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LE-3-2021

LOGISTIK express Ausgabe 3/2021

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LOGISTIK express<br />

Ausgabe 3/<strong>2021</strong><br />

„INVESTITION NACHHALTIGE LOGISTIK“<br />

Im Gespräch mit Post AG Vorstand für Paket & Logistik<br />

Peter Umundum über Innovationen und Investitionen<br />

in und für eine nachhaltige Logistik.<br />

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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong>|S2<br />

WERBEFENSTER<br />

U2


POLITIK WIRTSCHAFT 06<br />

HANDEL ECOMMERCE 10<br />

TRANSPORTLOGISTIK 36<br />

INTRALOGISTIK 44<br />

GEDANKEN TANKEN 60


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S4<br />

6. eCommerce<br />

Logistik- Day<br />

09. September <strong>2021</strong>, Wien<br />

Hybrid Event<br />

Österreichischer Handelsverband<br />

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Medienpartner:


INHALT / EDITORIAL / IMPRESSUM<br />

INHALT 3/<strong>2021</strong><br />

02 Werbefenster [U2)<br />

05 Inhalt / Editorial / Impressum<br />

06 Die Zukunft Europas: nach der Krise ist vor der Krise<br />

08 Die Logistik geht gestärkt aus der Krise hervor<br />

10 Der Weg zurück wird für viele Unternehmer ein steiniger werden<br />

12 Österreichs Handel: Jahresbilanz 2020 & Corona-Prognose <strong>2021</strong><br />

16 Omnichannel Readiness Index <strong>2021</strong>: Handel rüstet digital massiv auf<br />

20 Kontrollen der Online-Giganten sind entscheidend für fairen Wettbewerb<br />

22 Handel leidet, doch kein Ende in Sicht beim E-Commerce-Trend<br />

29 Gelber Riese mit grünem Herzen<br />

36 China Elektromobilität: Aufholjagd deutscher Hersteller im Land der Mitte<br />

40 Datengesteuerte Warenzustellung wird mit 1 Juli <strong>2021</strong> Realität<br />

44 ECOMLOG21 - Pandemie als Entwicklungs-Motor für die Logistik<br />

46 Unermüdlich im Einsatz für Obeta – der AI-gesteuerte Roboter von KNAPP<br />

50 SSI Schäfer liefert automatisierte Lösung für Sicherheitsschuh-Hersteller Sievi<br />

52 DEMATIC - Aus dem richtigen Holz geschnitzt<br />

56 Online-Shop und Ladengeschäft versorgt von einem AutoStore-System<br />

60 Das kolossale Versagen der Politik<br />

3/<strong>2021</strong><br />

NEWS EPAPER APP, JOBS<br />

B2B NETWORK Branchenportal<br />

und ECOMLOG21<br />

sind zur Halbzeit fixiert und<br />

nun gehts gut gelaunt ab<br />

in den Sommer. Freuen<br />

wir uns über die Lockerungen,<br />

die uns die Bundesregierung<br />

ab Juli gewährt!<br />

Wir dürfen tanzen, feiern<br />

und heiraten – nur die 3G-<br />

Regel soll weiterhin dafür<br />

sorgen, dass sich möglichst<br />

viele gesunde Gefährder<br />

impfen lassen (Ironie off).<br />

Lesen Sie jetzt wirtschaftlich<br />

bewegende Themen zu<br />

Industrie, Handel, Umwelt,<br />

Logistik. Bleiben Sie mit<br />

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62 Impfreaktionen...<br />

HANDEL.UMWELT.LOGISTIK<br />

NEWS & ZEITSCHRIFTEN APP<br />

IMPRESSUM:<br />

Redaktion: Angelika Gabor,<br />

Peter Nestler, Dirk Ruppik<br />

Fotos: Getty Images<br />

istockphoto.com<br />

logistik-express.com<br />

umwelt-journal.at<br />

binnenschiff-journal.at<br />

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LOGISTIK EXPRESS / MJR MEDIA<br />

Inhaber, Herausgeber:<br />

Markus Jaklitsch<br />

Hameaustraße 44, 1190 Wien<br />

T: +43 (0)676 7035206<br />

E: info@logistik-express.at<br />

www.logistik-express.com


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S6<br />

Die Zukunft Europas: nach der Krise<br />

ist vor der Krise<br />

Auch wenn die globale Pandemie die Schlagzeilen der letzten Zeit beherrschte,<br />

gibt es noch andere Themen großer Wichtigkeit. Umweltschutz, Migration, Energiewende<br />

und Bildungsmisere sind nur einige davon. Die europäische Zukunftskonferenz<br />

hat als Ziel, Lösungen zu finden und ein geeintes Europa für die nächsten<br />

Generationen zu schaffen. REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />

ANGELIKA GABOR<br />

REDAKTION<br />

LOGISTIK EXPRESS<br />

Am 19. Juni um 9 Uhr fand in Straßburg<br />

die erste Plenarsitzung der „Konferenz<br />

zur Zukunft Europas“ statt.<br />

Wohlgemerkt Europa, nicht EU –<br />

denn nicht erst seit dem Austritt Großbritanniens<br />

ist klar, dass ein wettbewerbsfähiges,<br />

lebenswertes Europa den ganzen Kontinent<br />

betrifft und die EU-Spitze bei Maßnahmen über<br />

ihren eigenen Tellerrand hinausblicken muss.<br />

Detail am Rande: Wer wusste, dass Europa<br />

geographisch gesehen eigentlich gar kein<br />

eigener Kontinent, sondern Subkontinent<br />

von Eurasien ist? Mehr als 700 Millionen Europäer<br />

leben und wirken auf einer Fläche von<br />

rund 10,5 Millionen Quadratkilometern, aufgeteilt<br />

in – je nach Grenzziehung – 46 bis 49<br />

souveräne Staaten. Dagegen muten die<br />

27 EU-Mitgliedsstaaten beinahe mickrig an,<br />

wenngleich sie mehr als 450 Millionen Einwohner<br />

beherbergen. Darum ist eines der<br />

bei der Konferenz behandelten Themen<br />

auch die Integration des Westbalkans in die<br />

EU. Momentan laufen ja Verhandlungen mit<br />

Nordmazedonien, Serbien, Albanien und<br />

Montenegro, mit der Türkei (von der sich lediglich<br />

3 Prozent der Landfläche auf dem europäischen<br />

Teil befinden) nicht mehr wirklich.<br />

An der konstituierenden Sitzung nahmen<br />

rund 400 Abgeordnete, EU-Vertreter, Delegierte<br />

verschiedener Ausschüsse, Sozialpartner<br />

sowie EU-Bürger Teil. Für Österreich dabei:<br />

Europaministerin Karoline Edtstadler (ÖVP)<br />

und Klimaschutzministerin Leonore Gewessler<br />

(Grüne). Der Plan ist, bis Anfang 2022 konkrete<br />

Vorschläge zu erarbeiten, was sich ändern<br />

muss, damit die Union die nächsten Jahrzehnte<br />

erfolgreich erlebt. Sprich wie wir es schaffen<br />

können, die „europäischen Werte“ und<br />

die Demokratie zu bewahren und die Einzelinteressen<br />

der Staaten zu den Themen Außenund<br />

Steuerpolitik, Arbeitsplätze, Klimaschutz<br />

und Reisen unter einen Hut zu bekommen.<br />

Der Haken: Ob und wie sie umgesetzt werden,<br />

entscheiden dann die EU-Staaten und das<br />

Europaparlament, das für seine Reformbereitschaft<br />

weithin bekannt ist… Samstag<br />

kamen jedenfalls gut 150 Redner zu Wort, via<br />

Internetplattform können Menschen sich einbringen<br />

und selbst Diskussionen veranstalten.<br />

Auch Bürgerforen sind geplant, die Vertreter<br />

entsenden können. Am 22. und 23. Oktober<br />

<strong>2021</strong> wird die nächste Plenarversammlung<br />

stattfinden – dann wird sich zeigen, ob großen<br />

Worten auch Taten bzw. konkrete Maßnahmen<br />

folgen. Die Corona-Krise hat jedenfalls<br />

wieder gezeigt, dass sich im Härtefall – Stichwort<br />

Impfstoffbeschaffung – dann doch jeder<br />

selbst der Nächste ist und die Solidarität dort<br />

endet, wo Verzicht beginnt.<br />

Hoffnung für Steyr<br />

Apropos Verzicht: nach dem vorerst gescheiterten<br />

Übernahmeversuch im April kam es nun<br />

doch zu einer Einigung zwischen Investor Siegfried<br />

Wolf und MAN. Bei seinem nachgebesserten<br />

Angebot behalten 1.400 Menschen


ihren Job (statt 1.250), die zusätzlichen 150<br />

Stellen werden über eine extra mit dem Land<br />

Oberösterreich geschaffene Forschungs- und<br />

Entwicklungsgesellschaft abgesichert. Jene<br />

500 Personen, die trotzdem ihren Arbeitsplatz<br />

verlieren, erhalten mehr als ursprünglich geplant.<br />

Sie werden dem deutschen Modell in<br />

der Nettoausgleichszahlung gleichgestellt,<br />

für ältere Mitarbeiter gibt es ein Altersteilzeitmodell<br />

und die 166 Lehrstellen bleiben erhalten.<br />

Dafür bleiben die schon zu Beginn<br />

angestrebten Gehaltskürzungen aufrecht…<br />

Im Gegensatz zu April wird es diesmal (aus<br />

Sicherheitsgründen?) keine Urabstimmung<br />

geben; der Vorstand hat dem Vertrag zugestimmt.<br />

Wer den neuen Arbeitsvertrag<br />

unterzeichnet, nimmt damit die Bedingungen<br />

an und die maximal 15 Prozent Lohnkürzung<br />

(vom Nettolohn) in Kauf. Aber wir wären nicht<br />

in Österreich, wenn sich die Gewerkschaften<br />

– in diesem Falle PRO-GE und GPA – nicht<br />

gleich wieder gemeldet hätten: aus ihrer<br />

Sicht gelten nämlich die bestehenden Arbeitsverträge<br />

auch nach der Übernahme durch<br />

Wolfs WSA. Dass dieser das anders sieht,<br />

liegt auf der Hand. Man wird sehen, wer hier<br />

den längeren Atem hat. Wenn wir ab 2023<br />

neue „Steyr“-Nutzfahrzeuge auf den Straßen<br />

sehen, hat der Wolf gewonnen.<br />

Willkommen in der Schuldenunion<br />

Noch eine aktuelle Nachricht, die ein bisschen<br />

in den Hintergrund getreten ist: die<br />

Euroländer haben erstmals europäische<br />

Staatsanleihen, die Eurobonds, ausgegeben.<br />

Schulden, für die alle Länder gemeinsam<br />

haften, und die aus dem EU-Budget zurückgezahlt<br />

werden (also von Nettozahlern…).<br />

Die Corona-Krise macht’s möglich - Egon<br />

Alfred Klepsch würde sich vermutlich im<br />

Grabe umdrehen, wenn er das wüsste. Eine<br />

der wesentlichen Grundlagen der Europäischen<br />

Union ist – bzw. war, wie es scheint<br />

– die Nichtbeistands- oder No-Bailout-Klausel.<br />

Bei der ersten Auktion Anfang Juni wurden<br />

20 Milliarden Euro eingenommen, die in<br />

den EU-Wiederaufbaufonds fließen. Lange<br />

hatten Österreich und Polen sich dagegen<br />

gewehrt, aber schließlich doch die Zustimmung<br />

erteilt. Schon letzten Juni war der<br />

mit insgesamt 750 Milliarden Euro dotierte<br />

Corona-Hilfsfonds nach zähen Verhandlungen<br />

beschlossen worden, mit den Eurobonds<br />

kann die fröhliche Geldumverteilung starten.<br />

Bis Jahresende sollen Eurobonds um weitere<br />

80 Milliarden Euro ausgegeben werden.<br />

Die siebenfach überzeichneten Emissionen<br />

laufen 10 Jahre. Nun darf sich die EU mit<br />

dem Titel „größter supranationaler Anleiheemittent“<br />

schmücken… ob das positiv ist,<br />

darf jeder für sich selbst beantworten. Immerhin<br />

gibt es strikte Vorgaben zur Verwendung<br />

des Geldes im Rahmen des „Recovery<br />

Plans“: so müssen zumindest 37 Prozent in<br />

Klimaschutzmaßnahmen investiert werden,<br />

weitere 20 Prozent in die Digitalisierung. Bis<br />

April hatten die Mitgliedsländer Zeit, ihre<br />

Pläne an die Kommission zu übermitteln, die<br />

dann in Zukunft den Geldhahn öffnet. Natürlich<br />

wurde dabei von Seiten der Politik mit<br />

Freude verkündet, dass Österreich bis zu 3,5<br />

Milliarden Euro für den Wiederaufbau erhalten<br />

wird. Zum Vergleich: Italien wird im<br />

Laufe der nächsten Jahre voraussichtlich<br />

191,5 Milliarden Euro an Zuschüssen und Darlehen<br />

aus Brüssel erhalten, Deutschland 28<br />

Milliarden.<br />

Während also die einen fleißig über die mögliche<br />

Zukunft Europas debattieren, wird an anderer<br />

Stelle schon fleißig Geld verteilt. Geld,<br />

das streng genommen gar nicht da ist. Geld,<br />

das die nächsten Generationen zurückzahlen<br />

dürfen. Ein jüngst von Finanzminister Gernot<br />

Blümel an seine europäischen Amtskollegen<br />

versendeter Brief mit der Aufforderung,<br />

nach Überwinden der Krise wieder zu den<br />

Fiskalregeln und einer niedrigen Verschuldung<br />

zurückzukehren, blieb bislang eher unbeantwortet.<br />

Laut Eurobarometerbefragung<br />

vom April sehen nur noch 34 Prozent der<br />

Österreicher die EU positiv. Wenn alles so<br />

weiterläuft, sehe ich für die Zukunft des vereinten<br />

Europa schwarz. (AG)


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S8<br />

Die Logistik geht gestärkt aus der<br />

Krise hervor<br />

Die Corona-Pandemie hat unseren privaten und beruflichen Alltag durcheinandergewirbelt<br />

– das gilt auch und besonders bei Entscheidern und Experten in<br />

den Wirtschaftsbereichen Supply Chain-Management und Logistik. BEITRAG: REDAKTION<br />

Ihnen ist es gelungen, trotz aller Einschränkungen<br />

die meisten Versorgungsketten<br />

intakt zu halten, sowohl die der Industrieproduktion<br />

als auch die der Versorgung<br />

der Bevölkerung. Lebensmittel und andere<br />

Waren des täglichen Bedarfs waren immer hinreichend<br />

verfügbar. Die Ausnahmesituation<br />

seit März 2020 hat folglich sichtbar gemacht,<br />

wie wichtig Supply Chain-Management und<br />

Logistik sind, um unser gesellschaftliches und<br />

wirtschaftliches System in Funktion zu halten.<br />

Die Krise war und ist für eine große Chance<br />

für einen Wirtschaftsbereich, der in der Regel<br />

im Schatten von Industrie und Handel steht.<br />

Logistik hat sich emanzipiert, wird endlich<br />

als systemrelevant wahrgenommen und hat<br />

heute einen höheren Stellenwert.<br />

Gleichzeitig wurde deutlich, worauf es in<br />

Wertschöpfungsketten heute und in Zukunft<br />

ankommt, und wo die Schwächen der Systeme<br />

und Supply Chains liegen – zumindest<br />

unter der außergewöhnlichen Belastung<br />

in einer krisenhaften Situation. Prognosesysteme<br />

versagen bei extremen Bedarfsschwankungen,<br />

Wertschöpfungsketten reißen<br />

ab, weil Grenzen geschlossen werden oder es<br />

unterschiedliche, zum Teil widersprüchliche<br />

Regelungen in benachbarten Regionen gibt.<br />

Oder weil Leergut fehlt – oder Container. Produktionslinien<br />

müssen heruntergefahren werden,<br />

weil Halbleiter weltweit knapp werden -<br />

ebenso wie Kunststoffgranulate, Spezialstähle<br />

und Holz. Das sind alles indirekte Folgen<br />

geänderter Bedarfe in Lockdown-Zeiten.<br />

Der Wirtschaftsbereich Logistik ist im Schnitt<br />

mit geringeren Umsatzeinbrüchen durch die<br />

Krise gekommen als andere Bereiche. Mengenvolumina<br />

sind zurückgegangen und logistische<br />

Schwerpunktaktivitäten haben sich<br />

verlagert, aber überwiegend war eine Konti-<br />

nuität des Geschäfts gewährleistet. Zum Teil<br />

erlebten wir sogar eine starke Arbeitsverdichtung<br />

beispielsweise nach Hamsterkäufen,<br />

Nachfragepeaks wie bei Masken oder<br />

Homeoffice-Equipment sowie im KEP-Bereich.<br />

Wenn die Phase der Lockdowns mit all ihren<br />

Beschränkungen zu Ende geht, wird die<br />

Wirtschaft durchstarten, es wird Nachholeffekte<br />

bei Investitionen und Konsum geben<br />

und der Wirtschaftsbereich Logistik wird<br />

in Kürze richtig viel Arbeit bekommen.<br />

Der Logistik-Indikator der BVL für das zweite<br />

Quartal <strong>2021</strong> zeigt großen Optimismus für eine<br />

positive Konjunkturentwicklung.<br />

Die Pandemie hat viele Veränderungen beschleunigt,<br />

die sowieso angestanden hätten.<br />

Unternehmen und Mitarbeiter sind in der Krise<br />

agiler geworden. Das ist im Sinne der Zukunftssicherung<br />

von großer Bedeutung. Resilienz,<br />

Transparenz und Flexibilität sind gefragt.<br />

Digitalisierung und neue Technologien geben<br />

uns dafür Werkzeuge an die Hand, die<br />

gepaart mit neuen Denk- und Arbeitsweisen<br />

zum Erfolg führen werden.<br />

In den Feldern IT-Infrastruktur und Data Analytics<br />

gut aufgestellt zu sein, befähigt Unternehmen,<br />

Volatilitäten zu verstehen und kurzfristig<br />

zu reagieren. BVL.digital und die Frankfurt<br />

University of Applied Sciences haben<br />

Entscheider zu den Erfolgsfaktoren resilienter<br />

Wertschöpfungskette befragt und herausgefunden,<br />

dass digitale Unternehmen besser<br />

durch die Krise kommen und somit resilienter<br />

sind.<br />

Dazu passt, dass 76 Prozent der Befragten angaben,<br />

die Corona-Krise habe den Digitalisierungsprozess<br />

in ihrem Unternehmen beschleunigt.<br />

Um die Resilienz weiter zu stärken, steht<br />

in Industrie und Handel die Verbesserung


des Informations- und Planungsprozesses<br />

mit den Partnern der Supply Chain ganz<br />

oben auf der Prioritätenliste, was wiederum<br />

eine Stärkung der Logistik mit sich bringt.<br />

Einige Logistikdienstleister werden den Charakter<br />

von Softwareunternehmen annehmen<br />

und Plattformen betreiben. Andere werden<br />

sich auf physischen Transport und Lagerung<br />

konzentrieren, dabei aber von der digitalen<br />

Steuerung der Prozesse profitieren. Sehr<br />

bald dürfte sich dies im Handel bewähren.<br />

Kontaktbeschränkungen, Lockdowns und<br />

in der Folge stark verändertes Kundenverhalten<br />

haben die strukturellen Veränderungen<br />

der Handelslandschaft stark beschleunigt.<br />

So wird intelligente Logistik zum<br />

Wettbewerbsvorteil in einer Handelslandschaft,<br />

in der Online- und Offline-Angebote<br />

systematisch strukturell verbunden sind.<br />

Nun müssen die Erkenntnisse genutzt und erkannte<br />

Schwächen in Stärken verwandelt<br />

werden. Denn die Herausforderungen, die<br />

uns schon vor der Corona-Pandemie in Atem<br />

gehalten haben, sind alle noch da. Sie wurden<br />

durch Besonderheiten der Krise nur überdeckt:<br />

Der Brexit und dessen immer deutlicher<br />

spürbaren Folgen, zunehmende nationale<br />

Egoismen, der demographische und der klimatische<br />

Wandel und die Notwendigkeit,<br />

nachhaltig zu handeln. Die Welt hat sich<br />

verändert. Um die Führungsrolle zu halten,<br />

müssen wir uns weiter entwickeln. (RED)<br />

Der Store ist in der Regel schneller als das<br />

Fulfillment-Center. Das Kaufhaus liegt im<br />

Schnitt näher bei den Kunden als das Auslieferungslager.<br />

So sind zum Beispiel 80 Prozent<br />

der Haushalte von den Häusern der Galeria<br />

Karstadt Kaufhof aus in nur 30 Minuten erreichbar.<br />

Eine erfolgversprechende Option<br />

für den Handel dürften also kooperativ gestaltete<br />

integrierte Modelle sein – wie sie in<br />

Deutschland beispielsweise von Zalando<br />

praktiziert werden. Und die Logistik, die bei<br />

dieser Transformation eine entscheidende<br />

Rolle spielt, muss sich auf eine Dezentralisierung<br />

ihrer Lagerflächen sowie kleinteiligere,<br />

kundenindividuellere Transporte einstellen.<br />

PROF. DR.-ING. THOMAS WIMMER<br />

VORSITZENDER DES VORSTANDS,<br />

BUNDESVEREINIGUNG LOGISTIK<br />

(BVL) DEUTSCHLAND E.V.


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S10<br />

Der Weg zurück wird für viele<br />

Unternehmer ein steiniger werden<br />

1,5 Jahre sind seit Ausbruch der Corona-Pandemie vergangen. Mittlerweile –<br />

nach vier harten Lockdowns und einem BIP-Rückgang um 6,6% – wird die langersehnte<br />

Erholung der Wirtschaft spürbar. Die Verbraucherstimmung ist laut<br />

HV Konsumbarometer so gut wie zuletzt im Sommer 2020, die Sparneigung geht<br />

zurück und die Konjunkturerwartung hat sich stabilisiert. Nur die Einkommenserwartung<br />

ist aufgrund der Jobunsicherheit noch im Keller. Der Weg zurück wird<br />

für viele Unternehmer ein steiniger werden, doch zumindest die Richtung stimmt.<br />

BEITRAG: RAINER WILL<br />

Keine Regierung der Welt wusste<br />

am Beginn der Pandemie, wie<br />

man mit diesem neuartigen Virus<br />

am besten umgehen soll. Die<br />

politischen Entscheidungsträger haben ihr<br />

Bestes gegeben, um die Situation schnellstmöglich<br />

unter Kontrolle zu bringen und<br />

Menschenleben zu schützen. Dafür gebührt<br />

ihnen Dank. Natürlich ist nicht alles optimal<br />

gelaufen. Die EU hat etwa durch zögerliche<br />

Entscheidungen beim Impfdosenankauf<br />

viele Chancen verspielt und muss sich nun<br />

selbst rechtfertigen.<br />

Der "Grüne Pass" wird dinächste Bewährungsprobe.<br />

Die Aussicht auf einen Fleckerlteppich<br />

an einzelstaatlichen Regulierungen<br />

erzeugt bei vielen Menschen Unsicherheit.<br />

Daher braucht es ein "Klima der Zuversicht"<br />

nicht nur für die Österreicherinnen und<br />

Österreicher, sondern auch für alle Menschen,<br />

die unser Land als Touristen besuchen<br />

wollen. Eine entscheidende Frage ist<br />

jetzt, wie wir möglichst viele Arbeitsplätze<br />

sichern und neue Jobs schaffen können.<br />

Der Handelsverband empfiehlt hierfür<br />

einen Arbeitsplatz-Sicherungsbonus. Die<br />

jüngsten Öffnungsschritte stimmen optimistisch.<br />

Am 3. Mai durften alle Geschäfte<br />

in ganz Österreich ebenso wie die körpernahen<br />

Dienstleister ihre Pforten wieder<br />

öffnen. Am 19. Mai folgten die Gastronomie,<br />

Hotellerie, Kunst-, Kultur- und Sportstätten.<br />

Ab 10. Juni wurde u.a. die Sperrstunde<br />

in der Gastro von 22 auf 24 Uhr<br />

ausgeweitet, der Mindestabstand von 2<br />

auf 1m reduziert sowie die Quadratmeterregel<br />

in den Geschäften von 20 auf 10 m2<br />

pro Kunde halbiert. Bei aller Euphorie über<br />

die Lockerungen im Inland darf aber nicht<br />

die Abhängigkeit von der Außenwirtschaft<br />

übersehen werden. Mehr denn je spüren<br />

wir die Auswirkungen der Lockdowns<br />

durch stotternde globale Lieferketten und<br />

Produktionskapazitäten.<br />

Egal ob Autoteile, Waschmaschinen oder<br />

Baustoffe – vieles ist derzeit nur schwer nach<br />

Österreich zu bekommen. Auf manche<br />

E-Bikes gibt es bis zu zwei Jahre Wartezeit.<br />

Einer aktuellen Befragung des Handelsverbandes<br />

zufolge sind 75% aller heimischen<br />

Einzelhändler von Lieferengpässen betroffen<br />

und gar 93% aller heimischen Großhändler.<br />

Der Auslöser für diese Beschaffungskrise<br />

war – natürlich – Corona. In Europa läuft die<br />

Produktion teilweise noch immer nicht auf<br />

Hochtouren, auch aus Asien kommt noch<br />

nicht so viel Nachschub wie üblich, weil die<br />

Produkte zuerst im eigenen Land verkauft<br />

werden und die internationalen Zentrallager<br />

leer sind. Chinas Fabriken laufen wieder<br />

auf Vollbetrieb, auch um medizinische<br />

Güter wie Corona-Tests und Schutzmasken<br />

in alle Welt zu exportieren. Auch Laptops<br />

und andere Ausstattung für das Home Office<br />

kommen aus dem Reich der Mitte.<br />

Die Industrieproduktion hat im ersten Quartal<br />

<strong>2021</strong> um ein Viertel angezogen, gleichzeitig<br />

erlebt China zurzeit das stärkste


RAINER WILL<br />

GESCHÄFTSFÜHRER<br />

HANDELSVERBAND<br />

Wirtschaftswachstum seit 30 Jahren.<br />

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde ist<br />

im ersten Quartal um mehr als 18 Prozent<br />

gewachsen. In den meisten europäischen<br />

Ländern konnte die Produktion zuletzt ebenso<br />

wie in Asien wieder halbwegs auf Normalbetrieb<br />

hochgefahren werden. Allerdings ist<br />

eine Ausweitung der Produktionskapazitäten<br />

in so kurzer Zeit schwer möglich. Überdies<br />

müssen die Mitarbeiter in den Industriebetrieben<br />

weiterhin Abstandsregeln einhalten<br />

bzw. Maske tragen. Viele Betriebe mussten<br />

im Zuge der Krise auch Personal abbauen,<br />

Leiharbeitsverträge auslaufen lassen und<br />

viele Arbeitskräfte in Kurzarbeit schicken.<br />

Das alles summiert sich und die Betriebe<br />

können nicht einfach in ein paar Tagen von<br />

0 auf 150 Prozent hochfahren.<br />

Darüber hinaus verzeichnen wir seit Jahresbeginn<br />

stark steigende Rohstoffpreise bei<br />

Metall, Holz und Kunststoff, Engpässe bei<br />

Vorlieferanten, Verzögerungen durch die<br />

Einführung der neuen EU-Energie-Labels<br />

sowie covidbedingte Ausfälle bei internationalen<br />

Fabriken und jüngst den Rückstau<br />

im Suezkanal. Schön langsam zahlt Europa<br />

auch den Preis für die schleppenden Impfprogramme.<br />

Die Wirtschaft ist nämlich in Asien<br />

und in den USA um ein paar entscheidende<br />

Monate früher angesprungen. Wie bei<br />

den Impfstoffen haben diese Länder nun<br />

auch bei der Beschaffung von Rohstoffen<br />

die Nase vorn. Hinzu kommt eine enorm<br />

gestiegene Nachfrage der Kunden nach<br />

Unterhaltungselektronik, Fitnessgeräten,<br />

Küchen und Möbel. Die Verbraucher können<br />

ihr Geld während der Pandemie nicht<br />

für Auslandsreisen, Restaurantbesuche<br />

oder Hotels ausgeben, daher investieren<br />

sie es in die Verschönerung der eigenen<br />

vier Wände. Wo das Angebot gering, die<br />

Nachfrage aber hoch ist – dort steigt der<br />

Preis. Die Kosten für Container haben sich<br />

teilweise verachtfacht. Bis sich alles wieder<br />

normalisiert hat, wird es noch dauern.<br />

Das letzte Jahr hat gezeigt, wie stark die<br />

globale Vernetzung inzwischen ist und wie<br />

schnell die Lieferketten aus dem Gleichgewicht<br />

geraten und sich vereinzelte Störungen<br />

über die unterschiedlichen Wertschöpfungsstufen<br />

bis zum Verbraucher<br />

durchschlagen. Wer jetzt lieferfähig ist das<br />

Geschäft. Das bewegt einige Unternehmen<br />

zum Umdenken – weg von der möglichst<br />

kostengünstigen Beschaffung hin zur<br />

Sicherstellung der Lieferfähigkeit in den<br />

einzelnen Märkten. Und dies bedeutet<br />

hoffentlich am Ende eine Neuausrichtung<br />

der Wertschöpfungsketten und eine Reallokation<br />

der Produktion. (RED)


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S12<br />

Österreichs Handel: Jahresbilanz<br />

2020 & Corona-Prognose <strong>2021</strong><br />

Die privaten Haushaltsausgaben sind im Vorjahr real um 8,2% auf 192,5 Mrd. Euro<br />

geschrumpft. Das Vorkrisenniveau werden wir erst 2024 wieder erreichen. Der<br />

eCommerce-Anteil steigt auf den Rekordwert von 11,2%. Aber: Nur ein Drittel der<br />

Pakete wird im heimischen Onlinehandel bestellt. BEITRAG: GERALD KÜHBERGER<br />

Einzelhandel muss reales Umsatzminus von<br />

1,3% auf 67,6 Mrd. Euro verkraften<br />

2020 sind die Ausgaben der privaten Haushalte<br />

in Österreich von 206,5 Milliarden Euro<br />

um -6,8 Prozent auf 192,5 Milliarden Euro gesunken.<br />

Inflationsbereinigt liegt das Coronabedingte<br />

Minus sogar bei -8,2 Prozent. Der<br />

Rückgang der Ausgaben traf primär den<br />

Dienstleistungs- und Kfz-Sektor. Der Einzelhandel<br />

musste ein reales Umsatzminus von rund<br />

-1,3 Prozent auf 67,6 Milliarden Euro verkraften.<br />

GERALD KÜHBERGER<br />

PRESSESPRECHER<br />

HANDELSVERBAND<br />

Der Handel ist in Österreich einer der<br />

größten Wirtschaftssektoren und<br />

mit 603.000 Beschäftigten zweitgrößter<br />

Arbeitgeber. Der private<br />

Konsum trägt rund 50 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt<br />

bei. Welche Produktgruppen<br />

die Privatausgaben im stationären Einzelhandel<br />

sowie im Distanzhandel 2020 angetrieben<br />

haben und wie stark die Paketvolumina<br />

heimischer KEP-Dienstleister angesichts der<br />

Pandemie und des Online-Shopping-Booms<br />

gestiegen sind, untersucht die brandneue<br />

Jahresbilanz "Österreichs Handel in Zahlen"<br />

von Branchenradar.com Marktanalyse und<br />

Handelsverband. Darüber hinaus liefert die<br />

Studie die erste Corona-Jahresprognose für<br />

das Gesamtjahr <strong>2021</strong>.<br />

"Die Ausgaben der Österreicherinnen und Österreicher<br />

sind im Corona-Jahr 2020 um -8,2<br />

Prozent eingebrochen. Für <strong>2021</strong> erwarten wir<br />

zwar eine leichte Erholung von real +0,5 Prozent,<br />

das Vorkrisenniveau werden wir aber<br />

vermutlich erst 2024 wieder erreichen. Insgesamt<br />

haben uns die Covid-Lockdowns Ausgabenausfälle<br />

von 39 Milliarden Euro gekostet",<br />

erklärt Handelsverband Geschäftsführer Rainer<br />

Will die zentralen Ergebnisse der Studie.<br />

"Die Einkäufe konzentrierten sich im Vorjahr<br />

ganz stark auf In-Home-Produkte. Das Podium<br />

der Top3-Wachstumssieger 2020 bilden<br />

Nahrungsmittel mit +8,6 Prozent, Videospiele<br />

mit +6,7 Prozent, Grünraumprodukte mit +5,4<br />

Prozent. Alle Ausgaben in Zusammenhang<br />

mit sozialen Kontakten und Outdoor- bzw.<br />

Freizeitaktivitäten waren hingegen rückläufig",<br />

ergänzt Studienautor Andreas Kreutzer<br />

von der branchenradar.com Marktanalyse.<br />

Schadensausmaß der Pandemie im<br />

stationären Handel enorm<br />

Auf den ersten Blick scheint es so, als sei<br />

der heimische Einzelhandel mit einem<br />

blauen Auge durch die Corona-Krise gekommen.<br />

Erst bei genauerer Betrachtung der<br />

Zahlen wird klar, wie enorm das Schadensausmaß<br />

der Pandemie tatsächlich ist.


Allein die Umsatzverluste für die "Osterruhe" im<br />

Osten belaufen sich auf 1,95 Milliarden Euro.<br />

Der Onlinehandel konnte einen Teil dieser<br />

Verluste auffangen, allerdings haben davon<br />

insbesondere Webshops aus Drittstaaten wie<br />

Amazon profitiert.<br />

Im Branchenvergleich hat es den stationären<br />

Modehandel mit einem Umsatzeinbruch von<br />

-24 Prozent am schlimmsten getroffen, aber<br />

auch die Wintersportgeräte-, Schmuck- und<br />

Schuhhändler mussten Verluste von weit über<br />

-15 Prozent im Vergleich zu 2019 hinnehmen.<br />

Besonders Händler in Tourismusregionen<br />

und Großhändler, die die Gastronomie<br />

beliefern, haben dramatische Umsatzausfälle<br />

bis hin zu Totalausfällen zu beklagen.<br />

Je kleiner der Betrieb, je weniger digital und<br />

je abhängi-ger vom Tourismus, desto geringer<br />

die Liquiditätsreserven und desto dicker das<br />

Minus. Aktuellen Studien zufolge müssen in<br />

den nächsten zwei Jahren 5.000 bis 10.000<br />

Geschäfte schließen, dadurch sind zehntausende<br />

Jobs gefährdet. "Die mittel- und<br />

langfristigen Schäden werden oft ausgeblendet<br />

oder nicht verstanden. Diese Effekte<br />

werden uns durch Betriebsschließungen, Insolvenzen,<br />

Arbeitslosigkeit und soziale und<br />

psychische Auswirkungen noch jahrelang<br />

begleiten. Daher haben wir immer das Motto<br />

'Leben und Wirtschaften mit dem Virus' geprägt,<br />

dem sich die Politik leider nur zaghaft<br />

angeschlossen hat", bestätigt Will.<br />

Onlinehandel mit +17% dynamisch<br />

Der Distanzhandel befindet sich in Österreich<br />

laut Studie weiterhin auf Wachstumskurs.<br />

"Der Onlinehandel hat im letzten Jahr<br />

erneut an Bedeutung gewonnen. Der Vertriebskanal<br />

generierte während der Pandemie<br />

satte +17 Prozent höhere Privatausgaben.<br />

Damit steigt der eCommerce-Anteil<br />

am gesamten Einzelhandelsumsatz auf den<br />

neuen Rekordwert von 11,2 Prozent", so<br />

Rainer Will.


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S14<br />

Die Studie "Österreichs Handel in Zahlen"<br />

kann auf der Website des Handelsverbandes<br />

bestellt werden:<br />

www.handelsverband.at<br />

Hinzu kommt: Neben den bislang im Onlinehandel<br />

dominierenden Warengruppen<br />

Bekleidung/Schuhe (31,2%), Elektrogeräte<br />

(26,3%) und Bücher (46,8%) wird der eCommerce<br />

für immer mehr Waren zu einem<br />

relevanten Vertriebskanal.<br />

"So erhebt der aktuelle Branchenradar für<br />

2020 substanzielle Zuwächse etwa bei Kunst-<br />

Antiquitäten (+75%), Grünraumprodukten<br />

(+45%), Drogeriewaren (+36%) und Einrichtungsgegenständen<br />

(+40%). Im Lebensmittelhandel<br />

ist Online-Shopping zwar trotz massiver<br />

Investitionen noch eine Nischenangelegenheit,<br />

die Wachstumsdynamik ist allerdings mit<br />

+46% ebenfalls beträchtlich", sagt Andreas<br />

Kreutzer.<br />

Paketlawine wächst um 27%, allerdings wird<br />

nur 1/3 im heimischen Onlinehandel bestellt<br />

Noch stärker als der Distanzhandel hat im<br />

letzten Jahr der sog. KEP Markt (Kurier-, Express-<br />

und Paketdienste) zugelegt. "2019<br />

lag die Zahl der zugestellten Pakete im B2C<br />

Bereich bei 109 Millionen, 2020 ist das Paketvolumen<br />

um unfassbare 27 Prozent auf 139<br />

Millionen Stück angewachsen. Hauptgründe<br />

für die Paketlawine sind neben dem generellen<br />

eCommerce-Boom vor allem überproportional<br />

steigende Teillieferungen und<br />

Retouren.<br />

Der durchschnittliche Paketwert ist hingegen<br />

um 8 Prozent gesunken", bestätigt Kreutzer.<br />

"Der Anteil ausländischer Onlinehändler am<br />

Paketvolumen ist allerdings auf rund 64 Prozent<br />

angestiegen. Nur jedes dritte Paket,<br />

dass die Österreicherinnen und Österreicher<br />

im Onlinehandel bestellen, wird bei heimischen<br />

Webshops gekauft. Das größte Tortenstück<br />

geht an Amazon". Darüber hinaus wird<br />

Österreich nach wie vor mit China-Paketen<br />

geflutet, indem die bestehende 22-Euro-Freigrenze<br />

für Paket-lieferungen aus Drittstaaten<br />

durch asiatische Online-Händler vorsätzlich<br />

ausgenutzt wird. "Das Aus für die 22-Euro-<br />

Freigrenze mit 1. Juli <strong>2021</strong> ist überfällig. Damit<br />

wird die Europäische Union ein 7 Milliarden<br />

Euro großes Steuerschlupfloch für asiatische<br />

Onlinehändler endlich schließen", freut sich<br />

Rainer Will.<br />

Wie der wirtschaftliche Neustart gelingen<br />

wird? Handelsverband gibt 4 Empfehlungen.<br />

Nach mehr als 6,5 Monaten "Lockdown light"<br />

sind die Türen zu Gastronomie, Hotels, Sport-,<br />

Kunst- und Kultureinrichtungen wieder aufgegangen.<br />

Viele Konsumenten haben und<br />

das Angebot gerne angenommen. Auch der<br />

österreichische Handel ist mit der Umsatzentwicklung<br />

seit dem Tag der Öffnung vieler eng<br />

verbundener Branchen am 19. Mai zufrieden.<br />

Für die Händler bedeutet die Rückkehr zu<br />

den normalen Geschäftszeiten die Öffnung<br />

von Gastronomie & Hotellerie sowie ab 1. Juli<br />

die Abschaffung der Quadratmeter-Begrenzung<br />

im Shop einen weiteren Schritt Richtung<br />

Normalität und wirtschaftlichem Comeback.<br />

Je besser es den Hotels, Kaffeehäusern und<br />

Gastwirten geht, desto stärker profitieren<br />

auch die heimischen Geschäfte von steigenden<br />

Besucherzahlen und Impulskäufen.<br />

Wie nachhaltig der Aufschwung im stationären<br />

Handel tatsächlich ist, wird sich allerdings<br />

erst in den kommenden Wochen zeigen.<br />

Die gesamte Branche hofft jetzt auf ein<br />

nachhaltiges "Klima der Zuversicht", indem<br />

sich auch die Einkommenserwartung der<br />

Menschen stabilisiert. Dringenden Handlungsbedarf<br />

für einen erfolgreichen wirtschaftlichen<br />

Neustart sieht der Handelsverband insbesondere<br />

in folgenden vier Bereichen:<br />

Schaffung gleicher und fairer Wettbewerbsbedingungen<br />

in der EU (Fair Commerce)<br />

Jeder weiß, dass der größte Onlinehändler<br />

der Welt kaum Steuern zahlt. Allein in den<br />

letzten 10 Jahren hat Amazon außerhalb<br />

der USA Steuergutschriften in Höhe von 13,4<br />

Milliarden Dollar geltend gemacht. Damit finanziert<br />

Europa mit Steuergeldern die globale<br />

Expansion von Amazon zulasten heimischer<br />

KMU-Händler.


Österreichische Händler müssen unzählige<br />

Zwangsabgaben und hohe Lohnnebenkosten<br />

stemmen, während Amazon vogelfrei agieren<br />

kann. Es braucht eine faire Besteuerung<br />

der Marktteilnehmer.<br />

Senkung der Lohnnebenkosten<br />

Nur in drei Ländern der EU erhalten Durchschnittsverdiener<br />

weniger Nettolohn von ihrer<br />

erwirtschafteten Leistung als in Österreich.<br />

Fast die Hälfte des Arbeitseinkommens landet<br />

hierzulande beim Staat. Daher braucht es<br />

dringend eine Entlastung des Faktors Arbeit<br />

und eine konsequente Senkung der Lohnnebenkosten.<br />

Abschaffung der Mietvertragsgebühr<br />

Wenn man in Österreich ein Geschäft mieten<br />

will, bekommt man bereits Monate vor dem<br />

Umbau einen Bescheid: die Mietvertragsgebühr.<br />

Kleine Händler, die hierzulande eine<br />

Fläche anmieten, müssen Mietvertragsgebühren<br />

zahlen, bei denen das Finanzministerium<br />

oft für fünf Jahre im Voraus ein Prozent<br />

aller Mietkosten kassiert. Damit finanziert sich<br />

der Staat auf dem Rücken von Startups vor,<br />

obwohl nur die Hälfte aller Händler fünf Jahre<br />

nach der Gründung noch bestehen. Die<br />

Abschaffung dieser Papiersteuer aus Maria<br />

Theresias Zeiten ist überfällig.<br />

Über die Studie "Handel in Zahlen"<br />

Branchenradar.com Marktanalyse und Handelsverband<br />

gehen mit der gemeinsamen<br />

Österreich-Studie "Handel in Zahlen" einen<br />

neuen Weg Richtung mehr Information und<br />

Transparenz. Die Studie bietet das präziseste<br />

Bild der Handelslandschaft und der Konsumentenausgaben<br />

in Österreich für die Jahre<br />

2016 bis 2020 sowie eine fundierte Corona-<br />

Prognose für <strong>2021</strong> und geht tief in die einzelnen<br />

Produktgruppen hinein. Zudem wurde der<br />

den Fokus erweitert auf einzelhandelsnahe<br />

Sektoren, da diese zumindest bis zur Corona-<br />

Krise mehr und mehr in angestammte Bereiche<br />

des Handels eingedrungen bzw.<br />

mit dem Handel verschmolzen sind. Insgesamt<br />

wurden 66 Produktgruppen und 14<br />

einzelhandelsrelevante Kategorien definiert.<br />

(RED)<br />

AutoStore<br />

erstklassiger<br />

INTEGRATOR<br />

in Österreich<br />

www.reesinkls.at


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S16<br />

Omnichannel Readiness Index <strong>2021</strong>:<br />

Handel rüstet digital massiv auf<br />

Handelsverband, Google und MindTake präsentieren vierte Ausgabe des<br />

Reports zur Digitalisierung des heimischen Handels. Obi erneut Gesamtsieger.<br />

Thalia State-of-the-art bei Channel Integration. BEITRAG: ISABEL LAMOTTE<br />

RAINER WILL,<br />

GESCHÄFTSFÜHRER<br />

HANDELSVERBAND<br />

„Die Krise hat gezeigt, wie wichtig es ist,<br />

Konsumentinnen und Konsumenten in jeder<br />

Lebenslage und Altersklasse servicieren<br />

zu können. Deshalb haben drei Viertel der<br />

Händler digital aufgerüstet, ein Drittel sogar<br />

massiv. Viele Potentiale sind allerdings<br />

noch zu heben. Die Kundinnen und Kunden<br />

wollen mehr Kommunikation im Vorfeld und<br />

aus gezielten Bezugsmodalitäten wählen<br />

können. Nur 5 Prozent der Händler ermöglichen<br />

es, auf der Produktseite Fragen zum<br />

Produkt stellen zu können, zwei Drittel der<br />

Kundinnen und Kunden wünscht sich das,<br />

ebenso wie die Rückruffunktion, die nach<br />

wie vor nur von 14 Prozent angeboten wird.<br />

81 Prozent der Konsument:innen wollen<br />

die Produkte im Webshop auf eine einzige<br />

Filiale einschränken können, um so gezielt<br />

wie live im Laden shoppen zu können,<br />

doch nur 12 Prozent der Händler nutzen ihre<br />

Bestandsdaten für einen solchen Filter.<br />

ISABEL LAMOTTE<br />

COMMUNICATIONS &<br />

PROJECT MANAGER<br />

HANDELSVERBAND<br />

Omnichannel Retailing im Lockdown?<br />

Ja, mehr denn je! In<br />

Zeiten der immer wieder geschlossenen<br />

Filialen gewinnt<br />

die Kunst, beide Kanäle – on- und offline<br />

– in einem einzigen Kaufvorgang zu verbinden,<br />

erneut an Bedeutung, ist zugleich aber<br />

auch eine zusätzliche Herausforderung:<br />

Wie können Service-Leistungen aus der stationären<br />

Fläche ins Web verlagert werden?<br />

Mit besonderem Fokus auf Corona bedingte<br />

Entwicklungen zeigt der Handelsverband<br />

Benchmark "Omnichannel Readiness<br />

Index <strong>2021</strong>" auf, wie gut die digitalen<br />

und analogen Kanäle 41 wichtiger österreichischer<br />

Einzelhändler:innen verzahnt<br />

sind und wie diese die Herausforderungen<br />

gemeistert haben.<br />

Wann kann ich meine Ware abholen, wenn<br />

ich per Click & Collect bestelle, in 30 min<br />

oder erst in einer Woche? Das vor dem<br />

Kauf zu wissen, ist für drei Viertel der Konsumenten<br />

essenziell, für den Handel jedoch<br />

viel Luft nach oben,“ bilanziert Rainer Will,<br />

Geschäftsführer des Handelsverbandes,<br />

die Ergebnisse des ORI, die der digitale<br />

Benchmark des österreichischen Handels<br />

geworden ist.<br />

Vor allem digitales Marketing: 73% der<br />

Händler:innen haben pandemiebedingt digital<br />

aufgerüstet<br />

Die im Rahmen des Omnichannel Readiness<br />

Index befragten Händler haben enorm<br />

investiert, und zwar in allen Bereichen, von<br />

Kundenservices in den Filialen und im Online-Shop<br />

über Analytics, bis hin zu – selbstredend<br />

im Corona-Jahr – Investitionen in


Methodik<br />

KRITERIEN GEWICHTUNG KATEGORIEN ENDERGEBNIS<br />

DESK RESEARCH<br />

HÄND<strong>LE</strong>RBEFRAGUNG<br />

Mobil-optimierte<br />

Website?<br />

Telefon-Hotline?<br />

Vorauskasse<br />

möglich?<br />

Routenplaner?<br />

Omnichannel-<br />

Organisation?<br />

X-Channel Analytics?<br />

Portfolio &<br />

Preisunterschied?<br />

Treuepunkte<br />

on- und offline<br />

sammelbar?<br />

KUNDENBEFRAGUNG<br />

z.B. für Kunden<br />

sehr wichtig<br />

z.B. für Kunden<br />

wichtig<br />

z.B. für Kunden<br />

wenig relevant<br />

z.B. für Kunden<br />

eher wichtig<br />

Eigene Auswertung,<br />

kein Einfluss auf das<br />

ORI-Gesamtergebnis<br />

Mobile Friendliness<br />

Transparenz & Vertrauen<br />

Personalisierung, Loyalty<br />

& Sharing<br />

Flexible<br />

Kontaktmöglichkeiten<br />

Payment, Fulfillment &<br />

Returns<br />

Wegweiser in die Filiale<br />

Channel Integration<br />

Gesamtscore<br />

=<br />

Omnichannel<br />

Readiness Index<br />

(ORI)<br />

9<br />

Sichtbarkeit, SEO und digitalem Marketing<br />

im Kampf um die digitale Gunst der Konsumenten.<br />

90 Prozent der befragten Händler und Hänlerinnen<br />

nutzen nun CRM-Daten für personalisierte<br />

Werbung und knapp zwei Drittel<br />

setzen auf programmatisches Marketing.<br />

Mehr als die Hälfte setzt auf zusätzliche<br />

Vertriebskanäle. Genannt werden hier<br />

Marktplätze wie Shöpping, Kaufdaheim,<br />

Amazon oder Zalando, aber auch Produktfinder<br />

und Preisvergleichsplattformen wie<br />

Google Shopping, Idealo, Geizhals oder<br />

Ladenzeile. Beachtlich ist laut Händlerbefragung<br />

auch die Nutzung der beiden Online-to-Store<br />

Produkte von Google: Local<br />

Inventory Ads (von 57% der befragten<br />

Händler genutzt) zeigen den Filialbestand<br />

in der Suchmaschine an, Local Campaigns<br />

(von 41% der befragten Händler genutzt)<br />

ermöglichen den „Branded Pin“ auf<br />

Google Maps, also die „Stecknadel“ mit<br />

Firmen-Logo.<br />

"Das Wachstum im E-Commerce und in der<br />

Online-Recherche ist stark getrieben durch<br />

ältere Internetnutzer, die in den letzten<br />

Monaten zum ersten Mal online eingekauft<br />

haben. 90 Prozent dieser sogenannten Silver<br />

Surfer (> 55 Jahre) planen dies auch<br />

nach der Krise zu tun. Ein weiterer Grund<br />

für alle österreichischen Händlerinnen und<br />

Händler, ihre Online-Präsenz nachhaltig<br />

auszubauen,“ sagt Judith Dobretzberger,<br />

Retail Lead Google Austria.


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S18<br />

Corona als Innovationstreiber: 93% der<br />

Händler haben neue Services eingeführt<br />

oder geplant<br />

Aber auch die kundenorientierten Services<br />

wurden im Zuge der Krise erweitert, geboren<br />

aus der Not und mit viel Kreativität:<br />

Corona (Care) Pakete, kontaktlose Abhol-,<br />

Zahl- und Zustellmöglichkeiten, Terminvereinbarungen<br />

für Click & Collect, Beratungen<br />

per Videocall oder Live-Chat aus der<br />

Filiale heraus, Scan & Go, Call & Collect,<br />

Gratis-Lieferung im Lockdown und garantierte<br />

Lieferzeitfenster für Menschen in<br />

Quarantäne sind nur einige der zahlreichen<br />

neuen Services.<br />

Top Kundenwünsche: Tag der Lieferung,<br />

Frage stellen zum Produkt, Check der Warenverfügbarkeit<br />

Die Konsumentenwünsche haben sich im<br />

Krisenjahr weniger verändert als man hätte<br />

annehmen können. Immanent wichtig ist<br />

nach wie vor die Gratis-Zustellung, eine<br />

auch in Krisenzeiten verlässliche Angabe<br />

der Öffnungszeiten, der direkte telefonische<br />

Kontakt zur Filiale via Filialfinder im<br />

Webshop und/oder Google Maps, der<br />

Check der Warenverfügbarkeit in der<br />

Filiale, eine komfortable Produktsuche mit<br />

Filtern, Transparenz im Kaufvorgang und<br />

maximale Flexibilität bei Abholung, Zustellung,<br />

Payment und Retoure.<br />

Konsument:innen suchen die Nähe zum<br />

Händler – ein Wunsch mit Potenzial<br />

Ein deutlicher Anstieg um 14% ist allerdings<br />

beim Live-Chat zu verzeichnen, diesen<br />

wünschen sich inzwischen 32% der Konsumenten,<br />

um mit ihrem Händler in Kontakt<br />

treten zu können. Aber nicht nur auf diesem<br />

Weg: Zwei Drittel der Konsumenten<br />

würden gerne auf der Produktseite Fragen<br />

zum Produkt stellen können, nur 5 Prozent<br />

der Händler:innen bieten dies an. Auch die<br />

Rückrufanfrage beim Händler ist ein vom<br />

Handel weitestgehend unerfüllter Wunsch.<br />

Die ORI 4.0 Diskrepanz-Analyse deckt aber<br />

noch weitere Potenziale auf. Ein technisch<br />

relativ leicht umzusetzendes Service, den<br />

sich jeder dritte Kunde wünscht: Den Warenkorb<br />

per Email oder Social Media zu teilen<br />

– dieses Service offeriert keiner der Händler<br />

im Set. Komplizierter aber mit enormem Potenzial<br />

ist der Wunsch der Konsument:innen,<br />

den genauen Tag der Lieferung zu kennen.<br />

Das ist für 80% wichtig, doch nur 17% der<br />

Händler haben mit ihren jeweiligen Last-<br />

Mile-Logistikern den Service entsprechend<br />

ausverhandelt. Auch vermehrtes Picking<br />

aus der Filiale sollte vom Handel in Erwägung<br />

gezogen werden, denn drei Viertel<br />

der Konsumenten erwarten zu wissen, wann<br />

die Click & Collect Ware abholbereit ist –<br />

und das, bevor die Bestellung platziert wird.<br />

Obi erneut an der Spitze, Thalia State-ofthe-art<br />

im Bereich Channel Integration<br />

Den ORI-Gesamtsieg hat sich dieses Jahr erneut<br />

Obi gesichert, nur einen Prozentpunkt<br />

weniger erzielen die Zwillingsshops Kastner<br />

& Öhler und Gigasport.<br />

Der Omnichannel Readiness Index bringt<br />

aber auch Kategorie-Sieger hervor. Thalia<br />

beispielsweise hat 100% im Bereich „Channel<br />

Integration“ erreicht. Der Buchhändler<br />

ist also Best-in-Class und State-of-the-art in<br />

der Omnichannel-Königsklasse: Maximale<br />

Flexibilität bei der Kaufabwicklung, und das<br />

völlig vertriebskanalunabhängig und nahtlos,<br />

Click & Collect, Reserve & Collect, Retoure<br />

online bestellter Waren in der Filiale,<br />

Abholstationen für 24/7 Abholung, rasche<br />

Bereitstellung der Click & Collect Waren,<br />

und dies stets kostenlos.<br />

Diese Händler:innen legen die Messlatte -<br />

ORI Branchensieger<br />

• Wohnen, Einrichten,<br />

Heimwerken & Garten: Obi (81%)<br />

• Freizeit & Sport: Gigasport (80%)<br />

• Generalisten: Kastner & Öhler (80%)<br />

• Bücher & Papierbedarf: Thalia (74%)<br />

• Computer & Elektro(nik):<br />

Media Markt (73%)<br />

• Fashion & Accessoires:<br />

Peek & Cloppenburg (73%)<br />

• Drogerie: Bipa (72%)<br />

• Lebensmitteleinzelhandel: Billa (72%)


ORI Kategoriesieger<br />

• Transparenz & Vertrauen:<br />

Decathlon (84%)<br />

• Personalisierung, Loyalty und Sharing:<br />

dm drogerie markt (81%)<br />

• Flexible Kontaktmöglichkeiten:<br />

Kastner & Öhler, Gigasport (86%)<br />

• Payment, Fulfillment & Returns:<br />

Kastner & Öhler, Gigasport (84%)<br />

• Wegweiser in die Filiale:<br />

Interspar, Hartlauer (99%)<br />

• Channel Integration: Thalia (100%)<br />

Die Studien und Benchmarks des Handelsverbandes<br />

werden den Handelsverband<br />

Mitgliedern kostenfrei zugestellt. Für KMU<br />

Händler ist die Mitgliedschaft im Rahmen<br />

von www.kmu-retail.at kostenfrei.<br />

Studie und Methodik<br />

Für die Studie „Der Handelsverband Omnichannel<br />

Readiness Index“ wurden im<br />

März/April <strong>2021</strong> ausgewählte Omnichannel-Händler:innen<br />

anhand von rund 100<br />

Kriterien mittels Desk Research analysiert.<br />

Zeitgleich wurden weitere Kriterien per<br />

Händlerbefragung (Computer Assisted<br />

Web Interviews) erhoben. Die Kriterien aus<br />

dem Desk Research fließen in sieben verschiedene<br />

Kategorien ein. Zusätzlich wurde<br />

in einer repräsentativen Onlinebefragung<br />

unter 1.000 ÖsterreicherInnen, die zumindest<br />

alle 6 Monate im Internet bestellen,<br />

die Wichtigkeit der Kriterien für Kunden erhoben.<br />

Wichtige Kriterien flossen dadurch<br />

mit einem höheren Gewicht in die Berechnung<br />

ein, unwichtige Kriterien beeinflussen<br />

das Ergebnis dagegen weniger – belohnt<br />

wird also nicht nur das Vorhandensein<br />

von Omnichannel-Features, sondern auch<br />

die Bereitstellung der für den Konsumenten<br />

wertvollen Services. Der Kriterienkatalog<br />

geht von einem idealen Omnichannel<br />

Angebot aus, das nach heutigen Standards<br />

umsetzbar wäre. Bei der Analyse<br />

kann ein Händler maximal 100% erreichen.<br />

Der Kriterienkatalog wurde vom Handelsverband<br />

in Kooperation mit Google und<br />

MindTake erarbeitet. Die Kriterien wurden<br />

<strong>2021</strong> im Vergleich zu 2020 adaptiert und um<br />

zusätzliche Omnichannel-Kriterien ergänzt.<br />

(RED)<br />

Mit einem AutoStore-System von Element Logic<br />

konnte der Online-Händler eXXpozed nicht nur seine<br />

Lagerkapazität vervielfachen, sondern auch seine<br />

Lagerprozesse hinsichtlich Zuverlässigkeit und Effizienz<br />

erheblich optimieren.<br />

Die Zusammenarbeit mit Element Logic<br />

hat in jeder Hinsicht dazu beigetragen, die<br />

Kundenzufriedenheit zu steigern und unsere<br />

Marktposition weiter auszubauen.<br />

Es war für uns die bisher beste Entscheidung in<br />

Bezug auf effizientes und ressourcenoptimiertes<br />

Lagermanagement und garantiert uns<br />

Zukunftssicherheit und nachhaltige<br />

Wachstumschancen.<br />

Andreas Oliver Bindhammer,<br />

Gründer und Geschätsführer<br />

von eXXpozed<br />

OPTIMIZING WAREHOUSE PERFORMANCE<br />

www.elementlogic.de


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S20<br />

Kontrollen der Online-Giganten sind<br />

entscheidend für fairen Wettbewerb<br />

Der Handelsverband fordert eine Plattformhaftung für die Verpackungsentpflichtung,<br />

den Schutz der Verbraucher vor Fake-Produkten und eine globale Mindeststeuer<br />

ohne Schlupflöcher. BEITRAG: GERALD KÜHBERGER<br />

Handel fordert level playing field<br />

Um langfristig faire Wettbewerbsbedingungen<br />

mit großen Plattformen wie Amazon<br />

zu erreichen, müssen diese stärker in die<br />

Pflicht genommen werden. Der Handelsverband<br />

hat hierzu zwei Ansätze entwickelt,<br />

die einerseits den Verbraucherschutz vor<br />

Produktfälschungen und andererseits die<br />

Teilnahme asiatischer Händler bei Sammelund<br />

Verwertungssystemen betreffen. In<br />

beiden Fällen wäre eine Plattformhaftung<br />

wichtig, um gleiche Wettbewerbsbedingungen<br />

zu schaffen.<br />

GERALD KÜHBERGER<br />

PRESSESPRECHER<br />

HANDELSVERBAND<br />

Der Handelsverband dankt dem<br />

Finanzministerium für die jüngsten<br />

Schwerpunktkontrollen der<br />

Finanzpolizei und der Taskforce<br />

SOLBE bei heimischen Amazon-Partnerunternehmen.<br />

Die österreichische Hartnäckigkeit<br />

im Kampf für fairen Wettbewerb<br />

und gegen Lohn- und Sozialdumping<br />

zeigt offenkundig Wirkung. Nachdem bei<br />

Kontrollen im Vorjahr noch massive Verstöße<br />

festgestellt worden waren, verhalten<br />

sich die Paketzusteller des weltgrößten<br />

Online-Händlers hierzulande nun korrekt.<br />

Diese Schritte wurden auch von den heimischen<br />

Händlern beim eCommerce Day in<br />

Wien begrüßt. "Regeln müssen für alle gelten,<br />

sonst bleiben sie Makulatur. Die Ergebnisse<br />

der jüngsten Schwerpunktkontrollen<br />

des BMF stimmen uns zuversichtlich, allerdings<br />

dürfen die Behörden hier nicht locker<br />

lassen", sagt Rainer Will, Geschäftsführer<br />

des Handelsverbandes.<br />

1. Plattformhaftung für Verpackungsentpflichtungen<br />

Fernabsatzhändler aus dem EU-Ausland<br />

und Drittstaaten sind zwar zur Entpflichtung<br />

von Verpackungen verpflichtet, doch die<br />

Realität sieht anders aus: Vor allem Online-Händler<br />

aus dem asiatischen Raum<br />

nehmen an keinem Sammel- und Verwertungssystem<br />

teil und entrichten somit auch<br />

kein Entpflichtungsentgelt. "Die Folge ist,<br />

dass es zu einer Umverteilung kommt und<br />

ausschließlich österreichische Händlerinnen<br />

und Händler belastet werden. Wir empfehlen<br />

daher eine verstärkte Inpflichtnahme<br />

von Plattformen - vergleichbar zur geplanten<br />

Regelung in Deutschland. Das wäre ein<br />

entscheidender Schritt zu mehr Wettbewerbsfairness",<br />

ist Rainer Will überzeugt.<br />

2. Schutz der Verbraucher vor<br />

Produktfälschungen aus Drittländern<br />

Sowohl für österreichische eCommerce-<br />

Akteure als auch für Verbraucher ist es wichtig,<br />

dass weitere Maßnahmen zum Schutz<br />

vor Produktfälschungen und nicht-EU-konformen<br />

Produkten aus Drittländern getroffen<br />

werden. Obwohl alle Produkte, die auf den<br />

EU-Markt gebracht werden, den europäischen<br />

Gesetzen entsprechen müssen, hat


es sich als massive Herausforderung erwiesen,<br />

sicherzustellen, dass alle Verkäufer mit<br />

Sitz außerhalb der EU die europäischen Produktsicherheits-<br />

und Verbrauchergesetze<br />

tatsächlich einhalten. "Mehr als 90 Prozent<br />

der Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten<br />

von den großen Online-Marktplätzen,<br />

dafür zu sorgen, dass sich alle Plattform-Händler<br />

an die Regeln der EU halten.<br />

Die Realität schaut allerdings ganz anders<br />

aus. Fast zwei Drittel der Konsumentinnen<br />

und Konsumenten sind bereits<br />

auf illegale Inhalte und Produkte im<br />

Netz gestoßen. Daher müssen wir jetzt<br />

beim EU 'Digital Services Act' ansetzen.<br />

Online-Marktplätze sollen selbst wie Vertragspartner<br />

haften, wenn sie auch faktisch<br />

als Vertragspartner auftreten oder einen<br />

entscheidenden Einfluss auf die Anbieter<br />

ausüben", so Will.<br />

brauchen diese Regelung so rasch wie<br />

möglich, allerspätestens bis Ende des<br />

Jahres. Die Zeit der Ausreden ist vorbei.<br />

Die Zeit der Steuerschlupflöcher ist vorbei.<br />

Alle müssen jetzt ihren Teil zur Finanzierung<br />

der Corona-Krisenkosten beitragen, auch<br />

die großen Steuervermeider aus Fernost<br />

und Übersee. Der Handelsverband steht<br />

hierzu im laufenden Austausch mit der<br />

Politik. (RED)<br />

3. Einführung einer globalen Mindeststeuer<br />

ohne Schlupflöcher<br />

Um heimische Händlerinnen und Händler<br />

gezielt zu stärken, müssen allerdings<br />

auch auf steuerrechtlicher Ebene faire<br />

Bedingungen geschaffen werden. Jeder<br />

weiß, dass der größte Onlinehändler<br />

der Welt kaum Steuern zahlt. Allein in den<br />

letzten 10 Jahren hat Amazon außerhalb<br />

der USA Steuergutschriften in Höhe von 13,4<br />

Milliarden Dollar geltend gemacht. Damit<br />

finanziert Europa mit Steuergeldern die<br />

globale Expansion von Amazon zulasten<br />

heimischer KMU-Händler.<br />

Österreichische Handelsbetriebe müssen<br />

unzählige Zwangsabgaben und hohe<br />

Lohnnebenkosten stemmen, während<br />

Amazon vogelfrei agieren kann. An einer<br />

globalen Mindeststeuer von zumindest<br />

15 Prozent führt kein Weg vorbei. Wir<br />

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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S22<br />

Handel leidet, doch kein Ende in Sicht<br />

beim E-Commerce-Trend<br />

Die neue Studie „Österreichs Handel in Zahlen" des Handelsverbands zeigt große<br />

Verluste im letzten Jahr bei gleichzeitig massiv gestiegenem e-Commerce-Anteil.<br />

Auch <strong>2021</strong> bescheren Corona-Maßnahmen dem stationären Handel Einbußen,<br />

während der Distanzhandel boomt. Zu dumm, dass am Onlinekuchen vor allem<br />

ausländische Profiteure naschen. REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />

ANGELIKA GABOR<br />

REDAKTION<br />

LOGISTIK EXPRESS<br />

Studienautor Andreas Kreutzer, Geschäftsführer<br />

der Marktanalyse-Plattform<br />

Branchenradar.com, bringt es<br />

auf den Punkt: „Die gesetzlichen<br />

Maßnahmen im Zuge der Pandemie waren<br />

so konfiguriert, dass vorrangig der private<br />

Konsum eingeschränkt wurde.“ Bedenkt<br />

man, dass eben dieser private Konsum<br />

rund 50 Prozent zum BIP beiträgt, kann<br />

man sich ausrechnen, welch immensen<br />

Schaden die Wirtschaft dadurch nimmt.<br />

In Zahlen ausgedrückt: der kumulierte Verlust<br />

im Lockdown liegt bei 39 Milliarden Euro – die<br />

privaten Haushaltsausgaben sind 2020 real<br />

um 8,2 % von 206,5 Milliarden Euro auf 192,5<br />

Milliarden Euro geschrumpft. Besonders Leidtragende<br />

dabei waren der Dienstleistungsund<br />

der Kfz-Sektor. Mit dem Erreichen des Vorkrisenniveaus<br />

wird frühestens 2024 gerechnet,<br />

für <strong>2021</strong> wird ein leichtes Plus von 0,5 % erwartet.<br />

Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands<br />

Österreich: „Der e-Commerce-Anteil<br />

stieg in diesem Zeitraum auf einen Rekordwert<br />

von 11,2 %.“ Leider mit einem Schönheitsfehler,<br />

denn nur ein Drittel der Pakete wird im<br />

heimischen Onlinehandel bestellt. Eindeutige<br />

Situationsgewinner nach Branchen waren


2020 In-Home-Produkte. Aufs Sieger-Treppchen<br />

beim Wachstum dürfen demnach Nahrungsmittel<br />

mit +8,6 Prozent, Videospiele mit<br />

+6,7 Prozent und Grünraumprodukte mit 5,4<br />

Prozent. Weil wenn man schon zu Hause sitzt,<br />

möchte man es schön haben, gut essen und<br />

mit Spielen die Zeit totschlagen. Kreutzer:<br />

„Alle Ausgaben in Zusammenhang mit sozialen<br />

Kontakten und Outdoor- bzw. Freizeitaktivitäten<br />

waren hingegen rückläufig.“<br />

Blaues Auge oder doch k.o.?<br />

Von den rund 40.000 Einzelhandelsunternehmen,<br />

die es in Österreich vor der Corona-<br />

Krise gab, haben rund 85 % etwa ein Drittel<br />

Umsatzverlust hinnehmen müssen. Hinzu<br />

kommt, dass drei Viertel aller heimischen<br />

Händler für <strong>2021</strong> weitere Verluste erwarten.<br />

Trotz Hilfen der Regierung wird es Opfer geben:<br />

„Ich rechne damit, dass 5.000 Unternehmen<br />

oder mehr schließen müssen, da sie<br />

durch die Krise einen zu großen Schuldenrucksack<br />

herumschleppen“, befürchtet Will,<br />

„Im Juni wartet mit den doppelten Gehältern<br />

eine riesige Hürde, die es zu überwinden gilt.“<br />

Nicht zu vergessen, die Zehntausenden Arbeitsplätze,<br />

die an diesen Unternehmen direkt<br />

und indirekt hängen. Durch das Ende<br />

des Lockdowns kann der Ausfall pro Woche<br />

um rund 100 Millionen reduziert werden, aber<br />

das System ist vulnerabel. Die „Osterruhe“ im<br />

Osten beispielsweise bescherte der Branche<br />

knackige 1,95 Milliarden Euro Umsatzverlust,<br />

weshalb der Handel vor erneuten Beschränkungen<br />

zittert.<br />

Am schlimmsten betroffen: der stationäre<br />

Modehandel, der auf der Saisonware<br />

sitzenblieb. Aber auch Wintersportgeräte-,<br />

Schmuck- und Schuhhändler mussten<br />

herbe Verluste verkraften. Gastronomie-Zulieferbetriebe<br />

verzeichneten teils Totalausfälle.<br />

„Je kleiner der Betrieb, je weniger digital und<br />

je abhängiger vom Tourismus, desto geringer<br />

die Liquiditätsreserven und desto dicker das<br />

Minus“, fasst Kreutzer zusammen.<br />

Nutznießer Onlinehandel<br />

„Der Lockdown ist ein Amazon-Förderprogramm“,<br />

seufzt Will – und hat damit leider<br />

den Nagel auf den Kopf getroffen. Laut Finanzministerium<br />

legte der Umsatz in Österreich<br />

registrierter, ausländischer Onlinehändler<br />

(wie Amazon) und Versandhandelsfirmen<br />

um 30 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro zu.<br />

Ohne eigene, nationale Betriebsstätte zahlen<br />

diese Firmen dafür genau Null Euro Gewinnsteuern<br />

– ein unfairer Wettbewerbsvorteil,<br />

den es zu beseitigen gilt. Gemessen am gesamten<br />

Einzelhandelsumsatz beträgt der Anteil<br />

des e-Commerce 11,2 %.<br />

Neue Warengruppen erobern das Internet:<br />

substanzielle Zuwächse bei Kunst und Antiquitäten<br />

(+75%), Einrichtungsgegenständen<br />

(+40%) und Grünraumprodukte (+45%) ergänzen<br />

die bereits klassisch starken Produkte<br />

wie Bekleidung, Schuhe, Bücher und Elektrogeräte.<br />

„Im Lebensmittelhandel ist Online-<br />

Shopping zwar trotz massiver Investitionen<br />

noch eine Nischenangelegenheit, die Wachstumsdynamik<br />

ist allerdings mit +46% ebenfalls<br />

beträchtlich", sagt Andreas Kreutzer.<br />

Paketflut aus dem Ausland<br />

All die bestellten Waren wollen und sollen<br />

natürlich auch zugestellt werden. Auf den<br />

aufgrund des Lockdowns eigentlich leeren<br />

Straßen tummelten sich vermehrt KEP-Dienstleister.<br />

Während im Jahr 2019 noch rund 109<br />

Millionen B2C Pakete zugestellt wurden, stieg<br />

das Paketvolumen im Jahr 2020 um unfassbare<br />

27 % auf 139 Millionen Stück! Doch nicht nur<br />

der generelle Online-Shopping-Boom, auch<br />

Retouren und überproportional steigende<br />

Teillieferungen sorgten für die Packerllawine.<br />

„Der durchschnittliche Paketwert ist hingegen<br />

um 8 % gesunken“, bestätigt Kreutzer.<br />

Weiterer Wermutstropfen: „Der Anteil ausländischer<br />

Onlinehändler am Paketvolumen ist<br />

auf rund 64 % angestiegen. Nur jedes dritte<br />

Paket, das die Österreicherinnen und Österreicher<br />

im Onlinehandel bestellen, wird bei heimischen<br />

Webshops gekauft“, rechnet Will vor.<br />

Hinzu kommt die Paketflut aus China über<br />

Plattformen wie Wish oder Alibaba. „Hier wird<br />

die bestehende 22-Euro-Freigrenze für Paketlieferungen<br />

aus Drittstaaten durch asiatische<br />

OnlineHändler vorsätzlich ausgenutzt“,<br />

ärgert sich Will. Doch das hat bald ein Ende,<br />

denn diese Freigrenze fällt per 1. Juli <strong>2021</strong>.


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S24<br />

Sehr zur Freude des Handelsverband-Chefs:<br />

„Damit wird die Europäische Union ein 7 Milliarden<br />

Euro großes Steuerschlupfloch für asiatische<br />

Onlinehändler endlich schließen.“<br />

Land in Sicht<br />

Mit dem Ende des Lockdowns kehrte wieder<br />

eine gewisse Normalität ein – wenngleich<br />

Maskenpflicht, quadratmeterabhängige Begrenzungen<br />

und andere Beschränkungen<br />

die Freude ein wenig trüben. Die Öffnung<br />

der Gastronomie war besonders wichtig: Je<br />

besser es den Hotels, Kaffeehäusern und<br />

Gastwirten geht, desto stärker profitieren<br />

auch die heimischen Geschäfte von steigenden<br />

Besucherzahlen und Impulskäufen. Die<br />

gesamte Branche hofft jetzt auf ein nachhaltiges<br />

"Klima der Zuversicht", indem sich auch<br />

die Einkommenserwartung der Menschen stabilisiert<br />

– aktuell sinken jedenfalls die Arbeitslosenzahlen.<br />

Handlungsempfehlungen<br />

Aus den Gesprächen mit den Verbandsmitgliedern<br />

und der langjährigen Erfahrung hat<br />

der Handelsverband Bereiche definiert, in<br />

denen besonders dringender Handlungsbedarf<br />

besteht, wenn Österreichs Handel<br />

einen wirtschaftlich erfolgreichen Neustart<br />

hinlegen soll. Dazu zählt das Schaffen gleicher<br />

und fairer Wettbewerbsbedingungen in<br />

der EU (Fair Commerce), beispielsweise durch<br />

ein Schließen von Steuerparadiesen.<br />

Eine weitere wichtige Forderung: Die Senkung<br />

der Lohnnebenkosten. In lediglich drei<br />

Ländern der EU erhalten Durchschnittsverdiener<br />

weniger Nettolohn von ihrer erwirtschafteten<br />

Leistung als in Österreich! Auch<br />

die Mietvertragsgebühr ist dem Handelsverband<br />

ein Dorn im Auge. „Wenn man<br />

in Österreich ein Geschäft mieten will, bekommt<br />

man bereits Monate vor dem Umbau<br />

einen Bescheid: die Mietvertragsgebühr.<br />

Kleine Händler, die hierzulande eine Fläche<br />

anmieten, müssen Mietvertragsgebühren<br />

zahlen, bei denen das Finanzministerium oft<br />

für fünf Jahre im Voraus ein Prozent aller Mietkosten<br />

kassiert. Damit finanziert sich der Staat<br />

auf dem Rücken von Startups vor, obwohl nur<br />

die Hälfte aller Händler fünf Jahre nach der<br />

Gründung noch bestehen. Die Abschaffung<br />

dieser Papiersteuer aus Maria Theresias Zeiten<br />

ist überfällig“, erklärt Will die Forderung.<br />

Die Studie zeigt auch, dass noch eine große<br />

Verunsicherung herrscht, wie die Zukunft aussehen<br />

wird, wenngleich das Konsumbarometer<br />

positiv stimmt: weniger sparen und mehr<br />

Geld für Gastronomie und Reisen sind geplant.<br />

Bleibt zu hoffen, dass bei neuerlichen<br />

Hotspots im Herbst – mit denen leider realistischer<br />

Weise zu rechnen ist – bei Lockdowns<br />

differenzierter vorgegangen wird. Denn<br />

wenn es wieder zu langfristigen kompletten<br />

Schließungen kommt, werden viele Unternehmen<br />

nicht mehr zu retten sein.<br />

Digitales Aufrüsten in vollem Gange<br />

Der aktuelle Omnichannel Readiness Index<br />

(ORI) <strong>2021</strong> des Handelsverbands in Kooperation<br />

mit Google und MindTake beweist, dass<br />

der österreichische Handel massiv in die Digitalisierung<br />

investiert. Bei der vierten Ausgabe<br />

des Berichts lag der Fokus auf den Entwicklungen<br />

während der Corona-Krise. Es zeigt sich,<br />

dass durch den Lockdown und das dadurch<br />

bedingte Schließen des stationären Handels<br />

Serviceleistungen vermehrt ins Web verlagert<br />

und somit digitale und analoge Kanäle<br />

stärker verzahnt wurden.<br />

Bei der repräsentativen Studie, in deren Rahmen<br />

41 wichtige heimische Einzelhändler<br />

ebenso befragt wurden wie 1.000 Österreicher,<br />

die zumindest halbjährlich online bestellen,<br />

wurde auch erhoben, welche Kriterien<br />

für die Kunden für das optimale Shopping-<br />

Erlebnis besonders wichtig wären. Dabei<br />

zeigen sich eklatante Unterschiede<br />

zwischen Soll und Haben. Während beispielsweise<br />

rund zwei Drittel der Kunden<br />

sich wünschen, auf der Produktseite online<br />

Fragen stellen zu können, ermöglichen<br />

dies aktuell nur fünf Prozent der Händler.<br />

Mehr Beispiele gefällig? „Zwei Drittel der<br />

Kundinnen und Kunden wünschen sich eine<br />

Rückruffunktion, die nach wie vor nur von<br />

14 Prozent angeboten wird. 81 Prozent der<br />

Konsumentinnen und Konsumenten wollen


die Produkte im Webshop auf eine einzige<br />

Filiale einschränken können, um so gezielt<br />

wie live im Laden shoppen zu können, doch<br />

nur 12 Prozent der Händlerinnen und Händler<br />

nutzen ihre Bestandsdaten für einen solchen<br />

Filter“, zählt Handelsverbands Geschäftsführer<br />

Rainer Will auf.<br />

Es ist also durchaus noch Luft nach oben da<br />

– wenngleich die Umfrage zeigt, dass mit 73<br />

Prozent fast drei Viertel der Händler im letzten<br />

Jahr digital aufgerüstet haben, ein Drittel<br />

sogar massiv. Die Schwerpunkte variieren<br />

dabei von Kundenservices in den Filialen und<br />

im Online-Shop über Analytics, bis hin zu Investitionen<br />

in Sichtbarkeit, SEO und digitales<br />

Marketing. Viele heimische Händler haben<br />

coronabedingt die Flucht nach vorne angetreten<br />

und ihre Kreativität unter Beweis gestellt.<br />

So haben laut Studie 93% der Befragten<br />

neue Services eingeführt oder geplant.<br />

Dazu zählen beispielsweise Corona (Care)<br />

Pakete, kontaktlose Abhol-, Zahl- und Zustellmöglichkeiten,<br />

Terminvereinbarungen für<br />

Click & Collect, Beratungen per Videocall<br />

oder Live-Chat aus der Filiale heraus, Scan<br />

& Go, Call & Collect, Gratis-Lieferung im<br />

Lockdown und garantierte Lieferzeitfenster<br />

für Menschen in Quarantäne sind nur einige<br />

der zahlreichen neuen Services, die von den<br />

Kunden auch wohlwollend angenommen<br />

werden.<br />

Was Kunden wollen<br />

Bei der Studie wurde auch abgefragt, welche<br />

Serviceleistungen die Kunden sich wünschen<br />

würden. Dabei gab es überraschender Weise<br />

wenig Änderungen zu Vor-Covid-Zeiten.<br />

Noch immer hat die Gratis-Zustellung höchste<br />

Priorität für die Meisten. Eine zuverlässige Vorhersage<br />

Liefertages liegt besonders hoch im<br />

Kurs: während nur 17 % der Händler das anbieten,<br />

ist es für 80 % der Kunden wichtig.<br />

Mit entsprechender Last-Mile-Logistik wäre<br />

das natürlich umsetzbar. Kein einziger der<br />

in der Studie inkludierten Händler bietet die<br />

Möglichkeit an, den Warenkorb per Email<br />

oder Social Media zu teilen, wohingegen sich<br />

diesen Service immerhin ein Drittel der Kunden<br />

wünschen würde. Weitere Wünsche: die<br />

Option, Fragen zum gewünschten Produkt<br />

zu stellen (zwei Drittel Soll vs. 5 % Haben) und<br />

die Warenverfügbarkeit aktuell zu checken.<br />

Ein Anliegen Vieler ist eine verlässliche Angabe<br />

der Krisen-Öffnungszeiten. Doch auch<br />

der direkte telefonische Kontakt zur Filiale<br />

via Filialfinder im Webshop und/oder Google<br />

Maps, der Check der Warenverfügbarkeit<br />

in der Filiale, eine komfortable Produktsuche<br />

mit Filtern, Transparenz im Kaufvorgang und<br />

maximale Flexibilität bei Abholung, Zustellung,<br />

Payment und Retoure stehen auf dem<br />

Wunschzettel des perfekten Shoppingerlebnisses.<br />

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„INVESTITION NACHHALTIGE LOGISTIK“<br />

Im Gespräch mit Post AG Vorstand für Paket & Logistik<br />

Peter Umundum über Innovationen und Investitionen<br />

in und für eine nachhaltige Logistik.<br />

Mehr auf logistik-express.com<br />

LOGISTIK express<br />

Ausgabe 3/<strong>2021</strong><br />

LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S26<br />

Als Gesamtsieger des ORI ging mit 81 % aller<br />

möglichen Punkte Obi hervor – nicht zum ersten<br />

Mal. Mit nur einem Prozentpunkt Rückstand<br />

auf Platz zwei landeten die Zwillingsshops<br />

Kastner & Öhler und Gigasport. Neben dem<br />

Gesamtsieg zeichnet der Omnichannel<br />

Readiness Index auch Kategoriesieger aus.<br />

Thalia beispielsweise hat die vollen 100%<br />

im Bereich „Channel Integration“ erreicht.<br />

Der Buchhändler ist also Best-in-Class und<br />

State-of-the-art in der Omnichannel-Königsklasse:<br />

Maximale Flexibilität bei der Kaufabwicklung,<br />

und das völlig vertriebskanalunabhängig<br />

und nahtlos, Click & Collect, Reserve<br />

& Collect, Retoure online bestellter Waren in<br />

der Filiale, Abholstationen für 24/7 Abholung,<br />

rasche Bereitstellung der Click & Collect Waren,<br />

und dies stets kostenlos. In der Liste der<br />

Branchensieger findet man nur bekannte<br />

Namen: bei Computer & Elektro(nik) Media<br />

Markt (73%), bei Fashion & Accessoires Peek &<br />

Cloppenburg (73%), bei Drogerie Bipa (72%)<br />

und im Lebensmitteleinzelhandel Billa (72%).<br />

Weitere ORI-Kategoriesieger neben Thalia: für<br />

Transparenz & Vertrauen Decathlon (84%),<br />

für Personalisierung, Loyalty und Sharing dm<br />

drogerie markt (81%), für flexible Kontaktmöglichkeiten<br />

Kastner & Öhler, Gigasport (86%) für<br />

Payment, Fulfillment & Returns Kastner & Öhler,<br />

Gigasport (84%) und für Wegweiser in die<br />

Filiale Interspar gleichauf mit Hartlauer (99%).<br />

Egal ob nun Marktplätze wie Amazon oder<br />

Shöpping oder Produktfinder und Preisvergleichsplattformen<br />

wie Geizhals, Idealo oder<br />

Google Shopping genutzt werden, Fakt ist,<br />

dass mehr als die Hälfte der Händler auf zusätzliche<br />

Vertriebskanäle setzt. Insbesondere<br />

ältere Internetnutzer, die vor der Corona-Krise<br />

von Internetbestellungen nichts wissen wollten,<br />

haben dem E-Commerce zu starkem Wachstum<br />

verholfen. Das Erstaunliche: laut Befragung<br />

wollen 90 % dieser so genannten „Silver<br />

Surfer“ (User über 55 Jahre) auch nach der<br />

Krise die Bequemlichkeit des Onlineshoppings<br />

weiter ausnutzen. Ein mehr als guter Grund, die<br />

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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S28<br />

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„Gelber Riese mit grünem Herzen“<br />

Im Gespräch mit Post AG Vorstand für Paket & Logistik<br />

Peter Umundum über Innovationen und Investitionen in<br />

und für eine nachhaltige Logistik.


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S30<br />

Gelber Riese mit grünem Herzen<br />

Die Pandemie hat den Umbau in der Paketlogistik erheblich beschleunigt: Ein<br />

deutlicher Zuwachs beim Onlinehandel sorgte für mehr Arbeit bei der Österreichischen<br />

Post AG. Diese begegnet den Anforderungen mit Investitionen und<br />

einem grüneren Weltbild. Post-Vorstand Peter Umundum beantwortet unsere<br />

Fragen. REDAKTION: PETER NEST<strong>LE</strong>R<br />

Marktführer in der Paketlogistik hat das<br />

Unternehmen im Jahr 2020 insgesamt 166<br />

Mio. Pakete transportiert – über 30 Prozent<br />

mehr als im Jahr zuvor (127 Mio. Pakete).<br />

Auch heuer für <strong>2021</strong> wird mit einem Mengenzuwachs<br />

im zweistelligen Prozentbereich<br />

gerechnet. Vorbereitung ist dabei alles.<br />

Und die Post ist gut vorbereitet auf das Mengenwachstum.<br />

Dafür sorgen Erweiterungen<br />

in der Logistik und strategische Partnerschaften<br />

beziehungsweise Kooperationen.<br />

Seit August 2019 stellt die Post unter anderem<br />

auch DHL-Pakete in Österreich zu.<br />

Allein das hat der Post noch einmal rund 20<br />

Mio. Pakete mehr gebracht.<br />

PETER UMUNDUM IM<br />

GESPRÄCH MIT<br />

PETER NEST<strong>LE</strong>R<br />

Der Weg war vorgezeichnet: Zusätzlich<br />

zum allgemeinen Anstieg<br />

im E-Commerce hat der<br />

Onlinehandel nach Ausbruch<br />

der Pandemie mit ihren beschränkenden<br />

Maßnahmen weltweit im Jahr 2020 stark zugenommen.<br />

Die Ausgaben der heimischen<br />

Konsumenten im so genannten Distanzhandels<br />

wurden auch im Vorjahr überwiegend<br />

vom E-Commerce getragen und erreichten<br />

2020 mit 8,7 Mrd. Euro einen neuen<br />

Rekordwert. Von insgesamt 8 Mrd. Euro<br />

Online-Umsatz fallen bereits 1,2 Mrd. Euro<br />

auf den Mobile Commerce. Das bedeutete<br />

im Vorjahr einen massiven Zuwachs von<br />

plus 50 Prozent.<br />

Diese Warenströme wollen auch an die<br />

Konsumenten gebracht werden. Branchenprimus<br />

Österreichische Post AG zeigt sich<br />

durchwegs vorbereitet. Als österreichischer<br />

Das Briefgeschäft sei dagegen im Zuge der<br />

Digitalisierung weiter rückläufig, berichtet<br />

Peter Umundum, Vorstand Paket & Logistik<br />

bei der Österreichischen Post. Dennoch<br />

gebe es auch hier Bereiche, die sogar ein<br />

gewisses Wachstum aufweisen. So habe<br />

das Volumen an größeren Briefen im Zuge<br />

der steigenden E-Commerce-Aktivitäten in<br />

Österreich ebenfalls zulegen können.<br />

Der österreichische Handel gehört bei diesen<br />

Wachstumstrends im Pakethandel nicht<br />

zu den Gewinnern. „Jedes zweite Paket<br />

kommt aus dem Ausland und die großen<br />

Internethändler haben auch pandemiebedingt<br />

ordentlich zugelegt“, weiß Peter Umundum<br />

Mit einer Österreichbrille betrachtet,<br />

habe der heimische Handel da durchwegs<br />

einigen Aufholbedarf, fügt er an. Die Post<br />

leistet mit dem Onlineportal shöpping ihren<br />

eigenen Anteil dazu. „Wir haben im vergangenen<br />

Jahr deutlich über 1000 Anbieter auf<br />

shöpping dazugewonnen. Somit sind dort<br />

nun insgesamt 1800 Händler und über 3 Millionen<br />

Produkte vertreten“, so Umundum.<br />

Das über das Portal generierte Umsatzvolumen<br />

habe sich 2020 verdreifacht.


Noch ist das 2017 gestartete Projekt der<br />

Post im Aufbau: „Wir verdienen derzeit noch<br />

nichts damit“ sagt Umundum. Es handle<br />

sich um ein klassisches skaliertes Geschäft,<br />

das weiteres Wachstum brauche, um für<br />

den Betreiber auch wirtschaftlich erfolgreich<br />

zu sein. Somit müssen weitere Anbieter<br />

und auch Abnehmer dazukommen.<br />

Ein erfolgreicher Schritt sei die Kooperation<br />

mit der 7Ventures, dem Investment-Arm<br />

von Österreichs führender Privat-TV-<br />

Gruppe ProSieben Sat.1PULS4.<br />

Für den Konzern insgesamt ist Umundum<br />

operativ sehr zuversichtlich, ein wirtschaftlich<br />

erfolgreiches Geschäftsjahr <strong>2021</strong> abliefern<br />

zu können. „Da hilft uns natürlich das<br />

Wachstum im Pakethandel im Zuge der<br />

Pandemie schon“, sagt Umundum. Gleiches<br />

gelte für die Auslandsbeteiligungen<br />

der Post, lässt er durchblicken. Eine Erweiterung<br />

der Geschäftsfelder sei für die Post<br />

derzeit nicht geplant, etwa komme ein Ausbau<br />

in den Bereich Supply Chains für die<br />

Post aktuell nicht infrage.<br />

Dafür entwickelt die Post neue Modelle<br />

gemeinsam mit dem Handel in Österreich.<br />

2020 wurde mit dm drogerie markt eine<br />

kombinierte Kommissionierung gestartet.<br />

Wenn Kunden beim dm drogerie markt<br />

online Produkte bestellen, bietet der<br />

Drogerie-händler die Abwicklung der Bestellung<br />

seinen Filialen an. Wurde das Paket<br />

in der Filiale kommissioniert, so erteilt die<br />

Filiale dann der Post einen Abholauftrag,<br />

diese holt das Paket in der Früh ab, bringt<br />

es in ein nahegelegenes Verteilzentrum und<br />

stellt es am nächsten Tag bereits zu.<br />

Alles, was nicht in der Filiale kommissioniert<br />

wird, geht in die zentrale Kommissionierung,<br />

die die Post Systemlogistik für dm<br />

drogerie markt übernimmt.<br />

Ein weiteres spannendes Projekt habe man<br />

gemeinsam mit dem Onlinehändler zalando<br />

entwickelt. Wenn dort online bestellt wird,<br />

gibt zalando die Kommissionierung der Ware<br />

teilweise an Handelspartner, die in Österreich<br />

sitzen, weiter. Im Grunde laufen diese Prozesse<br />

ähnlich ab wie mit dm drogerie markt, „aber<br />

sie sind etwas breiter gedacht, weil es ein<br />

größeres Produktspektrum und unterschiedliche<br />

Handelspartner gibt“, so Umundum. Das<br />

klinge einfach, habe aber durchaus seine<br />

Herausforderungen in der Mengensteuerung,<br />

weil man ja nie wisse, kommen da 10 Pakete<br />

daher, 100 oder 500“, beschreibt Umundum<br />

die Anforderungen an die Post als Logistikpartner.<br />

„Das sind schon Handelskonzepte,<br />

die auch für den österreichischen Handel<br />

Chancen für die Zukunft eröffnen. Es muss<br />

allerdings auch die IT im Zusammenspiel der<br />

Lagersysteme gut integriert und entwickelt<br />

sein, um mit den Systemen der Post zu harmonieren“,<br />

weiß Umundum.<br />

PETER UMUNDUM IM<br />

GESPRÄCH MIT<br />

LOGISTIK EXPRESS /<br />

UMWELT JOURNAL |<br />

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Der Vorteil für die Handelskette ist, dass<br />

durch dieses flexible Konzept Online-Bestellungen<br />

noch schneller abgewickelt werden<br />

und Leerläufe in den Filialen sinnvoll genutzt<br />

werden<br />

Amazon wird zum Mitbewerber<br />

Internethandelsriese Amazon knabbert der<br />

Post allerdings in Österreich Teile dieses Kuchens<br />

wieder weg. Besonders in den Ballungszentren<br />

haben die Amerikaner begonnen,


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S32<br />

Gefährdet sei das Zustellvolumen der Post<br />

durch diesen Move von Amazon hin zur Eigenzustellung<br />

aber nicht, lässt Umundum durchblicken.<br />

Zum einen erledigen die Amazonen<br />

dieses Geschäft nur in Ballungsräumen selbst,<br />

wo dies einfacher möglich sei. Zum anderen<br />

sei so eine Entwicklung bei anderen Versandhändlern<br />

nicht absehbar. „Bei anderen großen<br />

Händlern sehe ich diese Entwicklung nicht.<br />

Die Otto-Gruppe hat Bemühungen in diese<br />

Richtungen mit Hermes ja damals nach zwei,<br />

drei Jahren wieder eingestellt“, so Umundum.<br />

Anders als in den Auslandsmärkten der Post.<br />

So baue in der Türkei ein großer Händler gerade<br />

sein eigenes Versandnetz aus. Insgesamt<br />

hat die Post die zunehmenden Paketmengen<br />

(+30% zum Vorjahr) nach eigenen Angaben<br />

gut abgewickelt. „Wir sind im Jahr 2020<br />

auf eine Erstzustellungsquote von 94 Prozent<br />

gekommen“, ist Umundum stolz. Das heißt,<br />

dass 94 Prozent der gelieferten Pakete beim<br />

ersten Zustellversuch tatsächlich an der Zieladresse<br />

abgegeben werden konnten. Immerhin<br />

konnte diese Quote damit gegenüber<br />

dem Vorjahr nochmals um 2,5 Prozentpunkte<br />

gesteigert werden.<br />

die Zustellung mittels eigener Logistik zu erledigen.<br />

Zuletzt wurden in Wien gleich zwei<br />

Verteilzentren in Betrieb genommen.<br />

Amazon ist nach wie vor einer unserer<br />

größtenr Kunden und wird das auch bleiben,<br />

davon gehe ich aus. Das Unternehmen<br />

wird aber zugleich auch Mitbewerber, nachdem<br />

er gerade seine Netze aufbaut“, sagt<br />

Umundum. Strategische Überlegungen?<br />

Betriebswirtschaftliches Kalkül? Was treibt<br />

Amazon bei diesen Überlegungen an? „Ich<br />

bin mir gar nicht sicher, ob Amazon da immer<br />

ganz genau rechnet“, meint Umundum.<br />

Vielmehr gehe er davon aus, dass dies ein<br />

eher strategischer Zugang sei, der in der<br />

Konzernzentrale entschieden wurde. Die<br />

Eigenzustellung sei ganz einfach ein Trend,<br />

der vor einigen Jahren in den USA begonnen<br />

habe, dann in Großbritannien nachgezogen<br />

wurde und nun schön langsam auch auf andere<br />

Länder ausgerollt werde.<br />

Um diese Quote weiter hochzuhalten, überlegt<br />

sich die Post auch alternative Zustellmethoden.<br />

„Wir wollen die Erstzustellquote<br />

sukzessive weiter erhöhen“, lässt Umundum<br />

durchblicken. Im „Kampf gegen den gelben<br />

Zettel“ testet die Österreichische Post einen<br />

neuen Service – die Vorzimmer-Zustellung.<br />

In Kooperation mit der A1 Telekom Austria<br />

AG und Nuki Home Solutions GmbH wird<br />

Empfängern erstmals die Möglichkeit angeboten,<br />

Pakete auch bei Abwesenheit direkt in<br />

die eigenen vier Wände geliefert zu bekommen.<br />

„Wir haben sehr gute Vertrauenswerte<br />

in der Bevölkerung. Gerade deshalb haben<br />

wir auch bereits über 800.000 Abstellgenehmigungen<br />

österreichweit, mit der uns die<br />

Menschen bereits in ihren Garten oder etwa<br />

ihre Garage lassen, um ein Paket abzustellen.<br />

Mit der Vorzimmer-Zustellung gehen wir hier<br />

einen Schritt weiter und stellen auch dort zuhause<br />

zu, wo eine Abstellgenehmigung nicht<br />

möglich ist“, erklärt der Post-Vorstand. Das<br />

Pilotprojekt mit 100 Test-Kunden in Wien, Graz<br />

und Niederösterreich findet im Zeitraum Juli<br />

bis Dezember statt. Dafür wird die Eingangstür<br />

der Sendungsempfänger mit einem „Nuki<br />

Smart Lock“ ausgestattet. Damit erhält der<br />

Zusteller die Berechtigung, die Wohnungstür<br />

mittels eines mobilen Gerätes zu öffnen. Eine<br />

Bodenmatte im Vorzimmer markiert den Platz,


an dem das Paket abgestellt werden soll.<br />

Hat der Kunde zudem Smart Home Geräte<br />

von A1 installiert, kann er , die Zustellung live<br />

oder bis zu 72 Stunden im Nachhinein per<br />

Video nachverfolgen. Sollte eine Vorzimmer-<br />

Zustellung nicht möglich sein, kommt der normale<br />

Zustellprozess zur Anwendung – eine<br />

Abgabe in einer Post Empfangsbox, eine<br />

Hinterlegung in einer Filiale oder bei einem<br />

Post Partner. „Während die Erstzustellquote<br />

im ländlichen Raum gegen 100 Prozent geht,<br />

richtet sich diese neue Zustelllösung vor allem<br />

an Interessierte in städtischen Gebieten,<br />

wo die Rate noch darunter liegt,“ erklärt<br />

Umundum.<br />

Logistikzentren massiv ausgebaut<br />

„Im Zuge unseres mehrjährigen Ausbauprogramms<br />

investieren wir rund eine halbe<br />

Milliarde Euro in den Ausbau unserer Logistikkapazitäten“,<br />

so der Post-Vorstand. „Allein<br />

bis 2022 schaffen wir damit zusätzliche 30<br />

Prozent an Sortierleistung.“ 2020 hat die Post<br />

insgesamt 143 Mio. Euro (CAPEX) investiert.“<br />

Damit will das Unternehmen mit den zunehmenden<br />

Mengen Schritt halten und die<br />

eigene Leaderposition in Österreich absichern.<br />

Die Post als Konzern ist in acht Ländern tätig<br />

und das genannte Wachstum findet auch in<br />

den anderen Ländern in ähnlichem Ausmaß<br />

statt. „In der Türkei hat es sogar ein überdurchschnittliches<br />

Wachstum gegeben. Dort<br />

ist das Volumen der beförderten Pakete von<br />

ebenfalls rund 127 Mio. Paketen auf 188 Mio.<br />

angesprungen“, sagt Umundum.<br />

Die neuen, größeren oder ausgebauten<br />

Logistikzentren der Post sind dabei strategisch<br />

über ganz Österreich verteilt. In Allhaming in<br />

Oberösterreich entsteht das derzeit modernste<br />

Logistikzentrum Österreichs. Die Post erweitert<br />

ihr seit 2014 bestehendes Paketzentrum im<br />

Bezirk Linz-Land um eine Grundstücksfläche<br />

von ca. 125.000 m², mehr als 700 bestehende<br />

Arbeitsplätze werden dadurch gesichert,<br />

mit Betriebsstart kommen 200 neue dazu.<br />

Die Sorterleistung wird sich dann auf<br />

33.000 Pakete pro Stunde belaufen –<br />

bisher waren es 10.500 pro Stunde. Garantiert<br />

wird dies durch den Einsatz hochmoderner<br />

Quergurtsorter.<br />

In Vomp wird inzwischen das Projekt Logistikzentrum<br />

Tirol umgesetzt. Auf einer 100.000<br />

m² großen Grundstücksfläche, von der rund<br />

30.000 m² verbaut werden, entstehen ein<br />

Brief- und Paketzentrum mit integrierter Zustellbasis<br />

sowie Büroflächen für den Overhead.<br />

Investor dieses Projekts ist die Firma Derfeser<br />

– die Post investiert für Sortiermaschinen bis zu<br />

25 Mio. Euro. Aus heutiger Sicht ist mit einer<br />

Inbetriebnahme im Herbst <strong>2021</strong> zu rechnen.<br />

Schon früher wurde das Paketverteilzentrum<br />

in Wolfurt in Vorarlberg erweitert, auch damit<br />

werden 30 neue Arbeitsplätze geschaffen.<br />

Etwa 27 Mio. Euro nimmt die Post AG für diesen<br />

Ausbau in die Hand. Durch die Erweiterungen<br />

sowie Modernisierungen am insgesamt<br />

40.000m² großen Standort, die während des<br />

laufenden Betriebes durchgeführt werden,<br />

erhöht sich die Verteilkapazität von 4.500<br />

Paketen auf 8.000 Pakete pro Stunde. Die<br />

Fertigstellung ist im 4. Quartal <strong>2021</strong> geplant.<br />

Ebenfalls neu in Betrieb genommen wurde<br />

im Vorjahr der erweiterte Standort in der<br />

Steiermark. Mit Juli 2020 hat das größte Paket-Logistik-zentrum<br />

der Österreichischen<br />

Post in Kalsdorf bei Graz seinen Betrieb aufgenommen.<br />

Auf dem fast 170.000 Quadratmeter<br />

großen Grundstück sorgen rund 370<br />

Mitarbeiter für die Verteilung von Paketen.


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S34<br />

Biodiversität angelegt und umweltfreundlich<br />

bewirtschaftet. Am neuen Areal wird darüber<br />

hinaus ein Biotop angelegt, Nistkästen aufgehängt<br />

sowie Wildbienen angesiedelt. Zudem<br />

kommt die Post in Österreich bereits auf mehr<br />

als 20 Prozent des gesamten Fuhrparks mit<br />

E-Fahrzeugen. Man sieht: Die Post denkt und<br />

agiert durchaus nachhaltig. Die Post bleibt<br />

zwar weiterhin gelb, sie wird aber innerlich<br />

dennoch grüner. Neben dem Ausbau der<br />

Photovoltaikanlangen setze man auf einzelnen<br />

Standorten auf Biodiversität. In Wien<br />

beherbergt die Post sogar Bienenstöcke und<br />

unterstützt deren Lebensraum. Gelb wird also<br />

grün.<br />

Außerdem erfolgt die Zustellung für den<br />

Großraum Graz von hier aus. Die Leistungsdaten<br />

des Paket-Logistikzentrums sprechen<br />

für sich: In der ersten Ausbaustufe ermöglichen<br />

die Anlagen eine Sortierleistung von 13.500<br />

Paketen pro Stunde, dafür sorgt eine Förderanlage<br />

mit einer Gesamtlänge von rund zwei<br />

Kilometern.<br />

Gelb wird grün<br />

Der zunehmenden Bodenversiegelung durch<br />

große, horizontal angelegte Produktionsanlagen<br />

begegnet die Post mit durchwegs ökologischem<br />

Antrieb: „Wir haben zum Beispiel<br />

gerade für den Standort in Allhaming zwar<br />

ein großes Grundstück verwertet, kommen<br />

aber dennoch auf eine Aufforstungsquote<br />

von 1,3“, ist Umundum stolz.<br />

„Das Logistikzentrum in Allhaming soll auch<br />

in puncto Nachhaltigkeit ein Vorzeigeprojekt<br />

sein“, so Umundum. Dort setzt die Post<br />

insbesondere auf Ressourcenschonung und<br />

Nachhaltigkeit. So wird am Dach des Logistikzentrums<br />

eine Photovoltaikanlage mit<br />

einer Leistung von rund 500 kWp installiert,<br />

die nicht nur das Zentrum, sondern auch die<br />

am Standort betriebene E-Flotte der Post versorgt.<br />

Für eine möglichst effiziente und nachhaltige<br />

An- und Abreise der Mitarbeiter wird<br />

ein betriebliches Mobilitätsmanagement<br />

umgesetzt, das Werksbusse, Fahrgemeinschaften,<br />

die Nutzung von Fahrrädern sowie<br />

Stellplätze mit Ladestationen für E-Autos und<br />

E-Bikes beherbergt. Die Grünflächen rund<br />

um das Logistikzentrum werden mit Fokus auf<br />

Bereits seit 2011 stellt die Österreichische Post<br />

alle Sendungen innerhalb Österreichs CO2-<br />

neutral zu und war damit Vorreiter unter den<br />

Postgesellschaften. Das nächste Ziel ist eine<br />

CO2-freie Zustellung bis zum Jahr 2030, was<br />

bedeutet, dass bis dahin auf der letzten Meile<br />

ausschließlich E-Fahrzeuge oder Fahrzeuge<br />

mit alternativen Antrieben im Einsatz sind.<br />

Dieses Ziel wird in der steirischen Landeshauptstadt<br />

schon deutlich früher erreicht – bereits<br />

ab September <strong>2021</strong> wird die gesamte Postzustellung<br />

in Graz emissionsfrei erfolgen. Dann<br />

werden auch Pakete im Stadtbereich Graz<br />

CO2-frei zugestellt. Gesamt werden dann in<br />

Graz rund 160 E-Fahrzeuge für die Post im Einsatz<br />

sein.<br />

Post ist ein Jobmotor<br />

Durch die Ausweitungen der Kapazitäten gilt<br />

die Österreichische Post als der größte Jobmotor<br />

im Lande in der Logistikbranche. Der Mitarbeiter-Stand<br />

betrug am Ende des 1. Quartals<br />

im Geschäftsjahr <strong>2021</strong> insgesamt 17.917.<br />

Bei der Post läuft eine Joboffensive. Denn<br />

der Boom beim E-Commerce sowie die sich<br />

verändernden Ansprüche der Konsumenten<br />

bringen einen richtigen Job Aufschwung in<br />

der KEP-Branche. Als einer der renommiertesten<br />

Dienstleister in der Zustellbranche sucht<br />

die Österreichische Post, ob in der Zustellung,<br />

den Logistikzentren, den Filialen, aber<br />

auch in der IT und im Management. Ziel der<br />

wirtschaftlichen Anstrengungen der Post mit<br />

dem Ausbau von Logistikzentren und Zustellbasen,<br />

sei es, „immer stärker integriert zu<br />

operieren und zuzustellen“, verrät Umundum.<br />

(PN)


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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S36<br />

China Elektromobilität: Aufholjagd<br />

deutscher Hersteller im Land der<br />

Mitte beginnt 2030<br />

China gilt als Leitmarkt für Elektroautos. Das Land fördert auch wegen der<br />

Coronakrise die Elektromobilität noch bis Ende 2022. Um ihre Marktanteile auszuweiten<br />

investieren auch Hersteller wie VW, Daimler und BMW verstärkt in China.<br />

REDAKTION: DIRK RUPPIK<br />

DIRK RUPPIK<br />

JOURNALIST<br />

LOGISTIK EXPRESS<br />

Die chinesische Regierung will die<br />

schlechte Luft in den großen<br />

Städten des Landes bekämpfen<br />

und weltweit Technologieführer<br />

bei der Elektromobilität werden. Daher<br />

gilt China als Leitmarkt für Elektroautos.<br />

Das Land der Mitte ist mit etwa der Hälfte<br />

des globalen Absatzes weltweit der größte<br />

Markt für New Energy Vehicles (NEV).<br />

In den letzten zehn Jahren hat die Regierung<br />

den Aufbau des Marktes für Elektromobilität<br />

und der Ladeinfrastruktur in allen Marktsegmenten<br />

mit großem Aufwand voran-<br />

getrieben. Auf politischer Ebene sind für die<br />

Phase des Marktaufbaus der 13. Fünfjahresplan,<br />

die Technologie-Roadmap des Ministry<br />

of Industry and Information Technology (MIIT)<br />

sowie der NEV-Entwicklungsplan bestimmend.<br />

Bis Ende 2020 sollte dadurch der Anteil der<br />

NEV-Neuzulassungen sieben Prozent der gesamten<br />

Anzahl der zugelassenen Fahrzeuge<br />

betragen. Fünf Millionen NEV sollten bis<br />

Ende 2020 die Straßen des Landes befahren.<br />

Gleichzeitig waren 50000 öffentliche Ladepunkte<br />

geplant.


Laut des International Council on Clean<br />

Transportation (ICCT) wurde mit 4,92 Millionen<br />

NEV auf Chinas Straßen Ende 2020 die Vorgabe<br />

fast erreicht.<br />

Pandemie Auswirkungen auf den NEV-Markt<br />

Wie vieles andere hat die Coronakrise zu Beginn<br />

auch den Absatz von NEV im Land der<br />

Mitte einbrechen lassen. Aber schon ab März<br />

2020 nahmen die Absatzzahlen gemäß Statista<br />

wieder zu, um im Dezember mit 199400<br />

(162000 in 2019) einen neuen Höhepunkt zu<br />

erreichen. Davon waren 167000 batteriebetriebene<br />

Elektrofahrzeuge (BEV) und 32400<br />

Plug-in-Hybride Elektrofahrzeuge (PHEV). Die<br />

chinesische Regierung fördert laut Germany<br />

Trade & Invest (Gtai) weiterhin die Elektromobilität<br />

und verlängert die Subventionszahlungen<br />

auch wegen der Coronakrise bis 2022.<br />

Zudem wurde die Kaufsteuer in Höhe von<br />

zehn Prozent des Nettoverkaufspreises für NEV<br />

bis Ende 2022 ausgesetzt. Dies gilt für alle in<br />

China hergestellten Automobile und Importe<br />

mit Elektroantrieb, Plug-in-Hybride und Automobile<br />

mit Brennstoffzellen (Fuel Cell Electric<br />

Vehicle, FCEV).<br />

Erfolgreiche chinesische Produzenten und<br />

massenhaft Patente<br />

Unter den weltweit zehn erfolgreichsten<br />

E-Auto-Herstellern sind vier chinesische Autokonzerne<br />

- namentlich SGMV, BYD, SAIC,<br />

Great Wall –, die durch Massenproduktion<br />

eine hohe Wirtschaftlichkeit erreicht haben.<br />

Im Mai <strong>2021</strong> rollte mit einem Han EV bei BYD<br />

in Shenzhen das einmillionste Electric Vehicle<br />

(EV) des Herstellers vom Band.<br />

Das Unternehmen, an dem auch Warren<br />

Buffets Berkshire Hathaway beteiligt ist, liegt<br />

weltweit auf Platz 5 (fünf Prozent Marktanteil)<br />

und in China auf Platz 2 (zwölf Prozent Marktanteil)<br />

der größten Hersteller.<br />

Die Liste der global größten EV-Hersteller führt<br />

Elon Musks Tesla an. Darauf folgen SGMV<br />

(SAIC-GM-Wuling Automobile), VW, BMW und<br />

BYD. Weitere chinesische Hersteller liegen<br />

auf folgenden Plätzen: SAIC (Platz 8), Great<br />

Wall (Platz 11), NIO (Platz 15), GAC (Platz 18),<br />

Chery (Platz 20).<br />

Laut eines Entwurfs des MIIT zufolge sollen NEV<br />

in 2025 ein Viertel aller Neuwagenverkäufe<br />

stellen. In 2030 sollen 38 Millionen NEV pro<br />

Jahr hergestellt werden, wobei der Anteil der<br />

Neuzulassungen dann 40 Prozent betragen<br />

wird. Bisher konzentrieren sich die Verkäufe<br />

allerdings auf wenige Großstädte mit Zulassungs-beschränkungen<br />

für Pkw mit Verbrennungsmotoren<br />

sowie zusätzlichen lokalen<br />

Anreizen für NEV. In 2018 lagen gemäß einer<br />

Studie des ICCT sechs der neun größten städtischen<br />

NEV-Märkte weltweit im Reich der<br />

Mitte: Shanghai, Beijing, Shenzhen, Hangzhou,<br />

Tianjin und Guangzhou.<br />

April <strong>2021</strong>: Liste der<br />

global erfolgreichsten<br />

NEV-Hersteller<br />

(Seeking Alpha)<br />

seekingalpha.com<br />

Bisher sind NEV deutlich teurer als Verbrenner<br />

und die Nachfrage ohne zusätzliche Anreize<br />

und Vergünstigungen ist nicht nachhaltig.<br />

Mitte 2020 startete die Regierung aufgrund<br />

der Pandemie eine neue NEV-Kampagne<br />

für die ländlichen Regionen Chinas. Dadurch<br />

wurden insbesondere kleinere und erschwinglichere<br />

NEV und die Verkäufe in ruralen<br />

Gebieten gefördert.


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S38<br />

Lkw zielt Geely gemäß dem Magazin Auto<br />

Motor und Sport stark auf den Tesla Semi-Truck<br />

ab. China reichte die meisten Technologie-<br />

Patente in 2019 bis 2020 im Bereich Schnelllade<br />

und kabellose (Wifi) Ladetechnologie<br />

ein. Von über 5000 angemeldeten Patenten<br />

im gleichen Zeitraum im Bereich Wireless Electric<br />

Vehicle Charging (WEVC)-Technologie<br />

hält China 40 Prozent, gefolgt von Japan (20<br />

Prozent), USA (14 Prozent) und Deutschland<br />

(14 Prozent). In 2020 befinden sich zudem<br />

14 chinesische Großstädte unter den E-Auto-Hauptstädten<br />

der Welt.<br />

Tesla erreicht mit rund zwölf Prozent Marktanteil<br />

im wichtigen chinesischen Inlandsmarkt<br />

Platz 1. Danach folgen laut der amerikanischen<br />

China-Info-Plattform SupChina BYD,<br />

SAIC Motor, SAIC Volkswagen, SGMV, NIO,<br />

Xpeng, Li Auto, WM Motor, Geely, Byton,<br />

Enovate, Zhiji, Xiaomi, Dongfeng Motor,<br />

Chang’an Automobile, GAC, Chery Automobile,<br />

FAW Group, FAW-Volkswagen<br />

Automobile, Evergrande und BAIC. Mittlerweile<br />

tummeln sich im chinesischen EV-Markt<br />

auch Immobilien-Unternehmen wie Evergrande<br />

und chinesische Technologiekonzerne wie<br />

Tencent, Huawei, Baidu und Didi Chuxing.<br />

Gemäß SupChina wird der chinesische<br />

Markt in 2030 18 Millionen E-Autos und ein<br />

Marktvolumen von rund 380 Milliarden<br />

US-Dollar (durchschnittliche Kosten pro EV<br />

20000 US-Dollar) umfassen. Weiterhin wollen<br />

laut ADAC auch chinesische Hersteller<br />

auf dem europäischen Markt für E-Nutzfahrzeuge<br />

Fuß fassen. Elektrisch angetriebe Lkw,<br />

auch für den Fernverkehr, sind die nächste<br />

Revolution in der Nutzfahrzeugbranche.<br />

Ein Beispiel ist die junge Marke Maxus aus<br />

dem SAIC-Konzern, die seit Kurzem das<br />

Modell EV80 als Kastenwagen, Neunsitzer<br />

oder reines Fahrgestell anbietet. Der chinesische<br />

Hersteller Geely ist seit Ende 2017<br />

größter Anteilseigner am Lkw-Hersteller Volvo<br />

Trucks AB. Mit dem kommenden Elektro-<br />

Erfolg des NEV-Programms und Zukunft<br />

China setzte gemäß ICCT schon sehr früh auf<br />

die Entwicklung eines Marktes für E-Autos.<br />

Die Hauptgründe und Herausforderungen<br />

lagen in der bedrohten Versorgungssicherheit<br />

mit Öl, der stockenden Entwicklung<br />

der Autoindustrie, großer Luftverschmutzung<br />

und dem zunehmenden Klimawandel.<br />

Der Aufbau eines NEV-Marktes adressierte<br />

alle Probleme und führte zur Zusammenarbeit<br />

verschiedenster Ministerien, was wiederum<br />

entsprechend NEV-förderliche Richtlinien und<br />

Gesetze in verschiedensten Bereichen hervorbrachte.<br />

Der Erfolg beim Aufbau des NEV-Marktes<br />

gründet auf einer klaren Vision, konsistenter<br />

Planung, koordinierten Maßnahmen, Innovationen<br />

auf Städteebene, der Einführung von<br />

Richtlinien und Gesetzen sowie der Anpassung<br />

dieser an einen sich wandelnden Markt.<br />

Meilensteine waren hier der "Zehn Städte,<br />

1000 Automobile"-Pilotplan in 2009, durch<br />

den Kaufanreize, Steuervergünstigungen für<br />

E-Autos, staatliche Beschaffungsmaßnahmen<br />

und Infrastruktursubventionen eingeführt<br />

wurden. Weiterhin sind hier beispielhaft der<br />

Auto Industry Ajustment and Revitalization<br />

Plan 2012–2020, der Energy Saving and NEV<br />

Development Plan, Made in China 2025 und<br />

der NEV Industrial Plan <strong>2021</strong>-2035 zu nennen.<br />

Im 14. Fünfjahresplan (von <strong>2021</strong>-2025) wird die<br />

chinesische NEV-Vision in Richtung eines vollständig<br />

elektrifizierten Straßentransportsektors<br />

im Rahmen der langfristigen Verpflichtung<br />

zur CO2-Neutralität und zur Verschönerung<br />

Chinas angepasst werden.


Deutsche Hersteller nehmen den Kampf um<br />

den E-Automarkt in China auf<br />

Der Volkswagen Konzern will laut Handelsblatt<br />

zusammen mit seinen chinesischen<br />

Joint-Venture-Partnern trotz der Corona-Pandemie<br />

bis 2024 15 Milliarden Euro in Elektromobilität<br />

investieren – zusätzlich zu den 33<br />

Milliarden Euro weltweit. Im Mai 2020 hatte<br />

VW bereits eine Erhöhung seines Anteils um<br />

zwei Milliarden Euro im chinesischen Joint<br />

Venture JAC Volkswagen bekannt gegeben.<br />

Weiterhin will der Konzern für rund eine Milliarde<br />

Euro 26 Prozent der Anteile am chinesischen<br />

Batteriehersteller Gotion High-Tech<br />

erwerben. Daraufhin gab Gotion High-Tech<br />

Mittte Juli den Bau einer Fabrik für Kathodenmaterialien<br />

mit hohem Nickelgehalt in der<br />

chinesischen Stadt Hefei bekannt.<br />

VW plant 15 NEV-Modelle bis 2025 in China<br />

zu bauen, um im stark umkämpften<br />

chinesischen Markt mithalten zu können.<br />

Das gesamte Produktportfolio soll<br />

im Land der Mitte dann zu 35 Prozent<br />

aus rein elektrischen Modellen bestehen.<br />

Daimler hatte Anfang Juli 2020 ebenso eine<br />

Beteiligung an dem chinesischen Batteriezellenhersteller<br />

Farasis Energy (Ganzhou) verkündet.<br />

Auch BMW gab Mitte September eine<br />

Ausweitung seiner Batterieproduktion in Tiexi<br />

(China) bekannt. Bisher haben die deutschen<br />

Autohersteller laut dem deutschen Automobilverband<br />

VDA in China gerade einmal einen<br />

Marktanteil von zwölf Prozent. McKinsey<br />

schätzt, dass der Anteil an vollelektrischen<br />

Fahrzeugen in China bis 2025 auf 14 bis 20<br />

Prozent ansteigen wird. Dies entspricht rund<br />

vier bis fünf Millionen verkauften Autos.(DR)<br />

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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S40<br />

Digitalisierung des Einzelhandels:<br />

Datengesteuerte Warenzustellung<br />

wird mit 1. Juli <strong>2021</strong> Realität<br />

Verpflichtende Bereitstellung von Daten vor dem Versand erhöht die Zustelleffizienz,<br />

gewährleistet Zustellpräferenzen der Empfänger und ermöglicht Nachhaltigkeit.<br />

BEITRAG: WALTER TREZEK<br />

Allein 2019 importierte AMAZON etwa 650<br />

Mio. Warensendungen grenzüberschreitend<br />

in die EU. Mehr als ¾ dieser Sendungen waren<br />

Warensendungen mit geringem Wert, bei<br />

der Alibaba-Gruppe lag das tägliche Importvolumen<br />

2019 bei etwa 2,5 Mio. Warensendungen<br />

täglich. Nach Studien der World Free<br />

Zone Organisation rechnen die Zollfreihäfen<br />

weltweit damit, dass bis 2030 annähernd 80%<br />

des Welthandels online abgewickelt werden.<br />

Gleichzeitig hat sich der Trend von B2B zu B2C<br />

verstärkt. Der digitale Einzelhandel und damit<br />

die Warensendungsvolumen werden weiterhin<br />

zweistellig wachsen.<br />

WALTER TREZEK<br />

VICE-CHAIR<br />

ELOGISTICS-WORKING<br />

GROUP ECOMMERCE<br />

EUROPE<br />

CHAIRMAN OF THE UPU<br />

CONSULTATIVE<br />

COMMITTEE (CC)<br />

UND EXPERTE DES<br />

LOGISTIC-NATIVES E.V.<br />

Mit der Umsetzung des EU<br />

MwSt. Ecommerce Pakets<br />

(RICHTLINIE (EU) 2017/2455<br />

DES RATES vom 5. Dezember<br />

2017) tritt mit dem 1 Juli <strong>2021</strong> die Digitalisierung<br />

des Einzelhandels in eine neue Phase.<br />

Das Datenmodel der Finanzbehörden<br />

harmonisiert die Art und Weise wie Daten<br />

zu Einzelhandelswaren verwaltet und vor<br />

jedem Versand ausgetauscht werden<br />

müssen. Die Grundlagen der weiteren<br />

Digitalisierung des Einzelhandels, weltweiten<br />

Normen folgend, wurden festgelegt.<br />

Digitalisierung erfordert eine andere, neue<br />

Infrastruktur<br />

In der EU wird sich der Anteil des digitalen Einzelhandels<br />

von heute 15% auf 30% bis 2023<br />

verdoppeln. ¼ des online Handelsvolumens<br />

stammt aus EU-Drittstaaten. 4 Marktplätze<br />

sind für 2/3 aller Warensendungen, die in die<br />

EU importiert werden, verantwortlich.<br />

Statt weniger Daten zu großen Mengen (B2B)<br />

– viele Daten zu Einzelmengen (B2C)<br />

Die Zustellung der digital bestellten Handelswaren<br />

wird eine Herausforderung. In der<br />

Zukunft können mit der heute, auf analogen<br />

Prozessen basierenden Zustellinfrastruktur, die<br />

stark wachsenden Paketmengen, nicht nach<br />

den Präferenzen der Empfänger zugestellt<br />

werden. Auch die geplante Erweiterung der<br />

Dichte an Paketstationen der Deutschen Post<br />

AG bis 2023, auf ca. 1 Mio. Fächer (2,5-fach<br />

zu 2020) wird nur in der Lage sein etwa 5 –<br />

max. 7% des Volumens über Pick-up / Dropoff<br />

Lokationen zuzustellen zu können.<br />

Was online verkauft UND zugestellt werden<br />

kann WIRD ZUGESTELLT<br />

Der Versand von Nahrungsmitteln folgt dem<br />

Versand von non-food Einzelhandelswaren. In<br />

den kommenden Monaten ist diesem Marktsegment<br />

mit einem erhöhten Wachstum zu<br />

rechnen. Die notwendige Digitalisierung der<br />

Einzelhandelswaren und die damit verbundenen<br />

Harmonisierung ist im Nahrungsmittelhandel<br />

ist bereits fortgeschritten.


Alles ist mit Allem verbunden<br />

In der Zustellung der Warensendungen<br />

werden die Zeit- und Ortsangaben zum Sendungsverlauf<br />

(so genanntes "Track & Trace")<br />

durch die digitale Vorabmeldungen vervollständigt.<br />

Die erste und letzte Meile wird<br />

durch eine digital gestützte, selbstlernende<br />

Infrastruktur ergänzt. Die notwendige Verbesserung<br />

der Nachhaltigkeit und Stärkung der<br />

Kreislaufwirtschaft wird durch Vorabmeldungen<br />

auf eine neue digitale Basis gestellt.<br />

Digitaler Wandel im Handel –> Mengenwachstum<br />

-> Infrastrukturevolution<br />

2019 wurden in europäischen Wirtschaftsraum<br />

bereits weniger klassische B2C Briefsendungen<br />

zugestellt als Warensendungen. Auf allen<br />

Ebenen der postalischen Prozesskette: der<br />

Annahme, Sortierung, Transport und auch<br />

Zustellung kommt es zu Konsolidierung und<br />

Kollaboration der Wirtschaftsbeteiligten.<br />

Kritisch ist, dass die Ausstattung der Marktteilnehmer<br />

nicht zur Nachfrage passt.<br />

Mit der zunehmenden Digitalisierung wird<br />

eine datengestützte Infrastruktur notwendig,<br />

die auch eine betreiberunabhängige<br />

und unbeaufsichtigte Zustellung der digital<br />

bestellten Einzelhandelswaren benötigt.<br />

Einzelhandel ist beides OFF- / ON-line<br />

Erfolgreicher Einzelhandel präsentiert, informiert<br />

und verkauft seine Einzelhandelswaren<br />

off-line im klassischen stationären Handel,<br />

digital gestützt aber genauso on-line. Dabei<br />

verschwimmen die Grenzen zwischen Web-<br />

Präsenz, Webshop und Marktplatz. Reine<br />

digitale Marktplätze ergänzen ihre Vertriebskanäle<br />

durch stationäre Konzepte. Präferenzen<br />

von Kunden kann so on-line besser mittels<br />

click / call & collect; pick-up; drop-off und<br />

micro-fulfilment-centres entsprochen werden.<br />

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Intelligente Lösungen für die intralogistischen<br />

Herausforderungen von heute und morgen.<br />

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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S42<br />

Sehr gerne können Sie dem internationalen Netzwerk beitreten<br />

und mit uns den Markt aktiv gestalten. Für Hintergründe<br />

und Fragen steht Ihnen der Geschäftsführer Florian Seikel<br />

(Florian.Seikel@logistic-natives.com) sehr gerne zur Verfügung.<br />

Digitalisierung der Warenlieferketten<br />

Was mit dem finanzpolizeilichem Zoll-Datenmodel<br />

begonnen hat, führt zu einer Harmonisierung<br />

der digitalen Beschreibung der<br />

Einzelhandelswaren, als Voraussetzung der<br />

Zustellung, aber auch der Transportsicherheit,<br />

Produkthaftung und auch der Nachhaltigkeit<br />

und Kreislaufwirtschaft:<br />

1..Warenbeschreibung: Harmonisierung der<br />

generischen (Zollkodex) und/oder der<br />

produktindividuellen (z.B. "Global Trad<br />

Item Number") Beschreibung;<br />

2..Namen und Anschriften von Absendern,<br />

Empfängern und, soweit abweichend,<br />

von denjenigen Personen, welche die<br />

jeweilige Postsendung eingeliefert oder<br />

entgegengenommen haben;<br />

3..Art des in Anspruch genommenen<br />

Postdienstes (digitale ID);<br />

4..Maße und Gewicht der jeweiligen<br />

Postsendung;<br />

5..die vom Postdienstleister zugeteilte<br />

Senungsnummer (eindeutige Transport-ID<br />

der jeweiligen Postsendung sowie, sofern<br />

der Empfänger eine Abholstation mit<br />

Selbstbedienungs-Schließfächern nutzt<br />

(Kennung),dessen persönliche Postnummer<br />

(„Zugangseröffnung“);<br />

6..Zeit- und Ortsangaben zum jeweiligen<br />

Postsendungsverlauf; sowie<br />

7..zu Zwecken der Erbringung der<br />

Postdienstleistung erstellte Bildaufnahmen<br />

von der Postsendung.<br />

8..Daten zu den Waren sind beim Verkauf<br />

vorhanden -> damit Zustellung nach<br />

den Präferenzen der Kunden.<br />

Starkes Volumenwachstum erfordert verbesserte<br />

Effizienz auf der letzten Meile<br />

Bis zu 1/3 aller Zustellkosten fallen auf der<br />

letzten Meile an. Die Digitalisierung des Einzelhandels<br />

erhöht die Effizienz in der Zustellung<br />

auf der letzten Meile wesentlich. Das Ziel<br />

ist eine „one-stop-delivery“, die ähnlich wie<br />

bei der Briefzustellung zu einer gesicherten<br />

Abgabe der Warensendungen an jeden<br />

Haushalt, über einen für alle Zusteller offenen<br />

Zustellkasten führt. Die heute bestehende Zustelladresse<br />

wird um eine „Zugangseröffnung“<br />

nach den Präferenzen der Em-pfänger<br />

im Interesse aller erweitert (insb. des Handels,<br />

aber auch der Konsumenten). Heute passen<br />

nur zu < 50% aller Warensendungen in die<br />

bestehenden, normgerechten Postfachanlagen.<br />

Damit wird eine Neudefinition der notwendigen<br />

Infrastruktur, die jeder Haushalt haben<br />

sollte (nach bestehenden europäischen<br />

und/oder auf Deutschland zu konkretisierende<br />

Normen), oder auch der Allgemeinheit<br />

zugänglichen Hinterlegungsorten notwendig.<br />

Daten steuern die Zustellung von Waren –<br />

wem gehören die Daten?<br />

Die Sicherheit, damit das Vermeiden von Gefahr<br />

für Leib und Leben, und das Unterbinden<br />

einer kriminellen und verbrecherischen Nutzung<br />

einer solcherart neu aufzubauenden<br />

Infrastruktur ist bereits weit vorangeschritten.<br />

Der soziale Aspekt ist dringend zu berücksichtigen<br />

und damit für eine Barrierefreiheit zu<br />

sorgen. Umweltverträglichkeit der Konzepte<br />

ist zu gewährleisten. Damit ist die digitale<br />

Bemessung des CO² Verbrauchs der individuellen<br />

Einzelwarenzustellung, die Nachhaltigkeit<br />

und Vermeidung von sekundärem<br />

Abhol- oder Zustellverkehr, aber auch<br />

drohende Verkehrsbeschränkungen – die


in allernächster Zeit sogar zu Verkehrsverboten<br />

werden könnten zu berücksichtigen.<br />

Wettbewerbsgleichheit, das Ende der MwSt.<br />

Hinterziehung und des Zollbetrugs sowie Ende<br />

der Verletzung von Eigentumsrechten stehen<br />

heute im Vordergrund. Mit der Standardisierung<br />

der Daten gewinnt der Einzelhandel<br />

wieder die Hoheit über seine eigenen Daten.<br />

Diese Daten sind die Daten des Handels und<br />

sollten auch allen Wirtschaftsbeteiligten offensteht.<br />

Damit sind proprietäre Datensysteme,<br />

die heute große Teile des digitalen Handels<br />

beherrschen ungeeignet und werden auch<br />

durch offene Konzepte wie eben dem EU-<br />

Zoldatenmodel abgelöst.<br />

Gesetzliche Vorgaben, Normen<br />

Seit 1. Jänner <strong>2021</strong>: Daten zu WarenPOSTsendungen<br />

(grenzüberschreitend) müssen<br />

vor dem Versand zwischen Postbetreibern<br />

ausgetauscht werden (Transport- und Konsumentenschutz;<br />

Zoll- und MwSt.). Seit 15. März<br />

<strong>2021</strong>: Zu allen Warensendungen (KEP) vorab<br />

Datenaustausch bei einer geplanten Flugfracht.<br />

Bis 2025 gilt das für alle Transportkanäle.<br />

Bis Mitte 2024 Volldigitalisierung aller Frachtinformationen.<br />

Mit 1. Juli <strong>2021</strong>: Daten zu allen<br />

Warensendungen müssen vor dem Versand<br />

ausgetauscht werden, trifft Importe in die EU,<br />

aber auch Intra-EU versandt. (Zoll- und MwSt.).<br />

Mandate der Europ. Kommission ermöglichen<br />

allen Wirtschaftsbeteiligten die konkrete Ausgestaltung<br />

der Normen (nach den gesetzlichen<br />

Rahmenvorgaben). Dazu gehören<br />

auch betreiberoffene, kontaktlose Übergabeeinrichtungen,<br />

sowie der notwendige<br />

Datenaustausch zwischen den Wirtschaftsbeteiligten.<br />

(Vermeidung von kriminellen<br />

oder verbrecherischen Tätigkeiten). Austrian<br />

Standards arbeitet an der Gestaltung der<br />

Europäischen Normen, als Spiegelgremium<br />

zu CEN und ist Wirtschaftsbeteiligten offen,<br />

Normen auch für Österreich zu konkretisieren.<br />

Der logistic-natives e.V. ist das internationale<br />

Netzwerk für Logistik & Infrastruktur des<br />

modernen Handels und repräsentiert über<br />

30.000 Branchenunternehmen. Dabei unterstützen<br />

wir bei der Befähigung zur fortschreitenden<br />

Digitalisierung von Unternehmen<br />

und der Zustellung von Handelswaren durch<br />

digitale Kommunikationsmedien im Sinne der<br />

Zustellungsoptimierung, Nachhaltigkeit, lifecycle-<br />

& Retourenmanagements und der<br />

Kreislauf-logistik. (RED)<br />

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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S44<br />

ECOMLOG21: Pandemie als<br />

Entwicklungs-Motor für die Logistik<br />

Beim 6. eCommerce Logistik-Day <strong>2021</strong> Anfang September dreht sich alles um die<br />

pandemiebedingte Beschleunigung technischer und organisatorischer Entwicklungen<br />

in der Intra-, Distributions- und Versandlogistik. Wie schon im Jahr 2020 wird<br />

die Veranstaltung als Hybridform stattfinden. REDAKTION: ANGELIKA GABOR<br />

BERND KRATZ<br />

MANAGING DIRECTOR<br />

EMA GMBH<br />

Vor einigen Jahren noch undenkbar,<br />

hat sich die Hybrid-Form des<br />

Business-Events als voller Erfolg<br />

erwiesen. Am 9.9.<strong>2021</strong> findet der<br />

6. eCommerce Logistik-Day in Wien beim<br />

österreichischen Handelsverband statt.<br />

Kooperationspartner ist wie gewohnt neben<br />

dem Handelsverband auch das IDIH<br />

Institut des Interaktiven Handels. Durch die<br />

Veranstaltung führen wird wie bisher der<br />

Mit-Initiator des eCommerce Logistik-Tages,<br />

Bernd Kratz, Managing Director der EMA<br />

GmbH.<br />

Vielmehr wurde es als eine Selbstverständlichkeit<br />

erwartet, dass die Warenströme<br />

einwandfrei und verlässlich funktionierten,<br />

die Regal im stationären Handel stets gefüllt<br />

waren“, fasst Bernd Kratz zusammen.<br />

Leere Regale waren bis dahin eine Seltenheit,<br />

und plötzlich – Hamsterkäufen<br />

sei Dank – herrschte in manchen Produktbereichen<br />

gähnende Leere im Supermarkt.<br />

Zur Angst vor dem Virus kam plötzlich die<br />

Versorgungsangst.<br />

Die weltweiten Logistikketten rissen ab und sind<br />

teilweise bis heute noch nicht völlig wiederhergestellt.<br />

Während sich die Situation im Lebensmittelbereich<br />

wieder normalisiert hat, stehen<br />

einige Produktionen still. Besonders stark betroffen:<br />

die Automobilindustrie, die unter einem<br />

eklatanten Halbleitermangel leidet. Ehrlicherweise<br />

muss aber gesagt sein, dass dieser<br />

Mangel wohl auch ohne Corona bestünde.<br />

Während die Sprecher teilweilweise vor Ort<br />

sind – natürlich unter Einhaltung der jeweils<br />

gültigen Hygienemaßnahmen – können Sie<br />

bequem „on demand“ Vorträge und Podiumsdiskussionen<br />

mitverfolgen. Unternehmen<br />

haben noch die Möglichkeit, einen<br />

Speaker-Slot zu buchen.<br />

(Logistik)Welt im Wandel<br />

Die Corona-Pandemie erwischte die Wirtschaftswelt<br />

völlig unvorbereitet und quasi<br />

ohne Vorwarnung. Und plötzlich wurde<br />

wahr, wovon Viele insgeheim schon lange<br />

träumten: die Logistik wurde über Nacht als<br />

systemrelevant anerkannt. „Die Logistik war<br />

zwar schon immer einer der bedeutendsten<br />

Faktoren der Wirtschaft, allerdings wurde<br />

dieses oftmals nicht wahrgenommen.<br />

Fakt ist: globale Lieferketten kamen gewaltig<br />

ins Trudeln und plötzlich stellte sich vermehrt die<br />

Frage, ob dieses Outsourcing rund um den Globus<br />

wirklich so optimal ist.<br />

Automatisierung als Ausfallschutz<br />

Eine Maschine wird nicht krank. Sie muss<br />

auch keinen Abstand halten. So einfach lässt<br />

sich zusammenfassen, warum die Erhöhung<br />

des Automatisierungsgrades in Produktionsstätten<br />

eine neue Bedeutung erhalten hat.<br />

„Die Automatisierung dient nicht wie zuvor nur<br />

zur Kostensenkung, sondern auch zur Sicherstellung<br />

und Aufrechterhaltung eines Betriebs<br />

durch eine Reduzierung der Infektionsgefahr innerhalb<br />

des Personals“, berichtet Kratz.<br />

Bestes Beispiel hierfür sind die Paketzentre.<br />

Der Lockdown sorgte für eine Paketflut, wie<br />

man sie sonst nur vom Weihnachtsgeschäft<br />

kennt. Die KEP-Dienstleister mussten ihre Kapazitäten<br />

und gleichzeitig die Zustellgeschwindigkeit<br />

binnen kürzester Zeit stark ausweiten,<br />

Prozesse straffen und die Automatisierung<br />

verstärken. In seinem Vortrag „Die saisonalen<br />

Spitzen der Auftragsabwicklung im Retail<br />

smart und effizient bewältigen“ zeigt Markus


Grabner, Senior Sales Manager bei Reesink<br />

Logistic Solutions Austria Möglichkeiten auf,<br />

solche Schwankungen elegant zu meistern.<br />

Auch im Beitrag von Joachim Kininger,<br />

Director Strategic Business Development,<br />

Element Logic Germany GmbH, dreht sich<br />

alles um Volatilität – und wie man sie sich<br />

zu Nutzen macht: „Geschwindigkeit, Flexibilität<br />

und Skalierbarkeit als Wettbewerbsvorteil<br />

in einer dynamischen Handels- und<br />

Logistikwelt“ lautet sein Vortragsthema.<br />

Des Weitern folgt von DI (FH) Roman Schnabl,<br />

Vice President Product Management der<br />

KNAPP AG ein spannender Beitrag zu Trends<br />

in der Value Chain und Logistik - Wie KI-basierte<br />

Technologie die Welt der intelligenten<br />

Logistik verändert.<br />

Digitalisierung unumgänglich<br />

Schon seit Jahren ist die Logistikbranche von<br />

Innovation und Digitalisierung getrieben –<br />

Track & Trace-Informationen zum Beispiel<br />

sind offline unmöglich zu realisieren. Durch<br />

die Pandemie erhielt diese Entwicklung einen<br />

weiteren Schub. In seinem Vortrag „Der datengestützte<br />

moderne Handel und die Digitalisierung<br />

der Warenströme“ wird Walter<br />

Trezek, Vorsitzender des beratenden Komitees<br />

des Weltpostvereins von aktuellen Entwicklungen<br />

und neuen Realitäten erzählen.<br />

Wer im Lockdown sitzt und trotzdem einkaufen<br />

möchte, hat nur eine Alternative:<br />

Distanzhandel. Florian Seikel Geschäftsführer<br />

Logistic Natives e.V., Berlin, gewährt<br />

daher Einblicke in „Das virtuelle Warenhaus<br />

- der internationale & digitale Handel.“<br />

Mindestens genauso spannend wird der<br />

Beitrag von Günter Birnstingl, Managing<br />

Director Austria bei Seven Senders: „Wie<br />

Corona die Versandlogistik verändert<br />

hat - Chancen und Herausforderungen<br />

im europäischen Cross-Border Versand.“<br />

Zudem freuen wir uns sehr auf die Speaker -<br />

Harald Gutschi, Geschäftsführer der UNITO<br />

Gruppe und Rainer Will, Geschäftsführer vom<br />

Handelsverband u.v.m.<br />

Den Abschluss der Veranstaltung bildet die<br />

geführte Podiumsdiskussion „Nach der Pandemie<br />

ist vor der Pandemie – wie wird sich die<br />

Logistik auf zukünftige Notsituationen vorbereiten?“.<br />

Hoffentlich gut! (AG)<br />

Medienpartner:<br />

6. eCommerce<br />

Logistik- Day<br />

09. September <strong>2021</strong>, Wien<br />

Hybrid Event<br />

Österreichischer Handelsverband<br />

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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S46<br />

Unermüdlich im Einsatz für Obeta –<br />

der AI-gesteuerte Roboter von KNAPP<br />

Der deutsche Elektrogroßhändler Obeta versendet täglich tausende Kundenbestellungen<br />

mithilfe des KNAPP Pick-it-Easy Robot (powered by Covariant AI).<br />

BEITRAG: REDAKTION<br />

Der Elektrogroßhändler Obeta mit<br />

Sitz in Berlin wurde 1901gegründet.<br />

Mit über 28.000 Kunden und<br />

64 Filialen in ganz Deutschland<br />

verkauft Obeta Elektroartikel wie Glühbirnen,<br />

elektrische Leitungen, Steckdosen, Ventilatoren,<br />

Rauchmelder und Leistungsschalter an<br />

Elektrogeschäfte, Bauunternehmen, Industriebetriebe,<br />

Gebäudemanager und Kunden<br />

der öffentlichen Hand.<br />

Bei einem 24-Stunden Lagerbetrieb 5 Tage die<br />

Woche und einem sich ständig ändernden<br />

Sortiment wird Obetas Hauptlager mit zehntausenden<br />

Artikeln von Herstellern beliefert<br />

und wickelt jeden Monat hunderttausende<br />

Bestellungen von Kunden und Filialen ab.<br />

Arbeitsintensive Prozesse wie das Sortieren,<br />

Kommissionieren und Verpacken der Artikel<br />

in Bestellkartons sind für den Erfolg des Unternehmens<br />

entscheidend. „Arbeiter einstellen<br />

und zu halten ist eine der größten Herausforderungen,<br />

denen man als Lagerbetreiber gegenübersteht“,<br />

so Michael Pultke, Head of Logistics<br />

bei Obeta. Obeta ist mit einem starken<br />

Wettbewerb um Arbeitskräfte konfrontiert, da<br />

sich das Lager in einem Gebiet mit vielen anderen<br />

Lagern und Produktionsstätten befindet.<br />

Die COVID-19 Pandemie hat Obetas Arbeitskräftemangel<br />

nur weiter verschärft. „Wir<br />

beschäftigen Arbeiter aus benachbarten<br />

Ländern wie Polen und der Tschechischen<br />

Republik, aber da die Grenzen zeitweilig<br />

geschlossen waren, ist die Lage jetzt noch<br />

schwieriger als sonst”, erklärt Pultke.<br />

Photo Credit des gesamten Bildmaterials: Obeta/Magnus Pettersson


DER VON KNAPP AI-GESTEUERTE ROBOTER IST EIN WESENTLICHER<br />

BESTANDTEIL UNSERES LAGERBETRIEBS GEWORDEN. ER ÜBERTRIFFT<br />

DIE <strong>LE</strong>ISTUNGSANFORDERUNGEN FÜR MANUEL<strong>LE</strong> STATIONEN UND<br />

ARBEITET AUTONOM.<br />

MICHAEL PULTKE<br />

HEAD OF LOGISTICS, OBETA<br />

Die Lösung mit Pick-it-Easy Robot<br />

Innovation hat bei Obeta Tradition, denn das<br />

Unternehmen investiert immer wieder in neue<br />

Technologien und Initiativen, um das Einkaufserlebnis<br />

seiner Kunden so reibungslos und angenehm<br />

wie möglich zu gestalten. Den ersten<br />

Onlineshop führte das Unternehmen 1995 ein.<br />

In den letzten fünf Jahren errichtete Obeta<br />

mobile Abholpunkte entlang des Berliner<br />

Rings und entwickelte eine App für Express-<br />

Lieferungen mit einer garantierten Lieferzeit<br />

von weniger als zwei Stunden innerhalb<br />

der Berliner Stadtgrenze. Derzeit ist das<br />

Unternehmen mittendrin, einen Flagship-Store<br />

zu eröffnen, um seinen Kunden neue Formen<br />

des Einkaufs zugänglich zu machen. Obeta<br />

ist stolz auf seine Investitionen in Lagerautomation,<br />

denn sie ist der Schlüssel, um weiterhin<br />

wettbewerbsfähig zu bleiben – und das<br />

bei stabilen Kosten. Vor kurzem errichtete<br />

Obeta ein neues Lager mit einem dem neuesten<br />

Stand der Technik entsprechenden,<br />

automatisierten Shuttle-System von KNAPP,<br />

dem OSR Shuttle, und entschied sich dafür, in<br />

eine Arbeitsstation mit einem AI-gesteuerten<br />

Roboter zu investieren.<br />

Für Obeta war die Auftragskommissionierung<br />

mittels Roboter ein entscheidender erster<br />

Schritt, seine Vision eines hochautomatisierten<br />

Lagers zu verwirklichen. Wertvolle Daten<br />

können über das Lager und die darin befindlichen<br />

Artikel gesammelt werden, die auch zukünftige<br />

AI-gesteuerte Roboter übernehmen<br />

können. Dadurch entsteht ein Kreislauf an<br />

Robotern, die sich laufend verbessern.


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S48<br />

Die Entscheidung für KNAPP traf Obeta aus<br />

mehreren Gründen. Der Pick-it-Easy Robot<br />

arbeitet autonom ohne menschliches Zutun.<br />

Der Roboter zeigte die beste Kommissionierleistung<br />

und konnte mit einem breiten Spektrum<br />

an Artikeln gleich schnell und fehlerfrei<br />

umgehen wie die Kommissionierer in den<br />

manuellen Stationen. Er konnte auch vollständig<br />

in die bei Obeta bereits bestehenden Systeme<br />

integriert werden und ermöglichte das<br />

Automatisieren erfolgskritischer Funktionen,<br />

wie zum Beispiel das Fehlerhandling.<br />

Obeta zeigte sich darüber hinaus beeindruckt<br />

von der Tatsache, dass der Roboter<br />

von KNAPP die Fähigkeit besitzt, Artikel zu<br />

greifen, mit denen er nie zuvor hantiert hatte<br />

und sich seine Greifbewegungen mit zunehmender<br />

Erfahrung auch verbesserten. Möglich<br />

macht das seine künstliche Intelligenz, die<br />

in Zusammenarbeit mit dem kalifornischen<br />

Start-up Covariant entwickelt wurde.<br />

Die Software lässt ihn beinahe so sehen und<br />

greifen wie einen Menschen. Wie auch andere<br />

Warenlager erhält Obetas Lager jede<br />

Woche hunderte von neuen Artikeln, weshalb<br />

das Unternehmen ein System benötigte,<br />

dass sich leicht an neue Artikel anpassen<br />

kann, ohne den Betrieb zu beeinträchtigen.<br />

Letztendlich gab KNAPP’s Roadmap für zukünftige<br />

AI-gesteuerte Robotersysteme, die<br />

dem Roboter ein eigenes Gedächtnis verleiht,<br />

Obeta die Zuversicht, dass das Unternehmen<br />

durch diese gemeinsame Partnerschaft<br />

seine Vision eines hochautomatisierten<br />

Lagers verwirklichen kann. KNAPP setzt den<br />

Pick-it-Easy Robot dazu ein, Artikel zu kommissionieren<br />

und von Lagerbehältern in Auftragskartons<br />

zu legen. Die Arbeitsstation wurde<br />

mit minimalen Ausfallzeiten errichtet und die<br />

Auftragskommissionierung konnte innerhalb<br />

weniger Tage starten. (RED)<br />

Der Pick-it-Easy Robot von KNAPP ist seit<br />

über 11 Monaten in Betrieb und ist bis zu<br />

14 Stunden täglich im Einsatz. „Wir können<br />

uns darauf verlassen, dass der Roboter<br />

seine Arbeit macht, ohne uns Sorgen<br />

machen zu müssen, dass er die Arbeitslast<br />

einmal nicht schafft und das stellt für<br />

uns einen Riesengewinn dar”, so Michael<br />

Pultke, Head of Logistics bei Obeta.<br />

•.Geschwindigkeit – erreicht je nach Auftragsvolumen<br />

Spitzengeschwindigkeiten<br />

von bis zu 600 Stück pro Stunde und ist<br />

gleichwertig mit Obetas manuellen Kommissionierstationen.<br />

•.Genauigkeit – kommissioniert mit 99 % Genauigkeit,<br />

selbst wenn er jede Woche neue<br />

Gegenstände erlernt.<br />

•.Vielfalt der Gegenstände – kann derzeit<br />

mit 70 % der kommissionierbaren Artikel<br />

hantieren.


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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S50<br />

SSI Schäfer liefert automatisierte<br />

Lösung für Sicherheitsschuh-<br />

Hersteller Sievi<br />

Sievi, führender Hersteller von Sicherheitsschuhen in Nordeuropa, investiert in<br />

eine skalierbare wie nachhaltige Lösung von SSI Schäfer zur Lagerung von Rohmaterialien<br />

und Fertigprodukten. BEITRAG: REDAKTION<br />

Der führende Hersteller von Sicherheitsschuhen<br />

in Nordeuropa,<br />

Sievi, beauftragte SSI Schäfer in<br />

diesem Jahr mit der Erweiterung<br />

des bestehenden Warenlagers im gleichnamigen<br />

Ort Sievi in Finnland. Das Unternehmen<br />

beliefert mit seinen Produkten<br />

den lokalen Markt, exportiert aber auch in<br />

mehr als 40 Länder weltweit. Stets auf der<br />

Suche nach zukunftssicheren Lösungen<br />

und Innovationen sowie angetrieben vom<br />

Branchenwachstum sah Sievi die Notwendigkeit,<br />

in eine Lagerautomatisierung zu investieren.<br />

Das Hauptziel von Sievi ist es, eine<br />

schnelle und nahtlose Lieferung der 200<br />

SKUs (Stock Keeping Units bzw. Bestandseinheiten)<br />

an die Kunden zu ermöglichen<br />

und zukünftigen Entwicklungsplänen zur


Erweiterung der Produktions- und Lagerkapazitäten<br />

gerecht zu werden. Um diese<br />

Anforderungen zu erfüllen, wird SSI Schäfer<br />

das bestehende System von Sievi nachhaltig<br />

erweitern, sodass die Gesamtleistung<br />

pro Stunde verdoppelt und über 60 % mehr<br />

Lagerplätze geschaffen werden können.<br />

Die bestehende Anlage von Sievi wurde<br />

von SSI Schäfer bereits 2009 realisiert.<br />

Das gemeinsame Projekt, die Skalierbarkeit<br />

der bestehenden Lösung und die<br />

flexibel einsetzbare Software WAMAS®<br />

von SSI Schäfer legten den Grundstein<br />

für diese fortlaufende Partnerschaft.<br />

„Sievi ist ein Marktführer in dieser Branche<br />

und eine der bekanntesten Marken in Finnland.<br />

Es ist großartig, die Zusammenarbeit<br />

mit einem Unternehmen weiterzuführen,<br />

das starke Werte vertritt und, so wie wir,<br />

ein familiengeführtes Unternehmen ist. Wir<br />

freuen uns darauf, Teil dieser zukünftigen<br />

Erweiterung von Sievi zu sein“, so Michael<br />

Hillström, General Manager bei SSI Schäfer<br />

in Finnland und Schweden.<br />

Nachhaltige Erweiterung für maximale<br />

Leistung und Lagerkapazität<br />

Um die Leistungsanforderungen zu erfüllen,<br />

realisiert SSI Schäfer eine Lösung für<br />

eine effizientere Sequenzierung zwischen<br />

dem automatischen Kleinteilelager und<br />

den Packstationen. Die sechs bestehenden<br />

Packstrecken werden demontiert und sechs<br />

neue Packstrecken an anderer Stelle integriert.<br />

Zudem werden vor den Packstationen<br />

insgesamt sechs Sequence-Tower installiert,<br />

die zahlreiche Puffer-Lagerplätze<br />

bieten, welche durch Heber verbunden<br />

sind.<br />

Behälter und Kartons, die aus dem automatischen<br />

Kleinteilelager ausgelagert werden,<br />

können somit effizient gepuffert und in der<br />

richtigen Reihenfolge zu den Packstationen<br />

transportiert werden. Mögliche Lagerengpässe<br />

sollen durch ein neues Hochregallager<br />

mit vier SSI Exyz Regalbediengeräten<br />

vermieden werden. Die SSI Exyz Regalbediengeräte<br />

werden sowohl Paletten mit Rohmaterialien<br />

als auch mit halbfertigen Produkten<br />

bearbeiten.<br />

Auch das automatische Kleinteilelager, in<br />

dem Schuhkartons gelagert werden, wird<br />

um drei Gassen erweitert. Die skalierbare<br />

und nachhaltige Lösung ermöglicht es Sievi<br />

Rohmaterialien und fertige Produkte in<br />

einem einzigen Warenlager an nur einem<br />

Produktionsstandort zu lagern.<br />

Nach dem Wareneingang werden Rohmaterialien<br />

und halbfertige Produkte im<br />

neuen Hochregallager zwischengelagert<br />

und nach Bedarf in den Produktionsbereich<br />

transportiert. Die fertigen Produkte<br />

werden danach im automatischen Kleinteilelager<br />

untergebracht. Schuhkartons<br />

werden zu den Sequence-Towern transportiert,<br />

wo sie gepuffert und anschließend<br />

mithilfe von Hebern und Fördertechnik<br />

in der richtigen Reihenfolge zu den<br />

Packstationen gebracht werden. An diesen<br />

Stationen werden die Schuhkartons<br />

auftragsgemäß gepackt. Nach der Etikettierung<br />

werden sie zum Warenausgangsbereich<br />

transportiert und schließlich an<br />

die Händler geliefert. Die Auftragsgröße<br />

reicht dabei von einem bis 2.000 Kartons.<br />

Die Lösung wird durch flexibel einsetzbare,<br />

leistungsfähige Logistiksoftware WAMAS®<br />

von SSI Schäfer und Fördertechnik abgerundet.<br />

SSI Schäfer bietet modulare, skalierbare<br />

Lösungen für die speziellen Anforderungen<br />

der Fashionbranche aus einer Hand<br />

Die Inbetriebnahme ist Ende 2022 geplant.<br />

(RED)<br />

Die SSI Schäfer Gruppe ist der weltweit<br />

führende Lösungsanbieter von modularen<br />

Lager- und Logistiksystemen. Das<br />

Unternehmen beschäftigt am internationalen<br />

Hauptsitz in Neunkirchen (Deutschland)<br />

sowie weltweit in rund 70 operativ<br />

tätigen Gesellschaften und an sieben<br />

Produktionsstätten im In- und Ausland<br />

rund 10.500 Mitarbeiter. Verteilt auf sechs<br />

Kontinente entwickelt SSI Schäfer innovative<br />

Konzepte und Lösungen in den Branchen<br />

seiner Kunden und gestaltet so die<br />

Zukunft der Intralogistik.


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S52<br />

Aus dem richtigen Holz geschnitzt<br />

Fast 33 Milliarden Liter Milch wurden dem Milch Industrie Verband (MIV) zufolge<br />

2018 in Deutschland verarbeitet. Ein Großteil, nämlich 44 Prozent der gesamten<br />

Rohmilch, floss dabei in die Produktion von Käse. BEITRAG: REDAKTION<br />

Deutschland ist Retouren-Europameister.<br />

Jeder zweite Online-Kunde<br />

hat im vergangenen<br />

Jahr mindestens eine Bestellung<br />

zurückgeschickt – insgesamt über 500 Millionen<br />

Produkte. Ein hoher Retourenanteil<br />

im Endkundengeschäft stellt auch die<br />

HABA-Firmenfamilievor Herausforderungen.<br />

Auf der Suche nach einer Lösung mit<br />

hohem Automatisierungsgrad für sein großes<br />

Distributionszentrum in Bad Rodach<br />

wurde der Spielwarenhersteller bei Dematic<br />

fündig.<br />

Mit dem modularen und skalierbaren Dematic<br />

Taschensortiersystem bietet der Intralogistik-Spezialist<br />

eine flexible Lösung, mit<br />

der sich verschiedenste Arten von Gütern<br />

lagern, sortieren, sequenzieren und zwischenpuffern<br />

lassen. Damit ist das System<br />

ideal für den Einsatz im E-Commerce und<br />

Omni-Channel-Fulfillment und insbesondere<br />

für die Retourenbearbeitung geeignet.<br />

Die HABA-Firmenfamilie hat ihre Wurzeln<br />

in der Spielwarenherstellung und ist dort<br />

bis heute einer der führenden Anbieter in<br />

Deutschland. Seit mehr als 80 Jahren vertreibt<br />

das fränkische Unternehmen Holzspielzeug.<br />

Neben Bauklötzen und Kugelbahnen<br />

aus nachhaltiger Forstwirtschaft<br />

zählen heute aber auch diverse Puppen,<br />

Brett- und Kartenspiele, Bücher sowie Einrichtungen<br />

für Bildungskonzepte und Bekleidung<br />

zum Angebot. Neben der Belieferung<br />

ausgewählter Fachhändler und Bildungseinrichtungen<br />

bietet das Unternehmen unter<br />

den Marken HABA, JAKO-O, FIT-Z, Qiéro!<br />

und Wehrfritz einen Großteil seiner Produkte<br />

online B2C an. Mindestens 700 Sendungen<br />

verlassen pro Stunde das Distributionszentrum<br />

in Bad Rodach.<br />

Effizientes Retourenmanagement<br />

Wie so oft im E-Commerce kommen aber<br />

auch zahlreiche Pakete auf gleichem<br />

Wege wieder zurück.


Die Gründe sind unterschiedlich: Nur selten<br />

sind die Waren beschädigt. Viele Kunden<br />

ordern von vornherein mehrere Alternativen<br />

und schicken die nicht ausgewählten<br />

zurück. In anderen Fällen entsprechen die<br />

Bestellungen nicht exakt den Erwartungen<br />

der Käufer. „Ein Großteil dieser Waren sind<br />

sogenannte A-Retouren, also einwandfreie<br />

Produkte, die sofort wiederverkauft werden<br />

können“, sagt Torsten Kreußel, Leiter Prozessmanagement,<br />

Produktion und Logistik<br />

bei der HABA-Firmenfamilie.<br />

Genau hier stieß die Intralogistik bei der<br />

HABA-Firmenfamilie vor zwei Jahren an ihre<br />

Grenzen. Denn viele Arbeitsschritte liefen<br />

noch manuell ab. Aufgrund der Vielzahl an<br />

Retouren vergingen mitunter Tage, bis die<br />

Produkte wieder zum Verkauf bereitstanden.<br />

„In Hochphasen erreichen unseren<br />

Wareneingang bis zu 1.500 Artikel pro<br />

Stunde. Unser Retourenmanagement war<br />

den Dynamiken des heutigen E-Commerce<br />

schlicht nicht mehr gewachsen“, erinnert<br />

sich Kreußel.<br />

Flexibel wie eine Kugelbahn<br />

Eine automatisierte Lösung sollte her, um<br />

die Retourenabwicklung nahtlos in den<br />

Fulfillment-Prozess zu integrieren und die<br />

Zugriffszeiten somit zu verkürzen. Zur besonderen<br />

Herausforderung wurde der Wunsch<br />

nach einem System, dass sich auf begrenztem<br />

Raum in die bestehenden Anlagen<br />

integrieren ließ – und das alles bei laufenden<br />

Betrieb. Im Auswahlverfahren stieß die<br />

HABA-Firmenfamilie schnell auf das Taschensortiersystem<br />

von Dematic. „Die Idee,<br />

den bis dato ungenutzten Luftraum unserer<br />

Logistikflächen für einen flexiblen Taschensorter<br />

zu nutzen, hat uns sofort zugesagt“,<br />

erklärt Kreußel.<br />

Das Dematic Taschensortiersystem ist eine<br />

ganzheitliche Lösung und unterstützt sowohl<br />

den reinen E-Commerce als auch den<br />

Omni-Channel-Versand. Für den Warentransport<br />

verwendet das System Taschen,<br />

die platzsparend an Rollen aufgehängt<br />

sind und in einer Überkopfschiene laufen.<br />

Dank des modularen Aufbaus und variabler<br />

Kettenlänge kann der Taschensorter<br />

kompakt in nahezu jeder Anwendungsumgebung<br />

verbaut werden. In den Taschen<br />

können verschiedenste Produktformen<br />

und -größen mit einem Gewicht bis zu drei<br />

Kilogramm transportiert, sortiert und sequenziert<br />

werden. „Da wir über ein sehr<br />

breites Produktsortiment verfügen, waren<br />

Flexibilität und Skalierbarkeit notwendige<br />

Voraussetzungen“, sagt Kreußel.<br />

Vollautomatische Taschenbeladung<br />

Bei der HABA-Firmenfamilie findet die automatische<br />

Taschenbeladung direkt nach<br />

der Retourenbearbeitung im Erdgeschoss<br />

statt. Dazu hat Dematic eine Gurtschleife<br />

für Leerbeutel sowie ein zusätzliches Förderband<br />

entlang der Arbeitsplätze in die bestehende<br />

Technik integriert, das die Waren<br />

zur Induktionsstation transportiert. „Das System<br />

belädt bis zu 1.200 Taschen pro Stunde<br />

mit jeweils einem Packstück, das sich per<br />

RFID-Tag und Barcode identifizieren lässt.<br />

Somit können wir jederzeit im System erkennen,<br />

wo sich welcher Artikel befindet“, so<br />

Kreußel. Anschließend werden die Behälter<br />

über einen Steilförderer in das dynamische<br />

Taschenlager im zweiten Obergeschoss<br />

transportiert. Dort befinden sich in zwei<br />

übereinanderliegenden Ebenen 18 Pufferkreisel<br />

mit jeweils 128 Metern Länge, in<br />

denen knapp 40.000 Taschen Platz finden


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S54<br />

und dort zirkulieren, bis sie erneut einer Bestellung<br />

zugewiesen werden. „Die Retouren<br />

sind damit nach nur 30 bis 45 Minuten wieder<br />

verkaufsfertig“, erläutert Kreußel. Nicht<br />

lesbare Artikel oder Überbestände werden<br />

aus dem Kreislauf ausgeschleust und zurück<br />

ins Erdgeschoss befördert, wo die Taschen<br />

am Housekeeping wiederum automatisch<br />

entladen werden. Dazu hat Dematic eine<br />

Rutsche installiert, die den Arbeitsplatz mit<br />

der bestehenden Anlage verbindet.<br />

Reibungslose und fehlerfreie<br />

Kommissionierung<br />

Die Zusammenstellung neuer Aufträge<br />

erfolgt im zweiten Obergeschoss mittels<br />

Batch-Kommissionierung aus dem Dynamikpuffer.<br />

Die benötigten Waren werden<br />

dafür zunächst aus dem dynamischen Puffer<br />

zum Taschensammler transportiert. Dabei<br />

handelt es sich um einen Sortierbereich<br />

mit 17 parallelen Stangen, auf denen die<br />

Produkte ihrer jeweiligen Batch zugeordnet<br />

werden. Bis zu 2.000 Artikel können pro<br />

Stunde über den Sammler ausgegeben werden.<br />

Ist ein Batch mit bis zu 60 Sendungen<br />

komplett, fahren die vorsortierten Taschen<br />

weiter zu den beiden Umpackstationen.<br />

Für die Taschenentladung wurde bauseits<br />

eine neue Bühne inklusive Anbindung<br />

an die Bestandsfördertechnik errichtet.<br />

Damit sie exakt den Vorgaben des Taschensortiersystems<br />

entsprach, übernahm<br />

Dematic die technische Planung. Nach<br />

dem automatischen Öffnen der Taschen<br />

gelangen die Artikel über ein Förderband<br />

zu zwei manuellen Arbeitsplätzen. Mitarbeiter<br />

etikettieren sie dort und legen sie in Behälter,<br />

die vorab aus dem Kreislauf für Leerbehälter<br />

ausgeschleust wurden. Damit die<br />

Mitarbeiter die Waren beim Auszeichnen<br />

nicht vertauschen, ist der Gurtförderer sensorgesteuert.<br />

„Die nächste Tasche wird erst<br />

entladen, wenn das vorherige Produkt vom<br />

Band genommen wurde“, erklärt Kreußel.<br />

Wieder zurück auf Anfang<br />

Die Behälter eines Batches (circa 60 Aufträge)<br />

verbleiben so lange am Arbeitsplatz,<br />

bis sie komplett sind und per Knopfdruck<br />

der Weitertransport ausgelöst wird. Anschließend<br />

gelangen sie über ein Transferelement<br />

zurück auf die bestehende Förderanlage<br />

und werden zum vorhandenen<br />

Wannenpuffer transportiert. Erst hier erfolgt<br />

die Konsolidierung der Gesamt-Batches<br />

mit den Waren aus dem Fachbodenlager.<br />

„Da wir Bestellungen nur in Ausnahmefällen<br />

komplett aus Retouren und dem dynamischen<br />

Puffer im Obergeschoss zusammenstellen<br />

können, war eine vollständige und<br />

reibungslose Integration des Taschensorters<br />

in die bestehende Anlage entscheidend“,<br />

betont Kreußel.<br />

Die endgültige Konsolidierung der Aufträge<br />

erfolgt im Anschluss über die Putwalls der<br />

Bestandsanlage. Die entladenen Taschen<br />

werden automatisch wieder verschlossen<br />

und gelangen anschließend über den Förderschacht<br />

zurück ins Erdgeschoss, wo sie<br />

bis zu ihrem nächsten Einsatz in der Leertaschenstrecke<br />

zirkulieren. Bis zu 750 leere<br />

Beutel können so pro Stunde und Arbeitsplatz<br />

für die Beladung bereitgestellt<br />

werden.<br />

Noch immer Luft nach oben<br />

Durch die Dematic-Lösung hat sich der<br />

Retourenprozess bei der HABA-Firmenfamilie<br />

erheblich vereinfacht, resümiert Kreußel:<br />

„Die Wiederverfügbarkeit eines Artikels hat<br />

früher mehrere Tage in Anspruch genommen.<br />

Mit dem Taschensortiersystem dauert<br />

es jetzt weniger als eine Stunde. Das spart<br />

uns nicht nur Zeit und Arbeitskräfte für die<br />

Rücksortierung der Ware ins Fachbodenregal,<br />

sondern auch Geld und sorgt durch<br />

kürzere Lieferzeiten und somit für noch<br />

höhere Kundenzufriedenheit.“<br />

Dabei hat der Taschensorter seinen vollen<br />

Leistungsumfang noch gar nicht erreicht.<br />

Denn dank des modularen Aufbaus lässt<br />

sich das Taschensortiersystem im Nachhinein<br />

noch erweitern. Darauf hat Dematic<br />

auch bei der HABA-Firmenfamilie geachtet<br />

und die potenzielle Erweiterung bei der<br />

Planung der Anlage berücksichtigt. „Durch<br />

fünf weitere Abgaben im Taschensammler<br />

sowie einen dritten Umpack-Arbeitsplatz<br />

können wir die Kapazität zukünftig noch ohne<br />

großen Aufwand ausbauen“, so Kreußel.<br />

Damit ist die HABA-Firmenfamilie auch<br />

für die wachsenden Anforderungen des<br />

E-Commerce gewappnet.<br />

(RED)


6. eCommerce<br />

Logistik- Day<br />

09. September <strong>2021</strong>, Wien<br />

Hybrid Event<br />

Österreichischer Handelsverband<br />

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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S56<br />

Online-Shop und Ladengeschäft versorgt<br />

von einem AutoStore-System<br />

Das zunehmende Wachstum auf internationaler Ebene und die konsequente<br />

Erweiterung des Sortiments im Cross-Channel-Vertrieb erforderten 8 Jahre nach<br />

der Gründung von eXXpozed ein neues, leistungsfähigeres Logistikkonzept.<br />

Mit einem AutoStore-System von Element Logic konnte der Online-Händler für<br />

Outdoorausrüstung nicht nur seine Lagerkapazität vervielfachen, sondern auch<br />

seine Lagerprozesse hinsichtlich Zuverlässigkeit und Effizienz erheblich optimieren.<br />

BEITRAG: REDAKTION<br />

Boulderflächen geboten, auf denen auch<br />

Kurse, Events und Wettkämpfe organisiert<br />

werden. „Wir bieten unseren Kunden eine<br />

Sport- und Outdoor-Erlebniswelt, in der sie<br />

unsere Produkte mit allen Sinnen erfahren<br />

können“, so Andreas Oliver Bindhammer,<br />

Gründer und Geschäftsführer von<br />

eXXpozed und ehemaliger Weltcupsieger<br />

im Schwierigkeitsklettern.<br />

eXXpozed sports & fashion ist ein<br />

Anbieter für Outdoor Bekleidung<br />

und hochwertige Outdoor- und<br />

Extremsport-Ausrüstung. Seinen<br />

Fokus richtet das im Jahr 2010 gegründete<br />

Unternehmen auf ausgefallene, nicht überall<br />

erhältliche Produkte exklusiver Markenhersteller<br />

und verfügt aktuell über ein<br />

Sortiment von rund 150.000 Artikeln. Seit<br />

Dezember 2018 reiht sich mit dem Neubau<br />

in Dietmannsried bei Kempten und der<br />

Eröffnung des 750 m² großen Ladengeschäfts<br />

mit angeschlossenem Bistro ein<br />

neuer Meilenstein in die Unternehmensgeschichte<br />

ein. Zusätzlich werden auf insgesamt<br />

1.860 m² innen und außen Kletter- und<br />

Auf der Suche nach der optimalen<br />

Lagerlösung<br />

Von ursprünglich 4 Festangestellten und 5<br />

Aushilfen im Jahr 2010 ist die Anzahl der Mitarbeiter<br />

bei eXXpozed inzwischen auf mehr<br />

als 80 angestiegen. Sie sorgen dafür, dass<br />

täglich bis zu 1.400 Bestellungen ihren Weg<br />

zu weltweit inzwischen fast 600.000 Kunden<br />

finden. In den ersten Jahren hat eXXpozed<br />

Lagerhaltung klassischer Art betrieben. Die<br />

Artikel wurden auf Anforderung stückweise<br />

manuell entnommen und den individuellen<br />

Bestellungen entsprechend kommissioniert.<br />

Das Personal verbrachte viel Zeit mit der<br />

Zusammenstellung der Produkte und mit<br />

wachsendem Sortiment wurden die Wege<br />

von den Lagerräumen zum Versandbereich<br />

immer länger. Das rasante Wachstum<br />

im Online-Geschäft und die Ergänzung des<br />

stationären Handels am neuen Standort in<br />

Dietmannsried machten schließlich effizientere<br />

Prozesse und eine höhere Lagerkapazität<br />

dringend erforderlich.<br />

Auf der Suche nach einem einfacheren – und<br />

vor allem zukunftssicheren – Logistikkonzept<br />

wurden verschiedene Lager- und Logistiklösungen<br />

in Erwägung gezogen und wieder


verworfen. „Bis uns der Logistikspezialist<br />

Element Logic eines Tages eine Lösung auf<br />

Basis eines AutoStore Konzeptes vorstellte<br />

– einfach, platzsparend, intelligent und<br />

maximal skalierbar – die perfekte Lösung für<br />

unseren Bedarf“, erinnert sich Bindhammer.<br />

Höchste Verfügbarkeit auf kleinstem Raum<br />

Nach einer Gesamt-Realisierungsdauer von<br />

lediglich 17 Wochen wurde im Spätsommer<br />

2018 die platzsparende automatische<br />

Lager- und Kommissionierlösung AutoStore<br />

bei eXXpozed in Betrieb genommen. Aufgrund<br />

der kompakten Bauweise und der<br />

hohen Lagerungsdichte wurde die Auto-<br />

Store-Anlage in das Stockwerk direkt unterhalb<br />

des Ladengeschäfts integriert – auf<br />

einer Fläche von nur 450 m². „Zum Vergleich:<br />

ein herkömmliches Lager würde für<br />

die gleiche Warenmenge etwa 3.500 m²<br />

benötigen“, erklärt Bindhammer. Um die<br />

besondere Kundenerlebniswelt noch einzigartiger<br />

zu machen, hat eXXpozed die<br />

AutoStore-Roboter gekonnt in Szene gesetzt.<br />

Diese lassen sich von außerhalb des<br />

Gebäudes durch ein Schaufenster beobachten.<br />

Das automatische Kleinteilelager<br />

von eXXpozed beinhaltet derzeit<br />

10.950 Behälter. Diese werden in den vertikalen<br />

Kanälen des Grids zu jeweils 16 Stück<br />

übereinandergestapelt, auf der horizon-<br />

talen Ebene betragen die Zwischenräume<br />

jeweils nur wenige Zentimeter. Damit wird<br />

der verfügbare Raum in allen Richtungen<br />

maximal ausgenutzt. Insgesamt 12 intelligente<br />

AutoStore Roboter bewegen sich<br />

auf dem darüber befindlichen Aluminiumraster.<br />

Sie heben mit ihren Greifeinheiten<br />

Behälter an, sortieren diese um und stellen<br />

sie an den Kommissionierports bereit.<br />

Eine standardisierte Software steuert die<br />

Bewegungsabläufe und kontrolliert kontinuierlich<br />

die Standorte der einzelnen Behälter<br />

im System. Die autonomen Roboter bewegen<br />

sich durch ihre vier über Eck angeordneten<br />

Räderpaare in zwei Richtungen und<br />

erreichen so jede Position im Raster mit<br />

einer Geschwindigkeit von bis zu 3,1 m/s.<br />

Sie kommunizieren über WLAN mit der Auto-<br />

Store-Steuerung, die die Transportaufträge<br />

an die einzelnen Roboter vergibt. Bei<br />

geringer Auftragslast oder zu geringer Batteriekapazität<br />

fahren die Roboter selbstständig<br />

eine der im Grid befindlichen Ladestationen<br />

an.<br />

Ergonomische Arbeitsplätze und<br />

effizientere Prozesse<br />

Für die Warenein- und Auslagerung stehen<br />

bei eXXpozed zwei Karussell-Ports und<br />

ein Conveyor-Port zur Verfügung. Bei Be-


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S58<br />

darf können alle Arbeitsstationen für jeden<br />

Prozess verwendet werden. Dies gibt<br />

eXXpozed jederzeit eine maximale Flexibilität.<br />

Optimiert wird das ganze durch<br />

eine von Element Logic für den Bedarf von<br />

eXXpozed individuell angepasste Softwarelösung.<br />

Anstelle mehrerer Lagerräume<br />

mit langen Laufwegen verfügt eXXpozed<br />

heute über ergonomisch eingerichtete Arbeitsplätze.<br />

Die Behälter mit den Waren<br />

werden direkt an die Arbeitsplätze geliefert,<br />

wo Kommissionierer die Aufträge sowohl<br />

für Bestellungen aus dem Online-Shop als<br />

auch für die Abholung im Ladengeschäft<br />

bearbeiten. Unter dem Strich bedeutet das<br />

für eXXpozed hohe Effizienz bei minimalem<br />

Aufwand.<br />

Bei zusätzlichem Bedarf, zum Beispiel vor<br />

der Weihnachtszeit oder dem Black Friday,<br />

kann die Leistung des AutoStore-Systems<br />

sehr kurzfristig durch die Einbringung zusätzlicher<br />

Roboter und Behälter gesteigert<br />

werden. Zu Spitzenzeiten konnte das Auto-<br />

Store-System von eXXpozed bis zu 370<br />

Picks/h leisten.<br />

Ein zukunftsfähiges Set-up<br />

Mit der perfekt aufeinander abgestimmten<br />

Intralogistik und der daraus resultierenden<br />

minimalen Auftragsdurchlaufzeit kann eXXpozed<br />

der wachsenden Nachfrage und<br />

den Kundenanforderungen nach schneller<br />

und pünktlicher Lieferung gerecht werden.<br />

Da das zentrale Lager direkt an den Store<br />

angegliedert ist, kann auch im Ladengeschäft<br />

jederzeit ein sehr breites und tiefes<br />

Sortiment angeboten werden.<br />

„AutoStore und die Zusammenarbeit mit<br />

Element Logic haben in jeder Hinsicht<br />

dazu beigetragen, die Kundenzufriedenheit<br />

zu steigern und unsere Marktposition<br />

weiter auszubauen“, so Bindhammer abschließend.<br />

„Es war für uns die bisher beste<br />

Entscheidung in Bezug auf effizientes und<br />

ressourcenoptimiertes Lagermanagement.<br />

Das vollautomatisierte Warenlager fügt<br />

sich perfekt in die bestehende Infrastruktur<br />

unserer Versandhandelssoftware ein und<br />

garantiert uns damit Zukunftssicherheit und<br />

nachhaltige Wachstumschancen.“<br />

Andreas Oliver Bindhammer, Gründer/Geschäftsführer<br />

von eXXpozed, ist stolz auf die<br />

Möglichkeiten, die sich durch AutoStore und die<br />

Zusammenarbeit mit Element Logic ergeben.<br />

Zahlen und Fakten:<br />

450 m² großes AutoStore System<br />

12 AutoStore-Roboter<br />

10.950 Behälter<br />

2 Karussell-Ports<br />

1 Conveyor-Port<br />

Element Logic ist der weltweit erste offizielle<br />

AutoStore-Integrator und führender Anbieter<br />

von Intralogistiklösungen. Seit über 35 Jahren<br />

unterstützt Element Logic Unternehmen<br />

sämtlicher Branchen und Größen dabei, in<br />

zunehmend dynamischeren Märkten mit immer<br />

komplexer werdenden Anforderungen<br />

zu bestehen. In generalunternehmerischer<br />

Verantwortung entwickeln und realisieren<br />

wir wohl durchdachte, hocheffiziente Lagerlösungen<br />

vom Wareneingang bis zum Warenausgang.<br />

Herzstück dieser Lösungskonzepte<br />

ist das einzigartige automatische Lager- und<br />

Kommissioniersystem AutoStore, welches<br />

maximale Energie- und Raumeffizienz bietet.<br />

Als weltweit erster offizieller AutoStore-Partner<br />

haben wir bereits über 130 Unternehmen mit<br />

dem einzigartigen System ausgestattet und<br />

sind Marktführer für AutoStore-Lösungen in<br />

Europa. Um die bestmögliche AutoStore-<br />

Gesamtlösung zu entwickeln, integrieren<br />

wir zusätzliche Technologien in Ihre Intralogistik,<br />

wie beispielsweise automatische<br />

Kartonaufrichter und -verschließer, Etikettierer,<br />

Fördertechnik und Pick-Roboter.<br />

Weiterhin kümmern wir uns um die Schulung des<br />

Bedienpersonals und bieten fortlaufende<br />

Serviceleistungen sowie den AutoStore Support<br />

an. Als mittelständisches Unternehmen<br />

sind Flexibilität, Agilität und Schnelligkeit<br />

Eigenschaften, die uns auszeichnen.<br />

Wir gehen gezielt auf Ihre Bedürfnisse ein<br />

und entwickeln Lösungen, die innerhalb<br />

weniger Wochen integrierbar sind und mit<br />

Ihren Anforderungen wachsen können.<br />

Unsere Erfahrung sichert Ihren Erfolg!<br />

(RED)


Die Welt der<br />

nachhaltigen<br />

Logistik<br />

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• binnenschiff-journal.at<br />

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LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S60<br />

Das kolossale Versagen der Politik<br />

Der Ausbruch der Pandemie ist ein externer Schock und wurde von vielen als<br />

schwarzer Schwan bezeichnet – als ein völlig überraschendes und unwahrscheinliches<br />

Ereignis, das die Menschheit überrumpelt. Doch eine Pandemie wie<br />

Covid-19 kam alles andere als überraschend. Eigentlich ist sie nämlich ein weißer<br />

Schwan, eine erwartbare und vorprogrammierte Krise. GASTBEITRAG: MARC FRIEDRICH<br />

Mehr noch: Einige Experten haben auf breiter<br />

Datenbasis vor ein paar Jahren sogar Szenarien<br />

simuliert, nach denen dafür ein Virus aus<br />

der Corona-Familie verantwortlich sein werde.<br />

Hierzu gab es in der Vergangenheit schon<br />

durchgespielte Szenarien sowie simulierte<br />

Pandemieübungen von verschiedenen Institutionen,<br />

die uns jetzt geradezu unheimlich<br />

erscheinen, weil sie ziemlich genauso eingetreten<br />

sind, wie in der Simulation vorweggenommen.<br />

Ein erstaunliches Beispiel finden<br />

wir in Deutschland: 2012 verfasste die deutsche<br />

Bundesregierung – unter der Federführung<br />

des Robert Koch-Institut – eine Risikoanalyse<br />

zur Pandemieverbreitung. Das Szenario<br />

behandelte sogar den richtigen Virusstamm:<br />

Die Bundesregierung probte den Ausbruch<br />

eines Erregers des Typs SARS-Coronavirus. Die<br />

Bundesregierung schien sich bewusst zu sein,<br />

was auf sie zukommen könnte.<br />

Marc Friedrich ist Finanzexperte,<br />

sechsfacher<br />

Bestsellerautor, Redner,<br />

Vordenker, Freigeist und<br />

Gründer der Honorarberatung<br />

Friedrich<br />

Vermögenssicherung<br />

GmbH für Privatpersonen<br />

und Unternehmen.<br />

Wir leben in einer globalisierten<br />

Welt: Es war klar, dass über<br />

Land, Luft oder Wasser jedes<br />

Virus, egal wie gefährlich, egal<br />

wo entsprungen, es zu uns schaffen würde.<br />

Seit Jahrzehnten machen wir auch die Erfahrung,<br />

dass jedes Jahr eine neue Grippewelle<br />

grassiert – mal heftiger, mal weniger heftig.<br />

Klar, niemand konnte vorhersehen, wann eine<br />

Epidemie oder Pandemie eintreten würde. Es<br />

gab aber solide Prognosen, dass eine globale<br />

Pandemiewelle eigentlich überfällig sei.<br />

Eine Frage drängt sich auf: Wenn die Verantwortlichen<br />

diese Szenarien doch bereits national<br />

und international mehrfach durchexerziert<br />

haben, und das sogar mit dem richtigen<br />

Virusstamm, wieso wurden dann keine Vorkehrungen<br />

getroffen? Wieso war man dermassen<br />

unvorbereitet? Wieso das aberwitzige<br />

Versagen auf breiter Front? Wieso Analysen<br />

machen, wenn man dann daraus keine Konsequenzen<br />

zieht?<br />

Kolossales Politikversagen<br />

Vulkanologen können auf Basis ihrer Beobachtungsdaten<br />

prognostizieren, dass ein Vulkan<br />

in naher Zukunft ausbrechen wird – aber<br />

nicht, wann genau. Bei schweren Erdbeben<br />

infolge der Plattentektonik ist es das Gleiche.<br />

Daher ist auch die eigentliche Frage immer<br />

die gleiche: Wie gut ist eine Gesellschaft, die<br />

Menschheit als Ganzes auf die Folgen solcher<br />

externen Schocks vorbereitet? Und auch die<br />

Antwort ist jedes Mal erschreckend ähnlich:<br />

Nicht besonders gut. Das gilt auch für den<br />

Ausbruch der Pandemie in Deutschland: Anstelle<br />

gleich nach dem Bekanntwerden des<br />

Ausbruchs in China die Grenzen zu schliessen,<br />

Einreisende zu testen, Flüge aus China zu unterbinden<br />

oder wenigstens die Passagiere<br />

in Quarantäne zu setzen, hat die Bundes-


egierung das Virus im Frühjahr 2020 noch<br />

heruntergespielt. Als die ersten Fälle im Land<br />

auftauchten, riet man von einer Maskenpflicht<br />

noch ab. Wenig später kam sie dann<br />

doch. Benötigte man etwa Zeit, um die<br />

richtigen Deals einzufädeln?<br />

So leger die Bundesregierung noch kurz zuvor<br />

mit Corona umging, so energisch zog sie<br />

Ende März mit dem ersten harten Lockdown<br />

die Notbremse. Den Bürgern wurde im letzten<br />

Sommer von der Politik versichert, dass<br />

sie keinen zweiten Lockdown verhängen<br />

würde und sich diesen ohnehin gar nicht leisten<br />

könne – doch bereits im November hielt<br />

diese Aussage nicht mehr stand. Seither sitzt<br />

Deutschland im ewigen Dauerlockdown.<br />

Wie es so weit kommen konnte? Die Regierung<br />

hat die wertvolle Zeit im Sommer nicht<br />

genützt, um lang- und mittelfristige Strategien<br />

zu entwickeln: Weder hat man genügend<br />

Impfdosen geordert, noch Teststrategien<br />

oder einen Plan entwickelt, wie man die<br />

Risikogruppen sinnvoll schützen könnte. Einen<br />

Öffnungsplan für Geschäfte oder eine Idee,<br />

wie man in Schulen wieder die Schüler unterrichten<br />

können? Fehlanzeige!<br />

Das Versagen der Berufspolitiker während der<br />

Pandemie ist kolossal. Es reiht sich aber leider<br />

in das Gesamtbild der letzten Jahre: Bei jeder<br />

Krise mussten wir ein Scheitern der Politik über<br />

uns ergehen lassen. Egal ob Finanz-, Euro-,<br />

Griechenland-, Flüchtlings- oder Coronakrise:<br />

Auch die Europäische Union hat ein weiteres<br />

Mal unter Beweis gestellt, dass sie in ihrer bestehenden<br />

Verfassung nicht funktioniert. Sie<br />

muss entweder radikal reformiert oder aufgelöst<br />

werden. Die Pandemie offenbart, wie<br />

fragil unser für sicher und stabiles geglaubtes<br />

System eigentlich ist. Und wie viel Inkompetenz,<br />

Vetternwirtschaft, Egoismus, Korruption<br />

und Spaltung sich in den vergangenen<br />

Jahren breit gemacht hat.<br />

Die Zukunft wird dezentral<br />

Ein bisschen leben wir alle nach dem neapolitanischen<br />

Modell – und damit meine ich<br />

jetzt nicht die Mafia! Die Neapolitaner wissen<br />

eigentlich ganz genau, dass sie auf einem<br />

explosiven Vulkan leben. Aber sie tun so, als<br />

würde der Vesuv zu ihren und den Lebzeiten<br />

ihrer Kinder unter keinen Umständen ausbrechen.<br />

Auch die Bewohner der kalifornischen<br />

Küste wissen, dass sie einen der dynamischsten<br />

Wirtschaftsräume der USA genau auf die<br />

Kante zweier Erdplatten gesetzt haben. Aber<br />

es ist eben über 100 Jahre her, dass es da bei<br />

einem verheerenden Erdbeben zum letzten<br />

Mal so richtig katastrophal gerumpelt hat.<br />

Die Verwerfungen unserer Weltwirtschaft, erst<br />

recht unserer Finanzsysteme, treten freilich in<br />

sehr viel kürzeren Zeitabständen zutage. Trotzdem<br />

tun wir so, als würde es nie zu Ausbrüchen<br />

und Beben kommen. Wir müssen endlich<br />

aus der Vergangenheit lernen und die<br />

Fehler im System sofort radikal angehen, anstatt<br />

sie in die Zukunft zu verschieben, wo sie<br />

sich immer weiter auftürmen und immer mehr<br />

an destruktiver Kraft hinzugewinnen.<br />

Mein Vorschlag: Ein neues Geldsystem, ein<br />

neuer verbindlicher Gesellschaftsvertrag, ein<br />

menschliches Wirtschaftssystem und ein komplett<br />

neues Politikwesen. Durch den technischen<br />

Fortschritt, die Digitalisierung und<br />

die künstliche Intelligenz können wir Menschen<br />

in Zukunft immer mehr Aufgaben an<br />

die Hochtechnologie abgeben: Die KI kann<br />

ohne Emotionen oder Korruption anhand von<br />

Daten und Fakten objektivere Entscheidungen<br />

treffen. All das könnte man transparent<br />

auf der Blockchain abbilden und für alle einsehbar<br />

machen.<br />

Wir könnten in Zukunft über jede Entscheidung<br />

via Internet abstimmen, sei es über einen<br />

Brückenbau, den Ausbau einer Strasse oder<br />

den neuen Kindergarten. Der Politik könnten<br />

moderne Technologien endlich beisteuern,<br />

was ihr offenbar immer mehr fehlt: Weitsicht,<br />

Entscheidungsfreude, Integrität und vor allem<br />

Intelligenz. Die KI könnte Vorschläge machen<br />

und parallel die Politiker überwachen. Würde<br />

sich die Politik trotz den Empfehlungen<br />

der KI für den Alleingang entscheiden, dann<br />

müsste sie ihr Abweichen begründen und für<br />

allfällige Fehltritte haften. Ich bin für radikale<br />

Dezentralität, denn sie würde das System stabiler<br />

und nachhaltiger machen. Die Zukunft<br />

ist dezentral: Im Geldwesen (mit Bitcoin), in<br />

der Gesellschaft (durch mündige Bürger und<br />

direkte Demokratie) und in der Politik (durch<br />

Föderalismus, KI und Blockchain). (RED)


LOGISTIK express 3/<strong>2021</strong> | S62<br />

Impfreaktionen...<br />

Es ist gibt die unterschiedlichsten Reaktionen zum Thema Impfen, immer schon,<br />

nicht erst seit März 2020. Wir haben bisher unser Recht genossen, selbstständig<br />

und eigenverantwortlich darüber zu entscheiden, ob wir uns Impfen lassen wollen.<br />

GASTBEITRAG: DR. MED. SILVIA BERNHUBER<br />

Dr.med. Silvia Bernhuber<br />

Psychotherapeutin<br />

Ärzten und Ärztinnen ist es schon<br />

seit vielen Jahren untersagt, sich<br />

negativ oder gar gegen das Impfen<br />

auszusprechen.<br />

Nun wird dieses Recht sich eigenständig zu<br />

entscheiden, bezüglich der Impfung gegen<br />

COVID- 19 an Bedingungen geknüpft, beziehungsweise<br />

wird das Recht gewisse<br />

Unternehmungen zu tätigen, an die Bedingung<br />

einer Impfung geknüpft. Hier kann<br />

man also nicht mehr von Freiheit sprechen.<br />

Es ist, als ob Mama oder Papa zu dir sagen,<br />

du darfst nur ins Kino, wenn du das Auto geputzt<br />

hast, dein Zimmer nach unseren Kriterien<br />

aufgeräumt hast, du darfst nur auf die Party,<br />

wenn du den Gartenzaun gestrichen hast, du<br />

bekommst den Kuchen nur, wenn du heute<br />

den ganzen Tag nicht „Nein“ zu meinen Anweisungen<br />

sagst, du darfst deine Bedürfnisse<br />

nur ausleben, wenn du brav bist. Wie frei hast<br />

du dich da gefühlt?<br />

Manche Menschen erleben dies als Freiheit,<br />

andere nicht. Ich gehöre zu den Menschen,<br />

die dies als Erpressung und Manipulation<br />

erleben. Hingegen ist eine gut begründete<br />

Bitte den Wunsch der Eltern zu erfüllen, noch


immer meiner freien Entscheidung unterlegen.<br />

Ich selbst habe als Elternteil versucht,<br />

solche Prozesse zu entkoppeln und stattdessen<br />

reife Vorgangsweisen zu wählen. Das war<br />

nicht immer bequem für mich und hat auch<br />

nicht immer meine gewünschten Ergebnisse<br />

erzielt, aber dann durfte ich feststellen,<br />

meine Kinder haben auch durchaus recht mit<br />

ihren Bedürfnissen und Betrachtungsweisen<br />

und ich habe von ihnen gelernt oder einfach<br />

ihren Weg akzeptiert.<br />

Ich habe Bewusstheit statt Folgsamkeit gewählt<br />

und manchmal habe ich es doch mit<br />

kleinen Erpressungen versucht... Es ging sich<br />

meistens nicht aus, meine Kinder waren längst<br />

zu klug dafür oder zu selbstbewusst. Gut oder<br />

schlecht, ich mag das. Auch weil ich es selbst<br />

so schätze, meine Entscheidung eigenständig<br />

treffen zu können und auch diesbezügliche<br />

Fehler zu erfahren.<br />

Manchmal folge ich gerne, den Menschen<br />

meines Vertrauens, Studienergebnissen oder<br />

aus Bequemlichkeit. Manchmal habe ich<br />

mich schon direkt oder indirekt „erpressen“<br />

lassen..., das war immer ein unangenehmes<br />

Gefühl.<br />

Ich in jedem Fall habe meine Kinder nach<br />

reiflicher Überlegung und Recherche kaum<br />

gegen etwas impfen lassen. Bei meinem<br />

Ersten war ich da noch im Medizinstudium<br />

und es war am Rande der Überforderung,<br />

diese Entscheidung zu treffen und doch habe<br />

ich es gemeinsam mit dem Vater getan. Ich<br />

verzichte seitdem auch für mich selbst auf<br />

fast alle Impfungen. Also ist meine aktuelle<br />

Entscheidung jetzt naheliegend.<br />

Mein Jüngerer war letztes Jahr überrascht,<br />

dass er kaum eine Impfung erhalten hatte.<br />

Mir hingegen war nicht klar, dass ihm das<br />

nicht klar war. Nun sind meine Kinder im Alter<br />

der eigenen Entscheidungen. Ich betrachte<br />

es ruhig und Maße mir nicht an, es wissen zu<br />

müssen. Neugierig bin ich grundsätzlich schon<br />

und meine Meinung kennen sie zum Großteil.<br />

Ich bin weder mit Kino noch Essen gehen oder<br />

Reisen erpressbar. Also habe ich Geduld zu<br />

betrachten, wie die Versuche sich weiterentwickeln.<br />

Wer selbst nicht recherchiert, muss /<br />

wird vermutlich folgen. Wir lernen als Gesellschaft<br />

/ Gemeinschaft über Erfahrungen, die<br />

des Einzelnen sowie durch die des Kollektivs.<br />

Letztes Jahr konnten viele Klienten irgendwann<br />

mal kurzfristig nicht in die Therapiesitzung<br />

kommen, da sie K1 waren und gesund<br />

in Quarantäne oder gar nur K2. Heuer kommen<br />

einige der Klient/innen/en irgendwann<br />

nicht, da sie an Impfreaktionen leiden und<br />

deshalb zu Hause bleiben müssen.<br />

Einer meiner Söhne hatte kürzlich das zweite<br />

Mal Corona, ein halbes Jahr nach dem letzten<br />

Infekt. Eine Klientin ist unmittelbar nach der<br />

Impfung seit einer Woche krank. Ein Nachbar<br />

ist seit der Impfung verkühlt, deshalb ginge<br />

er jetzt im Abstand nach mir im Stiegenhaus<br />

hinunter, aber es sei nicht schlimm, sagte er<br />

mir hustend, mit verschnupfter Nase.<br />

Statistik ist eine Welt der Zahlen, als Einzelne<br />

leben wir eher in der Welt der Erfahrungen<br />

und die haben mit Statistik nichts zu tun und<br />

prägen doch unser Bild der Wirklichkeit.<br />

Meine Reaktion auf die Impfung ist Geduld.<br />

Manche warten ungeduldig auf ihre...<br />

Gastbeitrag:<br />

Dr.med. Silvia Bernhuber<br />

Psychotherapeutin in freier Praxis<br />

psychotherapie@silviabernhuber.at<br />

www.silviabernhuber.at


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