29.06.2021 Aufrufe

Taxi Times Berlin - 2. Quartal 2021

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

2. QUARTAL 2021 3,50 €

www.taxi-times.taxi

B E R L I N

LOGISTISCHE HERAUSFORDERUNG

JEDEN TAG 20.000

IMPF-COUPONS

PBEFG-NOVELLE

Alle Macht

dem LABO

BESUCH IM TAXIZENTRUM

Franziska Giff ey

und Raed Saleh

E-TAXI-FÖRDERUNG

Hamburg als

Vorbild für Berlin?


LONDONER LEGENDE TRIFFT

BERLINER SCHNAUZE

J ETZT B EI AUTO HAUS KO CH TESTEN

WWW. AUTOSKAU F TMAN B EI KO CH . DE

TAXI-UMBAU

999 € 2

JETZT NUR

SERIENMÄSSIGE

TRENNSCHEIBE

Ansprechpartner:

Toni Ladendorff

Telefon:

0171-9565849

E-Mail:

toni.ladendorff@koch-ag.de

LEVC TX: Energieverbrauch kombiniert 1 0,9 l Benzin und 23,4 kWh Strom pro 100 km, CO-Emissionen kombiniert 1 19 g/km, Elektrische Reichweite:

kombiniert 101 km, innerstädtisch 126 km

Werte gemäß WLTP Testzyklus. Verbrauch, CO


1



2



2 2. QUARTAL 2021 TAXI


Titelfotos: Taxi Berlin (4), Uli Skerhut

ZURÜCK IN RICHTUNG NORMALITÄT

Die Menschen sitzen wieder in Restaurants, Hotels vermieten

ihre Zimmer, Museen sind geöffnet, Veranstaltungen dürfen mit

bis zu 500 Besuchern stattfinden. Der Weg zurück in ein einigermaßen

normales Leben ist nicht in ein paar Tagen beschritten, hat

aber augenscheinlich begonnen. Auf die ganz großen Veranstaltungen

mit Massen an Taxifahrgästen müssen wir noch warten

– hoffentlich nicht mehr lange.

Bei Taxi Berlin beginnt der Impffahrten-Boom langsam abzuklingen

– Zeit, Bilanz zu ziehen und sich wieder um Dinge zu kümmern,

die fast schon vergessen schienen: Autobooker am Laufen

halten, mit denen Hotels auf Knopfdruck Taxen bestellen, Kunden

akquirieren, neue Marktsegmente erschließen – kurz gesagt:

den Blick auch wieder auf das zu richten, was kommt. Als „fast

schon luxuriöses Gefühl“ bezeichnete Geschäftsführer Hermann

Waldner es kürzlich, endlich wieder ein Stück nach vorne blicken

zu können. Dabei spielt Inklusion eine immer größere Rolle. Die

Impffahrten haben einen Vorgeschmack auf die Vorteile gebracht.

WIEDER AN DIE ZUKUNFT DENKEN

Das Taxi der Zukunft wird aber vor allem eines sein: elektrisch

betrieben – einschließlich der Option Wasserstoff. Das ist nicht

nur politischer Wille, sondern auch juristisch erzwungen. Der

Bundesgerichtshof verpflichtete die Bundesregierung am 29.4.,

ihr bisheriges Klimaschutzpaket „generationengerechter“ nachzubessern.

Und am 3.6. verurteilte der Europäische Gerichtshof

die Bundesrepublik Deutschland, weil jahrelang in vielen Städten

die Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) erheblich überschritten

wurden. Auch Inklusion geht emmissionsarm: In Berlin ist jetzt

ein zweites, elektrisch angetriebenes London-Taxi im Einsatz.

Die Entwicklung des Taxigewerbes wird immer mehr von

Gerichten bestimmt, nicht nur im Hinblick auf die künftige

Mobilität, sondern auch betreffs der Bestimmungen des neuen

Personenbeförderungsgesetzes. Es räumt den Kommunen erheblich

mehr Möglichkeiten ein, für den vom Gesetzgeber gewollten

fairen Wettbewerb innerhalb der Verkehrsarten Taxi und Mietwagen

zu sorgen.

KAMPF GEGEN UBER & CO.

GEHT IN DIE NÄCHSTE RUNDE

Bei konsequenter Deutung der neuen Formulierungen könnte

das LABO beispielsweise Dumpingtarife verbieten oder sogar die

Zahl der Mietwagen begrenzen. Leider sind das alles nur „Kann-

Regelungen“, so dass fest damit zu rechnen ist, dass so manche

Regel-Auslegung sofort vor Gericht landen wird, vor allem, wenn

sie dem Geschäftsmodell von Uber & Free Now schaden könnten.

Es wird wichtiger denn je sein, dass die Taxibranche mit ihren

Gewerbevertretungen im konstruktiven Dialog mit der regionalen

Politik und den Behörden bleibt. Eine starke Gewerbevertretung

braucht auch wirtschaftlich gesunde Taxizentralen. Einigkeit

macht stark und vergrößert auch die finanziellen Möglichkeiten.

In Zeiten, in denen über Wohl und Wehe der Branche über teure

Gerichtsverfahren entschieden wird, ist eine breite Mitgliederbasis

ein wichtiger Erfolgsfaktor.

– die Redaktion –

INHALT

MELDUNGEN

4 News

CORONA-KRISE

5 Jeden Tag bis zu 20.000 Coupons

PBEFG-NOVELLE

8 Gesetz mit revolutionären Elementen

9 Alle Macht dem LABO

10 Viele Fragen zur Fachkunde

11 Plattformen kommen ins Gesetz

11 Freistellungsverordnung auf der Kippe

12 Kassensicherungsverordnung – Das Aus

für INSIKA

TAXI BERLIN

13 Franiska Giffey besucht Taxi-Zentrum

14 Berlin bleibt einflussreich im BVTM

15 Ende des PDA-Zeitalters

E-MOBILITÄT

16 Zukunftstaxi Hamburg

18 Vielfalt: Neue E-Taxi-Modelle

20 In der Persiusstraße kommt das E-Taxi in

Fahrt

21 London-Taxi: elektrisch und inklusiv

BERLIN

22 ZOB-Umbau dauert und kostet

23 Mercedes-Kompetenzzentrum in

RECHT

Schönefeld

24 Neuer Bußgeldkatalog

DAS LETZTE

26 Mietwagenschwemme: Hamburg greift

durch, Berlin zaudert

AUCH IN DIESER AUSGABE SIND

QR-CODES MIT DEM SMARTPHONE

ZU SCANNEN

Liebe Leser, in dieser Ausgabe werden Sie, wie

schon im vorigen Heft, auf gepixelte Quadrate

stoßen, die sogenannten QR-Codes. Sie beinhalten

meist die Internetadressen weiterführender

Beiträge auf der Taxi-Times-Website oder anderen

Internetseiten.

Zum Scannen von QR-Codes mit dem Smartphone

gibt es verschiedene Apps. In neueren Modellen ist

die Funktion zum Teil bereits serienmäßig installiert

und beispielsweise in den „Einstellungen“ zu finden.

Mit Hilfe der QR-Codes können wir Ihnen in dieser

und den kommenden Ausgaben mehr Informationen

bieten.

TAXI 2. QUARTAL 2021

3


MELDUNGEN

NEWSTICKER

BERLKÖNIG BC MUSS ABDANKEN

Wie die BVG ihren Kunden mitgeteilt

hat, endet der Betrieb des Berlkönig BC am

23. Juni, da nach knapp zwei Jahren die

50-prozentige Förderung durch das Bundesverkehrsministerium

eingestellt wird.

Im Unterschied zum Berlkönig, der von

der BVG gemeinsam mit der Daimler-

Tochter ViaVan betrieben wird und in der

östlichen Innenstadt die individuelle Personenbeförderung

kannibalisiert, galt der

Berlkönig BC als Hoffnung für eine langfristige

Zusammenarbeit des Taxigewerbes

mit der BVG. Organisiert wurde die Koope–

ration durch die Berliner Taxi-„Innung“,

betrieben werden die Kleinbusse von Berliner

Taxiunternehmen.

Die Auslastung sei hinter den Erwartungen

zurückgeblieben. Die erste und

zugleich letzte der beiden Berlkönig-BC-

Routen verbindet den U-Bahnhof Rudow

bzw. den alten S-Bahnhof Schönefeld mit

den Umlanddörfern Schulzendorf und

Rohbau der A-100-Verlängerung mit Abfahrt Sonnenallee

GRÜNE UND LINKE

WOLLEN A 100

ZURÜCKBAUEN

Am 26. September wird das Berliner Abgeordnetenhaus

neu gewählt. Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch

sagte am 20. März, Berlin brauche keine Autobahn.

„Statt über den Weiterbau sollten wir vielleicht anfangen, über den

Rückbau der A 100 zu reden. [...] Ich meine damit, dass Berlin mit

der A 100 vor vielen Jahrzehnten etwas begonnen hat, was im Jahr

2021 ganz klar ein Fehler ist. Innerstädtischer Raum ist heutzutage

viel zu wertvoll, um ihn an eine Autobahn zu verschwenden.“

Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) widersprachen

und betonten, der Berliner Stadtring als meistbefahrene

Autobahn bundesweit sei für die Wirtschaft und die Versorgung

von Millionen von Menschen wichtig. Jaraschs Idee sei „aberwitzig“

und zeuge von mangelnder Wirtschaftskompetenz. Ein

Grünen-Sprecher sagte, Jarasch hätte lediglich den im Bau befindlichen

16. Bauabschnitt von Neukölln nach Alt-Treptow gemeint.

Jarasch brachte eine weitere Variante ins Spiel: „Vielleicht eine

Fahrspur weniger, vielleicht eine gesicherte Radspur daneben“.

Die Linke schloss sich der Forderung nach dem Autobahn-Rückbau

an. CDU, SPD, FDP und AfD wollen die A 100 stattdessen zügig

nach Lichtenberg verlängern.

ar

BerlKönig BC: ein Verlust für das Berliner

Taxigewerbe

Schönefeld-Waltersdorf. Nachdem das

Pilotprojekt im Sommer 2019 auf den Weg

gebracht war, sollte deshalb eine zweite

Umland-Anbindung der Gemeinde Leegebruch

im Landkreis Oberhavel an den

U-Bahnhof Alt-Tegel eingerichtet werden,

was an schwierigen Verhandlungen mit

dem dortigen Landratsamt scheiterte.

Ersatzweise wurde letztes Jahr der Ortsteil

Heiligensee angebunden, wo aber die

Nachfrage ebenfalls nicht die Erwartungen

erfüllte – möglicherweise, weil der

höhere Altersdurchschnitt im Bediengebiet

nicht mit der wenig kundenfreundlichen

Auswahl an Bezahlmöglichkeiten beim

Berlkönig BC zusammenpasst: Die Fahrten,

die einen kleinen Aufpreis kosten, lassen

sich ausschließlich mit einer BVG-eigenen

App buchen und bezahlen. ar

UBER-AUTOS AM BER

Uber-Fahrer nehmen Taxifahrern die Kunden weg“ –

so titelte das Springer-Blatt „BZ“ im März. Taxifahrer

bekommen am Flughafen BER kaum Aufträge und bangen

um Ihre Existenz. „Der Grund: Uber-Fahrer nehmen ihnen die

Kunden weg.“ Die schlechte Auftragslage am BER bringe teils fünfstündige

Wartezeiten. Die „Uber- und Freenow-Konkurrenz aus

Berlin“ werbe „im Minutentakt“ die Kunden ab. Die „BZ“ berichtete

von Verstößen gegen die Rückkehrpflicht und erwähnte „spezielle

Apps, in denen die Fahrer durchgängig als verfügbar angezeigt

werden können. So kommen sie ständig an neue Kunden. Illegal.“

Medien des Springer-Konzerns berichten selten über Rechtsverstöße

von Uber oder seiner Partner, seit der frühere „Bild“-

Herausgeber Kai Diekmann 2017 für Uber tätig wurde und der

Berliner Medienkonzern Anteile an dem US-Konzern erwarb.

Ein Taxifahrer, der früher für Uber tätig war, kenne „die Tricks:

Am BER drehen die Fahrer ständig Runden, um die Parkgebühren

zu umgehen“. Die Behörden griffen in der Regel nicht ein. Die „BZ“

hat das für den BER zuständige Landratsamt kontaktiert. Antwort:

„Kontrollen werden regelmäßig mit dem Straßenverkehrsamt und

den anderen zuständigen Behörden durchgeführt.“ Dieser Eindruck

entsteht in der Reportage nicht.

ar

FOTOS: Axel Rühle / Taxi Times

4 2. QUARTAL 2021 TAXI


CORONA-KRISE

JEDEN TAG

BIS ZU 20.000

IMPF-FAHRTEN

Selten hat das Taxigewerbe so einstimmiges Lob bekommen wie in den

letzten Monaten von den Impfl ingen. Die logistische Leistung dahinter

hätte sich vor einem Jahr noch kaum jemand vorstellen können.

In der Corona-Krise sind die Impffahrten

für das Berliner Taxigewerbe ein

wichtiger Umsatzbringer – und halten

die Funkzentrale seit Jahresbeginn in

Atem. Der Umfang des Auftrags ist einzigartig.

Anfang Januar begann es mit

der Arena in Alt-Treptow, und nach und

nach kamen die fünf weiteren Impfzentren

hinzu. Die logistische Vorgeschichte reicht

aber weit zurück bis in den letzten Herbst.

Von Beginn der Corona-Krise an hatte der

Senat gezögert, das Taxi in die Bewältigung

einzubeziehen. Als dann der erste Impfstoff

im Schnellverfahren in Deutschland zugelassen

wurde und effektive Massenimpfungen

organisiert werden mussten, schlug die

Stunde des Taxigewerbes.

In vielen geduldigen Gesprächen konnte

Hermann Waldner die Entscheidungsträger

davon überzeugen, dass die Massenverkehrsmittel

– Bus und Bahn – den Risikogruppen

keinen so guten Schutz vor

Ansteckung bieten wie das Taxi, und dass

seine Firma Taxi Berlin gemeinsam mit

dem Berliner Taxigewerbe der ideale und

leistungsfähige Partner für einen solchen

Großauftrag ist. Der Senat machte Nägel

mit Köpfen: Zum Aufbau der Impfzentren

holte er den Logistik-Experten Albrecht

Broemme ins Boot, und mit der Organisation

der An- und Abfahrten der Senioren

betraute er Hermann Waldner und Jens

Schmiljun, unterstützt von den Verbandschefs

Boto Töpfer und Leszek Nadolski.

Als am 4. Januar das erste Impfzentrum

in der Konzerthalle Arena im Ortsteil

– nur 1x in Berlin

FOTOS: Taxi Berlin (3), Uli Skerhut

Jetzt

HICO Kraftfahrzeug-Kontrollgeräte GmbH · Ullsteinstraße 53–55 · 12109 Berlin

Vertretung:

FISKALTAXAMETER

• Montage fiskalfähiger Taxameter

• Umrüstung vorhandener Taxameteranlagen

• Aktualisierung der Taxameteranlage nach neuesten Anforderungen

Der Kundendienst:

Beratung und Termine:

HICO-Service anerkannt, zuverlässig, Tel.: 030/7520774

fachmännisch und flexibel Fax: 030/7520944

E-mail: info@hico-berlin.de

TAXI 2. QUARTAL 2021

5


CORONA-KRISE

Im Winter war das Wetter für das Leitstellenpersonal

mitunter eine Herausforderung.

Besuch an der Messe: Hermann Waldner und Jens Schmiljun

überzeugen sich vom gut funktionierenden Ablauf.

Alt-Treptow eröffnet wurde, war das Interesse

der Medien groß – ebenso wie die

Begeisterung der Impflinge, die den perfekt

organisierten Ablauf von der Abholung zu

Hause über die Betreuung vor Ort bis zur

Rückfahrt beinahe überschwänglich lobten

und von der netten Behandlung durch

das Personal im Impfzentrum geradezu

gerührt waren.

Für die hinter den Kulissen tätigen

Organisatoren – Deutsches Rotes Kreuz,

Taxi Berlin, Senatsverwaltungen, Polizeibehörde,

Straßenverkehrsbehörde – war

es von Anfang an eine logistische

Herausforderung. Für das

Personal vor Ort – Ärzte, medizinisches

Personal, Leitstellendienste,

Sicherheitsdienste,

Bundeswehr, Polizisten – war

der Anfang mit seiner geringen

täglichen Frequenz dagegen

gut zum Eingewöhnen – nichts

im Vergleich zu dem, was noch

kommen sollte, und was dann regelmäßige

Absprachen mit vielen Parteien etwa über

den Umgang mit den Verkehrsproblemen

in der Eichenstraße oder auf dem Gelände

in der Müllerstraße nötig machte.

Für das krisengeplagte Taxigewerbe

war der Großauftrag mehr als ein Strohhalm.

Zudem steigerte die Bedingung des

Senats, dass Taxis für Impf-Fahrten mit

Trennschutz ausgestattet sein müssen,

das Ansehen des Berliner Gewerbes als

ansteckungssichere Alternative zu den

Massenverkehrsmitteln, um die – gerade

zu Beginn oft gebrechlichen – Impflinge

DER BÄRENDIENST EINES

UNZUFRIEDENEN

Ein Berliner Taxiunternehmer beschwert

sich via „BZ“ über den langen Auszahlungszeitraum

von Taxi Berlin für seine

Fahrtcoupons – und ein Lokalpolitiker

empört sich gleich mit. Wir blicken hinter

die Kulissen dieser Geschichte.

bequem und sicher zu befördern. Besonders

die barrierefreien Taxen erwiesen sich

dabei als hilfreich.

Hermann Waldner wünscht sich, dass

diese Erfahrung zu einem Aufschwung

der Inklusion im Taxigewerbe beiträgt:

„Unsere Kundschaft wird generell älter

und ist zunehmend nicht mehr gut zu Fuß.

Dafür brauchen wir in den kommenden

Jahren ein Vielfaches an Inklusionstaxen

verglichen mit heute. Mit den positiven

Erlebnissen bei den Impffahrten ist hierfür

hoffentlich ein Grundstein gelegt worden.“

«Ein ganz herzliches Dankeschön

allen, die sich seit Dezember

unermüdlich engagieren.»

ar

Hermann Waldner

Während er Ende Mai diesen positiven

Blick auf die Lage äußert, brennt in seiner

Firma die Luft: Durch die Abrechnung der

Impf-Fahrten mit Fahrpreis-Coupons, die

an den Impfzentren vom Leitstellen-Personal

an die Fahrer ausgegeben werden, hat

sich das Aufkommen von Coupons, die von

den Mitarbeitern in den Büros geprüft, eingegeben

und abgerechnet werden müssen,

im Vergleich zu vorher verfünfzigfacht.

Nicht nur eigens designte Coupons für

die Impf-Fahrten sind ein Produkt dieses

Ausnahmezustands. Um die Vielzahl

an Bestellungen zu bewältigen, wurden

bald nach Beginn

zwei Extra-Telefonnummern

geschaltet,

um die nicht

Computer-affinen

Senioren nicht

lange in der Telefonschleife

warten

zu lassen. Für die

online-erfahrenen

Besteller wurde von

denselben Gestaltern die Internetseite komplett

überarbeitet, so dass seitdem gleich

auf der sehr übersichtlichen Startansicht

ein Impfzentrum ausgewählt und die Fahrt

dorthin mit wenigen Mausklicks vorbestellt

werden kann.

Den enormen Aufwand hinter all diesen

Maßnahmen nimmt die Öffentlichkeit nur

zum kleinen Teil wahr. Vertriebschef Jens

Schmiljun, der bei Taxi Berlin vieles rund

um die Impf-Fahrten koordiniert, nennt

Stichpunkte: zwei neue Hochgeschwindigkeits-Couponscanner,

„zentnerweise“

Coupon-Vordrucke pro Monat,

rund 50 Personen Leitstellen-

Personal, Ausgaben für dessen

Ausrüstung und Kleidung usw.

„Aus normalen Funkgebühren

wäre all das nie und nimmer zu

bezahlen gewesen.“ Für unqualifizierte

Vorwürfe, Taxi Berlin

würde sich an der Corona-Krise

eine goldene Nase verdienen,

hat beim Personal in der Persiusstraße, das

von Januar bis Juni zum Teil kaum freie

Tage hatte, niemand Verständnis. „Unseren

Terminkalender wünsche ich momentan

niemandem“, sagt Hermann Waldner

nachdenklich, um gleich auf harte Fakten

zurückzukommen: Man habe zur Bewältigung

der telefonischen Impf-Fahrten-

Bestellungen unter anderem zusätzliches

Callcenter-Personal einstellen müssen. „Da

sitzen jetzt tagsüber 60 Leute am Telefon

und arbeiten jeden Tag in der Woche mehr

als in jeder Silvesterschicht. An vielen

Tagen kommen um die 20.000 Fahrten mit

pro Fahrt einem Impfcoupon zusammen.

Das machen die nicht ehrenamtlich.“

Impffahrten aufzunehmen sei darüber

hinaus etwas anderes als die Aufnahme

von sonstigen einfachen Taxifahrten. „Es

sind fast immer Menschen, die älter als 70

oder 80 Jahre sind. Viele von ihnen kennen

das Taxifahren kaum, weil ihnen das

im Alltag zu teuer ist. Sie sind manchmal

ängstlich, kommen oft bei den reinen Impfhotlines

gar nicht durch, fragen uns daher

FOTOS: Axel Rühle / Taxi Times

6 2. QUARTAL 2021 TAXI


CORONA-KRISE

Abfertigung im Minutentakt am ersten Impfzentrum

in Alt-Treptow

Schnell eingerichtet und effektiv: die

Impffahrten-Coupons

viele Dinge, die mit der Taxifahrt direkt gar

nichts zu tun haben.“ Das durchschnittliche

Annahmegespräch für eine Fahrt

zum Impfzentrum dauert laut Callcenter-

Statistik etwa zwei- bis dreimal so lange

wie ein Gespräch für die Annahme eines

einfachen Taxiauftrags.

Noch größer ist der Abrechnungsaufwand:

„Wer denkt,

dass die Auftragslage für

uns einfach nur ein bisschen

High-Life ist, kann gerne mal

für einen Tag meinen Job hier

machen“, sagt eine Mitarbeiterin,

die in atemberaubender

Geschwindigkeit Coupons

abarbeitet, ab und zu einen mit

unplausiblen oder fehlenden

Angaben auf einen anderen

Stapel legt und trotz allem ihre

gute Laune nicht verloren hat.

Früher übte sie diese Tätigkeit

– neben anderen Arbeiten –

mit einer Kollegin zu zweit

aus. Bis vor Kurzem machten

17 Leute den ganzen Tag nichts Anderes.

Geschäftsführer Hermann Waldner ist

stolz auf die Gemeinschaftsleistung: „Dass

die Zusammenarbeit der vielen verschiedenen

Beteiligten so gut funktioniert, aber

auch die Einsatzbereitschaft einzelner

Personen ist beeindruckend. Ich möchte

einmal ganz herzlich allen danken, die sich

seit Dezember unermüdlich engagieren:

beim Deutschen Roten Kreuz, beim Senat,

bei allen Menschen in den Impfzentren, vor

den Türen der Impfzentren, und natürlich

bei uns im Hause – im Callcenter, in den

Abrechnungsbüros, in der Buchhaltung, in

der Fahrer- und Unternehmerbetreuung, in

der Marketing-Abteilung, in der Technik,

Impfzentrum Messe

Falkenseer Ch. 115

Taxibetrieb

Klaus Schmidt

St.-Nr. 12/ 345/

67890

Baumstr. 55

12345 Berlin

7 29,20

Harald Klein

6075

27.6.2021 14:15

MUSTER

in der Kundenbetreuung. Wir bekommen

viel Zuspruch von unseren Kunden, besonders

von Senioren, die den Service unserer

Mitarbeiter, der Taxifahrerinnen und

-fahrer und der Menschen am Impfzentrum

in den höchsten Tönen loben. Auch viele

Unternehmer wissen unser Engagement

zu schätzen. Dass wir trotz allem nicht alle

vor dem Konkurs retten konnten, ist bitter

und tut weh. Die gesamtwirtschaftliche

Bilanz der Corona-Krise wird sicherlich

katastrophal sein. Das Taxigewerbe ist

davon ja besonders betroffen. Von einigen

Unternehmern und Fahrern hätten wir uns

auch gewünscht, dass sie mehr zusammenarbeiten,

mit uns an einem Strang ziehen,

um gemeinsam eine gute

Dienstleistung zu erbringen,

statt uns anzufeinden und die

Abläufe zum Teil zu erschweren,

oder – noch schlimmer

– in der Presse, den sozialen

Medien oder bei Politikern mit

ungerechtfertigten Vorwürfen

gegen uns zu hetzen. Das kann

einen persönlich schon manchmal

wirklich ärgern. Trotzdem,

denke ich, können wir alle insgesamt

stolz auf unser Krisenmanagement

sein.“

Inzwischen hat der Ausnahmezustand

bei Taxi Berlin seinen

Zenit überschritten. Die

Rückkehr zur Normalität hat

begonnen, und die zunehmend jüngeren

Impflinge sind nicht mehr auf Taxifahrten

angewiesen. Hermann Waldner rechnet für

Mitte, Ende Juli mit einem Abflauen der

Auftragslage – und hofft nach dem Ende

des Lockdowns auf ein möglichst schnelles

Wiederaufleben des normalen Geschäfts

mit Großveranstaltungen, Tourismus und

Gastronomie.

ar

FOTOS: Uli Skerhut (2), Simi, Axel Rühle / Taxi Times

Ausladen, einladen, Abfahrt

Die Leitstellenteams erhalten viel Lob von den Impflingen.

TAXI 2. QUARTAL 2021

7


GEWERBE

GESETZ MIT

REVOLUTIONÄREN

ELEMENTEN

Das „Gesetz zur Modernisierung des

Personenbeförderungsrechts“ eröffnet den

Kommunen viele Optionen, gegen Wildwuchs

im Mietwagenbereich vorzugehen.

Knapp die Hälfte aller Paragraphen

des Personenbeförderungsgesetzes

(PBefG) werden durch die im

März verabschiedete Novelle verändert, die

größtenteils am 1. August in Kraft treten

soll. Nicht alles davon ist taxirelevant, aber

einiges kann die Grundlage für eine Wettbewerbsentzerrung

zwischen Taxis und

Mietwagen sein.

Hierzu zählt die Option für die Genehmigungsbehörden,

den appbasierten

Mietwagenverkehr zu regulieren und einzuschränken.

Sie gilt für Städte ab 100.000

Einwohnern, in denen der app-basierte

Mietwagenverkehr einen Marktanteil von

25 Prozent erreicht. „Der Gesetzgeber

hat erkannt, dass appbasierte Vermittler

eine Gefahr für das Taxigewerbe sind und

auch ÖPNV-Interessen

betroffen sein könnten“,

resümiert Herwig

Kollar, neu gewählter

Präsident des Bundesverbands

Taxi

und Mietwagen e. V.

(BVTM, siehe S. 14). Er

hat als Rechtsanwalt schon viele Verfahren

für das Taxigewerbe gegen Uber gewonnen.

Er bezeichnet die Befugnisse, die das

PBefG als Bundesgesetz künftig auf die

kommunalen Genehmigungsbehörden

überträgt, als revolutionär. In den besagten

Städten dürfte eine Genehmigungsbehörde

beispielsweise eine Kontingentierung festlegen,

also die Mietwagenzahl begrenzen –

oder jede Konzession zeitlich und räumlich

beschränken. Last but noch least bekommt

die Behörde das Recht, Sozialstandards für

die Mietwagenbetreiber festzulegen.

Nicht weniger revolutionär ist eine Neufassung

im Paragraph 51 des PBefG, wonach

zum Schutz der öffentlichen Verkehrsinteressen

die Genehmigungsbehörde auch

für Mietwagen tarifbezogene Regelungen

festlegen kann. „Das gilt insbesondere für

„Legal lässt sich

so kein Gewinn

erwirtschaften.“

Mindestbeförderungsentgelte“, stellt Kollar

klar und verweist auf die Möglichkeit,

Dumpingpreise zu verhindern. Nicht, um

das Taxigewerbe zu schützen, sondern um

prekäre Arbeitsverhältnisse und Schwarzarbeit

zu vermeiden, wenn zu Schleuder-

Preisen gefahren wird, was keinen gesetzlichen

Mindestlohn ermöglicht bzw. beim

Ein-Wagen-Unternehmer zur Selbstausbeutung

führt.

Um all das rechtssicher zu machen,

bedarf es klarer Definitionen, basierend

beispielsweise auf einer betriebswirtschaftlichen

Berechnung. Das vom Taxiunternehmer

Richard Leipold erstellte Rechenbeispiel

in der Tabelle belegt, dass bei den

derzeitigen Fahrpreisen von Uber und

Free Now der Unternehmer mit jeder Fahrt

ins Minus fährt. Leipolds

eindeutiges

Fazit: „Unter Einhaltung

der gesetzlichen

Vorschriften

und der Kenntnis

der Verkehrsverhältnisse

in Berlin

(Umlauftempo) kann unter Maßgabe der

vier Grundrechenarten und des Prozentrechnens

kein Gewinn erwirtschaftet

werden.“

Folglich muss die Mehrzahl der Berliner

Mietwagenunternehmer, die für Uber

und Free Now unterwegs sind, an einer

der Komponenten in der Beispielrechnung

manipulieren, um einen Gewinn zu erwirtschaften.

Oder anders ausgedrückt: Mietwagenunternehmer,

die mit appbasierten

Plattformbetreibern zusammenarbeiten,

fahren entweder wirtschafltich gegen die

Wand oder sind gezwungen, gegen die

Straßenverkehrsordnung, das Umsatzsteuergesetz,

die Abgabenordnung, das

Mindestlohngesetz, das Arbeitszeitgesetz,

das Bundesurlaubsgesetz oder das Lohnfortzahlungsgesetz

zu verstoßen. jh

Richard Leipold






mögliche besetzte Fahrstrecke pro Std. 14,6 km

maximal möglicher Bruttoerlös pro Std. 33,63 €

davon Umsatzsteuer (19 %) ‐5,37 €

Uber-Vermittlungsprovision vom

Bruttoerlös (25 %)

‐8,41 €




Lohnkosten (nur Mindestlohn) ‐14,41 €

variable Fahrzeugkosten (Treibstoff,

Instandhaltung, Wertverzehr)

‐4,83 €




feste Fahrzeugkosten ‐0,82 €

allgemeine Verwaltungskosten ‐0,77 €










Es wird nur Mindestlohn gezahlt: 9,50 €

Das verursacht Unternehmerlohnkosten

pro Stunde in Höhe von:

14,41 €

Es werden drei Fahrer eingesetzt, die im

Monat folgende Stunden ableisten:

450 h

Das Fahrzeug fährt pro Monat:

8.618 km

Fahrzeug muss nach 4 Jahren ausgemustert

werden mit einer Laufleistung von: 413.640 km

Nach jeder Fahrt muss der nächste Auftrag

nach folgender Zeit eingeladen werden:

2,5 min

Der Abstand zwischen abgesetzten und

neuen Fahrgästen darf nur betragen:

1,75 km



















FOTO: Axel Rühle / Taxi Times

8 2. QUARTAL 2021 TAXI


GEWERBE

Marktregulierung!

ALLE MACHT DEM LABO

In Städten mit mehr als 25 Prozent Mietwagenanteil sollen die

Genehmigungsbehörden künftig weitreichende Befugnisse zur

Marktregulierung bekommen. Wird das LABO darauf zurückgreifen?

GRAFIK: Jérôme Kirschkowski

Ein Mietwagen-Anteil ab 25 Prozent

(an den Individual-Personenbeförderern)

gilt als marktbedrohend für

die Taxibranche, deren Aufgabe als Teil

des öffentlichen Personennahverkehrs

auch in der Erfüllung der mobilen Daseinsvorsorge

für die Bevölkerung besteht. Den

Beleg dafür liefert die Entwicklung der

Konzessionszahlen in Berlin, wo die Zahl

der Taxikonzessionen fällt, während die

der Mietwagenunternehmer unaufhörlich

zunimmt. Zum Vergleich: 2014, als

Uber seine ersten Schritte in den USA

unternahm, waren in Berlin 7.643 Taxis

und 1.643 Mietwagen unterwegs. Aktuell

sind noch gut 6.600 Taxis und bereits rund

4.700 Mietwagen in Berlin konzessioniert.

Der allergrößte Teil dieser Mietwagen

erhält seine Fahrtaufträge über die Apps

von Uber und Free Now, also jene Vermittler,

die der Gesetzeber mit seinem Begriff

„appbasiert“ im Sinn hat.

Wer die beiden Zahlen vergleicht, muss

keine Eins in Mathe gehabt haben, um

zu errechnen, dass dieser 25-prozentige

Anteil deutlich überschritten ist. Und wer

sich die Auslastung und Umsätze der Taxibranche

ansieht, bekommt den Beleg für

die vorhandene Marktbedrohung.

Trotzdem ist die Definition rechtlich

noch lange nicht so gesichert, wie sie

auf den ersten Blick scheinen mag. Der

Gesetzgeber nennt nämlich keine genaue

Bezugsgröße. Beziehen sich die 25 Prozent

auf das Verhältnis aller zugelassenen

Taxis, Mietwagen und Fahrzeuge des

gebündelten Bedarfsverkehrs? Oder auf

die Höhe der erzielten Umsätze? Wie will

das LABO als zuständige Behörde rechtssicher

nachweisen, dass Mietwagenunternehmer

tatsächlich in der Mehrzahl Fahrten

und Umsätze über einen app-basierten

Vermittler erzielen?

Zu diesen Fragen wollte sich die Berliner

Senatsverwaltung auf Nachfrage von Taxi

Times noch nicht konkret äußern, zumindest

nicht im Detail, wie Pressesprecher

Jan Thomsen erläutert. „Das Gesetz zur

Modernisierung des Personenbeförderungsrechts

wird in mehreren Stufen ab

1. August 2021 in Kraft treten. Es bedarf

noch einiger übergreifender Definitionen.

Berlin strebt zunächst eine zeitnahe

Abstimmung mit den Ländern und betroffenen

Kommunen an, wie die neuen Regeln

möglichst bundeseinheitlich umgesetzt

werden können.

Hierzu

sollen auch

der Deutsche

S t ä d t e t a g

und der kommende

Bund-

Länder-Facha

u s s c h u s s

zum Straßenpersonenverkehr

genutzt

werden, um

E x p e r t i s e

zu bündeln

und externen

Sachverstand gegebenenfalls gemeinsam

einzubinden.“

Zufrieden darf man mit dieser Antwort

nicht sein, denn genau das hatte

der Gesetzgeber mit seiner Übertragung

der Rechte auf die Kommunen sicherlich

nicht gemeint. Wenn sich die Kommunen

nun untereinander abstimmen wollen,

um eine bundeseinheitliche Regelung zu

finden, dann hätten diese gleich im Personenbeförderungsgesetz

definiert werden

können.

Die große Stärke dieser Machtübertragung

auf die Kommunen liegt genau darin,

dass jede Stadt und jede Genehmigungsbehörde

auf die spezifischen lokalen Gegebenheiten

reagieren kann. Das LABO wird

sich dieser Verantwortung stellen müssen.

Das jahrelange ängstliche Zaudern muss

ein Ende haben.

jh

TAXI 2. QUARTAL 2021

9


GEWERBE

VIELE FRAGEN

ZUR FACHKUNDE

Ein Dutzend

Fragen zur

Fachkunde. Die

Antworten finden

Sie hier

Anfang August entfällt im PBefG die Pflicht zum Ortskundenachweis

für Taxischein-Anwärter. Das wird von einigen betrauert, stoppt aber

die bisherige Wettbewerbsverzerrung.

Das neue Personenbeförderungsgesetz

(PBefG) wird in zahlreichen

Punkten verändert, unter anderem

bei den Voraussetzungen zur Erlangung

des Personenbeförderungsscheins

(P-Schein). Künftig sollen Neubewerber nur

dann einen Personenbeförderungsschein

für Taxis, Mietwagen oder Gebündelten

Bedarfsverkehr (GBV = Pooling) von der

Behörde ausgestellt bekommen, wenn sie

eine Fachkunde nachweisen. Im Gegenzug

entfällt der Nachweis einer Ortskundeprüfung.

Sie galt sowieso nur noch für

Taxifahrer, nachdem man die Ortskunde

für Mietwagen- und Krankenwagenfahrer

2017 aufgehoben hatte.

Die neue Regelung tritt am 2. August

2021 in Kraft. Ein bisheriger Mietwagenfahrer

kann dann allerdings nicht

automatisch Taxi fahren. Der Fahrer oder

die Fahrerin muss bei der Behörde eine

Erweiterung der bisherigen Erlaubnis auf

Taxi beantragen. Dagegen dürfen Taxi- und

Mietwagenfahrer auch als Fahrer*In im

neu geschaffenen gebündelten Bedarfsverkehr

(GBV) und im Linienbedarfsverkehr

mit Pkw eingesetzt werden.

Eine Vorbereitung auf die Fachkundeprüfung

ist aktuell nicht möglich, denn im

Moment steht noch nicht einmal fest, ob

überhaupt eine Prüfung vorgeschrieben

wird, und wenn ja, ob diese dann von der

Kommune, der IHK, dem TÜV oder einer

anderen Institution abgenommen wird.

Ohne Prüfung würden wiederum nur die

Kursbesuche derjenigen Schulungsorganisationen

anerkannt, die über ein entsprechendes

Zertifikat verfügen.

TECHNIK SCHON VORHANDEN

Für viele der aktuell existierenden Taxischulen

würde das bedeuten, dass sie sich

zertifizieren lassen müssten. Das ist ein

aufwändiges Verfahren. Der Bundesverband

Taxi und Mietwagen e. V. (BVTM)

spricht sich unter anderem deshalb für

eine elektronische Prüfung aus, die zum

Beispiel von der IHK abgenommen werden

könnte. Für Berlin wäre dies auch über TÜV

und Dekra denkbar, die ja bereits seit 2015

eine digitalisierte Ortskundeprüfung für

Taxifahrer abnehmen. Warum also die gleiche

Technik nicht auch bei der Fachkunde?

Zu den geplanten Inhalten der Fachkunde

(die dann wahrscheinlich auch bundeseinheitlich

definiert werden) finden sich

im Gesetz nur sehr wenige und spärliche

Angaben. Die Qualifikationsnachweise

sollen praxisorientierte Inhalte haben

und keine allzu hohen Anforderungen

aufweisen.

Das ist auch im Interesse der Branche:

„Das Taxi- und Mietwagengewerbe steht

bei der Personalgewinnung in Konkurrenz

zu anderen Branchen und wir sollten uns

davor hüten, für den Berufszugang zu

hohe Anforderungen zu stellen“, macht

Präsident Herwig Kollar die Haltung des

Bundesverbands Taxi und Mietwagen e.

V. (BVTM) deutlich.

Mit der Ausarbeitung eines entsprechenden

Anforderungskatalogs beschäftigt sich

zur Zeit das Bundesverkehrsministerium.

Die Verbände haben hier bereits Vorschläge

unterbreitet. Der Bundesverband Taxi und

Mietwagen e. V. befindet sich dazu im regen

Austausch mit Mitarbeitern des Verkehrsministeriums.

Sie orientieren sich an den

Ausführungen, welche der Verband schon

vor vielen Jahren als so genannte „Kleine

Fachkunde“ der Politik vorgelegt hatte.

WETTBEWERB ENTZERRT

Bleibt zum Schluss noch das Fazit, ob

der Wegfall der Ortskundeprüfung gut

oder schlecht für das Taxigewerbe ist. Fakt

ist: Egal, ob jemand als Taxi-, Free Now-,

Uber- oder Moiafahrer arbeiten will, für

alle gilt künftig die gleiche Voraussetzung:

Der Nachweis einer Fachkunde. Somit sind

die Zugangsvoraussetzungen wieder auf

einem einheitlichen Level und der Wettbewerbsnachteil

ausgemerzt, der für Taxiunternehmen

bei der Fahrersuche seit dem

Wegfall der Ortskundepflicht für Mietwagen

entstanden war.

jh

FOTO: stock.adobe.com

10 2. QUARTAL 2021 TAXI


GEWERBE

PLATTFORMEN

KOMMEN INS GESETZ

Im neuen PBefG werden erstmals auch

Vermittler genannt. Was bedeutet das für

Uber, Free Now und für die Taxizentralen?

Im novellierten Personenbeförderungsgesetz

(PBefG) sind auch Vermittler

erwähnt, etwa in den Paragraphen 1

bis 3. Dabei definiert der Gesetzgeber Vermittler

als „Betreiber von Mobilitätsplattformen,

deren Hauptgeschäftszweck auf

den Abschluss über eine genehmigungspflichtige

Beförderung ausgerichtet ist, und

die nicht selbst Beförderer sind.“

„Damit sind beispielsweise Uber und

Free Now gemeint, aber eben keine herkömmlichen

Taxizentralen“, bewertet

Rechtsanwalt und BVTM-Präsident Herwig

Kollar die neue Regelung. Das gehe aus der

Gesetzesbegründung und aus der Begrifflichkeit

„Mobilitätsplattform“ hervor, die

im Duden als Internetplattform definiert

ist, während Taxizentralen auch weiterhin

analoge (telefonische) Vermittlung

betreiben.

Als bedauerlich für das Taxigewerbe

bezeichnete Kollar die Regelung in Paragraph

2, Absatz 2 PBefG, wonach Mobilitätsplattformen

als Vermittler keine

Genehmigung brauchen. „Damit sind

Einflussnahmen der Behörden sehr eingeschränkt“,

analysiert der Rechtsanwalt.

Immerhin habe der Gesetzgeber aber

auch klargestellt, dass jeder Vermittler,

der die Durchführung der Beförderung

organisatorisch und vertraglich kontrolliert,

Beförderer und Unternehmer im

Sinne des Gesetzes ist und somit in der

Konsequenz letztlich auch der Genehmigungspflicht

gemäß Paragraph 2, Absatz

1 PBefG unterliegt.

Diese klare Definition geht auf Einwirken

der SPD zurück, wie Detlef Müller,

Berichterstatter PBefG-Novelle für die SPD-

Bundestagsfraktion, im Exklusiv-Interview

mit Taxi Times Anfang März betonte (siehe

QR-Code).

Helfen wird diese Klarstellung bei künftigen

Gerichtsverhandlungen gegen Uber

und Free Now. Diese können sich dann

nicht mehr damit herausreden, dass man

ja nur als Vermittler agiere und somit gar

nicht unter das PBefG falle. jh

FREISTELLUNGS-

VERORDNUNG AUF

DER KIPPE

In der Corona-Krise haben viele Taxibetriebe

die Krankenfahrten für sich entdeckt. Geht es

nach dem Willen des Bundesrats, könnten

diese schon bald unrentabel sein.

FOTOS: Axel Rühle / Taxi Times

Der Bundesrat will die sog. Freistellungsverordnung

( FrStllgV)

ändern lassen, deren Rechtsgrundlage

auf Paragraph 57 des Personenbeförderungsgesetzes

(PBefG) beruht.

Die Verordnung stellt die Beförderung

von Personen für bestimmte – im Rahmen

des Gesamtverkehrs nicht besonders ins

Gewicht fallende – Beförderungsfälle allgemein

von der Genehmigungspflicht frei.

Sie werden auch als freigestellter Verkehr

bezeichnet.

Im Zuge seiner Zustimmung zur PBefG-

Novelle hat der Bundesrat die Bundesregierung

um eine Änderung der FrStllgV

gebeten. Sie soll für weitere Dienstleister

geöffnet werden, indem künftig auch Pannen-

und Abschleppdienste sowie Bürgerbusse

und Sozialfahrten als freigestellte

Verkehre gelten.

Vom Taxigewerbe gibt es zu solchen Plänen

massive Kritik. Speziell eine Freistellung

von Bürgerbussen und Sozialfahrten

würde nicht nur den Grundsatz der Freistellungsverordnung

ansich verletzen,

sondern wäre existenzbedrohend für viele

Taxi- und Mietwagenunternehmen, die

einen beträchtlichen Anteil ihres Umsatzes

mit Krankenfahrten erwirtschaften.

Letztlich gehe es bei dieser Bitte nur

darum, dass Krankenfahrten künftig

nicht mehr der Regulierung des PBefG

unterliegen, warnt der westfälische Taxiverband

VSVP: „Anstelle von Taxi- und

Mietwagenunternehmen würden diese

künftig von einem ‚quasi-gewerblichen

Substitut unter dem Deckmantel von

Ehrenamt und Gemeinnützigkeit’ durchgeführt

werden.“

Ein wichtiges Geschäftsfeld des Taxigewerbes

wäre somit handstreichartig

ausgelöscht. Für die Berliner Taxiunternehmer

würde das in Bezug auf die „neu

entdeckten“ Krankenfahrten bedeuten:

Wie gewonnen, so zerronnen. jh

TAXI 2. QUARTAL 2021

11


GEWERBE

DAS AUS FÜR INSIKA

Während die PBefG-Novelle unter großer medialer Aufmerksamkeit

verabschiedet wurde, hat im Mai eine Erweiterung der Kassensicherungs-

Verordnung eher still und leise den Bundestag passiert.

Die seit 2017 gültige Kassensicherungs-Verordnung

(KassenSichV)

definiert die technischen Anforderungen

an elektronische Aufzeichnungsund

Sicherungssysteme im Geschäftsverkehr.

Sie stellt sicher, dass die von

elektronischen Kassen erzeugten digitalen

Grundaufzeichnungen durch eine zertifizierte

technische Sicherheitseinrichtung

geschützt werden müssen. Mit den Stimmen

von CDU / CSU und SPD wurde sie

am 20. Mai ergänzt. Sie sieht nun vor, dass

künftig Taxameter und zeitversetzt auch

Wegstreckenzähler in den Anwendungsbereich

der KassenSichV aufgenommen werden.

Passiert das Gesetz nun auch noch den

Bundesrat und tritt dann in Kraft, müssen

Taxameter künftig über eine zertifizierte

technische Sicherheitseinrichtung zum

Schutz vor unprotokollierten Änderungen

und Löschungen der digitalen Grundaufzeichnungen

verfügen.

Mit der nun beschlossenen Neufassung

der KassenSichV wird die aktuelle Regelung

ins Gegenteil verkehrt, da Taxameter

und Wegstreckenzähler bisher ausdrücklich

ausgenommen waren.

Nun werden die Anforderungen in den

eigenen Paragraphen 6a und 6b festgelegt.

Diese sehen vor, dass im Sicherheitsmodul

des Taxameters unmittelbar nach jedem

Wechsel von „Kasse“ auf „frei“ eine Transaktion

ausgelöst werden muss, die folgende

Informationen enthält: allgemeine (Tarif-)

Daten, den Preis der eben beendeten Fahrt

und den Zeitpunkt des Fahrtendes. Dazu

muss bei jeder Datenübermittlung eine

eindeutige und fortlaufende Transaktionsnummer

sowie ein Prüfwert übermittelt

werden.

Die genannten technischen Anforderungen

müssen Taxameter und Wegstreckenzähler

spätestens ab 1. Januar 2024

erfüllen. Eine um zwei Jahre längere

Übergangsfrist wird allen Taxametern

gewährt, die mit dem INSIKA-System ausgestattet

sind. Begründet wird dies damit,

dass Daten, die von Taxametern erzeugt

werden, die bereits die INSIKA-Technik

einsetzen, einen gewissen Schutz bieten.

Aufgrund dessen sowie der bereits getätigten

Investitionen zur Implementierung

der INSIKA-Technik und der damit zu erreichenden

Entzerrung der Umrüstung könne

diesen Taxametern eine längere Frist zur

Umrüstung eingeräumt werden.

Damit ist klar, dass INSIKA zum Auslaufmodell

wird. Es wird nun sehr spannend,

ob die Taxameterhersteller ihren Kunden

zeitnah gesetzeskonforme Updates für

ihre Geräte anbieten. Alternativ werden

diejenigen Anbieter, die auf entsprechende

Softwarelösungen gesetzt haben, welche

die Taxameterdaten direkt über besondere

Schnittstellenboxen auslesen und weiterbearbeiten,

sehr zügig ihre sogenannten

Novelle der

Kassensicherungs-

Verordnung: Kritik

von Experten und

Verbänden

„Vorsysteme“ updaten und so eventuell

ihren Marktanteil erheblich vergrößern

können.

Kritik an der Novelle kommt von den

Taxiverbänden und von Experten. Man

bedauert die Abschaffung des INSIKA-Systems

und befürchtet eine weitere Flucht in

den Mietwagen, solange Genehmigungsbehörden

die Möglichkeit haben, Mietwagenbetriebe

von der Pflicht zum Einbau eines

Wegstreckenzählers zu befreien (was in

Berlin seit kurzem glücklicherweise nicht

mehr möglich ist).

Über diese und weitere Ungereimtheiten

(mehr dazu unter dem QR-Code)

hatte der Bundesverband Taxi und Mietwagen

das zuständige Bundesfinanzministerium

sofort nach Bekanntgabe des

Entwurfs informiert. Trotzdem wurde

der Entwurf wenige Wochen später

nahezu unverändert dem Bundestag

zur Abstimmung vorgelegt – als 35.

und letzter Tagesordnungspunkt einer

Marathonsitzung, die am 19. Mai um 9

Uhr begonnen hatte. Über das Schicksal

der zukünftigen Taxameter wurde dann

um 0.50 Uhr abgestimmt. jh

FOTOS: Simi, Taxi Times, Kienzle

12 2. QUARTAL 2021 TAXI


TAXI BERLIN

Hermann Waldner hatte Franziska Giff ey zu Taxi Berlin eingeladen.

Zahlreiche Berliner Taxivertreter empfi ngen

Franziska Giff ey und den SPD-Co-Vorsitzenden

Raed Saleh (rechts neben Giff ey)

VIEL VERSTÄNDNIS

IM WAHLKAMPF

Franziska Giff ey, SPD-Spitzenkandidatin für den Posten der

Regierenden Bürgermeisterin, und ihr Parteikollege Raed Saleh haben

das Taxizentrum Berlin besucht.

FOTOS: Matthias Tüxen

Am 26. September ist Super-Wahltag.

Deutschland wählt nicht

nur einen neuen Bundestag, in

einigen Ländern werden auch neue Landesparlamente

gewählt. Berlin gehört dazu.

Und Berlins SPD-Chefin Franziska Giffey

möchte Regierende Bürgermeisterin werden

– die erste in der Geschichte der Stadt.

Ihre Wahlkampf-Tour hat längst begonnen.

Eine Station war Anfang Juni Taxi Berlin.

KLEINE DETAILS KÖNNEN

ENTSCHEIDEN

Franziska Giffey versteht ihr Geschäft.

Das ist gar nicht negativ gemeint. Wer

sich anschickt, das Rathaus einer Millionenmetropole

wie Berlin übernehmen zu

wollen, muss Menschen für sich gewinnen

können. Das kann sie. Egal, ob sie ohne

Fahrer im eigenen Kleinwagen zum Termin

in der Persiusstraße anreist oder ohne

Probleme mit den Männern hinterm Steuer

ins Gespräch kommt – ihre Fragen sind

ernst gemeint. Die hat kein Referent aufgeschrieben!

Auch nicht der sie begleitende

SPD-Co-Vorsitzende Raed Saleh. So will die

SPD-Spitzenkandidatin unter anderem wissen,

was es mit dem Bus auf sich hat, der

da auf dem Parkplatz des Taxi-Zentrums

aufgestellt ist. Sie erfährt, dass die Taxi-

„Innung“ damit im Auftrag der hauptstädtischen

Verkehrsbetriebe BVG diverse Linien

fährt. „Sind die immer so sauber?“, fragt sie

schelmisch während der Besichtigung und

hat die Lacher sofort auf ihrer Seite. Auch

das Interesse an dem daneben geparkten

London Cab ist nicht gespielt: Von den Einstiegsmöglichkeiten

für Rollstuhlfahrer bis

zur Bezahlfunktion im Fond – alles nimmt

Giffey genau unter die Lupe.

VERSPRECHEN MIT UMSETZUNG

SCHON VOR DER WAHL

Giffey und Ihre Partei wollen auch nach

der Wahl im Herbst weiter regieren, doch

ob das klappt, dazu wird niemand Wochen

und Monate vor der Abstimmung eine verlässliche

Prognose abgeben.

Es muss sowieso jetzt schon gehandelt

werden, macht das Taxigewerbe immer

wieder deutlich. Die Flut der Mietwagen

auf hauptstädtischen Straßen nähert sich

der Marke von 5.000, offenbar werden es

jeden Tag mehr. Dagegen nimmt die Zahl

der Taxen weiter ab. „Wir verlieren jeden

Tag zwei oder drei Fahrzeuge“, beschreibt

„Innungs“-Chef Leszek Nadolski die Situation.

Taxi-Berlin-Chef Hermann Waldner

bringt es noch deutlicher auf den Punkt:

„Das Taxigewerbe geht wirklich dramatisch

runter, wenn man da nicht eingreift!“

Die SPD-Spitzenleute machen sich eifrig

Notizen. Immer wieder wird das Beispiel

Hamburg genannt, dort läuft vieles anders.

„Was man machen kann, ist, dass man die

Mietwagenbetriebe besser kontrolliert.

Lob für die Impffahrten:

Video zum

Besuch von Franziska

Giff ey bei Taxi

Berlin

Dass man diese Konzessionen nicht einfach

wie Chips verteilt“, fordert Waldner.

Die Zahlen leuchten jedem ein: Wenn ein

Mietwagenfahrer billiger als ein Taxi

unterwegs sein will und von seinen Einnahmen

etwa ein Viertel oder noch mehr an

den Vermittler weiterreichen muss, dann

bleibt davon nicht viel übrig. „Von zehn

verdienten Euro sind es im Durchschnitt

drei, die dem Fahrer bleiben“, rechnet die

Runde vor.

Franziska Giffey schüttelt mit dem Kopf

und verweist auf die SPD-Maxime: „Wir

wollen gute Arbeitsbedingungen und nicht

Ausbeutung. Und das heißt: fairer Wettbewerb

mit anderen Anbietern in der Stadt.“

Raed Saleh wird noch deutlicher und verspricht:

„Was wir machen werden, das kann

ich fest zusagen, ist, dass wir uns Hamburg

noch einmal genauer anschauen. Wir wollen

von Hamburg lernen, warum nicht? Das

ist unsere Schwesterstadt quasi! Wenn man

sagt, man kann einiges übernehmen – ehrlich

gesagt: Dann sollten wir das tun!“ Das

Gewerbe wartet nur auf solche Unterstützung

und wird auf die Einhaltung dieses

Versprechens pochen. mtx

TAXI 2. QUARTAL 2021

13


TAXI BERLIN

Das neue BVTM-Präsidium: der neue Präsident Herwig Kollar und die Vizepräsidenten Hermann Waldner und Wolfgang Oertel (v.l.n.r.)

BERLIN WEITER

EINFLUSSREICH IM

BUNDESVERBAND

Herwig Kollar ist neuer BVTM-Präsident, Taxi-Berlin-Chef und taxi.eu-

Gründer Hermann Waldner weiter Vizepräsident. Zweiter Vize ist jetzt

Wolfgang Oertel. Alle drei sind mit großer Mehrheit gewählt worden.

Sowohl die Wiederwahl Waldners

mit 98 Prozent als auch die der

anderen Präsidiums- und Vorstandsmitglieder

des Bundesverbandes

Taxi und Mietwagen e. V. (BVTM, früher

BZP) erfolgte mit großer Zustimmung von

80 bis 100 Prozent. Das gleiche gilt für die

Satzungsänderungen. Waldner hatte sich

für eine Vergrößerung des aktiven Vorstands

eingesetzt, um eine neue Vielfalt

und eine bessere regionale Vertretung zu

ermöglichen.

Seit den Wahlen am 17. März sind in der

Leitung acht Bundesländer bzw. Landesverbände

durch Repräsentanten vertreten.

Neben dem Präsidenten Herwig Kollar

(Rechtsanwalt aus Hessen) und den Vizepräsidenten

Hermann Waldner (Berlin) und

Wolfgang Oertel (Zentralenvorstand und

Taxiunternehmer aus Sachsen) sind dies

nun sechs Vorstandsmitglieder: Gregor

Beiner (Bayern), Roland Böhm (Nordrhein-

Westfalen), Gerd Gutendorf (Rheinland-

Pfalz), Dennis Klusmeier (Nordrhein-

Westfalen), Murat Öztürk (Hamburg) und

Bärbel von Teuffel (Baden-Württemberg).

Für die Berliner Taxibranche ist Hermann

Waldner somit für weitere vier Jahre eine

wichtige Konstante bei der Arbeit im

Bundesverband.

Im Bundesverband, der besonders in den

letzten Jahren intern wie auch extern vor

großen Herausforderungen gestanden hat,

engagiert Hermann Waldner sich seit 2007.

2016 wird er als Nachfolger von Dietmar

Schmitt zum Vizepräsidenten gewählt,

wo er seitdem eine Vielzahl an Aktivitäten

begleitet hat, sei es der Wechsel in der

Geschäftsführung oder neue Wege in der

Kommunikation. Waldner ist seitdem auch

Teil der aktiven Lobbyarbeit des Verbandes

im Kampf gegen „neue Anbieter“. Er

treibt zudem ab 2017 den Umzug des Verbands

von Frankfurt am Main nach Berlin

voran, der 2019 umgesetzt wird. Der Verband

heißt fortan Bundesverband Taxi und

Mietwagen e. V.

10. APRIL WIRD

ZUM MEILENSTEIN

2019 positioniert sich der Verband mit

einem Beschluss zur Forderung einer

Mindestvorbestellfrist für Mietwagen in

größeren Städten stark gegen Uber & Co.

und sagt dem Bundesverkehrsminister mit

seinen Eckpunkten zur PBefG-Novelle den

Kampf an. Der bundesweite Aktionstag am

10. April mit Protesten in zahlreichen Städten

wird zu einem Meilenstein. Viel Beachtung

findet auch die „Scheuerwehr-Tour“

durch die Landeshauptstädte.

Die langjährige Tätigkeit von Waldner

als Geschäftsführer der eigenen Zentrale

sowie von taxi.eu in Kombination mit der

Verbandsarbeit ruft zahlreiche Synergieeffekte

hervor und ermöglicht, dass Entscheidungsträger

auf verschiedenen Ebenen

erreicht werden.

VERNETZUNG

IN EUROPA

2018 wird taxi.eu Fördermitglied bei der

International Road Transport Union (IRU),

womit das Gewerbe direkten Einblick in

europäische entwicklungspolitische Maßnahmen

hat. Auch auf landespolitischer

Ebene ermöglichen die Kontakte Waldners

als Geschäftsführer von Taxi Berlin direkte

Gespräche etwa mit Senatsvertretern. Nach

der PBefG-Novelle dürfte dies von noch größerem

Wert sein, wenn künftig Länder und

Kommunen mehr Gestaltungsspielraum

bei der Organisation der Personenbeförderung

haben.

In diesem Zusammenhang ist häufig vom

sogenannten Level-Playing Field die Rede,

was einen Markt mit Regeln sowie mit gleichen

und fairen Wettbewerbsbedingungen

für alle bedeutet. Nur wenn sich auch die

„neuen Anbieter“ künftig an Regeln halten,

hat das Taxigewerbe die Chance auf ein

Fortbestehen. Dazu müssen die Kommunen

wie auch das Land Berlin den neuen

Gestaltungsspielraum intensiv nutzen,

wobei das Taxigewerbe bereits seine Beratungsdienste

angeboten hat. ar

FOTOS: Axel Rühle, Taxi Berlin, BVTM

14 2. QUARTAL 2021 TAXI


TAXI BERLIN

DAS PDA-ZEITALTER ENDET

Mit dem Quartalswechsel Ende Juni schalten Vodafone und Telekom das

3G-Mobiltelefonnetz ab. Damit sind künftig PDA und DBG-Touch-Geräte für

die Auftragsvermittlung nicht mehr nutzbar. Die Ersatzlösung ist kostenlos.

Mit der Abschaltung werden viele

ältere SIM-Karten funktionslos

und somit bedauerlicherweise

auch ein Weiterbetrieb der PDAs, die

noch in einigen hundert Berliner Taxis

in Benutzung sind, sowie der DBG-Touch-

Geräte nicht mehr möglich sein. Die Geräte

entsprechen auch nicht mehr künftigen

Sicherheitsstandards, etwa was die Datensicherheit

bei bargeldlosen Zahlungsvorgängen

betrifft.

Die Netzumstellung macht für angeschlossene

Unternehmen, die derzeit noch

PDAs oder DBG-Touch-Geräte benutzen,

einen Umstieg auf die Fahrer-App von

Taxi Berlin erforderlich, die auf fast jedem

zeitgemäßen Android-Gerät kostenlos installiert

werden kann – und in der Bedienung

moderner und benutzerfreundlicher

ist. Die Grafikoberfläche ist übersichtlicher

und bietet mehr Funktionen.

Da die 3G-Abschaltung absehbar war,

hat das Technik-Center von Taxi Berlin

bereits seit 2020 keine PDAs oder Touch-

Geräte mehr für den Funkverkehr neu programmiert.

Wie genau die Umstellung bei

Benutzung von Touch-Geräten mit relativ

neuen Kartenlesegeräten bewerkstelligt

wird, steht noch nicht abschließend fest.

Die Mitarbeiter arbeiten noch an einer

unternehmerfreundlichen Lösung.

Wichtig: Da die SIM-Karten in den älteren

Geräten größtenteils nicht dem heute

üblichen 4G-Standard genügen, funktionieren

sie auch in neuen Smartphones nicht,

sondern müssen ausgetauscht werden.

Das erfolgt durch die Anbieter kostenlos.

Ein für die Vermittlung geeignetes Smartphone

ist bereits für gut 100 Euro brutto

erhältlich.

Taxi Berlin bedauert die Nachteile, die

mit der Umstellung entstehen und die von

der Zentrale leider nicht beeinflusst werden

können. Taxi Berlin möchte aber den

Aufwand so gering wie möglich machen.

Erhebliche Kosten entstehen denjenigen

Unternehmern ohnehin nicht, die oder

deren Fahrer*Innen bereits zeitgemäße

Android-Smartphones benutzen. Wir werden

uns bemühen, für jedes betroffene

Unternehmen die jeweils individuell beste

Lösung zu finden. Betroffene Unternehmer

werden gebeten, per E-Mail mit der Fahrerund

Unternehmerbetreuung in Kontakt zu

treten: fub@taxi-berlin.de ar

Fahrer-App: mehr Infos auf einen Blick

GRAFIK: Taxi Berlin

EINE FRAGE, HERMANN WALDNER

Herr Waldner, im Taxigewerbe hätten

einige sich gut einen Bundesverband

mit Ihnen an der Spitze vorstellen

können. Warum haben Sie auf eine

Kandidatur für das Präsidentenamt

verzichtet?

len Europas sowie die Arbeit für die

bedeutendste international arbeitende

Taxi-Bestell-App taxi.eu.

Dazu die Arbeit für die Taxi-Interessen

in der europäischen Politik mit der IRU

und mit der von mir initiierten Arbeit

mit der europäischen Lobby-Agentur

Hermann Waldner: Das stimmt, als

einer, der schon vier Jahre Erfahrung

in der Präsidiumsarbeit hatte, wäre es

naheliegend gewesen, mich als Präsident

zur Wahl zu stellen. Ich habe mich

nach reiflichen Überlegungen aber

bewusst dagegen entschieden, weil

ich selbst erlebt habe, wie zeitintensiv

schon die Arbeit im Präsidium ist, und

als Präsident hätte das noch mehr von

meiner Arbeitszeit gefordert.

Mir ist es aber wichtig, meine anderen

Funktionen nicht vernachlässigen zu

müssen: meine Tätigkeit als Geschäftsführer

„Political Intelligence“ in Brüssel,

unterstützt und länderübergreifend

finanziert durch Frankreich, Deutschland,

Österreich, Dänemark und die

Niederlande.

Hinzu kommt die Berliner Gewerbepolitik,

seien es aktuell die Impffahrten

oder, besonders im vergangenen Jahr,

die vielen Gespräche mit Senatsvertretern

über Mietwagen, in denen ich

gemeinsam mit Berliner Gewerbevertretern

erreichen konnte, dass Mietwagen

in Berlin nur noch mit geeichten

Wegstreckenzählern zugelassen

einer der größten Funkzentra-

werden.

ar

TAXI BERLIN TZB GMBH

Persiusstraße 7, 10245 Berlin

Telefon: +49 (0)30 / 690 27 20

Telefax: +49 (0)30 / 690 27 19

E-Mail: info@taxi-berlin.de

www.taxi-berlin.de

Das Kundencenter ist derzeit coronabedingt

geschlossen. Verbrauchsmaterialien

wie Quittungen etc. sind im

Technikcenter Mo-Fr 8-16 Uhr und in

der Außenstelle Ruhleben (Freiheit

22, Mo-Fr 9-18 Uhr) erhältlich.

Fahrer- und Unternehmerbetreuung:

fub@taxi-berlin.de, Tel. 20 20 21-130

Geschäftsführer: Hermann Waldner

Presserechtlich verantwortlich für

diese Seite: Hermann Waldner

Redaktion: Axel Rühle (ar)

Pressekontakt: presse@taxi-berlin.de

TAXI 2. QUARTAL 2021

15


E-MOBILITÄT

E-TAXI-FÖRDERUNG:

GEHT HAMBURG

AUCH IN BERLIN?

Berlin und Hamburg haben eine große Gemeinsamkeit: Beide Städte

fördern den Umstieg auf E-Taxis. Doch während in Berlin nur wenige

E-Taxen fahren, werden es in Hamburg bis Jahresende rund 150 sein.

Als der für das „Projekt Zukunftstaxi“

verantwortliche Dirk Ritter

von der Hamburger Genehmigungsbehörde

am Morgen des 12. April

2021 sein E-Mail-Postfach öffnete, glaubte

er seinen Augen nicht zu trauen. Seit jenem

Montag war die Antragstellung einer Elektro-

und Inklusionstaxiförderung möglich,

und bereits ab 0 Uhr hatten Hamburger

Taxiunternehmer ihre Förderanträge

abgeschickt.

Noch am selben Tag konnte die Behörde

somit verkünden, dass die zulässige

Höchstzahl an möglichen finanziellen

Unterstützungen erreicht war. 150 geförderte

E-Taxis innerhalb von Minuten gegen

geschätzt 20 Berliner E-Taxen nach Ende

einer (bereits abgelaufen) Förderung. Was

läuft da in Hamburg anders als in Berlin?

Zur Erinnerung: Bis Oktober 2020 bezuschusste

das Land Berlin den Kauf eines

E-Taxis. Eine finanzielle Förderung ist

nun auch in Hamburg aufgelegt worden.

Die Hansestadt vergütet den betrieblichen

Mehraufwand eines E-Taxis mit bis

zu 10.000 Euro (ab dem Zeitpunkt der

Konzessionierung). Damit ist beispielsweise

der Weg zur Ladesäule, der Zeitverlust

durch das Laden oder eine E-Taxi-Schulung

der Fahrer gemeint. Alleine durch

diese Definition lässt sich die regionale

Hamburger Förderung mit der Umweltprämie

des Bundes, der sogenannten BAFA-

Förderung, kombinieren.

Bei elektrisch angetriebenen Inklusionstaxis

ist das Land Hamburg noch großzügiger:

Dort wird die Fördersumme auf

ELEKTRO KOMBINIERT MIT INKLUSION

maximal 20.000 Euro verdoppelt. In Berlin

gibt es seit 2018 ebenfalls eine Unterstützung

der Inklusionstaxis, sie ist aber nicht

an einen elektrischen Antrieb gekoppelt,

liegt dafür aber bei maximal 15.000 Euro.

Der Markt für E-Inklusionstaxis ist sehr klein. Eine günstige Variante bietet

Nissan mit den e-NV200 und am anderen Ende der Preisskala steht Mercedes

mit dem e-Vito und dem EQV. Deshalb sieht die Hamburger Förderrichtlinie

auch vor, Fahrzeuge zu fördern, die maximal 25 Gramm CO2 pro

Kilometer ausstoßen und minimal 100 Kilometer elektrische Reichweite

haben. Darüber hinaus müssen diese Fahrzeuge innerhalb einer definierten

Hamburger Innenstadtzone ausschließlich emissionsfrei angetrieben werden,

was mittels Geofencing sicher gestellt werden soll – eine Regelung, die quasi

eine Hintertür für das London-Taxi von LEVC offenhält. In Berlin ist dieses

seit Kurzem beim Autohaus Koch erhältlich (siehe Seite 21).

Die Infobroschüre zum

Hamburger „Projekt

Zukunftstaxi“

sg

GRAFIK: Pixabay

16 2. QUARTAL 2021 TAXI


E-MOBILITÄT

Unterstützt werden bei der Hamburger

E-Taxi-Förderung ausschließlich vollelektrisch

betriebene Fahrzeuge und Taxis mit

Wasserstoffantrieb. Plug-in-Hybride sind

kategorisch ausgeschlossen.

Webinar

Zukunftstaxi

Hamburg

HAMBURG MACHT

NÄGEL MIT KÖPFEN

Natürlich sind an das Hamburger

Zukunftstaxi auch Bedingungen geknüpft.

So muss der Taxiunternehmer innerhalb

von sechs Wochen nach Erhalt des Förderbescheides

einen Kaufvertrag für ein

E-Taxi vorweisen können. Wird das E-Taxi

nicht bis spätestens 31.12.2021 konzessioniert,

verfällt die Prämie – eine recht sportliche

Zeitspanne, denn die Lieferfähigkeit

von taxi-tauglichen E-Autos ist nicht ganz

einfach. Gerade ganz neue Modelle werden

nicht so leicht erhältlich sein, von einer

eichrechtskonformen Umrüstung ganz zu

schweigen.

An dieser Stelle zahlt sich das eigentliche

Erfolgsgeheimnis der Hamburger Förderung

aus: Das „Projekt Zukunftstaxi“ ist

nicht allein in der Behörde entstanden, sondern

direkt aus dem Gewerbe heraus und

zudem gemeinsam mit vielen Partnern.

Neben Fahrtenvermittlern und Anbietern

von Ladeinfrastruktur wurden in den über

zwei Jahre dauernden Vorgesprächen auch

die Autohersteller ins Boot geholt.

Letztere konnten nur dann dabei sein,

wenn sie verlässlich eine Lieferung noch

in diesem Jahr zusagten. Viele Fahrzeughersteller

bzw. deren Hamburger Vertrags-

Autohäuser ergänzten dieses Versprechen

um ein vergünstigtes Taxipaket oder bevorzugte

Abwicklung des Kaufvertrages.

Diese strenge Anforderung führte beispielsweise

dazu, dass zum Projektstart ein

Hersteller wie Jaguar noch nicht im Boot

war, obwohl man in München seit 2018

eine E-Taxi-Flotte auf der Straße hat. Für

den Rest der Republik hat man aber bisher

noch kein passendes Angebot entwickelt.

Auch die Fahrtenvermittler müssen

ihren Teil beitragen. Sie versprechen eine

priorisierte E-Taxi-Vermittlung oder Geldprämien,

die mit einer speziellen Werbe-

Folierung einhergehen. Wer nicht liefert,

ist nicht dabei. So, wie man es aus Hamburg

kennt, bringt das Projekt also Parteien

zusammen, die sich sonst nicht so

grün sind. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die

einfache Antragstellung, welche per E-Mail

erfolgen konnte. Das Antragsformular

selbst umfasst lediglich eine DIN-A4-Seite

und ist innerhalb weniger

Minuten auszufüllen.

Damit die Motivation

der Unternehmer nicht

abreißt, nimmt sich auch

die Behörde in die Pflicht.

Sie stellt eine Anpassung

des Rechtsrahmens in

Aussicht, damit E-Taxis

während ihres Ladevorgangs

an der Säule jederzeit

einen Fahrtauftrag

annehmen dürfen.

Die ganze Organisation

im Vorfeld war

für die Behörde sehr

zeitintensiv, konnte

aber beispielsweise

auf die Unterstützung

der Deutschen Telekom

zählen. Mit einer

Schnellladeinfrastruktur,

die in Hamburg

sogar spezielle Ladepunkte

exklusiv für

E-Taxis enthält, wird

die Telekom auch in

Zukunft das Projekt

unterstützen. Das

langfristige Ziel ist

es, die Schnelllader

so auszubauen, dass Sensoren nicht nur

erkennen können, ob an der Säule geladen

wird, sondern auch wissen, ob der Zugang

blockiert ist.

Die Idee, sich gemeinsam mit den Partnern

der Sache anzunehmen, ist aber nicht

die alleinige Garantie für ein Gelingen.

Das eigentliche Erfolgsrezept ist, dass das

Taxigewerbe bzw. deren Gewerbevertreter

bereits lange im Vorfeld eingebunden

waren. Die Behörde hat zugehört und

konnte deshalb eine Förderrichtlinie entwickeln,

welche auf die speziellen Anforderungen

des Taxigewerbes eingeht.

Auch eine „Nachbereitung“ wurde nicht

gescheut. Beispielsweise steht den umsteigewilligen

Unternehmern eine gedruckte

Infobroschüre zur Verfügung, die auch als

Download erhältlich ist. Darin werden alle

wichtigen Fragen rund um die Förderung

erläutert und die Partner und deren Angebote

vorgestellt.

Die Infobroschüre

zum Hamburger

„Projekt

Zukunftstaxi“

Spezielle Webinare, die in Kooperation

mit dem Bundesverband Taxi und Mietwagen

e. V. (BVTM) durchgeführt wurden,

boten den Unternehmern die Möglichkeit,

Fragen im direkten Austausch mit den





























































Der Hamburger Förderantrag passt auf eine DIN-A4-Seite.

jeweiligen Spezialisten zu

klären. In einem anderen Webinar trafen

Unternehmer aus ganz Deutschland aufeinander,

die bereits Erfahrungen mit den

verschiedenen E-Modellen gemacht haben

und auf diesem Weg ihr Wissen teilen. Hier

war auch ein Berliner Vertreter beteiligt

(siehe Seite 20). Zusätzlich wird der Erfahrungsaustausch

auch in WhatsApp- und

Telegram-Chatgruppen weitergeführt.

HAMBURG ALS VORBILD

FÜR BERLIN

Wer jetzt immer noch nicht überzeugt

ist, dem dürfte eine Ankündigung von

Dirk Ritter die Augen öffnen. Das E-Taxi-

Projekt wird von der Politik gestützt, und

bereits 2025 will Hamburg nur noch emissionsfreie

Taxis konzessionieren. Dank so

viel politischer Motivation ist es nicht verwunderlich,

dass die Hamburger Taxiunternehmer

lieber jetzt mit der Förderung

den Umstieg wagen, als untätig darauf zu

warten, bis es kein Zurück mehr gibt.

Lässt sich die Hamburger Vorgehensweise

nun auch auf Berlin adaptieren?

Das Programm war in Berlin im Oktober

2020 ausgelaufen, allerdings plant

der Senat eine baldige Neuauflage. Jetzt

wäre also genau der richtige Zeitpunkt

für eine Partner-Allianz mit dem Taxigewerbe,

der Fahrzeughersteller und der

Ladeindustrie.

sg



TAXI 2. QUARTAL 2021

17


E-MOBILITÄT

Umrüster wie AMF bieten für den E-Vito

auch eine Inklusions-Umrüstung an.

Der Toyota Mirai tankt Wasserstoff.

V-KLASSE –

WASSERSTOFF-

EIGENINITIATIVE

Was haben die drei beliebtesten Taximarken im Bereich

Elektromobilität zu bieten? Eine Bestandsaufnahme

Der VW ID.4 ist derzeit nur bei einem Hamburger Händler als Taxi bestellbar.

Bei Mercedes, dem nach wie vor häufigsten

Berliner Taxi, ist im Bereich

vollelektrischer Taxivarianten allmählich

Land in Sicht. Der EQB und der

EQC sind schon auf der Straße und zum

Teil sogar probeweise als Taxi unterwegs,

ein eigenständiges Taximodell gibt es aber

noch nicht – ebenso wenig für den EQS.

Das bleibt bislang den vollelektrischen

Ablegern vom Vito und der V-Klasse vorbehalten.

Beide Fahrzeuge sind seit Kurzem

als Taxi erhältlich, und die ersten Unternehmer

haben sie bereits in Betrieb genommen.

Den Einstieg stellt aktuell der eVito

Tourer Pro als Langversion dar. Ihn gibt

es als Sondermodell „das Taxi“ ab 53.990

Euro. Genau wie der EQV (Das Pendant zur

V-Klasse), der ab 59.990 Euro netto in der

Karosserievariante „lang“ erhältlich ist,

sind die beiden E-Taxi-Modelle als lang

oder extralang bestellbar.

Eine Besonderheit stellt dabei der eVito

Tourer in der extralangen Version dar, den

man mit einem Heckausschnitt für die

Beförderung von Menschen im Rollstuhl

umrüsten lassen kann. Neben dem Rollstuhlfahrer

bietet der Wagen dann auch

noch Platz für bis zu fünf Personen. Ist kein

Rollstuhl mit an Bord, dann finden sieben

Fahrgäste Platz – so es denn die Corona-

Lage irgendwann mal wieder zulässt.

Der bisherige E-Mobilitäts-Vorreiter

Toyota, der mit dem Prius und später dem

Prius+ schon einmal einen Wandel im Taxigewerbe

hin zum Hybridantrieb erreicht

hat, kann derzeit noch keine elektrischen

Taxis liefern, dafür will Toyota das Taxigewerbe

von der Brennstoffzelle als Energiespender

überzeugen.

Das passende Modell dafür ist der neue

Mirai, für den es bereits ein fertig entwickeltes

Taxipaket gibt. Er hat die neueste

Technologie an Bord und verfügt über eine

Reichweite von über 650 Kilometern. Auch

für Kurzentschlossene sollen die Autos

relativ schnell verfügbar sein. Die Taxiumrüstung

bietet übrigens der Oldenburger

Taxispezialist Intax an. Dort ist auch

schon der vollelektrische Großraumwagen

Toyota Proace / Proace Verso als umrüstbar

vorgemerkt. Die vollelektrische Variante

des Toyota Proace City Verso (baugleich

mit Opel Combo) wurde bereits von Toyota

angekündigt. Die Entwicklung des Taxipakets

ist da nicht so unwahrscheinlich.

Bei Volkswagen ist man derzeit noch

nicht so weit. Im Nutzfahrzeug-Bereich

gibt es aktuell die ABT e-Caravelle und

auch den e-Crafter, allerdings sind die

Fahrzeuge nicht für die Elektrifizierung

der Massen gedacht. Zudem muss man sich

wohl oder übel noch eine Weile gedulden,

bis der ID.BUZZ auf den Markt kommt. Erst

kürzlich gab VW bekannt, dass diese Fahrzeuge

auch in einer autonom fahrenden

Variante bei MOIA in den Einsatz gestellt

werden sollen.

Obwohl VW Pkw-seitig mit dem ID.4

einen interessanten Elektro-Wagen im

Portfolio hat, können die Taxiverkäufer der

Berliner VW-Niederlassung derzeit nur die

bewährten Verbrenner-Varianten des Touran

bzw. des Passat mit Taxipaket ab Werk

und mit der dazugehörigen Garantie anbieten.

Der ID.4 ist als Taxi derzeit nur über

ein Hamburger VW-Autohaus in Kooperation

mit einem Umrüster erhältlich. Dank

dieser Eigeninitiative ist der Wagen unter

allen E-Taxi-Interessierten das aktuell am

häufigsten gekaufte Modell in der Hansestadt.

Das sollte für die Verantwortlichen

in Wolfsburg eigentlich ein klares Signal

sein, schleunigst auch werkseitig eine Taxiausstattung

anzubieten. sg

FOTOS: AMF-Bruns, INTAX, Funkservice Reuss

18 2. QUARTAL 2021 TAXI


E-MOBILITÄT

Kia e-Soul

LEVC TX – „London-Taxi

WACHSENDE

VIELFALT – HÖHERE

REICHWEITEN

Der Umstieg auf Elektro-Antrieb scheiterte in den

letzten Jahren aufgrund einer mäßigen Auswahl an

taxitauglichen Stromern. Doch hier hat die

Fahrzeugindustrie inzwischen aufgeholt.

Nissan e-NV200

Kia e-Niro

Gleich zwei E-Taxis für deutlich

unter 40.000 Euro kann der koreanische

Hersteller Kia anbieten.

Dank einer 64 kWh großen Batterie und

einem geringen Verbrauch erzielen sowohl

der „e-Soul“ als auch der „e-Niro“ eine

Reichweite von 450 Kilometern. Das Taxipaket

kostet subventionierte 1.200 Euro

und wird vom Oldenburger Unternehmen

Intax eingebaut – wie übrigens nahezu alle

der nachfolgend aufgezählten Modelle.

Der TX von LEVC, besser bekannt als

London-Taxi, ist das einzige Fahrzeug auf

dem Markt, welches ausschließlich für

den Einsatz als Taxi konzipiert wurde und

zudem über eine serienmäßig eingebaute

Rollstuhlrampe verfügt. Die elektrische

Reichweite beträgt lediglich 100 Kilometer.

In Kombination mit einem Range Extender

– ein Verbrennungsmotor, der den Strom

für den E-Antrieb liefert, sind allerdings

bis zu 510 Kilometer ohne Tank- bzw. Ladestopp

möglich.

Nissan bietet neben einer Limousine

auch ein E-Großraumtaxi an, das sogar

für den Einsatz als Inklusionstaxi geeignet

ist. In die Golf-Kategorie fällt der Leaf,

der e-NV200 dagegen ist etwas größer als

ein VW Caddy und kann zu einem Inklusionstaxi

umgerüstet werden. Der Leaf kostet

knapp unter 30.000 Euro, der e-NV200

etwa 32.500 Euro. Das Taxipaket für den

Leaf ist kostenlos, der e-NV200 kann für

subventionierte 490 Euro (ohne Folierung)

zum Taxi werden.

Ein Tesla für knapp über 30.000 Euro ist

keine Utopie, seit es das Modell 3 gibt, den

kleinen Bruder des Modell S. Das Basismodell

verfügt über Heckantrieb und soll

laut Hersteller 448 Kilometer weit fahren

Nissan Leaf

können. Den Weg in die Werkstatt sollen

sich Tesla-Besitzer künftig sparen können,

weil der Hersteller eine Ferndiagnose

ermöglicht. Verhältnismäßig teuer,

weil nicht subventioniert, ist bei Tesla das

Taxipaket. Es kostet 2.590 Euro. jh

Tesla Model 3

MODELLE FÜR DIE

GEDULDIGEREN

am Taxiverkauf. Von Jaguar hört man

allerdings, dass es in Kürze ein konkre-

Taxi-Times-Redaktion. Ein Testbericht

dazu kann auf der Website nachgelesen

Bei der nebenstehenden Aufzählung

tes Taxiangebot für den facegelifteten

werden (siehe QR-Code).

jh

FOTOS: INTAX (3), LEVC, Stark, Tesla

fehlen Hersteller wie Citroën, Ford,

Hyundai, Jaguar, Opel, Peugeot oder

auch Skoda. Sie alle haben längst auch

verschiedene Elektro-Modelle zur

Auswahl, die durchaus taxitauglich

wären. Doch entweder wird dort (noch)

kein Taxipaket angeboten, oder der

regionale Händler zeigt kein Interesse

I-Pace geben soll, ebenso für den Opel

Zafira-e Life mit bis zu neun Sitzplätzen.

Und Volvo hat bei seinem vollelektrischen

XC40 Recharge Pure Electric

das Taxipaket bereits fertig entwickelt

und wird im Herbst starten. Das erste

elektrische XC40-Taxi befindet sich derzeit

für ausführliche Testfahrten in der

Testbericht Volvo

XC40 Recharge

Pure Electric mit

Taxiumrüstung

TAXI 2. QUARTAL 2021

19


E-MOBILITÄT

Leszek Nadolski, Erster Vorsitzender der

Innung des Berliner Taxigewerbes e. V.

Seit mehreren Monaten stehen bei Taxi

Berlin zwei Ladesäulen zur Verfügung.

Angenehm leise: Der E-Nissan sorgt für Begeisterung bei den Testern.

IN DER PERSIUSSTRASSE

KOMMT DAS E-TAXI IN FAHRT

Die Berliner Taxi-„Innung“ stellt ihren Mitgliedern seit einiger Zeit ein

E-Taxi zum Ausprobieren als Leihtaxi zur Verfügung. Den Strom dafür

gibt es direkt vor der Tür: auf dem Parkplatz von Taxi Berlin.

Das „E-Taxi zum Ausprobieren“ ist

seit November 2020 zugelassen,

und seitdem hätten insgesamt elf

Unternehmer den elektrisch angetriebenen

Nissan Leaf zum Selbstkostenpreis

getestet, berichtet Leszek Nadolski, Erster

Vorsitzender der „Innung“, im Webinar

„Zukunftstaxi E-Fahrzeuge im Taxibetrieb

– Austausch mit Unternehmern“, bei dem er

auch seine eigenen Erfahrungen darlegte.

Das Feedback seitens der Innungsmitglieder

sei überwiegend positiv. So habe

einer der beteiligten Unternehmer nach

dem Test ein Plug-in-Taxi angeschafft,

ein weiterer ein elektrisches London-Taxi,

das nun auf Berlins Straßen unterwegs

ist. Nadolski freut sich, zu diesen Kaufentscheidungen

mutmaßlich beigetragen zu

haben. Leider müsse man gegenüber den

Unternehmern, die häufig große Vorbehalte

gegenüber der Elektromobilität hätten,

im Vorfeld viel Überzeugungsarbeit

leisten, um dann hinterher meist zu hören

zu bekommen: „Ich wusste gar nicht, dass

das so einfach ist.“

Ein Problem ist laut Nadolski die unterentwickelte

Lade-Infrastruktur Berlins,

der man ebenfalls im vergangenen Jahr

– in Zusammenarbeit mit Taxi Berlin

durch das Aufstellen eigener Ladesäulen

auf dem gemeinsamen Parkplatz begegnet

ist. Zudem könne man aufgrund der

Notwendigkeit von Schnelllademöglichkeiten

von Zeit zu Zeit auf die Ladesäulen von

Discountern zurückgreifen. Die elf Testteilnehmer

jedenfalls seien fast ausnahmslos

bestens mit dem Fahrzeug klargekommen.

PREISGARANTIE NÖTIG

In Zusammenarbeit mit der Agentur für

Elektromobilität soll demnächst ein Projekt

an den Start gehen, in dessen Rahmen

auch die ersten zwei Schnellladesäulen an

einem Berliner Taxihalteplatz oder in dessen

unmittelbarer Nähe in Betrieb gehen.

Dann werde sich zeigen, wie die Unternehmer

darauf reagieren, so Nadolski.

Der Verbrauch des Nissan Leaf liege bei

17 bis 18 Kilowattstunden auf 100 Kilometern,

für Nadolski ein sehr guter Wert. Die

Batterie des Versuchstaxis fasst in etwa

62 Kilowattstunden, was im Stadtverkehr

eine Reichweite von 350 Kilometern ergebe.

Eine Kilowattstunde sei bei billigem (langsamem)

Laden bereits für 39 Cent erhältlich,

bei schnellem Laden können 59 oder

sogar 79 Cent fällig werden. Das ergibt

rechnerisch bei der preisgünstigen Variante

Stromkosten von knapp 7 Euro, bei

den teuren Varianten von 10 bzw. knapp

14 Euro für 100 Kilometer.

Diese immensen Unterschiede belegen,

dass von Seiten der Stromanbieter eine

verlässliche Preisgarantie auf dem Niveau

Video: Leszek

Nadolski und sechs

weitere Unternehmer

berichten von

ihren Erfahrungen

mit Elektro-Taxis.

von 30 bis 40 Cent benötigt wird, wenn

sich E-Taxis tatsächlich durchsetzen sollen,

machte denn auch Webinar-Moderator

Simon Günnewig von Taxi Times deutlich.

Für Nadolski ist der Nissan ein bequemes

Auto mit Platz für drei Personen auf der

Rückbank. Das Kofferraumvolumen biete

Platz für maximal zwei Koffer. Mit einem

Rollstuhl bekomme man schnell Probleme.

Für Kranken- und Impffahrten dagegen sei

der Nissan Leaf gut geeignet.

Insgesamt ist Nadolski mit dem Fahrzeug

zufrieden. Er hofft nun auf einen zügigen

Ausbau der Ladeinfrastruktur. Der nächste

Wagen, den er sich anschaffen wird, sei in

jedem Fall vollelektrisch. ar/jh

E-TAXI AUSPROBIEREN

Mitglieder der Berliner Taxi-

„Innung“ können sich den Leaf als

zugelassenes Taxi für 20 Cent netto

pro Betriebskilometer ausleihen.

Kontakt: info@taxiinnung.org

FOTOS: Leszek Nadolski, Axel Rühle / Taxi Times

20 2. QUARTAL 2021 TAXI


E-MOBILITÄT

LEVC-CEO Jörg

Hofmann und

Taxiunternehmer

Serkan Demir bei

der offiziellen

Fahrzeug-Übergabe

im März

DIE VEREINIGUNG

VON E-ANTRIEB UND

INKLUSION

Für LEVC ist es das 5.000ste Auto weltweit, für die Bundeshauptstadt

das erste elektrifizierte London-Taxi. Für Serkan Demir ist der TX das

einzige Fahrzeug, mit dem er wirklich alle Kunden befördern kann.

FOTO: LEVC

Seit Anfang März dieses Jahres ist

Serkan Demir mit dem London-Taxi

in Berlin unterwegs und befördert

Familien, Rollstuhlfahrer – und manchmal

sogar 65-Zoll-Fernseher: „Bei der

Wahl des Autos war es mir wichtig, dass

ich keinen Fahrgast abweisen muss, weil

das Auto keinen Rollstuhl transportieren

kann oder zu klein ist.“

Seit 11.000 Kilometern ist der Alleinfahrer

mit dem auffälligen TX unterwegs.

Der Schritt von einem Mercedes W212 zu

dem elektrisch angetriebenen Briten kam

über Umwege zustande. Demir hatte zuvor

die Gelegenheit genutzt und erste Erfahrungen

mit einem vollelektrischen Taxi

gesammelt. Einen ganzen Monat lang fuhr

er einen Nissan Leaf, den die Berliner Taxi-

„Innung“ an interessierte Taxiunternehmer

verleiht (siehe Seite 20). „Da ich auf die

öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen

bin, hat für mich ein vollelektrisches Taxi

in der Praxis keinen Sinn gemacht, denn

in Berlin sind die Ladesäulen häufig von

Sharing-Fahrzeugen blockiert.

Mit dem TX kann ich bei normalen Temperaturen,

auch an Wechselstrom, in der

Regel bis zu 22 KW laden. Ist der Akku

leer, dann springt der benzinbetriebene

Range-Extender ein.“

Durch den relativ hohen Anschaffungspreis

von 75.000 Euro (brutto) zuzüglich

der Folierung und Taxiumrüstung, die

jeweils in Berlin durchgeführt wurden, ist

der TX in den Augen des Alleinunternehmers

kein günstiges Auto. Allerdings ist

die Inklusions-Umrüstung bereits inklusive,

und diese wiederum wird durch das

seit 2018 laufende Förderprogramm vom

Berliner Landesamt für Gesundheit und

Soziales (LAGeSo) mit bis zu 15.000 Euro

unterstützt. Obwohl der TX serienmäßig

mit den relevanten Umbauten wie Rollstuhlrampe,

Schwenksitz etc. ausgestattet

ist, wurde Demir nach Vorlage der Kaufbestätigung

die volle Unterstützung gewährt.

PROMINENTER FAHRGAST SORGT

FÜR MEDIALES INTERESSE

Mit seinem TX hat Demir bereits viel

Aufmerksamkeit erfahren. Unter anderem

hatte er als Zufallsfahrgast FDP-Parteichef

Christian Lindner mit an Bord, der sich

wiederum begeistert von dem Platzangebot

im TX zeigte. Mit einem Post bei Instagram

teilte Lindner das seinen Followern mit.

in der Folge wurde die Tagespresse auf

das besondere Taxi aufmerksam. Ein paar

Aufträge hat die mediale Aufmerksamkeit

dem 38-jährigen Taxiunternehmer zwar

eingebracht, aber „es war bei Weitem nicht

so, dass mein Telefon andauernd geklingelt

hätte.“

Auch ein Treffen mit Jörg Hofmann, dem

Hauptgeschäftsführer von LEVC, blieb

dem Unternehmer im Gedächtnis: „Mein

Auto war weltweit der 5.000ste TX, der

ausgeliefert wurde.“ Der deutsche Chef

des britisch-chinesischen Unternehmens

hörte dabei genau zu, als der Berliner

Unternehmer sich einen Kleiderhaken für

seine Kunden oder eine Mittelarmlehne

wünschte. Ob es Demirs Anregungen bis

in Serienproduktion schaffen wird, bleibt

abzuwarten.

Demnächst muss er für einige Zeit auf

sein Auto verzichten, denn dann stehen

verschiedene Wartungs- und Einstellarbeiten

an. Die Werkstatt des Berliner Autohauses

Koch hat dafür ganze vier Tage

veranschlagt. Ein Ersatzwagen wird dem

Unternehmer während dieser Zeit gestellt,

so dass Demir weiterhin mit seinem Traumauto

in Berlin unterwegs ist. sg

TAXI 2. QUARTAL 2021

21


BERLIN

LKW statt Taxen: Taxihalte und altes Empfangsgebäude

sind derzeit Baustelle.

Ladeleiste (links), Nachrückplatz (rechts) und Zubringertaxen – die 2020 beschilderte

Aufstellordnung (rechte Seite nur für Zubringer) fand keine Beachtung. Künftig könnte

aber vorne links (wo drei Taxen zu sehen sind) Platz für Abholer reserviert werden.

ZOB-UMBAU

DAUERT UND KOSTET

„Kleiner BER“: Eigentlich sollten die Berliner Taxis schon Mitte 2019

wieder am angestammten ZOB-Halteplatz stehen, doch die

Bauarbeiten ziehen sich hin und die Kosten explodieren.

Noch fahren Corona-bedingt wenig

Reisebusse. Berlins Taxifahrer

werden ihren Halteplatz an der

Soorstraße aber nicht vor Sommer 2022

zurückbekommen. Der Umbau, der den 55

Jahre alten ZOB an den Fernbusmarkt der

Zukunft anpassen soll, sollte nach Plänen

von 2010 eigentlich von 2016 bis 2019 dauern.

Der nördliche Teil des Geländes, der

als Busparkplatz genutzt wurde, ist neuen

Bussteigen gewichen.

Nächsten Sommer wird der Taxihalteplatz

an gewohnter Stelle wieder eingerichtet,

wie Boto Töpfer hofft. Der Chef des

Taxiverbandes Berlin, Brandenburg e. V.

hat mit Vertretern von Senat, Polizei und

Bezirksamt in Gesprächsrunden zum ZOB-

Umbau gesessen und für eine „taxifreundliche“

Gestaltung gesorgt. Für die Rückverlegung

möchte Töpfer erreichen, dass

der vordere Teil der bisherigen Ladeleiste

zu einem Wartebereich für vorbestellte

Abholer wird, so dass Einsteiger nicht mehr

ganz nach vorne laufen müssen.

VOM START WEG MIT MÄNGELN

Der 1966 eröffnete ZOB am Funkturm

in Westend hatte von vornherein planerische

Mängel. Als der frühere Busbahnhof

am Stuttgarter Platz zu klein geworden

war, kam es zum Bau des heutigen

Busbahnhofs – mit wesentlich besserer

Fernverkehrsanbindung aber schlechteren

Nahverkehrsanschlüssen.

Da der Fernbusverkehr in West-Berlin

staatlich streng reglementiert war und nur

ein einziger Busanbieter über die Genehmigung

für Linienverkehr nach Westdeutschland

verfügte, reichten die 35 Haltesteige

jahrzehntelang aus – bis die Wiedervereinigung

völlig neue Reiseströme ermöglichte.

NEUE REISESTRÖME

Zum Schutz der Bahn vor Konkurrenz

blieb das Reisbusmonopol vorerst bestehen,

bis die EU es 2009 kippte und das

Bundesverkehrsministerium unter Peter

Ramsauer den Fernbusmarkt im Zuge

einer PBefG-Novelle 2013 freigab. Es entstand

ein Verdrängungswettbewerb, der

– ähnlich wie am Markt des taxiähnlichen

Stadtverkehrs – schnell von profithungrigen

Konzernen dominiert wurde, die sich

Dumpingpreise erlauben können, um die

Konkurrenz vom Markt zu fegen. So gilt

der marktbeherrschende Anbieter Flixbus

heute als „Uber des Fernbusmarktes“, da

die Flixmobility GmbH nicht selbst Busse

betreibt, sondern Fremdfirmen aus ganz

Europa zu schlechten Konditionen mit teils

prekär beschäftigtem Personal für sich

arbeiten lässt.

Die Folge des Booms war die rasante

Zunahme des Fernbusverkehrs auch von

und nach Berlin, die den ZOB schnell an

seine Grenzen brachte und die Erweiterung

nötig machte. Künftig wird es 280 statt 76

Sitzplätze und ein Echtzeit-Informationssystem

über An- und Abfahrten geben.

Inzwischen sind die angesetzten Kosten

von 3,85 Millionen Euro auf mehr als das

Zehnfache gestiegen und die Bautätigkeit

ist noch in vollem Gange. Wie der Rundfunk

Berlin-Brandenburg (rbb) recherchiert hat,

liegen der Verzögerung und der Kostenexplosion

eklatante Fehlplanungen seitens

des vorletzten Wowereit-Senats zugrunde.

Laut rbb lagerte die Verkehrsverwaltung

zum Planungsbeginn 2010 einen Teil ihrer

hoheitlichen Aufgaben als Bauherrin aus.

Im August 2014 habe die Verwaltung laut

Rechnungshof einen Vertrag mit einem

Projektsteuerer geschlossen, mit dem

weder Termine und Fristen noch ein Kostenrahmen

vereinbart worden seien. So

sei es zu einem „weitgehend ungeordneten

und ungesteuerten Planungsprozess"

gekommen, in Zuge dessen die Verwaltung

mehrfach Vorschriften missachtet habe.

Die Präsidentin des Landesrechnungshofs

veranschaulichte die Fehlplanung:

„Sie müssen sich das so ähnlich vorstellen,

als wenn Sie ein Haus bauen wollen und

das Fundament planen – und erst danach

überlegen, wie viele Zimmer Sie eigentlich

einrichten wollen.“

ar

FOTOS: Axel Rühle / Taxi Times

22 2. QUARTAL 2021 TAXI


BERLIN

SCHÖNEFELDER

NÄCHTE

SIND LANG

Hüseyin Ergün; Claudia Heinzemann; Steff en

Knochel; Mandy Grahl, Teamleiterin Van-

Verkauf; Service-Teammeister Peter Hecht;

Martin Respondek, Leiter Serviceannnahme;

Christina Vogt-Gülaz, Teamleiterin Pkw-

Verkauf (v.l.n.r.)

Das Taxi-Kompetenzzentrum der Mercedes-Benz-Niederlassung Berlin

ist von Kreuzberg nach Schönefeld gezogen. Demnächst soll hier ein

Tag-und-Nacht-Service angeboten werden.

FOTO: Mercedes-Benz

Der moderne Bau des Mercedes-

Benz-AirportCenters mit den zwei

Glasfronten an der Ecke Waltersdorfer

Chaussee/Hans-Grade-Allee ist von

der A 113 nahe der Abfahrt Schönefeld Nord

gut zu sehen und verkehrsgünstig angebunden.

Das Personal ist den Mercedes-

Fahrern im Berliner Taxigewerbe vom

Standort in der Prinzessinnenstraße vertraut:

Das Taxi-Verkaufsteam, bestehend

aus Claudia Heinzemann, Hüseyin Ergün

und Steffen Knochel, geleitet von Christina

Vogt-Gülaz und Ihrer Van-Kollegin Mandy

Grahl, kümmert sich um das aktuelle und

zukünftige Taxigeschäft. Mit einer separaten

Taxi-Dialogannahme und dem breit

aufgestellten Taxi-Service-Team wird laut

Daimler in Schönefeld künftig ein 24-Stunden-Service

angeboten.

Centerleiter Eşref Aras verspricht der Berliner

Taxenbranche: „Wir können schnell

und flexibel auf die Wünsche unserer Kunden

reagieren, denn wir wissen, dass insbesondere

die Taxifahrer und -unternehmer

auf ihre Fahrzeuge angewiesen sind.“ Im

AirportCenter stehen alle Mobilitätsangebote

von Mercedes-Benz für Taxen zur

Verfügung. Seit Mitte April bietet zudem

die neue Parkplatzfläche direkt am Center

Platz für weitere 500 Fahrzeuge.

Christina Vogt-Gülaz ist seit Jahresanfang

Teamleiterin der Taxi-Verkaufsmannschaft

der Niederlassung und somit für den

Verkauf von Taxi-Neufahrzeugen zuständig.

Im Mai 2016 wechselte sie aus der

Wuppertaler Verkaufsleitung in die Spandauer

Niederlassung. Seit Juni 2017 ist sie

Teamleiterin des Neufahrzeuggeschäfts im

Mercedes-Benz-AirportCenter und ist nun

in dieser Funktion Ansprechpartnerin für

das Berliner Taxigewerbe. Sie erklärt: „Wir

bieten im neuen Taxi-Kompetenzzentrum

im Mercedes-Benz-AirportCenter alle Mercedes-Benz-Neu-

und Vorführfahrzeuge an,

die als Taxi genutzt werden können. Dazu

gehören natürlich auch Plug-In-Hybridfahrzeuge

wie der E300de als Limousine

oder das T-Modell“.

DREI TAXI-VARIANTEN SIND

AUCH VOLLELEKTRISCH

Auf dem Gelände stehen bereits sechs

Ladepunkte für E-Modelle zur Verfügung.

Alle Taxiausstattungen sind im Airport-

Center ab Werk lieferbar, alle zusätzlichen

Einbauvarianten konfigurier- und

lieferbar. Van-Teamleiterin Mandy Grahl:

„Mit der V-Klasse, dem Vito Tourer und

dem vollelektrischen EQV bieten wir im

AirportCenter auch den Verkauf und Service

für unsere Van-Taxi-Modelle an, der

eVito Tourer ist beispielsweise auch als

Inklusionstaxi lieferbar.“ In der Inklusion

sehen Gewerbevertreter nicht nur einen

Teil-Ausweg aus der derzeitigen Krise, sondern

einen wichtigen Geschäftszweig für

die Zukunft.

PLATZ FÜR 100 AUSSTELLUNGS-

FAHRZEUGE

Mit einer Showroomfläche von über

2.500m² und einer Nutzfläche von über

7.150 m² bietet der fünfgeschossige Bau

Platz für mehr als 100 Ausstellungsfahrzeuge.

Neben den umfangreichen Verkaufs-

und Serviceangeboten für Taxis

werden alle Vertriebs- und Servicedienstleistungen

für Mercedes-Benz-Pkw sowie

für smart angeboten. Außerdem ist das

Mercedes-Benz-AirportCenter seit 2017

zertifizierter Van-Pro-Transporter-Standort

mit einem vollumfänglichen Angebot aller

Verkaufs- und Servicedienstleistungen für

Transporter und Vans. ar

TAXI 2. QUARTAL 2021

23


RECHT

BUSSGELDER

IM ZWEITEN

ANLAUF

ERHÖHT

Die demnächst in Kraft tretende StVO-Novelle

bringt höhere Bußgelder und mehr Punkte. Die

Verschärfung der Grenze für Fahrverbote

wurde hingegen nach Protesten verworfen.

Es ist der zweite Versuch einer Novelle, nachdem bereits

Ende April 2020 ein neuer Bußgeldkatalog in Kraft getreten

war, der dann allerdings wieder gekippt wurde. Er

hatte – neben einem verbesserten Schutz von Fußgängern und

Radfahrern – erheblich verschärfte Regelungen für zu schnelles

Fahren und für Parkverstöße vorgesehen. So sollten Geschwindigkeitsübertretungen

innerorts bereits ab 21 km/h statt wie

bisher ab 31 km/h gleich mit einem Monat Fahrverbot geahndet

werden und nicht, wie bisher, erst im Wiederholungsfall. Außerorts

wäre ein Fahrverbot ab 26 km/h statt wie bis dato ab 41 km/h

zu schnellem Fahren verhängt worden. Auf einer gut ausgebauten

Stadtstraße etwas über 70 km/h fahren – das passiert öfter

und stellt nicht immer eine erhebliche Gefahr dar. Entsprechend

groß waren die Proteste gegen die strengen Strafen, mit denen

sich viele Autofahrer in den ersten Wochen nach Inkrafttreten

konfrontiert sahen.

Andere Regelungen stießen dagegen auf breite Zustimmung,

etwa dass das missbräuchliche Befahren einer Rettungsgasse auf

der Autobahn künftig mindestens 240 Euro Geldbuße, einen Monat

Fahrverbot und zwei Punkte im Flensburger Fahreignungsregister

zur Folge hat. Auch die Erhöhung von 20 auf 55 Euro für Parken

auf Rad- und Gehwegen wurde weitgehend als Verbesserung des

Schutzes schwächerer Verkehrsteilnehmer begrüßt. Die Sanktionen

für zu schnelles Fahren aber wurden von vielen als unverhältnismäßig

angesehen, und Interessenvertreter des Autoverkehrs

liefen dagegen Sturm. Eine Petition für die Rücknahme der Novelle

fand schnell über 135.000 Unterzeichner. Allerdings hatte nicht

Andreas Scheuer, der als autofahrerfreundlich gilt, die drastischen

Verschärfungen vorgeschlagen, sondern die Länder im Bundesrat.

Scheuer war deren Änderungswünschen lediglich gefolgt.

VERSCHÄRFUNG WIDERRUFEN

Gekippt wurde die Novelle aber aufgrund eines Formfehlers.

Nach weniger als drei Monaten wurden die neuen Regeln außer

Vollzug gesetzt. Im Bundesverkehrsministerium begann man

mit der Überarbeitung. Die Verkehrsminister der Länder sollen

sich einig gewesen sein, dass die Strafen weniger hoch ausfallen

sollten, doch wie weit die Entschärfung gehen sollte, darüber

herrschte zunächst Uneinigkeit.

Nun ist die überarbeitete Version verabschiedet worden. Wichtigste

Korrektur: Für Geschwindigkeitsverstöße bleiben die





bis 10 km/h 15 € 30 €

11 - 15 km/h 25 € 50 €

16 - 20 km/h 35 € 70 €

21 - 25 km/h 80 € 115 € (widerrufen:

1 Monat)

26 - 30 km/h 100 € beim 2. Mal:

1 Monat

180 € beim 2. Mal:

1 Monat

(widerrufen: gleich 1 Monat)

31 - 40 km/h 160 € 1 Monat 260 € 1 Monat

41 - 50 km/h 200 € 1 Monat 400 € 1 Monat

51 - 60 km/h 280 € 2 Monate 560 € 2 Monate

61 - 70 km/h 480 € 3 Monate 700 € 3 Monate

über 70 km/h 680 € 3 Monate 800 € 3 Monate




bis 10 km/h 10 € 20 €

11 - 15 km/h 20 € 40 €

16 - 20 km/h 30 € 60 €

21 - 25 km/h 70 € 100 €

26 - 30 km/h 80 € beim 2. Mal:

1 Monat

150 € beim 2. Mal:

1 Monat

31 - 40 km/h 120 € beim 2. Mal:

1 Monat

(widerrufen: gleich 1 Monat)

200 € beim 2. Mal:

1 Monat

(widerrufen: gleich 1 Monat)

41 - 50 km/h 160 € 1 Monat 320 € 1 Monat

51 - 60 km/h 240 € 1 Monat 480 € 1 Monat

61 - 70 km/h 440 € 2 Monate 600 € 2 Monate

über 70 km/h 600 € 3 Monate 700 € 3 Monate


Nichtbilden einer Rettungsgasse bei stockendem

Verkehr / entstehendem Stau

200 € 1 Monat

Unerlaubtes Befahren einer Rettungsgasse

240 € 1 Monat

– mit Behinderung 280 € 1 Monat

– mit Gefährdung 300 € 1 Monat

– mit Sachbeschädigung oder Unfall 320 € 1 Monat


FOTOS: Axel Rühle / Taxi Times

24 2. QUARTAL 2021 TAXI


RECHT





Halten in einer Feuerwehrzufahrt 10 €

Parken in einer Feuerwehrzufahrt 35 € 55 €

– mit Behinderung von Einsatzfahrzeugen 65 € 100 €

Halten auf Fahrrad-Schutzstreifen

55 €

– in schweren Fällen: bis zu 100 €

Parken auf einem Taxihalteplatz 10 € 25 €

– über eine Stunde oder mit Behinderung 15 € 40 €

– über eine Stunde mit Behinderung 30 € 50 €

Parken im Halteverbot, an engen und unübersichtlichen

Stellen, in scharfen Kurven, bis zu zehn Meter vor Ampeln,

auf Fußgängerüberwegen sowie bis zu fünf Meter davor

15 € 35 €

– über eine Stunde 25 € 55 €

– mit Behinderung 25 € 55 €

– über eine Stunde mit Behinderung 35 € 55 €

Parken auf Geh- oder Radweg/Fahrrad-Schutzstreifen 20 € 55 €

– über eine Stunde 30 € 70 €

– mit Behinderung 30 € 70 €

– über eine Stunde mit Behinderung oder Gefährdung 35 € 80 €

– über eine Stunde mit Sachbeschädigung 100 €

Parken in zweiter Reihe 20 € 55 €

– länger als 15 min 85 €

– mit Behinderung 80 €

– mit Gefährdung 90 €

– mit Sachbeschädigung 35 € 110 €

Parken an engen Stellen m. Behinderung v. Rettungswagen 60 € 100 €

Parken auf einem Behindertenparkplatz 35 € 55 €

Parken auf einem Parkplatz für elektrisch betriebene

Fahrzeuge oder Carsharing-Fahrzeuge

Parken 5 m vor einer Kreuzung/Einmündung, vor Grundstücksein-

und -ausfahrten, vor und hinter Andreaskreuzen

0 € 55 €

10 € 10 €

– mit Behinderung 15 € 15 €

– über 3 Stunden 20 € 20 €

– über 3 Stunden mit Behinderung 30 € 30 €

Parken auf Busspuren oder an Haltestellen

55 €

– über 3 Stunden oder mit Behinderung 70 €

– mit Gefährdung 80 €

– über 3 Stunden mit Behinderung oder Gefährdung 80 €

– mit Sachbeschädigung 100 €

Halten im Fahrraum von Schienenfahrzeugen 20 € 20 €

– mit Behinderung 30 € 30 €

Parken im Fahrraum von Schienenfahrzeugen 25 € 55 €

– mit Behinderung 35 € 70 €


Keine Warnweste mitführen

15 €

Beim Ein-/Aussteigen andere gefährden

20 €

– mit Sachbeschädigung 25 €

Tier(e) nicht ausreichend sichern

35 €

– mit Gefährdung 60 €

– mit Sachbeschädigung 75 €

Kind ohne vorschriftsgemäße Sicherung im Kfz mitnehmen 60 €

– mit mehreren Kindern 70 €

Am Grünpfeil oder Stop-Schild nicht anhalten

70 €

Am Grünpfeil nicht halten – mit Behinderung/Gefährdung 100 €

– mit Unfall 120 €

Blitzer-App oder Radarwarngerät benutzen

75 €

Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung bzw.

elektronisches Gerät in der Hand halten

100 €

– mit Gefährdung 150 € 1 Monat

– mit Sachbeschädigung oder Unfall 200 € 1 Monat

(verschiedene Quellen; alle Angaben ohne Gewähr)

drohenden Fahrverbote

ebenso wie die Anzahl

der Punkte in Flensburg

unverändert auf

dem vorherigen Stand

vor der Novelle. Nur die

Geldbußen dafür werden

deutlich erhöht.

Die Regeln zum besseren

Schutz der Fußgänger

und Radfahrer

sowie des Carsharings

beinhalten ebenfalls

strengere Sanktionen

und zum Teil auch

Punkte für Parkverstöße,

vor allem auf Fußund

Radwegen sowie –

neuer Tatbestand – auf

Flächen, die zum Abstellen

von Carsharing-Autos oder zum Laden von Elektrofahrzeugen

reserviert sind.

Das Nichtbilden einer Rettungsgasse und deren unerlaubte

Benutzung werden – wie bereits im ersten Anlauf geplant – mit

hohen Bußgeldern und Fahrverboten geahndet. Die Rettungsgasse,

die beispielsweise auf Autobahnen zwischen der ersten und der

zweiten Spur von links das Durchkommen von Rettungsfahrzeugen

ermöglicht, muss sehr frühzeitig, also bereits bei stockendem

Verkehr, gebildet werden. Sie rettet des Öfteren Menschenleben.

DEUTSCHLAND WEITER PREISGÜNSTIG

Das sogenannte Gaffen bei Unfällen kann bereits seit Anfang

des Jahres in schweren Fällen, etwa bei Behinderung der Rettungskräfte,

unterlassener Hilfeleistung oder dem Filmen bzw.

Fotografieren getöteter Personen, mit bis zu zwei Jahren Haft

bestraft werden.

Im internationalen

Vergleich sind die Bußgelder

in Deutschland

noch immer moderat,

wie einige Beispiele zeigen.

Für 20 km/h über

dem Limit, was bei uns

70 Euro kostet, kann

man in Großbritannien

bereits hohe dreistellige

Summen bezahlen. Für

eine Überschreitung

von 50 km/h, die in

internationalen Vergleichen

meist aufgelistet

wird, die bei uns 800

Euro kostet, sind in

Frankreich schon Bußgelder

ab 1.500 Euro

und in Großbritannien

Ladeplätze für E-Fahrzeuge stehen

unter besonderem Schutz.

Wer dieses Schild missachtet, zahlt

künftig 55 Euro.

in der Größenordnung um 3.000 Euro erhoben worden.

In den Niederlanden und der Schweiz werden Strafen für

schwere Geschwindigkeitsverstöße in einkommensabhängigen

Tagessätzen berechnet.

ar

TAXI 2. QUARTAL 2021

25


DAS LETZTE

HAMBURG

GREIFT DURCH –

BERLIN ZAUDERT

Während in Hamburg nur wenige Mietwagen

unterwegs sind, steigt die Zahl in Berlin weiter

– auch wegen völlig unterschiedlicher

Rechtsauffassungen der beiden Behörden.

IMPRESSUM

Verlag

taxi-times Verlags GmbH

Persiusstr. 7

10245 Berlin, Deutschland

Telefon: +49 (0)30 / 55 57 92 67-0

E-Mail: info@taxi-times.com

Internet: www.taxi-times.com

Seit Anfang 2020 ist die Zahl der

Mietwagen in Berlin um knapp 30

Prozent von 3.619 auf rund 4.700

gestiegen. Diese Mietwagenschwemme

ließe sich durch striktere Vorgaben bei

den Konzessionsanträgen eindämmen.

Die Hamburger Gewerbeaufsicht beispielsweise

stimmt Neuanträgen für

Mietwagenkonzessionen nur zu, wenn der

Unternehmer unter anderem eine Gründungskalkulation

sowie eine Ertrags- und

Kostenvorschau vorlegt. Das Konzept hat

Erfolg, der Anteil der Mietwagen liegt trotz

Free Now und Uber unter zehn Prozent.

Tino Schopf, der verkehrspolitische Sprecher

der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus,

stellte daher die Anfrage, ob auch

in Berlin bei einem Mietwagenantrag eine

Gründungskalkulation mit Nachweis über

die verfügbaren Mittel sowie eine Ertragsund

Kostenvorschau vorzulegen sei. Antwort

der Senatsverwaltung für Umwelt,

Verkehr und Klimaschutz (SenUVK): Eine

solche Vorlage sei nach den rechtlichen

Bestimmungen nicht vorgesehen. „Als

Nachweis der verfügbaren Mittel ist i. d.

R. eine Eigenkapitalbescheinigung oder

eine Vermögensübersicht ausreichend, die

z. B. von einem Steuerberater oder einem

Wirtschaftsprüfer zu bestätigen ist.“

Hamburgs Behörde vertritt hierzu eine

andere Rechtsauffassung. Man beruft

sich auf ein Prüfungsrecht zur Plausibilitätskontrolle,

das sich aus § 2 Abs. 4 der

Berufszugangsverordnung für den Straßenpersonenverkehr

(PBZugV) ableiten

lasse, rechtlich abgesichert unter anderem

durch ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts

(OVG) Rheinland-Pfalz von 2019,

nach dem die Genehmigungsbehörde nicht

„in jedem Fall den Nachweis der finanziellen

Leistungsfähigkeit durch Vorlage einer

Eigenkapitalbescheinigung zu akzeptieren

hat“, es sei denn, es handele sich um den

– vollständigen und plausibel ausgefüllten

– gesetzlich geforderten Nachweis.

Als noch relevanter stuft Hamburgs

Behörde jedoch § 2 Abs. 1 Satz 1 der

PBZugV ein: „Die finanzielle Leistungsfähigkeit

im Sinne des § 13 Abs. 1 Nr. 1

des Personenbeförderungsgesetzes ist als

gewährleistet anzusehen, wenn die finanziellen

Mittel verfügbar sind, die zur Aufnahme

und ordnungsgemäßen Führung

des Betriebes erforderlich sind.“

Somit reiche es nicht aus, bei Betriebsaufnahme

das erforderliche Kapital vorzuhalten

und finanziell leistungsfähig zu

sein, sondern dies müsse auch während der

Führung des Betriebs sichergestellt werden,

was die Behörde anhand vorzulegender

Bescheinigungen prüfen müsse. Daran

bestehen insbesondere dann Zweifel, wenn

die Markt-, Nachfrage- und Erlössituation

und die Kosten im Rahmen der Betriebsführung

in einem Verhältnis zueinander

stehen können, welches das erforderliche

Eigenkapital erheblich reduziert.

Der Antragsteller hat dann plausibel

und nachvollziehbar darzustellen, wie

eine eigenkapitalerhaltende Betriebsführung

sichergestellt werden kann, auch

um die Instandhaltung des Fuhrparks

nicht zu gefährden und die Einhaltung

der Abgabe- und Sozialvorschriften

sicherzustellen.

Das klingt so einfach und plausibel und

lässt Berliner Taxifahrer*Innen ratlos

zurück: Warum wendet SenUVK geltendes

Recht nicht an?

jh

Geschäftsführer und V. i. S. d. P.

Jürgen Hartmann (jh)

Bankverbindung

Stadtsparkasse München

IBAN: DE89701500001003173828

BIC: SSKMDEMM

UST-ID: DE293535109

Handelsregister: Amtsgericht München

HRB 209524

Redaktion (tt)

Axel Rühle (ar), Jürgen Hartmann (jh)

E-Mail: tt-berlin@taxi-times.taxi

Mitarbeiter dieser Ausgabe

Simon Günnewig (sg), Matthias Tüxen (mtx)

Grafik & Layout

Stanislav Statsenko, layout@inversi-design.de

Anzeigen und Vertrieb

anzeigen@taxi-times.com

Telefon: +49 (0)30 / 55 57 92 67-0

Druck

Silber Druck oHG,

Otto-Hahn-Straße 25

D-34253 Lohfelden

Erscheinungsweise: 4 x pro Jahr

Heftpreis: 3,50 €

(inkl. MwSt und Versand)

ISSN-Nr.: 2367-3842

Weitere Verlagsmagazine:

Taxi Times DACH, Taxi Times München

Die Taxi Berlin TZB GmbH bekommt in Taxi Times

Berlin eigens gekennzeichnete Mitteilungsseiten,

für deren Inhalte die Genannte im Sinne des

Presserechtes selbst verantwortlich ist.

FOTO: Axel Rühle / Taxi Times

26 2. QUARTAL 2021 TAXI


BERLINER TAXI-NEUIGKEITEN

AUF ALLEN KANÄLEN

UNTER

STÜTZER

DES TAXI

GEWERBES

Taxi Times Berlin auf Whats-App

• Austausch unter den Kollegen

• Links zu allen Berliner Taxi-News

Jetzt beitreten und keine Neuigkeiten verpassen:

Hier erhalten Sie

den Einladungslink

Hier geht es

zur Website

www.taxi-times.com

www.taxi-times.com/berlin


5.000 €

TAXI-FÖRDERUNG 1

Geballtes Know-how von Profis für Profis – jetzt in

unserem Taxi-Kompetenzcenter im AirportCenter am BER.

Für besten Service bei Beratung und Kauf haben wir jetzt unsere

gesammelte Kompetenz für Sie im AirportCenter am BER gebündelt.

Und dort erwarten Sie auch hochinteressante Angebote:

z. B. die E-Kasse als Taxi, jetzt mit 5.000 € Taxi-Förderung 1 und

zu lukrativen Finanzierungskonditionen. Lassen Sie sich jetzt umfassend

informieren: telefonisch, online und – sobald es wieder

möglich ist – auch gern persönlich. Ihr Taxi-Kompetenzcenter.

E 200 d Neuwagen der neuen E-Klasse

Ein Finanzierungsbeispiel der Mercedes-Benz Bank AG 2

Kaufpreis netto 3 34.685,00 €

Kaufpreis inkl. gesetzl. Umsatzsteuer (19%) 41.275,15 €

Abzüglich Anzahlung, 10.125,00 €

davon entfallen auf Umsatzsteuer 6.590,15 €

Darlehensbetrag 31.150,15 €

Zinsen nominal 2,99 %

Monatliche Gesamt-Finanzierungsrate

über 60 Monate 559,– €

Kraftstoffverbrauch innerorts / außerorts / kombiniert (Diesel l/100 km) 4 :

5,4–5,2/4,3–4,0/4,7–4,4; CO₂-Emissionen kombiniert (g/km) 4 : 124–117.

Hubraum (cm 3 ): 1.598. Leistung (kW/PS) 4 : 118/160.

1

5.000 € Eintauschprämie bei Inzahlungnahme Ihres gebrauchten Taxis/Mietwagens. Eintauschprämie

gem. den Richtlinien der Mercedes-Benz Gebrauchtwagen-Inzahlungnahme. |

2

Ein Finanzierungsbeispiel der Mercedes-Benz Bank AG, Siemensstraße 7, 70469 Stuttgart,

für alle gewerbetreibenden Taxifahrer. Stand 04/2021. Ist der Darlehens-/Leasingnehmer

Verbraucher, besteht nach Vertragsschluss ein gesetzliches Widerrufsrecht nach § 495 BGB.

Das Angebot ist zeitlich begrenzt und gilt bei Bestellung und Übernahme des Fahrzeugs bis

30.06.2021 und nur, solange der Vorrat reicht. | 3 Unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers,

zuzüglich lokaler Überführungskosten. | 4 Die angegebenen Werte wurden nach

dem vorgeschriebenen Messverfahren ermittelt. Es handelt sich um die „NEFZ-CO₂-Werte“

i. S. v. Art. 2 Nr. 1 Durchführungsverordnung (EU) 2017/1153. Die Kraftstoffverbrauchswerte

wurden auf Basis dieser Werte errechnet. Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes

Fahrzeug und sind nicht Bestandteil des Angebots, sondern dienen allein Vergleichszwecken

zwischen verschiedenen Fahrzeugtypen. Die Werte variieren in Abhängigkeit von den gewählten

Sonderausstattungen. Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und

zu den offiziellen spezifischen CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem

„Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch und die CO₂-Emissionen neuer Personenkraftwagen“

entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der Deutschen Automobil

Treuhand GmbH unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist. | Abbildung entspricht

nicht dem Angebot. Abbildung enthält Sonderausstattungen. | Druckfehler und Irrtümer

vorbehalten.

+ + + Beratung und Verkauf: Wir sind auch weiterhin online

und telefonisch unter +49 30 3901 6212 gern für Sie da + + +

Anbieter:

Mercedes-Benz AG, Niederlassung Berlin | 10 x in und um Berlin

Salzufer 1, 10587 Berlin, Telefon +49 30 3901 2000, www.mercedes-benz-berlin.de

Taxi-Kompetenzcenter: AirportCenter Berlin-Brandenburg, Hans-Grade-Allee 61 in Schönefeld (Verkauf & Service) und Prinzessinnenstraße 21–24 in Kreuzberg (Service)

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!