

lässt sich im Einzelfall auch „probeweise”

herausfinden. Speziell bei

der Infusion in das Unterhautgewebe

ist der Eingriff gering und ohne Aufwand

rückgängig zu machen.

Voraussetzungen sind leichte Programmierbarkeit,

logisch strukturierte

Bedienung der Pumpe, verlässliche

Technik und einleuchtende, selbsterklärende

Abläufe bei der Vorbereitung

der Pumpe für die Infusion.

Die D-mine® Pumpe erfüllt diese Voraussetzungen.

Sie befüllt sich selbsttätig,

und die Abläufe und Rückmeldungen

bei der Handhabung sind gut zu

verstehen. Dadurch wird die Anwendung

dieses Therapieverfahrens deutlich

erleichtert.

Es lohnt sich also, rechtzeitig an diese

therapeutische Option zu denken.

Autor:

Dr. med. Thomas A. Wagner

Hilfe für Betroffene und Angehörige:

Nutzen Sie die Selbsthilfe-Gruppen in

Ihrer Region oder den D-mine® Care

Patienten-Service, um die subkutane

Parkinson-Therapie zu besprechen!

Erfahrene D-mine® Care TherapiespezialistInnen

stehen Ihnen rund um die

Uhr und deutschlandweit zur Verfügung:

Alexander Bahl

+49 151 20 36 06 16

Anne Giraud

+49 151 20 36 06 05

Kristina Heckel

+49 151 20 36 06 15

Yvonne Heyde

+49 151 20 36 05 99

Julia König

+49 151 20 36 06 14

Birgit Koschmieder

+49 151 20 36 06 09

Anna Langhein

+49 151 20 36 06 13

Petra Möller

+49 151 20 36 06 00

Tanja Moll

+49 151 20 36 05 98

Angelika Schmidt

+49 151 20 36 05 96

Nils Staib

+49 151 20 36 06 04

E-Mail:

IDGroebenzell@everpharma.com

24 h Technischer Service:

+49 8142 42 22 52 -10

www.d-minecare.de


34

Patientensicherheit während Corona

Patientensicherheit während Corona

Sicher trotz Corona:

Behandlungen nicht verschieben

Seit mehr als einem Jahr leben wir in

Deutschland mit der Corona-Pandemie

mit ständig neuen Anpassungen

und Herausforderungen im täglichen

Leben, ganz besonders aber auch in

der Gesundheitsversorgung in den Kliniken

und Praxen. Nach der anfänglich

großen Verunsicherung konnten

die Abläufe in der stationären Versorgung

im Klinikalltag auf das Niveau

aus früheren Jahren nahezu fortgesetzt

werden – selbstverständlich unter

Einhaltung strikter Schutz- und Hygienemaßnahmen.

Parkinson-Patienten = Risikogruppe?

Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen

SARS-CoV-2 und der Parkinson-Krankheit

oder anderen Bewegungsstörungen

ist derzeit noch immer

nicht bekannt. Der Infektionsschutz

hat jedoch insbesondere bei Parkinson-Patienten

eine hohe Priorität und

wird auch in der Kasseler Parkinson-

Fachklinik großgeschrieben. Begleiterkrankungen

der Parkinson-Patienten

können allerdings zu schwereren Verläufen

der COVID-19 Erkrankungen

führen. Diese sind bspw. Bluthochdruck,

Diabetes oder Lungenkrankheiten.

Chefärztin Prof. Dr. Claudia Trenkwalder

und ihr Team setzen seit Pandemie-Beginn

auf ein engmaschiges

Sicherheitskonzept in der Paracelsus-Elena-Klinik:

Sicherheit für die Patienten

und Sicherheit für die Mitarbeiter.

Die Klinikmitarbeiter werden

regelmäßig auf SARS-CoV-2 getestet

und intensiv auf die neuesten Erkenntnisse

in Abstands- und Hygieneregeln

geschult, alle weiteren Schutzmaßnahmen

wie Schutzkleidung oder Desinfektionsmittel

etc. werden selbstverständlich

angewendet.

Was ist vor der stationären Aufnahme

zu beachten?

Physiotherapie, Logopädie, Atemoder

Ergotherapie, kurzum aktivierende

Therapien, zählen bei Parkinson-Patienten

je nach Symptomen zum

Standard und werden in unserem Klinikalltag

unter Einhaltung der Hygieneund

Sicherheitsmaßnahmen in Einzeloder

Kleingruppen weiter fortgesetzt.

Therapien mit engerem Kontakt erfordern

möglicherweise spezielle Schutzmaßnahmen

wie z.B. Handschuhe,

Mundschutz oder das Tragen eines

Visiers. Der Verzicht auf die Therapie

würde möglicherweise mehr Schadenanrichten

als das eigentliche Infektin

Bewegung bleiben: trotz Pandemie sollten Parkinson-Patienten ihre Therapien weiterführen.

Auch wenn die praktische Umsetzung

eines stationären Aufenthalts auf den

ersten Blick schwierig erscheint, sollten

dennoch stationäre Aufenthalte

mit notwendigen Untersuchungen

und Behandlungen konsequent realisiert

werden. Denn die Diagnose und

Behandlung oder auch die Früherkennung

von Parkinson ist wichtig als

Grundstein für die weitere Gesundheit.

Neue Patienten werden in einer separierten

Aufnahmestation, quasi einer

räumlich getrennten Isolierstation,

umfassend aufgenommen. Am ersten

Tag werden hier die Patienten vorübergehend

in einem Einzelzimmer untergebracht

und es wird unmittelbar

ein Corona-Abstrich durchgeführt.

Sobald ein negatives Corona-Testergebnis

vorliegt, erhalten die Patienten

ihr endgültiges Zimmer auf der Normalstation

und ein ganz normaler Klinikaufenthalt,

wie seit Jahren üblich, kann

starten. Für einen maximalen Infektionsschutz

sind wir bemüht unsere Patienten,

bis auf Weiteres, in Einzelzimmern

unterzubringen. Eine Aufnahme

von Begleitpersonen im Zimmer (aus

dem gewohnten häuslichen Umfeld)

könnte ggf. nach Rücksprache mit

dem Arzt erfolgen, da bisher leider keine

Besucher kommen können.

Sicherheit während des

Klinikaufenthaltes

Routinemäßig wird nach einigen Tagen

ein Rachen-Abstrich auf Corona-Infektion

wiederholt sowie täglich

Fieberkontrollen bei den Patienten

durchgeführt. Rücksprachen mit Angehörigen

können jederzeit telefonisch

erfolgen, denn seit Beginn der

Foto: Ilona Crones/Paracelsus-Elena-Klinik

Pandemie herrscht ein vorübergehendes

Besuchsverbot und damit ein minimiertes

Ansteckungsrisiko.

„Auch der Schutz unserer Mitarbeiter

liegt uns am Herzen“, erläutert Prof.

Dr. Claudia Trenkwalder. „Alle Mitarbeiter

im patientennahen Bereich und

im direkten Patientenkontakt werden

regelmäßig wöchentlich auf Covid-

19 getestet. Und was ganz besonders

wesentlich ist: eine große Mehrheit unserer

impfbereiten Belegschaft wurde

inzwischen vollständig geimpft, darauf

sind wir sehr stolz“.

Funktionstherapien sind wesentlich

für den Behandlungserfolg


Patientensicherheit während Corona 35

ionsrisiko. Sie bleiben also wesentlich

für den Behandlungserfolg. Für Übungen

im häuslichen Umfeld haben unsere

erfahrenen Klinik-Therapeuten

zusätzlich einige Videos und Kurzanleitungen

auf der Homepage www.

paracelsus-kliniken.de/fach/kassel/

schwerpunkte/parkinson/ für Sie zusammengestellt.

Daher möchten wir

unsere Patienten bitten: Achten Sie

unbedingt auf die Fortsetzung der Bewegungstherapien

– auch nach dem

Klinikaufenthalt!

Videosprechstunde als Alternative

Es kann krankheits- oder quarantänebedingt

durchaus

zu Situationen

kommen, wo ein

Klinikbesuch leider

nicht möglich ist.

Daher haben wir

schon zu Beginn

der Pandemie als

eine der ersten

Fachkliniken eine

Videosprechstunde

initiiert. Patienten

oder deren Angehörige

können

mit Überweisung

ihres Neurologen

in der Klinik anrufen,

um auf diese

Weise an einer

Videosprechstunde

teilzunehmen.

Sicherlich ersetzt

dies nicht das persönliche

Gespräch

und die Untersuchung.

Es ist aber

ein Ansatz, durch den erst einmal weitere

Schritte eingeleitet werden können.

Im Idealfall benötigen Sie dazu

einen PC, Laptop oder Tablet mit Mikrofon

und Kamera, auch ein Smartphone

ist oft schon ausreichend. Detaillierte

Infos sind auf der Startseite der

Klinik-Homepage zu finden.

Nach wie vor nehmen die verschiedenen

Mutationen zu. Daher bleibt es so

wichtig umsichtig zu handeln und die

Empfehlungen seitens der Politik, der

Gesundheitsämter und wissenschaftlichen

Organisationen wie z.B. das Robert-Koch-Institut

zu befolgen.

Denjenigen, die bisher noch nicht

geimpft werden konnten, bieten wir

aktuell die Möglichkeit einer Impfung

mit Johnson & Johnson während des

Klinikaufenthalts an.

Der Vorteil bei diesem Impfstoff ist,

dass der Wirkstoff bereits nach einmaliger

Impfung seine volle Wirksamkeit

entfaltet.

Eines ist dabei garantiert: Wir werden

auch bei veränderten Rahmenbedingungen

weiterhin als verlässliche Parkinson-Fachklinik

für unsere Patienten

da sein – ganz sicher!

UnivProf. Dr. Claudia Trenkwalder

KONTAKT:

Paracelsus-Elena-Klinik

Klinikstraße 16, 34128 Kassel

T 0561 6009 - 0

www.paracelsus-kliniken.de/kassel

Diagnostik,

Therapie und

Forschung unter

einem Dach

Ihre Fachklinik

für Parkinson und Bewegungsstörungen

| zentrale Lage in Deutschland

| überregional

| ausgezeichnet

| Neurologie-Experten

mit internationalem Ruf

Ärztliche Leitung:

UnivProf. Dr. Claudia Trenkwalder

Tiefenhirnstimulation (THS):

Beratung, Vorbereitung und Nachsorge

zur THS bei Morbus Parkinson:

PD Dr. Friederike Sixel-Döring

(Leitende Oberärztin)

Restless-Legs-Syndrom (RLS):

Dr. Maria-Lucia Muntean (Oberärztin)

Chorea Huntington:

Dr. Jens Ebentheuer (Oberarzt)

Studiencenter:

Prof. Dr. Brit Mollenhauer

(Oberärztin, Leitung Studienkoordination)

Paracelsus-Elena-Klinik Kassel · Klinikstraße 16 · 34128 Kassel · T 0561 6009-0 · www.paracelsus-kliniken.de/kassel


36

Machen Sie mit! / Impressum

Machen Sie mit!

Junge Parkinson-Patienten, MSA, PSP & THS

im „dPV Journal

Liebe Leserinnen und Leser, liebe

Jungerkrankte-Patienten, liebe

Angehörige,

das „dPV Journal“ behandelt in

seinem „gelben Abschnitt“ Themen,

die sich speziell mit der Lebenssituation

von jungen Patienten und ihren Angehörigen

beschäftigen. Deren Gedanken,

Sorgen und Nöte unterscheiden

sich doch häufi g von denen der Patienten,

die erst in fortgeschrittenem

Alter an Parkinson erkrankt sind.

Liebe Leserinnen und Leser, liebe

MSA-Patienten, liebe Angehörige,

das „dPV Journal“ behandelt in

seinem „grünen Abschnitt“ Themen,

die sich speziell mit dem Krankheitsbild

Multisystematrophie beschäftigen.

Die Gedanken, Sorgen und Nöte von

MSA-Patienten und ihren Angehörigen

unterscheiden sich deutlich von

denen der Patienten, die am idiopathischen

Parkinson-Syndrom (IPS) erkrankt

sind.

Liebe Leserinnen und Leser,

liebe PSP-Patienten,

liebe Angehörige,

das „dPV Journal“ behandelt

in seinem „roten Abschnitt“ Themen,

die sich speziell mit dem Krankheitsbild

progressive supranukleäre Blickparese

beschäftigen. Die Gedanken, Sorgen

und Nöte von PSP-Patienten und ihren

Angehörigen unterscheiden sich

deutlich von denen der Patienten, die

am idiopathischen Parkinson-Syndrom

(IPS) erkrankt sind.

Liebe Leserinnen und Leser, l

iebe THS-Patienten,

liebe Angehörige,

das „dPV Journal“ behandelt in

seinem „blauen Abschnitt“ Themen,

die sich speziell mit der Tiefen Hirnstimulation

beschäftigen. Die Gedanken,

Sorgen und Nöte von THS-Patienten

und ihren Angehörigen unterscheiden

sich doch häufi g von denen der Patienten,

die medikamentös therapiert

werden.

Zentraler Beitrag

Unter der Rubrik „Zentraler Beitrag“

wird in jeder Ausgabe ein Schwerpunktthema

möglichst umfassend

behandelt. Welcher Themenkomplex,

der direkt oder indirekt die progressive

supranukleäre Blickparese betrifft, soll

Ihrer Meinung nach ausführlich dargestellt

werden? Schlagen Sie uns ein

Schwerpunktthema vor, wir werden es

in einer der nächsten Ausgaben aufgreifen.

Antworten auf Ihre Fragen

Stellen Sie uns konkrete Fragen, die

durch Ihren täglichen Umgang mit

der Erkrankung aufgeworfen wurden.

Unsere Experten werden sie unter der

Rubrik „Antworten auf Ihre Fragen“

beantworten.

Info

Schreiben Sie Ihre persönlichen Erlebnisse

bei Ihrem Umgang mit der Erkrankung

auf. Was waren schwierige Augenblicke,

was hat Ihnen das Leben

leichter gemacht? Lassen Sie andere

Betroffene von Ihren Erfahrungen profi

tieren!

Machen Sie mit und schreiben Sie uns

(Betreff „dPV Journal“)

Per Post:

Deutsche Parkinson Vereinigung e.V.

Moselstraße 31

41464 Neuss

Per Fax:

(0 21 31) 4 54 45

Per E-Mail:

bundesverband@parkinson-mail.de

Ausgabe

Nr. 21 Frühjahr / Sommer 2021

Alle Rechte vorbehalten

Impressum

Herausgeber & Redaktion

Deutsche Parkinson Vereinigung e.V.

Bundesverband

Moselstraße 31

41464 Neuss

Telefon: (0 21 31) 4 10 16 /17

Telefax: (0 21 31) 4 54 45

E-Mail: bundesverband@parkinson-mail.de

www.parkinson-vereinigung.de

Verlag, Gestaltung, Druck &

Anzeigen

HVF VERLAG & DRUCK

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Josephinenstr. 50

44807 Bochum

Tel. 0234 / 287-8888-5

Fax 0234 / 287-8888-7

E-Mail: info@hvf-verlag.de

Internet: www.hvf-verlag.de | www.hvf-druck.de

Trotz sorgfältiger Prüfung der Einträge und Anzeigen können wir leider keine Haftung für die Richtigkeit und/oder Vollständigkeit der

Informationen und Anzeigen übernehmen.


Deutscher Repräsentant: BIAL Deutschland GmbH,

Waldecker Str. 13, 64546 Mörfelden-Walldorf, info@bial.de.

Die hier genutzten Bilder dienen rein illustrativen Zwecken,

bei abgebildeten Personen handelt es sich um Fotomodelle.

ON/APR21/DE/017

Ich habe mir gerade selbst

mein Hemd zugeknöpft.

Sie fragen sich jetzt wahrscheinlich:

„Ist das alles? “

Ich sage: „Nein, nicht alles.

Aber ein großer Sieg für mich!“

Unser Ziel ist es, einen großen Unterschied im

Leben von Menschen mit Parkinson zu machen.

Auch wenn es manchmal nur kleine Dinge sind.


Multimodale Parkinson-Komplexbehandlung

Das Zentrum für Parkinsontherapie

des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses

Berlin-Weißensee verfügt über modernste

Untersuchungsverfahren. Die neurologische

Standarddiagnostik wird durch

krankheitsspezifische Diagnoseverfahren

erweitert.

Die multimodale Parkinson-Komplexbehandlung

besteht aus medizinischen

und aktivierenden Therapieansätze wie

der spezifischen Bewegungstherapie

BIG©, dem Einsatz von Smovey© und

der Nutzung der Optical Laser Freezing-

Ganganalyse.

Prof. Dr. med. Thomas Müller ist in der Focus-Ärzteliste 2021

unter den Top-Ärzten Parkinson gelistet.

ZENTRUM

FÜR PARKINSONTHERAPIE

Klinik für Neurologie

Alexianer St. Joseph-Krankenhaus

Berlin-Weißensee

Prof. Dr. med. Thomas Müller

Gartenstr. 1

13088 Berlin

Chefarztsekretariat

Stephanie Rotter

Telefon: 030 92790-301

Fax: 030 92790-703

E-Mail:

s.rotter@alexianer.de

Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee, Gartenstraße 1, 13088 Berlin

Tel. 030 92790-0, Fax 030 92790-700, st.joseph-weissensee@alexianer.de, www.alexianer-berlin-weissensee.de

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