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Broschüre Ackerbürgerhaus Bärnau 2021

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Ackerbürgerhaus Bärnau - Grußwort

Projekt

Mitmachhaus

Es verdient Anerkennung, was sich der

Verein Ackerbürgerhaus Bärnau da vorgenommen

hat.

Immerhin war es trotz wiederholter

Ansätze bisher nicht gelungen, das

seit drei Jahrzehnten leerstehende

„Zintlhaus“ wieder einer Verwendung

zuzuführen. Dass sich jetzt

eine Gruppe von mitten im Berufsleben

stehenden Idealisten dieser

Herausforderung stellt, ist deshalb

keineswegs selbstverständlich.

Abgesehen von der optischen Abrundung

des Marktplatzensembles,

die den Stadtrat schon in den frühen

neunziger Jahren beschäftigte,

als der Platz anlässlich der bevorstehenden

650-Jahr-Feier neugestaltet

werden sollte, gibt es jedoch

gute Gründe, das Haus wieder zu

beleben.

Die bis vor wenigen Jahren gut

besuchte Zoiglstube am Bärnauer

Marktplatz hat eine bleibende Lücke

im gesellschaftlichen Leben der

Stadt hinterlassen. Die nie ganz aufgegebene

Suche nach einer Ersatzlösung

führte schließlich auch zum

Zintlhaus. Das Gebäude liegt zentral

und verspricht durch seine gut

erhaltene historische Bausubstanz

das passende Ambiente für eine

Fortsetzung der Zoigltradition. Von

Vorteil ist dabei das mit dem Haus

verbundene Braurecht, das eine

tragfähige Perspektive für den späteren,

zum Unterhalt des Gebäudes

erforderlichen Wirtschaftsbetrieb

eröffnet.

Als eines der ursprünglichsten

Gebäude am Marktplatz erwies

sich das Zintlhaus zudem als geeignetes

Objekt für die Idee, den

im Geschichtspark Bärnau/Tachov

nachgezeichneten Zeitstrahl der

regionalen Geschichte zwischen

der frühen Besiedelung und dem

Hochmittelalter bis in die Neuzeit

zu vervollständigen und dadurch

auch den räumlichen Bezug zum

historischen Stadtkern herzustellen.

Ein musealer Bereich im Obergeschoß

des Hauses soll diesem Ziel

mit Exponaten zur Haus- und Stadtgeschichte

Rechnung tragen.

Seit längerem schon ist der Trend

hin zur Arbeit im Home-Office zu

beobachten. Nicht erst seit Beginn

der coronabedingten Begegnungseinschränkungen

entstand dadurch

auch außerhalb der Ballungszentren

ein Bedarf an wohnortnahen Alternativen,

der durch das großzügige

Raumangebot im Obergeschoß

des Zintlhauses mit Kreativräumen,

basierend auf der Idee eines Co-

Working-Space, gedeckt werden

kann. Nicht jede Wohnung bietet

schließlich die Ruhe, den Platz und

die technischen Voraussetzungen

für die Arbeit zuhause. Medienund

kommunikationstechnisch gut

ausgestattete Co-Working-Spaces

lassen sich vielseitig nutzen und

können auch als „Startrampe“ für

Gründer dienen.

Das entkernte Dachgeschoss eignet

sich schließlich als Raum für

kulturelle Veranstaltungen, Ausstellungen,

als Kleinkunstbühne und

letztlich auch als saisonaler Ersatz

für die nur in der warmen Jahreszeit

nutzbare Freilichttribüne.

Erst durch die Kombination dieser

unterschiedlichen Verwendungsarten

entsteht ein neuartiges Nutzungskonzept,

das traditionelle mit

modernen Lebensformen verbindet

und als Treffpunkt für Alt und

Jung, Einwohner und Gäste einen

wichtigen Beitrag zur Daseinsvorsorge

der Stadt Bärnau leistet.

Neuartig ist auch der Weg der Umsetzung.

Die Unterstützung durch

die Initiative Heimatunternehmen

konnte nicht nur den Zugang zu

Fördermaßnahmen ebnen. Die im

Netzwerk vorhandenen Erfahrungen

waren auch hilfreich bei der

Konzipierung des Vorhabens und

nicht zuletzt bei der Nutzung einer

neuen Finanzierungform. Als erster

Verein in Bayern wählte der Ackerbürgerhaus

Bärnau e.V. eine Finanzierung

über die Emission von Genussrechten.

Ich danke allen Unterstützern des

Vereins, die zum Gelingen seines

Vorhabens beitragen, sei es durch

Spenden, aktive Mithilfe beim Umbau,

die Bereitschaft, Verantwortung

zu übernehmen, oder durch

die Beteiligung an der Finanzierung

über Genussrechte. Überzeugender

könnten sie ihre Verbundenheit

mit der Region und ihren Traditionen

nicht zum Ausdruck bringen.

Dem Verein wünsche ich einen unfallfreien

Projektverlauf, Ausdauer

und viel Erfolg bei den noch bevorstehenden

Sanierungsarbeiten.

Möge das Ackerbürgerhaus zu dem

Ort in Bärnau werden, wo man sich

trifft, miteinander alte Traditionen

pflegt und neue Pläne schmiedet.

Edgar Zwerenz

Projektleiter

2


Liebe Unterstützer, Freunde und

Einwohner der Großgemeinde Bärnau,

ein langer Weg liegt seit unserer

Vereinsgründung im Jahr 2017 hinter

uns, und auch das Jahr 2020 hat

es uns allen nicht einfach gemacht.

Dennoch wurden viele Hürden genommen,

und wir halten endlich

die Baugenehmigung in unseren

Händen. Die Finanzierung ist in

trockenen Tüchern, und die Fachplaner

sind bereits an der Arbeit.

Es sind bereits etliche Arbeitsstunden

angefallen, auch wenn wir uns

natürlich aufgrund der aktuellen

Corona-Bedingungen extrem einschränken

müssen.

abbringen lassen.

Wir freuen uns über jeden Helfer,

Besucher oder „Schaulustigen“ auf

unserer Baustelle und stehen natürlich

für alle Fragen zur Verfügung.

Schaut einfach vorbei.

Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung

mit unserer Broschüre – vielleicht

können wir Ihr Interesse an

unserem Verein ja wecken (oder gar

verstärken) und Sie als neues Mitglied

bei uns begrüßen.

Christian Schedl

1. Vorsitzender

Ackerbürgerhaus Bärnau e.V.

Das „Zintlhaus“ am

Bärnauer Marktplatz

Nichtsdestotrotz verfolgen wir weiter

gemeinsam unser Ziel, uns und

euch allen einen Treffpunkt für Jung

und Alt zu gestalten. Wir wollen zusammen

Bier brauen (und natürlich

verkosten), uns im Heimatmuseum

an zahlreichen Fundstücken und

Reliquien aus der Bärnauer Vergangenheit

erfreuen, geschäftiges

Treiben im Co-Working-Space bewundern

und den kulturellen Darbietungen

auf unserer Kleinkunstbühne

beiwohnen.

Wir wollen eine Bereicherung für

die Gemeinde Bärnau und darüber

hinaus schaffen und wissen: bis dahin

ist es noch ein weiter Weg, von

dem wir uns aber sicher nicht mehr

Ackerbürgerhaus Bärnau - Grußwort

3


Nachgeburtsbestattung,

Ausstellung am Wissenschaftstag

in Weiden

Chronologie

eines außergewöhnlichen

Bürgerprojektes

Vereinsgründung & Konzeptentwicklung

Auch wenn die Idee, das

„Zintlhaus“ mit neuem Leben zu erfüllen,

schon etwas früher entstand,

so war die Gründung des Ackerbürgerhaus

Bärnau e.V. am 28. Mai

2017 der formale Beginn des Vorhabens.

Eine Gruppe von jungen

und jung gebliebenen „Machern“

mit Projekterfahrung aus dem Gemeindebereich

fand sich in diesem

Verein zusammen, um das ambitionierte

Unternehmen in Angriff zu

nehmen.

Die Herausforderung bestand zunächst

darin, ein schlüssiges Konzept

für eine kostendeckende spätere

Nutzung zu entwickeln und

einen Weg zur Finanzierung der

notwendigen Instandsetzung des

Hauses zu finden.

Das Nutzungskonzept, mit dem

sich der Verein dann noch im Gründungsjahr

um eine Förderung von

Konzeptentwicklung und Einrichtung

beim Bundesministerium für

Landwirtschaft und Ernährung bewarb,

war völlig neuartig – eine

Kombination von traditionellen und

innovativen Elementen: ein Mitmachhaus

mit einer Brauerei und

Gaststube im Erdgeschoß, einem

musealen Bereich und Kreativräumen

im Obergeschoss und dem

Kulturhof im Dachgeschoss. Mit

dem eingereichten Konzept des

Mitmachhauses überzeugte der

Verein und erhielt den Zuschlag für

die Förderung.

Anregungen für eine denkmalgerechte

Sanierung des Hauses holten

sich die „Ackerbürger“ im Januar

2018 bei der Besichtigung des

„Taubnschusterhauses“ in Eschenbach,

bei dem ebenfalls von einem

Verein die Restaurierung angestoßen

wurde und das Haus in Eigenregie

betrieben wird.

Ankauf und öffentliche Präsentation

des Hauses

Unmittelbar nach der Genehmigung

der Förderung für Konzeptentwicklung

und Innenausstattung

erwarb der Verein am 28.02.2018

das Gebäude, in dem dessen Vertreter

dann am 13. April bereits als

Eigentümer den Förderbescheid

des Bundesministeriums im Beisein

zahlreicher Behördenvertreter und

Politiker entgegennehmen konnten

– bei Weißwürsten und Brezen in

der kurzfristig mit Bierbänken möblierten

späteren „Kretschn“.

In den folgenden Wochen entrümpelten

die Vereinsmitglieder mit

vereinten Kräften das Haus und

den südlichen Außenbereich. Inzwischen

lag auch die Anerkennung

der Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt

vor.

Das Festwochenende am 8. und

9. September 2018 anlässlich des

675-jährigen Jubiläums der Stadterhebung

nutzte der Verein zu

einem Tag der offenen Tür. Dafür

wurde eine Fotodokumentation aus

Beständen des Stadtarchivs zusammengestellt

und ein Informationsblatt

mit der Beschreibung des Vorhabens

aufgelegt. Bei Ausschank

von Zoigl und Livemusik im Außenbereich

hatte die Öffentlichkeit Gelegenheit,

das „Ackerbürgerhaus

auch von innen kennenzulernen.

Unter dem Motto „Ein Streifzug

durch die Geschichte der Stadt ins

Ackerbürgerhaus“ folgten noch im

Herbst historische Führungen. Dabei

bot der Verein den Besuchern

einen Einblick in eines der ältesten

Häuser der Stadt. Imposant für die

Besucher war vor allem die Führung

durch den dreistöckigen Keller. Der

zu diesem Zeitpunkt als ältester Teil

des Anwesens geltende Bereich

führt über ein Tonnengewölbe in

zwei weitere in den Fels gehauene

Ebenen und erreicht eine Gesamttiefe

von 7 Metern.

Im Vorgriff auf die spätere Nutzung

wurden in dieser Zeit auch

die Wortmarken „Kretschn“ und

„Kretschnbräu“ angemeldet. Der

Begriff Kretschn findet sich in der

Urkunde Karls IV. zur Verleihung

des Rechts der Meile Wegs und

bezeichnet Schänken, die danach

innerhalb der Bannmeile nur Bier

aus Bärnau ausschenken durften.

(s. S. 10)

Über die praktischen Erfahrungen

beim Brauen mit einer Kleinbrauanlage

konnten sich einige Mitglieder

des Vereins im Dezember 2018

beim Besuch einer Gaststättenbrauerei

in Kronach mit dem dortigen

Braumeister austauschen.

4


Machbarkeitsstudie – Grundlage

für die Sanierung

Zunächst aber stand der Umbau

des Hauses im Vordergrund. Für die

Instandsetzung des Gebäudes kam

von vornherein nur eine Sanierung

im Rahmen der Städtebauförderung

in Frage. Durch die „Förderoffensive

Nordostbayern“ war ein

Fördersatz von bis zu 90% erreichbar.

Voraussetzung für die Aufnahme

in das Förderprogramm war die

Durchführung einer Machbarkeitsstudie.

Diese wurde durch die Stadt

Bärnau, ebenfalls im Rahmen der

Städtebauförderung unter finanzieller

Beteiligung des Bayerischen

Landesamts für Denkmalpflege, am

20. September 2018 in Auftrag gegeben.

Zum Auftragsumfang gehörten

eine Bewertung der Statik,

die Erstellung des Aufmaßes sowie

Bauforschungs- und Befunduntersuchungsmaßnahmen.

Ein erster

vorläufiger Planentwurf wurde am

07.12. bei einem Ortstermin mit

dem Bayerischen Landesamt für

Denkmalpflege besprochen.

Einen Teil der für die Machbarkeitsstudie

erforderlichen Arbeiten

konnte der Verein durch Eigenleistung

seiner Mitglieder erbringen.

Bei mehreren Feierabend- und Wochenendeinsätzen

zwischen Januar

und August 2019 wurden Fundamente

freigelegt, Trennwände ausgebaut

und ein zugemauerter, mit

Schutt gefüllter toter Raum geöffnet,

der sich als frühere Rußkuchl

erwies.

Die Arbeiten wurden begleitend

unterstützt durch die Archäologin

Viviane Diederich, in deren Dissertation

an der Universität Bamberg

das Ackerbürgerhaus einen thematischen

Schwerpunkt darstellt. Ein

früher Fund bei der Fundamentfreilegung

konnte dadurch

fachkundig dokumentiert,

geborgen und als wahrscheinliche

Nachgeburtsbestattung

eingeordnet

werden.

Der mit einem Teller abgedeckte

Keramikkrug diente

später als Exponat Wissenschaftstag

in Weiden, an dem der Ackerbürgerverein

im Kreis der Heimatunternehmer

teilnahm.

Bierbraukurs bei Chodovar

Im März 2019 folgten Vertreter des

Vereins einer Einladung der in Bärnau

durch das jährliche Bierfassrollen

bekannten Brauerei Chodovar

zu einem Bierseminar, um sich mit

Theorie und Praxis des Bierbrauens

vertraut zu machen. Bei einer Führung

im Rahmenprogramm erläuterte

Ji i Plevka, ein Mitglied der Inhaberfamilie,

das nach überlieferter

böhmischer Tradition angewandte

Brauverfahren.

Die bei der Konzipierung der eigenen

Brauanlage gewonnenen Erkenntnisse

über den Raumbedarf

für Begleit- und Folgeprozesse, die

mit dem Brauvorgang verbunden

sind, führten schnell zu der Feststellung,

dass der im vorläufigen Plan

neben der Haustechnik verbleibende

Platz dafür nicht ausreichte. Um

zusätzlichen Raum zu gewinnen,

erwarb der Verein eine Garage auf

dem Nachbargrundstück im Tausch

gegen ein außerhalb des Stadtkerns

gekauftes Grundstück.

Im Mai war das Zintlhaus Schauplatz

eines Schülerprojekts anlässlich des

Europäischen Kulturerbe-Jahres.

Das Thema, das gemeinsam von

32 Schülern des Gymnasiums Tachov

und der Realschule Neunburg

vorm Wald mit ihren Lehrkräften

bearbeitet wurde, war die baukulturelle

Spurensuche im Ackerbürgerhaus

an der Goldenen Straße.

Das erarbeitete Ergebnis wurde im

Anschluss an die Veranstaltung vor

dem Haus ausgestellt.

Freigelegte frühere Rußkuchl

Bei mehreren Feierabend- & Wochenendeinsätzen

wurden Fundamente freigelegt, Trennwände

ausgebaut und ein zugemauerter, mit Schutt

gefüllter toter Raum geöffnet.

Ackerbürgerhaus Bärnau - Was bisher war

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meinschaft mit dem Ackerbürgerhaus

Bärnau e.V. ein.

Aus dem Kreis der Mitglieder bildete

sich inzwischen eine Gruppe

angehender Bierbrauer. Mit einer

80-Liter-Brauanlage, die ein regionaler

Hersteller dem Verein für

Übungszwecke zur Verfügung gestellt

hatte, machten sie ihre ersten

Brauversuche – zunächst noch mit

Unterstützung des Herstellers.

Im Ackerbürgerhaus begann derweil

die erste Lehrgrabung, eine

Veranstaltung der Universität Bamberg

unter der Leitung der „Hausarchäologin“

Viviane Diederich. Die

Grabungen konzentrierten sich auf

den Raum über dem Kellerabgang

und das spätere Sudhaus.

Relikte aus dem Zwischenboden

im Dachgeschoss

Ackerbürgerhaus Bärnau - Was bisher war

Bauantrag eingereicht

Der bei der Stadt Bärnau inzwischen

eingereichte Bauantrag zur

Sanierung des Gebäudes wurde

vom Stadtrat in seiner Sitzung vom

11. Juli 2019 einstimmig angenommen.

Nachdem die Beseitigung

des langjährigen Leerstands vor

allem auch im Interesse der Stadt

lag, nutzte der Verein die Gelegenheit,

das Projekt in der Sitzung vorzustellen.

Eine Woche später fand ein Termin

bei der Regierung der Oberpfalz

statt, bei dem die Rahmenbedingungen

der Förderung erörtert wurden.

Die vereinsseitig geplante Bereitstellung

von Eigenmitteln über

die Emission von Genussrechten

ohne unverhältnismäßig hohen Verwaltungsaufwand

war auf € 100.000

limitiert. Da dieser Betrag und die

anrechenbaren Eigenleistungen

nicht ausreichten, um den erforderlichen

Eigenkapitalanteil an den

veranschlagten Gesamtkosten von

€ 1.929.592 darzustellen, schlug

Bürgermeister Alfred Stier vor, das

Projekt in einer Bauherrengemeinschaft

zusammen mit der Stadt Bärnau

Kommunal GmbH umzusetzen.

Auch wenn sich der vom Verein aufzubringende

Eigenmittelanteil dadurch

halbierte, so wurde bei dem

Termin auch deutlich, dass dieser

Betrag bereits zum Zeitpunkt der

Antragstellung, also noch vor Jahresende,

nachzuweisen war.

Einstieg der Stadt Bärnau Kommunal

GmbH

Zuvor war allerdings noch eine

wichtige Hürde zu nehmen: Die Zustimmung

des Stadtrats zu der Beteiligung

der stadteigenen GmbH

an dem Projekt. In einer Sondersitzung

am 1. August 2019 beriet der

Stadtrat über den Einstieg beim

Ackerbürgerhausvorhaben. Der Beschluss

kam mit einer nur knappen

Mehrheit von einer Stimme zustande.

Durch den käuflichen Erwerb von

50% der Immobilie trat die Stadt

Bärnau Kommunal GmbH dann

am 09. August in die Bauherrenge-

Die Homepage des Vereins, auf

deren medialer Grundlage die

unter großem Zeitdruck vorbereitete

Emission von Genussrechten

unterstützt werden sollte, ging inzwischen

online.

www.ackerbuergerhaus-baernau.de

Unter dem Putz verborgener Rundbogen, um 1900

durch eine Trennmauer mit Tür verschlossen

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Genussrechtefinanzierung – der

Schlüssel für den Erfolg des Bürgerprojekts

Am 6. September fand dann im

Gasthof Zur Post die Informationsveranstaltung

zum gleichzeitigen

Start der Genussrechte-Emission

statt. Petra Wähning, die an der

Vorbereitung maßgeblich beteiligt

war und die Vorlagen für die erforderlichen

Dokumente geliefert

hatte, war persönlich anwesend,

um Fragen der Teilnehmer zu beantworten.

Die ersten Genussrechte

wurden bereits am Informationsabend

gezeichnet.

Das Fest der Heimatunternehmer

am 15. September am Mitterhof

nutzte der Verein dann als Gelegenheit,

für seine Genussrechte

zu werben. Als Attraktion neben

Kostproben selbst gebrauten Biers

wagte Volker Richter als erfahrener

Brauer mit einigen Helfern das Experiment,

mit der transportablen

Leihanlage unter freiem Himmel

Bier zu brauen. Trotz der eher widrigen

Produktionsbedingungen war

das Ergebnis nach fünfwöchiger

Reifung respektabel, was die Besucher

am Tag der offenen Tür im

„Schwarzen Bären“ bei der Verkostung

bestätigen konnten.

Nachdem es innerhalb von 2 Monaten

gelungen war, das nachzuweisende

Kapital über den Verkauf

von Genussrechten aufzubringen,

wurde am 09. Dezember 2019 der

Förderantrag bei der Regierung der

Oberpfalz gestellt.

gen erhoffte, musste am 12. März,

zwei Tage nach Beginn der Veranstaltung,

aufgrund einer Verfügung

des Wissenschaftsministeriums abgebrochen

werden.

Ungeachtet dessen erfolgte im Mai

die Ausschreibung der Architektenund

Fachplanungsleistungen sowie

im Anschluss daran die entsprechende

Auftragsvergabe. In ersten

Besprechungen mit den Fachplanern

wurden die im Wesentlichen

von den Erfordernissen der Brauerei

beeinflussten Grundzüge der

Haustechnik festgelegt. Dazu fand

auch ein Vororttermin mit einem

Brauanlagenhersteller statt.

Auch die im Interesse der Denkmalpflege

erforderliche fachliche Baubegleitung

musste neu vergeben

werden. Im Auftragsumfang waren

dabei auch Befunduntersuchungen

enthalten, die in der Machbarkeitsstudie

nicht abgeschlossen wurden.

Eine in diesem Zusammenhang beauftragte

Putzanalyse ergab eine

erhebliche Belastung mit Salzen,

wodurch der vorhandene Putz zum

größten Teil nicht erhalten werden

kann. Hinzu kommt, dass die erforderliche

Entsalzung des Mauerwerks

mit zusätzlichem Zeitaufwand

verbunden ist.

Die archäologischen Untersuchungen

konnten nach einer Lockerung

der Kontaktbeschränkungen im

Herbst 2020 wieder aufgenommen

werden, wenn auch unter weiterhin

erschwerten Bedingungen. Viviane

Diederich durfte nur allein oder mit

einem Assistenten arbeiten. Unterstützung

kam im Oktober von der

Universität Pilsen. Zusammen mit

den erfahrenen Archäologen aus

Tschechien gelang dabei ein sensationeller

Fund: ein Grubenhaus, das

aufgrund der vorgefundenen Keramikscherben

auf das Ende des 13.

Jahrhundert datiert werden konnte.

Endlich Baugenehmigung erteilt –

der Bau beginnt

Die im September bereits mündlich

avisierte Baugenehmigung traf

am 13. November 2020 bei der

Stadt Bärnau ein. Damit konnten

die Vorbereitungen, die einen wesentlichen

Teil der Eigenleistungen

des Vereins ausmachen, beginnen.

Leider musste dies unter den

seit November wieder verschärften

Kontaktbeschränkungen geschehen.

Im Dachgeschoss wurde

die Zwischendecke ausgebaut, im

Dach- und Obergeschoss die Dielenbretter

entfernt und – soweit zur

Beurteilung der Deckenkonstruktion

erforderlich - die Zwischenböden

geräumt. Nachdem in der Putzanalyse

weder Schwermetalle noch

sonstige toxische Stoffe nachweisbar

waren, konnten auch die belasteten

Wandputze abgeschlagen

werden. Ehrenamtliche aus je zwei

Haushalten wechselten sich in der

Zeit zwischen den Jahren ab.

Freigelegtes Gewölbe

des Hausgangs

Zuwendungsbescheid – der

wichtigste Schritt zur Sanierung

Ein grundlegender Meilenstein

bei der Umsetzung der Projektidee

war der Erlass des Zuwendungsbescheides

der Regierung

der Oberpfalz, der am 07.

Februar 2020 bei der Stadt Bärnau

einging. Damit wurde das

mehr als zwei Jahre dauernde

Bemühen der Verantwortlichen

für das Pilotprojekt mit Erfolg

gekrönt.

Der dadurch ausgelöste Motivationsschub

stand dann leider

schon unter dem Einfluss der

Corona-Pandemie. Eine zweite

Lehrgrabung der Universität

Bamberg, von der man sich

einen zügigen Abschluss der

archäologischen Untersuchun-

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Geschichte der

Stadt Bärnau

Situationsplan nach dem Stadtbrand

von 1839

Verlauf der Goldenen Straße

durch Bärnau

Von der Frühzeit bis zum Ende

des 14. Jahrhunderts

Vermutlich war die Gegend um Bärnau

schon vor dem Jahr 1000 besiedelt.

Regionale Machtstrukturen

entwickelten sich in späterer Zeit

mit dem Einzugsbereich des Klosters

Waldsassen im Norden sowie

des östlich gelegenen Ortes Tachau

(Böhmen).

Im Jahr 1296 wurde Bärnau („Bernauwe“,

bis zum 19. Jahrhundert

dann auch „Bernau“) erstmals urkundlich

erwähnt. Anlass war die

Verpfändung an das Kloster Waldsassen

durch König Adolf von Nassau.

Nur wenige Jahre später, 1313,

erfolgte schließlich der Verkauf des

Ortes an Waldsassen.

Am 3. September 1343 gestattete

Kaiser Ludwig der Bayer dem Abt

und dem Konvent, „[…] daß si ir

dorff Bernaw zu einer stadt auffvahen,

und das mit graben, mauern,

und mit allen anderen sachen als

ein stadt durch recht, bauen, vesten

und bewaren sullen […]“. Die

Urkunde ist heute noch in mehreren

Abschriften überliefert, das Original

leider verloren. Im Fall Bärnaus

erfolgte die Ernennung also vom

Dorf direkt zur Stadt, ohne dass der

Ort dazwischen erst Markt wurde.

Wie es oftmals üblich war, übernahm

die neue Stadt ein bereits bestehendes

Stadtrecht, hier zunächst

das von Eger, welches wiederum

jenes von Nürnberg als Vorbild hatte.

Nun durften die Bärnauer außerdem

eine Stadtmauer errichten und

selbst einen Markt abhalten. Ihre

Kernstadt selbst lag auf einer nach

Westen leicht abfallenden Anhöhe

und hatte die planmäßig angelegte

Form eines Ovals. Die in der Folgezeit

umgebenden schützenden

Mauern wurden von zwei Toren

im Südwesten („Unteres Tor“) und

Südosten („Oberes Tor“) durchschnitten.

Karl IV., erst Gegenkönig zu Ludwig

dem Bayern und wenig später dessen

Nachfolge sowie ab 1355 römisch-deutscher

Kaiser, unterstellte

die Stadt Bärnau seinem besonderen

Schutz und bestätigte ihre

Rechte und Vergünstigungen, diesmal

nach dem Vorbild Tachaus. Im

Lauf der Zeit sollten diese Rechte

mehrmals bestätigt, erweitert und

Kaiser Karl IV. (1346-78) PP

modifiziert werden.

Auch übergab er den Bärnauern

wichtige Privilegien, durch welche

die Stadt über lange Zeit gestärkt

wurde und in ihre Blütezeit eintrat.

Ganze 52-mal passierte Karl IV. den

Ort, da Bärnau auf seinem Weg

nach Nürnberg die erste Zwischenstation

in Neuböhmen darstellte.

Ein Blick in den Stadtgrundriss lässt

erkennen, dass die Goldene Straße

auch direkt an der Parzelle des Zintlhauses

vorbeiführte (blauer Kreis).

Neueste archäologische Funde

im Keller deuten darauf hin, dass

schon ab dem Ende des 13. Jahrhunderts,

also zur Zeit der Stadtgründung,

hier ein Haus bestanden

hat.

An Lichtmess im Jahr 1353 gestand

Karl IV. der Stadt außerdem ein besonderes

Recht zu, das im Lauf der

Zeit besondere Bedeutung erlangen

sollte: das so genannte „Recht

der Meile Wegs“ (s. ausführlich S.

10). Vom Ende des Jahres 1354

datiert das bislang älteste noch

erhaltene Dokument, in dem die

Existenz eines Bürgermeisters und

eines Stadtrats belegt sind. In diesem

ist auch das zugehörige Stadtsiegel

erwähnt, welches sich im

Original nicht erhalten hat, jedoch -

wie oftmals der Fall - von Urkunden

aus späterer Zeit bekannt ist.

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1404 wurde Bärnau nach großen

Zerstörungen von den Wittelsbachern

übernommen. Die Schäden

im Ort waren von so großem Ausmaß,

dass König Rupprecht 1505

eine zehnjährige Steuerfreiheit

erließ, um den Wiederaufbau zu

fördern. Bärnau wechselte nun in

politischer Hinsicht von Böhmen zur

Kurpfalz. Zwar büßten die Bärnauer

dadurch Reichsprivilegien ein, erhielten

jedoch einen kurpfälzischen

Pflegamtssitz. Von dieser Zeit an

galt das Stadtrecht nach Amberger

Vorbild, ab 1414 schließlich nach

dem von Sulzbach.

Ansicht des ehemaligen Pflegschlosses

Der Reformator Jan Hus gelangte

auf dem Weg von Krakowetz nach

Konstanz zum Konzil ebenfalls nach

Bärnau. Er berichtete nach seinem

Besuch am 15.10.1414 schriftlich

von seinem Kontakt mit dem hiesigen

Pfarrer, der ihn bereits außerhalb

der Stadt in Empfang nahm:

„und wie ich die Stube betrat, da

gab er mir sofort einen großen

Humpen Wein zu trinken, und er

nahm […] die gesamte Lehre sehr

freundlich auf und erklärte, stets

mein Freund zu sein.“ Dass das Erscheinen

Jan Hus` in Konstanz letztlich

kein gutes Ende für ihn nahm,

ist bekannt; in die Auseinandersetzungen

der folgenden Hussitenkriege

wurde auch Bärnau mit hineingezogen.

Stadtbränden nicht verschont. Vom

16. bis ins 19. Jahrhundert suchten

insgesamt sieben Brände die Stadt

heim, ausgelöst durch unterschiedliche

Ursachen. Am gravierendsten

wüteten die beiden Brände von

1800 und 1839 – letzterer bedingt

durch Brandstiftung - bei denen jeweils

große Teile des Ortes zerstört

wurden.

Der große Brand von 1839

Am 21. September 1839 ereignete

sich in Bärnau ein großer Stadtbrand,

der sich auf 161 Haupt- und

124 Nebengebäude ausbreitete.

Auch die Pfarrkirche und das zugehörige

Pfarrhaus, Schule, Rat- und

Brauhaus fielen ihm zum Opfer, sodass

schließlich eine großflächige

Neubebauung nötig war. Bei der

erneuten Anlage ihres Ortes orientierten

sich die Bärnauer Bürger

überwiegend an der Topographie,

wie sie vor dem Brand bestanden

hatte. Noch einmal brannte es in

der Stadt, nämlich 1869. Drei Jahre

später wurde die katholische Pfarrkirche

St. Nikolaus wiedererrichtet,

1898 entstand der historistische

Rathausbau. So lagen nun an beiden

Enden des Marktplatzes die

Fixpunkte der geistlichen und der

kommunalen Ordnung. Ab dem 19.

Jahrhundert entwickelten sich östlich

und westlich des alten Stadtkerns

neue Vorstädte. 1903 wurde

Bärnau schließlich an das Eisenbahnnetz

angeschlossen.

Durch seine lange Geschichte war

auch das Zintlhaus gewissermaßen

Zeuge der bewegten Vergangenheit

Bärnaus. Unter Einbeziehung

der oben genannten älteren Hausteile

war das Gebäude, wie es sich

heute noch zeigt, vermutlich bereits

um 1720/40 erbaut worden

und überstand den großen Brand

von 1839 relativ gut. Die baulichen

Eigenheiten und Details des Ackerbürgerhauses

geben einen Einblick

in die lange Geschichte des Ackerbürgerhauses

und spiegeln so auch

einen Teil der Bärnauer Stadtgeschichte

im Lauf der Jahrhunderte

wider.

Der Marktplatz in früherer Zeit

Zwischenzeitlich wurde Bärnau

böhmisches Lehen, kam aber 1631

an die Oberpfalz zurück, ehe es

1634 mitten in den Wirren des

Dreißigjährigen Krieges von den

Schweden eingenommen wurde.

Überreste der so genannten „Tillyschanze“,

einer um 1621 angelegten

quadratischen Befestigung, liegen

heute noch östlich des Ortes.

Wie zahlreiche andere Orte im

Landkreis blieb auch Bärnau von

den früher leider allzu häufigen

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Ackerbürger

& ihre Häuser

„Zintlhaus“ – Ansicht Fassade

am Marktplatz

Das „Sauserbecken-“ oder „Zintlhaus“

ist - trotz seines langen Leerstands

- ein gut erhaltenes Beispiel

für die Bärnauer Ackerbürgerhäuser,

die sich in größerer Zahl im

alten Ortskern befinden und der

Stadt zusammen mit den daneben

vorherrschenden Handwerkerhäusern

bis heute ihr Gepräge geben.

Allgemein versteht man unter

„Ackerbürgern“ innerhalb einer

Stadt ansässige Bauern mit Bürgerrecht,

deren Haupteinnahmequelle

in der Regel die Landwirtschaft bildete.

Das Bürgerrecht musste beim

Magistrat der Stadt erworben werden

und war mit bestimmten Auflagen

verbunden. Die Ackerbürger

durften städtische Ämter übernehmen

und organisierten sich oftmals

auch in Zünften.

Nur den Bürgern war es auch in

Bärnau vorbehalten, ein Handwerk

oder Gewerbe auszuüben. Im Lauf

der Zeit gewannen sie hier unterschiedliche

genossenschaftliche

Rechte, im Einzelnen das Brau- und

Jagdrecht, das Holz-, Fisch- und

Wasserrecht sowie das Pflanzfleckrecht.

Die Häuser dieser bürgerlichen

Sondergruppe waren ihren Bedürfnissen

angepasst. So besaßen sie in

der Regel eine Ein- bzw. Durchfahrt,

die breit genug war, um mit landwirtschaftlichem

Gefährt hindurchzufahren.

Sie vermittelte von der

Straße zum hinter dem Haus liegenden

Hof sowie zu den Stallungen,

in denen die Bärnauer Bürger

sich Ziegen, Kühe oder Geflügel für

die Selbstversorgung hielten. An

diese Nutzgebäude konnten sich,

wie im Ort häufig, auf langgezogenen

Parzellen Obstgärten anschließen.

Diese Merkmale sind zwar typische

Kennzeichen von Ackerbürgerhäusern,

doch besitzen jene kein verbindliches

architektonisches Schema.

Das bedeutet, je nach Art der

Nutzung, den finanziellen Möglichkeiten

und der Grundstücksgröße

konnten die Anwesen in ihrem Erscheinungsbild

auch voneinander

abweichen.

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Ackerbürgerhaus Bärnau - Das Ackerbürgerhaus und seine Besitzer

Das Ackerbürgerhaus

und seine Besitzer

In der von Adalbert Busl verfassten

Chronik „Stadt und Land – Geschichte

bis zum Ende des Alten

Reichs“ sind die früheren Besitzer

unseres Ackerbürgerhauses bis zurück

in das Jahr 1661 aufgeführt.

Das Sauserbeckenhaus, wie es damals

hieß, ist im Urkataster 1842

unter der Hausnummer 17 verzeichnet

und mit dieser Nummer auch

im Stadtplan aus jener Zeit zu finden.

Auf dieser Grundlage konnte

der Verfasser die Hausbesitzer aus

überlieferten Unterlagen bis in das

Jahr 1842 zuordnen.

Als erster namentlich bekannter

Hausbesitzer wird danach Thoma

Fischer in einem Dokument aus

1661 nachgewiesen.

1756 ist der Geigenmacher Ignatius

Berr im Besitz des Hauses. Vom

Geigenbau allein konnte er nicht

leben und war deshalb darauf angewiesen,

auch Ackerbau zu betreiben.

Ignatius Berr war also ein

für das damalige Bärnau typischer

Ackerbürger. Als er 1770, wie in

der Chronik beschrieben, weder

Getreide noch Kartoffeln angebaut

hatte und seine Familie nicht mehr

ernähren konnte, gehörte ihm das

Sauserbeckenhaus nicht mehr.

Vermutlicher Nachfolger war Sebastian

Zanner, 1762 als Hausbesitzer

überliefert.

Bereits 2 Jahre später, 1764 befindet

sich das Haus im Besitz von

Georg Adam Michl. Mit ihm – 1791

als Handelsmann bezeichnet – zieht

eine Familie ein, die das Haus über

mehrere Generationen bewirtschaftet.

Am 18.08.1775 erwirbt Andreas

Michl das Haus von seiner Mutter

Katharina. 1842 wird der Handelsmann

Lorenz Michl, Enkel von Georg

Adam Michl, als Eigentümer

ausgewiesen. Zu seinem Besitz

zählte auch eine Flusshütte mit Kalzinierofen.

Dies lässt darauf schließen,

dass Lorenz Michl, und vor

ihm wohl auch schon sein Vater und

Großvater, mit Pottasche handelte

und diese auch selbst herstellte.

Im 18. Jahrhundert war die Flusssiederei

in der Gegend um Bärnau

weit verbreitet. Darunter versteht

man die Herstellung von Pottasche

(Kaliumcarbonat), die als Flussmittel

in der Glasherstellung verwendet

wurde. Sie wurde aus Holzasche

ausgewaschen und anschließend

als weißes Pulver durch Eindampfen

gewonnen. Durch Pottasche

konnte die Schmelztemperatur von

Glas gesenkt werden. Sie war daher

ein wichtiges Handelsgut.

Aufgrund einer Verordnung des

Kurfürsten Karl Theodor vom 30.

März 1784 wurde die Pottaschensiederei

zwar verboten, weil sie

wegen ihres immensen Holzverbrauchs

zu einem Holzmangel in

Bayern geführt hatte. Aber bereits

wenige Jahre später schien dieses

Verbot gelockert worden zu sein,

denn „Andrä Michl“ erhielt 1793

die Erlaubnis, eine Pottaschenhütte

zu betreiben.

Der urkundlich überlieferte Kalzinierofen

im Besitz von Lorenz Michl

ist ein Hinweis darauf, dass die

Michls auch Kalk brannten. Ein Relikt

im Keller des Hauses weist noch

heute darauf hin: ein Fass mit Kalkresten.

Die Familie Michl bewohnte das

Sauserbeckenhaus in einer Zeit, in

der Bärnau von drei Stadtbränden,

zuletzt am 21. September 1839,

heimgesucht wurde. Im „Situations-Plan“

der abgebrannten Stadt

ist ihr Haus als „Total versichert“

gekennzeichnet. Vermutlich ist es

bei allen drei Bränden zu Schaden

gekommen.

Mit Julius Michl, zuletzt als Eigentümer

am 14.07.1846 genannt, endet

die Linie der Michls im Sauserbeckenhaus.

Über die Sparkasse Weiden

geht das Anwesen an Johann

Wagner, in dessen Besitz es sich am

06.10.1857 befindet.

Beantragung der Bürgerrechte

durch Michael Zintl

14


Am 09.05.1867 wird erstmals der

Name Zintl in Verbindung mit dem

Haus genannt. Besitzer sind Vinzenz

und Anna Zintl. Die in Pfaffenreuth

geborene Anna ist dann auch 1875

als verwitwete Zintl, 1877 neu vermählt

mit Michael Schmeidl, einem

Metzger aus Waldkirch, und zuletzt

1893 wiederum als dessen Witwe

im Besitz des Hauses. Sie verkaufte

das Anwesen schließlich an die

Bauerstochter Katharina Bauer aus

Dippersreuth, eingetragene Besitzerin

am 20. November 1894.

Katharina Bauer heiratete den

Metzgermeister Michael Zintl, der

schon im Besitz des nahe gelegenen

Hauses Nr. 14 war. Im Alter von

29 Jahren erwarb er am 25. Januar

1894 zusätzlich zum bereits bestehenden

Heimatrecht auch das

Bürgerrecht der Stadt Bärnau. Michael

und Katharina Zintl werden

am 7. November 1895 als Besitzer

des Hauses genannt. Das Anwesen,

am 4. Dezember 1933 noch

im Besitz der verwitweten Katharina

Zintl, geht später auf Andreas Zintl,

einen ihrer Söhne, und dessen Frau

Anna über. Sie sind am 1. Februar

1934 Eigentümer. Auch Andreas

ist, wie sein Vater schon, Metzger.

Ihr Handwerk führten beide dabei

als Hausschlachter aus. Zur Eigenversorgung

betrieben sie nebenbei

Ackerbau und hielten einige Tiere.

Auch sie waren also typische Ackerbürger.

Erst mit Ludwig und Maria Zintl, den

letzten Besitzern aus der Linie der

Zintls, endete diese ackerbürgerliche

Tradition. Am 1. Januar 1998

verkauften sie das über mehrere

Jahre nur noch vermietete und inzwischen

leerstehende Anwesen an

Andreas und Elsbeth Reichel, die

es am 28.02.2018 an den Ackerbürgerhaus

Bärnau e.V. veräußerten.

Durch den Erwerb der Hälfte der

Immobilie am 09.08.2019 ist die

Stadt Bärnau Kommunal GmbH inzwischen

in eine Bauherrengemeinschaft

mit dem Verein eingetreten,

die das Gebäude gegenwärtig saniert.

Personen von links:

Andreas, Metzger und Ackerbauer

(Besitzer am 01.02.1934)

Katharina, geb. Bauer

(Besitzerin am 20.11.1894)

Karl (später Bäcker in München)

Michael, Metzgermeister und Ackerbauer

(Besitzer mit Katharina am 07.11.1895

und Besitzer HsNr. 14)

Rosa

Josef

(später Besitzer des Wirtshauses – Hausnr. 14)

Michael (später Besitzer Bischof-Senestrey-Haus)

Nicht mit abgebildet:

Johann (als Kind verunglückt)

Familie Michael Zintl um 1907

Ackerbürgerhaus Bärnau - Das Ackerbürgerhaus und seine Besitzer

15


Ackerbürgerhaus Nordansicht,

Marktplatz

Architektur &

Bauausführung

Projektziel

Sanieren bedeutet mehr als... einem

alten Gemäuer „neues“ Lebens

einzuhauchen. Sanieren bedeutet

Vergangenes für die Zukunft

zu bewahren; Leerstände werden

beseitigt, und somit kann die Daseinsvorsorge

für künftige Generationen

dauerhaft und nachhaltig

gesichert werden. Beim Denkmalobjekt

Ackerbürgerhaus“ mit seiner

prädestinierten Lage am mittelalterlichen

Marktplatz erfährt die

Stadt Bärnau eine weitere Aufwertung

in der grenznahen Region.

Die planerische Aufgabe besteht

darin, das beinahe dem Verfall

preisgegebene ehemalige „Zintlhaus“

unter möglichst

behutsamen

Restaurierungs- und

Instandsetzungsmaßnahmen

wieder in ein

Schmuckstück zu verwandeln.

Das zuletzt

als Wohnhaus genutzte und seit

den 1980er Jahren leerstehende

Gebäude soll auch einer neuen

Nutzung zugeführt werden: hierfür

wurde zusammen mit der Bauherrengemeinschaft

ein zukunftsfähiges

Konzept für eine kulturelle

Wiederbelebung entwickelt.

Konzeption – Umbau und

Sanierung

„Sanieren bedeutet mehr als…

…einem alten Gemäuer

neues Leben einzuhauchen“

Die Herausforderung besteht darin,

das neue Nutzungskonzept in die

vorhandene Grundrissstruktur zu

integrieren. Trotz des Stadtbrandes

von 1839 ist der solide Massivbau

mit traufseitigem Satteldach noch

gut erhalten – Putz, Fenster und

Dacheindeckung müssen jedoch

aufgrund des Alters und der aktuellen

technischen und energetischen

Anforderungen erneuert werden.

Auch Sicherungsmaßnahmen im

Bereich der Gründung sind nach

Beurteilung des Statikers notwendig,

die Holzbalkendecken und die

Dachkonstruktion müssen ertüchtigt

werden.

Gebäudehülle:

Das Gebäude soll sich wieder in

das historische Gesamtbild einfügen

(Fotoaufnahmen belegen das

damalige Erscheinungsbild): Putzfassade,

Einfassungen und Gesimse

werden nach den Vorgaben des

Denkmalschutzes saniert. Die gut

erhaltene Dachkonstruktion (Kehlbalkendach)

aus dem 19. Jh. wird

statisch durch Verringerung der

Sparrenabstände ertüchtigt, ohne

das Erscheinungsbild zu verändern.

Die neue Eindeckung des gedämmten

Satteldachs wird in Naturschiefer

(regionaltypische Bogenschnittdeckung)

ausgeführt. Spitzgauben

auf beiden Dachflächen - ebenfalls

mit Schiefer eingedeckt - sorgen für

eine ausreichende Belichtung

und Belüftung

des Dachraums. Die altdeutschen

Kamine – vor

Jahren stillgelegt und

rückgebaut - werden

wieder reaktiviert und

in ein modernes und nachhaltiges

Heizkonzept integriert. Das prägnante

Original-Tor auf der Marktplatzseite

ist noch erhalten und soll

nach seiner Restaurierung wieder

eingebaut werden. Die Fenster auf

der Marktplatz- sowie Innenhofseite

werden als Kreuzstockfenster mit

6er-Teilung rekonstruiert.

16


Gebäudestruktur:

Die bestehende Grundrissstruktur

im EG und OG wird bis auf ein paar

wenige unbedeutende Rückbauten

nicht verändert. Sämtliche Innenbauteile

wie Holztüren, Sichtfenster,

Vitrinen und sonstiges Interieur

werden nach Restaurierung bzw.

Rekonstruktion wieder eingebaut,

um den Urzustand des Leitzeitalters

nach Möglichkeit wiederherzustellen.

Neu sind die geschossweisen Außenzugänge

über einen modernen

Funktionsanbau, der sich im südlich

gelegenen Hinterhof an den Bestand

anfügt. Dieser ist aufgrund

der nach Landesbauordnung geforderten

Barrierefreiheit sowie der

Brandschutzanforderungen (Personenaufzug

und 1. Rettungsweg im

Inneren des Gebäudes aus Platzgründen

nicht möglich) zwingend

notwendig.

OG – Museumsbereich und

Kreativraum

Über die alte Steintreppe vom

Hausgang/Flur gelangt man in die

großzügige Diele des Obergeschosses

mit Blick auf den Innenhof.

Von dort führt eine neue Holztreppe

– gestaltet nach historischer

Vorgabe - ins Dachgeschoss.

Im Obergeschoss befinden sich der

sog. Co-Working-Space mit Teeküche,

der Museumsbereich mit Galerie

(Blick auf die Brauanlage!) und

die neuen Toilettenräume.

DG – „Kulturhof“ und

Kleinkunstbühne

Besonderes Flair bietet der Dachgeschossraum

für alle Kulturbegeisterten

und Liebhaber von Literatur,

Musik und Kunst sowie regionalen

Produkten: durch die Entfernung

der obersten Dielenlage und der

Aufbringung der energetisch notwendigen

Dämmung von außen

entsteht ein freier Blick auf das gut

erhaltene Dachgebälk mit seinem

Gespärre. Der nahe der Bühne situierte

Standgiebel mit verglaster

Außentüre ist gleichzeitig Zugang

und 1. Rettungsweg.

Funktionsbau

Die Lage des nach Bayerischer

Bauordnung geforderten Aufzugs

und der Stahltreppenanlage (1.

Rettungsweg) definieren den neuen

Funktionsanbau. Der Ausgang

über den Standgiebel im DG bei

der Kleinkunstbühne erfolgt über

eine filigrane Stahltreppe mit Steg,

von welchem aus auch der Aufzug

erreichbar ist.

Vom OG gelangt man über einen

kleinen Balkon auf die Dachterrasse

und zum Aufzug. Eine massive

Treppe führt von dort in den Innenhof,

der zugleich als kleiner Biergarten

in der milden Jahreszeit dient.

Im EG befinden sich weitere WC-

Anlagen mit Putzraum sowie der

Technikraum.

Die Außenmauern und nach Möglichkeit

auch der Aufzugsschacht

sollen mit Fassadengrün berankt

werden (z.B. Efeu, Hopfen oder wilder

Wein). Holzstaketen sowie ein

Granitbogen sollen den Innenhofbereich

auflockern.

Gebäudetechnik:

Ein wesentliches Ziel in der Umsetzung

ist die Schaffung eines

möglichst nachhaltigen Energiekonzepts.

Im Vordergrund stehen

neben ökologischen Aspekten bei

der Auswahl von Baustoffen und

des Energieträgers auch möglichst

niedrige Unterhaltskosten für den

Verein.

Die Wahl der Energieerzeugung

fiel daher auf eine Erdwärmepumpe.

Diese besitzt den Vorteil, durch

Bohrungen in die Tiefe nur eine

relativ geringe Fläche in Anspruch

zu nehmen. Für den Dauerbetrieb

erweist sie sich als kostengünstigste

Variante, da sowohl für die

ganzjährige Sockeltemperierung

(kontinuierliche Trockenlegung des

alten Mauerwerks) als auch für die

geplante Wandflächenheizung als

Raumbeheizung nur geringe Vorlauftemperaturen

benötigt werden.

Im neuen Funktionsanbau – in welchem

sich auch der Technikraum

befindet - wird eine Fußbodenheizung

installiert, und für das benötigte

Warmwasser in den Sanitärräumen

ist man mit kleineren

Durchlauferhitzern auskömmlich.

Für das Brauen werden allerdings

Temperaturen bis zu 120° benötigt,

die mit einem zusätzlichen Gasbrenner

erzeugt werden.

Katrin Roider

Architektin

Ackerbürgerhaus Südansicht

Ackerbürgerhaus Bärnau - Architektur & Bauausführung

17


18


19


Archäologie

Archäologische Befunde in den

Räumen des Ackerbürgerhauses

Das sogenannte Zintlhaus in der

Bischof-Senestrey-Straße 2 wird

gegenwärtig für die spätere Verwendung

als „Mitmachhaus“ saniert.

Das Gebäude befindet sich

im historischen Stadtkern und weist

mit seinen drei Kellern Bausubstanz

auf, die dem 14. Jahrhundert, also

der Gründungszeit der Stadt, zugeschrieben

wird. Durch die topographische

Lage des Hauses war bei

den nötigen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen

mit stadtarchäologischen

Befunden zu rechnen.

Daher werden die Bau- und Renovierungsmaßnahmen

im Ackerbürgerhaus

seit 2019 archäologisch

vom Lehrstuhl für Archäologie des

Mittelalters und der Neuzeit der

Universität Bamberg begleitet. Die

archäologische Betrachtung des

Ackerbürgerhauses ist Teil zweier

Forschungsprojekte.

Zum einen wird im Rahmen des

deutsch-tschechischen Forschungsprojektes

„Socioeconomic Spaces

crossing borders: Archäologische

Untersuchungen einer Stadt an

der bayerisch-böhmischen Grenze“,

gefördert durch die Bayerisch-

Tschechische Hochschulagentur

(BTHA), das Leben in der historischen

Grenzregion untersucht. Das

bayerische Teilprojekt konzentriert

sich auf die archäologische und

bauhistorische Analyse der Geschichte

des Ackerbürgerhauses in

Bärnau. Insgesamt geht es in dem

Projekt aber um ein besseres Verständnis

des historischen Wandels

einer Grenzregion während des

Kalten Krieges, als der Eiserne Vorhang

die Menschen voneinander

getrennt hat. In den letzten Jahren

sind viele neue Verbindungen

zwischen Bayern und Böhmen entstanden,

die alte Konflikte zu überwinden

suchen. So verbindet die

Goldene Straße (oder Via Carolina)

die beiden Städte Bärnau und Tachov

nicht nur als weitgefächertes

Hohlwegbündel, sondern auch im

übertragenen Sinne. Zum anderen

ist die Ausgrabung und die Auswertung

der Befunde, insbesondere

die Wissenschaftskommunikation

dieser Arbeitsschritte ein wesentlicher

Aspekt meiner Dissertation.

Der Großteil der Ausgrabung fand

im Rahmen von drei Grabungskampagnen

im August 2019, Juli 2020

und Oktober 2020 statt. Hauptsächlich

als Lehrgrabung in Zusammenarbeit

mit Studierenden der

Universitäten Bamberg und Pilsen

organisiert, wurden wir regelmäßig

und tatkräftig von den ehrenamtlichen

Grabungshelfern des Ackerbürgerhausvereins

unterstützt.

Nach nun zwei Jahren sind die archäologischen

Ausgrabungen im

Haus fast abgeschlossen. Dabei

sind interessante Funde und Befunde

zu Tage getreten, die uns bis

in die Zeit vor der Stadtgründung

Bärnaus durch Ludwig den Bayern

im Jahr 1343 zurückbringen.

Das Ackerbürgerhaus in Bärnau

In dem ehemals von der Stadtmauer

umgebenen Zentrum von Bärnau

sind rund um den rechteckigen

Marktplatz Hausparzellen angelegt,

die zwei Ringe bilden. Die Parzellen

des Inneren Rings sind dabei deutlich

größer gehalten als jene, die

näher an der Stadtmauer lagen.

Durch die Stadt führt eine Straße

von Südwesten hinauf zum Marktplatz

Richtung Nordosten an der

Kirche vorbei und nach Osten wieder

hinaus.

Das sog. Ackerbürgerhaus befindet

sich direkt an dieser Straßenführung

an der Ecke zum Marktplatz.

Das Gebäude ist in leicht abschüssiger

Lage an den Hang gebaut.

Auf dem Stadtplan von 1840 ist zu

erkennen, dass sich das Ackerbürgerhaus

mit der Nr. 17 auf einer

der breiteren Parzellen entlang der

Hauptstraße befindet. Zu dem Haus

gehört ein Hinterhof, der bis an die

heutige Bachgasse heranreicht.

Abb. 1: Lage des Ackerbürgerhauses

markiert im Stadtplan von 1840

(Bayerisches Landesvermessungsamt

München, Nr. 558/03).

20


Zum Begriff des „Ackerbürgers“

Die räumliche Struktur der Stadt

Bärnau ist vergleichbar mit vielen

kleinen Städten, die im Spätmittelalter

in ländlichen Regionen gegründet

wurden. Häufig befanden

sich innerhalb der Stadtmauern

größere Flächen für die Gartenoder

Feldbearbeitung. Aufgrund

der selbstversorgenden Struktur

innerhalb der Stadtmauern werden

diese Städte als Ackerbürgerstädte

bezeichnet. Als Nahtstelle zwischen

einem Bürger- und einem Bauernhaus

sollte das entsprechende

Gebäude die Anforderungen des

städtischen Wohnens und der landwirtschaftlichen

Arbeit, einschließlich

der Viehhaltung, vereinbaren.

Weist ein Haus also eine große

Toreinfahrt, Stallungen sowie Lager-

und Wohnräume, zusammen

mit einer großzügig geplanten Parzelle

auf, kann dieses Gebäude als

Ackerbürgerhaus angesprochen

werden. Jedoch ist auch bei anderen

Handwerkszweigen oder Brauereien

der Bedarf an einer großen

Toreinfahrt vorhanden, sodass dieses

Charakteristikum nicht alleine

einem Ackerbürgerhaus zugesprochen

werden kann.

Um 1840 wurde das zweistöckige

Gebäude traufständig, d. h. mit

der Längsseite zur Straße hin ausgerichtet

erbaut. Es wurde aus

massiven Bruchsteinen gemauert.

Im westlichen Bereich befindet sich

als Zugang ein hölzernes Tor, das

von zwei Granitpfeilern flankiert ist.

Der Torweg führt in den hinteren

Bereich der Parzelle. Während sich

im westlichen Bereich zwei Räume

als Werkstatt und Stallung befanden,

waren die östlichen Räume als

Wohnräume mit Stube und Kamin

konstruiert.

Abb. 2: Blick in den Kellerraum gegen Südwesten.

Im Hintergrund: mittelalterliche Steinmauer. Rechts:

Restbefundblock der Kellerverfüllung

(Foto: V. Diederich).

Dieser Keller (Abb. 2) erstreckt sich

ungefähr über ¾ der Fläche des

Gärtankraums. Allerdings können

die Ausmaße des Kellers nur in seiner

Länge von 2,4 m vollständig

bestimmt werden. Nach Südwesten

hin ist der Keller durch eine Steinmauer

begrenzt. Das nordöstliche

Ende des Kellers haben wir anhand

der Abbruchkante des Felsens

erkannt. Die Breite des Kellers

ist nicht mehr nachvollziehbar. Im

Westen verlaufen die betreffenden

mittelalterlichen Schichten unter

der Fundamentmauer zum Nachbarhaus

weiter. Das bedeutet, dass

die Kellerverfüllung nicht nur über

die räumliche Grenze hinaus geht,

sondern auch über die historische

Grundstücksgrenze von 1840 hinaus.

Nach Osten hin ist der Kellerbefund

durch ein neuzeitliches,

kegelförmiges Schüttfundament

gestört, wodurch sich nur eine Mindestbreite

von 2,1 m für den Kellerraum

feststellen lässt.

Zur Konstruktion des Kellers: Der

Kellerraum ist ca. 1,0 m in den anstehenden

Felsen eingetieft worden.

Die Abbruchkante verläuft

leicht schräg. Die Sohle des Kellers

ist nahezu horizontal angelegt und

leicht abschüssig.

Nach Süden hin war der Kellerraum

durch die Steinmauer eingefasst.

Diese erfüllte vermutlich bereits

im Spätmittelalter (im 13. Jh.) die

Funktion des Fundaments der Südwand

eines (Fachwerk)-Vorgängerbaus.

Die nördliche Kellerwand

bestand hingegen nicht aus Stein,

sondern aus einer Holzkonstruktion.

Schlecht erhaltene, jedoch auf

der gesamten Breite der untersuchten

Quadranten dokumentierte

Holzreste, konnten nachgewiesen

werden. Es könnte sich dabei um

die verbliebenen Reste einer Bohlenwand

auf einem Schwellbalken

handeln.

Für diese Holzreste haben wir im

Winter 2020 eine 14C-Datierung

im Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie

(GmbH) in Mannheim

durchführen lassen. Es konnte somit

nachgewiesen werden, dass der

Befund der Holzwand in einen Zeitraum

zwischen dem späten 12. und

dem späten 13. Jh. einzuordnen ist.

Abb. 3: Reste der nordöstlichen

Kellerwand: die Steinlage hinter

dem Schwellbalken ist noch gut

zu erkennen.

(Foto: V. Diederich).

Ein städtischer Keller aus dem 13.

Jahrhundert im Gärtankraum

Der für die Gärtanks vorgesehene

Raum ist von kleinen Forschungsteams

in drei ein- bis zweiwöchigen

Kampagnen im Jahr 2020 untersucht

worden. Nicht zuletzt durch

die coronabedingt erschwerten Arbeitsbedingungen

war im Oktober

die Freude über den bemerkenswerten

Fund eines spätmittelalterlichen,

städtischen Kellers besonders

groß. Der Keller stammt aus

dem 13. Jh., wodurch er uns bis vor

die Stadtgründung Bärnaus zurückführt.

21


Betreten wurde der Keller im Gärtankraum

von der zur Straße gewandten

Nordseite. Dieser Zugang

war ebenfalls in den anstehenden

Boden eingetieft worden und bestand

wahrscheinlich aus einer

Holzkonstruktion. Dieser werden

zwei Bauhölzer zugeordnet. Zum einen

handelt es sich um einen senkrecht

verlaufenden Pfosten von ca.

10 cm Stärke, welcher jedoch sehr

schlecht erhalten war und nur als

Verfärbung dokumentiert werden

konnte. Das zweite Bauholz ist ein

langes, waagerecht verlaufendes

Holz auf der Sohle des Kellerzugangs.

Es reicht bis unter die nordwestliche

Fundamentmauer zum

Brauereiraum. Die Vermutung liegt

nahe, dass es sich hier um die Reste

einer hölzernen Treppenkonstruktion

handelt.

Wie die Decke des Kellerraums

ausgestattet war, lässt sich anhand

der archäologischen Befunde nicht

nachvollziehen. Denkbar wäre eine

einfache, flache Holzdecke.

Warum der Keller aufgegeben wurde,

ist bislang noch nicht eindeutig

beantwortet. Festzuhalten ist, dass

der Keller über einen kürzeren Zeitraum

mit zwei gut 50 cm umfassenden

Schichten aufgefüllt wurde.

Das Fundmaterial von reduzierend

gebrannten Keramikscherben mit

Kragenrändern und dem Fund einer

Bodenmarke weisen in das späte

13. Jh. (Abb. 4).

Zur Versiegelung des Kellers wurde

zunächst eine Lage Granitstein

gelegt, diese mit einem Sand-

Lehm-Gemisch überzogen und ein

ebener Holzboden darüber gelegt

(Abb. 5), um die Oberfläche begehbar

zu machen. Diesen Holzboden

konnten wir nur noch in schlecht

erhaltenen Holzbrettern sowie als

Verfärbung feststellen. Die Keramik

oberhalb der Steinlage weist nach

jetzigen Abschätzungen in das 15.-

16. Jahrhundert.

1

Ob sich hieraus ein kultureller Austausch

im mittelalterlichen Neuböhmen

ableiten lässt, soll in vergleichenden

Betrachtungen im

Rahmen des Projekts „Socioeconomic-Spaces

crossing borders“ im

Jahr 2021 untersucht werden.

Ein spätmittelalterlicher Holzbau

im Brauereiraum

Im Sommer 2019 fanden im Rahmen

einer Lehrgrabung der Universität

Bamberg archäologische

Untersuchungen im Raum 00.09,

dem künftigen Brauereiraum, statt.

Dabei kam eine ältere Bauphase

zum Vorschein.

In der nördlichen Hälfte des Raums

haben wir zwei parallel verlaufende,

noch rudimentär erhaltene

Holzbalken freigelegt, die von der

Ausrichtung der Fundamentmauern

des Raums abweichen. Beide

Balken weisen eine Länge von ca.

2,7 m auf und haben eine Breite

von gut 20 cm. Sie verlaufen mit einer

Nordost-Südwest-Ausrichtung.

Nach Norden hin reichen sie unter

das Fundament der Nordmauer in

Richtung Straße.

In der südlichen Hälfte des Raums

stießen wir auf eine rasterförmige

Verfärbung, die vermutlich unter

Brandeinwirkung entstand. Auf

dem bräunlich-beigen Unterboden

zeichnet sich die Verfärbung als

dunkelbraune, zum Teil schwärzliche,

an manchen Stellen auch rötliche

Verfärbung ab. Sie verläuft gitterartig,

wobei man eine verstärkte

Tendenz einer Ost-West-Ausrichtung

erkennen kann. Im Süden

waren stellenweise noch verkohlte

Holzreste von schmalen Holzbrettern

vorhanden.

Abb. 4: Keramikscherben des

späten 13. Jh. aus der

Kellerverfüllung

(Foto: V. Diederich/M. Rühle).

Abb. 5: gitterartige Verfärbungen im

Brautankraum weisen auf eine Holzbauphase

des 15./16. Jahrhunderts hin

(Foto: V. Diederich)


Von diesen Holzresten sowie von

den zwei großen Holzbalken wurden

während der Grabung Proben

für eine Radiokarbonanalyse entnommen,

die im Winter 2019 im

Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie

(CEZA) GmbH untersucht

wurden. Die Analyse ergab, dass

diese beprobten Balken ins 14.

Jahrhundert datieren. Die zwei

Holzproben aus den Holzresten der

querverlaufenden Abdrücke datieren

in das 15./16. Jh. Da die Balken

auch in einer zweiten Verwendung

in den Boden eingetieft worden

sein könnten, ordne ich die Befundsituation

nach aktuellem Kenntnisstand

in das 15. Jh. ein. Die Holzkonstruktion

im Ackerbürgerhaus

wurde wahrscheinlich bei einem

der sechs Stadtbrände in Bärnau

zwischen 1534 und 1800 zerstört

und blieb nur noch als Abdruck und

wenige Holzkohlereste erhalten.

Darauf weist die gut 15 cm starke,

sehr kompakte mit Brandlehm,

Mörtel und Holzkohle durchsetze

Schicht hin, die sich auf der ganzen

Fläche des Raums oberhalb der

Holzbefunde finden ließ.

Ein Vergleich zu ähnlichen Befundsituationen

aus Deutschland und

der Schweiz erlaubt zwei verschiedene

Interpretationen:

1. Bei der Struktur der gitterartigen

Verfärbung könnte es sich um den

Abdruck eines spätmittelalterlichen

Fußbodens handeln. Die zwei parallel

verlaufenden Holzbalken aus

dem Brautankraum könnten Reste

von Bauteilen einer Unterkonstruktion

für einen Dielenboden sein.

Für den süddeutschen-schweizerischen

Raum erwähnte J. Schneider

bereits 1986, dass sich in hoch- bis

spätmittelalterlichen Häusern stellenweise

direkt auf dem Erdreich

oder auf einem Balkenlager ruhend

Bohlen oder Riemen als Erdgeschossboden

befanden.

2. Dass das Ackerbürgerhaus im

15. Jh. einen Weg neben dem

Haus entlang als Zugang des hinteren

Bereiches der Parzelle zum

Marktplatz hatte, ist ein denkbares

Szenario. Bekannte Beispiele dafür

gibt es im Lübecker Gründerviertel.

J. Harder beschreibt die mehrfach

beobachteten Holzlagen aus dem

12. und 13. Jh., die als begehbare

Oberflächen, Fußböden oder als

Wege dienten. Die Lübecker Befunde

sind zwar bedeutend älter als

der Befund aus dem Ackerbürgerhaus;

dennoch ist es plausibel, dass

diese bewährte Konstruktionsweise

mit einer Unterkonstruktion und darauf

befestigten schmaleren Querhölzern

auch später noch in Bärnau

angewandt wurde.

Zusammenfassung

Die denkmalwissenschaftliche Untersuchung

ergab, dass das Ackerbürgerhaus

mehrere Bauphasen

aufweist. Anhand der Grabungsbefunde

aus den beiden Räumen der

Brauerei lässt sich erkennen, dass

auf dem heutigen Grundstück des

Ackerbürgerhauses in mittelalterlicher

Zeit zwei Parzellen vorhanden

waren, die nicht der Parzelleneinteilung

des Plans von 1840 entsprechen.

Dies bedeutet, dass die

Befundsituation in den Brauereiräumen

im Mittelalter bis in die Neuzeit

hinein nicht Teil des Gebäudes

war. Stattdessen befand sich an

der Stelle des Gärtankraums im

13. Jahrhundert auf einer schmalen

Parzelle, westlich neben dem kleiner

gefassten Vorgängerbau des

Ackerbürgerhauses, ein zweites

unterkellertes Gebäude. Im Aufgehenden

dürfte es sich hier um einen

Holzbau gehandelt haben - vermutlich

aus Fachwerk, wie wir es aus

anderen mittelalterlichen Städten

bereits kennen.

Zur Straße hin, also auf der Fläche

des Brautankraumes, haben wir keine

Funde oder Befunde aus dieser

Zeit festgestellt. Die zwei parallel

verlaufenden Holzbalken aus dem

Brautankraum weisen jedoch ein

14C-Datum aus dem 14. Jh. auf.

Vielleicht hat hier im 13. Jh. ein Vorbau

zur Straße hin bestanden. Es ist

jedoch auch denkbar, dass die Straße

im Mittelalter breiter war, die

Häuser weiter nach hinten versetzt

waren und die zwei Holzbalken erst

zu einem späteren Zeitpunkt verbaut

wurden.

Schmale Parzellen und die damit

einher gehende enge Bebauung

sind typisch für mittelalterliche

Städte. Mit dem Kellerbefund ist

ein besonderer Nachweis gelungen.

Es handelt sich hier um den

ältesten bekannten Bau der Stadt.

Ferner zeigt sich, dass in Bärnau

bereits städtische Baustrukturen

vorhanden waren, bevor die Stadt

ihre Rechte und Privilegien durch

Ludwig den Bayern und später

durch Karl IV. erhielt.

Für das 15. Jh. haben wir in beiden

Brauereiräumen eine Holzbodenkonstruktion

festgestellt, die vermutlich

in einem Zusammenhang

steht. Diese ist weiterhin an der

schmalen Parzelle orientiert und

verläuft westlich neben dem Ackerbürgerhaus.

Der Erhaltungszustand der Hölzer

lässt vorerst keine eindeutige

Interpretation zu, da keine Bearbeitungsspuren

an den Holzresten erhalten

sind. Sie können sowohl als

Holzfußboden als Teil einer Gebäudestruktur

als auch als Bohlenweg

interpretiert werden. In beiden Fällen

sind weitere Untersuchungen

notwendig.

Im 16./17. Jh. war über dem Brautankaum

ein Gebäude errichtet

worden, in dessen Fußboden ein

heller Krug mit einem Deckel darauf

direkt am Fundament eingegraben

wurde. Bei diesem Krug handelt es

sich wahrscheinlich um einen Nachgeburtstopf.

Wie die Bauphase

des 16./17. Jh. ausgesehen hat, ist

noch im Unklaren.

Spätestens nach dem großen Brand

von 1800 wurde das Ackerbürgerhaus

in seinen heutigen Ausmaßen

auf zwei Parzellen errichtet.

Viviane Diederich M.A.

wissenschaftliche Mitarbeiterin

am Lehrstuhl für Archäologie

des Mittelalters und der Neuzeit

an der Otto-Friedrich-Universität

Bamberg.

Mit einem herzlichen Dank an

Herrn Prof. Dr. Rainer Schreg,

die tschechischen Kollegen Dr.

Michal Preusz und Dr. Petr Netolický,

die Mitglieder des Vereins

Ackerbürgerhaus e.V., die

Stadt Bärnau, den Lkr. Tirschenreuth,

den Bezirk der Oberpfalz

und das ArchaeoCentrum Bayern-Böhmen

für die Unterstützung

der Forschungsprojekte.

Ackerbürgerhaus Bärnau - Archaeologisches

23


Jennifer Lachmann (31), Bärnau

Wolfgang Giehl (59), Bärnau

Schatzmeisterin

Techn. Assistentin Funktionale Sicherheit & technische Dokumentation

TSV Bärnau, Feuerwehr Bärnau, JWG Bärnau

Als ehemalige Weidnerin habe ich den Zoigl in Bärnau nicht

kennengelernt, allerdings habe ich darüber nur Gutes gehört.

Mit dem Ackerbürgerhaus soll für jede/n wieder ein solcher

Treffpunkt entstehen. Es soll nicht nur ein Ort zum Wohlfühlen

mit gutem Essen und Trinken (selbstgebrautes Bier) werden,

sondern auch Platz für weitere Räume wie z. B. den Co-Working-Space

bieten.

„Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen, auf denen wir in

die Höhe steigen.“ - Friedrich Nietzsche

Stellvertretender Vorsitzender

Landwirtschaftsinspektor

Gründungsmitglied „Via Carolina“, Wir im Bärnauer Land,

BWG Bärnau

Als einer sagte „Wenn der Zoigl in Bärnau schließt, dann machen

wir halt selber einen und das Bier brauen wir auch gleich

selbst“ fand ich das eine gute Idee! Warum eigentlich nicht?

Mit dem Ackerbürgerhaus wird die Idee mit der „Kretschn-

Wirtschaft“ und der Brauerei jetzt Wirklichkeit. Besonders

motiviert mich, dass ich mit vielen jung und junggebliebenen

Leuten ein altes, unbewohntes Haus zu einem Treffpunkt für

Jung und Alt machen kann, in dem sich eine Kleinkunstbühne,

ein Co-Working-Space und eine Mitmachbrauerei befinden.

„Das haben wir vorher noch nie versucht, also sind wir uns völlig

sicher, dass wir es schaffen.“ - Pippi Langstrumpf

Marco Donhauser (37), Hasenbühl/Hohenthan

Stellvertretender Vorsitzender

Landwirt

Mitglied im Stadtrat, Feuerwehr, Förderkreise Freibad und

Langlaufzentrum, Eisstock-Freunde, Skiclub, Bunker Naab,

Wasserwacht

Ich bin seit 13 Jahren Mitglied im Stadtrat, und deshalb ist es

mir sehr wichtig, das kulturelle Angebot unserer Gemeinde zu

verbessern.

„Des graing ma scho!“ - Marco Donhauser

Andreas Stier (37), Schwarzenbach

Schriftführer

Abteilungsleiter Verpackungsentwicklung

Bergwandern, Biken, Snowboarden, Zoigln,

Frühschoppenverein

Gemeinsam einen Ort im Zentrum von Bärnau erschaffen, um

die Geselligkeit zu fördern und Abstand vom Alltagsstress zu

gewinnen.

„Einfach mal machen - könnte ja gut werden!“ - Unbekannt

Ackerbürgerhaus Bärnau - Vorstellung Vorstandschaft

25


Fenster in der Nordfassade

(Marktplatz)

Das Ackerbürgerhaus

Das Ackerbürgerhaus – ein Heimatunternehmen

Die Initiative „HeimatUnternehmen“

- Heimatunternehmer schaffen

Heimatwerte

Menschen, die sich in ihrer Region

engagieren, die mit ihrem Tun etwas

verändern wollen, Macher, die

mit Leidenschaft ihre Idee zum Erfolg

führen wollen. Menschen, die

an das

glauben,

was sie

tun, nicht

nur für

sich, sondern

auch für das Dorf, die Stadt,

die Region. Sie schaffen es, dass

ein Ort, eine Region attraktiver, lebenswerter

und wertvoller wird. Sie

sind im wahrsten Sinne des Wortes

Heimatunternehmer.

„Scheinbar unmögliches möglich

machen“

Genau solche Menschen begleitet

die Initiative HeimatUnternehmen.

Von der Verwaltung der Ländlichen

Entwicklung in Bayern ins Leben

gerufen, wurde sie im Landkreis Tir-

„Was einer nicht schafft,

schenreuth als Pilotinitiative 2017

mit Alfred Wolf als verantwortlichem

„Heimatentwickler“ gestartet.

Zwischenzeitlich gibt es in ganz

Bayern neun solcher „HeimatUnternehmer-Netzwerke“,

die Menschen

vor Ort begleiten und unterstützen

auf ihrem Weg, ihr „Ding“ zu verwirklichen.

Eine Potentialentwicklungsplattform,

die Menschen unbürokratisch

hilft, schneller von A

nach B zu kommen, die Ideen und

Projekte

Wirklichkeit

werden

lässt.

Über dieses

Zusammenwirken

werden mit den

richtigen Instrumenten Vorhaben

Realität, die eigentlich zunächst unmöglich

erscheinen. Genau hier hat

HeimatUnternehmen auch beim

Ackerbürgerhaus wichtige Dienste

geleistet, bei der Unterstützung

der Konzeptentwicklung, der Hilfe

beim „Anzapfen“ von Fördertöpfen

oder der Vermittlung der Kontakte

für die Genussrechtsfinanzierung.

das schaffen viele gemeinsam“

Was einer alleine nicht schafft,

das schaffen viele gemeinsam

Das Projekt Ackerbürgerhaus ist

ein sehr gutes Beispiel dafür, wie

Menschen mit einer Idee und einem

daraus entwickelten Vorhaben

gemeinsam etwas zum Positiven

verändern wollen, um einen Ort

lebenswerter und attraktiver zu gestalten.

In der historischen Innenstadt

steht seit mehr als 30 Jahren

ein denkmalgeschütztes typisches

Ackerbürgerhaus leer. Eine Gruppe

von entschlossenen Heimatunternehmern

mit Projekterfahrung

packt jetzt ein bisher in dieser Kombination

einmaliges Projekt an. Die

Idee, ein Mitmachhaus mit einer

Mitmach-Brauerei, einem offenen

Treffpunkt, einem Kulturhof und

„Kreativräumen“ ist dabei über einen

längeren Zeitraum gereift und

wurde schließlich zu einem konkreten

Projekt entwickelt.

Es sind Menschen, die sich bereits

in der Vergangenheit für neue

Ideen engagiert und sich für deren

gemeinschaftliche Verwirklichung

eingesetzt haben, ob bei der Schaffung

des Jugendtreffs „BäKs“,

beim Bau der Festspieltribüne, der

Realisierung des Geschichtsparks

oder in anderen Vereinen. Durch

den Zusammenschluss von „Heimatunternehmern“

ist der Verein

Ackerbürgerhaus Bärnau e.V.“ entstanden.

Mit der Ausgabe von Genussrechten

in Höhe von 100.000

Euro waren Menschen in der Region

eingeladen, sich an diesem

Pilotvorhaben zu beteiligen und

dadurch regional und traditionsbewusst

in die Zukunft zu investieren.

Genussrechte Schlüssel für die

Umsetzung

In kurzer Zeit waren alle Genussrechte

vergriffen - ein Zeichen für

die Bereitschaft der Region, sich

als Mitunternehmer an diesem Gemeinschaftsprojekt

zu beteiligen.

Das war der Schlüssel, einen jahrzehntelangen

Leerstand mit einer

innovativen Idee wieder zum Leben

zu erwecken. Durch den Zusammenschluss

mit der Stadt Bärnau

Kommunal GmbH zu einer Bauherrengemeinschaft

und dem Einsatz

der Genussrechte als Eigenkapital

können nun erhebliche Fördergelder

generiert werden, die eine

Sanierung des Gebäudes möglich

machen. Das Ackerbürgerhaus in

Bärnau, ein Heimatunternehmen,

schafft damit Heimatwert für die

Region und ist eine wertvolle Investition

in die Zukunft.


Impressum:

Herausgeber:

Ackerbuergerhaus Bärnau e. V.

Griesbacher Str. 9

95671 Bärnau

Gestaltung und Organisation:

advance.media - Die Ideenküche GmbH

92681 Erbendorf

www.advance-media.de

Dr. Kerstin Pöllath

Bildnachweise:

S. 3 Norbert Grüner | S. 4/5 Ackerbürgerhaus Bärnau e.V. | S. 6 oben: Norbert Grüner | unten: Ackerbürgerhaus Bärnau

e.V. | S. 7 Ackerbürgerhaus Bärnau e.V. | S. 8 oben: die Abbildung zeigt Karl IV. auf dem Votivbild des Prager Erzbischofs

Johann Očko von Wlaschim, um 1370, der Hersteller aus dem Mittelalter ist unbekannt und wegen des hohen Alters ist das

Bild gemeinfrei. | unten: Archiv der Stadt Bärnau | S. 9 oben: Zeichnung von L. Zandt aus dem Jahr 1912 | unten: Archiv der

Stadt Bärnau | S. 10 oben: Archiv der Stadt Bärnau | S.10 unten: Archiv der Stadt Bärnau | S. 11 Norbert Grüner | S. 12/13

Ackerbürgerhaus Bärnau e.V. | S. 14 Archiv der Stadt Bärnau | S. 15 Foto aus der Familienchronik Rosa Lübbe | S. 16 - 19

Pläne: Architektur- und Ingenieurbüro Roider + Sollfrank GbR | S. 26 Norbert Grüner | S. 28 Ackerbürgerhaus Bärnau e.V.

Wenn Sie uns mit einer Spende unterstützen

möchten, würden wir uns natürlich

auch sehr freuen. Spenden an

den Verein sind gemäß § 10b EStG als

Sonderausgaben abziehbar.

Gerne bestätigen wir Ihre Zuwendung.

Vermerken Sie dazu Ihren Namen und

Ihre Anschrift im Verwendungszweck

der Überweisung.

Spendenkonto:

Ackerbürgerhaus Bärnau e.V.

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Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz eG

BIC: GENODEF1WEV

Quellen:

Archiv der Stadt Bärnau

Staatsarchiv Amberg

Zeitzeugin Rosa Lübbe, Tochter des

Andreas Zintl

Literatur:

A. Busl, Bärnau – Stadt und Land I.

Geschichte bis zum Ende des Alten

Reiches (Pressath 2004).

V. Diederich, Leben an der Grenze

– ein spätmittelalterlicher Keller

aus Bärnaus Stadtgründungszeit.

Das Archäologische Jahr in Bayern

2020, 2021, 54-57 (derzeit im

Druck).

C. Krauskopf, Mittelalterliche Holzkonstruktion

in Nordostbrandenburg.

Die archäologischen Befunde

aus Eberswalde. Mitteilungshefte

der Gesellschaft für Archäologie

des Mittelalters und der Neuzeit

24, 2012, 141-150.

H.-G. Griep, Kleine Kunstgeschichte

des Deutschen Bürgerhauses

(Darmstadt 1992).

J. Harder, Hölzerne Infrastruktur des

Mittelalters aus dem sogenannten

Gründungsviertel der Hansestadt

Lübeck. Mitteilungshefte der Gesellschaft

für Archäologie des Mittelalters

und der Neuzeit 24, 2012,

123-130.

Knipping, Detlef/Raßhofer, Gabriele:

Denkmäler in Bayern, Bd. III.45.

Landkreis Tirschenreuth, München

2000.

J. Schneider, Der städtische Hausbau

im südwest-schweizerischen

Raum. In: H. Steuer (Hrsg.), Zur Lebensweise

in der Stadt um 1200.

Ergebnisse der Mittelalter-Archäologie.

Bericht über ein Kolloquium

in Köln vom 31. Januar bis 2. Februar

1986. ZAM Beiheft 4/1986,

17-38.

H. Steuer, Freiburg und das Bild

der Stadt um 1100 im Spiegel der

Archäologie. H. Schadek / T. Zotz

(Hrsg.), Freiburg 1091-1120. Neue

Forschungen zu den Anfängen der

Stadt. Freiburger Forschungen in

Südwestdeutschland 7 (Stuttgart

1995) 79–124.

S. Spiong, 700 Jahre alte Holzböden

in Minden. LWL-Blog

23.04.2020 URL: https://www.lwlarchaeologie.de/blog/700-jahrealte-holzboeden-in-minden-freigelegt

[Stand: 23.04.2020].

Ackerbürgerhaus Bärnau - Impressum

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