LE-3-2021
LOGISTIK express Ausgabe 3/2021
LOGISTIK express Ausgabe 3/2021
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LOGISTIK express<br />
Ausgabe 3/<strong>2021</strong><br />
„INVESTITION NACHHALTIGE LOGISTIK“<br />
Im Gespräch mit Post AG Vorstand für Paket & Logistik<br />
Peter Umundum über Innovationen und Investitionen<br />
in und für eine nachhaltige Logistik.<br />
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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong>|S2<br />
WERBEFENSTER<br />
U2
POLITIK WIRTSCHAFT 06<br />
HANDEL ECOMMERCE 10<br />
TRANSPORTLOGISTIK 36<br />
INTRALOGISTIK 44<br />
GEDANKEN TANKEN 60
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S4<br />
6. eCommerce<br />
Logistik- Day<br />
09. September <strong>2021</strong>, Wien<br />
Hybrid Event<br />
Österreichischer Handelsverband<br />
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Medienpartner:
INHALT / EDITORIAL / IMPRESSUM<br />
INHALT 3/<strong>2021</strong><br />
02 Werbefenster [U2)<br />
05 Inhalt / Editorial / Impressum<br />
06 Die Zukunft Europas: nach der Krise ist vor der Krise<br />
08 Die Logistik geht gestärkt aus der Krise hervor<br />
10 Der Weg zurück wird für viele Unternehmer ein steiniger werden<br />
12 Österreichs Handel: Jahresbilanz 2020 & Corona-Prognose <strong>2021</strong><br />
16 Omnichannel Readiness Index <strong>2021</strong>: Handel rüstet digital massiv auf<br />
20 Kontrollen der Online-Giganten sind entscheidend für fairen Wettbewerb<br />
22 Handel leidet, doch kein Ende in Sicht beim E-Commerce-Trend<br />
29 Gelber Riese mit grünem Herzen<br />
36 China Elektromobilität: Aufholjagd deutscher Hersteller im Land der Mitte<br />
40 Datengesteuerte Warenzustellung wird mit 1 Juli <strong>2021</strong> Realität<br />
44 ECOMLOG21 - Pandemie als Entwicklungs-Motor für die Logistik<br />
46 Unermüdlich im Einsatz für Obeta – der AI-gesteuerte Roboter von KNAPP<br />
50 SSI Schäfer liefert automatisierte Lösung für Sicherheitsschuh-Hersteller Sievi<br />
52 DEMATIC - Aus dem richtigen Holz geschnitzt<br />
56 Online-Shop und Ladengeschäft versorgt von einem AutoStore-System<br />
60 Das kolossale Versagen der Politik<br />
3/<strong>2021</strong><br />
NEWS EPAPER APP, JOBS<br />
B2B NETWORK Branchenportal<br />
und ECOMLOG21<br />
sind zur Halbzeit fixiert und<br />
nun gehts gut gelaunt ab<br />
in den Sommer. Freuen<br />
wir uns über die Lockerungen,<br />
die uns die Bundesregierung<br />
ab Juli gewährt!<br />
Wir dürfen tanzen, feiern<br />
und heiraten – nur die 3G-<br />
Regel soll weiterhin dafür<br />
sorgen, dass sich möglichst<br />
viele gesunde Gefährder<br />
impfen lassen (Ironie off).<br />
Lesen Sie jetzt wirtschaftlich<br />
bewegende Themen zu<br />
Industrie, Handel, Umwelt,<br />
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62 Impfreaktionen...<br />
HANDEL.UMWELT.LOGISTIK<br />
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IMPRESSUM:<br />
Redaktion: Angelika Gabor,<br />
Peter Nestler, Dirk Ruppik<br />
Fotos: Getty Images<br />
istockphoto.com<br />
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LOGISTIK EXPRESS / MJR MEDIA<br />
Inhaber, Herausgeber:<br />
Markus Jaklitsch<br />
Hameaustraße 44, 1190 Wien<br />
T: +43 (0)676 7035206<br />
E: info@logistik-express.at<br />
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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S6<br />
Die Zukunft Europas: nach der Krise<br />
ist vor der Krise<br />
Auch wenn die globale Pandemie die Schlagzeilen der letzten Zeit beherrschte,<br />
gibt es noch andere Themen großer Wichtigkeit. Umweltschutz, Migration, Energiewende<br />
und Bildungsmisere sind nur einige davon. Die europäische Zukunftskonferenz<br />
hat als Ziel, Lösungen zu finden und ein geeintes Europa für die nächsten<br />
Generationen zu schaffen. REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />
ANGELIKA GABOR<br />
REDAKTION<br />
LOGISTIK EXPRESS<br />
Am 19. Juni um 9 Uhr fand in Straßburg<br />
die erste Plenarsitzung der „Konferenz<br />
zur Zukunft Europas“ statt.<br />
Wohlgemerkt Europa, nicht EU –<br />
denn nicht erst seit dem Austritt Großbritanniens<br />
ist klar, dass ein wettbewerbsfähiges,<br />
lebenswertes Europa den ganzen Kontinent<br />
betrifft und die EU-Spitze bei Maßnahmen über<br />
ihren eigenen Tellerrand hinausblicken muss.<br />
Detail am Rande: Wer wusste, dass Europa<br />
geographisch gesehen eigentlich gar kein<br />
eigener Kontinent, sondern Subkontinent<br />
von Eurasien ist? Mehr als 700 Millionen Europäer<br />
leben und wirken auf einer Fläche von<br />
rund 10,5 Millionen Quadratkilometern, aufgeteilt<br />
in – je nach Grenzziehung – 46 bis 49<br />
souveräne Staaten. Dagegen muten die<br />
27 EU-Mitgliedsstaaten beinahe mickrig an,<br />
wenngleich sie mehr als 450 Millionen Einwohner<br />
beherbergen. Darum ist eines der<br />
bei der Konferenz behandelten Themen<br />
auch die Integration des Westbalkans in die<br />
EU. Momentan laufen ja Verhandlungen mit<br />
Nordmazedonien, Serbien, Albanien und<br />
Montenegro, mit der Türkei (von der sich lediglich<br />
3 Prozent der Landfläche auf dem europäischen<br />
Teil befinden) nicht mehr wirklich.<br />
An der konstituierenden Sitzung nahmen<br />
rund 400 Abgeordnete, EU-Vertreter, Delegierte<br />
verschiedener Ausschüsse, Sozialpartner<br />
sowie EU-Bürger Teil. Für Österreich dabei:<br />
Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP)<br />
und Klimaschutzministerin Leonore Gewessler<br />
(Grüne). Der Plan ist, bis Anfang 2022 konkrete<br />
Vorschläge zu erarbeiten, was sich ändern<br />
muss, damit die Union die nächsten Jahrzehnte<br />
erfolgreich erlebt. Sprich wie wir es schaffen<br />
können, die „europäischen Werte“ und<br />
die Demokratie zu bewahren und die Einzelinteressen<br />
der Staaten zu den Themen Außenund<br />
Steuerpolitik, Arbeitsplätze, Klimaschutz<br />
und Reisen unter einen Hut zu bekommen.<br />
Der Haken: Ob und wie sie umgesetzt werden,<br />
entscheiden dann die EU-Staaten und das<br />
Europaparlament, das für seine Reformbereitschaft<br />
weithin bekannt ist… Samstag<br />
kamen jedenfalls gut 150 Redner zu Wort, via<br />
Internetplattform können Menschen sich einbringen<br />
und selbst Diskussionen veranstalten.<br />
Auch Bürgerforen sind geplant, die Vertreter<br />
entsenden können. Am 22. und 23. Oktober<br />
<strong>2021</strong> wird die nächste Plenarversammlung<br />
stattfinden – dann wird sich zeigen, ob großen<br />
Worten auch Taten bzw. konkrete Maßnahmen<br />
folgen. Die Corona-Krise hat jedenfalls<br />
wieder gezeigt, dass sich im Härtefall – Stichwort<br />
Impfstoffbeschaffung – dann doch jeder<br />
selbst der Nächste ist und die Solidarität dort<br />
endet, wo Verzicht beginnt.<br />
Hoffnung für Steyr<br />
Apropos Verzicht: nach dem vorerst gescheiterten<br />
Übernahmeversuch im April kam es nun<br />
doch zu einer Einigung zwischen Investor Siegfried<br />
Wolf und MAN. Bei seinem nachgebesserten<br />
Angebot behalten 1.400 Menschen
ihren Job (statt 1.250), die zusätzlichen 150<br />
Stellen werden über eine extra mit dem Land<br />
Oberösterreich geschaffene Forschungs- und<br />
Entwicklungsgesellschaft abgesichert. Jene<br />
500 Personen, die trotzdem ihren Arbeitsplatz<br />
verlieren, erhalten mehr als ursprünglich geplant.<br />
Sie werden dem deutschen Modell in<br />
der Nettoausgleichszahlung gleichgestellt,<br />
für ältere Mitarbeiter gibt es ein Altersteilzeitmodell<br />
und die 166 Lehrstellen bleiben erhalten.<br />
Dafür bleiben die schon zu Beginn<br />
angestrebten Gehaltskürzungen aufrecht…<br />
Im Gegensatz zu April wird es diesmal (aus<br />
Sicherheitsgründen?) keine Urabstimmung<br />
geben; der Vorstand hat dem Vertrag zugestimmt.<br />
Wer den neuen Arbeitsvertrag<br />
unterzeichnet, nimmt damit die Bedingungen<br />
an und die maximal 15 Prozent Lohnkürzung<br />
(vom Nettolohn) in Kauf. Aber wir wären nicht<br />
in Österreich, wenn sich die Gewerkschaften<br />
– in diesem Falle PRO-GE und GPA – nicht<br />
gleich wieder gemeldet hätten: aus ihrer<br />
Sicht gelten nämlich die bestehenden Arbeitsverträge<br />
auch nach der Übernahme durch<br />
Wolfs WSA. Dass dieser das anders sieht,<br />
liegt auf der Hand. Man wird sehen, wer hier<br />
den längeren Atem hat. Wenn wir ab 2023<br />
neue „Steyr“-Nutzfahrzeuge auf den Straßen<br />
sehen, hat der Wolf gewonnen.<br />
Willkommen in der Schuldenunion<br />
Noch eine aktuelle Nachricht, die ein bisschen<br />
in den Hintergrund getreten ist: die<br />
Euroländer haben erstmals europäische<br />
Staatsanleihen, die Eurobonds, ausgegeben.<br />
Schulden, für die alle Länder gemeinsam<br />
haften, und die aus dem EU-Budget zurückgezahlt<br />
werden (also von Nettozahlern…).<br />
Die Corona-Krise macht’s möglich - Egon<br />
Alfred Klepsch würde sich vermutlich im<br />
Grabe umdrehen, wenn er das wüsste. Eine<br />
der wesentlichen Grundlagen der Europäischen<br />
Union ist – bzw. war, wie es scheint<br />
– die Nichtbeistands- oder No-Bailout-Klausel.<br />
Bei der ersten Auktion Anfang Juni wurden<br />
20 Milliarden Euro eingenommen, die in<br />
den EU-Wiederaufbaufonds fließen. Lange<br />
hatten Österreich und Polen sich dagegen<br />
gewehrt, aber schließlich doch die Zustimmung<br />
erteilt. Schon letzten Juni war der<br />
mit insgesamt 750 Milliarden Euro dotierte<br />
Corona-Hilfsfonds nach zähen Verhandlungen<br />
beschlossen worden, mit den Eurobonds<br />
kann die fröhliche Geldumverteilung starten.<br />
Bis Jahresende sollen Eurobonds um weitere<br />
80 Milliarden Euro ausgegeben werden.<br />
Die siebenfach überzeichneten Emissionen<br />
laufen 10 Jahre. Nun darf sich die EU mit<br />
dem Titel „größter supranationaler Anleiheemittent“<br />
schmücken… ob das positiv ist,<br />
darf jeder für sich selbst beantworten. Immerhin<br />
gibt es strikte Vorgaben zur Verwendung<br />
des Geldes im Rahmen des „Recovery<br />
Plans“: so müssen zumindest 37 Prozent in<br />
Klimaschutzmaßnahmen investiert werden,<br />
weitere 20 Prozent in die Digitalisierung. Bis<br />
April hatten die Mitgliedsländer Zeit, ihre<br />
Pläne an die Kommission zu übermitteln, die<br />
dann in Zukunft den Geldhahn öffnet. Natürlich<br />
wurde dabei von Seiten der Politik mit<br />
Freude verkündet, dass Österreich bis zu 3,5<br />
Milliarden Euro für den Wiederaufbau erhalten<br />
wird. Zum Vergleich: Italien wird im<br />
Laufe der nächsten Jahre voraussichtlich<br />
191,5 Milliarden Euro an Zuschüssen und Darlehen<br />
aus Brüssel erhalten, Deutschland 28<br />
Milliarden.<br />
Während also die einen fleißig über die mögliche<br />
Zukunft Europas debattieren, wird an anderer<br />
Stelle schon fleißig Geld verteilt. Geld,<br />
das streng genommen gar nicht da ist. Geld,<br />
das die nächsten Generationen zurückzahlen<br />
dürfen. Ein jüngst von Finanzminister Gernot<br />
Blümel an seine europäischen Amtskollegen<br />
versendeter Brief mit der Aufforderung,<br />
nach Überwinden der Krise wieder zu den<br />
Fiskalregeln und einer niedrigen Verschuldung<br />
zurückzukehren, blieb bislang eher unbeantwortet.<br />
Laut Eurobarometerbefragung<br />
vom April sehen nur noch 34 Prozent der<br />
Österreicher die EU positiv. Wenn alles so<br />
weiterläuft, sehe ich für die Zukunft des vereinten<br />
Europa schwarz. (AG)
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S8<br />
Die Logistik geht gestärkt aus der<br />
Krise hervor<br />
Die Corona-Pandemie hat unseren privaten und beruflichen Alltag durcheinandergewirbelt<br />
– das gilt auch und besonders bei Entscheidern und Experten in<br />
den Wirtschaftsbereichen Supply Chain-Management und Logistik. BEITRAG: REDAKTION<br />
Ihnen ist es gelungen, trotz aller Einschränkungen<br />
die meisten Versorgungsketten<br />
intakt zu halten, sowohl die der Industrieproduktion<br />
als auch die der Versorgung<br />
der Bevölkerung. Lebensmittel und andere<br />
Waren des täglichen Bedarfs waren immer hinreichend<br />
verfügbar. Die Ausnahmesituation<br />
seit März 2020 hat folglich sichtbar gemacht,<br />
wie wichtig Supply Chain-Management und<br />
Logistik sind, um unser gesellschaftliches und<br />
wirtschaftliches System in Funktion zu halten.<br />
Die Krise war und ist für eine große Chance<br />
für einen Wirtschaftsbereich, der in der Regel<br />
im Schatten von Industrie und Handel steht.<br />
Logistik hat sich emanzipiert, wird endlich<br />
als systemrelevant wahrgenommen und hat<br />
heute einen höheren Stellenwert.<br />
Gleichzeitig wurde deutlich, worauf es in<br />
Wertschöpfungsketten heute und in Zukunft<br />
ankommt, und wo die Schwächen der Systeme<br />
und Supply Chains liegen – zumindest<br />
unter der außergewöhnlichen Belastung<br />
in einer krisenhaften Situation. Prognosesysteme<br />
versagen bei extremen Bedarfsschwankungen,<br />
Wertschöpfungsketten reißen<br />
ab, weil Grenzen geschlossen werden oder es<br />
unterschiedliche, zum Teil widersprüchliche<br />
Regelungen in benachbarten Regionen gibt.<br />
Oder weil Leergut fehlt – oder Container. Produktionslinien<br />
müssen heruntergefahren werden,<br />
weil Halbleiter weltweit knapp werden -<br />
ebenso wie Kunststoffgranulate, Spezialstähle<br />
und Holz. Das sind alles indirekte Folgen<br />
geänderter Bedarfe in Lockdown-Zeiten.<br />
Der Wirtschaftsbereich Logistik ist im Schnitt<br />
mit geringeren Umsatzeinbrüchen durch die<br />
Krise gekommen als andere Bereiche. Mengenvolumina<br />
sind zurückgegangen und logistische<br />
Schwerpunktaktivitäten haben sich<br />
verlagert, aber überwiegend war eine Konti-<br />
nuität des Geschäfts gewährleistet. Zum Teil<br />
erlebten wir sogar eine starke Arbeitsverdichtung<br />
beispielsweise nach Hamsterkäufen,<br />
Nachfragepeaks wie bei Masken oder<br />
Homeoffice-Equipment sowie im KEP-Bereich.<br />
Wenn die Phase der Lockdowns mit all ihren<br />
Beschränkungen zu Ende geht, wird die<br />
Wirtschaft durchstarten, es wird Nachholeffekte<br />
bei Investitionen und Konsum geben<br />
und der Wirtschaftsbereich Logistik wird<br />
in Kürze richtig viel Arbeit bekommen.<br />
Der Logistik-Indikator der BVL für das zweite<br />
Quartal <strong>2021</strong> zeigt großen Optimismus für eine<br />
positive Konjunkturentwicklung.<br />
Die Pandemie hat viele Veränderungen beschleunigt,<br />
die sowieso angestanden hätten.<br />
Unternehmen und Mitarbeiter sind in der Krise<br />
agiler geworden. Das ist im Sinne der Zukunftssicherung<br />
von großer Bedeutung. Resilienz,<br />
Transparenz und Flexibilität sind gefragt.<br />
Digitalisierung und neue Technologien geben<br />
uns dafür Werkzeuge an die Hand, die<br />
gepaart mit neuen Denk- und Arbeitsweisen<br />
zum Erfolg führen werden.<br />
In den Feldern IT-Infrastruktur und Data Analytics<br />
gut aufgestellt zu sein, befähigt Unternehmen,<br />
Volatilitäten zu verstehen und kurzfristig<br />
zu reagieren. BVL.digital und die Frankfurt<br />
University of Applied Sciences haben<br />
Entscheider zu den Erfolgsfaktoren resilienter<br />
Wertschöpfungskette befragt und herausgefunden,<br />
dass digitale Unternehmen besser<br />
durch die Krise kommen und somit resilienter<br />
sind.<br />
Dazu passt, dass 76 Prozent der Befragten angaben,<br />
die Corona-Krise habe den Digitalisierungsprozess<br />
in ihrem Unternehmen beschleunigt.<br />
Um die Resilienz weiter zu stärken, steht<br />
in Industrie und Handel die Verbesserung
des Informations- und Planungsprozesses<br />
mit den Partnern der Supply Chain ganz<br />
oben auf der Prioritätenliste, was wiederum<br />
eine Stärkung der Logistik mit sich bringt.<br />
Einige Logistikdienstleister werden den Charakter<br />
von Softwareunternehmen annehmen<br />
und Plattformen betreiben. Andere werden<br />
sich auf physischen Transport und Lagerung<br />
konzentrieren, dabei aber von der digitalen<br />
Steuerung der Prozesse profitieren. Sehr<br />
bald dürfte sich dies im Handel bewähren.<br />
Kontaktbeschränkungen, Lockdowns und<br />
in der Folge stark verändertes Kundenverhalten<br />
haben die strukturellen Veränderungen<br />
der Handelslandschaft stark beschleunigt.<br />
So wird intelligente Logistik zum<br />
Wettbewerbsvorteil in einer Handelslandschaft,<br />
in der Online- und Offline-Angebote<br />
systematisch strukturell verbunden sind.<br />
Nun müssen die Erkenntnisse genutzt und erkannte<br />
Schwächen in Stärken verwandelt<br />
werden. Denn die Herausforderungen, die<br />
uns schon vor der Corona-Pandemie in Atem<br />
gehalten haben, sind alle noch da. Sie wurden<br />
durch Besonderheiten der Krise nur überdeckt:<br />
Der Brexit und dessen immer deutlicher<br />
spürbaren Folgen, zunehmende nationale<br />
Egoismen, der demographische und der klimatische<br />
Wandel und die Notwendigkeit,<br />
nachhaltig zu handeln. Die Welt hat sich<br />
verändert. Um die Führungsrolle zu halten,<br />
müssen wir uns weiter entwickeln. (RED)<br />
Der Store ist in der Regel schneller als das<br />
Fulfillment-Center. Das Kaufhaus liegt im<br />
Schnitt näher bei den Kunden als das Auslieferungslager.<br />
So sind zum Beispiel 80 Prozent<br />
der Haushalte von den Häusern der Galeria<br />
Karstadt Kaufhof aus in nur 30 Minuten erreichbar.<br />
Eine erfolgversprechende Option<br />
für den Handel dürften also kooperativ gestaltete<br />
integrierte Modelle sein – wie sie in<br />
Deutschland beispielsweise von Zalando<br />
praktiziert werden. Und die Logistik, die bei<br />
dieser Transformation eine entscheidende<br />
Rolle spielt, muss sich auf eine Dezentralisierung<br />
ihrer Lagerflächen sowie kleinteiligere,<br />
kundenindividuellere Transporte einstellen.<br />
PROF. DR.-ING. THOMAS WIMMER<br />
VORSITZENDER DES VORSTANDS,<br />
BUNDESVEREINIGUNG LOGISTIK<br />
(BVL) DEUTSCHLAND E.V.
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S10<br />
Der Weg zurück wird für viele<br />
Unternehmer ein steiniger werden<br />
1,5 Jahre sind seit Ausbruch der Corona-Pandemie vergangen. Mittlerweile –<br />
nach vier harten Lockdowns und einem BIP-Rückgang um 6,6% – wird die langersehnte<br />
Erholung der Wirtschaft spürbar. Die Verbraucherstimmung ist laut<br />
HV Konsumbarometer so gut wie zuletzt im Sommer 2020, die Sparneigung geht<br />
zurück und die Konjunkturerwartung hat sich stabilisiert. Nur die Einkommenserwartung<br />
ist aufgrund der Jobunsicherheit noch im Keller. Der Weg zurück wird<br />
für viele Unternehmer ein steiniger werden, doch zumindest die Richtung stimmt.<br />
BEITRAG: RAINER WILL<br />
Keine Regierung der Welt wusste<br />
am Beginn der Pandemie, wie<br />
man mit diesem neuartigen Virus<br />
am besten umgehen soll. Die<br />
politischen Entscheidungsträger haben ihr<br />
Bestes gegeben, um die Situation schnellstmöglich<br />
unter Kontrolle zu bringen und<br />
Menschenleben zu schützen. Dafür gebührt<br />
ihnen Dank. Natürlich ist nicht alles optimal<br />
gelaufen. Die EU hat etwa durch zögerliche<br />
Entscheidungen beim Impfdosenankauf<br />
viele Chancen verspielt und muss sich nun<br />
selbst rechtfertigen.<br />
Der "Grüne Pass" wird dinächste Bewährungsprobe.<br />
Die Aussicht auf einen Fleckerlteppich<br />
an einzelstaatlichen Regulierungen<br />
erzeugt bei vielen Menschen Unsicherheit.<br />
Daher braucht es ein "Klima der Zuversicht"<br />
nicht nur für die Österreicherinnen und<br />
Österreicher, sondern auch für alle Menschen,<br />
die unser Land als Touristen besuchen<br />
wollen. Eine entscheidende Frage ist<br />
jetzt, wie wir möglichst viele Arbeitsplätze<br />
sichern und neue Jobs schaffen können.<br />
Der Handelsverband empfiehlt hierfür<br />
einen Arbeitsplatz-Sicherungsbonus. Die<br />
jüngsten Öffnungsschritte stimmen optimistisch.<br />
Am 3. Mai durften alle Geschäfte<br />
in ganz Österreich ebenso wie die körpernahen<br />
Dienstleister ihre Pforten wieder<br />
öffnen. Am 19. Mai folgten die Gastronomie,<br />
Hotellerie, Kunst-, Kultur- und Sportstätten.<br />
Ab 10. Juni wurde u.a. die Sperrstunde<br />
in der Gastro von 22 auf 24 Uhr<br />
ausgeweitet, der Mindestabstand von 2<br />
auf 1m reduziert sowie die Quadratmeterregel<br />
in den Geschäften von 20 auf 10 m2<br />
pro Kunde halbiert. Bei aller Euphorie über<br />
die Lockerungen im Inland darf aber nicht<br />
die Abhängigkeit von der Außenwirtschaft<br />
übersehen werden. Mehr denn je spüren<br />
wir die Auswirkungen der Lockdowns<br />
durch stotternde globale Lieferketten und<br />
Produktionskapazitäten.<br />
Egal ob Autoteile, Waschmaschinen oder<br />
Baustoffe – vieles ist derzeit nur schwer nach<br />
Österreich zu bekommen. Auf manche<br />
E-Bikes gibt es bis zu zwei Jahre Wartezeit.<br />
Einer aktuellen Befragung des Handelsverbandes<br />
zufolge sind 75% aller heimischen<br />
Einzelhändler von Lieferengpässen betroffen<br />
und gar 93% aller heimischen Großhändler.<br />
Der Auslöser für diese Beschaffungskrise<br />
war – natürlich – Corona. In Europa läuft die<br />
Produktion teilweise noch immer nicht auf<br />
Hochtouren, auch aus Asien kommt noch<br />
nicht so viel Nachschub wie üblich, weil die<br />
Produkte zuerst im eigenen Land verkauft<br />
werden und die internationalen Zentrallager<br />
leer sind. Chinas Fabriken laufen wieder<br />
auf Vollbetrieb, auch um medizinische<br />
Güter wie Corona-Tests und Schutzmasken<br />
in alle Welt zu exportieren. Auch Laptops<br />
und andere Ausstattung für das Home Office<br />
kommen aus dem Reich der Mitte.<br />
Die Industrieproduktion hat im ersten Quartal<br />
<strong>2021</strong> um ein Viertel angezogen, gleichzeitig<br />
erlebt China zurzeit das stärkste
RAINER WILL<br />
GESCHÄFTSFÜHRER<br />
HANDELSVERBAND<br />
Wirtschaftswachstum seit 30 Jahren.<br />
Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde ist<br />
im ersten Quartal um mehr als 18 Prozent<br />
gewachsen. In den meisten europäischen<br />
Ländern konnte die Produktion zuletzt ebenso<br />
wie in Asien wieder halbwegs auf Normalbetrieb<br />
hochgefahren werden. Allerdings ist<br />
eine Ausweitung der Produktionskapazitäten<br />
in so kurzer Zeit schwer möglich. Überdies<br />
müssen die Mitarbeiter in den Industriebetrieben<br />
weiterhin Abstandsregeln einhalten<br />
bzw. Maske tragen. Viele Betriebe mussten<br />
im Zuge der Krise auch Personal abbauen,<br />
Leiharbeitsverträge auslaufen lassen und<br />
viele Arbeitskräfte in Kurzarbeit schicken.<br />
Das alles summiert sich und die Betriebe<br />
können nicht einfach in ein paar Tagen von<br />
0 auf 150 Prozent hochfahren.<br />
Darüber hinaus verzeichnen wir seit Jahresbeginn<br />
stark steigende Rohstoffpreise bei<br />
Metall, Holz und Kunststoff, Engpässe bei<br />
Vorlieferanten, Verzögerungen durch die<br />
Einführung der neuen EU-Energie-Labels<br />
sowie covidbedingte Ausfälle bei internationalen<br />
Fabriken und jüngst den Rückstau<br />
im Suezkanal. Schön langsam zahlt Europa<br />
auch den Preis für die schleppenden Impfprogramme.<br />
Die Wirtschaft ist nämlich in Asien<br />
und in den USA um ein paar entscheidende<br />
Monate früher angesprungen. Wie bei<br />
den Impfstoffen haben diese Länder nun<br />
auch bei der Beschaffung von Rohstoffen<br />
die Nase vorn. Hinzu kommt eine enorm<br />
gestiegene Nachfrage der Kunden nach<br />
Unterhaltungselektronik, Fitnessgeräten,<br />
Küchen und Möbel. Die Verbraucher können<br />
ihr Geld während der Pandemie nicht<br />
für Auslandsreisen, Restaurantbesuche<br />
oder Hotels ausgeben, daher investieren<br />
sie es in die Verschönerung der eigenen<br />
vier Wände. Wo das Angebot gering, die<br />
Nachfrage aber hoch ist – dort steigt der<br />
Preis. Die Kosten für Container haben sich<br />
teilweise verachtfacht. Bis sich alles wieder<br />
normalisiert hat, wird es noch dauern.<br />
Das letzte Jahr hat gezeigt, wie stark die<br />
globale Vernetzung inzwischen ist und wie<br />
schnell die Lieferketten aus dem Gleichgewicht<br />
geraten und sich vereinzelte Störungen<br />
über die unterschiedlichen Wertschöpfungsstufen<br />
bis zum Verbraucher<br />
durchschlagen. Wer jetzt lieferfähig ist das<br />
Geschäft. Das bewegt einige Unternehmen<br />
zum Umdenken – weg von der möglichst<br />
kostengünstigen Beschaffung hin zur<br />
Sicherstellung der Lieferfähigkeit in den<br />
einzelnen Märkten. Und dies bedeutet<br />
hoffentlich am Ende eine Neuausrichtung<br />
der Wertschöpfungsketten und eine Reallokation<br />
der Produktion. (RED)
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S12<br />
Österreichs Handel: Jahresbilanz<br />
2020 & Corona-Prognose <strong>2021</strong><br />
Die privaten Haushaltsausgaben sind im Vorjahr real um 8,2% auf 192,5 Mrd. Euro<br />
geschrumpft. Das Vorkrisenniveau werden wir erst 2024 wieder erreichen. Der<br />
eCommerce-Anteil steigt auf den Rekordwert von 11,2%. Aber: Nur ein Drittel der<br />
Pakete wird im heimischen Onlinehandel bestellt. BEITRAG: GERALD KÜHBERGER<br />
Einzelhandel muss reales Umsatzminus von<br />
1,3% auf 67,6 Mrd. Euro verkraften<br />
2020 sind die Ausgaben der privaten Haushalte<br />
in Österreich von 206,5 Milliarden Euro<br />
um -6,8 Prozent auf 192,5 Milliarden Euro gesunken.<br />
Inflationsbereinigt liegt das Coronabedingte<br />
Minus sogar bei -8,2 Prozent. Der<br />
Rückgang der Ausgaben traf primär den<br />
Dienstleistungs- und Kfz-Sektor. Der Einzelhandel<br />
musste ein reales Umsatzminus von rund<br />
-1,3 Prozent auf 67,6 Milliarden Euro verkraften.<br />
GERALD KÜHBERGER<br />
PRESSESPRECHER<br />
HANDELSVERBAND<br />
Der Handel ist in Österreich einer der<br />
größten Wirtschaftssektoren und<br />
mit 603.000 Beschäftigten zweitgrößter<br />
Arbeitgeber. Der private<br />
Konsum trägt rund 50 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt<br />
bei. Welche Produktgruppen<br />
die Privatausgaben im stationären Einzelhandel<br />
sowie im Distanzhandel 2020 angetrieben<br />
haben und wie stark die Paketvolumina<br />
heimischer KEP-Dienstleister angesichts der<br />
Pandemie und des Online-Shopping-Booms<br />
gestiegen sind, untersucht die brandneue<br />
Jahresbilanz "Österreichs Handel in Zahlen"<br />
von Branchenradar.com Marktanalyse und<br />
Handelsverband. Darüber hinaus liefert die<br />
Studie die erste Corona-Jahresprognose für<br />
das Gesamtjahr <strong>2021</strong>.<br />
"Die Ausgaben der Österreicherinnen und Österreicher<br />
sind im Corona-Jahr 2020 um -8,2<br />
Prozent eingebrochen. Für <strong>2021</strong> erwarten wir<br />
zwar eine leichte Erholung von real +0,5 Prozent,<br />
das Vorkrisenniveau werden wir aber<br />
vermutlich erst 2024 wieder erreichen. Insgesamt<br />
haben uns die Covid-Lockdowns Ausgabenausfälle<br />
von 39 Milliarden Euro gekostet",<br />
erklärt Handelsverband Geschäftsführer Rainer<br />
Will die zentralen Ergebnisse der Studie.<br />
"Die Einkäufe konzentrierten sich im Vorjahr<br />
ganz stark auf In-Home-Produkte. Das Podium<br />
der Top3-Wachstumssieger 2020 bilden<br />
Nahrungsmittel mit +8,6 Prozent, Videospiele<br />
mit +6,7 Prozent, Grünraumprodukte mit +5,4<br />
Prozent. Alle Ausgaben in Zusammenhang<br />
mit sozialen Kontakten und Outdoor- bzw.<br />
Freizeitaktivitäten waren hingegen rückläufig",<br />
ergänzt Studienautor Andreas Kreutzer<br />
von der branchenradar.com Marktanalyse.<br />
Schadensausmaß der Pandemie im<br />
stationären Handel enorm<br />
Auf den ersten Blick scheint es so, als sei<br />
der heimische Einzelhandel mit einem<br />
blauen Auge durch die Corona-Krise gekommen.<br />
Erst bei genauerer Betrachtung der<br />
Zahlen wird klar, wie enorm das Schadensausmaß<br />
der Pandemie tatsächlich ist.
Allein die Umsatzverluste für die "Osterruhe" im<br />
Osten belaufen sich auf 1,95 Milliarden Euro.<br />
Der Onlinehandel konnte einen Teil dieser<br />
Verluste auffangen, allerdings haben davon<br />
insbesondere Webshops aus Drittstaaten wie<br />
Amazon profitiert.<br />
Im Branchenvergleich hat es den stationären<br />
Modehandel mit einem Umsatzeinbruch von<br />
-24 Prozent am schlimmsten getroffen, aber<br />
auch die Wintersportgeräte-, Schmuck- und<br />
Schuhhändler mussten Verluste von weit über<br />
-15 Prozent im Vergleich zu 2019 hinnehmen.<br />
Besonders Händler in Tourismusregionen<br />
und Großhändler, die die Gastronomie<br />
beliefern, haben dramatische Umsatzausfälle<br />
bis hin zu Totalausfällen zu beklagen.<br />
Je kleiner der Betrieb, je weniger digital und<br />
je abhängi-ger vom Tourismus, desto geringer<br />
die Liquiditätsreserven und desto dicker das<br />
Minus. Aktuellen Studien zufolge müssen in<br />
den nächsten zwei Jahren 5.000 bis 10.000<br />
Geschäfte schließen, dadurch sind zehntausende<br />
Jobs gefährdet. "Die mittel- und<br />
langfristigen Schäden werden oft ausgeblendet<br />
oder nicht verstanden. Diese Effekte<br />
werden uns durch Betriebsschließungen, Insolvenzen,<br />
Arbeitslosigkeit und soziale und<br />
psychische Auswirkungen noch jahrelang<br />
begleiten. Daher haben wir immer das Motto<br />
'Leben und Wirtschaften mit dem Virus' geprägt,<br />
dem sich die Politik leider nur zaghaft<br />
angeschlossen hat", bestätigt Will.<br />
Onlinehandel mit +17% dynamisch<br />
Der Distanzhandel befindet sich in Österreich<br />
laut Studie weiterhin auf Wachstumskurs.<br />
"Der Onlinehandel hat im letzten Jahr<br />
erneut an Bedeutung gewonnen. Der Vertriebskanal<br />
generierte während der Pandemie<br />
satte +17 Prozent höhere Privatausgaben.<br />
Damit steigt der eCommerce-Anteil<br />
am gesamten Einzelhandelsumsatz auf den<br />
neuen Rekordwert von 11,2 Prozent", so<br />
Rainer Will.
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S14<br />
Die Studie "Österreichs Handel in Zahlen"<br />
kann auf der Website des Handelsverbandes<br />
bestellt werden:<br />
www.handelsverband.at<br />
Hinzu kommt: Neben den bislang im Onlinehandel<br />
dominierenden Warengruppen<br />
Bekleidung/Schuhe (31,2%), Elektrogeräte<br />
(26,3%) und Bücher (46,8%) wird der eCommerce<br />
für immer mehr Waren zu einem<br />
relevanten Vertriebskanal.<br />
"So erhebt der aktuelle Branchenradar für<br />
2020 substanzielle Zuwächse etwa bei Kunst-<br />
Antiquitäten (+75%), Grünraumprodukten<br />
(+45%), Drogeriewaren (+36%) und Einrichtungsgegenständen<br />
(+40%). Im Lebensmittelhandel<br />
ist Online-Shopping zwar trotz massiver<br />
Investitionen noch eine Nischenangelegenheit,<br />
die Wachstumsdynamik ist allerdings mit<br />
+46% ebenfalls beträchtlich", sagt Andreas<br />
Kreutzer.<br />
Paketlawine wächst um 27%, allerdings wird<br />
nur 1/3 im heimischen Onlinehandel bestellt<br />
Noch stärker als der Distanzhandel hat im<br />
letzten Jahr der sog. KEP Markt (Kurier-, Express-<br />
und Paketdienste) zugelegt. "2019<br />
lag die Zahl der zugestellten Pakete im B2C<br />
Bereich bei 109 Millionen, 2020 ist das Paketvolumen<br />
um unfassbare 27 Prozent auf 139<br />
Millionen Stück angewachsen. Hauptgründe<br />
für die Paketlawine sind neben dem generellen<br />
eCommerce-Boom vor allem überproportional<br />
steigende Teillieferungen und<br />
Retouren.<br />
Der durchschnittliche Paketwert ist hingegen<br />
um 8 Prozent gesunken", bestätigt Kreutzer.<br />
"Der Anteil ausländischer Onlinehändler am<br />
Paketvolumen ist allerdings auf rund 64 Prozent<br />
angestiegen. Nur jedes dritte Paket,<br />
dass die Österreicherinnen und Österreicher<br />
im Onlinehandel bestellen, wird bei heimischen<br />
Webshops gekauft. Das größte Tortenstück<br />
geht an Amazon". Darüber hinaus wird<br />
Österreich nach wie vor mit China-Paketen<br />
geflutet, indem die bestehende 22-Euro-Freigrenze<br />
für Paket-lieferungen aus Drittstaaten<br />
durch asiatische Online-Händler vorsätzlich<br />
ausgenutzt wird. "Das Aus für die 22-Euro-<br />
Freigrenze mit 1. Juli <strong>2021</strong> ist überfällig. Damit<br />
wird die Europäische Union ein 7 Milliarden<br />
Euro großes Steuerschlupfloch für asiatische<br />
Onlinehändler endlich schließen", freut sich<br />
Rainer Will.<br />
Wie der wirtschaftliche Neustart gelingen<br />
wird? Handelsverband gibt 4 Empfehlungen.<br />
Nach mehr als 6,5 Monaten "Lockdown light"<br />
sind die Türen zu Gastronomie, Hotels, Sport-,<br />
Kunst- und Kultureinrichtungen wieder aufgegangen.<br />
Viele Konsumenten haben und<br />
das Angebot gerne angenommen. Auch der<br />
österreichische Handel ist mit der Umsatzentwicklung<br />
seit dem Tag der Öffnung vieler eng<br />
verbundener Branchen am 19. Mai zufrieden.<br />
Für die Händler bedeutet die Rückkehr zu<br />
den normalen Geschäftszeiten die Öffnung<br />
von Gastronomie & Hotellerie sowie ab 1. Juli<br />
die Abschaffung der Quadratmeter-Begrenzung<br />
im Shop einen weiteren Schritt Richtung<br />
Normalität und wirtschaftlichem Comeback.<br />
Je besser es den Hotels, Kaffeehäusern und<br />
Gastwirten geht, desto stärker profitieren<br />
auch die heimischen Geschäfte von steigenden<br />
Besucherzahlen und Impulskäufen.<br />
Wie nachhaltig der Aufschwung im stationären<br />
Handel tatsächlich ist, wird sich allerdings<br />
erst in den kommenden Wochen zeigen.<br />
Die gesamte Branche hofft jetzt auf ein<br />
nachhaltiges "Klima der Zuversicht", indem<br />
sich auch die Einkommenserwartung der<br />
Menschen stabilisiert. Dringenden Handlungsbedarf<br />
für einen erfolgreichen wirtschaftlichen<br />
Neustart sieht der Handelsverband insbesondere<br />
in folgenden vier Bereichen:<br />
Schaffung gleicher und fairer Wettbewerbsbedingungen<br />
in der EU (Fair Commerce)<br />
Jeder weiß, dass der größte Onlinehändler<br />
der Welt kaum Steuern zahlt. Allein in den<br />
letzten 10 Jahren hat Amazon außerhalb<br />
der USA Steuergutschriften in Höhe von 13,4<br />
Milliarden Dollar geltend gemacht. Damit finanziert<br />
Europa mit Steuergeldern die globale<br />
Expansion von Amazon zulasten heimischer<br />
KMU-Händler.
Österreichische Händler müssen unzählige<br />
Zwangsabgaben und hohe Lohnnebenkosten<br />
stemmen, während Amazon vogelfrei agieren<br />
kann. Es braucht eine faire Besteuerung<br />
der Marktteilnehmer.<br />
Senkung der Lohnnebenkosten<br />
Nur in drei Ländern der EU erhalten Durchschnittsverdiener<br />
weniger Nettolohn von ihrer<br />
erwirtschafteten Leistung als in Österreich.<br />
Fast die Hälfte des Arbeitseinkommens landet<br />
hierzulande beim Staat. Daher braucht es<br />
dringend eine Entlastung des Faktors Arbeit<br />
und eine konsequente Senkung der Lohnnebenkosten.<br />
Abschaffung der Mietvertragsgebühr<br />
Wenn man in Österreich ein Geschäft mieten<br />
will, bekommt man bereits Monate vor dem<br />
Umbau einen Bescheid: die Mietvertragsgebühr.<br />
Kleine Händler, die hierzulande eine<br />
Fläche anmieten, müssen Mietvertragsgebühren<br />
zahlen, bei denen das Finanzministerium<br />
oft für fünf Jahre im Voraus ein Prozent<br />
aller Mietkosten kassiert. Damit finanziert sich<br />
der Staat auf dem Rücken von Startups vor,<br />
obwohl nur die Hälfte aller Händler fünf Jahre<br />
nach der Gründung noch bestehen. Die<br />
Abschaffung dieser Papiersteuer aus Maria<br />
Theresias Zeiten ist überfällig.<br />
Über die Studie "Handel in Zahlen"<br />
Branchenradar.com Marktanalyse und Handelsverband<br />
gehen mit der gemeinsamen<br />
Österreich-Studie "Handel in Zahlen" einen<br />
neuen Weg Richtung mehr Information und<br />
Transparenz. Die Studie bietet das präziseste<br />
Bild der Handelslandschaft und der Konsumentenausgaben<br />
in Österreich für die Jahre<br />
2016 bis 2020 sowie eine fundierte Corona-<br />
Prognose für <strong>2021</strong> und geht tief in die einzelnen<br />
Produktgruppen hinein. Zudem wurde der<br />
den Fokus erweitert auf einzelhandelsnahe<br />
Sektoren, da diese zumindest bis zur Corona-<br />
Krise mehr und mehr in angestammte Bereiche<br />
des Handels eingedrungen bzw.<br />
mit dem Handel verschmolzen sind. Insgesamt<br />
wurden 66 Produktgruppen und 14<br />
einzelhandelsrelevante Kategorien definiert.<br />
(RED)<br />
AutoStore<br />
erstklassiger<br />
INTEGRATOR<br />
in Österreich<br />
www.reesinkls.at
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S16<br />
Omnichannel Readiness Index <strong>2021</strong>:<br />
Handel rüstet digital massiv auf<br />
Handelsverband, Google und MindTake präsentieren vierte Ausgabe des<br />
Reports zur Digitalisierung des heimischen Handels. Obi erneut Gesamtsieger.<br />
Thalia State-of-the-art bei Channel Integration. BEITRAG: ISABEL LAMOTTE<br />
RAINER WILL,<br />
GESCHÄFTSFÜHRER<br />
HANDELSVERBAND<br />
„Die Krise hat gezeigt, wie wichtig es ist,<br />
Konsumentinnen und Konsumenten in jeder<br />
Lebenslage und Altersklasse servicieren<br />
zu können. Deshalb haben drei Viertel der<br />
Händler digital aufgerüstet, ein Drittel sogar<br />
massiv. Viele Potentiale sind allerdings<br />
noch zu heben. Die Kundinnen und Kunden<br />
wollen mehr Kommunikation im Vorfeld und<br />
aus gezielten Bezugsmodalitäten wählen<br />
können. Nur 5 Prozent der Händler ermöglichen<br />
es, auf der Produktseite Fragen zum<br />
Produkt stellen zu können, zwei Drittel der<br />
Kundinnen und Kunden wünscht sich das,<br />
ebenso wie die Rückruffunktion, die nach<br />
wie vor nur von 14 Prozent angeboten wird.<br />
81 Prozent der Konsument:innen wollen<br />
die Produkte im Webshop auf eine einzige<br />
Filiale einschränken können, um so gezielt<br />
wie live im Laden shoppen zu können,<br />
doch nur 12 Prozent der Händler nutzen ihre<br />
Bestandsdaten für einen solchen Filter.<br />
ISABEL LAMOTTE<br />
COMMUNICATIONS &<br />
PROJECT MANAGER<br />
HANDELSVERBAND<br />
Omnichannel Retailing im Lockdown?<br />
Ja, mehr denn je! In<br />
Zeiten der immer wieder geschlossenen<br />
Filialen gewinnt<br />
die Kunst, beide Kanäle – on- und offline<br />
– in einem einzigen Kaufvorgang zu verbinden,<br />
erneut an Bedeutung, ist zugleich aber<br />
auch eine zusätzliche Herausforderung:<br />
Wie können Service-Leistungen aus der stationären<br />
Fläche ins Web verlagert werden?<br />
Mit besonderem Fokus auf Corona bedingte<br />
Entwicklungen zeigt der Handelsverband<br />
Benchmark "Omnichannel Readiness<br />
Index <strong>2021</strong>" auf, wie gut die digitalen<br />
und analogen Kanäle 41 wichtiger österreichischer<br />
Einzelhändler:innen verzahnt<br />
sind und wie diese die Herausforderungen<br />
gemeistert haben.<br />
Wann kann ich meine Ware abholen, wenn<br />
ich per Click & Collect bestelle, in 30 min<br />
oder erst in einer Woche? Das vor dem<br />
Kauf zu wissen, ist für drei Viertel der Konsumenten<br />
essenziell, für den Handel jedoch<br />
viel Luft nach oben,“ bilanziert Rainer Will,<br />
Geschäftsführer des Handelsverbandes,<br />
die Ergebnisse des ORI, die der digitale<br />
Benchmark des österreichischen Handels<br />
geworden ist.<br />
Vor allem digitales Marketing: 73% der<br />
Händler:innen haben pandemiebedingt digital<br />
aufgerüstet<br />
Die im Rahmen des Omnichannel Readiness<br />
Index befragten Händler haben enorm<br />
investiert, und zwar in allen Bereichen, von<br />
Kundenservices in den Filialen und im Online-Shop<br />
über Analytics, bis hin zu – selbstredend<br />
im Corona-Jahr – Investitionen in
Methodik<br />
KRITERIEN GEWICHTUNG KATEGORIEN ENDERGEBNIS<br />
DESK RESEARCH<br />
HÄND<strong>LE</strong>RBEFRAGUNG<br />
Mobil-optimierte<br />
Website?<br />
Telefon-Hotline?<br />
Vorauskasse<br />
möglich?<br />
Routenplaner?<br />
Omnichannel-<br />
Organisation?<br />
X-Channel Analytics?<br />
Portfolio &<br />
Preisunterschied?<br />
Treuepunkte<br />
on- und offline<br />
sammelbar?<br />
KUNDENBEFRAGUNG<br />
z.B. für Kunden<br />
sehr wichtig<br />
z.B. für Kunden<br />
wichtig<br />
z.B. für Kunden<br />
wenig relevant<br />
z.B. für Kunden<br />
eher wichtig<br />
Eigene Auswertung,<br />
kein Einfluss auf das<br />
ORI-Gesamtergebnis<br />
Mobile Friendliness<br />
Transparenz & Vertrauen<br />
Personalisierung, Loyalty<br />
& Sharing<br />
Flexible<br />
Kontaktmöglichkeiten<br />
Payment, Fulfillment &<br />
Returns<br />
Wegweiser in die Filiale<br />
Channel Integration<br />
Gesamtscore<br />
=<br />
Omnichannel<br />
Readiness Index<br />
(ORI)<br />
9<br />
Sichtbarkeit, SEO und digitalem Marketing<br />
im Kampf um die digitale Gunst der Konsumenten.<br />
90 Prozent der befragten Händler und Hänlerinnen<br />
nutzen nun CRM-Daten für personalisierte<br />
Werbung und knapp zwei Drittel<br />
setzen auf programmatisches Marketing.<br />
Mehr als die Hälfte setzt auf zusätzliche<br />
Vertriebskanäle. Genannt werden hier<br />
Marktplätze wie Shöpping, Kaufdaheim,<br />
Amazon oder Zalando, aber auch Produktfinder<br />
und Preisvergleichsplattformen wie<br />
Google Shopping, Idealo, Geizhals oder<br />
Ladenzeile. Beachtlich ist laut Händlerbefragung<br />
auch die Nutzung der beiden Online-to-Store<br />
Produkte von Google: Local<br />
Inventory Ads (von 57% der befragten<br />
Händler genutzt) zeigen den Filialbestand<br />
in der Suchmaschine an, Local Campaigns<br />
(von 41% der befragten Händler genutzt)<br />
ermöglichen den „Branded Pin“ auf<br />
Google Maps, also die „Stecknadel“ mit<br />
Firmen-Logo.<br />
"Das Wachstum im E-Commerce und in der<br />
Online-Recherche ist stark getrieben durch<br />
ältere Internetnutzer, die in den letzten<br />
Monaten zum ersten Mal online eingekauft<br />
haben. 90 Prozent dieser sogenannten Silver<br />
Surfer (> 55 Jahre) planen dies auch<br />
nach der Krise zu tun. Ein weiterer Grund<br />
für alle österreichischen Händlerinnen und<br />
Händler, ihre Online-Präsenz nachhaltig<br />
auszubauen,“ sagt Judith Dobretzberger,<br />
Retail Lead Google Austria.
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S18<br />
Corona als Innovationstreiber: 93% der<br />
Händler haben neue Services eingeführt<br />
oder geplant<br />
Aber auch die kundenorientierten Services<br />
wurden im Zuge der Krise erweitert, geboren<br />
aus der Not und mit viel Kreativität:<br />
Corona (Care) Pakete, kontaktlose Abhol-,<br />
Zahl- und Zustellmöglichkeiten, Terminvereinbarungen<br />
für Click & Collect, Beratungen<br />
per Videocall oder Live-Chat aus der<br />
Filiale heraus, Scan & Go, Call & Collect,<br />
Gratis-Lieferung im Lockdown und garantierte<br />
Lieferzeitfenster für Menschen in<br />
Quarantäne sind nur einige der zahlreichen<br />
neuen Services.<br />
Top Kundenwünsche: Tag der Lieferung,<br />
Frage stellen zum Produkt, Check der Warenverfügbarkeit<br />
Die Konsumentenwünsche haben sich im<br />
Krisenjahr weniger verändert als man hätte<br />
annehmen können. Immanent wichtig ist<br />
nach wie vor die Gratis-Zustellung, eine<br />
auch in Krisenzeiten verlässliche Angabe<br />
der Öffnungszeiten, der direkte telefonische<br />
Kontakt zur Filiale via Filialfinder im<br />
Webshop und/oder Google Maps, der<br />
Check der Warenverfügbarkeit in der<br />
Filiale, eine komfortable Produktsuche mit<br />
Filtern, Transparenz im Kaufvorgang und<br />
maximale Flexibilität bei Abholung, Zustellung,<br />
Payment und Retoure.<br />
Konsument:innen suchen die Nähe zum<br />
Händler – ein Wunsch mit Potenzial<br />
Ein deutlicher Anstieg um 14% ist allerdings<br />
beim Live-Chat zu verzeichnen, diesen<br />
wünschen sich inzwischen 32% der Konsumenten,<br />
um mit ihrem Händler in Kontakt<br />
treten zu können. Aber nicht nur auf diesem<br />
Weg: Zwei Drittel der Konsumenten<br />
würden gerne auf der Produktseite Fragen<br />
zum Produkt stellen können, nur 5 Prozent<br />
der Händler:innen bieten dies an. Auch die<br />
Rückrufanfrage beim Händler ist ein vom<br />
Handel weitestgehend unerfüllter Wunsch.<br />
Die ORI 4.0 Diskrepanz-Analyse deckt aber<br />
noch weitere Potenziale auf. Ein technisch<br />
relativ leicht umzusetzendes Service, den<br />
sich jeder dritte Kunde wünscht: Den Warenkorb<br />
per Email oder Social Media zu teilen<br />
– dieses Service offeriert keiner der Händler<br />
im Set. Komplizierter aber mit enormem Potenzial<br />
ist der Wunsch der Konsument:innen,<br />
den genauen Tag der Lieferung zu kennen.<br />
Das ist für 80% wichtig, doch nur 17% der<br />
Händler haben mit ihren jeweiligen Last-<br />
Mile-Logistikern den Service entsprechend<br />
ausverhandelt. Auch vermehrtes Picking<br />
aus der Filiale sollte vom Handel in Erwägung<br />
gezogen werden, denn drei Viertel<br />
der Konsumenten erwarten zu wissen, wann<br />
die Click & Collect Ware abholbereit ist –<br />
und das, bevor die Bestellung platziert wird.<br />
Obi erneut an der Spitze, Thalia State-ofthe-art<br />
im Bereich Channel Integration<br />
Den ORI-Gesamtsieg hat sich dieses Jahr erneut<br />
Obi gesichert, nur einen Prozentpunkt<br />
weniger erzielen die Zwillingsshops Kastner<br />
& Öhler und Gigasport.<br />
Der Omnichannel Readiness Index bringt<br />
aber auch Kategorie-Sieger hervor. Thalia<br />
beispielsweise hat 100% im Bereich „Channel<br />
Integration“ erreicht. Der Buchhändler<br />
ist also Best-in-Class und State-of-the-art in<br />
der Omnichannel-Königsklasse: Maximale<br />
Flexibilität bei der Kaufabwicklung, und das<br />
völlig vertriebskanalunabhängig und nahtlos,<br />
Click & Collect, Reserve & Collect, Retoure<br />
online bestellter Waren in der Filiale,<br />
Abholstationen für 24/7 Abholung, rasche<br />
Bereitstellung der Click & Collect Waren,<br />
und dies stets kostenlos.<br />
Diese Händler:innen legen die Messlatte -<br />
ORI Branchensieger<br />
• Wohnen, Einrichten,<br />
Heimwerken & Garten: Obi (81%)<br />
• Freizeit & Sport: Gigasport (80%)<br />
• Generalisten: Kastner & Öhler (80%)<br />
• Bücher & Papierbedarf: Thalia (74%)<br />
• Computer & Elektro(nik):<br />
Media Markt (73%)<br />
• Fashion & Accessoires:<br />
Peek & Cloppenburg (73%)<br />
• Drogerie: Bipa (72%)<br />
• Lebensmitteleinzelhandel: Billa (72%)
ORI Kategoriesieger<br />
• Transparenz & Vertrauen:<br />
Decathlon (84%)<br />
• Personalisierung, Loyalty und Sharing:<br />
dm drogerie markt (81%)<br />
• Flexible Kontaktmöglichkeiten:<br />
Kastner & Öhler, Gigasport (86%)<br />
• Payment, Fulfillment & Returns:<br />
Kastner & Öhler, Gigasport (84%)<br />
• Wegweiser in die Filiale:<br />
Interspar, Hartlauer (99%)<br />
• Channel Integration: Thalia (100%)<br />
Die Studien und Benchmarks des Handelsverbandes<br />
werden den Handelsverband<br />
Mitgliedern kostenfrei zugestellt. Für KMU<br />
Händler ist die Mitgliedschaft im Rahmen<br />
von www.kmu-retail.at kostenfrei.<br />
Studie und Methodik<br />
Für die Studie „Der Handelsverband Omnichannel<br />
Readiness Index“ wurden im<br />
März/April <strong>2021</strong> ausgewählte Omnichannel-Händler:innen<br />
anhand von rund 100<br />
Kriterien mittels Desk Research analysiert.<br />
Zeitgleich wurden weitere Kriterien per<br />
Händlerbefragung (Computer Assisted<br />
Web Interviews) erhoben. Die Kriterien aus<br />
dem Desk Research fließen in sieben verschiedene<br />
Kategorien ein. Zusätzlich wurde<br />
in einer repräsentativen Onlinebefragung<br />
unter 1.000 ÖsterreicherInnen, die zumindest<br />
alle 6 Monate im Internet bestellen,<br />
die Wichtigkeit der Kriterien für Kunden erhoben.<br />
Wichtige Kriterien flossen dadurch<br />
mit einem höheren Gewicht in die Berechnung<br />
ein, unwichtige Kriterien beeinflussen<br />
das Ergebnis dagegen weniger – belohnt<br />
wird also nicht nur das Vorhandensein<br />
von Omnichannel-Features, sondern auch<br />
die Bereitstellung der für den Konsumenten<br />
wertvollen Services. Der Kriterienkatalog<br />
geht von einem idealen Omnichannel<br />
Angebot aus, das nach heutigen Standards<br />
umsetzbar wäre. Bei der Analyse<br />
kann ein Händler maximal 100% erreichen.<br />
Der Kriterienkatalog wurde vom Handelsverband<br />
in Kooperation mit Google und<br />
MindTake erarbeitet. Die Kriterien wurden<br />
<strong>2021</strong> im Vergleich zu 2020 adaptiert und um<br />
zusätzliche Omnichannel-Kriterien ergänzt.<br />
(RED)<br />
Mit einem AutoStore-System von Element Logic<br />
konnte der Online-Händler eXXpozed nicht nur seine<br />
Lagerkapazität vervielfachen, sondern auch seine<br />
Lagerprozesse hinsichtlich Zuverlässigkeit und Effizienz<br />
erheblich optimieren.<br />
Die Zusammenarbeit mit Element Logic<br />
hat in jeder Hinsicht dazu beigetragen, die<br />
Kundenzufriedenheit zu steigern und unsere<br />
Marktposition weiter auszubauen.<br />
Es war für uns die bisher beste Entscheidung in<br />
Bezug auf effizientes und ressourcenoptimiertes<br />
Lagermanagement und garantiert uns<br />
Zukunftssicherheit und nachhaltige<br />
Wachstumschancen.<br />
Andreas Oliver Bindhammer,<br />
Gründer und Geschätsführer<br />
von eXXpozed<br />
OPTIMIZING WAREHOUSE PERFORMANCE<br />
www.elementlogic.de
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S20<br />
Kontrollen der Online-Giganten sind<br />
entscheidend für fairen Wettbewerb<br />
Der Handelsverband fordert eine Plattformhaftung für die Verpackungsentpflichtung,<br />
den Schutz der Verbraucher vor Fake-Produkten und eine globale Mindeststeuer<br />
ohne Schlupflöcher. BEITRAG: GERALD KÜHBERGER<br />
Handel fordert level playing field<br />
Um langfristig faire Wettbewerbsbedingungen<br />
mit großen Plattformen wie Amazon<br />
zu erreichen, müssen diese stärker in die<br />
Pflicht genommen werden. Der Handelsverband<br />
hat hierzu zwei Ansätze entwickelt,<br />
die einerseits den Verbraucherschutz vor<br />
Produktfälschungen und andererseits die<br />
Teilnahme asiatischer Händler bei Sammelund<br />
Verwertungssystemen betreffen. In<br />
beiden Fällen wäre eine Plattformhaftung<br />
wichtig, um gleiche Wettbewerbsbedingungen<br />
zu schaffen.<br />
GERALD KÜHBERGER<br />
PRESSESPRECHER<br />
HANDELSVERBAND<br />
Der Handelsverband dankt dem<br />
Finanzministerium für die jüngsten<br />
Schwerpunktkontrollen der<br />
Finanzpolizei und der Taskforce<br />
SOLBE bei heimischen Amazon-Partnerunternehmen.<br />
Die österreichische Hartnäckigkeit<br />
im Kampf für fairen Wettbewerb<br />
und gegen Lohn- und Sozialdumping<br />
zeigt offenkundig Wirkung. Nachdem bei<br />
Kontrollen im Vorjahr noch massive Verstöße<br />
festgestellt worden waren, verhalten<br />
sich die Paketzusteller des weltgrößten<br />
Online-Händlers hierzulande nun korrekt.<br />
Diese Schritte wurden auch von den heimischen<br />
Händlern beim eCommerce Day in<br />
Wien begrüßt. "Regeln müssen für alle gelten,<br />
sonst bleiben sie Makulatur. Die Ergebnisse<br />
der jüngsten Schwerpunktkontrollen<br />
des BMF stimmen uns zuversichtlich, allerdings<br />
dürfen die Behörden hier nicht locker<br />
lassen", sagt Rainer Will, Geschäftsführer<br />
des Handelsverbandes.<br />
1. Plattformhaftung für Verpackungsentpflichtungen<br />
Fernabsatzhändler aus dem EU-Ausland<br />
und Drittstaaten sind zwar zur Entpflichtung<br />
von Verpackungen verpflichtet, doch die<br />
Realität sieht anders aus: Vor allem Online-Händler<br />
aus dem asiatischen Raum<br />
nehmen an keinem Sammel- und Verwertungssystem<br />
teil und entrichten somit auch<br />
kein Entpflichtungsentgelt. "Die Folge ist,<br />
dass es zu einer Umverteilung kommt und<br />
ausschließlich österreichische Händlerinnen<br />
und Händler belastet werden. Wir empfehlen<br />
daher eine verstärkte Inpflichtnahme<br />
von Plattformen - vergleichbar zur geplanten<br />
Regelung in Deutschland. Das wäre ein<br />
entscheidender Schritt zu mehr Wettbewerbsfairness",<br />
ist Rainer Will überzeugt.<br />
2. Schutz der Verbraucher vor<br />
Produktfälschungen aus Drittländern<br />
Sowohl für österreichische eCommerce-<br />
Akteure als auch für Verbraucher ist es wichtig,<br />
dass weitere Maßnahmen zum Schutz<br />
vor Produktfälschungen und nicht-EU-konformen<br />
Produkten aus Drittländern getroffen<br />
werden. Obwohl alle Produkte, die auf den<br />
EU-Markt gebracht werden, den europäischen<br />
Gesetzen entsprechen müssen, hat
es sich als massive Herausforderung erwiesen,<br />
sicherzustellen, dass alle Verkäufer mit<br />
Sitz außerhalb der EU die europäischen Produktsicherheits-<br />
und Verbrauchergesetze<br />
tatsächlich einhalten. "Mehr als 90 Prozent<br />
der Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten<br />
von den großen Online-Marktplätzen,<br />
dafür zu sorgen, dass sich alle Plattform-Händler<br />
an die Regeln der EU halten.<br />
Die Realität schaut allerdings ganz anders<br />
aus. Fast zwei Drittel der Konsumentinnen<br />
und Konsumenten sind bereits<br />
auf illegale Inhalte und Produkte im<br />
Netz gestoßen. Daher müssen wir jetzt<br />
beim EU 'Digital Services Act' ansetzen.<br />
Online-Marktplätze sollen selbst wie Vertragspartner<br />
haften, wenn sie auch faktisch<br />
als Vertragspartner auftreten oder einen<br />
entscheidenden Einfluss auf die Anbieter<br />
ausüben", so Will.<br />
brauchen diese Regelung so rasch wie<br />
möglich, allerspätestens bis Ende des<br />
Jahres. Die Zeit der Ausreden ist vorbei.<br />
Die Zeit der Steuerschlupflöcher ist vorbei.<br />
Alle müssen jetzt ihren Teil zur Finanzierung<br />
der Corona-Krisenkosten beitragen, auch<br />
die großen Steuervermeider aus Fernost<br />
und Übersee. Der Handelsverband steht<br />
hierzu im laufenden Austausch mit der<br />
Politik. (RED)<br />
3. Einführung einer globalen Mindeststeuer<br />
ohne Schlupflöcher<br />
Um heimische Händlerinnen und Händler<br />
gezielt zu stärken, müssen allerdings<br />
auch auf steuerrechtlicher Ebene faire<br />
Bedingungen geschaffen werden. Jeder<br />
weiß, dass der größte Onlinehändler<br />
der Welt kaum Steuern zahlt. Allein in den<br />
letzten 10 Jahren hat Amazon außerhalb<br />
der USA Steuergutschriften in Höhe von 13,4<br />
Milliarden Dollar geltend gemacht. Damit<br />
finanziert Europa mit Steuergeldern die<br />
globale Expansion von Amazon zulasten<br />
heimischer KMU-Händler.<br />
Österreichische Handelsbetriebe müssen<br />
unzählige Zwangsabgaben und hohe<br />
Lohnnebenkosten stemmen, während<br />
Amazon vogelfrei agieren kann. An einer<br />
globalen Mindeststeuer von zumindest<br />
15 Prozent führt kein Weg vorbei. Wir<br />
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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S22<br />
Handel leidet, doch kein Ende in Sicht<br />
beim E-Commerce-Trend<br />
Die neue Studie „Österreichs Handel in Zahlen" des Handelsverbands zeigt große<br />
Verluste im letzten Jahr bei gleichzeitig massiv gestiegenem e-Commerce-Anteil.<br />
Auch <strong>2021</strong> bescheren Corona-Maßnahmen dem stationären Handel Einbußen,<br />
während der Distanzhandel boomt. Zu dumm, dass am Onlinekuchen vor allem<br />
ausländische Profiteure naschen. REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />
ANGELIKA GABOR<br />
REDAKTION<br />
LOGISTIK EXPRESS<br />
Studienautor Andreas Kreutzer, Geschäftsführer<br />
der Marktanalyse-Plattform<br />
Branchenradar.com, bringt es<br />
auf den Punkt: „Die gesetzlichen<br />
Maßnahmen im Zuge der Pandemie waren<br />
so konfiguriert, dass vorrangig der private<br />
Konsum eingeschränkt wurde.“ Bedenkt<br />
man, dass eben dieser private Konsum<br />
rund 50 Prozent zum BIP beiträgt, kann<br />
man sich ausrechnen, welch immensen<br />
Schaden die Wirtschaft dadurch nimmt.<br />
In Zahlen ausgedrückt: der kumulierte Verlust<br />
im Lockdown liegt bei 39 Milliarden Euro – die<br />
privaten Haushaltsausgaben sind 2020 real<br />
um 8,2 % von 206,5 Milliarden Euro auf 192,5<br />
Milliarden Euro geschrumpft. Besonders Leidtragende<br />
dabei waren der Dienstleistungsund<br />
der Kfz-Sektor. Mit dem Erreichen des Vorkrisenniveaus<br />
wird frühestens 2024 gerechnet,<br />
für <strong>2021</strong> wird ein leichtes Plus von 0,5 % erwartet.<br />
Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands<br />
Österreich: „Der e-Commerce-Anteil<br />
stieg in diesem Zeitraum auf einen Rekordwert<br />
von 11,2 %.“ Leider mit einem Schönheitsfehler,<br />
denn nur ein Drittel der Pakete wird im<br />
heimischen Onlinehandel bestellt. Eindeutige<br />
Situationsgewinner nach Branchen waren
2020 In-Home-Produkte. Aufs Sieger-Treppchen<br />
beim Wachstum dürfen demnach Nahrungsmittel<br />
mit +8,6 Prozent, Videospiele mit<br />
+6,7 Prozent und Grünraumprodukte mit 5,4<br />
Prozent. Weil wenn man schon zu Hause sitzt,<br />
möchte man es schön haben, gut essen und<br />
mit Spielen die Zeit totschlagen. Kreutzer:<br />
„Alle Ausgaben in Zusammenhang mit sozialen<br />
Kontakten und Outdoor- bzw. Freizeitaktivitäten<br />
waren hingegen rückläufig.“<br />
Blaues Auge oder doch k.o.?<br />
Von den rund 40.000 Einzelhandelsunternehmen,<br />
die es in Österreich vor der Corona-<br />
Krise gab, haben rund 85 % etwa ein Drittel<br />
Umsatzverlust hinnehmen müssen. Hinzu<br />
kommt, dass drei Viertel aller heimischen<br />
Händler für <strong>2021</strong> weitere Verluste erwarten.<br />
Trotz Hilfen der Regierung wird es Opfer geben:<br />
„Ich rechne damit, dass 5.000 Unternehmen<br />
oder mehr schließen müssen, da sie<br />
durch die Krise einen zu großen Schuldenrucksack<br />
herumschleppen“, befürchtet Will,<br />
„Im Juni wartet mit den doppelten Gehältern<br />
eine riesige Hürde, die es zu überwinden gilt.“<br />
Nicht zu vergessen, die Zehntausenden Arbeitsplätze,<br />
die an diesen Unternehmen direkt<br />
und indirekt hängen. Durch das Ende<br />
des Lockdowns kann der Ausfall pro Woche<br />
um rund 100 Millionen reduziert werden, aber<br />
das System ist vulnerabel. Die „Osterruhe“ im<br />
Osten beispielsweise bescherte der Branche<br />
knackige 1,95 Milliarden Euro Umsatzverlust,<br />
weshalb der Handel vor erneuten Beschränkungen<br />
zittert.<br />
Am schlimmsten betroffen: der stationäre<br />
Modehandel, der auf der Saisonware<br />
sitzenblieb. Aber auch Wintersportgeräte-,<br />
Schmuck- und Schuhhändler mussten<br />
herbe Verluste verkraften. Gastronomie-Zulieferbetriebe<br />
verzeichneten teils Totalausfälle.<br />
„Je kleiner der Betrieb, je weniger digital und<br />
je abhängiger vom Tourismus, desto geringer<br />
die Liquiditätsreserven und desto dicker das<br />
Minus“, fasst Kreutzer zusammen.<br />
Nutznießer Onlinehandel<br />
„Der Lockdown ist ein Amazon-Förderprogramm“,<br />
seufzt Will – und hat damit leider<br />
den Nagel auf den Kopf getroffen. Laut Finanzministerium<br />
legte der Umsatz in Österreich<br />
registrierter, ausländischer Onlinehändler<br />
(wie Amazon) und Versandhandelsfirmen<br />
um 30 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro zu.<br />
Ohne eigene, nationale Betriebsstätte zahlen<br />
diese Firmen dafür genau Null Euro Gewinnsteuern<br />
– ein unfairer Wettbewerbsvorteil,<br />
den es zu beseitigen gilt. Gemessen am gesamten<br />
Einzelhandelsumsatz beträgt der Anteil<br />
des e-Commerce 11,2 %.<br />
Neue Warengruppen erobern das Internet:<br />
substanzielle Zuwächse bei Kunst und Antiquitäten<br />
(+75%), Einrichtungsgegenständen<br />
(+40%) und Grünraumprodukte (+45%) ergänzen<br />
die bereits klassisch starken Produkte<br />
wie Bekleidung, Schuhe, Bücher und Elektrogeräte.<br />
„Im Lebensmittelhandel ist Online-<br />
Shopping zwar trotz massiver Investitionen<br />
noch eine Nischenangelegenheit, die Wachstumsdynamik<br />
ist allerdings mit +46% ebenfalls<br />
beträchtlich", sagt Andreas Kreutzer.<br />
Paketflut aus dem Ausland<br />
All die bestellten Waren wollen und sollen<br />
natürlich auch zugestellt werden. Auf den<br />
aufgrund des Lockdowns eigentlich leeren<br />
Straßen tummelten sich vermehrt KEP-Dienstleister.<br />
Während im Jahr 2019 noch rund 109<br />
Millionen B2C Pakete zugestellt wurden, stieg<br />
das Paketvolumen im Jahr 2020 um unfassbare<br />
27 % auf 139 Millionen Stück! Doch nicht nur<br />
der generelle Online-Shopping-Boom, auch<br />
Retouren und überproportional steigende<br />
Teillieferungen sorgten für die Packerllawine.<br />
„Der durchschnittliche Paketwert ist hingegen<br />
um 8 % gesunken“, bestätigt Kreutzer.<br />
Weiterer Wermutstropfen: „Der Anteil ausländischer<br />
Onlinehändler am Paketvolumen ist<br />
auf rund 64 % angestiegen. Nur jedes dritte<br />
Paket, das die Österreicherinnen und Österreicher<br />
im Onlinehandel bestellen, wird bei heimischen<br />
Webshops gekauft“, rechnet Will vor.<br />
Hinzu kommt die Paketflut aus China über<br />
Plattformen wie Wish oder Alibaba. „Hier wird<br />
die bestehende 22-Euro-Freigrenze für Paketlieferungen<br />
aus Drittstaaten durch asiatische<br />
OnlineHändler vorsätzlich ausgenutzt“,<br />
ärgert sich Will. Doch das hat bald ein Ende,<br />
denn diese Freigrenze fällt per 1. Juli <strong>2021</strong>.
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S24<br />
Sehr zur Freude des Handelsverband-Chefs:<br />
„Damit wird die Europäische Union ein 7 Milliarden<br />
Euro großes Steuerschlupfloch für asiatische<br />
Onlinehändler endlich schließen.“<br />
Land in Sicht<br />
Mit dem Ende des Lockdowns kehrte wieder<br />
eine gewisse Normalität ein – wenngleich<br />
Maskenpflicht, quadratmeterabhängige Begrenzungen<br />
und andere Beschränkungen<br />
die Freude ein wenig trüben. Die Öffnung<br />
der Gastronomie war besonders wichtig: Je<br />
besser es den Hotels, Kaffeehäusern und<br />
Gastwirten geht, desto stärker profitieren<br />
auch die heimischen Geschäfte von steigenden<br />
Besucherzahlen und Impulskäufen. Die<br />
gesamte Branche hofft jetzt auf ein nachhaltiges<br />
"Klima der Zuversicht", indem sich auch<br />
die Einkommenserwartung der Menschen stabilisiert<br />
– aktuell sinken jedenfalls die Arbeitslosenzahlen.<br />
Handlungsempfehlungen<br />
Aus den Gesprächen mit den Verbandsmitgliedern<br />
und der langjährigen Erfahrung hat<br />
der Handelsverband Bereiche definiert, in<br />
denen besonders dringender Handlungsbedarf<br />
besteht, wenn Österreichs Handel<br />
einen wirtschaftlich erfolgreichen Neustart<br />
hinlegen soll. Dazu zählt das Schaffen gleicher<br />
und fairer Wettbewerbsbedingungen in<br />
der EU (Fair Commerce), beispielsweise durch<br />
ein Schließen von Steuerparadiesen.<br />
Eine weitere wichtige Forderung: Die Senkung<br />
der Lohnnebenkosten. In lediglich drei<br />
Ländern der EU erhalten Durchschnittsverdiener<br />
weniger Nettolohn von ihrer erwirtschafteten<br />
Leistung als in Österreich! Auch<br />
die Mietvertragsgebühr ist dem Handelsverband<br />
ein Dorn im Auge. „Wenn man<br />
in Österreich ein Geschäft mieten will, bekommt<br />
man bereits Monate vor dem Umbau<br />
einen Bescheid: die Mietvertragsgebühr.<br />
Kleine Händler, die hierzulande eine Fläche<br />
anmieten, müssen Mietvertragsgebühren<br />
zahlen, bei denen das Finanzministerium oft<br />
für fünf Jahre im Voraus ein Prozent aller Mietkosten<br />
kassiert. Damit finanziert sich der Staat<br />
auf dem Rücken von Startups vor, obwohl nur<br />
die Hälfte aller Händler fünf Jahre nach der<br />
Gründung noch bestehen. Die Abschaffung<br />
dieser Papiersteuer aus Maria Theresias Zeiten<br />
ist überfällig“, erklärt Will die Forderung.<br />
Die Studie zeigt auch, dass noch eine große<br />
Verunsicherung herrscht, wie die Zukunft aussehen<br />
wird, wenngleich das Konsumbarometer<br />
positiv stimmt: weniger sparen und mehr<br />
Geld für Gastronomie und Reisen sind geplant.<br />
Bleibt zu hoffen, dass bei neuerlichen<br />
Hotspots im Herbst – mit denen leider realistischer<br />
Weise zu rechnen ist – bei Lockdowns<br />
differenzierter vorgegangen wird. Denn<br />
wenn es wieder zu langfristigen kompletten<br />
Schließungen kommt, werden viele Unternehmen<br />
nicht mehr zu retten sein.<br />
Digitales Aufrüsten in vollem Gange<br />
Der aktuelle Omnichannel Readiness Index<br />
(ORI) <strong>2021</strong> des Handelsverbands in Kooperation<br />
mit Google und MindTake beweist, dass<br />
der österreichische Handel massiv in die Digitalisierung<br />
investiert. Bei der vierten Ausgabe<br />
des Berichts lag der Fokus auf den Entwicklungen<br />
während der Corona-Krise. Es zeigt sich,<br />
dass durch den Lockdown und das dadurch<br />
bedingte Schließen des stationären Handels<br />
Serviceleistungen vermehrt ins Web verlagert<br />
und somit digitale und analoge Kanäle<br />
stärker verzahnt wurden.<br />
Bei der repräsentativen Studie, in deren Rahmen<br />
41 wichtige heimische Einzelhändler<br />
ebenso befragt wurden wie 1.000 Österreicher,<br />
die zumindest halbjährlich online bestellen,<br />
wurde auch erhoben, welche Kriterien<br />
für die Kunden für das optimale Shopping-<br />
Erlebnis besonders wichtig wären. Dabei<br />
zeigen sich eklatante Unterschiede<br />
zwischen Soll und Haben. Während beispielsweise<br />
rund zwei Drittel der Kunden<br />
sich wünschen, auf der Produktseite online<br />
Fragen stellen zu können, ermöglichen<br />
dies aktuell nur fünf Prozent der Händler.<br />
Mehr Beispiele gefällig? „Zwei Drittel der<br />
Kundinnen und Kunden wünschen sich eine<br />
Rückruffunktion, die nach wie vor nur von<br />
14 Prozent angeboten wird. 81 Prozent der<br />
Konsumentinnen und Konsumenten wollen
die Produkte im Webshop auf eine einzige<br />
Filiale einschränken können, um so gezielt<br />
wie live im Laden shoppen zu können, doch<br />
nur 12 Prozent der Händlerinnen und Händler<br />
nutzen ihre Bestandsdaten für einen solchen<br />
Filter“, zählt Handelsverbands Geschäftsführer<br />
Rainer Will auf.<br />
Es ist also durchaus noch Luft nach oben da<br />
– wenngleich die Umfrage zeigt, dass mit 73<br />
Prozent fast drei Viertel der Händler im letzten<br />
Jahr digital aufgerüstet haben, ein Drittel<br />
sogar massiv. Die Schwerpunkte variieren<br />
dabei von Kundenservices in den Filialen und<br />
im Online-Shop über Analytics, bis hin zu Investitionen<br />
in Sichtbarkeit, SEO und digitales<br />
Marketing. Viele heimische Händler haben<br />
coronabedingt die Flucht nach vorne angetreten<br />
und ihre Kreativität unter Beweis gestellt.<br />
So haben laut Studie 93% der Befragten<br />
neue Services eingeführt oder geplant.<br />
Dazu zählen beispielsweise Corona (Care)<br />
Pakete, kontaktlose Abhol-, Zahl- und Zustellmöglichkeiten,<br />
Terminvereinbarungen für<br />
Click & Collect, Beratungen per Videocall<br />
oder Live-Chat aus der Filiale heraus, Scan<br />
& Go, Call & Collect, Gratis-Lieferung im<br />
Lockdown und garantierte Lieferzeitfenster<br />
für Menschen in Quarantäne sind nur einige<br />
der zahlreichen neuen Services, die von den<br />
Kunden auch wohlwollend angenommen<br />
werden.<br />
Was Kunden wollen<br />
Bei der Studie wurde auch abgefragt, welche<br />
Serviceleistungen die Kunden sich wünschen<br />
würden. Dabei gab es überraschender Weise<br />
wenig Änderungen zu Vor-Covid-Zeiten.<br />
Noch immer hat die Gratis-Zustellung höchste<br />
Priorität für die Meisten. Eine zuverlässige Vorhersage<br />
Liefertages liegt besonders hoch im<br />
Kurs: während nur 17 % der Händler das anbieten,<br />
ist es für 80 % der Kunden wichtig.<br />
Mit entsprechender Last-Mile-Logistik wäre<br />
das natürlich umsetzbar. Kein einziger der<br />
in der Studie inkludierten Händler bietet die<br />
Möglichkeit an, den Warenkorb per Email<br />
oder Social Media zu teilen, wohingegen sich<br />
diesen Service immerhin ein Drittel der Kunden<br />
wünschen würde. Weitere Wünsche: die<br />
Option, Fragen zum gewünschten Produkt<br />
zu stellen (zwei Drittel Soll vs. 5 % Haben) und<br />
die Warenverfügbarkeit aktuell zu checken.<br />
Ein Anliegen Vieler ist eine verlässliche Angabe<br />
der Krisen-Öffnungszeiten. Doch auch<br />
der direkte telefonische Kontakt zur Filiale<br />
via Filialfinder im Webshop und/oder Google<br />
Maps, der Check der Warenverfügbarkeit<br />
in der Filiale, eine komfortable Produktsuche<br />
mit Filtern, Transparenz im Kaufvorgang und<br />
maximale Flexibilität bei Abholung, Zustellung,<br />
Payment und Retoure stehen auf dem<br />
Wunschzettel des perfekten Shoppingerlebnisses.<br />
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Im Gespräch mit Post AG Vorstand für Paket & Logistik<br />
Peter Umundum über Innovationen und Investitionen<br />
in und für eine nachhaltige Logistik.<br />
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LOGISTIK express<br />
Ausgabe 3/<strong>2021</strong><br />
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S26<br />
Als Gesamtsieger des ORI ging mit 81 % aller<br />
möglichen Punkte Obi hervor – nicht zum ersten<br />
Mal. Mit nur einem Prozentpunkt Rückstand<br />
auf Platz zwei landeten die Zwillingsshops<br />
Kastner & Öhler und Gigasport. Neben dem<br />
Gesamtsieg zeichnet der Omnichannel<br />
Readiness Index auch Kategoriesieger aus.<br />
Thalia beispielsweise hat die vollen 100%<br />
im Bereich „Channel Integration“ erreicht.<br />
Der Buchhändler ist also Best-in-Class und<br />
State-of-the-art in der Omnichannel-Königsklasse:<br />
Maximale Flexibilität bei der Kaufabwicklung,<br />
und das völlig vertriebskanalunabhängig<br />
und nahtlos, Click & Collect, Reserve<br />
& Collect, Retoure online bestellter Waren in<br />
der Filiale, Abholstationen für 24/7 Abholung,<br />
rasche Bereitstellung der Click & Collect Waren,<br />
und dies stets kostenlos. In der Liste der<br />
Branchensieger findet man nur bekannte<br />
Namen: bei Computer & Elektro(nik) Media<br />
Markt (73%), bei Fashion & Accessoires Peek &<br />
Cloppenburg (73%), bei Drogerie Bipa (72%)<br />
und im Lebensmitteleinzelhandel Billa (72%).<br />
Weitere ORI-Kategoriesieger neben Thalia: für<br />
Transparenz & Vertrauen Decathlon (84%),<br />
für Personalisierung, Loyalty und Sharing dm<br />
drogerie markt (81%), für flexible Kontaktmöglichkeiten<br />
Kastner & Öhler, Gigasport (86%) für<br />
Payment, Fulfillment & Returns Kastner & Öhler,<br />
Gigasport (84%) und für Wegweiser in die<br />
Filiale Interspar gleichauf mit Hartlauer (99%).<br />
Egal ob nun Marktplätze wie Amazon oder<br />
Shöpping oder Produktfinder und Preisvergleichsplattformen<br />
wie Geizhals, Idealo oder<br />
Google Shopping genutzt werden, Fakt ist,<br />
dass mehr als die Hälfte der Händler auf zusätzliche<br />
Vertriebskanäle setzt. Insbesondere<br />
ältere Internetnutzer, die vor der Corona-Krise<br />
von Internetbestellungen nichts wissen wollten,<br />
haben dem E-Commerce zu starkem Wachstum<br />
verholfen. Das Erstaunliche: laut Befragung<br />
wollen 90 % dieser so genannten „Silver<br />
Surfer“ (User über 55 Jahre) auch nach der<br />
Krise die Bequemlichkeit des Onlineshoppings<br />
weiter ausnutzen. Ein mehr als guter Grund, die<br />
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„Gelber Riese mit grünem Herzen“<br />
Im Gespräch mit Post AG Vorstand für Paket & Logistik<br />
Peter Umundum über Innovationen und Investitionen in<br />
und für eine nachhaltige Logistik.
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S30<br />
Gelber Riese mit grünem Herzen<br />
Die Pandemie hat den Umbau in der Paketlogistik erheblich beschleunigt: Ein<br />
deutlicher Zuwachs beim Onlinehandel sorgte für mehr Arbeit bei der Österreichischen<br />
Post AG. Diese begegnet den Anforderungen mit Investitionen und<br />
einem grüneren Weltbild. Post-Vorstand Peter Umundum beantwortet unsere<br />
Fragen. REDAKTION: PETER NEST<strong>LE</strong>R<br />
Marktführer in der Paketlogistik hat das<br />
Unternehmen im Jahr 2020 insgesamt 166<br />
Mio. Pakete transportiert – über 30 Prozent<br />
mehr als im Jahr zuvor (127 Mio. Pakete).<br />
Auch heuer für <strong>2021</strong> wird mit einem Mengenzuwachs<br />
im zweistelligen Prozentbereich<br />
gerechnet. Vorbereitung ist dabei alles.<br />
Und die Post ist gut vorbereitet auf das Mengenwachstum.<br />
Dafür sorgen Erweiterungen<br />
in der Logistik und strategische Partnerschaften<br />
beziehungsweise Kooperationen.<br />
Seit August 2019 stellt die Post unter anderem<br />
auch DHL-Pakete in Österreich zu.<br />
Allein das hat der Post noch einmal rund 20<br />
Mio. Pakete mehr gebracht.<br />
PETER UMUNDUM IM<br />
GESPRÄCH MIT<br />
PETER NEST<strong>LE</strong>R<br />
Der Weg war vorgezeichnet: Zusätzlich<br />
zum allgemeinen Anstieg<br />
im E-Commerce hat der<br />
Onlinehandel nach Ausbruch<br />
der Pandemie mit ihren beschränkenden<br />
Maßnahmen weltweit im Jahr 2020 stark zugenommen.<br />
Die Ausgaben der heimischen<br />
Konsumenten im so genannten Distanzhandels<br />
wurden auch im Vorjahr überwiegend<br />
vom E-Commerce getragen und erreichten<br />
2020 mit 8,7 Mrd. Euro einen neuen<br />
Rekordwert. Von insgesamt 8 Mrd. Euro<br />
Online-Umsatz fallen bereits 1,2 Mrd. Euro<br />
auf den Mobile Commerce. Das bedeutete<br />
im Vorjahr einen massiven Zuwachs von<br />
plus 50 Prozent.<br />
Diese Warenströme wollen auch an die<br />
Konsumenten gebracht werden. Branchenprimus<br />
Österreichische Post AG zeigt sich<br />
durchwegs vorbereitet. Als österreichischer<br />
Das Briefgeschäft sei dagegen im Zuge der<br />
Digitalisierung weiter rückläufig, berichtet<br />
Peter Umundum, Vorstand Paket & Logistik<br />
bei der Österreichischen Post. Dennoch<br />
gebe es auch hier Bereiche, die sogar ein<br />
gewisses Wachstum aufweisen. So habe<br />
das Volumen an größeren Briefen im Zuge<br />
der steigenden E-Commerce-Aktivitäten in<br />
Österreich ebenfalls zulegen können.<br />
Der österreichische Handel gehört bei diesen<br />
Wachstumstrends im Pakethandel nicht<br />
zu den Gewinnern. „Jedes zweite Paket<br />
kommt aus dem Ausland und die großen<br />
Internethändler haben auch pandemiebedingt<br />
ordentlich zugelegt“, weiß Peter Umundum<br />
Mit einer Österreichbrille betrachtet,<br />
habe der heimische Handel da durchwegs<br />
einigen Aufholbedarf, fügt er an. Die Post<br />
leistet mit dem Onlineportal shöpping ihren<br />
eigenen Anteil dazu. „Wir haben im vergangenen<br />
Jahr deutlich über 1000 Anbieter auf<br />
shöpping dazugewonnen. Somit sind dort<br />
nun insgesamt 1800 Händler und über 3 Millionen<br />
Produkte vertreten“, so Umundum.<br />
Das über das Portal generierte Umsatzvolumen<br />
habe sich 2020 verdreifacht.
Noch ist das 2017 gestartete Projekt der<br />
Post im Aufbau: „Wir verdienen derzeit noch<br />
nichts damit“ sagt Umundum. Es handle<br />
sich um ein klassisches skaliertes Geschäft,<br />
das weiteres Wachstum brauche, um für<br />
den Betreiber auch wirtschaftlich erfolgreich<br />
zu sein. Somit müssen weitere Anbieter<br />
und auch Abnehmer dazukommen.<br />
Ein erfolgreicher Schritt sei die Kooperation<br />
mit der 7Ventures, dem Investment-Arm<br />
von Österreichs führender Privat-TV-<br />
Gruppe ProSieben Sat.1PULS4.<br />
Für den Konzern insgesamt ist Umundum<br />
operativ sehr zuversichtlich, ein wirtschaftlich<br />
erfolgreiches Geschäftsjahr <strong>2021</strong> abliefern<br />
zu können. „Da hilft uns natürlich das<br />
Wachstum im Pakethandel im Zuge der<br />
Pandemie schon“, sagt Umundum. Gleiches<br />
gelte für die Auslandsbeteiligungen<br />
der Post, lässt er durchblicken. Eine Erweiterung<br />
der Geschäftsfelder sei für die Post<br />
derzeit nicht geplant, etwa komme ein Ausbau<br />
in den Bereich Supply Chains für die<br />
Post aktuell nicht infrage.<br />
Dafür entwickelt die Post neue Modelle<br />
gemeinsam mit dem Handel in Österreich.<br />
2020 wurde mit dm drogerie markt eine<br />
kombinierte Kommissionierung gestartet.<br />
Wenn Kunden beim dm drogerie markt<br />
online Produkte bestellen, bietet der<br />
Drogerie-händler die Abwicklung der Bestellung<br />
seinen Filialen an. Wurde das Paket<br />
in der Filiale kommissioniert, so erteilt die<br />
Filiale dann der Post einen Abholauftrag,<br />
diese holt das Paket in der Früh ab, bringt<br />
es in ein nahegelegenes Verteilzentrum und<br />
stellt es am nächsten Tag bereits zu.<br />
Alles, was nicht in der Filiale kommissioniert<br />
wird, geht in die zentrale Kommissionierung,<br />
die die Post Systemlogistik für dm<br />
drogerie markt übernimmt.<br />
Ein weiteres spannendes Projekt habe man<br />
gemeinsam mit dem Onlinehändler zalando<br />
entwickelt. Wenn dort online bestellt wird,<br />
gibt zalando die Kommissionierung der Ware<br />
teilweise an Handelspartner, die in Österreich<br />
sitzen, weiter. Im Grunde laufen diese Prozesse<br />
ähnlich ab wie mit dm drogerie markt, „aber<br />
sie sind etwas breiter gedacht, weil es ein<br />
größeres Produktspektrum und unterschiedliche<br />
Handelspartner gibt“, so Umundum. Das<br />
klinge einfach, habe aber durchaus seine<br />
Herausforderungen in der Mengensteuerung,<br />
weil man ja nie wisse, kommen da 10 Pakete<br />
daher, 100 oder 500“, beschreibt Umundum<br />
die Anforderungen an die Post als Logistikpartner.<br />
„Das sind schon Handelskonzepte,<br />
die auch für den österreichischen Handel<br />
Chancen für die Zukunft eröffnen. Es muss<br />
allerdings auch die IT im Zusammenspiel der<br />
Lagersysteme gut integriert und entwickelt<br />
sein, um mit den Systemen der Post zu harmonieren“,<br />
weiß Umundum.<br />
PETER UMUNDUM IM<br />
GESPRÄCH MIT<br />
LOGISTIK EXPRESS /<br />
UMWELT JOURNAL |<br />
MJR MEDIA WORLD<br />
Der Vorteil für die Handelskette ist, dass<br />
durch dieses flexible Konzept Online-Bestellungen<br />
noch schneller abgewickelt werden<br />
und Leerläufe in den Filialen sinnvoll genutzt<br />
werden<br />
Amazon wird zum Mitbewerber<br />
Internethandelsriese Amazon knabbert der<br />
Post allerdings in Österreich Teile dieses Kuchens<br />
wieder weg. Besonders in den Ballungszentren<br />
haben die Amerikaner begonnen,
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S32<br />
Gefährdet sei das Zustellvolumen der Post<br />
durch diesen Move von Amazon hin zur Eigenzustellung<br />
aber nicht, lässt Umundum durchblicken.<br />
Zum einen erledigen die Amazonen<br />
dieses Geschäft nur in Ballungsräumen selbst,<br />
wo dies einfacher möglich sei. Zum anderen<br />
sei so eine Entwicklung bei anderen Versandhändlern<br />
nicht absehbar. „Bei anderen großen<br />
Händlern sehe ich diese Entwicklung nicht.<br />
Die Otto-Gruppe hat Bemühungen in diese<br />
Richtungen mit Hermes ja damals nach zwei,<br />
drei Jahren wieder eingestellt“, so Umundum.<br />
Anders als in den Auslandsmärkten der Post.<br />
So baue in der Türkei ein großer Händler gerade<br />
sein eigenes Versandnetz aus. Insgesamt<br />
hat die Post die zunehmenden Paketmengen<br />
(+30% zum Vorjahr) nach eigenen Angaben<br />
gut abgewickelt. „Wir sind im Jahr 2020<br />
auf eine Erstzustellungsquote von 94 Prozent<br />
gekommen“, ist Umundum stolz. Das heißt,<br />
dass 94 Prozent der gelieferten Pakete beim<br />
ersten Zustellversuch tatsächlich an der Zieladresse<br />
abgegeben werden konnten. Immerhin<br />
konnte diese Quote damit gegenüber<br />
dem Vorjahr nochmals um 2,5 Prozentpunkte<br />
gesteigert werden.<br />
die Zustellung mittels eigener Logistik zu erledigen.<br />
Zuletzt wurden in Wien gleich zwei<br />
Verteilzentren in Betrieb genommen.<br />
Amazon ist nach wie vor einer unserer<br />
größtenr Kunden und wird das auch bleiben,<br />
davon gehe ich aus. Das Unternehmen<br />
wird aber zugleich auch Mitbewerber, nachdem<br />
er gerade seine Netze aufbaut“, sagt<br />
Umundum. Strategische Überlegungen?<br />
Betriebswirtschaftliches Kalkül? Was treibt<br />
Amazon bei diesen Überlegungen an? „Ich<br />
bin mir gar nicht sicher, ob Amazon da immer<br />
ganz genau rechnet“, meint Umundum.<br />
Vielmehr gehe er davon aus, dass dies ein<br />
eher strategischer Zugang sei, der in der<br />
Konzernzentrale entschieden wurde. Die<br />
Eigenzustellung sei ganz einfach ein Trend,<br />
der vor einigen Jahren in den USA begonnen<br />
habe, dann in Großbritannien nachgezogen<br />
wurde und nun schön langsam auch auf andere<br />
Länder ausgerollt werde.<br />
Um diese Quote weiter hochzuhalten, überlegt<br />
sich die Post auch alternative Zustellmethoden.<br />
„Wir wollen die Erstzustellquote<br />
sukzessive weiter erhöhen“, lässt Umundum<br />
durchblicken. Im „Kampf gegen den gelben<br />
Zettel“ testet die Österreichische Post einen<br />
neuen Service – die Vorzimmer-Zustellung.<br />
In Kooperation mit der A1 Telekom Austria<br />
AG und Nuki Home Solutions GmbH wird<br />
Empfängern erstmals die Möglichkeit angeboten,<br />
Pakete auch bei Abwesenheit direkt in<br />
die eigenen vier Wände geliefert zu bekommen.<br />
„Wir haben sehr gute Vertrauenswerte<br />
in der Bevölkerung. Gerade deshalb haben<br />
wir auch bereits über 800.000 Abstellgenehmigungen<br />
österreichweit, mit der uns die<br />
Menschen bereits in ihren Garten oder etwa<br />
ihre Garage lassen, um ein Paket abzustellen.<br />
Mit der Vorzimmer-Zustellung gehen wir hier<br />
einen Schritt weiter und stellen auch dort zuhause<br />
zu, wo eine Abstellgenehmigung nicht<br />
möglich ist“, erklärt der Post-Vorstand. Das<br />
Pilotprojekt mit 100 Test-Kunden in Wien, Graz<br />
und Niederösterreich findet im Zeitraum Juli<br />
bis Dezember statt. Dafür wird die Eingangstür<br />
der Sendungsempfänger mit einem „Nuki<br />
Smart Lock“ ausgestattet. Damit erhält der<br />
Zusteller die Berechtigung, die Wohnungstür<br />
mittels eines mobilen Gerätes zu öffnen. Eine<br />
Bodenmatte im Vorzimmer markiert den Platz,
an dem das Paket abgestellt werden soll.<br />
Hat der Kunde zudem Smart Home Geräte<br />
von A1 installiert, kann er , die Zustellung live<br />
oder bis zu 72 Stunden im Nachhinein per<br />
Video nachverfolgen. Sollte eine Vorzimmer-<br />
Zustellung nicht möglich sein, kommt der normale<br />
Zustellprozess zur Anwendung – eine<br />
Abgabe in einer Post Empfangsbox, eine<br />
Hinterlegung in einer Filiale oder bei einem<br />
Post Partner. „Während die Erstzustellquote<br />
im ländlichen Raum gegen 100 Prozent geht,<br />
richtet sich diese neue Zustelllösung vor allem<br />
an Interessierte in städtischen Gebieten,<br />
wo die Rate noch darunter liegt,“ erklärt<br />
Umundum.<br />
Logistikzentren massiv ausgebaut<br />
„Im Zuge unseres mehrjährigen Ausbauprogramms<br />
investieren wir rund eine halbe<br />
Milliarde Euro in den Ausbau unserer Logistikkapazitäten“,<br />
so der Post-Vorstand. „Allein<br />
bis 2022 schaffen wir damit zusätzliche 30<br />
Prozent an Sortierleistung.“ 2020 hat die Post<br />
insgesamt 143 Mio. Euro (CAPEX) investiert.“<br />
Damit will das Unternehmen mit den zunehmenden<br />
Mengen Schritt halten und die<br />
eigene Leaderposition in Österreich absichern.<br />
Die Post als Konzern ist in acht Ländern tätig<br />
und das genannte Wachstum findet auch in<br />
den anderen Ländern in ähnlichem Ausmaß<br />
statt. „In der Türkei hat es sogar ein überdurchschnittliches<br />
Wachstum gegeben. Dort<br />
ist das Volumen der beförderten Pakete von<br />
ebenfalls rund 127 Mio. Paketen auf 188 Mio.<br />
angesprungen“, sagt Umundum.<br />
Die neuen, größeren oder ausgebauten<br />
Logistikzentren der Post sind dabei strategisch<br />
über ganz Österreich verteilt. In Allhaming in<br />
Oberösterreich entsteht das derzeit modernste<br />
Logistikzentrum Österreichs. Die Post erweitert<br />
ihr seit 2014 bestehendes Paketzentrum im<br />
Bezirk Linz-Land um eine Grundstücksfläche<br />
von ca. 125.000 m², mehr als 700 bestehende<br />
Arbeitsplätze werden dadurch gesichert,<br />
mit Betriebsstart kommen 200 neue dazu.<br />
Die Sorterleistung wird sich dann auf<br />
33.000 Pakete pro Stunde belaufen –<br />
bisher waren es 10.500 pro Stunde. Garantiert<br />
wird dies durch den Einsatz hochmoderner<br />
Quergurtsorter.<br />
In Vomp wird inzwischen das Projekt Logistikzentrum<br />
Tirol umgesetzt. Auf einer 100.000<br />
m² großen Grundstücksfläche, von der rund<br />
30.000 m² verbaut werden, entstehen ein<br />
Brief- und Paketzentrum mit integrierter Zustellbasis<br />
sowie Büroflächen für den Overhead.<br />
Investor dieses Projekts ist die Firma Derfeser<br />
– die Post investiert für Sortiermaschinen bis zu<br />
25 Mio. Euro. Aus heutiger Sicht ist mit einer<br />
Inbetriebnahme im Herbst <strong>2021</strong> zu rechnen.<br />
Schon früher wurde das Paketverteilzentrum<br />
in Wolfurt in Vorarlberg erweitert, auch damit<br />
werden 30 neue Arbeitsplätze geschaffen.<br />
Etwa 27 Mio. Euro nimmt die Post AG für diesen<br />
Ausbau in die Hand. Durch die Erweiterungen<br />
sowie Modernisierungen am insgesamt<br />
40.000m² großen Standort, die während des<br />
laufenden Betriebes durchgeführt werden,<br />
erhöht sich die Verteilkapazität von 4.500<br />
Paketen auf 8.000 Pakete pro Stunde. Die<br />
Fertigstellung ist im 4. Quartal <strong>2021</strong> geplant.<br />
Ebenfalls neu in Betrieb genommen wurde<br />
im Vorjahr der erweiterte Standort in der<br />
Steiermark. Mit Juli 2020 hat das größte Paket-Logistik-zentrum<br />
der Österreichischen<br />
Post in Kalsdorf bei Graz seinen Betrieb aufgenommen.<br />
Auf dem fast 170.000 Quadratmeter<br />
großen Grundstück sorgen rund 370<br />
Mitarbeiter für die Verteilung von Paketen.
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S34<br />
Biodiversität angelegt und umweltfreundlich<br />
bewirtschaftet. Am neuen Areal wird darüber<br />
hinaus ein Biotop angelegt, Nistkästen aufgehängt<br />
sowie Wildbienen angesiedelt. Zudem<br />
kommt die Post in Österreich bereits auf mehr<br />
als 20 Prozent des gesamten Fuhrparks mit<br />
E-Fahrzeugen. Man sieht: Die Post denkt und<br />
agiert durchaus nachhaltig. Die Post bleibt<br />
zwar weiterhin gelb, sie wird aber innerlich<br />
dennoch grüner. Neben dem Ausbau der<br />
Photovoltaikanlangen setze man auf einzelnen<br />
Standorten auf Biodiversität. In Wien<br />
beherbergt die Post sogar Bienenstöcke und<br />
unterstützt deren Lebensraum. Gelb wird also<br />
grün.<br />
Außerdem erfolgt die Zustellung für den<br />
Großraum Graz von hier aus. Die Leistungsdaten<br />
des Paket-Logistikzentrums sprechen<br />
für sich: In der ersten Ausbaustufe ermöglichen<br />
die Anlagen eine Sortierleistung von 13.500<br />
Paketen pro Stunde, dafür sorgt eine Förderanlage<br />
mit einer Gesamtlänge von rund zwei<br />
Kilometern.<br />
Gelb wird grün<br />
Der zunehmenden Bodenversiegelung durch<br />
große, horizontal angelegte Produktionsanlagen<br />
begegnet die Post mit durchwegs ökologischem<br />
Antrieb: „Wir haben zum Beispiel<br />
gerade für den Standort in Allhaming zwar<br />
ein großes Grundstück verwertet, kommen<br />
aber dennoch auf eine Aufforstungsquote<br />
von 1,3“, ist Umundum stolz.<br />
„Das Logistikzentrum in Allhaming soll auch<br />
in puncto Nachhaltigkeit ein Vorzeigeprojekt<br />
sein“, so Umundum. Dort setzt die Post<br />
insbesondere auf Ressourcenschonung und<br />
Nachhaltigkeit. So wird am Dach des Logistikzentrums<br />
eine Photovoltaikanlage mit<br />
einer Leistung von rund 500 kWp installiert,<br />
die nicht nur das Zentrum, sondern auch die<br />
am Standort betriebene E-Flotte der Post versorgt.<br />
Für eine möglichst effiziente und nachhaltige<br />
An- und Abreise der Mitarbeiter wird<br />
ein betriebliches Mobilitätsmanagement<br />
umgesetzt, das Werksbusse, Fahrgemeinschaften,<br />
die Nutzung von Fahrrädern sowie<br />
Stellplätze mit Ladestationen für E-Autos und<br />
E-Bikes beherbergt. Die Grünflächen rund<br />
um das Logistikzentrum werden mit Fokus auf<br />
Bereits seit 2011 stellt die Österreichische Post<br />
alle Sendungen innerhalb Österreichs CO2-<br />
neutral zu und war damit Vorreiter unter den<br />
Postgesellschaften. Das nächste Ziel ist eine<br />
CO2-freie Zustellung bis zum Jahr 2030, was<br />
bedeutet, dass bis dahin auf der letzten Meile<br />
ausschließlich E-Fahrzeuge oder Fahrzeuge<br />
mit alternativen Antrieben im Einsatz sind.<br />
Dieses Ziel wird in der steirischen Landeshauptstadt<br />
schon deutlich früher erreicht – bereits<br />
ab September <strong>2021</strong> wird die gesamte Postzustellung<br />
in Graz emissionsfrei erfolgen. Dann<br />
werden auch Pakete im Stadtbereich Graz<br />
CO2-frei zugestellt. Gesamt werden dann in<br />
Graz rund 160 E-Fahrzeuge für die Post im Einsatz<br />
sein.<br />
Post ist ein Jobmotor<br />
Durch die Ausweitungen der Kapazitäten gilt<br />
die Österreichische Post als der größte Jobmotor<br />
im Lande in der Logistikbranche. Der Mitarbeiter-Stand<br />
betrug am Ende des 1. Quartals<br />
im Geschäftsjahr <strong>2021</strong> insgesamt 17.917.<br />
Bei der Post läuft eine Joboffensive. Denn<br />
der Boom beim E-Commerce sowie die sich<br />
verändernden Ansprüche der Konsumenten<br />
bringen einen richtigen Job Aufschwung in<br />
der KEP-Branche. Als einer der renommiertesten<br />
Dienstleister in der Zustellbranche sucht<br />
die Österreichische Post, ob in der Zustellung,<br />
den Logistikzentren, den Filialen, aber<br />
auch in der IT und im Management. Ziel der<br />
wirtschaftlichen Anstrengungen der Post mit<br />
dem Ausbau von Logistikzentren und Zustellbasen,<br />
sei es, „immer stärker integriert zu<br />
operieren und zuzustellen“, verrät Umundum.<br />
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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S36<br />
China Elektromobilität: Aufholjagd<br />
deutscher Hersteller im Land der<br />
Mitte beginnt 2030<br />
China gilt als Leitmarkt für Elektroautos. Das Land fördert auch wegen der<br />
Coronakrise die Elektromobilität noch bis Ende 2022. Um ihre Marktanteile auszuweiten<br />
investieren auch Hersteller wie VW, Daimler und BMW verstärkt in China.<br />
REDAKTION: DIRK RUPPIK<br />
DIRK RUPPIK<br />
JOURNALIST<br />
LOGISTIK EXPRESS<br />
Die chinesische Regierung will die<br />
schlechte Luft in den großen<br />
Städten des Landes bekämpfen<br />
und weltweit Technologieführer<br />
bei der Elektromobilität werden. Daher<br />
gilt China als Leitmarkt für Elektroautos.<br />
Das Land der Mitte ist mit etwa der Hälfte<br />
des globalen Absatzes weltweit der größte<br />
Markt für New Energy Vehicles (NEV).<br />
In den letzten zehn Jahren hat die Regierung<br />
den Aufbau des Marktes für Elektromobilität<br />
und der Ladeinfrastruktur in allen Marktsegmenten<br />
mit großem Aufwand voran-<br />
getrieben. Auf politischer Ebene sind für die<br />
Phase des Marktaufbaus der 13. Fünfjahresplan,<br />
die Technologie-Roadmap des Ministry<br />
of Industry and Information Technology (MIIT)<br />
sowie der NEV-Entwicklungsplan bestimmend.<br />
Bis Ende 2020 sollte dadurch der Anteil der<br />
NEV-Neuzulassungen sieben Prozent der gesamten<br />
Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge<br />
betragen. Fünf Millionen NEV sollten bis<br />
Ende 2020 die Straßen des Landes befahren.<br />
Gleichzeitig waren 50000 öffentliche Ladepunkte<br />
geplant.
Laut des International Council on Clean<br />
Transportation (ICCT) wurde mit 4,92 Millionen<br />
NEV auf Chinas Straßen Ende 2020 die Vorgabe<br />
fast erreicht.<br />
Pandemie Auswirkungen auf den NEV-Markt<br />
Wie vieles andere hat die Coronakrise zu Beginn<br />
auch den Absatz von NEV im Land der<br />
Mitte einbrechen lassen. Aber schon ab März<br />
2020 nahmen die Absatzzahlen gemäß Statista<br />
wieder zu, um im Dezember mit 199400<br />
(162000 in 2019) einen neuen Höhepunkt zu<br />
erreichen. Davon waren 167000 batteriebetriebene<br />
Elektrofahrzeuge (BEV) und 32400<br />
Plug-in-Hybride Elektrofahrzeuge (PHEV). Die<br />
chinesische Regierung fördert laut Germany<br />
Trade & Invest (Gtai) weiterhin die Elektromobilität<br />
und verlängert die Subventionszahlungen<br />
auch wegen der Coronakrise bis 2022.<br />
Zudem wurde die Kaufsteuer in Höhe von<br />
zehn Prozent des Nettoverkaufspreises für NEV<br />
bis Ende 2022 ausgesetzt. Dies gilt für alle in<br />
China hergestellten Automobile und Importe<br />
mit Elektroantrieb, Plug-in-Hybride und Automobile<br />
mit Brennstoffzellen (Fuel Cell Electric<br />
Vehicle, FCEV).<br />
Erfolgreiche chinesische Produzenten und<br />
massenhaft Patente<br />
Unter den weltweit zehn erfolgreichsten<br />
E-Auto-Herstellern sind vier chinesische Autokonzerne<br />
- namentlich SGMV, BYD, SAIC,<br />
Great Wall –, die durch Massenproduktion<br />
eine hohe Wirtschaftlichkeit erreicht haben.<br />
Im Mai <strong>2021</strong> rollte mit einem Han EV bei BYD<br />
in Shenzhen das einmillionste Electric Vehicle<br />
(EV) des Herstellers vom Band.<br />
Das Unternehmen, an dem auch Warren<br />
Buffets Berkshire Hathaway beteiligt ist, liegt<br />
weltweit auf Platz 5 (fünf Prozent Marktanteil)<br />
und in China auf Platz 2 (zwölf Prozent Marktanteil)<br />
der größten Hersteller.<br />
Die Liste der global größten EV-Hersteller führt<br />
Elon Musks Tesla an. Darauf folgen SGMV<br />
(SAIC-GM-Wuling Automobile), VW, BMW und<br />
BYD. Weitere chinesische Hersteller liegen<br />
auf folgenden Plätzen: SAIC (Platz 8), Great<br />
Wall (Platz 11), NIO (Platz 15), GAC (Platz 18),<br />
Chery (Platz 20).<br />
Laut eines Entwurfs des MIIT zufolge sollen NEV<br />
in 2025 ein Viertel aller Neuwagenverkäufe<br />
stellen. In 2030 sollen 38 Millionen NEV pro<br />
Jahr hergestellt werden, wobei der Anteil der<br />
Neuzulassungen dann 40 Prozent betragen<br />
wird. Bisher konzentrieren sich die Verkäufe<br />
allerdings auf wenige Großstädte mit Zulassungs-beschränkungen<br />
für Pkw mit Verbrennungsmotoren<br />
sowie zusätzlichen lokalen<br />
Anreizen für NEV. In 2018 lagen gemäß einer<br />
Studie des ICCT sechs der neun größten städtischen<br />
NEV-Märkte weltweit im Reich der<br />
Mitte: Shanghai, Beijing, Shenzhen, Hangzhou,<br />
Tianjin und Guangzhou.<br />
April <strong>2021</strong>: Liste der<br />
global erfolgreichsten<br />
NEV-Hersteller<br />
(Seeking Alpha)<br />
seekingalpha.com<br />
Bisher sind NEV deutlich teurer als Verbrenner<br />
und die Nachfrage ohne zusätzliche Anreize<br />
und Vergünstigungen ist nicht nachhaltig.<br />
Mitte 2020 startete die Regierung aufgrund<br />
der Pandemie eine neue NEV-Kampagne<br />
für die ländlichen Regionen Chinas. Dadurch<br />
wurden insbesondere kleinere und erschwinglichere<br />
NEV und die Verkäufe in ruralen<br />
Gebieten gefördert.
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S38<br />
Lkw zielt Geely gemäß dem Magazin Auto<br />
Motor und Sport stark auf den Tesla Semi-Truck<br />
ab. China reichte die meisten Technologie-<br />
Patente in 2019 bis 2020 im Bereich Schnelllade<br />
und kabellose (Wifi) Ladetechnologie<br />
ein. Von über 5000 angemeldeten Patenten<br />
im gleichen Zeitraum im Bereich Wireless Electric<br />
Vehicle Charging (WEVC)-Technologie<br />
hält China 40 Prozent, gefolgt von Japan (20<br />
Prozent), USA (14 Prozent) und Deutschland<br />
(14 Prozent). In 2020 befinden sich zudem<br />
14 chinesische Großstädte unter den E-Auto-Hauptstädten<br />
der Welt.<br />
Tesla erreicht mit rund zwölf Prozent Marktanteil<br />
im wichtigen chinesischen Inlandsmarkt<br />
Platz 1. Danach folgen laut der amerikanischen<br />
China-Info-Plattform SupChina BYD,<br />
SAIC Motor, SAIC Volkswagen, SGMV, NIO,<br />
Xpeng, Li Auto, WM Motor, Geely, Byton,<br />
Enovate, Zhiji, Xiaomi, Dongfeng Motor,<br />
Chang’an Automobile, GAC, Chery Automobile,<br />
FAW Group, FAW-Volkswagen<br />
Automobile, Evergrande und BAIC. Mittlerweile<br />
tummeln sich im chinesischen EV-Markt<br />
auch Immobilien-Unternehmen wie Evergrande<br />
und chinesische Technologiekonzerne wie<br />
Tencent, Huawei, Baidu und Didi Chuxing.<br />
Gemäß SupChina wird der chinesische<br />
Markt in 2030 18 Millionen E-Autos und ein<br />
Marktvolumen von rund 380 Milliarden<br />
US-Dollar (durchschnittliche Kosten pro EV<br />
20000 US-Dollar) umfassen. Weiterhin wollen<br />
laut ADAC auch chinesische Hersteller<br />
auf dem europäischen Markt für E-Nutzfahrzeuge<br />
Fuß fassen. Elektrisch angetriebe Lkw,<br />
auch für den Fernverkehr, sind die nächste<br />
Revolution in der Nutzfahrzeugbranche.<br />
Ein Beispiel ist die junge Marke Maxus aus<br />
dem SAIC-Konzern, die seit Kurzem das<br />
Modell EV80 als Kastenwagen, Neunsitzer<br />
oder reines Fahrgestell anbietet. Der chinesische<br />
Hersteller Geely ist seit Ende 2017<br />
größter Anteilseigner am Lkw-Hersteller Volvo<br />
Trucks AB. Mit dem kommenden Elektro-<br />
Erfolg des NEV-Programms und Zukunft<br />
China setzte gemäß ICCT schon sehr früh auf<br />
die Entwicklung eines Marktes für E-Autos.<br />
Die Hauptgründe und Herausforderungen<br />
lagen in der bedrohten Versorgungssicherheit<br />
mit Öl, der stockenden Entwicklung<br />
der Autoindustrie, großer Luftverschmutzung<br />
und dem zunehmenden Klimawandel.<br />
Der Aufbau eines NEV-Marktes adressierte<br />
alle Probleme und führte zur Zusammenarbeit<br />
verschiedenster Ministerien, was wiederum<br />
entsprechend NEV-förderliche Richtlinien und<br />
Gesetze in verschiedensten Bereichen hervorbrachte.<br />
Der Erfolg beim Aufbau des NEV-Marktes<br />
gründet auf einer klaren Vision, konsistenter<br />
Planung, koordinierten Maßnahmen, Innovationen<br />
auf Städteebene, der Einführung von<br />
Richtlinien und Gesetzen sowie der Anpassung<br />
dieser an einen sich wandelnden Markt.<br />
Meilensteine waren hier der "Zehn Städte,<br />
1000 Automobile"-Pilotplan in 2009, durch<br />
den Kaufanreize, Steuervergünstigungen für<br />
E-Autos, staatliche Beschaffungsmaßnahmen<br />
und Infrastruktursubventionen eingeführt<br />
wurden. Weiterhin sind hier beispielhaft der<br />
Auto Industry Ajustment and Revitalization<br />
Plan 2012–2020, der Energy Saving and NEV<br />
Development Plan, Made in China 2025 und<br />
der NEV Industrial Plan <strong>2021</strong>-2035 zu nennen.<br />
Im 14. Fünfjahresplan (von <strong>2021</strong>-2025) wird die<br />
chinesische NEV-Vision in Richtung eines vollständig<br />
elektrifizierten Straßentransportsektors<br />
im Rahmen der langfristigen Verpflichtung<br />
zur CO2-Neutralität und zur Verschönerung<br />
Chinas angepasst werden.
Deutsche Hersteller nehmen den Kampf um<br />
den E-Automarkt in China auf<br />
Der Volkswagen Konzern will laut Handelsblatt<br />
zusammen mit seinen chinesischen<br />
Joint-Venture-Partnern trotz der Corona-Pandemie<br />
bis 2024 15 Milliarden Euro in Elektromobilität<br />
investieren – zusätzlich zu den 33<br />
Milliarden Euro weltweit. Im Mai 2020 hatte<br />
VW bereits eine Erhöhung seines Anteils um<br />
zwei Milliarden Euro im chinesischen Joint<br />
Venture JAC Volkswagen bekannt gegeben.<br />
Weiterhin will der Konzern für rund eine Milliarde<br />
Euro 26 Prozent der Anteile am chinesischen<br />
Batteriehersteller Gotion High-Tech<br />
erwerben. Daraufhin gab Gotion High-Tech<br />
Mittte Juli den Bau einer Fabrik für Kathodenmaterialien<br />
mit hohem Nickelgehalt in der<br />
chinesischen Stadt Hefei bekannt.<br />
VW plant 15 NEV-Modelle bis 2025 in China<br />
zu bauen, um im stark umkämpften<br />
chinesischen Markt mithalten zu können.<br />
Das gesamte Produktportfolio soll<br />
im Land der Mitte dann zu 35 Prozent<br />
aus rein elektrischen Modellen bestehen.<br />
Daimler hatte Anfang Juli 2020 ebenso eine<br />
Beteiligung an dem chinesischen Batteriezellenhersteller<br />
Farasis Energy (Ganzhou) verkündet.<br />
Auch BMW gab Mitte September eine<br />
Ausweitung seiner Batterieproduktion in Tiexi<br />
(China) bekannt. Bisher haben die deutschen<br />
Autohersteller laut dem deutschen Automobilverband<br />
VDA in China gerade einmal einen<br />
Marktanteil von zwölf Prozent. McKinsey<br />
schätzt, dass der Anteil an vollelektrischen<br />
Fahrzeugen in China bis 2025 auf 14 bis 20<br />
Prozent ansteigen wird. Dies entspricht rund<br />
vier bis fünf Millionen verkauften Autos.(DR)<br />
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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S40<br />
Digitalisierung des Einzelhandels:<br />
Datengesteuerte Warenzustellung<br />
wird mit 1. Juli <strong>2021</strong> Realität<br />
Verpflichtende Bereitstellung von Daten vor dem Versand erhöht die Zustelleffizienz,<br />
gewährleistet Zustellpräferenzen der Empfänger und ermöglicht Nachhaltigkeit.<br />
BEITRAG: WALTER TREZEK<br />
Allein 2019 importierte AMAZON etwa 650<br />
Mio. Warensendungen grenzüberschreitend<br />
in die EU. Mehr als ¾ dieser Sendungen waren<br />
Warensendungen mit geringem Wert, bei<br />
der Alibaba-Gruppe lag das tägliche Importvolumen<br />
2019 bei etwa 2,5 Mio. Warensendungen<br />
täglich. Nach Studien der World Free<br />
Zone Organisation rechnen die Zollfreihäfen<br />
weltweit damit, dass bis 2030 annähernd 80%<br />
des Welthandels online abgewickelt werden.<br />
Gleichzeitig hat sich der Trend von B2B zu B2C<br />
verstärkt. Der digitale Einzelhandel und damit<br />
die Warensendungsvolumen werden weiterhin<br />
zweistellig wachsen.<br />
WALTER TREZEK<br />
VICE-CHAIR<br />
ELOGISTICS-WORKING<br />
GROUP ECOMMERCE<br />
EUROPE<br />
CHAIRMAN OF THE UPU<br />
CONSULTATIVE<br />
COMMITTEE (CC)<br />
UND EXPERTE DES<br />
LOGISTIC-NATIVES E.V.<br />
Mit der Umsetzung des EU<br />
MwSt. Ecommerce Pakets<br />
(RICHTLINIE (EU) 2017/2455<br />
DES RATES vom 5. Dezember<br />
2017) tritt mit dem 1 Juli <strong>2021</strong> die Digitalisierung<br />
des Einzelhandels in eine neue Phase.<br />
Das Datenmodel der Finanzbehörden<br />
harmonisiert die Art und Weise wie Daten<br />
zu Einzelhandelswaren verwaltet und vor<br />
jedem Versand ausgetauscht werden<br />
müssen. Die Grundlagen der weiteren<br />
Digitalisierung des Einzelhandels, weltweiten<br />
Normen folgend, wurden festgelegt.<br />
Digitalisierung erfordert eine andere, neue<br />
Infrastruktur<br />
In der EU wird sich der Anteil des digitalen Einzelhandels<br />
von heute 15% auf 30% bis 2023<br />
verdoppeln. ¼ des online Handelsvolumens<br />
stammt aus EU-Drittstaaten. 4 Marktplätze<br />
sind für 2/3 aller Warensendungen, die in die<br />
EU importiert werden, verantwortlich.<br />
Statt weniger Daten zu großen Mengen (B2B)<br />
– viele Daten zu Einzelmengen (B2C)<br />
Die Zustellung der digital bestellten Handelswaren<br />
wird eine Herausforderung. In der<br />
Zukunft können mit der heute, auf analogen<br />
Prozessen basierenden Zustellinfrastruktur, die<br />
stark wachsenden Paketmengen, nicht nach<br />
den Präferenzen der Empfänger zugestellt<br />
werden. Auch die geplante Erweiterung der<br />
Dichte an Paketstationen der Deutschen Post<br />
AG bis 2023, auf ca. 1 Mio. Fächer (2,5-fach<br />
zu 2020) wird nur in der Lage sein etwa 5 –<br />
max. 7% des Volumens über Pick-up / Dropoff<br />
Lokationen zuzustellen zu können.<br />
Was online verkauft UND zugestellt werden<br />
kann WIRD ZUGESTELLT<br />
Der Versand von Nahrungsmitteln folgt dem<br />
Versand von non-food Einzelhandelswaren. In<br />
den kommenden Monaten ist diesem Marktsegment<br />
mit einem erhöhten Wachstum zu<br />
rechnen. Die notwendige Digitalisierung der<br />
Einzelhandelswaren und die damit verbundenen<br />
Harmonisierung ist im Nahrungsmittelhandel<br />
ist bereits fortgeschritten.
Alles ist mit Allem verbunden<br />
In der Zustellung der Warensendungen<br />
werden die Zeit- und Ortsangaben zum Sendungsverlauf<br />
(so genanntes "Track & Trace")<br />
durch die digitale Vorabmeldungen vervollständigt.<br />
Die erste und letzte Meile wird<br />
durch eine digital gestützte, selbstlernende<br />
Infrastruktur ergänzt. Die notwendige Verbesserung<br />
der Nachhaltigkeit und Stärkung der<br />
Kreislaufwirtschaft wird durch Vorabmeldungen<br />
auf eine neue digitale Basis gestellt.<br />
Digitaler Wandel im Handel –> Mengenwachstum<br />
-> Infrastrukturevolution<br />
2019 wurden in europäischen Wirtschaftsraum<br />
bereits weniger klassische B2C Briefsendungen<br />
zugestellt als Warensendungen. Auf allen<br />
Ebenen der postalischen Prozesskette: der<br />
Annahme, Sortierung, Transport und auch<br />
Zustellung kommt es zu Konsolidierung und<br />
Kollaboration der Wirtschaftsbeteiligten.<br />
Kritisch ist, dass die Ausstattung der Marktteilnehmer<br />
nicht zur Nachfrage passt.<br />
Mit der zunehmenden Digitalisierung wird<br />
eine datengestützte Infrastruktur notwendig,<br />
die auch eine betreiberunabhängige<br />
und unbeaufsichtigte Zustellung der digital<br />
bestellten Einzelhandelswaren benötigt.<br />
Einzelhandel ist beides OFF- / ON-line<br />
Erfolgreicher Einzelhandel präsentiert, informiert<br />
und verkauft seine Einzelhandelswaren<br />
off-line im klassischen stationären Handel,<br />
digital gestützt aber genauso on-line. Dabei<br />
verschwimmen die Grenzen zwischen Web-<br />
Präsenz, Webshop und Marktplatz. Reine<br />
digitale Marktplätze ergänzen ihre Vertriebskanäle<br />
durch stationäre Konzepte. Präferenzen<br />
von Kunden kann so on-line besser mittels<br />
click / call & collect; pick-up; drop-off und<br />
micro-fulfilment-centres entsprochen werden.<br />
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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S42<br />
Sehr gerne können Sie dem internationalen Netzwerk beitreten<br />
und mit uns den Markt aktiv gestalten. Für Hintergründe<br />
und Fragen steht Ihnen der Geschäftsführer Florian Seikel<br />
(Florian.Seikel@logistic-natives.com) sehr gerne zur Verfügung.<br />
Digitalisierung der Warenlieferketten<br />
Was mit dem finanzpolizeilichem Zoll-Datenmodel<br />
begonnen hat, führt zu einer Harmonisierung<br />
der digitalen Beschreibung der<br />
Einzelhandelswaren, als Voraussetzung der<br />
Zustellung, aber auch der Transportsicherheit,<br />
Produkthaftung und auch der Nachhaltigkeit<br />
und Kreislaufwirtschaft:<br />
1..Warenbeschreibung: Harmonisierung der<br />
generischen (Zollkodex) und/oder der<br />
produktindividuellen (z.B. "Global Trad<br />
Item Number") Beschreibung;<br />
2..Namen und Anschriften von Absendern,<br />
Empfängern und, soweit abweichend,<br />
von denjenigen Personen, welche die<br />
jeweilige Postsendung eingeliefert oder<br />
entgegengenommen haben;<br />
3..Art des in Anspruch genommenen<br />
Postdienstes (digitale ID);<br />
4..Maße und Gewicht der jeweiligen<br />
Postsendung;<br />
5..die vom Postdienstleister zugeteilte<br />
Senungsnummer (eindeutige Transport-ID<br />
der jeweiligen Postsendung sowie, sofern<br />
der Empfänger eine Abholstation mit<br />
Selbstbedienungs-Schließfächern nutzt<br />
(Kennung),dessen persönliche Postnummer<br />
(„Zugangseröffnung“);<br />
6..Zeit- und Ortsangaben zum jeweiligen<br />
Postsendungsverlauf; sowie<br />
7..zu Zwecken der Erbringung der<br />
Postdienstleistung erstellte Bildaufnahmen<br />
von der Postsendung.<br />
8..Daten zu den Waren sind beim Verkauf<br />
vorhanden -> damit Zustellung nach<br />
den Präferenzen der Kunden.<br />
Starkes Volumenwachstum erfordert verbesserte<br />
Effizienz auf der letzten Meile<br />
Bis zu 1/3 aller Zustellkosten fallen auf der<br />
letzten Meile an. Die Digitalisierung des Einzelhandels<br />
erhöht die Effizienz in der Zustellung<br />
auf der letzten Meile wesentlich. Das Ziel<br />
ist eine „one-stop-delivery“, die ähnlich wie<br />
bei der Briefzustellung zu einer gesicherten<br />
Abgabe der Warensendungen an jeden<br />
Haushalt, über einen für alle Zusteller offenen<br />
Zustellkasten führt. Die heute bestehende Zustelladresse<br />
wird um eine „Zugangseröffnung“<br />
nach den Präferenzen der Em-pfänger<br />
im Interesse aller erweitert (insb. des Handels,<br />
aber auch der Konsumenten). Heute passen<br />
nur zu < 50% aller Warensendungen in die<br />
bestehenden, normgerechten Postfachanlagen.<br />
Damit wird eine Neudefinition der notwendigen<br />
Infrastruktur, die jeder Haushalt haben<br />
sollte (nach bestehenden europäischen<br />
und/oder auf Deutschland zu konkretisierende<br />
Normen), oder auch der Allgemeinheit<br />
zugänglichen Hinterlegungsorten notwendig.<br />
Daten steuern die Zustellung von Waren –<br />
wem gehören die Daten?<br />
Die Sicherheit, damit das Vermeiden von Gefahr<br />
für Leib und Leben, und das Unterbinden<br />
einer kriminellen und verbrecherischen Nutzung<br />
einer solcherart neu aufzubauenden<br />
Infrastruktur ist bereits weit vorangeschritten.<br />
Der soziale Aspekt ist dringend zu berücksichtigen<br />
und damit für eine Barrierefreiheit zu<br />
sorgen. Umweltverträglichkeit der Konzepte<br />
ist zu gewährleisten. Damit ist die digitale<br />
Bemessung des CO² Verbrauchs der individuellen<br />
Einzelwarenzustellung, die Nachhaltigkeit<br />
und Vermeidung von sekundärem<br />
Abhol- oder Zustellverkehr, aber auch<br />
drohende Verkehrsbeschränkungen – die
in allernächster Zeit sogar zu Verkehrsverboten<br />
werden könnten zu berücksichtigen.<br />
Wettbewerbsgleichheit, das Ende der MwSt.<br />
Hinterziehung und des Zollbetrugs sowie Ende<br />
der Verletzung von Eigentumsrechten stehen<br />
heute im Vordergrund. Mit der Standardisierung<br />
der Daten gewinnt der Einzelhandel<br />
wieder die Hoheit über seine eigenen Daten.<br />
Diese Daten sind die Daten des Handels und<br />
sollten auch allen Wirtschaftsbeteiligten offensteht.<br />
Damit sind proprietäre Datensysteme,<br />
die heute große Teile des digitalen Handels<br />
beherrschen ungeeignet und werden auch<br />
durch offene Konzepte wie eben dem EU-<br />
Zoldatenmodel abgelöst.<br />
Gesetzliche Vorgaben, Normen<br />
Seit 1. Jänner <strong>2021</strong>: Daten zu WarenPOSTsendungen<br />
(grenzüberschreitend) müssen<br />
vor dem Versand zwischen Postbetreibern<br />
ausgetauscht werden (Transport- und Konsumentenschutz;<br />
Zoll- und MwSt.). Seit 15. März<br />
<strong>2021</strong>: Zu allen Warensendungen (KEP) vorab<br />
Datenaustausch bei einer geplanten Flugfracht.<br />
Bis 2025 gilt das für alle Transportkanäle.<br />
Bis Mitte 2024 Volldigitalisierung aller Frachtinformationen.<br />
Mit 1. Juli <strong>2021</strong>: Daten zu allen<br />
Warensendungen müssen vor dem Versand<br />
ausgetauscht werden, trifft Importe in die EU,<br />
aber auch Intra-EU versandt. (Zoll- und MwSt.).<br />
Mandate der Europ. Kommission ermöglichen<br />
allen Wirtschaftsbeteiligten die konkrete Ausgestaltung<br />
der Normen (nach den gesetzlichen<br />
Rahmenvorgaben). Dazu gehören<br />
auch betreiberoffene, kontaktlose Übergabeeinrichtungen,<br />
sowie der notwendige<br />
Datenaustausch zwischen den Wirtschaftsbeteiligten.<br />
(Vermeidung von kriminellen<br />
oder verbrecherischen Tätigkeiten). Austrian<br />
Standards arbeitet an der Gestaltung der<br />
Europäischen Normen, als Spiegelgremium<br />
zu CEN und ist Wirtschaftsbeteiligten offen,<br />
Normen auch für Österreich zu konkretisieren.<br />
Der logistic-natives e.V. ist das internationale<br />
Netzwerk für Logistik & Infrastruktur des<br />
modernen Handels und repräsentiert über<br />
30.000 Branchenunternehmen. Dabei unterstützen<br />
wir bei der Befähigung zur fortschreitenden<br />
Digitalisierung von Unternehmen<br />
und der Zustellung von Handelswaren durch<br />
digitale Kommunikationsmedien im Sinne der<br />
Zustellungsoptimierung, Nachhaltigkeit, lifecycle-<br />
& Retourenmanagements und der<br />
Kreislauf-logistik. (RED)<br />
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ECOMLOG21: Pandemie als<br />
Entwicklungs-Motor für die Logistik<br />
Beim 6. eCommerce Logistik-Day <strong>2021</strong> Anfang September dreht sich alles um die<br />
pandemiebedingte Beschleunigung technischer und organisatorischer Entwicklungen<br />
in der Intra-, Distributions- und Versandlogistik. Wie schon im Jahr 2020 wird<br />
die Veranstaltung als Hybridform stattfinden. REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />
BERND KRATZ<br />
MANAGING DIRECTOR<br />
EMA GMBH<br />
Vor einigen Jahren noch undenkbar,<br />
hat sich die Hybrid-Form des<br />
Business-Events als voller Erfolg<br />
erwiesen. Am 9.9.<strong>2021</strong> findet der<br />
6. eCommerce Logistik-Day in Wien beim<br />
österreichischen Handelsverband statt.<br />
Kooperationspartner ist wie gewohnt neben<br />
dem Handelsverband auch das IDIH<br />
Institut des Interaktiven Handels. Durch die<br />
Veranstaltung führen wird wie bisher der<br />
Mit-Initiator des eCommerce Logistik-Tages,<br />
Bernd Kratz, Managing Director der EMA<br />
GmbH.<br />
Vielmehr wurde es als eine Selbstverständlichkeit<br />
erwartet, dass die Warenströme<br />
einwandfrei und verlässlich funktionierten,<br />
die Regal im stationären Handel stets gefüllt<br />
waren“, fasst Bernd Kratz zusammen.<br />
Leere Regale waren bis dahin eine Seltenheit,<br />
und plötzlich – Hamsterkäufen<br />
sei Dank – herrschte in manchen Produktbereichen<br />
gähnende Leere im Supermarkt.<br />
Zur Angst vor dem Virus kam plötzlich die<br />
Versorgungsangst.<br />
Die weltweiten Logistikketten rissen ab und sind<br />
teilweise bis heute noch nicht völlig wiederhergestellt.<br />
Während sich die Situation im Lebensmittelbereich<br />
wieder normalisiert hat, stehen<br />
einige Produktionen still. Besonders stark betroffen:<br />
die Automobilindustrie, die unter einem<br />
eklatanten Halbleitermangel leidet. Ehrlicherweise<br />
muss aber gesagt sein, dass dieser<br />
Mangel wohl auch ohne Corona bestünde.<br />
Während die Sprecher teilweilweise vor Ort<br />
sind – natürlich unter Einhaltung der jeweils<br />
gültigen Hygienemaßnahmen – können Sie<br />
bequem „on demand“ Vorträge und Podiumsdiskussionen<br />
mitverfolgen. Unternehmen<br />
haben noch die Möglichkeit, einen<br />
Speaker-Slot zu buchen.<br />
(Logistik)Welt im Wandel<br />
Die Corona-Pandemie erwischte die Wirtschaftswelt<br />
völlig unvorbereitet und quasi<br />
ohne Vorwarnung. Und plötzlich wurde<br />
wahr, wovon Viele insgeheim schon lange<br />
träumten: die Logistik wurde über Nacht als<br />
systemrelevant anerkannt. „Die Logistik war<br />
zwar schon immer einer der bedeutendsten<br />
Faktoren der Wirtschaft, allerdings wurde<br />
dieses oftmals nicht wahrgenommen.<br />
Fakt ist: globale Lieferketten kamen gewaltig<br />
ins Trudeln und plötzlich stellte sich vermehrt die<br />
Frage, ob dieses Outsourcing rund um den Globus<br />
wirklich so optimal ist.<br />
Automatisierung als Ausfallschutz<br />
Eine Maschine wird nicht krank. Sie muss<br />
auch keinen Abstand halten. So einfach lässt<br />
sich zusammenfassen, warum die Erhöhung<br />
des Automatisierungsgrades in Produktionsstätten<br />
eine neue Bedeutung erhalten hat.<br />
„Die Automatisierung dient nicht wie zuvor nur<br />
zur Kostensenkung, sondern auch zur Sicherstellung<br />
und Aufrechterhaltung eines Betriebs<br />
durch eine Reduzierung der Infektionsgefahr innerhalb<br />
des Personals“, berichtet Kratz.<br />
Bestes Beispiel hierfür sind die Paketzentre.<br />
Der Lockdown sorgte für eine Paketflut, wie<br />
man sie sonst nur vom Weihnachtsgeschäft<br />
kennt. Die KEP-Dienstleister mussten ihre Kapazitäten<br />
und gleichzeitig die Zustellgeschwindigkeit<br />
binnen kürzester Zeit stark ausweiten,<br />
Prozesse straffen und die Automatisierung<br />
verstärken. In seinem Vortrag „Die saisonalen<br />
Spitzen der Auftragsabwicklung im Retail<br />
smart und effizient bewältigen“ zeigt Markus
Grabner, Senior Sales Manager bei Reesink<br />
Logistic Solutions Austria Möglichkeiten auf,<br />
solche Schwankungen elegant zu meistern.<br />
Auch im Beitrag von Joachim Kininger,<br />
Director Strategic Business Development,<br />
Element Logic Germany GmbH, dreht sich<br />
alles um Volatilität – und wie man sie sich<br />
zu Nutzen macht: „Geschwindigkeit, Flexibilität<br />
und Skalierbarkeit als Wettbewerbsvorteil<br />
in einer dynamischen Handels- und<br />
Logistikwelt“ lautet sein Vortragsthema.<br />
Des Weitern folgt von DI (FH) Roman Schnabl,<br />
Vice President Product Management der<br />
KNAPP AG ein spannender Beitrag zu Trends<br />
in der Value Chain und Logistik - Wie KI-basierte<br />
Technologie die Welt der intelligenten<br />
Logistik verändert.<br />
Digitalisierung unumgänglich<br />
Schon seit Jahren ist die Logistikbranche von<br />
Innovation und Digitalisierung getrieben –<br />
Track & Trace-Informationen zum Beispiel<br />
sind offline unmöglich zu realisieren. Durch<br />
die Pandemie erhielt diese Entwicklung einen<br />
weiteren Schub. In seinem Vortrag „Der datengestützte<br />
moderne Handel und die Digitalisierung<br />
der Warenströme“ wird Walter<br />
Trezek, Vorsitzender des beratenden Komitees<br />
des Weltpostvereins von aktuellen Entwicklungen<br />
und neuen Realitäten erzählen.<br />
Wer im Lockdown sitzt und trotzdem einkaufen<br />
möchte, hat nur eine Alternative:<br />
Distanzhandel. Florian Seikel Geschäftsführer<br />
Logistic Natives e.V., Berlin, gewährt<br />
daher Einblicke in „Das virtuelle Warenhaus<br />
- der internationale & digitale Handel.“<br />
Mindestens genauso spannend wird der<br />
Beitrag von Günter Birnstingl, Managing<br />
Director Austria bei Seven Senders: „Wie<br />
Corona die Versandlogistik verändert<br />
hat - Chancen und Herausforderungen<br />
im europäischen Cross-Border Versand.“<br />
Zudem freuen wir uns sehr auf die Speaker -<br />
Harald Gutschi, Geschäftsführer der UNITO<br />
Gruppe und Rainer Will, Geschäftsführer vom<br />
Handelsverband u.v.m.<br />
Den Abschluss der Veranstaltung bildet die<br />
geführte Podiumsdiskussion „Nach der Pandemie<br />
ist vor der Pandemie – wie wird sich die<br />
Logistik auf zukünftige Notsituationen vorbereiten?“.<br />
Hoffentlich gut! (AG)<br />
Medienpartner:<br />
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Österreichischer Handelsverband<br />
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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S46<br />
Unermüdlich im Einsatz für Obeta –<br />
der AI-gesteuerte Roboter von KNAPP<br />
Der deutsche Elektrogroßhändler Obeta versendet täglich tausende Kundenbestellungen<br />
mithilfe des KNAPP Pick-it-Easy Robot (powered by Covariant AI).<br />
BEITRAG: REDAKTION<br />
Der Elektrogroßhändler Obeta mit<br />
Sitz in Berlin wurde 1901gegründet.<br />
Mit über 28.000 Kunden und<br />
64 Filialen in ganz Deutschland<br />
verkauft Obeta Elektroartikel wie Glühbirnen,<br />
elektrische Leitungen, Steckdosen, Ventilatoren,<br />
Rauchmelder und Leistungsschalter an<br />
Elektrogeschäfte, Bauunternehmen, Industriebetriebe,<br />
Gebäudemanager und Kunden<br />
der öffentlichen Hand.<br />
Bei einem 24-Stunden Lagerbetrieb 5 Tage die<br />
Woche und einem sich ständig ändernden<br />
Sortiment wird Obetas Hauptlager mit zehntausenden<br />
Artikeln von Herstellern beliefert<br />
und wickelt jeden Monat hunderttausende<br />
Bestellungen von Kunden und Filialen ab.<br />
Arbeitsintensive Prozesse wie das Sortieren,<br />
Kommissionieren und Verpacken der Artikel<br />
in Bestellkartons sind für den Erfolg des Unternehmens<br />
entscheidend. „Arbeiter einstellen<br />
und zu halten ist eine der größten Herausforderungen,<br />
denen man als Lagerbetreiber gegenübersteht“,<br />
so Michael Pultke, Head of Logistics<br />
bei Obeta. Obeta ist mit einem starken<br />
Wettbewerb um Arbeitskräfte konfrontiert, da<br />
sich das Lager in einem Gebiet mit vielen anderen<br />
Lagern und Produktionsstätten befindet.<br />
Die COVID-19 Pandemie hat Obetas Arbeitskräftemangel<br />
nur weiter verschärft. „Wir<br />
beschäftigen Arbeiter aus benachbarten<br />
Ländern wie Polen und der Tschechischen<br />
Republik, aber da die Grenzen zeitweilig<br />
geschlossen waren, ist die Lage jetzt noch<br />
schwieriger als sonst”, erklärt Pultke.<br />
Photo Credit des gesamten Bildmaterials: Obeta/Magnus Pettersson
DER VON KNAPP AI-GESTEUERTE ROBOTER IST EIN WESENTLICHER<br />
BESTANDTEIL UNSERES LAGERBETRIEBS GEWORDEN. ER ÜBERTRIFFT<br />
DIE <strong>LE</strong>ISTUNGSANFORDERUNGEN FÜR MANUEL<strong>LE</strong> STATIONEN UND<br />
ARBEITET AUTONOM.<br />
MICHAEL PULTKE<br />
HEAD OF LOGISTICS, OBETA<br />
Die Lösung mit Pick-it-Easy Robot<br />
Innovation hat bei Obeta Tradition, denn das<br />
Unternehmen investiert immer wieder in neue<br />
Technologien und Initiativen, um das Einkaufserlebnis<br />
seiner Kunden so reibungslos und angenehm<br />
wie möglich zu gestalten. Den ersten<br />
Onlineshop führte das Unternehmen 1995 ein.<br />
In den letzten fünf Jahren errichtete Obeta<br />
mobile Abholpunkte entlang des Berliner<br />
Rings und entwickelte eine App für Express-<br />
Lieferungen mit einer garantierten Lieferzeit<br />
von weniger als zwei Stunden innerhalb<br />
der Berliner Stadtgrenze. Derzeit ist das<br />
Unternehmen mittendrin, einen Flagship-Store<br />
zu eröffnen, um seinen Kunden neue Formen<br />
des Einkaufs zugänglich zu machen. Obeta<br />
ist stolz auf seine Investitionen in Lagerautomation,<br />
denn sie ist der Schlüssel, um weiterhin<br />
wettbewerbsfähig zu bleiben – und das<br />
bei stabilen Kosten. Vor kurzem errichtete<br />
Obeta ein neues Lager mit einem dem neuesten<br />
Stand der Technik entsprechenden,<br />
automatisierten Shuttle-System von KNAPP,<br />
dem OSR Shuttle, und entschied sich dafür, in<br />
eine Arbeitsstation mit einem AI-gesteuerten<br />
Roboter zu investieren.<br />
Für Obeta war die Auftragskommissionierung<br />
mittels Roboter ein entscheidender erster<br />
Schritt, seine Vision eines hochautomatisierten<br />
Lagers zu verwirklichen. Wertvolle Daten<br />
können über das Lager und die darin befindlichen<br />
Artikel gesammelt werden, die auch zukünftige<br />
AI-gesteuerte Roboter übernehmen<br />
können. Dadurch entsteht ein Kreislauf an<br />
Robotern, die sich laufend verbessern.
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S48<br />
Die Entscheidung für KNAPP traf Obeta aus<br />
mehreren Gründen. Der Pick-it-Easy Robot<br />
arbeitet autonom ohne menschliches Zutun.<br />
Der Roboter zeigte die beste Kommissionierleistung<br />
und konnte mit einem breiten Spektrum<br />
an Artikeln gleich schnell und fehlerfrei<br />
umgehen wie die Kommissionierer in den<br />
manuellen Stationen. Er konnte auch vollständig<br />
in die bei Obeta bereits bestehenden Systeme<br />
integriert werden und ermöglichte das<br />
Automatisieren erfolgskritischer Funktionen,<br />
wie zum Beispiel das Fehlerhandling.<br />
Obeta zeigte sich darüber hinaus beeindruckt<br />
von der Tatsache, dass der Roboter<br />
von KNAPP die Fähigkeit besitzt, Artikel zu<br />
greifen, mit denen er nie zuvor hantiert hatte<br />
und sich seine Greifbewegungen mit zunehmender<br />
Erfahrung auch verbesserten. Möglich<br />
macht das seine künstliche Intelligenz, die<br />
in Zusammenarbeit mit dem kalifornischen<br />
Start-up Covariant entwickelt wurde.<br />
Die Software lässt ihn beinahe so sehen und<br />
greifen wie einen Menschen. Wie auch andere<br />
Warenlager erhält Obetas Lager jede<br />
Woche hunderte von neuen Artikeln, weshalb<br />
das Unternehmen ein System benötigte,<br />
dass sich leicht an neue Artikel anpassen<br />
kann, ohne den Betrieb zu beeinträchtigen.<br />
Letztendlich gab KNAPP’s Roadmap für zukünftige<br />
AI-gesteuerte Robotersysteme, die<br />
dem Roboter ein eigenes Gedächtnis verleiht,<br />
Obeta die Zuversicht, dass das Unternehmen<br />
durch diese gemeinsame Partnerschaft<br />
seine Vision eines hochautomatisierten<br />
Lagers verwirklichen kann. KNAPP setzt den<br />
Pick-it-Easy Robot dazu ein, Artikel zu kommissionieren<br />
und von Lagerbehältern in Auftragskartons<br />
zu legen. Die Arbeitsstation wurde<br />
mit minimalen Ausfallzeiten errichtet und die<br />
Auftragskommissionierung konnte innerhalb<br />
weniger Tage starten. (RED)<br />
Der Pick-it-Easy Robot von KNAPP ist seit<br />
über 11 Monaten in Betrieb und ist bis zu<br />
14 Stunden täglich im Einsatz. „Wir können<br />
uns darauf verlassen, dass der Roboter<br />
seine Arbeit macht, ohne uns Sorgen<br />
machen zu müssen, dass er die Arbeitslast<br />
einmal nicht schafft und das stellt für<br />
uns einen Riesengewinn dar”, so Michael<br />
Pultke, Head of Logistics bei Obeta.<br />
•.Geschwindigkeit – erreicht je nach Auftragsvolumen<br />
Spitzengeschwindigkeiten<br />
von bis zu 600 Stück pro Stunde und ist<br />
gleichwertig mit Obetas manuellen Kommissionierstationen.<br />
•.Genauigkeit – kommissioniert mit 99 % Genauigkeit,<br />
selbst wenn er jede Woche neue<br />
Gegenstände erlernt.<br />
•.Vielfalt der Gegenstände – kann derzeit<br />
mit 70 % der kommissionierbaren Artikel<br />
hantieren.
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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S50<br />
SSI Schäfer liefert automatisierte<br />
Lösung für Sicherheitsschuh-<br />
Hersteller Sievi<br />
Sievi, führender Hersteller von Sicherheitsschuhen in Nordeuropa, investiert in<br />
eine skalierbare wie nachhaltige Lösung von SSI Schäfer zur Lagerung von Rohmaterialien<br />
und Fertigprodukten. BEITRAG: REDAKTION<br />
Der führende Hersteller von Sicherheitsschuhen<br />
in Nordeuropa,<br />
Sievi, beauftragte SSI Schäfer in<br />
diesem Jahr mit der Erweiterung<br />
des bestehenden Warenlagers im gleichnamigen<br />
Ort Sievi in Finnland. Das Unternehmen<br />
beliefert mit seinen Produkten<br />
den lokalen Markt, exportiert aber auch in<br />
mehr als 40 Länder weltweit. Stets auf der<br />
Suche nach zukunftssicheren Lösungen<br />
und Innovationen sowie angetrieben vom<br />
Branchenwachstum sah Sievi die Notwendigkeit,<br />
in eine Lagerautomatisierung zu investieren.<br />
Das Hauptziel von Sievi ist es, eine<br />
schnelle und nahtlose Lieferung der 200<br />
SKUs (Stock Keeping Units bzw. Bestandseinheiten)<br />
an die Kunden zu ermöglichen<br />
und zukünftigen Entwicklungsplänen zur
Erweiterung der Produktions- und Lagerkapazitäten<br />
gerecht zu werden. Um diese<br />
Anforderungen zu erfüllen, wird SSI Schäfer<br />
das bestehende System von Sievi nachhaltig<br />
erweitern, sodass die Gesamtleistung<br />
pro Stunde verdoppelt und über 60 % mehr<br />
Lagerplätze geschaffen werden können.<br />
Die bestehende Anlage von Sievi wurde<br />
von SSI Schäfer bereits 2009 realisiert.<br />
Das gemeinsame Projekt, die Skalierbarkeit<br />
der bestehenden Lösung und die<br />
flexibel einsetzbare Software WAMAS®<br />
von SSI Schäfer legten den Grundstein<br />
für diese fortlaufende Partnerschaft.<br />
„Sievi ist ein Marktführer in dieser Branche<br />
und eine der bekanntesten Marken in Finnland.<br />
Es ist großartig, die Zusammenarbeit<br />
mit einem Unternehmen weiterzuführen,<br />
das starke Werte vertritt und, so wie wir,<br />
ein familiengeführtes Unternehmen ist. Wir<br />
freuen uns darauf, Teil dieser zukünftigen<br />
Erweiterung von Sievi zu sein“, so Michael<br />
Hillström, General Manager bei SSI Schäfer<br />
in Finnland und Schweden.<br />
Nachhaltige Erweiterung für maximale<br />
Leistung und Lagerkapazität<br />
Um die Leistungsanforderungen zu erfüllen,<br />
realisiert SSI Schäfer eine Lösung für<br />
eine effizientere Sequenzierung zwischen<br />
dem automatischen Kleinteilelager und<br />
den Packstationen. Die sechs bestehenden<br />
Packstrecken werden demontiert und sechs<br />
neue Packstrecken an anderer Stelle integriert.<br />
Zudem werden vor den Packstationen<br />
insgesamt sechs Sequence-Tower installiert,<br />
die zahlreiche Puffer-Lagerplätze<br />
bieten, welche durch Heber verbunden<br />
sind.<br />
Behälter und Kartons, die aus dem automatischen<br />
Kleinteilelager ausgelagert werden,<br />
können somit effizient gepuffert und in der<br />
richtigen Reihenfolge zu den Packstationen<br />
transportiert werden. Mögliche Lagerengpässe<br />
sollen durch ein neues Hochregallager<br />
mit vier SSI Exyz Regalbediengeräten<br />
vermieden werden. Die SSI Exyz Regalbediengeräte<br />
werden sowohl Paletten mit Rohmaterialien<br />
als auch mit halbfertigen Produkten<br />
bearbeiten.<br />
Auch das automatische Kleinteilelager, in<br />
dem Schuhkartons gelagert werden, wird<br />
um drei Gassen erweitert. Die skalierbare<br />
und nachhaltige Lösung ermöglicht es Sievi<br />
Rohmaterialien und fertige Produkte in<br />
einem einzigen Warenlager an nur einem<br />
Produktionsstandort zu lagern.<br />
Nach dem Wareneingang werden Rohmaterialien<br />
und halbfertige Produkte im<br />
neuen Hochregallager zwischengelagert<br />
und nach Bedarf in den Produktionsbereich<br />
transportiert. Die fertigen Produkte<br />
werden danach im automatischen Kleinteilelager<br />
untergebracht. Schuhkartons<br />
werden zu den Sequence-Towern transportiert,<br />
wo sie gepuffert und anschließend<br />
mithilfe von Hebern und Fördertechnik<br />
in der richtigen Reihenfolge zu den<br />
Packstationen gebracht werden. An diesen<br />
Stationen werden die Schuhkartons<br />
auftragsgemäß gepackt. Nach der Etikettierung<br />
werden sie zum Warenausgangsbereich<br />
transportiert und schließlich an<br />
die Händler geliefert. Die Auftragsgröße<br />
reicht dabei von einem bis 2.000 Kartons.<br />
Die Lösung wird durch flexibel einsetzbare,<br />
leistungsfähige Logistiksoftware WAMAS®<br />
von SSI Schäfer und Fördertechnik abgerundet.<br />
SSI Schäfer bietet modulare, skalierbare<br />
Lösungen für die speziellen Anforderungen<br />
der Fashionbranche aus einer Hand<br />
Die Inbetriebnahme ist Ende 2022 geplant.<br />
(RED)<br />
Die SSI Schäfer Gruppe ist der weltweit<br />
führende Lösungsanbieter von modularen<br />
Lager- und Logistiksystemen. Das<br />
Unternehmen beschäftigt am internationalen<br />
Hauptsitz in Neunkirchen (Deutschland)<br />
sowie weltweit in rund 70 operativ<br />
tätigen Gesellschaften und an sieben<br />
Produktionsstätten im In- und Ausland<br />
rund 10.500 Mitarbeiter. Verteilt auf sechs<br />
Kontinente entwickelt SSI Schäfer innovative<br />
Konzepte und Lösungen in den Branchen<br />
seiner Kunden und gestaltet so die<br />
Zukunft der Intralogistik.
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S52<br />
Aus dem richtigen Holz geschnitzt<br />
Fast 33 Milliarden Liter Milch wurden dem Milch Industrie Verband (MIV) zufolge<br />
2018 in Deutschland verarbeitet. Ein Großteil, nämlich 44 Prozent der gesamten<br />
Rohmilch, floss dabei in die Produktion von Käse. BEITRAG: REDAKTION<br />
Deutschland ist Retouren-Europameister.<br />
Jeder zweite Online-Kunde<br />
hat im vergangenen<br />
Jahr mindestens eine Bestellung<br />
zurückgeschickt – insgesamt über 500 Millionen<br />
Produkte. Ein hoher Retourenanteil<br />
im Endkundengeschäft stellt auch die<br />
HABA-Firmenfamilievor Herausforderungen.<br />
Auf der Suche nach einer Lösung mit<br />
hohem Automatisierungsgrad für sein großes<br />
Distributionszentrum in Bad Rodach<br />
wurde der Spielwarenhersteller bei Dematic<br />
fündig.<br />
Mit dem modularen und skalierbaren Dematic<br />
Taschensortiersystem bietet der Intralogistik-Spezialist<br />
eine flexible Lösung, mit<br />
der sich verschiedenste Arten von Gütern<br />
lagern, sortieren, sequenzieren und zwischenpuffern<br />
lassen. Damit ist das System<br />
ideal für den Einsatz im E-Commerce und<br />
Omni-Channel-Fulfillment und insbesondere<br />
für die Retourenbearbeitung geeignet.<br />
Die HABA-Firmenfamilie hat ihre Wurzeln<br />
in der Spielwarenherstellung und ist dort<br />
bis heute einer der führenden Anbieter in<br />
Deutschland. Seit mehr als 80 Jahren vertreibt<br />
das fränkische Unternehmen Holzspielzeug.<br />
Neben Bauklötzen und Kugelbahnen<br />
aus nachhaltiger Forstwirtschaft<br />
zählen heute aber auch diverse Puppen,<br />
Brett- und Kartenspiele, Bücher sowie Einrichtungen<br />
für Bildungskonzepte und Bekleidung<br />
zum Angebot. Neben der Belieferung<br />
ausgewählter Fachhändler und Bildungseinrichtungen<br />
bietet das Unternehmen unter<br />
den Marken HABA, JAKO-O, FIT-Z, Qiéro!<br />
und Wehrfritz einen Großteil seiner Produkte<br />
online B2C an. Mindestens 700 Sendungen<br />
verlassen pro Stunde das Distributionszentrum<br />
in Bad Rodach.<br />
Effizientes Retourenmanagement<br />
Wie so oft im E-Commerce kommen aber<br />
auch zahlreiche Pakete auf gleichem<br />
Wege wieder zurück.
Die Gründe sind unterschiedlich: Nur selten<br />
sind die Waren beschädigt. Viele Kunden<br />
ordern von vornherein mehrere Alternativen<br />
und schicken die nicht ausgewählten<br />
zurück. In anderen Fällen entsprechen die<br />
Bestellungen nicht exakt den Erwartungen<br />
der Käufer. „Ein Großteil dieser Waren sind<br />
sogenannte A-Retouren, also einwandfreie<br />
Produkte, die sofort wiederverkauft werden<br />
können“, sagt Torsten Kreußel, Leiter Prozessmanagement,<br />
Produktion und Logistik<br />
bei der HABA-Firmenfamilie.<br />
Genau hier stieß die Intralogistik bei der<br />
HABA-Firmenfamilie vor zwei Jahren an ihre<br />
Grenzen. Denn viele Arbeitsschritte liefen<br />
noch manuell ab. Aufgrund der Vielzahl an<br />
Retouren vergingen mitunter Tage, bis die<br />
Produkte wieder zum Verkauf bereitstanden.<br />
„In Hochphasen erreichen unseren<br />
Wareneingang bis zu 1.500 Artikel pro<br />
Stunde. Unser Retourenmanagement war<br />
den Dynamiken des heutigen E-Commerce<br />
schlicht nicht mehr gewachsen“, erinnert<br />
sich Kreußel.<br />
Flexibel wie eine Kugelbahn<br />
Eine automatisierte Lösung sollte her, um<br />
die Retourenabwicklung nahtlos in den<br />
Fulfillment-Prozess zu integrieren und die<br />
Zugriffszeiten somit zu verkürzen. Zur besonderen<br />
Herausforderung wurde der Wunsch<br />
nach einem System, dass sich auf begrenztem<br />
Raum in die bestehenden Anlagen<br />
integrieren ließ – und das alles bei laufenden<br />
Betrieb. Im Auswahlverfahren stieß die<br />
HABA-Firmenfamilie schnell auf das Taschensortiersystem<br />
von Dematic. „Die Idee,<br />
den bis dato ungenutzten Luftraum unserer<br />
Logistikflächen für einen flexiblen Taschensorter<br />
zu nutzen, hat uns sofort zugesagt“,<br />
erklärt Kreußel.<br />
Das Dematic Taschensortiersystem ist eine<br />
ganzheitliche Lösung und unterstützt sowohl<br />
den reinen E-Commerce als auch den<br />
Omni-Channel-Versand. Für den Warentransport<br />
verwendet das System Taschen,<br />
die platzsparend an Rollen aufgehängt<br />
sind und in einer Überkopfschiene laufen.<br />
Dank des modularen Aufbaus und variabler<br />
Kettenlänge kann der Taschensorter<br />
kompakt in nahezu jeder Anwendungsumgebung<br />
verbaut werden. In den Taschen<br />
können verschiedenste Produktformen<br />
und -größen mit einem Gewicht bis zu drei<br />
Kilogramm transportiert, sortiert und sequenziert<br />
werden. „Da wir über ein sehr<br />
breites Produktsortiment verfügen, waren<br />
Flexibilität und Skalierbarkeit notwendige<br />
Voraussetzungen“, sagt Kreußel.<br />
Vollautomatische Taschenbeladung<br />
Bei der HABA-Firmenfamilie findet die automatische<br />
Taschenbeladung direkt nach<br />
der Retourenbearbeitung im Erdgeschoss<br />
statt. Dazu hat Dematic eine Gurtschleife<br />
für Leerbeutel sowie ein zusätzliches Förderband<br />
entlang der Arbeitsplätze in die bestehende<br />
Technik integriert, das die Waren<br />
zur Induktionsstation transportiert. „Das System<br />
belädt bis zu 1.200 Taschen pro Stunde<br />
mit jeweils einem Packstück, das sich per<br />
RFID-Tag und Barcode identifizieren lässt.<br />
Somit können wir jederzeit im System erkennen,<br />
wo sich welcher Artikel befindet“, so<br />
Kreußel. Anschließend werden die Behälter<br />
über einen Steilförderer in das dynamische<br />
Taschenlager im zweiten Obergeschoss<br />
transportiert. Dort befinden sich in zwei<br />
übereinanderliegenden Ebenen 18 Pufferkreisel<br />
mit jeweils 128 Metern Länge, in<br />
denen knapp 40.000 Taschen Platz finden
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S54<br />
und dort zirkulieren, bis sie erneut einer Bestellung<br />
zugewiesen werden. „Die Retouren<br />
sind damit nach nur 30 bis 45 Minuten wieder<br />
verkaufsfertig“, erläutert Kreußel. Nicht<br />
lesbare Artikel oder Überbestände werden<br />
aus dem Kreislauf ausgeschleust und zurück<br />
ins Erdgeschoss befördert, wo die Taschen<br />
am Housekeeping wiederum automatisch<br />
entladen werden. Dazu hat Dematic eine<br />
Rutsche installiert, die den Arbeitsplatz mit<br />
der bestehenden Anlage verbindet.<br />
Reibungslose und fehlerfreie<br />
Kommissionierung<br />
Die Zusammenstellung neuer Aufträge<br />
erfolgt im zweiten Obergeschoss mittels<br />
Batch-Kommissionierung aus dem Dynamikpuffer.<br />
Die benötigten Waren werden<br />
dafür zunächst aus dem dynamischen Puffer<br />
zum Taschensammler transportiert. Dabei<br />
handelt es sich um einen Sortierbereich<br />
mit 17 parallelen Stangen, auf denen die<br />
Produkte ihrer jeweiligen Batch zugeordnet<br />
werden. Bis zu 2.000 Artikel können pro<br />
Stunde über den Sammler ausgegeben werden.<br />
Ist ein Batch mit bis zu 60 Sendungen<br />
komplett, fahren die vorsortierten Taschen<br />
weiter zu den beiden Umpackstationen.<br />
Für die Taschenentladung wurde bauseits<br />
eine neue Bühne inklusive Anbindung<br />
an die Bestandsfördertechnik errichtet.<br />
Damit sie exakt den Vorgaben des Taschensortiersystems<br />
entsprach, übernahm<br />
Dematic die technische Planung. Nach<br />
dem automatischen Öffnen der Taschen<br />
gelangen die Artikel über ein Förderband<br />
zu zwei manuellen Arbeitsplätzen. Mitarbeiter<br />
etikettieren sie dort und legen sie in Behälter,<br />
die vorab aus dem Kreislauf für Leerbehälter<br />
ausgeschleust wurden. Damit die<br />
Mitarbeiter die Waren beim Auszeichnen<br />
nicht vertauschen, ist der Gurtförderer sensorgesteuert.<br />
„Die nächste Tasche wird erst<br />
entladen, wenn das vorherige Produkt vom<br />
Band genommen wurde“, erklärt Kreußel.<br />
Wieder zurück auf Anfang<br />
Die Behälter eines Batches (circa 60 Aufträge)<br />
verbleiben so lange am Arbeitsplatz,<br />
bis sie komplett sind und per Knopfdruck<br />
der Weitertransport ausgelöst wird. Anschließend<br />
gelangen sie über ein Transferelement<br />
zurück auf die bestehende Förderanlage<br />
und werden zum vorhandenen<br />
Wannenpuffer transportiert. Erst hier erfolgt<br />
die Konsolidierung der Gesamt-Batches<br />
mit den Waren aus dem Fachbodenlager.<br />
„Da wir Bestellungen nur in Ausnahmefällen<br />
komplett aus Retouren und dem dynamischen<br />
Puffer im Obergeschoss zusammenstellen<br />
können, war eine vollständige und<br />
reibungslose Integration des Taschensorters<br />
in die bestehende Anlage entscheidend“,<br />
betont Kreußel.<br />
Die endgültige Konsolidierung der Aufträge<br />
erfolgt im Anschluss über die Putwalls der<br />
Bestandsanlage. Die entladenen Taschen<br />
werden automatisch wieder verschlossen<br />
und gelangen anschließend über den Förderschacht<br />
zurück ins Erdgeschoss, wo sie<br />
bis zu ihrem nächsten Einsatz in der Leertaschenstrecke<br />
zirkulieren. Bis zu 750 leere<br />
Beutel können so pro Stunde und Arbeitsplatz<br />
für die Beladung bereitgestellt<br />
werden.<br />
Noch immer Luft nach oben<br />
Durch die Dematic-Lösung hat sich der<br />
Retourenprozess bei der HABA-Firmenfamilie<br />
erheblich vereinfacht, resümiert Kreußel:<br />
„Die Wiederverfügbarkeit eines Artikels hat<br />
früher mehrere Tage in Anspruch genommen.<br />
Mit dem Taschensortiersystem dauert<br />
es jetzt weniger als eine Stunde. Das spart<br />
uns nicht nur Zeit und Arbeitskräfte für die<br />
Rücksortierung der Ware ins Fachbodenregal,<br />
sondern auch Geld und sorgt durch<br />
kürzere Lieferzeiten und somit für noch<br />
höhere Kundenzufriedenheit.“<br />
Dabei hat der Taschensorter seinen vollen<br />
Leistungsumfang noch gar nicht erreicht.<br />
Denn dank des modularen Aufbaus lässt<br />
sich das Taschensortiersystem im Nachhinein<br />
noch erweitern. Darauf hat Dematic<br />
auch bei der HABA-Firmenfamilie geachtet<br />
und die potenzielle Erweiterung bei der<br />
Planung der Anlage berücksichtigt. „Durch<br />
fünf weitere Abgaben im Taschensammler<br />
sowie einen dritten Umpack-Arbeitsplatz<br />
können wir die Kapazität zukünftig noch ohne<br />
großen Aufwand ausbauen“, so Kreußel.<br />
Damit ist die HABA-Firmenfamilie auch<br />
für die wachsenden Anforderungen des<br />
E-Commerce gewappnet.<br />
(RED)
6. eCommerce<br />
Logistik- Day<br />
09. September <strong>2021</strong>, Wien<br />
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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S56<br />
Online-Shop und Ladengeschäft versorgt<br />
von einem AutoStore-System<br />
Das zunehmende Wachstum auf internationaler Ebene und die konsequente<br />
Erweiterung des Sortiments im Cross-Channel-Vertrieb erforderten 8 Jahre nach<br />
der Gründung von eXXpozed ein neues, leistungsfähigeres Logistikkonzept.<br />
Mit einem AutoStore-System von Element Logic konnte der Online-Händler für<br />
Outdoorausrüstung nicht nur seine Lagerkapazität vervielfachen, sondern auch<br />
seine Lagerprozesse hinsichtlich Zuverlässigkeit und Effizienz erheblich optimieren.<br />
BEITRAG: REDAKTION<br />
Boulderflächen geboten, auf denen auch<br />
Kurse, Events und Wettkämpfe organisiert<br />
werden. „Wir bieten unseren Kunden eine<br />
Sport- und Outdoor-Erlebniswelt, in der sie<br />
unsere Produkte mit allen Sinnen erfahren<br />
können“, so Andreas Oliver Bindhammer,<br />
Gründer und Geschäftsführer von<br />
eXXpozed und ehemaliger Weltcupsieger<br />
im Schwierigkeitsklettern.<br />
eXXpozed sports & fashion ist ein<br />
Anbieter für Outdoor Bekleidung<br />
und hochwertige Outdoor- und<br />
Extremsport-Ausrüstung. Seinen<br />
Fokus richtet das im Jahr 2010 gegründete<br />
Unternehmen auf ausgefallene, nicht überall<br />
erhältliche Produkte exklusiver Markenhersteller<br />
und verfügt aktuell über ein<br />
Sortiment von rund 150.000 Artikeln. Seit<br />
Dezember 2018 reiht sich mit dem Neubau<br />
in Dietmannsried bei Kempten und der<br />
Eröffnung des 750 m² großen Ladengeschäfts<br />
mit angeschlossenem Bistro ein<br />
neuer Meilenstein in die Unternehmensgeschichte<br />
ein. Zusätzlich werden auf insgesamt<br />
1.860 m² innen und außen Kletter- und<br />
Auf der Suche nach der optimalen<br />
Lagerlösung<br />
Von ursprünglich 4 Festangestellten und 5<br />
Aushilfen im Jahr 2010 ist die Anzahl der Mitarbeiter<br />
bei eXXpozed inzwischen auf mehr<br />
als 80 angestiegen. Sie sorgen dafür, dass<br />
täglich bis zu 1.400 Bestellungen ihren Weg<br />
zu weltweit inzwischen fast 600.000 Kunden<br />
finden. In den ersten Jahren hat eXXpozed<br />
Lagerhaltung klassischer Art betrieben. Die<br />
Artikel wurden auf Anforderung stückweise<br />
manuell entnommen und den individuellen<br />
Bestellungen entsprechend kommissioniert.<br />
Das Personal verbrachte viel Zeit mit der<br />
Zusammenstellung der Produkte und mit<br />
wachsendem Sortiment wurden die Wege<br />
von den Lagerräumen zum Versandbereich<br />
immer länger. Das rasante Wachstum<br />
im Online-Geschäft und die Ergänzung des<br />
stationären Handels am neuen Standort in<br />
Dietmannsried machten schließlich effizientere<br />
Prozesse und eine höhere Lagerkapazität<br />
dringend erforderlich.<br />
Auf der Suche nach einem einfacheren – und<br />
vor allem zukunftssicheren – Logistikkonzept<br />
wurden verschiedene Lager- und Logistiklösungen<br />
in Erwägung gezogen und wieder
verworfen. „Bis uns der Logistikspezialist<br />
Element Logic eines Tages eine Lösung auf<br />
Basis eines AutoStore Konzeptes vorstellte<br />
– einfach, platzsparend, intelligent und<br />
maximal skalierbar – die perfekte Lösung für<br />
unseren Bedarf“, erinnert sich Bindhammer.<br />
Höchste Verfügbarkeit auf kleinstem Raum<br />
Nach einer Gesamt-Realisierungsdauer von<br />
lediglich 17 Wochen wurde im Spätsommer<br />
2018 die platzsparende automatische<br />
Lager- und Kommissionierlösung AutoStore<br />
bei eXXpozed in Betrieb genommen. Aufgrund<br />
der kompakten Bauweise und der<br />
hohen Lagerungsdichte wurde die Auto-<br />
Store-Anlage in das Stockwerk direkt unterhalb<br />
des Ladengeschäfts integriert – auf<br />
einer Fläche von nur 450 m². „Zum Vergleich:<br />
ein herkömmliches Lager würde für<br />
die gleiche Warenmenge etwa 3.500 m²<br />
benötigen“, erklärt Bindhammer. Um die<br />
besondere Kundenerlebniswelt noch einzigartiger<br />
zu machen, hat eXXpozed die<br />
AutoStore-Roboter gekonnt in Szene gesetzt.<br />
Diese lassen sich von außerhalb des<br />
Gebäudes durch ein Schaufenster beobachten.<br />
Das automatische Kleinteilelager<br />
von eXXpozed beinhaltet derzeit<br />
10.950 Behälter. Diese werden in den vertikalen<br />
Kanälen des Grids zu jeweils 16 Stück<br />
übereinandergestapelt, auf der horizon-<br />
talen Ebene betragen die Zwischenräume<br />
jeweils nur wenige Zentimeter. Damit wird<br />
der verfügbare Raum in allen Richtungen<br />
maximal ausgenutzt. Insgesamt 12 intelligente<br />
AutoStore Roboter bewegen sich<br />
auf dem darüber befindlichen Aluminiumraster.<br />
Sie heben mit ihren Greifeinheiten<br />
Behälter an, sortieren diese um und stellen<br />
sie an den Kommissionierports bereit.<br />
Eine standardisierte Software steuert die<br />
Bewegungsabläufe und kontrolliert kontinuierlich<br />
die Standorte der einzelnen Behälter<br />
im System. Die autonomen Roboter bewegen<br />
sich durch ihre vier über Eck angeordneten<br />
Räderpaare in zwei Richtungen und<br />
erreichen so jede Position im Raster mit<br />
einer Geschwindigkeit von bis zu 3,1 m/s.<br />
Sie kommunizieren über WLAN mit der Auto-<br />
Store-Steuerung, die die Transportaufträge<br />
an die einzelnen Roboter vergibt. Bei<br />
geringer Auftragslast oder zu geringer Batteriekapazität<br />
fahren die Roboter selbstständig<br />
eine der im Grid befindlichen Ladestationen<br />
an.<br />
Ergonomische Arbeitsplätze und<br />
effizientere Prozesse<br />
Für die Warenein- und Auslagerung stehen<br />
bei eXXpozed zwei Karussell-Ports und<br />
ein Conveyor-Port zur Verfügung. Bei Be-
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S58<br />
darf können alle Arbeitsstationen für jeden<br />
Prozess verwendet werden. Dies gibt<br />
eXXpozed jederzeit eine maximale Flexibilität.<br />
Optimiert wird das ganze durch<br />
eine von Element Logic für den Bedarf von<br />
eXXpozed individuell angepasste Softwarelösung.<br />
Anstelle mehrerer Lagerräume<br />
mit langen Laufwegen verfügt eXXpozed<br />
heute über ergonomisch eingerichtete Arbeitsplätze.<br />
Die Behälter mit den Waren<br />
werden direkt an die Arbeitsplätze geliefert,<br />
wo Kommissionierer die Aufträge sowohl<br />
für Bestellungen aus dem Online-Shop als<br />
auch für die Abholung im Ladengeschäft<br />
bearbeiten. Unter dem Strich bedeutet das<br />
für eXXpozed hohe Effizienz bei minimalem<br />
Aufwand.<br />
Bei zusätzlichem Bedarf, zum Beispiel vor<br />
der Weihnachtszeit oder dem Black Friday,<br />
kann die Leistung des AutoStore-Systems<br />
sehr kurzfristig durch die Einbringung zusätzlicher<br />
Roboter und Behälter gesteigert<br />
werden. Zu Spitzenzeiten konnte das Auto-<br />
Store-System von eXXpozed bis zu 370<br />
Picks/h leisten.<br />
Ein zukunftsfähiges Set-up<br />
Mit der perfekt aufeinander abgestimmten<br />
Intralogistik und der daraus resultierenden<br />
minimalen Auftragsdurchlaufzeit kann eXXpozed<br />
der wachsenden Nachfrage und<br />
den Kundenanforderungen nach schneller<br />
und pünktlicher Lieferung gerecht werden.<br />
Da das zentrale Lager direkt an den Store<br />
angegliedert ist, kann auch im Ladengeschäft<br />
jederzeit ein sehr breites und tiefes<br />
Sortiment angeboten werden.<br />
„AutoStore und die Zusammenarbeit mit<br />
Element Logic haben in jeder Hinsicht<br />
dazu beigetragen, die Kundenzufriedenheit<br />
zu steigern und unsere Marktposition<br />
weiter auszubauen“, so Bindhammer abschließend.<br />
„Es war für uns die bisher beste<br />
Entscheidung in Bezug auf effizientes und<br />
ressourcenoptimiertes Lagermanagement.<br />
Das vollautomatisierte Warenlager fügt<br />
sich perfekt in die bestehende Infrastruktur<br />
unserer Versandhandelssoftware ein und<br />
garantiert uns damit Zukunftssicherheit und<br />
nachhaltige Wachstumschancen.“<br />
Andreas Oliver Bindhammer, Gründer/Geschäftsführer<br />
von eXXpozed, ist stolz auf die<br />
Möglichkeiten, die sich durch AutoStore und die<br />
Zusammenarbeit mit Element Logic ergeben.<br />
Zahlen und Fakten:<br />
450 m² großes AutoStore System<br />
12 AutoStore-Roboter<br />
10.950 Behälter<br />
2 Karussell-Ports<br />
1 Conveyor-Port<br />
Element Logic ist der weltweit erste offizielle<br />
AutoStore-Integrator und führender Anbieter<br />
von Intralogistiklösungen. Seit über 35 Jahren<br />
unterstützt Element Logic Unternehmen<br />
sämtlicher Branchen und Größen dabei, in<br />
zunehmend dynamischeren Märkten mit immer<br />
komplexer werdenden Anforderungen<br />
zu bestehen. In generalunternehmerischer<br />
Verantwortung entwickeln und realisieren<br />
wir wohl durchdachte, hocheffiziente Lagerlösungen<br />
vom Wareneingang bis zum Warenausgang.<br />
Herzstück dieser Lösungskonzepte<br />
ist das einzigartige automatische Lager- und<br />
Kommissioniersystem AutoStore, welches<br />
maximale Energie- und Raumeffizienz bietet.<br />
Als weltweit erster offizieller AutoStore-Partner<br />
haben wir bereits über 130 Unternehmen mit<br />
dem einzigartigen System ausgestattet und<br />
sind Marktführer für AutoStore-Lösungen in<br />
Europa. Um die bestmögliche AutoStore-<br />
Gesamtlösung zu entwickeln, integrieren<br />
wir zusätzliche Technologien in Ihre Intralogistik,<br />
wie beispielsweise automatische<br />
Kartonaufrichter und -verschließer, Etikettierer,<br />
Fördertechnik und Pick-Roboter.<br />
Weiterhin kümmern wir uns um die Schulung des<br />
Bedienpersonals und bieten fortlaufende<br />
Serviceleistungen sowie den AutoStore Support<br />
an. Als mittelständisches Unternehmen<br />
sind Flexibilität, Agilität und Schnelligkeit<br />
Eigenschaften, die uns auszeichnen.<br />
Wir gehen gezielt auf Ihre Bedürfnisse ein<br />
und entwickeln Lösungen, die innerhalb<br />
weniger Wochen integrierbar sind und mit<br />
Ihren Anforderungen wachsen können.<br />
Unsere Erfahrung sichert Ihren Erfolg!<br />
(RED)
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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S60<br />
Das kolossale Versagen der Politik<br />
Der Ausbruch der Pandemie ist ein externer Schock und wurde von vielen als<br />
schwarzer Schwan bezeichnet – als ein völlig überraschendes und unwahrscheinliches<br />
Ereignis, das die Menschheit überrumpelt. Doch eine Pandemie wie<br />
Covid-19 kam alles andere als überraschend. Eigentlich ist sie nämlich ein weißer<br />
Schwan, eine erwartbare und vorprogrammierte Krise. GASTBEITRAG: MARC FRIEDRICH<br />
Mehr noch: Einige Experten haben auf breiter<br />
Datenbasis vor ein paar Jahren sogar Szenarien<br />
simuliert, nach denen dafür ein Virus aus<br />
der Corona-Familie verantwortlich sein werde.<br />
Hierzu gab es in der Vergangenheit schon<br />
durchgespielte Szenarien sowie simulierte<br />
Pandemieübungen von verschiedenen Institutionen,<br />
die uns jetzt geradezu unheimlich<br />
erscheinen, weil sie ziemlich genauso eingetreten<br />
sind, wie in der Simulation vorweggenommen.<br />
Ein erstaunliches Beispiel finden<br />
wir in Deutschland: 2012 verfasste die deutsche<br />
Bundesregierung – unter der Federführung<br />
des Robert Koch-Institut – eine Risikoanalyse<br />
zur Pandemieverbreitung. Das Szenario<br />
behandelte sogar den richtigen Virusstamm:<br />
Die Bundesregierung probte den Ausbruch<br />
eines Erregers des Typs SARS-Coronavirus. Die<br />
Bundesregierung schien sich bewusst zu sein,<br />
was auf sie zukommen könnte.<br />
Marc Friedrich ist Finanzexperte,<br />
sechsfacher<br />
Bestsellerautor, Redner,<br />
Vordenker, Freigeist und<br />
Gründer der Honorarberatung<br />
Friedrich<br />
Vermögenssicherung<br />
GmbH für Privatpersonen<br />
und Unternehmen.<br />
Wir leben in einer globalisierten<br />
Welt: Es war klar, dass über<br />
Land, Luft oder Wasser jedes<br />
Virus, egal wie gefährlich, egal<br />
wo entsprungen, es zu uns schaffen würde.<br />
Seit Jahrzehnten machen wir auch die Erfahrung,<br />
dass jedes Jahr eine neue Grippewelle<br />
grassiert – mal heftiger, mal weniger heftig.<br />
Klar, niemand konnte vorhersehen, wann eine<br />
Epidemie oder Pandemie eintreten würde. Es<br />
gab aber solide Prognosen, dass eine globale<br />
Pandemiewelle eigentlich überfällig sei.<br />
Eine Frage drängt sich auf: Wenn die Verantwortlichen<br />
diese Szenarien doch bereits national<br />
und international mehrfach durchexerziert<br />
haben, und das sogar mit dem richtigen<br />
Virusstamm, wieso wurden dann keine Vorkehrungen<br />
getroffen? Wieso war man dermassen<br />
unvorbereitet? Wieso das aberwitzige<br />
Versagen auf breiter Front? Wieso Analysen<br />
machen, wenn man dann daraus keine Konsequenzen<br />
zieht?<br />
Kolossales Politikversagen<br />
Vulkanologen können auf Basis ihrer Beobachtungsdaten<br />
prognostizieren, dass ein Vulkan<br />
in naher Zukunft ausbrechen wird – aber<br />
nicht, wann genau. Bei schweren Erdbeben<br />
infolge der Plattentektonik ist es das Gleiche.<br />
Daher ist auch die eigentliche Frage immer<br />
die gleiche: Wie gut ist eine Gesellschaft, die<br />
Menschheit als Ganzes auf die Folgen solcher<br />
externen Schocks vorbereitet? Und auch die<br />
Antwort ist jedes Mal erschreckend ähnlich:<br />
Nicht besonders gut. Das gilt auch für den<br />
Ausbruch der Pandemie in Deutschland: Anstelle<br />
gleich nach dem Bekanntwerden des<br />
Ausbruchs in China die Grenzen zu schliessen,<br />
Einreisende zu testen, Flüge aus China zu unterbinden<br />
oder wenigstens die Passagiere<br />
in Quarantäne zu setzen, hat die Bundes-
egierung das Virus im Frühjahr 2020 noch<br />
heruntergespielt. Als die ersten Fälle im Land<br />
auftauchten, riet man von einer Maskenpflicht<br />
noch ab. Wenig später kam sie dann<br />
doch. Benötigte man etwa Zeit, um die<br />
richtigen Deals einzufädeln?<br />
So leger die Bundesregierung noch kurz zuvor<br />
mit Corona umging, so energisch zog sie<br />
Ende März mit dem ersten harten Lockdown<br />
die Notbremse. Den Bürgern wurde im letzten<br />
Sommer von der Politik versichert, dass<br />
sie keinen zweiten Lockdown verhängen<br />
würde und sich diesen ohnehin gar nicht leisten<br />
könne – doch bereits im November hielt<br />
diese Aussage nicht mehr stand. Seither sitzt<br />
Deutschland im ewigen Dauerlockdown.<br />
Wie es so weit kommen konnte? Die Regierung<br />
hat die wertvolle Zeit im Sommer nicht<br />
genützt, um lang- und mittelfristige Strategien<br />
zu entwickeln: Weder hat man genügend<br />
Impfdosen geordert, noch Teststrategien<br />
oder einen Plan entwickelt, wie man die<br />
Risikogruppen sinnvoll schützen könnte. Einen<br />
Öffnungsplan für Geschäfte oder eine Idee,<br />
wie man in Schulen wieder die Schüler unterrichten<br />
können? Fehlanzeige!<br />
Das Versagen der Berufspolitiker während der<br />
Pandemie ist kolossal. Es reiht sich aber leider<br />
in das Gesamtbild der letzten Jahre: Bei jeder<br />
Krise mussten wir ein Scheitern der Politik über<br />
uns ergehen lassen. Egal ob Finanz-, Euro-,<br />
Griechenland-, Flüchtlings- oder Coronakrise:<br />
Auch die Europäische Union hat ein weiteres<br />
Mal unter Beweis gestellt, dass sie in ihrer bestehenden<br />
Verfassung nicht funktioniert. Sie<br />
muss entweder radikal reformiert oder aufgelöst<br />
werden. Die Pandemie offenbart, wie<br />
fragil unser für sicher und stabiles geglaubtes<br />
System eigentlich ist. Und wie viel Inkompetenz,<br />
Vetternwirtschaft, Egoismus, Korruption<br />
und Spaltung sich in den vergangenen<br />
Jahren breit gemacht hat.<br />
Die Zukunft wird dezentral<br />
Ein bisschen leben wir alle nach dem neapolitanischen<br />
Modell – und damit meine ich<br />
jetzt nicht die Mafia! Die Neapolitaner wissen<br />
eigentlich ganz genau, dass sie auf einem<br />
explosiven Vulkan leben. Aber sie tun so, als<br />
würde der Vesuv zu ihren und den Lebzeiten<br />
ihrer Kinder unter keinen Umständen ausbrechen.<br />
Auch die Bewohner der kalifornischen<br />
Küste wissen, dass sie einen der dynamischsten<br />
Wirtschaftsräume der USA genau auf die<br />
Kante zweier Erdplatten gesetzt haben. Aber<br />
es ist eben über 100 Jahre her, dass es da bei<br />
einem verheerenden Erdbeben zum letzten<br />
Mal so richtig katastrophal gerumpelt hat.<br />
Die Verwerfungen unserer Weltwirtschaft, erst<br />
recht unserer Finanzsysteme, treten freilich in<br />
sehr viel kürzeren Zeitabständen zutage. Trotzdem<br />
tun wir so, als würde es nie zu Ausbrüchen<br />
und Beben kommen. Wir müssen endlich<br />
aus der Vergangenheit lernen und die<br />
Fehler im System sofort radikal angehen, anstatt<br />
sie in die Zukunft zu verschieben, wo sie<br />
sich immer weiter auftürmen und immer mehr<br />
an destruktiver Kraft hinzugewinnen.<br />
Mein Vorschlag: Ein neues Geldsystem, ein<br />
neuer verbindlicher Gesellschaftsvertrag, ein<br />
menschliches Wirtschaftssystem und ein komplett<br />
neues Politikwesen. Durch den technischen<br />
Fortschritt, die Digitalisierung und<br />
die künstliche Intelligenz können wir Menschen<br />
in Zukunft immer mehr Aufgaben an<br />
die Hochtechnologie abgeben: Die KI kann<br />
ohne Emotionen oder Korruption anhand von<br />
Daten und Fakten objektivere Entscheidungen<br />
treffen. All das könnte man transparent<br />
auf der Blockchain abbilden und für alle einsehbar<br />
machen.<br />
Wir könnten in Zukunft über jede Entscheidung<br />
via Internet abstimmen, sei es über einen<br />
Brückenbau, den Ausbau einer Strasse oder<br />
den neuen Kindergarten. Der Politik könnten<br />
moderne Technologien endlich beisteuern,<br />
was ihr offenbar immer mehr fehlt: Weitsicht,<br />
Entscheidungsfreude, Integrität und vor allem<br />
Intelligenz. Die KI könnte Vorschläge machen<br />
und parallel die Politiker überwachen. Würde<br />
sich die Politik trotz den Empfehlungen<br />
der KI für den Alleingang entscheiden, dann<br />
müsste sie ihr Abweichen begründen und für<br />
allfällige Fehltritte haften. Ich bin für radikale<br />
Dezentralität, denn sie würde das System stabiler<br />
und nachhaltiger machen. Die Zukunft<br />
ist dezentral: Im Geldwesen (mit Bitcoin), in<br />
der Gesellschaft (durch mündige Bürger und<br />
direkte Demokratie) und in der Politik (durch<br />
Föderalismus, KI und Blockchain). (RED)
LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S62<br />
Impfreaktionen...<br />
Es ist gibt die unterschiedlichsten Reaktionen zum Thema Impfen, immer schon,<br />
nicht erst seit März 2020. Wir haben bisher unser Recht genossen, selbstständig<br />
und eigenverantwortlich darüber zu entscheiden, ob wir uns Impfen lassen wollen.<br />
GASTBEITRAG: DR. MED. SILVIA BERNHUBER<br />
Dr.med. Silvia Bernhuber<br />
Psychotherapeutin<br />
Ärzten und Ärztinnen ist es schon<br />
seit vielen Jahren untersagt, sich<br />
negativ oder gar gegen das Impfen<br />
auszusprechen.<br />
Nun wird dieses Recht sich eigenständig zu<br />
entscheiden, bezüglich der Impfung gegen<br />
COVID- 19 an Bedingungen geknüpft, beziehungsweise<br />
wird das Recht gewisse<br />
Unternehmungen zu tätigen, an die Bedingung<br />
einer Impfung geknüpft. Hier kann<br />
man also nicht mehr von Freiheit sprechen.<br />
Es ist, als ob Mama oder Papa zu dir sagen,<br />
du darfst nur ins Kino, wenn du das Auto geputzt<br />
hast, dein Zimmer nach unseren Kriterien<br />
aufgeräumt hast, du darfst nur auf die Party,<br />
wenn du den Gartenzaun gestrichen hast, du<br />
bekommst den Kuchen nur, wenn du heute<br />
den ganzen Tag nicht „Nein“ zu meinen Anweisungen<br />
sagst, du darfst deine Bedürfnisse<br />
nur ausleben, wenn du brav bist. Wie frei hast<br />
du dich da gefühlt?<br />
Manche Menschen erleben dies als Freiheit,<br />
andere nicht. Ich gehöre zu den Menschen,<br />
die dies als Erpressung und Manipulation<br />
erleben. Hingegen ist eine gut begründete<br />
Bitte den Wunsch der Eltern zu erfüllen, noch
immer meiner freien Entscheidung unterlegen.<br />
Ich selbst habe als Elternteil versucht,<br />
solche Prozesse zu entkoppeln und stattdessen<br />
reife Vorgangsweisen zu wählen. Das war<br />
nicht immer bequem für mich und hat auch<br />
nicht immer meine gewünschten Ergebnisse<br />
erzielt, aber dann durfte ich feststellen,<br />
meine Kinder haben auch durchaus recht mit<br />
ihren Bedürfnissen und Betrachtungsweisen<br />
und ich habe von ihnen gelernt oder einfach<br />
ihren Weg akzeptiert.<br />
Ich habe Bewusstheit statt Folgsamkeit gewählt<br />
und manchmal habe ich es doch mit<br />
kleinen Erpressungen versucht... Es ging sich<br />
meistens nicht aus, meine Kinder waren längst<br />
zu klug dafür oder zu selbstbewusst. Gut oder<br />
schlecht, ich mag das. Auch weil ich es selbst<br />
so schätze, meine Entscheidung eigenständig<br />
treffen zu können und auch diesbezügliche<br />
Fehler zu erfahren.<br />
Manchmal folge ich gerne, den Menschen<br />
meines Vertrauens, Studienergebnissen oder<br />
aus Bequemlichkeit. Manchmal habe ich<br />
mich schon direkt oder indirekt „erpressen“<br />
lassen..., das war immer ein unangenehmes<br />
Gefühl.<br />
Ich in jedem Fall habe meine Kinder nach<br />
reiflicher Überlegung und Recherche kaum<br />
gegen etwas impfen lassen. Bei meinem<br />
Ersten war ich da noch im Medizinstudium<br />
und es war am Rande der Überforderung,<br />
diese Entscheidung zu treffen und doch habe<br />
ich es gemeinsam mit dem Vater getan. Ich<br />
verzichte seitdem auch für mich selbst auf<br />
fast alle Impfungen. Also ist meine aktuelle<br />
Entscheidung jetzt naheliegend.<br />
Mein Jüngerer war letztes Jahr überrascht,<br />
dass er kaum eine Impfung erhalten hatte.<br />
Mir hingegen war nicht klar, dass ihm das<br />
nicht klar war. Nun sind meine Kinder im Alter<br />
der eigenen Entscheidungen. Ich betrachte<br />
es ruhig und Maße mir nicht an, es wissen zu<br />
müssen. Neugierig bin ich grundsätzlich schon<br />
und meine Meinung kennen sie zum Großteil.<br />
Ich bin weder mit Kino noch Essen gehen oder<br />
Reisen erpressbar. Also habe ich Geduld zu<br />
betrachten, wie die Versuche sich weiterentwickeln.<br />
Wer selbst nicht recherchiert, muss /<br />
wird vermutlich folgen. Wir lernen als Gesellschaft<br />
/ Gemeinschaft über Erfahrungen, die<br />
des Einzelnen sowie durch die des Kollektivs.<br />
Letztes Jahr konnten viele Klienten irgendwann<br />
mal kurzfristig nicht in die Therapiesitzung<br />
kommen, da sie K1 waren und gesund<br />
in Quarantäne oder gar nur K2. Heuer kommen<br />
einige der Klient/innen/en irgendwann<br />
nicht, da sie an Impfreaktionen leiden und<br />
deshalb zu Hause bleiben müssen.<br />
Einer meiner Söhne hatte kürzlich das zweite<br />
Mal Corona, ein halbes Jahr nach dem letzten<br />
Infekt. Eine Klientin ist unmittelbar nach der<br />
Impfung seit einer Woche krank. Ein Nachbar<br />
ist seit der Impfung verkühlt, deshalb ginge<br />
er jetzt im Abstand nach mir im Stiegenhaus<br />
hinunter, aber es sei nicht schlimm, sagte er<br />
mir hustend, mit verschnupfter Nase.<br />
Statistik ist eine Welt der Zahlen, als Einzelne<br />
leben wir eher in der Welt der Erfahrungen<br />
und die haben mit Statistik nichts zu tun und<br />
prägen doch unser Bild der Wirklichkeit.<br />
Meine Reaktion auf die Impfung ist Geduld.<br />
Manche warten ungeduldig auf ihre...<br />
Gastbeitrag:<br />
Dr.med. Silvia Bernhuber<br />
Psychotherapeutin in freier Praxis<br />
psychotherapie@silviabernhuber.at<br />
www.silviabernhuber.at
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