2021/25 | Bauplaner

suedwest.presse

AUSGABE I VOM 22.6.2021

Bauplaner A–Z

BAUEN – WOHNEN – RENOVIEREN – SANIEREN

Strom

vom Dach

Jetzt neu

mit 6 Seiten

Immobilien-

Special

Photovoltaikanlagen sind bei Neubauten

Standard. Doch auch bei Bestandsimmobilien

rechnet sich die Investition. Seite 4

AUSBAU

Eine zusätzliche Etage schafft

schnell und einfach mehr

Wohnraum.

Seite 10

GARTEN

Die Sonne lockt:

Leben und arbeiten im

grünen Wohnzimmer.

Seite 14

IMMOBILIENKAUF

Bei einem Immobilienkredit

bietet es sich an, die

Restschuld zu tilgen.

Seite 22


INHALT/VORWORT 3

Inhalt

Editorial

Fenster

Mehr als nur

ein guter

Durchblick

Die passenden Fenster

bestimmen auch das

Aussehen der Fassade.

Besonders beliebt sind

bodentiefe Fenster.

Seite 12

Noch Luft

nach oben

Eine zusätzliche

Etage schafft

weiteren

Wohnraum.

Seite 10

Mein grünes

Wohnzimmer.

Seite 14

Gut für Umwelt

und Geldbeutel

Ganz einfach selbst Strom erzeugen,

wenn die Sonne vom Himmel

lacht und damit auch noch

Geld sparen? Photovoltaikanlagen

machen genau das möglich

und dieser große Vorteil sorgt

für die zunehmende Beliebtheit

der umwelt- und geldbeutelfreundlichen

Solaranlagen.

Zumal man für die Installation

einer Photovoltaikanlage heute

nicht zwingend die Dachfläche

nutzen muss – für Mieter oder

Wohnungsbesitzer gibt es inzwischen

auch Mini-PV-Anlagen für

den Balkon. Seite 4

Hoch hinaus geht es bei unserer

Geschichte zum Dachaufbau.

Wer mehr Platz braucht, sollte

sich überlegen ob noch Luft nach

oben am Eigenheim ist. Die Voraussetzungen

für einen solchen

Aufbau auf den

Seiten 10 und 11

Hoch die Tassen: Dass es gut ist,

wichtige Schritte und Projekte

auch mal so richtig zu feiern,

zeigt unser Thema „das Haus

hochleben lassen“ auf

Seite 16

04 Strom vom Dach

Photovoltaikanlagen sind

beim Neubau Standard. Doch

auch bei einer Sanierung

lohnt sich die Investition.

16 Ein Hoch

auf unser Haus!

Rituale beim Hausbau

sorgen für Emotionen und

sollen Glück bringen.

20 Was ist meine

Immobilie wert?

Wie viel würde ich für meine

vier Wände bekommen? Eine

interessante Frage.

Ich wünsche Ihnen nun viel

Spaß beim Blättern im neuen

Bauplaner!

08 Smarter Schutz

fürs Heim

Smart-Home-Systeme bieten

Sicherheit – unter bestimmten

Voraussetzungen.

18 Stadt oder Land,

liegt im Trend?

Pulsierendes Leben in der

Stadt oder viel Natur auf dem

Land – wohin geht der Trend?

22 Immokredite – weg

mit der Restschuld

Die Anschlussfinanzierung

bietet viele Chancen, den Kredit

schneller abzubezahlen.

Stefanie Müller

Redaktionsleitung

Schwäbisches Verlagshaus

Impressum

Verlag & Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstr. 77, 89073 Ulm

Projektleitung

Tobias Lehmann

Anzeigen (verantwortlich)

Stefan Schaumburg

Redaktion

Stefanie Müller, SVH GmbH

& Co. KG (verantwortlich),

Birgit Rexer, Anne Schur

Gestaltung

mediaservice ulm

Fotos

Shutterstock, SWP-Archiv,

SVH

Titelbild

© Jack Frog/shutterstock.com

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Den Datenschutzbeauftragten

erreichen Sie unter:

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Druck

DUO Druckhaus Ulm-Oberschwaben

GmbH & Co. KG

Siemensstraße 10,

89079 Ulm


4

PHOTOVOLTAIK

Strom

vom Dach

Energie Photovoltaikanlagen sind bei

Neubauten mittlerweile Standard. Doch

auch bei Bestandssanierungen wird die

Solaranlage oft gleich mitgeplant. Und das

rechnet sich. Von Kerstin Auernhammer

Eine Kilowattstunde

Strom kostete vor 40

Jahren 21 Pfennig. Vor

20 Jahren waren es 30

Pfennig, vor zehn Jahren

25 Cent, aktuell sind es um

die 32 Cent. Auch mit Inflationsbereinigung

sind die Energiekosten

in den vergangenen Jahren

stetig gestiegen. Ein Grund für

viele Menschen, sich über Einsparmöglichkeiten

zu informieren

– oft in Form einer Photovoltaikanlage.

„Wir merken derzeit

einen erhöhten Beratungsbedarf“,

sagt Theresa Volk von der

Regionalen Energieagentur Ulm.

„Photovoltaik gehört zu den Top

5 unserer Themen.“ Anrufer interessieren

sich zum einen für

Förderungen, um ihre Investitionskosten

zu senken. „Aber auch

die Auslegung spielt eine Rolle,

sprich: Wie groß kann oder sollte

eine Photovoltaikanlage sein,

welche Voraussetzungen sind

gegeben, welche Ausrichtung

sollte sie haben“, erklärt Volk.

Ab nächstem Jahr Pflicht

Die Zahl der privaten Photovoltaikanlagen

ist in den vergangenen

Jahren stetig gestiegen – und

wird es in den kommenden Jah-

ren weiter tun, dafür sorgt der

gesetzliche Rahmen. „Bei Neubauten

ist eine PV-Anlage in Baden-Württemberg

ab 2022

Pflicht, ebenso in Bayern. Wobei

einzelne Kommunen schon eigene

Regelungen geschaffen haben,

in Ulm gilt diese teilweise

schon jetzt.“ Die Größe wird bei

jedem Bauwerk individuell vorgegeben,

sie hängt von der

Wohnfläche oder vom Primärenergiebedarf

ab.

>200

Euro Fördergeld pro kWp

gibt es von der Stadt Ulm

für neue Photovoltaikanlagen.

Das Energieförderprogramm

pausiert aber

gerade, weil die Nachfrage

so hoch war. Voraussichtlich

ab Mitte Juli gibt es neue

Fördermittel.

Interessant für Mieter:

Minianlagen für den Balkon

Obwohl es mittlerweile auch Anlagen

gibt, die die Fassade als

Fläche nutzen, ist der Klassiker

immer noch die Variante auf

dem Dach. „Fassaden-Photovoltaikanlagen

haben einen geringeren

Ertrag, weil die Neigung

der Module nicht optimal ist“,

sagt Theresa Volk. „Sie sind derzeit

am ehesten für Firmen interessant,

um die vorhandene

Fläche so gut wie möglich auszunutzen.

Da hatte ich schon Beratungsgespräche.

Was ein

Trend im privaten Bereich ist, ist

die Mini-PV-Anlage. Sie wird

zum Beispiel auf dem Balkon

eingerichtet und ist vor allem für

Mieter oder Wohnungseigentümer

in Mehrfamilienhäusern interessant.“

Dass der Strompreis in den

kommenden Jahren weiter nach

oben gehen wird, steht für Volk

außer Frage. „Es ist ja auch logisch:

es gibt immer mehr elek-

Was kostet eine Photovoltaikanlage?

„Bei der Größe von Photovoltaikanlagen

rechnen wir

in Kilowattpeak, das ist die

Nennleistung einer Anlage.

Da liegen wir preislich pro Kilowattpeak

(kWp) für ein klassisches

Einfamilienhaus bei

1.200-1.300 Euro brutto, mit Installation“,

rechnet Beraterin

Theresa Volk vor. Experten gehen

davon aus, dass sich eine

Photovoltaikanlage nach

8-10 Jahren amortisiert hat.

Die Hersteller geben in der

Regel eine Leistungsgarantie

von 25 Jahren.


PHOTOVOLTAIK 5

Was tun mit

Ü20-Anlagen?

© ELENA ELISSEEVA/SHUTTERSTOCK.COM

Für viele PV-Anlagen, die

mehr als 20 Jahre alt

sind, läuft nun die garantierte

Einspeisevergütung

ab. Sie können den

Strom weiter ins Netz einspeisen,

bekommen aber

nur noch sehr geringe Vergütungssätze

(Marktwert

Solar laut Regionaler Energieagentur:

3-4 ct/kWh).

Das Aushandeln der eigenen

Vergütung lohnt sich aber

nur bei sehr großen Anlagen

ab etwa 20kWp.

Die bessere Variante: Sie

legen sich einen Speicher zu

und nutzen den selbst erzeugten

Strom auch selbst.

„Das ist eine gute Möglichkeit,

den Eigenverbrauch zu

erhöhen und damit unabhängiger

vom Strompreis zu

werden“, erklärt Volk.


6

PHOTOVOLTAIK

REGIONALE ENERGIEAGENTUR ULM

Kontakt

Mehr Informationen

über aktuelle Förderprogramme

und individuelle

Beratung gibt es bei Theresa

Volk und ihren Kollegen

der Regionalen Energieagentur

Ulm.

Hafenbad 25, 89073 Ulm

Tel. 0731 790 330 80

info@regionale-energieagentur-ulm.de

www.regionale-energieagentur-ulm.de

Wohin mit

kaputten

Anlagen?

Ausgediente Solarzellen

sind derzeit ein Fall für

den Müll. Viele Hersteller

nehmen die Module kostenlos

zurück, da einige Teile

wiederverwertet werden

können. Dazu rät die Regionale

Energieagentur Ulm

„aus Umweltschutzgründen“,

wie Theresa Volk sagt.

„Allerdings stecken die Recyclingverfahren

für den kritischen

Rohstoff Silizium

noch in den Kinderschuhen,

das rechnet sich für die Firmen

noch nicht. Doch je

mehr alte Solarmodule in

den nächsten Jahren anfallen,

desto größer wird der

Druck, Lösungen zu finden.“

PV-Anlagen sind für Bauherren eine Investition in die Zukunft.

tronische Geräte in immer mehr

Bereichen, auch und gerade in

Sachen Mobilität. Deshalb wird

der Stromverbrauch insgesamt

ansteigen. Langfristig habe ich

die Hoffnung, dass sich die Preise

stabilisieren. Hier kommt es

darauf an, dass neue Speicherlösungen

gefunden werden.“ Denn

da liegt der Haken bei Solarenergie:

Die gibt es eben nur tagsüber;

und bei schönem Wetter

gibt es mehr als bei schlechtem.

Um Schlechtwetterspitzen auszugleichen,

müssen andere

Kraftwerke – meist mit Kohle betriebene

– kurzfristig einspringen.

„Und das treibt den Preis

hoch.“ Das Problem beim Speichern

elektrischer Energie ist:

Das geht nicht so einfach. Oft

wird die Energie deshalb zum

Speichern in eine andere Energieart

umgewandelt und danach

wieder zurück. Bei beiden Prozessen

entstehen Verluste – und

auch der Speicher selbst kann

die Energie nicht vollständig halten.

In Summe sind die Verluste

oft so groß, dass sich die Speicher

für eine längere Speicherzeit

nicht rechnen. Allerdings

Bei

Neubauten

sind PV-

Anlagen schon

Standard.

Theresa Volk

Energieagentur Ulm

Foto: © anatoliy_gleb/shutterstock.com

wird weltweit an dem Thema geforscht.

Und: für den Hausgebrauch

sind Speicher mittlerweile

sowohl in der Erstanschaffung

erschwinglich als auch wirtschaftlich.

„Der Knackpunkt hier

ist eher die Lebensdauer des

Speichers“, hat Theresa Volk

beobachtet. „Denn wie ein Handyakku

wird auch er mit der Zeit

schwächer, nach 12-15 Jahren

braucht man einen neuen. Das

muss man einkalkulieren.“

Eine Frage, mit der Volk und

ihre Kollegen häufiger konfrontiert

wird, ist die nach der Nutzung

von Solarstrom fürs Laden

von E-Autos. „Viele haben bereits

eine Photovoltaikanlage auf

dem Dach und würden den

Strom gerne auch fürs Auto nutzen.

Die Frage ist dann, ob die

Leistung der Photovoltaikanlage

ausreicht, um das E-Auto zu laden.“

Hier können die Energieberater

meist beruhigen: Zwar

haben die Wallboxen in der Regel

eine Leistung von 11 KW, das

schaffen manche Photovoltaikanlagen

nicht immer. „Aber

wenn die Anlage gerade nur 5

KW bringt, kann man das Auto

trotzdem laden – es dauert halt

nur länger.“ Viele Ladestationen

sind so konstruiert, dass sie mit

Photovoltaikanlagen kombiniert

werden können.

Generell ist eine Beratung vor

einem Neubau oder einer Sanierung

immer zu empfehlen. „Bei

Neubauten sind PV-Anlagen

wirklich schon Standard. Im Bestand

ist noch viel Potenzial vorhanden“,

hat Energieexpertin

Theresa Volk beobachtet. „Oft

kombinieren die Eigentümer die

Installation mit einer Dachsanierung,

wenn eine ansteht. Die

Zahl der Dächer mit Anlagen

wächst also kontinuierlich.“


8

SMART-HOME

FOTO:© VLADGRIN/SHUTTERSTOCK.COM

Noch viel

Potential

Bislang nutzt nur gut jeder

Vierte (26 Prozent) Geräte

wie vernetzte Steckdosen,

Rauchmelder, Türschlösser

oder Alarmanlagen. Insgesamt

ist das Thema Sicherheit

beim Kauf von vernetzter

Heimtechnik ein wichtiges Kriterium.

Sieben von zehn Befragten

ist es wichtig, dass die

IT-Sicherheit ihrer Produkte

von unabhängiger Stelle geprüft

wurde. Das können etwa

Fachmagazine, die Stiftung

Warentest oder Prüforganisationen

sein. Zwei von drei wären

bereit, für mehr Sicherheit

auch mehr zu bezahlen. Nur

knapp jeder Zweite (49 Prozent)

ändert bei der ersten Installation

voreingestellte Passwörter,

57 Prozent installieren

regelmäßig Updates, so die Ergebnisse

einer aktuelle Umfrage

des Tüv Verbands. pm

Smarter Schutz

fürs Zuhause

Technik Smart-Home-Systeme lassen sich ganz einfach über

Tablet oder Smartphone steuern. Aber auch diese

Einbruchschutzsysteme brauchen Schutz vor Hackern.

Einbrecher haben das ganze

Jahr über Saison.

Meist knacken sie mit

wenigen Handgriffen das

Schloss und räumen die Wohnung

aus. Mithilfe von Sicherheitsschlössern

lassen sich Türen

und Fenster vor Einbrechern

sichern. Doch es gibt auch eine

modernere Lösung: Smart-

Home-Systeme schützen die eigenen

vier Wände digital.

Haustechnik fernsteuern

So können die Systeme beispielsweise

Rollläden automatisch

per Smartphone hoch- und herunterfahren,

installierte Kameras

ein- und ausschalten oder

Bewegungsmelder aktivieren.

Aber Vorsicht: Auch diese Systeme

haben Schwachstellen. Davor

warnt die Polizeiliche Kriminalprävention.

Oberstes Gebot: Externe

dürfen nie in das Heimsystem

eindringen. Wird das

Smart-Home-System vom Einbrecher

gehackt, bietet es keinen

Schutz mehr. Und eventuell

gibt es dem Dieb sogar Auskunft

darüber, wann man Zuhause

oder verreist ist.

Passwörter ändern

und verschlüsseln

Die Polizei rät daher, die Software

der Geräte zu aktualisieren,

sobald ein Update verfügbar

ist. Außerdem sollte man noch

vor der Installation die voreingestellten

Passwörter ändern –

denn die sind häufig leicht zu erraten

und schützen das System

nicht vor Eindringlingen. Auch

die Firewall des WLAN-Routers

sollte aktiviert sein.

Ratsam ist es zudem, die

Kommunikation mit den

Smart-Home-Systemen zu verschlüsseln.

Dafür kann man zum

Beispiel VPN als sichere Verbindung

zum Heimnetzwerk

verwenden. Auch ein separates

WLAN für die Verbindung

mit den Smart-Home-Systemen

ist denkbar. Hier sollten die Zugangsdaten

dann nur beim Administrator

des Sicherheitssystems

liegen und nicht an Dritte

weitergegeben werden. dpa


10

DACH

FOTO: FRANCK BOSTON/SHUTTERSTOCK.COM

Noch Luft

nach oben?

Ausbau Bauland ist knapp und teuer, aber Platz nach oben gibt es eigentlich genug.

Warum also nicht einfach eine zusätzliche Etage aufs Haus bauen?

Wer zusätzlichen Platz braucht, sollte sich überlegen einfach

aufzustocken.

© Canetti/shutterstock.com

www.swp.de

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SÜDWEST PRESSE

Ein Obergeschoss

bietet Raum für

vieles: Genügend

Zimmer für die

Kinder, Platz für Hobbys,

vielleicht Büro- oder Gewerberäume

fürs Homeoffice

oder eine Einliegerwohnung,

die vermietet

werden kann.

„Grundsätzlich ist es

eine gute Idee, darüber

nachzudenken, ein neues

Dach aufzusatteln“,

sagt Eva Reinhold-Postina

vom Verband Privater

Bauherren. „Aber jedes

diesbezügliche Gedankenspiel

sollte mit

einem Besuch der zuständigen

Baubehörde

beginnen“, ist ihr Rat. Denn ein

Geschoss- aufbau ist vergleichbar

mit einem Neubau. Das bedeutet:

Der Bauherr muss Pläne

und Berechnungen einreichen

und behördlich genehmigen lassen.

Erster Schritt: Baubehörde

aufsuchen

Nur wenn es die regionale Bauordnung

hergibt, darf in die

Höhe gebaut werden. Der örtliche

Bebauungsplan regelt Gebäudehöhen,

maximale Wohnflächen,

Dachform, Dachneigung

und Firstrichtung. „Ist kein

Bebauungsplan vorhanden, gilt

der Grundsatz, dass sich jeder

an den Gebäuden der Umgebung

zu orientieren hat“, erklärt Reinhold-Postina.

Ob sich ein neues

Geschoss aufbauen lässt, hängt

natürlich auch wesentlich vom

Zustand des vorhandenen Gebäudes

ab. „Es muss intakt und

wertig sein“, sagt Bauexperte

Georg Lange.

Fast wie ein Neubau

Es gibt verschiedene Möglichkeiten

ein neues Dachgeschoss

zu errichten. „Man kann ein

Flachdach durch ein stärker geneigtes

Dach ersetzen“, nennt

Reinhold-Postina ein Beispiel.

Die umfangreichste Maßnahme

ist jedoch der Aufbau einer

kompletten zusätzlichen Etage.

Dafür wird das alte Dach entfernt

und ein neues Geschoss

mit einem neuen Dach aufgebaut.

Meist wird das in Häusern

mit einem Flachdach praktiziert.

„Das lässt sich gut mit Holztafelelementen

ausführen“, sagt

Lange. „Sie eignen sich nicht nur

hervorragend zum Bau von Fertighäusern,

sondern nahezu jedes

Wohnhaus kann mit diesen

Fertigteilelementen aufgestockt

werden.“ Solche neuen Obergeschosse

sind zum Teil schon mit

Küche, Bad und Privaträumen


DACH 11

© ANAYOT SAVOV/SHUTTERSTOCK.COM

Hinweis

Damit die Dachsanierung

gelingt und man dabei auch

finanziell auf der sicheren

Seite ist, gilt: Angebote von

Dachdeckerbetrieben müssen

auf der Basis einer Vor-Ort-

Besichtigung erstellt werden.

Verfasst ein Fachbetrieb das

Angebot nach einer Inspektion

des Daches sowie auf

der Basis eines ausführlichen

Beratungsgesprächen, lassen

sich böse Überraschungen

vermeiden.

ausgestattet und haben eine bereits

montierte Sanitärausstattung.

Wichtig ist, so erklärt es

Lange, dass die Anschlüsse zum

alten Haus passen. „Deshalb sollten

Bauherren unbedingt ihre alten

Baupläne bereithalten, um

die Planung zu erleichtern.“

Auch wenn manche Baufirmen

versprechen, dass das neue

Dach im Handumdrehen aufgebaut

ist, sollten Bauherren den

Aufwand nicht unterschätzen.

Aufstocken: Aufwand

nicht unterschätzen

„Es ist nicht mit zwei, drei Tagen

getan“, warnt Reinhold-Postina.

„So ein Dachaufbau kann

Monate dauern.“ Ist das Haus

in dieser Zeit bewohnt, müssen

die Bewohner mit viel Lärm und

Dreck rechnen. Und es kann

sein, dass der Dachausbau weitere

Baumaßnahmen am Haus

nach sich zieht. „Nicht selten

steht am Ende eine Komplettsanierung

des Gebäudes an“,

erzählt die Bauexpertin. Lange

findet die Investition in ein

zusätzliches Geschoss dennoch

oftmals sinnvoll.

„Vorausschauende Häuslebauer

planen schon beim

Neubau ihres Hauses einen

möglichen Dachausbau

mit ein“, sagt er. Entsteht

Bedarf nach zusätzlichen

Wohnraum, könne er so

unkompliziert und kostengünstig

geschaffen

werden, weil das Haus

ja bereits darauf vorbereitet

ist. pm

© ROMAN SAMBORSKYI /SHUTTERSTOCK.COM

Bauplaner A–Z


12

FENSTER

Mehr als nur

ein guter

Durchblick:

Neue

Trends bei

Fenstern

Fenster Die Fenster bestimmen auch das

Aussehen der Fassade. Bei vielen beliebt

sind bodentiefe Fenster.

Fenster ist nicht gleich

Fenster. Einfach nur quadratisch,

praktisch, gut –

das ist Schnee von gestern.

Bauherren haben die

Wahl zwischen verschiedenen

Fensterkonstruktionen,

wie zum

Beispiel Dreh-

, Kipp- oder

Schiebekonstruktionen,

Integralfenstern,

Verbund-

oder

Kastenfenstern.

Und das

noch aus den unterschiedlichsten

Materialien,

von Holz über Metall

und Kunststoff bis hin zu Kombinationen

aus den verschiedenen

Materialien mit Glas.

Große Glasflächen

„Beliebt sind bodentiefe Fenster

und große Panoramascheiben“,

sagt Jürgen Benitz-Wildenburg

vom Institut für Fenstertechnik.

Und das möglichst nicht nur im

Erdgeschoss, sondern im ganzen

Haus. Denn sie lassen viel Tageslicht

herein und eröffnen

Sichtachsen in den

Garten und die

Umgebung. Der

Experte weist

aber darauf

hin: „Große

Fenster sind

bei der Montage

anspruchsvoll

und brauchen

einen wirksamen

schutz.“

Sonnen-

Schmale Rahmen

„Insgesamt ist zu beobachten,

dass die Fensterrahmen immer

filigraner werden“, sagt Frank

Lange, Geschäftsführer des Verbandes

Fenster + Fassade. Um

dem Wunsch vieler Bauherren

nach einem eleganten Design zu

entsprechen, werden Fenster-

ILLU: © DMYTRO BOCHKOV/SHUTTERSTOCK.COM


FENSTER 13

Fenster sorgen für

Licht in der

Wohnung und auch

für schöne

Ausblicke.

© NATALIA BOSTAN/SHUTTERSTOCK.COM

Der Staat fördert eine

energetische Sanierung

Eine energetische Sanierung

lohnt sich auch steuerlich.

So können Eigentümerinnen

und Eigentümer bei ihrer

Steuererklärung für 2020 erstmals

einen Teil der energetischen

Sanierungskosten geltend

machen.

Bei Einzelmaßnahmen wie

einer Wärmedämmung oder

dem Tausch von Fenstern und

Heizung kann die Steuerlast

über drei Jahre hinweg um insgesamt

20 Prozent, maximal

40.000 Euro, gemindert werden,

erklärt das Informationsprogramm

Zukunft Altbau. Bei

der energetischen Baubegleitung

und Fachplanung sind es

50 Prozent der angefallenen

Kosten.

Die steuerliche Begünstigung

gilt nur für Sanierungsmaßnahmen,

die nach dem 31. Dezember

2019 begonnen wurden und

vor dem 1. Januar 2030 abgeschlossen

sind. Hauseigentümer

dürfen nur Sanierungen in

selbst genutzten Immobilien

geltend machen.

Voraussetzungen außerdem:

Die Immobilie ist mindestens

zehn Jahre alt und die technischen

Mindestanforderungen

der Bundesförderung für effiziente

Gebäude werden eingehalten.

Zudem müssen Fachunternehmen

die Umbauten

durchführen. Sie stellen anschließend

auch die Bescheinigung

für das Finanzamt aus.

dpa

konstruktionen so im Tragwerk

der Fassade platziert, dass keine

Einspannblendrahmen mehr zu

sehen sind.

Groß ist die Nachfrage nach

leicht handhabbaren Griffen und

automatisierten Elementen für

das Öffnen und Schließen der

Fenster. „Das ist gerade bei großen,

schweren Fenstern ein

wichtiges Thema“, sagt Benitz-Wildenburg.

Das gilt auch

beim Sonnenschutz, ohne den

Panoramafenster gar nicht denkbar

wären. Denn die Räume

würden an sonnigen Tagen

schnell überhitzen. „Hier werden

gern elektrische Steuerungen

für Außenjalousien oder

auch Zeitschaltuhren genutzt,

um die Temperatur im Haus

auch bei Abwesenheit zu regulieren.“

Wichtiger Aspekt:

Sicherheit

Fenster und Fenstertüren haben

einen großen Einfluss auf das Sicherheitsgefühl

der Bewohner.

Viele Bauherren legen großen

Wert auf einbruchssichere Konstruktionen

und eine fachgerechte

Montage des Fensters im

Mauerwerk. Wichtig sind die ordentliche

Befestigung der Scheibe

im Fensterflügel, hochwertige

Beschläge und widerstandsfähige

Schließeinrichtungen.

Für den Privatgebrauch sind

Fenster und Fenstertüren mit

mindestens der Widerstandsklasse

2 (RC 2) empfehlenswert.

Bei ihnen ist sichergestellt, dass

es in der Gesamtkonstruktion

keinen Schwachpunkt gibt.

Energieeffizienz und

Wärmedämmung

Ein wichtiger Trend hinsichtlich

Umwelt und Klima: Moderne

Fenster sind wahre Energiesparer.

„Sonnenlicht bedeutet Wärmegewinn

durch die Verglasung.

Diese solaren Wärmeeinträge

reduzieren in den kalten

Monaten die notwendige Heizenergie“,

sagt Experte Frank Lange.


pm


14

GARTEN

Leben und arbeiten

im grünen Wohnzimmer

Garten Strahlender Sonnenschein lädt nach draußen ein – da fehlen nur noch bequeme

Möbel für entspannte Stunden oder produktives Arbeiten im Freien.

Wann wird‘s mal wieder

richtig Sommer

... selten war vermutlich

die Sehnsucht

nach Wärme, nach Sonnenschein,

nach der sommerlichen

Freiheit draußen größer

als in diesem Jahr. Der Lockdown

in den dunklen Wintertagen

hat allen ziemlich zugesetzt.

„Sogar der Spaziergang mit der

Familie – als Sonntagsspaziergang

fast schon lächerlich gemacht

– ist jetzt wieder aufgewertet“,

berichtet Trendanalystin

Nicolette Naumann. „Für

Kinder ist es das Größte, mit

Mama und Papa in den Wald zu

gehen.“

Dieses Gefühl, nach draußen

zu kommen, mehr im Grünen zu

sein, hat schon im vergangenen,

dem ersten Corona-Jahr zu einem

Boom bei den Garten- und

Balkonmöbeln geführt, von dem

Trendexperten in diesem Jahr

sogar noch eine Steigerung erwarten.

Vor allem hin zu hochwertigeren

Möbeln. Vorbei sind

die Zeiten, auf denen schwitzende

Popos an Plastikliegen

festklebten. An denen man auf

klapprigen Klappstühlen oder

an einfachen Tischen mit locker

gesetzten Platten mehr kippelte

als bequem saß.

Balkon und Garten als

echte Erholungsorte

Denn wenn wir schon zu Hause

sein müssen, dann doch bitte mit

dem Gefühl, an einem echten Erholungsort

zu sein! Und wer zu

Hause im Homeoffice gefangen

ist, der könne nun doch an schönen

Tagen auch auf dem Balkon

oder im Garten arbeiten, meint

Naumann. Aber: „Dafür braucht

man eine ganz andere Qualität

an Möbeln.“ Nämlich ordentliche

Tischplatten und ergonomische

Stühle. Der Trend zu hochwertigeren

Gartenmöbeln hat

auch einen finanziellen Hintergrund.

„Die Menschen rechnen

gerade nicht mit Reisen, vor allem

teuren Fernreisen, und können

daher mehr in den Garten

FOTO: © KINGA/SHUTTERSTOCK.COM


GARTEN 15

Ein schöner Platz zum Lesen

und Träumen findet sich in

jedem Garten.

Garten

früh planen

FOTO: © PHOTOGRAPHEE.EU/SHUTTERSTOCK.COM

investieren“, erklärt die Trendanalystin.

Denn egal was kommt, der

Garten und der Balkon werden

2021 die Orte sein, an denen man

gesichert Urlaub machen kann.

In den vergangenen Jahren hat

sich schon viel getan. Längst

sind Sofas, Teppiche und Kissen,

sogar Kronleuchter dort auch zu

Hause, berichten die Trendanalysten

der Gartenmesse Spoga+-

Gafa. Auch sie schreiben im aktuellen

Trendreport: „Je mehr

Zeit die Menschen zu Hause

verbringen, desto mehr wird der

Garten zum erweiterten Wohnraum.

Die Entwicklung hin zu

immer wohnlicheren Außenbereichen

setzt sich daher fort und

verstärkt sich noch.“

Filigrane Möbel

und Naturfarben

Viele Gartenmöbel seien sogar

für den Wohnraum im Haus

nutzbar – denn optisch gebe es

keinen Unterschied mehr. Lediglich

wetterfeste Polster und

Textilien für den Einsatz im

Freien können die Gartenmöbel

vorweisen. Beide – Indoor- und

Outdoormöbel – haben aktuell

häufig ein reduziertes, schlichtes

Design. „Filigrane Tische

und Stühle folgen ebenso dem

neuen Schlankheitsideal wie

minimalistisch geformte Gartenliegen

und Sessel“, heißt es

im Trendbericht. „Zur Auflockerung

tragen leuchtend bunte

Farben bei, die neben klassischen

Outdoor-Tönen wie Grau

und Braun an Beliebtheit gewinnen.“

Insgesamt tragen die Garten-

und Balkonmöbel aktuell

gerne die Farben der Natur und

bestehen aus Materialien wie

Holz, Rattan und Bambus, die

sich ebenfalls gut in die echte

Natur des Gartens einfügen. Das

Wohlfühlen draußen ist somit

vorprogrammiert.

dpa

Bei einem Hausbau denken

viele zunächst an die Innenausstattung.

Doch auch den

Außenbereich sollte man früh

mitplanen, rät der Bundesverband

Deutscher Fertigbau. Das

ist wichtig, um Arbeitsabläufe

aufeinander abzustimmen.

Das gilt insbesondere, wenn

Maschinen zum Einsatz kommen

- dann ist es besonders

sinnvoll, Arbeiten im Garten

schon während des Bauprozesses

durchzuführen.

Ein Beispiel: Je früher ein Bagger

zum Einsatz kommt, um

etwa ein Loch für den Pool oder

Teich auszuheben, umso weniger

störend sind dessen Spuren

im Garten.

Am besten verbindet man den

Einsatz der Baumaschine im

Garten mit anderen Arbeiten

auf dem Grundstück - etwa mit

dem Anlegen der Zufahrt und

von Parkmöglichkeiten. Dann

muss der Bagger im besten Fall

nur einmal anrücken.

Grundsätzlich gilt: Je größer die

gewünschte Baumaßnahme im

Garten wird, desto wichtiger ist

es, diese rechtzeitig einzuplanen.

Einen Baum könne man

auch später noch pflanzen, ein

Schwimmteich sei im Nachhinein

hingegen schwieriger zu realisieren.

Zumindest leiden bereits

angelegte Beete oder der

Rasen, wenn der Bagger durch

den Garten fährt.

dpa


16

BAUTRADITIONEN

Das Richtfest ist für viele Bauherren ein wichtiger Meilenstein.

Fotos: Frank Rumpenhorst/Bernd Wüstneck/dpa

Ein Hoch auf

unser Haus!

Tradition Das Traumhaus darf auch gefeiert

werden: Rituale beim Hausbau sorgen für

Emotionen und sollen Glück bringen.

Monate, nachdem man

den ersten Entwurf

für das Traumhaus

auf Papier oder dem

Computer gesehen hat, ist der

Rohbau des zukünftigen Heims

fertig und der Dachstuhl errichtet.

Grund genug, diesen Baufortschritt

zu feiern.

Ein wichtiges Ritual beim

Hausbau ist das Richtfest. Anders

als bei öffentlichen Bauvorhaben,

bei denen oft bereits

der erste Spatenstich gefeiert

wird, ist das Richtfest ein bedeutender

Meilenstein für private

Bauherren. „Denn der

Bauherr muss zu seinem Haus

auch eine emotionale Bindung

schaffen können, das ist vielen

wichtig“, berichtet Bauexperte

Christoph Windscheif.

Für die Mehrheit der Bauherren

ist es wichtig zu sehen, wie

das eigene Haus Stein für Stein

entsteht. Sie wollen aktiv Anteil

an dem Bauprozess haben

– auch wenn es dabei oft nicht

darum geht, selbst Hand anzulegen

oder jeden Tag selbst vor

Ort zu sein. „Wenn man sich

mit der Entscheidung trägt, ein

Haus zu bauen, ist das eine sehr

grundsätzlich Entscheidung, oft

auch eine schwere Entscheidung.

Wenn es dann endlich

richtig losgeht, braucht man etwas

Emotionales“, führt Windscheif

aus.

Emotionale Verbindung

zum Traumhaus

Viele Firmen richten daher auch

beim Fertigbau ein Richtfest aus.

„Beim Fertighaus lässt sich das

Richtfest sehr gut planen, da

der Tag, an dem das Haus aufgebaut

wird, ja auch fest ter-


BAUTRADITIONEN 17

miniert ist. Manche Bauherren

versammeln dann die ganze Familie

an der Baustelle, frühstücken

zum Beispiel dort miteinander

und schauen zu, wie das

Haus wächst“, berichtet Christoph

Windscheif.

Zeitkapsel und Richtkranz

Zu den beliebten Traditionen

auf der Baustelle gehört auch,

dass der Bauherr den letzten

Nagel selber einschlägt. Die

Zimmerleute machen sich jedoch

einen Spaß daraus, das

Einschlagen so schwierig wie

möglich zu machen. Indem

der Bauherr einen ungeeigneten

Hammer bekommt oder das

vorgebohrte Loch zu klein ist.

Schlägt der Bauherr den Nagel

nicht mit wenigen Schlägen

ein, muss er für jeden zusätzlichem

Hammerschlag eine weitere

Runde Schnaps oder Bier

bezahlen.

Manchmal erhalten die Bauherren

die Möglichkeit, eine

Zeitkapsel in die Bodenplatte

einzulassen, wenn sie auf der

Baustelle betoniert wird. pm

Das Richtfest

Ist der Dachstuhl fertig

gestellt, wir als erstes

Etappenziel das Richtfest

gefeiert. Mit dem

Richtfest bedankt sich der

Bauherr bei den Handwerkern.

Außerdem werden die

zukünftigen Nachbarn eingeladen.

Also auch eine

gute Gelegenheit, erste Bekanntschaften

zu knüpfen.

Beim Richtfest bringt der

Zimmermann ein mit bunten

Bändern geschmücktes

Bäumchen oder ein Richtkranz

am Dachfirst an. Danach

hält er einen Richtspruch,

in dem er seinen

Dank ausdrückt, und trinkt

einen Schnaps auf das Wohl

der Hausbesitzer. Für gewöhnlich

wird das Glas danach

zu Boden geworfen,

wo es zerspringt und mit

seinen Scherben ein Symbol

für die positive Zukunft des

Hauses und seiner Bewohner

ist.


18

WOHNEN

Stadt oder

Land – wohin

geht der

Trend?

Wohnen Wie werden wir in Zukunft leben: In

der Stadt, wo das Leben pulsiert oder doch

auf dem Land, wo uns die Natur umgibt?

Grillenzirpen, ab und an

mal ein Auto in weiter

Ferne – das hört man,

wenn man in der Nacht

auf dem Land das Fenster öffnet.

Tut man dies in der Stadt, bekommt

man zahlreiche Autos zu

hören, mal hupt einer und irgendwo

streitet jemand auf der

Straße. Und während der eine

die ländliche Ruhe schätzt, liebt

der andere das pulsierende Leben

der Stadt. Doch wie entscheidet

man, wo man wohnen

und leben möchte? Das hängt natürlich

in erster Linie von ganz

individuellen Gegebenheit ab –

zum Beispiel vom Beruf, dem Familienstand,

den Hobbys und Interessen.

Aber wie überall gibt es auch

in Sachen Wohnraum wechselnde

Trends. Mit Beginn der Industrialisierung

im 19. Jahrhundert

zog es viele Menschen in die

Städte. So hofften dort viele auf

leichtere Arbeit, als es sie im

ländlichen Raum auf den Feldern

oder im Wald gab. Und natürlich

boten die Städte mit ihren

kulturellen und medizinischen

Angeboten vielen Annehmlichkeiten

und

Möglichkeiten zum Zeitvertreib.

Doch in den 90er-Jahren des

vergangenen Jahrhunderts gab

es eine Trendwende: Die Menschen

hatten genug vom Lärm

und den beengten Wohnverhältnissen

in den Städten. Wer konnte,

der zog in die Vorstadt. Dort

gab es mehr Platz, mehr Ruhe

und mehr Natur. Und zum Arbeiten

pendelte man in die Stadt.

Das Blatt wendete sich dann

wieder zu Beginn der 2000er-Jah-

Irgendwann ist es an der Zeit, für die Familien ein eigenes Heim zu

finden. Dann stellt sich die Frage: Stadt oder Land.


Foto © Liderina/shutterstock.com


WOHNEN 19

re: Die Städte begannen mit der

Ausweisung neuer Baugebiete,

um wieder mehr Menschen die

Städte zu holen. Das Vorhaben

gelang: Der Anteil der Landbevölkerung

war laut einer Erhebung

des ifo Instituts im Jahr

2018 auf dem niedrigsten Stand

seit dem Jahr 1871. Dabei macht

es keinen Unterschied, ob man

seinen Blick nach Norden, Süden,

Westen oder Osten richtet.

Überall gibt es im ländlichen

Raum Ausdünnungen, verwaisten

Ortskerne und leerstehenden

Wohnraum.

© GORODENKOFF/SHUTTERSTOCK.COM

41

Ein

41 Prozent der Stadtbewohner

können sich

einen Umzug auf’s Land

vorstellen.

Quelle: Gesellschaft für

Konsumforschung

Und heute? Wird das Leben

auf dem Land wieder beliebter.

Viele Menschen, vor allem Familien

aber auch junge Singles,

wünschen sich mehr Ruhe und

Natur und weniger Lärm und

Feinstaubbelastung. Zudem gibt

es auf dem Land für’s Geld mehr

Wohnraum als in der Stadt. Ein

Faktor, der den Wunsch nach

Pluspunkt des eigenes

Häuschens auf dem Land: Ein

eigener Garten bietet viel

Platz zum Toben und Spielen.

dem „Leben auf dem Land“ noch

weiter begünstigt hat, war natürlich

auch die Corona-Pandemie.

Denn während die Annehmlichkeiten

der Stadt wie Kino,

Konzertsäle oder Museen monatelang

geschlossen waren, bot

der ländliche Raum viele Möglichkeiten

und genügend Platz

zum Spazierengehen, Sporttreiben

oder für Spiele mit den Kindern

– und man konnte immer

ausreichend Abstand zu anderen

Menschen halten.

Wo würden Sie am liebsten wohnen?

35%

34 %

30%

25%

20%

15%

10%

13 %

In der

Stadt

26 %

Am Stadtrand

27 %

Auf dem Land/In einer Kleinstadt

In einem Dorf

Quelle: Statista


20

IMMOBILIENBEWERTUNG

© ANDRII YALANSKYI/SHUTTERSTOCK.COM

Was ist meine

Immobilie wert?

Bewertung Wie viel würde ich bei Verkauf für mein Haus oder meine Wohnung

bekommen? Eine interessante Frage, die sich nicht nur Verkäufer stellen.

Die Kinder sind erwachsen

und haben mittlerweile

selbst Familie, der Garten

ist zu pflegeintensiv oder

es kommt der Wunsch auf, den Lebensabend

an einem anderen

Fleckchen Erde zu verbringen.

Gründe, warum jemand seine Immobilie

verkaufen möchte, gibt es

viele. Doch allen Verkäufern ist eines

gemeinsam: Sie alle wollen den

bestmöglichen Preis beim Verkauf

erzielen. Wie aber lässt sich der

Wert einer Immobilie bestimmen?

Vorab: Der Wert einer Immobilie

ändert sich im Verlauf der Jahre.

Dafür verantwortliche Faktoren

sind zum Beispiel der Zustand der

Bausubstanz oder die aktuelle

Nachfrage auf dem regionalen Immobilienmarkt.

Daher ist die Wertermittlung

für ein bestimmtes Objekt

oder auch ein unbebautes

Grundstück immer eine Momentaufnahme

und wird daher auch als

Zeit- oder Verkehrswert bezeichnet.

Um diesen zu ermitteln,

gibt es drei unterschiedliche Verfahren:

1Das Vergleichsverfahren

Dieses lässt sich ganz einfach

selbst durchführen und eignet sich

am besten für ein Haus oder eine

Wohnung, die man selbst bewohnt

oder für unbebaute Grundstücke.

Man notiert sich die Kerndaten der

eigenen Immobilie - also zum Beispiel

Baujahr, Größe, Sanierungszustand,

Grundstückgröße, Anzahl

der Garagen – und sucht im Immobilienmarkt

der Zeitung oder online

nach zum Verkauf stehenden Objekten,

die möglichst die gleichen

50%

der Befragten gaben

an, dass sie ihre

vier Wände mehr als

vor der Pandemie

zu schätzen gelernt

hätten. Zudem ist

die Investition in eine

Immobilie eine krisenfeste

Wertanlage und

daher eine gute Form

der Altersvorsorge.

Quelle: Trendforschungsinstitut

Innofact

Kerndaten haben, wie die eigenen

Immobilie und schaut, zu welchen

Verkaufspreisen diese angeboten

werden. Wichtig: Man sollte mehrere

Objekte heranziehen, um so

möglichst einen guten Vergleich zu

haben.

Das Sachwertverfahren

2 Dieses ist der Klassiker für

selbstbewohnte Immobilien, bei

den die individuellen Eigenschaften

der Immobilie betrachtet werden.

Dabei werden der Wert des Gebäudes

und der Wert des Grundstücks

zunächst getrennt betrachtet.

Bei der Wertermittlung für das

Gebäude sind beeinflussende Faktoren

die Größe, das Alter, die Restnutzungsdauer

oder auch der Sanierungszustand.

Den Wert des Grundstücks

bekommt man, in dem man


IMMOBILIENBEWERTUNG 21

dessen Fläche mit dem für die

Region angesetzten Bodenrichtwert

multipliziert. Dann

werden beide Wert addiert und

man erhält den vorläufigen

Sachwert. Dieser wird dann

noch mit dem Sachwertfaktor

(siehe Infokasten) multipliziert

– so bekommt man den tatsächlichen

Sachwert.

3Das Ertragswertverfahren

Diese Art der Wertermittlung

wird in der Regel auf vermietete

Objekte angewandt, die

an Kapitalanleger verkauft

werden sollen. Da diese eine

möglichst gute Rendite erlangen

möchten, spielen

für die Wertermittlung

eine Vielzahl von

Faktoren eine Rolle.

Dazu gehört

zum Beispiel der

Jahresreinertrag der Immobilie.

Dieser berechnet

sich aus dem jährlichen

Mietertrag abzüglich Verwaltungs-

und Bewirtschaftungskosten.

Aber

auch die Bodenwertverzinsung

und der Gebäudeertragswert

spielen eine Rolle.

Während man per Vergleichsverfahren

sich selbst einen

guten Eindruck vom Wert

einer Immobilie verschaffen

kann, sollten man Sachwertsund

Ertragswertverfahren den

Fachleuten überlassen. Durchgeführt

werden diese von Gutachtern,

Maklern oder Immobiliensachverständigen.

Übrigens:

Durch die Verfahren kann

nicht nur der Verkäufer erfahren,

wie viel sein Objekt wert

ist. Sie sind für Interessenten

auch eine Möglichkeit zu prüfen,

ob ein angebotenes Objekt

seinen Preis auch wert ist.

©MAPMAN/SHUTTERSTOCK.COM

Info

Die Höhe des Sachwertfaktors

hängt von Faktoren

wie aktueller Marktlage

oder Lage der Immobilie

ab. Er wird von Gutachterausschüssen

berechnet und danach auch

veröffentlicht.

Bei einer Umfrage unter

Mietern zwischen 31 und 40

Jahren gaben 16 Prozent

an, in den nächsten zwei bis

drei Jahren eine eigene Immobilie

erwerben zu wollen.

25 Prozent gaben an, mit

dem Kauf noch länger warten

zu wollen.


Quelle: Statista


22

FINANZIERUNG

Immokredite:

Restschuld

besser schnell

tilgen


Kredit Bei der Anschlussfinanzierung sollten

Eigentümer auf Flexibilität setzen.

Denn auf diesem Weg können sie die

Restschuld leichter abbauen.

FOTO: BENNYARTIST/SHUTTERSTOCK.COM

Wer heute einen Kreditvertrag

für eine

Immobilie abschließt,

profitiert

vom aktuell niedrigen Zins niveau

auf dem Markt. Der mit der Bank

vereinbarte Zinssatz wird zu Beginn

des Vertrages festgeschrieben

und gilt bis zum Ende der

Zinsbindung. Das kann – je nach

Vertrag – nach 10, 15 Jahren oder

noch später sein.

Ist die Zinsbindung abgelaufen

und die Kreditsumme für die

Immobilien noch nicht vollständig

abgezahlt, bleibt eine Restschuld.

Diese muss mit einem

Anschlusskredit bedient werden.

Bauherren, die vor Jahren mit einem

höheren Zinssatz gestartet

sind, können nach Ende ihrer

Zinsbindung neu verhandeln.

Vertrag nach zehn Jahren

Laufzeit kündbar

„Das ist ein wichtiger Punkt bei

der Immobilienfinanzierung“,

sagt Dirk Eilinghoff. „Denn mit

der Anschlussfinanzierung beeinflusst

der Kunde seine Rate

für die nächsten Jahre. Hier fällt

die Entscheidung, wie lange und

zu welchen Kosten er zukünftig

finanziert“, erklärt der Experte

vom Ratgeberportal Finanztip.

Wer einen Vertrag hat, dessen

Zinsbindung länger als zehn Jahre

läuft, kann schon vorher aussteigen.

Laut BGB besteht die

Möglichkeit, das Darlehen zehn

Jahre nach vollständiger Auszahlung

zu kündigen. Die Kündigungsfrist

beträgt sechs Monate.

Der früheste Zeitpunkt der

Kündigung ist nicht immer exakt

zehn Jahre nach Vertragsschluss,

sondern kann auch später

sein, wenn das Darlehen erst

nach Vertragsschluss vollständig

ausgezahlt wurde. „Der vorzeitige

Ausstieg lohnt sich im Regelfall,

weil die Zinsen vor zehn

Jahren noch im Schnitt bei knapp

vier Prozent lagen“, so Niels

Nauhauser von der Verbraucherzentrale

Baden-Württemberg. Je

höher die Restschuld ist, desto

wichtiger ist es, bei der Anschlussfinanzierung

auf günstige

Konditionen zu achten. Denn

das spart bares Geld. „Es gibt

große Unterschiede zwischen

den Banken“, beobachtet Nauhauser.

„Man kann ein zehnjähriges

Darlehen schon für 0,3 Prozent

Zinsen erhalten, während

andere Banken dafür aber auch

für 1 bis 1,5 Prozent Zinsen nehmen.“

Kunden können selbst

aktiv werden

Kunden sollten nicht warten, bis

ihnen ihre Bank ein neues Angebot

macht, rät Florian Becker,

Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbundes.

„Besser ist es,

ein halbes Jahr vor Ablauf der

Zinsbindung ein oder zwei Vergleichsangebote

einzuholen und

die eigene Bank darüber zu informieren.“

Das könnte diese

dazu animieren, statt eines Standardangebots

bessere Konditionen

zu offerieren. Doch nicht

nur ein günstiger Zinssatz ist

wichtig. „Da die Bauherren nun

schon Erfahrungen mit der Erstfinanzierung

gemacht haben,

achten sie in der zweiten Runde

in der Regel stärker auf höhere

und flexible Tilgungsmöglichkeiten“,

sagt Florian Becker.

„Viele fangen sogar erst mit der

Anschlussfinanzierung an, richtig

zu tilgen.“ Besser wäre es natürlich,

gleich in der ersten Finanzierung

hohe Tilgungsraten

zu vereinbaren und in der Anschlussfinanzierung

damit weiterzumachen.

Tilgung flexibel aufstellen

Je höher die Tilgungsrate, desto

früher ist der Kredit abgezahlt.

FOTO: ALEX OAKENMAN/SHUTTERSTOCK.COM


FINANZIERUNG 23

Egal ob man ein Haus kauft oder

selber baut – meist wird dafür ein

Immobilienkredit von der Bank

benötigt.

Dann lässt sich die Rate bei Bedarf

reduzieren“, so Nauhauser.

„Das Recht auf einen Tilgungssatzwechsel

wird aber auch

nicht von allen Banken angeboten,

man muss aktiv nachfragen.“

Es kann sich durchaus lohnen,

für den Anschlusskredit die

Bank zu wechseln. Damit lassen

sich möglicherweise einige tausend

Euro sparen.

Ob es allerdings der richtige

Schritt ist, hängt von den Konditionen

und der persönlichen

Situation ab. „Der Vorteil der

bisher finanzierenden Bank ist,

dass sie ihren Kunden genau

kennt. Bei ihr läuft die Anschlussfinanzierung

in der Regel

unkompliziert, die Kreditwürdigkeit

wird nicht erneut geprüft“,

sagt Eilinghoff. Bei einem

Wechsel muss der Kunde jedoch

seine Kreditwürdigkeit bei der

neuen Bank nachweisen. Das

kann schwierig werden, wenn

sich die finanziellen Verhältnisse

verschlechtert haben. Wer

nicht noch einmal seine finanziellen

Verhältnisse offen legen

möchte, bleibt besser seinem alten

Geldinstitut treu. pm

„Man sollte mindestens drei Prozent

Tilgung anstreben“, rät Dirk

Eilinghoff. Außerdem ist es ratsam,

Sondertilgungen zu vereinbaren.

Dann kann man jährlich

eine größere Summe in einem

Stück abzahlen, etwa nach Ablauf

einer Lebensversicherung

oder bei einer Erbschaft. Diese

Möglichkeit sollte man sich offen

halten, denn sie beschleunigt

die Rückzahlung. Eine Pflicht

zur Sondertilgung besteht aber

nicht. Umgekehrt ist es wichtig,

sich für Umstände zu wappnen,

die eine Finanzierung gefährden

könnten. Es kann passieren, dass

ein Einkommen durch Kurzarbeit

oder Arbeitslosigkeit sinkt.

„Diesen Risiken kann man mit

einem Recht auf Wechsel des

Tilgungssatzes vorbeugen.

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