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WOLL Magazin 2021.1 Frühling I Brilon, Marsberg, Willingen, Diemelsee

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Frühling 2021

15

Worte, Orte, Land und Leute.

Ausgabe für

Brilon, Marsberg,

Willingen und

Diemelsee

Sauerland

Herrlicher Frühling

im Sauerland

Briloner Eckpfeiler: Franz Schrewe

Marsberg-Udorf: Als der Friedhof noch in Hessen lag

Profi-Trainer und Wahl-Willinger: Tobias Cramer

www.woll-magazin.de | www.imsauerland.de

WOLL - mit Herz und Hand von


Evangelische Stadtkirche Brilon

In Brilon harmonieren

nicht nur die Kirchenglocken

P

unkt 12.00 Uhr in Brilon. Die Kirchenglocken

erklingen. Keine 600 Meter Luftlinie von der evangelischen

Stadtkirche entfernt liegt die katholische

Nikolaikirche, etwas weiter die Propsteikirche. Aufmerksamen

Zuhörern fällt gleich auf, wie harmonisch die Kirchenglocken

aufeinander abgestimmt sind. Dieser Wohlklang

zwischen den Konfessionen war auch im übertragenen

Sinne schon vor mehr als 150 Jahren spürbar.

Das religiöse Bekenntnis bestimmte noch im 16. Jahrhundert

der Landesherr. In Brilon war das der Kölner Erzbischof. Und

der war eben katholisch. Langsam kamen in dieser Zeit reformatorische

Bewegungen auf, die zunächst aber wieder zunichte

gemacht wurden. Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts das

Herzogtum Westfalen zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt

gelangte und später Preußen angegliedert wurde, kamen verstärkt

Menschen evangelischen Glaubens in die Stadt. Zunächst

Beamte, später Handwerker.

Eine eigene Kirche konnten sich die evangelischen Briloner, die

zunächst zur Kirchengemeinde Arnsberg, später nach Meschede

gehörten, zunächst nicht leisten. Die evangelischen Gottesdienste

wurden seit 1818 in der katholischen Nikolai kirche

abgehalten. Erst 1838 erfolgte die Gründung einer eigenen

Gemeinde, deren erster Pfarrer, Tugendholt Plate, die Kirchengemeinde

32 Jahre lang leitete.

Eine der letzten mechanischen Kirchturmuhren im Sauerland

Im Jahre 1855 hatte die Gemeinde 250 Mitglieder, aber noch

nicht genügend Geld, um eine eigene Kirche zu bauen. Wie gut,

dass ihnen die Stadt Brilon unentgeltlich das Grundstück vor

dem Kreuziger Tor vermachte. Außerdem erhielten sie einen

Bauzuschuss von 150 Talern.

Erbaut wurde die Stadtkirche, die 1856 eingeweiht wurde, in

Anlehnung an die Entwürfe des bekannten Berliner Architekten

Karl Friedrich Schinkel. Sie hatte zunächst noch einen

Giebelturm mit Kupferdach.1922 erhielt sie den Glockenturm.

In diesem Turm schlägt übrigens eine der letzten mechanischen

Kirchturmuhren im Sauerland.

Die Kirche, die seit 1976 unter Denkmalschutz steht, wurde

mehrmals renoviert und umgestaltet. Auch ihre pneumatische

Kirchenorgel von 1908 mit 16 Registern in romantischem

Klangbild, erbaut von Eduard Vogt aus Korbach, ist in die Liste

der Denkmäler aufgenommen worden.. ■

2 - WOLL Frühling 2021


Liebe Leserinnen und Leser,

der Frühling gilt als Sinnbild des erwachenden Lebens. Ein Gefühl von Neubeginn

macht sich breit, die Natur erwacht zu neuem Leben. Diesem „Aufbruch“

wollen wir uns in dieser WOLL-Ausgabe mit unserem Schwerpunkt-Thema widmen.

Dabei sind wir buchstäblich rausgegangen und haben erfahren, dass die

Natur ein Trainingsparcours ist, der alle Sinne fordert und fördert. Neben den

Freizeitmöglichkeiten werfen wir auch einen Blick in die Gärten unseres Sauerlandes.

Dabei haben die Kolleginnen und Kollegen eine große Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten

entdeckt. Bei aller Variabilität mahnt Kreisgärtnermeister

Peter Horst an: „Die Pflanze darf im Garten nicht zu kurz kommen.“ Die Pflanze

eben als ein Sinnbild des Lebens.

15 Jahre war Franz Schrewe aus Scharfenberg Bürgermeister von Brilon und hat

eine Epoche geprägt. Der Ehrenbürgermeister, ein Verfechter und Bewahrer der

plattdeuschen Sprache, gewährte uns interessante Einblicke in seine ehemalige

Tätigkeit. In Brilon-Rixen haben wir Judith B. Mendel-Koch getroffen. Die

(pensionierte) Orgelbaumeisterin hatte mit 22 Jahren als zweite Frau in Deutschland

ihre Meisterprüfung abgelegt. Orgeln sind für sie „irgendwie wie Kinder“.

Wir stellen die Briloner Band „One Tape“ vor, die in keine Schublade passen will.

Auf unserer Tour waren wir auch in Marsberg-Udorf unterwegs. Wichtige Einrichtungen

wie Teile (!) der Schützenhalle oder der Friedhof gehörten lange zum

Land Hessen, ehe 2009 - durch einen Staatsvertrag und Gebietstausch - diese

Einrichtungen an NRW fielen.

Paul Senske

Chefredakteur

Viele Spaß bei der Lektüre der WOLL-Frühlingsausgabe!

Paul SenskeKontakt:

www.woll-magazin.de

redaktion-bmwd@woll-magazin.de

facebook.com/WOLLBrilon

WOLL Frühling 2021 - 3


Brilon

06 Alt-Bürgermeister Franz Schrewe

09 Huberta

10 Eisvogel an der Ruhr

50 Lobbe-Entsorgung

51 Niggemeier Bedachungen

54 Die Briloner Glockengießer

58 Theo Mühlenbein und seine Oldies

60 Bildungszentrum Maria-Hilf Brilon

71 Die Caritas-Werkstätten St. Martin

78 Musikband One Tape

95 Modellbauer Josef Sommer

120 Orgelbauerin Judith B. Mendel-Koch

Marsberg

12 Reifen Schulte

18 Der Rittersprung

48 Tipps von Marsberger Gartenexperten

56 Die LWL-Einrichtungen als Arbeitgeber

62 Reinhard Fiege in Costa Rica

115 Ortsporträt Udorf

119 Brillen Jurga

124 Perfekt Prior

128 Apotheke Sorgenfrey

Willingen

Schwerpunkt „WOLL

geht raus“ ab Seite 19

Aus dem Sauerland

14 Trainer Tobias Cramer

Diemelsee

17 Die Benkhäuser Höpper

31 Kuh-Comic

64 Osterbräuche

67 Michael Senske

70 Gedicht: Der Frühling

72 Fotoserie Mühlen

80 Robert geht wandern

84 Berufsbildungswerk Bigge

89 BZB Willerscheid

97 Die Oventroper

98 Fiona Hoppe

92 Tilia

94 Auto Technik Schulte

101 IHK

102 Manuka-Honig

104 Nuttlars Unterwasserwelt im Kino

105 Literatur

110 Ango Reha-Technik

113 Netzfundstücke

126 Das Kyrill-Tor

130 Premium-Verteilstellen/Impressum

131 Ruheforst Bad Arolsen

4 - WOLL Frühling 2021


Musste gucken:

Wie die Stadt Warstein ihren Wald rettet

Hier ein schönes Beispiel, wie

das Sauerland ein waldreiches

Land bleiben

kann:

Quelle: https://youtu.be/gbb7ZDEPIwY

Das Buschwindröschen

Im dunklen Nadelwald fühlt sich das

Buschwindröschen so gar nicht wohl.

Schließlich braucht diese Anemonen-Art

besonders viel Licht zum

Wachsen. Hat sie davon ausreichend,

überzieht sie den Waldboden schon

im März mit einem wunderschönen,

weißen Blütenteppich. Gegen Nässe

und Kälte kann sie sich gut wehren,

nur der kalte Frühjahrswind macht

ihren zarten Blütenblättern zu schaffen. Durch die Neuanpflanzung von

Laubbäumen werden wir uns künftig wohl häufiger an der „anemone

nemorosa“ (= „waldbewohnende Windblume“) erfreuen können. (c.z.)

Die Rückkehr

der Sonnenvögel

Haben Sie schon die ersten Kraniche

am Himmel entdeckt? Die “Sonnenvögel”

der ägyptischen Mythologie.

Leise sind diese großen Vögel ja

nicht gerade, denn sie verkünden ihre

Rückkehr aus südlichen Gefilden, aus

Frankreich, Spanien und Nordafrika,

durch lautes Trompeten.

Selbst, wenn er weiter oben fliegt,

erkennt man einen Kranich-Schwarm

sofort. Und zwar an der auffälligen

Keilformation, zu der bis zu 1.500

Vögel zählen. Die imposanten Flie ger

können bis zu 2.000 km nonstop zurücklegen.

Das Sauerland überfliegen sie meist

nur, denn sie haben noch einen weiten

Weg vor sich. Ihre Sommerquartiere

liegen in Skandinavien, Polen,

im Baltikum und Weißrussland.

Und seit einigen Jahren auch wieder

in Nord- und Nordost-Deutschland.

(c.z.)

Schmetterlinge mögen keine Rasenmäher

Wo sind eigentlich all die Wiesen geblieben? Richtige Wiesen. Mit Wildblumen,

Wildgräsern und Kräutern. Gelegentlich findet man sie sogar in Städten

… Denken Sie dann bitte nicht sofort: Hier müsste auch mal wieder gemäht

werden. Denn Schmetterlinge, Hummeln und viele andere Insekten brauchen

die Artenvielfalt gesunder Wiesen. Wer sich die Zeit nimmt und einmal

genauer hinschaut, kann dort auch eine einzigartige Pracht entdecken: Wiesenflockenblumen,

Hahnenklee, Wiesenschaumkraut, Lichtnelken, Gänsefingerkraut.

Schmetterlinge sind selten geworden … (c.z.)

WOLL Frühling 2021 2021 - 5- 5


Alt-Bürgermeister Franz Schrewe

Der Mann, der Eckpfeiler der

Briloner Stadtgeschichte schuf

F

ranz Schrewe, ein Mann der in besonderer Weise mit Brilon verbunden

ist. Der die plattdeutsche Sprache liebt, fließend beherrscht

und sogar Bücher darüber herausgebracht hat. Ein Ehrenbürgermeister,

der das Allgemeinwohl und das Ehrenamt vor seine persönlichen Belange

stellt und als Mann der überlegten Tat Eckpfeiler der Briloner Stadtgeschichte

geschaffen hat.

Manfred Eigner

sabrinity

WOLL: Herr Schrewe, zu welchem

Zeitpunkt haben Sie sich dazu entschieden

mit Ihrem Wirken an der

Geschichte Brilons mitzuschreiben

und welche Faktoren haben Sie dazu

motiviert?

Franz Schrewe: Eigentlich schon in der

frühen 70er Jahren als man in unserer

konservativ geprägten näheren Heimat

oft abfällig über die SPD und deren

Wähler und Politiker sprach. Ich merkte

schnell, dass dieses schlechte Gerede mit

der Wahrheit nichts zu tun hatte.

WOLL: Beschreiben Sie doch einmal,

auch wenn es bei der Fülle ihrer

Ämter sicher nicht einfach ist, welche

Aufgaben Sie in ihrem Einsatz für

und rund um Brilon bisher innehatten

und was Sie heute noch aktiv

mitgestalten?

Franz Schrewe: Für spätere kommunalpolitische

Aufgaben prägt einen

zuerst die Mitarbeit im Vereinsleben des

Heimatdorfes. In Scharfenberg war ich

seit meinem 13. Lebensjahr als Flötist im

Tambourkorps Unitas und als Fußballer

im TuS Union aktiv. Später kamen dann

Aufgaben im Vorstand dazu davon 15

Jahre Vorsitzender.

Ab 1985 habe ich mich dann in der

Kommunalpolitik engagiert, erst als

sachkundiger Bürger im Kultur- und

Sportausschuss und dann ab 1989

zehn Jahre lang als Mitglied des Rates.

Zeitgleich war ich Ortsvorsteher meines

Heimatdorfes Scharfenberg und ab 1992

Fraktionsvorsitzender.

Nach der Änderung der Gemeindeordnung

und Abschaffung der sog. Doppelspitze

aus ehrenamtlichem Bürgermeister

und hauptamtlichem Stadtdirektor

haben mich die Bürgerinnen und Bürger

der Stadt Brilon dreimal zum Bürgermeister

unserer Stadt gewählt. Es erfüllt

mich mit großem Dank, der erste Bürgermeister

zu sein, der in der Geschichte

Brilons direkt von den Bürgern und

nicht von einer Mehrheit des Stadtrates

6 - WOLL Frühling 2021


gewählt wurde.

Nach 47 Arbeitsjahren, davon vier Jahre

als Soldat der Bundeswehr, 28 Jahre

in der Finanzverwaltung NRW und 15

Jahre als Bürgermeister bin ich 2014 im

65. Lebensjahr aus dem Arbeitsleben

ausgeschieden.

Heute gehört mein Engagement in

Brilon dem Arbeitskreis Mundartpflege

im Briloner Heimatbund, dessen

Leitung ich von meinem Deutschlehrer

am Gymnasium Dr. Fritz Reckling

übernommen habe.

WOLL: Welche Stationen in Ihren

Ämtern haben Sie besonders geprägt?

Franz Schrewe: Ich bin überzeugt,

dass einen alle verschiedenen Berufsausübungen

für die weiteren Schritte

im Leben prägen. So sicher auch die

Erfahrungen als Soldat der Bundeswehr,

besonders in der Tschechen-Krise,

als 1968 die Russen in der damaligen

Tschechoslowakei einmarschierten

und wir ihnen mit unseren Radaraufklärungsgeräten

auf 3 km Entfernung

an der Grenze im Bayerischen Wald

gegenüberstanden. Aber auch in den

20 Jahren im Außendienst der Finanzverwaltung

gab es immer wieder

Situationen, die einen für die weiteren

Schritte im Beruf geprägt haben.

WOLL: Wenn Sie einen Rückblick

wagen, gäbe es da Dinge die Sie

lieber gar nicht oder anders angegangen

wären?

Franz Schrewe: Es gab mal eine

falsche Personalentscheidung, aber

die habe ich total vergessen. Die

Entscheidung, nach und nach fast

Grundschulen in unseren Briloner

Dörfern zu schließen, hat mit sehr weh

getan. Leider ließen die äußeren Umstände

keine andere Wahl zu.

WOLL: Auf welche Ihrer erreichten

Ziele sind Sie besonders stolz?

Franz Schrewe: Dass Rat und Verwaltung

unter meiner Verantwortung

als Bürgermeister die schon in der

Vergangenheit praktizierte Ausweisung

von Wohngebieten und Gewerbe- und

Industrieflächen intensiv fortgeführt

haben. Aber auch die Neustrukturierung

des städtischen Eigenbetriebs

Stadtwerke Brilon in eine AöR und die

Umorganisation des städtischen Krankenhaus

Maria-Hilf in eine gGmH

waren wichtige Meilensteine.

WOLL: Wie sieht ein typischer Tag

eines eigentlich im Ruhestand befindlichen

Franz Schrewe aus?

Franz Schrewe: Nach 47 Arbeitsjahren

immer mit Vollgas gibt es jetzt

im Rentnerleben natürlich auch Tage

mit keinen Pflichten. Außer wenn vom

Frühjahr bis in den Herbst Haus und

Hof und unser 1000 m² Nutzgarten,

den wir in einen kleinen Park umgestaltet

haben, rufen.

Meine heutigen ehrenamtlichen

Arbeiten als Landesvorsitzender des

Sozialverband Deutschland SoVD

in Düsseldorf und als Vorsitzender

des Finanzausschusses des SoVD auf

Hauptgeschäft Brilon

Friedrichstraße 1

02961-4959

Öffnungszeiten:

Mo., Mi. & Do. 6:00 -13:00 Uhr

Di. & Fr. 6:00-18:00 Uhr

Sa. 6:00-13:00 Uhr

So. 8:00-11:00 Uhr.

Filiale Brilon Madfeld

Bernhard-Bartmann-Str.3

02991-9629712

Öffnungszeiten:

Mo., Mi. & Do. 6:00 -13:00 Uhr

Di. & Fr. 6:00-12:30 Uhr & 14:30-18:00 Uhr

Samstag 6:00-12:30 Uhr

WOLL Frühling 2021 - 7

Sonntag 7:30-10:30 Uhr


Bundesebene in Berlin machen täglich

Arbeit am Schreibtisch und drei bis

vier Reisen im Monat erforderlich. Der

SoVD hat in NRW 90.000 Mitglieder.

Wir machen uns für die Rechte von

Patienten, Rentnern, Menschen mit Behinderung

und Pflegebedürftigen und

deren Angehörige stark.

WOLL: Welche Ihnen besonders

am Herzen liegende Sache würden

Sie gerne an dieser Stelle einmal

ansprechen?

Franz Schrewe: Gar keine kommunalpolitische

Sache, sondern eine Frage,

die eigentlich alle Menschen in unserer

Gesellschaft beschäftigen müsste.

Es geht um die Bereitschaft, Blut zu

spenden. Jeden Tag werden in unseren

Krankenhäusern in Deutschland

Bluttransfusionen vorgenommen. Pro

Tag werden dafür 15.000 Blutspenden

zur Behandlung der Patientinnen und

Patienten benötigt. Deshalb werbe ich

immer gerne für die Teilnahme an

einem Blutspendetermin in unserer

Stadt und unseren Dörfern. ■

Franz Schrewe

Brillenmoden Schwiddessen

Inh. Jörn Teuteberg

Hauptstraße 46

8 - WOLL Frühling 2021

34431 Marsberg

Telefon 0 29 92 - 50 60

www.schwiddessen-optik.de

Gerne sind wir für Sie da:

Mo - Fr:

09:00 - 12:30 Uhr

14:00 - 18:00 Uhr Sa: 09:00 - 13:00 Uhr


Hubertas

Ecke

Tach zusammen. Ich freue mich auf das Frühjahr

und kann es kaum erwarten.

Obwohl – ich finde es gibt ja einen Unterschied, ob man

etwas nicht erwarten oder nur nicht abwarten kann. Das

durfte ein Vereinskollege meines Futtergebers unlängst

erleben.

Für die, die es immer noch nicht wissen: Mein Futtergeber

nennt sich ‘mein Besitzer’ und ich lasse ihn in seinem Glauben.

Also eben dieser Vereinskollege ist dafür bekannt, nicht

abwarten zu können und sich an allen vorbeidrängelnd

immer ganz nach vorne zu schieben, um der Erste zu sein.

Im Vereinshaus war zur Feier geladen. Und natürlich – so

wie hier im Sauerland üblich - haben die Frauen des Dorfes

nach guter Tradition die Veranstaltung mit Kuchenspenden

unterstützt. Auf drei Tischen präsentierten sich dann

Backkünste in allen Farben, Formen und Geschmacksrichtungen.

Mit ihren Kuchentellern in der Hand standen

die Gäste gutgelaunt und sich fröhlich unterhaltend brav

in der Schlange, um sich dann am Kuchenbuffet angekommen

ein Stück Süßes ihrer Wahl zu nehmen. Nicht

so dieser ganz Eilige. Mit breitem Grinsen im Gesicht

gings mit langen Schritten zur Theke und von den drei

dort aufgestellten Kuchen und Torten wurde jeweils ein

großes Stück, also bis über den Rand hinausragend, auf den

Kuchenteller geladen und mit ebenso breitem Grinsen an

der Warteschlange vorbei zu seinem Platz getragen.

Dort angekommen, noch allein am eigentlich Zehnertisch

sitzend, wurden die Kuchenstücke sofort reingeschaufelt.

„Wenn das unsere Altvordern früher gemacht haben, kann

man ja die Kriegszeit als Entschuldigung gelten lassen“, war

noch die harmloseste Bemerkung aus der Warteschlange.

Als mein Futtergeber samt Frau und jeweils einem Stück

Kuchen auf ihren Tellern wieder zum besagten Zehnertisch

kamen, stand der nach drei Stück Kuchen immer noch

nicht Satte (Böse Zungen behaupten, weil es heute umsonst

ist) mit den Worten auf: „Ach ich hol mir noch ein

Stück, die Schlange ist ja jetzt weg.“ Allerdings machte er

auf halber Strecke halt, stellte hektisch seinen Teller weg

und spurtete sichtlich steifbeinig Richtung Toiletten. Alle

schauten erstaunt, bis auf die Frau des Hallenwartes. „Auf

der Theke standen die drei Diabetikerkuchen. Alle statt mit

Zucker alternativ mit künstlichem Süßstoff. Aber ich hab

gedacht – sach mal nix“, erklärte sie lakonisch und nahm

einen Schluck Kaffee. Ein Platz am Zehnertisch blieb

anschließend leer. Und der immer so Hungrige mochte das

leckere Abendessen nicht abwarten - vielmehr konnte er es

kaum erwarten ‘unfallfrei’ zu Hause anzukommen.

Ach ja – Man möge es mir verzeihen, wenn ich mal wieder

jemandem durch meine veröffentlichte Sichtweise zu nahe

getreten bin, weil er sich hier wiedergefunden hat. Aber

schließlich bin ich ja nur ein Sauerländer Esel. ■

WOLL Frühling 2021 - 9


Perspektive

Eisvogel an der Ruhr

S. Droste

10 - WOLL Frühling 2021


WOLL Frühling 2021 - 11


Anzeige

Reifen Schulte in Marsberg

Immer sicher „auf allen Vieren“

Christel Zidi

Sabrina Voss

F

ahrtüchtigkeit und Sicherheit

unseres liebsten Fortbewegungsmittels,

des Autos,

sind immens wichtig. Jederzeit muss

es sicher auf „allen Vieren“ laufen.

In Marsberg kümmert sich die Firma

Reifen Schulte nun schon seit 75 Jahren

um „alles rund um den Reifen“.

Und längst nicht darum allein.

Anders als erwartet, ist es nicht besonders

heiß in den Hallen des Reifenbetriebs

Schulte in Marsberg. Aber so ganz

schwach ist der Geruch nach Schwefel

noch da… Gleich treffe ich einen echten

Vulkanisiermeister. Vulkanisier…? Auch

wenn der Laie diesen Begriff vielleicht

zunächst mit Vulkanen in Verbindung

bringt - mit feuerspeienden Bergen hat

das Team von Reifen Schulte nun doch

nichts zu tun.

In der Werkstatt der Vulkaniseure

„Vulkanisieren ist das Zusammenfügen

von Gummiteilen“, klärt Geschäftsführer

Berndt Schulte auf. „Naturkautschuk,

der vulkanisiert wird, wird

zunächst erhitzt. Druck und Hitze wird

aufgebaut. Ein sehr arbeitsaufwändiges

Verfahren.“ Schwefel wird in den Kautschuk

eingebracht, damit dieser elastisch

wird. Je mehr davon eingebracht wird,

umso fester und formbeständiger wird

der Gummi, gleichzeitig nimmt die

Dehnbarkeit ab. Heiß wird es beim

Vulkanisieren schon noch, aber „nur“

156 bzw. 170 Grad.

Vom Schubkarren- zum EM-Reifen

Sechs Vulkaniseure und Reifenmechaniker

sind im Betrieb für die Montage und

Reparatur zuständig. Auffällig sind vor

allem die unterschiedlichen Größen der

Reifen. Kleine, wie etwa die von Schubkarren,

werden eher selten zur Reparatur

gebracht.

Bei den größeren – bis hin zum riesigen

EM-Reifen (Erdbewegungsreifen) - gibt

es, wie Berndt Schulte berichtet, „viele

Kunden, die auch von weither kommen.“

Solch eine Reifenreparatur kann

recht aufwändig sein – ist aber noch

echtes Handwerk, von Spezialisten ausgeführt.

12 - WOLL Frühling 2021


In der Werkstatt der Vulkaniseure: Berndt Schulte und Clemens Pieper

Ein breites Spektrum

Allein auf Reifen fixiert, war das Unternehmen

allerdings nie: „Eigentlich

machen wir schon immer alles, was mit

dem Auto zu tun hat – außer Motor

und Karosse“, erläutert das der zweite

Geschäftsführer, Clemens Pieper. Das

Spektrum ist breit. Neben den üblichen

Reifenarbeiten wie Montage, Auswuchten,

Matchen etc. kümmert man sich

hier auch um Bremsen, Dämpfer und

Feder, lässt den Achsenstand messen

und das Öl wechseln – um nur einiges

zu nennen. „Und natürlich haben wir

auch eine sehr große Auswahl an Zubehör“,

ergänzt Pieper.

50 Jahre Vulkaniseur,

45 Jahre Meister

50 Jahre ist es her, dass Berndt Schulte

seine Gesellenprüfung bestand. Vor 45

Jahren wurde er Vulkanisiermeister. Ein

Beruf, der quasi schon in seinen Genen

steckt. 1946 wurde der Reifenhandel –

mit Autowerkstatt – durch die Brüder

Johann-Ottmar, Eberhard und Martin

Schulte gegründet. 1949 kam eine Tankstelle

hinzu. Die Räumlichkeiten in

der Bredelarer Straße 27 wurden 1950

bezogen. 1958 zog der Autohandel in die

Bredelarer Straße 61, der Reifenbetrieb

blieb am Standort. Und damit verteilten

sich die Aufgaben: Für das Autohaus

war Johann-Ottmar Schulte zuständig,

für den Reifenhandel seine Brüder Eberhard

und Martin.

1988, elf Jahre nach seiner Meisterprüfung

kaufte Martin Schultes Sohn

Berndt den Reifenbetrieb aus dem

Schulte-Unternehmen heraus und zog

1993 in die Rennuferstraße 5. Zwei

Jahre später trat Berndt Schulte als

Gründungsmitglied der EFR (Einkaufsgesellschaft

Freier Reifenfachhändler)

bei. 1996 baute er seinen Betrieb weiter

aus: Es kam eine große Lagerhalle mit

LKW-Reifen-Montagehalle hinzu. Endlich

Platz genug für das Reifen-Schulte-

Team auf alle Kundenwünsche eingehen

- ganz gleich wie groß die Reifen sind. ■

Bei Reifen Schulte

wird ein breites

Spektrum rund

um den Reifen

angeboten

"Herr Dobke bei der Arbeit"

Wer Freude an

einer Ausbildung als

Vulkaniseur (m/w/d)

hat, kann sich gerne

bewerben:

info@reifenschulte.net

Reifen-Schulte GmbH & Co. KG

Rennuferstraße 5

34431 Marsberg

Tel.: 02992 - 80 35

Fax. 02992 - 54 83

info@reifenschulte.net

WOLL Frühling 2021 - 13


Tobias Cramer, Trainer

der Sportfreunde Siegen

„Ich lasse mir

meine Oase

Willingen

nicht nehmen“

Sonja Funke

Iris Böning

Diesen Moment wird Tobias

Cramer, gebürtiger Wiemeringhauser

und Wahl-Willinger, nie

vergessen: In Kassel sitzt er vor ausverkauftem

Stadion auf der Trainerbank. Im

August 2015 ist das, in der ersten Hauptrunde

des DFB-Pokals gegen Hannover

96. 18.000 Zuschauer. Ein Jahr später

ist er selbst Cheftrainer der ersten

Mannschaft von KSV Hessen Kassel in

der Regionalliga Südwest. Nur drei

Klassen unter der ersten Bundesliga

erlebt er für drei Jahre alle Höhen

und Tiefen des Trainergeschäftes. Die

Verantwortung und das Glück, vor

tausenden Zuschauern zu gewinnen oder

beim internationalen Trainerkongress zu

referieren. Und die Machtlosigkeit, wenn

eine Mannschaft, die sportlich funktioniert,

für einen hoch verschuldeten

Verein spielt. Seit dem 1. Januar 2020

trainiert Tobias Cramer die „Erste“ der

Sportfreunde Siegen. Im Woll-Interview

schildert er, wie ein Trainerleben

zwischen Amateur- und Profi-Fußball

und mit Familienanschluss so aussieht.

14 - WOLL Frühling 2021


Streckbrief:

Tobias Cramer, 46 Jahre alt, verheiratet,

zwei Kinder, ist Di plom-

Sportlehrer und hat die A-Trai ner-

Lizenz; er spielte in der Jugend bei

Rot-Weiß Wiemeringhausen und

beim TSV Bigge-Olsberg und in

den 90ern unter anderem beim SC

Willingen und dem SSV Meschede.

Noch während seines Studiums war

er Co-Trainer der U-16-Mannschaft

des 1. FC Köln und später Trainer der

U17 des SC Paderborn.

WOLL: Wie wird man hauptberuflicher

Fußballtrainer?

Tobias Cramer: Grundsätzlich wollte

ich erst einmal durch mein Studium an

der Sporthochschule in Köln fundiertes

Wissen bezüglich der Sportwissenschaften

erlangen. Im Hauptstudium

habe ich mich dann spezialisiert und

im Spezialgebiet „Trainerprofil“ meinen

Abschluss gemacht. Aber schnell

war klar, dass man viele Kontakte

braucht, um wirklich im Trainergeschäft

Fuß zu fassen. Im Jahr 2014

fragte mich mein Trainerkollege

Matthias Mink, damals Cheftrainer in

Kassel, ob ich sein Co-Trainer werden

möchte. Ich sagte zu und war zuerst

parallel noch zwölf Stunden als Lehrer-

Trainer am Goethe-Gymnasium in

Kassel tätig. 2015 bin ich dann hauptamtlicher

Co-Trainer geworden. Das

war schon ein toller Moment. Meine

Familie und ich kannten bis dahin nur

Berufstätigkeit mit anschließendem

Trainerjob (nebenberuflich) auf dem

Fußball-Platz.

WOLL: Wollten Sie selbst mal Fußball-Profi

werden?

Tobias Cramer: Natürlich. Und ich

hatte sicher viel Talent, aber das allein

reicht nicht. Ich war, aus der jetzigen

Reflexion heraus, nicht fokussiert genug,

um in jungen Jahren den Schritt

in den Profifußball zu schaffen. Ich

war noch Schlagzeuger in einer Band

und gerne auch außerhalb der Schule

mit meinen Freunden unterwegs. Die

Zeit, in der ich mit Willingen zum Teil

in der Oberliga gespielt habe, zwischen

1993 und 1999, war klasse. Das war

damals die dritte Liga, das war schon

ein hohes Niveau.

WOLL: Haben Sie Ihre Berufswahl

mal bereut?

Tobias Cramer: Ich habe sie noch nie

bereut. Der (Fußball-)Sport ist meine

Leidenschaft. Schön ist es natürlich,

wenn man Fußballwettkämpfe erfolgreich

bestreitet. Das ist nun mal so.

Die ganze Atmosphäre in Kassel, alles

war so professionell, es gab so viele

tolle Momente – gerade 2016, als ich

für drei Jahre Fußballcheftrainer war

und wir in Offenbach vor 6000, in

Mannheim vor 8000 Zuschauern gespielt

haben. Außerdem durfte ich als

Cheftrainer den Rekordversuch gegen

Baunatal in der 5. Liga miterleben –

über 16.000 Zuschauer – Wahnsinn.

Die fünf Jahre in Kassel waren nerven-

eine reife

leistung.

Was wäre es Ihnen wert, wenn Sie sicher gehen

könnten, dass die Schlachttiere für den Schinken

auf Ihrem Brot aus der Region stammen?

Wenn Sie wüssten, dass Ihr Schlachter

den Fleischerzeuger persönlich kennt?

Wenn der Schinken, den Sie genießen, von der

Schlachtung über die Reifung, das Salzen

bis hin zur Belieferung in einer Hand liegen?

Zeigen Sie es bei Ihrem nächsten Einkauf.

Eine Karte mit den Märkten in Ihrer Nähe

und die Adresse für unseren Direktverkauf

in Brilon-Madfeld finden Sie auf

unserer Internetseite.

www.scharfenbaum-gmbh.de

WOLL Frühling 2021 - 15


aufreibend, aber gleichzeitig einfach

toll, auch die Fanszene hat mich super

verabschiedet.

WENN SCHON KEIN

KARNEVAL, DANN

WENIGSTENS

TOP BERLINER!

WOLL: Und danach?

Tobias Cramer: Danach habe ich

erst mal ein halbes Jahr nichts gemacht.

Runterkommen, sondieren,

gucken, was sich auf dem Markt

bewegt. Dann haben sich die Sportfreunde

Siegen gemeldet und ich

habe entschieden, dass ich ab den

1.1.2020 dort Trainer werde. Wir

haben in den letzten vier Spielen vor

dem Lock-Down zehn Punkte geholt.

Aber die Pandemie hat uns wieder

ausgebremst, Kurzarbeit ist angesagt.

Es gibt individuelle Trainingspläne,

die über Apps kontrolliert werden.

Die Spieler sind sehr motiviert und

schicken Videos mit ihren Athletik-Einheiten.

Ich fahre einmal die

Woche ins Büro nach Siegen und bin

gespannt, wann wir wieder spielen

dürfen. Außerdem muss jetzt schon

die neue Saison geplant werden.

Berliner aus eigener Herstellung,

in Siedefett und Butter gebacken

absolute TOP Berliner

Butterberliner, hohe

handwerkliche Qualität

versehen mit dem "Green Label"

Bäckerei Runte OHG

Weist 22

34331 Marsberg

Tel.: 02992/2569

Fax: 02992/64146

baeckerei-runte@t-online.de

www.runte-marsberg.de

16 - WOLL Frühling 2021

WOLL: Ist es nicht anstrengend, so

in der Öffentlichkeit zu stehen?

Tobias Cramer: Das gehört dazu.

Wichtig dabei ist, die persönlichen

Eitelkeiten nicht in den Vordergrund

rücken. In der Öffentlichkeit zu

stehen, sollte die niedrigste Priorität

genießen. Solange ich noch normal

einkaufen gehen kann und mich nicht

jeder auf Fußball anspricht, ist alles in

Ordnung. Ich lasse mir meine Oase

Willingen nicht nehmen. Es war mir

und der Familie immer wichtig, dass

es eine räumliche Distanz zwischen

meinem Wohnort und dem Vereinsort

gibt. Dafür fahre ich auch gerne viele

Kilometer.

WOLL: Und die Familie, wie findet

sie einen Papa, der Trainer ist?

Tobias Cramer: Meine Frau hat mich

als Fußballer in Willingen kennengelernt.

Sie kennt mich also nicht ohne

den Fußballsport. Unsere Jungs haben

in der Zeit in Kassel nach den Spielen

immer in der Kabine gesessen und

mit den Spielern geredet. Aber auf der

anderen Seite ist es ganz pragmatisch

mein Job. Ich fahre ja mit meiner

Frau auch nicht ins Büro. In diesem

Job muss ich genauso funktionieren,

wie alle anderen in ihren beruflichen

Tätigkeiten auch. Die Zeit als Familie

nehmen wir uns dann, wenn es möglich

ist. ■


144 * und

ein Höpper

Benkhausen in der

Gemeinde Diemelsee

Christel Zidi

Einem Höpper, also einem Frosch

wie das Wort auf Hochdeutsch

heißt, ein Denkmal zu setzen

- Wer kommt denn auf so eine Idee?

Dazu müsste man doch schon selbst

ein Höpper sein. Genau! Und zwar ein

Benkhäuser Höpper. Denn die 144 Einwohner

in dem malerisch gelegenen Dorf

Benkhausen tragen diesen Beinamen.

Und dies ist die Sage, die dazu geführt

hat, dass die Benkhäuser bis heute diesen

Namen tragen:

In Benkhausen war einmal ein Müller, der

oft von einem großen Höpper geärgert wurde.

Wenn bei dem Müller ein Bauer vorfuhr,

um ein großes Fuder Korn mahlen zu

lassen, setzte sich der Frosch in die Speichen

und hielt das Mühlrad fest. Der Müller

schimpfte und fluchte, aber er konnte des

Schelmen nicht habhaft werden. Wollte

er den Kunden nicht unverrichteter Sache

weiterziehen lassen, so musste er geschwind

ein Huhn ins Wasser werfen. Der Höpper

kam dann herangeschwommen und

verschlang das Huhn. Nun ging das Rad

herum, und der Müller konnte mahlen.

Eines Tages kam von Schweinsbühl ein

Vetter des Müllers, der sich auf seine

Schlauheit viel zugute tat, mit einem

tüchtigen Fuder, um es mahlen zu lassen.

Er hatte sich vorgenommen, diesmal den

Höpper anzuführen. Deshalb hatte er ein

paar Fliegen gefangen, sie in ein Kästchen

getan und lauter Federn daran geklebt. Als

er in die Mühle kam, sagte er: „Ich habe

dem Höpper, was ihm zukommt, mitgebracht.“

Dann warf er sein Kastenhuhn in

den Mühlgraben. Der Höpper schnappte

danach; als er jedoch merkte, dass er betrogen

war, hielt er das Rad so lange fest,

bis der Schweinsbühler, ohne gemahlen zu

haben, nach Hause zog.

Die Müllersfrau aber, die wegen des entgangenen

Verdienstes aufgebracht war,

sagte zu ihrem Mann: „Nun lass mich

mal gewähren.“ Da sie gerade brauen

wollte, hatte sie den großen Braukessel voll

kochenden Wassers. Alle Kübel und Eimer,

die nur in dem Hause aufzutreiben waren,

ließ sie mit dem kochenden Wasser füllen

und auf das Wehr bringen. Dann wurden

alle Gefäße zu gleicher Zeit mit Hilfe aller

Hausbewohner auf das Rad ausgeschüttet.

Im Nu ging das Rad herum, und unten sah

man den Höpper verschwinden.

Der Höpper hielt sich bis zum Eintritt der

Nacht verborgen und machte sich dann auf

den Weg nach Schweinsbühl. Dort wollte

er vor dem Dorfe einem großen Hund

entweichen, rannte aber ans Backhaus

und zerschmetterte sich den Kopf. Als die

Schweinsbühler am anderen Morgen im

Backhaus das Feuer anmachen wollten,

fanden sie einen alten Mann mit zerschmettertem

Kopfe am Backhause liegen.

Alte Leute erkannten in dem Toten einen

üblen berüchtigten Mann aus dem Dorfe,

der vor vielen Jahren auf geheimnisvolle

Weise spurlos verschwunden war.

Und wenn Sie mal ein Gespräch

zwischen Benkhäusern und den

Schweinsbühlern belauschen, dann

verstehen Sie jetzt auch, warum die

Benkhäuser ihre Nachbarn gern damit

necken, dass diese für die Höpper

Fliegen fangen müssten. ■

* Stand: 01.01.2021

WOLL Frühling 2021 - 17


Ein Ritter mit „Speed“

Christel Zidi

Haben Sie auch den Film „Speed“ gesehen? Ein

Action-Film mit Keanu Reeves und Sandra Bullock.

Inhalt: Ein Erpresser hat eine Bombe unter

dem Bus präpariert und verlangt Lösegeld. Der Bus darf

eine bestimmte Geschwindigkeit nicht unterschreiten, sonst

explodiert er. Irgendwann erkennt die Polizei, dass der

Freeway, auf dem der Bus unterwegs ist, noch nicht fertiggestellt

ist und eine Lücke aufweist … Die Fahrerin gibt

Gas – und sie kommen heile an. Irgendwie erinnert diese

Filmszene an die Geschichte vom Marsberger Rittersprung:

Ein edler Ritter war Raum Marsberg unterwegs. Plötzlich standen

ihm die berüchtigten Raubritter von Padberg gegenüber.

Der Ritter flüchtete zum Eresberg, um im dortigen Kloster

Schutz zu suchen.

Im dichten Wald, am steil abfallenden Bergeshang, wurde

er dann doch von den Raubrittern umstellt. Es gab keinen

Ausweg mehr.

Doch lieber wollte er sterben, als diesen Halunken in die

Hände zu fallen.

Also wendete er sein Pferd und sprang über einen Felsvorsprung

in die Tiefe des Diemeltals.

Der Sage nach, wurden der Ritter und sein Pferd wie von

Geisterhand geleitet und kamen heil und sicher vor ihren

Verfolgern im Tal an.

Vielleicht waren solche Sagen auch eine frühe Form der Werbung.

Eine, die selbst so manchen Marketing-Manager von

heute begeistern könnte, wenn seine Kunden zur Eisenindustrie

zählten. Denn diese war im Mittelalter im Raum Marsberg

stark vertreten. Die Stadt an der Diemel war für die

Herstellung von Panzerhemden berühmt. Hier gab es den

sogenannten Ofemund, eine vorzügliche Art gehärteten Stangeneisens.

Auch Geschütze wurden hier gefertigt. Ein besonderer

Zweig der Eisenindustrie der Oberstadt war die Herstellung

von Ringen, eben zur Fertigung von Panzerhemden für

Ritter und Knappen. Zur Hoch-Zeit sollen in Obermarsberg

um die 500 Panzerschmiede tätig gewesen sein, sogenannte

„Sarwürker“, deren Kettenhemden nicht nur vor Speeren und

Lanzen, sondern auch vor Sturzverletzungen schützten.

Obermarsberg unterhielt im Mittelalter intensive Beziehungen

zu Amsterdam. 1618 erhielt die Stadt ein kurfürstliches Privileg

zur Herstellung von Gusswaren, insbesondere von Waffen.

Der Vertrieb erfolgte über die Weser. Wie das so ist, kamen

mit den Waren sicherlich auch Geschichten aus Marsberg dort

an … Eisen rostet, Geschichte bleibt. Der Filmregisseur von

„Speed“ ist übrigens gebürtiger Niederländer. ■


Leben im Sauerland

WOLL

Worte, Orte, Land und Leute.

Verlags-Spezial

WOLL geht raus

Garten und Outdoor im Sauerland

WOLL – mit Herz und Hand von

Draußen ist ´ne Menge los Seite 20

Hasse chehört…? Seite 23

Unzählige Wassersport-Möglichkeiten Seite 24

Ein Abenteuerspielplatz direkt vor der Haustür Seite 28

Kuhgeflüster im Frühling Seite 31

Den Alltag vergessen Seite 32

Die Natur als Trainingsparcours Seite 34

Pflanze darf im Garten nicht zu kurz kommen Seite 36

Von Ackersegen und Bier in der Laube Seite 40

Wo einem Fische aus der Hand fressen Seite 42

Das Wandern ist des Müllers Lust Seite 45

Deutsche Tradition trifft auf internationalen Flair Seite 46

Unser Garten im Frühling Seite 48

WOLL Frühling 2021 - 19


Keine Zeit fürs Stubenhocken

DRAUSSEN ist ´ne Menge los

Christel Zidi

Tourismus Brilon Olsberg, sabrinity

war früher fast ein Schimpfwort.

Denn welches Kind hielt sich schon

„Stubenhocker“

freiwillig im Haus auf, wenn es draußen so

viel zu entdecken gab? Wenn die Nachbarskinder schon

warteten, um gemeinsam Rollschuh zu fahren oder durch

den Wald zu stöbern. Handys gab es noch nicht, Langeweile

nur bei Hausarrest.

Unsere Eltern und Großeltern wussten von der positiven

Wirkung, die ein Aufenthalt und vor allem Bewegung an der

frischen Luft hat. Die Welt vor unserer Haustüre ist ganz besonders

schön. Und es gibt im Sauerland viele Möglichkeiten,

draußen aktiv zu sein - für jede Generation. Hier sind einige

Vorschläge für Freizeitaktivitäten im Frühling, die man sich

bei jedem Geldbeutel leisten kann:

Radfahren und Biken

Fahrradfahren ist in den letzten Jahren ein großes Thema im

Sauerland geworden. Dazu hat wohl auch die zunehmende

E-Mobilität beigetragen, denn selbst Nicht-Leistungssportler

können mit ihren E-Bikes und Elektrofahrrädern nun auch

größere und längere Steigungen ohne Mühe bewältigen.

Außerdem gibt es ein gut ausgebautes Netz an E-Bike-Verleih-

und Ladestationen und sehr viele und sehr schöne Fahrradwege.

Zum Beispiel den Ruhrtal-Radweg, der von Winterberg

bis nach Duisburg führt. Eine kürzere, landschaftlich

sehr schön gelegene Strecke führt von Marsberg zur Aabachtalsperre.

Wer lieber auf geraden Strecken unterwegs ist, wird

wahrscheinlich eine Fahrt entlang des Möhnesees vorziehen.

Hier kommt man noch ganz gut ohne Hilfsmotor aus. We-

20 - WOLL Frühling 2021


Aussichtsroute“. Ein völlig anderes Landschaftsbild bietet

sich im Raum Ense, am Rande der Soester Börde. Vom Wanderparkplatz

Himmelpforten aus geht es nach Niederense.

Auf diesem Weg können Sie schon einige gute Badeplätze

für den Sommer ausmachen. Gerade dann, wenn die Natur

wieder erwacht, ist es an den Almequellen besonders schön

und der Wanderweg hat nur wenige Barrieren.

Erlebnis- und Lehrpfade

Nicht nur Natur, sondern auch kulturgeschichtliche Entdeckungen

gibt es auf dem Bergbauwanderweg in Ramsbeck.

Barrierefrei ist der Airlebnisweg Amecke am Sorpesee, u. a.

gibt es hier einen Wassererlebnisplatz und einen Aroma- und

Duftgarten. Wer gern besonders achtsam unterwegs ist, sollte

den Landschaftstherapeutischen Weg * in Brilon einschlagen.

Hier werden Stimmungen inszeniert: Vom Feenklang

(schließlich ist in Brilon die Waldfee zuhause) über die ehemalige

Skisprungschanze bis zum Ausruhen in Hängematten

am Waldrand. Wer die Welt unserer Bienen besser verstehen

möchte, sollte einmal eine geführte Wanderung auf einem

Bienen-Lehrpfad mitmachen, den gibt es in Freienohl und

seit Kurzem auch in Berge. Nur vier Kilometer lang, aber

äußerst informativ ist der barrierearme Milchweg Homert,

zwischen Stockum und Seidfeld. Als Höhepunkt kann man

auf einem Bauernhof frische Milch am Automaten zapfen.

Kneippen

niger für Senioren, sondern eher für die jüngere Generation

ist der Bike Park in Meschede. Hier benötigt man keinen

Motor, dafür aber eine Menge Geschicklichkeit.

Wandern

Im Sauerland gibt es viele reizvolle Wanderstrecken. Vom

höchsten Berg Nordrhein-Westfalens, den Langenberg

(843m), kann man den Rothaarsteig entlang zum Kahlen

Asten wandern. Kaum ein Wanderer versäumt es, auf diesem

Weg einen Stopp an der Ruhrquelle einzulegen. Auch die

Bruchhauser Steine oder im Schmallenberger Raum die

Hängebrücke bei Kühhude, der Waldskulpturenweg oder

der Kyrillpfad sind lohnenswerte Ziele. Spannende Ausblicke

erhält man auf der zirka 20 Kilometer langen „Arnsberger

Jetzt im Frühling darf auch wieder gekneippt werden. Der

Kneipp Erlebnispark in Brilon/Olsberg zeigt, wie gut uns die

Kraft des Wassers tun kann. Ob im historischen Olsberger

Kneipp-Park, in der Briloner Kneippanlage, die mit dem

Quellwasser der Möhne gespeist wird, an den renaturierten

Ruhrauen, in der Tretbeckenanlage Elpe oder im Lebensgarten

des Josefsheim Bigge.

Spielplätze

Am Möhnesee gibt es verschiedene Waldspielplätze und einen

großen Abenteuerspielplatz mit Skateplatz im Seepark. Ein

kleines Paradies für kleinere Kinder gibt es „Am Feisberg“, in

der Nähe des Jüppken-Parks in Berge. Der Abenteuerspielplatz

in Bruchhausen bietet ganz viel Spaß, auch für etwas größere

Kinder. Dort gibt es Baumstämme zum Klettern und Balancieren,

ein neues Spielhaus und die beliebte Tellerrutsche.

* ist voraussichtlich ab Ostern wieder begehbar

WOLL Frühling 2021 - 21


Sportliches für Kinder und Jugendliche

An der Sperrmauer in Möhnesee-Günne gibt es eine Freizeitanlage,

in der man Fußball auf Bahnen spielen. Spaß gibt es

sicherlich auch in NRWs erster Fußball-Golf-Anlage. Fußball-Golf?

Ja, Sie haben richtig gelesen: Denn hier wird kein

gewöhnlicher, kleiner Golfball ins Loch gespielt, sondern ein

ganz normaler Fußball. Im “Vosspfad Helmeringhausen “bei

Olsberg geht es über Stock und Stein und auch in Eversberg

geht es beim Walderlebnisparcours recht sportlich zu, ebenso

wie im Hochseilgarten in Rüthen.

Klettern

Zwar sind die meisten Berge im Sauerland sanft gerundet,

mit Wald und Wiesen bedeckt, aber es finden sich auch ein

paar Stellen, an denen man den offenen Fels hinaufklettern

kann. Das Klettergebiet Hillenberg in Warstein mit fast 50

Meter hohen Wänden ist eines der herausragenden Klettergebiete

in NRW. Nicht ganz so hoch hinaus geht für die

Kletterer im kleinen Steinbruch „Am Bähnchen“ in Bestwig,

hier sind es maximal 35 Meter.

Wildparks

In den Wildparks Warstein und Völlinghausen gibt es großzügig

angelegte Gehege mit vielen Wildtieren. Begeisterung

kommt da nicht nur bei Kindern auf.

Pilgerwege

Um einmal als Pilger unterwegs zu sein, muss man nicht

unbedingt bis nach Spanien reisen. Auch durch Westfalen

führt ein Jakobsweg – und zwar von Paderborn nach Köln.

Ein Stück weit, genauer gesagt 123,6 Kilometer, führt er

sogar durch das Sauerland. Beginnend bei Marsberg-Meerhof

bis nach Isingheim-Obermarpe. Ein weiterer, aber wesentlich

kürzerer Pilgerweg beginnt beim Kloster Bredelar und endet

am Kloster Flechtdorf am Diemelsee.

Höhlen

Ein Erlebnis für Jung und Alt ist der Besuch einer Höhle.

Und davon haben wir hier im Sauerland so einige, die auch

besichtigt werden können. Zum Beispiel die Bilsteinhöhle bei

Warstein, die Veleda-Höhle in Velmede oder der Hohle Stein

bei Kallenhardt. Und wer so gar nicht auf sein Handy verzichten

mag, der kann es ja mit einem Aufenthalt im Freien

verbinden, zum Beispiel beim Geocaching. ■

Mehr zum Wassersport gibt es auf

den nachfolgenden Seiten.

Individuelle Sonnensegel

made im Sauerland

Michel

22

Planen

- WOLL

Heinz

Frühling

Michel

2021

e.K. | Auf der Hube 17 | 59889 Eslohe-Cobbenrode | 02973 818 670 | info@michel-planen.de | www.michel-planen.de

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Hasse chehört…?

Anke Kemper

wat dat schönste am Frühling is,

Lisbeth?“

„Weiste,

„Na is doch klar, dat frische Chrün und

de Primeln und dat janze Gedöns, wat endlich außer Erde

kommt, woll?“

„Dat auch. Abba dat allerschönste is, dat de Mannsleute

endlich widda außem Haus kommen!“

„Haste auch widda recht, Fine. De Leute sajen ja imma,

wie chemütlich diese dunkle Jahreszeit doch is, so mit de

Kerze an und so. Abba dat de den janzen Tach den Kerl vor

de Füße hast, da spricht keiner drübba.“

„Chenau. Einfach nur lästig! Is man cherade mit dem

Essen fertich, da wird schon direkt jefracht, wat et zum

Kaffee chibt. Ich sach dir.“

„Jau. Ich hatte dem Friedel mal vorjeschlajen, er könnte ja

wenichstens wat backen, wenn er schon nich beim Kochen

helfen will.“

„Dat is doch toll!“

„Ne jarnich toll. Anschließend kannste direkt de Küche

renovieren. Dat brauch ich dann auch nich.“

„Stimmt auch widda. Wir ham im Herbst extra nen neuen

Heizofen für den Bastelkeller jekauft, da sacht der Otto

doch zu mir: es zieht vom Kartoffelkeller her. Immer nur

Ausreden.“

„Na, immerhin hat er sich ma innen Keller chetraut. Der

Friedel bewegt sich nur außem Warmen, wenn er de Vögel

füttern muss. Dat war’s.“

„Naja. Is ja jetzt endlich vorbei. Wat habt ihr denn fürn

Projekt jeplant?“

„Wat denn fürn Projekt? Chatten umgraben steht janz

oben auf de Liste. Und wenn der Friedel einmal draußen

is, dann fällt mir auch glatt imma wat Neues ein, da brauch

ich jar nich lange überlejen, woll!“

„Wir könnten dann ja auch ma zusammen Sport machen,

wat meinste, Lisbeth?“

„Soweit kommt’s noch. Dat machen meine Knie nich mit.

Nen kleiner Spaziergang dürfte fürn Anfang reichen.“

„Stimmt auch widda. Der erste Schritt nach Draußen is

der wichtigste. Allet andere kommt dann von janz alleine,

woll?“ ■

WOLL Frühling 2021 - 23


DAS SAUERLAND –

LAND DER UNZÄHLIGEN

WASSERSPORT-MÖGLICHKEITEN

Christel Zidi

N

atürlich weiß jeder Sauerländer, dass wir sehr

schöne Seen im Sauerland haben. Aber erst bei

einer genaueren Recherche wird klar, wie vielfältig

die Möglichkeiten sind, Wassersport zu betreiben.

Dazu gibt es einige kleinere Seen und Teiche, die sehr idyllisch

gelegenen sind und schon von daher zu einem Ausflug

einladen.

Wer beim Wasserski sofort Bilder von

mondänen Badeorten wie Saint Tropez oder Nizza vor Augen

hat, hält diese Sportart wahrscheinlich für zu exklusiv, um

sie zu verwirklichen. Aber dann kennt er die vielen Möglichkeiten

nicht, die das Sauerland zu bieten hat. Bei Winterberg-

Niedersfeld befindet sich ein wunderschön gelegener kleiner

Stausee, der mit seinen 8,5 Hektar Wasserfläche ausreichend

Platz bietet für eine Wakeboard- und Wasserskianlage. Der

Hillestausee hat zudem eine reizvolle Badebucht und ist auch

24 - WOLL Frühling 2021


für Angler ein lohnenswertes

Ziel. Wasserski ist auch für Zuschauer recht

interessant. Und zwar dann, wenn man die geschickten Fahrer

vom Ufer aus bewundern kann und Spaß bei den Versuchen

der eher ungeschickteren unter ihnen hat. In Nuttlar kann

man „abtauchen“ und das auf in Europa wohl einzigartige Art

und Weise. Und zwar dort, wo früher Bergleute ihrer schweren

und gefährlichen Arbeit nachgegangen sind. Das einstige

Bergwerk ist auf zwei von fünf Ebenen über eine Länge von 12

Kilometern komplett geflutet. Wer Interesse am Cave Diving,

also am Höhlentauchen hat, kann sich über die Tauchschule

Sauerland anmelden. Das Schieferbergwerk

Nuttlar kann man auf den oberen Etagen auch trockenen

Fußes besichtigen. Ein besonderes Erlebnis sind auch die

regelmäßig hier stattfindenden Konzerte. Und natürlich bieten

auch alle Sauerländer Seen ausreichend Möglichkeiten zum

Wassersport, besonders die größeren. Aus Platzmangel können

wir nicht alle Möglichkeiten aufführen, die es an und auf den

Seen gibt.

Deshalb nur eine kleine Auswahl: Rund um den Möhnesee

kommen Wasserratten voll auf ihre Kosten. Es gibt dort

eine Yachtschule und einen Bootsverleih. Oder sie fahren mit

Hydrobikes, Kanus, Tret-, Elektro- oder Ruderboot. Vielleicht

WOLL Frühling 2021 - 25


stellen Sie sich mal auf ein SUP-Board? Verschiedene

Segel-, Surf- und Motorbootkurse

sind am Möhnesee möglich. Ein besonderer

Familienspaß ist das Floßbauen. Oder werden

Sie Donut-Kapitän. Auf den runden Schwimminseln

kann man grillen, picknicken oder einfach

nur entspannen. Speziell für Kinder gibt es am See

auch ein Wasser-Abenteuer-Camp.

Auch der Hennesee bietet viele Freizeitmöglichkeiten.

Sie können sich dort ein E-Bike ausleihen und rund um

den See fahren. Oder Sie genießen die schöne Aussicht vom

Kajak aus. Rudern lernen ist am Hennesee auch möglich. Wer

mit muskelkraftangetriebenen Paddel- u. Ruderbooten auf

dem See unterwegs ist, braucht kein Entgelt dafür zu zahlen.

Auch nicht für Segelbote von unter 6 m².

Am Sorpesee können Sie von erfahrenen Skippern das Segeln

lernen oder sich in dieser Sportart weiterbilden. Auch einen

Tretbootverleih gibt es.

Am Diemelsee kommen Angler, Segler, Surfer, Kanute,

Schwimmer oder Taucher auf ihre Kosten. Oder sie lassen es

ganz gemütlich angehen und genießen die schöne Aussicht

vom Personenschiff aus. Wer ein wenig über die Grenze des

Sauerlandes hinausfährt, findet auch an der Aabachtalsperre

bei Marsberg tolle Wassersportmöglichkeiten. Oder im Süden

des Sauerlandes, am Biggesee.

Von der Esmecke zum Bodensee

Neben den großen Seen gibt es im Sauerland auch einige kleinere.

Die sind nicht unbedingt alle zum Wassersport geeignet,

aber einen Ausflug alle Male wert.

Idyllisch

gelegen ist der

Esmecke-Stausee bei Wenholthausen, schön auch die aufgestaute

Ruhr bei Olsberg. Der „See im Berg“ bei Brilon-Messinghausen

ist auch für Taucher interessant. Bei Niedersfeld

ist der Hillestausee, NRWs höchstgelegener Stausee. Die

Stauanlage Schmala befindet sich zwischen Olsberg und

Willingen. Im Arnsberger Wald, südlich von Warstein ist der

Sedansteich, der Hexenteich ist im Arnsberger Eichholz zu

finden, der Biberteich bei Rüthen. Oder fahren Sie am Wochenende

doch mal zum Bodensee. Ist Ihnen zu weit? Nun,

das Schwäbische Meer ist für einen Kurztrip bestimmt zu

weit. Aber es gibt auch im Sauerland einen – wenn auch etwas

kleineren - Bodensee. Den können Sie ganz in der Nähe von

Winterberg finden. ■

Fotoquelle: © Susanne Schmidt (www.cave-woman.de)

26 - WOLL Frühling 2021


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WOLL Frühling 2021 - 27


Bei Familie Menge in Berge kommt

keine Langeweile auf

Ein Abenteuerspielplatz

direkt vor der Haustür

Anke Kemper

S. Droste

W

ir Sauerländer sind uns

da wohl einig: Auf dem

Land zu leben und die

Natur vor der Nase zu haben, ist für

uns ein besonderes Privileg. Schon

die Kleinsten erleben ihre Abenteuer

draußen mit ihren Freunden und

Geschwistern. Das Wetter spielt da

kaum eine Rolle, denn auch eine

simple Pfütze kann bei einem Fahrradparcours

das i-Tüpfelchen sein.

Die Möglichkeiten sind vielseitig und

der Fantasie sind hier keine Grenzen

gesetzt. Bei den drei Jungs von Stefan

und Nadine Menge aus Berge kommt

noch eines hinzu: ganz viel Platz.

Idyllisch ist es hier. Die stillgelegte alte

Mühle mit dem Turbinenteich daneben

könnte wohl ihre eigenen Geschichten

erzählen und hat bereits bei einem

Fotoshooting der holterdipolter Theatergruppe

als Kulisse gedient. Von 1865

bis 1970 wurde hier Mehl gemahlen.

1947 wurde die Mühle vergrößert bzw.

erweitert. Und vor 1865 war es eine

Brettmühle. Auf dem weitläufigen

Grundstück, das ca. 3.500 qm umfasst

und wo auch Frau Menge Senior

lebt, hat Familie Menge im Jahr 2003

das alte Pastorat gekauft und für sich

umgebaut. Was für die Erwachsenen

eine Oase der Entspannung sein kann,

ist für die Kinder ein großer Abenteuerspielplatz.

Jannis, Linus, Mattis in ihrem Baumhaus (v.l.)

Und schon geht es los: Der 6-jährige

Linus präsentiert uns stolz seine Motorsäge.

Der Schutzhelm darf nicht fehlen.

Auch immer im Einsatz sind Laubbläser,

Heckenschere sowie Freischneider

- im Spielzeugformat versteht sich. Am

liebsten mischt er überall mit und hilft,

wo er kann: ob beim Fegen, Unkraut

zupfen oder Gärtnern. Das Löcher buddeln

scheint allen drei Kindern große

Freude zu bereiten.

28 - WOLL Frühling 2021


„Eigentlich hat sich das Spielen draußen seit meiner Kindheit

bis heute nicht viel verändert“, bemerkt Nadine Menge. Die

39-jährige Erzieherin weiß, wie wichtig es ist, dass Kinder

frei herumtoben können, sich ausprobieren und ihre Grenzen

kennenlernen müssen. Dreckig und nass werden oder auch

Kratzer, Schrammen und Beulen abbekommen, gehört einfach

dazu.

„Im Jahr 2006 ging ich für 1,5 Jahre nach London und war

dort in einem Privathaushalt mit sieben Kindern als Nanny

angestellt. Dort kann man sich glücklich schätzen, wenn

man einen Garten hat. Die meisten Spielplätze in London

sind betoniert“, erzählt sie weiter. Hinzu kommt, dass sich

gerade für die Kinder das Dorfleben im Vergleich zum Leben

in der Stadt stark unterscheidet. Zumal hier jeder jeden kennt

und weiß, welcher Familie welches Kind zuzuordnen ist, sollte

sich mal eines allein auf Entdeckungstour durch den Ort

aufmachen. Wenn es doch einmal vorkommt, dass es Jannis,

Linus und Mattis zuhause langweilig wird, dann gehen sie

rüber zu benachbarten Bauernhöfen und helfen im Stall.

Stefan und Nadine Menge mit ihren Jungen am Turbinenteich

Reichlich Spielmaterial findet sich auch im Wald, der nur

wenige Gehminuten entfernt liegt. Stefan und Nadine Menge

Fahrrad fahren, Fangen und Verstecken spielen sowie mit

Kreide malen gehören zu Mattis Lieblingsbeschäftigungen.

Außerdem liebt der 3-Jährige es, in Pfützen zu springen -

besonders mit Sonntagsschuhen. Der Kleinste der Familie

scheint keinerlei Angst zu haben. Stolz balanciert er hinter

seinen großen Brüdern über gestapelte Baumstämme her.

Der älteste, der 8-jährige Jannis, liebt das Klettern in

Bäumen. Hochhinaus geht es in sein Baumhaus, das er zusammen

mit seinem Freund gebaut hat. Hier wird immer

mal repariert und verändert. Die Planungen für ein zweites

Stockwerk stehen schon. Und wenn Jannis seinen Papa mal

nur für sich hat, werden Stöcke gesammelt und sie schnitzen

gemeinsam.

„Manchmal bauen wir einen Parcours auf für die Fahrzeuge

wie Fahrräder und Trampeltrecker oder auch direkt im

Garten etwas für die Kinder zum Balancieren, Durchkrabbeln

oder Slalom laufen. Natürlich auf Zeit. Das lieben sie“,

berichtet Stefan Menge. Der 49-Jährige arbeitet als Werkstatt-Gruppenleiter

im Josefsheim in Bigge.

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WOLL Frühling 2021 - 29


Die Jungs erleben ihre Abenteuer vor der Haustüre

gehen häufig dort mit den Kindern spazieren

und sammeln Stöcke, Tannenzapfen,

Steine und Moos. Mehr braucht

es meistens nicht. Unspektakuläres

Material, das die Kreativität der Kinder

weckt. Der Wald lädt ein zum Fangenund

Verstecken spielen oder um auf

Schatzsuche zu gehen.

Auf ihren Spaziergängen kommen sie

an einem Gehege mit Rehen vorbei, die

sich regelmäßig auf Futter von Familie

Menge freuen dürfen.

Nach einem Tag voller Abenteuer und

Aktivität wird schon mal ein Lagerfeuer

angezündet, wo alle wieder Ruhe finden

und ihre Geschichten und Erlebnisse

austauschen und verarbeiten können.

In Zeiten der Pandemie hat sich Familie

Menge zusammen mit Freunden etwas

ausgedacht und mit einer Schatzsuche

für Abwechslung für die Kinder gesorgt.

Hierbei verstecken sie gegenseitig

einen Schatz und hängen dann die Hinweise

für die Schatzsuche an die Tür der

Freunde.

So mangelt es nicht an Abwechslung,

Spaß und Abenteuer für die junge

Familie und man darf gespannt sein,

an was sich die Kinder am liebsten

erinnern werden, wenn sie erwachsen

sind. ■

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und zu Ostern

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30 - WOLL Frühling 2021


Kuhgeflüster im Frühling

Kuhgeflüster im Herbst

Rüdiger Tillmann

Vom Mittelmaß

von Peter P. Neuhaus

Die Kuh flog niemals auf den Mond,

sah nie Amerika.

Sie ist zufrieden, wo sie wohnt –

wie Tante Erika.

Die Kuh schrieb niemals ein Poem,

obwohl sie’s sicher kann.

Sie fuhr nicht selbst nach Bethlehem,

sie schickte ihren Mann.

Sie schnurrt nicht und sie haart nicht sehr,

taugt nicht als Kind-Ersatz.

Sie fährt nicht mit dem Nahverkehr,

zahlt Standardsteuersatz.

Die Kuh isst nicht beim Sternekoch

und trinkt nur selten Gin.

Am Abend sagt sie:„Sicher doch …“

und legt sich friedlich hin.

Ist keine, die sich groß beschwert,

braucht keine Majestät,

geht ungern nur ins Jazzkonzert,

sah niemals Breaking Bad.

Sie denkt nicht übers Große nach,

das Ganze juckt sie kaum.

Und liegt sie dann im Schlafgemach,

vergisst sie Zeit und Raum.

Die Kuh, sie ist zufrieden schon

mit wenig. Von derWelt

erwartet sie nicht Gotteslohn,

nicht Auto, Haus, nicht Geld.

Sie hofft nicht auf den großen Spaß.

Sie ist und bleibt bloß: Kuh.

Ist glücklich mit dem Mittelmaß,

genau wie ich und Du.

Rüdiger Tillmann Peter P. Neuhaus

KUHGEFLÜSTER

Geschichten und Gedichte aus dem Sauerland R. Tillmann / P. P. Neuhaus

Die Comic von Rüdiger Tillmann und die Gedichte von Peter P. Neuhaus finden Sie

im Buch "Kuhgeflüster – Geschichten und Gedichte aus dem Sauerland"

15,90 € / ISBN-978-3-943681-63-5 / Erschienen im WOLL-Verlag

Erhältlich im www.woll-onlineshop.de oder in den Sauerländer Buchhandlungen

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im Buch "Kuhgeflüster – Geschichten und Gedichte aus dem Sauerland"

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„Das ganze Buch ist gut.“

Thomas Gsella

Auf den sauerländischen Weiden und in den dunklen

Wäldern der berühmten Mittelgebirgs region zwischen

Ural und französischem Zentralmassiv tummeln sich Tiere,

die sich allerlei zu erzählen haben.

Das wird von Rüdiger Tillmann genaustens beobachtet

und in bunten Cartoons festgehalten. Und darüber muss

man Worte verlieren. Also reimt Peter P. Neuhaus, was

die Tierwelt hergibt.

Immer wieder steht im Zentrum dieser Beobachtungen

die Kuh, die Symbolfigur des Lands der tausend Berge, in

dem am Ende der Geschichte manchmal sogar Cowboys

gen Horizont ziehen sollen. Und wenn die grad nicht da

sind, tut’s eben die Kuh.

Geschichten und Gedichte aus dem Sauerland

UHGEFLÜSTER


Den Alltag vergessen

Klettern in Bestwig „Am Bähnchen“

Sonja Nürnberger Privat

Denkt man ans Klettern in

der Natur, kommen einem

vielleicht das Frankenjura

in der fränkischen Schweiz oder das

Elbsandsteingebirge in der sächsischen

Schweiz in den Sinn – nicht unbedingt

das Sauerland. Aber tatsächlich

gibt es auch bei uns direkt vor der

Haustür die ein oder andere Möglichkeit,

seine Kletterskills zu trainieren.

„Wichtig ist vor allem eine gute Felsqualität.

Im Sauerland haben wir das

rheinische Schiefergebirge, das stark

gefaltet und damit verschiefert und zerklüftet

ist“, erklärt Joachim Fischer. Der

Warsteiner ist hauptamtlicher Mitarbeiter

beim Landesverband des Deutschen

Alpenvereins in Nordrhein-Westfalen

und dort zuständig für Klettern und Naturschutz.

„Zwar gibt es hier viele Steinbrüche,

tatsächlich sind aber nur etwa

ein bis zwei Prozent davon zum Klettern

geeignet.“ Davon fallen weitere raus, da

sie zu niedrig sind: Erst ab acht Metern

Höhe fängt es an, Spaß zu machen. Vor

allem aber werden die Klettermöglichkeiten

durch Verbote eingeschränkt:

„Das zieht sich eigentlich schon seit Jahrzehnten

hin, seit etwa Mitte der 1970er

bis Anfang der 2000er Jahre. Viele der

Naturfelsen, die zum Klettern sehr gut

geeignet sind, wurden als Naturschutzgebiet

ausgewiesen. Das ging flächendeckend

mit einem Kletterverbot einher.“

Tolle Möglichkeiten gingen verloren:

die Bruchhauser Steine, das Hönnetal,

der Biggesee mit den Ahauser Klippen

oder der Steinbruch Hohe Ley mit einer

Wand von fast 100 Metern Höhe, an der

man für die Alpen trainieren konnte.

Erschließung neuer Möglichkeiten

Vor knapp 20 Jahren fing man an, nach

Alternativen zu suchen. Alle Steinbrüche

und Felsen wurden angeschaut, die

32 - WOLL Frühling 2021


außerhalb Gerade bei von den Naturschutzgebieten älteren Kunden nimmt liegen.

Zeit Mithilfe für ein Pläuschchen. der deutschen Auf Grundkarte, die Frage, wie abverlangt. alles so „Das seinen ist kein Anfängerge-

Lauf der nehmen jeder Fels kann, und jeder wenn Steinbruch man sich selbst biet“, treu weiß bleibt Fischer. und „Da muss man schon

versehen, sich gerne den Kletterern die einiges Können

eingezeichnet eine Arbeit ausüben ist, wurde kann, das Sauerland die man liebt, richtig und trotzdem gut klettern seinen

täglichen, und nach weniger zum Klettern inspirierenden geeig-

Tätigkeiten da hinaufkommen nachge-

will.“

können, wenn man

abgegrast

neten hen muss, Orten und gesucht. wie er „Insgesamt das alles zwölf unter einen Hut bekommt,

solcher antwortet Orte Alexander haben wir Freund: im Sauerland „Arbeit ist nichts anderes Faszination als Klettern

gefunden. der Kampf Bei gegen einigen das wenigen Chaos!“ stehen

wir noch in Verhandlungen mit Naturschutzbehörden

und Grundbesitzern.“ Natur, man kann den Alltag für einige

Beim Klettern ist man draußen in der

Zeit vergessen, trifft alte und neue

Einer dieser Orte ist der alte Steinbruch Freunde. Jede Kletterroute ist eine neue

„Am Bähnchen“ in Bestwig. Etwa 25 Herausforderung an den Kletterer selbst:

Kletterrouten mit unterschiedlichen Komm ich da wirklich hoch? Es ist ein

Schwierigkeitsgraden bietet der Kalksteinbruch

heute. Im hinteren Bereich geschafft hat. „Ein Erfolgserlebnis, das

Erfolgserlebnis, wenn man es schließlich

ist die Plattenwand leicht geneigt. Hier man sich in relativ kurzer Zeit verschaffen

kann und gleich mehrere hinterein-

sind mit 35 Metern Länge die längsten

und einfachsten Routen angelegt. Eine ander. Man fährt gelöst und zufrieden

echte Herausforderung stellt die 25 nach Hause und geht wieder mit einer

Meter hohe „Bahnhofswand“ dar, die ganz anderen Motivation in den Alltag

senkrecht und mit einigen Überhängen hinein.“ ■

Bodenständig, erfahren und zuverlässig

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WOLL Frühjahr Frühling 2021 - 33 97


Spielen – bei Wind und Wetter

Die Natur als

Trainingsparcours

Helmut Gaida

Jürgen Eckert

K

inder entwickeln sich heute

unter stark veränderten

Lebensbedingungen. Längst

ist die multimediale Entwicklung

in den Kinderzimmern eingezogen.

Brauchen Kinder das Spiel in der

Natur nicht mehr? Und falls doch,

welche Folgen hat dieser „Entzug“

für unsere Kinder. Wir haben dazu

zwei Warsteiner Experten befragt:

Dr. med. Antonius Sander (Praxis

für Kinder- und Jugendmedizin) und

Dipl.-Psych. Jutta Sniehotta (Kinder-

und Jugendlichenpsychotherapeutin).

Die mittlerweile leicht angegraute

Generation erinnert sich sicher an viele

Kindheitserlebnisse mitten im Arnsberger

Wald, am Möhnesee, an Abenteuer

in der Bergstadt Rüthen. Oder an

siegreiche Fußballspiele auf der Straße

vorm Haus. So manche Fensterscheibe

der Nachbarn zeigte nach einem

gezielten Ballschuss da schon mal ihre

Schwächen, was die Bruchfestigkeit angeht.

Herrliche und abwechslungsreiche

Zeiten.

Wer, beseelt von diesen alten Erinnerungen,

mit dem Auto durch Wohnsiedlungen

fährt, sollte besonders

vorsichtig fahren, denn – wie schon auf

Hinweisschildern zu sehen - könnten ja

plötzlich spielende Kinder auf die Straße

laufen. Grundsätzlich vollkommen

richtig. Nur: Wo sind die Kinder? Fast

schon ist es eine Erleichterung, wenn

man dann in der Nähe doch noch

einen Spielplatz mit tobenden Kindern

erblickt.

Die Lebenswelt von Kindern

Das Spiel in der Natur hat, im Gegensatz

zu früheren Zeiten, eine eher

untergeordnete Rolle. Das biologisch

verankerte Spiel-Bedürfnis hat heute

oft eine andere Ausprägung, findet eher

zuhause statt. „Kinder sind erlebnisorientiert“

erklärt dazu Diplom-Psychologin

Jutta Sniehotta aus Warstein“, „sie

können durch das Spiel draußen ihrer

Fantasie freien Lauf lassen und gleichzeitig

- indem sie Projekte „erfinden“-

ihre Gestaltungskompetenz ausbilden

und verbessern. Das heißt, dass sie

lernen, vorausschauend zu denken und

zu planen sowie Probleme zu erkennen

und zu beseitigen. Sie lernen durch

Versuch und Irrtum. Falls Spielpartner

vorhanden sind, lernen sie gleichzeitig,

Kooperationen herzustellen und als

Team zu fungieren in der Problemlösung.“

Bewegungsmangel - Bedeutung

des Draußen-Spiels

Studien belegen, dass sich Kinder im

vermehrten „Online-Modus“ zu wenig

bewegen. Die Folge ist eine drastische

Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkran-

34 - WOLL Frühling 2021


kungen, Fettleibigkeit und Rückenprobleme

aufgrund des steigenden

Bewegungsmangels. Hier ist eine

Veränderung der Aktivitäten sicherlich

dringend erforderlich. „Das Spiel

im Freien ist die beste und gesündeste

Fördermöglichkeit für Kinder“, bestätigt

auch Mediziner Dr. Antonius

Sander aus Warstein. „Verschiedene

Untergründe beim Gehen und Laufen

fördern das Gleichgewicht. Unterschiedliche

Anforderungen durch Hindernisse

(bitte jedes Mäuerchen und

jeden Baumstamm nutzen) verbessern

die Koordination und Körperkraft.

Verschiedene Stoffe, die angefasst und

geformt werden, verbessern Haptik und

Feinmotorik. Größere Strecken und

schnelle Positions- und Ortswechsel

verbessern Kondition und Muskelkraft.“

Und als wären das nicht schon

erstaunlich viele gute Gründe für das

Spiel draußen, fügt der Mediziner noch

hinzu: „Blicken auf größere Entfernung

schützt vor Kurzsichtigkeit. Und natürlich

die Stärkung der Abwehr durch

frische Luft und die Vitamin-D-Bildung

durch Sonneneinstrahlung in der

Zeit von März bis Ende Oktober nicht

zu vergessen.“

Verantwortung der Eltern

Ein harmonisch ausgeglichenes Freizeitverhalten

ist mehr denn je gefragt.

Verantwortungsbewusste Eltern /

Großeltern fördern liebevoll die Entwicklung

ihrer Kinder, indem sie darauf

achten, wo und womit sich Kinder

beschäftigen. Wie wichtig das Spiel

draußen und soziale Kontakte sind,

betont Jutta Sniehotta: „Was Kinder

benötigen, um Selbstvertrauen in ihren

körperlichen und geistigen Fähigkeiten

zu entwickeln“, erklärt Jutta Sniehotta,

„ist eine vielfältige und direkte Auseinandersetzung

mit ihrer sinnlichen

Umwelt.“ Und Dr. Sander weist abschließend

darauf hin, dass „die Maßnahmen

in der Pandemie zum Schutz

von Leben und Gesundheit wichtig

und richtig sind. Aber sobald irgend

möglich, muss als erstes den Kindern

wieder erlaubt werden, ihre Freunde zu

treffen, Kita und Schule zu besuchen.

Denn soziales Lernen und die Entwicklung

von Persönlichkeit kann nur

so gelingen. Auch dabei geht es um eine

optimale Entwicklung der Kinder und

ihre Zukunft.“

„Ohne das freie Spiel in der Natur,

gehen Kindern wichtige Bereiche von

Selbsterfahrung und Persönlichkeitsentwicklung

verloren“, macht Jutta

Sniehotta auf diese möglichen Defizite

aufmerksam. Defizite, die erst gar nicht

entstehen müssen, denn gerade hier im

Sauerland gibt es herrliche Natur und

die Möglichkeiten zum Spiel im Freien

sind riesig. Spielen kann bei jedem

Wind und Wetter toll sein. ■

Alte Kinderspiele

• Räuber und Gendarmen: eine Mischung

aus Fangen und Verstecken.

• Seilspringen: Zu zweit oder dritt

springen, ohne sich zu verheddern.

• Gummitwist: Draufspringen,

drüberspringen, das Gummiband

mit den Füßen kreuzen.

• Himmel und Hölle: Hüpfkästchenfeld

mit aus (bunter) Kreide aufgezeichneten

Feldern.

Kinder im Bibertal

bei Warstein

WOLL Frühling 2021 - 35


Die wunderbare Vielfalt der Gärten

„Die Pflanze darf im Garten nicht

zu kurz kommen.“ –Peter Horst

W

er das Glück hat, einen Garten sein Eigen zu

nennen, hat viele Möglichkeiten, ihn zu nutzen.

Er kann zum Rückzugsort werden oder ein Ort

der Geselligkeit. Gleichzeitig kann er Nutzgarten sein

oder künstlerischen Zwecken dienen. Und auch Arbeitsplatz.

Zum Beispiel für den Kreisgärtnermeister Peter

Horst, der seinen Beruf lebt und liebt.

Peter Horst ist Gärtner geworden, weil es für ihn „einer der

schönsten Berufe der Welt“ ist. Hinzu kommt bei ihm, dass

sein Betrieb schon seit über 100 Jahren besteht und er ihn in

dritter Generation führt. Horst weiß, dass der Trend für Terrassen

und Flächenbeläge hin zu großformatigen Platten aus

Keramik, Betonwerkstein oder auch Naturstein geht. „Formate

bis zu 100 x 100 cm sind keine Seltenheit. Diese werden

auch gern mit Hartholz kombiniert. In der Gestaltung sind

es klare, lineare Formen und weniger verspielte Formen mit

Rundungen etc.“

Trends in zwei Richtungen

Christel Zidi

Und auch bei Pflanzen und Gemüsesorten zeichnet sich eine

bestimmte Richtung ab, wie er uns verrät: „Hier liegt das

Augenmerk ganz klar bei der biologischen Anzucht. Gern

gepflanzt werden alte, heimische Sorten und Arten, sowohl

bei Obst als auch bei Gemüse.“ Die Rückbesinnung auf diese

Sorten bringt uns den echten, unverfälschten Geschmack

zurück, den Geschmack der Kindheit.

Alte Obstsorten, Pastinaken und Wilde Rauke auf der einen

Seite, auf der anderen Seite exotische Sorten. Denn der Klimawandel

bringt auch mit sich, dass nun in unseren Breitengraden

Gemüse angebaut wird, das zuvor importiert werden

musste oder in Treibhäusern gezüchtet wurde. Zum Beispiel

Chili und Paprika. Das Gleiche gilt für Obstgehölze. Einige

Gärtner bauen Melonen, Feigen und Kaki an. Wer an das

entsprechende Saatgut kommen möchte, braucht allerdings

Foto: AdobeStock_81432272_PB-Photography

36 - WOLL Frühling 2021


nicht in ferne Länder reisen, sondern es gibt Saatgut- und

Pflanzentauschbörsen, auf denen man sowohl exotische als

auch heimische Raritäten finden kann.

Nachhaltigkeit auch im Garten

Nachhaltigkeit ist auch in unseren Gärten angekommen.

Spüren Gartenbaubetriebe dieses umweltbewusste Denken

auch bei den Hobbygärtnern? „Ja“, bestätigt das Peter Horst.

„Dies setzt sich insbesondere bei der jüngeren Kundschaft

durch. Diese Generation legt auch wieder verstärkt Wert auf

einen eigenen Gemüsegarten und Früchte aus der Region,

alles umweltbewusst und möglichst CO2- neutral herangezogen.“

Auch ressourcenschonende Maßnahmen lassen sich

im heimischen Garten leicht einführen: Regenwasser kann in

Behältern gesammelt, Küchenabfälle im Komposter entsorgt

werden. Und bei Gartengeräten ist Sharing sinnvoll.

Im Garten des Kreisgärtnermeisters

Viele Dinge kann man lernen. Aber muss man wirklich einen

„grünen Daumen“ besitzen, um Gärtner zu werden? „Ein

gewisses Grundinteresse an der Natur, der Pflanzen- und

Peter Horst

Wenn nicht jetzt

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WOLL Frühling 2021 - 37


Tierwelt sowie ökologischen Prozessen

sollte schon da sein, den Rest kann

man in der Tat erlernen“, klärt uns der

Kreisgärtnermeister auf.

Gärten – und das ist das Spannende –

können sehr, sehr unterschiedlich sein.

Wie stellt man sich den privaten Garten

eines Gärtnermeisters vor? „Mein Garten

ist vor 15 Jahren neu angelegt worden“,

verrät Peter Horst, „damals schon

im heutigen Trend: lineare Formgebung

in einer Materialkombination von

Holz und Betonwerkstoffen angelehnt

an eine Wasserfläche, eingerahmt mit

Gräsern, diversen Blütenstauden und

ausgefallenen Solitärgehölzen in exponiertem

Einzelstand.“ Peter Horst hat

wohl nicht nur einen grünen Daumen,

sondern auch den richtigen Riecher

für Trends. Weiter beschreibt er seinen

Garten: „Eingerahmt wird der Garten

mit seiner zentralen Rasenfläche durch

diverse Obstbaum- Halbstämme, Beerensträucher

und farbenfrohen Elementen

aus Blühstauden. Da summt und

brummt es den ganzen Sommer und

die Vögel erfreuen sich am kühlen Nass

der Teichrandzone.“

Grausliche Schottergärten

Welche Gärten haben einen Fachmann

wie ihn denn bisher am meisten

beeindruckt? „Es ist nicht ein Garten,

sondern die Vielfalt der unzähligen

Beispiele der Gartengestaltung. Barocke

Gärten faszinieren mich genauso wie

der klassische englische Garten, der

Bauerngarten oder aber auch der minimalistische,

klar definierte moderne

Garten. Eines ist mir allerdings äußerst

wichtig: Die Pflanze darf in keinem

Garten zu kurz kommen! Erst sie bringt

das Leben in den Garten! Ein Grauen

ist mir der momentane Trend in vielen

Großstadt-Vorgärten hin zur Stein- und

Schotterwüste mit zwei Alibi-Zypressen

in der Mitte.“ Das können die meisten

umweltbewussten Menschen wohl

nachvollziehen.

Einige Kommunen untersagen Schottergärten,

also Vorgartenflächen mit

Kiesaufschüttungen auf wasserundurchlässigen

Folien, von vornherein.

38 - WOLL Frühling 2021


Peter Horst hofft, dass dieser Trend

bald vorbei sein wird: „Der Verband

Garten- Landschafts- und Sportplatzbau

startete vor zwei Jahren bereits die

Kampagne ‚ Rettet den Vorgarten‘ um

Gartenbesitzern einige Hilfestellungen

bei der Gestaltung der Vorgärten

an die Hand zu geben. Denn auch

ein sinnvoll mit Pflanzen gestalteter

Vorgarten ist nicht pflegeintensiver als

eine Schotterwüste!“

Smart Gardening

und Entspannung

Apropos Pflege. Gärtner haben heute

viele Möglichkeiten, sich die Arbeit

zu erleichtern bzw. abnehmen zu lassen.

„Smart-Gardening“ ist der Fachbegriff

dafür. Bewässerungsanlagen

und Mähroboter sind heute schon zur

Selbstverständlichkeit geworden und

werden oftmals „smart“ gesteuert,

ebenso wie die Gartenbeleuchtung.

Hier gibt es neuerdings leuchtende

Bodenbeläge aus vergossenen Lichtleitfasern

oder Leuchtdioden. Mit der

gewonnenen Zeit kann man es sich

draußen so richtig gemütlich machen

und entspannen. Relaxen wie es auf

Neudeutsch heißt. Das passende Ambiente

kann sehr unterschiedlich sein.

In den letzten Jahren konnte man

in vielen Gärten, auf Terrassen und

Balkonen Gartenmöbel aus Holzpaletten

entdecken. Mit den passenden

Auflagen bieten diese DIY-Produkte

hohen Komfort. Daneben gibt es

sehr komfortable, teils sogar luxuriöse

Loungemöbel für Garten und

Terrasse. Möbelstücke, die auch einen

Regenguss ohne Probleme überstehen.

Dazu begnügt man sich dann nicht

mit einem einfachen Holzkohle-Grill,

sondern greift zum Hightech-Grill.

Möglichst dazu die passende Outdoor-Küche.

Denn draußen schmeckt

es immer noch am besten. Warum

nicht mit den möglichen Annehmlichkeiten?

Moderne Gartenmöbel gibt es oft aus

Massivholz oder aus Aluminium in

Holzoptik oder pulverbeschichtetem

Aluminium mit Teakholz-Lehnen.

Ein interessanter Trend ist auch die

Kombination von kühlem Aluminium

mit dekorativem Kordel-Geflecht.

Für eine romantische Stimmung

am Abend sorgen Gartentische

mit eingebauten Feuerstellen.

Viele Menschen lieben das Geräusch

rauschenden Wassers und legen

sich ihren eigenen kleinen Teich

im Garten an, bauen einen Brunnen

oder legen einen Bauchlauf an.

Und statt des Swimmingpools gibt

es natürliche Schwimmteiche mit

dekorativen Wasserpflanzen. Wem es

aber nur um eine schnelle Abkühlung

geht, der installiert am besten eine

Gartendusche. Mit der kann man

sich an heißen Sommertagen herrlich

erfrischen.

Und zum Schluss noch eine Gartenform,

bei der es weder auf die Nutzungsform

noch auf die Gestaltung

ankommt: der „Offene Garten“. Hier

kommt es in erster Linie darauf an,

dass man Freude daran hat, seinen

Garten zu zeigen und – gern auch

mal mit manchmal (vorher) Fremden

- schöne Stunden im Garten zu

verbringen. ■

Man muss nicht

erst sterben, um ins

Paradies zu gelangen,

solange man einen

Garten hat

(Persisches Sprichwort)

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WOLL Frühling 2021 - 39


Archiv Heimatbund Neheim-Hüsten

Die Gärten unserer Großeltern:

Von Ackersegen und

Bier in der Laube

Christel Zidi

V

or sechzig, siebzig oder achtzig Jahren sahen die

meisten deutschen Gärten noch völlig anders aus.

Selbstverständlich gab es darin Blumenrabatte

mit duftenden Dahlien, fröhlichen Löwenmäulchen und

prächtigen Gladiolen, überwiegend aber waren es Selbstversorger-Gärten.

Mit dem, was im eigenen Garten wuchs,

konnte in den Kriegsjahren so mancher Hunger gestillt

werden.

Deshalb wurden - egal wie groß der Garten war – stets sättigende

Kartoffeln angebaut. Die Sorte „Ackersegen“ war damals

sehr beliebt und trug ihren Namen zu Recht, denn viele Familien

überstanden die damaligen Winter oft nur dank dem, was

sie zuvor gesät und geerntet hatten. Kohl und Möhren wurden

ebenfalls gern gepflanzt, dazu Kräuter wie Petersilie und Dill.

Jeder Platz wurde genutzt, auch die Hauswände, an denen

Weintrauben rankten; an Spalieren wuchsen Birnen und Äpfel.

Umsäumt wurden die kleinen Äcker mit mehr als drei Meter

hohen Stöcken, um die sich Stangenbohnen wanden. Im hinteren

Teil des Gartens standen die Kaninchenställe, daneben der

Misthaufen, neben dem die Kürbisse besonders gut gediehen.

Wer dazu noch Obstbäume mit leckeren Kirschen oder saftigen

Pflaumen besaß, konnte sich glücklich schätzen. Bei weniger

großen Gärten fand sich aber meist immer noch ein Platz für

Beerensträucher, Johannis- oder Stachelbeeren, oder man konnte

sich schon früh im Jahr an Erdbeeren erfreuen, aus denen

Marmelade gekocht wurde. Die Sorte Senga Sengana war bei

den Sauerländern besonders beliebt. Manch einer hatte auch

eine Gartenlaube, in der sich die Männer nach getaner Arbeit

zum Kartenspiel trafen, das ein oder andere Bierchen gehörte

selbstverständlich dazu.

Kleine, idyllische Paradiese kann man jetzt denken. Das

stimmt auch, aber die Pflege dieser Gärten kostet viel Zeit und

viel Arbeit. Das Wort „Smart Gardening“ war noch nicht er-

40 - WOLL Frühling 2021


funden. An automatische Bewässerungsanlagen war noch lange

nicht zu denken. Selbst Gartenschläuche gab es nicht überall.

Mit der blechernen Gießkanne ging es zum nächsten Brunnen,

um immer wieder Wasser nachzufüllen. Vertikutierer? Ein

Fremdwort. Rechen und Spaten waren wichtig, Hacke, Hippe

und Spaten. Der Rasenmäher war zwar schon erfunden, seine

Zeit aber noch nicht gekommen. Sein Einsatz lohnte sich in

den Hausgärten noch nicht.

Wie anders sieht es heute aus. In einer Zeit, in der man jedes

Gemüse, selbst das exotisch ste, günstig im Supermarkt bekommen

kann – und das zu ungemein günstigen Preisen - sind

Selbstversorger-Gärten eher selten. Wer heute einen Nutzgarten

pflegt, dem geht es darum, mit eigenen Händen etwas

zu schaffen; etwas zu ernten, von dem man weiß, dass es nicht

gen-manipuliert und frei von Schadstoffen ist.

Die meisten Gärten dienen heute der Entspannung, dem

Chillen und Relaxen. Smart-Gardening-Produkte erledigen

den Großteil der Arbeit. Mähroboter halten die Rasenfläche

zentimetergenau auf dem gleichen Niveau. Die Frau des Hauses

– oder der Hausherr – kümmern sich um die edlen Zierrosen

und pflegeleichten Hecken. Eine

entspannende, schöne Welt …

Ob der pflegeleichte Garten

allerdings glücklicher

und zufriedener macht

als der Küchengarten

von früher, das kann

jeder für sich entscheiden.


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WOLL Frühling 2021 - 41

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Ein japanischer Garten in Warstein

Wo einem Fische aus der Hand fressen

Monika Lörchner

Iris Böning

E

in lachender Buddha.

Sorgfältig zurecht geschnittene

Bäume, die wie riesige

Bonsais aussehen. Kieswege schlängeln

sich zwischen drei Teichen, über

dunkelbraune Holzplanken erreicht

man das Teehaus. Japan? Nein: Allagen-Niederbergheim.

Hier hat sich

Markus Droste ein kleines Paradies

geschaffen.

16 Jahre ist es her, dass Markus Droste

gemeinsam mit einem Kumpel seinen

ersten Teich im Garten hinter dem

Haus baute. Seitdem ist immer mehr

hinzugekommen. Die drei großen

Teiche draußen sowie weitere kleine

Becken drinnen und draußen umfassen

insgesamt 120.000 Liter Wasser. Darin

tummeln sich Japan-Koi.

Aus Japan eingeflogen

„Ich kaufe die Fische ab 10 cm Länge“,

erzählt Markus Droste. Die kommen

dann direkt aus Japan zu ihm. Eine

aufwendige Prozedur: die Koi, erst in

einer mit Wasser und Luft gefüllten

Tüte und dann in einem Karton gepackt,

sind rund anderthalb Tage mit

Flugzeug und anderen Verkehrsmitteln

unterwegs. Kein Wunder, dass eine

Lieferung 600 bis 800 Euro kostet! In

ihrem neuen Zuhause angekommen,

müssen die wertvollen Fische dann

erst einmal vorsichtig an Wasser und

Temperatur gewöhnt werden.

„Ich kaufe immer nur bei einem

Händler“, so Markus Droste. „Dadurch

verhindert man, dass man sich Krankheiten

einkauft.“ Dennoch ist für die

rotweißen, goldenen, schwarzweißroten

oder schwarzweißgoldenen Neuankömmlinge

erst einmal Quarantäne

42 - WOLL Frühling 2021


Schöne Pflanzen für Ihren Garten

Bitte sehen Sie sich unsere Kulturen an. Ein Besuch lohnt sich!

Obstbäume

Rosen

Nadelgehölze

Beerensträucher

kräftige Blütensträucher

Stauden

Markus Droste im Gespräch mit Redakteurin Monika Lörchner

Meschede-Wennemen)

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angesagt. Dafür kommt jeweils ein neuer Fisch mit einem

„alten“ für mindestens eine Woche in ein Extrabecken, wo

ihre Bakterienstämme aufeinandertreffen. Zeigen sich nach

Ablauf der Zeit keine Anzeichen einer Krankheit, dürfen

beide Fische zu den anderen in einen der Teiche.

Dort leben sie am liebsten als Schwarmfische unter ihresgleichen.

Haben die Fische ausreichend Versteckmöglichkeiten,

gibt es auch schon mal Nachwuchs. Koi können bis zu 60

Jahre alt und 70 cm lang werden. Neben Krankheiten ist

hierzulande nur der Fischreiher eine Gefahr; der wird durch

aufgestellte, blinkende Discokügelchen ferngehalten.

Außer Koi hält Markus Droste auch einige Wimpelkarpfen,

die die Algen im Teich unter Kontrolle halten. Koi sind sehr

"Wir machen aus jedem Garten

einen Platz zum Wohlfühlen."

Gartenplanung

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Winterdienst

WOLL Frühling 2021 - 43


obuste Fische und brauchen außer

sauberem Wasser nicht viel. Futter gibt

es nur bis zu einer Außentemperatur

von 5 Grad Celsius; darunter fahren

die Fische nämlich ihr Immunsystem

runter und fressen nichts mehr.

Alles Eigenbau

Handwerker Markus Droste hat alles

selbst gebaut: Das Teehaus im japanischen

Stil, die Wege, die Holzplanken

und nicht zuletzt die Teiche. „Die sind

alle aus Glasfaser“, verrät er uns. Außerdem

hat er nur die besten Filteranlagen

verbaut. „Die sind das A und O.

Wenn man beim Filter spart, hat man

hinterher doppelte Arbeit und Kosten.“

Rund 400 Koi bevölkern die Drosten‘schen

Teiche. Für das WOLL-

Fotoshooting lockt Markus Droste

die Tiere mit etwas Futter an – und

zu unserem Erstaunen fressen die ihm

sogar aus der Hand!

„Koi sind so zutraulich, mit denen

könnte man sogar schwimmen“, erzählt

der 58-Jährige. Er liebt die Atmosphäre

seines Gartens und die Gelassenheit,

die die Fische ausstrahlen. Er kennt jeden

einzelnen von ihnen. Zwar machen

die Koi viel Arbeit, doch das ist es ihm

wert. „Die Stadt mit ihrem Stress, Gestank,

Krach und Verbrechen ist nichts

für mich. Hier habe ich Ruhe.“

Wir schauen uns noch einmal im

Garten um. Die Sitzbank hinten in der

Ecke. Die kleine Brücke zum Teehaus.

Die träge dahingleitenden Koi.

„Ich will hier nie wieder weg“, sagt

Markus Droste.

Wir auch nicht. ■

Nach einer kreativen Winterpause starten

wir jetzt wieder durch und freuen uns,

Sie als Kunden zu begrüßen.

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Da staunt nicht nur der Buiterling:

Das Wandern ist des Müllers Lust

Sabina Butz

Anke Kemper

Ach, was waren das noch für schöne

Zeiten, als man einfach seine

Wanderschuhe anziehen durfte

und in bequemer Kleidung durch das

wunderschöne Sauerland spazieren konnte.

Heute ist dieses Vorgehen wesentlich

komplizierter, kostenintensiver und nur

für Bürger/innen mit Englischkenntnissen

möglich. Wir sprechen von outdoor

activities. Googelt man diesen Begriff,

lautet die Übersetzung: Outdoor Aktivitäten.

Outdoor ist also schon einmal ein

global verständlicher Begriff. Draußentätigkeiten

klingt ja jetzt auch nicht wirklich

spannend, Tätigkeiten außerhalb der

Tür ist in jedem Fall missverständlich.

Also bleiben wir bei outdoor. Aber jetzt

geht es erst richtig los mit den schwierigen

Entscheidungen: Wandern könnte

Hiking, Trekking oder Walking sein. Für

alle drei Bewegungsarten sind unterschiedliche

Bekleidungen und vor allem

anderes Schuhwerk vorgesehen. Wie

sieht das denn aus, wenn ein Walker in

Trekkingklamotten und Trekkingschuhen

daherkommt, vielleicht sogar noch

mit Rucksack, sorry backpack, auf dem

Rücken? Geht doch gar nicht! Für die

Nicht-Englisch-Muttersprachler/innen:

Walking setzt eine befestigte Straße/Weg

voraus. Hiking findet in der freien Natur,

vorzugsweise in den Bergen statt und

beim Trekking ist mindestens eine Übernachtung

in der freien Natur vorgesehen.

Ganz recht, deshalb der Rucksack!

Wer lieber Wassersport betreibt, findet

hier, im beschaulichen Sauerland, am

Hennesee Gelegenheit zum Suppen (bitte

Sappen aussprechen). Gemeint ist Stehpaddeln

= englisch Stand-Up-Paddling

= Abkürzung SUP. Dazu benötigt man

natürlich ein SUP Board, welches gut

und gerne eine höhere dreistellige Summe

kostet, plus entsprechende SUP-Sportswear,

vorzugsweise mit wasserdichter

Handytasche und eingebauter Kamera,

um die sozialen Netzwerke mit den

Followern immer auf dem Laufenden zu

halten.

Übrigens: Grillen, Rasenmähen, Unkrauthacken

oder einfach nur faul in der

Sonne liegen, zählen ebenfalls zu den

Outdoor-Aktivitäten, ohne anglifizierte

Terminologie, aber die kommt bestimmt

noch. Bis dahin dürfen wir uns, wie der

Müller anno dazumal, mit Lust einfach

in der freien Natur vergnügen. ■

WOLL Frühling 2021 - 45


In der Kleingartenanlage Neheim trifft

deutsche Tradition auf internationales Flair

„Urlaub im eigenen Garten“ Daniela Weber Susanne Droste

W

ie ein kleines Paradies für

Hobbygärtner erstreckt sich

die Neheimer Kleingartenanlage

auf dem Wiedenberg. Mit Blick

auf den Neheimer Dom, auf Wald und

Flur trifft wohl ein Spruch auf dieses

gemütliche Kleinod besonders

zu: „Der kürzeste

Weg in den Urlaub

ist der Weg in den

Garten.“

Gekleidet mit

grüner Latzhose,

rotem Shirt und

schwarzen Stiefeln,

in der linken Hand

den beigen Strohhut

zum Gruße ausgestreckt und den rechten

Arm lässig auf der mit Erde bedeckten

Schaufel abgestützt – dieses fidele

„Männchen“ begrüßt alle Hobbygärtner

am Eingang der Kleingartenanlage.

So wie die Figur, die an dem gelben

Vereinsheim angebracht ist,

stellt man sich wohl den

perfekten Gärtner

vor: voller Tatendrang

und ohne

Scheu vor ein bisschen

„Maloche“

und Dreck. „Die

meisten, die hier

eine Parzelle haben,

sind schon passionierte

Hobbygärtner“, betont

Manfred Ewald

der erste Vorsitzende Manfred Ewald,

der sich selbst natürlich auch dazu zählt.

Seit nunmehr 30 Jahren lebt und liebt

der Neheimer das Kleingärtnertum. „Ich

experimentiere gerne. Letztes Jahr habe

ich zum Beispiel die Birnenmelone angepflanzt“,

sagt er stolz. Ob die Früchte

nun nach Birne oder nach Melone geschmeckt

haben, kann der sympathische

Vorsitzende gar nicht so genau sagen.

„Süß, das waren sie wohl.“ Exotische

Früchte, viel Grün: „Urlaub im eigenen

Garten sozusagen.“

Ein bisschen Spießigkeit muss sein

Hauptsächlich werden auf den insgesamt

74 Parzellen aber bekannte Gemüsesor-

46 - WOLL Frühling 2021


ten und Früchte angebaut. „Kartoffeln,

Erdbeeren und Kohl sind sehr beliebt,

aber auch rote Beete und Sauerampfer“,

erklärt Ewald. Trotz ähnlicher Vorlieben

beim Anpflanzen zeigen sich bei

der Gestaltung der Gärten viele eigene

Stile. Die einen akkurat angelegt, die

anderen etwas wilder geplant. Auch bei

den Lauben gibt es eine bunte Vielfalt:

Ob urige Holzhütten oder massive

Häuschen aus Stein – jedes Gebäude

versprüht seinen eigenen Charme.

Und was wäre ein deutscher Schrebergarten

ohne die ein oder anderen

Gartenzwerge? Etwas Spießigkeit muss

sein. „Es gibt natürlich auch gewisse

Regeln hier“ Typisch deutsch eben.

„Die Häuschen dürfen fünf Meter mal

3,5 Meter, sprich 17,5 Quadratmeter,

groß sein. Ein Drittel der Fläche muss

bewirtschaftet werden, ein Drittel muss

Wiese sein und das letzte Drittel steht

für die Laube zur Verfügung“, erklärt

Ewald, der das „Kleingartengesetz“

stets bewacht. „Ich laufe durch die

Anlage und schaue natürlich nach dem

Rechten. Auch die Einhaltung der Ruhezeiten

kontrolliere ich, ein bisschen

wie ein Sheriff. Das muss ja sein“, sagt

er mit einem Augenzwinkern.

Viele Kleingärtner mit

Migrationshintergrund

Was nach waschechter deutscher Manier

klingt, ist aber letztendlich weniger

deutsch als mancher denken mag.

„Über 50 Prozent der Kleingärtner

haben einen Migrationshintergrund.

Unter anderem sind viele Mitglieder

Russlanddeutsche. Die haben übrigens

einen besonders grünen Daumen“,

lacht der passionierte Kleingärtner.

Auch Griechen und Syrer erfreuen sich

an der deutschen Behaglichkeit.

Wer auch Lust auf Vereinsleben, Gartenarbeit

und ein bisschen Multikulti

hat, muss zurzeit Geduld mitbringen:

„Es kommt nicht so oft vor, dass

jemand seinen Kleingarten verkauft.

Wer einmal einen hat, der möchte ihn

natürlich ohne triftigen Grund nicht

aufgeben“, so Ewald abschließend. ■

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Inspiration für Ihr Traumhaus? Dann laden

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Tipps vom Marsberger Gartenexperten Udo Engemann

Unser Garten im

Sonja Funke

Frühling

F

rühling! Die Sonne strahlt schon kräftig und die

Gartenbesitzer juckt es in den Fingern. Doch was

tun? Wo fange ich an? Und wann? Schließlich bin

ich im „Hoch“-Sauerland. In unseren Gefilden kann

dem Hobbygärtner bis zu den Eisheiligen Mitte Mai und

darüber hinaus immer noch der Frost die Pflanzen verderben.

Trotzdem müssen wir nicht mit allem warten, wie

Udo Engemann – er betrieb bis vor einigen Jahren noch eine

Gärtnerei in Marsberg – dem WOLL-Magazin verrät.

Ein Blick in den Garten. Draußen zwitschert es so schön, also

fangen wir bei der Hecke an? „Bloß nicht!“ Die Antwort ist eindeutig,

denn: Vom 1. März bis zum 30. September verbietet dies

das Bundenaturschutzgesetz, Hecken, aber auch Gebüsch und

andere Gehölze zu schneiden. Eben damit die Vögel in Ruhe

dort brüten und weiter zwitschern können. Nun gut, aber dort,

die Rosen, da könnte man doch schon mal dran, oder? „Lieber

erst, wenn der Wetterbericht längere Zeit ohne Frost anzeigt“,

rät Udo Engemann. Alle Triebe, die bei hohen Frühlingstem-

48 - WOLL Frühling 2021


peraturen austreiben, können, sobald es noch mal ordentlich

friert, absterben, weil die Zellen platzen und die Zellflüssigkeit

verdunstet. „Dann vertrocknet das frische Grün, zumal, wenn

sie in der Sonne stehen. Und im schlimmsten Fall sind sie

hinüber.“ Er rät: Im Winter eingepackte Pflanzen nicht zu früh

abzudecken. Dies schützt auch vor Sonneneinstrahlung, nicht

nur vor Frost. „Wenn die Wetterberichte ab Mitte März grünes

Licht geben, dann runternehmen.“

Und was mache ich mit meinen Obstbäumen? Wie oft ist es

in den vergangenen Jahren passiert, dass Apfel und Kirsche die

schönsten Blüten zeigten, dann kam Herr Frost und mit ihm

ging die Hoffnung auf eine reichhaltige Obsternte. Ein Jammer.

Hier weiß auch der Experte wenig Rat. Nur so viel: „In Obstanbaugebieten

wie etwa im Alten Land werden die Bäume vor

dem Frost zum Beispiel mit Wasser eingesprüht.“ Die Blüten

frieren ein und sind auf diese Weise geschützt.

Warten bis zu den Eisheiligen?

Schauen wir mal zum Balkon. Wäre das schön, wenn es dort

schon bunt wäre! Muss ich wirklich warten bis zu den Eisheiligen

Mitte Mai? Viele wagen es schon früher. Kann klappen,

wenn man den Wetterbericht im Auge behält. „Wenn man

drinnen ein helles, warmes Plätzchen dafür hat, kann man

die Balkonblumen schon ab Ende März pflanzen. Das hat

den Vorteil, dass sie gut angewurzelt und im Saft sind, wenn

wir sie rausstellen. Dann blühen sie auch schon ein bisschen“,

erklärt der Experte. Manche pflanzen für den Übergang auch

Frühlingsblumen wie etwa Primeln oder Bellis (große Gänseblümchen)

und tauschen später aus. Was aber kann ich denn

nun wirklich draußen machen? „Anfang des Frühjahrs können

Sie schauen, wo Ihre im

Herbst gesteckten Zwiebeln

bleiben, zum Beispiel

Narzissen, Krokusse, Tulpen.“

Als ob ich noch wüsste,

wo ich sie mal eben schnell

in die Erde gesteckt habe. Oder

ob ich einfach jetzt noch welche

reinstecke? Zu spät, das geht höchstens

mit welchen aus dem Topf, sagt der Experte.

Ich mache mir ´ne Notiz auf dem Oktober-Kalenderblatt: „Blumenzwiebeln

rein!“ Mein letzter Blick wandert zu den hohen

Gräsern vorm Haus. Alles braun, verwelkt, nicht mehr schön.

Darf ich? Hurra, unser Gartenexperte gibt mir grünes Licht:

„Die können Sie ruhig schon mal auf ein gutes Drittel runterschneiden.“

Endlich was zu tun. Und vielleicht säe ich auch

schon mal den ersten Salat ins abgedeckte Hochbeet. „Nee,

lieber in der Kiste säen, pikieren und erst die Pflänzchen ins

Beet setzen“, sagt Udo Engemann und ergänzt. „Früher wurde

im März bereits Kohl gepflanzt, da gab es ja die Mistbeete, die

wärmten von unten.“ Der neue Trend zum Gärtnern, ob er

auch ein Zurück zu Mistbeeten bringt? Bleibt abzuwarten.

Es nützt also alles nix: Der März eignet sich allenfalls zum Vorzüchten

in nicht zu kalten, nicht zu dunklen Räumen. Ein paar

frostharte Stiefmütterchen oder Männertreu im Umtopf können

einem Vorfreude vors Haus bringen. Ab April, also nach

Ostern kann es, so Wettergott will, richtig losgehen mit dem

Säen, Pflanzen und Ernten. Und dann bis Oktober? „Es kann ja

auch im Sommer mal intensiv hageln“, meint der Experte. Och

nö! ■

die grillzeit

beginnt!

und wir haben

einige neue

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Frühling 2021 - 49


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„Müll ist extrem interessant!“

Lobbe hat das Glück, in einer sehr vielfältigen, höchst

anspruchsvollen und sich immer wandelnden Branche zu arbeiten

Inga Bremenkamp

Jürgen Eckert

Tobias Wiedemeier, Vertriebsleiter

für den Hochsauerlandkreis

und Marcell Wiese,

Geschäftsführer der Lobbe

Entsorgung in Bestwig

„Wir sprechen nur noch von Wertstoffen. Sie

werden von uns eingesammelt, sortiert und in

Verwertungsanlagen weiterverarbeitet.“,

erklärt Marcell Wiese

Anforderungen bei der Abfallentsorgung

ändern sich ständig. Das macht unsere

„Die

Arbeit super interessant, sehr vielfältig und

extrem anspruchsvoll. Vor gut zwei Jahren wurde beispielswiese

allen gewerblichen Abfallerzeugern auferlegt, möglichst

alle Abfälle getrennt voneinander zu sammeln und

verwerten zu lassen. Die Verwertung muss gesetzeskonform

dokumentiert werden. Hierfür wurden Konzepte erstellt, so

dass allen Kunden eine optimale Lösung angeboten werden

konnte“, sagt Tobias Wiedemeier, Vertriebsleiter bei Lobbe

für den Hochsauerlandkreis.

Heutzutage fällt es schwer, von Müll zu sprechen, weil mittlerweile

fast alles recyclebar ist. Das eine einfacher, das andere

schwerer. „Wir sprechen nur noch von Wertstoffen. Sie werden

ARRIERE

von uns eingesammelt, sortiert und in Verwertungsanlagen

weiterverarbeitet.“, erklärt Marcell Wiese, der mit 21 Jahren

im Unternehmen angefangen hat, fast alle Hierarchieebenen

durchlaufen hat und heute Geschäftsführer der Lobbe Entsorgung

in

N BRILON

Bestwig ist. Seitdem im vergangenen Jahr Lobbe

Stratmann übernommen hat, hat das Entsorgungsunternehmen

noch deutlich mehr Möglichkeiten. „Wir haben jetzt

tttttttttttttttttttttttt

50 - WOLL Frühling 2021

ein viel größeres Leistungsangebot für Privat- und besonders

Gewerbekunden. Neben der Entsorgung von Gewerbeabfällen

können wir unseren Kunden jetzt auch die Übernahme von

Sonderabfällen anbieten“, freut sich Tobias Wiedemeier über

die Vielfalt, die sich auch im Team bei Lobbe widerspiegelt.

„Die Branche bietet für jeden etwas, ob junge Menschen, die

einen Ausbildungsplatz suchen oder ausgebildete Fachkräfte,

die eine neue Herausforderung suchen. Wir bilden verschiedene

Berufe aus und freuen uns immer über Zuwachs in unserem

familiengeführten Unternehmen“, versichert Marcell Wiese,

der selbst sehr gerne in einer interessanten Branche mit guter

Zukunftsperspektive arbeitet. ■

Hier geht’s zum Video:

Lobbe Entsorgung West

Gallbergweg 7

59929 Brilon


Gärten in der Literatur

“Ich habe heute

ein paar Blumen

nicht gepflückt,...”

Christel Zidi

N

icht gerade wenige Dichter

waren Gartenfreunde. Allen

voran Goethe, der sich auf

seinen vielen Reisen (insgesamt über

30.000 Kilometer sollen es gewesen

sein) stets an den unterschiedlichsten

und prachtvollsten Gärten erfreute.

Trotzdem sagte der Dichterfürst

auch: „Weit und schön ist die Welt,

doch o wie dank ich dem Himmel,

dass ein Gärtchen beschränkt, zierlich,

mein eigen gehört.“ Ähnliches

fühlte wohl auch der Gartenfreund

und Literatur-Nobelpreisträger

Hermann Hesse, denn seiner Seele

konnte „die Beschäftigung mit Erde

und Pflanzen eine ähnliche Entlastung

und Ruhe geben wie die

Meditation.“ Auch in den Werken

Shakespeares kommen immer wieder

und in detaillierter Form Beschreibungen

von Pflanzen vor. Nicht ohne

Grund, denn der große Dichter besaß

ein umfassendes Wissen in Botanik

und liebte prachtvolle Gärten.

Wer kennt nicht den „geheimen Garten“

von Frances Hodgson Burnett.

Mehrfach wurde dieser Jugendroman

verfilmt und zieht immer wieder neu in

seinen Bann. Ähnlich wie „Nells geheimer

Garten“ von Kitty Ray, ein toller

Schmöker. Auch Bücher, die nicht in

den Bestseller-Listen stehen, können

großartig sein, wie das bezaubernde

Buch „Die Seele meines Gartens“ von

Diane Ackermann. Es sind wohl Wortgewaltige

und weniger Quasselstrippen,

die Gärten lieben. Als sein “tausend

Mal besseres Du” bezeichnete der

Dichter Christian Morgenstern seine

Ehefrau Margareta. Ihre Ehe währte

nur vier Jahre, bis zum Tod Christian

Morgensterns. Die feinsinnige Beziehung

der beiden drückt sich auch in

dem Zitat des Naturfreundes Morgenstern

aus: „Ich habe heute ein paar

Blumen nicht gepflückt, um dir ihr

Leben zu schenken. ■

WOLL Frühling 2021 - 51


Der Gartenzwerg

Christel Zidi

Entweder, man liebt sie heiß und innig und hat

auch gleich mehrere Exemplare in seinem Garten,

oder man hält diese Form von Gartendekoration

für Kitsch in Vollendung.

Die ersten erhaltenen Gartenzwerge stammen aus der Zeit um

1700. Fürst Erzbischof Franz Anton Harrach gestaltete 1715

den ersten Entwurf zum “Zwergerlgarten”. Viele dieser Zwerge

sind naturgetreu jenen Liliputanern nachempfunden, die

damals an seinem Hof in Salzburg lebten.

Um 1800, in der Zeit der Aufklärung gerieten sie zunächst in

Verruf. Aber – wie Gartenzwerg-Gegner es ausdrücken würden

- sie ließen sich nicht mehr ausrotten. Ende des 19. Jahrhunderts

begann ihr Siegeszug. Ab 1872 wurden sie erstmals

in Thüringen in Massen- und Serienproduktion hergestellt.

Der Gartenzwerg steht bei seinen Liebhabern für Werte wie

Fleiß, Zuverlässigkeit, Standfestigkeit. Auf der Gegenseite

für Engstirnigkeit,

Spießbürgertum und

Kitsch.

Wie aber kommt es überhaupt

zu dieser heftigen Kontroverse?

Während seine Vettern, die Heinzelmännchen

(reine Hauszwerge) wesentlich mehr Achtung erhalten,

könnte die Nicht-Anerkennung vielleicht daran liegen, dass

die Mimik der Gartenzwerge, der einer mehrfach gebotoxten

Filmdiva gleicht und ihre Haltung so statisch ist, dass selbst

Loriot-Figuren dagegen wie Temperamentsbündel erscheinen.

Vielleicht würde ihnen ein Typberater weiterhelfen können …?

Ganz gleich auf welcher Seite man steht, Gartenzwerge, die

monströs, brutal oder sexistisch aussehen, sind schon für Erwachsene

eine ästhetische Zumutung. Sie sollten auf keinen

Fall in die Sichtweite von Kindern gelangen. ■

52 - WOLL Frühling 2021


„Wenn ich Pech habe, habe ich immer Glück!“

Heike Schulte-Belke

Wie viele andere ist ist auch der Einzelhandel durch die Corona-Pandemie

stark betroffen und muss mit großen wirtschaftlichen

Verlusten kämpfen. Auch im im Bereich Braut-

und Festmoden ist ist das deutlich zu zu spüren. Lena Hoke,

Geschäftsführerin von Perfect day in in Eslohe, hatte gerade

ihre Räume in in Eslohe erweitert, als als sie sie wegen Corona

schließen musste. Doch trotz allem schaut sie sie positiv in in die

Zukunft: „Wenn ich Pech habe, habe ich immer Glück!“,

sagt sie sie aus Überzeugung. Und so so hofft sie, dass bald wieder

Normalität eintritt, dass sie sie relativ gut aus dieser Situation

herauskommt und mit neuem Schwung in in die Zukunft

blicken kann.

WOLL: Was denken Sie, wenn Sie das Wort „Corona“

hören?

Lena Hoke: Corona ist ist Teil meines Lebens geworden. Die

Situation macht mir Angst, aber ich sehe auch hoffnungsvoll

in in die Zukunft. Die Pandemie zieht sich länger als als

de

gedacht und die Perspektive fehlt derzeit komplett. Aber

ich freue mich darauf, das Geschäft wieder zu zu öffnen und

gemeinsam mit meinem Team daran beteiligt zu zu sein, den

Kundinnen mit ihrem persönlich perfekten Outfit ihren

schönsten Tag zu zu gestalten.

WOLL: Inwieweit hat das vergangene Jahr Ihr Leben

verändert?

Lena Hoke: Da es es keine Saison gab, weder bei Braut- noch

bei Schützenfest- oder Festmoden, hat sich alles komplett

verändert. Die Mitarbeiterinnen können nicht arbeiten

und unser großes Sortiment kann nicht präsentiert werden.

Es Es fehlen die Kontakte, Beratungen und alles, was damit

zu zu tun hat. Denn man arbeitet nicht nur für´s Geld, es es

geht auch um den Inhalt unserer Tätigkeit, der immer viel

Freude bereitet.

WOLL: Wenn überhaupt, was können Sie Corona an an

Positivem abgewinnen?

Lena Hoke: Wir konnten in in Ruhe an an unserer Erweiterung

arbeiten und Aufgaben angehen, für die sonst keine Zeit

bleibt, wie etwa die Website neu gestalten, am Marketing

arbeiten sowie Dinge überdenken und reifen lassen. Auch

unsere Schneiderei ist ist vergrößert worden.

WOLL: Was wünschen Sie sich persönlich für Ihre Zukunft?

Lena Hoke: Zum einen wünsche ich mir, dass ich alle meine

Mitarbeiterinnen halten kann, und zum anderen freue

ich mich wieder auf die Arbeit. Mit all all den vielen schönen

Begegnungen und wundervollen Momenten, in in denen wir

das Glück der Kundinnen erleben dürfen, sich gut angezogen

zu zu fühlen.

ne Lena Hoke ist ist es es wichtig, dass die Kundinnen wissen:

„Trotz der monatelangen Schließung bleiben wir aktuell

und es es wird immer neue Kollektionen geben.“

134 - WOLL - Frühjahr 2021

WOLL Frühling 2021 - 53


1959 wurde die letzte Glocke

in Brilon gegossen

Blick in die Putzhalle

Brilons Zeit als Glockengießerstadt

Manfred Eigner

Jürgen Eckert

Einzigartig in Deutschland, gab es in Brilon von

1930 bis 1936 eine Glockengießerschule. Wäre

Brilon nicht schon die Stadt des Waldes sowie

Hansestadt, hätte Brilon vielleicht auch den Namenszusatz

Glockengießerstadt tragen können. Denn in den

vielen Epochen der Stadtgeschichte spielte die Ära der

Glockengießer eine tragende Rolle.

Das Briloner Heimatmuseum Haus Hövener hat dazu viele

Informationen zusammentragen können. Demnach wurde

der Glockengießer Caspar Greve aus Grevenstein um 1780

in Brilon ansässig. Sein Sohn Jacob übernahm nach dem Tod

des Vaters 1826 die Gießerei. Der erste Standort der Briloner

Glockengießerei lässt sich anhand einer alten Flurbezeichnung

„Am Glockenofen“, im Bereich der heutigen Stadtbibliothek,

lokalisieren. Aufgrund eines größeren Lehmvorkommens

in der Nähe der Jakobuslinde im Westen der Stadt

Brilon wurde die Glockengießerei 1826 hierher verlegt.

Nach dem Tod von Jacob Greve 1843 führte sein Neffe

Heinrich Humpert (1813-1888) das Gewerbe zur Blüte. Glocken

aus Brilon waren weithin bekannt und geschätzt. Sein

Sohn Franz Humpert verkaufte die Gießerei 1918 an Albert

Junker, da sein Neffe und Erbe im 1. Weltkrieg gefallen war.

Albert Junker entwickelte eine neue Rezeptur und ein neues

Verfahren. Das neue Material war sowohl preiswerter als

auch schneller zu verarbeiten. Die Briloner Glocken wurden

dadurch gegenüber der Konkurrenz erheblich günstiger und

in die ganze Welt verkauft. Ende der 1920er-Jahre gründete

Albert Junker in Brilon eine Glockengießerschule. Ein epochaler

Bruch mit der Tradition des Handwerks, bei dem das

Wissen bislang nur vom Vater auf den Sohn weitergereicht

wurde. Denn Zutaten und Mischungsverhältnisse wurden

wie ein Schatz gehütet; eher nahm man das Wissen darum

mit ins Grab, als es einem Außenstehenden zu überlassen.

Der Glockengießer war Handwerker und Künstler in einem.

Aus dem Kunsthandwerk war unter Junker eine industrielle

Produktion geworden. Nach den Kriegsjahren bestand ein

großer Bedarf an Glocken, waren doch viele zerstört und eingeschmolzen

worden. Doch irgendwann war dieser Bedarf

gedeckt, 1959 wurde die letzte Glocke in Brilon gegossen.

54 - WOLL Frühling 2021


Die Glockengießerei

Ford Neuwagen

Gebrauchtwagen

Museumsleiter Carsten Schlömer

Der Betrieb stellte auf die Produktion von Eisengusswaren um. 1977 wurde die

Gießerei an die Olsberger Hütte verkauft. Aufgrund von Modernisierungsmaßnahmen

wurde der Gießereistandort Brilon Anfang der 1980er Jahre aufgegeben.

Die alten Gießereigebäude wurden 1983 abgerissen.

Waschanlage

Tankstelle

Autogas

2012 errichtete der Briloner Heimatbund Semper Idem das Glockendenkmal

am Standort der ehemaligen Glockengießerei, dem heutigen AWO-Wohnhaus

für Betreutes Wohnen an der Altenbürener Straße 22. Der Straßenname

Glockengießerweg und auch das Haus Greve in der Kirchenstraße mit dem

blauen Informationsschild des Briloner Stadtrundgangs erinnern an diese Ära.

Dazu merkt Carsten Schlömer, Museumsleiter der Briloner Heimatmuseums

Haus Hövener, an: „Brilon ist eine Glockengießerstadt – ja, aber vielmehr eine

Bergbaustadt. In der 800-jährigen Stadtgeschichte war die Epoche der Glockengießerei

eine wichtige, aber nicht die wichtigste Fußnote für Brilon.“ Dass

diese Zeit dennoch einen hohen Stellenwert genießt, hebt er weiter hervor: „Im

Museum wird die Bedeutung der Glockengießerei in Bildern, Schrift und Objekten

festgehalten. Sie imponiert mit einem Blick in eine Handwerkskunst, die

wir heute nicht mehr bewusst vor Augen haben. Glocken waren nunmal eines

der wichtigsten Kommunikationsmittel im Mittelalter und darüber hinaus.“ ■

34431 Marsberg · Bredelarer Str. 60

Tel. 02992-97050 · www.bunse-marsberg.de

WOLL Frühling 2021 - 55


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Die LWL-Einrichtungen in Marsberg als Arbeitgeber

Kompetenzen und Chancen

Die LWL-Einrichtungen in Marsberg sind ein modernes Kompetenzzentrum

für psychische Gesundheit und mit ihren etwa 1.700

Beschäftigten der größte Arbeitgeber Marsbergs. In den nächsten

Jahren wird der Standort umfassend umstrukturiert und erneuert. Möglich

machen dies Investitionen des LWL-PsychiatrieVerbunds Westfalen in Höhe

von insgesamt 64 Millionen Euro.

Christel Zidi

Sabrina Voss &

LWL-Klinik Marsberg

Die bisher auf zwei Standorte verteilten

LWL-Einrichtungen in Marsberg

werden künftig an einem Standort

zusammengeführt: „Wir wollen am

„Weist“ einen Campus, der die komplette

Bandbreite der psychiatrischen

Behandlung bietet“, sagt Jan Hendrik

Unger, der Kaufmännische Direktor

der LWL-Einrichtungen Marsberg.

„Am Klinikstandort Marsberg werden

mit der Zusammenführung der Kinderund

Jugendpsychiatrie und der Erwachsenenpsychiatrie,

einzigartig in Westfalen,

beide Fachrichtungen gemeinsam

für Patientinnen und Patienten ihre

Kompetenzen bündeln“, so Unger

weiter. Teile des alten Klinikstandortes

an der Bredelarer Straße könnten dann

der Stadtentwicklung von Marsberg zur

Verfügung gestellt werden.

Hervorragende Karrierechancen

Die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen

mit den besten Karrierechancen

liegen mehrheitlich auf dem

Land und nicht in einer Großstadt.

Das hat das Institut für Management

und Wirtschaftsforschung (IMWF)

herausgefunden. Auch die Marsberger

Einrichtungen des Landschaftsverbands

Westfalen-Lippe (LWL) können Top-

Angebote für aktuelle und zukünftige

Beschäftigte aufweisen. Sie sind nicht

nur bereits mehrfach mit dem berufundfamilie-Zertifikat

ausgezeichnet

worden, auch in Hinblick auf gute Karrieremöglichkeiten

zeichnen sie sich aus.

Nicole Schmücker-Süß kann das

bestätigen. Sie ist Lehrerin an der

LWL-Akademie für Gesundheits- und

Pflegeberufe Marsberg und bringt

neben theoretischen Grundlagen aus

ihrem Studium viel Praxiswissen mit.

Die 31-Jährige, die ihren Masterstudiengang

„Management und Innovation“

an der Steinbeis-Universität in Essen-

Kupferdreht erfolgreich abgeschlossen

hat, war zunächst Jahrespraktikantin

an der LWL-Klinik in Marsberg,

machte später eine Ausbildung zur

Gesundheits- und Krankenpflegerin,

arbeitete im Bereich Suchtmedizin und

56 - WOLL Frühling 2021


Nicole Schmücker-Süß

Zu dem Standort des LWL-PsychiatrieVerbundes

gehören heute die

erwachsenenpsychiatrische LWL-Klinik

Marsberg, die LWL-Klinik für Kinderund

Jugendpsychiatrie, der LWL-Wohnverbund

und das LWL-Pflegezentrum

Marsberg, darüber hinaus betreibt die

LWL-Maßregelvollzugsabteilung hier

das LWL-Therapiezentrum für Forensische

Psychiatrie Marsberg. Zusammen

bieten die Einrichtungen 769 stationäre,

66 teilstationäre Behandlungs- sowie

Pflege- und Wohnheimplätze sowie ambulante

Wohn- und Behandlungsangebote

mit einem Umsatzvolumen von

rund 105 Mio. Euro.

Friedrich Seiffert

war dort u. a. als Praxisanleiterin für

die Schülerinnen und Schüler zuständig.

Daneben war sie bereits seit 2014

als Dozentin an der LWL-Akademie tätig.

Aufgrund ihres hervorragenden Examens

bekam Nicole Schmücker-Süß

eine Begabtenförderung des Landes

NRW und studierte berufsbegleitend

Berufspädagogik. Das Studium schloss

sie mit dem Bachelor-Titel ab. 2018

folgte ihr Masterstudium. Nach dem

Abschluss wechselte sie in das Pädagogenteam

der LWL-Akademie, um dort

mit innovativen Ideen das Curriculum

des neuen Ausbildungsberufs Pflegefachfrau/-mann

mitzugestalten.

Dem Assistenzarzt Friedrich Seiffert

gefällt an der LWL-Klinik vor allem,

„dass die Stabilität im Vergleich

zu mittlerweile vielen privatisierten

Klinken im Vordergrund steht. Es

gibt lang gewachsene Strukturen, von

denen man als junger Mitarbeiter

profitieren kann.“ Er selbst hat 2012

seine Ausbildung als Gesundheits- und

Krankenpfleger abgeschlossen und

war anschließend im Akutbereich der

Allgemeinpsychiatrie in der Marsberger

Klinik tätig. „Mein Entschluss Medizin

studieren zu wollen, war mir bereits

vor der Ausbildung klar“, erklärt er.

Vom LWL wurde das positiv gewertet

und unterstützt. 2013 begann er sein

Medizinstudium in Mainz, approbierte

2019. Bis zum Beginn des Praktischen

Jahres arbeitete er in den Semesterferien

und an Feiertagen als Gesundheitsund

Krankenpfleger in der LWL-Klinik.

Heute ist Friedrich Seiffert als

Assistenzarzt in der Institutsambulanz

der Klinik tätig. Dort schätzt er neben

der Vielfältigkeit der Arbeit die Zusammenarbeit

im multiprofessionellen

Team sowie die fundierten Einblicke

in die psychotherapeutischen und

sozialtherapeutischen Abläufe, um den

Patientinnen und Patienten optimale

Unterstützung anbieten zu können. ■

LWL-Einrichtungen Marsberg

Weist 45

34431 Marsberg

02992 601-1000

personal@lwl.org

www.lwl-marsberg.de

WOLL Frühling 2021 - 57


Theo Mühlenbein im Inneren

des Werkstattbusses, an den voll

funktionsfähigen Werkbänken

Theo Mühlenbein aus Rösenbeck verleiht Oldtimer-LKWs neues Leben

Theos Oldies

Petra Kleine

sabrinity & Privat

Geschäftig schrauben, bohren und montieren

die Mechaniker in ihrem Aral-Werkstattbus am

Nürburgring. Stolz sind sie, die Rennteams zu

unterstützen. Das war in den 1960er Jahren. Später war

der imposante Bus (Baujahr 1957) nur noch Unterstand

beim Tontaubenschießen irgendwo in Österreich, verkommen

zur „Rostlaube“.

Vitalität und Lebensfreude durch

gesunden Schlaf. Wir beraten

Sie individuell.

Große Auswahl an Betten, Matratzen, Lattenroste,

Decken, Kissen, Bettwäsche

„Heute ist er mir das wertvollste Stück in meiner Sammlung,“

erklärt mir Theo Mühlenbein. „Es hat mehr als vier Jahre gedauert,

bis ich mich dazu entschlossen hatte, ihn zu erwerben,

um ihn dann komplett neu aufzubauen.“ Seine Lebensgefährtin

sagte damals zu ihm: „Ich weiß schon, wo du wieder hin

willst!“ Und wie immer hatte sie Recht!

In perfektem Glanz erstrahlt er nun wieder, der Werkstattbus.

Übrigens der weltweit einzige seiner Art, der noch fahrbereit

ist. Geradezu wie neu sieht er aus. Dass alles so originalgetreu

wie möglich wird, war Theo Mühlenbein sehr wichtig. Über

drei Jahre hat er damit verbracht nach alten Fotos und Unterlagen

jedes noch so kleine Detail perfekt zu rekonstruieren.

Von der Zierleiste über die Originalfarbe bis hin zur Ausstattung

der Werkbänke im Innenbereich und den farbigen

Aufklebern.

Zu besonderen Anlässen wird er stolz ausgeführt. Die weiteste

Tour war die Schweden-Rundfahrt 2018. Ein unvergessliches

Erlebnis!

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Theo Mühlenbein nimmt gerne an Oldtimerausfahrten teil,

sowohl im Sauerland als auch an der großen Deutschlandtour.

Er freut sich, dass ihn seine Lebensgefährtin dabei begleitet,

denn oft genug muss sie auf ihn verzichten, wenn er wieder

gemeinsam mit seinen guten Freunden Otto und Mario von

Rüden, seinem Enkel Lars oder Rudi Heppe aus Radlinghausen

an seinen alten Schätzchen schraubt.

Der 73-jährige Theo ist inzwischen zwar Rentner, aber auch

noch Geschäftsführer des Steinbruchs Mühlenbein in Rösen-

58 - WOLL Frühling 2021


„Das ist ein tolles Gefühl,

wenn der dann anspringt!“

- Theo Mühlenbein

beck. Seine Ausbildung machte er als KFZ-Schlosser und

arbeitete viel an Krupp-LKWs. Jeden Handgriff und jede

Schraube kennt er seitdem an den verschiedenen Modellen, die

auf so schöne Typenbezeichnungen wie Widder, Mustang und

Tiger hören. „Die waren damals ihrer Zeit weit voraus und es

war für uns unbegreiflich, dass Krupp plötzlich die LKW-Produktion

einstellte“, erinnert er sich kopfschüttelnd.

Der restaurierte Bus ist ein echter Hingucker auf jeder Ausstellung

Die Liebe zu den Krupp-LKWs war geboren, aber es dauerte

noch viele Jahre, bis Theo sich den ersten selbst zulegte: Einen

Krupp K960 mit 210 PS, der inzwischen seit über 20 Jahren in

seiner Sammlung ist. Er strahlt heute in rot und grün und ist

wie immer frisch poliert. Sehr renovierungsbedürftig war er jedoch,

als Theo ihn kaufte. Sogar das Getriebe fehlte. Aber im

Auftreiben von Ersatzteilen ist Theo Mühlenbein inzwischen

ein echter Fuchs geworden. Manchmal ergattert er auf Oldtimer-Märkten

etwas, manchmal privat bei Sammlern. „Wenn

ich etwas Passendes sehe, kaufe ich auch mal auf Vorrat. Man

weiß ja nie.“ Einmal hat er sogar aus drei verschiedenen Motoren

einen einzigen, voll funktionsfähigen neuen gebaut. „Das

ist ein tolles Gefühl, wenn der dann anspringt!“

Wenn das Herz des Sammlers höher schlägt

Der wohl ungewöhnlichste Ersatzteilkauf war ein Getriebe,

das der Verkäufer nur abgeben wollte, wenn auch ein Shell-

Tankwagen mit gekauft würde. Also schmückt jetzt auch

dieser knallgelbe kleine Tankwagen nach erfolgter Aufarbeitung

die Sammlung von Theo Mühlenbein! Deren Kernstück

bilden zwar nach wie vor mehrere Krupp-LKWs, aber eben

auch Bus, Tankwagen, Abschleppwagen und Auflieger. Alle

sind fahrbereit und wenn Theo Mühlenbein die Motoren anstellt,

schlägt das Herz des Sammlers höher.

So auch bei seinem schönen Opel Kapitän (Baujahr 1962), den

einzigen Personenwagen, den ich entdecke. Sehr gepflegt, mit

Panoramascheiben, Weißwandreifen, 3-Gang-Getriebe (3 vor,

1 zurück) und sogar mit Anhängerkupplung! Dafür natürlich

weder Kopfstützen noch Sicherheitsgurte. Die Zeiten ändern

sich, aber die Faszination für Oldtimer ist zeitlos. ■

In den 1960er Jahren war der

ARAL-Werkstattbus noch direkt an den Rennstrecken im Einsatz

Sie strahlen um die Wette, der

Opel Kapitän und Theo Mühlenbein,

der ihn wieder so top

in Schuss gebracht hat

WOLL Frühling 2021 - 59


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„Das Schöne an Pflege ist, dass die Möglichkeiten

späterer Wirkungsbereiche sehr vielseitig und flexibel

gestaltet werden können.“ (Petra Vorderwisch, Schulleiterin)

Christel Zidi

Jürgen Eckert

Freude am Umgang

und in der Arbeit

„Die

mit Menschen sind

enorm wichtig“, sagt Schulleiterin

Petra Vorderwisch vom Krankenhaus

Maria Hilf in Brilon. „Ebenso aber

auch ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein

und Zuverlässigkeit.“

Aktuell 100 Ausbildungsplätze

gibt es im Briloner Krankenhaus,

geplant ist eine Erweiterung auf 150

Ausbildungsplätze und damit einhergehend

eine bauliche Erweiterung des

Schulgebäudes.

„Wichtig ist die persönliche

Note in der Begleitung der

Auszubildenden.“

- Petra Vorderwirsch

Auf eine qualifizierte Ausbildung

der Pflegefachmänner/-frauen und

Gesundheits- und Krankenpflegeassistenten

(zukünftig Pflegefachassistenten)

wird in Brilon großen Wert gelegt.

„Damit die Verzahnung zwischen Theorie

und Praxis optimal gelingt“, hebt

Petra Vorderwirsch hervor, „werden die

Auszubildenden in der Praxis von einer

hauptamtlichen Praxisanleitung begleitet.“

Im theoretischen Teil steht u.

a. ein PC-Raum mit 15 Arbeitsplätzen

und die Nutzung einer professionellen

Lernplattform zur Verfügung.

Im Rahmen der Ausbildung gibt es

eine Vielzahl an Projekten, die auf die

späteren Anforderungen des Berufes

vorbereiten: Bei dem Projekt „Schüler

leiten eine Station“ z. B. leitet einmal

im Jahr der gesamte Examenskurs für

acht Tage eine ganze Station (internistische,

allgemein- und unfallchirurgische

sowie geriatrischen Abteilung).

Natürlich stehen ausgebildete Praxisanleiter*innen

und examinierte Pflegekräfte

den Auszubildenden dabei zur

Seite und sichern als Ansprechpartner

die Qualität in der Patientenversorgung.

Was sie bereits gelernt haben,

können die Auszubildenen des 2. Ausbildungsjahres

in „Schüler leiten Schüler

an“ denen des 1. Jahres zeigen. Ein

Nebeneffekt des Projektes ist, dass die

Auszubildenden des 2. Ausbildungsjahres

dabei die so wichtige Beratungsund

Anleitungskompetenz üben und

vertiefen können. Um das Thema Tod/

Sterben geht es in einem einwöchigen

Seminar, in dem notwendige Strategien

im Umgang mit belastenden Situationen

vermittelt werden, eigene Ängste

und Grenzen finden Raum in der

besonderen Atmosphäre des Seminars.

60 - WOLL Frühling 2021


Freie Ausbildungsplätze:

Ab April 2021:

Gesundheits- und

Krankenpflegeassistenz

Ab Oktober 2021:

Pflegefachmann/

Pflegefachfrau

(generalistische

Pflegeausbildung)

Mehr Infos unter:

www.karriere.krankenhaus-brilon.de

Auch kulturelle Unterschiede finden in

diesem Seminar Berücksichtigung.

Dem Team um Petra Vorderwisch ist

wichtig, ein vertrauensvolles Miteinander

mit viel Freude und Motivation

in der Zusammenarbeit mit

den erwachsenen Auszubildenden zu

fördern. Dabei sind Verlässlichkeit und

Ansprechbarkeit in der Gestaltung

der Ausbildung ein besonderes Anliegen.

„Eine offene Gesprächskultur,

die Raum für Diskussionen lässt und

gleichzeitig die Auseinandersetzung

mit den herausfordernden Bedingungen

in der Pflege zulässt, sind wichtige

Bestandteile unseres Unterrichtens“, so

Petra Vorderwisch.

Pflegerische Fachweiterbildungen bis

zum Studium sind möglich. Zum

Beispiel der Studiengang „Pflege

dual“ an der FH Münster, der bereits

während der Ausbildung begonnen

werden kann, und mit einem „Bachelor

Pflege“ abschließt. Er schließt viele

Möglichkeiten einer Karriereplanung

im Krankenhaus Maria-Hilf mit ein.

Dazu erklärt Schulleiterin Petra Vorderwisch

abschließend: „Das Schöne

ist auch, dass spätere Wirkungsbereiche

in der Pflege sehr vielseitig und flexibel

gestaltet werden können. Ein wirklich

unerschöpfliches Angebot für den

Dienst am und für Menschen in vielen

unterschiedlichen Kontexten.“ ■

Schulleitung: Petra Vorderwisch

Bildungszentrum für Gesundheitsberufe

am städtischen Krankenhaus

Maria-Hilf Brilon gGmbH

Am Schönschede 1

59929 Brilon

Tel.: 02961 780 1447

Mail: petra.vorderwisch@kh-brilon.de

WOLL Frühling 2021 - 61


Reinhard Fiege unterstützt vor Ort in Mittelamerika

Reinhard Fiege fühlt sich in Costa

Rica herzlich willkommen.

Von Kolping Marsberg zu Kolping Costa Rica

Petra Kleine

Privat

T

atsächlich kann man ihn ab und zu noch in seiner

alten Heimat antreffen, beim Bootsausflug auf

dem Diemelsee oder beim Schützenfest in Marsberg.

Und er ist noch bestens über alles hier informiert.

Facebook und Internet machen es möglich, dass er auch in

seiner neuen Heimat, rund 9.000 km oder zehn Flugstunden

von uns entfernt, stets auf dem Laufenden ist. Aber

wie kam er nach Costa Rica?

Da war schon ganz viel Liebe im Spiel! Wie sonst lässt sich

erklären, dass der Marsberger Reinhard Fiege (72) seine Zelte

im Sauerland abgebrochen hat, um seiner Frau Katia Fernandéz

Mena (54) in ihre Heimat Costa Rica zu folgen? Kennengelernt

haben sich die beiden 2009 über ihre jeweilige

Tätigkeit bei Kolping. Reinhard Fiege betreute ehrenamtlich

für den Kolping Diözesanverband Paderborn internationale

Gäste. Eine davon war die Psychologin Katia, die bei Kolping

Costa Rica Ansprechpartnerin für Mitglieder ist, sich

um Weiterbildung kümmert, und sich gegen häusliche Ge-

Das Ehepaar Katia Fernandéz Mena und

Reinhard Fiege lebt und arbeitet in Costa Rica.

Reinhard Fiege inmitten vieler jungen Menschen beim Vorprogramm

zum Weltjugendtag2019, der gleich nebenan in Panama stattfand.

62 - WOLL Frühling 2021


walt und für den Schutz von Kindern engagiert. Nach dem

Kennenlernen folgte Internet und Skype, bevor Reinhard

Fiege 2012 beschloss, dauerhaft nach Costa Rica zu gehen.

2013 wurde dann Hochzeit „unter Palmen“ gefeiert!

Seither lebt er dort und unterstützt seine Frau ehrenamtlich

bei ihrer Tätigkeit für Kolping. Ob im Büro, bei Außeneinsätzen,

im Casa Kolping oder bei der Gartenpflege. Im Sinne

von Adolph Kolping wird Menschen geholfen, sich zu organisieren

und durch Weiterbildung ihr Leben zu verbessern.

Es gibt Angebote zur beruflichen, religiösen und politischen

Weiterbildung, aber auch zur Freizeitgestaltung. Im Mittelpunkt

steht dabei immer die gegenseitige Unterstützung.

Heute so wie zu Kolpings Lebzeiten.

Oft sind es die Frauen, die es in die Hand nehmen, die

Lebenssituation ihrer Familien zu verbessern. „Wir haben

über die Projektförderung des Diözesanverbandes Paderborn

mit geringsten Beträgen einer jungen Mutter eine Nähmaschine

beschafft“, so Reinhard Fiege. „Diese Frau hatte nie

nähen gelernt und fertigt nun die schönsten Dinge selbst, hat

eigenes Selbstvertrauen bekommen und kann ihre Familie

unterstützen.“

Die Menschen in den ländlichen Regionen leben meist vom

Anbau von Kaffee, Zuckerrohr oder Früchten sowie von

der Viehzucht. Gerade beim Kaffee ist der internationale

Konkurrenzdruck groß und die Einkünfte gering. Reinhard

Fiege gibt uns ein weiteres Beispiel der Tätigkeit vor Ort:

„Eine Familie mit sechs Kindern hat eine kleine Finca und

baut dort Kaffee an. Um unabhängiger zu sein, verarbeiten

sie nun ihre kleine Ernte selbst. Sie entkernen die Früchte

mit einer Maschine, die ihnen die Kolpingfamilie Giershagen

geschenkt hat, reinigen und trocknen die Kerne. Der

Trockner wurde über einen Kleinstkredit finanziert. Ein

Bekannter röstet den Kaffee und die Familie kann ihn nun

regional selbst vermarkten, mit eigenem Logo. Das ist Hilfe

zur Selbsthilfe!“

Natürlich nimmt sich Reinhard Fiege mit seiner Frau auch

die Zeit, um die Schönheiten des kleinen Landes mit rund

fünf Millionen Einwohnern, das direkt neben Panama liegt,

zu erkunden. In nur einer Stunde ist er am Pazifischen

Ozean mit seinen herrlichen Stränden. Auch erloschene und

aktive Vulkane gibt es zu bewundern sowie einige der höchsten

Berge Mittelamerikas. 34 Nationalparks hat das Land,

20 % der Landesfläche stehen unter Schutz und 54 % sind

inzwischen wieder bewaldet.

Überraschenderweise hat Costa Rica kein Militär, sondern

investiert das Geld lieber in die Bildung. So gibt es überall

Schulen, aber die Schulpflicht endet bereits nach der 6.

Klasse.

Adolph Kolping sagte: „Die Nöte der Zeiten werden Euch

lehren, was zu tun ist.“ So sieht es auch Reinhard Fiege, der

gemeinsam mit seiner Frau aktiv mithilft, die Lebensumstände

der Menschen vor Ort zu verbessern. Stolz kann er sein,

wenn die Enkelin seiner Frau über ihn als Deutschen sagt.

„Du bist immer sehr direkt und zielorientiert. Zu dem, was

du sagst, stehst du ohne Umschweife!“ ■

Unterwegs im Grünen, gemeinsam mit seinem „Wachhund“. Reinhard mit Bischof Gabriel Enrique

WOLL Frühling 2021 - 63


Der Schmachtlappen und sein Fastenbier

Verena Sen

Die Kraniche haben ihren Weg bereits wieder

ins Sauerland gefunden und uns unmissverständlich

den Frühling angekündigt. Diese beschwingte

Jahreszeit hat einige Bräuche und Redensarten

im Gepäck wie den Tanz in den Mai, das Fastenbier oder

sogar den Schmachtlappen.

Was ist eigentlich ein „Schmachtlappen“? Das fragte ich ein

Dutzend Sauerländer – und die Antworten kamen prompt:

„Ein langer, dünner Kerl“, „Ein dürrer Hänfling“ oder „Dem

kannst Du das Vaterunser durch die Rippen pfeifen“, auch

„Hungerhaken“ wurde genannt. So viel also zum zeitgenössischen

Sauerländer Verständnis des „Schmachtlappens“:

männlich, schmal, hager. Ursprünglich ist mit diesem

Begriff allerdings gar kein Mensch gemeint, auch wenn der

Begriff zumindest etwas mit Essen zu tun hat, jedenfalls im

übertragenen Sinne.

Fasten mit Leib und Seele

Der Ausdruck Schmachtlappen kommt eigentlich aus der

Fastenzeit. In katholischen Haushalten war es noch vor nur

wenigen Generationen eine Selbstverständlichkeit, während

dieser Zeit auf z. B. Fleisch, Alkohol und Zuckerwerk zu verzichten.

Die Spuren des Schmachtlappens führen uns allerdings

noch viel weiter in die Vergangenheit: In katholischen

wie evangelischen Kirchen wurden bis ins 18. Jahrhundert

hinein bildliche Darstellungen Jesu während der 40 Tage

zwischen Aschermittwoch und Karfreitag verhüllt. Auf diese

Weise sollte man nicht nur körperlich, sondern auch geistlich

fasten. Das Verhüllen geschah mit einem sogenannten

Fastentuch – im Volksmund auch „Schmachtlappen“ oder

„Hungertuch“ genannt. Der Original-Schmachtlappen ist

also nicht menschlicher, sondern textiler Natur.

Flüssiges bricht Fasten nicht…

Weitere hundert Jahre früher, also Mitte des 17 Jahrhunderts,

hatten Mönche die findige Idee des Fastenbiers im Gegensatz

zum „Dünnbier“. Letzteres wurde in Klöstern jeden

Tag getrunken. Bier war beliebt, weil es durch den Alkoholgehalt,

die Kohlensäure und den relativ niedrigen PH-Wert

meist keimfreier war als normales Trinkwasser. Wenn man

zur Fastenzeit allerdings den Gürtel enger schnallte, reichte

das normale Dünnbier nicht aus, um den Verzicht auf feste

Nahrung auszugleichen. So wurde das Fastenbier erfunden,

64 - WOLL Frühling 2021


das nicht nur einen höheren Zuckergehalt hatte, sondern

dadurch oft mit um die zehn Prozent Alkohol auch deutlich

mehr „Wumms“. Dieses nahrhafte Bier war auch in der

entbehrungsreichen Fastenzeit erlaubt, denn „Flüssiges bricht

Fasten nicht“, sagt eine alte Redensart.

Foto: AdobeStock_195834535_Love the wind

Die Bäume fahren aus der Haut

Nach der Fastenzeit und Ostern steht dann aber endlich der

Frühling vor der Tür. Im Frühling, das wusste schon Wilhelm

Busch, fahren die Bäume aus der Haut und, das wissen

die Sauerländer, tanzen die Menschen in den Mai. Dieser

Brauch am Abend des 30. April ist übrigens aus der sagenumwobenen

Walpurgisnacht entstanden. Die Nacht, in der

die Hexen auf ihren Besen um Berggipfel brausen und wilde

Feste feiern. Davon gibt es im Sauerland ja genug – also von

Bergen und Festen – aber mit Abstandsregel und begrenzter

Zahl der Haushalte wird es dieses Jahr wohl nichts mit der

Hexensause. Und auch ob wir „normalen“ Menschen für

den traditionellen Maientanz dieses Jahr die Corona-Hürde

überspringen können, bleibt vorerst wohl fraglich. Da sind

ausnahmsweise einmal die Fastenbräuche deutlich leichter

einzuhalten… ■

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Leistungsfähigkeit, Kompetenz und Erfahrung - das

sind die Eigenschaften, mit denen man das Briloner

Unternehmen sofort in Verbindung bringt. Die

Mitarbeiter von Niggemeier Bedachungen sind nun schon

seit mehr als 93 Jahren auf den Dächern von Brilon und

Umgebung unterwegs. Und dabei nachgefragt und beliebt

wie eh und je.

Seit 1927 ist das von Wilhelm Niggemeier sen. gegründete

Unternehmen in Familienhand. Seit dem letzten Jahr leitet

Andreas Niggemeier das Traditionsunternehmen - nunmehr als

alleiniger Geschäftsführer.

Die Zukunft liegt im Handwerk

Florian Bergmann hat gerade seine Prüfung zum Dachdeckerund

Klempnermeister erfolgreich abgeschlossen

Andreas Niggemeier weiß, dass das Handwerk jungen Menschen

hervorragende Perspektiven bietet. Sein Mitarbeiter

Florian Bergmann, der gerade seine Prüfung zum Dachdecker-

und Klempnermeister bestanden hat, ist dafür ein gutes

Beispiel. „Alt“-Meister Niggemeier ist stolz auf sein Team, das

nun aus zwei Meistern, sechs Gesellen und einem Auszubildenden

besteht.

Sämtliche Dacharbeiten in bewährter Qualität

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Naturschiefer, Frankfurter Pfanne, Bauklempnerei, Fassadenverkleidung,

Flachdachisolierung und Dachbegrünung – es

gibt viele Bereiche, in denen ein Dachdecker sich auskennen

muss. Dabei wird nicht allein handwerkliches Können benötigt.

Ein guter Dachdecker muss auch die Fähigkeit besitzen, die

Wünsche des Kunden und die Pläne der Architekten umzusetzen.

Dabei sind mal eher traditionelle Handwerkstechniken

erforderlich, mal moderne. Auch in Bezug auf das Material gibt

es Unterschiede: Metall z. B. wird anders eingesetzt als Schiefer

oder Tonziegel. Letztendlich sollte sich ein harmonisches

Gesamtbild ergeben. ■

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Tel. 02961 60 04 • Fax 02961 5 18 52

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66 - WOLL Frühling 2021


Mit Neugierde,

Glück und Fußballleidenschaft

Michael Senske ist Datenwissenschaftler

beim FC Bayern München

Sonja Nürnberger

Tim Kramer & Privat

Geboren wurde er 1987 in

Dortmund, zog aber bereits

im Alter von drei Jahren

nach Neheim, wo er eine behütete

Kindheit und Jugend verbrachte, bis

er zum Studieren das Sauerland verließ.

Heute arbeitet Michael Senske

beim FC Bayern München – in der

Abteilung Spielanalyse und Innovation.

Der Weg dahin war ein spannender

und keinesfalls ein geplanter.

Die Leidenschaft für den Fußball kommt nicht von ungefähr.

„Mein Papa war sehr aktiv im Fußball – sowohl als

Spieler als auch als Journalist“, erinnert sich Michael Senske.

„Er hat mir als Kind natürlich immer viel erzählt und mich

gefragt, ob ich nicht auch in einem Fußballverein spielen

wollte.“ Das wollte er natürlich. SC Neheim, TuS Vosswinkel

und SC Bachum/Bergheim: „Bis zur C-Jugend hab ich

im Verein gespielt. Aber ich hatte immer den Konflikt, dass

meine Spiele und die der Bundesliga zur selben Zeit stattfanden

und ich doch lieber die Bundesliga-Spiele verfolgt habe“,

erinnert er sich lachend.

Aktiv Fußball zu spielen begann er erst wieder, als er in Bochum

zu studieren anfing – diesmal in einer Hobbymannschaft.

In Bochum studierte er Biochemie. Bachelor, Master,

zwischendrin einige Auslandsaufenthalt in Irland, Wales

und den USA, bis er sich schließlich für die Promotion im

Fach Chemie entschied. „Ich war immer gerne in der Uni

und habe deswegen davon geträumt, Professor zu werden“,

erzählt er. „Die Forschung hat mir von Anfang an viel Spaß

gemacht, im Labor zu sein und unbekannte Dinge zu untersuchen.“

Doch irgendwann kam er an einen Punkt, an dem

der Spaß nachließ und Zweifel aufkamen. „Irgendwie habe

ich gemerkt, dass das ganze Prozedere in der Forschung

vielleicht doch nicht so meins ist, der Publikationsdruck, der

Fokus liegt zu wenig auf dem Forschungsfeld und irgendwo

gehört eben auch einfach viel Glück dazu.“ Hinzu kommt,

dass eine Professorenkarriere sehr lange dauert: „Ich dachte

mir, wenn ich dann Ende 30 bin und merke, ich schaffe

das nicht, was mache ich dann?“ Das führte dazu, dass er

noch einmal in sich ging und ganz frei darüber nachdachte,

was er wirklich gerne machen würde. „Ich merkte, dass ich

in meiner beruflichen Zeit gerne über Fußball nachdenken

würde, dass es schön wäre, das Hobby irgendwie in den Beruf

einfließen lassen zu können.“

WOLL Frühling 2021 - 67


Vom Chemiedoktorand zum Start-up-Gründer

Er begann gemeinsam mit einem Kommilitonen und einem

Juniorprofessor ein Nebenprojekt aufzubauen. Zunächst starteten

sie mit sehr einfachen Fragen. Als das nicht mehr genug

war, überlegten sie sich, an den VfL Bochum, Michael Senskes

Lieblingsverein, heranzutreten. Was hatten sie zu verlieren? Er

hatte gelesen, dass ein dänischer Verein mithilfe von Datenanalyse

sehr überraschend Meister geworden war. Auf dieser

Grundlage schrieben sie dem VfL einen Brief und wurden

prompt eingeladen, um sich und ihre Ideen vorzustellen. „Wir

wollten anhand von Daten die Stärken der Spieler berechnen.

Es gab zu dieser Zeit bereits eine Menge Daten – allerdings

wusste nicht einmal der VfL, wie er dort herankommt.“ Michael

Senske merkte, dass aus der Zusammenarbeit dauerhaft

nichts werden würde und erzählte zufällig bei einem „Kaminabend“

in der Uni jemandem von der Wirtschaftsförderung

Bochum von seinem Projekt. Daraufhin kam die Idee auf, ein

Start-up zu gründen, „obwohl keiner von uns wusste, wie das

geht.“ Für die Bewerbung für den Förderwettbewerb „START-

UP-Hochschul-Ausgründungen“ wurde zunächst recherchiert,

ob die Idee auch für Amateurvereine interessant sein könnte.

Das war sie und so gingen Michael Senske und seine Kollegen

mutig, aber auch etwas nervös zur Vorstellung ihres Projektes

– und gewannen den Wettbewerb und damit mehr als

260.000 Euro für die nächsten 18 Monate. Das Projekt konnte

nun endlich richtig beginnen.

Michael Senske (re.) mit seinem Kollegen Patrick Balzerowski

Und plötzlich beim FC Bayern München

Wie der Zufall es so will, kam dann jedoch trotzdem alles

anders. Bei einem Grillabend kam ein Kontakt zum FC

Bayern München zustande, ausgerechnet zu jemandem aus

dem Bereich Spielanalyse. „Da wir ja gerade erst das Geld

bekommen und mit unserem Projekt begonnen hatten, hatten

wir schon fast abgesagt. Aber der FC Bayern blieb hartnäckig,

wollte nicht nur, dass wir das Projekt für ihn weiterführten,

sondern dass wir dort fest arbeiteten.“ Schnell war klar, dass

das wahrscheinlich eine einmalige Gelegenheit ist – außerdem

gab der Arbeitsplatz eine größere Sicherheit. „Der FC Bayern

München ist einer der besten Vereine der Welt und die

Chance, überhaupt in einem Fußballverein zu arbeiten, war

mit unserem Start-up nicht gesichert. Darum entschieden wir

uns, dass Angebot anzunehmen und gaben die Fördergelder

zurück.“ Am 1. Juli 2018 ging es dann tatsächlich los, in der

Abteilung Spielanalyse und Innovation als Datenwissenschaftler.

„Das war natürlich eine superspannende Anfangszeit in

Michael als Baby mit seinem Vater Paul

68 - WOLL Frühling 2021


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Michael Senske

München, gerade auch als Fußballfan“, erinnert sich Michael

Senske und grinst: „Ich hab zu meinem Kollegen gesagt:

‘Patrick, wir machen hier keine Selfies. Wir gehen da einfach

rein und verhalten uns ganz unauffällig.‘“ Aber etwas Besonderes

ist es natürlich schon: von der Dachterrasse sieht man den

Fußballstars beim Training zu und auf dem Gang wird man

von Uli Hoeneß gegrüßt. Servus!

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„Wir werten in unserer Abteilung Spieldaten der Mannschaften

aus – von den Profis bis zur U17. Unsere Hauptaufgabe ist

es, den Spielern eine Datennote zu geben, also eine objektive

Qualitätskennzahl für die Spielerleistung.“ Mittlerweile gibt

es außerdem eine futuristische Turnhalle, in der allerlei Dinge

gemessen werden, die später ausgewertet werden können.

Heimatliche Verbundenheit

Auch wenn Michael Senske nun für den FC Bayern arbeitet,

das Sauerland und seinen heimischen Fußballverein hat er

nicht vergessen. „Mein Vater sagt mir oft Bescheid, wenn der

SC Neheim spielt, dann gucke ich mir das immer an, wenn es

zeitlich passt.“ Vor allem kommt er aber auch immer wieder

gerne ins Sauerland. „Die heimatliche Verbundenheit ist

einfach immer noch da, nicht nur wegen meinen Eltern. Ich

bin einfach gerne dort, unternehme Wanderungen und genieße

die schöne Landschaft.“ ■

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Kinder, wie die Zeit vergeht,

das Rad sich täglich schneller dreht,

und ehe du dich recht bedacht:

Der Winter vorbei – der Frühling lacht.

Das frische Grün, die ersten Blütenspitzen,

Vögel zwitschernd in den Bäumen sitzen,

balzend ihre Nester bauen,

ach, es gibt so viel zu schauen.

Schwalben, Störche, sie kehren zurück,

die Sonne lacht, helle Tage voll Glück.

Der Frühling, für viele die schönste Zeit,

wo alles im Wachsen, alles bereit.

Frühling, Lenz – ein jeder erwartet dich,

so auch der Schreiber dieses Gedichts. ■

Martin Richter


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Die Werkstätten St. Martin des Caritasverbandes Brilon e.V. sind ein hoch angesehener

Partner der Industrie und machen ihre Mitarbeiter stolz und glücklich

hätte ich nicht gedacht. Ihr seid ja

total vielseitig! Aber Tampondruck macht

‚Das

ihr nicht auch noch, oder?‘ Diese Frage eines

verblüfften und überaus positiv überraschten Kunden

durfte Engelbert Kraft mit einem klaren ‚doch‘ beantworten.

„Mit unseren Werkstätten in Brilon, Marsberg

und Winterberg sind wir extrem vielseitig und breit

aufgestellt. Wir haben überall Experten sitzen mit vielen

Händen, die helfen können, wenn es mal besonders

schnell gehen muss“, erklärt der Leiter der sechs Werkstattstandorte,

die als zertifiziertes Unternehmen die

ISO-Norm erfüllen.

Allein an dem Werkstattstandort Hinterm Gallberg in Brilon

gibt es eine eigene Schreinerei, einen großen Metall- und

Montagebereich sowie den Tampondruck und die Pulverbeschichtung.

„Vor allem die Kombination Metall- und Pulverbeschichtung

macht uns sehr leistungsstark. Wir können z.B.

Gehäuse für Ladegeräte nicht nur selbst bauen, sondern sie

auch direkt vor Ort veredeln“, berichtet Thomas Münstermann,

der technische Leiter der Werkstätten, die über den

Caritasverband Brilon e.V. Mitglied der ‚Big Six Brilon‘ sind.

An allen sechs Standorten arbeiten 650 Werkstattbeschäftigte,

die stolz sind auf das, was sie tagtäglich leisten. „‚Das

habe ich gemacht‘ hören wir oft von unseren Mitarbeitern.

Wir montieren viele Alltagsgegenstände wie Fahrradluftpumpen,

Siphons und viele andere Produkte, die unsere Werkstattbeschäftigten

im alltäglichen Leben wiedererkennen.

Natürlich macht sie und auch uns das wahnsinnig stolz“,

gibt Engelbert Kraft zu, der sich freut, dass die Werkstätten

der Caritas im Sauerland ein hoch angesehener Partner der

Industrie sind. ■

Hier geht’s zum Video:

Partner der Big Six

Caritasverband Brilon e.V.

Scharfenberger Straße 19

59929 Brilon

www.caritas-brilon.de

WOLL Frühling 2021 - 71


Es klappert die Mühle...

Christel Zidi

S. Droste

Alte Kornmühle in Ramsbeck

Die alte Kornmühle ist gut 400 Jahre alt. Sie ist die einzig noch erhaltene Mühle in NRW mit ursprünglich drei

Mahlständen. Renovierungen und Instandsetzungen der mittelalterlichen Technik fanden u. a. in den Jahren 1810

und 1860 statt, wie anhand von Holzproben ermittelt wurde. Im Gegensatz zu vielen anderen alten Mühlen wurde das

Gebäude nur stillgelegt und nicht entkernt. 2014 wurde sie nach umfangreichen Renovierungen neu eingesegnet.

72 - WOLL Frühling 2021


Sägemühle Remblinghausen

Urkundlich belegt ist, dass schon 1671 an dieser Stelle eine Mühle stand. Wahrscheinlich wurde sie aber deutlich

früher gebaut, worauf auch die Ortsangabe “Auf der Sagemollen“ schließen lässt. Der Kern des heute noch vorhandenen

Gebäudes wurde 1809 errichtet, die Stellmacherwerkstatt 1889, das Turbinenhaus mit Kleesamen-Enthülsungsmaschine

und Schrotmühle 1926. Die Anlage ist eine in Westfalen außergewöhnliche Kombination von Maschinen

des holzverarbeitenden Gewerbes und der Dreschtechnik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Der Betrieb

wurde 1983 eingestellt

Schleimer Mühle in Niedersfeld

Sie ist die erste Mühle an der Ruhr. Erste Erwähnung fand sie in der „Türkensteuerliste“ von 1565. Angetrieben wird

die Mühle mit Wasserkraft. Hierzu wurde ein Graben von ca. 1,5 km Länge angelegt, der zu 50 % von der Ruhr und

zu 50 % von der Hille gespeist wird.1934 wurde eine Turbine eingebaut, die das Wasserrad ablöste.

Diese Turbine treibt heute noch die 1,5 Tonnen Roggen-Rückschüttmaschine an.

Zusätzlich wird ein Generator zur Stromerzeugung durch Wasserkraft in Betrieb gesetzt.

WOLL Frühling 2021 - 73


“Stütings Mühle” in Belecke

Die Korn- und Sägemühle in Belecke wurde von 1307 bis 1963 wurde genutzt. 1994 wurde die Turbine überholt,

die bis 1963 ihre Energie aus der Wasserkraft der Wester bezogen hatte. Die Mühle erzeugt 130.000 Kilowattstunden

Energie pro Jahr. Im Nachbargebäude, einer ehemaligen Fruchtscheune, ist heute die Ortsbücherei untergebracht.

Niederbergheimer Mühle

Der Kölner Erzbischof veranlasste 1551 den Bau der Mahlmühle. 1590 ging sie in den Besitz des Deutschen Ritterorden

zu Mühlheim. Später erwarb sie die Familie Bockum-Dolff und ließ sie 1787 mit neuester Technik ausstatten. Die angeschlossene

Sägemühle arbeitete bis 1972, der Mahlbetrieb wurde bereits 1960 eingestellt.

Heute befindet sich in der Anlage eine Kunstgalerie. Zur Stromerzeugung wird die Wasserkraft seit 1983 genutzt.

74 - WOLL Frühling 2021


Altenbürener Mühle

Am Ufer der Glenne, die bei Altenbüren entspringt und bei Rüthen in die Möhne fließt, steht die Altenbürener Mühle.

Hier wurde noch bis 1956 Korn gemahlen. Die Mühle wurde in ihrer Vergangenheit oftmals vom Blitz getroffen. Das erste

Mal geschah dies 1660. Damals baute man eine neue Mühle ein Stück abwärts der Glenne, die in 1710 und 1850 von

dem gleichen Schicksal heimgesucht wurde. Um dieser Gefahr auszuweichen, beauftragte der Eigentümer Kaspar Gerbracht

einen Wünschelrutengänger, der feststellte, dass sich dort vier Wasseradern kreuzen, die die vernichtenden Blitze

anzogen. Er ließ an den entsprechenden Stellen Bleibehälter in den Boden versenken und behob damit einen Missstand,

der so viel Leid gebracht hatte.

Wassermühle in Sundern-Linnepe

Mindestens 700 Jahre – aber vermutlich noch viel älter ist die Wassermühle in Linnepe. Hier befand sich in alter Zeit

eine gräfliche Bannmühle. Das bedeutet, dass der Graf das alleinige Recht zum Bau und Betreiben der Mühle hatte.

Die Bauern der Gemeinden ringsum mussten hier ihr Getreide mahlen zu lassen. Sie war noch bis 1932 in Betrieb.

WOLL Frühling 2021 - 75


Die “Spitze Warte” in Rüthen

“Spitze Warte” war ursprünglich die Bezeichnung für einen der drei Warttürme an der östlichen Grenze der mittelalterlichen

Feldmark der Stadt Rüthen. Als 1856, ca. 150 Meter nordöstlich der einstigen Warte, eine Windmühle

gebaut wurde, übernahm der Mühlenturm später diesen Namen.

76 - WOLL Frühling 2021


“Alte Wassermühle” in Meschede-Berge

Am Ortsausgang von Berge nach Wenholthausen liegt die “Alte Wassermühle” am Ufer der Wenne. Sie war noch bis in

die 1980er in Betrieb. 1991 wurde sie restauriert. Mauerwerke, Mahlwerke, das Stauwehr oder der alten Gewölbeofen

können besichtigt werden.

WOLL Frühling 2021 - 77


Irgendwas zwischen Hardrock und Punk

One Tape: eine junge Band aus Brilon,

die in keine Schublade passen will

Fabian ten Haaf, Mathis Kaup,

Ben Müthing, Hannes Muffert (v.l.)

Sonja Nürnberger

Privatarchiv

Leben ist kein Goldfischglas, man muss

sehen, wo man bleibt und gehen, wenn’s

„Das

am schönsten ist.“ In ihren Texten geht

es um zwischenmenschliche Beziehungen, um Gesellschaftskritik

und darum, klar Position zu beziehen gegen

Rechts. Um alles eben, was einen so mit knapp 20 Jahren

und überhaupt zur Zeit beschäftigt und beschäftigen

sollte.

Seit bald acht Jahren gibt es One Tape bereits. One

Tape, das sind Fabian (20) am Schlagzeug, Hannes

(19) am Bass, Ben (20) an der Gitarre und Mathis

(19) an den Vocals. Fast 140 Konzerte haben sie

bereits gespielt – etwas, was nicht jede Band von

sich behaupten kann. Vor allem nicht in diesem

jungen Alter.

„Wir haben zunächst als Coverband angefangen

und das ganze Sauerland abgespielt“,

erzählt Mathis. Nachdem sie einige Erfahrungen

gesammelt hatten, entschieden sie

sich bald, einen Schritt weiterzugehen und ihre eigene Musik

zu machen. 2019 nahmen sie schließlich ihr Debutalbum auf

und belegten den dritten Platz bei einem Nachwuchsbandwettbewerb

auf der Frankfurter Musikmesse. Vergangenen

August folgte Album Nummer zwei. Auf der Bucketlist* der

Band stehen aber noch weitere Ziele: auf großen Festivals

spielen und durchs Land touren etwa. Die Jungs machen die

Musik jedoch nicht, um berühmt zu werden – „auch,

wenn wir dazu nicht Nein sagen würden“ –, sondern

in erster Linie, weil sie „Bock darauf haben,

Mucke zu machen“ – ganz egal, ob für 20 oder

2.000 Menschen.

Inspiration für ihre Musik holt sich die Band

aus ganz verschiedenen Richtungen. „Wir wollen

nicht in eine Schublade gesteckt werden, um

uns nicht selbst einzuschränken. Wir sind One

Tape und wir machen One Tape-Musik“,

stellt Mathis klar. Will man es doch einordnen,

beschrieb ein Freund die Musik

einmal als „irgendetwas zwischen

78 - WOLL Frühling 2021


Hardrock und Punk“, ein Spektrum, das groß genug ist, um

sich kreativ auszutoben. „Aber am besten hört man selbst

rein und macht sich sein eigenes Bild.“

Von der Idee zum Song

Für einen neuen Song sammelt jedes der Bandmitglieder

seine Ideen und bringt sie zur Probe mit. In diesem Jahr sah

das durch die Pandemie ein wenig anders aus, aber die Jungs

sind gut aufeinander abgestimmt.

Besonders gerne erinnert Mathis sich an die Entstehung

eines Songs auf dem aktuellen Album: Anastasia heißt er und

handelt von einem Mädchen, das sie auf einem Konzert von

„Von wegen Lisbeth“ in Berlin kennengelernt hatten. „Vor

allem unser Bassist war sehr angetan und bekam sie nicht

mehr aus dem Kopf.“ Auf dem Heimweg setzten sie sich zusammen

und schrieben diesen Song. „Es war einfach so eine

besondere Stimmung. Eine große Stadt, neue Leute, so viele

Freiheiten und ein tolles Konzert und dann ist da für diesen

einen Abend dieses Mädchen, das am nächsten Tag weiter

nach Stockholm fliegt.“

Zukunft

In Zukunft will die Band weiter neue Songs schreiben und

auf der Bühne stehen. Dafür appelliert Mathis auch an jeden,

der Musik liebt, die Kulturbranche, wo es nur geht, in dieser

Zeit zu unterstützen. „Da sind ja nicht nur die Musiker an

sich, sondern all die, die dahinterstehen und dafür sorgen,

dass wir überhaupt wieder spielen können.“ ■

Kraftstoffverbrauch Volvo XC40 Momentum T2, 95 kW (129 PS),

Hubraum 1.477 cm3, in 1/100 km: innerorts 7,9, außerorts 5,3,

kombiniert 6,3, COrEmissionen kombiniert 142 g/ km. (gern. vorgeschriebenem

Messverfahren}, C02-Effizienzklasse: B.

1 Die Fußgänger- und Radfahrer-Erkennung als Teil des City Safety Systems

greift zum Schutz von Personen aktiv bis zu einer Fahrgeschwindigkeit

von 80 km/h ein und kann Unfälle vermeiden oder die Unfallfolgen deutlich

abschwächen. ' Ein Privat-Leasing-Angebot der Volvo Car Financial

Services - ein Service der Santander Consumer Leasing GmbH (Leasinggeber),

Santander-Platz 1, 41061 Mönchengladbach - für einen Volvo XC40

Momentum T2, 6-Gang Schalt Getriebe, Benzin, Hubraum 1.477 cm3, 95

kW (129 PS), Anschaffungspreis 33.300,00 Euro, Leasing-Sonderzahlung

0 Euro, monatliche Leasingrate 249,00 Euro, Vertragslaufzeit 36 Monate,

Laufleistung pro Jahr 10.000 km, Gesamtbetrag 24.147,20 Euro. Effektiver

Jahreszins 3,87 %, fester Sollzins p. a. 3,80 o/o. Repräsentatives Beispiel:

Vorstehende Angaben stellen zugleich das 2/3-Beispiel gern. §6a Abs. 4

PAngV dar. Bonität vorausgesetzt. Preise zzgl. Überführungskosten und zzgl.

Zulassungskosten. Gültig bis 31.03.2021. Beispielfoto eines Fahrzeugs der

Baureihe, die Ausstattungsmerkmale des abgebildeten Fahrzeugs sind nicht

Bestandteil des Angebots.

*Frei übersetzt: Das, was man noch erledigen möchte, bevor man stirbt.

WOLL Frühling 2021 - 79


Robert geht wandern:

Von Bigge auf den Olsberg (703 m)

Robert Hinkel

1Ihr parkt an der Schützenhalle in Bigge und geht die Straße „Ruhrufer“ an den Supermärkten

entlang, wo ihr noch Marschverpflegung bekommen könnt. Anschließend geht es in den

schönen Olsberger Kurpark:

2Dort seht ihr gleich, was die Glocke geschlagen

hat, bzw. wo es hinaufgeht:

3An der Tourismusinformation trefft ihr auf den

Friedrich-Wilhelm-Grimme-Weg (X27) und

folgt ihm die nächsten fünfeinhalb Kilometer.

Der Geburtsort des bekannten Dichters ist tatsächlich

Assinghausen. Oberhalb von Olsberg verläuft

der Weg 500 Meter über einen Trampelpfad, der

etwas versteckt rechts im Wald verschwindet:

80 - WOLL Frühling 2021


4Wenn man sich an den Kneippweg (Wanderzeichen

K) Richtung Waldaltar und darüber hinaus hält,

geht man kurz und steil auf den Olsberg und wieder

runter. Meine Wanderung ist aber knapp 5 km länger und

hält sich an den X27, der nun auf einem breiten Weg langsam

ansteigt:

5An einer Wiese hat man Aussicht auf das Gebiet

meiner Winter-Wanderung 2019/20 von Bruchhausen

auf den Langenberg.

6Aber die Aussichten werden noch besser. Hinter

der Wiese verlasst ihr den X27 nach rechts bergauf

und folgt dem Olsberg Gipfelsteig, der zu einem

bemerkenswerten Rastplatz führt. Hier hat man einen

180°-Rundumblick von Winterberg bis zum Arnsberger

Wald nördlich von Bestwig, mit dem Ruhrtal 300 Meter

unter euch:

7Das ist die wohl aussichtsreichste kostenlose

Bank mit Tisch, die das Sauerland zu bieten

hat. Das kann ich nicht beschwören, aber

ich komme viel herum, kenne viele Ecken. So eine

Kombination kenne ich nur vom kahlen Asten, wo

man aber im Turm gekaufte Speisen und Getränke

verzehren sollte. Alle anderen haben nicht so einen

Rundumblick oder ihnen fehlt der Tisch.

WOLL Frühling 2021 - 81


8Auch wer die Abkürzung über den Kneippweg bergauf genommen hat, bekommt eine schöne Aussicht auf dem Olsberg-

Gipfel. Mit einem Mikroskop könnte man auf dem Foto den Teutoburger Wald rechts am Bildrand sehen.

10

Auch unten im Ruhrtal solltet ihr keine wackeligen

Beine haben. Sonst rutscht ihr vom Ruhrhöhenweg

(XR) in den Olsberger Stausee.

9

Ich hoffe, ihr habt noch Kraft in den Beinen.

Jetzt verliert ihr die 350 Höhenmeter über dem

Ruhrtal innerhalb von 3,3 km Kneippweg (K).

Ab dem Staudamm wird das Gelände leicht: Erst geht ihr

500 Meter der Straße „zum Stausee“ entlang, dann über

die Ruhrstraße am Café Hagemeister. Anschließend geht

es noch mal durch den Kurpark an der Ruhr entlang, diesmal

auf der rechten Seite. Dort trefft ihr nochmal auf den

X27, dem ihr auch links über die Brücke der Stadionstraße

folgt und schon seid ihr nach knapp 16 km zurück an der

Schützenhalle.

82 - WOLL Frühling 2021


Diese Strecke wandere ich am

24.4.21 um 10 Uhr. Weitere

Geschichten von mir mit

~5 Minuten Lesezeit gibt es auf

www.sauerland-wandern-undwetter.blogspot.com

Für alle,

die hinaus

wollen

heim

wollen und weiterkommen

wollen – GRÜNE Energie .

Tel.: 02931/5241-0

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WOLL Frühling 2021 - 83


Anzeige

Eine bemerkenswerte

Ausbildungsvielfalt

– von Tradition

bis Moderne

Im Berufsbildungswerk Bigge werden über

30 verschiedene Berufe ausgebildet

Inga Bremenkamp

Josefsheim Bigge

„Es

ist etwas ganz Besonderes mit Holz zu arbeiten. Ich verbinde das immer so ein wenig mit dem Gefühl

des ‚nach Hause Kommens‘. Es ist einfach dieser spezielle Geruch und das Material, das sich toll

anfühlt – ich mache das einfach total gerne,“ schwärmt Luise, die im BBW Bigge gerade eine Ausbildung

zur Fachpraktikerin für Holzbearbeitung absolviert.

Der Fachpraktiker für Holzbearbeitung

ist nur eine von mehr als 30 Ausbildungsmöglichkeiten,

die das Berufsbildungswerk

Bigge (kurz: BBW Bigge),

einem Geschäftsfeld des Josefsheim

Bigge, anbietet. „Berufsbildungswerke

bieten Menschen mit Handicap

berufliche Bildungswege an, wobei wir

in Bigge auf Menschen mit Körperbehinderungen,

Lernbehinderungen,

Hörschädigungen, Autismus-Störungen

und ADHS spezialisiert sind“, erklärt

Martin Künemund. „Das Ziel ist immer,

die Teilnehmer bei der Berufsfindung,

in ihrer Ausbildung und auch bei

ihren ersten Schritten auf dem Arbeitsmarkt

zu unterstützen“, führt der Leiter

des Berufsbildungswerks fort.

Zur Auswahl stehen Berufe aus ganz

verschiedenen Richtungen. Auf der Angebotsliste

ist mit dem (Orthopädie-)

Schuhtechniker beispielsweise ein sehr

traditionsreiches Handwerk zu finden,

während die Mediengestalter noch jungen,

modernen Berufsweg folgen. „Wir

bilden kaufmännische, handwerkliche,

technische, agrarwirtschaftliche sowie

Berufe, die dem Dienstleistungsbereich

zuzuordnen sind, aus. Alle Berufe

werden am Ausbildungsende mit einer

Prüfung vor der jeweiligen Kammer

abgeschlossen und sind entsprechend

staatlich anerkannt“, sagt Künemund,

der stolz darauf ist, dass die Teilnehmer

mitten im Sauerland dort lernen, arbeiten

und wohnen, wo andere Urlaub

machen. „Ich wohne hier im Internat

und komme eigentlich aus Hessen. Im

84 - WOLL Frühling 2021


Sauerland ist es echt schön, die Luft ist

super und ich fühle mich sehr wohl“,

verrät Chantal, die derzeit eine Ausbildung

im Holzbereich absolviert.

Wenn es das Maß an Selbstständigkeit

zulässt, haben Auszubildende auch die

Chance, in kleinen Wohngemeinschaften

in Bigge oder Olsberg zu leben. Ein

wichtiger Schritt in die Selbständigkeit

nach erfolgreich absolvierter Ausbildung.

Das Angebot auf dem Campus

in Bigge wird komplementiert durch

das Heinrich-Sommer-Berufskolleg,

was die Wege für alle kurz macht und

den Austausch unter den unterstützenden

Kollegen vereinfacht.

Für Teilnehmer – so werden Auszubildende

des BBW Bigge traditionell

genannt die nicht gleich wissen, welche

Ausbildung für sie die richtige ist,

werden berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen

durchgeführt. Ermöglicht

durch die Arbeitsagenturen haben die

Teilnehmer hier die Möglichkeit, in

maximal elf Monaten verschiedene Berufe

kennenzulernen und auszutesten.

„Unser Ziel liegt darin, am Ende der elf

Monate so viele junge Menschen wie

möglich in eine Ausbildung zu vermitteln.

Dass sie in dieser ersten Testphase

eine große Anzahl an Berufen austesten

können, ist natürlich ein großer Pluspunkt

und hilft sehr bei der anschließenden

Entscheidung, welcher Beruf

mit Blick auf die jeweiligen Fähigkeiten

und Interessen in Frage kommt und

welcher eben nicht“, erklärt Christian

Nolte, einer der Bildungsbegleiter des

BBW Bigge. Gerade diese individuelle

Begleitung zeichnet den Erfolg des

BBW Bigge aus, dies bestätigen immer

wieder hervorragende Bestnoten, die

Auszubildende trotz ihrer Handicaps

immer wieder erreichen. ■

Interessierte Schüler:innen, Eltern,

Lehrer:innen, Schulsozialarbeiter: innen

oder Rehaberater:innen informieren

Mitarbei ter:innen des Berufsbildungswerkes

gerne persönlich, bspw. per Videochat

über die Vorberufliche oder Vollzeitschulische

Bildungsangebote, Duale

Ausbildungsangebote sowie ergänzende

Angebote zum Lernort Wohnen.

Josefsheim

Bigge

Josefsheim gGmbH

Heinrich-Sommer-Straße 13

59939 Olsberg | Tel.: 02962 800-0

info@josefsheim-bigge.de

Berufsbildungswerk

Bigge

Wege zusammen gehen, Ziele gemeinsam Unterstützung

des BBW Bigge erreichen!

Nach Abstimmung sind zudem

individuelle Beratungstermine für Interessierte

vor Ort möglich.

Kontakt:

info@bbw-bigge.de

Telefon:

02962 800 477

WOLL Frühling 2021 - 85


Freie Ritterschaft von Ense

Matthias Koprek

Freie Ritterschaft von Ense

Mittelalterfreunde mit

Anspruch und Humor

Die Freie Ritterschaft von Ense ist eine Interessensgemeinschaft

von rund 15 Männern und Frauen,

die ihre Leidenschaft für das Mittelalter miteinander

teilen. Gegründet wurde die Gruppe von Michael

Bartloff. Auslöser für seine Leidenschaft war der eher zufällige

Besuch eines Mittelaltermarktes vor vielen Jahren.

„Dort habe ich mir – ganz Kind im Manne – ein Schwert

gekauft“, erzählt der 50-Jährige. „Irgendwann dachte

ich mir: Das Schwert ist viel zu schade, um nur an der

Wand zu hängen. Du musst irgendetwas damit anfangen.“

Daraufhin hat er sich nach Mittelaltergruppen in der

Umgebung umgeschaut und ist einer Gruppe in Lippstadt

beigetreten, um den Schwertkampf zu erlernen.

Teilnahme an Mittelaltermärkten in der Region

Daraus ist 2005 die Freie Ritterschaft von Ense entstanden, die

ihr Marktlager regelmäßig auf Mittelaltermärkten im Umkreis

von rund 100 Kilometern aufschlägt. Das Lager umfasst

mehrere authentische Zelte aus Naturleinen, eine Koch- und

Feuerstelle, einen überdachten Essbereich mit hölzerner Tafel

und natürlich das Waffen- und Rüstungslager. Das Lagerleben

wird so wie vor 800 Jahren praktiziert.

Besonders prachtvoll präsentiert sich des Grafen Zelt, das mit

einem Steckbett, einem Tisch, mehreren Reisetruhen, Fellen

und Lampen ausgestattet ist und die gräflichen Waffen und

Rüstungen beherbergt. In ihm nächtigt Graf Wilhelm Konrad

86 - WOLL Frühling 2021


Das Wappen der Ritterschaft

von Ense, der von Michael

Bartloff verkörpert wird. Die

fiktive Figur ist stark an

Conrad von Ense angelehnt,

den Stammesvater des Rittergeschlechts

von Ense. Das

Geschlecht ist bereits 1250

urkundlich erwähnt und ihre

Angehörigen waren Vasallen der

Grafen von Werl.

Bartloff erkundigte sich seinerzeit bei der

Kirche über die Adelsgeschlechter in der Region

und erhielt vom Niederenser Pastor Josef Dohmann persönlich

die Genehmigung, den Namen Wilhelm Konrad von Ense zu

tragen, weil es heute keine wirklichen Nachfahren mehr gibt.

Mittelalterliche Charaktere mit historischem Bezug

Um dem echten Grafen nicht zu nahe zu treten, nennt er sich

Wilhelm Konrad. Auch wenn alle Vorkommnisse, die im Zusammenhang

mit der Figur geschildert werden, auf realen Ereignissen

beruhen, erfolgt die Darstellung des fiktiven Grafen

letztlich nach eigenem Ermessen. Ähnlich ist es auch bei den

anderen Mitgliedern der Ritterschaft, die alle einen Charakter

verkörpern.

Freiherr Hermann von Ense zum Beispiel ist der fiktive Bruder

von Wilhelm Konrad und nimmt die absolute Gegenrolle zum

raffgierigen Grafen ein, der dem schimmernden Gold weitaus

stärker zugetan ist als den notleidenden Untertanen. Hermann

ist zweifelsohne der bessere Kriegsherr – fachlich und menschlich

–, hat jedoch das Pech nur der Zweitgeborene zu sein. Und

so existiert zwischen den adeligen Brüdern ein permanentes

Schauspiel, das von Hohn und Spott, Intrigen und Kontroversen

geprägt ist. Bartloff findet große Freude an seiner unterhaltsamen

Rolle als eingebildeter und rechthaberischer Snob – wie

man heutzutage sagen würde. Auf Mittelaltermärkten spielt die

Gruppe beispielsweise Hexenprozesse und Diebesverfolgungen

nach. Ein Langfinger schlendert durch die Stände, stiehlt und

ergreift die Flucht. Der eingeweihte Händler brüllt lauthals

los und verfolgt den Dieb mit einem riesigen Kochlöffel. Die

Marktwachen schnappen sich den Räuber und führen ihn dem

Grafen vor. Der Prozess wird vorbereitet, der Dieb muss zu Gericht

sitzen und wird schließlich verurteilt.

Als das wird immer mit einem Augenzwinkern gespielt und

ist deshalb umso unterhaltsamer. Wenn Wilhelm Konrad von

Ense die Steuern von den Händlern eintreibt, die jeden zehnten

Taler abdrücken müssen, wird gern auch mal der Bezug zur

heutigen Mehrwertsteuer hergestellt. „Wir wollen die Menschen

für das Thema begeistern und das funktioniert mit Unterhaltung

weitaus besser als mit trockener Geschichte“, sagt Bartloff.

Aufwendige Gewänder und originalgetreue Requisiten

Das Lager

Im Lager

Dabei nimmt die Freie Ritterschaft von Ense ihr Hobby durchaus

ernst. Wer einen höheren Stand einnehmen will, muss die

Blick ins Grafenzelt

WOLL Frühling 2021 - 87


Grundvoraussetzungen dafür mitbringen, indem er

zum Beispiel Fechten kann und die damalige

Ausdrucksweise beherrscht. All das kann

man aber in der Gruppe lernen. So hat

sich ein Mitglied innerhalb von vier Jahren

vom einfachen Soldaten zum ersten

Ritter entwickelt. Dazu gehört auch,

dass man sich die notwendige Bekleidung

und Ausrüstung beschafft. Das

sind keine profanen Kostüme, sondern

authentische Gewänder, die ihrem historischen

Vorbild sehr nahe kommen.

So ließ sich die Ritterschaft von einem Gewandungsschneider

zum Beispiel Wappenröcke anfertigen,

die an ihr Wappen angelehnt sind. Dieses wiederum ist nicht

das Wappen von Ense, das ein Hoheitszeichen ist und deshalb

nicht verwendet werden darf. Es handelt sich vielmehr um

das Familienwappen der Familie Busche, der Michael Bartloff

angehört: „Meine Großeltern hießen noch Busche. Es ist das

private Ritterwappen meiner Familie, das ich in der Ritterschaft

wieder zum Leben erweckt habe.“

Auf den Märkten bietet die Freie Ritterschaft

Mittelalter zum Anfassen. Die

Besucher dürfen sich Zelte, Rüstungen

und Waffen nicht nur anschauen,

sondern auch ausprobieren. Das

kommt vor allem bei Kindern gut

an, die gern mal in eins der Kettenhemden

schlüpfen. Zumindest

soweit sie das Gewicht von bis zu 45

Kilogramm tragen können. Coronabedingt

konnte die Ritterschaft ihr

Hobby in den letzten Monaten nur sehr

begrenzt ausüben. „Wir stehen in den Startlöchern

und sind wieder auf Märkten präsent, sobald

es möglich ist“, sagt Bartloff hoffnungsvoll. ■

Graf Wilhelm Konrad von Ense

Grußwort des Grafen von Ense

Seyd gegrüßt, wertes Volk und fühlet Euch willkommen.

Von Ense kommen wir daher, doch jeder darf mit uns im

Bunde stehen und uns auf unseren Wegen begleiten. Ein jeder,

gleich welchem Standes, sey uns willkommen. Kein Obulos

wird von Euch verlangt, keine Lehe, keine Zeche. Gemeinsamkeit

ist das was zählt, um alte Tage zu neuem Glanze

führen. All Jene, die zu uns gefunden, das magische Portal

durchschritten haben, seyd gewiss, Ihr habt unsern Dank. Im

Besondren Jene von einst, die uns aufs Neue die Treue boten.

Euch sey gesagt: Mit Euch an unserer Seite, wird selbst die

größte Armee das Felde räumen. Die Zweifler, die sich nicht

wagen und um Gottes Beistand fragen: Schreibt die Formel

ritterschaft.ense@web.de in einen Zauberkasten und nennt

Euer Anliegen. Eine geistreiche Antwort sey Euch gewiss.

Auf bald, Euer Graf Wilhelm Konrad von Ense

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der Sanitärbranche. Wir produzieren und

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88 - WOLL Frühling 2021


… DAMIT IHR TRAUMHAUS

KEIN TRAUM BLEIBT!

M

ein Büro ist im Sauerland

-meine Kunden sind überall.

Das inhaberingeführte BauZeichenBüro

Willerscheid, im Jahr 2013 von Isabella

Maria Willerscheid gegründet, ist auch über

die Grenzen ihrer Heimat hinaus zu einem

Begriff geworden.

Ihre Aufträge erhält sie mittlerweile

deutschlandweit, aus Saarland, Berlin,

Schleswig-Holstein oder Bayern. Sie arbeitet

selbst & ständig im Auftrag ihrer Kunden,

dazu gehören neben Architekten und Ingenieuren

sowohl Bauträger, Makler, Zimmerer

und Designbüros als auch Banken und

private Bauherren.

Ob Anbau, Umbau oder Neubau, zum

umfangreichen Spektrum ihrer bereits

erfolgreich umgesetzten Projekte im Hochbau

zählen nicht nur klassische Ein- und

Mehrfamilienhäuser, Garagen und Carports.

Sondern auch Büro- und Geschäftshäuser,

Hotels, Senioren- und Pflegeheime,

Kita´s sowie Fachmärkte, Werkhallen und

landwirtschaftliche Nutzbauten.

Im Auftrag ihrer Kunden erstellt sie auf

Wunsch vollständige Bauvorlagen, digitalisiert

Bestandspläne, erstellt 3D-Visualisierungen

der geplanten Gebäude oder sie

entwirft selbst individuelle Grundrisse. Auch

die nötigen Unterlagen der „Eingriffsbewertungen

für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen“

gemäß Bundes-Naturschutzgesetz

sowie Teilungserklärungen in Form eines

„Antrags auf Abgeschlossenheitsbescheinigung“

hat sie in ihr Angebot aufgenommen.

Die Bestandsaufnahme von Gebäuden anhand

von Aufmaßen vor Ort gehört ebenso

zu ihren Leistungen. Sollten also keine

Unterlagen mehr vorliegen oder ein Aufmaß

zwingend erforderlich sein, dann sind sie

hier genau richtig.

Der ständige Kontakt mit ihren Kunden

macht ihr riesigen Spaß und die enge Zusammenarbeit

mit Fachplanern, Bauleitern,

Handwerkern sowie Behörden ist ihr sehr

wichtig. Dazu sagt sie: „Ein guter Entwurf

und dessen Umsetzung entsteht über Kommunikation.“

„Ich habe in meiner mehr als 27-jährigen

Berufserfahrung an unterschiedlichen

Projekten mitgewirkt und bringe sehr viel

Erfahrung aus der Planung im Bauwesen

mit, sowohl im Massiv- als auch im Holzbau.

Dennoch besuche ich regelmäßig Fortbildungen,

um mich immer weiterzubilden.

Dazu zählt auch das barrierefreie Bauen, was

für mich ebenfalls unerlässlich ist.“

„Ich arbeite nicht… ich tue das, was ich

liebe.“ verrät sie uns.

„Es ist meine Passion, die Menschen auf

dem Weg in ihr neues Zuhause zu begleiten,

sie dabei zu unterstützen und zu inspirieren,

ihre Wünsche und Bedürfnisse erfolgreich

umzusetzen. Die Zusammenarbeit mit

meinen Bauherren ist immer unglaublich

spannend. Jedes neue Projekt ist so individuell,

wie der Mensch, der da hinter steht.

Manche Tage sind schon mal anstrengend,

aber nicht stressig. Wenn ich im flow bin,

schaue ich nicht auf die Uhr, da kann es

Anzeige

auch schon mal etwas später werden. Ich

bin ständig kreativ und skizziere meine

eigenen Ideen auf. Das Wort Urlaub macht

mich nervös.“ sie lacht: „Ich gönne mir zwar

immer wieder eine kleine Auszeit, aber ich

kann nicht Nichts tun, dass ist gegen meine

Natur. Ich visualisiere oder baue immer

irgendetwas, entweder mit den Händen

oder in meinem Kopf. Gedanken schaffen

Realität.“

Aktuelle Bauvorhaben in 2020/21:

• Neubau Mehrfamilienhaus mit 8

Wohneinheiten und Tiefgarage in Olpe

• Neubau Einfamilienwohnhaus in Eslohe,

Erflinghausen, Reiste, Niederberndorf

und Hirschberg

• Neubau Einfamilienwohnhaus mit

Einliegerwohnung, Garagen und

Pool in Stadtbergen (Bayern)

• An- und Umbauten in Hallenberg,

Züschen, Sundern, Kückelheim,

Meschede, Neuenrade und

Battenberg (Eder)

• Neubau „Tiny-House“ in Möhnesee

• Bestandsaufnahme und Aufmaß

Produktionshalle mit Verwaltung in

Eslohe und Fachwerkhaus in Arpe ■

WOLL Frühling 2021 - 89


Von Raubwürgern

und Neuntötern

Besondere Singvögel im Sauerland

Sonja Nürnberger

Werner Schubert

W

er etwa in meinem Alter ist, erinnert sich vielleicht noch an ein Bild aus der Kinderfernsehserie

„Als die Tiere den Wald verließen“: Ein grimmig dreinblickender Vogel sitzt in

einem Busch, auf dessen Dornen kleine Mäuse aufgespießt sind. Kein besonders schöner

Anblick. Aber entspricht das wirklich der Realität und gibt es einen

solchen Vogel auch bei uns? Die Antwort lautet: ja!

Etwa 70 Singvogelarten gibt es bei

uns im Sauerland. Von Buchfink

und Rotkehlchen hat wohl jeder

schon einmal gehört und würde

beide wohl auch auf Anhieb erkennen. Die

„Geschwister Fürchterlich“, die beiden Vogelarten mit den

wenig sympathischen Namen Raubwürger und Neuntöter kennt

aber vielleicht noch nicht jeder. Letzterer war eben der, bei dessen

Anblick man als Kind auf dem Fernsehbildschirm doch etwas

schlucken musste.

Beide sehen sie aus wie der typische Comicbandit mit ihrem

schwarzen Streifen, der sich durch die dunklen Augen zieht. Die

Männchen des Neuntöters haben einen rostroten Rücken und

einen grauen Kopf, während die Weibchen und Jungvögel eher

bräunlich sind. Der Raubwürger ist etwas größer als der Neuntöter

und sowohl Weibchen als auch Männchen sind eher grau-weiß gefärbt

und haben einen dicken schwarzen Hakenschnabel.

Natürliche Lebensräume erhalten

Neben Großinsekten ernähren sich Neuntöter und Raubwürger auch

von kleinen Säugetieren wie eben Mäusen. Sie brüten bevorzugt in

dornigen Büschen und Hecken. Dort legen sie sich auch ein Vorratslager

für magere Zeiten an. Spießplätze nennt man die Orte, an denen sie

ihre Beute auf den Dornen aufspießen. Sie liegen versteckt im Dornengestrüpp,

sodass sie nicht von anderen Vögeln geplündert werden.

Männchen und Weibchen der Neuntöter

unterscheiden sich deutlich in ihrer Färbung.

90 - WOLL Frühling 2021


Doch eventuelle Räuber sind nicht das größte Problem vom

Neuntöter und Raubwürger. Die Lebensräume für die beiden

Arten werden immer kleiner. Durch die deutliche Intensivierung

der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten ist die Population

des Neuntöters deutlich zurückgegangen und auch der

Raubwürger ist inzwischen vom Aussterben bedroht. Während

man ihn in Ostdeutschland noch häufiger findet, ist er in Westdeutschland

fast ausgestorben – außer im Sauerland. Er mag die

Landschaft bei uns, aber auch hier nimmt die intensiv genutzte

Agrarlandschaft immer mehr Raum ein. Es sind natürliche Weideflächen,

die gefördert werden müssen, damit der Lebensraum

für die gefährdeten Vogelarten erhalten bleibt.

Augen und Ohren auf

Wer mit offenen Augen und Ohren durch das Sauerland läuft,

entdeckt vielleicht den ein oder anderen Vogel und schaut einmal

genauer hin. Zilpzalp, Feldschwirl oder Eichelhäher – gerade bei

einem Spaziergang im Frühling fliegen sie einem über den Weg

und sorgen für den richtigen Soundtrack, der den Frühling erst

richtig zum Frühling macht. ■

Mit dem schwarzen Streifen, der sich durch die Augen zieht,

sieht der Raubwürger aus wie ein Bandit.

Werner Schubert, Leiter und Geschäftsführer der

Biologischen Station Hochsauerlandkreis, der mir

für diesen Artikel bereitwillig Auskunft gegeben

hat, empfiehlt besonders einige der wunderschönen

Wanderwege um Marsberg und Brilon. Einen Eindruck

verschaffen, kann man sich beispielsweise auf

YouTube bei „Naturschätze Südwestfalens“.

Natürliche Weideflächen sorgen für den Erhalt des Lebensraums

von Raubwürger und Neuntöter.

Hauptstraße 48 · 59889 Eslohe (Sauerland) · www.my-perfect-day.com

Terminvereinbarungen unter 02973 - 974 964 6

WOLL Frühling 2021 - 91


Advertorial

Aus Kälte Wärme machen?

Mustersiedlung für ökologische Wärmeversorgung im Soester Norden

Es klingt paradox oder zumindest verwirrend: „Kalte Nahwärme“

lässt sich klimaschonend und effektiv für die Wärmeerzeugung nutzen.

Mit der Realisierung des bundesweit größten „Kalte-Nahwärme-Netzes“

für ein Neubaugebiet werden in Soest Maßstäbe gesetzt.

Stephan Werthschulte, Geschäftsführer der Tilia GmbH, erläutert,

wie das funktioniert und was an dem Projekt zukunftsweisend ist.

WOLL: Herr Werthschulte, in der Theorie soll es angeblich

möglich sein, aus anderen Metallen Gold zu machen. So ähnlich

hört es sich an, wenn aus Kälte Wärme entstehen soll …

Stephan Werthschulte: Ein wenig Verwirrung stiftet der Name

„Kalte Nahwärme“ schon. Gold können wir mit „Kalter Nahwärme“

leider noch nicht herstellen, aber zumindest können wir

es Menschen damit umweltschonend warm machen. Natürlich

gelten auch für die Energieversorgung physikalische Gesetze, die

den technischen Rahmen vorgeben.

WOLL: Warum wird in Soest eine Mustersiedlung

geplant, bei der vor allem eine sogenannte

ökologische Wärmeversorgung

im Mittelpunkt steht?

Stephan Werthschulte: Soest hat sich

zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral

zu werden. Ein solches Ziel zu erreichen,

inkludiert notwendigerweise auch die

„Wärmewende“, da über die Hälfte der CO 2

-

Emissionen dem Heizungsbereich zuzuordnen

sind. Diese Wärmewende bedeutet den weitgehenden

Verzicht auf fossile Energieträger, oder, noch besser,

deren Substitution. Auch die Sektorkopplung gehört dazu, die

Verzahnung von Strom, Wärme und Mobilität. Diese Bereiche

wurden bislang weitgehend unabhängig voneinander betrachtet.

Die Erfahrungen zeigen, dass Klimaschutzprojekte im Gebäudebestand

oft kompliziert und kostspieliger sind, da sie die bestehende

Infrastruktur verändern. In Soest wird auf der grünen

Wiese ein Neubauquartier geschaffen, das ideale Vorausetzungen

mit sich bringt, frisch und anders zu denken.

WOLL: Und was hat die Firma Tilia damit zu tun?

Stephan Werthschulte: Tilia hat sich seit Gründung im Jahr

2009 zum Ziel gesetzt, ökonomische und ökologische Werte zu

schaffen. Nicht das eine oder das andere. Dies tun wir rund um

die Themen Energie, Wasser und Abwasser, Mobilität, Smart

City sowie Abfall- und Kreislaufwirtschaft. Wir sind überzeugt

davon, dass diese Themen sehr vernetzt sind, und ich denke, darin

liegt die Stärke der Tilia: Projekte mit dem Blick über den

„Tellerrand“ anzugehen. Die Stadtwerke Soest, die das „Kalte

Nahwärme-Netz“ entwickeln, bauen und betreiben, haben die

Tilia als Projektpartner an Bord geholt. Man schätzt unsere

„Neutralität“ in der Lösungsfindung, unsere interdisziplinären

Kompetenzen, eine gute Prise Innovation und den Willen, etwas

umzusetzen. Unsere vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den

Stadtwerken Soest leben wir schon seit ein paar Jahren.

WOLL: Wie funktioniert das bundesweit größte „Kalte-Nahwärme-Netz“?

Stephan Werthschulte: Herkömmliche Wärmenetze werden

mit einer Vorlauftemperatur von circa 70–100 Grad Celsius gefahren.

Das ist notwendig, da älterer Gebäudebestand ohne Fußbodenheizung

und KfW Effizienzstandard höhere Temperaturen

benötigt. Ein Neubaugebiet, das diesen Standard vorgibt und in

dem alle Gebäude eine Fußbodenheizung haben, die mit einer

Vorlauftemperatur von circa 30° C operieren, kann anders

versorgt werden.

Das „Kalte Nahwärme-Netz“ in Soest

kommt ohne Heizzentrale aus. Es bezieht

die sehr konstante Temperatur von circa 10

Grad Celsius aus horizontal verlegten Erdkollektoren,

die oberflächennah in circa

1,5–3m verbaut werden. In den Häusern

wird diese Wärme über Wärmepumpen,

die ihren Strom am besten aus Photovoltaikanlagen

beziehen, auf die für die Fußbodenheizung

erforderlichen 30° C und danach auf die

für das Trinkwarmwasser notwendigen 65° C gebracht.

Im Sommer kann das System auch grundsätzlich zur Kühlung

der Gebäude genutzt werden, indem das „kalte“ Heizwasser die

Raumwärme aufnimmt und über das Erdreich rückgekühlt wird.

WOLL: Welche Vorteile hat das System? Für die Hausbesitzer?

Für die Umwelt? Für die Stadt?

Stephan Werthschulte: Der Hausbesitzer hat den Vorteil einer

sehr ökologischen und ökonomischen Versorgung, welche die

Bauvorschriften nachhaltig erfüllt. Die Heiz- und Kühlfunktion

erhöht den Wohnkomfort. Der Wildwuchs von Luft-Wasser-

Wärmepumpen an Nachbars Grenze und Schallemissionen werden

verhindert. Ich sehe auch ästhetische Vorteile, indem nicht

mannigfaltige, unterschiedliche Techniklösungen in Gärten oder

auf Dächern verbaut werden. Wenn ein Kunde dazu noch grünen

Strom, zum Beispiel über eine von den Stadtwerken errichtete

Photovoltaikanlage, für seinen Haushaltsstrom oder seine E-

Mobilität einsetzt, wäre er nahezu CO 2

-neutral. Zudem bieten

die Stadtwerke einen 24/7 Service an. Weitere zukunftsweisende

110 92 - - WOLL Frühling Frühjahr 2021


Bausteine, die der Kunde bekommen

kann, sind Highspeed Internet

und E-Mobilität.

Die Umwelt freut sich, weil kein

Gasnetz für fossilen Gaseinsatz

verbaut wurde und das Kalte-

Nahwärme-Netz ohne Komforteinbußen

substanziell CO 2

einspart.

Für Soest und seine Bürger ist

dieses Projekt ein starkes Signal in

Richtung Klimaneutralität. Daher

ist es konsequent, bei einem

„Neubauquartier“ auch „neue

Wege“ zu gehen.

Prinzip „Kalte Nahwärme“ Netz

WOLL: Gibt es auch Nachteile

oder Einschränkungen?

Stephan Werthschulte: Jede Medaille hat zwei Seiten. Meiner

Meinung nach ist der größte Nachteil im Soester Konzept, dass

nicht jeder Häuslebauer sein eigenes Technikkonzept umsetzen

kann. Und wir hatten die Möglichkeit von Erdsonden mit tieferen

Bohrungen von bis zu 100 m geprüft. Diese sind wegen

der geologischen Situation und der wasserführenden Schichten

nicht möglich.

WOLL: Welche Rolle übernimmt die Firma Tilia?

Stephan Werthschulte: Ich denke, am besten kann man unsere

Rolle beschreiben mit: Wir sind der Kümmerer. Wir unterstützen

die Stadtwerke Soest bei der Planung und Umsetzung des

Projektes. Gemeinsam haben wir die Fragestellungen beantwortet:

Was ist das beste Konzept, wie können wir es technisch umsetzen?

Wird es ökonomisch machbar sein? Welche CO 2

-Minderung

können wir erreichen? Es macht Spaß und motiviert

enorm, wenn man die Zukunft mitgestalten kann.

WOLL: Welche neuen Energie-Konzepte oder -Ideen erwarten

uns in Zukunft?

Stephan Werthschulte: Oscar Wilde hat mal gesagt: „Das Unerwartete

zu erwarten, verrät einen durchaus modernen Geist.“

Das Unerwartete trifft uns in vielen Bereichen des Lebens. Für

die Energieversorgung gilt dies auch. Wir schalten Kohlekraftwerke

ab, setzen Ziele der Klimaneutralität und Investmentfonds

investieren in Nachhaltigkeit. Natürlich kann man einige Entwicklungen

kontrovers diskutieren. Auf jeden Fall bleibt es spannend,

schauen wir nur auf die vielen disruptiven Innovationen

der letzten 25 Jahre.

Ich denke, die Zukunft wird bunt sein, wir werden nicht eine

einzige Lösung für unsere Energieversorgung haben, sondern sie

wird sich an regionalen Unterschieden

ausrichten, zum Beispiel

die Nutzung industrieller

Abwärme. Momentan reden alle

über Wasserstoff. Das Potential,

das sich da bietet, teile ich, aber

man muss im Blick behalten,

für welche Anwender und wann

Wasserstoff ausreichend wirtschaftlich

zur Verfügung stehen

wird. Grundsätzlich wird es aber

eine Mischung aus Vermeiden

und Ersatz durch Erneuerbare

Energien sein.

Für Deutschland wünsche ich

mir mehr „Umsetzungskraft“.

Potentiale erkennen und umsetzen

ist ein Unterschied. Solange

wir Dieselbusse in Innenstädten einsetzen, benötigen wir für

Städte nicht ultrakomplexe Konzepte, sondern viele Projekte, die

sofort positive Wirkung entfalten.

WOLL: Welche anderen Projekte/Maßnahmen im Sauerland

realisiert Tilia?

Stephan Werthschulte: Wir unterstützen Industrieunternehmen,

Stadtwerke und Kommunen bei Energie-, Wasser- und

Nachhaltigkeitsthemen. Dazu gehören die Entwicklung von

Smart City-Konzepten, Photovoltaik-Nutzung, Umstellung

öffentlicher Beleuchtung auf LED, das Identifizieren von Effizienzpotentialen

und die Entwicklung realistischer Pfade in die

Klimaneutralität.

WOLL: Wird jetzt alles grün? Was ist da gerade los?

Stephan Werthschulte: Normalerweise verändert sich ein

„Mindset“, also das Fenster, durch das wir die Welt sehen, langsam.

Corona hat den Menschen erfahren lassen, wie anfällig

unsere Art des Lebens und des Wirtschaftens sind.Diese Ängste

und Unsicherheiten beschleunigen die Nachhaltigkeitsdebatte

und verändern unsere Denkweise. (hh)

Tilia bietet Unternehmen und Kommunen Lösungen rund um

die Themen Energie, Wasser und Abwasser, Mobilität, Smart

City sowie Abfall- und Kreislaufwirtschaft. 150 Mitarbeiter an

Standorten in Deutschland und Frankreich begleiten bereits

mehr als 500 Projekte.

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WOLL Frühjahr Frühling 2021 - 111 93


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DSG-Getriebes erhöht wird, findet

sich dort ebenfalls. „Neu ist die 3D-

Achsmessanlage“, berichtet Dirk Schulte,

„Damit kann schnell und präzise die

Achsgeometrie des Fahrzeuges überprüft

werden.“ Wichtig zu wissen für

alle, die ein tiefes Schlagloch übersehen

haben und ihr Auto vermessen lassen

müssen. Die vorbildlich ausgerüstete

Werkstatt wissen nicht zuletzt auch seine

Mitarbeiter zu schätzen. Im 14-köpfigen

Team gibt es einen Meister, drei

Gesellen und sechs Auszubildende. „Der

Nachwuchs ist mir besonders wichtig“,

erklärt der KFZ-Meister den hohen

Azubi-Anteil, „So begegnen wir dem

Fachkräftemangel in der Zukunft.“ Der

seit 2012 als KFZ-Meister selbständige

Dirk Schulte steht auch dem Thema

Elektromobilität sehr offen gegenüber,

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94 - WOLL Frühling 2021


Josef Sommer aus Brilon und sein himmlisches Hobby

Über den Wolken...

E

in Hobby wird mit viel Bedacht gewählt und begleitet einen oft ein

Leben lang. Es geht nicht darum, die Zeit „totzuschlagen“, sondern in

eine andere Welt abzutauchen und eigene Ideen und Träume verwirklichen

zu können.

Petra Kleine

sabrinity

Der knallgelbe Motorflieger, eine

Wilga 35, schraubt sich hoch in den

blauen Himmel und setzt dort mehrere

Fallschirmspringer ab. Deren regenbogenbunte

Schirme öffnen sich und

die Springer steuern mit Armen und

Beinen, bis sie schließlich punktgenau

auf der markierten Fläche am Boden

landen. „Perfekte Landung, so soll’s

sein!“ freut sich Josef Sommer. Der

71-jährige Briloner ist Modellbauer

aus Leidenschaft. Was wir hier gerade

erlebt haben, war wie bei den Großen,

nur eben „en miniature“.

Bereits drei Mal war Josef Sommer

Deutscher Meister mit seinem Fallschirmspringer-Modell.

Seine Werkstatt

könnte voller Pokale stehen, aber er ist

zu bescheiden, sie alle dort auszustellen.

Ich sehe mir seinen Fallschirmspringer

genauer an und bin begeistert von den

vielen liebevoll gefertigten Details, wie

dem handgenähten Schirm. Die absolute

Krönung sind die maßgefertigten

Ledersprungstiefel, die in mühevoller

Handarbeit entstanden. „Schließlich

bin ich gelernter Orthopädieschuhmachermeister“

erklärt Josef Sommer

und lacht. „Daher war mir dieses

Tüpfelchen auf dem „i“ ein besonderes

Anliegen!“

Wie der Vater, so der Sohn…

Von seinem Vater hat er übrigens nicht

nur Beruf und Geschäft übernommen

(das ehemalige Orthopädiehaus Sommer

in Brilon), sondern auch die Liebe zum

Modellsport, das die ganze Familie

teilte. „Als ich ein kleiner Junge war, war

die Technik noch nicht so weit entwickelt.

Aber im Rahmen des Möglichen

haben wir unser Hobby betrieben,“ erinnert

er sich. „Da meinem Vater das

WOLL Frühling 2021 - 95


Bauen mehr lag als das nervenaufreibende Fliegen (da kann

es schon mal schnell zum Absturz kommen), durfte ich schon

früh die selbstgebauten Modelle fliegen.“

Ferngesteuerte Segelflieger, Motorflugzeuge, Fallschirmspringer

und auch diverse Hubschrauber sind in Josef Sommers gut

bestückter Werkstatt zu finden. Viele davon sind selbst gebaut,

denn das ist Modellbauer-Ehre! Alle benötigten Werkzeuge

liegen übersichtlich griffbereit und, wie ich finde, sehr ordentlich

parat. „Na ja, so ordentlich nun auch nicht“, meint Josef

Sommer und zeigt augenzwinkernd auf das Schild an seiner

Wand: „Geniale Menschen sind selten ordentlich. Ordentliche

selten genial.“

Allein in der Werkstatt,

zusammen auf dem Flugplatz

An den Werkstattmaschinen befinden sich schon wieder neue

Modellbauteile, die gerade in Arbeit sind. Wirklich fertig

ist man als Modellbauer ohnehin nie, dafür kann man aber

herrlich abschalten beim Bauen. Natürlich gibt es aber auch

Zeit für Geselligkeit und fachlichen Austausch mit Gleichgesinnten,

sofern Corona das erlaubt. Josef Sommer gehört zu

den Gründungsmitgliedern des Modellflug-Clubs Brilon, der

kommendes Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiern kann.

„Technik faszinierte mich schon immer“, so Sommer, der

auch gerne Ski fährt, wandert oder mit dem Mountainbike

unterwegs ist. „Früher war die größte Angst, dass es

aufgrund der nicht ausgereiften Technik zu Abstürzen

kommt. Heute liegt das Problem eher „zwischen den

Ohren“, denn man muss 100%ig konzentriert sein beim

Fliegen“, verrät er mir. „Ich habe mich auch erst langsam

an Loopings und Rollen mit meinen Kunstfliegern herangetastet,

aber nach und nach wird man mutiger,“ ergänzt

er verschmitzt und am Strahlen seiner Augen erkennt man

die Liebe zu seinem Hobby und seine Begeisterung fürs

Fliegen. ■

96 - WOLL Frühling 2021


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DAS GEHEIMNIS DES ERFOLGS

SIND DIE OVENTROPER

Inga Bremenkamp

Jürgen Eckert &

Oventrop GmbH

& Co. KG

Oventrop ist ein weltweit erfolgreiches

Unternehmen – auch und vor allem

dank einer ganz besonderen Mentalität

Sauerländer hat ein sehr gutes Gespür

dafür, ob jemand eine Rolle spielt oder ob

„Ein

er das, was er tut, authentisch und mit Herz

tut. Uns Oventropern sind Menschlichkeit, Persönlichkeit

und der Respekt und das Verständnis füreinander extrem

wichtig“, sagt Bernhard Schaub, der seit 40 Jahren im

Unternehmen und heute Mitglied der Geschäftsleitung ist.

Das Familienunternehmen Oventrop gibt es seit 170 Jahren

und wird heute in der 5. und 6. Generation durch die Inhaberfamilien

Fähnrich und Rump geführt. Seit der Gründung

1851 wird das Unternehmen aus Olsberg mit Herz und Leidenschaft

geführt. „Meine Güte, was haben wir alles erlebt“,

fängt Bernhard Schaub an zu erzählen. „Wir haben uns vom

Komponentenhersteller zu einem Systemanbieter entwickelt,

wir haben schon einige Krisen wie die Ölkrise der 1970er

überstanden und sind heute in der ganzen Welt zu Hause,

auch wenn unsere Wurzeln im Sauerland liegen“, führt der

Vertriebs- und Marketingleiter fort.

„Die Erfindung des Heizölfilters nach dem Krieg war unser

Durchbruch und machte uns in ganz Europa bekannt. Seitdem

ist viel passiert und wir entwickeln uns immer weiter.

Wir sind ein modernes Unternehmen, das sich marktgerecht

verändert und sich den Themen der aktuellen Zeit stellt“, versichert

Bernhard Schaub.

„Heute gibt es kaum noch jemanden, der kein Oventrop

Produkt im Hause hat. Die meisten unserer Produkte sind im

Heizungskeller“, ergänzt Michael Scheller, Oventrops Leiter

des Marketing- und Produktmanagements. „Wir sind für das

gute Raumklima sowie das warme und saubere Wasser aus

Ihrem Hahn verantwortlich. Das, was vermutlich schon jeder

in der Hand hatte, ist der Thermostatkopf an der Heizung

– der kommt in der Tat sehr häufig von uns“, sagt Michael

Scheller, der seit zwei Jahren Oventroper ist. ■

Hier geht’s zum Video:

Partner der Big Six

Oventrop GmbH & Co. KG

Paul-Oventrop-Straße 1 | 59939 Olsberg

+49 2962 82 0 | mail@oventrop.com

WOLL Frühling 2021 - 97


Fiona Hoppe gibt nicht nur auf der Motocross-Strecke Gas

Wenn das Startgatter fällt …

Sauerländer LEUTE –

Der MENSCH dahinter

Paul Senske

Tom Linke

das Startgatter fällt, dann hat man

alles vergessen und will einfach nur Gas

„Sobald

geben.“ Fiona Hoppe aus Neheim-Moosfelde

ist leidenschaftliche Motocrosserin mit dem ambitionierten

Ziel, in mittelbarer Zukunft Weltmeisterin

in dieser atemberaubenden Sportart mit dem duellen

Motorrad gegen Motorrad und den spektakulären

Sprüngen zu werden. Die 20-Jährige, angehende Studentin

weiß, was sie will und arbeitet mit knallhartem,

körperlichem Training, viel Disziplin und Verzicht

sowie klarer Tagesstruktur auf dieses Ziel hin.

Rumhängen, auf Neudeutsch „Chillen“, ist nicht ihr

Ding: „Ich brauche Struktur in meinem Leben.“ Ein

schwerer Rennunfall vor zwei Jahren warf sie nicht

aus der Bahn. Fiona kämpfte sich in die Überholspur

zurück und schöpfte neue Kraft und Energie - nicht

nur für ihre sportliche Karriere.

98 - WOLL Frühling 2021


Bei dem Unfall auf der Motocross-Strecke „Am Hafnerhäule“

des MSC Schnaitheim (bei Heidenheim) zog sich

die Neheimerin eine schwere Verletzung am rechten Fuß zu.

„Ich bin bei einem Sprung zu weit gekommen und gegen den

nächsten Hügel geprallt“, erinnert sie sich. „Der gesamte Fuß

sollte versteift wer- den.“ Ihre Karriere hing am

seidenen Faden.

„Dank der tollen ärztlichen

Versorgung“

in der BG Unfallklinik

Murnau, harter

Arbeit und einem nicht

leichten Reifepro-

zess („Lohnt sich überhaupt

der ganze

Aufwand?“) gelang ihr

das Comeback,

zunächst bei

Trainingsfahrten

Mitte 2019 auf

ihrer Heimstrecke

des MSC Voßwinkel.

„Bei der ersten

Fahrt habe ich vor Freude

unter dem Helm geweint.“ Dass sie nach der

Verletzung gar ihr erstes Rennen beim Ladies

Cup in Northeim gewann, machte ihr Glück

und das ihrer Eltern Sandra und Udo, die bei

jedem Rennen dabei sind, perfekt, auch wenn

Fiona auch heute noch zweimal in der Woche

ihren Fuß behandeln lassen muss. „Die

Verletzung hat mir gezeigt, was mir der

Sport auf meiner 250 ccm

Viertakt Husqvarna

bedeutet. Sobald

man auf dem

Motorrad sitzt, das

Feeling wieder hat,

sind alle Bedenken verschwunden,

man genießt

nur noch. Ich habe neue

Kraft geschöpft und Energie

getankt. Die Zeit war

eine Schule fürs Leben.

Das Crossen hat mich viel

selbstbewusster gemacht.“

14 Stunden knallhartes

Training in der Woche

Für ihre sportlichen Ziele arbeitet Fiona hart. Gute 14 Stunden

Training sind in der Woche angesetzt, bevor es im Frühjahr

wieder auf die Strecken gehen soll. Im elterlichen Haus

in Moosfelde hat Fiona, die den Status einer Profisportlerin

hat, sich ein Sportzimmer eingerichtet. Zudem trainiert sie

bei ihrem Personal Trainer Bernd Schiermeister aus Welver,

der auch ihr Mentalcoach ist und die Trainingspläne erstellt.

Ihr Tag ist streng getaktet. Von 6.30 bis

8.30 Uhr arbeitet sie im Moosfelder

Kindergarten St. Elisabeth,

den ihre Mutter Sandra leitet.

Danach findet die

erste Trainingseinheit

statt,

nach dem

Mittagessen die zweite. „Ich brauche

die klare Struktur und will nicht

rumhängen.“ Fiona weiß, dass aufgrund

ihrer sportlichen Karriere der Kontakt

zu ihren Freundinnen leidet. Der Verzicht

fällt ihr nicht leicht. Inzwischen ist sie mit

Davide befreundet, der aus der Nähe von

Hamburg kommt und ebenfalls Motocross

fährt.

Auch was ihr Studium und ihre berufliche

Zukunft betrifft, hat Fiona klare Vorstellungen

und rechtzeitig Gas gegeben. Nach dem

Realschulabschluss in Neheim („Ich war

auch Schulsprecherin“), baute sie im letzten

Jahr am Berufskolleg in Olsberg ihr Abitur

mit den Leistungsfächern Sport und Biologie

sowie gleichzeitiger, erfolgreicher

Ausbildung zur Freizeit-Sportleiter(in).

Im Sommer will sie mit ihrem Studium

Sportwissenschaft und angewandte Trainingswissenschaft

entweder an der Ruhr-

Uni Bochum oder der privaten Hochschule

DHGS in Unna beginnen. „Mit meiner Arbeit in der Kita

will ich mein Studium finanzieren. Später würde ich gerne

als Sportpsychologin arbeiten.“

WOLL Frühling 2021 - 99


„Das finale Ziel ist und bleibt

der WM-Titel“ (Fiona Hoppe)

Pulverbeschichtung

Ihre Karriereschritte sind fixiert. Im letzten Jahr

fanden die Rennen statt, natürlich unter strengen

Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen.

In diesem Jahr sind elf Rennen der deutschen

internationalen Rennserie der Frauen und sechs

WM-Rennen geplant. Fiona will 2021 weltweit

unter die Top-Ten, in den folgenden Jahren

soll es in die Top Five und aufs Podium gehen.

„Das finale Ziel ist und bleibt der WM-Titel“,

betont Fiona. Dabei hofft sie in nächster Zeit

Mitglied eines WM-Teams zu werden, das sich u. a.

in organisatorischer und infrastruktureller Hinsicht

um sie kümmert. Bisher gehört sie zum kleinen Twenty

Suspension-Team. Zu den Rennen fährt sie im Wohnmobil

mit ihren Eltern, denen sie „unendlich dankbar“

ist. „Meine Eltern stehen voll dahinter.“ Gleichzeitig freut

sich Fiona, dass sie mit dem Unternehmen BRISTA, einen

Betrieb aus dem Industriegebiet Ense-Höingen als treuen

Sponsoring-Partner an ihrer Seite hat, der sie auch in diesen

nicht einfachen Zeiten begleitet. ■

„Fiona wollte schon mit drei Jahren aufs

Motorrad“ (Mutter Sandra Hoppe)

Parallel schmiedet sie ihre sportliche Karriere, die ihr

praktisch in die Wiege gelegt wurde. Vater Udo war 25

Jahre ein erfolgreicher Motocrosser beim MSC Voßwinkel.

„Fiona wollte schon mit drei Jahren aufs Motorrad“,

erzählt Mutter Sandra. Zunächst ging es aber mit dem

Laufrad in den Garten, danach unternahm Fiona auf

einem schnuckeligen Kinder-Motorrad erste Fahrversuche.

Mit acht Jahren fuhr sie ihr ersten Rennen auf einer

Kawasaki mit 65 ccm und ließ die Jungs hinter sich. „Erst

lachten, dann staunten und schließlich schwiegen sie“,

erzählt Fiona, deren Karriere Schritt für Schritt Fahrt

aufnahm. Wichtig war vor allem, so Vater Udo, dass

ihre Tochter „die Fahrtechnik beherrscht, mit Kopf und

Respekt fährt“. Die Vorgaben ihres Lehrmeisters hat Fiona

stets vor Augen, wenn sie Gas gibt. Sie treibt einen Sport,

der es in sich hat. Motorrad gegen Motorrad, spektakuläre

Sprünge, das jeweils in 25 Minuten plus zwei Runden.

TRADITION KOMPETENZ QUALITÄT

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100 - WOLL Frühling 2021


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Hellweg-

Sauerland haben eine gute

Botschaft zu vermelden: „Die Betriebe

hier bilden weiterhin aus und

suchen Nachwuchsfachkräfte! Bei

ihrer Suche möchte das Netzwerk

beide Seiten unterstützen – die Azubis

bei ihrer Ausbildungsplatzsuche

und die Ausbildungsbetriebe beim

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Eine „günstige Gelegenheit“ gibt es

in Form einer vierwöchige Matchingplattform.

Hier gibt es freie Stellen

zu entdecken, Termine können direkt

gebucht werden. Das Kennenlernen

kann dann telefonisch, per Videochat

oder in Einzelgesprächen vor Ort stattfinden.

Der Weg für den hoffentlich

erfolgreichen Start in das Berufsleben.

Darüber hinaus können Beratungstermine

bei den Experten des Netzwerks

vereinbart werden.

Die Plattform ist bis zum 16.04.2021

freigeschaltet. Auch darüber hinaus

bestehen unterstützende Beratungsangebote

für Eltern und Jugendliche.

Welch vielfältige Perspektiven und

Chancen es in der Region gibt, kann

auf dem zentralem Webportal Karriere-hier

oder bei den Frage- und-Antwort-Videos

(Q&A-Videos) von Azubi

für Schüler-/innen gezeigt werden.

Start Podcast “Orientierbar”

Die Region Hellweg-Sauerland als

auch die Ausbildungsbetriebe hier

vor Ort bieten vielfältige und zukunftsorientierte

Chancen für einen

erfolgreichen Karrierestart vor der

eigenen Haustür. Grund genug, diese

Themen mal aufzugreifen und hörbar

zu machen. Der neue Podcast bietet

Schüler/-innen im Rahmen der Berufsorientierung

und dem Übergang nach

der Schule sowie deren Begleitern (Eltern,

Lehrkräfte) spannende Themen,

authentische Gesprächspartner und

weiterbringende Informationen live

aus der Praxis rund um Ausbildung,

Karriereeinstieg, Bewerbung uvm.

www.karriere-hier.de/aktion ■

Ausbildungsstellen

nach Beruf oder Ort

finden.

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und bestätigen.

Kennenlernen,

austauschen

und starten!

Das Partnernetzwerk: IHK Arnsberg, Agentur für Arbeit Meschede - Soest, Unternehmensverband

Westfalen Mitte, Steuerberaterkammer Westfalen-Lippe, Landwirtschaftskammer NRW, Handwerkskammer

Südwestfalen, Hochsauerlandkreis, Kommunale Koordinierungsstellen KAoA, WirtschaftsFörderungsGesellschaft

Hochsauerlandkreis, Kommunen für Arbeit im HSK, DGB Region Südwestfalen

und Dortmund-Hellweg, Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe, Regionalagentur Hellweg-Hochsauerland,

Kreis Soest, Wirtschaftsförderung Kreis Soest, Jobcenter AHA Kreis Soest

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karrierehier.de

AKTIONSWOCHE

CHANCEN 2021

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Bewerbungschancen WOLL Frühling 2021 2021 ist eine - 101 Aktion

des Ausbildungskonsens Hellweg-Sauerland.


102 - WOLL Frühling 2021


Manuka Honig gibt einen

Energy-Boost in den Frühling

Marco Van der Kooi

Sandra Peetz

W

ie schön ist es doch, die Spezialitäten der

Welt zu kombinieren mit regionalen und

saisonalen Lebensmitteln aus dem Sauerland.

„Gutes Essen sollte für uns alle doch ein Hochgenuss sein.

Deinem Körper einen guten und gesunden Kraftstoff geben,

um den Umwelteinflüsse entgegenzuwirken.

Mit Manuka Honig aus Neuseeland kannst du deine Abwehrkräfte

stärken, der spezielle Wirkstoff Methylglyoxal

(auch MGO genannt) ist der perfekte „Energy-Booster“ für

den Frühling. Morgens einen Löffel Manuka hält den Arzt

auf Abstand. Mit Manuka Honig lässt sich auch hervorragend

kochen.

Beim Erwärmen oder Erhitzen bleibt der MGO-Gehalt im

Honig stabil und kann so seine gesunde Kraft auch in einem

Gericht entfalten.

Der Manuka hat einen puren Geschmack, leicht erdig, etwas

Schärfe und eine eingebundene Süße. Eine perfekte Kombination

aus Gewürzen aus der Ferne, Birnen und Zwiebeln

aus der Region, dazu frisch säuerlicher Ziegenkäse.

Die Birnen werden in Portwein mit Nelken, Manuka-Honig,

Zimt und Tonkabohnen eingekocht. Aus dem Sud wird mit

Bindemittel ein Gelee gemacht. Die roten Zwiebeln werden

karamellisiert mit Manuka, abgelöscht mit Port- und Rotwein

und langsam reduziert bis eine Art Marmelade entsteht.

Der Ziegenkäse bleibt pur und wird kurz vor dem Servieren

mit etwas warmem Manuka übergossen. Ein weiteres Gelee

wird aus dem Manuka Honig gemacht und in kleine Würfel

zu dem Ziegenkäse gelegt. Ein Genuss für deinen Gaumen.

Honig aus Neuseeland, Obst und Gemüse aus der Region.

Auf einem Teller vereint. ■

WOLL Frühling 2021 - 103


Nuttlars

Unterwasserwelt –

im Kino

Dieser tolle Manuka Honig in klasse Qualität eignet

sich bestens als Brotaufstrich und

zur täglichen Einnahme!

Unser Honig wurde in abgeschiedenen und

naturbelassenen Gegenden Neuseelands,

vom Nektar der einheimischen

Manuka Bäume gewonnen.

Besuchen Sie unseren Shop unter:

www.manuka4life.com

Wir dürfen uns wieder auf einen neuen Film freuen

– gedreht u. a. im alten Schieferbergwerk in

Nuttlar. Die Lokalität wurde von der PANDORA

Film ausgewählt, weil genau hier im kristallklaren

Sauerländer Wasser die spektakulären Unterwasseraufnahmen

für den Kinofilm „Memory of

Water“ („Der Geschmack von Wasser“) möglich

waren.

Der Science-Fiction-Film basiert auf dem erfolgreichen

Roman der Finnin Emmi Itäranta.

Inhalt: Emmi Itärantas Buch, welches nun unter

anderem in Nuttlar verfilmt wird, handelt von den

zwei befreundeten Teenagern Noria und Sanja.

Sie leben in einem Land, in dem akute Trinkwasserknappheit

herrscht. Noria hat allerdings ein

Geheimnis: Sie kennt eine geheime Wasserquelle,

die bald zum Dreh- und Angelpunkt der Handlung

wird. In den Hauptrollen sind Saga Sarkola

und Mimosa Willamo zu sehen. Die spannende

Geschichte wird schon bald in den Kinos zu sehen

sein. ■

Foto: https://www.schieferbau-nuttlar.de/bergwerktauchen/

104 - WOLL Frühling 2021


Literaturland Sauerland

Ein Einblick in unsere literarische Landschaft

Schauplatz vieler Bücher ist das Sauerland. Kein Wunder, schließlich ist man

hier von Wald und Wiesen umgeben, beschauliche Dörfer und hügelige Landschaften

in allen Grüntönen erstrecken sich, soweit das Auge reicht. Doch das

Sauerland hat weitaus mehr zu bieten als nur eine Vorlage für literarische Landschaftsbilder.

Hier sind einige Autoren beheimatet und auch ein paar Verlage

gibt es. Besonders erfreulich ist zudem die erstaunliche Anzahl unabhängiger

Buchhandlungen, die uns mit guter Literatur versorgen, genauso wie Bibliotheken

und Archive aus dem Sauerland, die Ihnen allesamt auf diesen Sonderseiten

präsentiert werden. Mit Stolz blicken wir auf die im Sauerland aufgewachsenen

und teilweise immer noch hier lebenden Autoren, die unserer Region mit ihren

literarischen Werken alle Ehre machen. Und ja, das zeigt sich auch in ihren

Büchern, die nicht selten im Land der tausend Berge spielen.

WOLL Frühling Frühjahr 2021 - - 105

137


Literaturland Sauerland

Bücherland

Iserlohn

Thalia

www.thalia.de/shop/home/

filialen/showDetails

Hemer

Buchladen am neuen Markt

www.buchladen-hemer.

buchhandlung.de/shop

Menden

Buchhandlung Daub

www.buch-daub.

buchkatalog.de

Arnsberg-Neheim

Mayersche Buchhandlung

www.thalia.de/shop/home/

filialen/showDetails/5389

Iserlohn-Letmathe

Die kleine Buchhandlung

www.die-kleine-buchhandlung.

buchhandlung.de/shop

Altena

Buchhandlung Katerlöh

Lüdenscheid

Thalia

www.thalia.de/shop/home/

filialen/showDetails

Halver

Buchhandlung Kö-Shop Berges

www.buchhandlung-koe-shop.

chayns.net

Plettenberg

Buchhandlung Plettendorff

www.plettendorff.

buchhandlung.de/shop

Kierspe

Buchhandlung Timpe

www.buchhandlungtimpe.de

Meinerzhagen

Buchhandlung Schmitz

www.buecher-schmitz.

buchkatalog.de

Drolshagen

Buchhandlung am Markt

www.genialokal.de/

buchhandlung/drolshagen/

buchhandlung-nierhoff

106 - WOLL Frühling 2021

140 - WOLL Frühjahr 2021

Attendorn

Halver

Kierspe

Iserlohn

Lüdenscheid

Meinerzhagen

Drolshagen

Altena

Menden

Hemer

Plettenberg

Olpe

Attendorn

Olpe

Dreimann Buchhandlung

www.dreimannbuchhandlung.de

Bücherstube Hachmann

www.buecherstubehachmann.de

Buchhandlung Isabell Hoffmann

www.buchhandlung-isabell-hoffmann.

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Frey Buch und Papier

www.frey-buch.buchkatalog.de

Neheim

Sundern

Eslohe

Finnentrop

Arnsberg

Lennestadt

Finnentrop

Warstein

Meschede

Eslohe

Lennestadt

Schmallenberg

Schmallenberg

Brilon

Tintenfass

www.tintenfass-eslohe.

buchhandlung.de/shop

Olsberg

Medebach

Hallenberg

WortReich - Lesen und mehr

www.wortreich-meschede.de

Buchhandlung Josef Hamm

www.buecher-hamm.buchkatalog.de

Buchhandlung am Rathaus

www.buchhandlungamrathaus.buchkatalog.de

M


Arnsberg

WortReich - Lesen und mehr

www.buecherstudio-arnsberg.de

Buchhandlung Sonja Vieth e.K.

www.buchhandlung-vieth.de

Warstein

Buchhandlung Dust

www.genialokal.de/buchhandlung/warstein/dust

Brilon

Buchhandlung Podszun

www.buecher-podszun.

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Buchhandlung Prange

www.genialokal.de/

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prange/Kontakt

arsberg

Marsberg

Buchhandlung Podszun

www.buecher-podszun.buchhandlung.de

Olsberg

Käpt´n Book

www.kaeptnbook-olsberg.buchkatalog.de

Meschede

Bücherstube

WortReich – Lesen und mehr

www.buecher-linhoff.

www.wortreich-meschede.de

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Sundern

Bücher-Eck

www.buecher-eck.buchhandlung.de/shop

Medebach

Bücher Beuse, Medebach

www.buecher-beuse.de

Hallenberg

Bücherwurm Pauly

www.buecherwurm-hallenberg.buchhandlung.de/shop

Max Otte:

Meine Geschichte

Max Otte ist als Unternehmer, Publizist und politischer

Aktivist bekannt. Nun macht er sich in

diesem Buch auch auf die Suche nach sich selbst.

Was hat ihn geprägt und befähigt, Dinge zu sehen,

die andere nicht sehen?

Hier spricht er über seine Kindheit, seine Eltern,

die Großeltern und die Menschen, die ihn beeinflusst

haben, über seine mennonitischen Vorfahren

mütterlicherseits, Flucht und Vertreibung

in Vaters Familie, seine Lehrer und die Zeiten, in

denen er aufgewachsen ist. Wie all das einen

Menschen prägt, erzählt er in diesem sehr persönlichen

Buch.

Ende 2018 schied Otte auf eigenen Antrag als

Professor und Beamter auf Lebenszeit aus dem

Staatsdienst aus, um sich auf seine Analysen und

unternehmerischen Aktivitäten zu konzentrieren.

Unternehmen, an denen Otte beteiligt ist, managen

mehr als eine Milliarde Euro.

Der Max Otte Vermögensbildungsfonds (WKN:

A1J3AM) gehört seit 2016 zu den erfolgreichsten

deutschen Aktienfonds.

Der Philanthrop ist Stifter des Oswald-Spengler-

Preises, der 2018 erstmalig an den französischen

Schriftsteller Michel Houellebecq ging und Veranstalter

des Neuen Hambacher Festes.

ISBN: 978-3-95972-403-6 WOLL | Erscheinungsdatum: Frühling 2021 - 107 23.03.2021

www.verlorenes-deutschland.de


Heimweh nach uns

Ein Roman mit eigenem Soundtrack

Über 60 Einzellesungen und literarische Reihen,

Buchpräsentationen, Diskussionen, Ausstellungen

und Gespräche in ganz Westfalen und Lippe u. a.

mit

Marica Bodrožić, Mathijs Deen, Friedrich

Christian Delius, Zora del Buono, Melisa Erkurt,

Frank Goosen, Erwin Grosche, Sandra Gugić,

Navid Kermani, Carmen Korn, Ulla Lachauer,

André Niedostadek, Jana Revedin, Hubert Seipel

und Norbert Scheuer

Weitere Infos unter

www.literaturlandwestfalen.de/festival

Organisiert von

Wie weit würdest du gehen,

wenn dein Herz nicht mehr

weiß, wo es zu Hause ist? –

Seit über 20 Jahren ist Lena

mit ihrem Mann zusammen,

gemeinsam haben sie zwei

wundervolle Kinder, aber das

Leben rauscht an ihr vorbei

und sie sehnt sich nach Entschleunigung.

Ein Yogakurs

soll Abhilfe schaffen. Die

anfängliche Skepsis verfliegt

schnell, als Lena auf ihren Yogalehrer

trifft. Er löst etwas in

ihr aus, was sie lange vermisst

hat. Sie gibt ihren Gefühlen

nach und riskiert damit, alles

zu verlieren.

Die Voßwinkelerin Helen

Schreiber veröffentlichte im

Februar ihren Debütroman

„Heimweh nach uns“ – ein

Liebesroman, denn die Liebe

schreibt doch einfach die

schönsten Geschichten. Die

nebenberuflich als Hochzeitssängerin

tätige Sauerländerin

weiß, wovon sie schreibt –

und wovon sie singt: Während

der Arbeit am Roman

begann sie, gefühlvolle

Balladen für die wichtigsten

Szenen zu schreiben und

vertonte diese anschließend

mit Unterstützung des ebenfalls

in Voßwinkel lebenden

Komponisten D. Goette. So

entstand ein Soundtrack aus

vier Songs, der bereits auf den

bekannten Streamingdiensten

verfügbar ist.

Wenn die derzeitige Situation

es zulässt, wird man sicherlich

bald ganz besondere

Lesungen mit musikalischen

Einlagen der Autorin erleben

können. ■

Gefördert von

Heimweh nach uns – Taschenbuch – FeuerWerke Verlag –

11,90 Euro – ISBN 978-3 9453-6290-7 – auch als E-Book

erhältlich.

Einen ausführlichen Artikel zur Autorin und Entstehung

des Romans gibt es unter: www.vosswinkel-arnsberg.de

(sn)

108 @literaturlandwestfalen

- WOLL Frühling 2021


Riesenhirsche, Auerochsen und wollhaarige Mammuts

Im Sauerland-Museum eröffnet die Sonderausstellung „Eiszeit – Leben im Extrem“

Jeanine Hunold

Klaus-Peter Kappest

Eine Jahresdurchschnittstemperatur von minus 5 Grad in

Mitteleuropa, das ist heute unvorstellbar. Doch das ist die

Temperatur im Arnsberger Sauerland-Museum – die Sonderausstellung

„Eiszeit – Leben im Extrem“ führt zurück

in diese bitterkalte Zeit, die etwa 20.000 Jahre zurückliegt.

Die Ausstellung, deren Beginn eigentlich für Mitte

November angesetzt war, öffnet voraussichtlich ab dem 7.

März ihre Pforten (aktuelle Coronalage beachten).

43.000 Jahre altes Mammut

Das Landschaftsbild der Eiszeit war von Gletschern und großen

Säugetieren geprägt. So werden auch in der Ausstellung

Riesenhirsche, Wollhaarmammuts und -nashörner, Auerochsen

und Steppenbisons in Originalgröße präsentiert.

Die beeindruckenden Exponate

versprechen in jedem Fall in den

Nacken gereckte Hälse und große

Augen: Ein Höhepunkt ist das

43.000 Jahre alte „Ahlener Mammut“,

es misst stolze 5,50 Meter

Länge und 3,25 Meter Breite.

Sein Skelett wurde im Sauerland-

Museum in mühevoller Kleinstarbeit

nahezu vollständig aufgebaut.

Entdeckt wurde das große

Museumsleiter Dr. Oliver Schmidt neben den

ausgestellten Exponaten

Tier 1910 bei Grabungen in einer Tongrube in Ahlen im

Kreis Warendorf, wo es im sumpfigen Gelände steckengeblieben

und verendet war. Eine Rarität – bedenkt man, dass

meist nur vereinzelte Knochen und Zähne von Mammuts

gefunden werden. Zur Verfügung gestellt wird das Skelett,

das von einem etwa 40 Jahre alten Bullen stammt, vom Geomuseum

der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Nachgebaute Jagdhütte aus Knochen

Interessant ist neben den ausgestorbenen Arten aus der Eiszeit

die Lebensweise der Menschen, die auf der Suche nach

Nahrung auch Tiere jagten und in Höhlen, Zelten oder

einfachen Hütten nach Schutz vor der Kälte suchten. Um

dies den Besuchern des Sauerland-Museums zugänglich

zu machen, wurde eine Jagdhütte aus Mammutknochen

nachgebaut. Auch täuschend echt modellierte Neandertalfiguren

veranschaulichen, wie die Menschen in der Eiszeit

überlebt haben.

Vorab stellt das Museumsteam in

kurzen Videoclips ihre Lieblingsobjekte

aus der Ausstellung vor.

Beeindruckt hat Monika Jansen

vor allem der anpassungsfähige

Eisfuchs mit seinem weißen,

dichten Fell – „ein Überlebenskünstler“,

wie sie sagt, den man

heute noch als Polarfuchs kennt.

Karin Fischer aus dem Marketing

schwärmt von den kleinen Berglemmingen,

die man zwischen den Riesen

der Eiszeit erst einmal suchen muss.

Weitere Informationen unter:

www.sauerland-museum.de.

32 - WOLL Frühjahr 2021

WOLL Frühling 2021 - 109


Anzeige

Gemeinsam

Hindernisse

überwinden

Barrierefreiheit in den eigenen vier Wänden

Ango Reha-Technik blickt zurück auf 25 Jahre Erfahrung

Die Firma Ango Reha-Technik

verfolgt nun schon

seit 25 Jahren das Ziel,

Mitmenschen ein barrierefreies

Leben in den eigenen vier Wänden

zu ermöglichen. Mit diesem

Anspruch übernahm Inhaber und

Geschäftsführer Michael Heymer

am 01.01.2000 das Unternehmen,

welches am 25.08.1995 gegründet

wurde. Durch kontinuierliches

Wachstum am Markt ist es nun zu

einem der führenden Unternehmen

im Bereich barrierefreie Erschließung

des privaten und öffentlichen

Raumes in Nordrhein-Westfalen

herangewachsen.

Nach mehreren Erweiterungen steht

das heutige Familienunternehmen nun

gut sichtbar von der Straße seit 2016

in Sundern-Stemel. Mit mittlerweile

über 20 Mitarbeitern ist das Familienunternehmen

ein regionaler Ansprechpartner

für die Menschen hier vor Ort

geworden. Im August letzten Jahres

feierte das Unternehmen sein 25-jähriges

Jubiläum mit einer internen Feier,

um den Mitarbeitern „ein Stück ihrer

geleisteten Arbeit zurückgeben zu

110 - WOLL Frühling 2021


können“, so Oliver Heymer, der mit

seinem Vater zusammen die Geschäfte

leitet. Nun blickt das Unternehmen

zurück auf jede Menge Know-how:

über die Produkte, über die Branche

und vor allem kennen sie die Bedürfnisse

ihrer Kunden ganz genau.

Viele Kunden empfinden es häufig

noch als Schwäche, wenn sie einen

Treppenlift benötigen. „Manche

möchten, dass wir mit einem neutralen

Auto vorfahren, damit die Nachbarn

nichts mitkriegen“, so Oliver Heymer.

„Dabei ist es eigentlich genau das

Gegenteil: Durch einen Treppenlift im

privaten Bereich ermöglichen wir den

Leuten, neue Lebensqualität zurückzugewinnen.

Viele können dadurch verhindern,

in ein Pflegeheim oder eine

barrierefreie Wohnung umziehen zu

müssen.“ Da jede Treppe anders gebaut

ist, kommt Ango Reha-Technik zuerst

bei seinen Kunden zuhause vorbei und

schaut, welcher Treppenlift am besten

geeignet ist. Individuelle Lösungen

sind hier Alltag und ermöglichen so,

für jedes Problem die richtige Lösung

zu finden. Was manche nicht wissen:

Die Anschaffung eines Treppenliftes

Das Techniker-Team ist zuständig für Montage, Wartung und Reparatur der Treppenlifte.

wird oft mit bis zu 4.000 € von der

Pflegekasse bezuschusst. „Viele Kunden

ärgern sich im Nachhinein, dass

sie sich nicht eher damit beschäftigt

haben“, meint Daniel Wünnenberg,

Mitarbeiter im Vertrieb bei Ango

Reha-Technik.

Aber nicht nur die Treppenlifte gehören

zur Produktpalette des Unternehmens.

So sind beispielsweise auch

Senkrecht- oder Hublifte Teil der individuellen

Lösungen von Ango Reha-

Technik. Die Mitarbeiter machen sich

vor Ort ein Bild von der Wohnsituation

und geben dann die Empfehlung

für das beste Produkt ab. Seit 2013 ist

das Unternehmen zudem berechtigt,

an öffentlichen Ausschreibungen teilzunehmen

und somit viele Aufträge

für Kommunen, Rathäuser und Architekten

umsetzen zu dürfen. Hier sind

insbesondere Senkrecht- oder Hublifte

beliebte Produkte, um einen barrierefreien

Zugang zu ermöglichen.

Treppenliftausstellung in

Sundern-Stemel

Mit einer eigenen Treppenliftausstellung

schafft das Familienunternehmen

einen besonderen Vorteil für ihre Kunden:

auf der ersten Etage des Firmensitzes

in Sundern-Stemel finden sich

alle Produkte wieder und können nach

Kennt die Bedürfnisse der Kunden ganz genau: das Ango Reha-Technik Team.

WOLL Frühling 2021 - 111


Belieben unverbindlich ausgetestet werden.

„Meistens kommen die Kunden

vorbei, nachdem bereits einer unserer

Mitarbeiter vor Ort gewesen ist. So

können sie sich von den verschiedenen

Möglichkeiten und Modellen ein Bild

machen und testen, wie es sich anfühlt,

auf einem Treppenlift zu sitzen“, erklärt

Michael Heymer. Danach seien die

Hemmschwellen meistens geringer und

die Kunden könnten sich den Einbau

in ihr eigenes Zuhause besser vorstellen.

Kontinuierliches Wachstum

auch in diesem Jahr

Auch Ango Reha-Technik ist in diesem

Jahr kreativ geworden, nachdem die

Corona-Krise einsetzte. Zusammen

mit dem Unternehmen Alugießerei

Heuel aus Sundern-Tiefenhagen haben

sie einen Desinfektionsmittelspender

entwickelt, der vor allem im Bereich

Gastronomie und Einzelhandel einsetzbar

ist. Darüber hinaus planen sie

schon jetzt die Zukunft des Familienbetriebes:

„In der Zukunft möchten wir

natürlich stets weiterwachsen und am

Markt noch stärker wahrgenommen

werden. Wir planen eine Betriebserweiterung

mit einer weiteren Halle

hier vor Ort und freuen uns immer

über neue Mitarbeiter, die uns bei

unseren Zielen unterstützen möchten“,

so Geschäftsführer Michael Heymer.

Da es für ihren Beruf keine spezifische

Ausbildung gibt, hat man eigene

Weiterbildungen entwickelt, um neue

Mitarbeiter schnell an Bord zu holen.

Aber auch durch externe Schulungen

wird gewährleistet, dass das Unternehmen

sich stets weiterentwickelt. Dazu

dient auch ein Zusammenschluss auf

überregionaler Ebene: Mit der Liftunion

besteht eine Zusammenarbeit von verschiedenen

Liftspezialisten in Deutschland

und der Schweiz, um Lösungen

für ein barrierefreies Leben gemeinsam

zu gewährleisten. Vor allem durch die

Unabhängigkeit von den Herstellern

haben die Unternehmen somit die

Möglichkeit, das beste Produkt für jede

Lösung anbieten zu können. So schafft

es Ango Reha-Technik nicht nur durch

seine langjährige Erfahrung, ein Stück

Lebensqualität zu den Menschen nach

Hause zu bringen – um mit ihnen gemeinsam

Hindernisse überwinden zu

können. ■

Stemeler Str. 99

59846 Sundern

T. 02933 921 88 00

www.ango-reha.de

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Das Vertriebsteam ist erster

Ansprechpartner, Ratgeber

und Problemlöser.

112 - WOLL Frühling 2021


NETZ-

FUND-

STÜCKE

Fundstück 1:

Baulokal.de

Unser BAULOKAL gibt es weiter in

altbewährter Form als Magazin. Wenn

Sie es aber gerade nicht zur Hand haben,

können Sie unsere Beiträge jetzt auch

online nachlesen:

http://www.BauLokal.de

Die vielfältigen Themen werden Sie als

Bauherrn – oder als zukünftigen Bauherrn

– sicherlich brennend interessieren.

Unter anderen geht es darin um freie

Baugrundstücke im Sauerland.

Nützliche Tipps gibt es auch für Hausbesitzer,

die planen ihr Dach zu sanieren

oder ihrem Haus ein neues aufsetzen

wollen. Ein Blick ins Baulokal lohnt sich

immer!

Fundstück 2:

Woll-Magazin Newsletter

https://woll-magazin.de/newsletter/

Möchten Sie auch zum engeren Kreis der

Woll-Leser gehören? Dann melden Sie

sich am besten zu unserem Newsletter an.

Die Anmeldung ist ganz einfach und vor

allem lohnt sie sich. Denn dann erhalten

Sie umgehend jeden Freitag die besten

Tipps fürs Wochenende: Ausflugstipps,

unsere Top-Story, ein besonderes Dorf

wird vorgestellt u.a. Außerdem gibt es

– exklusiv für Newsletter-Abonnenten –

satte Rabatte im lokalen Einzelhandel.

Fundstück 3:

Der ökologische Rucksack

Dieser Rucksack ist weder aus Baumwolle

noch aus Leinen. Denn dieser Rucksack

drückt das Gewicht aller natürlichen

Rohstoffe aus, die für unseren Konsum

anfallen. Wenn Sie wissen möchten, wie

schwer Ihrer ist, hier finden Sie es heraus:

https://www.ressourcen-rechner.de/ ■

www.woll-magazin.de | www.imsauerland.de

WOLL Frühling 2021 - 113


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Im Marsberger Ortsteil Udorf

Als der Friedhof noch in Hessen lag

Daniela Weber

Iris Böning

Altehrwürdige Fachwerkhäuser, eine breite Hauptstraße,

schmale Seitenstraßen rechts und links,

enge Gassen und ein Kirchturm aus Backstein,

der über den Dächern thront - Udorf wirkt wie ein typisches

kleines, beschauliches Dorf im Sauerland. Doch

schaut man genauer hin, entdeckt man, was Udorf, ein

Ortsteil von Marsberg, wirklich ist: ein Örtchen voller

Geschichte und Geschichten.

Bereits vor über 900 Jahren wurde das Dörfchen im Orpetal

erstmals urkundlich erwähnt – um genau zu sein im Jahre

1106. Einen der bedeutendsten historischen Momente erlebte

die Ortschaft in der Grenzregion der Kreise HSK und

Waldeck-Frankenberg jedoch erst in jüngster Vergangenheit.

„Früher verlief die Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und

Hessen am Ortsrand entlang, wobei der Friedhof und das

Kriegerdenkmal ausgelagert, also nicht auf westfälischer Seite

waren“, schüttelt Heinrich Aßhauer, Ortsvorsteher des 210

Einwohner zählenden Fleckchens, den Kopf, während er auf

die Schützenhalle zeigt, die damals durch die Landesgrenze

„geteilt“ war. „Der Antrag zur Grenzänderung wurde bereits

Anfang der 60er Jahre gestellt, doch erst 2009 war es dann

beschlossene Sache. Das hat sehr lange gedauert. Insgesamt

wurden etwa 84 Hektar Land getauscht“, so Aßhauer, der sich

beeindruckt von den Ausmaßen der Grenzverschiebung zeigt.

„Ein richtiger Staatsvertrag war das, ein Staatsvertrag zwischen

Nordrhein-Westfalen und Hessen“, sagt der engagierte Udorfer

mehrfach mit vollem Enthusiasmus.

WOLL Frühling 2021 - 115


Das Ehrenmal

Die Schützenhalle

Heinrich Aßhauer

Das Ehrenmal

Impressionen aus dem Ort

Eine „besondere Herzensangelegenheit“ des Ortsvorstehers, die

einst auf hessischer Seite lag, obwohl sie zu Ehren von Udorfer

Bürgern errichtet wurde, thront vor einem Waldstück hoch

über dem Dorf: das Ehrenmal für die Gefallenen, das an die

toten Soldaten des Ersten und des Zweiten Weltkriegs erinnert.

Das Monument, das im Jahr 1925 eingeweiht wurde, hat

dem 63-Jährigen fünf Jahre Einsatz und harte Arbeit abverlangt,

als die Restaurierung anstand. „Schauen Sie sich dieses

Ehrenmal an. Das ist doch wohl einmalig hier im Sauerland.

Und man wollte es verfallen lassen“, sagt er mir ernster Stimme,

die jedoch schnell aufhellt, als er mit einem Funkeln in

Quelle: OpenStreetMap

den Augen das restaurierte Denkmal betrachtet. „Mein Vater

war ein Ur-Udorfer. Er sagte mir vor etwa sechs bis sieben

Jahren, dass ich mich um das Ehrenmal kümmern soll. Wenn

diese Worte nicht gewesen wären, hätte ich das wahrscheinlich

nicht durchgezogen.“ Die Tafeln des Ehrenmals wurden für

die Restaurierungsarbeiten entfernt, nur das Grundgerüst blieb

stehen. Nun erstrahlt es in neuem Glanz und wird abends als

besonderes Highlight mit Licht angestrahlt. Für Aßhauer ist

das Denkmal weit mehr als nur ein Ort des Gedenkens, sondern

ein Ort mit einer beachtlichen Bedeutung auch für die

Gegenwart. Unmittelbar neben dem Ehrenmal befindet sich

ein weiterer historischer Punkt in Udorf. Auf Streuobstwiesen,

die einst von dem Herrn von Spiegel angepflanzt wurden, „um

116 - WOLL Frühling 2021


den jungen Menschen den Gartenbau und den Strauchschnitt

näherzubringen“, wird noch heute die historische Apfelsorte

„Großer Borsdorfer“ angebaut. „Heutzutage werden die Wiesen

nicht mehr für ihren ursprünglichen Zweck genutzt. Aber

jeder Udorfer darf hier Äpfel ernten“, erklärt Werner Klimek,

Ortsheimatpfleger, der sich zusammen mit Aßhauer für seinen

Heimatort engagiert. Doch nicht nur die Dorfgeschichte

macht Udorf aus, sondern auch kleine Dorfgeschichten in den

verborgensten Ecken. In einer kleinen Gasse im Ort befindet

sich ein altes Fachwerkhaus, das den Anschein erweckt, dass

es schon seit jeher an diesem Fleckchen Erde gestanden hat.

Doch das alte Häuschen wurde nicht in Udorf erbaut, sondern

dorthin umgesiedelt. In der Gildestraße, die ihren Namen aufgrund

der damals dort ansässigen Handwerker erhalten hat,

fügt sich das schmucke Häuschen wie das letzte fehlende Puzzleteil

in das Straßenbild ein. „Seit 2006 wohne ich nun hier.

Das war ein großes Glück, dass ich den Zuschlag bekommen

habe“, freut sich Lothar Gehrmann, der einen kleinen Anbau

im Eingangsbereich errichtet hat, „um nicht sofort im Wohnzimmer

zu stehen“ und sich draußen eine kleine Hobbywerkstatt

eingerichtet hat. „Hier werkel ich und baue Kinderspielzeug

aus Holz, um anderen damit eine Freude zu machen.“

Die Dorfpuppe

Und was wäre ein Ort ohne Brauchtum? So erfreut schon seit

Jahrzehnten eine ganz besondere Tradition die Jüngsten im

Ort. Beim Pfingstsingen, einem besonderen Brauch in Udorf,

ziehen Jungen und Mädchen von Haus zu Haus. „Traditionell

ging es darum, Geld für Klassenfahrten zu sammeln“, so

Heinrich Aßhauer. Die Jungen halten dabei eine Deutschlandflagge

in ihren Händen, die Mädchen ziehen mit der „Pfingstpuppe“

los. „Die Puppe wird im Dorfgemeinschaftshaus aufbewahrt.

Ich denke, dass sie aus dem 19. Jahrhundert stammt.

Und sie ist immer noch heile. Für die Mädchen ist es natürlich

eine Ehre, diese Puppe einmal im Jahr durch das Dorf tragen

zu dürfen“, lacht der Ortsvorsteher, der zwar einräumt, dass

das Interesse an der Tradition nachgelassen hat, aber dennoch

immer noch eine Handvoll Kinder den historischen Brauch

weiterführen.

Udorf – ein Ort voller Geschichte(n), die auch heutzutage

noch in jeder Ecke des kleinen Sauerländer Dorfes zu finden

sind. ■

WOLL Frühling 2021 - 117


Anzeige

Kompetent und kundenfreundlich

Brillen-Jurga

in Marsberg

Christel Zidi

Sabrina Voss

Brillen-Jurga steht in Marsberg

für Fachkompetenz und

fundiertes Wissen in der

Augenoptik und Hörakustik. Und das

schon seit bald 50 Jahren in der Augenoptik,

und seit mehr als 20 Jahren

auch in der Hörakustik. Die beiden

Geschäftsführer Reinhold Bielefeld,

Augenoptik- und Hörakustikmeister,

und Klaus Hüwel, Augenoptikmeister,

leiten seit 1998 den Betrieb. Beide

gehen ganz in ihrem Beruf auf. Sie

lieben die Kombination aus Handwerk,

Technik und den persönlichen

Umgang mit ihren Kunden.

vlnr:Reinhold Bielefeld, Cora Viesehon, Lisa Schlereth, Klaus Hüwel,

Christina Scharfenbaum, Tanja Plücker, Irina Schmick

Wie wichtig gerade die persönliche

Kundenbetreuung ist, wird spätestens

dann klar, wenn man die Leistungen

eines Augenoptikers oder Hörgeräteakustikers

in Anspruch nimmt. Diese

lassen sich durch kein Computerprogramm

der Welt ersetzen. Trotzdem

hat die Digitalität auch hier Einzug

gehalten: „Das handwerkliche Geschick

rückt langsam in den Hintergrund“,

berichtet Klaus Hüwel, „Das technische

Verständnis spielt eine immer größer

werdende Rolle. Trotzdem muss ich

noch was mit meinen Händen herstellen;

das Bauen einer kompletten Brille

kann mir kein Computerprogramm

abnehmen.“ Auch Reinhold Bielefeld

hat erkannt: „Die Zukunft der Hörakustiker

wird sich nicht nur auf die

Anpassung von Hörgeräten beschränken.

Zusätzliche Anbindung an das

Smartphone und andere Kommunikationsgeräte

gehören heute schon zur

Hörgeräte-Anpassung.“

Thema Online-Handel. Reicht es nicht

– wie man das in der Werbung oft

sieht - ein Foto hochzuladen und sich

eine Brille auszusuchen? „Eine Brillenfassung

am PC aussuchen, ist schwierig“,

weiß Klaus Hüwel, „und macht

auch keinen Spaß. Ich muss das doch

„live“ sehen, was ich da auf der Nase

habe.“ Auch Online-Sehtests sind kaum

„Ich muss doch ‘live‘

sehen, was ich da auf

der Nase habe“

-Klaus Hüwel

möglich, denn, so Klaus Hüwel: „Nur

durch die persönliche Kommunikation

kann ich erst eine Bedarfsanalyse erstellen

und auf Wünsche der Kunden

eingehen.“

Im Akustik-Bereich ist das ähnlich:

„Der Vertrieb von sogenannten Hearables

übers Internet ist durchaus ein

Thema, kann aber eine individuelle

118 - WOLL Frühling 2021


HG-Anpassung in einem Akustikfachgeschäft

niemals ersetzen“, ist die klare

Aussage von Reinhold Bielefeld.

Auch Cora Viesehon gefällt die stetige

Weiterentwicklung ihres Berufes. Sie ist

Augenoptikerin, Europa-Diplom-Hörakustikmeisterin

und Pädakustikerin.

Sie möchte „den Kunden ein Stück

Lebensqualität zurückgeben“. Dazu gehört

auch, dass man sich „individuell auf

den jeweiligen Kunden einstellt.“ Das

Zitat von Immanuel Kant „Nicht sehen

trennt von den Dingen. Nicht hören

von den Menschen“ kann sie nur dick

unterstreichen: „Das merkt man dann

auch im Alltag. Die sozialen Kontakte

werden mit zunehmender unbehandelter

Schwerhörigkeit immer weniger.

Veranstaltungen, Treffen und gesellige

Feste werden dann gemieden, da ‘man

eh nichts versteht’. Die Einsamkeit

wird somit größer. Hinzu kommt, dass

verschiedene unterschiedliche Studien

belegen, dass sowohl das Demenzrisiko

als auch das Risiko für Depressionen bei

einer unbehandelten Schwerhörigkeit

deutlich steigen.“

Bei Brillen-Jurga wird auch die „terzo®Gehörtherapie“

angeboten. Die erklärt

Cora Viesehon so: „Viele Menschen

warten leider zu lange mit einer Hörgeräteversorgung,

dadurch ist das Gehirn

es nicht mehr gewohnt, die vielen

normalen Alltagsgeräusche zu hören und

zu verarbeiten. Das Sprachverstehen in

geräuschvoller Umgebung ist dann für

den Kunden nicht zufriedenstellend, was

dazu führen kann, dass die Hörgeräte

nicht mehr getragen werden. Mit der

Der Name geht auf den Augenoptikmeister

Rudolf Jurga zurück, der das

seit 1945 bestehende „Spezial-Geschäft

für Augenoptik“ Pixberg übernommen

hatte. Seit 1998 leiten es Reinhold

Bielefeld und Klaus Hüwel. Die beiden

Geschäftsführer haben Ihre Ausbildung

bei Rudolf Jurga absolviert und kennen

ihn somit schon seit mehr als 40 Jahren.

Herr Jurga ist noch bei bester Gesundheit

und wird im April 85 Jahre alt.

terzo®Gehörtherapie schulen sie das Gehör

innerhalb weniger Wochen, ähnlich

wie einen untrainierten Muskel.“

Für die persönliche und kompetente

Beratung stehen den beiden Geschäftsführern

sechs Mitarbeiterinnen zur Seite,

die sich auf Ihren Besuch freuen. ■

Lisa Schlereth misst das Hörvermögen des Kunden

bevor sie mit der terzo Gehörtherapie beginnt.

Mit dem Zitat von Immanuel Kant „Nicht sehen

trennt von den Dingen. Nicht hören von den

Menschen“ identifiziert sich auch Cora Viesehon

Klaus Hüwel: „Eine genaue und individuelle

Sehstärkenbestimmung ist die Voraussetzung

für eine gute Brille.“

Christina Scharfenbaum bei der

persönlichen Kundenberatung.

WOLL Frühling 2021 - 119


„Bei jeder Orgel ist es ein

anderes Gefühl“

Sonja Funke Iris Böning

Judith Barbara Mendel-Koch

aus Rixen beherrscht ein ganz

besonderes Handwerk: Sie ist

Orgelbaumeisterin. Sie lernte

ihren Beruf in den 50ern und 60ern,

einer Zeit, in der viele Frauen keine

Ausbildung hatten. Und mehr noch:

Die 74-Jährige wurde schließlich im

Jahr 1968 die zweite Orgelbaumeisterin

überhaupt in Deutschland.

Es ist etwas ganz Besonderes, vor

seinem eigenen Instrument zu stehen,

noch dazu, wenn es so riesig ist.

Judith B. Mendel-Koch blickt beim

WOLL-Ortstermin in der St.-Agatha-Kapelle

in Meschede-Olpe auf

ihr Werk im Innenraum der Kirche,

vorne links vorm Altar: „366 Pfeifen

auf sieben Registern“, sagt sie. Was, so

viele? Von außen sieht man vor allem

die größten, die riesigen Pfeifen des

Prinzipal 8 direkt an der Wand hinter

der Orgel. „Schön ist, dass diese Orgel

die Gemeinde direkt anspricht“, sagt

die Orgelbaumeisterin und klappt die

Abdeckung am Spieltisch auf.

Judith B. Mendel-Koch kommt aus

einer Orgelbauer-Familie und lernte

bei ihrem Vater in Brilon-Rixen. Sie

120 - WOLL Frühling 2021


esuchte die Fachschule für Orgelbau

in Ludwigsburg und gewann 1965 den

Leistungswettbewerb der deutschen

Handwerksjugend, wurde 1. Bundessieger.

Die weibliche Form „Siegerin“

existierte damals noch nicht. Sie erwarb

die Fachhochschulreife in Olsberg und

machte mit 22 Jahren, nach drei Gesellenjahren,

die Meisterprüfung: „Dafür

brauchte ich noch die Unterschrift

meines Vaters.“ Ehrgeiz ist neben der

Liebe zum Beruf und einem geerbten

sehr guten Gehör eines ihrer Erfolgsgeheimnisse.

In St. Agatha Olpe schaltet

die 74-Jährige nun den Motor der

Orgel an. „Als nächstes hole ich immer

das Thermometer raus“, sagt sie. Es ist

kalt in der Kapelle, rund acht Grad.

Luftfeuchte und Temperatur spielen

eine entscheidende Rolle beim Stimmen

einer Orgel. „Ideal sind 15 Grad

bei 60 Prozent Luftfeuchtigkeit“, erklärt

die Rixenerin. Sie öffnet eine Tür,

die hinter die Orgel in einen eigenen

Raum führt, holt eine Leiter heraus,

steigt hoch zu den großen metallenen

Orgelpfeifen an der Wand, das Prinzipal

8. „Sie sind aus 48 Prozent Blei und

52 Prozent Zinn, sehr hochwertig und

empfindlich“, sagt sie und zieht Handschuhe

an.

Orgelbau ist ein hochkomplexes

Handwerk. Ohne die Tradition, ohne

ihren Vater, Orgelbaumeister Rudolf

Thaddäus, der von 1911 bis 1998 lebte

und wirkte, und auch nicht ohne ihren

Großvater Emil Mann wäre sie wohl

nie zu diesem Beruf gekommen, sagt

Judith B. Mendel-Koch. Bis 1979 arbeitete

ihr Vater in Rixen mit, es ist auch

das Jahr, in dem sie die letzte eigene

Orgel für die St.-Anna-Kapelle in Brilon-Wülfte

fertigstellten. Neben vielen

Reparaturen und großen Umbauten

von Orgeln entstanden insgesamt 75

Neubauten, zum Beispiel auch in Winterberg-Altastenberg.

„Mein Vater ließ

auch 16 historische Orgeln im Sauerland

unter Denkmalschutz stellen, die

heute alle restauriert und berühmt sind,

z. B. in Oelinghausen, Klosterbrunnen

und Reiste.“ Einige Schmuckstücke

im Marsberger Raum, zum Beispiel in

Helminghausen, sowie eigene Orgeln

betreut die Sauerländerin bis heute.

In Olpe sitzt Judith B. Mendel-Koch

nun am Spieltisch aus Sauerländer Eiche.

Sie zieht ein erstes Register, öffnet

also der Luft in diesen Pfeifen die Pforten,

drückt die ersten Tasten. Hmhhh,

hört sich aber noch ein bisschen dünn

an. Sie nimmt ein weiteres Register

hinzu, spielt. „Hören Sie, das passt

doch gut zusammen“, sagt sie zufrieden.

„Das klingt vielleicht merkwürdig,

aber es ist irgendwie so, als ob man ein

Kind hat, ein Instrumentenkind. Wenn

WOLL Frühling 2021 - 121


Kunst aus dem Atelier

122 - WOLL Frühling 2021

Schweinebande

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jedes Bild ein Unikat. Handgemacht.

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Facebook: Relindis Bergmann

ich eine Orgel nach langer

Zeit spiele, dauert es zwar ein

bisschen, bis ich wieder mit ihr

verbunden bin, aber es ist jedes

Mal neu einfach schön.“

Ihren Sohn Christoph hat

Judith B. Mendel-Koch schon

ganz klein im Wägelchen mit auf die Empore genommen,

„auch die ein oder andere Haushälterin des Pfarrers hat sich

um ihn gekümmert“. Eine Orgel zu installieren dauere von

14 Tagen bis zu vier Wochen. Unter anderem vier Orgeln

im Raum Frankfurt sowie zwei in Bayreuth baute sie gemeinsam

mit ihrem Vater auf. Bis zu sechs Mitarbeiter

beschäftigte der Betrieb. „Nach dem Aufbau kommt das

Intonieren, das dauert auch Wochen“, so Mendel-Koch. Ein

ständiges Hoch- und Runtergehen und Horchen. „Können

Sie das denn überhaupt?“, hat sie mal ein studierter Organist

gefragt. „Wenn ich es mir nicht zutrauen würde, machte ich

es nicht“, hat sie geantwortet. „Zum Stimmen schicken Sie

mir bitte Ihre Tochter“, erklärte der Musiker kurz darauf

ihrem Vater. Die Rixenerin hat sich immer durchbeißen

müssen. Mit Erfolg: Die Handwerkskammer Stuttgart ehrte

sie mit dem goldenen Meisterbrief.

In St. Agatha Olpe kamen die großen Orgelpfeifen an der

Wand, die jetzt erklingen, das Prinzipal 8, erst später dazu.

„Bis zum fertigen Instrument ist es immer ein langer Weg“,

sagt Judith B. Mendel-Koch. Gemeinsam mit der Kirche

und dem Organisten plante sie die Orgeln nach den finanziellen

Möglichkeiten. Es folgte das Zeichnen und dann das

eigentliche Handwerk, bis auf die Metallpfeifen wurde alles

selbst gebaut. Echte körperliche Arbeit: „Hobeln, Zinken,

die Verbindungen herstellen.“

Judith B. Mendel-Kochs Meisterstück steht in der Pfarrkirche

Maria Himmelfahrt in Waldeck am Edersee. Auf Reisen

mit ihrem Mann Herbert Johannes Koch schaut sie sich

selbstverständlich immer auch andere Orgeln an: „Zum Beispiel

die Silbermann-Orgel in der Schlosskirche in Dresden,

die ist schon ein Schmuckstück.“ Was aber, wenn woanders

ein Instrument mal so gar nicht klingt? „Das kann an der

Orgel, aber vielleicht auch am Organisten liegen. Dann versuche

ich, falls irgend möglich, rauszugehen.“ Dezent, aber

konsequent, eben

eine Meisterin der

feinen Töne. ■

Es ist irgendwie so, als

ob man ein Kind hat,

ein Instrumentenkind.

- J.B. Mendel-Koch


Picknick

das Essen im Freien

Christel Zidi Tom Linke

der Landwirtschaft war es

früher üblich, die Mittags-

In pause auch gleich auf dem

Feld zu verbringen und dabei etwas

Mitgebrachtes zu verzehren. Wohlverdient

schmeckt das Essen an der

frischen Luft noch mal so gut. Eine

Decke, ein Korb mit etwas Essbarem,

ein paar Getränke - und viel frische

Luft. Das ist eigentlich schon alles,

was man benötigt.

Für ein Essen im Freien bereitet man

am besten Speisen vor, die auch kalt gut

schmecken: Kartoffel- oder Nudelsalat

(im Sommer lieber Essig und Öl statt

Mayo). Blattsalate halten nicht lange genug.

Lecker sind auch abwechslungsreich

belegte Sandwiches. Und dazu Frikadellen,

Chicken Wings oder Schnitzel.

Frisches Obst und/oder Kekse sollten

auch nicht fehlen. Zum Schluss noch an

Besteck und Geschirr, an den Korkenzieher,

eine Sonnencreme und Mückenspray

denken. Wichtig bei all dem ist,

dass man vorher nicht stundenlang in der

Küche steht, um alles vorzubereiten. Ein

Picknick soll schließlich ein im Ganzen

zwangsloses Vergnügen sein.

Schnell zubereitet und mal etwas anders

als der übliche Schichtsalat ist dieser:

Schichtsalat mit Fisch

Zutaten (für vier Personen):

200 g Rote Bete aus dem Glas

2 kleine Äpfel, 4 hartgekochte Eier

200 g Heringe, 1 kleine Zwiebel, geschält

3 EL Öl, 2 EL Apfelessig

Pfeffer, 1 Prise Zucker,

etwas Schnittlauch, etwas Zitronensaft

Zubereitung:

Rote Beete gut abtropfen, klein würfeln. Eier pellen, klein würfeln

Äpfel schälen, raspeln und mit Zitrone beträufeln

Hering abtropfen, in kleine Stücke schneiden und mit der fein gewürfelten

Zwiebel, dem Apfelessig, Salz, Pfeffer und Öl mischen. Zum Schluss

mit einer Prise Zucker abschmecken.Rote Beete, Äpfel, Eier in die Gläser

schichten. Dann Hering darauf geben. Mit Schnittlauch bestreuen. Gläser

gut verschließen.

WOLL Frühling 2021 - 123


Anzeige

„Man muss

Akzente

setzen“

Perfekt Wand- und Boden

Design Hermann Prior

Christel Zidi

H

aben Sie eine Vorstellung davon, wie wunderschön

ein Haus oder eine Wohnung aussehen

kann, wenn Spezialisten am Werk waren?

Hermann Prior aus Marsberg kann Ihnen nicht nur eine

Vorstellung davon vermitteln, sondern er hat in seinem

Team auch die Spezialisten, die diese Vorstellungen dann

verwirklichen können.

Wer in der Hauptstraße 58 in Marsberg einen etwas kleineren

Baumarkt vermutet, wird erstaunt sein, welche Auswahl es hier

an Tapeten, Wand- und Bodenbelägen, Teppichen, Gardinenstoffen

und Sichtschutz gibt. Vor allem gibt es hier keine

08/15-Ware, sondern auch die besten und feinsten Produkte

aus diesem Bereich. 1998 hat Hermann Prior sein Marsberger

Unternehmen „Perfekt Wand und Boden Design“ gegründet.

Sein Unternehmen besticht besonders durch die kompetente

Beratung und perfekte Umsetzung. Kunden können sich im

Geschäft oder vor Ort beraten lassen. Und das übernimmt der

Chef auch gern persönlich. Hermann Prior weiß genau, welche

Materialien und Farben Ihr Zuhause zu einem Wohlfühlort

machen können. Einen wichtigen Tipp gibt er auch gleich mit:

„Man muss Akzente setzen.“

Und das kann man am leichtesten durch die Auswahl der

richtigen Tapete oder eines besonderen Bodenbelages. Schon

die Tapetenmuster, die im Verkaufsraum zu sehen sind, bieten

ein gutes und aussagekräftiges Spektrum. Hinzu kommen so

einige Musterbücher, mit teils ungewöhnlichen, teils prächtigen

Mustern. Tapeten, die manchmal mit ihrer Haptik, manchmal

124 - WOLL Frühling 2021


mit ihrem Design überzeugen. Bekannte Designer wie Versace,

Colani, Glööckler oder Kretschmer sind selbstverständlich

vertreten. Endlich mal eine Auswahl, die man nicht jeden Tag

zu sehen bekommt. Die dazu passende Gardine, Lamellenvorhänge,

Plissees oder Rollos können Sie auch gleich bei Prior

ordern…

Hermann Prior und sein Team wissen bestens, was sich in

Sachen Boden- und Wanddesign in den letzten Jahren getan

hat. Designböden in großer Auswahl, die immer robuster und

gleichzeitig auch immer schöner werden und jeden Raum veredeln.

Hier arbeitet Prior eng mit der Firma JOKA zusammen,

deren Produkte sind zudem auch umweltfreundlich, aus nachhaltigen,

natürlichen Rohstoffen hergestellt wurden. Manchen

Produktnamen, wie „oak coffee“ und „concrete urban“, deuten

schon auf das Aussehen hin, andere wie „Fine Line“ oder „Stone

Moutain“ darauf, wie sie sich anfühlen.

Die Produktserien der Fa. VOLIMEA bestehen ebenfalls aus

natürlichen Bestandteilen, besitzen hochwertige mineralische

Pigmente sowie Kalk- und Marmormehl. Sie regulieren damit

die Luftfeuchtigkeit und sorgen für ein gesundes Raumklima.

Mit den eingearbeiteten „Glimmerschuppen“ oder „Moskauer

Glas“, können edle Effekte erzielt werden. Hochwertig sind

auch die Schmuckwände mit metallischen Oberflächen, z.B.

mit Antik-Bronze im Freestyle besprüht oder in Reptilienoptik.

Bei Prior in Marsberg kann man die vielen verschiedenen

Materialien nicht nur kaufen, Hermann Prior steht auch eine

11- köpfige Mannschaft zur Seite, die Wohnträume möglich

macht. Seine Handwerker kümmern sich um Boden, Malerund

Tapezierarbeiten, sanieren Mauerwerk, verlegen die unterschiedlichen

Bodenbeläge, kennen sich mit Dämmungen und

mit noch viel mehr aus. ■

Maler- und Fußbodenfachbetrieb

Prior GmbH & Co. KG

34431 Marsberg, Hauptstraße 58 • Tel. (02992) 90 82 22

Perfekt Wand und Boden Prior GmbH & Co.KG

Hauptstr. 58 | 34431 Marsberg

Tel: 02992/908222 | Fax: 02992/908223

perfektprior@web.de

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Volimea Wandwerk

Cortenstahl

WOLL Frühling 2021 - 125


Das Kyrill-Tor

sabrinity

Das Kyrill-Tor am Eingang zum Briloner Bürgerwald soll

an die ungeahnte Zerstörungskraft des Orkans erinnern, aber

auch an Wiederaufbau, Wiederordnung und Neuanfang. Das

Tor besteht aus 14 massiven, 20 Meter langen Fichtenstämmen aus dem

Briloner Stadtwald. (c.z.) ■


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Ein Besuch

in Sorgenfreys

Apotheke

Sabrina Voss

D

ie Coronazeit mit den vielen Lockdowns war und

ist für uns Sauerländer eine belastende Zeit. Viele

haben da auch den Besuch in „ihrer“ Apotheke

als besonders wohltuend empfunden. Und nicht nur, weil es

dort die notwendigen FFP-2 Masken zeitweise sogar gratis

gab.

„Ich spüre deutlich, dass meine Kunden noch mehr – über

die Corona-Schutzregeln hinaus – für sich tun möchten“,

sagt Martina Sorgenfrey-Melliwa, Besitzerin der Sorgenfreys-Apotheke

in Marsberg-Bredelar, „das reicht von

pflanzlichen Arzneien über Vitamine und Mineralien bis

hin zur Kosmetik!“ Die Apothekerin in dritter Generation

in Bredelar ist da bestens aufgestellt. Bereits vor Jahren hat

sie vor der Industrie-und Handelskammer eine Zusatzausbildung

zur Phyto-Apothekerin abgelegt. In der Phytothek ihrer

modernen Apotheke hält sie pflanzliche Arzneimittel bereit, die

ohne Rezept frei verkäuflich sind. „Diese Arzneimittel sind

wissenschaftlich nachgewiesen und hoch wirksam“, macht

die engagierte Apothekerin deutlich, „sie sind bei Erkrankungen

vielseitig einsetzbar!“

Das gleiche gilt für Vitamine und Mineralien. Hier ist Martina

Sorgenfrey-Melliwa die persönliche Beratung besonders wichtig.

Denn: „Der Körper braucht Vitamine und Mineralien.

Aber er braucht sie so, dass er sie auch verwerten kann!“ In

der richtigen Dosierung, im sinnvollen Mix sind Vitamine und

Mineralien wichtige Bausteine auch in der Behandlung von

Grunderkrankungen. Hierbei kommt es durchaus zu einem

Mehrbedarf dieser Stoffe, wenn bestimmte Medikamente

eingenommen werden müssen. Da kann es sonst zu Mangelerscheinungen

kommen!“ macht Martina Sorgenfrey-Melliwa

deutlich. Hier sind das Wissen und der Rat der Expertin besonders

entscheidend. Sorgenfreys Apotheke ist aber nicht nur

ein Ort der Gesundung, sondern auch ein Ort des Wohlbefin-

Martina Sorgenfrey-Melliwa

128 - WOLL Frühling 2021


Einblick in Sorgenfreys Apotheke

dens. Gerade in Stresszeiten wie diesen tut es gut, einfach mal

nur an sich zu denken. „Da spielt das Gefühl, sich attraktiv

und gepflegt zu fühlen, eine ganz große Rolle!” sagt die

sympathische Apothekerin lächelnd. „Das Tragen von

Masken irritiert unsere Haut sehr häufig und sie bedarf

einer besonderen Pflege.“

Seit zehn Jahren führt sie eine eigene Kosmetikserie, in Zusammenarbeit

mit einer sorgfältig ausgesuchten Partnerfirma in

Italien: „Von Apothekern für Apotheker“.

Im Raum Marsberg einzigartig. „Mir war wichtig, dass meine

Kosmetik wissenschaftlichen Normen standhält. Das

heißt: erlesene Rohstoffe, streng kontrollierte Produktionsketten

und optimale Wirksamkeit!“

Am Ende steht eine zertifizierte Sicherheit, die das Risiko

von Allergien so gering wie möglich hält. Es finden

selbstverständlich keine Tierversuche statt.

Nachhaltigkeit bei Produktion und Verpackung rundet die

Produktpalette ab.

Wie der Name schon sagt: Ein Besuch in Sorgenfreys Apotheke

bringt Licht in Zeiten, die nicht immer einfach sind. Und doch

wohliger werden können.

Sauerlandstraße 67

34431 Marsberg - Bredelar

Telefon 02991-360

Fax 02991-908044

mail@sorgenfreys-apotheke.de

Eigene Kosmetikserie hält

wissenschaftlichen Normen stand

WOLL Frühling 2021 - 129


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130 - WOLL Frühling 2021


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RuheForst

Bad Arolsen GbR

Schloßstraße 27

34454 Bad Arolsen

Tel.: (0170) 5784387

Fax: (05691) 895519

info@ruheforst-badarolsen.de

www.ruheforst-badarolsen.de

Letzte Ruhe unter

hohen Bäumen-

RuheForst

Bad Arolsen

Stille. Eine von der Art,

die ganz ruhig werden lässt.

„Unter allen Wipfeln ist Ruh.“

Der Wald mit dem alten Baumbestand unterscheidet sich

scheinbar nicht von anderen Wäldern. Sonnenstrahlen finden

ihren Weg zum Waldboden, etwas raschelt kurz im Unterholz,

eine Amsel stimmt selbstbewusst ihr Lied an. Trotzdem ist hier

etwas anders: Das Waldgebiet Kroneiche, gleich hinter Bad

Arolsen, dient seit 2006 als RuheForst. Zahlreiche RuheBiotope

sind dort durch eine oder mehrere Buchen beziehungsweise

Eichen gekennzeichnet und können als letzte Ruhestätte in

alten, naturbelassenen Waldbeständen ausgewählt werden.

Seitdem erfreut sich der unter Regie des Fürstlich Waldeckschen

Forstamtes angelegte und betreute RuheForst stetig

wachsender Bekanntheit auch weit über die Stadtgrenzen

hinaus. Die rege Nachfrage bei den regelmäßig angebotenen

kostenlosen Waldführungen sowie zahlreiche Reservierungen

von Nutzungsrechten und die bereits große Anzahl von

durchgeführten Beisetzungen zeigen die Anerkennung des

RuheForsts als Alternative zu herkömmlichen Bestattungsarten.

Die Möglichkeit, in natürlicher Umgebung des Waldes

beigesetzt zu werden, ist für viele Menschen eine würdevolle

Form des Abschieds. Eine unauffällige Infrastruktur mit Parkmöglichkeiten

außerhalb der Waldfläche, Informationstafel

und festem Hauptweg findet sowohl bei Angehörigen als auch

bei interessierten Besuchern des RuheForsts positiven Anklang.

Der eigens mit Holzkreuz und Holzbänken eingerichtete

Andachtsplatz am Rande einer kleinen Lichtung bietet die

Möglichkeit, konfessionell unabhängig und völlig individuell

eine Trauerzeremonie abzuhalten. Einzelne Namensschilder

zieren die Bäume, vom Grab ist nichts zu sehen. Durch das innovative

Bestattungskonzept kann sich der Wald mit all seinen

Bewohnern nun für mindestens 100 Jahre ungestört weiterentwickeln–

zu einem ganz besonderen Naturschutzgebiet. ■

WOLL Frühling 2021 - 131


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