2021/23 | Was Experten Raten | 11.06.2021

suedwest.presse

SONDERVERÖFFENTLICHUNG

Was Experten raten

Themenschwerpunkte Herz und Gefäße

Ihre Experten

Herzklinik Ulm

Dr. Haerer und Partner

Dr. Winfried Haerer

Universitätsklinikum Ulm

Klinikum für Innere Medizin II

Professor Dr. Wolfgang

Rottbauer

Starkes Herz

und gesunde

Gefäße

Zentrum für ambulante

Rehabilitation (ZAR) Ulm

Dr. Robert Lauer

Praxisklinik Ulm

Dr. Gregor Cammerer

© ROBERT KNESCHKE/SHUTTERSTOCK.COM

„Heiliger Gral“ der Gefäßchirurgie

Durchbruch in der Gefäßchirurgie dank interdisziplinärem Einsatz: Kieler Forscher drucken feinste Blutgefäße mit einem neuartigem

3D-Biodrucker und Tinte aus Braunalgen. Von Julia Haaga mit Deutsche Herzstiftung

Ein fortschrittliches

Verfahren.

Dr. Rouven Berndt

Gefäßchirurg

Ein Durchbruch in der bundesweiten

Herzforschung für

Bypass-Patienten: Einem Kieler

Forschungsteam um Gefäßchirurg

Dr. Rouven Berndt

ist die Entwicklung eines

3D-Biodruckers gelungen, der

feine Blutgefäße für Bypass-

Implantate erzeugt. Die gedruckten

Gefäße sollen zukünftig

als Bypass-Material

oder Gefäßersatz dienen. Bislang

wird nach Möglichkeit

körpereigenes Gewebe verwendet.

Oft ist davon nicht

ausreichend verfügbar.

„Dieses Verfahren könnte

einen enormen Fortschritt für

die Herz-Bypass-Chirurgie

bedeuten“, wie der Oberarzt

der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie

am Universitätsklinikum

Schleswig-Holstein

bestätigte.

Mit bundesweit rund

45000 Operationen zählen

Bypass-Eingriffe mittlerweile

zur Routineübung für

Herzchirurgen. Bei etwa jedem

fünften Patienten sind

jedoch nicht genügend körpereigene

Gefäße dafür vorhanden.

So etwa bei Patienten

mit Venenerkrankungen

wie zum Beispiel Krampfadern.

„Besonders schwerwiegend

ist dieses Problem

bei Patienten, die sich einem

erneuten Eingriff unterziehen

müssen.“

Verengte oder verstopfte

Herzkranzgefäße, die sogenannte

koronare Herzkrankheit,

können unbehandelt zu

lebensbedrohlichen Komplikationen

wie einem Herzinfarkt

führen. Bei Ein- oder

Zweigefäßerkrankungen werden

diese Engstellen in den

FOTOS: © UKSH

Mit vollem Einsatz: (v.l.n.r.):Prof. Dr. Jochen Cremer, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, Prof. Dr. Martin Albrecht, Klinik für Anästhesiologie

und Operative Intensivmedizin, Dr. Julian Pfarr, Klinik für Radiologie und Neuroradiologie, Dr. Rouven Berndt, Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, PD Dr.

René Rusch, Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie.

Dr. Rouven Berndt mit einem der erworbenen 3D-Drucker (links) und am Bioreaktor.

Herzkranzarterien mit einem

Ballon oder einer implantierten

Gefäßstütze (Stent) aufgedehnt.

Bei Dreigefäßerkrankungen

umgehen Herzund

Gefäßchirurgen in einer

Bypass-Operation die verstopften

Gefäße mit Adern

oder Venen aus dem eigenen

Körper des Patienten.

Bastelübung im Herz-Labor

Im Team aus Medizinern,

Biologen sowie Ingenieuren

und mit gebündeltem Erfahrungsschatz

aus der Stammzellenforschung,

Zelltherapie

und dem Bioengineering ist

es gelungen, den Prototypen

des 3D-Biodruckers zu entwickeln.

„Wir hatten einen Biodrucker

vor Ort“, so der

Herzspezialist, „doch wir

mussten feststellen, dass das,

was wir vorhaben, so nicht

funktionieren wird. Daraufhin

haben wir Teile der Plattform

auseinandergenommen

und die Einzelteile in Feinmechanik

und mit stabilen Materialien

selbst hergestellt.“

Der Gefäßzellenschlauch

aus dem Drucker

An der „Operation“ 3D-Biodrucker

arbeitete das Kieler

Forschungsteam ein Jahr.

Jetzt kann der Bioprinter einen

Schlauch aus körpereigenen,

lebenden Endothel- und

Muskelzellen drucken. Doch

mit welcher Tinte wird hier

Querschnitt durch das gedruckte

Gefäß (oben) und

Bypass nach 3D-Druck.

gedruckt? „Wir haben eine

Biotinte aus körpereigenem

Bindegewebe entwickelt. Mit

dieser Tinte befüllen wir

dann die Endothel- und Muskelzellen,

die wir zuvor aus

dem Blut des Modellpatienten

entnommen haben.“

Endothelzellen kleiden die

Gefäße von innen aus. Die

darüber liegenden Muskelzellen

sorgen dafür, dass sich

Gefäße zusammenziehen und

weiten können. Wichtige Eigenschaften

dafür, dass

Bypässe lange bestehen und

nicht erneut verstopfen. „Der

erzeugte Schlauch hat die erforderliche

dünne Gefäßwand

und einen Durchmesser

von vier bis sechs Millimetern.“

Mit der bisherigen

Biotinte (bio-ink), sei es

schwierig gewesen, die Zellen

am Leben zu erhalten.

Dann haben die Forscher eine

neue Tinte entwickelt, in dem

sie verschiedene Zuckerverbindungen

mit einem Protein

aus der Braunalge gekoppelt

haben. Das entstehende

Gefäß wird anschließend in

einem Bioreaktor kultiviert.

Darin werden die Gefäßzellen

weiter ernährt.

Die Herstellung von kleinen

künstlichen Bypässen

treibt Wissenschaftler und

Chirurgen in der Herz- und

Gefäßchirurgie schon lange

um. Nahezu ein „Heiliger

Gral“, „da die meisten Materialien

nicht dafür geeignet

erscheinen und es zu vorzeitigen

Verschlüssen kommen

kann“, zeigt Dr. Rouven

Berndt zum Verständnis auf.

Ein Prototyp geht auf Reise

Der entwickelte Prototyp

wandert nun zur Luft- und

Raumfahrtindustrie, wo er

von einem Unternehmen industriell

hergestellt wird. Ein

weiteres Ziel steht bereits

fest: Blutgefäße nicht nur für

eine Bypass-Operation des

Zellspenders zu drucken,

sondern auch für andere

Empfänger. Die Voraussetzungen

stimmen, wie der Gefäßchirurg

verrät: „Verschiedene

Zelllinien kann man genetisch

so verändern, dass sie

bestimmte Merkmale oder Eigenschaften

nicht entwickeln,

um nicht als körperfremd

erkannt werden.“

Der Titel des inzwischen

mit dem Dr. Rusche-Forschungspreis

ausgezeichneten

Projekts: „Entwicklung einer

3D-Bioprinting-Plattform

zur Herstellung kleinkalibriger

biologischer Bypass

Grafts zur autologen und allogenen

Implantation“. Die

Auszeichnung wird jährlich

von der Deutschen Stiftung

für Herzforschung (DSFH)

zusammen mit der Deutschen

Gesellschaft für Thorax-,

Herz- und Gefäßchirurgie

(DGTHG) für patientennahe

Forschungsarbeiten junger

Wissenschaftler auf dem Gebiet

der Herzchirurgie vergeben

wird und ist mit 60000

Euro dotiert.

Info Den kostenfreien Ratgeber

„Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt“

der Deutschen Herzstiftung

gibt es unter der Nummer

069 955128400 und online:

www.herzstiftung.de


Was Experten raten

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Herzklinik Ulm, Dr. Haerer und Partner

Dr. med Winfried Haerer, Klinikleiter

Universitätsklinikum Ulm, Innere Medizin II

Prof. Dr. med. Wolfgang Rottbauer, Ärztlicher Direktor

Hand aufs Herz: zur Vorsorge gehen

„Die Zahl der Patienten mit schwerwiegenden

Herzerkrankungen häuft sich“,

wie Dr. Winfried Haerer, Leiter der Herzklinik

Ulm, Neu-Ulm und Geislingen an

der Steige, erklärt. Als Interventionskardiologe

und Internist befasst er sich seit

mehreren Jahrzehnten mit Erkrankungen

im Bereich der Inneren Medizin, der Kardiologie

und der Angiologie. In einer der

größten Herzkliniken Deutschlands werden

jährlich rund 55000 Untersuchungen,

wie beispielsweise Belastungs- und Ultraschalltests,

etwa 1200 Stentimplantationen

und 4000 Herzkatheteroperationen

routiniert durchgeführt. Die Fortschritte,

die man in der Kardiologie in den vergangenen

25 Jahren gemacht hat, sind groß.

FOTO: HERZKLINIK ULM

Seit Beginn der Corona-Pandemie Anfang

2020 hat sich vieles geändert. „Während

des ersten Lockdowns kam man auf

über 40 Prozent weniger stationäre Behandlungen

bei Herzinfarkt und Herzgefäßkomplikationen.

Viele Patienten trauen

sich aufgrund der Angst vor Covid-19

nicht, eine Klinik aufzusuchen. Bei Beschwerden

darf man jedoch keinesfalls

zuhause abwarten“, mahnt der Herzspezialist,

der Pionierarbeit im Herzkatheterlabor

geleistet hat. So war er der erste

Ulmer Mediziner, der sich 1986 an eine

Ballonaufdehnung der Herzkranzgefäße

wagte. „Wenn Engstellen an den Herzkranzgefäßen

vorlagen, war früher eine

Bypass-Operation die Ultima Ratio. Inzwischen

können solche Engstellen mit

einer Ballonaufdehnung beseitigt werden,

indem ein spezieller Herzkatheter verwendet

wird. An dessen Spitze: ein Ballon,

der aufgeblasen wird und damit die

Engstelle dehnt.“

Koronare Herzerkrankungen

Die Ulmer Herzklinik, die sich ausschließlich

mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen

befasst, ist seit Anbeginn der Covid-19-Pandemie

mit außergewöhnlichen

Indikationen konfrontiert: „Wir sprechen

hier von Komplikationen, die seit Jahren

nicht mehr vorgekommen sind. Wenn sich

Patienten aus Angst vor einer Virusansteckung

bei einem Herzinfarkt nicht medizinisch

versorgen lassen, kann das Infarktnarben

zurücklassen. Herzmuskelzellen

können dabei zugrunde gehen. Viele

Patienten leiden außerdem unter

anhaltenden Herz- oder Lungenproblemen

sowie Müdigkeit.“

Das Frühwarnsignale erkennen

„Herz-Kreislauferkrankungen sind noch

immer Todesursache Nummer eins. In der

Öffentlichkeit ist dies durch die sehr präsente

Corona-Berichterstattung in den

Hintergrund gerückt“, ist der Interventionskardiologe

der Meinung. Bei länger als

fünf Minuten anhaltenden Schmerzen im

Die Herzklinik Ulm mit Außenstellen in Neu-Ulm und Geislingen (Steige) zählt zu einer

der größten Herzkliniken Deutschlands. Herz und Gefäße sind hier bestens versorgt.

Brustkorb, die in Arme, Hals, Kiefer und

Oberbauch ausstrahlen, sollten Betroffene

sofort einen Notarzt kontaktieren.

Neueren Erkenntnissen der koronaren

Forschung zufolge treten bei rund der

Hälfte der Herzinfarktpatienten 24 bis 48

Stunden vor dem eigentlichen Infarkt bereits

Symptome auf: „Meist nur für wenige

Minuten, die Betroffenen denken dann,

es sei alles gut. Fehlanzeige: Auch bei kurzen

Phasen von Brustkorbenge oder einem

Brennen hinter dem Brustbein gilt

es, sofort zu handeln.“ Viele Patienten,

die derzeit in der Herzklinik behandelt

werden, tendieren außerdem in Richtung

Depressionen. Die Ursachen: „Mangelhafte

Bewegung, kaum Kontakte und schlechte

Ernährungsgewohnheiten im Homeoffice.“

Wichtig sei es, auf eine gesunde Ernährung

und ausreichend Bewegung zu

achten, um dem Corona-Speck auf den

Leib zu rücken. Spaziergänge und Fahrradfahren

kräftigen das Herz. Ein Belastungs-EKG

in der Herzklinik ermittelt dabei

die individuelle Belastbarkeit des Herzens

und den passenden Trainingspuls.

Eine App fürs Herz

Eine häufige Herzrhythmusstörung bei

über 65-Jährigen ist das zeitweise auftretende

Vorhofflimmern, das bei mehr als

20 Prozent aller Schlaganfälle maßgeblich

verursachend ist. Im Rahmen der Ulmer

Herzrhythmuswochen ist es der

Herzklinik Ulm gelungen, der Altersgruppe

65 bis 70 eine Smartphone-Applikation

näherzubringen. „Über einen vierzehntägigen

Zeitraum wurden mittels der

Smartphone-Kamera zwei Eigenmessungen

des Herzrhythmus täglich durchgeführt“,

wie PD Dr. Ralf Birkemeyer, Interventionskardiologe

der Herzklinik Ulm,

erklärt. „Das Vorhofflimmerscreening ist

ein wichtiges Thema, denn das Schlaganfallrisiko

kann durch die rechtzeitige Einleitung

einer geeigneten Blutverdünnung

um 70 Prozent reduziert werden.“

Kontakt

Herzklinik Ulm, Dr. Haerer und Partner

Magirusstraße 49

89077 Ulm

E-Mail: winfried.haerer@herzklinik-ulm.de

Tel.: 0731 9 35 30 70

www.herzklinik-ulm.de

Covid-19: vielfältige

Herausforderungen für die

Herzmedizin

Neben seiner täglichen klinischen Arbeit

als Herzspezialist auf der Chest-Pain-

Unit, den Herzstationen, der internistischen

Intensivstation und den Herzkatheterlaboren

ist die klinische Forschung

seine Herzensangelegenheit. Leben zu

retten seine Wissenschaft. Jetzt ergreift

Professor Wolfgang Rottbauer, Ärztlicher

Direktor der Klinik für Innere Medizin

II mit den Schwerpunkten Herzmedizin,

Lungenmedizin, Gefäßmedizin, Intensivund

Notfallmedizin am Universitätsklinikum

Ulm, zum Forschungsprogramm

zu Covid-19-Spätfolgen das Wort.

Mit der Einrichtung einer Post-Covid-Spezialambulanz

am Oberen Eselsberg

werden derzeit intensiv offene Fragen

zum Virus und seinen Langzeitfolgen

für Herz und Lunge geklärt.

Das Long-Covid-Syndrom

War man zu Beginn der Corona-Pandemie

davon ausgegangen, dass es sich bei

Covid-19 um eine alleinige Atemwegserkrankung

handelt, ist inzwischen klar,

dass neben der Lunge auch andere Organsysteme,

wie das Gefäßsystem und

der Herzmuskel, erheblich von der Erkrankung

befallen und nachhaltig schwer

geschädigt werden. Nach überstandener

Infektion leiden die Patienten noch Monate

später am Post-Covid-Syndrom, charakterisiert

durch Abgeschlagenheit, fehlende

Belastbarkeit und Luftnot.

Bei einer aufwendigen Herz- und Lungenfunktionsprüfung

in Ruhe und unter

Belastung überprüft das Ulmer Herzteam

gemeinsam mit seinen Gefäß- und Lungenspezialisten

in seiner einzigartigen

Post-Covid-Spezialambulanz, ob die Lunge

genügend Sauerstoff in den Blutkreislauf

abgibt und wie sehr die Herzleistung

durch den Virusbefall beeinträchtigt ist.

500 Post-Covid-Patienten wurden bisher

untersucht. Allesamt betroffen von

typischen Symptomen wie Müdigkeit

und Abgeschlagenheit. „Obwohl das Virus

nicht mehr im Körper nachzuweisen

ist, kommen Betroffene nicht mehr richtig

auf die Beine.“ Bei verschiedenen

nicht-invasiven Untersuchungsverfahren

zur Messung der Lungen- und Herzleistung

wurde festgestellt, „dass das Covid-19-Virus

häufig schwere Langzeitschäden

an Lunge und Herzmuskel hinterlässt.

Bei etwa 60 Prozent der Betroffenen

können auch drei Monate nach

ausgeheilter Erkrankung noch Symptome

nachgewiesen werden.“ 20 Prozent

würden eine sogenannte „Long-Covid-Erkrankung“,

die mit Schwächung

von Herz, Lunge oder dem Fatigue-Syndrom

einhergehen, davontragen. Diese

Patienten gilt es nun in den Fokus zu nehmen,

um besser zu verstehen, wie es zu

den Langzeitschäden kommt, wie diese

verhindert, behandelt und welche rehabilitativen

Maßnahmen zur Genesung

der oft sehr jungen Patienten eingeleitet

werden sollten. „Erfreulicherweise haben

wir erste Ergebnisse, dass es auch

eine Ausheilung gibt, die zwar ungewöhnlich

lange andauert, dafür aber keine

irreversiblen Schäden hinterlässt.“

Die Lehren für die Herzmedizin

In einer unserer Metaanalysen von 27 internationalen

Studien zeichnete sich

2020 eine Abnahme von akuten Krankenhauseinweisungen

von Patienten mit kardiovaskulären

Erkrankungen um 40 bis

50 Prozent ab. Akute Herzinfarktpatienten

kamen zu Beginn der ersten Welle

auf einmal auch hier in unserer Großregion

nicht mehr in unsere Chest-Pain-

Unit, obgleich wir in der Großregion als

einzige eine derartig spezialisierte Einheit

für die zertifizierte Notfallversorgung

von Herzpatienten vorhielten. Viele

Patienten verstarben zuhause ohne

medizinische Versorgung. Einerseits war

es die Angst vor einer Ansteckung, andererseits

wollte man Covid-Erkrankten

keine Intensivbetten wegnehmen. Parallel

dazu wurden wir von Akut-Zuweisungen

von Herzpatienten aus dem ambulanten

Bereich und den Krankenhäusern

der Großregion nahezu überrannt, da

diese noch viel weniger als ein Universitätsklinikum

auf die Versorgung dieser

stets kritisch kranken Patienten im Kontext

einer Pandemie vorbereitet waren.

Parallel haben wir als internistische Notfall-

und Intensivmediziner natürlich

auch schwerpunktmäßig hier am Universitätsklinikum

die Intensiv- und Lungen–

ersatzbehandlung der Covid-Patienten

übernommen; derartige Ressourcen stehen

in den meisten Krankenhäusern der

Region nicht zur Verfügung.

Obwohl die zweite und die dritte Welle

das Universitätsklinikum Ulm viel härter

getroffen haben als die erste, waren

wir, gestützt durch die Erfahrungen aus

der ersten Welle, auf diese sehr gut vorbereitet.

Alle akuten Herzpatienten kamen

zeitgerecht in die Klinik, die Zuweisung

durch kardiologische Kollegen aus

der Großregion erfolgte umgehend und

wir konnten auch allen Coviderkrankten

eine intensivmedizinische und Lungenersatztherapie

anbieten. Akute Fälle, wie

Herz- und Covid-19-Patienten dulden

einfach keinen Aufschub!“

Die Grundsätze des ärztlichen Handelns

Dem vielfach ausgezeichneten Herzspezialisten

geht es zudem um interdisziplinäres,

transparentes und qualitätsgesichertes

klinisches Arbeiten. Bezugnehmend

auf die zwei Grundprinzipien der

guten Medizin und insbesondere der

Herzmedizin gelten stets die Grundsätze:

„Safety und Efficacy“ – Sicherheit und

Wirksamkeit. Sicherheit für den Patienten

erreiche man durch regelmäßige

Qualitätssicherungen. Wenn die einzelnen

Behandlungen kontinuierlich kritisch

und ergebnisorientiert geprüft werden,

führt das in der Medizin nicht nur

zu mehr Patientensicherheit, sondern

auch zu fortschrittlicheren Behandlungsmethoden.

„Jeder systematisch erfasste

und geprüfte Patientenfall, wie zum Beispiel

in unserer Chest-Pain-Unit oder der

Long-Covid-Ambulanz führt nicht nur zu

mehr Erfahrung im Ulmer Behandlungsteam,

sondern hat eine erhebliche Bedeutung

für die systematische, datenbasierte

und qualitätsgesicherte Weiterentwicklung

der modernen Herzmedizin –

ohne dass Patientenrechte in irgendeiner

Form verletzt werden.“

Kontakt

Universitätsklinikum Ulm,

Innere Medizin II

Albert-Einstein-Allee 23

89081 Ulm

E-Mail: sekretariat.rottbauer@uniklinik-ulm.de

Tel.: 0731 500-45001

www.uniklinik-ulm.de/innere-medizin-ii


Was Experten raten

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Krebs ist

schlecht

fürs Herz

Medikamente und Bestrahlungen

bekämpfen die Krebszellen, können

aber auch das Herz in Mitleidenschaft

ziehen.

Es gibt zwei Sätze, die Sibel

Akcelik nicht vergisst. Den

ersten hörte sie vor 18 Jahren.

Ihr Hausarzt machte eine Ultraschalluntersuchung

von

ihrem Bauch und sagte: „Da

ist etwas Großes“. Was der

Mediziner da sah, war ein

bösartiger Tumor, der ihr

Lymphgewebe befallen hat.

Ein sogenanntes Non-Hodgkin-Lymphom.

Chemotherapien

ließen den Tumor

schrumpfen. Dennoch ist er

heute immer noch da – in

Herzstiftung. Die Krankheit

habe sogar eine schlechtere

Prognose als etliche Krebserkrankungen,

so Baldus. „Viele

Tumorpatienten sterben

heute nicht mehr an ihrem

Krebsleiden, sondern an

Herz-Kreislauferkrankungen.“

Herzrhythmusstörungen,

Thrombosen und Herzklappenerkrankungen

zählten

ebenfalls zu den häufigen

Folgen von Krebsbehandlungen,

so der Experte. Bei Bestrahlungen

sei zudem die

Zentrum für ambulante Rehabilitation

(ZAR) Ulm

Dr. med. Robert Lauer, Chefarzt

Lebensqualität trotz

Herzschwäche

Statistische Auswertungen im jährlichen Herzbericht

der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zeigen: Die

Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist in Deutschland

die häufigste Diagnose bei stationär behandelten Patienten.

Mit steigendem Lebensalter nimmt die Wahrscheinlichkeit

zu, eine Herzschwäche zu bekommen.

Weil der Herzmuskel zu schwach ist, um ausreichend

Blut durch den Körper in die Lunge und auch in andere

Organe zu pumpen, werden diese unzulänglich mit

Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Bei den Betroffenen

kommt es dann zu Atemnot, Leistungsminderung

und Müdigkeit. Ein Blutstau kann zu einem Lungenödem

führen, was lebensbedrohlich ist.

Praxisklinik Ulm

Dr. med. Gregor Cammerer,

Praxisinhaber

Chirurgie vom Fach

Die Praxisklinik Ulm ist die erste Anlaufstelle bei chirurgischen

Krankheitsbildern. Die Behandlung von Venenleiden

(Phlebologie) und Erkrankungen des Enddarms

(Proktologie) stehen dabei im Vordergrund. Hinzu

kommen die Hernien- und Viszeralchirurgie.

Viele Krebspatienten entwickeln nach der Therapie eine

Herzerkrankung.

Foto: Jörg Carstensen/dpa

Schach gehalten von einer

Antikörpertherapie. Schicksal

genug, könnte man meinen.

Doch dann streikte Sibel

Akceliks Körper an anderer

Stelle. „Kurz nach der Chemotherapie

konnte ich kaum

ohne Luftnot Treppen steigen“,

sagt die heute 44-Jährige.

Ein Kardiologe untersuchte

ihr Herz und sagte den

zweiten Satz, der ihr erneut

den Boden unter den Füßen

wegriss und den sie nicht vergisst:

„Das sieht nicht gut

aus“. Die Diagnose des Kardiologen

lautete Herzinsuffizienz.

Sibel Akceliks Herz ist

seit der Chemotherapie stark

geschwächt. Zusätzlich leidet

sie unter Herzrhythmusstörungen.

Krankes Herz nach der

Krebstherapie

Die dreifache Mutter ist eine

von vielen Krebspatientinnen

und Krebspatienten, die nach

einer medikamentösen Tumortherapie

oder Bestrahlung

eine Herzerkrankung

entwickeln – die genaue Anzahl

der Betroffenen ist nicht

bekannt. „Herzschädigungen

können entstehen, weil Medikamente

und Bestrahlungen

nicht nur die schnell

wachsenden Krebszellen angreifen,

sondern auch die

Herzmuskelzellen“, erklärt

die Ärztin Susanne Weg-Remers.

Sie ist Leiterin des

Krebsinformationsdienstes

des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Die gefürchtetste Nebenwirkung

von Tumortherapien

sei die Herzschwäche, sagt

Professor Stephan Baldus. Er

ist Direktor der Klinik III für

Innere Medizin am Herzzentrum

des Universitätsklinikums

Köln und Wissenschaftlicher

Beirat der Deutschen

Gefahr einer Herzkranzgefäßerkrankung

(KHK) erhöht.

Krankheiten haben dieselben

Risikofaktoren

Für den Zusammenhang zwischen

Krebs- und Herzkrankheiten

gibt es neben den Auswirkungen

der Therapie eine

weitere Erklärung: „Herzund

Krebserkrankungen teilen

sich dieselben Risikofaktoren

wie Rauchen, Diabetes,

Übergewicht oder mangelnde

Bewegung“, sagt Weg-Remers.

„Viele Krebspatienten

bringen also bereits eine kardiologische

Vorerkrankung

mit, die sich dann unter der

Krebstherapie verschlimmern

kann.“

Um die Gefahren für das

Herz so gering wie möglich

zu halten, müssten Kardiologen

und Onkologen im Krankenhaus

sowie auch niedergelassene

Ärzte noch stärker

zusammenarbeiten, sagt Stephan

Baldus. Um Ärzte entsprechend

zu vernetzen, hat

sich eine neue Fachrichtung

gebildet: die Onkologische

Kardiologie. „Unser Ziel ist

es, Krebspatienten von Anfang

an kardiologisch zu betreuen“,

erklärt Baldus.

Susanne Weg-Remers ist es

wichtig, dass Krebspatienten

trotz des Herzerkrankungsrisikos

nicht vor einer Therapie

zurückschrecken. „Wer

sich Sorgen um sein Herz

macht, sollte seinen Onkologen

gezielt darauf ansprechen,

alle Vorerkrankungen

offenlegen und nach dem individuellen

Herz-Risiko fragen“,

rät sie. Außerdem sollte

man den eigenen Lebensstil

kritisch überdenken und

die eigenen Risikofaktoren

wie Rauchen, Bewegungsmangel

oder Übergewicht

minimieren.

dpa

Mit Herz und Verstand: Chefarzt und Kardiologe Dr.

Robert Lauer im Patientengespräch.

Erfreulicherweise konnten gerade in den letzten Jahren

bei der Therapie der Herzschwäche erhebliche Fortschritte

erzielt werden. Die Basis stellt eine medikamentöse

Therapie dar. In vielen Fällen profitieren Patienten

auch von der Implantation eines sogenannten

biventrikulären Schrittmachers/Defibrillators, welcher

die geschwächte Herzkammer synchron zum Schlagen

bringt und damit die Pumpleistung verbessert.

Patienten sind bei der Diagnose einer Herzschwäche

unsicher, inwieweit sie sich körperlich belasten können

oder machen aus Vorsicht gar keinen Sport. Um einer

Verschlechterung der Herzschwäche vorzubeugen sowie

die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität zu verbessern,

ist regelmäßiges körperliches Training enorm

wichtig. Mehrere Studien der letzten Jahre haben gezeigt,

dass ein moderates Ausdauertraining nicht nur

Leistungsfähigkeit und Lebensqualität steigert, sondern

auch die Lebenserwartung der Patienten verlängert. Deshalb

wird Patienten mit Herzschwäche, insbesondere

nach einem Krankenhausaufenthalt, eine kardiologische

Rehabilitation empfohlen (gemäß der deutschen kardiologischen

Reha-Leitlinie und der Empfehlungen der Bundesarbeitsgemeinschaft

für Rehabilitation).

Die Antragstellung zur kardiologischen Rehabilitation

kann durch den Sozialdienst im Krankenhaus, den

Hausarzt oder den behandelnden Kardiologen erfolgen.

„Im Zentrum für ambulante Rehabilitation (ZAR)

Ulm bieten wir im Rahmen einer kardiologischen Rehabilitation

gerade auch für Patienten mit Herzschwäche

eine multimodale, individuelle Therapie an“, sagt

der kardiologische Chefarzt des ZAR, Dr. Robert Lauer

und erläutert: „Mit unserem Team aus Ärzten, dem

Pflegepersonal, Sportpädagogen, Physio- und Ergotherapeuten,

Psychologen und Sozialarbeitern erstellen

wir ein auf den Patienten abgestimmtes Programm, um

ihn bestmöglich für den Umgang mit der Erkrankung

auf seinem weiteren Lebensweg vorzubereiten.“

Zur Person

»»

Dr. med. Robert Lauer ist Facharzt für Innere Medizin - Kardiologie

und seit 2016 Chefarzt der Fachabteilung Kardiologie des

Zentrums für ambulante Rehabilitation (ZAR) in Ulm. Als wichtige

Faktoren in der Patientenversorgung sieht er gerade auch für die

Patienten mit Herzinsuffizienz eine sehr gute Kommunikation und

enge Zusammenarbeit zwischen Akutkliniken, Rehabilitationseinrichtungen

und niedergelassenen Ärzten.

Kontakt

ZAR Ulm Rehabilitation der Indikationen Orthopädie und Kardiologie,

Praxen für Physio- und Ergotherapie Pfarrer-Weiß-

Weg 10, 89077 Ulm

E-Mail: info@zar-ulm.de

Tel.: 0731 964 293-100

www.zar-ulm.de

Dr. Gregor Cammerer hat ein Händchen für moderne

Technologien in der Praxisklinik Ulm.

„Die minimal-invasive Therapie bei Venenleiden hat

große Fortschritte gemacht“, erklärt Dr. Gregor Cammerer,

Inhaber der Praxisklinik Ulm und Ärztlicher Direktor

des Wundzentrums Ulm. So etwa bei Krampfaderleiden,

eine der Volkskrankheiten Nummer eins.

Hier stellt die Radiofrequenzablation eine schonende

Alternative zur Operation dar. Die meisten Eingriffe

erfolgen ambulant. Patienten mit Venenleiden beispielsweise

können am selben Tag nach Hause gehen

dank guter Patientenaufklärung und schonender minimal-invasiver

Verfahren. „Das hält die Nebenerscheinungen

nach der Operation sehr gering.“

Die Besonderheit? Die Praxisklinik, zentrumsnah in

der Weststadt gelegen, vereint die Vorzüge einer Klinik

mit modernsten Geräten und Methoden und chirurgischer

Fachkompetenz.

„Wir haben den großen Covid-Sturm gut überstanden“,

freut sich der Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie.

Zurückzuführen sei dies auf die zeitoptimierte

und stringente Zusammenarbeit mit Dr. Uta

Waidner, angestellte Fachärztin für Chirurgie, Proktologie

und Phlebologie, sowie dem zehnköpfigen Team.

Von der engmaschigen Kooperation mit der Tagesklinik

Ulm profitieren Patienten mit Venenleiden oder

proktologischen Indikationen, da diese sich ein Stockwerk

höher befindet.

Den Patienten gut durch die Behandlung führen

„Unsere Patienten schätzen die präzise und freundliche

Behandlung und die modernen Gerätschaften in

der Praxisklinik. Außerdem ist es wichtig, die Patienten

gut durch die Behandlung zu führen.“ Nach ambulanten

Eingriffen hat der Praxisinhaber daher eine Rufnummer

eingerichtet, auf der Patienten ihren behandelnden

Arzt notfalls auch nachts erreichen können.

Das schafft nicht nur Vertrauen, sondern auch das

Quäntchen mehr Sicherheit.

Die Praxisklinik Ulm

»»

Dr. med. Gregor Cammerer ist Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie,

spezielle Viszeralchirurgie, Proktologie, medikamentöse Tumortherapie

sowie „lAight®“-Beauftragter für Akne und Akne inversa.

»»

Dr. med. Uta Waidner ist Fachärztin für Chirurgie, Proktologie

und Phlebologie.

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Die Praxisklinik Ulm deckt chirurgische Eingriffe bei venösen,

proktologischen, viszeralchirurgischen sowie lymphatischen Erkrankungen

und die Behandlung von chronischen Wunden ab. Die Klinik

steht für chirurgische Kompetenz und moderne medizinische Ausstattung

in persönlicher Atmosphäre und ermöglicht damit chirurgische

Behandlungen nach wissenschaftlich gültigen Leitlinien.

Kontakt

Praxisklinik Ulm

Magirusstraße 35/4

89077 Ulm

E-Mail: info@praxisklinik-ulm.de

Tel.: 0731 9 32 96 0

www.praxisklinik-ulm.de

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