RECYCLING & RESSOURCEN

MediaplanetVerlagDeutschland

EINE UNABHÄNGIGE KAMPAGNE VON MEDIAPLANET

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RECYCLING &

RESSOURCEN

Ein Ratgeber

für nachhaltiges

Wirtschaften

NICHT VERPASSEN:

Rebound-Effekt

Warum Effizienz

allein nicht ausreicht

Seite 5

Kreislaufwirtschaft

Der Circular Economy Expert

Christian Rudolph im Interview

Seite 8

Nicht nur Müll!

Elektroschrott als

Rohstoffquelle

Seite 12

„Die Lunge

des Planeten“

Offshore-Segler Boris Herrmann

spricht im Interview über sein

Verhältnis zum Meer und die

Notwendigkeit gesunder Ozeane.

WAS TUN BEI KALTER

DUNKELFLAUTE?

Nachhaltige und sichere Energie

für Morgen mit Danpower

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2

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VERANTWORTLICH FÜR DEN

INHALT IN DIESER AUSGABE

Joschka Kuznik

Energiewende,

Ocean Health,

Ressourceneffizienz:

All das kann nur

durch Innovationen

erreicht werden.

Tanja Bickenbach

In jedem Unternehmen

ist Expertise

gefragt, die

einen wichtigen

Beitrag zu mehr

Ressourceneffizienz

leisten kann.

IN DIESER AUSGABE

13

Corporate Sustainability

Mit Umweltmanagementsystemen und

Zertifizierung ökologische Ziele erreichen

14

Erneuerbare Energien

Neue Wege für eine umweltfreundliche

Energiegewinnung

Senior Project Manager: Joschka Kuznik Head of Key

Account Management: Tanja Bickenbach Geschäftsführung:

Richard Båge (CEO), Philipp Colaço (Managing

Director), Franziska Manske (Head of Editorial & Production),

Henriette Schröder (Sales Director) Designer: Ute Knuppe

Mediaplanet-Kontakt: redaktion.de@mediaplanet.com

Coverbild: Pierre Bouras /Team Malizia

Alle mit gekennzeichneten Artikel sind keine

neutrale Redaktion vom Mediaplanet Verlag.

facebook.com/MediaplanetStories

@Mediaplanet_germany

Please recycle

Marco Voigt

Co-Founder

GREENTECH FES-

TIVAL und Green

Entrepreneur

Drehen wir uns

im Kreis?

Text Marco Voigt

Ich kann mich noch gut erinnern.

Ich war Teenager und wollte mein

Taschengeld aufbessern. Ich wuchs

in der DDR auf und war damals

noch zu jung, um zu begreifen, was

Sozialismus wirklich bedeutete.

Klar lernten wir in der Schule, welche Vorteile

der Arbeiter-und-Bauern-Staat uns

bot – nur so recht erkennen ließen sich

ebendiese Vorteile nicht. Aber zumindest

konnte man seinerzeit als Schüler echt

einfach ein bisschen Geld dazuverdienen.

Wir halfen beispielsweise dem Förster

beim Bäume-Aufforsten. Eine Arbeit,

die mir richtig Spaß machte. Im Herbst

sammelten wir Eicheln und Kastanien im

Wald, mit denen dann später Rehe und

andere Tiere gefüttert wurden. Aus heutiger

Sicht war das sogar richtig weitsichtig.

Inzwischen gehört es doch schon fast zum

guten Ton, Bäume gegen den Klimawandel

zu pflanzen. Aber mal ehrlich: Wie viele

Menschen kennen Sie in Ihrem Umfeld,

die das wirklich schon mal gemacht

haben? Wurden wir in der DDR also vielleicht

(un)wissentlich zu einem besseren

Umgang mit unserer Umwelt erzogen? Bot

das System gar Vorteile im Umgang mit

unseren Ressourcen?

Ich sammelte als Jugendlicher, wie fast alle

meine Mitschüler(innen), auch wahnsinnig

gerne Gläser, Flaschen und Altpapier.

Das wurde zu einem richtigen Hobby und

natürlich war ich auch stolz auf die vielen

Mark, die ich mir so selbst dazuverdient

habe. Ich zog mit einem Bollerwagen und

meinem Hund Purzel los und lief von

Haus zu Haus. Ich wuchs in einem kleinen

Dorf in Südbrandenburg auf. Aus heutiger

Mir schien, dass

wir verlernt hatten,

dass Ressourcen

ein wertvolles und

knappes Gut sind.

Sicht ein Glücksfall, denn die Bauern waren

damals großzügig und meine Ausbeute

somit sehr schnell sehr beachtlich. Der

Wagen war immer schnell voll, ich musste

sogar oft mehrmals hin und her laufen,

um alles zu schaffen. Klar habe ich dabei

immer zuerst an die „Extraportion“ Geld

gedacht, die ich so verdient habe. Ressourcen?

Wiederverwertung von Rohstoffen?

Mitnichten. Das war mir, offen gestanden,

damals noch egal. Als ich 2008 die Idee für

die Green Awards hatte, war das natürlich

schon lange anders. Mein Gedanke war,

schnellstens etwas für das Image der erneuerbaren

Energien zu tun. Mir schien,

dass wir verlernt hatten, dass Ressourcen

ein wertvolles und knappes Gut sind. Es

muss in meinem Unterbewusstsein etwas

aus meiner Jugend hängen geblieben sein.

Oft frage ich mich, ob das damalige sogenannte

SERO-System der DDR es nicht

verdient hätte, wiederbelebt zu werden.

Im Grunde motivierte es die Kinder und

Jugendlichen auf einfache Weise, sich mit

dem Thema Recycling auseinanderzusetzen.

Unter dem Motto

#celebratechange

bringt das GREEN-

TECH FESTIVAL

jedes Jahr Unternehmer(innen),

Führungspersönlichkeiten

und

Aktivist(inn)en

aus aller Welt zum

Austausch zusammen

und um sie mit

grünen Zukunftstechnologien

für

einen nachhaltigen

Lifestyle zu begeistern.

Als erstes

Festival dieser Art

vereint das dreitägige

Hybrid-Event

vor Ort in Berlin

und in digitalen

Online-Formaten

die bislang größte

Ausstellung grüner

Technologien, eine

mit prominenten

Vordenkern besetzte

Konferenz sowie

die Verleihung der

GREEN AWARDS.

Weitere Informationen

unter:

greentechfestival.

com

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit der WVMETALLE entstanden.

Metallrecycling hilft dem Klimaschutz

Text Rainer Buchholz

Die Anforderungen der Politik

hinsichtlich Klima- und

Ressourcenschutz nehmen

spürbar zu. Geschlossene

Stoffkreisläufe stehen besonders im

Fokus. Der „Green Deal“ und das zweite

Aktionspaket Circular Economy der

EU fordern: Auf dem Weg zu einem

klimaneutralen Europa 2050 soll nicht

weniger als die Hälfte der CO 2-Einsparungen

durch mehr Recycling erzielt

werden!

Die Metallindustrie hat die Circular

Economy erfunden. Sie zeigt

an Hunderten von Standorten, wie

„Circlenomics“ gelingt, also ökologisches

und gleichzeitig ökonomisches

Wirtschaften.

Die Recyclingfähigkeit steckt in der

DNA von Metallen. Seit Menschen

Metalle nutzen, werden sie recycelt.

Aluminium, Kupfer, Zink, Nickel oder

Blei lassen sich unbegrenzt oft ohne

Qualitätsverlust im Kreislauf führen.

Aufgrund ihres hohen Materialwertes

setzt der Markt genügend Anreize zur

Sammlung und Wiederverwertung. So

ist über die Jahrhunderte ein wachsendes

Materialreservoir entstanden: 80

Prozent des jemals erzeugten Kupfers

und 75 Prozent des jemals erzeugten

Aluminiums sind noch heute in der

Nutzung.

Mehr als die Hälfte der in Deutschland

hergestellten Nichteisen(NE)-

Metalle wird bereits aus sekundären

Rohstoffen erzeugt. Die Recyclingquoten

in den Hauptanwendungsgebieten

Bau, Automobile oder Verpackungen

liegen bei über 90 Prozent. Dadurch

trägt die Nichteisen-Metallindustrie

wesentlich zu Klimaschutz und

Ressourceneffizienz bei.

Das Recycling spart Rohstoffe ein

und braucht bis zu 95 Prozent weniger

Energie als die Metallgewinnung aus

Erzen. Der Ausstoß an Klimagasen

ist ebenfalls deutlich niedriger: nach

einer Studie des Öko-Instituts mehr als

sieben Mio. Tonnen CO 2.

Aber auch eine Erzeugung von

Metallen aus Erzen wird aufgrund des

steigenden Metallbedarfs für Zukunftstechnologien

wie erneuerbare Energien,

Hochleistungsnetze, E-Mobilität,

Kommunikation oder Leichtbau bis auf

Weiteres notwendig bleiben, denn klima-

und ressourceneffiziente Produkte

sind ohne NE-Metalle nicht denkbar.

Innerhalb der Unternehmensinitiative

„Metalle pro Klima“ machen führende

Frontrunner der Industrie ihre

Aktivitäten gegen die Klimaerwärmung

sichtbar: An konkreten Best-Practice-

Beispielen wird deutlich, wie wissensund

technologiebasierte Lösungen in

Produktion, Produkten und im Recycling

konkret zum Ressourcen- und

Klimaschutz beitragen.

Rainer Buchholz

Leiter Kreislaufwirtschaft

und

Ressourceneffizienz

Weitere Informationen

unter:

metalleproklima.de


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Digitale Dekarbonisierung –

der smarte Weg der Klimarettung

Ein Gespräch mit Oliver Doleski, Principal bei Siemens Advanta und Herausgeber energiewirtschaftlicher

Publikationen, über den Einsatz von smarten Technologien wie digitale Zwillinge

zur Optimierung von Energiesystemen, um Kosten zu senken und gleichzeitig ambitionierte Ziele

im fortschreitenden Klimawandel zu erreichen.

Text Dominik Maaßen

In Ihrem Buch „Digitale Dekarbonisierung“

sprechen Sie von einer innovativen Methode für

den Klimaschutz. Was verbirgt sich hinter dem

Begriff?

Bei Digitaler Dekarbonisierung handelt es sich um

ein innovatives Verfahren, bei dem anhand eines

digitalen Zwillings das Zusammenwirken aller vor

Ort installierter Kraftwerke, Solaranlagen, Windräder,

Maschinen und Leitungen modelliert und

verbessert wird. Mittels umfassender Datenanalyse

ermittelt das System aus allen denkbaren Kombinationen

von Energieanlagen und -verbrauchern ein

nach Art, Auslegung und Anordnung individuell

zugeschnittenes Energiesystemdesign.

Ihr Credo lautet „Klima schützen und zugleich

Energiekosten senken“. Wie kann dies gelingen?

Digitale Dekarbonisierung geht über klassische

Optimierungsansätze der Planung und Steuerung

von Energiesystemen hinaus. Dies gilt insbesondere,

wenn die herkömmliche Methode lediglich einen

begrenzten Anlagenausschnitt in einem Wohngebiet

oder Industrieareal betrachtet. Die Praxis

zeigt, dass durch diese isolierte Herangehensweise

wesentliche Verbesserungspotenziale für mehr

Klimaschutz ungenutzt bleiben. Tatsächlich lassen

sich auch signifikante Einsparungseffekte nur

mittels einer datenanalytischen Verbesserung des

Zusammenspiels aller an einem Ort installierten

Energieanlagen realisieren.

Sie plädieren für Technologieoffenheit – warum?

Technologieoffenheit steht für eine offene Grundhaltung

beim Systemdesign. Damit ist gemeint,

dass Digitale Dekarbonisierung einem ganzheitlichen

Ansatz folgt, ohne sich dabei a priori auf

bestimmte Technologien einzuengen. Die Methode

berücksichtigt anfangs die gesamte Fülle sämtlicher

technisch und regulatorisch möglicher

Technologien. Im darauffolgenden mathematischen

Optimierungsverfahren wird der für die

konkrete Situation bestmögliche Technologiemix

ermittelt. Zahlreiche Projekte belegen, dass nur

ein technologieneutraler Ansatz die von Fall zu

Fall unterschiedlichen Ressourcenausstattungen,

ökonomischen Zwänge, geografischen Gegebenheiten

und gesellschaftliche Erwartungen optimal

berücksichtigt.

Für welche Branchen eignet sich Digitale

Dekarbonisierung?

Heute setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir das

Denken in abgeschlossenen Silos überwinden und

den Klimaschutz übergreifend angehen müssen.

Daher richtet sich Digitale Dekarbonisierung an alle

Branchen und Anwendungsgebiete, bei denen

Energie im Spiel ist. Anders ausgedrückt, eignet sich

das Verfahren immer dann, wenn Energieanlagen

einer Region, Stadt, Industrie- oder Gewerbeansiedlung

mit weniger Treibhausgasen bei geringeren

Kosten betrieben werden müssen. Als anschauliches

Anwendungsgebiet ist hier insbesondere die Stahl-,

Metall- und Zementindustrie zu nennen. Die

Auswirkungen der digitalen Dekarbonisierung in

Zahlen können recht beeindruckend sein: In einem

unserer Projekte mit einer deutschen Stadt mit rund

200.000 Einwohnern haben wir beispielsweise deren

Energiebedarf und Infrastruktur modelliert und

festgestellt, dass 70 Prozent weniger Emissionen bis

2035 durchaus machbar wären. Zugleich hat sich auch

gezeigt, dass im gleichen Zeitraum eine 25-prozentige

Reduzierung des Wärmebedarfs erreicht werden kann,

was in jeder Hinsicht ein fantastisches Ergebnis ist.

Oliver Doleski

Principal bei

Siemens

Advanta

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit SIEMENS entstanden.

Eine nachhaltige

Zukunft

durch Technologie

und Digitalisierung

Wie Innovation eine nachhaltige Wirtschaft

schafft und zur Eindämmung des

Klimawandels beiträgt, zeigt Siemens

im Service für seine Kunden unterschiedlicher

Branchen.

Text Dominik Maaßen

Der Klimawandel stellt die Welt vor eine nie dagewesene

Herausforderung. Um die Pariser Klimaziele

zu erreichen, müssen die globalen Emissionen

laut UN jährlich um 7,6 Prozent reduziert werden.

Eine strukturelle Umgestaltung der Sektoren, die das

Rückgrat unserer Wirtschaft bilden – unsere Industrie,

Infrastruktur, Energie- und Transportsysteme und das

Gesundheitssystem – ist notwendig.

Smarte, technische Lösungen für mehr Umweltschutz

Die gute Nachricht ist, es gibt Mittel und Wege, die Welt

noch auf einen nachhaltigen Pfad zu bringen – Technologie

und Digitalisierung mit Sinn und Zweck spielen hier

eine entscheidende Rolle. Die Verknüpfung der realen und

digitalen Welt kann kontinuierlichen Fortschritt hervorbringen

und ist somit Teil der Lösung im Kampf gegen

den Klimawandel. Der Einsatz von smarten, technischen

Lösungen, wie beispielsweise das Internet der Dinge (IoT),

kann Fertigungen produktiver, Infrastrukturen energieeffizienter

und das Transport- und Gesundheitswesen

intelligenter machen.

Innovative Lösungen von Siemens

Siemens unterstützt diverse Branchen bei diesem Schritt

in die Zukunft: So entwickelt das Unternehmen gemeinsam

mit der Deutschen Bahn wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenzüge,

um deren Dieselflotte zu ersetzen. Rund

330 Tonnen Kohlendioxid wird dieser neue Antrieb einsparen.

Des Weiteren wurde in Wildpoldsried – eine malerische

Gemeinde im Allgäu – innerhalb eines Forschungsprojekts

zur Energiewende ein Netzwerk für lokal erzeugte

erneuerbare Energie geschaffen. Mittlerweile produziert

die Pioniergemeinde mehr als das Siebenfache ihres

Strombedarfs durch Windräder und Solaranlagen. Zudem

hat Siemens in Österreich, gemeinsam mit Microsoft und

Aspern Smart City Research, ein Datenmodell entwickelt,

das einen innovativen Weg aufzeigt, den Städtebetrieb zu

optimieren. Durch einen digitalen Zwilling von Städteräumen

lässt sich der Energiebedarf von Elektrofahrzeugen

vorhersagen, die Auswirkungen auf das Stromnetz einer

Stadt ermitteln und somit Ressourcen sparen.

Unendliche Bandbreite an Optimierungspotenzial

Von klimaneutralen Antriebsmöglichkeiten, über

intelligente Netzwerke für erneuerbare Energien, bis hin

zur Planung von Smart Cities – die Bandbreite an

Optimierungs- und Innovationspotential ist unendlich.

Doch Technologie und Digitalisierung allein sind nicht

ausreichend. Mutige Entscheidungen und kollektive

Aktionen sind fundamental, um einen kompetitiven

Vorteil zu haben und eine nachhaltige und prosperierende

Zukunft zu gestalten.


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Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit BRITA entstanden.

„Wir verändern die Art

und Weise, wie Menschen

Wasser trinken –

und das nachhaltig“

Ein Gespräch mit Steffen Fölsch, Senior Specialist

Marketing PR DACH bei BRITA, über nachhaltige

Wasserwirtschaft, weniger Plastik im Meer und

darüber, wie man mit gefiltertem Wasser einen

großen Beitrag für den Umweltschutz leistet.

Text Dominik Maaßen

FOTO: BRITA

Viele Verbraucher in Deutschland

trinken wie selbstverständlich

das streng kontrollierte Wasser

aus dem Wasserhahn. Wie beurteilen

Sie seine Qualität?

Grundsätzlich ist das Wasser, das

in Deutschland aus den Leitungen

kommt, von sehr guter Qualität.

Allerdings kann es in Häusern, in

denen immer noch ein altes Rohrsystem

installiert ist, vorkommen,

dass Blei- und Kupferpartikel ihren

Weg ins Leitungswasser finden.

Zusätzlich haben viele Haushalte in

Deutschland hartes Leitungswasser.

Das ist nicht ungesund, beeinflusst

aber durchaus Geschmack,

Geruch und Qualität von Kaffee und

anderen Getränken. Darüber hinaus

kann dies zu Kalkablagerungen und

in der Folge auch zu Schäden an

Haushaltsgeräten führen.

BRITA ist im globalen Wasserfiltermarkt

führend. Was leisten

Ihre Wasserfilter in diesem

Zusammenhang?

Mit unseren Filtern lassen sich solche

gerade erwähnten unerwünschten

Stoffe zuverlässig reduzieren.

Heißgetränke wie Tee und Kaffee

können dann mit dem weicheren

Wasser ihr volles Aroma entfalten

und entwickeln keinen unschönen

Film auf der Oberfläche. Seit 1966,

als unser Firmengründer Heinz

Hankammer den Tisch-Wasserfilter

erfand, entwickeln, produzieren

und vertreiben wir daher eine große

Bandbreite innovativer Lösungen

für die Trinkwasseroptimierung.

Unser CEO Markus Hankammer formulierte

unsere Vision vor einigen

Jahren sehr treffend: „Wir werden

die Art und Weise, wie Menschen

Wasser trinken, nachhaltig verändern.“

Das gilt heute umso mehr.

Heute spricht längst jeder von

Nachhaltigkeit. Wie hängt sie mit

der Wasserfiltration zusammen?

Beide gehen gewissermaßen Hand

in Hand, gerade auch beim Wasserkonsum.

Denn Flaschenwasser

ist nach wie vor sehr beliebt in

Deutschland. Dieses wird – wegen

des geringeren Gewichts – gern in

Plastikflaschen gekauft, die aber

nur in den wenigsten Fällen aus

recycelten Materialien bestehen. Die

Flaschen werden meist unter hohem

Energieverbrauch aus wertvollen

Rohstoffen, wie zum Beispiel Rohöl,

hergestellt. Nach dem Befüllen folgt

der Transport quer durchs Land –

was mit einem hohen CO 2-Ausstoß

einhergeht.

Mit einem Wasserfilter spart man

also nicht nur eine beträchtliche

Menge an Plastikmüll, sondern auch

an CO 2-Emissionen. Das liegt zum

einen daran, dass man das eigene

Leitungswasser zu Hause filtert,

wodurch die Transportwege entfallen.

Zum anderen ersetzt unsere

MAXTRA+ Filterkartusche mit ihrer

Kapazität bis zu 100 Ein-Liter-Wasserflaschen.

Wenn man dann den

CO 2-Fußabdruck von einem Liter

BRITA-gefiltertem Wasser mit einem

Liter Flaschenwasser vergleicht,

sieht man, dass der Fußabdruck des

Flaschenwassers fast 23-mal so hoch

ist! Wer sein Wasser filtert, leistet

also automatisch einen Beitrag für

den Schutz der Umwelt.

Ein anderes Beispiel aus der

Wirtschaft: Bis zu 96 Prozent

Plastikmüll können Gastronomen in

der Trinkwasserversorgung einsparen,

wenn sie auf BRITA VIVREAU

Wasserspender setzen. Dabei reduzieren

sie gleichzeitig auch ihren

CO 2-Fußabdruck. Weiterhin sparen

sie sich den logistischen Aufwand

für Nachbestellungen, Lagerflächen

können verringert werden, und

auch die Kühlung von Vorratsflaschen

ist nicht mehr notwendig.

Zudem wissen ihre Gäste diese

Initiative immer mehr zu schätzen.

Denn Regionalität und Rückbesinnung

auf einfache, aber hochwertige

Zutaten stehen hoch im Kurs.

Nach wie vor sehr erfolgreich

läuft Ihre Kampagne #hahntrinker.

Was steckt dahinter?

Verbraucherinnen und Verbraucher

zeigen sich in den sozialen Medien als

Hahntrinker(innen) und lassen so die

Community der umweltbewussten

Wassertrinkerinnen und Wassertrinker

weiter wachsen. Auf Instagram

sind unter dem Hashtag #hahntrinker

bereits viele kreative Beiträge eingegangen.

So regen wir die Menschen

an, sich kreativ und ganz konkret mit

dem Umstieg auf Leitungswasser

auseinanderzusetzen.

Darüber hinaus hat BRITA als erstes

Unternehmen Ihrer Branche

ein Recyclingprogramm etabliert.

Was beinhaltet das?

Das BRITA-Recyclingprogramm

umfasst sowohl die Haushaltskartuschen

als auch unsere Professional

Filter für den Außerhausmarkt. Alle

Kartuschen werden im ersten Schritt

in ihre verschiedenen Komponenten

zerlegt. Der Kunststoff, aus dem die

Gehäuse gefertigt sind, wird zerkleinert

und anschließend durch unsere

Partner abgeholt. Diese reinigen

und granulieren den Kunststoff,

sodass dieser zur Wiederverwendung

bereit ist. Die Aktivkohle wird

an die ursprünglichen Lieferanten

zurückgegeben, wo sie wiederaufbereitet

und für verschiedene

andere Filterprozesse, zum Beispiel

in der Abwasserbehandlung,

wiederverwendet wird. Herzstück

des BRITA-Recyclingprogramms ist

unsere eigene Regenerationsanlage.

In dieser wird der Ionenaustauscher

unserer Wasserfilter regeneriert und

als Beimischung für die Produktion

neuer Filterkartuschen wiederverwendet.

So findet der größte Teil

unserer Kartuschen wieder zurück

in den Wertstoffkreislauf.

Es gibt noch mehr Bereiche, in

denen sich Firmen nachhaltiger

aufstellen können. Welche sind

das bei BRITA?

Wir haben vor einigen Jahren intern

das breite Nachhaltigkeitsmanagement

gestartet, das sich unter

anderem mit den gruppenweiten

CO 2-Emissionen und ihrer Reduktion

auseinandersetzt. Nahezu 90

Prozent unseres Stroms beziehen

wir aus erneuerbaren Quellen. Und

wir arbeiten daran, diesen Prozentsatz

weiter zu erhöhen. Unsere

Richtlinie für Firmenfahrzeuge

fördert den Einsatz von Elektrofahrzeugen,

und wir setzen in unseren

Gebäuden energiesparende LED-

Beleuchtung ein.

Des Weiteren unterstützen wir

seit einigen Jahren die NGO Whale

and Dolphin Conservation (WDC),

die sich für den Schutz der Ozeane

und ihrer Bewohner vor Plastikmüll

einsetzt. Wir tragen ihre Kampagne

„Weniger Plastik ist Meer“ mit

und klären so gemeinsam über die

Folgen der übermäßigen Nutzung

von Einwegplastik und die daraus

resultierende Verschmutzung der

Weltmeere auf. Damit wollen wir

Konsumentinnen und Konsumenten

zum Nach- und Umdenken

bewegen. Diese Kooperation weiteten

wir letztes Jahr aus, indem wir

acht Clean-up-Aktionen an deutschen

Gewässern durchführten.

Das klingt alles positiv. Aber wo

gibt es aus Ihrer Sicht noch Verbesserungsbedarf?

Wasserfilter werden auf Anhieb

nicht mit Nachhaltigkeit in Verbindung

gebracht. Viele Leute denken,

dass es sich bei den Filtern um ein

„Wegwerfprodukt“ handelt, mit dem

kein Plastikmüll eingespart werden

kann. Dem ist jedoch nicht so. Wie

bereits aufgezeigt, kann man mit

unseren Filtern viele Wasserflaschen

einsparen, wodurch Müll vermieden

wird und Ressourcen geschont

werden. Zugleich sorgen wir mit

unserem Recyclingkonzept dafür,

dass Plastikabfall durch unsere

Filter vermieden wird. Dieser

Denkansatz wird sich in den

nächsten Jahren bei den Verbraucherinnen

und Verbrauchern

durchsetzen. BRITA arbeitet mit

Hochdruck daran, Möglichkeiten zu

finden, die Produkte nachhaltiger zu

gestalten, ohne ihre Leistung zu

mindern oder auf gewisse Standards,

zum Beispiel bei der Hygiene,

zu verzichten.

Steffen Fölsch

Senior Specialist

Marketing PR

DACH bei BRITA


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Effizienz und Rebound-Effekte

in Unternehmen

Text Franziska Wolff & Antonia Thiele

i

Die Ergebnisse

des Forschungsprojekts

finden

Sie unter:

meru-projekt.de

Materialien und Energie effizient

zu nutzen, kommt Unternehmen

und der Umwelt zugute.

Führen Unternehmen

Effizienzmaßnahmen durch,

können als Nebenwirkung

jedoch neue Material- oder

Energieverbräuche entstehen – etwa wenn durch

höhere Effizienz Verbrauchskosten sinken und das

Unternehmen die eingesparten Mittel für Investitionen

einsetzt oder die Produktion ausweitet.

Dieses Phänomen wird Rebound-Effekt genannt.

Rebound-Effekte führen dazu, dass trotz erhöhter

Ressourcenproduktivität die absoluten Materialund

Energieverbräuche in Deutschland und

weltweit steigen, die Umwelt nicht ausreichend

profitiert.

Bisher werden Rebound-Effekte vor allem für den

privaten Konsum thematisiert. Sie fallen aber

auch bei Unternehmen an. Ein vom Bundesforschungsministerium

gefördertes Projekt, an dem

u.a. B.A.U.M. und das Öko-Institut beteiligt sind,

befasst sich nun damit: Wie entstehen Rebound-

Effekte in Unternehmen? Wie lassen sie sich erfassen,

messen und managen? Was sind gute

Praxisbeispiele?

In dem Forschungsprojekt „Ganzheitliches Management

von Energie- und Ressourceneffizienz in

Unternehmen“ wurden dazu Unternehmensbefragungen

und -fallstudien durchgeführt. Ergebnisse

wurden in einem Praxisdialog mit Unternehmen

diskutiert. Dabei zeigt sich: Die Auseinandersetzung

mit dem Thema steht noch am Anfang, die

Bewertung der Problematik fällt unterschiedlich

aus. Oft erfassen Unternehmen relevante Daten zu

Verbräuchen (vorher/nachher), Lebenszykluskosten

und Finanzflüssen nicht systematisch. Neben

Rebound-Effekten mindern auch Planungs- und

Umsetzungsfehler oder „Burden-Shifting“ in der

Wertschöpfungskette (wie „graue Materie“) die

Wirksamkeit von Effizienzmaßnahmen. Nötig ist

ein ganzheitliches Effizienzmanagement. Es nutzt

Kosteneinsparungen aus Effizienzmaßnahmen, um

in weitere, ambitionierte Umwelt- und Effizienzmaßnahmen

zu investieren, und berücksichtigt

auch Suffizienz.

Franziska Wolff

Bereichsleiterin

Umweltrecht &

Governance, Öko-

Institut e. V.

Antonia Thiele

Projektmitarbeiterin,

B.A.U.M. e. V.

Rebound-Effekte führen

dazu, dass trotz erhöhter

Ressourcenproduktivität die

absoluten Verbräuche steigen.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit PEPSI entstanden.

PepsiCo:

Einsatz für nachhaltige Landwirtschaft

Die Ernährungssysteme sind für gut ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen

verantwortlich, zeigt eine aktuelle Studie auf. PepsiCo setzt sich daher für mehr

Nachhaltigkeit ein und sieht in der Landwirtschaft zugleich eine Möglichkeit, die soziale

Not weltweit zu verringern.

Text Kai Klicker-Brunner

Eine zunehmende Zahl von Staaten

hat mit dem Verlust von Boden zu

kämpfen. Allein in der Europäischen

Union (EU) haben bereits 13

Länder die sogenannte Bodendegradation als

Problem ausgemacht – eine wichtige Rolle

spielt dabei die konventionelle Landwirtschaft.

Zugleich trägt das Nahrungsmittelsystem

in Gänze wesentlich zu den weltweiten

Treibhausgasemissionen bei. Auf mehr als

ein Drittel beziffert eine Studie, an der sich

auch Wissenschaftler(innen) der Vereinten

Nationen beteiligt haben, den Anteil der

Nahrungsmittelindustrie. Das Unternehmen

PepsiCo setzt daher auf mehr Nachhaltigkeit

in der Landwirtschaft.

Konkret sehen die Pläne von PepsiCo vor,

den Einsatz nachhaltiger Anbaumethoden

bis 2030 auf eine Fläche von sieben Millionen

Hektar auszuweiten – das entspricht

fast dem gesamten derzeitigen landwirtschaftlichen

Fußabdruck des Unternehmens.

Schätzungen zufolge lassen sich allein damit

bis zum Ende des Jahrzehnts mindestens

drei Millionen Tonnen an Treibhausgasemissionen

einsparen. Das kommt dem jährlichen

CO 2-Ausstoß von 652.000 Autos gleich.

PepsiCo sieht im Rahmen seiner „Positive

Agriculture“-Agenda die Landwirtschaft

außerdem als zentralen Hebel, um gegen

soziale Ungleichheit vorgehen zu können.

„Wenn wir zusammenarbeiten, können wir

unseren CO 2-Fußabdruck minimieren, die

steigende Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln

versorgen und für mehr Mitbürger

ein soziales Auskommen generieren“, sagt

Ramon Laguarta, Chairman und CEO von

PepsiCo.

Die „Positive Agriculture“-Agenda folgt

auf die Ankündigung von PepsiCo, sein

wissenschaftlich fundiertes Klimaziel zu

verschärfen und eine Reduzierung der

absoluten Treibhausgasemissionen in der

gesamten Wertschöpfungskette um mehr

als 40 Prozent bis 2030 anzustreben. In

der Landwirtschaft trägt dazu der Einsatz

innovativer Technologien bei. In Großbritannien

nutzt PepsiCo bereits die „Circular

Potato“-Technologie, die ab 2022 auch in

Deutschland zum Einsatz kommt. Dabei

werden Kartoffelschalen aus der Chipsproduktion

für die Herstellung eines emissionsarmen

und nährstoffreichen Düngers

verwendet. Im Weiteren sieht die „Positive

Agriculture“-Agenda vor, dass PepsiCo

die wichtigsten Zutaten seiner Produkte

nur noch aus Quellen bezieht, die zu 100

Prozent nachhaltig sind. In Märkten wie der

Türkei, Ukraine oder Ungarn will PepsiCo

Kartoffelbauern zudem beispielsweise durch

Vorauszahlungen finanziell besserstellen.

Landwirte sollen in die Lage versetzt werden,

Dünger und Samen ohne Verschuldung

kaufen zu können. Im Ergebnis verbessert

PepsiCo weltweit die Lebensbedingungen

von mehr als 250.000 Menschen, die entlang

seiner landwirtschaftlichen Produktionskette

beschäftigt sind.

Zur „Positive Agriculture“-Agenda von

PepsiCo gehören die Verbesserung der

Bodengesundheit und -fruchtbarkeit, die

Bindung von CO 2 in den Böden und das

Einsparen von Emissionen, die Verbesserung

der Gesundheit des Wassereinzugsgebiets,

die Erhöhung der Biodiversität sowie die

Verbesserung der Lebensgrundlage der

Landwirte. Um den Erfolg einer nachhaltigen

Landwirtschaft zu messen, braucht es

branchenweite Standards und Messungen,

für die sich PepsiCo gemeinsam mit renommierten

Partnern einsetzt.

Kai Klicker-

Brunner

Head of Public

Policy, Governmental

Affairs &

Communications

DACH


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FOTO: ANDREAS LINDLAHR

„Die Ozeane

sind die Lunge

unseres Planeten“

Vor zwei Jahren rückte der deutsche Segler Boris Herrmann

in den Fokus der Weltöffentlichkeit, als er mit der Klimaaktivistin

Greta Thunberg über den Atlantik segelte.

Danach hat er auf seiner Hightech-Jacht „Seaexplorer“ ein

Minilabor installiert – und überträgt während seiner Rennen

Informationen an Ozeanforscher. Die Daten helfen, Klimamodelle

zu verbessern. Warum ihm dieses Thema so am

Herzen liegt und was jeder Einzelne tun kann, um das Morgen

zu verbessern, darüber spricht er im Interview.

Text Franziska Manske


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Als Offshore-Segler haben Sie sicher ein anderes

Verhältnis zum Meer als die meisten von

uns. Unterschätzen wir die Bedeutung und die

kritische Situation unserer Ozeane?

Ja, denn der breiten Öffentlichkeit ist die Rolle der

Ozeane nicht klar. Viele Wissenschaftler bekommen

nicht die Plattform, um die Tragweite zu verdeutlichen,

welchen großen Einfluss die Ozeane auf die

Erde und somit auf unser aller Leben haben.

Bitte gehen Sie näher darauf ein.

Die Ozeane sind eine Art Klimaanlage der Erde. Die

Vorgänge in den Ozeanen sind sehr viel gewaltiger als

in der Atmosphäre. Sie haben eine viel höhere Energiedichte,

bedecken über 70 Prozent der Erdoberfläche

und speichern das meiste CO 2 und bei Weitem

die meiste Wärmeenergie. Die Veränderungen sind

sehr langsam in Ozeanen, bis das CO 2 in die Tiefen

gedrungen ist und vermischt wird, dauert es über

100 Jahre. Das bedeutet im Umkehrschluss: Selbst

wenn wir sofort aufhören würden, CO 2 zu emittieren,

laufen die Prozesse dort trotzdem weiter. Das Thema

Klimawandel wird einfach stark unterschätzt, weil

viele es nur mit der Ozonschicht in Zusammenhang

bringen und denken, dass es da vielleicht irgendwann

Filtermöglichkeiten geben wird. Das mag stimmen,

doch die Ozeane kann man nicht filtern.

Woran liegt dieses Unwissen über die Bedeutung

der Ozeane für unsere Zukunft?

Die meisten Menschen stehen mit dem Rücken zu

den Meeren. Die meisten essen zwar gerne Fisch,

doch sonst verbindet uns Deutsche mit dem Meer

nicht viel. So richtig dem Meer zugewandt ist keine

einzige deutsche große Stadt. Historisch gesehen

war das Meer für die Menschen immer eher eine

Bedrohung. Doch dass die Ozeane die Lunge unseres

Planeten sind und der eigentliche Dreh- und

Angelpunkt des Erdklimasystems, ist den wenigstens

bewusst.

Was sind die größten Bedrohungen für die

Ozeane?

Der Klimawandel, also das Verbrennen fossiler

Brennstoffe, die Plastikproblematik und die Überfischung.

Ich möchte nichts davon schmälern, doch

der Klimawandel ist die größte Bedrohung unter

den Bedrohungen. Und das treibt mich auch am

meisten um. Hier muss etwas geschehen.

Um dies zu realisieren, sind Sie in mehreren

Initiativen für eine nachhaltigere Zukunft

involviert. Was ist Ihre Motivation hinter diesem

Engagement?

Ich habe vor ein paar Jahren auch sehr wenig über

die Ozeane gewusst und finde es sehr spannend

ständig dazuzulernen. Was ich heute weiß: Ozeanschutz

heißt für mich Klimawandel verhindern.

Wir arbeiten mit Wissenschaftlern zusammen

und tragen zum wissenschaftlichen Verständnis bei,

indem wir Daten liefern, die ausgewertet werden

können und zu neuen Erkenntnissen führen, die für

uns alle von großer Wichtigkeit sind. Ein weiteres

Anliegen ist, die Zusammenhänge mehr in die

Öffentlichkeit zu bringen – das beginnt schon in

der Schule. Zusammen mit meiner Frau Birte, die

Lehrerin war, habe ich beispielsweise die „My Ocean

Challenge“ in Leben gerufen. Ein Schulprojekt, das

das Ozeanthemen ins Klassenzimmer bringen soll.

Dies gibt es in zehn Sprachen und wird bereits in

vielen Schulen und Institutionen genutzt. Das Programm

ist darauf ausgerichtet, zu erklären, was der

Ozean mit der Atmosphäre zu tun hat und was jeder

gegen seine Bedrohung tun kann.

Was können Unternehmen tun, die unsere

Ozeane stärken und sich für unser Klima

einsetzen wollen?

Regenerativer Strom, weniger fliegen, weniger Konsum,

weniger Papierverbrauch, Licht ausmachen,

energiesparende Bürogebäude. Zusammengenommen

sind es viele kleine Schritte, die vielleicht etwas

anekdotisch wirken, die jedoch am Ende den Unterschied

machen. Denn wir sind so viele Menschen

auf dieser Erde, und wenn wir alle kleine Schritte

gehen, hat das eine große Wirkung. Das Wichtigste

dabei ist, das Prozessdenken und damit einen Wandel

zu befördern. Hier geht es nicht um Perfektion,

sondern um Umdenken und Aufbauen von Ambitionen

zum Thema Klimawandel und Nachhaltigkeit.

Das ist es auch, was wir, zusammen mit unseren

Partnern, promoten wollen.

Über

70 %

der Erdoberfläche

werden von Ozeanen

bedeckt, die das

meiste CO 2 speichern

und bei Weitem die

meiste Wärmeenergie.

Abschließend noch ein Blick in die Zukunft:

Was, glauben Sie, können wir in den nächsten

zehn Jahren erreichen?

Rein physikalisch gesehen könnten wir in zehn

Jahren klimaneutral werden. Davon bin ich fest überzeugt.

Meine Vision wäre, dass man die Subsahara für

Solarenergie nutzt, mit diesem Solarstrom grünen

Wasserstoff herstellt, aus dem Wasserstoff synthetische

Treibstoffe herstellt, die man ganz normal mit

Frachtschiffen transportieren kann und unsere

Ökonomie mit synthetischen, klimaneutralen

Treibstoffen so weiter befeuern, wie sie ist. Was ich

mir schwierig vorstelle ist, wenn man alles von Grund

auf ändern muss. Wir werden weiter Straßen,

Flugzeuge, Autos, Züge, Frachtschiffe haben und

brauchen deshalb aus meiner Sicht alternative

Treibstoffe, die es schon gibt. Das müsste auf Faktor

1.000 hochskaliert werden. Das könnte man machen.

Man könnte ja auch die Passatzone im Atlantik mit

Offshore-Windanlagen versehen. Man kann den

halben Atlantik vollmachen mit schwimmenden

Offshore-Anlagen, die Wasserstoff erzeugen, wo

Tankschiffe vorbeikommen. Man muss jetzt nicht die

ganze Landschaft damit verschandeln, sondern kann

die Zonen der Erde nutzen, wo sehr viel Energie ist

– das würde absolut ausreichen. Und da sind wir

wieder beim Thema Ozeane. Man sollte diese

schützen und nutzen – für ein besseres Morgen!

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit der ENVIRONMENTAL JUSTICE FOUNDATION (EJF) entstanden.

Meeresschutz ist der Schlüssel für ein

stabiles Klima und eine nachhaltige Wirtschaft

Text Steve Trent

Steve Trent

CEO und

Gründer der

Environmental

Justice

Foundation

Weitere

Informationen:

ejfoundation.

org/de

Wir verdanken dem Ozean jeden zweiten

Atemzug. Er bedeckt 70 Prozent

der Erdoberfläche, produziert mehr

Sauerstoff als alle Wälder der Welt und

nimmt etwa ein Drittel des CO 2 auf,

das wir ausstoßen. Er reguliert unsere

Wasserversorgung und unser Klima und

bietet gleichzeitig die Lebensgrundlage

für Milliarden von Menschen: Er ist das

„blaue Herz“ unseres Planeten.

Ein artenreicher Ozean ist entscheidend im

Kampf gegen die Erderwärmung: Mehr

als die Hälfte des gesamten biologischen

Kohlenstoffs der Welt wird von lebenden Meeresorganismen

aufgenommen. Dieser blaue Kohlenstoff

befindet sich in jedem Teil des Ökosystems, von

Seegraswiesen bis hin zu Großwalen.

Naturbasierte Lösungen wie diese sind entscheidend

für die Entwicklung einer globalen

Kreislaufwirtschaft, die uns die Grundlage für eine

nachhaltige Zukunft liefert. Sie können uns helfen,

die Klimakrise zu bewältigen – zusammen mit weiteren

Maßnahmen, die in allen Sektoren notwendig

sind und die das Klima-Manifest „Gemeinsam

gegen die Klimakrise!“ der Environmental Justice

Foundation hervorhebt.

Trotz seiner zentralen Bedeutung für uns und

unseren Planeten wird dem Ozean Leben entzogen,

das ihn und uns gesund hält. Alle 30 Minuten verlieren

wir eine Seegraswiese von der Größe eines

Fußballfeldes. Gleichzeitig lässt sich jeder fünfte

gefangene Fisch mit illegaler, nicht gemeldeter und

unregulierter Fischerei in Verbindung bringen. Sie

kostet die Welt bis zu 23 Milliarden US-Dollar pro

Jahr und führt zu einem Teufelskreis aus Missbrauch

und ökologischer Ungerechtigkeit – nicht

selten der Grund für Menschenrechtsverletzungen

wie Zwangsarbeit und Sklaverei.

Transparenz ist das wichtigste und kostengünstigste

Mittel, um diese Verbrechen zu beenden. Die

Charta für Transparenz der Environmental Justice

Foundation zeigt, wie unter anderem die Veröffentlichung

der Angaben über Listen von Schiffslizenzen

und der tatsächlichen Profiteure helfen kann,

das Netz um skrupellose Täter enger zu ziehen.

Wir brauchen den Ozean, um eine unkontrollierte

Erderhitzung zu verhindern. Ihn zu schützen, ist

entscheidend, damit wir zukünftigen Generationen

eine gesunde und sichere Erde hinterlassen

können. Wenn wir es ernst meinen mit dem Kampf

gegen die existenziellen Bedrohungen durch die

Klimakrise sowie das Artensterben und wir die mit

ihnen einhergehenden Ungerechtigkeiten beenden

wollen, müssen wir jetzt handeln, um unseren

Ozean zu retten.


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„Der Erfolg der Kreislaufwirtschaft

wird nicht im Recycling entschieden“

Christian Rudolph ist Partner der Berliner Innovationsberatung co:dify. Er und sein Team

begleiten Unternehmen bei agiler Produktentwicklung und Umsetzung von zirkulären Geschäftsmodellen.

Im Interview spricht er über die Chancen und Grenzen der Circular Economy.

Text

Christian

Rudolph

600

Kilogramm Abfall

verursacht jeder

Deutsche jährlich.

Wie steht es um die Kreislaufwirtschaft

in Deutschland?

Papier, Pappe, Karton, zunehmend

auch Elektrokleingeräte,

werden in Deutschland nahezu

vollständig recycelt. Anders

sieht dies

bei Verpackungen

und

Restmüll

aus. Weniger

als 6% der

Kunststoffabfälle

aus

deutschen

Haushalten

wird wieder

zum Rohstoff

für die

Verpackungsindustrie.

Zwar gehören wir bei den Verwertungsquoten

zu den Erfolgreichsten,

Kreislaufwirtschaft ist

aber mehr als Recycling. Gleichzeitig

gehören wir zur Top 5 der

Müllverursacher in Europa.

Wie nachhaltig ist die Kreislaufwirtschaft?

In der Linearwirtschaft werden

Rohstoffe gefördert, Produkte

hergestellt und nach Gebrauch

entsorgt. Mehr Konsum führt so

zwangsläufig zu mehr Abfall. Das

Ziel der Kreislaufwirtschaft ist die

Entkopplung von Wirtschaftswachstum

und Ressourcenverbrauch

durch bessere Produkte

und Geschäftsmodelle. Als reine

Recyclingwirtschaft ist sie daher

nicht nachhaltig. Nachhaltig

wird die Kreislaufwirtschaft

dort wo Abfälle reduziert und

verhindert werden. Wer sich

auf die Behandlung des Abfalls

beschränkt, betreibt lediglich

Symptombekämpfung.

Was ändert sich für Unternehmen,

die Kreislaufwirtschaft

zum Kern ihrer Wertschöpfung

machen?

Wer sein Unternehmen vollständig

von linearer auf zirkuläre

Wertschöpfung umstellt, erfindet

sich neu. Produkte werden nicht

länger für den Verkauf optimiert,

sondern für die gesamte Nutzungsphase.

Dies hat Auswirkungen

auf das Produktdesign, den

Produktionsprozess, die Beziehung

zu den Kunden und auf die

Gestaltung des Geschäftsmodells.

Wer seine Produkte im Kreislauf

führen möchte, muss sich zudem

über Rückwärtslogistik und

Aufbereitung Gedanken machen.

Diese Transformationsaufgabe ist

für viele Unternehmen gewaltig

und risikobehaftet. Startups

haben es hier einfacher, da sie

ihr Unternehmen von Anfang an

zirkulär gestalten können.

Was ist das Erfolgsrezept erfolgreicher

Geschäftsmodelle

in der Kreislaufwirtschaft?

Ein Erfolgsrezept ist, den Lebenszyklus

des eigenen Produkts

genauer zu untersuchen. Unternehmen

müssen wissen, wo die

Christian

Rudolph

Managing

Partner, co:dify

Weitere

Informationen

unter:

codify.in

Wertschöpfung auf Kundenseite

nach dem Verkauf weitergeht. Ein

nächster Schritt ist die Pilotierung

von Service-basierten Geschäftsmodellen.

Unternehmen, die sich

lediglich für den Job bezahlen

lassen, den ihr Produkt auf Kundenseite

löst, haben einen Anreiz

langlebige Produkte zu entwickeln,

da sie möglichst lange an der

Wertschöpfung auf Kundenseite

partizipieren möchten. Unternehmen,

die diesen ersten Schritt

erfolgreich bestreiten, haben die

Tendenz wirtschaftliche Vorteile

der Kreislaufwirtschaft schneller zu

begreifen und für sich zu nutzen.

Wo sind die Grenzen der Kreislaufwirtschaft?

Die Grenzen zeigen sich insbesondere

bei kurzlebigen Konsumgütern.

Hier gibt es außer besseren

Verpackungskonzepten nur wenig

Innovation. Selbst nachwachsende

Rohstoffe verknappen, wenn wir

zu schnell wachsen. Solange der

Mensch Technologie verwendet,

wird es keine Welt ohne Abfall

geben. Eine ungelöste Frage bleibt

daher die des nachhaltigen

Wachstums. Auch eine Kreislaufwirtschaft

kann nicht unendlich

wachsen, wenn sie ökologisch und

sozial nachhaltig sein will. Was

bringt mir ein langlebiges Produkt,

wenn Rohstoffe aus zweifelhaften

Quellen kommen, die Produktion

mit fossilem Strom läuft und

meine Rückwärtslogistik geringen

Sozialstandards unterliegt?

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit SESOTEC entstanden.

Verunreinigtes Rezyklat

Herausforderung im Kunststoffkreislauf

Leistungsfähige Sortieranlagen machen profitables Recycling möglich.

Text Brigitte Rothkopf

Aus gebrauchtem Kunststoff gewonnenes

Rezyklat ist ein wertvolles

Material, das in die Fertigung

neuer Produkte einfließt. Vorausgesetzt

natürlich, die Qualität stimmt.

Denn abweichende Kunststoffarten, falsche

Farben oder Fremdkörper können die Güte

des Rezyklats erheblich beeinträchtigen.

Verunreinigungen in Rezyklaten lassen sich

grob in drei Klassen einteilen: Fremdkunststoffe,

Fehlfarben und Fremdkörper. Damit

die Qualität der Rezyklate stimmt, müssen

Recyclingunternehmen Kunststoffabfälle

sorgfältig sortieren.

Bleiben die Verunreinigungen unentdeckt,

hinterlassen sie Spuren in den aus Rezyklat

neu hergestellten Produkten. Die Konsequenz

sind Reklamationen, was weniger

Profit bedeutet. Handelt es sich bei den

Verunreinigungen um Fremdkörper aus

Metall, kann es sogar zu Schäden an den

Fertigungsmaschinen kommen. Dadurch

entstehen erhebliche Kosten für die kunststoffverarbeitenden

Unternehmen.

Material- und Kunststoffarten mit

Nahinfrarot-Sensoren erkennen

Verschiedene Kunststoffarten voneinander

zu trennen, ist eine der anspruchsvollsten

Aufgaben im Recyclingprozess. Denn die

gesammelten Plastikreste bestehen vielfach

aus einem Verbund unterschiedlicher Materialien.

Eine sortenreine Sammlung, die Kunststoffe

in ihre verschiedenen Arten unterteilt, gibt

es in der Regel nicht. Konsumenten wären

mit dieser Aufgabe ohnehin überfordert.

Aus diesem Grund sind die Hersteller von

Rezyklat auf leistungsfähige Sortieranlagen

angewiesen. Sie unterscheiden Materialien

zuverlässig. Mithilfe der Nahinfrarot-Sensortechnologie

sortieren sie in gleichartige Fraktionen.

Auch Störstoffe, wie zum Beispiel

PVC, werden von den Nahinfrarot-Sensoren

erkannt.

Kamerasensoren zur Erkennung

von Farben

In Sortiersystemen sind auch Sensoren zur

Farberkennung verbaut. Denn Rezyklate

einer bestimmten Sorte sollten nicht nur die

gleichen Materialeigenschaften haben, sondern

auch die gleiche Farbe. Doch Rezyklat

in einer einheitlichen Farbe herzustellen, ist

anspruchsvoll. Mit Kamerasensoren ausgerüstete

Sortiersysteme können Fehlfarben

erkennen und aussortieren.

Mit Magneten und induktiven Sensoren

Metall ausschleusen

Fremdkörper bilden die dritte Gruppe der

Verunreinigungen. Dabei sind Metallteilchen

eine der häufigsten Ursachen für verunreinigtes

Rezyklat. Das können Verschlusskappen,

Klammern, Federn oder andere winzige

Gegenstände sein. Obwohl sie kaum zu

erkennen sind, können sie großen Schaden

anrichten. Metallische Fremdkörper geraten

an allen Stationen der Kreislaufwirtschaft

in den Kunststoffabfall – zum Beispiel

durch Fehlwürfe und falsches Sortieren.

Gegenmittel sind induktive Metalldetektoren

und Magnetsysteme, die diese Fremdkörper

erkennen und ausschleusen.

Den gesamten Prozess im Blick

Mit aufeinander abgestimmten Sortier-,

Herstellungs- und Verarbeitungsprozessen

lassen sich besonders gute Ergebnisse erzielen.

Schlussendlich kommt es im gesamten

Prozess darauf an, ein Rezyklat herzustellen,

das zweckgemäß und profitabel eingesetzt

werden kann.

Michael Perl, Group Director Sorting

Recycling bei Sesotec, fasst zusammen:

„Der Wille und die Bereitschaft der gesamten

Kette – vom Gesetzgeber über Hersteller

und Handel bis zum Verbraucher – sind

nötig, damit Kreislaufwirtschaft nachhaltig

profitabel wird. Denn nur aus besonders

hochwertigem Material können zum Beispiel

wieder neue Lebensmittelverpackungen

entstehen.“

Michael Perl

Group Director

Sorting Recycling

Weitere Informationen

unter:

sesotec.com


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Ohne Circular Economy

gelingt der Green Deal nicht

Text Peter Kurth

Der 22. August 2020 war

eine bemerkenswerte Zäsur.

Auf diesen Tag fiel der Erdüberlastungstag,

also jener

Termin, an dem rechnerisch

die natürlichen Ressourcen

der Erde für das komplette

Jahr aufgebraucht waren.

Von diesem Termin an haben

wir für den Rest des vergangenen

Jahres auf Pump von den

Ressourcen nachfolgender

Generationen gelebt.

Die Tatsache, dass wegen der Corona-

Pandemie dieser Tag um drei Wochen

gegenüber 2019 nach hinten gerückt

war, ist kein Grund zum Aufatmen, denn seit

einem halben Jahrhundert leben wir so als

hätten wir drei Erden als Rohstoffspender zur

Verfügung. Was also ist zu tun, wenn wir wirtschaftlich

wachsen, den Wohlstand halten

und trotzdem nachhaltig handeln wollen?

Mit einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft

haben wir die große Chance, unser

Wirtschaftssystem zukunftsfähig zu machen

und Ökonomie und Ökologie wirkungsvoll

miteinander zu verbinden. Bei weltweit

wachsendem Lebensstandard und steigenden

Bevölkerungszahlen ist es alternativlos, dass

wir mit endlichen Ressourcen sparsam umgehen

müssen. Wir müssen anders produzieren

und konsumieren, wir müssen gebrauchen,

statt verbrauchen.

Hier sprechen die wissenschaftlich

belegten Zahlen eindeutig für mehr Kreislaufwirtschaft:

wenn eine Verdoppelung der

Recyclingrohstoffmenge in der industriellen

Produktion von derzeit knapp fünfzehn

Prozent auf dreißig Prozent mit konkreten

Maßnahmen angegangen werde, hätte man

nicht nur 60 Millionen Tonnen CO 2-Einsparung

zusätzlich erreicht, sondern auch den

Produktionsstandort Deutschland gestärkt.

Deutschland war über lange Jahre Vorreiter

in der Entwicklung der Kreislaufwirtschaft.

Leider liegen die letzten echten Weichenstellungen

für die Kreislaufwirtschaft, das

Deponierungsverbot für unbehandelte Siedlungsabfälle

und die Einführung der Herstellerverantwortung,

länger als ein Vierteljahrhundert

zurück.

Inzwischen hat Europa hier die Führung

übernommen, Stichworte: Green Deal und

Kreislaufwirtschaftsaktionsplan. Das europäische

Engagement darf uns aber nicht daran

hindern, wieder eigene Akzente zu setzen. Für

die nächste Bundesregierung bieten sich dafür

viele Möglichkeiten. Der erste Schritt wäre

Peter Kurth

Geschäftsführender

Präsident des

BDE Bundesverband

der

Deutschen

Entsorgungs-,

Wasser- und

Rohstoffwirtschaft

e. V.

eine klare, neue Zuständigkeitsregelung für

die Kreislaufwirtschaft in den Bundesministerien.

Das Umweltministerium beschäftigt

sich zu Recht mit Fragen zu Abfall und

Entsorgung, und das Wirtschaftsministerium

befasst sich mit Rohstoffpolitik, die

Kreislaufwirtschaft wird zu wenig als Thema

erkannt. Wir fordern deshalb die Ansiedlung

des Bereichs Kreislaufwirtschaft im

Wirtschaftsministerium. Außerdem machen

wir uns für einen Staatsministerposten zur

Umsetzung des Green Deal im Bundeskanzleramt

stark, denn er umfasst viele Bereiche.

Der Green Deal ist der Weg Europas in

die Klimaneutralität und damit eine

Querschnittsaufgabe verschiedener

Ressorts in Deutschland. Betroffen sind

fast alle Politikfelder: Wirtschaft, Verkehr,

Landwirtschaft, Wohnen, Umwelt,

Finanzen usw. Dieser umfassende Prozess

muss auch in der nächsten Bundesregierung

für Deutschland gesteuert und verantwortet

werden. Deshalb ist die Bündelung

an zentraler Stelle im Bundeskanzleramt

sinnvoll, aber auch notwendig. Dies wären

mutige, aber unverzichtbare Schritte in

Richtung Kreislaufwirtschaft, wenn wir

Wirtschaftsstandort bleiben und ambitionierte

Klimaziele erreichen wollen. Dann

besteht auch die Chance, dass der jährliche

Weltüberlastungstag wieder Richtung

Jahresende rückt.

Weitere

Informationen

unter:

bde.de

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Säulen, auf die wir unser Leitbild bauen. Unsere Ziele für 2023.

Fotos: Uwe Strasser

Kreislaufwirtschaft

Eines unserer ökologischen Ziele ist es, noch stärker auf

die Kreislaufwirtschaft zu setzen. Das heißt vor allem,

die Reststoffe aus unserem Produktionsprozess – aber

nach sorgfältiger Qualitätsprüfung auch aus externen

Quellen – wieder in den Produktionsprozess einzubringen.

Ziel 2023: 100 % unserer neuen Produkte werden so

entwickelt, dass sie recycle- oder wiederverwertbar

sind.

Biodiversität

Naturschutz und eine sinnvolle Nachnutzung sind wichtige

Kriterien für den verantwortungsbewussten Abbau

von Tonerde, dem wichtigsten Rohstoff unseres Unternehmens.

Es entspricht dem Selbstverständnis von

Wienerberger, Naturschutzgebiete zu achten und ehemalige

Abbaustätten für die vorgesehene Nachnutzung

bereitzustellen. Aufgelassene Tongruben bieten durch

ihre Größe und den entstandenen Tümpel ideale Rahmenbedingungen

für die Ansiedlung seltener Pflanzen

und Tiere. Ziel 2023: Programm zur Biodiversität an

allen unseren Standorten.

Dekarbonisierung

Energieeffizienz ist ein zentrales Thema in allen Geschäftsbereichen

von Wienerberger. Darum teilen

wir die globale Vision einer kohlenstofffreien Wirtschaft.

Im Bereich unserer Ziegelproduktion werden

wir den Energieverbrauch durch technische Optimierung

unserer Produktionsprozesse weiter reduzieren

und den Einsatz von grünem Strom weiter ausbauen.

Ziel 2023: Senkung unserer CO 2 -Emissionen um

15 % im Vergleich zu 2020.

„Unser Ziel ist, den Wert der Wienerberger Gruppe unter ökologischen, sozialen und ökonomischen Gesichtspunkten nachhaltig zu steigern.“

Heimo Scheuch, CEO Wienerberger AG

we are wienerberger


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Verpackungen

sind Ressourcen –

zu einer ressourcenschonenden

Kreislaufwirtschaft kann jeder

beitragen

FOTO: TOA HEFTIBA/UNSPLASH

Verpackungen sind seit Jahren ein großes Thema in der Umweltpolitik. Ob

in Deutschland, Europa oder dem Rest der Welt, sie sind das Symbol einer

Wegwerfgesellschaft. Das Verpackungsgesetz von 2017 enthält daher erstmals

eine Vorschrift, nach der ökologisch gestaltete Verpackungen finanziell

bessergestellt werden sollen.

Text Gunda Rachut

Zunächst wird geprüft, ob

eine Verpackung recyclinggerecht

gestaltet ist

oder Rezyklat enthält.

Der Produzent der verpackten

Ware muss für das Recycling bei

einem dualen System bezahlen.

Sofern die Verpackung ökologischer

gestaltet ist, kann er bei

diesen Entgelten sparen.

Im ersten Schritt muss gemessen

werden, wie viel der Verpackung

in der Praxis rezykliert

wird. Die Zentrale Stelle Verpackungsregister

(ZSVR) gibt

jährlich zum 1. September den

Mindeststandard zur Bemessung

des recyclinggerechten Designs

von Verpackungen heraus. Ein

zentrales Kriterium ist, ob die

Verpackung in den Sortieranlagen

für ein hochwertiges Recycling

aussortiert wird. Andere

Kriterien betreffen Recyclingunverträglichkeiten.

Das erste Mal wurde der

Mindeststandard 2018 als Orientierungshilfe

von der ZSVR

veröffentlicht. Seitdem ist viel

passiert. Der Standard wurde

von vielen Verpackungsherstellern

genutzt, um Verpackungen

nachhaltig zu verbessern. Für

Verpackungen, die noch im Jahr

2018 als hoffnungslos recyclingunverträglich

galten, gibt es

mittlerweile rezyklierbare und

leichte Alternativen. Sowohl die

Vermeidung als auch die Verwertung

haben für viele Verpackungen

große Schritte nach vorn

gemacht. Die aktuelle Plastikdiskussion

sorgt leider für einen

gegenläufigen Trend: Schwerere

Verbundverpackungen erleben

ein Comeback am Markt. Sie

werden in der Regel nur anteilig

verwertet, sodass sie oft schlechter

zu bewerten sind.

Derzeit läuft beim Umweltbundesamt

bis Ende 2021 ein

Forschungsvorhaben zur ökologischen

Wirkung des Verpackungsgesetzes.

Es wird geprüft, welche

ökologischen Effekte dieser

Vorschrift realisiert wurden. Was

funktioniert gut? Was kann

verbessert werden? Am Schluss

stehen Empfehlungen an den

Gesetzgeber. Auch auf europäischer

Ebene wird die Verpackungsrichtlinie

überarbeitet. In

großen Workshops der Generaldirektion

Umwelt werden derzeit

die verschiedenen Umweltaspekte

der Verpackung diskutiert. Es

ist klar: Die Verpackung bleibt

eines der großen Themen der

Umweltgesetzgebung.

Gunda Rachut

Vorstand

Zentrale Stelle Verpackungsregister

Weitere Informationen

unter:

verpackungsregister.org

Die Verpackung

bleibt eines der

großen Themen

der Umweltgesetzgebung.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit RAJA Deutschland entstanden.

Wie wollen wir leben? –

Gedanken eines Verpackungshändlers

Ein Kommentar von Harald Schönfeld, General Director RAJA Deutschland

Harald Schönfeld

General Director

RAJA Deutschland

rajapack.de

Wie wollen wir leben? Diese

Frage beschäftigt auch

die Verpackungsbranche.

Gerade jetzt, da der E-Commerce

aus unserem Leben nicht mehr

wegzudenken ist. Ob wir das gutheißen

oder nicht: Die Gesellschaft wird bequemer.

Das Einkaufsverhalten ändert sich

zunehmend.

Uns von RAJA ist es wichtig, die Nutzung

umweltfreundlicher Versandlösungen

voranzutreiben. Wir achten auf einen

verantwortungsvollen Einkauf. Tun Sie das

auch?

86 Prozent unserer Produkte werden in

Europa produziert, um Transportwege zu

minimieren und Qualitätsstandards zu

sichern. Wir arbeiten mit unseren Lieferanten

kontinuierlich an nachhaltigeren

Lösungen. Wir beraten unsere Kunden

aktiv hin zu einem umweltfreundlichen

Verpackungsmanagement:

1

2

3

Sicher verpackte Produkte, um Schäden

und Retouren zu vermeiden

Nutzung passender Kartongrößen, um

Leervolumen, unnötiges Füllmaterial

und CO 2 zu reduzieren

Bevorzugung von umweltfreundlichen,

recycelbaren und recycelten Materialien

Neben den ökologischen Verpackungen

sind auch nachhaltige Prozesse wichtig.

Rechnungen per E-Mail, Bestellungen über

E-Procurement-Systeme, bei denen alle Belege

vollelektronisch ausgetauscht werden.

Die Digitalisierung des C-Artikel-

Managements lohnt sich für Mittelständler

und die Umwelt. Durch die Optimierung

interner Prozesse vor allem in der Packstraße

können Arbeitsabläufe effizienter und

rückenschonender gestaltet werden. Das ist

gut für die Gesundheit.

Doch was beschäftigt uns noch? Unsere

Rolle als Arbeitgeber! Bei RAJA leben wir

eine Duzkultur mit flachen Hierarchien,

bei der jeder an der Unternehmenskultur

mitarbeitet, in fachübergreifende Projekte

eingebunden ist und angehalten wird, seinen

Input für Prozessverbesserungen zu liefern.

Wir befähigen unsere Mitarbeiter zu eigenverantwortlichem

Handeln und arbeiten

gemeinsam an unserer Konflikt- und Kommunikationskultur.

Es ist uns wichtig, dass

unsere Mitarbeiter gerne ihr Potenzial im

Unternehmen einbringen. Wie sehen Sie das?

Neben unserer unternehmerischen

nehmen wir auch unsere soziale Verantwortung

wahr: deutschlandweit mit unserem

Aktionsprogramm „Perspektiven für

Frauen“, aber auch durch Unterstützung

lokaler Vereine. Der Fokus aller Aktionen

liegt bei uns auf der Stärkung der Rechte von

Frauen. Etwas an die Gesellschaft zurückgeben,

das ist RAJA wichtig. Gemeinsam sind

wir stark. Gemeinsam können wir etwas

bewegen. Machen Sie mit!


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Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit CRAFTING FUTURE und RECUP entstanden.

Fabian Eckert und Florian Pachaly

Gründer der reCup GmbH

FOTO: RECUP GMBH

Die Verpackung

der Zukunft muss

nachhaltig sein –

umweltfreundliche

Materialien und

hohe Funktionalität

Jan Patzer und Can Lewandowski

Gründer der Crafting Future GmbH

Weitere Informationen unter:

craftingfuture.de

recup.de

Ein Weg zu

Mehrweg?

Pfandsysteme als Lösung gegen Verpackungsmüll

Text Svenja Paul

Jedes Jahr fallen knapp 350.000

Tonnen Abfall für Einweggeschirr

und Verpackungen im To-Go-

Bereich an. Sie lassen Mülleimer

überquellen oder werden von vornherein

einfach liegen gelassen. Mittlerweile

bestehen 40 % des Straßenmülls aus

Verpackungen für den kurzen Verbrauch.

Für die Städte und Gemeinden bedeutet

das jährlich 720 Millionen Euro an Kosten

für die Reinigung und Entsorgung

des Einwegverpackungsmülls.

Zudem kommt, dass die meisten

Einwegverpackungen entweder aus

einem schwer recycelbaren Material sind

oder aufgrund der Verunreinigungen

mit Speiseresten nicht recycelt werden

können. Dadurch wird der größte Teil

des Einwegmülls im Take-Away-Bereich

verbrannt oder deponiert, was ein zunehmendes

Umweltrisiko darstellt.

Die Mehrwegpflicht kommt

Kaum zu glauben, aber wahr: Neben dem

aktuellen Corona-Trubel bekommt die

Mehrweg-Revolution Unterstützung im

Kampf gegen die Einwegverpackungen.

Ab 2023 sind Restaurants, Cafés und

Bistros verpflichtet, ihrer Kundschaft

das To-Go-Getränk oder das Take-Away-

Gericht in einem wiederverwendbaren

Behältnis als Alternative zu Einwegverpackungen

anzubieten. Dabei darf die

Mehrweglösung nie teurer sein als die

umweltschädlichere Einwegverpackung.

Das Ziel von Bundesumweltministerin

Svenja Schulze ist es, Mehrweg zum neuen

Standard zu machen.

Erste Lösungen sind bereits etabliert

Eine Antwort auf die Mehrwegpflicht

bietet Recup. Das Unternehmen aus

München hat bereits 2016 als First

Mover am Markt begonnen, eine Mehrwegalternative

in der Gastronomie

zu etablieren: Ein deutschlandweites

Pfandsystem für To-Go-Becher und

Take-Away-Schalen.

Wichtig für die Gründer war dabei,

dass für Gastronomiebetreiber*innen

kein zusätzlicher Aufwand entsteht.

Die Mehrwegbehälter werden gegen

Pfand geliehen, sodass keine weiteren

Kosten entstehen. „Wir wissen, dass die

Gastronomie gerade an allen Stellen zu

kämpfen hat. Unsere Aufgabe ist es nun

zu zeigen, dass eine Mehrwegalternative

nicht nur jede Menge Müll vermeidet,

sondern die Gastronom*innen mit

unserem Pfandsystem auch aktiv Kosten

einsparen können“, so Fabian Eckert,

Geschäftsführer der reCup GmbH.

Die Mehrwegschalen wurden in Zusammenarbeit

mit dem Startup Crafting

Future aus Hannover entwickelt. Neben

der Kreislauffähigkeit stand dabei die

Funktionalität im Fokus, die sowohl

die Anforderungen der Gastronom(inn)

en als auch die der Endnutzer(innen)

erfüllen soll.

Mehr als nur eine Schüssel!

Der Wechsel von Einweg zu Mehrweg

ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu

nachhaltigeren Verpackungen. Aber auch

Mehrwegsysteme können nur einen positiven

Einfluss auf unsere Umwelt haben,

wenn das Produkt ganzheitlich nachhaltig

ist. Entscheidend ist es hierbei, die gesamte

Wertschöpfungskette vom Rohstoff

über die Nutzung bis zum Recycling im

Blick zu haben. Im Fokus steht vor allem,

die Lebensdauer der Mehrweglösungen

weiter zu maximieren. Auch das verwendete

Material von Mehrwegbehältern

spielt eine tragende Rolle. Hier setzt

Crafting Future auf Innovation, auch in

Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten.

Ziel ist es, biobasierte Materialien

einzusetzen, die mit ihrer Performance

überzeugen und am Ende des Lebenszyklus

über ein eigenes Bowl-to-Bowl

Recycling im Kreislauf gehalten werden

können. „Mehrwegverpackungen müssen

ausreichend hitzebeständig und kratzfest

sein, den Spülmaschinengang überstehen

und natürlich einfach gut funktionieren.

Wir stecken hier viel Kraft in die Entwicklung“,

so Can Lewandowski, Co-Founder

der Crafting Future GmbH.

Wir alle können viel zu einer Welt mit

weniger Verpackungsmüll beitragen.

Gänzlich auf Verpackungen werden wir

aber nie verzichten können. Mehrwegbehälter

und Pfandsysteme sind Lösungen,

die unsere Convenience Culture in eine

grüne Zukunft führen können.


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Elektroschrott braucht

eine zweite Chance

Unser Planet versinkt im Elektroschrott. 2019 verursachten die Menschen weltweit über 53 Millionen Tonnen

E-Schrott, bestehend aus alten Handys, PCs, Kühlschränken und vielem mehr. Ein Gewicht, das 350 Kreuzfahrtschiffen

à la Queen Mary entspricht. Das zeigt die neueste Studie des Global E-Waste Monitor, die unter

anderem von der Universität der Vereinten Nationen erstellt wurde.

Text Petra Schultz

Mehr als 20 Kilogramm

Elektroschrott

fallen in

Deutschland pro

Person im Jahr an.

Bei 83 Millionen

Menschen ist das

ein riesiger Müllberg, den wir entsorgen

müssen. Und das richtig. Denn es landen

nicht nur wertvolle Rohstoffe auf dem

Müll, der stetig wachsende Berg ist auch

ein riesiges Problem für unsere Umwelt

und Gesundheit.

Giftige Zusatzstoffe und gefährliche

Substanzen wie Quecksilber, Blei,

Cadmium oder Arsen sind in Elektrogeräten

enthalten und können bei falscher

Entsorgung in unsere Umwelt gelangen

und ernste gesundheitliche Probleme

verursachen.

Werden die Altgeräte nicht richtig

recycelt, landen viele davon auf illegalen

Müllhalden in Indien, China oder Ghana.

Dort gefährden austretende Giftstoffe die

Arbeiter, die diese ungeschützt einatmen.

Der Restmüll wird anschließend

verbrannt oder landet in der Umwelt, wo

er Böden und Gewässer verseucht.

Aber Elektroschrott ist nicht einfach

nur Müll. Er enthält wertvolle Rohstoffe,

die nachhaltig wiederverwertet

werden können. Nicht nur Edelmetalle

wie Kupfer, Gold und Silber, sondern

bis zu 70 Prozent der Rohstoffe unserer

alltäglichen Elektrogeräte können

wiedergewonnen werden. Eisen und Aluminium,

aber auch Kunststoffe und Glas

können dank immer besserer Verfahren

aus den alten Geräten recycelt und für

die Produktion neuer Geräte eingesetzt

werden.

Von allen Müllbergen der Welt wächst

der mit Elektroschrott am schnellsten. In

den letzten fünf Jahren ist er um mehr

als 20 Prozent gestiegen, bedingt durch

die Kurzlebigkeit von minderwertigen

Elektrogeräten, die ständige Einführung

neuer Geräte und unser Konsumverhalten.

Nur rund 45 Prozent

der Altgeräte wurden in Deutschland

korrekt erfasst. Umso wichtiger ist

das nötige Bewusstsein für Umweltund

Ressourcenschutz sowie die

richtige Entsorgung.

Mülltrennung sollte der Umwelt

zuliebe ins Blut übergehen. Für

unseren alltäglichen Müll stehen

verschiedene Container bereit.

Aber wohin gehören unsere

ausgedienten Elektrogeräte?

Auf jeden Fall nicht in den

Hausmüll. Es gibt verschiedene

Wege zur richtigen

Entsorgung und sie sind

allesamt kostenlos. Bei

den Wertstoffhöfen werden

alle alten Elektrogeräte

angenommen. Die großen

Elektrofachmärkte

nehmen kleinere

Geräte vor Ort an und Großgeräte bei der

Lieferung eines neuen Gerätes wieder

mit. Alte Batterien und Akkus können

außerdem bei Drogeriefachmärkten

abgegeben werden.

Ein Umdenken ist notwendig, sowohl

bei den Herstellern als auch bei den

FOTO: CANVAS&FRAME

Mehr als

20

Kilogramm Elektroschrott

fallen in

Deutschland pro

Person im Jahr an.

Konsumenten. Gefragt sind

langlebige, ressourcenschonende

Geräte, die repariert werden

können. Vom Repair-Café, um

defekte Elektrogeräte zu

reparieren, über 3-D-Drucker,

um vor Ort Ersatzteile aus

Kunststoff zu produzieren,

bis hin zu Gebrauchtwaren

und Upcycling; es gibt verschiedene

Möglichkeiten – mit

Rücksicht auf unsere Umwelt

und mit Sinn für echten

Mehrwert. Jeder kann seinen

Beitrag für eine nachhaltige

Zukunft leisten.

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Umweltmanagementsysteme richtig einführen

4 Fragen

an den Umweltgutachter

Text Linn Seifert

1

Welchen Nutzen

haben Betriebe,

die Umweltmanagementsysteme

anwenden?

Umweltmanagementsysteme

verringern Umweltauswirkungen

und -kosten

sowie Risiken. Sie verbessern die

Wettbewerbsfähigkeit und leisten

einen Beitrag für die Gesellschaft.

Es wird eine kontinuierliche

Verbesserung der Umweltleistung

erreicht. Ein zertifiziertes

System ist oft Voraussetzung für

strategische Lieferanten. Mit dem

Premiumsystem EMAS kann

man zudem von Vorteilen wie

beispielsweise bei der öffentlichen

Ausschreibung, Gebührenreduzierungen

bei Genehmigungen

und erhöhter Reputation

profitieren.

2 3 4

Worauf sollte

man bei der

Einführung

eines Umweltmanagementsystems

achten?

Die Einführung sollte von der

Geschäftsführung sichtbar

unterstützt werden. Zudem sollte

man ein Umweltteam gründen

und das System immer auf den

Betrieb zuschneiden. Wenn

Glaubwürdigkeit, Kommunikation

und die Einhaltung von

Rechtsvorschriften wichtig sind,

sollte man EMAS wählen. Um

Fehler zu vermeiden und schnell

ein gutes System aufzubauen,

sollte man sich beim Aufbau

eventuell von einem Experten

beraten lassen.

Wie tragen

Umweltmanagementsysteme

zur Ressourcenschonung

bei?

Die Umweltaspekte

des Betriebes und der Ressourcenverbrauch

werden analysiert

und möglichst quantifiziert.

Nötige Kompetenzen und Bewusstsein

werden sichergestellt,

Prozesse optimiert sowie Ziele

und Maßnahmen festgelegt und

umgesetzt. Interne und externe

Auditierungen zeigen auf, wo

Korrekturmaßnahmen nötig

sind. Über die Jahre zeigen sich

so immer neue Handlungsfelder,

wie der Ressourcenverbrauch

verringert werden kann.

Welche Rolle

spielen Umweltmanagementsysteme

für

die nachhaltige

Entwicklung?

Gute Umweltmanagementsysteme

decken eine der drei Säulen

der Nachhaltigkeit ab und tragen

wesentlich zur nachhaltigen

Entwicklung von Unternehmen

bei. EMAS hat eine besondere

Nähe zur Nachhaltigkeitsberichterstattung,

denn die registrierten

Betriebe veröffentlichen geprüfte

Informationen und Daten in

Form einer Umwelterklärung,

die leicht zum Nachhaltigkeitsbericht

erweitert werden kann.

Dies hat auch die Studie des

Deutschen Nachhaltigkeitskodex

(DNK) gezeigt, in der die Schnittstellen

betrachtet wurden.

Dipl.-Biol.

Lennart Schleicher

Umweltgutachter und

Vorsitzender des VNU

Der Verband für Nachhaltigkeits-

und Umweltmanagement

(VNU) e. V. ist eine Gemeinschaft

aus Experten und

Anwendern, bietet Fachveranstaltungen

und arbeitet in

Gremien. Weitere Informationen:

www.vnu-ev.de

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit DQS entstanden.

Unternehmen müssen klimaneutral werden

Am Anfang steht die Erstellung einer Treibhausgasbilanz.

Text Altan Dayankac

Der Klimawandel ist nicht mehr

von der Hand zu weisen. Menschengemachte

Treibhausgasemissionen

(THG-Emissionen)

tragen wesentlich zu seiner Beschleunigung

bei, der Faktor Zeit spielt also

eine entscheidende Rolle. Für Unternehmen

aller Art und Größe bedeutet das,

möglichst zeitnah ihren THG-Rucksack

zu erleichtern. Nur: Wie geht man dabei

am besten vor? Der erste Schritt zur

Klimaneutralität ist eine verifizierte THG-

Bilanz.

Produzierende Unternehmen wie

Dienstleister sind wesentliche THG-

Emittenten, direkt oder indirekt, und

das schon seit vielen Jahrzehnten. Ob

Kohlendioxid, Methan oder Fluorkohlenwasserstoffe:

Treibhausgase gelangen

in großen Mengen in die Atmosphäre

und sind dort zusammen mit natürlichen

Effekten der Auslöser für die

Erderwärmung.

Erwartungen von Anspruchsgruppen

erfüllen

Für Ihr Unternehmen geht es dabei nicht

allein um ökologische, sondern auch um

ökonomische Überlegungen. Denn je

sichtbarer die Auswirkungen des Klimawandels

werden, desto mehr richtet sich

das Augenmerk von Anspruchsgruppen

auf dessen Verursacher. Kunden und Verbraucher

schauen immer mehr darauf,

wie sich der Hersteller einer Ware oder

der Erbringer einer Dienstleistung zum

Thema positioniert.

Unerlässlich: THG-Bilanz nach

ISO 14064-1

Wo stehen Sie bei der Einführung

eines wirksamen Klimamanagements?

Beginnen Sie mit der Erstellung einer

THG-Bilanz nach der international

anerkannten Norm ISO 14064-1.

Dies ist eine

Voraussetzung,

um wirksame

Maßnahmen zur

Reduzierung von

THG-Emissionen

auf den Weg zu

bringen.

Auch die Verifizierung

des Berichtes

spielt eine wichtige

Rolle, weil sie der Öffentlichkeit

belastbare Daten

liefert, für Transparenz

und damit für die

Glaubwürdigkeit Ihres

Unternehmens sorgt.

Kostenfreier

Download

über den

QR-Code

DQS-Whitepaper ISO 14064-1 –

Treibhausgase

Mehr Informationen zur Erstellung und

Berichterstattung von THG-Bilanzen

finden Sie in unserem kostenfreien

Whitepaper. Wir stellen dort die internationale

Norm ISO 14064-1 vor, beschreiben

die Schritte bis hin zur THG-Bilanzierung

und erläutern in einem Glossar die

wichtigsten Begriffe aus der Norm. Laden

Sie das Whitepaper über den QR-Code in

diesem Artikel herunter.

Verifizierung der THG-Bilanz durch

die DQS

Die DQS ist eine der international

führenden Zertifizierungsgesellschaften.

Wir bringen für Sie über

35 Jahre an Erfahrungen mit

Audits und Begutachtungen

von Managementsystemen

und Prozessen mit. Auch

bei der Verifizierung Ihrer

THG-Bilanz können wir

Sie begleiten – als unabhängiger,

neutraler

Dritter mit den Kompetenzen

für Klimamanagement,

Umweltmanagement

und Energiemanagement.

Altan Dayankac

DQS-Experte

Nachhaltigkeit und

Soziale Verantwortung

Weitere Informationen

unter:

dqs.de


14

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Für mehr Klimaschutz jetzt den Hebel

für erneuerbare Energien umlegen

Die durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ausgelöste Überarbeitung des Klimaschutzgesetzes mit ambitionierteren

Klimazielen kommt der Einhaltung der Pariser Klimaschutzziele näher. Doch damit das Klimaschutzgesetz keine

leere Hülle bleibt, müssen den Zielen nun auch effiziente klimapolitische Maßnahmen folgen.

Text Dr. Simone Peter

Weitere

Informationen

unter:

bee-ev.de

Vor allem die Rahmenbedingungen

für die Energiewirtschaft müssen

jetzt so gestellt werden, dass die

Dekarbonisierung schneller

voranschreitet. Hier haben die

Umstände der Corona-Pandemie

zeitweise bereits die Entwicklung

der Zukunft vorgezogen: mit einer Abnahme der

fossilen Stromerzeugung zugunsten der erneuerbaren

und geringeren Stromverbräuchen. Nun geht es

darum, mit den richtigen Konzepten die Energiewende

in allen Sektoren – neben Strom auch Wärme,

Mobilität und Industrie – voranzubringen und dabei

Klimaschutz, Versorgungssicherheit und regionale

Wertschöpfung sicherzustellen. Gerade für den

Mittelstand, aber auch für das Handwerk und

zahlreiche Industrieunternehmen kann daraus ein

echtes Konjunkturprogramm werden. Es gilt, die

gesamte Wertschöpfungskette – von der Entwicklung

über die Herstellung bis zur Wiederverwertung

– am Standort Deutschland zu realisieren.

Grundvoraussetzung für eine umfassende Transformation

ist der Ausbau der erneuerbaren Energien.

Bis zum Jahr 2030 muss mindestens ein Anteil von

44 Prozent am Endenergieverbrauch erzielt werden,

um die angestrebte Minderung der Treibhausgase

von 65 Prozent zu erreichen. Für den Stromsektor

bedeutet das ein Anteil von 77 Prozent am Bruttostrombedarf.

Dafür müssen Ausbaumengen und

-pfade für Erneuerbare im Erneuerbare-Energien-

Gesetz deutlich nach oben angepasst, Hemmnisse

beseitigt, Flächen und Genehmigungen bereitgestellt

werden und die fossile Energieerzeugung muss

schneller und umfassender reduziert werden. Die im

Herbst neu gewählte Bundesregierung muss sich

auch der Neuausrichtung des Strommarkts auf

erneuerbare Energien widmen und die Kopplung

der Sektoren voranbringen – von der Elektromobilität

über Wärmepumpen bis hin zu grünem Wasserstoff.

So kann die nachhaltige Transformation der

Wirtschaft mit Klimaschutz und der Stärkung

regionaler Wertschöpfung Hand in Hand gehen.

Dr. Simone Peter

Präsidentin Bundesverband

Erneuerbare Energie e. V. (BEE)

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit DANPOWER entstanden.

Wenn die kalte Dunkelflaute droht

Text Dominik Maaßen

Sven Schmieder

Vorsitzender der

Geschäftsführung,

Danpower GmbH

Ein Gespräch mit Sven

Schmieder, Vorsitzender

der Geschäftsführung

bei Danpower, über Erfolge

bei umweltschonender

Energieerzeugung, überlebenswichtige

Versorgungssicherheit

und den richtigen Ressourcenmix

von morgen.

Danpower steht für die Energie von

morgen. Können Sie das genauer beschreiben?

Uns treibt an, den Menschen Wärme und

Strom bereitzustellen und gleichzeitig die

Umwelt zu schonen. Wir vertrauen der

Kombination aus effizienter und umweltschonender

Energieerzeugung. Zum

Einsatz kommen modernste Technologien,

fast immer auf Basis von Kraft-Wärme-Kopplung.

Eine nahezu CO 2-neutrale

Erzeugung von Elektroenergie realisieren

wir durch erneuerbare Brennstoffe, wie

Biogas, Holzpellets und Holzhackschnitzel,

sowie durch energetische Nutzung

von Restabfällen.

Unsere KWK-Anlagen haben einen

gesamtenergetischen Wirkungsgrad

jenseits der 80 Prozent. Das ist selten.

Noch stolzer sind wir, dass wir 52

Prozent unserer Wärme grün erzeugen.

Grüne Wärmeerzeugung darzustellen,

ist wirtschaftlich deutlich schwieriger

als Stromerzeugung. Bei letzterer liegen

wir bei rund 570.000 Megawattstunden

grünem Strom jährlich. Und dieser ist zu

98 Prozent erneuerbar erzeugt.

Alle reden von der Energiewende. Mit

welchen Energieträgern lässt sich aus

Ihrer Sicht die Zukunft gestalten?

Ich habe den Eindruck, dass es in

Deutschland einen großen Unterschied

zwischen Realität und Wunschdenken

gibt. Gewährleistet sein muss, dass Energieerzeugung

wirtschaftlich und umweltfreundlich

ist. Entscheidend ist jedoch

erst mal die Versorgungssicherheit.

Wir haben uns von der Atomkraft verabschiedet.

Wir wollen aus der Kohle aussteigen.

Wir verteufeln Erdöl. Da stimme ich

noch zu. Aber jetzt wird auch noch Erdgas

infrage gestellt, obwohl wir das dringend

als Brückentechnologie benötigen.

Auch Wasserstoff wird gerade für mehr

Fördermengen gehypt. Ich bezeichne

Stromerzeugung mit Wasserstoff immer

als den Champagner unter den Erzeugungsarten.

Dafür brauchen Sie die

fünffache Energiemenge im Vergleich zu

Strom aus Erdgas.

Was kann im schlimmsten Fall passieren?

Stellen Sie sich die kalte Dunkelflaute vor.

Wir haben also Winter, es ist Nacht und

die Winde wehen nicht. Entscheidende

Säulen der Energie, wie zum Beispiel

Sonne oder Wind, auf die Politik und Umweltinitiativen

setzen, stehen Ihnen so

nicht zur Verfügung. Wird nun kurzfristig

mehr Stromleistung benötigt, sitzen wir

im Dunkeln und frieren. Das darf nicht

passieren.

Was schlagen Sie als Alternative vor?

Der Großteil der Erzeugung läuft über

Wind, Fotovoltaik, Biogas und Biomasse.

So bringen wir die erneuerbaren

Energien nach vorne. Diese sind momentan

jedoch nicht grundlastfähig.

Gleichzeitig müssen wir weiter Erdgas

als Brückentechnologie nutzen. Erdgas

bietet uns parallel die nötige Versorgungssicherheit.

Allerdings ist Deutschland nicht führend

in der Produktion von Erdgas.

Das stimmt. Die Produktion geht

hierzulande sogar zurück und wir sind

auf Import angewiesen. Aus diesem

Grund sehe ich die aktuellen, in meinen

Augen auch politisch motivierten

Vorschläge eines Baustopps von Nord

Stream 2 kritisch. Das würde den

Steuerzahler zum einen Milliarden

kosten. Zum anderen sehe ich keine

Abhängigkeit, wenn Energie zur Verfügung

gestellt wird und man sich parallel

flankierend um Alternativen bemüht.

Weitere

Informationen

unter:

danpower.de


Für die Zukunft

des Blauen Planeten.

Gutes Klima braucht Experten.

Worüber reden wir, wenn wir über die Zukunft des Blauen Planeten reden?

Reden wir über Klimawandel und Klimaschutz? Über CO ²

-Einsparungen und

erneuerbare Energien? Über Wärmepumpen und Hybridsysteme? Ja.

Aber darüber hinaus reden wir über Verantwortung und Verpflichtung.

Über die Verantwortung der Heizungsbranche, die Emissionen zu reduzieren,

die bei der Versorgung von Wohngebäuden mit Raumwärme und

Warmwasser entstehen. Und über unsere Verpflichtung. Als Heizsystemexperte

voranzugehen, Heizungen zu modernisieren, Heizsysteme effizient zu regeln

und regenerative Alternativen bereitzustellen. Das ist unser Beitrag.

Für Einfamilienhäuser und Wohnkomplexe. Für Gewerbebetriebe und

Industrie anlagen. Immer an der Seite unserer Heizungsplaner und -installateure.

Denn Technik kann nur dann dem Menschen dienen, wenn sie auch

der Umwelt dient.

Für den Schutz des Klimas. Für die Zukunft des Blauen Planeten.

buderus.de/bluexperts


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