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Die Malteser-Zeitung 2/2021

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Orden und seine Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Berichterstattung über nationale und internationale Tätigkeiten des Souveränen Malteser-Ritter-Orden und seine Werke sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

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Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 2/2021

Gemeinsam wertvolle Zeit verbringen

KulturGut, Heiligen begegnen

Anna, ein besonderes Kind


INHALT

IMFOKUS

04 Ordenshaus – ein ganz besonderes Haus

06 Ordenshaus – heimelig und modern zugleich

08 Ordenshaus – lebendige Farb- und Lichtwelten

09 Ein guter Platz zum Arbeiten

KULTURGUT

11 Der Krisenhelfer

RELIGIONAKTUELL

14 Heilige Messe via Facebook

15 Das Wort Gottes bereits in

704 Sprachen übersetzt

LEBENSWERT

16 Anna – ein besonderes Kind mit

einem besonderen Lächeln

18 Lassen wir unsere Sterbenden nicht allein!

04

11

MALTESERÖSTERREICH

20 Berichte aus den Bereichen:

Vielfältige Initiativen und Dienste

20

44

MALTESERWELTWEIT

44 Die Hoffnung auf ein ganz normales Leben

46 Papstbesuch gibt den Menschen im Irak

Hoffnung

47 Sauerstoff, Schutzausrüstung und

psychosoziale Unterstützung

47 Covid-19-Prävention für Kinder,

Schwangere und junge Mütter

MEDIZINAKTUELL

49 Ein Wunder

50 Wo Licht ist, kann auch Schatten sein

49 56

GELESENEMPFOHLEN

53 Interessante Neuerscheinungen

RUNDSCHAU

56 „Exodus 90“ – wenn der Name Programm ist

68 Wir trauern um

Spenden

Bitte verwenden

Sie den beiliegenden

Zahlschein!

2

DIE MALTESER 2/2021

IHRE SPENDE IST

STEUERLICH

ABSETZBAR


EDITORIAL

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Leserinnen und Leser,

Einsamkeit ist ein großes Thema unserer Zeit, vor allem in

der Anonymität von Großstädten. Durch die Corona-Pandemie

ist sie ein noch größeres Thema geworden – und zwar

nicht bloß in Zusammenhang mit älteren, nicht mehr berufstätigen

Menschen. Auch junge Menschen haben darunter

gelitten, ihre Freunde nicht treffen, ihre Lieblingslokale und

Sportvereine nicht besuchen zu können.

Menschen in Senioreneinrichtungen hatten den Vorteil,

durch Pflegekräfte, Mitarbeiter und die Bewohner Ansprache

zu haben. Sie konnten sich in dieser Gemeinschaft gut aufgehoben

fühlen. Wenngleich Besuche von außen phasenweise

gar nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich waren, hatten

sie ihre sozialen Kontakte, die für das psychische Wohlergehen

so wichtig sind. In unserem Altenwohnheim, das schon

bald ins neue Malteser Ordenshaus übersiedelt, wurde neben

analog auch online gebetet und – mit entsprechendem Abstand

– auch gemeinsam gegessen.

Besonders gefordert waren unsere Mitarbeiter: Sie haben

sich zum Teil in Privatquarantäne begeben, um die Bewohner

nicht zu gefährden. Sie haben die soziale Komponente,

die sonst die Angehörigen und ehrenamtlichen Besucher

übernehmen, abgedeckt. Sie alle waren großartig!

Ebenso wie in der Malteser Kinderhilfe und in der mobilen

Pflege von Malteser Care haben unsere Helfer und Pflegekräfte

im (noch) Haus Malta Unglaubliches geleistet. Die

Bewohner und unsere Betreuten wurden gut und sicher versorgt.

Sie wurden keinem Risiko ausgesetzt oder gar alleine

gelassen.

Alle unsere ehrenamtlichen Strukturen haben rasch ihre

Aktivitäten angepasst und digitale Kontaktnetze ins Leben

gerufen, Briefe und Bastelpakete versandt und Einkaufsdienste

eingeführt – alles neben den Rettungsdiensten und

laufenden Projekten. Im Aufbau und laufenden Betrieb von

Test- und Impfstraßen wurde wesentlich mitgewirkt und es

wurde ein umfangreiches, spirituelles analoges und digitales

Programm auf die Beine gestellt.

Das ist eine enorm starke Leistung einer wahrlich starken

Gemeinschaft. Ich danke Allen aus tiefstem Herzen!

Norbert Salburg-Falkenstein

Prokurator

IMPRESSUM

Medieninhaber: Souveräner Malteser-Ritter-Orden (Malteserorden),

Großpriorat Österreich, 1010 Wien, Johannesg. 2, T: 01/512 72 44,

E: presse@malteser.at

Chefredaktion: Katharina Stögner Mitarbeiter bzw. Autoren

dieser Ausgabe: Wolfgang J. Bandion, Dominik Batthyany, Erzabt

Dr. Korbinian Birnbacher OSB, Georg Eltz, Familie Emathinger,

Antonia Franckenstein, Alexa Gaspari, Ulrich Glaunach, Clemens

Grill, Lisa Hammer; Bartolomäus Khevenhüller, Thomas Kissich,

Severin Knoflach, Gloria Krenn, Fra‘ Gottfried Kühnelt-Leddihn,

Andreas Mensdorff-Pouilly, Clemens Mirbach-Harff, Richard Mischak,

Paula Mutas, Michael Prügl, Johannes Reinprecht, Norbert

Salburg-Falkenstein, Claudia Schober, Sebastian Prinz von Schoenaich-Carolath,

Lisa Schoenmeier, Peter und Pia Seilern, Richard

Steeb, Verena Trentini, Cordula Wasser, Manuel Weinberger, Susanne

Wick, Tobias Zöhrer, Alexia Zwitkovits

Bildrechte: CHAI/Malteser International, Rosa Elena Haack/Mal-

teser International, Kreativagentur-inShot, KHM Museumsverband,

LOFT Kreativagentur, Shutterstock-1788659135-Maxx-Studio, Andreas

Tischler, UNIDO Foto – United Nations Industrial Development

Organization (UNIDO), Youth Forum Foto – United Nations Office

on Drugs and Crime (UNODC). Hinweis: Aus Gründen der besseren

Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher

Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten

gleichermaßen für beiderlei Geschlecht.

Gestaltung: Karin Mayer-Fischer, werbeproduktion.at

Lektorat: Edith Holzer, Franziska Holzheimer

Druck: Druckerei Robitschek, Schlossgasse 10–12, 1050 Wien.

Offenlegung gemäß §25 Mediengesetz: Berichterstattung

über nationale und internationale Tätigkeiten des SMRO und

seiner Werke, sowie religiöse, karitative und soziale Fragen aller Art.

Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht der Meinung der

Redaktion entsprechen. Redaktionsschluss: Mai 2021

DIE MALTESER 2/2021 3


EIN GANZ BESONDERES HAUS

Die Bauarbeiten für das neue Ordenshaus der MALTESER in Wien Landstraße gehen zügig voran. Mit großer Vorfreude

dürfen wir der Eröffnung Ende 2021 entgegensehen.

Von Andreas Mensdorff-Pouilly

Ein Hausbau ist immer eine Herausforderung. Der Umbau

eines Hauses zu einem Ordenshaus, in dem unterschiedlichste

Menschen miteinander leben, arbeiten,

sich umeinander kümmern und Anteil nehmen werden,

ist mehr als nur herausfordernd. Er ist ungemein bereichernd.

Die Herausforderung auf der einen Seite, die Bereicherung

auf der anderen Seite: Sie werden sich nicht die

Waage halten. Die Bereicherung wird überwiegen. Eindeutig!

Dafür sorgen die Besonderheiten des Ortes, an

dem das neue Ordenshaus entsteht, und die Menschen,

die es mit Leben füllen werden. Die Lage ist unvergleichlich:

mitten in Wien, an einem historischen Ort mit besonderer

Gastlichkeit – sowohl in geschichtlich-traditioneller

als auch in spiritueller Hinsicht. Auf einzigartige

Weise werden hier auf engem Raum die Angebote des

Franziskus Spitals, des Ordens der Elisabethinen und

des Malteserordens vereint.

Flächenwidmung und Denkmalschutz

Bis zum Umbau bedurfte es vieler durchaus profaner Arbeitsschritte.

Gehen wir kurz zum Anfang des Projekts:

4

DIE MALTESER 2/2021


IMFOKUS

Das Haus steht für eine familiäre Atmosphäre, Gemeinschaft

und Nächstenliebe

Wochenendbesuch: die Familie ist beim gemeinsamen Essen

im Malteser Ordenshaus herzlich willkommen

Zunächst galt es, die Bebaubarkeit der Flächen zu eruieren

und die Flächenwidmung unter Berücksichtigung der

umliegenden Nutzung, des Grünraums, der Bauhöhe, der

Belichtung und Beschattung sowie des Zugangs vom öffentlichen

Grund rechtlich abzustimmen. Auch musste

die bebaubare Fläche durch Untersuchung bestehender

alter Einbauten aufbereitet und letztendlich die archäologische

Befreiung eingeholt werden.

Nicht zu vergessen ist das Zusammenspiel mit der bestehenden

Bausubstanz in seiner Denkmalwürdigkeit, die Anforderungen,

die durch die Erweiterung des Franziskusspitals

gestellt waren, und die Neuausrichtung der Unterkunft

der Elisabethinen! Die Bauabwicklung erfolgte im laufendem

Betrieb. Die räumlich beengte Situation erforderte

eine besonders gute Logistik und Disziplin aller Beteiligten

– von der Anlieferung über die Krannutzung bis hin zur

Terminplanung.

Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit

Was nach ungemütlichem Baulärm und viel Staub klingt,

führt im Ergebnis zu einem wunderbaren, stillen und

reinen Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit für die

kommenden Benützer des Hauses. Dafür wurden räumlich

durchdachte Konzepte geplant, sowohl in Bezug auf

die Größe der Wohngruppen, der Aufenthaltsbereiche

und der Freiräume, als auch in Bezug auf das Verhältnis

zwischen Innen- und Außen.

Die Appartements im Altbau wurden an die bestehenden

Bausubstanz angepasst, was eine reizvolle Atmosphäre

und ein gediegenes Umfeld schafft. Die Appartements

im Neubau sind modern gehalten. Große Fenster und

hohe Räume lassen ein helles und freundliches Zuhause

entstehen.

Kurze Wege ermöglichen leichte Orientierung

Das Zusammenleben der Bewohner findet in offenen,

großzügigen Gemeinschaftsbereichen statt. Individuelle

Zonen ermöglichen einen geschützten Aufenthalt sowohl

innerhalb der Wohngruppen als auch auf den Terrassen

und im hauseigenen Garten. Die Wohngruppen

sind im Neubau zentral organisiert, sodass die Wege im

täglichen Ablauf kurz bleiben. Ein zentraler Stützpunkt

fügt sich dezent in den Grundriss ein und ermöglicht

eine gute Übersicht.

Den Mitarbeitern stehen eigene Rückzugsbereiche und

spezielle Betreuungsräume zur Verfügung. Die Verwaltung

ist für die optimale Führung des Ordenshauses

vom Tagesgeschehen getrennt. Die unterschiedlichen

Innenhöfe bilden mit den Gebäuden einen besonderen

Ort, einen Ruhepol inmitten der Stadt. Besondere Ruhe

und Einkehr finden die Benutzer des Hauses zudem in

der hauseigenen Kapelle.

DIE MALTESER 2/2021 5


IMFOKUS

HEIMELIG UND MODERN ZUGLEICH

Das neue MALTESER Ordenshaus, in dem künftig auch die Bewohner der Seniorenresidenz Haus Malta ihr neues Zuhause

finden werden, bietet professionelle Betreuung und Pflege rund um die Uhr sowie vielfältige Zusatzangebote. Hier die

wichtigsten Informationen im Überblick.

Von Thomas Kissich

Das Ordenshaus ist ein Wohn- und Pflegeheim für pflegebedürftige

Menschen. Im Sinne der Dienstleistung

„Wohnen und Pflege“ werden seitens des Fonds Soziales

Wien (FSW) Personen der Pflegestufen 3 bis 7 gefördert.

Privatzahlende können auch bei einer niedereren

Pflegestufe aufgenommen werden. Eine Pflegebedürftigkeit

ist allerdings Grundvoraussetzung.

Das Haus wurde nach den neuesten Standards und wissenschaftlichen

Erkenntnissen im Bereich der stationären

Langzeitpflege errichtet. Es verfügt über modernste

Arbeitsmittel, um den Pflegealltag sowohl für die Bewohner

als auch für die Mitarbeiter so angenehm wie

möglich zu gestalten.

Allgemeine Räumlichkeiten im neuen MALTESER

Ordenshaus

Das breite und vielfältige Angebot am Standort des

Franziskus Spitals steht natürlich auch den Bewohnern

des Malteser Ordenshauses zur Verfügung. Hier

ein kleiner Einblick in die allgemeinen Räumlichkeiten:

• Speisesaal, Bibliothek, Bridgezimmer

• Ärzteraum

• Räume für Therapie- und Rehabilitationsangebote

• Sozialraum

• Ruheraum

• Räume für Dienstleistungen (Friseur, Pediküre)

• Therapie- und Wellnessbad

• Garderoben, Wäscherei, Werkstatt

• Empfang

6

DIE MALTESER 2/2021


IMFOKUS

Wohngruppen im neuen Zubau

Die sechs Wohnbereiche im Pflegehaus werden als

Wohngruppen geführt. Diese bestehen aus einem zentralen

Aufenthaltsbereich, von dem aus die Zimmer auf kurzem

Weg erreicht werden können. Der Begegnungssalon mit Aktivitätenküche

ist das Zentrum des täglichen Lebens: Hier

wird gegessen, geplaudert und Kaffee getrunken.

Das Konzept der Wohngruppen wurde ganz bewusst gewählt,

weil dadurch eine familiäre Wohlfühlatmosphäre

entsteht. Zudem haben Wohngruppen kleinere Strukturen,

die unseren Bewohnern die Orientierung erleichtern.

Für jeden das passende Konzept

• Appartements sind als Einzelzimmer mit eigener

Nasszelle und WC gestaltet. Sie verfügen über

Satellitenanschluss, einen persönlichen Telefonanschluss

und eine Notrufanlage. Alle Appartements

sind barrierefrei und behindertengerecht.

Der Wohn- und Schlafbereich kann mit persönlichem

Mobiliar gestaltet werden. Im Klostertrakt

können die Appartements selbst eingerichtet

werden. Das Pflegebett wird aufgrund

von gesetzlichen und hygienischen Bestimmungen

sowie pflegerisch-medizinischen Vorgaben

in jedem Appartement vom Ordenshaus gestellt.

• Wohnen im Kloster: Die Appartements im Klostertrakt

werden liebevoll in die ganz besondere Atmosphäre

des historischen Gebäudeteiles integriert. Die

Grundrisse der Einheiten sind wegen der räumlichen

Struktur des Klosters und der Vorgaben des Bundesdenkmalamtes

unterschiedlich. Dadurch können auf

Wunsch auch Doppeleinheiten geschaffen werden.

Jede Einheit ist individuell mit einem gemütlichen

Wohn- und Essbereich, einem eigenen Schlafzimmer

sowie einem eigenen Bad mit WC ausgestattet.

Leistungsumfang des Hauses

• Wohn- und Pflegeappartements

• Fachärztliche Betreuung, ganzheitliche und aktivierende

Pflege

• Sozialbegleitung und Animation, Aktivitäten mit

Demenzkranken und Demenzbetreuung

• Bewegungs- und Psychotherapie

• Singen, Spielen, Literatur- und Malrunde

• Durch Malteser ehrenamtlich organisierte Ausflüge,

gemeinames Feiern der Hl. Messe am Sonntag

• Seelsorgerische Betreuung, Kapelle im Haus

• Saisonale Frischküche mit Menüauswahl, Kaffee, Tee

und Saftbar

• Friseur und Fußpflege

Psychotherapie und Ausbildungsangebote

Psychotherapeutische Betreuung: die psychotherapeutische

Betreuung im Haus Malta wird auch im neuen

Ordenshaus fortgeführt und sowohl für die Bewohner

als auch für die Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Ausbildung:

Für Studierende gibt es die Möglichkeit, im

Zuge ihres Propädeutikums ein einjähriges

Praktikum im Ordenshaus

zu machen. Interessenten wenden

sich bitte direkt an Dr. Dominik

Batthyány, batthyany@gmx.at,

T: +43 676 880 883 91

Palliativbetreuung: Mit Würde

und Nächstenliebe bis zuletzt engagieren

sich die Malteser ehrenamtlich

im Palliativbereich, natürlich

auch im Ordenshaus. Ausbildung:

Auch hier besteht die Möglichkeit,

in Zusammenarbeit mit den Maltesern

eine Palliativausbildung zu

absolvieren. Wenden Sie sich bitte an Dr. Johannes

Mlczoch, mpd@malteser.at, T: +43 664 411 88 69

Im Klostertrakt können die Bewohner eingebettet in

die christlichen Gemeinschaften des Malteserordens

ihren Alltag genießen.

DIE MALTESER 2/2021 7


IMFOKUS

LEBENDIGE FARB- UND LICHTWELTEN

Das neue MALTESER Ordenshaus mitgestalten zu dürfen, ist eine wunderbare Aufgabe! Die richtige Wahl von Farben,

Licht und Formen spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Von Claudia Schober

Der bewusste Einsatz von Farben, Licht und Bildern kann atmosphärisch,

emotional und funktional vieles ermöglichen,

gibt es doch spannende Erkenntnisse darüber, was Menschen

im Alter besonders brauchen, was Pflegekräfte bei ihrer

Arbeit unterstützt, was bei der wichtigen psychosozialen

Betreuung hilft und was allen Freude bereitet! Bestimmte

Farbkombinationen sind geeignet, ältere Menschen zu mobilisieren,

anzuregen oder zu beruhigen. Sie dienen als Leitund

Orientierungsgefüge, das die Menschen einbindet, aktiviert

sowie schützt und attraktive Arbeitsplätze schafft.

Das Besondere des neuen Ordenshauses ist die Verbindung

von Alt und Neu: Zimmer, Aufenthaltsräume und Infrastruktur

im denkmalgeschützten Elisabethinenkloster mit

einer Kapelle aus dem frühen 18. Jahrhundert und angeschlossen

der fünfstöckige Neubau. Für beide Häuser mit

allen Auflagen eines Pflegebetriebes habe ich ein Gesamtkonzept

für Farbe, Licht und Bilder erarbeitet. Die Mitarbeiter

haben mit ihrer Erfahrung dazu beigetragen.

Mit Bildern Freude erzeugen und motivieren

Entscheidend für die Farbwirkung sind Flächengröße,

Reinheit, Intensität sowie die Nachbarfarbe. Speziell berücksichtigt

habe ich die Wahrnehmungsfähigkeit von

Menschen im Alter. So ist das Blickfeld durch eine gebückte

Haltung tiefer und die Aufmerksamkeit daher stärker

auf den Boden gerichtet. Geringe Sehschärfe, verminderte

Kontrastwahrnehmung, erschwertes räumliches Sehen und

stark vermehrter Lichtbedarf bei gleichzeitig erhöhter Blendeempfindlichkeit

können in älteren Menschen Unsicherheit

erzeugen und die Lebensfreude mindern. Menschen

mit Demenz nehmen vermehrt emotional wahr. Sehbehinderungen

bewirken dann oft Überforderung und Stress.

Die gute Nachricht: Alte Menschen erinnern sich an Farben

und reagieren auf gewisse Farben äußerst positiv. Mit den

richtigen Bildern kann man zusätzlich Freude erzeugen, an

Erlebtes erinnern und auch motivieren, zum Aufenthaltsraum,

auf die Terrasse oder in den Garten zu gehen.

Emblem der Hilfswerke des Ordens (weißes Kreuz

auf rotem Schild) als roter Faden

Jedes Stockwerk des neuen Ordenshauses steht unter dem

Schutz eines Heiligen. Entsprechend erhält jedes Stockwerk

im Neubau zusätzlich eine Themenzuordnung – visualisiert

mit Bildern aus Gottes Schöpfung in der Natur. Wände,

Böden und die Einrichtung sind jeweils in einer dualen

Farbwelt gestaltet. Eine motivierende und eine beruhigende

Farbe sorgen für Geborgenheit und Wohlbefinden. Für

eine bessere Orientierung der Bewohner wird eine Seite des

Ganges in der motivierenden Farbe, die gegenüberliegende

Seite in der beruhigenden Farbe gestrichen. So fällt es leichter,

sich die Gehrichtung und den Rückweg zu merken. Ein

transparentes Leitsystem mit dem Logo der Malteser ist der

rote Faden durch die beiden Häuser.

Mein nächster Schritt ist, das passende farbige Outfit für die

Mitarbeiter zusammenzustellen. Ich freue mich jetzt schon

auf den Moment, in dem Bewohner, Mitarbeiter und Besucher

dieses liebevoll gestaltete Haus beleben werden.

8

DIE MALTESER 2/2021


IMFOKUS

EIN GUTER PLATZ ZUM ARBEITEN

Die MALTESER sind Arbeitgeber für viele engagierte Pflegkräfte: Ob stationär oder mobil, ob für Erwachsene oder Kinder – die

Einsatzbereiche sind vielfältig. Hier erzählen Mitarbeiter, warum sie sich für die MALTESER entschieden haben und wieso

sie gerne zur Arbeit gehen.

STECKBRIEF VERONIKA

Tätigkeit: Diplomierte Gesunden- und Krankenpflegeperson Haus Malta/MALTESER

Ordenshaus. Tätig seit: April 2020

Das Besondere an meinem Job: Die freundliche und wertschätzende Atmosphäre. Es

fühlt sich an, wie zu Hause zu arbeiten. Warum Pflege: Ich helfe gerne. Ich wollte schon

als Kind Krankenschwester werden. Warum Malteser: Wir unterstützen uns gegenseitig,

auch außerhalb der Arbeit. Wir sind hier eine Familie und halten zusammen.

STECKBRIEF MIRNA

STECKBRIEF ARMIN

Tätigkeit: MALTESER Kinderhilfe/Hilde Umdasch Haus (HUH). Tätig seit: 2018

Das Besondere an meinem Job: Die Arbeit mit Kindern und deren Angehörigen ist mir besonders

wichtig. Im HUH profitiert man von der interdisziplinären Zusammenarbeit. Auch in

Krisensituationen kann man sich auf jeden Einzelnen verlassen. Warum Pflege: Der Zivildienst

hat mir einen Einblick in den Gesundheitsbereich geboten, woraufhin ich mich entschloss, die

Ausbildung zum Diplomierten Gesundheits- und Krankenpfleger zu machen. Warum Malteser:

Der Beruf ist sehr abwechslungsreich, kein Tag ist wie der andere. Man arbeitet mit sehr vielen

Menschen zusammen und lernt viel voneinander.

Tätigkeit: MALTESER Care/Mobile Pflege, Case & Care Managerin Kinder und Jugendlichen

Pflege. Tätig seit: 2016 Warum Pflege bei Malteser Care: Mir macht

die Arbeit bei Malteser Care viel Freude. In der Betreuung von Kindern und Jugendlichen

bemühen wir uns nicht nur um das Wohl der jungen Menschen, wir stellen

sicher, dass es der ganzen Familie gut geht. Eine zufriedene Familie ist für mich das

schönste Geschenk.

DIE MALTESER 2/2021 9


IMFOKUS

STECKBRIEF ROMANA

Tätigkeit: MALTESER Kinderhilfe/Hilde Umdasch Haus (HUH). Tätig seit: 2015

Das Besondere an meinem Job: Der Kontakt mit Menschen, die ganzheitliche Sicht des

Lebens. Auch die Arbeitszeiten passen gut für mich. Besondere Freude macht mir die Zusammenarbeit

mit anderen Berufsgruppen. Warum Pflege: Mit 16 hat mich der Beruf

schon fasziniert. Ich war an einem Tag der offenen Tür in einer Krankenpflegeschule. Das

Tätigkeitsfeld hat mich sehr angesprochen. Aber erst Anfang 20 habe ich mich für den Beruf

reif genug gefühlt. Warum Malteser: Trotz der unterschiedlichen Persönlichkeiten und

Berufe zählt jede Meinung und wird gehört. Die Zusammenarbeit im Team funktioniert gut.

Viele Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten arbeiten harmonisch zusammen.

STECKBRIEF GABI

Tätigkeit: Heimhilfe Haus Malta/ MALTESER Ordenshaus. Tätig seit: Februar 2010

Das Besondere an meinem Job: Die familiäre Atmosphäre. Warum Pflege: Weil mir

schon immer die Beziehung zu alten Menschen wichtig war und ich leidenschaftlich gerne

helfe und diene. Weil sich durch meine Arbeitskraft keine Konzernbosse bereichern können.

Warum Malteser: Weil wir eine große Familie sind, uns gegenseitig unterstützen,

füreinander da sind und das nicht nur in der Arbeit.

STECKBRIEF INA

Tätigkeit: MALTESER Care/Mobile Pflege Tätig seit: 2020

Das Besondere an meinem Job: Es macht große Freude, mit Menschen zu arbeiten. Zu den

Herausforderungen gehört, dass die Menschen so unterschiedlich und verschieden sind. Damit

muss man umgehen können. Das macht diese Arbeit so umfangreich und man trägt eine sehr

große Verantwortung. Warum Pflege: Mit zwölf Jahren wusste ich schon, dass ich Krankenschwester

werden möchte. Hätten meine Eltern nicht darauf bestanden, dass ich maturiere, hätte

ich schon mit 16 Jahren die Ausbildung zur Krankenschwester begonnen. Warum Malteser:

Man wird bei den Maltesern als Mensch und nicht als Arbeitskraft betrachtet. Außerdem arbeitet

man in einem hoch motivierten Team und nach einem ganzheitlichen Ansatz.

ELTERN AUFGEPASST

AM 11. NOVEMBER 2021 IST „BOYS’ DAY“!

Bei dieser Art von Berufsmesse können Burschen soziale Berufe

kennenlernen und persönliche Gespräche mit Männern

führen, die in diesen Berufen arbeiten. Es wird gezeigt und

erklärt, wie die Arbeit aussieht und warum dringend mehr

Männer in Spitälern, Schulen, Betreuungseinrichtungen für

Kinder und Jugendliche sowie Alten- und Pflegeheimen gebraucht

werden.

Nähere Infos: www.boysday.at/burschen

10

DIE MALTESER 2/2021


KULTURGUT

KULTURGUT

DIE NEUE BEITRAGSREIHE DER MALTESER

„Wenn wir Menschen nicht in die Museen können, kommen die Museen eben zu uns.“

Unter diesem Leitgedanken haben wir für unser Magazin

Die MALTESER“ eine neue Beitragsreihe gestaltet.

Ab sofort wird in jeder Ausgabe ein bekanntes Gemälde

eines oder einer Heiligen vorgestellt mit allerlei spannenden

Informationen zur Entstehung, zur künstlerischen

Darstellungsform oder auch zu Orten, an denen

wir Abbildern dieser Heiligen begegnen.

Die Auswahl der Porträts und Künstler, die in ihren

Werken Geschichte und Religion auf einzigartige Weise

verbinden, treffen unsere beiden kunst- und kulturversierten

Ordensbrüder Professor Richard Mischak und

Professor Wolfgang J. Bandion:

Richard Mischak ist Fachbereichsleiter

an der Fachhochschule

Salzburg. Zuvor war der studierte

Mathematiker mit Doktortitel von

der TU Wien und MBA-Abschluss

von INSEAD Fontainebleau viele

Jahre lang in verschiedenen Ländern

im Bereich Unternehmens-

beratung und Managementconsulting tätig. Seit 2014

kümmert er sich um die Digitalisierung des Bibliotheksbestands

und Schriftenarchivs der Malteser in Österreich.

Unseren Lesern ist er durch seine regelmäßigen

Rezensionen bestens bekannt.

Wolfgang Bandion studierte Geschichte,

Philosophie und Kunstgeschichte

in Wien und Rom. Seit

1969 ist er in der Volksbildung

tätig, publizierte zahlreiche kulturhistorische

Aufsätze und war

lange Zeit als Professor an der Religionspädagogischen

Akademie

der Erzdiözese Wien und der Universität

für angewandte Kunst Wien aktiv. Er ist darüber

hinaus Vorstandsmitglied der Österreichischen Lagergemeinschaft

Mauthausen, österreichischer Delegierter im

Comité International de Mauthausen und Mitglied des

Österreichischen P.E.N.-Clubs. 2011 wurde Bandion vom

Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem mit dem

Verdienstkreuz al merito geehrt.

DER KRISENHELFER

Den Auftakt zur neuen Beitragsreihe “KulturGut“ macht ein Porträt des Hl. Josef – der Krisenhelfer aus Nazareth. Er

übernimmt Verantwortung für das Leben und die Schöpfung und gilt in Zeiten großer Herausforderungen als besondere

Quelle der Inspiration.

Von Richard Mischak

Er hat kaum ein Wort gesagt, er kam in den Nachrichten

seiner Zeit nicht vor, er war bescheiden und gehorsam:

Josef der Nährvater von Jesus. Im Neuen Testament ist

nichts von ihm überliefert, auch sein Tod wird nicht erwähnt

– und doch hat Gott durch Josef von Nazareth

große Dinge getan. Seine Attribute in der künstlerischen

Darstellung sind das Jesuskind auf dem Arm, der

blühende Stab, die Lilie, die Taube und das Winkelmaß.

Schutzpatron der katholischen Kirche

Am 8. Dezember 2020 wurde das „Josefsjahr“ verkündet.

Anlass war der 150. Jahrestag des Dekrets „Quemadmodum

Deus“, mit dem der selige Papst Pius IX

den Hl. Josef zum Schutzpatron der katholischen Kirche

proklamierte. Dazu hat aktuell Papst Franziskus ein

apostolisches Schreiben mit dem Titel „Patris Corde“ (z.

Dt.: „Mit väterlichem Herzen“) verfasst, indem er offizi-

DIE MALTESER 2/2021 11


KULTURGUT

ell ein dem Hl. Josef geweihtes Jahr ausruft. Von Papst

Johannes XXIII. wurde Josef neben der Gottesmutter

Maria zum besonderen Schutzpatron des Zweiten Vatikanischen

Konzils bestimmt.

Vorbild für alle Väter

Der Kirchenvater Hl. Hieronymus geht davon aus, dass

Josef noch vor der Taufe Jesu, also vor seinem öffentlichen

Auftreten, gestorben war. Der Hl. Josef stammt

aus dem Geschlecht Davids und ist als Mann Marias

der soziale Vater Jesu. Er flieht mit der Familie nach

Ägypten und sorgt sich um seinen Ziehsohn. Josef widersteht

Konventionen, ist einer der „Gerechten“ (Mt

1,19). Vielleicht hat er noch andere Kinder. Dazu gibt

es keine gesicherten Belege. Josef glaubt und handelt

scheinbar stumm und klaglos in und aus Liebe zu Maria.

Josefstag auch der Vatertag. Josef gilt hier als Patron

der Ehepaare und Familien, Kinder, Jugendlichen und

Waisen, der Jungfräulichkeit, der Kämpfer gegen den

Kommunismus, der Arbeiter, Handwerker, Zimmerleute,

Holzhauer, Schreiner, Wagner, Totengräber, Ingenieure,

Erzieher, Pioniere, Reisenden und Verbannten, der

Sterbenden, bei Augenleiden, in Versuchungen und Verzweiflung,

bei Wohnungsnot, für einen guten Tod und

als Förderer der Seelen, die sich ihm anempfehlen.

Der Hl. Josef ist in seiner fundamentalen und einzigartigen

Aufgabe als Ehemann Marias und irdischer Vater

Jesu Vorbild für alle Väter. Heute ist er – mehr denn je

– notwendig, denn immer häufiger kommt es zu einer

sozialen Abwesenheit des Vaters. Sie muss durch die Gesellschaft

ersetzt werden.

Alter Mann oder junger, vitaler Handwerker?

Gerade frühe Darstellungen der Christenheit zeigen Josef

als alten Mann mit weißem Bart. Diese Vorstellung

eines betagten Mannes geht auf folgenden Umstand

zurück: Er soll vor seiner Ehe mit Maria schon einmal

verheiratet gewesen sein. Die christliche Ikonographie

macht ihn vor diesem Hintergrund eher zum Großvater

Jesu. Jedoch heiratete ein Mann zu seinen Zeiten gewöhnlich

im Alter von 18 Jahren. Josef konnte durchaus

trotz zweiter Ehe ein junger Mann gewesen sein.

Auffällig ist, dass sich etwa ab dem 17. Jahrhundert das

Bild des Josef auch in der Kunst ändert: jünger, vitaler,

als Handwerker fest zupackend, mit Alltagsszenen der

Heiligen Familie.

Josefstag als Vatertag und Tag der Arbeit

Das Fest „Heiliger Josef, der Arbeiter“, hat Papst Pius

XII. im Jahr 1955 als Gedenktag eingeführt. Es soll Josef

mit dem Tag der Arbeit am 1. Mai in Verbindung bringen.

In Spanien ist, wie in vielen anderen Ländern, der

Hl. Josef – Darstellung aus der Geburtskirche in

Bethlehem

12

DIE MALTESER 2/2021


KULTURGUT

Der Heilige Josef

interpretiert von Wolfgang J. Bandion

Die „Heilige Familie mit einem Engel“ von Albrecht

Altdorfer aus dem Jahr 1515 zeigt die Gottesmutter

mit dem gesegneten Jesuskind. Das

Bild irritiert zunächst durch die flankierenden

irdischen Menschenbilder. Links die gedrungene

ältere Gestalt des Heiligen Josef, dem Typ des

Zimmermanns näher als dem Nährvater Jesu.

Rechts als Diakon erkennbar, ein junger Mann

mit fliehendem Kinn. Die Ideale von Schönheit

und Ausgewogenheit der Proportionen, wie sie

Antike und Renaissance verstanden, zeigen sich in

der Darstellung Jesu. Der außerirdische Glanz der

Krone Mariens verweist auf ihre besondere Auserwähltheit.

Fruchtfestons geben dem Bild eine Einfassung.

Die Kunst der Donauschule überrascht

immer wieder durch ihre gewollte Ambivalenz von

Realitätsferne und -nähe, von Mensch und Natur.

Im Heiligen Josef werden sich viele Betrachter

wiedererkennen. Er ist ganz Mensch und staunende

Zuneigung zugleich.

Kunsthistorisches Museum, Wien

GRATIS, aber leider nicht kostenlos.

Liebe Leserinnen und Leser,

Die MALTESER“ ist traditionell gratis und soll es auch bleiben.

Denn es ist uns ein Anliegen, Sie über unsere Arbeit umfassend

zu informieren. Doch die Produktion und der Versand

sind leider nicht kostenlos. Bitte unterstützen Sie uns.

Die

MALTESER

Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden und seine Werke in Österreich

Ausgabe 1/2021

Konto lautend auf MALTESER Austria

Verwendungszweck: „Zeitung

IBAN: AT65 2011 1800 8087 0800

Falls Sie, Ihre Freunde oder Ihre Familie über unsere Arbeit

informiert werden wollen, senden wir Ihnen die Zeitung gerne

regelmäßig zu. Scheiben Sie einfach an: presse@malteser.at

Spenden an MALTESER Austria sind von der Steuer absetzbar!

Ein Recht auf den Tod?

Klinische Ethikberatung

Wie die Väter, so die Söhne

DIE MALTESER 2/2021 13

MalteserZeitung 1_21 ok.indd 1 04.03.21 17:29


RELIGIONAKTUELL

Erinnerungen aus dem Jahr 2019

HEILIGE MESSE VIA FACEBOOK

März 2020: Die Anzeichen für einen Lockdown verdichten sich. Für zwei bis drei Wochen wird die

Welt den Atem anhalten. Auch alle öffentlichen Gottesdienste sollen ausgesetzt werden. Ein gewichtiger

Grund, aus der Not eine Tugend zu machen und kreativ zu denken.

Von Clemens Grill

Wir alle erinnern uns an diese Situation im März 2020: Wir

waren sprachlos. Es war für die Allermeisten von uns das erste

Mal überhaupt, dass so etwas eingetreten ist. Auch für mich

und alle anderen Pfarrer war es gänzlich neu: Heilige Messen

dürfen zwar gefeiert werden, allerdings unter Ausschluss

der Öffentlichkeit. Doch ist es nicht gerade das gemeinsame

Feiern, das unser kirchliches Leben so prägt? Ist nicht das

Wort Communio etwas ganz Wesentliches für unser Selbstverständnis

als Christen, besonders als Katholiken?

Mit dem Brustton der Überzeugung habe ich mir und

vor allem vielen anderen gesagt: Ab Montag, den 16.

März, übertrage ich die heilige Messe täglich über Facebook.

Ehrlich gestanden hatte ich zu dem Zeitpunkt

noch keine Ahnung, wie das anzustellen ist. Ich hatte

weder Kamera noch Mikrofone, noch sonst eine technische

Ausrüstung. Nach ein paar Anrufen bei technikaffinen

Menschen war es mir schnell klar: Es ist keine

Hexerei, du schaffst das schon! Das Handy war die Kamera,

ein ausgeborgtes Mikrofon sorgte für den Ton,

mein Internetwürfel hat in der Kirche seinen Platz gefunden

– und los ging‘s.

Eine ungeahnt große Gemeinde

Die Erfahrung nach der ersten gestreamten Messe war:

In zwölf Priesterjahren hatte ich noch nie an einem Wochentag

eine derart große Gemeinde – verstreut über

ganz Österreich und darüber hinaus. Anschließend

das Reflektieren, das Sprechen darüber. Für mich war

es spannend und herausfordernd, mit einer Kamera –

meinem Handy – die Messe zu feiern. Dass hinter der

Kamera viele Menschen waren, die mitgefeiert haben,

wurde mir erst im Laufe der nächsten Tage bewusst.

Auf die erste Messe folgte die zweite, die dritte und, wie

wir wissen, noch viele weitere. Die Reaktionen auf die

Messen waren äußerst positiv. Viele Menschen haben

mich über alle möglichen Kanäle kontaktiert, mit einigen

bin ich heute noch in virtuellem Kontakt.

Virtuelle Seelsorge

Als der erste Sonntag kam, stand die Frage nach der musikalischen

Begleitung im Raum. Drei geistliche Schwestern

in einer meiner Pfarren haben mit mir live mitgefeiert,

eine der Schwestern hat die Orgel gespielt. Schnell

wurde uns bewusst: Die Situation wird sich so schnell

nicht ändern. Dies war vor allem schmerzhaft, weil Ostern

– das Fest aller Feste – bald vor der Tür stand. Die

Teilnehmeranzahl wurde auf fünf erhöht, dabei sind es

am Palmsonntag meistens mehr als hundert mal so vie-

14

DIE MALTESER 2/2021


RELIGIONAKTUELL

DAS WORT GOTTES BEREITS IN 704

SPRACHEN ÜBERSETZT

Die komplette Bibel kann erstmals in über 700 Sprachen gelesen werden. Damit haben nun mehr als 7,5 Milliarden

Menschen weltweit Zugang zum Wort Gottes.

Das ist das Ergebnis einer jüngst veröffentlichten Statistik

des Weltbundes der Bibelgesellschaften zur Bibelübersetzung.

Mindestens ein Buch der Bibel ist in 3.435

Sprachen übersetzt. Das Neue Testament kann bereits

le! Trotzdem haben wir Ostern gefeiert, die drei

Schwestern, mein Kaplan und ich: „Wo zwei oder

drei in meinem Namen versammelt sind, da bin

ich mitten unter ihnen!“

Nach diesem Jesuswort waren wir physisch nicht

viele mehr. Virtuell waren wir jedoch eine stattliche

Gemeinde: Das steirische Liesingtal hatte trotz

der Konkurrenz von ORF, Servus TV, Missio, St.

Rochus sowie den diversen Stiften und anderen

Pfarren einen ordentlichen Gottesdienstbesuch

– mehr als sonst zu Ostern. Auch aus der großen

Malteserfamilie hatten wir etliche Mitfeiernde.

Viele der Reaktionen haben mir Mut gemacht und

mir gezeigt, dass meine „Internet“-Ansage von

Mitte März goldrichtig war. Einige Nachrichten haben

mich auch zum Schmunzeln angeregt: „Es war

so gemütlich, mit dir Messe zu feiern. Stell dir vor:

Wir haben währenddessen gebruncht, danke für

die Predigt übrigens.“

Ebenso wichtig wie die virtuelle Seelsorge war das

analoge Handeln vor Ort, also in meinen Pfarren.

Bei meinen täglichen ausgedehnten Spaziergängen

bin ich sehr vielen begegnet und konnte mit Menschen

ins Gespräch kommen, die ich sonst nie bei

irgendwelchen kirchlichen Veranstaltungen, von

Gottesdiensten ganz abgesehen, angetroffen hätte.

Dankbar, dass ich durch alle langen Monate dieser

Pandemie gut durchgekommen bin, stelle ich fest: Es

geht auch im Internet. Viel schöner ist es jedoch live

vor Ort mit der physischen Präsenz vieler Menschen.

in 1.571 Sprachen gelesen werden. Insgesamt gibt es rund 7.360

Sprachen auf der ganzen Welt. Damit liegen für knapp 4.000 Sprachen

bisher keine Übersetzung eines biblischen Buches vor. Geht

es nach dem Wunsch des Weltbundes der Bibelgesellschaften, sollen

daher in den nächsten 20 Jahren Übersetzungsprojekte in weiteren

1.200 Sprachen realisiert werden.

66 neue Übersetzungsprojekte

Ein kleiner Meilenstein zu diesem ambitionierten Ziel wurde 2020

erreicht. Im vergangenen Jahr konnten – trotz der Einschränkungen

durch die COVID-19-Pandemie – 66 neue Übersetzungsprojekte

finalisiert werden. Damit sind diese Texte weiteren 707 Millionen

Menschen zugänglich. Die Übersetzungsprojekte umfassten

einzelne biblische Bücher, Ausgaben des Neuen Testaments sowie

Gesamtausgaben der Bibel. Darunter finden sich Neuübersetzungen

und Überarbeitungen vorhandener Ausgaben ebenso

wie Sprachen mit einer Erstübersetzung der Bibel. So wurde das

Neue Testament in der indigenen Sprache Hano des Inselstaates

Vanuatu (Ozeanien) fertiggestellt. Ebenso konnte die komplette

Bibel erstmals in Dagaare herausgegeben werden, einer westafrikanischen

Sprache mit insgesamt über einer Million Sprechern in

Ghana und Burkina Faso.

Mit Gottes Hilfe durch die Krise

„Mit dem Blick auf zwei Jahrhunderte bibelgesellschaftlichen

Wirkens und 75 Jahre gemeinsamen Arbeitens im Weltbund der

Bibelgesellschaften danken wir Gott für seinen Segen, den er unserer

Mission zuteilwerden lässt, allen Menschen die Bibel zur Verfügung

zu stellen“, so Michael Perreau, Generaldirektor des Weltbundes

der Bibelgesellschaften. „Jede Übersetzung, die fertiggestellt

wird, ermöglicht mehr Menschen den Zugang zu Gottes Wort.“

Das sei gerade jetzt in der weltweiten Krise besonders wichtig, so

Perreau.

*Der Text durfte mit freundlicher Genehmigung des Referats für

Bibelpastoral der Erzdiözese Wien leicht modifiziert und gekürzt

wiedergegeben werden.

DIE MALTESER 2/2021 15


LEBENSWERT

ANNA – EIN BESONDERES KIND MIT

EINEM BESONDEREN LÄCHELN

Für manche Eltern ist Down-Syndrom eine niederschmetternde Diagnose. Für andere ist sie ein Geschenk, das uns alle daran

erinnert, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Von Peter und Pia Seilern

Marie Czernin hatte uns im Jahr 2012 angerufen und gefragt,

ob wir bereit wären, unsere Tochter Anna im Magazin

Die MALTESER“ vorzustellen. Anna war damals

gerade einmal eineinhalb Jahre jung und sollte in der

Ausgabe 02/2012 allen Leserinnen und Lesern zeigen,

dass auch dieses zarte Wesen mit Down-Syndrom ein

Ebenbild Gottes und somit lebenswert ist.

Nach gut neun Jahren darf sich Anna erneut der geneigten

Leserschaft zuwenden und ihre Eltern, Pia und

Peter, dürfen ein wenig über ihre Erlebnisse mit Anna

erzählen: Anna wurde Anfang März zehn Jahre alt. Sie

ist ein wunderbares Mädchen, liebt Musik über alles

und tanzt leidenschaftlich gerne, sodass einem schon

beim Zusehen schwindlig wird, wenn sie ihre Pirouetten

dreht. Meistens kann sie sich sehr gut alleine beschäftigen,

vor allem mit Spielsachen, die Musik oder Geräusche

machen oder etwas sagen. Mit ihrem Charme

wickelt sie neben ihrer Familie auch ihre Lehrerinnen,

Therapeuten, Freunde und alle anderen um den Finger.

Viel Zeit und Geld für gute Betreuung

Bei Annas Geburt wurde auch ein Herzfehler diagnos-

tiziert, der bereits eine Operation erforderte. Gottlob

blieb Anna bis heute ein weiterer Eingriff erspart. Dennoch

wird ihr Herz bis heute regelmäßig von einem Kardiologen

untersucht. Die Krankenkassa trägt einen Teil

der Kosten für die laufenden und regelmäßigen Therapien.

Das ist natürlich eine große Erleichterung. Dennoch

wenden wir viel Zeit und Geld auf, um unsere Tochter

möglichst gut betreut zu wissen.

Die Arztbesuche, die Therapien und manchmal auch ungeplante

Klinikaufenthalte sind Begleiterscheinungen

im Leben mit einem besonderen Kind. Da Anna manchmal

der Meinung ist, sie brauche nicht zu trinken, kam

es schon einige Male vor, dass sie wegen Dehydrierung in

die Klinik aufgenommen werden musste. Eine Esslernschule

in Graz war sehr hilfreich und zeigte Anna, wie

sie sich mit unserer Unterstützung besser und gesünder

ernähren kann.

Großzügige Hilfe der MALTESER

Segensreich war hier die Unterstützung des Malteserordens,

der sich bereit erklärt hatte, die Kosten für diese

Therapie zu übernehmen. Vorangegangen war ein Ein-

16

DIE MALTESER 2/2021


LELEBENSWERT

kehrwochenende im Stift Admont, wo sich für Peter die

Gelegenheit ergeben hatte, mit Ordensbruder Kommerzialrat

Martin Auer-Arland ins Gespräch zu kommen und

von Anna und ihren Besonderheiten und Bedürfnissen

zu erzählen. Dies hatte im Sinne der Hilfe für die Herren

Kranken dazu geführt, dass weitere Ordensbrüder ihre

Unterstützung zusagten.

Namentlich darf ich hier den Prokurator des Großpriorats,

Norbert Salburg-Falkenstein, den Kanzler des

Großpriorats, Dipl. Ing. Richard Freiherr von Steeb, sowie

Heinrich Freiherr von Steeb nennen. Ihnen allen gebührt

ausdrücklicher und herzlicher Dank. Ebenso war

es ein schönes Erlebnis, in Gemeinschaft mit Personen

des Alten- und Pflegeheimes bei einem Mittagessen in

den Räumen der Steirischen Malteser zu Gast sein zu

dürfen.

Ein fröhliches Schulkind

Anna ging gerne in den Kindergarten und geht jetzt

schon das vierte Jahr in die Schule. Sie besucht die

Sonderschule, da diese für sie gut geeignet ist – kleine

Klasse, intensive Betreuung. Ihre Mitschüler sind

ganz unterschiedlichen Alters. Die Spanne reicht von

sieben bis 16 Jahre. Bei Anna wurde neben dem Down-

Syndrom auch Autismus diagnostiziert, sodass sie in einer

solchen Klasse besser aufgehoben ist. Auch gibt es

im ländlichen Niederösterreich nicht so viele passende

Schulen zur Auswahl. Viele Kinder mit Down-Syndrom

besuchen allgemein die Volksschule und gehen danach

in entsprechende weiterführende Schulen. Da Anna

aber – im Unterschied zu vielen anderen Kindern mit

Down-Syndrom – noch nicht spricht und da auch ihre

sonstige Entwicklung verzögert ist, ist für sie die Sonderschule

geeigneter.

Anna besucht neben der Schule regelmäßig Therapien

und Fördereinheiten. Leider muss davon einiges privat

finanziert werden. Auch muss einiges an Fahrtweg

und Fahrzeit in Kauf genommen werden, denn in unserer

unmittelbaren Wohngegend gibt es kaum Möglichkeiten

für Therapien oder Förderkurse. Auch ist es

sehr unterschiedlich, wie viel und für welche speziellen

Herausforderungen die betreuten Kinder Therapien benötigen.

Jede Familie muss hier die für sie geeigneten

Förderungen finden. Neben der Herzoperation als Baby

hatte Anna im Alter von sechs Jahren einen Eingriff an

beiden Hüftgelenken. Unter diesen Umständen tun ihr

eine Hippotherapie und die Bewegung auf einem Therapiefahrrad

sehr gut.

Zeitreise mit eigenen Gesetzen

Das Spektrum bei Menschen mit Down-Syndrom ist

breit. Viele führen ein relativ selbstständiges Leben

und könnten auch auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß

fassen. Doch dazu bräuchte es mehr Arbeitgeber, die

sich darauf einlassen und Menschen mit Down-Syndrom

Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Möglicherweise

wird Anna einmal eine große Musikerin oder

Tänzerin.

Wir lernen über Anna viele Menschen kennen, die wir

sonst nie getroffen hätten. In Wien und Umgebung

gibt es Spielgruppentreffen für Kinder mit Down-

Syndrom und ihre Familien. Neben dem Spaß für die

Kinder können sich hier auch die Eltern austauschen.

Dieses Miteinander ist wichtig, denn das Leben mit

Anna ist wie eine Zeitreise mit ganz eigenen Gesetzen.

Auch wenn Anna uns viel abverlangt an Aufmerksamkeit

und Betreuung, so lässt ihre Lebensweise so manches

in anderem Licht erscheinen. Scheinbar wichtige

Dinge werden zur Nebensache, die hektische Zeit wird

entschleunigt und ihr meist frohes Gemüt lässt einen

den Ärger des Alltags oft vergessen. Dazu kommt die

Gewissheit, von Gott getragen zu sein und in ihrer Person

Jesus zu begegnen.

Ein ziemlich normales Leben

Auch heute gilt noch das, was Pia schon 2012 gesagt

hatte: Wir wollen über das Morgen nicht allzu viel nachdenken.

Wir können alles nur Schritt für Schritt machen.

Wenn man sich einmal auf solch ein besonderes Kind

eingestellt hat, dann stellt man fest, dass wir eigentlich

ein ziemlich normales Leben führen.

DIE MALTESER 2/2021 17


LEBENSWERT

LASSEN WIR UNSERE

STERBENDEN NICHT ALLEIN!

Das Leben kann in allen Phasen ein großes Geschenk sein. Unabänderlich muss aber jeder von uns

auch einmal sterben. Für die MALTESER hat dabei die Würde des Menschen höchste Priorität –

gerade auf der letzten Wegstrecke, die wir selbst gehen oder auf der wir andere begleiten.

Wir stehen derzeit vor großen gesetzlichen Veränderungen,

die ältere und kranke Menschen künftig noch stärker

unter Druck setzen könnten, als es derzeit ohnehin

der Fall ist. Gerade weil wir wissen, dass Menschen heute

mehr denn je Hilfe und Beistand beim Sterben brauchen,

wollen wir Sterbende nicht allein lassen, sondern sie bewusst

beim Sterben begleiten. Vermutlich wäre es besser,

hier von Lebenshilfe als von Sterbehilfe zu sprechen.

UNTERSTÜTZUNG DURCH DIE MALTESER

Von Dr. Korbinian Birnbacher OSB

Wir fordern deshalb allerhöchste Achtsamkeit bei dieser

ebenso komplexen wie sensiblen Thematik und hoffen, dass

sowohl Suizidprävention als auch Hospiz- und Palliativbetreuung,

wo wir durch unser Engagement wertvolle Erfahrungen

einbringen können, ausgebaut werden. Kein sterbender

Mensch darf vereinsamen und sich überflüssig oder

nutzlos vorkommen. Wir treten als Malteser dafür ein, dass

nach einem beachtenswerten Vermächtniswort von Kardinal

Franz König, niemand durch die Hand, aber ein jeder an

der Hand eines Menschen sterben darf und soll.

Ehrlichkeit und Liebe

Persönlich bin ich nie glücklicheren Menschen begegnet

als jenen, die ich beim Sterben begleiten durfte. Mit großen,

gütigen und dankbaren Augen haben sie mich an-

Der Palliativdienst sowie die Besuchs-, Kranken- und Pflegedienste der Malteser sehen es als ursächliche Aufgabe

ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit an, Lebensqualität zu vermitteln und gegen Einsamkeit und Depression anzukämpfen.

Sie gewährleisten eine gute medizinische Versorgung durch mobile Pflege – wie etwa bei Malteser Care – oder

durch stationäre Betreuung und Pflege im Malteser Ordenshaus sowie bei der Malteser Kinderhilfe. In diesen

Einrichtungen arbeitet das professionelle Pflegepersonal mit erfahrenen Psychologen, Therapeuten und Ärzten zusammen,

um das ideale Maß an medizinischer Versorgung, Schmerztherapie, Gemeinschaft, Pflege und Förderung

anbieten zu können und auch in schwierigen Situationen Lebensfreude zu ermöglichen beziehungsweise auf dem

letzten Weg würdevoll und einfühlsam zu begleiten.

18

DIE MALTESER 2/2021


LEBENSWERT

SORGSAMER UMGANG MIT DEM

THEMA STERBEHILFE

Vor wenigen Wochen hat auf Einladung des Justizministeriums

das Dialogforum Sterbehilfe stattgefunden.

gelächelt – in vollem Bewusstsein, dass jetzt etwas kommen

wird, was sie in dieser Einmaligkeit noch nie zuvor

erfahren haben. Dankbar für jede Form von Anteilnahme

an ihrem Leben, legten sie mir eine Art ungeschminkte

Lebensbilanz vor und wollten wenigstens am Ende ihres

Lebens ein Stück Ehrlichkeit und Liebe erfahren dürfen.

Auch wenn ihnen klar war, dass das Leben nun unweigerlich

zu Ende ging, waren sie dankbar für das Leben, so wie

es ihnen geschenkt wurde. Sie waren jetzt einfach neugierig

auf das, was nun kommen wird. Angst hatten sie nur,

wenn sie allein und verlassen waren, wenn keiner sich

mehr um sie kümmerte und niemand mehr an sie dachte.

Verbittert waren sie nur, wenn ihnen schmerzlich bewusst

wurde, dass man lediglich hinter ihrem materiellen Erbe

her war. Nur völlig hilflose, vereinsamte und verzweifelte

Menschen suchen einen Ausweg durch Selbsttötung.

Ich kann nur appellieren: Lassen wir bitte unsere Sterbenden

nicht allein! Tun wir alles, damit niemand aus Verzweiflung

nur noch im Suizid einen letzten (Er-)Lösungsweg

sieht. Tun wir alles, dass Menschen in Österreich auch

künftig menschenwürdig leben und sterben können!

Vertreter aus Medizin, Pflege, Hilfs- und Sozialeinrichtungen,

Wissenschaft, Verfassungsdienst, dem Sozialministerium

sowie der Religionsgemeinschaften nahmen

an diesem Dialogforum teil, um eine gesetzliche Neuregelung

der passiven Sterbehilfe zu diskutieren.

„Mit der Gesetzesänderung geht die Gefahr einher, dass

Menschen, die beispielsweise Pflege und Hilfe benötigen,

sich als Last oder Belastung für andere empfinden und ihr

Leben beenden möchten. Der Beschluss des Verfassungsgerichtshofes

ist zu akzeptieren und trotzdem ist klar:

Jedes Menschenleben ist lebenswert und wertvoll. Die

Würde eines Menschen ist unantastbar. Und das muss so

bleiben“, so Erzabt Korbinian Birnbacher OSB, Vorsitzender

der Österreichischen Ordenskonferenz.

Prävention und Betreuung

Um den Prozess der Gesetzesänderung gut zu begleiten,

fordern die Ordensgemeinschaften Österreich einerseits

die Suizidprävention auszubauen und andererseits die

Hospiz- und Palliativbetreuung abzusichern. Geht es

doch im Grunde darum, den Menschen in herausfordernden

und schwierigen Zeiten Orientierung und Sicherheit

zu geben. Es braucht in diesen Lebenssituationen ausreichend

Raum und Zeit für Gespräche und die vorhandenen

Strukturen und Einrichtungen, die Hilfe leisten und

Halt geben.

INDIVIDUELLE PFLEGE

UND BETREUUNG

IM EIGENEN ZUHAUSE

MALTESER Care ist seit vielen Jahren als kompetenter

Partner für Familien in ganz Österreich tätig. Wir

bieten bestmögliche Pflege- und Betreuungsleistungen

zu Hause an. Unsere diplomierten Gesundheits- und

Krankenpflegepersonen beraten Sie gerne.

Details zu unseren Leistungen unter

+43 1 361 97 88 • office@malteser.care

www.malteser.care

DIE MALTESER 2/2021 19


MALTESERÖSTERREICH

EINE GELUNGENE

PREMIERE

Im Februar 2021 fand mit großem Erfolg erstmals das

Wahlfach für Notfallkompetenz und Arzneimittellehre

(NKA) an der Medizinischen Universität Wien statt, organisiert

von den Vienna Premedics, den Maltesern sowie

der Universitätsklinik für Notfallmedizin.

NEU IN WIEN: ERSTE HILFE AM KIND

Ab sofort bieten die MALTESER in Wien Erste-Hilfe-Kurse für die Versorgung von Kindern in Notfällen an. Der erste Kurs

ist bereits erfolgreich über die Bühne gegangen.

Von Antonia Franckenstein

Die Teilnehmer des Kurses „Erste Hilfe am Kind“ lernen,

was im Notfall zu tun ist, wenn ein Kind oder Säugling

Hilfe benötigt. Ein Kind ist nicht einfach ein „kleiner

Erwachsener“. Es reagiert im Notfall anders. Der neue

Kurs der Malteser ist speziell darauf abgestimmt, die

wichtigsten Lerninhalte zu Kindernotfällen zu vermitteln.

Er richtet sich insbesondere an Eltern, Großeltern,

Babysitter, werdende Mütter und Väter sowie Personen,

die im Arbeitsumfeld viel mit Kindern zu tun haben. Im

Rahmen von praktischen Übungen gewinnen die Teilnehmer

Sicherheit, um im Notfall fachgerecht helfen zu

können.

Kontakt und Anmeldung: www.malteser.at

Die Kursinhalte im Überblick:

• Grundlagen der Ersten Hilfe, erweiterte Erste Hilfe

• Notfallcheck am Säugling/Kind

• Herz-Lungen-Wiederbelebung am Säugling/Kind

nach den neuesten ERC-Guidelines

• Umgang mit dem halbautomatischen Defibrillator

• Erkrankungen und Notfälle des Kindes, Unfallverhütung

• Maßnahmen bei plötzlichen Erkrankungen, Atemwegsverlegungen

und Vergiftungen

• Versorgung von Wunden sowie Knochen- und Gelenksverletzungen

20

DIE MALTESER 2/2021


MALTESERÖSTERREICH

Malteser Kinderprogramm: Beim Projekt „Zorrom

Chavore“ gestalten Malteser einen Nachmittag für

Kinder aus Romafamilien. Auch diesmal standen

Zeichnen, Malen und Ballspielen im Freien auf dem

Programm. Jeder Einwurf, jeder Eckball wurde beim

Fußball zu einem sportlichen Highlight. Auch beim

Frisbee- und Ballspielen wurde gehüpft, gelaufen und

gesprungen – über alle Sprachbarrieren hinweg.

NEUES AUS DEM BEREICH

STEIERMARK

Malteser testen ehrenamtlich: Hohen Besuch

aus der Politik bekam die Antigen Teststraße

für Mitarbeiter der Wirtschaftskammer Steiermark

unter anderem vom Landeshauptmann der

Steiermark, Hermann Schützenhofer, sowie der

Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort,

Margarete Schramböck.

Sanitäter kochen: Der Rettungsdienst verlangt laufenden

Einsatz und viel Energie. Deshalb haben engagierte Malteser

beschlossen, für die jeweiligen diensthabenden Sanitäter vom

Roten Kreuz sowie der Maltesern zu kochen. Jetzt macht die Arbeit

allen gleich doppelt Freude!

Valentinstag: Ein Anlass, den von den Maltesern

betreuten Menschen Kärtchen zu schreiben, um

zu sagen: „Schön, dass es Dich gibt!“

DIE MALTESER 2/2021 21


MALTESERÖSTERREICH

Impfen im Haus Malta: Bewohner und Mitarbeiter sowie die im Haus Malta aktiven Ehrenamtlichen werden geimpft.

Malteser leisten dabei ehrenamtlich Impfdienst – gemeinsam helfen für die Sicherheit der Bewohner!

Impfdienst im Austria Center: In Zusammenarbeit mit der Berufsrettung

Wien, dem Samariterbund Wien, der Johanniter Unfallhilfe und dem Roten

Kreuz helfen die Malteser in der COVID-19-Impfstraße im Austria Center Vienna.

Testen vor dem Einsatz: Vor

dem Einsatz ist auch für die

Malteser Rettungsteams testen

angesagt.

NEUES AUS DEM BEREICH

WIEN

Wings for Life Run 2021: Die Malteser waren wieder dabei! Mit dem Startgeld

und den Spenden wird die Rückenmarksforschung unterstützt. Die Heilung von

Querschnittlähmung ist das Ziel! Laufend helfen, dort wo Not ist.

Spätestens im Herbst geht es weiter mit dem 5. Kinderhilfelauf:

Laufevent zugunsten der MALTESER Kinderhilfe am 3.10.2021 in

Amstetten, der Virtuell Run kann von 30.09-03.10 gelaufen werden.

www.kinderhilfelauf.at

22 DIE MALTESER 2/2021 4/2020


MALTESERÖSTERREICH

Im Einsatz für einen kleinen Patienten: Ein ehrenamtliches Krankentransportteam der Malteser hat einen

kleinen Patienten aus einem Wiener Krankenhaus zur MALTESER Kinderhilfe im Hilde Umdasch Haus geführt. Auf

der Fahrt von Wien nach Amstetten hat der kleine Patient die Herzen des Teams im Sturm erobert.

NEUES AUS DEM BEREICH

WIEN

Wir haben Zuwachs bekommen: Der Bereich Wien hat nun insgesamt

sechs neue ehrenamtliche Rettungssanitäterinnen dazugewonnen! Nach

erfolgreichem Abschluss der Ausbildung können sie nun den Malteser Rettungsdienst

unterstützen! Danke für die Bereitschaft zur Fortbildung und

für das ehrenamtliche Engagement!

MALTESER Rettungsteam im Einsatz

DIE MALTESER 2/2021 23


Vor dem Dienstantritt: Fahrzeugcheck und danach zum stillen Gebet in den Dom zu St. Jakob

Der Tiroler Rettungsdienst in Zahlen: Zum Rettungsdienst gehören unter Führung des Roten Kreuzes der

Samariterbund Tirol, die Johanniter Unfallhilfe, die Malteser und der Österreichische Rettungsdienst. In Tirol werden

pro Jahr rund 133.000 und am Tag etwa 364 Einsätze von 226 Rettungs- und 13 Notarztfahrzeugen bewältigt.

Insgesamt konnten im Jahr 2019 356.000 Einsätze im Rettungsdienst und Krankentransport verzeichnet werden.

Die rund 2800 Freiwilligen im Rettungsdienst Tirol leisten pro Jahr etwa 501.000 Stunden.

NEUES AUS DEM BEREICH

TIROL/VORARLBERG

Schutzausrüstung für den Rettungsdienst: Schon seit über einem Jahr gehören aufgrund der Covid-19-Pandemie

erhöhte Hygienemaßnahmen zum Alltag unserer Sanitäter im Rettungsdienst. Nach einer Antigentestung der Mannschaft

vor Dienstbeginn wird das Fahrzeug und das Material gründlich durchgecheckt. Im Dienst schützen sich die

Sanitäter stets mit FFP2-Masken und bei Covid-19-Verdachtsfällen auch mit Schutzanzügen. Daneben wird das Fahrzeug

regelmäßig desinfiziert und durchgelüftet.

Einkaufsdienste: Wo Hilfe gebraucht

wird, sind die Malteser

zur Stelle.

Malteser Frühlings-Fahrradbotendienst:

Danke den Gärtnereien für die Spende! So erhielten

die von den Malteser betreuten Personen

einen persönlichen Frühlingsgruß.

Apothekeninventur:

Muss auch sein.

24

DIE MALTESER 2/2021


Heilige Messe: Gemeinsam mit den in Tirol Betreuten die Hl. Messe zu feiern, ist in der Pandemie leider nur in

einem sehr kleinen Kreis möglich.

Ostergräber in Innsbruck: Nach zwei Jahren war es heuer wieder möglich, mit negativem Corona-Test und allerlei

Vorsichtsmaßnahmen in Zweier- und Dreiergruppen einige Ostergräber in Innsbruck zu besuchen. Für alle eine

große Freude, besonders im Hinblick auf die Auferstehung unseres Herrn.

NEUES AUS DEM BEREICH

TIROL/VORARLBERG

Muttertag: Ausflug zu einer Wallfahrtskirche mit Betreuten. Der Pandemie

geschuldet finden Ausflüge heuer in Kleingruppen statt. Der erste ging nach

Locherbaden mit Gebet, wunderbarem Wetter und bester Laune!

Die Malteser gratulieren Loni P.

recht herzlich zu ihrem 100. Geburtstag

und wünschen viel Gesundheit!

Nach dem Foto wurde

auf der Innpromenade angestoßen

und der Bürgermeister von

Rum machte seine Aufwartung mit

einem musikalisch untermalten

Geburtstagsständchen.

DIE MALTESER 2/2021 25


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER Bruckfahrdienst: Freitags werden Kinder mit Beeinträchtigung aus der Wochenbetreuung in Bruck an

der Großglocknerstraße abgeholt und zu ihren Familien nach Hause geführt, wo sie dann am Sonntag wieder abgeholt

werden. Damit es auf der Fahrt nicht langweilig wird, werden unsere Einmalhandschuhe auch gerne einmal in

Ballontiere verwandelt.

NEUES AUS DEM BEREICH

SALZBURG

Spiritualität gemeinsam leben: Monatsmessen

wie beispielsweise in der St. Michaels-

Kirche oder wie anlässlich des Weltkrankentags

in der Kajetankirche finden regelmäßig

statt. Natürlich unter Einhaltung aller Sicherheitsvorkehrungen

im Zusammenhang mit

der Covid-19-Pandemie.

Erste-Hilfe-Fortbildung: Die regelmäßige

Fortbildung für den Notfall ist auch den Salzburger

Ordensmitgliedern sehr wichtig.

26 DIE MALTESER 4/2020


NEUES AUS DEM BEREICH

SALZBURG

Vinzibus: Jeden ersten Mittwoch im Monat verteilen die Malteser

in der Nähe vom Schloss Mirabell belegte Brote und Obst an Obdachlose.

Besuchsdienst: Das Frühlingswetter macht Besuchsdienste bei den von

den Maltesern Betreuten im Freien möglich. Ein wahrer Grund zur Freude!

NEUES AUS DEM BEREICH

BURGENLAND

MALTESER Kochteam in Notschlafstelle: Ein etablierter regelmäßiger Dienst, der allen große Freude macht

und auch ein kulinarisches Highlight ist.

HAUS MALTA/MALTESER ORDENSHAUS

Feiern: Während des Lockdowns gab es natürlich nur wenig Besucher, dafür aber gemeinsame Feiern, wie zu St. Patrick.

DIE MALTESER 4/2020

27


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER KINDERHILFE

EIN STÜCK LEBENSFREUDE SCHENKEN

Ob Fasching, Ostern, ein abwechslungsreicher Spaziergang oder bunter Nachmittag im Garten – bei der MALTESER

Kinderhilfe im Hilde Umdasch Haus, kurz HUH, ist immer etwas los! Das Haus ist für ganz besondere Kinder und Jugendliche

eingerichtet, die spezielle Pflege, Therapie und Förderung benötigen. Die positive und familiäre Atmosphäre im Haus

ist deutlich spürbar. Das ist dem Team der MALTESER Kinderhilfe, den Sponsoren und Unterstützern, den Familien und vielen

ehrenamtlichen Helfern zu verdanken. Hier ein kleiner Rundblick mit schönen Momenten und berührenden Einblicken.

Von Katharina Stögner

Hurra, hurra! Der Fasching im HUH ist da!

Der Faschingsdienstag war auch im HUH der Höhepunkt der närrischen Zeit: Unsere „Glücksbärlis“ gestalteten mit

den Kindern einen Tag des Feierns und Singens. Die gemeinsame Jause am Nachmittag schmeckte in dieser fröhlichen

Runde besonders gut. Unsere Hausmutter, Praktikanten und Pädagogen hatten dafür eine bunte Vielfalt an

köstlichen Leckereien hergerichtet. Kein Wunder, dass die Kinder nach diesem wunderbaren Tag so richtig müde ins

Bett fielen. Gute Nacht, schlaft gut!

Gut für dich, gut für mich

Ein wohltuendes und gleichzeitig lehrreiches Bewegungserlebnis hatten die Mitarbeiter des HUH im Rahmen eines

Kinästhetik-Workshops. Sie wurden von Kollegen über die gesundheitsfördernden Aspekte der Kinästhetik und deren

Einsatz in der Pflege unterrichtet. Dabei lernten die Pfleger, durch die Sensibilisierung für die eigene Bewegung

sowie die des Gegenübers jede Unterstützung an die Situation angepasst und gesundheitsfördernd zu gestalten. Danke

für diese tolle Initiative!

28

DIE MALTESER 2/2021


MALTESERÖSTERREICH

Unterwegs zur Palmweihe

Die Herz Jesu Kirche in Amstetten war am Palmsonntag das Ziel der jugendlichen Bewohner des Hilde Umdasch Hauses.

Jeweils begleitet und betreut von einer Mitarbeiterin der Malteser Kinderhilfe, genossen sie den Ausflug und die

Abwechslung. Mit dabei waren Osterkörbchen mit Palmzweigen, einer verzierten Weihwasserflasche und bemalten

Ostereiern. Danke an Pfarrer Johann Schwarzl, der die jungen Besucher mit einer Fürbitte bedachte. Es ist ein schönes

Gefühl, in der Pfarrgemeinde so gut eingebettet und aufgehoben zu sein!

Muttertag und Dankeschön-Tag

Auch dieses Jahr feierte die Malteser Kinderhilfe den Muttertag und ehrte die Mütter für ihre Fürsorge ihren Kindern

gegenüber. Gleichzeitig zelebrierte das HUH den „Dankeschön-Tag“. Der Dank ging an die Pflegenden und Betreuenden

im HUH für ihr Engagement und den liebevollen Umgang mit den Kindern und Jugendlichen. Als Anerkennung

für ihre Leistungen, die sie 365 Tage im Jahr erbringen, erhielten die Mitarbeiter wunderbar duftende und liebevoll

arrangierte Blumen von der Gärtnerei Fuchs aus Pöchlarn. Vergelt’s Gott!

Orange Füße, gelbe Schnäbel

Ein wunderschöner, kalter, aber sonniger Wintertag war für die

Malteser Kinderhilfe die perfekte Einladung zu einem Ausflug ans

Wasser. Nicht nur die Kinder und Jugendlichen, sondern auch die

Mitarbeiterinnen hatten großen Spaß daran, die übermütigen Enten

im Wasser zu beobachten. Der Mund-Nasen-Schutz und der entsprechende

Abstand durften in Zeiten von Corona natürlich nicht

fehlen.

DIE MALTESER 2/2021 29


Kamishibai-Theater im HUH

Eine Woche lang floss „Die Moldau“ durch das Hilde Umdasch Haus – freilich nur in Form von Musik und Theater. Das

Musikstück von Friedrich Smetana hatte die Kinder zu einem interaktiven Theater inspiriert, das als Kamishibai-Theater

aufgeführt wurde. Die Hintergrundbilder und die Stabfiguren waren von den Kindern selbst gemalt. Jede Szene

wurde erzählt, dann wurde die Musik dazu gehört und schließlich die Szene dargeboten. Es wurde Wasser gespritzt,

getanzt und mit Seidentüchern geschwungen.

„Von mir bleibt mehr als nur Erinnerung“

Viele Menschen wollen über das Leben hinaus helfen und Gutes bewirken. Viele regeln ihren Nachlass zugunsten

ihrer Kinder und Familien und wollen dennoch einen kleinen Anteil auch nachhaltig sozial über den Tod hinaus wirken

lassen. Andere haben keine Familie und möchten bestimmen, was nach ihnen mit ihrem Eigentum geschieht.

Eine Möglichkeit ist eine Testamentspende – zum Beispiel an die Malteser Kinderhilfe. Sie ist Partner und Mitglied

im Verein Vergissmeinnicht. Nähere Informationen: www.malteser-kinderhilfe.at/spenden/testamentspende/

Danke, danke, danke!

Eine großzügige Spende von 1.000 Euro durfte die Malteser

Kinderhilfe von der Raika Amstetten in Empfang nehmen. Wir sagen

ein herzliches Danke und Vergelt’s Gott! Auch diese Spende

trägt dazu bei, den Kindern und Jugendlichen durch individuelle

Therapie- und Förderprogramme ein Stück mehr Lebensqualität

und Lebensfreude zu schenken.

Geschäftsleiter Dir. Johann Pambalk-Blumauer und

DGKP Romana Weber Bereichsleitung Pflege

30

DIE MALTESER 2/2021


MALTESERÖSTERREICH

FÜR DIE SCHAUKEL, SPENDEN, LOS!

Seit Dezember 2020 läuft das Projekt „Traumschaukel“.

Das Ziel: Kindern im Rollstuhl soll die sinnliche Erfahrung

des Schaukelns ermöglicht werden. Mit der Veröffentlichung

des eigens für das Projekt komponierten

Songs startet nun eine große Spendenkampagne.

Eine Amstettner Bürgerin hatte den Stein ins Rollen

gebracht. „Ich wurde von ihr auf den Bedarf einer

öffentlich zugänglichen Rollstuhlschaukel aufmerksam

gemacht“, so Kulturstadtrat Stefan Jandl. Nahezu

gleichzeitig hatten Georg Trimmel vom Stadtmarketing

Amstetten und Patrick Losbichler von der LOFT Kreativagentur

die Idee, gemeinsam mit einigen Amstettner

Musikbands eine Benefizaktion ins Leben zu rufen. Kurzerhand

wurde daraus eine gemeinsame Sache: Das Projekt

„Traumschaukel“ war geboren.

Von Lisa Hammer

Club‘, ‚PÄM‘ und ‚Stereo Bullets‘ ein altes Volksmusik-

Lied neu interpretiert und eigens für das Projekt zugeschnitten.

So ist der Song ‚Hoch Hinaus‘ entstanden“,

erklärt Patrick Losbichler, selbst passionierter Musiker.

Georg Trimmel vom Stadtmarketing freut sich über den

Zusammenschluss der regionalen Kultur- und Kreativszene:

„Es ist schön zu sehen, dass sich die Kulturschaffenden

und Kreativen der Region für ein so tolles

Projekt zusammenfinden. Gemeinsam möchten wir

möglichst viele Menschen erreichen und zum Spenden

motivieren.“

Highlight der Aktion wird schließlich das Benefizkonzert

„Band Clash“ am 3. Oktober 2021 in der Pölz-Halle

sein. Abgewickelt wird die Spendenaktion mit Unterstützung

des Vereins „Amstetten Hilft“.

„Hoch hinaus“ am 3. Oktober 2021

„Mittlerweile haben die ‚Buffalo Bells‘, der ‚Penthouse

Alle Infos unter: www.traumschaukel.at

Wenn auch Sie die MALTESER Kinderhilfe unterstützen

wollen, freuen wir uns sehr über Ihre Spende!

Online: www.malteser-kinderhilfe.at/spenden/

Spendenkonto: MALTESER Kinderhilfe

IBAN: AT32 2011 1827 9642 5000

Laufen Sie mit beim Charity Run „Laufend helfen“:

www.kinderhilfelauf.at

DIE MALTESER 2/2021 31


XXXXX

MALTESERÖSTERREICH

LOURDES

2021

Burgenland

Steiermark

Tirol

Salzburg

32

DIE MALTESER 2/2021


MALTESERÖSTERREICH

VIRTUELLE WALLFAHRT NACH LOURDES

Traditionell begeben sich die Malteser am ersten Wochenende

im Mai gemeinsam mit zahlreichen Kranken

und Menschen mit Behinderung auf Wallfahrt nach

Lourdes, um an der Grotte von Massabielle zu beten und

Kraft zu tanken. Schon 2020 war es aufgrund der Pandemie

leider nicht möglich, unsere Pilgerfahrt anzutreten,

und auch heuer konnten wir das Risiko leider nicht

eingehen – gerade auch, weil viele der uns anvertrauten

Menschen zur Hochrisikogruppe zählen. Für viele von

ihnen ist eine Wallfahrt ein großer Traum, eine Reise

dorthin ein großes Geschenk, das neue Lebenskraft gibt.

Die Malteser haben daher beschlossen, heuer Lourdes

zu den von uns betreuten Menschen kommen zu lassen,

indem wir geweihte Fläschchen mit dem Wasser aus der

Grotte persönlich überreicht haben.

VERGISSMEINNICHT

Vermächtnisse ermöglichen Außergewöhnliches – Die MALTESER sind Partner der Initiative für das gute Testament. Und

es gibt wachsendes Interesse an Erbrecht und Testamentsspende.

Meist vererben Testamentsspender moderate Vermögen

und ermöglichen damit erst die laufende Arbeit gemeinnütziger

Einrichtungen, wie Gregor Holfeld, Bereichsleitung

Malteser Austria Tirol/Vorarlberg betont: „Malteser

helfen dort, wo Not ist – im Sozial-, Sanitäts- und Rettungsdienst,

in der Pflege von Personen mit Handicap und

Menschen im Alter, sowie im Kampf gegen Einsamkeit. In

zahlreichen Projekten werden auch Kinder und Jugendliche

aus einem sozial herausfordernden Umfeld oder mit

Behinderung unterstützt. Jedes Vermächtnis an die Malteser

ermöglicht es uns, Nächstenliebe, Gemeinschaft und

Spiritualität zu leben, ‚letzte‘ Herzenswünsche zu erfüllen

und Lebensfreude zu schenken.“

DIE MALTESER 2/2021 33


Oberösterreich

Burgenland

Wien

OSTERN

Ostern – es wurde gebacken und verpackt, überbracht und zugesandt. Alle Bereiche

der Malteser haben ihren Freunden und den von ihnen Betreuten Briefe,

Süßigkeiten, Osterlichter und andere kleine Geschenke vorbereitet. Es gab

Online-Messfeiern und Gebete und viele Telefonate, um das gemeinschaftliche

Osterfest zu feiern und die Nächstenliebe spürbar zu machen.

Salzburg

Tirol

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DIE MALTESER 2/2021


MALTESERÖSTERREICH

GEMEINSAM STATT EINSAM DANK INTERNET

In Zeiten von Corona bieten die neuen Medien ungeahnte Möglichkeiten, einander virtuell zu begegnen, gemeinsam zu beten,

Delegationsabende zu veranstalten und sogar Vorträgen unseres Großkanzlers zu lauschen.

Von Verena Trentini

Schon im ersten Lockdown, im Frühjahr 2020, war meine

Idee, gemeinsam via Internet zu beten, auf sehr fruchtbaren

Boden gefallen. Die Johannesgemeinschaft griff

die Anregung auf und veranstaltet seither regelmäßig

Gebetsabende online. Im zweiten Lockdown im Herbst

entstand die Idee, auch unsere Delegationsabende für

den Bereich Tirol/Vorarlberg online abzuhalten.

Die Freude war groß: Endlich konnten wir einander nach

langer Zeit wieder sehen, wenn auch nur über unsere

Webkameras. Nach einem Impuls unseres Delegationsgeistlichen

Pater Robert Deinhammer SJ kamen alle

Teilnehmer einzeln zu Wort. Jeder erzählte, wie es ihm

ging und was ihm besonders am Herzen lag. Vor allem

die Einsamkeit, der fehlende soziale Kontakt machte uns

allen zu schaffen. Umso mehr genossen wir es, einander

zumindest virtuell zu begegnen und ein Stück Gemeinschaft

zu spüren.

Sitzungen, Versammlungen und Vorträge

Dieses positive Erlebnis hat uns darin bestärkt, unsere Delegationsabende

weiterhin auf diese Weise zu organisieren.

Ebenso werden Delegationratssitzungen online abgehalten,

und auch die Delegationsversammlung mit der Wahl unseres

neuen Schatzmeisters wurde auf diesem Weg bewerkstelligt.

Erstaunlich, was mit den neuen Medien alles möglich ist!

Selbst Vorträge lassen sich wunderbar online gestalten.

So referierte Fra‘ Gottfried Kühnelt-Leddhin für Kandidaten,

die sich zur Aufnahme in den Malteserorden

vorbereiten, via Microsoft Teams. Aufgrund des großen

Erfolges wurde der Vortrag für die Delegation sowie für

die Ordensmitglieder anderer Delegationen wiederholt.

Online-Diskussion zu aktuellen Themen

Sogar Großkanzler Bailli Albrecht Boeselager betrat das

virtuelle Podium, um im Rahmen eines Delegationsabends

über sein mannigfaltiges Leben im Dienst des

Ordens weltweit zu erzählen. 80 überaus interessierte

Ordensmitglieder nahmen an dem Meeting teil, in dem

es um aktuell besonders brisante Themen wie staatliche

Souveränität, den diplomatischen Einsatz des Malteserordens

in muslimischen Ländern, die Unabhängigkeit des

Ordens von Politik und Wirtschaft sowie den Einsatz gegen

Menschen- und Organhandel ging.

Es war eine große Freude, den Großkanzler an diesem

Abend virtuell erleben zu dürfen! Danke dafür! Gerne

nützen wir weiterhin die Vorteile der virtuellen Welt

und der neuen Medien, die uns einander in Zeiten von

Corona näherbringen und räumliche Distanzen überwinden

lassen.

DIE MALTESER 2/2021 35


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER IM GESPRÄCH

Unter diesem Titel ist ein neues Gesprächsformat für den Freiwilligenbereich entstanden. Es soll den Austausch und die

Gemeinschaft unter den Mitgliedern fördern und Spiritualität sowie Lebenserfahrung vermitteln.

Von Tobias Zöhrer

in dieser Branche und zum Einfluss des Glaubens auf sein

Handeln. Auch für sein Engagement im Malteserorden

interessierten sich die Teilnehmer besonders. Seine vielfältige

Lebenserfahrung und offene Art, mit der er auch

kritische Fragen kompetent beantwortete, waren beeindruckend.

Im Rahmen eines monatlich stattfindenden virtuellen

Kamingesprächs geben interessante Persönlichkeiten

der Malteser Einblicke in ihr Leben und ihre Arbeit. Als

ersten Gast durften wir den Botschafter des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens, Sebastian Prinz von Schoenaich-

Carolath begrüßen. Er erzählte von seiner spannenden

Tätigkeit als Diplomat und in der Finanzwelt. Besonders

in Erinnerung blieb die Diskussion zu ethischen Fragen

In der zweiten Ausgabe durften wir uns mit Christoph

Bazil, dem Präsidenten des Bundesdenkmalamtes, austauschen.

Unter anderem ging es um Restitutionsverfahren

von geraubten Kunstwerken, bei denen das Bundesdenkmalamt

die Rückabwicklungen an die rechtmäßigen

Besitzer durchführt. Speziell war der Ort, von dem aus

der Präsident per Webcam zu unserem Talk zugeschaltet

war: Sein Büro befindet sich im Schweizertrakt der Hofburg,

im ehemaligem Audienzzimmer Kaiser Franz I./II.

AKKREDITIERUNG BEI DER UNIDO

Botschafter Granser überreicht das Beglaubigungsschreiben an UNIDO Generaldirektor LI Yong.

Von Alexia Zwitkovits

Mit der kürzlichen Überreichung des Beglaubigungsschreibens

und der damit verbundenen Akkreditierung

von Botschafter Günther Granser als Ständiger Vertreter

des Souveränen Malteserordens bei der Organisation

der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung

(UNIDO), wird ein weiterer Schritt in Richtung engerer

Zusammenarbeit und auf eine gemeinsame Zukunft gesetzt.

Seit einer Resolution der UN-Generalversammlung

vom August 1994, besitzt der Orden Beobachterstatus

bei den Vereinten Nationen und hat somit die

Möglichkeit, auch im internationalen diplomatischen

Feld aktiv mitzuwirken.

S.E. Herr LI Yong, Generaldirektor der Organisation der

Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO),

mit Botschafter Günther Granser, Ständiger Vertreter des

Souveränen Malteser-Ritter-Ordens bei der UNIDO

© United Nations Industrial Development

Organization (UNIDO)

In seiner Antrittsrede brachte Botschafter Granser im

Namen des Malteserordens seine Anerkennung und

Wertschätzung für die Arbeit und die Leistungen der

UNIDO gegenüber Generaldirektor LI Yong zum Aus-

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DIE MALTESER 2/2021


MALTESERÖSTERREICH

druck. Insbesondere auf dem Gebiet der Armutsbekämpfung,

der Globalisierung und der ökologischen

Nachhaltigkeit gilt UNIDO als primärer Advokat einer

nachhaltigen industriellen Entwicklung und Zukunft.

Der Orden erfüllt mit seinen vielseitigen Tätigkeitsfeldern

den offiziellen Auftrag der humanitären Diplomatie,

indem er weltweit Menschen in verschiedensten

Problemsituationen hilft und unterstützt.

Botschafter Granser betonte gegenüber den

UNITED NATIONS

VIENNA

YOUTH FORUM 2021 DER

UNODC JUGENDINITIATIVE

Am Rande der jährlichen, hochrangig besetzten Konferenz

der Commission of Narcotic Drugs (CND) des United Nations

Office on Drugs and Crime (UNODC) fand auch heuer

wieder das bedeutende Jugendforum der UNODC Jugendinitiative

statt, welches seit 2012 ein fixer Teil der UN

Familie ist und jährlich mit Unterstützung des Souveränen

Malteser-Ritter-Ordens veranstaltet wird.

Spezielle Situationen erfordern spezielle Maßnahmenund

so wurde auch das Jugendforum im Zeitraum vom

29. März bis 2. April 2021 basierend auf strikten Präventionsmaßnahmen

gegen die COVID-19-Pandemie

ausschließlich online abgehalten. Insgesamt wurden 62

Jugendliche aus 41 Ländern für die Teilnahme am diesjährigen

Forum ausgewählt.

Das Hauptziel des Forums ist es, junge Menschen aus

der ganzen Welt, die im Bereich der Drogenprävention,

der Gesundheitsförderung und der Stärkung der Jugend

tätig sind, zusammenzubringen. So können sich

die Teilnehmer über Ideen, Visionen sowie unterschiedliche

Perspektiven zum besseren Schutz der Gesundheit

anwesenden hochrangigen Mitarbeitern der Vereinten

Nationen, dass der Orden höchstes Interesse daran hat,

Mittel und Wege für eine engere Zusammenarbeit mit

der UNIDO zu finden und die bereits bestehende langjährige

Beziehung weiterzuentwickeln.

Von Paula Mutas

und des Wohlbefindens Gleichaltriger austauschen und

haben die Möglichkeit, ihre gemeinsame Botschaft an

die politischen Entscheidungsträger auf globaler Ebene

zu übermitteln. Das reine Online-Format hat die

Jugendlichen nicht davon abgehalten, sich interaktiv

auszutauschen, und so waren die Beteiligung sowie das

Engagement aller bemerkenswert. Der technologische

Fortschritt wurde in vollem Umfang genutzt – Gruppenaktivitäten,

die normalerweise bei persönlichen Treffen

stattfinden, wurden in die virtuelle Umgebung verlegt.

Die diesjährige Eröffnungszeremonie war geprägt von

hochrangigen Rednern: UNODC Executive Director Frau

Ghada Waly betonte in ihrer Rede, wie wichtig die aktive

Teilnahme sowie das Einbringen eigener Ideen seitens der

Jugendlichen sei. Botschafter Günther Granser begrüßte

die Teilnehmer im Namen des Souveränen Malteserordens

und versicherte ihnen, dass sie als „Botschafter des guten

Willens“ fungieren, die sich für eine nachhaltigere Zukunft

einsetzen. Er forderte die Jugendlichen auf, die Pandemie

nicht als Hindernis, sondern als Chance für Wachstum und

Entwicklung zu sehen und sich aktiv darum zu bemühen,

© United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC)

DIE MALTESER 2/2021 37


MALTESERÖSTERREICH

dass ihre Stimmen gehört werden. Auch Botschafter Mikhail

Ulyanov, Ständiger Vertreter der Russischen Föderation

in Wien, richtete motivierende Worte an die Teilnehmer.

Obwohl das Forum abgeschlossen ist, werden die

Jugendlichen weiterhin an Veranstaltungen zusammen

mit der UNODC und der Jugendinitiative

teilnehmen. In einem weiteren Schritt werden ganz

individuelle Strategien entwickelt, die den Jugendlichen

konkret helfen, die Erkenntnisse aus dem Jugendforum

in ihrem persönlichen Umfeld in die Tat

umzusetzen.

DIE MENSCHENWÜRDE IM ZENTRUM

UNSERES HANDELNS

Bei der 46. Sitzung des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen im Februar 2021 in Genf betonte MALTESER Großkanzler

Albrecht Boeselager die vielfältigen Herausforderungen, denen sich die humanitären Akteure im Zuge der

COVID-Notlage stellen müssen.

Quelle: orderofmalta.int

Die COVID-19-Pandemie mit ihren verheerenden Auswirkungen

auf die Gesundheit und die Wirtschaft vieler

Nationen gesellt sich zu den globalen Spannungen und

Konflikten, den wachsenden Problemen des Hungers,

der Umweltzerstörung, der Frage der Flüchtlinge und

der vor Krieg, Terrorismus und Hunger Fliehenden sowie

den vielen Formen der Gewalt, die die Menschenwürde

demütigen und verletzen“, so der Großkanzler

in seiner Ansprache. Er plädierte für „eine schnelle und

flächendeckende globale Verteilung der Impfstoffe“.

Dies sei nicht nur ein ethischer, sondern auch ein wissenschaftlicher

und klinischer Imperativ und der beste

Weg ist, die Pandemie zu stoppen.

Beschämende Misshandlung von Migranten

Darüber hinaus äußerte der Großkanzler seine tiefe

Besorgnis über die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen

in vielen Teilen der Welt, vom Horn von Afrika

über die Kaukasusregion bis hin zum kriegsgebeutelten

Syrien: „Der Schutz der Rechte von Minderheiten, die

oft Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt sind,

bleibt ein Gebot in einer Zeit, in der die Logik der Macht,

des Nationalismus und des Populismus auf Kosten der

Logik des Dialogs wächst.“ Weiters verwies Boeselager

auf die Notlage vieler Migranten in Südosteuropa, die

„in beklagenswerten, heruntergekommenen Lagern“

untergebracht würden, „um die Ankunft anderer Migranten

zu verhindern.“

Glaubensbasierte Organisationen als zuverlässigste

Ersthelfer

Indem er die Bemühungen des Malteserordens zur

Unterstützung von Flüchtlingen und Migranten während

ihres Transits darstellte, betonte Boeselager die

Notwendigkeit, an transnationalen Ansätzen zu arbeiten,

die auf gemeinsamen Werten beruhen. In diesem

Rahmen könne sich die Arbeit von glaubensbasierten

Organisationen als besonders effektiv erweisen: „Bei

massiven Menschenrechtsverletzungen sind die zuverlässigsten

Ersthelfer für lokale Gemeinschaften sehr oft

die glaubensbasierten Organisationen. Der Malteserorden,

der über viel Erfahrung mit Interventionen in

schwierigen Gebieten verfügt, die von ethnischen oder

religiösen Feindseligkeiten betroffen sind, ruft zu einem

engeren interreligiösen Dialog auf, der für die Hilfe für

die Opfer in diesen Situationen von grundlegender Bedeutung

ist.“

38

DIE MALTESER 2/2021


XXXX

KAMPF GEGEN DEN

MENSCHENHANDEL

Im Schatten der globalen Corona-Pandemie beobachten wir eine dramatische Zunahme des weltweiten Menschenhandels.

Es gilt, diese moderne Form der Sklaverei entschieden zu bekämpfen.

Von Botschafter Sebastian Prinz von Schoenaich-Carolath

Menschenhandel bedeutet physische und psychische Ausbeutung

sowie Ausübung von Gewalt, somit Zerstörung

der Würde des Menschen, einem gerade für uns Christen,

aber auch für alle anderen Menschen und Religionen so

hohem Wert. Menschenhandel umfasst Zwangsarbeit,

die Rekrutierung von Kindern als Soldaten und Arbeitssklaven,

Zwangsprostitution, den Kauf und Diebstahl

von Kindern für Adoption oder Missbrauch, Kinderpornographie

für die Verbreitung im Internet, Organdiebstahl,

Zwangskriminalität und Straßenbettelei.

Die Vereinten Nationen gehen weltweit von rund 40 Millionen

Betroffenen aus und vermuten in 13 europäischen

Ländern etwa 800.000 Fälle. Allein in Österreich geht man

von 15.000 bis 25.000 Fällen aus. Der Umsatz, der weltweit

durch diese Form der Ausbeutung von Menschen erzielt

wird, liegt bei etwa 150 bis 200 Milliarden Euro und

damit an zweiter Stelle in der internationalen Kriminalitätsstatistik.

Nach offiziellen Berichten ist Österreich ein

Ziel- und Transitland, ein Tor für viele Osteuropäer und

Menschen aus Afrika und Asien. Die häufigste Form des

Menschenhandels ist die sexuelle Ausbeutung gefolgt von

häuslicher Leibeigenschaft und erzwungener Bettelei.

Menschen um 100 Euro

War Sklaverei früher meist lokal organisiert, ist die moderne

Form der Sklaverei globaler Natur. Menschen können

um den Erdball im Darknet gehandelt werden, kriminelle

Organisationen sind global vernetzt. Früher stellten Sklaven

für ihre Herren einen hohen Eigentumswert dar. Heute

gehen offizielle Stellen von durchschnittlichen Preisen

um 100 Euro pro Person aus. Der Mensch ist „wertlos“.

Was können wir dagegen tun? Wir müssen größeres Bewusstsein

für dieses Thema schaffen und für die Würde

der Betroffenen kämpfen. Best-Practice-Lösungen aus

anderen Ländern sollten schnellstmöglich übernommen

sowie Präventions-, Schutz- und Rehabilitationsmaßnahmen

für Opfer verstärkt werden. Wir alle tragen eine Mitverantwortung

für unsere Mitmenschen.

MALTESER Sonderbotschafter gegen Menschenhandel

Papst Franziskus hat zuletzt immer wieder sehr eindringlich

auf das Thema hingewiesen und alle Menschen – besonders

uns Katholiken – aufgefordert, hinzuschauen

und aktiv zu werden. Die Malteser haben diesen Auftrag

angenommen und zwei Sonderbotschafter berufen, die

sich auf internationaler Ebene mit diesem Thema beschäftigen.

Wir liegen damit genau auf der Linie unseres

Propriums: Verteidigung des Glaubens und Hilfe für die

Schwächsten.

Wenn wir dieser Sünde der Menschheit ein Gesicht geben

wollen, dann kann es das der heiligen Bakhita sein, einesudanesischen

Sklavin, die im Jahr 1941 als Nonne in Italien

starb. Mit sieben Jahren wurde sie entführt, mehrmals

verkauft und musste während ihrer Sklavenzeit sehr

viel erleiden. Im Alter von 19 Jahren ging Bakhita zu den

Kanossianerinnen nach Venedig. 1896 legte sie in Verona

ihr Gelübde ab.

Erfahren Sie mehr über die internationalen diplomatischen

Aktivitäten des Malteser Ordens gegen Menschenhandel

unter www.diplomatie-humanitaire.org

DIE MALTESER 2/2021 39


MALTESERÖSTERREICH

MALTESER CARE

WENN PFLEGE ZUR BERUFUNG WIRD –

DANKE, ILSE!

Was wäre MALTESER Care ohne sie gewesen? Wir sagen unserer langjährigen Pflegdienstleiterin Ilse Hummer ein herzliches

„Vergelt`s Gott!“ und wünschen ihr alles erdenklich Gute für den wohlverdienten Ruhestand.

Von Susanne Wick

Als Ilse 1961 in Gmunden zur Welt kam, war ihr der Beruf

der Krankenschwester noch nicht in die Wiege gelegt

worden. Nach Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht,

der Haushaltsschule und einer Lehre als Einzelhandelskauffrau

beschloss Ilse vor 30 Jahren, die Ausbildung

zur diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin

zu absolvieren. Zu diesem Zeitpunkt war Ilse bereits

verheiratet und hatte zwei kleine Töchter.

Während der nächsten Jahre folgten Positionen in verschieden

stationären Einrichtungen in Oberösterreich, wo

Ilse zur Pflegedirektorin avancierte und neben den beruflichen

Herausforderungen auch noch akademische Weiterund

Sonderausbildungen im Pflegebereich absolvierte.

Pflege mit hoher Qualität für die MALTESER

Im Jahr 2010 wechselte Ilse in den mobilen Bereich und

zu Malteser Care. Dort baute sie als Case & Care Managerin

den Bereich Oberösterreich auf. Seit 2016 ist sie

Pflegedienstleiterin von Malteser Care und als solche

maßgeblich am Erfolg und an der Weiterentwicklung

des Unternehmens beteiligt.

Ideen im Team zu entwickeln und umzusetzen, persönliche

Ressourcen und Fähigkeiten einzubringen und Entwicklungsprozesse

mitzugestalten, liegen ihr besonders

am Herzen. So hat sie mit Akribie und großem Zeitaufwand

– neben ihrem täglichen Einsatz als Pflegedienstleiterin

– den gesamten und aufwendigen Prozess der

ÖQZ24-Zertifizierung begleitet. Damit wurde Malteser

Care zu einer der ersten zertifizierten Organisationen

für Personenbetreuung in der 24-Stunden-Pflege und

-Betreuung in Österreich.

Humorvoll und immer auf Augenhöhe

Ilse ist ein Mensch, der auf Augenhöhe mit anderen interagiert.

Ehrlichkeit, Offenheit und Klarheit sind ihr

immens wichtig, selbst wenn es einmal um unangenehme

oder kritische Gespräche geht. Qualität im Umgang

mit den Klienten, den Angehörigen, den Kollegen, den

Personenbetreuern und all jenen, mit denen sie täglich

in zahlreichen und endlos scheinenden Telefonaten in

Kontakt steht, hat jederzeit Priorität.

Immer lösungsorientiert, freundlich und höflich – sogar

in oft sehr schwierigen und aufreibenden Situationen

– schafft sie es, die Ruhe zu bewahren und ihrem Gegenüber

ein Gefühl der Sicherheit und der Entlastung zu

geben. Humor, Mut, Leidenschaft und Entschlossenheit

sind Ilses unschlagbare Stärken. Damit meistert sie jede

Situation.

40

DIE MALTESER 2/2021


MALTESERÖSTERREICH

Ein neuer Lebensabschnitt

Im Herbst tritt Ilse in den wohlverdienten Ruhestand.

Wir werden sie sehr vermissen und lassen sie nicht ohne

die guten Wünsche und Dankesworte ihrer zahlreichen

Weggefährten gehen. Hier sind einige „O-Töne“ stellvertretend

abgedruckt.

Marlene: „Ilse ist das Herz von Malteser Care. Sie zeigt

so viel Engagement, immer gepaart mit Herzlichkeit

und echtem persönlichen Interesse am Gegenüber. Es

wird schwer sein, die Lücke zu füllen, die sie hinterlässt.

Sie ist mehr als eine Pflegedienstleitung. Ihre Wärme

und Fürsorge hat uns zu einer Familie gemacht. Ich

freue mich für sie, dass sie diese ganze Energie nun ihren

Claudia: „Liebe Ilse, vielen Dank für deine Wertschätzung

und dass du mir immer auf Augenhöhe begegnet

bist. Mit dir als Fels in der Brandung ging es immer irgendwie

weiter. Ich wünsche dir für die Pension die verdiente

Ruhe und Zeit, um alles zu tun, was dir gut tut.

Gesundheit soll dich und deine Lieben begleiten.“

Robert: „Ilse war immer wie eine Mutter zu uns, hat

immer ein offenes Ohr und ist jederzeit für alle da.“

Sandra: „Ich bedanke mich bei Ilse für die gemeinsame

Zeit bei Malteser Care und die gute Zusammenarbeit.

Es war ein unkompliziertes Arbeiten mit ihr. Sie nahm

sich immer Zeit für alle Probleme. Ich wünsche Ilse alles

Gute für die wohlverdiente Pension.“

Liebsten, den Enkelkindern und ausgewählten Herzensprojekten

schenken kann. Mir wird sie sehr fehlen.“

Jacqueline: „Liebe Ilse, du bist unser Vorbild, an dem

wir uns orientieren können. Du hast uns immer zugehört

und bist uns fortwährend beigestanden. Du hast

wundervolle Eigenschaften. Du bist eine Teamplayerin,

vertrauenswürdig, du warst immer respektvoll und fair,

eine Visionärin, empathisch, mutig und authentisch.

Ich danke dir für die schöne Zeit, die wir gemeinsam

verbringen durften. Ich wünsche dir alles Gute für deine

Pensionierung.“

Andrea: „Ilse ist ein herzensguter Mensch, fürsorglich

und war immer für alle da – der Inbegriff von Mutterinstinkt.

Ich wünsche ihr nur das Beste, wundervolle Momente,

Zeit für sich und viel Freude und Gesundheit bis

ins hohe Alter.“

Stefan: „Ihr begeisternder, beherzter, bewegter Lebensweg

– innen wie außen. Ihre äußeren Bahnen wird sie in

der Pensionierung anderswo ziehen. In der Erinnerung

ist und bleibt sie aber eine von uns.“

Margareta: „Für mich war Ilse wie eine Mutter, für uns

alle. Sie hat mir immer geholfen, wenn ein großes Problem

aufgetaucht ist, und sie war immer für mich und

uns zur Stelle. Ich werde sie sehr vermissen. Für mich ist

sie die beste Chefin, die ich jemals hatte.“

Andrea und Karin: „Liebe Ilse, mit einem tränenden

Auge lassen wir dich in deinen neuen Lebensabschnitt

DIE MALTESER 2/2021 41


MALTESERÖSTERREICH

gehen und wünschen dir von ganzem Herzen das

Allerallerbeste! Du wirst uns sehr fehlen! Deine

Tür stand immer offen für uns und Du hast immer

eine Lösung aus dem Ärmel gezogen. Natürlich

auch dein Lachen, deine Fröhlichkeit, deine

Gutmütigkeit und die tolle Zusammenarbeit.

Persönlich werden uns deine extrem guten Torten

und Mehlspeisen abgehen, mit denen du uns

verwöhnt hast. Vielen Dank dafür!“

Helmut: „Ilse ist unser „Grisu“: Wie der kleine

Dache aus den bekannten KInderbüchern eine

immer einsatzbereite Feuerwehr, wann und wo

immer es Hilfe und Unterstützung braucht. Liebenswürdig,

vertrauensvoll und mit einem gesunden

Schuss an Optimismus, wodurch auch

unlösbar scheinende Probleme zu einer für alle

akzeptablen und guten Lösung kommen. Wenn

Ilse im Herbst ihren wohlverdienten Unruhestand

antritt wird, wird wohl erst so richtig klar

sein, wo überall sie mit ihren zündenden Ideen

und unermüdlichen Aktivitäten fehlt. Mir persönlich

wird Ilse als Mensch und ganz wichtige

Austauschpartnerin im beruflichen Kontext fehlen.

Privat hoffe ich, dass Ilse die berufliche Heimat

nie vergessen wird und uns oft und gerne

besucht oder auch telefonisch mit uns allen in

Kontakt bleibt! Ein ganz, ganz großes und herzliches

Dankeschön für das gelebte Miteinander

und Füreinander-Dasein, liebe Ilse!“

MALTESER CARE

WENN HILFE RICHTIG

GUT ANKOMMT

Von Susanne Wick

In der Ausgabe 4/2020 unseres Magazins „Die MALTESER“

berichteten wir über eine unserer Klientinnen, die 14-jährige

Lea. Sie leidet aufgrund einer Schädigung des Gehirns an

einer Lähmung der Arme und Beine und benötigt im Alltag

umfassende Unterstützung. Bei der täglichen Pflege hilft

nun ein Patienten-Deckenlift, der dank der großzügigen

Spende von Mitarbeitern der Firma Takeda angeschafft werden

konnte. Lea freut sich riesig über ihren Lift und sagt von

ganzem Herzen DANKE!

Wir haben für Sie geöffnet und freuen uns auf Ihren Besuch

Erholung pur im Schloßhotel Mailberg! Hochzeiten, Veranstaltungen, Romantik im historischen Ambiente.

42

Schloßhotel Mailberg, 2024 Mailberg 1, Tel. +43 2943 30301, reservierung@schlosshotel-mailberg.at

DIE MALTESER 2/2021

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MALTESERÖSTERREICH

MALTESER CARE

MOBILER DIENST AM NÄCHSTEN

Als Serviceanbieter im Pflege- und Betreuungsbereich geht MALTESER Care mit der Zeit. Wir bieten nun in Wien durch

den Fonds Soziales Wien (FSW) geförderte Leistungen an.

Von Susanne Wick

Gute Nachrichten für die Bewohner der Bundeshauptstadt:

In Wien ist es Malteser Care gelungen, geförderte

Leistungen durch den Fond Soziales Wien (FSW) im Rahmen

der Hauskrankenpflege anbieten zu können.

Heimhilfe

Heimhelfer unterstützen bei Einkäufen, der Haushaltsführung,

beim Aufwärmen von Mahlzeiten oder der Körperpflege.

Sie kommen je nach Bedarf zu vereinbarten

Zeiten zu den Klienten nach Hause, um sie dort zu unterstützen

– auch am Wochenende.

Hauskrankenpflege

Die Hauskrankenpflege ist eine Pflege und Betreuung, die

ausschließlich durch diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegefachkräfte

sowie Pflegefachassistenten bei den

Klienten zu Hause durchgeführt wird.

Es handelt sich um eine aktivierende und reaktivierende

Pflege. Dabei stehen die ganzheitliche Betreuung

sowie Erhalt und Förderung der Selbstständigkeit im

Vordergrund. So umfasst die Hauskrankenpflege beispielsweise

Mobilisation, Körperpflege, Injektionen,

Medikamentengaben und Sondenernährung. Auch vorbeugende

Pflegemaßnahmen sowie Beratung und Pflegeanleitung

für Klienten und deren Angehörige zählen

zur Hauskrankenpflege.

Dieser Dienst ist für jene Klienten, denen durch den FSW

geförderte Leistungen wie Heimhilfe, Besuchsdienste

und die mehrstündige Alltagsbegleitung angeboten wird.

Begleit- und Besuchsdienst

Der Begleit- und Besuchsdienst ist für jene gedacht, denen

es aufgrund körperlicher oder psychischer Beeinträchtigungen

schwerfällt, ohne fremde Hilfe das Haus

zu verlassen. Geschulte Betreuer begleiten an allen Werktagen

zu vereinbarten Terminen und unterstützen beispielsweise

bei Arztbesuchen oder dringenden Erledigungen

in der Apotheke oder bei der Bank.

Mehrstündige Alltagsbegleitung

Das Angebot der mehrstündige Alltagsbegleitung richtet

sich an Menschen, die nicht, weder selbstständig

noch mit Hilfe ihrer Angehörigen, zurechtkommen. Soziale

Altagsbegleiter kommen zu vereinbarten Zeiten

nach Hause und unterstützen bei der Zubereitung von

Mahlzeiten, begleiten bei Arztbesuchen, Besorgungen

oder Spaziergängen. Der Umfang der geförderten

Dienstleistungen richtet sich nach dem persönlichen

Pflegebedarf, der von einer Mitarbeiterin bzw. einem

Mitarbeiter des Kundenservice des FSW erhoben wird.

DIE MALTESER 2/2021 43


MALTESERWELTWEIT

KROATIEN

DIE HOFFNUNG AUF EIN GANZ

NORMALES LEBEN

Wie ein Kranker keinen größeren Wunsch hat, als die Rückkehr zu einem gesunden und normalen Leben, so sind die

ethnisch gemischten Bewohner der „Banovina“ in Kroatien in dem einen gemeinsamen Wunsch vereint, nach Krieg und

Erdbeben wieder ein ganz normales Leben zu führen.

Von Georg Eltz

Die Gegend um die Städtchen Sisak, Petrinja und Glina

etwa 50 km südlich von Zagreb bezaubert durch ihr wunderschönes

Hügelland. Doch die Region hat bereits viel

mitgemacht: Während der Auseinandersetzungen des

kroatischen Unabhängigkeitskrieges von 1991 bis 1995

verlief die Grenzlinie der Serbischen Republik Krajna mitten

durch das Gebiet. Tausende Familien wurden entwurzelt

und vertrieben. Die darniederliegende wirtschaftliche

Infrastruktur beschleunigte die Landflucht, die schon vor

dem zweiten Weltkrieg eingesetzt hatte.

25 Jahre nach dem Bürgerkrieg ist zwar die Armut immer

noch sichtbar, aber dennoch ist ein normaler Alltag eingekehrt:

das meiste wieder aufgebaut, die erkennbaren

Narben des Krieges verheilt oder wenigstens übertüncht,

etliche Wirtschaftsbetriebe im Aufschwung, mehrere aus

EU-Mitteln finanzierte Infrastrukturprojekte im Bau und

der Anschluss an die relativ reiche Hauptstadtregion –

sichtbar in Form einer Autobahn – beinahe geschafft.

Welle der Hilfsbereitschaft

Dann, in den letzten Tagen des Jahres 2020, zwischen

dem katholischen und dem orthodoxen Weihnachtsfest,

wird die Gegend von einer Reihe von Erdbeben erschüttert,

deren Nachbeben bis heute andauern. Der Erdstoß

vom 29. Dezember mit seiner Stärke von 6,4 und einem

Epizentrum nahe von Glina ist so stark, dass viele der

oft uralten oder selbstgebauten Häuser einstürzen. Die

schwer beschädigten Wohnbauten, in die sich nur wenige

zum Schlafen zurücktrauen, werden zum Dilemma: Ihre

Bewohner müssen in der Winterkälte erst einmal Notunterkünfte

finden, aber ihre Habe wollen und können sie

nicht aufgeben.

Eine beachtliche Welle der Hilfsbereitschaft erreicht Petrinja

schon am folgenden Tag. Hilfstransporte aus Kroatien

selbst und aus den Nachbarländern: Zelte, Decken,

Wohncontainer, Lebensmittel. Glücklicherweise gibt es

nur wenige Verschüttete, aber leider acht Todesopfer. Den

materiellen Schaden erheben die kroatischen Behörden:

Rund 20.000 Häuser wurden bisher für strukturell beschädigt

erklärt, für über mehr als 4000 davon ein striktes

Betretungsverbot sowie eine Abrissverfügung verhängt.

Dazu zählen nicht nur Wohnhäuser, sondern auch Krankenhäuser,

Ämter, Geschäfte, Arbeitsplätze, Schulen und

Kirchen.

Ein Fall für die MALTESER

In dieser Situation fühlen sich die Malteser aufgefordert,

zu helfen! Obgleich nur vier Ordensmitglieder in

Kroatien leben, kann ein Spendenaufruf gestartet werden,

der vor allem in Österreich gehört wird. Eine beträchtliche

Summe kommt zusammen, die gemeinsam

mit der Caritas Sisak und in Abstimmung mit der sich

noch im status nascendi befindenden nationalen Caritas

gewissenhaft eingesetzt wird. Letztere investiert die

44

DIE MALTESER 2/2021


MALTESERWELTWEIT

enormen Spendenmittel, die ihr vor allem aus der kroatischen

Diaspora zufließen, zunächst in den Bau von 200

winterfesten Wohncontainern, die in kürzester Frist neben

den beschädigten Häusern aufgestellt werden und erst

einmal sichere Schlafplätze bieten. Gleichzeitig stellt die

kroatische Regierung ebenfalls Container auf, vor allem als

geschlossene Siedlungen im städtischen Bereich.

Diese freilich nützen den Kleinbauern aus den verstreut

liegenden Dörfern im Hinterland nichts: Sie müssen sich

weiter um ihre Tiere und Kulturen kümmern – sie sind ihre

Lebensgrundlage. Um diesen Menschen zu helfen, kommt

eine bewährte Lösung von 1992 aus Petrinja wieder zum

Einsatz: Das Holzhaus der Organisation „Bauern helfen

Bauern – Salzburg“ unter der Leitung von Doraja und

Xandi Eberle: Ein zweistöckiges Holzhaus von insgesamt

55m² mit einfacher, aber kompletter Ausstattung: Dusche,

WC, Holzherd, kleine Küche. Erdbebensicher auf einen

Betonsockel montiert, den derzeit die Stadt Petrinja samt

dem Versprechen von Wasser- und Stromanschluss den

gemeinsam ausgesuchten Empfängern bereitstellt, kann

eine erfahrene Truppe das zweistöckige Haus binnen einer

Woche fertigstellen.

„Häuser der Hoffnung“ für Sisak

Auch Zagreb wurde vor einem Jahr von einem heftigen

Erdbeben heimgesucht: am 22. März 2020. Tausende von

Gebäuden, darunter alle innerstädtischen Kirchen, wurden

als schwer beschädigt eingestuft und daher behördlich

geschlossen. Außer einigen privaten Renovierungen, die

unter Missachtung der staatlichen Programme und der

versprochenen Subventionen in Direktvergabe bereits abgeschlossen

wurden, ist bis zum heutigen Tage praktisch

nichts geschehen. Es gibt allenfalls vage Zusagen von Finanzierungen,

aber bis heute weiß man nicht, wem die

Verfügung über diese Mittel zufallen wird, und schon gar

nicht, wann die Renovierungsarbeiten in der kroatischen

Hauptstadt beginnen sollen. Alles ist und bleibt weiter geschlossen.

Das lässt für die abgelegene Region Banovina

wenig Gutes erwarten.

In der Zwischenzeit versuchen die Malteser, den Menschen

ein Bleiben zu ermöglichen. Das Projekt wurde von der Diözese

Sisak „Häuser der Hoffnung“ getauft und in der Osterwoche

den Medien vorgestellt. Es ist heute schon mehr

als nur ein Versprechen: Zwei Häuser sind gerade im Bau,

acht stehen bereits, eines davon auf dem Hof der Familie

Bradara. Das Ehepaar Bradara hatte leider bisher nicht

viel Glück im Leben: Die Zerstörung und Enteignung ihres

Hofs, Verschleppung, Konzentrationslager, Vertreibung

aus der bosnischen Heimat und einen Neuanfang in Kroatien

haben sie bereits er- und überlebt. Und nun haben sie

wieder das Dach über dem Kopf verloren. Trotzdem bewirteten

sie liebenswürdig die Medienvertreter.

Die kroatischen Malteser wollen hier mithelfen, Hoffnung

auf einen Neuanfang zu machen. Das Holzhaus macht es

dem Ehepaar Bradara möglich, am Hof zu bleiben, weiter

zu wirtschaften und ihr Zuhause wieder aufzubauen. Der

jüngste Sohn der Baradas, Danijel, ist mit einem Mädchen

aus der Nachbarschaft verheiratet und will sich im Dorf

eine Zukunft aufbauen. Das Holzhaus steht als Zeichen der

Hoffnung für eine ganze Region.

Bitte spenden Sie!

Wie wird es weitergehen? Noch gibt es viele Menschen, die

Hilfe und ein sicheres Dach über dem Kopf brauchen. Bitte

helfen auch Sie und unterstützen Sie den Wiederaufbau in

der Diözese Sisak mit Ihrer Spende! Vergelt’s Gott!

SPENDENKONTO: MALTESER Austria

IBAN: AT65 2011 1800 8087 0800, BIC: GIBAATWW

Spendenzweck: „Erdbeben Kroatien“

DIE MALTESER 2/2021 45


MALTESERWELTWEIT

© Peace and Freedom Organization

PAPSTBESUCH GIBT DEN

MENSCHEN IM IRAK HOFFNUNG

© wikipedia

Clemens Graf von Mirbach-Harff, Generalsekretär von MALTESER International, bereiste Anfang März zeitgleich zum

Besuch des Papstes die Ninewa-Ebene im Irak, um sich ein Bild der Projektaktivitäten der vergangenen drei Jahre

zu machen. Er berichtet:

Von Clemens Graf von Mirbach-Harff, Generalsekretär Malteser International

Die Zerstörungswut, welche durch den Vormarsch

und die Rückzugsgefechte des sogenannten IS in der

Ninewa-Ebene wütete, ist noch immer sichtbar. In den

verkohlten Häusern riecht man den Brandbeschleuniger

und den Sprengstoff, überall in den Straßen sieht

man die Spuren der Zerstörung.

In der Stadt Karakosch in der Ninewa-Ebene im Nordirak

lebten vor dem Einmarsch des IS im Jahr 2014 etwa

50.000 Menschen, die meisten davon Christen. Fast alle

haben die Stadt auf der Flucht vor den Terroristen verlassen.

Wer das nicht tat, war der Willkür des IS ausgesetzt

und verlor nicht selten auf grausame Art sein Leben.

Nur die Hälfte der Bevölkerung ist bislang zurückkehrt.

Viele Vertriebene – insbesondere Christen – leben nach

wie vor im Exil. Sie sehen oftmals keine wirtschaftliche

Perspektive für eine Rückkehr oder fürchten noch

immer um ihre Sicherheit. In den Gesprächen mit den

Menschen vor Ort merkten wir: Das Trauma der Vertreibung

und der Zerstörung ihrer Heimat sitzt bei vielen

Einwohnern von Karakosch noch immer tief.

Umfangreiches Programm für die Rückkehr Geflüchteter

in die Ninewa-Ebene

Christen, sunnitische und schiitische Araber, Jesiden,

Turkmenen, sunnitische Schabak, schiitische Schabak,

Kakae, Kurden – die Ninewa-Ebene ist Heimat für zahlreiche

ethnische und religiöse Gruppen. Im Jahr 2018

hatte Malteser International mit Unterstützung des

Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit

und Entwicklung (BMZ) ein umfangreiches Wiederaufbauprogramm

für Rückkehrer in der Ninewa-Ebene

gestartet. Es war mit über 30 Millionen Euro das größte

Projekt, das bislang von Malteser International begleitet

wurde. Die Mittel waren vom Deutschen Bundestag

freigegeben worden, insbesondere auf Initiative der

Abgeordneten Volker Kauder und Rüdiger Kruse, die

ursprünglich geplant hatten, mit in den Irak zu reisen,

ihre Teilnahme aufgrund der scharfen Corona-Auflagen

aber absagen mussten.

Ziel unserer Arbeit in der Ninewa-Ebene war es, einen

Beitrag für mehr Stabilität in der Region zu leisten. Dafür

haben wir mit vielen lokalen Partnerorganisationen

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DIE MALTESER 2/2021


MALTESERWELTWEIT

Malteser International Projekt Wiederaufbau in der Ninewa-Ebene

die notwendige Infrastruktur geschaffen. Das Programm

basiert insgesamt auf vier Säulen: dem Wiederaufbau

zerstörter Häuser und der Infrastruktur, Maßnahmen

zur Schaffung eines sicheren Einkommens für die Familien

in der Region, einer Bildungskomponente und

der Förderung des friedlichen Zusammenlebens in den

Gemeinden. Mit Ausbruch der Corona-Pandemie wurde

eine fünfte Komponente mit Präventions- und Schutzmaßnahmen

gegen das Virus ergänzt.

Ein starkes Programm dank starker lokaler Partner

Bei meinem Besuch in der Ninewa-Ebene habe ich viele

unserer Partnerorganisationen vor Ort getroffen.

Es war beeindruckend zu sehen, mit welchem Engagement

sie sich für ihre Projekte und den interreligiösen

Dialog in ihrer Gemeinde einsetzen. Insgesamt haben

wir seit Beginn des Programms im Jahr 2018 mehr als

2.000 Häuser wiederaufgebaut. Mit der Auszahlung

von Bargeld und mit Einkommen schaffenden Maßnahmen,

an denen rund 35.000 Menschen teilnahmen,

halfen wir dabei, den Lebensunterhalt der Familien zu

sichern.

Bildungsmöglichkeiten sind ebenfalls ein wichtiger

Faktor dafür, dass Menschen wieder in ihre Heimat

zurückkehren. Wir haben Schulen und Kindergärten

wiederaufgebaut, neu ausgestattet und mit Beginn der

Corona-Pandemie Online-Angebote für Schüler ermöglicht.

All das ist aber wenig wert, wenn es keinen Frieden

gibt. Daher ist uns die Förderung des friedlichen Zusammenlebens

verschiedener religiöser und ethnischer

Gruppen in unserem Programm besonders wichtig gewesen.

Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen

haben wir neue Jugendzentren und Sporteinrichtungen

gebaut sowie Sport-, Kultur- und Musikveranstaltungen

angeboten, um Orte für Begegnungen abseits des normalen

Alltags zu schaffen.

Feiertag für Minderheiten nach Papstbesuch

Zeitgleich zu unserer Reise besuchte auch der Papst

erstmals den Irak. Sein Besuch war ein echter Lichtblick

für die Menschen vor Ort. Wir hatten das Glück

an der Feier der Heiligen Messe des Papstes in Erbil

teilnehmen zu können. Die Stimmung dort war sehr

besonders. Man spürte, wie froh die Menschen waren,

sich als Gemeinschaft identifizieren und wahrnehmen

zu können.

Die Tatsache, dass die irakische Zentralregierung anlässlich

des Papstbesuches einen Feiertag für Minderheiten

ausgerufen hat, stimmt viele hoffnungsvoll.

Sowohl Christen als auch Muslime haben uns erzählt,

wie froh sie sind, dass die Minderheiten im Irak endlich

nicht mehr als Gäste angesehen werden, sondern als Teil

und Frucht einer Jahrhunderte alten friedlichen Koexistenz.“

DIE MALTESER 2/2021 47


MALTESERWELTWEIT

Über das Hilfsprogramm der Malteser konnten im vergangenen

Jahr rund 36.000 Behandlungen für die Menschen in

Maracaibo ermöglicht werden.

VENEZUELA

COVID-19-PRÄVENTION

FÜR KINDER, SCHWANGE-

RE UND JUNGE MÜTTER

Von Lisa Schoenmeier

Für viele Familien in Venezuela wird

die Lage immer schwieriger. Oft gibt es

tagelang kein Wasser oder Strom und

die Lebensmittelpreise sind so stark

gestiegen, dass viele Familien ihre täglichen

Bedürfnisse kaum decken können.

Sieben Millionen Menschen sind

auf Unterstützung angewiesen und die Corona-Pandemie

verschlimmert die Lage für die Bevölkerung zusätzlich.

Bereits vor der Pandemie war die medizinische Versorgung

aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise unzureichend.

Gemeinsam mit dem Malteserorden in Venezuela und der

Partnerorganisationen SAHEP unterstützt Malteser International

drei Krankenhäuser in der Hafenstadt Maracaibo

in der Provinz Zulia im Nordwesten des Landes insbesondere

bei der Versorgung von Kindern, Schwangeren und Stillenden.

Die Partnerorganisationen liefern Medikamente,

medizinische Ausrüstung, Reinigungs- und Managementmaterialien

an die Krankenhäuser sowie Multivitaminpräparate

für die Schwangeren und Stillenden. Darüber hinaus

unterstützen sie die Instandhaltung der Notfall- und Kinderstationen,

insbesondere auch im Hinblick auf Hygiene

und Infektionskontrolle zur Covid-19-Prävention. Über das

Hilfsprogramm konnten im vergangenen Jahr bereits rund

36.000 Behandlungen für die Menschen in Maracaibo ermöglicht

werden.

48

DIE MALTESER 2/2021

NOTHILFE INDIEN

SAUERSTOFF, SCHUTZAUS-

RÜSTUNG UND PSYCHO-

SOZIALE UNTERSTÜTZUNG

Von Cordula Wasser

Die Ausbreitung der Virusmutation

B.1.617 führte Anfang Mai zu einer dramatischen

Zuspitzung der Corona-Situation

in Indien: Krankenhäuser konnten

Patienten nicht mehr versorgen, es

fehlte insbesondere an Pflegekräften,

Intensivbetten und medizinischem Sauerstoff.

Die Menschen starben vor den Krankenhäusern.

Gemeinsam mit einer lokalen Partnerorganisation half Malteser

International schnell: Im nord-westlichen Bundesstaat

Rajasthan wurden medizinische Masken und Hygieneartikel

an Gesundheitspersonal und Lehrkräfte verteilt sowie

Krankenhäuser mit Sauerstoff und Schutzausrüstungen

ausgestattet. Pflegepersonal informierte die Menschen über

die Verbreitungswege und mögliche Impfungen gegen das

Virus. Parallel zur Ausbreitung der Virusmutation weiteten

auch die Malteser ihre Hilfe im Nachbarland Nepal aus und

stellten Ende Mai 100.000 Euro Soforthilfe für eine Impfkampagne

in Indien bereit.

Zusätzlich zu den lebensrettenden Maßnahmen haben

die Helfer insbesondere auch die seelische Belastung der

Menschen im Blick. Viele Betroffene sind durch die Einschränkungen

völlig verarmt oder mussten miterleben, wie

Familienmitglieder an Covid-19 verstarben. Auch diese Belastungen

dürfen nicht vergessen werden. Jede Unterstützung

wird weiterhin dringend benötigt.

SPENDENKONTO: Spendenzweck „Indien“

IBAN: DE103 70601201201200012, BIC: GENODED1PA7


MEDIZINAKTUELL

EIN WUNDER

Lilian kam drei Monate zu früh zur Welt. Nach 106 Tagen Intensivpflege und einer Corona-Erkrankung konnte sie als

gesundes Baby aus dem MALTESER Krankenhaus der Heiligen Familie im Westjordanland entlassen werden.

Eine Frühgeburt in der 27. Woche ist schon eine Herausforderung.

Dazu noch coronapositiv zu sein, ist eine

gewaltige Herausforderung. Unter diesen Umständen

am Höhepunkt der Corona-Pandemie in Betlehem auf

die Welt zu kommen und zu überleben, ist ein wahres

Wunder – ein Lichtblick in einem ausgesprochen komplizierten

Jahr.

Von Noemi Penna*

Unendlich dankbar

Am 5. April konnte Lilian mit etwas mehr als zwei Kilo

Gewicht die Intensivstation verlassen und durfte nach

Hause zu ihrer Familie. „Während der Corona-Pandemie

schwanger zu sein, war wirklich hart. Als unser

Baby dann noch so früh geboren wurde, waren wir extrem

besorgt. Die ganze Schwangerschaft und Lilians

dreimonatiger Aufenthalt auf der Intensivstation waren

die schwierigste Zeit meines Lebens. Ich bin dem Krankenhaus

der Heiligen Familie unendlich dankbar für die

medizinische Behandlung, finanzielle Unterstützung

und psychologische Hilfe, die wir erhalten haben“, so die

überglückliche Mutter.

Lilian war von Anfang an ein sehr komplizierter Fall. Ihr

fast noch durchsichtiger kleiner Körper wog ein halbes

Kilo und hatte keine vollständig geformten Lungen. Der

Inkubator wurde sofort nach der Geburt in einer eigenen

Abteilung des Krankenhauses isoliert und von einem

Spezialteam übernommen. Glücklicherweise hat

die Covid-Infektion die Genesung der kleinen Lilian

nicht beeinträchtigt. Sie wurde nach 14 Tagen negativ

getestet.

Helfen, wo Not ist

Dass die Geschichte für Lilian so gut ausgegangen ist, ist

den hochkompetenten Spezialisten des von den Maltesern

geführten Krankenhauses der Heiligen Familie zu

verdanken. Die Klinik ist die einzige im gesamten Westjordanland

mit einer hochmodernen gynäkologischen

Einrichtung. Jährlich werden hier rund 4.700 Kinder

geboren. Unabhängig von Religion, ethnischer Zugehörigkeit

oder Zahlungsfähigkeit der Patienten wird hier

jeder, der Hilfe benötigt, behandelt.

*Der Beitrag von Noemi Penna wurde aus dem Italienischen übersetzt

und gekürzt. Er darf mit freundlicher Genehmigung der Autorin hier

abgedruckt werden.Quelle: https://www.lastampa.it/topnews/primopiano/2021/04/15/news/bimba-prematura-di-27-settimane-positiva-alcovid-dimessa-dopo-106-giorni-di-terapia-intensiva-1.40155988

DIE MALTESER 2/2021 49


MEDIZINAKTUELL

WO LICHT IST, KANN AUCH

SCHATTEN SEIN

Mit Corona hat die Internetnutzung neue Dimensionen erreicht. Immer mehr Kinder sitzen stundenlang vor digitalen

Geräten, nutzen Apps und spielen Online-Games. Dies schürt Ängste bei den Eltern. Zu Recht?

„Es häuft sich die elterliche Sorge, dass die Kinder vom

Internet nicht mehr loskommen und sich dann in der

wirklichen Welt nicht mehr zurechtfinden könnten“,

bringt der Wiener Psychotherapeut Dominik Batthyány

das Thema auf den Punkt. „Die Digitalisierung hat

unseren Alltag grundlegend verändert, und Corona hat

diese Veränderung massiv beschleunigt. Sie zwingt uns

zur Anpassung. Das kann bei manchen Menschen zu

Problemen führen. Neue Medien und das Internet aber

generell zu dämonisieren, wäre der falsche Weg. Wie bei

allem im Leben und in der Medizin macht auch hier die

Dosis das Gift.“

Können Eltern also ganz beruhigt sein? Sehen wir uns

einmal den neuen Corona-Alltag von Kindern an: Durch

das Homeschooling sind viele verstärkt in den Kontakt

mit digitalen Medien gekommen. Gleichzeitig ist der reale,

persönliche Kontakt mit Freunden stark gesunken.

Von Katharina Stögner

Dieser fehlende Kontakt mit Gleichaltrigen macht es

Kindern schwer, ihre eigene Identität und ein gesundes

Wir-Gefühl zu entwickeln. Vor allem beim Einstieg in

die erste Klasse Volksschule und nach einem Wechsel

in eine andere oder weiterführende Schule spielen diese

Mechanismen eine grundlegende Rolle für die weitere

soziale Entwicklung der Kinder und einen natürlichen

Ablösungsprozess von den Eltern.

Strategien zur Problemlösung

Damit nicht genug, wurden vielen Kindern – und auch

Erwachsenen – gelernte und erprobte Problemlösungsstrukturen

genommen. Dominik Batthyány: „Wir sind

gewohnt, mit Problemen von außen oder mit Gefühlen,

die von innen auf uns zukommen, umzugehen. Dazu

entwickelt jeder für sich ganz unterschiedliche Strategien

und Ventile. Die einen suchen sich Hobbies wie

Theaterspielen, die anderen betreiben Sport oder verab-

50

DIE MALTESER 2/2021


MEDIZINAKTUELL

reden sich mit der besten Freundin. Durch die Corona-

Pandemie wurden beziehungsweise werden viele dieser

Problemlösungsstategien unterbunden. Viele Dinge,

die zur persönlichen Stabilisierung wichtig waren, sind

weggefallen. Hier können Computerspiele oder soziale

Medien ein Ersatz sein beziehungsweise zur neuen Problemlösungsstrategie

werden, wenn keine andere zur

Verfügung steht.“

Hat die neue Medienwelt die Kinder einmal in ihren

Bann gezogen, „sind die Kids total abwesend“ und „überhaupt

nicht mehr erreichbar“, wie Eltern zunehmend

klagen. Oder es kommt zu „ständigen Streitereien“, obwohl

die Familienstruktur grundsätzlich intakt ist. „Ich

stelle dann häufig fest, dass der Grund für diese Unruhe

im Fehlen eines funktionierenden Rahmens für die Mediennutzung

liegt. Die meisten Familien haben einfach

noch nicht festgelegt, wie mit den jeweiligen Medien

in der Familie umgegangen werden soll“, so Batthyány.

„Ich prüfe dann die Situation anhand von Fragen an

das Kind. Wenn es Kontakt mit Freunden hat, Interessen

nachgeht, Freude an anderen Aktivitäten hat, sich

psychisch stabil und nicht außergewöhnlich belastet

zeigt, habe ich wenig Sorge, dass es mediensüchtig ist.

Vielmehr gehe ich davon aus, dass das Kind gerade im

Sog des Computerspielens gefangen ist und erst lernen

Dr. Dominik Batthyány ist Psychotherapeut in eigener

Praxis in Wien und Spezialist auf dem Gebiet der

Beobachtung von Verhaltensformen im Umgang mit sozialen

Medien und virtuellen Technologien. Er ist Gründer

und Leiter der Therapie- und Beratungsstelle für

Verhaltenssüchte/Mediensucht und Leiter des Instituts

für Verhaltenssüchte an der Sigmund Freud Privatuniversität

in Wien.

ONLINE-FASTEN ODER „DIGITAL DETOX“

Erwachsene sollten nicht nur auf das Online-Verhalten ihrer Kinder achten. Sie sollten sich auch selbst beobachten

und kritisch hinterfragen: Warum tue ich dies oder das im Internet? Ist das notwendig? Ist das noch ein

gesundes Maß? Nutze ich das Internet als einen Rückzugsort, um Konflikten aus dem Weg zu gehen, um mit

niemanden reden, keine Fragen beantworten oder mich Problemen nicht stellen zu müssen?

Versuchen Sie immer wieder einmal bewusst, auf Internet, Fernsehen, Online-Spiele und das Handy zu verzichten.

Diese Art des Fastens ist sehr gesund und hat eine gute Vorbildwirkung für die eigenen Kinder. Wir zeigen

ihnen auf diese Weise, dass auch wir Erwachsene immer wieder für uns abklären müssen, ob wir in einem Sog

gefangen sind, ob wir noch ausreichend Zeit für uns selbst haben, für die Dinge und Menschen, die uns wichtig

sind – oder ob das Internet diese Zeit auffrisst.

Wie schon Paracelsus sagte: „Dosis facit venenum.“ Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist. Alle Dinge

sind Gift, und nichts ist ohne Gift.

DIE MALTESER 2/2021 51


MEDIZINAKTUELL

muss, es richtig zu dosieren – angeleitet durch einen

Rahmen, der in der Familie aufgestellt werden muß.“

Soziale Medien als wichtiger Ankerpunkt

Kritisch wird es dann, wenn das Kind das Interesse an

anderen Dingen, am Kontakt mit anderen Menschen,

verliert und die Online-Welt scheinbar zum einzigen

Interesse geworden ist. „Versuchen Sie herauszufinden,

wie es Ihrem Kind geht“, rät Batthyány, „zeigen Sie Interesse

an dem, was Ihr Kind tut.“ Eltern

sollten anerkennen, dass Computerspiele

und die sozialen Medien ein

wichtiger Teil des Lebens von jungen

Menschen geworden sind. Das gilt in

der Schule ebenso wie in der Freizeit.

Arbeitsgruppen in der Schule stimmen

sich über WhatsApp ab, Gruppenarbeiten

werden über Online-Tools organisiert,

und so gehört es auch dazu, bei

Online-Spielen nach dem Schulunterricht

Spaß zu haben. „Die Jugendlichen

müssen sich verstanden fühlen. Die Eltern

sollten die Online-Interessen ihres

Nachwuchses daher nicht als etwas Unwichtiges abtun“,

so Batthyány. Es ist hilfreich, wenn es gelingt, sich immer

wieder die Frage zu stellen; „Wie geht es meinem

Kind eigentlich?“. Es ist wichtig, mit den Kindern im

Gespräch zu bleiben, ihnen das Gefühl zu geben, dass

sie mit ihren Fragen und Problemen immer kommen

können und nichts zu befüchrten haben.

Natürlich muss sich die Internet-Aktivität der Kinder

auch im Rahmen halten. Für junge Menschen ist es

wichtig, eine Struktur zu haben, die Orientierung gibt.

Das gilt auch für die Freizeit. Batthyány: „Im Bann des

Bildschirms werden Gedanken und Gefühle gebunden,

man schaltet ab und denkt in dieser Zeit nicht an die

eigenen Gefühle. So können auch negative Gefühle und

Probleme verdrängt werden. Kinder haben noch nicht

die Impulskontrolle, sich bewusst und ohne Unterstützung

diesem Sog entziehen zu können und zu sagen:

‚Okay, Schluss mit dem Spielen, jetzt kümmere ich mich

um meine Hausaufgaben.‘“

Sicherer Rahmen und Alternativen

Zugegeben: Dem Nachwuchs Regeln für Online-Zeit

und eine gesunde Mediennutzung mitzugeben, ist kein

einfaches Unterfangen. Dennoch: Es braucht diesen

Rahmen, der Sicherheit vermittelt und das Verhalten

regelt. Wichtig ist, konsequent zu bleiben und immer

auch Alternativen anzubieten. Eltern sind eingeladen zu

überlegen, was sie mit Kindern gemeinsam unternehmen

könnten, wofür sie sie begeistern oder welche zusätzlichen

Interessen sie wecken und etablieren könnten.

Egal, ob Musikunterricht, Tanzgruppe, fixe Treffen

mit Freunden auf dem Spielplatz oder Radfahren und

Sporteln mit der ganzen Familie sind gute Alternativen

zum Online-Gaming.

Und wie schon gesagt: Das Internet darf nicht verteufelt

werden. Batthyány: „Es ist in vielen Bereichen – gerade

in dieser Krisenzeit – hilfreich. Es ermöglicht uns, Essen

online zu bestellen, online einzukaufen und sich alles

nach Hause vor die Tür liefern zu lassen. Es gibt großartige

Kultur-, Unterhaltungs- und Fortbildungsangebote

im Internet und natürlich wichtige Kontaktmöglichkeiten.

Habe ich mich früher mit einem Freund extra getroffen,

um ihm mein Herz auszuschütten, kann ich das

heute über einen Videocall machen. Menschen, die sehr

alleine, nicht mobil oder vielleicht an einem anderen

Ort sind, kann man auf diese Weise sehen und hören.

Das gibt ein gutes Gefühl von Gemeinschaft – sowohl

für Kinder als auch für Erwachsene.“

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DIE MALTESER 2/2021


GELESENEMPFOHLEN

DIE BIBEL

IN REIMEN

Ein Buch für die ganze Familie

Von Michael Prügl

Die „Bibel in Reimen“ ist das bisher herausforderndste

Projekt, dem sich Thomas Brezina gestellt hat. Ursprünglich

mit 100 Seiten veranschlagt, entstand im

Laufe eines Jahres ein Buch mit 370 vollillustrierten

Seiten und einem Gewicht von 1,2 Kilogramm.

Schon länger arbeitete der beliebte Kinderbuchautor

Thomas Brezina an verschiedenen Projekten in

Reimform. Eines Tages kam die Idee, die Bibel in dieser

Form zu gestalten, um den Geschichten aus dem

Buch der Bücher auf den Grund zu gehen. In Reimen

zu schreiben zwingt einen dazu, den Kern einer Sache

zu erkennen und auszudrücken. Ursprünglich wurde

das Projekt „Bibel in Reimen“ als Kinderbibel geplant,

doch im Arbeitsprozess stellte sich heraus, dass hier

ein weit größeres Werk entsteht und nicht nur Kinder

angesprochen werden: Die Bibel ist ein Buch für die

ganze Familie.

Antworten auf wichtige Fragen

Großartige Illustrationen von Pablo Tambuscio treffen

auf die präzisen Reime des Bestseller-Autors. Die berührenden

Geschichten aus dem alten und dem neuen

Testament werden dadurch neu erzählt und beleuchtet.

Sie geben Antworten auf Fragen, die sich nicht nur

Autor und Illustrator während der Textarbeit gestellt

haben, sondern die auch Leser immer wieder aufwerfen.

Mit der „Bibel in Reimen“ drückt Brezina Hoffnung,

Glaube und Zuversicht aus und verzichtet dabei auf

Standardsätze und Allgemeingültiges. Im letzten Kapitel

„Sieh die Welt als großen Garten“ heißt es etwa:

„Staune über Gottes Wunder, fühle in dir seine Kraft.

Statt auf andere zu warten, sei der Mensch, der Gutes

schafft.“ Sätze wie diese können ob ihrer Schönheit tatsächlich

zu Tränen rühren.

Thomas Brezina. Die Bibel in Reimen. Joppy Verlag, März 2021.

368 Seiten, ISBN 978-3-99001-466-0, 24,95 Euro

DIE MALTESER 2/2021 53


GELESENEMPFOHLEN

DES ESS MA MIA AM LIABSTN

Die Passauer MALTESER haben ein Kochbuch herausgebracht und sammeln damit

Spenden für finanziell benachteiligte Mitmenschen. Gemeinsam mit dem MALTESER-

Projekt „Mahlzeiten-Patenschaften“ eine schöne Idee zum Nachmachen!

Von Rosemarie Krenn

Das Kochbuch bietet nicht nur köstliche Rezepte aus der

großen und bunten Malteserwelt. Es ist ein großartiges

Gemeinschaftswerk, auch optisch eine Augenweide, und

der Erlös kommt einem sozialen Zweck zugute. Die Idee

dazu hatte die Altöttinger Dienststellenleiterin Elvira Dittler.

Gemeinsam mit der Referentin Soziales Ehrenamt,

Rosmarie Krenn, setzte sie sie in die Tat um. Die beiden riefen

Haupt- und Ehrenamtliche, Senioren und Menschen,

die den Maltesern nahestehen, auf, ihre Lieblingsrezepte

auszuwählen und sie in einer gemeinsamen Kochaktion

zuzubereiten. Begleitet von einem professionellen Fotoshooting

wurden die Gerichte in Szene gesetzt.

Köstliche Küche für die Praxis

Die Speisen sind einfach zu kochen oder zu backen und

enthalten keine ausgefallenen Zutaten – eine Küche für

die Praxis eben! Durch Zugabe des jeweiligen Lieblingsgewürzes

lässt sich jedem Gericht noch eine persönliche Note

verleihen. Der Reinerlös des Buches kommt dem Sozialen

Ehrenamt der Malteser zugute. „Wir sind in vielen Bereichen

aktiv, um beeinträchtigten Mitmenschen und Senioren,

einsamen Menschen und solchen, die in einer schwierigen

Lebenslage sind, beizustehen, sie zu unterstützen

und Freude und Licht in ihren oft nicht leichten Alltag zu

bringen“, erklärt Rosmarie Krenn. „Des ess ma mia am

liabstn“ ist nicht nur ein ganz tolles Kochbuch, sondern

auch eine nette Geschenkidee, die Gutes tut.

Bestellmöglichkeiten:

E: rosmarie.krenn@malteser.org, T: +49 0 851 95666 45,

18 Euro, zzgl. Versandkosten

Mancher mag es gar nicht glauben, dass in unserer Überflussgesellschaft,

in der täglich Tonnen von guten Lebensmitteln

im Abfall landen, Menschen hungern müssen.

Doch es gibt auch in unseren Breiten viele arme

Menschen, die unverschuldet in diese Situation gekommen

sind und die sich nicht einmal ein warmes Essen am

Tag leisten können. Gesprochen wird darüber meistens

nicht. Die Scheu der Menschen, Hilfe auch nur zu suchen,

geschweige denn anzunehmen, ist groß. Altersarmut ist

nicht salonfähig und findet hinter verschlossenen Türen

statt.

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DIE MALTESER 2/2021


GELESENEMPFOHLEN

UND MORGEN TREFFEN

WIR UNS GESTERN

Eine Geschichte über Demenz, die Mut macht.

Das Leben hört nicht auf, weil jemand an Alzheimer erkrankt.

Doch die Zeit, wie wir sie kennen, existiert für

Demenzkranke nicht mehr. Der Tag beginnt nicht mehr

am Morgen und endet nicht mehr am Abend. Mit Alzheimer

lebt man nur im Hier und Jetzt.

Aber ist Leben im Hier und Jetzt nicht das, was wir alle

machen sollten? Diese Frage stellt Pfleger Micha der

Medizinstudentin Anna, welche einen Patienten mit

Spitznamen Fisch während seiner Demenzerkrankung

begleitet. Sie wird dabei von Professor Luck unterstützt.

Jedoch hört Anna nicht immer auf den Rat des Professors.

Sie beschließt, Fisch seinen letzten Traum zu erfüllen

und fliegt mit ihm kurzerhand nach Rom, um

sich dort mit dessen Jugendliebe und Exfrau Sophia zu

treffen. Auf der turbulenten Reise lernt Anna nicht nur

mehr über die Krankheit Demenz, sondern auch über

den Sinn des Lebens.

Neue Perspektiven

Mit dieser aufklärenden und zugleich romantischen

Damit genau diese Menschen nicht in Vergessenheit geraten,

haben die Malteser vor einigen Jahren das Projekt der Mahlzeiten-Patenschaften

ins Leben gerufen. Das Prinzip ist ganz

einfach: Die Malteser suchen nach Paten, die ihnen Geld zur

Verfügung stellen. Die Spenden kommen in einen großen Topf

und die Malteser machen sich gezielt auf die Suche nach Menschen,

denen es an Mitteln fehlt, sich wenigstens einmal am Tag

etwas Anständiges zu essen zu leisten. Die Malteser liefern das

Essen kostenlos an die Empfänger aus.

Informationen: www.malteser-passau.de

Von Gloria Krenn

Geschichte eröffnet der

Autor und Arzt, Dr. med.

Carsten Lekutat, in seinem

Roman „Und morgen

treffen wir uns gestern“

eine ganz neue

Perspektive auf Demenz. Gedanken, Gefühle

und Eindrücke ab der Frühdiagnose bis zur fortgeschrittenen

Krankheit werden ausführlich erzählt.

Für die Angehörigen ist es oft schwer zu verstehen, was

bei Demenz passiert. Beim Lesen des Buches hat man

die Chance, Einblicke in die Gefühlswelt eines Demenzpatienten

zu bekommen, und vielleicht ermöglicht dies

auch den Angehörigen, die Erkrankten besser zu verstehen.

Leben auf eine andere Art

Vor allem bezieht sich Carsten Lekutat auf den Aspekt,

dass Demenz nicht unbedingt von Traurigkeit oder Unglück

begleitet wird. Vielmehr ist es ein Leben auf eine

andere Art, die auch Glück und Freude miteinschließt.

Das Buch ist sehr verständlich und einfach

zu lesen. Im Anhang führt der Autor durch

eine kurze wissenschaftliche Abhandlung.

Er klärt auf, wie man Demenz erkennt, wie

man vorbeugen kann, wie man den Verlauf

einer bestehenden Erkrankung verlangsamt

und was es bedeutet, achtsam durchs Leben

zu gehen.

Dr. med. Carsten Lekutat. Und morgen treffen wir

uns gestern. Eine Geschichte über Demenz, die

Mut macht. Becker Joest Volk Verlag GmbH & Co. KG,

2. Auflage April 2018, 180 Seiten, ISBN 978-3-

95453-144-8, 20,90 Euro

DIE MALTESER 2/2021 55


„EXODUS 90“ – WENN DER

NAME PROGRAMM IST

90 Tage, um sich von Gewohnheiten zu befreien. 90 Tage Verzicht und Gebet, um frei für

Gott zu werden. Johannes Reinprecht, Leiter des Instituts für Ehe und Familie, im Interview

über seine Selbsterfahrung mit der Askese-Challenge „Exodus 90“.

Welche Rolle spielen Spiritualität und Glaube in

Ihrem Leben und im Leben Ihrer Familie?

Einerseits eine sehr große Rolle und andererseits eine immer

noch zu kleine Rolle, denn ich ringe darum, ein noch

hingebungsvollerer Mann für Christus zu sein. Die innere

Freundschaft mit Christus halte ich für das Wesentlichste

im Glauben. Alles Weitere – Caritas, Gebete, Zeit für andere

– fließt aus dieser Freundschaft.

Wie sind Sie auf „Exodus 90“ aufmerksam geworden?

Ich hatte schon einmal davon gehört, doch es brauchte

noch einen Freund, der mir von seiner persönlichen Erfahrung

damit erzählt hat. Das ist wohl die wirksamste

Evangelisationsmethode – etwas zu tun, sich für etwas

zu interessieren, weil es jemand tut, dem ich vertraue, der

mir nichts verkaufen will, der mich einfach an seiner Freude

teilhaben lassen will, der es mir vergönnt, diese wunderbare

Erfahrung auch machen zu können. Das hat mich

überzeugt. So habe ich mich sofort angemeldet.

Was haben Sie sich erwartet und wie haben Sie sich

vorbereitet?

Es gibt eine organisierte Vorbereitungsphase, in der jeder

für sich das Warum, das persönliche Ziel, definiert. Es

sollte möglichst konkret sein, Außenwirkung haben und

der Familie, der Kirche, einem anderen Menschen dienen.

Dann bin ich ins kalte Wasser gesprungen. Begleitet hat

mich dabei eine App am Mobiltelefon, die durch die 90

Von Katharina Stögner

Tage führt. Es wird für jeden Tag ein Text aus dem Buch

Exodus und das Tagesevangelium zum Lesen und Reflektieren

angeboten. Zusätzlich gibt es Askeseübungen – wie

etwa kalt zu duschen, der Verzicht auf gesüßte Getränke,

auf Alkohol, Nikotin, Kaffee, aber auch auf oft subtil ablenkende

Gewohnheiten, wie zum Beispiel zwischen den

Mahlzeiten irgendetwas zu essen, fernzusehen oder nicht

erbauliche Musik zu hören. Es geht dabei nicht um Askese

um der Askese willen, sondern darum, frei zu werden

von schlechten Gewohnheiten und Platz zu schaffen für

die Vertiefung der persönlichen Beziehung mit Christus.

In einem Tagesrückblick überlegt man, was gelungen ist,

wofür man dankbar ist, wofür man Gott um Hilfe bittet.

Die App zeigt laufend an, was man von seinem Pensum

absolviert hat, motiviert für das, was noch bevorsteht und

lobt für das, was man geschafft hat – ein fast spielerischer

Zugang, der wohl gerade Männer besonders anspricht.

Gibt es gemeinsame Treffen in Gruppen?

Zu Beginn gab es bei uns ein Zoom-Treffen in der Großgruppe

von rund 60 Männern. Da werden die Regeln erklärt

und Kleingruppen zu in etwa acht Personen gebildet. Diese

Kleingruppen treffen sich dann wöchentlich für 30 Minuten,

wegen Corona leider nur online. Jeder der „Mitbrüder“

berichtet dabei in 90 Sekunden, wie es ihm ergangen ist.

Was hat Ihnen beim Durchhalten geholfen?

In diesen 90 Tagen durchläuft man persönlich unterschiedlichste

Phasen, Höhen und Tiefen. Zunächst über-

56

DIE MALTESER 2/2021


RUNDSCHAU

Wie haben Sie sich am 91. Tag gefühlt?

Es war eine stille Freude da, dass ich es geschafft habe. Ich

habe Gott Danke gesagt. Es war schön, ein Bier zu trinken

und etwas Süßes zu essen. Aber das war mir gar nicht

so wichtig. Viel wichtiger war, dass ich in den 90 Tagen

ein Stück Freiheit errungen habe. Es ist schön, frei von

Frustnaschen und Pausenespresso zu sein; frei von der

Angewohnheit, mit Musik zu laufen oder an der U-Bahn-

Station die E-Mails zu checken.

wiegt die Begeisterung, dann stellt sich Gewohnheit ein

und es kommt die erste Krise. Dabei hilft die wöchentliche

Gruppe bzw. der „anchor“ – ein Kollege aus der Gruppe,

für den man und der für einen betet und mit dem man

sich regelmäßig austauscht, um einander zu stärken. Dieses

Miteinander und auch das tägliche Lesen der Texte aus

der Bibel helfen sehr. Sie sind gezielt gewählt und gut auf

die Phasen, die man während des Programms durchläuft,

abgestimmt.

Was würden Sie Menschen sagen, die sich überlegen,

an „Exodus 90“ teilzunehmen?

Versuch’ es einfach, wenn du den Eindruck hast, das könnte

etwas für dich sein! Probier’s! Wenn man es schafft, ist es ein

großer Gewinn. Wenn man nicht bis zum Ende durchhält,

ist das ja keine Tragödie. Man nimmt auf jeden Fall viel mit

beziehungsweise kann man es nächstes Mal ja wieder neu

versuchen.

Wie ist es Ihrer Familie während der Challenge

ergangen?

Sie war sehr positiv, unterstützend und rücksichtsvoll.

Sie haben meinen „Exodus“ keinesfalls belastend erlebt.

Das ist auch wichtig! Die Erfinder dieses Programms legen

großen Wert darauf, dass man vor allem mit seiner Ehefrau,

aber auch mit seiner Familie darüber gesprochen und

Einvernehmen hergestellt hat. Es geht um Befreiung, aber

nicht über die Liebe zur Familie hinaus.

Was war das Schwierigste bei der Challenge?

Eiskalt zu duschen war die schwierigste Übung für mich.

Geholfen hat mir dabei, dass ich sie für jemanden aufgeopfert

habe. Wenn mir das brutal kalte Wasser über den Rücken

gelaufen ist, habe ich eine Sekunde meinen Exodus-

Brüdern „geschenkt“ und eine Sekunde für die beruflichen

Herausforderungen geopfert. Das Opfer, dass man aus Liebe

zu jemanden gibt, wirkt. Dieses Bewusstsein hat mich

die Übung mit Freude tun lassen – damit war es leichter.

Was war Ihre wichtigste Erfahrung bei

„Exodus 90“?

Das war das Erlebnis, nicht allein zu sein. Ich war Teil einer

Gruppe mit sympathischen, jungen, modernen Männern –

alles Menschen, bei denen ich das Gefühl hatte: Da ist ein

Drive, da geht man gemeinsam diesen Weg. Die Spannung

und Grenzen sind gut gehalten worden und haben nie ein

gesundes Maß überschritten. Ich kann „Exodus 90“ nur

empfehlen. Ich werde es wieder machen.

WAS IST „EXODUS 90“?

Der Titel bezieht sich auf das Buch Exodus: Gott nahm sein Volk an der Hand und führte die Israeliten aus Ägypten und aus

der Sklaverei heraus. Im übertragenen Sinn werden Männer in diesem Programm an der Hand genommen und sanft ohne

Zwang und ohne Gruppendruck zur Befreiung von inneren Zwängen, Süchten und Abhängigkeiten von Materialismus und

Konsum geführt. Das Programm basiert auf den Kernelementen Gebet, Askese und Männergemeinschaft. Es lehrt Enthaltsamkeit

in einem sehr umfassenden, befreienden Sinn. Weitere Informationen: https://exodus90.com/

Ein ähnliches Programm gibt es auch für Frauen. Wir werden es in der nächsten Ausgabe von „Die MALTESER“ vorstellen.

DIE MALTESER 2/2021 57


RUNDSCHAU

Gerold bei einem Rombesuch mit den MALTESERN in der

Sixtinischen Kapelle

ERÖFFNUNG

ENDE 2021

Jetzt anmelden!

DANKE, DASS DU BEI UNS WARST!

Traurigen Herzens mussten wir Abschied nehmen von Gerold

Emathinger, der am Gründonnerstag im 24. Lebensjahr

in den Armen seiner Familie friedlich eingeschlafen ist. In

seinem Lachen und seinen freundlichen Augen war Gottes

Liebe spürbar. Seine Geduld, Dankbarkeit, Ausdauer und

Freundlichkeit waren vorbildlich. Gerold ist viel herumgekommen

– nicht nur aufgrund seiner häufigen Krankenhausaufenthalte

zwischen Wien, Passau und Chiemsee. Vor

allem war Gerold mit uns Maltesern auf Reisen. Wir sind gemeinsam

nach Lourdes gepilgert, waren in Venedig, Padua,

Loretto, Mariazell und 2015 in Rom. Der absolute Höhepunkt

dort war der Besuch der Sixtinischen Kapelle. Gerold

konnte solche Räume mit seiner einzigartigen Akustik und

Stimmung besonders wahrnehmen und genießen. Danke,

Gerold, dass wir dich begleiten durften!

MALTESER

ORDENSHAUS

Das neue MALTESER Ordenshaus wird

als Senioren- und Pflegewohnheim in 1030

Wien ab Ende 2021 die Aufgaben des derzeitigen

Hauses Malta übernehmen.

Sie können sich ab sofort anmelden oder

voranmelden!

WIR TRAUERN UM

+ 25.03.2021

Alexander Reichsgraf Schaffgotsch

Ehren- und Devotions-Ritter

+ 01.04.2021

Gerold Emathinger

Betreuter Bereich Oberösterreich

+ 01.06.2021

Heidi Gräfin zu Castell-Castell

Mitglied Bereich Salzburg


www.malteser-ordenshaus.at

R.I.P.

58

DIE MALTESER 2/2021


RUNDSCHAU

MITARBEITER GESUCHT!

Unser Team im Haus Malta, das bald ins neue Ordenshaus übersiedelt, wächst! Wir suchen zusätzliche

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die verschiedensten Bereiche. Auf www.malteserjobs.at finden Sie

unsere aktuellen Stellenausschreibungen. Werden Sie Teil eines engagierten Teams in einem modern eingerichteten

und neu gestalteten Ordenshaus, in dem Gemeinschaft, Nächstenliebe und Wohlfühlen für die

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