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Broschüre Ackerbürgerhaus Bärnau 2021

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<strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong> - Grußwort<br />

Projekt<br />

Mitmachhaus<br />

Es verdient Anerkennung, was sich der<br />

Verein <strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong> da vorgenommen<br />

hat.<br />

Immerhin war es trotz wiederholter<br />

Ansätze bisher nicht gelungen, das<br />

seit drei Jahrzehnten leerstehende<br />

„Zintlhaus“ wieder einer Verwendung<br />

zuzuführen. Dass sich jetzt<br />

eine Gruppe von mitten im Berufsleben<br />

stehenden Idealisten dieser<br />

Herausforderung stellt, ist deshalb<br />

keineswegs selbstverständlich.<br />

Abgesehen von der optischen Abrundung<br />

des Marktplatzensembles,<br />

die den Stadtrat schon in den frühen<br />

neunziger Jahren beschäftigte,<br />

als der Platz anlässlich der bevorstehenden<br />

650-Jahr-Feier neugestaltet<br />

werden sollte, gibt es jedoch<br />

gute Gründe, das Haus wieder zu<br />

beleben.<br />

Die bis vor wenigen Jahren gut<br />

besuchte Zoiglstube am <strong>Bärnau</strong>er<br />

Marktplatz hat eine bleibende Lücke<br />

im gesellschaftlichen Leben der<br />

Stadt hinterlassen. Die nie ganz aufgegebene<br />

Suche nach einer Ersatzlösung<br />

führte schließlich auch zum<br />

Zintlhaus. Das Gebäude liegt zentral<br />

und verspricht durch seine gut<br />

erhaltene historische Bausubstanz<br />

das passende Ambiente für eine<br />

Fortsetzung der Zoigltradition. Von<br />

Vorteil ist dabei das mit dem Haus<br />

verbundene Braurecht, das eine<br />

tragfähige Perspektive für den späteren,<br />

zum Unterhalt des Gebäudes<br />

erforderlichen Wirtschaftsbetrieb<br />

eröffnet.<br />

Als eines der ursprünglichsten<br />

Gebäude am Marktplatz erwies<br />

sich das Zintlhaus zudem als geeignetes<br />

Objekt für die Idee, den<br />

im Geschichtspark <strong>Bärnau</strong>/Tachov<br />

nachgezeichneten Zeitstrahl der<br />

regionalen Geschichte zwischen<br />

der frühen Besiedelung und dem<br />

Hochmittelalter bis in die Neuzeit<br />

zu vervollständigen und dadurch<br />

auch den räumlichen Bezug zum<br />

historischen Stadtkern herzustellen.<br />

Ein musealer Bereich im Obergeschoß<br />

des Hauses soll diesem Ziel<br />

mit Exponaten zur Haus- und Stadtgeschichte<br />

Rechnung tragen.<br />

Seit längerem schon ist der Trend<br />

hin zur Arbeit im Home-Office zu<br />

beobachten. Nicht erst seit Beginn<br />

der coronabedingten Begegnungseinschränkungen<br />

entstand dadurch<br />

auch außerhalb der Ballungszentren<br />

ein Bedarf an wohnortnahen Alternativen,<br />

der durch das großzügige<br />

Raumangebot im Obergeschoß<br />

des Zintlhauses mit Kreativräumen,<br />

basierend auf der Idee eines Co-<br />

Working-Space, gedeckt werden<br />

kann. Nicht jede Wohnung bietet<br />

schließlich die Ruhe, den Platz und<br />

die technischen Voraussetzungen<br />

für die Arbeit zuhause. Medienund<br />

kommunikationstechnisch gut<br />

ausgestattete Co-Working-Spaces<br />

lassen sich vielseitig nutzen und<br />

können auch als „Startrampe“ für<br />

Gründer dienen.<br />

Das entkernte Dachgeschoss eignet<br />

sich schließlich als Raum für<br />

kulturelle Veranstaltungen, Ausstellungen,<br />

als Kleinkunstbühne und<br />

letztlich auch als saisonaler Ersatz<br />

für die nur in der warmen Jahreszeit<br />

nutzbare Freilichttribüne.<br />

Erst durch die Kombination dieser<br />

unterschiedlichen Verwendungsarten<br />

entsteht ein neuartiges Nutzungskonzept,<br />

das traditionelle mit<br />

modernen Lebensformen verbindet<br />

und als Treffpunkt für Alt und<br />

Jung, Einwohner und Gäste einen<br />

wichtigen Beitrag zur Daseinsvorsorge<br />

der Stadt <strong>Bärnau</strong> leistet.<br />

Neuartig ist auch der Weg der Umsetzung.<br />

Die Unterstützung durch<br />

die Initiative Heimatunternehmen<br />

konnte nicht nur den Zugang zu<br />

Fördermaßnahmen ebnen. Die im<br />

Netzwerk vorhandenen Erfahrungen<br />

waren auch hilfreich bei der<br />

Konzipierung des Vorhabens und<br />

nicht zuletzt bei der Nutzung einer<br />

neuen Finanzierungform. Als erster<br />

Verein in Bayern wählte der <strong>Ackerbürgerhaus</strong><br />

<strong>Bärnau</strong> e.V. eine Finanzierung<br />

über die Emission von Genussrechten.<br />

Ich danke allen Unterstützern des<br />

Vereins, die zum Gelingen seines<br />

Vorhabens beitragen, sei es durch<br />

Spenden, aktive Mithilfe beim Umbau,<br />

die Bereitschaft, Verantwortung<br />

zu übernehmen, oder durch<br />

die Beteiligung an der Finanzierung<br />

über Genussrechte. Überzeugender<br />

könnten sie ihre Verbundenheit<br />

mit der Region und ihren Traditionen<br />

nicht zum Ausdruck bringen.<br />

Dem Verein wünsche ich einen unfallfreien<br />

Projektverlauf, Ausdauer<br />

und viel Erfolg bei den noch bevorstehenden<br />

Sanierungsarbeiten.<br />

Möge das <strong>Ackerbürgerhaus</strong> zu dem<br />

Ort in <strong>Bärnau</strong> werden, wo man sich<br />

trifft, miteinander alte Traditionen<br />

pflegt und neue Pläne schmiedet.<br />

Edgar Zwerenz<br />

Projektleiter<br />

2


Liebe Unterstützer, Freunde und<br />

Einwohner der Großgemeinde <strong>Bärnau</strong>,<br />

ein langer Weg liegt seit unserer<br />

Vereinsgründung im Jahr 2017 hinter<br />

uns, und auch das Jahr 2020 hat<br />

es uns allen nicht einfach gemacht.<br />

Dennoch wurden viele Hürden genommen,<br />

und wir halten endlich<br />

die Baugenehmigung in unseren<br />

Händen. Die Finanzierung ist in<br />

trockenen Tüchern, und die Fachplaner<br />

sind bereits an der Arbeit.<br />

Es sind bereits etliche Arbeitsstunden<br />

angefallen, auch wenn wir uns<br />

natürlich aufgrund der aktuellen<br />

Corona-Bedingungen extrem einschränken<br />

müssen.<br />

abbringen lassen.<br />

Wir freuen uns über jeden Helfer,<br />

Besucher oder „Schaulustigen“ auf<br />

unserer Baustelle und stehen natürlich<br />

für alle Fragen zur Verfügung.<br />

Schaut einfach vorbei.<br />

Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung<br />

mit unserer <strong>Broschüre</strong> – vielleicht<br />

können wir Ihr Interesse an<br />

unserem Verein ja wecken (oder gar<br />

verstärken) und Sie als neues Mitglied<br />

bei uns begrüßen.<br />

Christian Schedl<br />

1. Vorsitzender<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong> e.V.<br />

Das „Zintlhaus“ am<br />

<strong>Bärnau</strong>er Marktplatz<br />

Nichtsdestotrotz verfolgen wir weiter<br />

gemeinsam unser Ziel, uns und<br />

euch allen einen Treffpunkt für Jung<br />

und Alt zu gestalten. Wir wollen zusammen<br />

Bier brauen (und natürlich<br />

verkosten), uns im Heimatmuseum<br />

an zahlreichen Fundstücken und<br />

Reliquien aus der <strong>Bärnau</strong>er Vergangenheit<br />

erfreuen, geschäftiges<br />

Treiben im Co-Working-Space bewundern<br />

und den kulturellen Darbietungen<br />

auf unserer Kleinkunstbühne<br />

beiwohnen.<br />

Wir wollen eine Bereicherung für<br />

die Gemeinde <strong>Bärnau</strong> und darüber<br />

hinaus schaffen und wissen: bis dahin<br />

ist es noch ein weiter Weg, von<br />

dem wir uns aber sicher nicht mehr<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong> - Grußwort<br />

3


Nachgeburtsbestattung,<br />

Ausstellung am Wissenschaftstag<br />

in Weiden<br />

Chronologie<br />

eines außergewöhnlichen<br />

Bürgerprojektes<br />

Vereinsgründung & Konzeptentwicklung<br />

Auch wenn die Idee, das<br />

„Zintlhaus“ mit neuem Leben zu erfüllen,<br />

schon etwas früher entstand,<br />

so war die Gründung des <strong>Ackerbürgerhaus</strong><br />

<strong>Bärnau</strong> e.V. am 28. Mai<br />

2017 der formale Beginn des Vorhabens.<br />

Eine Gruppe von jungen<br />

und jung gebliebenen „Machern“<br />

mit Projekterfahrung aus dem Gemeindebereich<br />

fand sich in diesem<br />

Verein zusammen, um das ambitionierte<br />

Unternehmen in Angriff zu<br />

nehmen.<br />

Die Herausforderung bestand zunächst<br />

darin, ein schlüssiges Konzept<br />

für eine kostendeckende spätere<br />

Nutzung zu entwickeln und<br />

einen Weg zur Finanzierung der<br />

notwendigen Instandsetzung des<br />

Hauses zu finden.<br />

Das Nutzungskonzept, mit dem<br />

sich der Verein dann noch im Gründungsjahr<br />

um eine Förderung von<br />

Konzeptentwicklung und Einrichtung<br />

beim Bundesministerium für<br />

Landwirtschaft und Ernährung bewarb,<br />

war völlig neuartig – eine<br />

Kombination von traditionellen und<br />

innovativen Elementen: ein Mitmachhaus<br />

mit einer Brauerei und<br />

Gaststube im Erdgeschoß, einem<br />

musealen Bereich und Kreativräumen<br />

im Obergeschoss und dem<br />

Kulturhof im Dachgeschoss. Mit<br />

dem eingereichten Konzept des<br />

Mitmachhauses überzeugte der<br />

Verein und erhielt den Zuschlag für<br />

die Förderung.<br />

Anregungen für eine denkmalgerechte<br />

Sanierung des Hauses holten<br />

sich die „Ackerbürger“ im Januar<br />

2018 bei der Besichtigung des<br />

„Taubnschusterhauses“ in Eschenbach,<br />

bei dem ebenfalls von einem<br />

Verein die Restaurierung angestoßen<br />

wurde und das Haus in Eigenregie<br />

betrieben wird.<br />

Ankauf und öffentliche Präsentation<br />

des Hauses<br />

Unmittelbar nach der Genehmigung<br />

der Förderung für Konzeptentwicklung<br />

und Innenausstattung<br />

erwarb der Verein am 28.02.2018<br />

das Gebäude, in dem dessen Vertreter<br />

dann am 13. April bereits als<br />

Eigentümer den Förderbescheid<br />

des Bundesministeriums im Beisein<br />

zahlreicher Behördenvertreter und<br />

Politiker entgegennehmen konnten<br />

– bei Weißwürsten und Brezen in<br />

der kurzfristig mit Bierbänken möblierten<br />

späteren „Kretschn“.<br />

In den folgenden Wochen entrümpelten<br />

die Vereinsmitglieder mit<br />

vereinten Kräften das Haus und<br />

den südlichen Außenbereich. Inzwischen<br />

lag auch die Anerkennung<br />

der Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt<br />

vor.<br />

Das Festwochenende am 8. und<br />

9. September 2018 anlässlich des<br />

675-jährigen Jubiläums der Stadterhebung<br />

nutzte der Verein zu<br />

einem Tag der offenen Tür. Dafür<br />

wurde eine Fotodokumentation aus<br />

Beständen des Stadtarchivs zusammengestellt<br />

und ein Informationsblatt<br />

mit der Beschreibung des Vorhabens<br />

aufgelegt. Bei Ausschank<br />

von Zoigl und Livemusik im Außenbereich<br />

hatte die Öffentlichkeit Gelegenheit,<br />

das „<strong>Ackerbürgerhaus</strong>“<br />

auch von innen kennenzulernen.<br />

Unter dem Motto „Ein Streifzug<br />

durch die Geschichte der Stadt ins<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong>“ folgten noch im<br />

Herbst historische Führungen. Dabei<br />

bot der Verein den Besuchern<br />

einen Einblick in eines der ältesten<br />

Häuser der Stadt. Imposant für die<br />

Besucher war vor allem die Führung<br />

durch den dreistöckigen Keller. Der<br />

zu diesem Zeitpunkt als ältester Teil<br />

des Anwesens geltende Bereich<br />

führt über ein Tonnengewölbe in<br />

zwei weitere in den Fels gehauene<br />

Ebenen und erreicht eine Gesamttiefe<br />

von 7 Metern.<br />

Im Vorgriff auf die spätere Nutzung<br />

wurden in dieser Zeit auch<br />

die Wortmarken „Kretschn“ und<br />

„Kretschnbräu“ angemeldet. Der<br />

Begriff Kretschn findet sich in der<br />

Urkunde Karls IV. zur Verleihung<br />

des Rechts der Meile Wegs und<br />

bezeichnet Schänken, die danach<br />

innerhalb der Bannmeile nur Bier<br />

aus <strong>Bärnau</strong> ausschenken durften.<br />

(s. S. 10)<br />

Über die praktischen Erfahrungen<br />

beim Brauen mit einer Kleinbrauanlage<br />

konnten sich einige Mitglieder<br />

des Vereins im Dezember 2018<br />

beim Besuch einer Gaststättenbrauerei<br />

in Kronach mit dem dortigen<br />

Braumeister austauschen.<br />

4


Machbarkeitsstudie – Grundlage<br />

für die Sanierung<br />

Zunächst aber stand der Umbau<br />

des Hauses im Vordergrund. Für die<br />

Instandsetzung des Gebäudes kam<br />

von vornherein nur eine Sanierung<br />

im Rahmen der Städtebauförderung<br />

in Frage. Durch die „Förderoffensive<br />

Nordostbayern“ war ein<br />

Fördersatz von bis zu 90% erreichbar.<br />

Voraussetzung für die Aufnahme<br />

in das Förderprogramm war die<br />

Durchführung einer Machbarkeitsstudie.<br />

Diese wurde durch die Stadt<br />

<strong>Bärnau</strong>, ebenfalls im Rahmen der<br />

Städtebauförderung unter finanzieller<br />

Beteiligung des Bayerischen<br />

Landesamts für Denkmalpflege, am<br />

20. September 2018 in Auftrag gegeben.<br />

Zum Auftragsumfang gehörten<br />

eine Bewertung der Statik,<br />

die Erstellung des Aufmaßes sowie<br />

Bauforschungs- und Befunduntersuchungsmaßnahmen.<br />

Ein erster<br />

vorläufiger Planentwurf wurde am<br />

07.12. bei einem Ortstermin mit<br />

dem Bayerischen Landesamt für<br />

Denkmalpflege besprochen.<br />

Einen Teil der für die Machbarkeitsstudie<br />

erforderlichen Arbeiten<br />

konnte der Verein durch Eigenleistung<br />

seiner Mitglieder erbringen.<br />

Bei mehreren Feierabend- und Wochenendeinsätzen<br />

zwischen Januar<br />

und August 2019 wurden Fundamente<br />

freigelegt, Trennwände ausgebaut<br />

und ein zugemauerter, mit<br />

Schutt gefüllter toter Raum geöffnet,<br />

der sich als frühere Rußkuchl<br />

erwies.<br />

Die Arbeiten wurden begleitend<br />

unterstützt durch die Archäologin<br />

Viviane Diederich, in deren Dissertation<br />

an der Universität Bamberg<br />

das <strong>Ackerbürgerhaus</strong> einen thematischen<br />

Schwerpunkt darstellt. Ein<br />

früher Fund bei der Fundamentfreilegung<br />

konnte dadurch<br />

fachkundig dokumentiert,<br />

geborgen und als wahrscheinliche<br />

Nachgeburtsbestattung<br />

eingeordnet<br />

werden.<br />

Der mit einem Teller abgedeckte<br />

Keramikkrug diente<br />

später als Exponat Wissenschaftstag<br />

in Weiden, an dem der Ackerbürgerverein<br />

im Kreis der Heimatunternehmer<br />

teilnahm.<br />

Bierbraukurs bei Chodovar<br />

Im März 2019 folgten Vertreter des<br />

Vereins einer Einladung der in <strong>Bärnau</strong><br />

durch das jährliche Bierfassrollen<br />

bekannten Brauerei Chodovar<br />

zu einem Bierseminar, um sich mit<br />

Theorie und Praxis des Bierbrauens<br />

vertraut zu machen. Bei einer Führung<br />

im Rahmenprogramm erläuterte<br />

Ji i Plevka, ein Mitglied der Inhaberfamilie,<br />

das nach überlieferter<br />

böhmischer Tradition angewandte<br />

Brauverfahren.<br />

Die bei der Konzipierung der eigenen<br />

Brauanlage gewonnenen Erkenntnisse<br />

über den Raumbedarf<br />

für Begleit- und Folgeprozesse, die<br />

mit dem Brauvorgang verbunden<br />

sind, führten schnell zu der Feststellung,<br />

dass der im vorläufigen Plan<br />

neben der Haustechnik verbleibende<br />

Platz dafür nicht ausreichte. Um<br />

zusätzlichen Raum zu gewinnen,<br />

erwarb der Verein eine Garage auf<br />

dem Nachbargrundstück im Tausch<br />

gegen ein außerhalb des Stadtkerns<br />

gekauftes Grundstück.<br />

Im Mai war das Zintlhaus Schauplatz<br />

eines Schülerprojekts anlässlich des<br />

Europäischen Kulturerbe-Jahres.<br />

Das Thema, das gemeinsam von<br />

32 Schülern des Gymnasiums Tachov<br />

und der Realschule Neunburg<br />

vorm Wald mit ihren Lehrkräften<br />

bearbeitet wurde, war die baukulturelle<br />

Spurensuche im <strong>Ackerbürgerhaus</strong><br />

an der Goldenen Straße.<br />

Das erarbeitete Ergebnis wurde im<br />

Anschluss an die Veranstaltung vor<br />

dem Haus ausgestellt.<br />

Freigelegte frühere Rußkuchl<br />

Bei mehreren Feierabend- & Wochenendeinsätzen<br />

wurden Fundamente freigelegt, Trennwände<br />

ausgebaut und ein zugemauerter, mit Schutt<br />

gefüllter toter Raum geöffnet.<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong> - Was bisher war<br />

5


meinschaft mit dem <strong>Ackerbürgerhaus</strong><br />

<strong>Bärnau</strong> e.V. ein.<br />

Aus dem Kreis der Mitglieder bildete<br />

sich inzwischen eine Gruppe<br />

angehender Bierbrauer. Mit einer<br />

80-Liter-Brauanlage, die ein regionaler<br />

Hersteller dem Verein für<br />

Übungszwecke zur Verfügung gestellt<br />

hatte, machten sie ihre ersten<br />

Brauversuche – zunächst noch mit<br />

Unterstützung des Herstellers.<br />

Im <strong>Ackerbürgerhaus</strong> begann derweil<br />

die erste Lehrgrabung, eine<br />

Veranstaltung der Universität Bamberg<br />

unter der Leitung der „Hausarchäologin“<br />

Viviane Diederich. Die<br />

Grabungen konzentrierten sich auf<br />

den Raum über dem Kellerabgang<br />

und das spätere Sudhaus.<br />

Relikte aus dem Zwischenboden<br />

im Dachgeschoss<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong> - Was bisher war<br />

Bauantrag eingereicht<br />

Der bei der Stadt <strong>Bärnau</strong> inzwischen<br />

eingereichte Bauantrag zur<br />

Sanierung des Gebäudes wurde<br />

vom Stadtrat in seiner Sitzung vom<br />

11. Juli 2019 einstimmig angenommen.<br />

Nachdem die Beseitigung<br />

des langjährigen Leerstands vor<br />

allem auch im Interesse der Stadt<br />

lag, nutzte der Verein die Gelegenheit,<br />

das Projekt in der Sitzung vorzustellen.<br />

Eine Woche später fand ein Termin<br />

bei der Regierung der Oberpfalz<br />

statt, bei dem die Rahmenbedingungen<br />

der Förderung erörtert wurden.<br />

Die vereinsseitig geplante Bereitstellung<br />

von Eigenmitteln über<br />

die Emission von Genussrechten<br />

ohne unverhältnismäßig hohen Verwaltungsaufwand<br />

war auf € 100.000<br />

limitiert. Da dieser Betrag und die<br />

anrechenbaren Eigenleistungen<br />

nicht ausreichten, um den erforderlichen<br />

Eigenkapitalanteil an den<br />

veranschlagten Gesamtkosten von<br />

€ 1.929.592 darzustellen, schlug<br />

Bürgermeister Alfred Stier vor, das<br />

Projekt in einer Bauherrengemeinschaft<br />

zusammen mit der Stadt <strong>Bärnau</strong><br />

Kommunal GmbH umzusetzen.<br />

Auch wenn sich der vom Verein aufzubringende<br />

Eigenmittelanteil dadurch<br />

halbierte, so wurde bei dem<br />

Termin auch deutlich, dass dieser<br />

Betrag bereits zum Zeitpunkt der<br />

Antragstellung, also noch vor Jahresende,<br />

nachzuweisen war.<br />

Einstieg der Stadt <strong>Bärnau</strong> Kommunal<br />

GmbH<br />

Zuvor war allerdings noch eine<br />

wichtige Hürde zu nehmen: Die Zustimmung<br />

des Stadtrats zu der Beteiligung<br />

der stadteigenen GmbH<br />

an dem Projekt. In einer Sondersitzung<br />

am 1. August 2019 beriet der<br />

Stadtrat über den Einstieg beim<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong>vorhaben. Der Beschluss<br />

kam mit einer nur knappen<br />

Mehrheit von einer Stimme zustande.<br />

Durch den käuflichen Erwerb von<br />

50% der Immobilie trat die Stadt<br />

<strong>Bärnau</strong> Kommunal GmbH dann<br />

am 09. August in die Bauherrenge-<br />

Die Homepage des Vereins, auf<br />

deren medialer Grundlage die<br />

unter großem Zeitdruck vorbereitete<br />

Emission von Genussrechten<br />

unterstützt werden sollte, ging inzwischen<br />

online.<br />

www.ackerbuergerhaus-baernau.de<br />

Unter dem Putz verborgener Rundbogen, um 1900<br />

durch eine Trennmauer mit Tür verschlossen<br />

6


Genussrechtefinanzierung – der<br />

Schlüssel für den Erfolg des Bürgerprojekts<br />

Am 6. September fand dann im<br />

Gasthof Zur Post die Informationsveranstaltung<br />

zum gleichzeitigen<br />

Start der Genussrechte-Emission<br />

statt. Petra Wähning, die an der<br />

Vorbereitung maßgeblich beteiligt<br />

war und die Vorlagen für die erforderlichen<br />

Dokumente geliefert<br />

hatte, war persönlich anwesend,<br />

um Fragen der Teilnehmer zu beantworten.<br />

Die ersten Genussrechte<br />

wurden bereits am Informationsabend<br />

gezeichnet.<br />

Das Fest der Heimatunternehmer<br />

am 15. September am Mitterhof<br />

nutzte der Verein dann als Gelegenheit,<br />

für seine Genussrechte<br />

zu werben. Als Attraktion neben<br />

Kostproben selbst gebrauten Biers<br />

wagte Volker Richter als erfahrener<br />

Brauer mit einigen Helfern das Experiment,<br />

mit der transportablen<br />

Leihanlage unter freiem Himmel<br />

Bier zu brauen. Trotz der eher widrigen<br />

Produktionsbedingungen war<br />

das Ergebnis nach fünfwöchiger<br />

Reifung respektabel, was die Besucher<br />

am Tag der offenen Tür im<br />

„Schwarzen Bären“ bei der Verkostung<br />

bestätigen konnten.<br />

Nachdem es innerhalb von 2 Monaten<br />

gelungen war, das nachzuweisende<br />

Kapital über den Verkauf<br />

von Genussrechten aufzubringen,<br />

wurde am 09. Dezember 2019 der<br />

Förderantrag bei der Regierung der<br />

Oberpfalz gestellt.<br />

gen erhoffte, musste am 12. März,<br />

zwei Tage nach Beginn der Veranstaltung,<br />

aufgrund einer Verfügung<br />

des Wissenschaftsministeriums abgebrochen<br />

werden.<br />

Ungeachtet dessen erfolgte im Mai<br />

die Ausschreibung der Architektenund<br />

Fachplanungsleistungen sowie<br />

im Anschluss daran die entsprechende<br />

Auftragsvergabe. In ersten<br />

Besprechungen mit den Fachplanern<br />

wurden die im Wesentlichen<br />

von den Erfordernissen der Brauerei<br />

beeinflussten Grundzüge der<br />

Haustechnik festgelegt. Dazu fand<br />

auch ein Vororttermin mit einem<br />

Brauanlagenhersteller statt.<br />

Auch die im Interesse der Denkmalpflege<br />

erforderliche fachliche Baubegleitung<br />

musste neu vergeben<br />

werden. Im Auftragsumfang waren<br />

dabei auch Befunduntersuchungen<br />

enthalten, die in der Machbarkeitsstudie<br />

nicht abgeschlossen wurden.<br />

Eine in diesem Zusammenhang beauftragte<br />

Putzanalyse ergab eine<br />

erhebliche Belastung mit Salzen,<br />

wodurch der vorhandene Putz zum<br />

größten Teil nicht erhalten werden<br />

kann. Hinzu kommt, dass die erforderliche<br />

Entsalzung des Mauerwerks<br />

mit zusätzlichem Zeitaufwand<br />

verbunden ist.<br />

Die archäologischen Untersuchungen<br />

konnten nach einer Lockerung<br />

der Kontaktbeschränkungen im<br />

Herbst 2020 wieder aufgenommen<br />

werden, wenn auch unter weiterhin<br />

erschwerten Bedingungen. Viviane<br />

Diederich durfte nur allein oder mit<br />

einem Assistenten arbeiten. Unterstützung<br />

kam im Oktober von der<br />

Universität Pilsen. Zusammen mit<br />

den erfahrenen Archäologen aus<br />

Tschechien gelang dabei ein sensationeller<br />

Fund: ein Grubenhaus, das<br />

aufgrund der vorgefundenen Keramikscherben<br />

auf das Ende des 13.<br />

Jahrhundert datiert werden konnte.<br />

Endlich Baugenehmigung erteilt –<br />

der Bau beginnt<br />

Die im September bereits mündlich<br />

avisierte Baugenehmigung traf<br />

am 13. November 2020 bei der<br />

Stadt <strong>Bärnau</strong> ein. Damit konnten<br />

die Vorbereitungen, die einen wesentlichen<br />

Teil der Eigenleistungen<br />

des Vereins ausmachen, beginnen.<br />

Leider musste dies unter den<br />

seit November wieder verschärften<br />

Kontaktbeschränkungen geschehen.<br />

Im Dachgeschoss wurde<br />

die Zwischendecke ausgebaut, im<br />

Dach- und Obergeschoss die Dielenbretter<br />

entfernt und – soweit zur<br />

Beurteilung der Deckenkonstruktion<br />

erforderlich - die Zwischenböden<br />

geräumt. Nachdem in der Putzanalyse<br />

weder Schwermetalle noch<br />

sonstige toxische Stoffe nachweisbar<br />

waren, konnten auch die belasteten<br />

Wandputze abgeschlagen<br />

werden. Ehrenamtliche aus je zwei<br />

Haushalten wechselten sich in der<br />

Zeit zwischen den Jahren ab.<br />

Freigelegtes Gewölbe<br />

des Hausgangs<br />

Zuwendungsbescheid – der<br />

wichtigste Schritt zur Sanierung<br />

Ein grundlegender Meilenstein<br />

bei der Umsetzung der Projektidee<br />

war der Erlass des Zuwendungsbescheides<br />

der Regierung<br />

der Oberpfalz, der am 07.<br />

Februar 2020 bei der Stadt <strong>Bärnau</strong><br />

einging. Damit wurde das<br />

mehr als zwei Jahre dauernde<br />

Bemühen der Verantwortlichen<br />

für das Pilotprojekt mit Erfolg<br />

gekrönt.<br />

Der dadurch ausgelöste Motivationsschub<br />

stand dann leider<br />

schon unter dem Einfluss der<br />

Corona-Pandemie. Eine zweite<br />

Lehrgrabung der Universität<br />

Bamberg, von der man sich<br />

einen zügigen Abschluss der<br />

archäologischen Untersuchun-<br />

7


Geschichte der<br />

Stadt <strong>Bärnau</strong><br />

Situationsplan nach dem Stadtbrand<br />

von 1839<br />

Verlauf der Goldenen Straße<br />

durch <strong>Bärnau</strong><br />

Von der Frühzeit bis zum Ende<br />

des 14. Jahrhunderts<br />

Vermutlich war die Gegend um <strong>Bärnau</strong><br />

schon vor dem Jahr 1000 besiedelt.<br />

Regionale Machtstrukturen<br />

entwickelten sich in späterer Zeit<br />

mit dem Einzugsbereich des Klosters<br />

Waldsassen im Norden sowie<br />

des östlich gelegenen Ortes Tachau<br />

(Böhmen).<br />

Im Jahr 1296 wurde <strong>Bärnau</strong> („Bernauwe“,<br />

bis zum 19. Jahrhundert<br />

dann auch „Bernau“) erstmals urkundlich<br />

erwähnt. Anlass war die<br />

Verpfändung an das Kloster Waldsassen<br />

durch König Adolf von Nassau.<br />

Nur wenige Jahre später, 1313,<br />

erfolgte schließlich der Verkauf des<br />

Ortes an Waldsassen.<br />

Am 3. September 1343 gestattete<br />

Kaiser Ludwig der Bayer dem Abt<br />

und dem Konvent, „[…] daß si ir<br />

dorff Bernaw zu einer stadt auffvahen,<br />

und das mit graben, mauern,<br />

und mit allen anderen sachen als<br />

ein stadt durch recht, bauen, vesten<br />

und bewaren sullen […]“. Die<br />

Urkunde ist heute noch in mehreren<br />

Abschriften überliefert, das Original<br />

leider verloren. Im Fall <strong>Bärnau</strong>s<br />

erfolgte die Ernennung also vom<br />

Dorf direkt zur Stadt, ohne dass der<br />

Ort dazwischen erst Markt wurde.<br />

Wie es oftmals üblich war, übernahm<br />

die neue Stadt ein bereits bestehendes<br />

Stadtrecht, hier zunächst<br />

das von Eger, welches wiederum<br />

jenes von Nürnberg als Vorbild hatte.<br />

Nun durften die <strong>Bärnau</strong>er außerdem<br />

eine Stadtmauer errichten und<br />

selbst einen Markt abhalten. Ihre<br />

Kernstadt selbst lag auf einer nach<br />

Westen leicht abfallenden Anhöhe<br />

und hatte die planmäßig angelegte<br />

Form eines Ovals. Die in der Folgezeit<br />

umgebenden schützenden<br />

Mauern wurden von zwei Toren<br />

im Südwesten („Unteres Tor“) und<br />

Südosten („Oberes Tor“) durchschnitten.<br />

Karl IV., erst Gegenkönig zu Ludwig<br />

dem Bayern und wenig später dessen<br />

Nachfolge sowie ab 1355 römisch-deutscher<br />

Kaiser, unterstellte<br />

die Stadt <strong>Bärnau</strong> seinem besonderen<br />

Schutz und bestätigte ihre<br />

Rechte und Vergünstigungen, diesmal<br />

nach dem Vorbild Tachaus. Im<br />

Lauf der Zeit sollten diese Rechte<br />

mehrmals bestätigt, erweitert und<br />

Kaiser Karl IV. (1346-78) PP<br />

modifiziert werden.<br />

Auch übergab er den <strong>Bärnau</strong>ern<br />

wichtige Privilegien, durch welche<br />

die Stadt über lange Zeit gestärkt<br />

wurde und in ihre Blütezeit eintrat.<br />

Ganze 52-mal passierte Karl IV. den<br />

Ort, da <strong>Bärnau</strong> auf seinem Weg<br />

nach Nürnberg die erste Zwischenstation<br />

in Neuböhmen darstellte.<br />

Ein Blick in den Stadtgrundriss lässt<br />

erkennen, dass die Goldene Straße<br />

auch direkt an der Parzelle des Zintlhauses<br />

vorbeiführte (blauer Kreis).<br />

Neueste archäologische Funde<br />

im Keller deuten darauf hin, dass<br />

schon ab dem Ende des 13. Jahrhunderts,<br />

also zur Zeit der Stadtgründung,<br />

hier ein Haus bestanden<br />

hat.<br />

An Lichtmess im Jahr 1353 gestand<br />

Karl IV. der Stadt außerdem ein besonderes<br />

Recht zu, das im Lauf der<br />

Zeit besondere Bedeutung erlangen<br />

sollte: das so genannte „Recht<br />

der Meile Wegs“ (s. ausführlich S.<br />

10). Vom Ende des Jahres 1354<br />

datiert das bislang älteste noch<br />

erhaltene Dokument, in dem die<br />

Existenz eines Bürgermeisters und<br />

eines Stadtrats belegt sind. In diesem<br />

ist auch das zugehörige Stadtsiegel<br />

erwähnt, welches sich im<br />

Original nicht erhalten hat, jedoch -<br />

wie oftmals der Fall - von Urkunden<br />

aus späterer Zeit bekannt ist.<br />

8


1404 wurde <strong>Bärnau</strong> nach großen<br />

Zerstörungen von den Wittelsbachern<br />

übernommen. Die Schäden<br />

im Ort waren von so großem Ausmaß,<br />

dass König Rupprecht 1505<br />

eine zehnjährige Steuerfreiheit<br />

erließ, um den Wiederaufbau zu<br />

fördern. <strong>Bärnau</strong> wechselte nun in<br />

politischer Hinsicht von Böhmen zur<br />

Kurpfalz. Zwar büßten die <strong>Bärnau</strong>er<br />

dadurch Reichsprivilegien ein, erhielten<br />

jedoch einen kurpfälzischen<br />

Pflegamtssitz. Von dieser Zeit an<br />

galt das Stadtrecht nach Amberger<br />

Vorbild, ab 1414 schließlich nach<br />

dem von Sulzbach.<br />

Ansicht des ehemaligen Pflegschlosses<br />

Der Reformator Jan Hus gelangte<br />

auf dem Weg von Krakowetz nach<br />

Konstanz zum Konzil ebenfalls nach<br />

<strong>Bärnau</strong>. Er berichtete nach seinem<br />

Besuch am 15.10.1414 schriftlich<br />

von seinem Kontakt mit dem hiesigen<br />

Pfarrer, der ihn bereits außerhalb<br />

der Stadt in Empfang nahm:<br />

„und wie ich die Stube betrat, da<br />

gab er mir sofort einen großen<br />

Humpen Wein zu trinken, und er<br />

nahm […] die gesamte Lehre sehr<br />

freundlich auf und erklärte, stets<br />

mein Freund zu sein.“ Dass das Erscheinen<br />

Jan Hus` in Konstanz letztlich<br />

kein gutes Ende für ihn nahm,<br />

ist bekannt; in die Auseinandersetzungen<br />

der folgenden Hussitenkriege<br />

wurde auch <strong>Bärnau</strong> mit hineingezogen.<br />

Stadtbränden nicht verschont. Vom<br />

16. bis ins 19. Jahrhundert suchten<br />

insgesamt sieben Brände die Stadt<br />

heim, ausgelöst durch unterschiedliche<br />

Ursachen. Am gravierendsten<br />

wüteten die beiden Brände von<br />

1800 und 1839 – letzterer bedingt<br />

durch Brandstiftung - bei denen jeweils<br />

große Teile des Ortes zerstört<br />

wurden.<br />

Der große Brand von 1839<br />

Am 21. September 1839 ereignete<br />

sich in <strong>Bärnau</strong> ein großer Stadtbrand,<br />

der sich auf 161 Haupt- und<br />

124 Nebengebäude ausbreitete.<br />

Auch die Pfarrkirche und das zugehörige<br />

Pfarrhaus, Schule, Rat- und<br />

Brauhaus fielen ihm zum Opfer, sodass<br />

schließlich eine großflächige<br />

Neubebauung nötig war. Bei der<br />

erneuten Anlage ihres Ortes orientierten<br />

sich die <strong>Bärnau</strong>er Bürger<br />

überwiegend an der Topographie,<br />

wie sie vor dem Brand bestanden<br />

hatte. Noch einmal brannte es in<br />

der Stadt, nämlich 1869. Drei Jahre<br />

später wurde die katholische Pfarrkirche<br />

St. Nikolaus wiedererrichtet,<br />

1898 entstand der historistische<br />

Rathausbau. So lagen nun an beiden<br />

Enden des Marktplatzes die<br />

Fixpunkte der geistlichen und der<br />

kommunalen Ordnung. Ab dem 19.<br />

Jahrhundert entwickelten sich östlich<br />

und westlich des alten Stadtkerns<br />

neue Vorstädte. 1903 wurde<br />

<strong>Bärnau</strong> schließlich an das Eisenbahnnetz<br />

angeschlossen.<br />

Durch seine lange Geschichte war<br />

auch das Zintlhaus gewissermaßen<br />

Zeuge der bewegten Vergangenheit<br />

<strong>Bärnau</strong>s. Unter Einbeziehung<br />

der oben genannten älteren Hausteile<br />

war das Gebäude, wie es sich<br />

heute noch zeigt, vermutlich bereits<br />

um 1720/40 erbaut worden<br />

und überstand den großen Brand<br />

von 1839 relativ gut. Die baulichen<br />

Eigenheiten und Details des <strong>Ackerbürgerhaus</strong>es<br />

geben einen Einblick<br />

in die lange Geschichte des <strong>Ackerbürgerhaus</strong>es<br />

und spiegeln so auch<br />

einen Teil der <strong>Bärnau</strong>er Stadtgeschichte<br />

im Lauf der Jahrhunderte<br />

wider.<br />

Der Marktplatz in früherer Zeit<br />

Zwischenzeitlich wurde <strong>Bärnau</strong><br />

böhmisches Lehen, kam aber 1631<br />

an die Oberpfalz zurück, ehe es<br />

1634 mitten in den Wirren des<br />

Dreißigjährigen Krieges von den<br />

Schweden eingenommen wurde.<br />

Überreste der so genannten „Tillyschanze“,<br />

einer um 1621 angelegten<br />

quadratischen Befestigung, liegen<br />

heute noch östlich des Ortes.<br />

Wie zahlreiche andere Orte im<br />

Landkreis blieb auch <strong>Bärnau</strong> von<br />

den früher leider allzu häufigen<br />

9


Ackerbürger<br />

& ihre Häuser<br />

„Zintlhaus“ – Ansicht Fassade<br />

am Marktplatz<br />

Das „Sauserbecken-“ oder „Zintlhaus“<br />

ist - trotz seines langen Leerstands<br />

- ein gut erhaltenes Beispiel<br />

für die <strong>Bärnau</strong>er Ackerbürgerhäuser,<br />

die sich in größerer Zahl im<br />

alten Ortskern befinden und der<br />

Stadt zusammen mit den daneben<br />

vorherrschenden Handwerkerhäusern<br />

bis heute ihr Gepräge geben.<br />

Allgemein versteht man unter<br />

„Ackerbürgern“ innerhalb einer<br />

Stadt ansässige Bauern mit Bürgerrecht,<br />

deren Haupteinnahmequelle<br />

in der Regel die Landwirtschaft bildete.<br />

Das Bürgerrecht musste beim<br />

Magistrat der Stadt erworben werden<br />

und war mit bestimmten Auflagen<br />

verbunden. Die Ackerbürger<br />

durften städtische Ämter übernehmen<br />

und organisierten sich oftmals<br />

auch in Zünften.<br />

Nur den Bürgern war es auch in<br />

<strong>Bärnau</strong> vorbehalten, ein Handwerk<br />

oder Gewerbe auszuüben. Im Lauf<br />

der Zeit gewannen sie hier unterschiedliche<br />

genossenschaftliche<br />

Rechte, im Einzelnen das Brau- und<br />

Jagdrecht, das Holz-, Fisch- und<br />

Wasserrecht sowie das Pflanzfleckrecht.<br />

Die Häuser dieser bürgerlichen<br />

Sondergruppe waren ihren Bedürfnissen<br />

angepasst. So besaßen sie in<br />

der Regel eine Ein- bzw. Durchfahrt,<br />

die breit genug war, um mit landwirtschaftlichem<br />

Gefährt hindurchzufahren.<br />

Sie vermittelte von der<br />

Straße zum hinter dem Haus liegenden<br />

Hof sowie zu den Stallungen,<br />

in denen die <strong>Bärnau</strong>er Bürger<br />

sich Ziegen, Kühe oder Geflügel für<br />

die Selbstversorgung hielten. An<br />

diese Nutzgebäude konnten sich,<br />

wie im Ort häufig, auf langgezogenen<br />

Parzellen Obstgärten anschließen.<br />

Diese Merkmale sind zwar typische<br />

Kennzeichen von Ackerbürgerhäusern,<br />

doch besitzen jene kein verbindliches<br />

architektonisches Schema.<br />

Das bedeutet, je nach Art der<br />

Nutzung, den finanziellen Möglichkeiten<br />

und der Grundstücksgröße<br />

konnten die Anwesen in ihrem Erscheinungsbild<br />

auch voneinander<br />

abweichen.<br />

11


12


13


<strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong> - Das <strong>Ackerbürgerhaus</strong> und seine Besitzer<br />

Das <strong>Ackerbürgerhaus</strong><br />

und seine Besitzer<br />

In der von Adalbert Busl verfassten<br />

Chronik „Stadt und Land – Geschichte<br />

bis zum Ende des Alten<br />

Reichs“ sind die früheren Besitzer<br />

unseres <strong>Ackerbürgerhaus</strong>es bis zurück<br />

in das Jahr 1661 aufgeführt.<br />

Das Sauserbeckenhaus, wie es damals<br />

hieß, ist im Urkataster 1842<br />

unter der Hausnummer 17 verzeichnet<br />

und mit dieser Nummer auch<br />

im Stadtplan aus jener Zeit zu finden.<br />

Auf dieser Grundlage konnte<br />

der Verfasser die Hausbesitzer aus<br />

überlieferten Unterlagen bis in das<br />

Jahr 1842 zuordnen.<br />

Als erster namentlich bekannter<br />

Hausbesitzer wird danach Thoma<br />

Fischer in einem Dokument aus<br />

1661 nachgewiesen.<br />

1756 ist der Geigenmacher Ignatius<br />

Berr im Besitz des Hauses. Vom<br />

Geigenbau allein konnte er nicht<br />

leben und war deshalb darauf angewiesen,<br />

auch Ackerbau zu betreiben.<br />

Ignatius Berr war also ein<br />

für das damalige <strong>Bärnau</strong> typischer<br />

Ackerbürger. Als er 1770, wie in<br />

der Chronik beschrieben, weder<br />

Getreide noch Kartoffeln angebaut<br />

hatte und seine Familie nicht mehr<br />

ernähren konnte, gehörte ihm das<br />

Sauserbeckenhaus nicht mehr.<br />

Vermutlicher Nachfolger war Sebastian<br />

Zanner, 1762 als Hausbesitzer<br />

überliefert.<br />

Bereits 2 Jahre später, 1764 befindet<br />

sich das Haus im Besitz von<br />

Georg Adam Michl. Mit ihm – 1791<br />

als Handelsmann bezeichnet – zieht<br />

eine Familie ein, die das Haus über<br />

mehrere Generationen bewirtschaftet.<br />

Am 18.08.1775 erwirbt Andreas<br />

Michl das Haus von seiner Mutter<br />

Katharina. 1842 wird der Handelsmann<br />

Lorenz Michl, Enkel von Georg<br />

Adam Michl, als Eigentümer<br />

ausgewiesen. Zu seinem Besitz<br />

zählte auch eine Flusshütte mit Kalzinierofen.<br />

Dies lässt darauf schließen,<br />

dass Lorenz Michl, und vor<br />

ihm wohl auch schon sein Vater und<br />

Großvater, mit Pottasche handelte<br />

und diese auch selbst herstellte.<br />

Im 18. Jahrhundert war die Flusssiederei<br />

in der Gegend um <strong>Bärnau</strong><br />

weit verbreitet. Darunter versteht<br />

man die Herstellung von Pottasche<br />

(Kaliumcarbonat), die als Flussmittel<br />

in der Glasherstellung verwendet<br />

wurde. Sie wurde aus Holzasche<br />

ausgewaschen und anschließend<br />

als weißes Pulver durch Eindampfen<br />

gewonnen. Durch Pottasche<br />

konnte die Schmelztemperatur von<br />

Glas gesenkt werden. Sie war daher<br />

ein wichtiges Handelsgut.<br />

Aufgrund einer Verordnung des<br />

Kurfürsten Karl Theodor vom 30.<br />

März 1784 wurde die Pottaschensiederei<br />

zwar verboten, weil sie<br />

wegen ihres immensen Holzverbrauchs<br />

zu einem Holzmangel in<br />

Bayern geführt hatte. Aber bereits<br />

wenige Jahre später schien dieses<br />

Verbot gelockert worden zu sein,<br />

denn „Andrä Michl“ erhielt 1793<br />

die Erlaubnis, eine Pottaschenhütte<br />

zu betreiben.<br />

Der urkundlich überlieferte Kalzinierofen<br />

im Besitz von Lorenz Michl<br />

ist ein Hinweis darauf, dass die<br />

Michls auch Kalk brannten. Ein Relikt<br />

im Keller des Hauses weist noch<br />

heute darauf hin: ein Fass mit Kalkresten.<br />

Die Familie Michl bewohnte das<br />

Sauserbeckenhaus in einer Zeit, in<br />

der <strong>Bärnau</strong> von drei Stadtbränden,<br />

zuletzt am 21. September 1839,<br />

heimgesucht wurde. Im „Situations-Plan“<br />

der abgebrannten Stadt<br />

ist ihr Haus als „Total versichert“<br />

gekennzeichnet. Vermutlich ist es<br />

bei allen drei Bränden zu Schaden<br />

gekommen.<br />

Mit Julius Michl, zuletzt als Eigentümer<br />

am 14.07.1846 genannt, endet<br />

die Linie der Michls im Sauserbeckenhaus.<br />

Über die Sparkasse Weiden<br />

geht das Anwesen an Johann<br />

Wagner, in dessen Besitz es sich am<br />

06.10.1857 befindet.<br />

Beantragung der Bürgerrechte<br />

durch Michael Zintl<br />

14


Am 09.05.1867 wird erstmals der<br />

Name Zintl in Verbindung mit dem<br />

Haus genannt. Besitzer sind Vinzenz<br />

und Anna Zintl. Die in Pfaffenreuth<br />

geborene Anna ist dann auch 1875<br />

als verwitwete Zintl, 1877 neu vermählt<br />

mit Michael Schmeidl, einem<br />

Metzger aus Waldkirch, und zuletzt<br />

1893 wiederum als dessen Witwe<br />

im Besitz des Hauses. Sie verkaufte<br />

das Anwesen schließlich an die<br />

Bauerstochter Katharina Bauer aus<br />

Dippersreuth, eingetragene Besitzerin<br />

am 20. November 1894.<br />

Katharina Bauer heiratete den<br />

Metzgermeister Michael Zintl, der<br />

schon im Besitz des nahe gelegenen<br />

Hauses Nr. 14 war. Im Alter von<br />

29 Jahren erwarb er am 25. Januar<br />

1894 zusätzlich zum bereits bestehenden<br />

Heimatrecht auch das<br />

Bürgerrecht der Stadt <strong>Bärnau</strong>. Michael<br />

und Katharina Zintl werden<br />

am 7. November 1895 als Besitzer<br />

des Hauses genannt. Das Anwesen,<br />

am 4. Dezember 1933 noch<br />

im Besitz der verwitweten Katharina<br />

Zintl, geht später auf Andreas Zintl,<br />

einen ihrer Söhne, und dessen Frau<br />

Anna über. Sie sind am 1. Februar<br />

1934 Eigentümer. Auch Andreas<br />

ist, wie sein Vater schon, Metzger.<br />

Ihr Handwerk führten beide dabei<br />

als Hausschlachter aus. Zur Eigenversorgung<br />

betrieben sie nebenbei<br />

Ackerbau und hielten einige Tiere.<br />

Auch sie waren also typische Ackerbürger.<br />

Erst mit Ludwig und Maria Zintl, den<br />

letzten Besitzern aus der Linie der<br />

Zintls, endete diese ackerbürgerliche<br />

Tradition. Am 1. Januar 1998<br />

verkauften sie das über mehrere<br />

Jahre nur noch vermietete und inzwischen<br />

leerstehende Anwesen an<br />

Andreas und Elsbeth Reichel, die<br />

es am 28.02.2018 an den <strong>Ackerbürgerhaus</strong><br />

<strong>Bärnau</strong> e.V. veräußerten.<br />

Durch den Erwerb der Hälfte der<br />

Immobilie am 09.08.2019 ist die<br />

Stadt <strong>Bärnau</strong> Kommunal GmbH inzwischen<br />

in eine Bauherrengemeinschaft<br />

mit dem Verein eingetreten,<br />

die das Gebäude gegenwärtig saniert.<br />

Personen von links:<br />

Andreas, Metzger und Ackerbauer<br />

(Besitzer am 01.02.1934)<br />

Katharina, geb. Bauer<br />

(Besitzerin am 20.11.1894)<br />

Karl (später Bäcker in München)<br />

Michael, Metzgermeister und Ackerbauer<br />

(Besitzer mit Katharina am 07.11.1895<br />

und Besitzer HsNr. 14)<br />

Rosa<br />

Josef<br />

(später Besitzer des Wirtshauses – Hausnr. 14)<br />

Michael (später Besitzer Bischof-Senestrey-Haus)<br />

Nicht mit abgebildet:<br />

Johann (als Kind verunglückt)<br />

Familie Michael Zintl um 1907<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong> - Das <strong>Ackerbürgerhaus</strong> und seine Besitzer<br />

15


<strong>Ackerbürgerhaus</strong> Nordansicht,<br />

Marktplatz<br />

Architektur &<br />

Bauausführung<br />

Projektziel<br />

Sanieren bedeutet mehr als... einem<br />

alten Gemäuer „neues“ Lebens<br />

einzuhauchen. Sanieren bedeutet<br />

Vergangenes für die Zukunft<br />

zu bewahren; Leerstände werden<br />

beseitigt, und somit kann die Daseinsvorsorge<br />

für künftige Generationen<br />

dauerhaft und nachhaltig<br />

gesichert werden. Beim Denkmalobjekt<br />

„<strong>Ackerbürgerhaus</strong>“ mit seiner<br />

prädestinierten Lage am mittelalterlichen<br />

Marktplatz erfährt die<br />

Stadt <strong>Bärnau</strong> eine weitere Aufwertung<br />

in der grenznahen Region.<br />

Die planerische Aufgabe besteht<br />

darin, das beinahe dem Verfall<br />

preisgegebene ehemalige „Zintlhaus“<br />

unter möglichst<br />

behutsamen<br />

Restaurierungs- und<br />

Instandsetzungsmaßnahmen<br />

wieder in ein<br />

Schmuckstück zu verwandeln.<br />

Das zuletzt<br />

als Wohnhaus genutzte und seit<br />

den 1980er Jahren leerstehende<br />

Gebäude soll auch einer neuen<br />

Nutzung zugeführt werden: hierfür<br />

wurde zusammen mit der Bauherrengemeinschaft<br />

ein zukunftsfähiges<br />

Konzept für eine kulturelle<br />

Wiederbelebung entwickelt.<br />

Konzeption – Umbau und<br />

Sanierung<br />

„Sanieren bedeutet mehr als…<br />

…einem alten Gemäuer<br />

neues Leben einzuhauchen“<br />

Die Herausforderung besteht darin,<br />

das neue Nutzungskonzept in die<br />

vorhandene Grundrissstruktur zu<br />

integrieren. Trotz des Stadtbrandes<br />

von 1839 ist der solide Massivbau<br />

mit traufseitigem Satteldach noch<br />

gut erhalten – Putz, Fenster und<br />

Dacheindeckung müssen jedoch<br />

aufgrund des Alters und der aktuellen<br />

technischen und energetischen<br />

Anforderungen erneuert werden.<br />

Auch Sicherungsmaßnahmen im<br />

Bereich der Gründung sind nach<br />

Beurteilung des Statikers notwendig,<br />

die Holzbalkendecken und die<br />

Dachkonstruktion müssen ertüchtigt<br />

werden.<br />

Gebäudehülle:<br />

Das Gebäude soll sich wieder in<br />

das historische Gesamtbild einfügen<br />

(Fotoaufnahmen belegen das<br />

damalige Erscheinungsbild): Putzfassade,<br />

Einfassungen und Gesimse<br />

werden nach den Vorgaben des<br />

Denkmalschutzes saniert. Die gut<br />

erhaltene Dachkonstruktion (Kehlbalkendach)<br />

aus dem 19. Jh. wird<br />

statisch durch Verringerung der<br />

Sparrenabstände ertüchtigt, ohne<br />

das Erscheinungsbild zu verändern.<br />

Die neue Eindeckung des gedämmten<br />

Satteldachs wird in Naturschiefer<br />

(regionaltypische Bogenschnittdeckung)<br />

ausgeführt. Spitzgauben<br />

auf beiden Dachflächen - ebenfalls<br />

mit Schiefer eingedeckt - sorgen für<br />

eine ausreichende Belichtung<br />

und Belüftung<br />

des Dachraums. Die altdeutschen<br />

Kamine – vor<br />

Jahren stillgelegt und<br />

rückgebaut - werden<br />

wieder reaktiviert und<br />

in ein modernes und nachhaltiges<br />

Heizkonzept integriert. Das prägnante<br />

Original-Tor auf der Marktplatzseite<br />

ist noch erhalten und soll<br />

nach seiner Restaurierung wieder<br />

eingebaut werden. Die Fenster auf<br />

der Marktplatz- sowie Innenhofseite<br />

werden als Kreuzstockfenster mit<br />

6er-Teilung rekonstruiert.<br />

16


Gebäudestruktur:<br />

Die bestehende Grundrissstruktur<br />

im EG und OG wird bis auf ein paar<br />

wenige unbedeutende Rückbauten<br />

nicht verändert. Sämtliche Innenbauteile<br />

wie Holztüren, Sichtfenster,<br />

Vitrinen und sonstiges Interieur<br />

werden nach Restaurierung bzw.<br />

Rekonstruktion wieder eingebaut,<br />

um den Urzustand des Leitzeitalters<br />

nach Möglichkeit wiederherzustellen.<br />

Neu sind die geschossweisen Außenzugänge<br />

über einen modernen<br />

Funktionsanbau, der sich im südlich<br />

gelegenen Hinterhof an den Bestand<br />

anfügt. Dieser ist aufgrund<br />

der nach Landesbauordnung geforderten<br />

Barrierefreiheit sowie der<br />

Brandschutzanforderungen (Personenaufzug<br />

und 1. Rettungsweg im<br />

Inneren des Gebäudes aus Platzgründen<br />

nicht möglich) zwingend<br />

notwendig.<br />

OG – Museumsbereich und<br />

Kreativraum<br />

Über die alte Steintreppe vom<br />

Hausgang/Flur gelangt man in die<br />

großzügige Diele des Obergeschosses<br />

mit Blick auf den Innenhof.<br />

Von dort führt eine neue Holztreppe<br />

– gestaltet nach historischer<br />

Vorgabe - ins Dachgeschoss.<br />

Im Obergeschoss befinden sich der<br />

sog. Co-Working-Space mit Teeküche,<br />

der Museumsbereich mit Galerie<br />

(Blick auf die Brauanlage!) und<br />

die neuen Toilettenräume.<br />

DG – „Kulturhof“ und<br />

Kleinkunstbühne<br />

Besonderes Flair bietet der Dachgeschossraum<br />

für alle Kulturbegeisterten<br />

und Liebhaber von Literatur,<br />

Musik und Kunst sowie regionalen<br />

Produkten: durch die Entfernung<br />

der obersten Dielenlage und der<br />

Aufbringung der energetisch notwendigen<br />

Dämmung von außen<br />

entsteht ein freier Blick auf das gut<br />

erhaltene Dachgebälk mit seinem<br />

Gespärre. Der nahe der Bühne situierte<br />

Standgiebel mit verglaster<br />

Außentüre ist gleichzeitig Zugang<br />

und 1. Rettungsweg.<br />

Funktionsbau<br />

Die Lage des nach Bayerischer<br />

Bauordnung geforderten Aufzugs<br />

und der Stahltreppenanlage (1.<br />

Rettungsweg) definieren den neuen<br />

Funktionsanbau. Der Ausgang<br />

über den Standgiebel im DG bei<br />

der Kleinkunstbühne erfolgt über<br />

eine filigrane Stahltreppe mit Steg,<br />

von welchem aus auch der Aufzug<br />

erreichbar ist.<br />

Vom OG gelangt man über einen<br />

kleinen Balkon auf die Dachterrasse<br />

und zum Aufzug. Eine massive<br />

Treppe führt von dort in den Innenhof,<br />

der zugleich als kleiner Biergarten<br />

in der milden Jahreszeit dient.<br />

Im EG befinden sich weitere WC-<br />

Anlagen mit Putzraum sowie der<br />

Technikraum.<br />

Die Außenmauern und nach Möglichkeit<br />

auch der Aufzugsschacht<br />

sollen mit Fassadengrün berankt<br />

werden (z.B. Efeu, Hopfen oder wilder<br />

Wein). Holzstaketen sowie ein<br />

Granitbogen sollen den Innenhofbereich<br />

auflockern.<br />

Gebäudetechnik:<br />

Ein wesentliches Ziel in der Umsetzung<br />

ist die Schaffung eines<br />

möglichst nachhaltigen Energiekonzepts.<br />

Im Vordergrund stehen<br />

neben ökologischen Aspekten bei<br />

der Auswahl von Baustoffen und<br />

des Energieträgers auch möglichst<br />

niedrige Unterhaltskosten für den<br />

Verein.<br />

Die Wahl der Energieerzeugung<br />

fiel daher auf eine Erdwärmepumpe.<br />

Diese besitzt den Vorteil, durch<br />

Bohrungen in die Tiefe nur eine<br />

relativ geringe Fläche in Anspruch<br />

zu nehmen. Für den Dauerbetrieb<br />

erweist sie sich als kostengünstigste<br />

Variante, da sowohl für die<br />

ganzjährige Sockeltemperierung<br />

(kontinuierliche Trockenlegung des<br />

alten Mauerwerks) als auch für die<br />

geplante Wandflächenheizung als<br />

Raumbeheizung nur geringe Vorlauftemperaturen<br />

benötigt werden.<br />

Im neuen Funktionsanbau – in welchem<br />

sich auch der Technikraum<br />

befindet - wird eine Fußbodenheizung<br />

installiert, und für das benötigte<br />

Warmwasser in den Sanitärräumen<br />

ist man mit kleineren<br />

Durchlauferhitzern auskömmlich.<br />

Für das Brauen werden allerdings<br />

Temperaturen bis zu 120° benötigt,<br />

die mit einem zusätzlichen Gasbrenner<br />

erzeugt werden.<br />

Katrin Roider<br />

Architektin<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong> Südansicht<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong> - Architektur & Bauausführung<br />

17


18


19


Archäologie<br />

Archäologische Befunde in den<br />

Räumen des <strong>Ackerbürgerhaus</strong>es<br />

Das sogenannte Zintlhaus in der<br />

Bischof-Senestrey-Straße 2 wird<br />

gegenwärtig für die spätere Verwendung<br />

als „Mitmachhaus“ saniert.<br />

Das Gebäude befindet sich<br />

im historischen Stadtkern und weist<br />

mit seinen drei Kellern Bausubstanz<br />

auf, die dem 14. Jahrhundert, also<br />

der Gründungszeit der Stadt, zugeschrieben<br />

wird. Durch die topographische<br />

Lage des Hauses war bei<br />

den nötigen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen<br />

mit stadtarchäologischen<br />

Befunden zu rechnen.<br />

Daher werden die Bau- und Renovierungsmaßnahmen<br />

im <strong>Ackerbürgerhaus</strong><br />

seit 2019 archäologisch<br />

vom Lehrstuhl für Archäologie des<br />

Mittelalters und der Neuzeit der<br />

Universität Bamberg begleitet. Die<br />

archäologische Betrachtung des<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong>es ist Teil zweier<br />

Forschungsprojekte.<br />

Zum einen wird im Rahmen des<br />

deutsch-tschechischen Forschungsprojektes<br />

„Socioeconomic Spaces<br />

crossing borders: Archäologische<br />

Untersuchungen einer Stadt an<br />

der bayerisch-böhmischen Grenze“,<br />

gefördert durch die Bayerisch-<br />

Tschechische Hochschulagentur<br />

(BTHA), das Leben in der historischen<br />

Grenzregion untersucht. Das<br />

bayerische Teilprojekt konzentriert<br />

sich auf die archäologische und<br />

bauhistorische Analyse der Geschichte<br />

des <strong>Ackerbürgerhaus</strong>es in<br />

<strong>Bärnau</strong>. Insgesamt geht es in dem<br />

Projekt aber um ein besseres Verständnis<br />

des historischen Wandels<br />

einer Grenzregion während des<br />

Kalten Krieges, als der Eiserne Vorhang<br />

die Menschen voneinander<br />

getrennt hat. In den letzten Jahren<br />

sind viele neue Verbindungen<br />

zwischen Bayern und Böhmen entstanden,<br />

die alte Konflikte zu überwinden<br />

suchen. So verbindet die<br />

Goldene Straße (oder Via Carolina)<br />

die beiden Städte <strong>Bärnau</strong> und Tachov<br />

nicht nur als weitgefächertes<br />

Hohlwegbündel, sondern auch im<br />

übertragenen Sinne. Zum anderen<br />

ist die Ausgrabung und die Auswertung<br />

der Befunde, insbesondere<br />

die Wissenschaftskommunikation<br />

dieser Arbeitsschritte ein wesentlicher<br />

Aspekt meiner Dissertation.<br />

Der Großteil der Ausgrabung fand<br />

im Rahmen von drei Grabungskampagnen<br />

im August 2019, Juli 2020<br />

und Oktober 2020 statt. Hauptsächlich<br />

als Lehrgrabung in Zusammenarbeit<br />

mit Studierenden der<br />

Universitäten Bamberg und Pilsen<br />

organisiert, wurden wir regelmäßig<br />

und tatkräftig von den ehrenamtlichen<br />

Grabungshelfern des <strong>Ackerbürgerhaus</strong>vereins<br />

unterstützt.<br />

Nach nun zwei Jahren sind die archäologischen<br />

Ausgrabungen im<br />

Haus fast abgeschlossen. Dabei<br />

sind interessante Funde und Befunde<br />

zu Tage getreten, die uns bis<br />

in die Zeit vor der Stadtgründung<br />

<strong>Bärnau</strong>s durch Ludwig den Bayern<br />

im Jahr 1343 zurückbringen.<br />

Das <strong>Ackerbürgerhaus</strong> in <strong>Bärnau</strong><br />

In dem ehemals von der Stadtmauer<br />

umgebenen Zentrum von <strong>Bärnau</strong><br />

sind rund um den rechteckigen<br />

Marktplatz Hausparzellen angelegt,<br />

die zwei Ringe bilden. Die Parzellen<br />

des Inneren Rings sind dabei deutlich<br />

größer gehalten als jene, die<br />

näher an der Stadtmauer lagen.<br />

Durch die Stadt führt eine Straße<br />

von Südwesten hinauf zum Marktplatz<br />

Richtung Nordosten an der<br />

Kirche vorbei und nach Osten wieder<br />

hinaus.<br />

Das sog. <strong>Ackerbürgerhaus</strong> befindet<br />

sich direkt an dieser Straßenführung<br />

an der Ecke zum Marktplatz.<br />

Das Gebäude ist in leicht abschüssiger<br />

Lage an den Hang gebaut.<br />

Auf dem Stadtplan von 1840 ist zu<br />

erkennen, dass sich das <strong>Ackerbürgerhaus</strong><br />

mit der Nr. 17 auf einer<br />

der breiteren Parzellen entlang der<br />

Hauptstraße befindet. Zu dem Haus<br />

gehört ein Hinterhof, der bis an die<br />

heutige Bachgasse heranreicht.<br />

Abb. 1: Lage des <strong>Ackerbürgerhaus</strong>es<br />

markiert im Stadtplan von 1840<br />

(Bayerisches Landesvermessungsamt<br />

München, Nr. 558/03).<br />

20


Zum Begriff des „Ackerbürgers“<br />

Die räumliche Struktur der Stadt<br />

<strong>Bärnau</strong> ist vergleichbar mit vielen<br />

kleinen Städten, die im Spätmittelalter<br />

in ländlichen Regionen gegründet<br />

wurden. Häufig befanden<br />

sich innerhalb der Stadtmauern<br />

größere Flächen für die Gartenoder<br />

Feldbearbeitung. Aufgrund<br />

der selbstversorgenden Struktur<br />

innerhalb der Stadtmauern werden<br />

diese Städte als Ackerbürgerstädte<br />

bezeichnet. Als Nahtstelle zwischen<br />

einem Bürger- und einem Bauernhaus<br />

sollte das entsprechende<br />

Gebäude die Anforderungen des<br />

städtischen Wohnens und der landwirtschaftlichen<br />

Arbeit, einschließlich<br />

der Viehhaltung, vereinbaren.<br />

Weist ein Haus also eine große<br />

Toreinfahrt, Stallungen sowie Lager-<br />

und Wohnräume, zusammen<br />

mit einer großzügig geplanten Parzelle<br />

auf, kann dieses Gebäude als<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong> angesprochen<br />

werden. Jedoch ist auch bei anderen<br />

Handwerkszweigen oder Brauereien<br />

der Bedarf an einer großen<br />

Toreinfahrt vorhanden, sodass dieses<br />

Charakteristikum nicht alleine<br />

einem <strong>Ackerbürgerhaus</strong> zugesprochen<br />

werden kann.<br />

Um 1840 wurde das zweistöckige<br />

Gebäude traufständig, d. h. mit<br />

der Längsseite zur Straße hin ausgerichtet<br />

erbaut. Es wurde aus<br />

massiven Bruchsteinen gemauert.<br />

Im westlichen Bereich befindet sich<br />

als Zugang ein hölzernes Tor, das<br />

von zwei Granitpfeilern flankiert ist.<br />

Der Torweg führt in den hinteren<br />

Bereich der Parzelle. Während sich<br />

im westlichen Bereich zwei Räume<br />

als Werkstatt und Stallung befanden,<br />

waren die östlichen Räume als<br />

Wohnräume mit Stube und Kamin<br />

konstruiert.<br />

Abb. 2: Blick in den Kellerraum gegen Südwesten.<br />

Im Hintergrund: mittelalterliche Steinmauer. Rechts:<br />

Restbefundblock der Kellerverfüllung<br />

(Foto: V. Diederich).<br />

Dieser Keller (Abb. 2) erstreckt sich<br />

ungefähr über ¾ der Fläche des<br />

Gärtankraums. Allerdings können<br />

die Ausmaße des Kellers nur in seiner<br />

Länge von 2,4 m vollständig<br />

bestimmt werden. Nach Südwesten<br />

hin ist der Keller durch eine Steinmauer<br />

begrenzt. Das nordöstliche<br />

Ende des Kellers haben wir anhand<br />

der Abbruchkante des Felsens<br />

erkannt. Die Breite des Kellers<br />

ist nicht mehr nachvollziehbar. Im<br />

Westen verlaufen die betreffenden<br />

mittelalterlichen Schichten unter<br />

der Fundamentmauer zum Nachbarhaus<br />

weiter. Das bedeutet, dass<br />

die Kellerverfüllung nicht nur über<br />

die räumliche Grenze hinaus geht,<br />

sondern auch über die historische<br />

Grundstücksgrenze von 1840 hinaus.<br />

Nach Osten hin ist der Kellerbefund<br />

durch ein neuzeitliches,<br />

kegelförmiges Schüttfundament<br />

gestört, wodurch sich nur eine Mindestbreite<br />

von 2,1 m für den Kellerraum<br />

feststellen lässt.<br />

Zur Konstruktion des Kellers: Der<br />

Kellerraum ist ca. 1,0 m in den anstehenden<br />

Felsen eingetieft worden.<br />

Die Abbruchkante verläuft<br />

leicht schräg. Die Sohle des Kellers<br />

ist nahezu horizontal angelegt und<br />

leicht abschüssig.<br />

Nach Süden hin war der Kellerraum<br />

durch die Steinmauer eingefasst.<br />

Diese erfüllte vermutlich bereits<br />

im Spätmittelalter (im 13. Jh.) die<br />

Funktion des Fundaments der Südwand<br />

eines (Fachwerk)-Vorgängerbaus.<br />

Die nördliche Kellerwand<br />

bestand hingegen nicht aus Stein,<br />

sondern aus einer Holzkonstruktion.<br />

Schlecht erhaltene, jedoch auf<br />

der gesamten Breite der untersuchten<br />

Quadranten dokumentierte<br />

Holzreste, konnten nachgewiesen<br />

werden. Es könnte sich dabei um<br />

die verbliebenen Reste einer Bohlenwand<br />

auf einem Schwellbalken<br />

handeln.<br />

Für diese Holzreste haben wir im<br />

Winter 2020 eine 14C-Datierung<br />

im Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie<br />

(GmbH) in Mannheim<br />

durchführen lassen. Es konnte somit<br />

nachgewiesen werden, dass der<br />

Befund der Holzwand in einen Zeitraum<br />

zwischen dem späten 12. und<br />

dem späten 13. Jh. einzuordnen ist.<br />

Abb. 3: Reste der nordöstlichen<br />

Kellerwand: die Steinlage hinter<br />

dem Schwellbalken ist noch gut<br />

zu erkennen.<br />

(Foto: V. Diederich).<br />

Ein städtischer Keller aus dem 13.<br />

Jahrhundert im Gärtankraum<br />

Der für die Gärtanks vorgesehene<br />

Raum ist von kleinen Forschungsteams<br />

in drei ein- bis zweiwöchigen<br />

Kampagnen im Jahr 2020 untersucht<br />

worden. Nicht zuletzt durch<br />

die coronabedingt erschwerten Arbeitsbedingungen<br />

war im Oktober<br />

die Freude über den bemerkenswerten<br />

Fund eines spätmittelalterlichen,<br />

städtischen Kellers besonders<br />

groß. Der Keller stammt aus<br />

dem 13. Jh., wodurch er uns bis vor<br />

die Stadtgründung <strong>Bärnau</strong>s zurückführt.<br />

21


Betreten wurde der Keller im Gärtankraum<br />

von der zur Straße gewandten<br />

Nordseite. Dieser Zugang<br />

war ebenfalls in den anstehenden<br />

Boden eingetieft worden und bestand<br />

wahrscheinlich aus einer<br />

Holzkonstruktion. Dieser werden<br />

zwei Bauhölzer zugeordnet. Zum einen<br />

handelt es sich um einen senkrecht<br />

verlaufenden Pfosten von ca.<br />

10 cm Stärke, welcher jedoch sehr<br />

schlecht erhalten war und nur als<br />

Verfärbung dokumentiert werden<br />

konnte. Das zweite Bauholz ist ein<br />

langes, waagerecht verlaufendes<br />

Holz auf der Sohle des Kellerzugangs.<br />

Es reicht bis unter die nordwestliche<br />

Fundamentmauer zum<br />

Brauereiraum. Die Vermutung liegt<br />

nahe, dass es sich hier um die Reste<br />

einer hölzernen Treppenkonstruktion<br />

handelt.<br />

Wie die Decke des Kellerraums<br />

ausgestattet war, lässt sich anhand<br />

der archäologischen Befunde nicht<br />

nachvollziehen. Denkbar wäre eine<br />

einfache, flache Holzdecke.<br />

Warum der Keller aufgegeben wurde,<br />

ist bislang noch nicht eindeutig<br />

beantwortet. Festzuhalten ist, dass<br />

der Keller über einen kürzeren Zeitraum<br />

mit zwei gut 50 cm umfassenden<br />

Schichten aufgefüllt wurde.<br />

Das Fundmaterial von reduzierend<br />

gebrannten Keramikscherben mit<br />

Kragenrändern und dem Fund einer<br />

Bodenmarke weisen in das späte<br />

13. Jh. (Abb. 4).<br />

Zur Versiegelung des Kellers wurde<br />

zunächst eine Lage Granitstein<br />

gelegt, diese mit einem Sand-<br />

Lehm-Gemisch überzogen und ein<br />

ebener Holzboden darüber gelegt<br />

(Abb. 5), um die Oberfläche begehbar<br />

zu machen. Diesen Holzboden<br />

konnten wir nur noch in schlecht<br />

erhaltenen Holzbrettern sowie als<br />

Verfärbung feststellen. Die Keramik<br />

oberhalb der Steinlage weist nach<br />

jetzigen Abschätzungen in das 15.-<br />

16. Jahrhundert.<br />

1<br />

Ob sich hieraus ein kultureller Austausch<br />

im mittelalterlichen Neuböhmen<br />

ableiten lässt, soll in vergleichenden<br />

Betrachtungen im<br />

Rahmen des Projekts „Socioeconomic-Spaces<br />

crossing borders“ im<br />

Jahr <strong>2021</strong> untersucht werden.<br />

Ein spätmittelalterlicher Holzbau<br />

im Brauereiraum<br />

Im Sommer 2019 fanden im Rahmen<br />

einer Lehrgrabung der Universität<br />

Bamberg archäologische<br />

Untersuchungen im Raum 00.09,<br />

dem künftigen Brauereiraum, statt.<br />

Dabei kam eine ältere Bauphase<br />

zum Vorschein.<br />

In der nördlichen Hälfte des Raums<br />

haben wir zwei parallel verlaufende,<br />

noch rudimentär erhaltene<br />

Holzbalken freigelegt, die von der<br />

Ausrichtung der Fundamentmauern<br />

des Raums abweichen. Beide<br />

Balken weisen eine Länge von ca.<br />

2,7 m auf und haben eine Breite<br />

von gut 20 cm. Sie verlaufen mit einer<br />

Nordost-Südwest-Ausrichtung.<br />

Nach Norden hin reichen sie unter<br />

das Fundament der Nordmauer in<br />

Richtung Straße.<br />

In der südlichen Hälfte des Raums<br />

stießen wir auf eine rasterförmige<br />

Verfärbung, die vermutlich unter<br />

Brandeinwirkung entstand. Auf<br />

dem bräunlich-beigen Unterboden<br />

zeichnet sich die Verfärbung als<br />

dunkelbraune, zum Teil schwärzliche,<br />

an manchen Stellen auch rötliche<br />

Verfärbung ab. Sie verläuft gitterartig,<br />

wobei man eine verstärkte<br />

Tendenz einer Ost-West-Ausrichtung<br />

erkennen kann. Im Süden<br />

waren stellenweise noch verkohlte<br />

Holzreste von schmalen Holzbrettern<br />

vorhanden.<br />

Abb. 4: Keramikscherben des<br />

späten 13. Jh. aus der<br />

Kellerverfüllung<br />

(Foto: V. Diederich/M. Rühle).<br />

Abb. 5: gitterartige Verfärbungen im<br />

Brautankraum weisen auf eine Holzbauphase<br />

des 15./16. Jahrhunderts hin<br />

(Foto: V. Diederich)


Von diesen Holzresten sowie von<br />

den zwei großen Holzbalken wurden<br />

während der Grabung Proben<br />

für eine Radiokarbonanalyse entnommen,<br />

die im Winter 2019 im<br />

Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie<br />

(CEZA) GmbH untersucht<br />

wurden. Die Analyse ergab, dass<br />

diese beprobten Balken ins 14.<br />

Jahrhundert datieren. Die zwei<br />

Holzproben aus den Holzresten der<br />

querverlaufenden Abdrücke datieren<br />

in das 15./16. Jh. Da die Balken<br />

auch in einer zweiten Verwendung<br />

in den Boden eingetieft worden<br />

sein könnten, ordne ich die Befundsituation<br />

nach aktuellem Kenntnisstand<br />

in das 15. Jh. ein. Die Holzkonstruktion<br />

im <strong>Ackerbürgerhaus</strong><br />

wurde wahrscheinlich bei einem<br />

der sechs Stadtbrände in <strong>Bärnau</strong><br />

zwischen 1534 und 1800 zerstört<br />

und blieb nur noch als Abdruck und<br />

wenige Holzkohlereste erhalten.<br />

Darauf weist die gut 15 cm starke,<br />

sehr kompakte mit Brandlehm,<br />

Mörtel und Holzkohle durchsetze<br />

Schicht hin, die sich auf der ganzen<br />

Fläche des Raums oberhalb der<br />

Holzbefunde finden ließ.<br />

Ein Vergleich zu ähnlichen Befundsituationen<br />

aus Deutschland und<br />

der Schweiz erlaubt zwei verschiedene<br />

Interpretationen:<br />

1. Bei der Struktur der gitterartigen<br />

Verfärbung könnte es sich um den<br />

Abdruck eines spätmittelalterlichen<br />

Fußbodens handeln. Die zwei parallel<br />

verlaufenden Holzbalken aus<br />

dem Brautankraum könnten Reste<br />

von Bauteilen einer Unterkonstruktion<br />

für einen Dielenboden sein.<br />

Für den süddeutschen-schweizerischen<br />

Raum erwähnte J. Schneider<br />

bereits 1986, dass sich in hoch- bis<br />

spätmittelalterlichen Häusern stellenweise<br />

direkt auf dem Erdreich<br />

oder auf einem Balkenlager ruhend<br />

Bohlen oder Riemen als Erdgeschossboden<br />

befanden.<br />

2. Dass das <strong>Ackerbürgerhaus</strong> im<br />

15. Jh. einen Weg neben dem<br />

Haus entlang als Zugang des hinteren<br />

Bereiches der Parzelle zum<br />

Marktplatz hatte, ist ein denkbares<br />

Szenario. Bekannte Beispiele dafür<br />

gibt es im Lübecker Gründerviertel.<br />

J. Harder beschreibt die mehrfach<br />

beobachteten Holzlagen aus dem<br />

12. und 13. Jh., die als begehbare<br />

Oberflächen, Fußböden oder als<br />

Wege dienten. Die Lübecker Befunde<br />

sind zwar bedeutend älter als<br />

der Befund aus dem <strong>Ackerbürgerhaus</strong>;<br />

dennoch ist es plausibel, dass<br />

diese bewährte Konstruktionsweise<br />

mit einer Unterkonstruktion und darauf<br />

befestigten schmaleren Querhölzern<br />

auch später noch in <strong>Bärnau</strong><br />

angewandt wurde.<br />

Zusammenfassung<br />

Die denkmalwissenschaftliche Untersuchung<br />

ergab, dass das <strong>Ackerbürgerhaus</strong><br />

mehrere Bauphasen<br />

aufweist. Anhand der Grabungsbefunde<br />

aus den beiden Räumen der<br />

Brauerei lässt sich erkennen, dass<br />

auf dem heutigen Grundstück des<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong>es in mittelalterlicher<br />

Zeit zwei Parzellen vorhanden<br />

waren, die nicht der Parzelleneinteilung<br />

des Plans von 1840 entsprechen.<br />

Dies bedeutet, dass die<br />

Befundsituation in den Brauereiräumen<br />

im Mittelalter bis in die Neuzeit<br />

hinein nicht Teil des Gebäudes<br />

war. Stattdessen befand sich an<br />

der Stelle des Gärtankraums im<br />

13. Jahrhundert auf einer schmalen<br />

Parzelle, westlich neben dem kleiner<br />

gefassten Vorgängerbau des<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong>es, ein zweites<br />

unterkellertes Gebäude. Im Aufgehenden<br />

dürfte es sich hier um einen<br />

Holzbau gehandelt haben - vermutlich<br />

aus Fachwerk, wie wir es aus<br />

anderen mittelalterlichen Städten<br />

bereits kennen.<br />

Zur Straße hin, also auf der Fläche<br />

des Brautankraumes, haben wir keine<br />

Funde oder Befunde aus dieser<br />

Zeit festgestellt. Die zwei parallel<br />

verlaufenden Holzbalken aus dem<br />

Brautankraum weisen jedoch ein<br />

14C-Datum aus dem 14. Jh. auf.<br />

Vielleicht hat hier im 13. Jh. ein Vorbau<br />

zur Straße hin bestanden. Es ist<br />

jedoch auch denkbar, dass die Straße<br />

im Mittelalter breiter war, die<br />

Häuser weiter nach hinten versetzt<br />

waren und die zwei Holzbalken erst<br />

zu einem späteren Zeitpunkt verbaut<br />

wurden.<br />

Schmale Parzellen und die damit<br />

einher gehende enge Bebauung<br />

sind typisch für mittelalterliche<br />

Städte. Mit dem Kellerbefund ist<br />

ein besonderer Nachweis gelungen.<br />

Es handelt sich hier um den<br />

ältesten bekannten Bau der Stadt.<br />

Ferner zeigt sich, dass in <strong>Bärnau</strong><br />

bereits städtische Baustrukturen<br />

vorhanden waren, bevor die Stadt<br />

ihre Rechte und Privilegien durch<br />

Ludwig den Bayern und später<br />

durch Karl IV. erhielt.<br />

Für das 15. Jh. haben wir in beiden<br />

Brauereiräumen eine Holzbodenkonstruktion<br />

festgestellt, die vermutlich<br />

in einem Zusammenhang<br />

steht. Diese ist weiterhin an der<br />

schmalen Parzelle orientiert und<br />

verläuft westlich neben dem <strong>Ackerbürgerhaus</strong>.<br />

Der Erhaltungszustand der Hölzer<br />

lässt vorerst keine eindeutige<br />

Interpretation zu, da keine Bearbeitungsspuren<br />

an den Holzresten erhalten<br />

sind. Sie können sowohl als<br />

Holzfußboden als Teil einer Gebäudestruktur<br />

als auch als Bohlenweg<br />

interpretiert werden. In beiden Fällen<br />

sind weitere Untersuchungen<br />

notwendig.<br />

Im 16./17. Jh. war über dem Brautankaum<br />

ein Gebäude errichtet<br />

worden, in dessen Fußboden ein<br />

heller Krug mit einem Deckel darauf<br />

direkt am Fundament eingegraben<br />

wurde. Bei diesem Krug handelt es<br />

sich wahrscheinlich um einen Nachgeburtstopf.<br />

Wie die Bauphase<br />

des 16./17. Jh. ausgesehen hat, ist<br />

noch im Unklaren.<br />

Spätestens nach dem großen Brand<br />

von 1800 wurde das <strong>Ackerbürgerhaus</strong><br />

in seinen heutigen Ausmaßen<br />

auf zwei Parzellen errichtet.<br />

Viviane Diederich M.A.<br />

wissenschaftliche Mitarbeiterin<br />

am Lehrstuhl für Archäologie<br />

des Mittelalters und der Neuzeit<br />

an der Otto-Friedrich-Universität<br />

Bamberg.<br />

Mit einem herzlichen Dank an<br />

Herrn Prof. Dr. Rainer Schreg,<br />

die tschechischen Kollegen Dr.<br />

Michal Preusz und Dr. Petr Netolický,<br />

die Mitglieder des Vereins<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong> e.V., die<br />

Stadt <strong>Bärnau</strong>, den Lkr. Tirschenreuth,<br />

den Bezirk der Oberpfalz<br />

und das ArchaeoCentrum Bayern-Böhmen<br />

für die Unterstützung<br />

der Forschungsprojekte.<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong> - Archaeologisches<br />

23


Jennifer Lachmann (31), <strong>Bärnau</strong><br />

Wolfgang Giehl (59), <strong>Bärnau</strong><br />

Schatzmeisterin<br />

Techn. Assistentin Funktionale Sicherheit & technische Dokumentation<br />

TSV <strong>Bärnau</strong>, Feuerwehr <strong>Bärnau</strong>, JWG <strong>Bärnau</strong><br />

Als ehemalige Weidnerin habe ich den Zoigl in <strong>Bärnau</strong> nicht<br />

kennengelernt, allerdings habe ich darüber nur Gutes gehört.<br />

Mit dem <strong>Ackerbürgerhaus</strong> soll für jede/n wieder ein solcher<br />

Treffpunkt entstehen. Es soll nicht nur ein Ort zum Wohlfühlen<br />

mit gutem Essen und Trinken (selbstgebrautes Bier) werden,<br />

sondern auch Platz für weitere Räume wie z. B. den Co-Working-Space<br />

bieten.<br />

„Hindernisse und Schwierigkeiten sind Stufen, auf denen wir in<br />

die Höhe steigen.“ - Friedrich Nietzsche<br />

Stellvertretender Vorsitzender<br />

Landwirtschaftsinspektor<br />

Gründungsmitglied „Via Carolina“, Wir im <strong>Bärnau</strong>er Land,<br />

BWG <strong>Bärnau</strong><br />

Als einer sagte „Wenn der Zoigl in <strong>Bärnau</strong> schließt, dann machen<br />

wir halt selber einen und das Bier brauen wir auch gleich<br />

selbst“ fand ich das eine gute Idee! Warum eigentlich nicht?<br />

Mit dem <strong>Ackerbürgerhaus</strong> wird die Idee mit der „Kretschn-<br />

Wirtschaft“ und der Brauerei jetzt Wirklichkeit. Besonders<br />

motiviert mich, dass ich mit vielen jung und junggebliebenen<br />

Leuten ein altes, unbewohntes Haus zu einem Treffpunkt für<br />

Jung und Alt machen kann, in dem sich eine Kleinkunstbühne,<br />

ein Co-Working-Space und eine Mitmachbrauerei befinden.<br />

„Das haben wir vorher noch nie versucht, also sind wir uns völlig<br />

sicher, dass wir es schaffen.“ - Pippi Langstrumpf<br />

Marco Donhauser (37), Hasenbühl/Hohenthan<br />

Stellvertretender Vorsitzender<br />

Landwirt<br />

Mitglied im Stadtrat, Feuerwehr, Förderkreise Freibad und<br />

Langlaufzentrum, Eisstock-Freunde, Skiclub, Bunker Naab,<br />

Wasserwacht<br />

Ich bin seit 13 Jahren Mitglied im Stadtrat, und deshalb ist es<br />

mir sehr wichtig, das kulturelle Angebot unserer Gemeinde zu<br />

verbessern.<br />

„Des graing ma scho!“ - Marco Donhauser<br />

Andreas Stier (37), Schwarzenbach<br />

Schriftführer<br />

Abteilungsleiter Verpackungsentwicklung<br />

Bergwandern, Biken, Snowboarden, Zoigln,<br />

Frühschoppenverein<br />

Gemeinsam einen Ort im Zentrum von <strong>Bärnau</strong> erschaffen, um<br />

die Geselligkeit zu fördern und Abstand vom Alltagsstress zu<br />

gewinnen.<br />

„Einfach mal machen - könnte ja gut werden!“ - Unbekannt<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong> - Vorstellung Vorstandschaft<br />

25


Fenster in der Nordfassade<br />

(Marktplatz)<br />

Das <strong>Ackerbürgerhaus</strong><br />

Das <strong>Ackerbürgerhaus</strong> – ein Heimatunternehmen<br />

Die Initiative „HeimatUnternehmen“<br />

- Heimatunternehmer schaffen<br />

Heimatwerte<br />

Menschen, die sich in ihrer Region<br />

engagieren, die mit ihrem Tun etwas<br />

verändern wollen, Macher, die<br />

mit Leidenschaft ihre Idee zum Erfolg<br />

führen wollen. Menschen, die<br />

an das<br />

glauben,<br />

was sie<br />

tun, nicht<br />

nur für<br />

sich, sondern<br />

auch für das Dorf, die Stadt,<br />

die Region. Sie schaffen es, dass<br />

ein Ort, eine Region attraktiver, lebenswerter<br />

und wertvoller wird. Sie<br />

sind im wahrsten Sinne des Wortes<br />

Heimatunternehmer.<br />

„Scheinbar unmögliches möglich<br />

machen“<br />

Genau solche Menschen begleitet<br />

die Initiative HeimatUnternehmen.<br />

Von der Verwaltung der Ländlichen<br />

Entwicklung in Bayern ins Leben<br />

gerufen, wurde sie im Landkreis Tir-<br />

„Was einer nicht schafft,<br />

schenreuth als Pilotinitiative 2017<br />

mit Alfred Wolf als verantwortlichem<br />

„Heimatentwickler“ gestartet.<br />

Zwischenzeitlich gibt es in ganz<br />

Bayern neun solcher „HeimatUnternehmer-Netzwerke“,<br />

die Menschen<br />

vor Ort begleiten und unterstützen<br />

auf ihrem Weg, ihr „Ding“ zu verwirklichen.<br />

Eine Potentialentwicklungsplattform,<br />

die Menschen unbürokratisch<br />

hilft, schneller von A<br />

nach B zu kommen, die Ideen und<br />

Projekte<br />

Wirklichkeit<br />

werden<br />

lässt.<br />

Über dieses<br />

Zusammenwirken<br />

werden mit den<br />

richtigen Instrumenten Vorhaben<br />

Realität, die eigentlich zunächst unmöglich<br />

erscheinen. Genau hier hat<br />

HeimatUnternehmen auch beim<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong> wichtige Dienste<br />

geleistet, bei der Unterstützung<br />

der Konzeptentwicklung, der Hilfe<br />

beim „Anzapfen“ von Fördertöpfen<br />

oder der Vermittlung der Kontakte<br />

für die Genussrechtsfinanzierung.<br />

das schaffen viele gemeinsam“<br />

Was einer alleine nicht schafft,<br />

das schaffen viele gemeinsam<br />

Das Projekt <strong>Ackerbürgerhaus</strong> ist<br />

ein sehr gutes Beispiel dafür, wie<br />

Menschen mit einer Idee und einem<br />

daraus entwickelten Vorhaben<br />

gemeinsam etwas zum Positiven<br />

verändern wollen, um einen Ort<br />

lebenswerter und attraktiver zu gestalten.<br />

In der historischen Innenstadt<br />

steht seit mehr als 30 Jahren<br />

ein denkmalgeschütztes typisches<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong> leer. Eine Gruppe<br />

von entschlossenen Heimatunternehmern<br />

mit Projekterfahrung<br />

packt jetzt ein bisher in dieser Kombination<br />

einmaliges Projekt an. Die<br />

Idee, ein Mitmachhaus mit einer<br />

Mitmach-Brauerei, einem offenen<br />

Treffpunkt, einem Kulturhof und<br />

„Kreativräumen“ ist dabei über einen<br />

längeren Zeitraum gereift und<br />

wurde schließlich zu einem konkreten<br />

Projekt entwickelt.<br />

Es sind Menschen, die sich bereits<br />

in der Vergangenheit für neue<br />

Ideen engagiert und sich für deren<br />

gemeinschaftliche Verwirklichung<br />

eingesetzt haben, ob bei der Schaffung<br />

des Jugendtreffs „BäKs“,<br />

beim Bau der Festspieltribüne, der<br />

Realisierung des Geschichtsparks<br />

oder in anderen Vereinen. Durch<br />

den Zusammenschluss von „Heimatunternehmern“<br />

ist der Verein<br />

„<strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong> e.V.“ entstanden.<br />

Mit der Ausgabe von Genussrechten<br />

in Höhe von 100.000<br />

Euro waren Menschen in der Region<br />

eingeladen, sich an diesem<br />

Pilotvorhaben zu beteiligen und<br />

dadurch regional und traditionsbewusst<br />

in die Zukunft zu investieren.<br />

Genussrechte Schlüssel für die<br />

Umsetzung<br />

In kurzer Zeit waren alle Genussrechte<br />

vergriffen - ein Zeichen für<br />

die Bereitschaft der Region, sich<br />

als Mitunternehmer an diesem Gemeinschaftsprojekt<br />

zu beteiligen.<br />

Das war der Schlüssel, einen jahrzehntelangen<br />

Leerstand mit einer<br />

innovativen Idee wieder zum Leben<br />

zu erwecken. Durch den Zusammenschluss<br />

mit der Stadt <strong>Bärnau</strong><br />

Kommunal GmbH zu einer Bauherrengemeinschaft<br />

und dem Einsatz<br />

der Genussrechte als Eigenkapital<br />

können nun erhebliche Fördergelder<br />

generiert werden, die eine<br />

Sanierung des Gebäudes möglich<br />

machen. Das <strong>Ackerbürgerhaus</strong> in<br />

<strong>Bärnau</strong>, ein Heimatunternehmen,<br />

schafft damit Heimatwert für die<br />

Region und ist eine wertvolle Investition<br />

in die Zukunft.


Impressum:<br />

Herausgeber:<br />

Ackerbuergerhaus <strong>Bärnau</strong> e. V.<br />

Griesbacher Str. 9<br />

95671 <strong>Bärnau</strong><br />

Gestaltung und Organisation:<br />

advance.media - Die Ideenküche GmbH<br />

92681 Erbendorf<br />

www.advance-media.de<br />

Dr. Kerstin Pöllath<br />

Bildnachweise:<br />

S. 3 Norbert Grüner | S. 4/5 <strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong> e.V. | S. 6 oben: Norbert Grüner | unten: <strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong><br />

e.V. | S. 7 <strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong> e.V. | S. 8 oben: die Abbildung zeigt Karl IV. auf dem Votivbild des Prager Erzbischofs<br />

Johann Očko von Wlaschim, um 1370, der Hersteller aus dem Mittelalter ist unbekannt und wegen des hohen Alters ist das<br />

Bild gemeinfrei. | unten: Archiv der Stadt <strong>Bärnau</strong> | S. 9 oben: Zeichnung von L. Zandt aus dem Jahr 1912 | unten: Archiv der<br />

Stadt <strong>Bärnau</strong> | S. 10 oben: Archiv der Stadt <strong>Bärnau</strong> | S.10 unten: Archiv der Stadt <strong>Bärnau</strong> | S. 11 Norbert Grüner | S. 12/13<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong> e.V. | S. 14 Archiv der Stadt <strong>Bärnau</strong> | S. 15 Foto aus der Familienchronik Rosa Lübbe | S. 16 - 19<br />

Pläne: Architektur- und Ingenieurbüro Roider + Sollfrank GbR | S. 26 Norbert Grüner | S. 28 <strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong> e.V.<br />

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Quellen:<br />

Archiv der Stadt <strong>Bärnau</strong><br />

Staatsarchiv Amberg<br />

Zeitzeugin Rosa Lübbe, Tochter des<br />

Andreas Zintl<br />

Literatur:<br />

A. Busl, <strong>Bärnau</strong> – Stadt und Land I.<br />

Geschichte bis zum Ende des Alten<br />

Reiches (Pressath 2004).<br />

V. Diederich, Leben an der Grenze<br />

– ein spätmittelalterlicher Keller<br />

aus <strong>Bärnau</strong>s Stadtgründungszeit.<br />

Das Archäologische Jahr in Bayern<br />

2020, <strong>2021</strong>, 54-57 (derzeit im<br />

Druck).<br />

C. Krauskopf, Mittelalterliche Holzkonstruktion<br />

in Nordostbrandenburg.<br />

Die archäologischen Befunde<br />

aus Eberswalde. Mitteilungshefte<br />

der Gesellschaft für Archäologie<br />

des Mittelalters und der Neuzeit<br />

24, 2012, 141-150.<br />

H.-G. Griep, Kleine Kunstgeschichte<br />

des Deutschen Bürgerhauses<br />

(Darmstadt 1992).<br />

J. Harder, Hölzerne Infrastruktur des<br />

Mittelalters aus dem sogenannten<br />

Gründungsviertel der Hansestadt<br />

Lübeck. Mitteilungshefte der Gesellschaft<br />

für Archäologie des Mittelalters<br />

und der Neuzeit 24, 2012,<br />

123-130.<br />

Knipping, Detlef/Raßhofer, Gabriele:<br />

Denkmäler in Bayern, Bd. III.45.<br />

Landkreis Tirschenreuth, München<br />

2000.<br />

J. Schneider, Der städtische Hausbau<br />

im südwest-schweizerischen<br />

Raum. In: H. Steuer (Hrsg.), Zur Lebensweise<br />

in der Stadt um 1200.<br />

Ergebnisse der Mittelalter-Archäologie.<br />

Bericht über ein Kolloquium<br />

in Köln vom 31. Januar bis 2. Februar<br />

1986. ZAM Beiheft 4/1986,<br />

17-38.<br />

H. Steuer, Freiburg und das Bild<br />

der Stadt um 1100 im Spiegel der<br />

Archäologie. H. Schadek / T. Zotz<br />

(Hrsg.), Freiburg 1091-1120. Neue<br />

Forschungen zu den Anfängen der<br />

Stadt. Freiburger Forschungen in<br />

Südwestdeutschland 7 (Stuttgart<br />

1995) 79–124.<br />

S. Spiong, 700 Jahre alte Holzböden<br />

in Minden. LWL-Blog<br />

23.04.2020 URL: https://www.lwlarchaeologie.de/blog/700-jahrealte-holzboeden-in-minden-freigelegt<br />

[Stand: 23.04.2020].<br />

<strong>Ackerbürgerhaus</strong> <strong>Bärnau</strong> - Impressum<br />

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